Frankfurter Rundschau, 24.02.2010, S. 13
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Februar gesunken, während Analysten mit einem Anstieg gerechnet hatten. Der wichtigste deutsche Frühindikator für die Konjunktur stieg erstmals seit zehn Monaten nicht mehr, sondern fiel von 95,8 Punkten auf 95,2 Zähler, wie das Ifo-Institut mitteilt.
Mehr noch, die Unternehmen bewerteten ihre aktuelle Lage ungünstiger als im Januar und ihre Geschäftsaussichten für das nächste halbe Jahr etwas positiver als im Vormonat. Ökonomen hatten überwiegend mit einer genau umgekehrten Entwicklung der beiden Komponenten gerechnet, aus denen der Geschäftsklimaindex gebildet wird.
Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger rät, bei der Interpretation der Ergebnisse einer Umfrage unter rund 7000 Firmen diesmal genauer auf die Entwicklung der Wirtschaftssektoren zu achten. So habe sich das Geschäftsklima im Handel abgekühlt. Dies habe einen "starken Effekt" auf den Gesamtindex gehabt, sagte Abberger der Frankfurter Rundschau. Die Einzelhändler berichteten von einer erheblich schlechteren Geschäftslage als im Januar und einem viel trüberen Ausblick. Abberger sieht darin einen Einmaleffekt, der durch die kalte Witterung mitverursacht ist. Besonders stark habe dies auf das Geschäft mit Bekleidung durchgeschlagen.
Der Einzelhandel habe besonders unter dem kalten Winter gelitten, stimmt Dekabank-Volkswirt Andreas Scheuerle zu. Im Januar habe die Kälte den Winterschlussverkauf beflügelt, denn bei Frost verkauften sich die Restbestände der Winterware gut. Nun aber liege die Frühjahrskollektion in den Lagern, doch sei bei den Minus-Temperaturen für sie keine Kauflaune aufgekommen.
Auch die Bauwirtschaft leide unter dem Wetter, berichtet Abberger, doch füllten sich bei ihr die Auftragsbücher.
In der Industrie blieb das Geschäftsklima laut Ifo fast unverändert. Während sie mit ihrer Lage minimal unzufriedener war als im Januar, zeigte sie sich für die kommenden sechs Monaten erneut zuversichtlicher. Die Erwartungen der Industriefirmen für den Export seien deutlich gestiegen, sagt Abberger. Ihren Personalabbau wollten die Unternehmen stark verlangsamen. Der Ifo-Volkswirt kann sich vorstellen, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach der Stagnation im Schlussquartal 2009 im ersten Quartal 2010 wegen der Witterung sinkt - aber ohne dass dies die Rückkehr in die Rezession bedeuten würde.
Für den WestLB-Ökonomen Jörg Lüschow ist nach den Ifo-Zahlen im ersten Quartal ein leichter Rückgang des BIP wahrscheinlich. Doch lasse der Anstieg der Erwartungskomponente mittelfristig auf eine Fortsetzung der Konjunkturbelebung schließen.
Scheuerle hält eine Stagnation der Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal im Vergleich zum Schlussquartal für wahrscheinlich. Der Dekabank-Experte erwartet, dass die Ausfälle wegen der Witterung im nächsten Quartal nachgeholt werden. Insgesamt setzte sich die Konjunkturerholung fort. Sie bleibe aber holprig.
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