Passauer Neue Presse, 30.12.2006, Nr. 300, S. 5
Von Ulrich Meyer und Michael Wojtek
München/Nürnberg. Die konjunkturellen Aussichten für Bayern sind nach Einschätzung von Staatsregierung und Wirtschaftsforschung gut. Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) rechnet im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 2,0 Prozent. Der Präsident des Münchner ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, hält sogar 2,4 Prozent für realistisch. Und für 2008 prognostizierte er gestern in München gar 2,8 Prozent. Die anstehenden Steuererhöhungen werden nach übereinstimmender Einschätzung lediglich "eine kleine Delle" in der Konjunktur verursachen.
Allerdings warnten der Minister und der Wirtschaftsforscher vor zu hohen Lohnsteigerungen. Ein Plus von 2,2 Prozent sei das Maximum, sagte Sinn Alles was darüber liege, schade dem Wirtschaftsaufschwung und der Erholung am Arbeitsmarkt, Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) hatte sich zuvor hingegen für spürbare Lohnerhöhungen im neuen Jahr ausgesprochen. "Wo Gewinne gemacht werden und es richtig gut läuft, sollen die Arbeitnehmer auch daran teilhaben", so der CSU-Vorsitzende.
Nach Angaben von Huber beträgt das Wirtschaftswachstum im Freistaat im zu Ende gehenden Jahr rund 2,5 Prozent "Die bayerische Wirtschaft brummt wie seit vielen Jahren nicht mehr", freute sich der Minister. 2006 sei das bislang beste Jahr dieses Jahrzehnts, "2007 wird ein Jahr, das uns industriell und gesamtwirtschaftlich viel Freude machen wird", gab sich Huber optimistisch.
Als besonders positiven Effekt des Aufschwungs nannte Huber die Entwicklung am Arbeitsmarkt: "Dort ist die Wende geschafft." Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote im Freistaat sank 2006 von 7,8 auf nun 6,9 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet Huber im Landesdurchschnitt "eine Fünf vor dem Komma".
Sinn pflichtete der positiven Gesamteinschätzung des Wirtschaftsministers voll bei. "Bayern liegt immer über dem Durchschnitt", sagte Sinn mit Blick auf die Wachstums-, Arbeitsmarkt- und Finanzwerte. In Bayern sei die Wirtschaft seit 1995 um über 28 Prozent gewachsen. Im bundesdeutschen Mittelwert seien es bloß 14 Prozent gewesen. Zugleich warnte Sinn vor Selbstzufriedenheit: "Die nächste Flaute ist so sicher wie das Amen in der Kirche." Der gegenwärtige Aufschwung werde aber noch zwei bis drei Jahre anhalten, erst gegen Ende des Jahrzehnts rechne er mit neuen Problemen.
Dennoch: Die günstigen Konjunkturprognosen können eine Eintrübung des Konsumklimas in Deutschland zu Beginn des Jahres nicht verhindern. Das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK prognostizierte gestern für Januar einen Konsumklimaindex von 8,7 Punkten nach 9,2 Punkten im Dezember. Die ummittelbar bevorstehenden Steuer und Abgabenerhöhungen verhinderten, dass sich die Einkommensaussichten zurzeit vom gegenwärtigen Konjunkturoptimismus anstecken lassen, erklärte die GfK.
Trotz der Abschwächung des Konsumklimas ist Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) überzeugt von einer weiteren wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung. "Der Aufschwung setzt sich fort", erklärte er gestern in Berlin: "Die dämpfende Wirkung der Steuer- und Abgabenerhöhungen ist nur vorübergehend." ddp
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