Die Europäische Kommission plant, mit einer "Blue Card" verstärkt Experten aus Drittstaaten zu locken. Wäre es nicht sinnvoller, in eine bessere Ausbildung im Inland zu investieren? Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, stellt die vom Bundeskabinett am 9. Januar 2008 verabschiedete Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung" vor. Sie enthält Maßnahmen, die Bildungschancen zu stärken, die Durchlässigkeit im Bildungssystem zu erhöhen und innovative Impulse zusetzen. Es zeichne sich allerdings ab, dass "wir ohne gezielte Zuwanderung von Fachkräften nicht auskommen". Angesichts der sehr heterogenen Arbeitsmarktverhältnisse in Europa könne aber eine einheitliche Regelung niemals den Bedürfnissen aller Länder gleichermaßen gerecht werden. Deshalb sei einer nationalen Zuwanderungslösung den Vorrang gegenüber einer europaweiten "Blue Card" zu geben. Aus Sicht des Wissenschaftlers und Universitätslehrers hat Bernhard Kempen, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, mit dem EU-Vorstoß durchaus Sympathie; denn gerade die Wissenschaft lebe von Mobilität, und für die Institution Universität sei der grenzüberschreitende Austausch unerlässlich. Leider sei zu bezweifeln, dass Europa im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe attraktiv genug sei. Umso wichtiger seien zusätzliche Mittel zur Sicherung der Ausbildungsqualität. Für Jürgen Wuttke, BDA, wäre es nötig, vor allem für die Zielgruppe der hoch qualifizierten Zuwanderer ein klares positives Signal zu setzen und die Niederlassungserlaubnis für sie zu erleichtern. Darüber dürfe aber auch die Aktivierung und Qualifizierung des inländischen Erwerbspersonenpotentials nicht vernachlässigt werden. Nach Meinung von August-Wilhelm Scheer, Präsident des BITKOM, müssten sowohl der nationale Fachkräftemarkt entwickelt als auch die Zuwanderungsgesetzgebung modernisiert und das internationale Marketing des Arbeitsstandortes Deutschland verbessert werden. In diesem Kontext sei die "Blue-Card"-Initiative der Europäischen Kommission zu begrüßen. Leider habe die deutsche Politik das "Blue-Card"-Konzept abgelehnt, das sei umso schädlicher, da das nationale deutsche Zuwanderungssystem weiterhin nicht optimal sei.
Ergänzend zu den Beiträgen im ifo Schnelldienst 23/2007 sieht Stefan Sell unabhängig von der Frage der Laufzeit der Versicherungsleistung bei den Arbeitsmarktreformen im Kontext der Agenda 2010 das zentrale Dilemma in der Einseitigkeit dieser Reformen. Es wurde, seiner Meinung nach, versäumt, eine "Win-Win-Situation" zu schaffen, wie sie etwa das dänische Flexicurity-Modell biete.
Jürgen Kromphardt
Im ifo Schnelldienst Nr. 19/2007 sprach sich Hans-Werner Sinn in seiner "Anmerkung zur Reallohnentwicklung in Deutschland" gegen die Einführung von Mindestlöhnen aus, da diese zu Arbeitsplatzverlusten führen würden. Jürgen Kromphardt, TU Berlin und ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, interpretiert die vorliegenden Daten in eine andere Richtung und zieht einen entgegengesetzten wirtschaftspolitischen Schluss.
Hans-Werner Sinn
In seiner Replik zu Jürgen Kromphardts "Gegen-Anmerkung" führt Hans-Werner Sinn aus, dass Kromphardts Aussagen über die Lohnstückkosten und die Erhöhung der Stückgewinne für sich genommne zwar korrekt, seine Schlussfolgerung, dass die höheren Stückgewinne auf einen unausgenutzten Spielraum für Lohnsteigerungen hindeuten, aber falsch seien. Bei der Berechnung der Lohnstückkosten und der Stückgewinne werde der Lohn nur mit der durchschnittlichen Arbeitsproduktivität verglichen. Wolle man feststellen, was die Arbeit allein zur Produktion beisteuert, müsse man die Grenzproduktivität der Arbeit betrachten. Nur sie bestimme in der Marktwirtschaft, wie hoch der Lohn sein kann, denn nur bei einer Entlohnung nach dem Grenzprodukt reiche der Gesamtwert der Produktion überhaupt aus, alle Produktionsfaktoren zu entlohnen. Sinn weist auch das Argument, höhere Mindestlöhne würden die Güternachfrage steigern, zurück. Dieses Argument übersehe, dass Einkommen nicht nur Lohneinkommen seien und eine Lohnerhöhung das Einkommen einer Volkswirtschaft nicht vergrößern, sondern bestenfalls anders verteilen könne. Die Arbeiter hätten mehr, die Unternehmer weniger. Das hieße, dass die Arbeiter mehr konsumieren, aber die Unternehmer ihre Güterkäufe stattdessen einschränken würden.
Monika Ruschinski
In den letzten Jahren erwiesen sich die deutschen Exporte als der Konjunkturmotor der deutschen Wirtschaft, und Deutschland wurde als Exportweltmeister noch vor den USA gefeiert. Tatsächlich gilt der Titel jedoch nur für die Warenausfuhr. Berücksichtigt man auch Dienstleistungsexporte, so haben weiterhin die Vereinigten Staaten die Nase vorn. In diesem Beitrag werden daher Datenreihen für die deutsche Warenausfuhr und für die deutsche Dienstleistungsausfuhr getrennt über einen langen Zeitraum hin untersucht, um die strukturellen Eigenschaften der Zeitreihen deutlich machen zu können. Die Untersuchung zeigt, dass die Waren- und Dienstleistungsausfuhr verschiedene zyklische Verhaltensmuster aufweisen, und auch bei den saisonalen Effekten gibt es deutliche Unterschiede. Zudem macht die Trendanalyse deutlich, dass die Warenausfuhr und der Dienstleistungsverkehr zum Teil recht unterschiedlichen Wachstumspfaden folgen.
Christian Baretti, Doina Maria Radulescu und Michael Stimmelmayr
Zum Jahresbeginn trat die Unternehmensteuerreform 2008 in Kraft. Christian Baretti, Doina Maria Radulescu und Michael Stimmelmayr untersuchen hier, inwieweit die Reform die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland verbessert wird. Ihrer Ansicht nach wird die Senkung der Körperschaftsteuerbelastung für Kapitalgesellschaften diesem Ziel gerecht. Den weiteren - insbesondere zur Gegenfinanzierung - ergriffenen Maßnahmen fehlt es jedoch an Stringenz. Trotz positiver Signalwirkung zeugt die Steuerreform daher an vielen Stellen von Stückwerk.
Hans G. Russ
In der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands hat sich das Geschäftsklima im Januar leicht verbessert. Zwar beurteilten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage etwas weniger günstig als im Vormonat, die Erwartungen für das kommende halbe Jahr lassen jedoch erhöhte Zuversicht erkennen. Der Großteil der Meldungen ging allerdings noch vor dem Einsetzen der Finanzkrise ein.
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