(Marcel Thum)
Ab 1. Mai 2004 hat die Europäische Union zehn neue Mitglieder – bis auf Zypern und Malta östliche Nachbarn der bisherigen EU. Diese Osterweiterung bietet viele Chancen: Europa wächst politisch und gesellschaftlich weiter zusammen und auch wirtschaftlich verspricht die Integration weitere Vorteile. Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Gewinne ungleich verteilt sein werden. Einige Sektoren werden in Deutschland durch den größeren Binnenmarkt weiter wachsen können, andere werden Marktanteile abgeben müssen. Aber nicht nur sektoral wird es Verschiebungen geben, sondern auch zwischen den Produktionsfaktoren. Die Lohnkosten in den angrenzenden Ländern Tschechien und Polen betragen weniger als 20 % des deutschen Niveaus. Der Lohndruck in den nächsten Jahren wird also beträchtlich sein.
(Wolfgang Gerstenberger)
Eine neue, umfassende Untersuchung des ifo Instituts Dresden analysiert mit theoretisch fundierten Indikatoren und mit einer Investorenbefragung die Standortbedingungen in Sachsen, Polen und Tschechien. Auf der Basis der Aussagen der Außenhandels- und Integrationstheorie werden hieraus Schlüsse hinsichtlich der Chancen und der Risiken für die sächsische Wirtschaft aus der Osterweiterung gezogen. Unter Berücksichtigung des Branchenmix der Regionen Sachsens erlaubt dies auch Aussagen zur Sensitivität der sächsischen Regionen gegenüber dieser Veränderung der Wettbewerbsbedingungen. Hauptaufgabe der durchgeführten Umfrage bei Unternehmen in Sachsen und in den angrenzenden Regionen in Tschechien und Polen war, aktuelle Informationen zu dem Vorbereitungsgrad, der Innovationsbereitschaft und den geplanten Aktivitäten im Hinblick auf die EU-Osterweiterung zu liefern.
(Michaela Votteler)
Die Regionen der 15 EU-Mitgliedsländer sowie Polens, Tschechiens und Ungarns weisen große Unterschiede in ihrer Wirtschaftskraft auf. Diese manifestieren sich nicht nur innerhalb den 18 Ländern, sondern auch zwischen den Regionen innerhalb der einzelnen Länder. Gerade aber die ärmeren Regionen werden in den nächsten sechs Jahren ein kräftiges Wirtschaftswachstum aufweisen, sodass sich die Regionen in ihrer Wirtschaftskraft annähern dürften. Die Konvergenzprozesse zwischen den Regionen der einzelnen Länder werden davon jedoch in unterschiedlichem Maße betroffen sein.
(Wolfgang Nierhaus)
In Deutschland stehen die Konjunkturampeln auf Grün. Im Jahresdurchschnitt 2004 wird das reale Bruttoinlandsprodukt um 1,8 % steigen. Etwa 0,5 Prozentpunkte sind darauf zurückzuführen, dass es mehr Arbeitstage als im Jahr 2003 gibt, außerdem entfallen 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte auf das partielle Vorziehen der dritten Stufe der Steuerreform 2000. Für den Arbeitsmarkt ist trotz der besseren Konjunktur keine rasche Belebung zu erwarten. Auch bei der Finanzlage der öffentlichen Haushalte ist keine nachhaltige Besserung in Sicht.
(Beate Grundig)
Entgegen der Entwicklung in den anderen Bundesländern ging die jahresdurchschnittliche Zahl an Arbeitslosen in Sachsen im vergangenen Jahr leicht zurück. Dieser Rückgang spiegelt jedoch weder eine verbesserte wirtschaftliche Lage noch einen Ausbau des zweiten Arbeitsmarktes wider. Die Gründe liegen vielmehr in der Bereinigung der Arbeitslosenstatistik um ältere Arbeitslose und ersten Auswirkungen der Hartz’schen Arbeitsmarktreformen.
(Gerit Vogt)
Zum Jahresbeginn hat sich das Geschäftsklima im sächsischen verarbeitenden Gewerbe leicht verbessert. Während bei den Meldungen zur aktuellen Geschäftslage im Vergleich zum Dezember kaum eine Veränderung zu beobachten ist, fallen die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Geschäftslage zuletzt besser aus. Eine insgesamt größere Anzahl von Industrieunternehmen plant, in den nächsten drei Monaten die Produktion zu erhöhen.
Zum Jahresbeginn beurteilen die Unternehmen des sächsischen Bauhauptgewerbes die aktuelle Geschäftslage insgesamt verhaltener als im Dezember. Die befragten Unternehmen wurden im Januar offensichtlich stärker als vor Jahresfrist von negativen Witterungseinflüssen erfasst. Das Geschäftsklima konnte sich dennoch aufgrund günstigerer Bewertungen der zukünftigen Geschäftslage verbessern.