(Stefan Arent und Wolfgang Nagl)
Die öffentliche Meinung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ findet man häufig, wenn die Verdienstmöglichkeiten in Ost- und Westdeutschland thematisiert werden. Nach der Wiedervereinigung erwirkten die Gewerkschaften eine rasche Tariflohnangleichung. Dies geschah auch zum Schutz der westdeutschen Arbeitnehmer vor einer Niedriglohnkonkurrenz im eigenen Land. Wenig Beachtung fanden dabei die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus in Ost- bzw. Westdeutschland. Als Folge resultierte ein Auseinanderklaffen des tariflichen Anspruchs von dem tatsächlich bezahlten Lohn. Eine Gegenüberstellung der Tariflöhne im Vergleich zur allgemeinen Verdienstentwicklung seit 1994 soll diese Tendenzen für Ost- und Westdeutschland verdeutlichen und wirtschaftspolitische Handlungsfelder aufzeigen.
Sowohl ein hoher Lohn als auch ein sicherer Arbeitsplatz werden von Arbeitnehmern als wünschenswert empfunden. Dieser Trade-off zwischen Sicherheit und Lohnhöhe wird für West- und Ostdeutschland separat untersucht. Dabei findet sich in Westdeutschland das Bild, dass – unter Berücksichtigung der Qualifikationsstruktur – in den Wirtschaftsbereichen mit dem höchsten Arbeitsplatzrisiko auch höhere Löhne gezahlt werden. Anders stellt sich die Situation in Ostdeutschland dar. Dort werden im öffentlichen Dienst mit die höchsten Löhne gezahlt, wobei dort auch das Arbeitsplatzrisiko mit am geringsten ist. Für die öffentlichen Arbeitgeber stellen die höheren Löhne zwar eine erhebliche Kostenbelastung dar, es ermöglicht ihnen aber auch, gut ausgebildete Fachkräfte zu attrahieren. Der private Sektor erfährt dadurch allerdings auch eine verstärkte Konkurrenz um qualifizierte Arbeitnehmer.
(Udo Broll, Andreas Förster und Stephan Rudolph)
Die regionale Struktur und das Volumen der sächsischen Exporte und Importe erklären sich nicht nur durch die relativen Kostenunterschiede zwischen Sachsen und den Handelspartnern; mitentscheidend sind auch die Handelskosten für Exporte und Importe der sächsischen Wirtschaft. Unter Handelskosten werden Transportkosten, Kosten des Grenzübergangs der Ware und Distributionskosten, die im Empfängerland entstehen, verstanden. Jüngste empirische Arbeiten zu Kosten im internationalen Handel zeigen ein überraschendes Ergebnis: Für die OECD-Staaten entstehen im Durchschnitt Handelskosten, die einem Aufschlag von über 170 % entsprechen. Handelskosten können als Aufschlag, d. h. als ein Wertzoll aufgefasst werden. Unser Beitrag verwendet einen neuen Handelskostenindex, um die Handelskosten in Form eines Zolläquivalents für die sächsische Wirtschaft zu ermitteln. Im Jahr 1992 lag der durchschnittliche gewichtete Aufschlag für mit Sachsen gehandelte Waren bei 1,70. Im Jahr 2008 nahm dieser Aufschlag der Handelskosten in etwa den Wert eins an. Damit muss zum ursprünglichen Warenwert noch einmal der gleiche Wert für die Kosten des Handels aufgebracht werden.
(Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose)
Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Die Institute prognostizieren eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 3,5 % für das Jahr 2010 und um 2,0 % für das Jahr 2011. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich dabei weiter verbessern. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt 2011 erstmals seit 1992 unter 3 Millionen liegen. Die Defizitquote des Staates dürfte auf 2,7 % sinken. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland muss den angekündigten Konsolidierungspfad weitergehen. Auf europäischer Ebene sind Insolvenzordnungen für Staaten und Banken erforderlich. Ein strengerer Stabilitäts- und Wachstumspakt könnte als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein. Eine Verlängerung des Rettungsschirms für Euroländer oder die Einführung von gepoolten Staatsanleihen sind dagegen genauso abzulehnen wie der von der EU-Kommission vorgeschlagene Mechanismus zur Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte.
(Robert Lehmann)
Die Lage am ostdeutschen Arbeitsmarkt hat sich seit 2005 deutlich verbessert und präsentierte sich auch in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise als äußerst robust. Zur Beurteilung der Arbeitsmarktlage bedarf es eines Indikators, der sich zum einen durch einen geringen Revisionsbedarf auszeichnet und zum anderen das Geschehen am ostdeutschen Arbeitsmarkt mit einem gewissen Vorlauf abbildet. Die Arbeitslosenquote, die zumeist verwendet wird, kann diesen Zweck nicht erfüllen: Zum einen wird sie sowohl durch Arbeitsangebots- und -nachfragentwicklungen beeinflusst, zum anderen reagiert sie erst mit Verzögerung auf Beschäftigungsschwankungen. Um diese Lücke zu schließen, berechnet das ifo Institut seit geraumer Zeit ein „Beschäftigungsbarometer“, das seit Kurzem auch für Ostdeutschland erhoben und ausgewertet wird. Bei der Untersuchung der Beschäftigungserwartungen der gewerblichen Wirtschaft Ostdeutschlands ergibt sich, dass die Befragungsdaten aus dem ifo Konjunkturtest sowohl einen Vorlauf im statistischen Sinne als auch einen Informationsvorsprung gegenüber den Daten aus der amtlichen Statistik aufweisen. Demzufolge kann das ifo Beschäftigungsbarometer die konjunkturelle Grunddynamik des ostdeutschen Arbeitsmarktes abbilden und für Prognosezwecke eingesetzt werden.
(Klaus Abberger und Wolfgang Nierhaus)
In der Wirtschaftsstatistik werden konjunkturstatistische Ergebnisse zunehmend mit modernen Visualisierungstechniken aufbereitet. Der vorliegende Beitrag präsentiert drei Monitorsysteme zur Analyse der konjunkturellen Entwicklung: Die Konjunkturuhr, den Konjunkturmonitor sowie die Konjunkturampel. Der vorliegende Aufsatz stellt auf die Konjunkturanalyse für Sachsen ab. Dabei wird exemplarisch auf die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe eingegangen. Die betrachteten Monitorsysteme basieren zum einen auf Angaben des statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen. Zum anderen werden regionalisierte Umfrageergebnisse aus dem ifo Konjunkturtest verwendet.
Aufgrund des demographischen Wandels kommt es zukünftig zu einer Verknappung des Arbeitsangebots, wodurch das Angebot insbesondere gut ausgebildeter Fachkräfte zurückgeht. Deutlich wird dies bereits in der zunehmenden Alterung in technischen Berufen in Ostdeutschland. In Deutschland bedarf es einer besseren Qualifizierung von jungen Menschen sowie einer lebenslangen Weiterbildung. Daneben sollten aber auch Maßnahmen gefunden werden, um ältere Arbeitnehmer länger im Betrieb zu halten. Der Anteil der Frauen in technischen Berufen sollte gesteigert werden. Gerade durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit 2011 besteht zusätzlich die Chance, das Arbeitsangebot durch gut qualifizierte Migranten zu erhöhen. Positiv wirken hier die geographische Nähe Ostdeutschlands zu Osteuropa, allerdings negativ das Fehlen von Migrantennetzwerken und rechtsradikale Tendenzen in Teilen Ostdeutschlands.