Donaukurier, 04.02.2008
Zu den Wortführern gegen das Öko-Benzin und andere Formen der Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen zählt Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger. Der Bäckermeister und Unternehmer bekommt die vermeintlichen Folgen des Umstiegs von der Lebensmittel- zur verstärkten Energieproduktion am eigenen Leib zu spüren. Die Preise für Milch, Weizen und andere Rohstoffe seien geradezu explodiert, klagt Traublinger, doch die Betriebe könnten die höheren Kosten im harten Wettbewerb nicht vollständig an die Kunden weiterreichen. Die Folge: Viele Bäcker und andere Handwerker müssten auf der Ertragsseite kleinere Brötchen backen. Deshalb lässt Traublinger in Sachen Bioenergie gewaltig Dampf ab. Es sei "zutiefst unethisch", Rohstoffe für Nahrungsmittel zu verbrennen, tönt der Handwerkspräsident. Biosprit sei keineswegs wettbewerbsfähig. Und sein verstärkter Einsatz in Europa werde dazu führen, dass die Rodung des Regenwaldes weiter voranschreite: um stattdessen Zuckerrohr, Sojabohnen oder Ölpalmen für die Autofahrer in der EU anzubauen.
In der Wissenschaft findet Traublinger Unterstützung. Die Vorgabe, dass der Biokraftstoff-Anteil in Benzin und Diesel in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent erhöht werden solle, sei nur durch Importe aus Brasilien oder Indonesien einzuhalten, sagt Prof. Martin Faulstich vom Sachverständigenrat für Umweltfragen. Fahre man den Biosprit-Anteil schnell nach oben, "droht viel Unheil in der Welt."
Auch der Präsident des Münchner Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn spricht von blankem "Irrsinn". Um beim Sprit eine Bio-Beimischungsquote von nur zehn Prozent zu erreichen, würden in Deutschland 52 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen gebraucht. Darauf könnten alternativ Lebensmittel für 27 Millionen Menschen angebaut werden, die sonst importiert werden müssten. "Da", erregt sich Sinn, "hat einer überhaupt nicht nachgedacht."
Erschwerend komme hinzu, dass Biosprit in Wirklichkeit in absehbarer Zeit gar kein Erdöl ersetzen werde. Die Scheichs würden weiter fördern und das in der EU eingesparte Öl nach China und Amerika liefern. "Im Kampf gegen die Erderwärmung haben wir dann nichts gewonnen", so Sinn.
Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer will sich von diesen Argumenten jedoch nicht ins Bockshorn jagen lassen. "Jeder muss wissen, dass ohne nachwachsende Rohstoffe die Klimaziele nicht zu erreichen sind", so Seehofer zum DONAUKURIER. Dennoch wollten hier zu Lande manche das zarte Pflänzchen dezentrale Energieversorgung austreten.
Hauptursache für die gestiegenen Lebensmittelpreise sei die Zunahme der Weltbevölkerung. "Industrie und Handwerk erleben jetzt erstmals, dass Bauer keine Bittsteller mehr sind, sondern Marktteilnehmer", sagt Seehofer. "Damit müssen sie sich abfinden."
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: