Handelsblatt, 26.06.2007, Nr. 120, S. 6
MÜNCHEN/DÜSSELDORF. Der weltwirtschaftliche Aufschwung wird sich nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts 2008 im fünften Jahr fortsetzen. Dies sei ein „einzigartiges Ereignis" in der Nachkriegszeit seit 1950, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn auf der Jahrestagung seines Instituts in München. Deutschland profitiere davon nicht nur wegen der niedrigen Inflationsrate und einer jahrelang moderaten Lohnentwicklung, sondern auch weil dieser Aufschwung im In- und Ausland von der Nachfrage nach Investitionsgütern - einem Exportschwerpunkt der deutschen Wirtschaft - geprägt werde. Nach der gestern vorgelegten neuen Prognose des Instituts wird sich die weltweite Expansion allerdings etwas abflachen.
Das gilt auch für Deutschland. Wegen der Mehrwertsteuererhöhung werde schon in diesem Jahr nicht mehr die hohe Konjunkturdynamik von 2006 erreicht. Ifo hat zwar wie andere Institute in den vergangenen Wochen seine Wachstumsprognose für 2007 angehoben: von 2,4 Prozent im Frühjahrsgutachten auf nun 2,6 Prozent. Für 2008 - dann trete der Aufschwung in seine „Spätphase" ein- rechnen die Münchener Konjunkturforscher mit 2,5 Prozent Wachstum.
Gleichwohl ist nach Einschätzung von Ifo-Präsident noch keineswegs ausgemacht, dass der Aufschwung nach 2008 zu Ende geht: „Der Aufschwung findet nach wie vor statt, er hat Kraft und könnte mit etwas Glück bis zum Ende dieses Jahrzehnts dauern." Er erinnerte zugleich daran, dass das Ifo-Institut bereits im Frühjahr 2006 in einem Minderheitsvotum für 2007 eine kaum verminderte Wachstumsdynamik prognostiziert, die große Mehrheit der Institute dagegen eine kräftige Abschwächung wegen der Mehrwertsteuererhöhung befürchtet hatte.
Verlässliche Stütze des Aufschwungs bleiben nach der Ifo-Prognose die Ausrüstungsinvestitionen mit 8,8 Prozent Wachstum in diesem Jahr und sechs Prozent im nächsten. Die Wachstumsbeiträge allein dieser Investitionen sehen die Ifo-Forscher mit rund einem halben Prozentpunkt in etwa demselben Ausmaß wie die Beiträge des Außenhandels. Bei den Bauinvestitionen ist zwar keine neue Rezession zu erwarten - nach einem steilen Anstieg im Vorfeld der Mehrwertsteuererhöhung und durch die milde Witterung zu Jahresbeginn ist laut Ifo aber eine vorübergehende Wachstumspause zu erwarten. Dazu dürfte auch beitragen, dass die Baupreise derzeit kräftig anziehen.
Bremsspuren erwartet Ifo in diesem Jahr beim privaten Konsum. Der Wachstumsbeitrag halbiert sich wegen des ausgesprochen schwachen Jahresauftakts auf 0,2 Prozentpunkte. Im Zuge der steigenden Beschäftigung und der stärkeren Lohnanhebungen sei aber im weiteren Jahresverlauf und erst recht 2008 mit einer „guten Konsumkonjunktur" zu rechnen. Das reale Konsum-Plus gegenüber diesem Jahr schätzt Ifo auf 2,2 Prozent, was einen Sprung beim Wachstumsbeitrag auf 1,2 Prozentpunkte bedeuten würde.
Auf eine Erholung des privaten Konsums nach einem schwachen ersten Quartal deutete gestern das GfK- Konsumklima hin. Das Barometer, das auf einer monatlichen Umfrage unter rund 2 000 Verbrauchern basiert, stieg von revidiert 7,4 Punkten im Juni auf 8,4 Punkte. Für den Anstieg sorgte vor allem eine deutlich höherer Anschaffungsneigung als noch im Juni. ari
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