Dow Jones, 27.02.2007
FRANKFURT/BRÜSSEL (Dow Jones)--Die Wirtschaftsforscher der European Economic Advisory Group (EEAG) erwarten für dieses Jahr eine Fortsetzung des starken Wachstums der Weltwirtschaft. In ihrem am Dienstag in Brüssel vorgestellten Bericht prognostizieren die Ökonomen dabei für 2007 und 2008 eine Zunahme des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von knapp 5%. Damit würde sich die Wachstumsdynamik gegenüber dem vergangenen Jahr, als die Weltwirtschaft um 5,1% wuchs, nur moderat abschwächen. Die EEAG ist ein europäischer Sachverständigenrat, der 2001 vom CESifo-Institut ins Leben gerufen wurde.
Eine deutlichere konjunkturelle Abkühlung werden dabei in diesem Jahr nach Einschätzung der Gruppe die USA verzeichnen. Das Wachstum der US-Wirtschaft werde sich demnach vor allem in der ersten Hälfte 2007 stärker abkühlen, bedingt durch die schwächeren Aktivität auf dem Bausektor. Angesichts der Abwertung des Dollar werde die US-Wirtschaft jedoch im Verlauf der zweiten Jahreshälfte wieder an Schwung gewinnen, meinen die EEAG-Forscher. Vor diesem Hintergrund rechnen sie damit, dass die US-Wirtschaft 2007 um 2,5% und 2008 um 2,8% wächst. Im vergangenen Jahr war das US-BIP um 3,4% gestiegen.
Mit Blick auf die Länder der Europäischen Union (EU) erwarten die Ökonomen der Gruppe für dieses Jahr eine Abschwächung des Wirtschaftswachstum auf 2,2%(2006: 2,9%). Im kommenden Jahr werde sich der BIP-Anstieg dann wieder auf 2,5%beschleunigen. Nach Einschätzung der Forscher wird sich 2007 vor allem die etwas verhaltenere Weltwirtschaft negativ auf die Investitionen der Unternehmen niederschlagen. Gleichzeitig werde die ausländische Nachfrage nach europäischen Gütern sinken.
Die aktuelle Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) beschreibt die EEAG-Gruppe vor diesem Hintergrund als mittlerweile restriktiv. So liege der EZB-Leitzins von aktuell 3,50% unter Zugrundelegung einer vorausschauenden Taylor-Regel bereits über dem Ziel der Notenbank. Weitere Zinserhöhungen wären deshalb nicht konsistent mit dem früheren Verhalten der Bank. Diese seien nur durch eine höhere Inflation oder eine stärkere makroökonomische Entwicklung begründet, meinen die Ökonomen. Würde die Staaten im Euroraum stärker ihre Finanzen konsolidieren, gäbe es sogar Raum für eine Lockerung der Geldpolitik.
Für Japan prognostiziert die Gruppe für 2007 und 2008 BIP-Wachstumsraten von 2,0% bzw. 2,2% (2006: 2,1%), die chinesische Wirtschaft wird ihrer Einschätzung nach in diesem und kommenden Jahr mit 10,0% (2006: 10,5%) wachsen.
Der EEAG-Sachverständigenrat besteht aus acht bekannten Volkswirten aus acht europäischen Ländern und wird von Lars Calmfors (Universität Stockholm) geleitet. Die Mitglieder sind Giancarlo Corsetti (European University Institute Florence), Michael P. Devereux (University of Oxford), Seppo Honkapohja (Universität Helsinki und Cambridge), Gilles Saint-Paul (Universität Toulouse),Hans-Werner Sinn (ifo Institut für Wirtschaftsforschung und Universität München), Jan-Egbert Sturm (ETH Zürich - Swiss Institute of Technology, KOF - Swiss Institute for Business Cycle Research) und Xavier Vives (IESE Business School).
Webseite: www.cesifo-group.de
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