Financial Times Deutschland, 25./26./27.04.2008, Nr. 81, S. 1
Deutschlands Wirtschaftswachstum steuert nach einem guten Start ins Jahr auf eine längere Schwächephase zu. Die Stimmung der Unternehmenschefs trübte sich im April deutlich ein. Das wichtigste Konjunkturbarometer, der Ifo-Index, fiel von 104,8 auf 102,4 Punkte. Das war der niedrigste Wert seit Januar 2006.
„Nach dem Zwischenhoch zu Jahresanfang 2008 sprechen die neuen Umfrageergebnisse für eine langsamere Gangart der Konjunktur“, sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Die bremsenden Einflüsse der Finanzkrise, die seit Mitte 2007 sichtbar waren, hätten wieder die Oberhand gewonnen.
Noch im Januar hatte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) gesagt, er sehe nicht, „dass wir zu einer raschen, durchgreifenden Depression kommen, sondern ich sehe Wachstumschancen für die Weltwirtschaft“. Die Hoffnung, dass Finanzkrise, drohende US-Rezession und immer neue Rekorde bei Euro und Öl nur geringe Spuren hinterlassen, haben sich nun aber vorerst zerschlagen. Unter Volkswirten ist allerdings umstritten, wie lang die Schwäche anhalten wird.
Hatten die Unternehmen im ersten Quartal noch von einer Besserung der Lage berichtet, ging die Einschätzung jetzt wieder zurück. Im historischen Vergleich liegt dieser Wert aber immer noch auf hohem Niveau. Alarmierend wirkte dagegen, dass sich die Erwartungen deutlich eintrübten. Die Unternehmer blickten so pessimistisch in die Zukunft wie seit August 2005 nicht mehr.
„Die Finanzkrise wird die deutschen Unternehmen erst noch so richtig erfassen“, sagte Uwe Angenendt, Chefvolkswirt der BHF-Bank, mit Blick auf die nächsten Monate. Er erwarte, dass die Banken ihre Kreditvergabe deutlich einschränken werden.
Die Forscher befragen jeden Monat rund 7000 Unternehmen zu ihren Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate und dazu, wie sie ihre aktuelle Lage einschätzen.
Auch der starke Euro hinterlässt zunehmend Spuren in den Auftragsbüchern: Erst am Mittwoch hatten Umfragen unter Einkaufsmanagern der deutschen Industrie ergeben, dass die Exportbestellungen nicht mehr so stark zunehmen wie zuvor. Auch die Ifo-Ergebnisse deuten auf verlangsamte weltweite Nachfrage.
Pessimisten erwarten sogar einen Wachstumsdämpfer bis ins nächste Jahr hinein. Dem widerspricht die Regierung aber: „Im Jahresverlauf 2009 stellt sich eine Erholung ein“, sagte Glos am Donnerstag bei der Vorstellung der Wachstumsprognose für 2008 und 2009. Demnach erwartet Berlin dieses Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,7 und für 2009 noch von 1,2 Prozent. Bereinigt um die unterschiedliche Zahl von Arbeitstagen beider Jahre liegen die Prognosen jedoch kaum auseinander.
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