Börsen-Zeitung, 29.02.2008, Nr. 42, S. 6
Börsen-Zeitung, 29.2.2008 ks Frankfurt - Ifo-Präsident Hans- Werner Sinn lehnt Änderungen im Aktienrecht und bei Managerbezügen als Reaktion auf den geplanten Stellenabbau bei Großkonzernen ab. »Das liegt für mich im Bereich der ohnmächtigen Reaktion", sagte der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) Reuters zufolge am Donnerstag in Berlin zu Forderungen aus der SPD.
Deren wirtschaftspolitischer Sprecher Rainer Wend hatte in der „Berliner Zeitung" vorgeschlagen, die Bezahlung von Managern mit Aktienoptionen zu begrenzen und die Spekulationsfrist bei Aktien zu verlängern. „Das ist albern", sagte Sinn laut Reuters. Konzerne wie BMW, Henkel und Siemens hatten in den vergangenen Tagen einen massiven Stellenabbau bekannt gegeben.
Die vom Autobauer BMW angekündigten Entlassungen sind nach den Worten Sinns auch eine Reaktion auf den starken Euro. Viele Unternehmen hätten sich lange Zeit mit Kurssicherungsgeschäften gegen die massive Auswertung schützen können, doch liefen diese Geschäfte jetzt aus. Gleichzeitig könne BMW keine Preiserhöhungen auf dem wichtigen US-Markt durchsetzen, wodurch die Gewinnmargen unter Druck gerieten. Der Eurokurs liegt mit gut 1.51 Dollar so hoch wie nie und verteuert deutsche Produkte zum Teil auch in anderen Währungsräumen.
Ungeachtet des massiven Stellenabbaus bei einigen Konzernen rechnet Sinn weiter mit einer Belebung des privaten Konsums in Deutschland. „Es ist eine unglaubliche Dynamik am deutschen Arbeitsmarkt zu verzeichnen", sagte Sinn unter Hinweis auf die auch im Februar gesunkene Arbeitslosenzahl (siehe obigen Artikel), Einzelne negative Nachrichten fielen konjunkturell kaum ins Gewicht. „Der Konsum läuft über den Arbeitsmarkt". betonte der Ifo-Präsident. Das Ifo-Institut sagt in diesem Jahr einen Anstieg des privaten Konsums um 1,3 voraus, nachdem es 2007 noch ein Minus von 0,3 gegeben hatte. Damit werde der Konsum zur wichtigsten Konjunkturstütze, erläuterte Sinn. Sein Institut erwartet ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von l,6 nach 2,5 im vergangenen Jahr.
In Bezug auf die Gefahr für die deutsche und die europäische Konjunktur, die von einem Abbremsen der US-Wirtschaft ausgeht, zeigt Sinn vorsichtige Zuversicht. Die europäische Wirtschaft werde ungeachtet der Immobilienkrise in den USA in diesem Jahr weiter wachsen, wenn auch mit nachlassender Dynamik. Sinn und seine Ökonomenkollegen der European Economic Advisory Group at CESifo (EEAG) gehen für 2008 im Euroraum von einem Wirtschaftswachstum von 1,8 aus. Damit würde Europa nach einer Phase stürmischer Expansion zu seinem Potenzialwachstum zurückkehren. Ursache sei die Aufwertung des Euro und die sich abkühlende Weltkonjunktur, heißt es in der aktuellen EEAG Prognose. Auch werden die Investitionen weniger stark wachsen.
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