Financial Times Deutschland, 30.06.2008, Nr. 125, S. A2
Trotz vieler Absichtserklärungen kommen die Fusionsgespräche der angeschlagenen Landesbanken kaum voran. Besonders Vertreter der Sparkassen kritisieren das und drohen, ihre Beteiligungen an den Landesbanken zu verkaufen, wenn die sich nicht bald einigen. Die Idee: Die sieben Landesbanken sollen zu zwei bis drei Instituten verschmelzen.
Doch kürzlich wurden Stimmen laut, die die geplante horizontale Fusion kritisieren: Sie löse das Problem der Landesbanken nicht. „Besser als Zusammenschlüsse untereinander wäre die vertikale Fusion mit Sparkassen“, sagt Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts in München. Den Landesbanken fehle ein funktionierendes Geschäftsmodell. Als Girozentralen der Sparkassen konzentrierten sie sich bisher auf das Geschäft mit einigen Tausend Großkunden. Sie gaben Kredite aus, mit denen sich kleinere Institute überhoben hätten.
Nach dem Wegfall der Gewährträgerhaftung ist die Refinanzierung für die Landesbanken teurer geworden, die Gewinnmargen im Großkundengeschäft sinken. In den Augen des Ifo-Präsidenten sollten Sparkassen und Landesbanken in Zukunft gemeinsame Sache machen: Die Sparkassen mit ihrem weitverzweigten Filialnetz sammeln Spargelder ein und vergeben Mittelstandskredite. Für das Großkunden- und Kapitalmarktgeschäft sind sie allerdings zu klein. Hier sind die Landesbanken wiederum kompetent – und bekommen durch die niedrigverzinslichen Gelder der Sparkassenkunden günstige Mittel zur Refinanzierung. Sparkassen und Landesbanken ergänzten sich so zur Universalbank.
Anderer Meinung ist Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands: Er sieht keine Synergieeffekte zwischen Sparkassen und Landesbanken. Dabei sind die bisherigen Erfahrungen mit vertikalen Zusammenschlüssen positiv: Die Landesbank Baden-Württemberg ging aus einer solchen Fusion hervor. Sie zählt heute nach Bilanzsumme zu den zehn größten Kreditinstituten in Deutschland. Auch die Landesbank Berlin hat sich eine Sparkasse einverleibt, und die Landesbank Hessen-Thüringen hat vor wenigen Jahren die Frankfurter Sparkasse erfolgreich übernommen.
Nach der Finanzkrise befürchten Experten aber, dass die in Schieflage geratenen Landesbanken so viel Wert vernichten, dass sie die Sparkassen mit in den Abgrund ziehen. Deshalb fordert Haasis, dass das Problem zunächst dort gelöst werden muss, wo es entstanden ist, nämlich bei den Landesbanken.
Trotz scharfer Kritik weiß der Sparkassenpräsident um die Bedeutung der Landesbanken: „Die Sparkassen brauchen sie als Spezialdienstleister.“ Dazu sei aber nicht die heutige Anzahl an Landesbanken notwendig. Diese Meinung teilt auch Christian Ude, Oberbürgermeister von München: „Die Zukunft der Landesbanken liegt auf den klassischen Geschäftsfeldern von Sparkassenzentralbanken – als Verbund- und Dienstleistungsunternehmen der Sparkassen.“
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: