Financial Times Deutschland, 30.04.2008, Nr. 84, S. 18
Deutsche Firmenchefs werden wegen der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Schwächephase zunehmend zurückhaltender beim Einstellen neuer Mitarbeiter. Doch gibt es Unterschiede zwischen den Branchen. Dies signalisierte das Beschäftigungsbarometer für April, welches die Forscher des Münchner Ifo-Instituts exklusiv für die FTD ermittelten.
„Das Bauhauptgewerbe hält sich bei Einstellungen zunehmend zurück“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger. Hingegen klagten Metaller und Maschinenbauer weiterhin über einen Mangel an Fachkräften. Die Einzelhändler wiederum planten, ihr Personal „behutsam“ zu erhöhen.
Doch der Einzelhandelsverband HDE zeigte sich in einer FTD-Umfrage unter Verbänden nicht ganz so zuversichtlich wie die Firmen selbst. „Vermutlich werden die Händler in diesem Jahr nicht weiter einstellen. Wir gehen daher eher von einer Stagnation aus“, sagte HDE-Experte Heribert Jöris. Die Einzelhändler kämen mit den im Vorjahr zusätzlich rekrutierten Mitarbeitern klar.
Auch die Chemiearbeitgeber rechneten unterm Strich nicht mit Neueinstellungen in der Branche. Vielmehr werde sich die Zahl der Beschäftigten „stabilisieren“, hieß es beim Arbeitgeberverband. Dabei gehen die Experten davon aus, dass der Produktionszuwachs um die Hälfte schrumpft. Das solle die Beschäftigung aber nicht drosseln.
Schlecht sieht es für die Bauarbeiter aus. Die Branche erwartet für 2008 im Durchschnitt 7000 Stellen weniger als im vergangenen Jahr. Es könnte aber noch stärker bergab gehen, wenn die Wirtschaftslage sich verschlechtere, sagte Ilona Klein, Sprecherin des Bauverbands ZDB.
Dagegen waren die Maschinenbauer euphorisch, ihr Geschäft boomt. „Wir werden im laufenden Jahr 30 000 neue Arbeitsplätze schaffen“, sagte Marlies Schäfer, Sprecherin des Branchenverbands VDMA. Bereits 12 000 Mitarbeiter stellten die Firmen in diesem Jahr ein. Und sie suchten weitere 18 000 Fachkräfte. Momentan hat die Branche 942 000 Mitarbeiter.
Währenddessen herrscht bei den durch die Finanzkrise gebeutelten Banken Verunsicherung. Eine Vorhersage beim Personal sei deshalb schwer möglich, hieß es bei den Arbeitgebern der privaten Banken: „Es ist unsicher, in welche Richtung das Pendel in diesem Jahr ausschlagen wird.“ Nach einer Hochrechnung der Gewerkschaft Verdi werden die Banken in diesem Jahr 8000 Jobs abbauen.
Die Autobauer hoffen, dass sie unterm Strich nicht mehr Leute entlassen als einstellen, hieß es beim Automobilverband VDA. Doch BMW will 2008 etwa 8000 Stellen abbauen und dabei auf 7000 Zeitarbeiter verzichten. Auch der Reifenhersteller Conti plant, im Zuge der Übernahme von Siemens VDO 2000 Jobs zu streichen. Im vergangenen Jahr hatte die Branche rund 745 000 Beschäftigte.
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