Financial Times Deutschland, 31.08.2010, S. 14
VON Martin Kaelble und Mathias Ohanian, Berlin
Der ostdeutsche Arbeitsmarkt liefert so gute Zahlen wie nie seit der Wiedervereinigung. "Ostdeutschland steht wesentlich besser da als in der Vergangenheit", sagte Eckart Tuchtfeld, Arbeitsmarktexperte bei der Commerzbank. Das habe demografische Gründe. "Es sind aber auch die Früchte der strukturellen Verbesserungen der vergangenen 15 Jahre, einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit ostdeutscher Firmen."
Heute werden die Arbeitsmarktzahlen für August von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht. Dabei könnte die saisonbereinigte Zahl der Menschen ohne Job in Ostdeutschland erstmals seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik unter eine Million fallen. Bereits seit Juli 2009 sinkt die Zahl ostdeutscher Arbeitsloser ohne Unterbrechung. Auch die Arbeitslosenquote sinkt seit mehr als einem Jahr stetig und lag im vergangenen Monat nur noch bei 11,9 Prozent. "In einigen Regionen wie dem Fläming oder in einzelnen Teilen Sachsens liegt die Rate bereits unter der in westdeutschen Problemgebieten wie Bremen oder dem Ruhrgebiet", sagte Herbert Buscher, Arbeitsmarktexperte am Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Die guten Arbeitsmarktzahlen sind auch deshalb bemerkenswert, weil die ostdeutsche Industrie weniger exportorientiert ist als die westdeutsche und damit geringer vom Boom der letzten Monate direkt profitiert hat.
Die Entwicklung ist allerdings nur zum Teil das Ergebnis von strukturellen Verbesserungen der ostdeutschen Wirtschaft. Eine wichtige Ursache ist letztlich auch die Abwanderung von Arbeitnehmern in den Westen der Republik. "Das verringert die Zahl der erwerbsfähigen Menschen und senkt damit die Arbeitslosenquote automatisch", sagte Roland Döhrn, Konjunkturchef am Forschungsinstitut RWI.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: "Jüngere Generationen von Ostdeutschen verbringen mehr Zeit mit Studium und Kindererziehung als vorangegangene Generationen und entlasten damit die Arbeitslosenstatistik", sagte Hilmar Schneider, Experte vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.
Der Jobaufbau dürfte in den kommenden Monaten in ganz Deutschland anhalten. Darauf deutet auch das vom Ifo-Institut exklusiv für die FTD berechnete Beschäftigungsbarometer für August. Der Index für Beschäftigungspläne der bundesweit befragten Firmen schwächte sich nur minimal von 105,8 auf 105,7 Punkte ab. "Die Perspektiven für die Arbeitsmarktentwicklung sind unverändert günstig", sagte Klaus Abberger, Umfragechef beim Ifo-Institut in München.
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: