(Joachim Ragnitz, Beate Schirwitz und Gerit Vogt)
Der globale Abschwung hat in den letzten Monaten auch die Wirtschaft der ostdeutschen Bundesländer massiv erfasst. Während das Bruttoinlandsprodukt Ostdeutschlands im ersten Halbjahr 2008 noch um gut zwei Prozent gestiegen ist, dürfte das Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte nahezu zum Erliegen gekommen sein. In diesem Jahr ist mit einer drastischen Verschlechterung der Wirtschaftslage zu rechnen. Das Bruttoinlandsprodukt Ostdeutschlands (mit Berlin) wird 2009 voraussichtlich um 1,9% zurückgehen. Für das Bruttoinlandsprodukt Sachsens wird eine Schrumpfung um 2,1% prognostiziert. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahresdurchschnitt in beiden Regionen um rund 1% abnehmen.
(Wolfgang Nierhaus)
In Deutschland stehen die Konjunkturampeln im Jahr 2009 auf rot. Die deutsche Wirtschaft, die zuvor aufgrund ihrer außenwirtschaftlichen Ausrichtung in besonderem Maße von dem kräftigen weltwirtschaftlichen Aufschwung profitiert hat, gerät nun umgekehrt in besonderem Maße in den Abwärtssog, den die Finanzkrise weltweit ausgelöst hat. Im Jahresdurchschnitt 2009 wird das reale Bruttoinlandsprodukt, dem Ursprungswert nach wie auch kalenderbereinigt, um 2,2% abnehmen. In Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt ist der Finanzierungssaldo des Staates auf –1,4 % zu veranschlagen. Erst im Jahr 2010 ist mit dem allmählichen Abebben der Finanzkrise und der leichten Besserung des internationalen Umfelds eine konjunkturelle Stabilisierung zu erwarten.
(Helmut Seitz)
In diesem Beitrag wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfang die demographischen Entwicklungen die Nachfrage bzw. den Bedarf nach Leistungen der sozialen Infrastruktur determinieren. Hierbei wird ausschließlich auf die Bereiche Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und Einrichtungen zur Pflege von Behinderten fokussiert. Die Projektionsrechnung zeigt, dass der Platzbedarf in Pflegeheimen in Thüringen bis 2030 um ca. 60 % steigen wird. Damit verbunden sind ein erheblicher zusätzlicher Personalbedarf sowie ein großer Investitionsaufwand. Die Länder- und Gemeindehaushalte werden hiervon durch steigende Sozialhilfeausgaben tangiert. Ähnlich ist die Entwicklung im Bereich der Behinderteneinrichtungen. Für den Krankenhausbereich gibt es nach vorliegenden Berechnungen in Thüringen keinen Kapazitätszuwachsbedarf. Hier ist eher nahe liegend, dass es zu einer weiteren leichten Kapazitätsbereinigung kommen könnte.
(Madlen Arnhold)
Auch fast 20 Jahre nach der deutschen Vereinigung gibt es in weiten Teilen der ostdeutschen Bevölkerung noch immer Vorbehalte gegenüber der marktwirtschaftlichen Ordnung. Was auf den ersten Blick verwundern mag, ist bei näherem Hinsehen durchaus erklärlich. Ein großer Teil der Menschen in den neuen Ländern ist in der DDR aufgewachsen und hat dort die die individuellen Einstellungen prägenden Erfahrungen gesammelt. In dem vorliegenden Beitrag werden Ergebnisse einer am IFO INSTITUT durchgeführten Untersuchung zu Denkmustern in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland präsentiert. Die Analyse beschränkt sich dabei nicht allein darauf, Unterschiede darzustellen, sondern versucht darüber hinaus auch, die Kausalitäten und sozialpsychologischen Mechanismen für ostdeutschlandspezifische Sichtweisen zu identifizieren.
(Sebastian Döll)
Arbeiten und Wohnen fallen zunehmend räumlich auseinander. Der vorliegende Beitrag untersucht diesbezüglich das Pendlerverhalten in Sachsen im Zeitraum 1997–2007. Dabei wird gezeigt, dass sowohl ein größerer Anteil der Beschäftigten den Wohnort zum Arbeiten verlässt als auch die Entfernungen zunehmen. Ebenso wird die Bedeutung von Arbeitsmarktzentren wie Dresden und Leipzig für das Umland deutlich.