Glaubt man dem Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Wirtschaft, dann darf das schwache zweite Quartal wohl als Konjunkturdelle abgehakt werden. Zum einen beurteilten die Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage im Juli den dritten Monat in Folge besser als im Vormonat. Zum anderen haben sich die Unternehmenserwartungen für ihre Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten kräftig erholt.
Dazu dürfte in erster Linie beige tragen haben, dass die Antriebskräfte in den USA und China weiterhin für Schwung sorgen. Der schwächere Euro unterstützt dabei die deutschen Exporteure, verteuert allerdings gleichzeitig die Ölrechnung für die Unternehmen und Verbraucher hier zu Lande. Dieser zusätzliche Kaufkraftentzug schmälert die Chancen für die so dringend benötigte Belebung der Binnennachfrage. Der hohe Ölpreis bleibt ein Hemmnis für die deutsche Konjunktur - sollte er weiter steigen, dürfte sich dies dann auch wieder im Ifo-Geschäftsklima niederschlagen.
Im Juli hat der Belastungseffekt durch das hohe Ölpreisniveau vermutlich auch deshalb keine Rolle gespielt, weil die Wirtschaft im September Chancen für einen Regierungswechsel sieht. Damit verbinden die meisten Unternehmen trotz des drohenden Abbaus von Subventionen und Steuervergünstigungen die Hoffnung auf einen sch1üssigeren wachstumsstimulierenden Reformkurs. Die verbesserten Erwartungen signalisieren damit auch Mut der Unternehmen zur Zukunft. Die Klimaverschlechterung im Einzelhandel zeigt, dass die Union noch nicht glaubwürdig dargelegt hat, warum die von ihr geplante Mehrwertsteuererhöhung auch für Handel und Verbraucher Vorteile bringen soll. Blankoschecks stellt also auch die Wirtschaft mit Blick auf Neuwahlen aus.
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