dpa, 08.03.2006
München (dpa) - Die europäische Wirtschaft wird nach Einschätzung führender Wirtschaftsforscher in diesem Jahr um 2,0 Prozent wachsen. Damit werde Europa hinter der Entwicklung der meisten Länder in der Welt zurückbleiben, erklärte Konjunkturexperte Jan-Egbert Sturm, der einer Arbeitsgruppe von Volkswirten aus sieben Ländern angehört, am Mittwoch im Münchner ifo Institut. Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum in der Eurozone bei 1,4 Prozent gelegen. «Die Arbeitsmarktsituation wird sich nur marginal verbessern.»
Nach einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 8,5 Prozent im Euroraum im vergangenen Jahr sei für 2006 mit 8,2 Prozent zu rechnen, sagte Sturm. Die Entwicklung der kommenden Jahre hänge davon ab, wie die Staaten bei ihren Arbeitsmarktreformen vorankämen. «Die Ansätze sind in vielen Ländern gemacht, aber sie reichen noch nicht aus.» Die Wachstumsannahmen der Experten basieren auf einem angenommenen Ölpreis von etwa 60 Dollar je Barrel und einem Wechselkurs von etwa 1,20 Dollar je Euro in diesem Jahr.
Sorge bereitet den Volkswirten das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA. «Eine Korrektur der globalen Ungleichgewichte könnte zu einem andauernden Rückgang der Auslandsnachfrage nach europäischen Erzeugnissen sowie zu einem erhöhten Wettbewerb amerikanischer Firmen führen.» Eine solche Korrektur würde eine erhebliche Abwertung der amerikanischen Währung erfordern, hieß es. Wenn zugleich allerdings die amerikanische und weltweite Produktion abgesenkt werde, steige das Risiko einer Finanzkrise, warnten die Experten.
Die «European Economic Advisory Group», zu der unter anderem ifo- Präsident Hans-Werner Sinn gehört, fordert einen Abbau der strukturellen Budgetdefizite im Euroraum. «Dies würde eine weniger restriktive Geldpolitik ermöglichen.» Zur Umsetzung schlagen die Experten Anreize für die Haushaltsdisziplin vor, die durch die Reform des Stabilitätspaktes im vergangenen Jahr verwässert worden seien. Wenn die EZB etwas höhere Inflationsraten um etwa 2,5 Prozent als Ziel vorgäbe, lasse das mehr Spielraum für niedrigere Zinsen, sagte Sturm.
In den vergangenen Jahren seien die konjunkturelle Entwicklung und die Wachstumsstrategien der EU-Länder unterschiedlich gewesen, sagte ifo-Forschungsprofessor Frank Westermann. Aus seiner Sicht sollte den Ländern auch künftig kein einheitliches Wachstumsmodell übergestülpt werden. Es habe sich gezeigt, dass Reformen am Arbeitsmarkt einen höheren Stellenwert hätten als beispielsweise Investitionen in Informationstechnologie und Telekommunikation.
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: