Financial Times Deutschland, 24.06.2009, Nr. 118, S. 14
Trotz des weiter verbesserten Geschäftsklimaindex fürchtet Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn für die Weltwirtschaft große Rückschlagsgefahren. „Das Hauptproblem ist die Unterkapitalisierung des Bankensystems mit den hohen stillen Lasten, die noch nicht offengelegt sind“, sagte er auf der Jahresversammlung des Münchner Forschungsinstituts. Der IWF hat den Abschreibungsbedarf für die Banken weltweit auf 4050 Mrd. $ geschätzt. Davon seien aber erst 1120 Mrd. $ in den Büchern der Institute verdaut, so Sinn.
Sorgen bereite ihm auch, dass eine Reihe von Ungleichgewichten fortbestehen, die in die Krise geführt haben: Die US-Verbraucher etwa sparten weiterhin nicht. So wurde in den USA 2008 rund fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts an Kapital importiert – also mehr Geld ausgegeben als erwirtschaftet. „Die Amerikaner leben weiter über ihre Verhältnisse“, sagte Sinn. Entgegen vieler Experten hält er nicht Inflation, sondern japanische Verhältnisse mit jahrelanger Deflation für viel wahrscheinlicher. Da er auf Dauer eine deutlich niedrigere Nachfrage nach Gütern und Leistungen erwartet.
Sinn relativierte damit das Ergebnis eigener Umfragen: Am Montag hatte das Institut gemeldet, dass der bei 7000 Firmen ermittelte deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni zum dritten Mal in Folge leicht gestiegen sei. „Ich weiß auch nicht, woher die besseren Erwartungen kommen“, so Sinn. Im Epizentrum des Bebens, in den USA, gebe es weiter keine Beruhigung: Die Hauspreise fielen bislang weiter.
Nach Meinung des Ifo-Präsidenten sollte der Staat mit Eigenkapitalbeteiligungen bei den Banken einspringen. Bad Banks führten nicht zum Ziel, da diese nur für eine temporäre Liquiditätskrise geeignet seien. „Die Banken sind aber in einer Solvenzkrise: Sie haben Werte in den Bilanzen, die nicht wiederkommen, selbst wenn sich die Konjunktur wieder erholt.“ Im Gegenteil: Durch die zunehmenden Firmeninsolvenzen, Probleme bei US-Kreditkartenkunden und aus dem 53 000 Mrd. $ umfassenden Kreditderivatemarkt drohten den Instituten neue große Verluste.
Von Angela Maier
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