Süddeutsche Zeitung 19.01.05
Der 50-Jährige berief sich auf Aussagen anderer Wissenschaftler, dass der Euro überbewertet sei und dies Wachstum koste. Die EZB könne gegensteuern, indem sie auf dem Devisenmarkt US-Dollar gegen Euro kaufe, sagte der gebürtige Pforzheimer. Der Mechanismus ist einfach: Die Intervention stärkt die Nachfrage nach dem Dollar, und der Greenback wird teurer. Gewinnt die US-Währung an Wert, werden die Geschäfte für europäische Exporteure einfacher, denn Amerikaner müssen dann nicht mehr so viele Dollar aufwenden, um Waren aus dem Euroraum zu kaufen.
Die EZB könne unbegrenzt eingreifen, da sie Euros selbst drucken kann, erklärte der Volkswirtschaftler. Doch hat das Nebenwirkungen. Die so genannte Geldbasis weitet sich aus; die heimischen Banken haben mehr flüssige Mittel zur Verfügung. Diese Politik wirkt expansiv, und die Inflation steigt.
Bofingers Rezept: Die Zentralbank soll die überschüssige Liquidität abschöpfen und so die Nebenwirkungen der Devisenmarktintervention neutralisieren. Der Fachbegriff lautet Sterilisation. Dafür stehen dem Wirtschaftsweisen zufolge drei Instrumente zur Verfügung:
So könnte die EZB den Geschäftsbanken weniger Kredite anbieten. Auch kann die EZB an die Banken kurzfristig laufende Anleihen ausgeben - oder den Geldinstituten offerieren, bei der Zentralbank Euro verzinst anzulegen. Diese Art Tagesgeldkonto für Banken wird Einlagenfazilität genannt.
Der EZB entstünden durch den Eingriff am Devisenmarkt keine Kosten, meinte der Wissenschaftler: Zwar müsste die EZB für die Anleihen, die sie zur Sterilisation ausgibt, Zinsen an die Geschäftsbanken zahlen. Doch dafür nimmt der Wert der eingekauften Dollarreserven zu, wenn die US-Währung nach geglückter Intervention steigt.
"Doch ob der Eingriff glückt, hängt nicht nur vom Willen Europas ab", gab der Ökonom zu. Wenn die Zentralbanken anderer Staaten eine gegenläufige Politik betreiben, werde es schwer, Kursübertreibungen abzufedern. Internationale Abstimmung sei daher nötig, sagte Bofinger, der seine Habilitationsschrift zu geldpolitischer Koordination verfasst hat. Der Wirtschaftsweise glaubt aber nicht, dass die US-Notenbank Widerstand leisten würde gegen Eingriffe von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Schließlich setzten die japanische und chinesische Zentralbank auch auf Stützungskäufe des Dollars, ohne dass die Federal Reserve Bank ein Störfeuer aus den USA starte.
Das Argument, die Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro sei nötig, um das US-Leistungsbilanzdefizit zu verringern, lässt der Ökonom nicht gelten: Für das Ungleichgewicht ist Bofinger zufolge der Handel mit dem Euroraum zu 14 Prozent verantwortlich, das US-Geschäft mit Fernost aber zu 35 Prozent - "die Aufwertung des Euro kann die Probleme der Amerikaner nicht lösen". Björn Finke
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