Financial Times Deutschland, 05.07.2007, Nr. 128, S. 16
Der deutsche Arbeitsmarkt wird im Sommer von einem sehr hohen Bedarf an Arbeitskräften in den Unternehmen profitieren. Das ist das Ergebnis des Ifo-Beschäftigungsbarometers, das das Münchner Institut exklusiv für die FTD berechnet. Der Index lag im Juni mit 106,3 Punkten nur wenig unter dem Niveau des Vormonats.
„Der Indikator blieb im positiven Bereich und lässt somit eine weiter steigende Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitkräften erwarten", sagte .Hans RUSS vom Ifo-Institut. Die Forscher befragen gut 7000 Unternehmen nach ihren Jobplänen für die jeweils kommenden drei Monate.
Die Aussichten auf einen kräftigen Jobaufbau sind besonders für die Einzelhändler ein positives Signal - sie können darauf hoffen, dass die Verbraucher wieder deutlich mehr Geld ausgeben. Die Konsumbereitschaft der Deutschen hatte sich im Juni spürbar verbessert, nachdem die Mai-Umsätze der Einzelhändler nach vorläufigen Angaben stark eingebrochen waren.
Besonders in der Industrie geht der Jobboom in den nächsten Monaten ohne Unterbrechung weiter: Im verarbeitenden Gewerbe bewerteten die Unternehmen ihren Personalbestand weiterhin als zu klein, erläuterte das Ifo-Institut die Umfrage. Die Unternehmen würden noch mehr Personal einstellen wollen als zuvor. Der Optimismus in den Geschäftserwartungen habe zwar insgesamt nachgelassen, doch die Produktionspläne seien vermehrt auf Expansion ausgerichtet.
Zu dem leichten Rückgang des Barometers kam es allein durch die nachlassende Einstellungsbereitschaft im Groß- und Einzelhandel. „An den Beschäftigungsplänen im Baugewerbe hat sich nichts Wesentliches verändert", schreiben die Ökonomen weiter. Bestätigung gibt es aus Nürnberg: Der beeindruckende Jobaufbau setzte sich nach dem jüngsten Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA) bis in den April fort. Bis dahin reichen die BA-Daten zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland. Sie stieg den vierten Monat in Folge mit mehr als zwei Prozent zum Vorjahr. Auch hier gab es zwar eine Verlangsamung, die mit einem Rückgang von 2,5 auf 2,3 Prozent jedoch sehr leicht ausfiel. Im Jahr zuvor hatte es in keinem einzigen Monat so starke Zuwächse gegeben wie in den ersten vier Monaten 2007.
Erneut stiegen im Osten Deutschlands die sozialversicherungspflichtigen Stellen mit drei Prozent stärker als im Westen, wo sie um 2,1 Prozent zunahmen. Am stärksten profitierten die unternehmensnahen Dienstleister von den Zuwächsen. Auch die Verkehrsunternehmen und das Gastgewerbe stellten deutlich mehr Leute ein.
Gestützt wird das Ergebnis des Ifo-Beschäftigungsbarometers vom Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA-X). Er deutet ebenfalls auf einen kräftigen Jobaufbau in den Sommermonaten: Im Juni war er um zehn Punkte oder fünf Prozent im Vergleich zum Vormonat kräftig gestiegen.
Vor allem die Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern habe deutlich zugenommen, hieß es bei der BA. Auch brauchten die Unternehmen deutlich länger, um die angeboten Stellen zu besetzen. Zusammen mit der hohen Nachfrage zeige dies erste Knappheiten auf der Bewerberseite an. Insgesamt signalisiere der Index eine anhaltend hohe Einstellungsbereitschaft in der deutschen Wirtschaft.
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