Financial Times Deutschland, 27.03.2008, Nr. 60, S. 9
Allen Mahnungen zum Trotz hat sich die Stimmung der Unternehmen im März sogar noch verbessert. Der Geschäftsklimaindex legte von 104,1 auf 104,8 Punkte zu, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) gestern mitteilte. Für das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer befragen die Forscher jeden Monat rund 7000 Firmen. Diese schätzten sowohl ihre aktuelle Lage als auch ihre Erwartungen besser als im Februar ein. „Offensichtlich ist die Finanzkrise nicht in der Realwirtschaft angekommen“, sagte Ifo-Experte Hans Günter Russ.
Der Klimaindex kletterte bereits das dritte Mal in Folge nach oben. Für Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort zeigt dies, dass das schwierige Umfeld die Unternehmen kaum beeindruckt. „Die Belastungsfaktoren, die derzeit auf die Wirtschaft einprasseln, die Sorgen über eine Rezession in den USA, der Wechselkurs und anderes hinterlassen überraschend wenig Spuren in der Industrie“, sagte er.
Die Ökonomen zögern wegen der Finanzkrise jedoch, eine Trendwende auszurufen, wie sie ein dreimaliger An- oder Abstieg des Index üblicherweise anzeigt. Auch der hohe Ölpreis werde bei den Firmen als Risiko gesehen, sagte Russ.
Mit Ausnahme des Einzelhandels besserte sich die Stimmung in allen Firmen der gewerblichen Wirtschaft, besonders bei der Industrie. „Das Geschäft brummt noch immer“, sagte Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch.
Nachdem die Einzelhändler im Februar einen Stimmungssprung hingelegt hatten, beurteilen sie ihre Lage nun nicht mehr ganz so gut. Angesichts der Zurückhaltung der Verbraucher sei das Ergebnis in diesem Sektor dennoch überraschend, sagte Véronique Riches-Flores, Europa-Chefvolkswirtin bei der Société Générale. Zudem haben die Händler Russ zufolge Aussichten, dass die Konsumenten angesichts höherer Löhne und besserer Jobaussichten bald tiefer in die Tasche greifen. So hatte die Metall- und Elektroindustrie nach jüngsten Angaben zum Jahresbeginn so viele neue Arbeitsplätze geschaffen wie seit 40 Jahren nicht mehr.
Experten halten die Chance für groß, dass die Wirtschaft auf solidem Wachstumspfad bleibt. „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Konjunktur mit Jahresbeginn an Schubkraft gewonnen hat“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.
Im ersten Quartal dürfte die Wirtschaft ähnlich stark zugelegt haben wie vor einem Jahr, sagte Rubisch. Damals waren es 0,6 Prozent. Sein Kollege Russ sagte: „Ein Konjunktureinbruch wie in den USA zeichnet sich bei uns mit Sicherheit nicht ab.“ Dort zeigten jüngste Daten abermals nach unten. Die Bestellungen für Maschinen sanken. Auch die Immobilienmarktkrise verschärfte sich.
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