(Wolfgang Gerstenberger)
Jahreswachstumsraten spiegeln den konjunkturellen Trend erst mit Verzögerung wider. Die sich abzeichnende Konjunkturerholung im 2. Halbjahr wird sich erst im Wachstum 2003 niederschlagen. Die sächsische Industrie steht auf mittlere Sicht vor großen Herausforderungen, wenn sie ihre Rolle als Wachstumslokomotive weiter spielen will. Die demografische Entwicklung und die drohende Lücke beim qualifizierten Nachwuchs ist nur eine davon.
(Wolfgang Nierhaus)
Im Frühjahr 2002 steht die deutsche Wirtschaft vor einem konjunkturellen Aufschwung. Für ein Anspringen der Konjunktur spricht vor allem, dass sich Geschäftsklima, Produktions- und Exporterwartungen des verarbeitenden Gewerbes in den vergangenen Monaten deutlich verbessert haben. Maßgeblichen Anteil daran hat die Erholung der US-Konjunktur. Insgesamt wird das reale Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2002 um 0,9 % steigen, im nächsten Jahr um 2,4 %. Der Preisauftrieb bleibt moderat, die Inflationsrate wird in diesem und im nächsten Jahr rund 1 ½ % betragen.
(Joachim Gürtler)
Nach den Befragungsergebnissen vom Januar rechnen die ostdeutschen Unternehmen für das laufende Jahr nur noch mit einem mageren Produktionsplus von (real) rund 1 %. In Sachsen zeichnet sich nach dem kräftigen Wachstum im letzten Jahr (Umsatz +9 %) sogar eine Nullrunde ab. Mit der Konjunkturdelle und der sich verschlechternden Ertragslage ist der Beschäftigtenaufbau in der sächsischen Industrie wie in den anderen neuen Ländern zum Stillstand gekommen. Die Planangaben signalisieren einen Rückgang um ½ % für 2002.
Zur Ertragskraft des umstrukturierten verarbeitenden Gewerbes der neuen Länder liegen kaum aktuelle Informationen vor. Das ifo Institut hat deshalb begonnen, zweimal pro Jahr die Umsatzrendite der ostdeutschen Industriefirmen zu erheben. Die seit längerem erfragten Urteile zur Ertragslage geben verläßliche Hinweise zur Entwicklung der Ertragskraft. In Ostdeutschland werden niedrige Umsatzrenditen positiver bewertet als in den alten Bundesländern. Mit 1,4 % im Durchschnitt aller Industrieunternehmen lag die Umsatzrendite 2001 immer noch deutlich unter den Renditewerten der westdeutschen Industrie (1,9 %).
(Thomas Kralinski und Karl Nolle)
Die Abwanderung ist eines der beherrschenden Themen der öffentlichen Diskussion in den neuen Ländern. Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung ist vor allem von Bedeutung, dass 57 % der "Abwanderer" im Alter von 15-35 Jahren sind und sich der Prozess der Abwanderung zuletzt stark beschleunigt hat. Daneben hat in den letzten Jahren der Fortzug der Menschen mit hohem Schul- und Berufsabschluss stark zugenommen. Die sächsischen Ballungszentren sind hiervon noch am wenigsten betroffen. Vor dem Hintergrund der sich ab 2005 halbierenden Bewerberzahlen für Ausbildungsplätze müssen Wege gesucht werden, wie die Zukunftsfähigkeit der sächsischen Unternehmen erhalten bleibt.
(Horst Penzkofer und Heinz Schmalholz)
Die Innovationstätigkeit der ostdeutschen Unternehmen hat sich schon seit längerem auf hohem Niveau stabilisiert: Die im Jahr 2000 hierfür von der Industrie aufgewendeten Finanzmittel lagen jedoch geringfügig unter dem Volumen des Vorjahres. Aufgrund der höheren Einführungsrate von Produktneuheiten der letzten Jahre verfügt die ostdeutsche Wirtschaft im Vergleich zur westdeutschen Industrie über ein ausgeglicheneres - und damit auch wachstumsträchtigeres - Produktsortiment.
(Josef Lachner)
In der sächsischen Industrie hat sich das Geschäftsklima seit Dezember erholt; nach einer zwischenzeitlichen Verschlechterung im April setzte sich der Aufwärtstrend im Mai weiter fort. Maßgeblich war die zuversichtliche Einschätzung der Entwicklung in den kommenden Monaten. Die derzeitige Lage wurde von ähnlich vielen Unternehmen als ungünstig bewertet wie in den beiden vorangegangenen Monaten.
Das Geschäftsklima im Baugewerbe Sachsens hat sich im Mai verschlechtert, nachdem in den Monaten März und April eine Besserung vorgelegen hatte. Die Unternehmen beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage wesentliche zurückhaltender. Für die nächsten Zukunft erwarteten die Unternehmen wieder häufiger eine Abschwächung.