Ziel des Forschungsvorhabens ist eine Analyse der Wirksamkeit des Welfare-to-Work-Ansatzes. Dieser Ansatz beinhaltet eine Neuausrichtung der sozialen Grundsicherung, bei der die Empfänger als Gegenleistung für die Sozialleistungen öffentliche Arbeit verrichten müssen, die Inanspruchnahme der Leistungen befristet wird und die Sozialleistungsempfänger aktiv bei der Suche und Aufnahme einer Beschäftigung unterstützt werden. Der Schwerpunkt des Projekts liegt in der theoretischen Analyse der Wirkungsweise der neuen Elemente der sozialen Grundsicherung. Ergänzend werden empirische Studien zu Beschäftigungs- und Einkommenseffekten sowie fiskalischen Wirkungen aufgearbeitet. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erfahrungen, die in den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden mit einer Welfare-to-Work-Politik gemacht werden sowie eher experimentelle Ansätze dieser Art in Deutschland.
Die theoretische Analyse fokussiert auf drei Hauptelemente des Ansatzes, nämlich die Arbeitsverpflichtung, die Befristung der Sozialhilfe und die Unterstützung der Sozialhilfeempfänger bei der Arbeitsplatzsuche. Grundlage der Analysen sind das Effizienzlohnmodell von Shapiro und Stiglitz (1984) sowie die Matching-Modelle von Pissarides (2000) sowie Coles und Masters (2000). Dabei werden die Konsequenzen der Änderung der Anreizstrukturen für Beschäftigte explizit berücksichtigt. Ferner wird die Perspektive eingenommen, dass Arbeitslosigkeit unfreiwillig ist. Beschäftigungswirkungen ergeben sich daher nicht infolge eines veränderten Arbeitsangebots, sondern aufgrund einer auf die neuen Anreizstrukturen reagierenden Arbeitsnachfrage, beziehungsweise über einen modifizierten Matching-Prozess. Die theoretische Analyse soll durch eine vergleichende Darstellung der Welfare-to-Work-Politik in fünf Ländern und eine Aufarbeitung der vorliegenden Evaluierungsstudien im Hinblick auf die Prognosen aus den theoretischen Ansätzen ergänzt werden.
Im Hinblick auf die empirisch gestützten Teile der Untersuchung werden vorhandene Arbeiten hinsichtlich derjenigen Variablen herangezogen, für die sich aus den theoretischen Modellen Voraussagen ergeben. Im Vordergrund stehen dabei Beschäftigungseffekte, Einkommenseffekte und fiskalische Effekte. Die in der empirischen Forschung etablierten Ergebnisse werden in Form von Surveys aufgearbeitet.
Die Einführung oder Verschärfung von Befristungen des Sozialhilfebezugs lassen den Zustand der Arbeitslosigkeit relativ unattraktiver erscheinen. Außerdem sinken die Leistungen pro Arbeitslosen, was mit einem geringeren Steuersatz einhergeht. Beides erlaubt den Unternehmen eine Absenkung der Bruttolöhne, was zu mehr Beschäftigung führt. Die Nutzenniveaus der Beschäftigten und der Leistungsempfänger ändern sich entsprechend der Änderung der Nettolöhne. Relativ zu diesen beiden Gruppen profitieren Arbeitslose ohne Leistungsanspruch von einer Verkürzung der Bezugsdauer der staatlichen Leistung.
Die empirische Literatur zu den Wirkungen der Befristung von Sozialhilfezahlungen betont die Effekte auf die unmittelbar Betroffenen. Diese reduzieren die Inanspruchnahme der Leistung bevor die Frist erreicht ist. Die Effekte auf die Beschäftigung sind uneindeutig, tendenziell ergeben sich aber positive Wirkungen auf das Einkommen.
Eine Arbeitsverpflichtung für Sozialhilfeempfänger führt ebenfalls zu niedrigeren Bruttolöhnen und einer höheren Beschäftigung. Bei einer endogenen Überwachungstechnologie in Unternehmen steigt dann aufgrund niedrigerer Opportunitätskosten die Überwachungsintensität. Dies führt zu einem niedrigeren Nutzendifferenzial zwischen beschäftigten Arbeitern und Sozialhilfeempfängern. Beide Gruppen können einen Nutzenzuwachs selbst bei fallendem Nettolohn erreichen.
Holzner, Christian, Volker Meier and Martin Werding, "Time Limits on Welfare Use under Involuntary Unemployment", CESifo Working Paper Nr. 1220, 2004 ( Abstract / Download )
Holzner, Christian, Volker Meier and Martin Werding, "Time Limits in a Two-tier Unemployment Benefit Scheme under Involuntary Unemployment", Ifo Working Papers Nr. 29, 2006 ( Abstract / Download )
Holzner, Christian, Volker Meier and Martin Werding, "Workfare, Monitoring, and Efficiency Wages", CESifo Working Paper Nr. 1749, 2006 ( Abstract / Download )
Ochel, Wolfgang, "Welfare Time Limits in the United States – Experiences with a New Welfare-to-Work Approach", CESifo Working Paper Nr. 1210, 2004 ( Abstract / Download )
Ochel, Wolfgang, "Welfare-to-Work Experiences with Specific Work-First Programmes in Selected Countries", International Social Security Review 58 (4), 2005, 67-93 ( Mehr Informationen )