Veranstalter: Bayerischer Rundfunk / BR Alpha, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Offene Akademie der Münchner Volkshochschule.
In den sieben Vorträgen befasste sich Hans-Werner Sinn in Anlehnung an sein Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ mit den Grundproblemen der deutschen Wirtschaft. Im Anschluss an die Vorträge wurden die Themen in einem Gespräch mit einem Redakteur des Bayerischen Rundfunks vertieft. Nach Vortrag und Diskussion erhielten die Zuhörer Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Die Reihe wurde vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet und in einer Fernsehserie bei BR Alpha ausgestrahlt.
Die Globalisierung veranlasst immer mehr deutsche Firmen, arbeitsintensive Teile der Produktionsketten in Niedriglohnländer zu verlagern. Selbst die Stars des deutschen Mittelstands verlegen immer mehr Arbeitsplätze in andere Länder. Die asiatischen und neuerdings auch die osteuropäischen Länder machen Deutschland bei der Industrieproduktion zunehmend Konkurrenz. Deutschland hat bei den Arbeitskosten der Industriearbeiter und den Exporten den Vize-Weltmeistertitel. Wie passt das zusammen?
Der Faktor Arbeit ist in Deutschland zu teuer geworden und ist wesentliche Ursache der nachlassenden Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Flächentarifvertrag und Kündigungsschutz erweisen sich als Bremsklotz struktureller Anpassungen. Die Folgen der gewerkschaftlichen Hochlohnpolitik werden durch den Sozialstaat sozialisiert.
Der Sozialstaat begünstigt die Arbeitslosigkeit. Mit seinen Lohnersatzleistungen zieht er eine Untergrenze bei den Löhnen ein, die die private Wirtschaft erst überspringen muss, um ein Arbeitsverhältnis zu etablieren. Der Sozialstaat nimmt so den gering Qualifizierten ihre Arbeitsmarktchancen.
Erfolgreiche regionale Aufholprozesse brauchen geeignete Startbedingungen und ein besonderes Maß an Flexibilität. Die Stellvertretertarifverhandlungen am Beginn der deutschen Vereinigung dagegen brachten hohe Löhne für die ostdeutschen Unternehmen und nahmen ihnen jede Konkurrenzfähigkeit. Nur teilweise konnten die ostdeutschen Unternehmen durch Aufgabe der Tarifbindung die Entwicklungsbarriere Flächentarifvertrag überwinden.
Der Staat absorbiert 57% des Volkseinkommens für seine Zwecke. Er nimmt zwei Drittel des Lohns für Mehrarbeit, und er belastet mit seinen Schulden die künftigen Generationen. Vierzig Prozent der deutschen Wähler beziehen ihr Einkommen als Sozialleistungen oder Rente vom Staat.
Bezogen auf seine Bevölkerung hat Deutschland die geringste Zahl von Neugeborenen auf der ganzen Welt. Unter anderem deshalb wird die Rente in dreißig Jahren bezogen auf den Bruttolohn nur halb so hoch sein wie heute. Diskutiert werden die verschiedenen Ursachen der zunehmenden Kinderlosigkeit, u.a. das derzeitige Rentensystem, das die ökonomischen Folgen der Kinderlosigkeit sozialisiert.
Die Löhne der neuen EU-Mitglieder betragen nur ein Siebtel der Löhne in Westdeutschland und ein Fünftel der Löhne in den neuen Ländern. Der starre heimische Arbeitsmarkt erlaubt nicht, die davon ausgehenden Wanderungsanreize auszugleichen, und die Immigration verdrängt gering qualifizierte Arbeitnehmer in das soziale Netz. Die neue EU-Verfassung einschließlich der Freizügigkeitsrichtlinie schafft eine Sozialunion und erleichtert die Zuwanderung.
Ist Deutschland noch zu retten? von Hans-Werner Sinn Econ / Ullstein Buchverlage: München/Berlin 2003 bis 2005, 579 S. Gebunden mit Schutzumschlag: 8., aktualisierte Auflage 2004, ISBN 3-430-18533-5, 25,00 €; Taschenbuch: 4., aktualisierte Auflage 2005, ISBN 3-548-36711-9, 13,00 € Hörbücher: 13 Audio-CDs, 1 Bonus-CD im MP3-Format, Laufzeit ca. 15:30 Std. Sprecher: Ari Gosch Verlag: TechniSat Digital; Auflage: 1 (Mai 2006) Sprache: Deutsch ISBN 3939048119, 19,90 €
Aktualisierte englischsprachige Ausgabe:
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CORINE Buchpreis 2004:
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