Creditreform, 01.04.2009, Nr. 4/2009, S. 28
Enorme Liquiditätsspritzen fließen in die Wirtschaft und schüren vielerorts Inflationsängste - vor allem in Deutschland, dem die Hyperinflation vor dem Zweiten Weltkrieg besonders zugesetzt hat. Aber: „Solche Ängste sind unbegründet", prognostiziert Hans-Werner Sinn. Zwar steige der Liquiditätsbestand rasch an - doch das geschehe in erster Linie, weil der private Sektor das Geld horte, statt es auszugeben, argumentiert der Chefökonom des Münchener ifo Instituts. Durch die Bereitstellung zusätzlicher Liquidität verringerten die Zentralbanken lediglich die Geldmenge, die nicht mehr für Waren und Dienstleistungen ausgegeben werde. Dies schwäche zwar den negativen Nachfrageschock ab, der die Weltwirtschaft traf, kehre ihn aber nicht um, wie es für eine Inflation nötig wäre. „Dass mehr Geld genauso gut für Deflation wie für Inflation stehen kann ist ein trivialer, aber gerade deshalb wichtiger Punkt, der sich aus der Theorie von Angebot und Nachfrage ergibt", erklären die ifo-Forscher. Im Fall, dass ein Anstieg des Geldbestandes die Folge eines höheren Geldangebots sei, sinkt der Wert des Geldes –un das bedeute Inflation. Ist er jedoch die Folge einer höheren Geldnachfrage, steige der Wert des Geldes, was wiederum Deflation mit sich bringe. Letzteres sei unter den heutigen Bedingungen „offenkundig die größere Gefahr", heißt es aus München.
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