Focus.de, 23.02.2010
Eindringlich haben führende europäische Ökonomen vor einem Crash des Euro gewarnt. Die größte Gefahr für die europäische Gemeinschaftswährung bestehe in der überstürzten Aufnahme neuer Mitglieder, heißt es in einem Papier, das die „European Economic Advisory Group“ (EEAG) am Dienstag in Brüssel publik machte. Zur achtköpfigen EEAG zählt auch der Münchner Professor Hans-Werner Sinn.
Die Ökonomen betonen, der Währungsclub habe bislang einen Flächenbrand in Europa verhindert. Ohne den Euro wäre Griechenland längst am Boden, die Währung zerrüttet. An den Grenzen zur Euro-Zone türmten sich aber die Probleme. Länder wie Lettland und Ungarn seien daher bestrebt, möglichst rasch unter das schützende Euro-Dach zu flüchten. Ein Schritt, den es aus Sicht der EEAG-Experten tunlichst zu vermeiden gilt.
„Es ist unklug, wenn ein Land zu Krisenzeiten der Euro-Zone beitritt“, heißt es in der Studie. Die Europäische Zentralbank könnte gezwungen sein, ihre Geldpolitik zu lockern. Sollte sich die Krise verschärfen, kämen die bisherigen Euro-Mitglieder zudem in die brenzlige Lage, die neuen Schicksalsgenossen vor dem Bankrott zu bewahren. „Die Stabilität der gesamten Währungsunion wäre gefährdet.“
In einem FOCUS-Interview hatte Hans-Werner Sinn jüngst dafür plädiert, dass der Internationale Währungsfonds den hoch verschuldeten Griechen finanziell unter die Arme greift. „Noch geht es um überschaubare Beträge“, sagte Sinn. Eine Rettungsaktion würde zwar den Euro schwächen – das könne aber positive Folgen haben. Ein sinkender Wechselkurs würde den Export ankurbeln und Deutschland Wachstum bringen.
Der Fall Griechenland hat die Euro-Zone in die schwerste Krise ihre Geschichte gestürzt. Das Land steht nach Ansicht vieler Experten vor der Pleite, es hatte über Jahre seine katastrophale Lage verschleiert. Um einen Dominocrash zu verhindern, der auch Spanien oder Portugal zu Fall bringen könnte, basteln Beamte in mehreren EU-Ländern fieberhaft an Rettungsplänen. Die Griechen haben versprochen, einen rigiden Sparkurs einzuschlagen.
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