Die Integration der mittel- und osteuropäischen Staaten in die Europäische Union (EU) ist die größte Aufgabe, die die Gemeinschaft seit ihrer Gründung zu bewältigen hat. Der Integrationsprozess ist politisch ohne Alternative, weil er den Raum der Stabilität, des Friedens, der wirtschaftlichen Prosperität und des sozialen Ausgleichs erweitert und die dynamische Entwicklung von Demokratie und Transformation in den mittel- und osteuropäischen Ländern forciert. Am Ende dieses Prozesses steht ein geeintes, stabiles und prosperierendes Europa, dessen Zukunft in wohltuendem Kontrast zu seiner Vergangenheit steht.
Damit dieser historische Prozess im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlicher und sozialpolitischer Integration seine Dynamik erhalten kann, ist es wichtig, neben den Chancen auch mögliche Probleme zu identifizieren und Lösungen anzubieten. Vor diesem Hintergrund ist die Frage der Arbeitnehmerfreizügigkeit im Kontext der Beitrittsverhandlungen, insbesondere für die Bundesrepublik Deutschland, von nicht unerheblicher politischer Bedeutung. Die Diskussion ist gespalten zwischen jenen, denen eine Erörterung der Bedingungen der Integration unpassend erscheint und die das Problem durch eine Verniedlichung der zu erwartenden Zuwanderungszahlen beiseite schieben wollen, und anderen, die mit der Beschwörung von Horrorszenarien einen Aufschub des EU-Beitritts der osteuropäischen Länder erreichen wollen. Diese Polarisierung führt nicht weiter. Nur eine vorurteilsfreie Analyse der wirklichen Chancen und Risiken der Osterweiterung kann den Weg zu einer erfolgreichen Integration der osteuropäischen Länder in die EU weisen.
Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung hat daher in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung die Wirkungen und Perspektiven einer Öffnung der deutschen Arbeitsmärkte für Arbeitnehmer aus den wichtigsten Beitrittsstaaten analysiert.
Die Studie wurde am 13. Februar 2001 zur Veröffentlichung freigegeben.
K. Vogler-Ludwig und N. Düll (1999), Auswirkungen der Arbeitnehmer-Freizügigkeit auf innereuropäische Migrationsbewegungen. Vorstudie, München.
N. Düll, H. Hofmann, S. Munz, K. Vogler-Ludwig, H. Hänlein, J. Kruse, H.-J. Reinhard und B. Schulte (2000), EU-Erweiterung und Arbeitskräftemigration, (Zwischenbericht) München.
Hans-Werner Sinn, Gebhard Flaig, Martin Werding, Sonja Munz, Nicola Düll, Herbert Hofmann in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht Andreas Hänlein, Jürgen Kruse, Hans-Joachim Reinhard, Bernd Schulte (2001), EU-Erweiterung und Arbeitskräftemigration: Wege zu einer schrittweisen Annäherung der Arbeitsmärkte, ifo Beiträge zur Wirtschaftsforschung, Bd. 2, ifo Institut: München
H.-W. Sinn, G. Flaig, M. Werding, S. Munz, N. Düll und H. Hoffmann, EU Enlargement and Labour Mobility: Consequences for Labour Markets in Germany and Redistribution by the State, CESifo Research Reports 2, ifo Institut für Wirtschaftsforschung, München, 2003 (Abstract)