(Wolfgang Nierhaus)
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in der schwersten Rezession seit Bestehen der Bundesrepublik. Maßgeblich für die katastrophale Wirtschaftsentwicklung seit vergangenem Herbst ist der weltweit synchrone Nachfrageeinbruch nach Investitions- und langlebigen Konsumgütern, der sich infolge der internationalen Finanz- und Vertrauenskrise eingestellt hat. Die deutsche Wirtschaft ist von diesem externen Nachfrageschock aufgrund der hohen Außenhandelsabhängigkeit und der Spezialisierung auf besonders konjunkturreagible Industrieerzeugnisse überdurchschnittlich betroffen. Im Prognosezeitraum wird sich der Abschwung fortsetzen. Die gesamtwirtschaftliche Produktion dürfte, nach einem vorübergehenden, primär durch fiskalische Impulse getriebenen Anstieg im Sommer 2009, der Grundtendenz nach noch sinken. Erst im Frühjahr 2010 ist mit einer Bodenbildung bei Produktion und Nachfrage zu rechnen. Danach wird die reale Wirtschaftsleistung wahrscheinlich wieder etwas zunehmen. Im Jahresdurchschnitt2009 dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion um 6,3 % sinken. Im Jahr 2010 ergibt sich aufgrund des niedrigen Ausgangsniveaus ein Rückgang um 0,3 %.
(Stefan Krenz, Beate Schirwitz und Gerit Vogt)
Die ostdeutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einem massiven Abschwung. Gegenwärtig deuten zwar einige Indikatoren, wie das ifo Geschäftsklima für die gewerbliche Wirtschaft Ostdeutschlands, daraufhin, dass sich das Tempo der gesamtwirtschaftlichen Schrumpfung vermindert hat, eine Wende in der konjunkturellen Entwicklung zeichnet sich jedoch für das laufendende Jahr noch nicht ab. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt der ostdeutschen Bundesländer wird 2009 voraussichtlich um 4,9 % und 2010 um 0,3 % zurückgehen. Für die sächsische Wirtschaft wird aufgrund ihrer höheren Exportabhängigkeit für 2009 ein vergleichsweise stärkerer und für 2010 ein etwas schwächerer Rückgang prognostiziert. Der massive Konjunkturabschwung dürfte sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen und zu einem deutlichen Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen führen.
Mit dem hier vorgestellten Rechenwerk liegen erstmals Vierteljahresdaten für das preisbereinigte Bruttoin-landsprodukt sowie die Bruttowertschöpfung in den sechs großen Wirtschaftsbereichen für den Zeitraum I/1996 bis I/2009 vor. Mit Hilfe des ökonometrischen Verfahrens der temporalen Disaggregation wurde ein vierteljährliches Rechenwerk erstellt, das mit den amtlichen Jahreswerten des Arbeitskreises VGR der Länder für Sachsen konsistent ist. Die aktuellen Ergebnisse für das erste Vierteljahr 2009 zeigen, dass die gesamtwirtschaftliche Produktion auch im Freistaat Sachsen aufgrund der Rezession stark gesunken ist, wenngleich der Rückgang der wirtschaftlichen Leistung mit 5,3 % etwas weniger kräftig ausfiel als im gesamten Bundesgebiet, für das eine Abnahme des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 6,7 % registriert wurde.
Vierteljahresergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen für den Freistaat Sachsen (1. Vierteljahr 2009) (PDF, 87 KB)
(Joachim Ragnitz)
Die deutsche Vereinigung brachte für die Menschen das Versprechen einer baldigen „Angleichung der Lebensverhältnisse“ zwischen Ost- und Westdeutschland. Zwar wurde recht schnell deutlich, dass gleiche (materielle) Lebensverhältnisse bestenfalls langfristig erreichbar sein würden; gleichwohl wird der Erfolg des Aufbaus Ost in Politik und Öffentlichkeit vor allem daran gemessen, wie groß der Abstand in den Lebens- und Arbeitsbedingungen zwischen Ost- und Westdeutschland noch ist. Mit diesem Artikel soll ein Beitrag zur Versachlichung der Diskussion geleistet werden, indem explizit auch die regionalen Disparitäten innerhalb Ostdeutschlands und Westdeutschlands in den Blick genommen werden.
(Gunther Schnabl)
Die jüngste Weltwirtschafts- und Finanzkrise hat die Gruppen der Euro-Skeptiker und Euro-Gegner nochmals kräftig durcheinander gewirbelt. Frühere strikte Euro-Gegner wie Dänemark und Island wollen neuerdings beitreten. Polen – nach wie vor überzeugter Anhänger flexibler Wechselkurse – ist dem vom IWF vorgeschlagenen raschen Beitritt zur Europäischen Währungsunion (EWU) nicht mehr abgeneigt. Hingegen leiden die Euroländer Spanien, Italien, Griechenland und Irland unter hohen Preisniveaus und geringer Wettbewerbsfähigkeit. Europa ist in der währungspolitischen Orientierungslosigkeit angekommen, in deren Zentrum der stabile Euro ruht. Die Zeichen für weitere Erweiterungsrunden, vor allem amöstlichen Rand des Eurogebiets, standen nie so gut, während – getrieben von explodierender Staatsverschuldung – Zweifel an der Stabilität der gemeinsamen Währung wachsen.
(Udo Broll und Frank Fuchs)
Die ökonomische Entwicklung im Freistaat Sachsen wird in erheblichem Maße vom Außenhandel geprägt. Die Exportquote – definiert als Relation des Exportwertes am nominalen Bruttoinlandsprodukt – lag im Jahr 2007 bei 25,3 %. Knapp 60 % der sächsischen Warenexporte wurden in Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU) geliefert. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung sind jedoch auch außenwirtschaftliche Beziehungen zu Staaten außerhalb des europäischen Binnenmarktes von zunehmender Bedeutung. Daher ist es das Ziel dieses Beitrags, die amtlichen Zahlen über die verwendeten Währungen sächsischer Exporteure bei Handelstransaktionen mit Staaten außerhalb der EU vor dem Hintergrund der regionalen und sektoralen Struktur der sächsischen Ausfuhren auszuwerten.