Financial Times Deutschland, 27.08.2008, Nr. 167, S. 18
Das miserable Geschäftsklima in Deutschland hat den Euro auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten fallen lassen. Er rutschte zeitweise bis auf 1,4571 $, bevor er sich wieder etwas erholte. Die sich eintrübenden Konjunkturaussichten für die Euro-Zone haben die Gemeinschaftswährung in den vergangenen vier Wochen auch gegenüber dem japanischen Yen, dem kanadischen Dollar oder gegenüber skandinavischen Währungen, wie etwa der norwegischen Krone, abwerten lassen.
Am Geldmarkt spekulierten Anleger verstärkt auf Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese würde die Attraktivität des Euro mindern und vor allem kurzfristige Staatsanleihen attraktiver machen. Zweijährige Bonds profitierten von dieser Aussicht.
Die Wetten auf eine Zinssenkung schon im Dezember stiegen um etwa 10 bis 20 %. Zuvor war der Ifo-Index für August auf 94,8 Punkte gesunken nach 97,5 Zählern im Juli. Analysten hatten dagegen mit einem Minirückgang auf 97,1 Punkte gerechnet. „Mit so einem Ergebnis hat wohl nicht einmal der pessimistischste Volkswirt gerechnet“, sagte Devisenmarkt-Analyst Lutz Karpovitz von der Commerzbank.
Am Nachmittag holte der Euro einen Teil seiner Verluste wieder auf. „Der Markt hat realisiert, dass das, was an EZB-Zinssenkungen eingepreist wurde, angesichts der aktuellen Inflationsdaten in der Euro-Zone nicht realistisch war“, sagte Michael Klawitter, Devisenanalyst von Dresdner Kleinwort. Gleichwohl habe der Ifo gezeigt, dass man Erholungsphasen des Euro nicht trauen sollte, zumal viele Anleger Stärkephasen des Euro ausnutzten, um ihre Bestände abzubauen.
Karpovitz verwies dagegen auf die kräftige Abwärtsbewegung des Euro der vergangenen Wochen. „Der Markt war einfach noch nicht so weit für einen weiteren Abschwung“, sagte er. Eugen Keller, Analyst beim Bankhaus Metzler, führte die späte Erholung des Euro auf den kräftigen Anstieg des Ölpreises am Nachmittag zurück.
Trotz schlechter Euro-Nachrichten misstraut Keller der relativen Dollar-Stärke. „Wer sagt uns, dass die USA nicht bald ein neues Kapitel in der Kreditkrise aufschlagen“, fragt Keller. Die größte Zerstörungskraft an den Finanzmärkten hätten noch immer Nachrichten aus den USA.
Zu den wenigen Währungen, die sich im vergangenen Monat noch schlechter als der Euro entwickelt hatten, gehört das britische Pfund. Auch gestern wertete es weiter ab. Zum Dollar erreichte es den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Auslöser waren schlechte Nachrichten vom Immobilienmarkt: Im Juli wurden nur 22 448 neue Hypothekenanträge bewilligt und damit rund 65 % weniger als im Vorjahr. Der Wert liegt nahe eines Zehnjahrestiefs, das im Juni erreicht wurde.
Die Ratingagentur Standard & Poor’s berichtete zudem, dass eine wachsende Zahl der Briten ihre Hauskredite nicht mehr bedienen können. Von den schlechten Wirtschaftsnachrichten profitierten auch britische Anleihen.
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