Financial Times Deutschland, 15.11.2007, Nr. 222, S. 18
Vor allem die Investitionen haben das deutsche Wachstum im dritten Quartal getrieben. „Die Firmen haben eine hohe Kapazitätsauslastung. Deshalb müssen sie in Erweiterungen investieren", sagte Wolfgang Nierhaus, Konjunkturexperte am Münchner Ifo-Institut. Zudem haben Ökonomen zufolge viele Unternehmen geplante Anschaffungen vorgezogen, um noch von den günstigen Abschreibungssätzen zu profitieren, die bis zum Jahresende gelten.
Von Juli bis September legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent zu, wie das Statistikamt Destatis gestern meldete. Gegenüber dem zweiten Quartal gewann die Wirtschaft damit an Schwung; damals betrug das Plus nur 0,3 Prozent. Die Firmen investierten den Statistikern zufolge mehr in Ausrüstungen und Bauten als im Frühjahr. Bei den Konsumausgaben gebe es aber nur einen „moderaten Zuwachs". Im Unterschied zum Vorquartal gingen vom Außenhandel keine Wachstumsimpulse mehr aus. Details legen die Statistiker am 22. November vor.
Dank gut gefüllter Auftragsbücher produzierten viele Firmen im Sommer am Rande ihrer Möglichkeiten. Im dritten Quartal lag die Kapazitätsauslastung der Maschinen und Anlagen laut Ifo-Institut bei 86,8 Prozent, genau wie im Frühjahr. „Die Unternehmen wollen mehr investieren", sagte Stefan Kooths vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Erweitern Betriebe ihre Kapazitäten mit neuen Maschinen, so steigt ihr Kapitalstock. Dadurch entstehen im Gegensatz zu Rationalisierungsinvestitionen mehr Arbeitsplätze.
Davon profitieren besonders die Maschinen- und Anlagenbauer. Bei ihnen gingen von Juli bis September zwölf Prozent mehr Aufträge ein als im Vorjahr. Selbst aus dem Inland lag das Plus bei acht Prozent.
Viele Unternehmen ziehen zudem geplante Käufe vor. Denn noch bis zum Jahresende können Firmen ihre Investitionen beschleunigt abschreiben, ab Beginn des kommenden Jahres gelten schlechtere Bedingungen. Das kam im dritten Quartal neben den Herstellern von Maschinen auch den Fahrzeugbauern zugute. „Die Firmen nutzen noch die geltenden Abschreibungsbedingungen, um ihren Fuhrpark zu verjüngen", sagte Andreas Scheuerle von der Deka-Bank. Er rechnet mit weiteren Vorzieheffekten bis zum Jahresende.
Wie in Deutschland stieg auch in der Wirtschaft der gesamten Euro- Zone das BIP um 0,7 Prozent zum Vorquartal nach 0,3 Prozent im Frühjahr. Der starke Zuwachs ändert Experten zufolge aber nichts am schwachen Konjunkturausblick für die nächsten Quartale.
Ein deutlich schwächeres Wachstum zeichnet sich ab: „Die Bremswirkung der EZB-Zinserhöhungen wird durch die Finanzmarktkrise, die massive Verteuerung von Energie und die Aufwertung des Euro noch verstärkt", sagte Christoph Weil von der Commerzbank. Diesem Abwärtssog kann sich auch Deutschland nicht entziehen. „Es wird ein schwaches viertes Quartal folgen", sagte Scheuerle. Doch während er darauf setzt, dass die Konsumenten künftig tiefer in die Tasche greifen, rechnet die Commerzbank mit weniger Schwung beim privaten Verbrauch. Die Ökonomen der Bank of America sagen für den Herbst ein Wachstum von 0,4 Prozent und für Anfang 2008 einen Anstieg von 0,3 Prozent voraus.
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