Ziel des Forschungsprojektes ist es, ökonometrische Methoden zu entwickeln, welche es erlauben, multivariate Zeitreihenmodelle zu schätzen, mit Daten, die zu verschiedenen Frequenzen erhoben wurden. Aktuell existierende Methoden für solche Anwendungen beschränken sich auf Zeitreihen, deren Störgrößen unabhängig und identisch verteilt sind (i.i.d. - Annahme). Wichtige makroökonomische Vorhersagen beruhen auf vorlaufenden Finanzindikatoren, die auf höheren Frequenzen erhoben werden (monatlich, wöchentlich, täglich) im Gegensatz zu den Variablen, die vorhergesagt werden (vierteljährlich oder jährlich). Diese Indikatoren verbessern nicht nur die Vorhersagegenauigkeit, sondern tragen auch zu einer zeitaktuelleren intra-vierteljährlichen oder jährlichen Prognose bei. Finanzielle Indikatoren – z.B. stellen Zinssätze bis zu einem Drittel der voraus laufenden Indices, oder Aktienrenditen – verletzen jedoch eklatant die i.i.d. Annahme, weil sie starke bedingte Heteroskedastie (ARCH) aufweisen. Das Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Methoden um diese ARCH-Prozesse zu erweitern und sie darüber hinaus zu verallgemeinern. Neben vielen anderen wichtigen makroökonomischen Größen wird unser Fokus in diesem Forschungsprojekt auf dem Bruttoinlandsprodukt liegen. Das BIP stellt die umfassendste Definition von wirtschaftlicher Aktivität dar und, aus Sicht von Politikern, Investoren und Firmen im Allgemeinen, wahrscheinlich die wichtigste vorherzusagende Größe. Modelle für die BIP-Prognose sind oftmals jedoch nur für Quartale möglich. Deshalb ist es das Ziel, für professionelle Beobachter und Politiker zuverlässigere und aktuellere Vorhersagen zu liefern (auch auf Monatsbasis).
Neben diesen praktischen Anwendungsmöglichkeiten und ihrer Beiträge zur Ökonometrie werden wir auch auf dem Gebiet der Makroökonomie forschen. Es gibt ein großes Interesse, das Verständnis und die Modellierung von Interaktionen zwischen Real- und Finanzsektor zu verbessern. Selbiges gilt auch für die Finanzwirtschaft, wo z.B. makroökonomische Variablen Risikofaktoren in Bewertungsmodellen darstellen. Es ist beabsichtigt, solche Probleme zu beleuchten, wenn die entsprechenden theoretischen Werkzeuge entwickelt worden sind.