Dienstleistungen tragen in allen Wirtschaftsbereichen zur Lösung drängender Arbeitsmarktprobleme bei. Auch im Hinblick auf den Umweltschutz gelten Dienstleistungsarbeitsplätze als beschäftigungs- und umweltpolitisch zukunftsträchtig. Die Vermutung, daß auch die Arbeitsplätze im Umweltschutz an dem allgemeinen Trend der Tertiarisierung der Wirtschaft teilhaben, stützt sich dabei u.a. auf eine Studie der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute aus dem Jahre 1996, in der der Dienstleistungssektor als beschäftigungspolitischer Hauptgewinner der Umweltpolitik bezeichnet worden ist.
Ziel dieser Untersuchung war es eine Bestandsaufnahme der Beschäftigung für die Dienstleistungsbereiche und -tätigkeiten vorzunehmen, die als umweltorientiert bezeichnet werden können. Dabei handelt es sich um Tätigkeiten, die primär, aber auch sekundär dem Umweltschutz dienen (insbesondere auch aus dem Bereich umweltverträglicher Verkehr). Darüber hinaus sollen beschäftigungsfördernde und -hemmende Einflußfaktoren analysiert, Beschäftigungspotenziale und -perspektiven aufgezeigt und abschließend Ansatzpunkte zur Förderung umweltorientierter Dienstleistungen diskutiert werden.
Zur Erfassung eines möglichst breiten Spektrums an Dienstleistungen verfolgte das ifo-Institut einen institutionell-funktionalen Ansatz, der auf eine Kombination angebots- und nachfrageseitiger Daten abzielt. Der institutionelle Rahmen der amtlichen Statistik, der auf eine tiefe Untergliederung nach Wirtschaftssektoren, Abteilungen, Klassen, Unterklasse etc. ausgerichtet ist, wird zwar im Grundsatz beibehalten, um überhaupt eine Aggregation von Daten zu ermöglichen; er wird jedoch an verschiedenen Stellen durchbrochen, so daß auch Dienstleistungstätigkeiten außerhalb des Dienstleistungssektors berücksichtigt werden. Damit wird zumindest näherungsweise auch der Forderung Rechnung getragen, den Dienstleistungsbegriff neu zu definieren, um die Bedeutung von Dienstleistungen für eine nachhaltige Entwicklung aufzuzeigen.
Bei der Verwendung des Datenmaterials zur Identifikation der umweltorientierten Dienstleistungen und ihrer Beschäftigungswirkungen wurde ein kombinierter bottom-up-top-down Ansatz zugrunde gelegt. Amtliche und sekundäre Quellen sowie Schätzungen sollen - selbst um den Preis einer unvermeidlichen Unsicherheit - verknüpft und miteinander in Einklang gebracht werden. Zu diesem Zweck werden die Abgrenzungs- und Erfassungsansätze im Rahmen von Primär- und Sekundärstatistiken bzw. Studien sowie deren Probleme diskutiert. Schließlich werden auch Dienstleistungstätigkeiten miteinbezogen, für die keine verläßlichen quantitativen Daten vorliegen. Sie sollen - in der Hoffnung auf eine verbesserte Datenlage in der Zukunft - zumindest qualitativ systematisiert werden.
Die Bestandsaufnahme der wichtigsten umweltorientierten Dienstleistungen liefert angesichts der bereits erwähnten Abgrenzungsprobleme ein äußerst vielschichtiges und heterogenes Bild. Tätigkeiten, die auf den ersten Blick nicht mit Umweltschutz oder der Dienstleistungswirtschaft in Verbindung gebracht werden, lassen sich bei genauerer Betrachtung als umweltorientierte Dienstleistungen umschreiben. Schwierigkeiten bereitet auch der unmittelbare Vergleich einzelner umweltorientierter Dienstleistungen, die kaum strukturelle oder inhaltliche Gemeinsamkeiten aufweisen. Ein grobes, wenn auch nicht immer genaues Raster für die Systematisierung bietet die Unterteilung in traditionelle und neue umweltorientierte Dienstleistungen. Unter die traditionellen Dienstleistungen fallen z.B. die Entsorgungsdienstleistungen der Abfallwirtschaft. Als neue Dienstleistungen werden insbesondere umweltorientierte Energiedienstleistungen, Mobilitätsdienstleistungen und der Ökotourismus eingehender untersucht.
Das Abgrenzungs- und Erfassungskonzept und die Bestandsaufnahme wichtiger umweltorientierter Dienstleistungen bildet die Grundlage für die quantitative Abschätzung des gegenwärtigen Beschäftigungsstandes. Für das Jahr 1998 konnten in Deutschland insgesamt rund 820.000 Erwerbstätige in umweltorientierten Dienstleistungsbereichen identifiziert werden, was einem Anteil von rund 2,5% an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen im Inland ausmacht und als untere Grenze anzusehen ist. Hierbei handelt es sich um direkte, positive und tangible Bruttobeschäftigungseffekte. Umweltorientierte Dienstleistungen werden dabei in allen Wirtschaftszweigen der deutschen Volkswirtschaft erbracht. Als grober Anhaltspunkt kann davon ausgegangen werden, dass umweltorientierte Dienstleistungen im Hinblick auf die Zahl der Erwerbstätigen zu ca. zwei Dritteln im sog. Dienstleistungssektor und zu einem Drittel im primären und sekundären Sektor angesiedelt sind. Eine bedeutende Rolle spielt der Bereich "Sonstige Dienstleistungen". Die mit den untersuchten Dienstleistungen verbundenen Beschäftigungseffekte können ferner danach unterschieden werden, ob sie im öffentlichen oder im privaten Sektor anfallen. Neben rein privaten und rein öffentlichen umweltorientierten Dienstleistungen können diese Dienstleistungen auch in öffentlichen Unternehmen oder unter starker Beteiligung der öffentlichen Hand sowie in Organisationen ohne Erwerbscharakter erbracht werden. Auch wenn die Zuordnung aufgrund von Liberalisierungs- und Privatisierungsbemühungen in ehemals staatlichen umweltbezogenen Infrastrukturaufgaben Schwierigkeiten bereitet, kann davon ausgegangen werden, dass gut zwei Drittel aller umweltorientierter Dienstleistungsbeschäftigten im privaten Sektor angesiedelt sind.
Eine direkte Vergleichbarkeit zur Studie aus dem Jahre 1996 ist aufgrund unterschiedlicher Abgrenzungs- und Erfassungsansätze nicht gegeben. Gerade die Erweiterung des methodischen Ansatzes der Vorläuferstudie muss vielmehr als wesentlicher Fortschritt dieser Studie gesehen werden. Auf ein Beschäftigungswachstum zwischen 1994 und 1998, den Erhebungsjahren der beiden Studien, kann aus dem direkten Vergleich der Studien damit allerdings nicht geschlossen werden. Dennoch können für einzelne umweltorientierte Dienstleistungsbereiche überwiegend positive Beschäftigungstrends aufgezeigt werden. Zu bedenken ist, dass diese Beschäftigungstrends auch Ausdruck von strukturellen Veränderungen sind. Damit ergeben sich mehr oder weniger deutliche Verschiebungen im Tätigkeitsspektrum. Die Frage, was als Umweltschutztätigkeit im allgemeinen und als umweltorientierte Dienstleistung im besonderen zu gelten habe, muß deshalb immer wieder aufgeworfen werden.
Veröffentlicht als Bericht Nr. 2/02 des Umweltbundesamts, Berlin.