Financial Times Deutschland, 06.12.2007, Nr. 237, S. 18
Der Rekord des Ifo-Beschäftigungsbarometers hat Hoffnungen verstärkt, dass die Turbulenzen auf den Finanz- und Devisenmärkten das Geschäft der Firmen in Deutschland weniger belasten als bisher befürchtet."Das hohe Beschäftigungsbarometer könnte signalisieren, dass die Firmen die Risiken durch die Finanzkrise jetzt wieder geringer einschätzen", sagte Kai Carstensen, Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, das den Indikator exklusiv für die FTD berechnet.
Wegen der sich abzeichnenden Konjunkturabschwächung in den USA, den kräftig gestiegenen Ölpreisen sowie der Euro-Aufwertung haben in letzter Zeit die Risiken für die deutsche Konjunktur deutlich zugenommen. Zuletzt aber hat sich die Stimmung in der europäischen Industrie gegen den Trend in den USA leicht verbessert. Als eine der möglichen Ursachen für Deutschland nennen die Ökonomen der KfW Bankengruppe das Auslaufen günstiger degressiver Abschreibungsmöglichkeiten, weshalb sie einen Investitionsschub noch bis zum Jahresende erwarten.
Das Ifo-Beschäftigungsbarometer war im November um 2,6 Punkte kräftig auf den Rekordwert von 107,0 Punkten gestiegen. "Die Verbesserung dürfte vor allem auf die bessere Lageeinschätzung der Firmen zurückgehen", sagte Carstensen.
Das Ifo-Institut befragt jeden Monat rund 7000 Firmen aus der Industrie, dem Groß- und Einzelhandel sowie dem Baugewerbe zu ihren Stellenplänen in den nächsten drei Monaten. Ein hoher Indexwert bedeutet, dass per Saldo mehr Unternehmen Jobs schaffen wollen als Jobs abbauen.
Vor dem Hintergrund expansiver Produktionspläne planten die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes vermehrt, ihren Personalbestand zu erhöhen, hieß es beim Ifo-Institut. Deutlich hätte der Groß- und Einzelhandel seine Pläne nach oben gesetzt. Selbst im Baugewerbe habe der Anteil der Firmen mit expansiven Jobplänen "geringfügig" zugenommen.
Kurz nach Ausbruch der Finanzkrise im Sommer hatte sich in den Jobplänen der Unternehmen noch eine Abschwächung abgezeichnet. Den Rückgang holte das Ifo-Beschäftigungsbarometer jetzt mit einem Schlag wieder auf und übertraf den bisherigen Rekordwert vom März. Es liegt bereits seit Ende 2006 auf einem historisch hohen Niveau - den Höchstwert aus dem vergangen Aufschwung übertraf es seitdem ständig.
Besonders seit dem Sommer legte auch die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Vorjahresvergleich von Mal zu Mal stärker zu. "Sollten wir noch ein-, zweimal solch starke Anstiege des Beschäftigungsbarometers sehen, können wir eine Beschleunigung des Jobbooms erwarten", sagte Carstensen.
Die guten Nachrichten für den Arbeitsmarkt kommen in einer Zeit, da sich die Konjunkturaussichten für Deutschland eintrüben. "Mit Blick auf die nächsten sechs Monate schwächten sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen auf hohem Niveau zuletzt erneut ab", sagte Carstensen.
So dürften die Investitionen gerade zu Beginn des nächsten Jahres nur noch sehr schwach wachsen, da dann vorgezogene Unternehmensanschaffungen mit den neuen Steuerregeln auszubleiben drohen. Auch vom Konsum sind derzeit noch keine großen Impulse zu erwarten.
So sanken die deutschen Einzelhandelsumsätze im Oktober nach vorläufigen Zahlen um 3,3 Prozent. Viele Ökonomen erwarten, dass der Konsum im nächsten Jahr zur wichtigsten Konjunkturstütze wird.
Experten gehen jetzt aber für das vierte Quartal von einer Stagnation des privaten Verbrauchs aus. Wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte, fiel der Absatz im Oktober auch in der Euro-Zone - um 0,7 Prozent. Die Befragung von Einkaufsmanagern der Dienstleistungsfirmen in Deutschland ergab zudem, dass die Unternehmen ihre Geschäfte langsamer ausweiten wollen als im Vormonat. Der entsprechende Index fiel im November um zwei Punkte auf 53,1 Punkte. Der Wert für die Euro-Zone gab von 55,8 auf 54,1 Punkte nach.
Der starke Jobaufbau dürfte jedoch zunehmend schwerer werden. Denn schon seit Längerem klagen Firmen in Deutschland darüber, kaum noch qualifizierte Bewerber zu finden. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) warnte erst in dieser Woche vor der bremsenden Wirkung des Fachkräftemangels in Deutschland. Das Institut schätzt, dass der deutschen Volkswirtschaft durch den Engpass im vergangenen Jahr 18,5 Mrd. Euro verloren gegangen sind. Das macht gut 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Insgesamt seien 165.000 Stellen für Hochqualifizierte unbesetzt geblieben. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) schlägt ebenfalls Alarm. "Der zunehmende Engpass bei ausgebildeten Fachkräften und bei Fachkräften mit Hochschulabschluss beschneidet insbesondere kleine und mittlere Unternehmen in ihrem Entwicklungspotenzial", sagte Arndt Kirchhoff, Vorsitzender der BDI-Mittelstandsausschusses.
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