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am 24.10.2002 von 9.30 Uhr bis 17.00 Uhr in der IHK-Akademie München, Orleansstraße 10-12.
Am 24. Oktober veranstaltete das ifo Institut in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern zum zweiten Mal einen »Branchen-Dialog«. Die Tagung, die wieder sehr gut besucht war, wurde vom Präsidenten der IHK, Dr. Claus Hipp, eröffnet. Den anschließenden »Dialog zwischen Politik und Wirtschaft: Flexibilisierung des Arbeitsmarktes« leitete der Präsident des ifo Instituts, Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Werner Sinn, ein. An Hand zahlreicher Grafiken verdeutlichte er die Probleme des deutschen Arbeitsmarktes. Er bezweifelte die Erfolgsaussichten der Personal-Service-Agenturen, da mit erheblichen Mitnahmeeffekten zu rechnen sei. Wenn es wirklich zu einer Entlastung des Arbeitsmarktes kommen solle, sei das Konzept nicht finanzierbar. Realistischer sei das vom ifo Institut vorgeschlagenen Konzept einer »aktivierenden Sozialhilfe« (vgl. ifo im Mai: Lohnergänzung statt Lohnersatz). An der anschließenden Podiumsdiskussion beteiligten sich – unter Moderation von Nikolaus Piper, Leiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, – Prof. Dr. Anton Kathrein, Vizepräsident der IHK, Dr. Michael Rogowski, Präsident des BDI, sowie der Bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Verkehr und Technologie, Dr. Otto Wiesheu.
Auf Pipers Frage, was die Wirtschaft tun könne, um Arbeitsplätze zu schaffen, beklagte Rogowski die Verschlechterung der Angebotsbedingungen und meinte, die jetzt vorgeschlagenen Maßnahmen seien – angesichts der gesunkenen Wachstumsschwelle – nicht geeignet, die Unternehmen zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze zu veranlassen. Kathrein nahm auf die geforderte Flexibilisierung Bezug und kritisierte an Hand von Beispielen aus seinem Unternehmen die übermäßige Bürokratie und die mangelnde Koordination zwischen den (bayerischen) Ministerien. Wiesheu bedauerte die negativen Erfahrungen und meinte, Entscheidungen, die die Wirtschaft betreffen, sollten im Wirtschaftsministerium gefällt werden. Auf die von Piper aufgeworfene Frage, ob Deutschland eine Chance habe, den Kostenwettbewerb mit den ost- und ostmitteleuropäischen Ländern zu gewinnen, meinte Sinn, die Deutschen machten einen Denkfehler, weil sie zu sehr auf »High-tech« setzten, der Arbeitsmarkt müsse auch »in der Breite brummen«. Ihn störe auch die Idee der Wachstumsschwelle, sie sei mit dem langfristigen Trend kaum vereinbar. Es müssten Arbeitsplätze für die gering Qualifizierten, deren Anteil an der Arbeitslosigkeit überproportional hoch sei, geschaffen werden. Man war sich ziemlich einig, dass es die erforderlichen Arbeitsplätze in der Schattenwirtschaft gibt.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion stellten Dr. Oscar-Erich Kuntze (Weltwirtschaft), Dr. Wolfgang Nierhaus (deutsche Wirtschaft) und Prof. Dr. Jan-Egbert Sturm (wirtschaftspolitische Empfehlungen) die Ergebnisse des Herbstgutachtens vor.
Aktuelle Prognose:
In den Branchen-Foren am Nachmittag wurden die Prognosen des ifo Instituts mit den Experten aus Unternehmen und einschlägigen Verbänden diskutiert. Die Industrieproduktion wird nach Einschätzung des ifo Instituts – nach einem Rückgang um 1,8% in diesem Jahr – 2003 um 1,5% und 2004 um 3,0% steigen.
Weitere Informationen zum Forum I: Industrie Tab.: ifo Prognose der Industrieproduktion
Die aggregierten Bauinvestitionen werden – nach einem nochmaligen deutlichen Einbruch in diesem Jahr (– 3,4%) – 2003 bestenfalls stagnieren und 2004 nur wenig zunehmen (+ 0,8). Die Zahl der fertig gestellten Wohnungen sinkt nach den Prognosen des ifo Instituts – von etwa 270 000 in diesem Jahr – im Jahr 2003 auf 247 000, um sich dann 2004 wieder auf 265 000 Einheiten zu erhöhen; die Reduzierung der Eigenheimzulage und der Abschreibungssätze ist dabei bereits teilweise berücksichtigt. Der Bausektor dämpft also weiterhin den (ohnehin unterbrochenen bzw. verschobenen) Konjunkturaufschwung in Deutschland. Bei anhaltend hoher Strukturdynamik bleibt der Anpassungsdruck auf Unternehmen und Beschäftigte des Baugewerbes und der von diesem Sektor abhängigen Wirtschaftszweige unverändert groß. Das ifo Institut rechnet damit, dass die Beschäftigung im deutschen Baugewerbe, die 1995 noch fast 3,25 Mill. und 2000 rund 2,75 Mill. Personen erreicht hatte, bis 2004 auf deutlich unter 2,5 Mill. sinken wird.
Weitere Informationen zum Forum II: Bausektor
Das dritte Forum befasste sich mit der konjunkturellen Entwicklung im Einzelhandel. Im ersten Halbjahr 2002 ist der Umsatz des deutschen Einzelhandels (ohne Kfz) nominal um 2,6% (real: – 3,5%) gesunken; besonders hart getroffen wurden die meist inhabergeführten kleinflächigen Fachgeschäfte (real: – 8%). Für den Jahresdurchschnitt 2002 rechnet das ifo Institut angesichts der schlechten Konsumentenstimmung mit einem Umsatzrückgang von nominal 2,5% (real: – 3%). Legt man die Verbrauchsprognose der Forschungsinstitute zugrunde, so kann für 2003 ein nominales Umsatzplus von 1% erwartet werden (real: (± 0%). Das ifo Institut geht davon aus, dass sich 2004 die im Verlauf des nächsten Jahres einsetzende leicht aufwärts gerichtete Umsatzentwicklung fortsetzt. Infolge der erwarteten höheren Belastungen vieler Haushalte wird die Kaufbereitschaft der Konsumenten aber nur sehr zögerlich zunehmen. Der Einzelhandelsumsatz könnte nominal um etwa 1,5% steigen (real: + 0,5%).
Weitere Informationen zum Forum III: Handel
Obwohl im deutschen Dienstleistungssektor ca. 69% der gesamten Wertschöpfung erzeugt werden und mehr als 68% der Erwerbstätigen beschäftigt sind, ist die Informationsbasis immer noch unbefriedigend. Den Umfragen des ifo Instituts kommt daher eine wichtige Aufgabe bei der Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung in diesem sehr heterogenen Bereich zu. Während bisher einzelne Dienstleistungszweige (DV-Dienstleister seit 1995, Leasingunternehmen seit 1998, Versicherungswirtschaft seit 1999) in vierteljährlichem Rhythmus befragt wurden, hat das ifo Institut Anfang 2001 mit einer monatlichen Umfrage bei verschiedenen unternehmensnahen Dienstleistern begonnen. Die ersten vorläufigen Ergebnisse lassen allerdings noch keine Rückschlüsse auf einen möglichen Vorlauf vor dem Geschäftsklima der Industrie oder der gewerblichen Wirtschaft (Industrie, Bau, Groß- und Einzelhandel) zu.
Weitere Informationen zum Forum IV: Dienstleistungssektor
ifo Branchen-Dialog (Ifo Industry Colloquium)
Video introduction (Conference report ifo Branchen-Dialog 2005)