Finanzen.net, 23.02.2010
BRÜSSEL (Dow Jones)--Die European Economic Advisory Group (EEAG) rechnet für das laufende Jahr mit einem nur schwachen Wirtschaftswachstum im Euroraum. Wie die zur CESifo-Gruppe gehörige EEAG am Dienstag in Brüssel mitteilte, wird für 2010 ein Anstieg des aggregierten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,0% prognostiziert, nachdem das BIP 2009 um 4,0% eingebrochen war. Die Prognose basiert auf der Erwartung eines Weltwirtschaftswachstums von 2,3% und der Annahme, dass die künftige Konjunkturentwicklung von strukturellen Problemen belastet sein wird.
Dazu zählen die Konjunkturexperten unter anderem anhaltende Probleme im Bankensektor, die zu einer restriktiveren Kreditvergabe führen dürften. Dies werde zusammen mit der anhaltend schwachen Auslastung der Produktionsfaktoren einen stärkeren Anstieg der Investitionen verhindern. Zudem dürften schlechtere Arbeitsmarktbedingungen und geringe Lohnzuwächse sowie eine etwas höhere Inflation die verfügbaren Einkommen und damit den Konsum begrenzen. Allerdings rechnen die Experten für 2010 lediglich mit einer Inflationsrate von 0,9%.
Als spezielles Problem stellt die EEAG den Anpassungsbedarf der USA hinsichtlich Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit dar. Zwar betrachten die Experten einen Ausgleich dieser Bilanzen nicht als zwingend, doch weisen sie darauf hin, dass die fiskalische Situation der USA nach der Finanzkrise nicht mehr nur lang- sondern auch kurzfristig beunruhigend sei. So lägen die langfristigen Prognosen für das Haushaltsdefizit um 2 Prozentpunkte über den vor der Krise vorausgesagten Werten. Kurzfristig seien zweistellige Werte zu erwarten.
Die Entwicklung des Leistungsbilanzdefizits sieht die Expertengruppe wegen des sehr hohen Volumens der von Amerikanern im Ausland gehaltenen Vermögenswerte differenzierter. Diese Vermögenswerte überstiegen das Volumen des BIP und führten zu Erträgen, die den Schuldendienst der USA überstiegen. Dieses "Ertragsprivileg" erlaube den USA ein Leistungsbilanzdefizit von 4% des BIP ohne steigende Nettoauslandsverschuldung.
Allerdings stelle sich die Frage, ob die Finanzkrise nicht einige Grundlagen dieses Privilegs beschädigen werde. Die EEAG sieht vor dem Hintergrund möglicher Leistungsbilanzanpassungen und einer damit verbundenen Flucht aus dem Dollar das Risiko einer schnellen und übertriebenen Aufwertung des Euro.
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