Im Rahmen der Initiative „How to Construct Europe“, bei deren Bearbeitung ifo-Forscher und Mitglieder des CESifo-Forschungsnetzwerks auf vielfältige Weise miteinander kooperieren, koordinieren Prof. Kai Konrad (CESifo Research Network, Area Employment and Social Protection) und der ifo Bereich Sozialpolitik und Arbeitsmärkte eine Reihe von Forschungsbeiträgen von Netzwerkmitgliedern zu Fragestellungen aus ihren gemeinsamen Forschungsgebieten. Die Beiträge werden zunächst als CESifo Working Papers veröffentlicht und sollen anschließend in angesehenen Fachzeitschriften erscheinen, um die wissenschaftliche und wirtschaftspolitische Debatte in Europa zu bereichern.
In eigenen Beiträgen konzentriert sich der Bereich Sozialpolitik und Arbeitsmärkte auf zwei Fragestellungen, die für die zukünftige Gestaltung von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik innerhalb der EU von Bedeutung sein werden. Zum einen werden Arbeitskräftewanderungen innerhalb der EU, in die EU sowie von der EU und aus Drittländern in die USA untersucht, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der Qualifikationsstruktur mobiler Arbeitskräfte und differenziert nach Zielländern. Am Beispiel der Arbeitsmärkte Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der USA soll erstmals eine verlässliche, empirische Bestandsaufnahme erstellt und auch versucht werden, Richtung und Struktur der beobachteten Wanderungen zu erklären. Zum anderen wird ein Aspekt des internationalen Steuerwettbewerbs näher beleuchtet, der sich aus unterschiedlichen nationalen Regelungen zur vor- bzw. nachgelagerten Besteuerung von Alterseinkünften und aus daraus resultierenden, speziellen Wanderungsanreizen beim Eintritt in den Ruhestand ergibt.
Die Untersuchungen zur Qualifikationsstruktur international mobiler Arbeitskräfte basieren auf Mikrodaten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA. Untersucht werden sollen damit, u.a. mit Hilfe multinomialer Logit-Analysen, welche Determinanten – speziell: welche sozial- und arbeitsmarktpolitischen Institutionen – die tatsächlich beobachtete Qualifikationsstruktur der in diesen potentiellen Zielländern ansässigen Migranten erklären. Im Mittelpunkt der Untersuchung der Wanderungsanreize für Ruheständler steht eine theoretische Analyse der Effekte auf nationale Steuerstrukturen und Angebote an öffentlichen Gütern.
Für die empirischen Analysen zur Qualifikationsstruktur von Migranten werden nationale, für die gesamte Erwerbsbevölkerung repräsentative Mikrodatensätze verwendet, die in den European Labour Force Survey eingehen bzw. – im Falle der USA – damit vergleichbare Informationen enthalten.
Die Lage von Zuwanderern am Arbeitsmarkt stellt sich in den vier betrachteten Ländern sehr unterschiedlich dar. Während die Arbeitslosenraten von Zuwanderern in Deutschland und Frankreich über 15% liegen, liegen sie in Großbritannien und den USA deutlich unter 10%. Zudem ist die Arbeitslosenquote von Zuwanderern in den europäischen Ländern doppelt so hoch wie diejenige Einheimischer, wohingegen in den USA die Arbeitslosenquoten annähernd gleich sind; betrachtet man nur niedrige Qualifikationsstufen ist die Arbeitslosigkeit von Zuwanderern in den USA sogar niedriger als die von Einheimischen. Die multinomiale Logit Analyse hat gezeigt, dass arbeitspolitische Institutionen einen signifikanten Effekt auf Wanderungsanreize haben; so erhöhen verbesserter Kündigungsschutz, höhere Transferleistungen für Arbeitslose und stärkere Mitbestimmung von Arbeitnehmern die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Migrant für ein bestimmtes Land entscheidet. Des Weiteren bestätigen die Ergebnisse, dass hohe Löhne, niedrige Arbeitslosigkeit, niedrige Steuern, gutes Gesundheits- und gutes Ausbildungssystem wichtige Faktoren für die Wanderungsentscheidung darstellen.
Fisher, W.H. und C. Keuschnigg (2007), „Pension Reform and Labour Market Incentives“, CESifo Working Paper Nr. 2057 (Download, 407 KB).
Geis W., S. Übelmesser und M. Werding (2008), „Why go to France or Germany, if you could as well go to the UK or the US? Selective Features of Immigration to four major OECD Countries“, CESifo Working Paper Nr. 2427 (Download, 350 KB).
Geis W., S. Übelmesser und M. Werding (2008), „"How do Migrants Choose Their Destination Country? An Analysis of Institutional Determinants"“, CESifo Working Paper Nr. 2506 (Download, 290 KB).