Financial Times Deutschland, 27.03.2008, Nr. 60, S. 16
Weder die Finanzkrise noch der harte Euro haben den deutschen Firmen im März die Laune verdorben. Sie schätzen ihre aktuellen und künftigen Geschäfte sogar noch besser ein als im Februar. Das ergab die gestern veröffentlichte monatliche Umfrage des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo). „Noch optimistischer als im Vormonat schätzen die Unternehmen trotz des hohen Euro-Kurses ihr künftiges Exportgeschäft ein“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zu der Befragung von rund 7000 Firmen.
Der Index für das Geschäftsklima stieg den dritten Monat in Folge. Damit stehen die Unternehmen bislang sehr robust da. Und das trotz eines rauen Gegenwinds: Neben dem heftigen Ölpreisanstieg und dem rekordhohen Euro müssen sie die Folgen von US- und Finanzkrise verkraften. Das gute Geschäftsklima schürte bei Experten die Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur glimpflich davonkommt, sondern auch weiter solide wächst.
Der starke Euro, der gestern um 1,57 $ notierte, habe nur begrenzt negative Folgen für die Firmen, sagte Ifo-Experte Hans Günter Russ, der für die wichtigste monatliche Konjunkturumfrage in Deutschland verantwortlich ist. „Wir wissen aus früheren Umfragen, dass der Euro-Kurs nicht die entscheidende Rolle spielt.“
Inzwischen wickeln die Exporteure nach Angaben der Bundesbank vier Fünftel ihres Geschäfts in Euro ab. Im Jahr 2002 war es erst knapp die Hälfte, wie es bei der Europäischen Zentralbank hieß.
Tatsächlich verbesserten sich die Exportaussichten dem Münchner Ifo-Institut zufolge noch einmal zum Vormonat. „Und sie waren ohnehin schon auf hohem Niveau“, sagte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. Die bislang vorliegenden Daten bestätigen die Umfrage. Zum Jahresbeginn war das Geschäft der Exporteure auf Hochtouren gelaufen: Sie hatten ihre Ausfuhren im Januar um 3,8 Prozent zum Vormonat gesteigert. Das war ein Plus von 9,0 Prozent zum Vorjahr und der größte Zuwachs seit August 2007. Auch die März-Umfrage unter deutschen Einkaufsmanagern der Industrie stützte das gute Bild. Vor allem der Teilindex für die Auftragseingänge legte kräftig zu.
Der harte Sanierungskurs der vergangenen Jahre kommt den Firmen nun zugute. „Die deutschen Unternehmen sind unglaublich gut aufgestellt“, sagte Sebastian Wanke, Volkswirt der Deka-Bank. Sie hätten Kosten gespart und hohe Gewinne eingefahren. Aus diesen könnten sie sich nun finanzieren – statt auf teure Bankkredite angewiesen zu sein. Dies ist Ökonomen zufolge ein wichtiger Grund, dass die Finanzkrise bislang keine tiefen Spuren in der deutschen Firmenlandschaft hinterlassen hat. „Der Motor läuft offensichtlich weiter rund“, sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort.
Hinter dem Exporterfolg steht aber auch die besondere Warenstruktur deutscher Firmen, sagen die Experten. Deutsche Maschinen und Anlagen sind international begehrt. „Die Spezialisierung auf Kapitalgüter steht hinter der guten Verfassung der Firmen“, sagte Véronique Riches-Flores, Volkswirtin bei der Société Générale.
Allerdings rechnen Experten trotz des Superstarts zum Jahresbeginn künftig mit schwächeren Geschäften. „Das Umfeld ist mit steigenden Rohstoffkosten, einem starken Euro und höheren Finanzierungskosten unverändert rau“, sagte Commerzbank-Volkswirt Matthias Rubisch.
Auch die Bundesbank hatte kürzlich gewarnt, der starke Euro werde die Umsätze der Exporteure längerfristig drücken. Der Grund: Eine dauerhafte Aufwertung der Gemeinschaftswährung könnten die Firmen nicht komplett auf die Preise überwälzen. Auf hart umkämpften Märkten etwa könnten sie gerade mal ein Achtel der Kursänderung durch höhere Entgelte auffangen, hieß es in einer Studie der Bundesbanker.
Riches-Flores sah ebenso wie HSBC-Ökonom Sartoris steigende Chancen für ein kräftigeres Wachstum im ersten Halbjahr als bislang erwartet. „Das legt die Ifo-Umfrage nahe, selbst wenn der aktuelle Aufwärtstrend des Euro und der Ölpreisanstieg die Aussichten für die zweite Jahreshälfte eintrüben“, sagte die Ökonomin.
Immerhin rechnet der Außenhandelsverband BGA im Jahresverlauf mit einem schwächeren Euro. In den kommenden fünfeinhalb Monaten werde der Kurs zwar weiter zwischen 1,50 und 1,60 $ liegen, sich dann aber zwischen 1,40 und 1,50 $ einpendeln. Dies könnte die Ausfuhren anschieben. Der BGA jedenfalls schätzt den Zuwachs in diesem Jahr auf 5,0 Prozent .
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