Netzeitung, 26.01.2006
Das Ifo-Institut hat ein radikales Lohnsenkungs- Konzept präsentiert. Dadurch könnten bis zu drei Millionen zusätzliche Jobs entstehen, meint Institutschef Sinn.
Das Münchner Ifo-Institut hat ein flächendeckendes Kombilohn-Modell vorgeschlagen. Es sieht vor, dass Geringqualifizierte zu jedem Lohn arbeiten müssen. Aufgebessert werden soll deren Einkommen durch direkte staatliche Zuschüsse bei verbesserten Hinzuverdienst-Möglichkeiten. Damit ließen drei Millionen Langzeitarbeitslose in Arbeit bringen, meinte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn am Donnerstag in Berlin.
Sinn bezeichnete den Vorschlag als "Modell zur Überwindung der Armutsfalle". Es sei mittelfristig billiger als die aktuellen Hartz-IV- Regelungen. Zentraler Baustein ist eine Verbesserung der Hinzuverdienst- Möglichkeiten. Statt bisher 100 Euro sollen Betroffene künftig bis zu 500 Euro abzugsfrei behalten dürfen.
Weniger Unterstützung
Weiter sieht das Modell vor, dass alle jene, die keine Stelle in der Privatwirtschaft finden, ein Beschäftigungsangebot in kommunaler Regie bekommen, damit sie sich ein Einkommen in Höhe des ALG II sichern können. Diese Beschäftigten sollen die Kommunen auch über private Zeitarbeitsfirmen verleihen können. Wer als ALG-II- Empfänger einen solchen kommunalen Job ablehnt, erhält nach dem Ifo-Modell rund ein Drittel von seiner Unterstützung abgezogen.
Das Ifo-Institut geht von etwa sechs Millionen Empfängern der Lohnsubventionen aus - jeder einzelne aber in geringerem Umfang als die derzeitigen Empfänger von ALG II.
Das 2002 erstmals vorgestellte und überarbeitete Konzept einer "aktivierenden Sozialhilfe" macht nach den Worten Sinns Schluss mit dem Prinzip, dass Nichtarbeit "voll subventioniert" werde. Wer mehr als vier Stunden am Tag arbeite, stelle sich finanziell besser als vorher. Anreiz zur Arbeit böten deutlich höhere Hinzuverdienst- Grenzen. Daran mangele es den jüngsten Arbeitsmarktreformen, was auch deren Misserfolg erkläre.
Für den Präsidenten des Ifo-Instituts sind die Löhne im unteren Bereich viel zu hoch. Daher sei Deutschland unter den OECD-Ländern "Weltmeister bei der Arbeitslosigkeit der Geringqualifizierten", sagte Sinn.
Langfristig ließen sich durch das Kombilohn-Modell des Ifo-Instituts mehr als 20 Milliarden Euro jährlich einsparen, meinte der Forscher. (nz)
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