Financial Times Deutschland, 27.02.2008, Nr. 41, S. 14
Nach dem dramatischen Rückgang der Konsumausgaben Ende 2007 setzen Experten ihre Hoffnungen jetzt auf eine Belebung in den nächsten Wochen. Eine Bestätigung dafür sahen Optimisten gestern im Anstieg der Geschäftsklimawerte, die das Ifo-Institut für Februar bei deutschen Einzelhändlern ermittelt hat.
Wie das Münchner Institut gemeldet hat, gab es im Einzelhandel erstmals seit elf Jahren wieder mehr zuversichtliche Antworten als skeptische. Der entsprechende Saldo stieg von minus 17,5 auf plus 1,3 Prozent. Dies habe stark dazu beigetragen, dass sich der Geschäftsklimaindex für die gewerbliche Wirtschaft insgesamt von 103,4 auf 104,1 Punkte verbesserte.
Viele Konjunkturexperten hatten schon 2007 mit einer Erholung des Konsums gerechnet. Dazwischen kamen dann aber höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise. Wie das Statistikamt Destatis gestern meldete, sanken die Konsumausgaben im vierten Quartal daraufhin sogar um 0,8 Prozent zum Vorquartal.
Die neue Ifo-Umfrage lege nahe, dass die Konsumenten bald wieder in die Geschäfte gehen, sagte Holger Schmieding, Europa-Chefvolkwirt der Bank of America. „Da die Belebung am Arbeitsmarkt anhält, stützt dies unsere Erwartung einer Erholung des Konsums im laufenden Jahr", sagte Antje Hansen von HSBC Trinkaus.
Obwohl die Branche nur einen Anteil von 14 Prozent an den gut 7000 monatlich befragten Unternehmen hat, trug die Erholung stark zur Besserung des Gesamtklimas in der Wirtschaft bei. Dabei verbesserte sich die Lageeinschätzung, die Erwartungen trübten sich dagegen wieder etwas ein.
Für die Bauwirtschaft registrierte das lfo-Institut einen Rückgang des Geschäftsklimas; der Index fielt sogar stark. Die Großhändler meldeten dagegen einen leichten Zuwachs; Auch das deute darauf hin, dass Deutschlands Konsumenten zum Wachstum in diesem Jahr beitragen, sagte Timo Klein, Volkswirt beim Beratungsdienst Global Insight. „Der Februarwert des Ifo-Index stützt, unsere Sicht, dass der jüngste Einbruch an den Aktienmärkten vor allem die Risiken des Banksektors spiegelt." Dies müsse sich nicht unbedingt entsprechend auf die Ausgabenpläne der Menschen niederschlagen.
Gegen einen allzu starken Kon- sumaristieg sprechen allerdings die schlechten Konsumzahlen für Ende 2007. Den Rückgang begründeten Experten unter anderem mit dem Anstieg der Inflation, der sich auch zu Jahresbeginn noch fortgesetzt hat und mit den erneuten Ölpreisrekorden einen weiteren Schub erhalten könnte.
Nach Berechnung von Andreas Scheuerle von der Deka-Bank wurde der Zuwachs der verfügbaren Einkommen im vierten Quartal zu 70 Prozent durch Preissteigerungen aufgezehrt. Der Konsumeinbruch bremste den Anstieg des Bruttoinlandsprodukts gegenüber Vorquartal allein um 0,4 Prozentpunkte, wie Destatis meldete; dies erklärt rechnerisch somit das Nachlassen des Gesamtwachstums der Wirtschaft von 0,7 Prozent im Sommer auf nur noch 0,3 Prozent zum Jahresende. „Die Preisschocks bei Nahrungsmitteln und Energie haben das Wachstum unter den Trend gedrückt", sagte Schmieding.
Zum Rückgang der Ausgaben trug neben der Inflation auch die Tatsache bei, dass die Verbraucher einen nochmals gestiegenen Teil ihrer Einkommen sparten. Die Sparquote schnellte im vierten Quartal von 10,7 auf 11,2 Prozent hoch, den höchsten Wert seit 1995. Das deute auf eine massive Verunsicherung der Haushalte hin, sagte Scheuerle. „Lieber jetzt einen Euro zur Seite legen, falls es wirtschaftlich schlechter kommt als gedacht, war die Devise." Es könnten wie zum Jahresende üblich auch deutlich mehr Riesterverträge abgeschlossen worden sein.
Optimisten versuchten, auch aus der erhöhten Sparneigung noch Hoffnung zu schöpfen. „Das Geld ist offensichtlich da", sagte Ulrike Kastens, Expertin bei der Bank Sal. Oppenheim. So einen starken Zuwachs der Ersparnisse hat es in den vergangenen Jahren nicht einmal nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer Anfang 2007 gegeben. Damals war sie nur um 0,4 Prozentpunkte gestiegen.
Als Stütze erwies sich Ende 2007 wieder die deutsche Exportwirtschaft. Die Exporte stiegen gegenüber dem Sommer noch mal um 1,3 Prozent. Die Ausrüstungsinvestitionen legten sogar um 3,4 Prozent zu. Allerdings dürfte ein Teil auf vorgezogene Ausgaben zurückgehen. Anfang 2008 liefen die günstigeren Abschreibungsbedingungen aus.
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