Handelsblatt, 26.10.2006, Nr. 207, S.1
DÜSSELDORF. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober trotz der näher rückenden Erhöhung der Mehrwertsteuer verbessert. Der Ifo-Geschäftsklima-Index kletterte auf 105,3 von 104,9 Punkten im September. Bankvolkswirte hatten mit einem Rückgang gerechnet. Die größte positive Überraschung war für sie, dass der Teilindex für die Unternehmenserwartungen zum ersten Mal seit drei Monaten wieder anzog. Gleichzeitig zeigten sich die Unternehmen mit ihren aktuellen Geschäften noch zufriedener als in den vergangenen Monaten.
Für den Präsidenten des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sprechen die Umfrageergebnisse dafür, „dass sich der Aufschwung trotz der Mehrwertsteuererhöhung im nächsten Jahr fortsetzen wird". Analysten teilen diese Einschätzung. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sagte: „Offenbar beginnt sich bei den befragten Unternehmen - ganz im Gegensatz zum ZEW-Konjunktursaldo - die Ansicht durchzusetzen, dass die Erhöhung der Mehrwertsteuer nur temporär zu einer Abkühlung der Konjunktur führen wird." Während das ZEW-Barometer für die Konjunkturerwartungen von Finanzmarktexperten inzwischen deutlich unter seinen langjährigen Durchschnitt gefallen ist, liegt die Erwartungskomponente des Ifo-Indexes immer noch deutlich darüber.
Die Steuereinnahmen signalisieren ebenfalls anhaltendes Wachstum. Der Arbeitskreis Steuerschätzung wird laut einer Umfrage des Handelsblatts seine Prognose für 2006 um 17 Mrd. Euro und für 2007 um 16 Mrd. Euro nach oben korrigieren.
Die jüngsten Konjunkturdaten verstärken Spekulationen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) 2007 die Geldpolitik weiter straffen könnte und nicht wie bislang vielfach erwartet eine Zinspause einlegt. Die EZB hatte erst im Oktober den Leitzins auf 3,25 Prozent erhöht, im Dezember wird ein weiterer Anhebungsschritt auf 3,5 Prozent erwartet. Zusätzliche Nahrung für die Diskussion über die Zinspolitik im nächsten Jahr kam gestern von der Inflationsseite, da die Verbraucherpreise nach ersten Ergebnissen aus einigen deutschen Bundesländern bereits im Oktober unerwartet wieder anzogen.
an/ctsr
Please send your comments or questions on specific articles to: presse@ifo.de. Please mention in your e-mail the article you are concerned with.
Phone: +49(0)89/9224-1604 Fax: +49(0)89/9224-1267
2012 2011 | 2010 | 2009 2008 | 2007 | 2006 2005 | 2004 | 2003 2002 | 2001 | 2000
Press Echo
Comments on current economic policy issues in Policy Debate: