München - Kehren deutsche Firmen ihrer Heimat den Rücken? Diese Frage abseits der Stammtische wissenschaftlich fundiert beantwortet haben nun Forscher des Münchner lfo-lnstituts für Wirtschaftsforschung. Ihr Fazit:. Während des vergangenen Jahrzehnts haben deutsche Unternehmen an ausländischen Standorten neue Stellen aufgebaut wie nie zuvor"
Von 1989 bis 200l haben heimische Konzerne jenseits der eigenen Grenzen ihren Bestand an Direktinvestitionen auf über 528 Milliarden Euro fast verfünffacht und dort 2,3 Millionen Stellen geschaffen. Der Löwenanteil des Auslandsengagements entfiel auf die Jahre nach 1995, haben Ifo-Forscher ermittelt. Heimische Unternehmen beschäftigten im Ausland bis 2001 unter dem Strich über 4,5 Millionen Menschen, die ihnen knapp 1.3 Billionen Euro Umsatz brachten. Das entspricht einer Verdreifachung dieser Erlöse binnen zwölf Jahren.
Gewinner der Entwicklung sind gemessen an der Investitionssumme vor allem die USA, in die laut Ifo bis 2001 gut 36 Prozent aller Gelder geflossen sind und damit fünf Prozent mehr als noch 1989. Ähnlich dynamisch legten osteuropäische Länder u. In Tschechien, Polen. Slowenien und Ungarn wuchs der Investitionsanteil von null auf 4.5 Prozent. Diese Länder sind auch bei weitem die größten Profiteure gemessen an den neu entstandenen Arbeitsplätzen.
Hinter dieser Entwicklung sehen die Forscher zwei Motive. Gehen Firmen in die USA und andere westliche Industrienationen. wollten sie vor allem Exportschranken überwinden, was in der Regel keine heimischen Stellen kostet. Im Falle von Osteuropa ist das anders. Dort locken Niedriglöhne. Nimmt das Lohngefälle zu Osteuropa um ein Prozent zu. raube das hier zu Lande in der Industrie 900 Stellen, während im dortigen Ausland wegen des Produktivitätsgefälles über 5000 Stellen aufgebaut würden, schätzt Ifo. In Osteuropa müssten die Löhne um fast ein Drittel steigen, um die Lohnschere zu Deutschland zu schließen.
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