Euro, 01.04.2010, S. 51
Die beste Art, an der Börse kein Geld zu verlieren, ist relativ einfach. Man besitzt einfach keine Aktien. Wem das zu radikal ist, nutzt die zweitbeste Möglichkeit, den Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts. Der hat gegenüber der kompletten Aktien-Abstinenz einen bestechenden Vorteil: Man kann dieses Stimmungsbarometer auch gewinnbringend einsetzen.
In den vergangenen Jahren lieferte die monatliche Umfrage bei mehr als 7000 Unternehmen jedenfalls gute Hinweise, wie sich der deutsche Standardwerteindex DAX weiterentwickeln könnte. Die Regel: Fällt der Geschäftsklimaindex dreimal in Folge, wird ein Verkaufssignal generiert. Steigt er nach einem Rückgang dreimal in Folge, gilt das als Einstiegssignal. In allen anderen Fällen behält man die aktuelle Position bei.
Das Klimabarometer besteht aus zwei Komponenten. Zum einen werden die Firmen nach der Einschätzung der aktuellen Situation gefragt, zum anderen geht es um die Erwartungen für die nächsten sechs Monate. Die Ergebnisse fließen gemeinsam in den Index ein.
Wie die Charts (siehe unten) belegen, hätte die unbedingte Treue zur Ifo-Regel Anleger 2008 vor dem Kursabsturz von mehr als 50 Prozent bewahrt. Und sie wären erst wieder im Juni 2009 an die Börse zurückgekehrt. Seitdem ist der DAX um 12,5 Prozent gestiegen.
Seit März 2009 stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex stetig an, Anleger sind also investiert. Bei der jüngsten Umfrage hingegen zeigten sich die Unternehmen erstmals skeptischer. Insbesondere die Einschätzung der aktuellen Situation lag deutlich unter der des Vormonats. "Es ist aber zu früh, um bereits von einer Trendwende zu sprechen", warnt Heino Ruland von Ruland Research. "In der aktuellen Situation ist es normal, dass hohe Erwartungen der Firmen nicht in jedem Fall auch so realisiert werden können."
Trotzdem sollten Anleger auf der Hut sein. Denn gerade die Erwartungskomponente ist fast so hoch wie zu den Spitzenzeiten des vergangenen Wirtschaftszyklus. Gut möglich, dass im Laufe des Jahres diese Hoffnungen weitere Dämpfer erhalten - und Anleger dann wirklich Geld verlieren.
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