Der Tagesspiegel, 06.03.2002, S. 23
Wie sollte die Arbeitsvermittlung reformiert werden?
Die staatliche Arbeitsvermittlung scheint nicht gut zu funktionieren. Deshalb sollte man die Vermittlung von Arbeitslosen privatisieren. Private Arbeitsvermittler würden gewinnorientiert und erfolgreicher arbeiten als eine Behörde. Die Arbeitsämter sollten nur noch die Zahlung des Arbeitslosengeldes regelns.
Sollten die Transfers für Arbeitslose gekürzt werden?
Arbeitslosen- und Sozialhilfe müssen zusammengeführt werden. Sie sind zu hoch und verursachen Arbeitslosigkeit im Niedriglohnbereich. Sie wirken wie Mindestlöhne, weil sie nur gewährt werden, wenn man nicht arbeitet. Für Menschen mit geringerer Produktivität gibt es keine Jobs. Wir brauchen ein neues Sozialhilfe-System, bei dem der Staat Niedriglöhne aufstockt, statt Nichtstun zu bezahlen.
Wie schafft man es, die Langzeit-Arbeitslosigkeit zu senken?
Die niedrigsten Löhne hier zu Lande liegen bei 70 Prozent des Durchschnittsentgelts. Das ist zu viel, die Löhne für Langzeit-Arbeitslose müssen runter. Die Maßnahmen, die Langzeit-Arbeitslose integrieren sollen, brachten per saldo wenig, denn sie haben auf der anderen Seite Menschen aus dem Arbeitsmarkt gedrängt. Die neue Sozialhilfe würde auch für Langzeit-Arbeitslose Jobs schaffen.
Wie muss das Tarifsystem weiter entwickelt werden?
Wir brauchen mehr Öffnungsklauseln für schwächere Betriebe. Die Tarifverträge sollten nur noch Lohnleitlinien vorgeben. Sie müssen es Unternehmen ermöglichen, weniger als den geltenden Tariflohn zu zahlen, wenn die Belegschaft mehrheitlich dafür stimmt.
Wie löst man das Qualifizierungsproblem der deutschen Arbeitnehmer?
Qualifizierung ist immer gut, aber das ist nicht in ersten Linie ein deutsches Problem. Unser duales Ausbildungssystem ist international Spitze, nur im akademischen Bereich hapert es, wie wir seit der Pisa-Studie wissen. Unsere Arbeitsmarkt-Probleme rühren nicht von einer mangelhaften Qualifikation der deutschen Arbeitnehmer her.
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