Im Rahmen des Projekts soll der Zusammenhang zwischen Änderungen des realen effektiven Wechselkurses und der Entwicklung ausgewählter Indikatoren des Außenhandels für eine Reihe von Emerging-Market-Ländern analysiert werden. Die Studie dient dem Auftraggeber UNCTAD als Hintergrundinformation zur Erstellung des Trade & Development Report 2004, und erweitert und aktualisiert die im Jahr 2001 von Herrn Wollmershäuser für die UNCTAD erstellte Studie „Exchange Rate Shocks and Trade Flows in Developing Countries“.
Die Studie untersucht im Rahmen einer Panel-Schätzung für 34 Emerging-Market-Länder für den Zeitraum von 1973-2002 den Einfluß von Änderungen des realen effektiven Wechselkurses auf die Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften. Als abhängige Variable dienen verschieden Indikatoren der Außenhandelsbilanz, wie z.B. die Handelsgüterbilanz, die Leistungsbilanz, die Trade Ratio, die Exporte und der Exportmarktanteil. Neben der Bedeutung struktureller Merkmale der Volkswirtschaften (wie z.B. Ofenheitsgrad und Exportstruktur) sowie der Wechselkurspolitik auf die Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit, steht bei der Panel-Analyse die Ausweirkung „großer“ Änderungen des realen effektiven Wechselkurses im Mittelpunkt. Als „groß“ werden solche Änderungen bezeichnet, deren Betrag 10 Prozent pro Jahr übersteigt. Der Grund für diese Unterscheidung liegt in der Schwierigkeit, eine Trennlinie zwischen fundamentalen und nicht-fundamentalen Wechselkuränderungen zu ziehen. Gerade in Emerging-Market-Ländern kann eine reale Aufwertung neutral auf die gesamtwirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit wirken, wenn die Ursache der Aufwertung im Balassa-Samuelson-Effekt zu finden ist. Auf- oder Abwertungen, die die 10 Prozent-Marke übersteigen, werden vereinfachend als solche Änderungen des realen effektiven Wechselkurses interpretiert, die nicht durch fundamentale Faktoren erklärbar sind. Dieser Setzung liegt die Anahme zugrunde, daß reale Faktoren (wie bspw. Produktivitäten) eine relativ geringe Volatilität aufweisen, und daß daher die Änderung des realen effektiven Wechselkurses ihren Ursprung im nominalen Wechselkurssystem haben muss.
EcoWin, UN COMTRADE database, WTO database
Unabhängig vom Ausmaß der Änderung des realen effektiven Wechselkurses lässt sich feststellen, dass die meisten Variablen, die als Indikatoren der Wettbewerbsfähigkeit herangezogen wurden, sich wie erwartet verhalten. Eine reale Aufwertung verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit, eine Abwertung verbessert sie. Große Wechselkursänderungen weisen im Vergleich zu kleinen eine wesentlich höhere Wechselkurselastizität der untersuchten Handelsströme auf. Eine 10prozentige reale effektive Aufwertung verschlechtert bspw. die Handelsgüterbilanz, die in Prozent des Bruttoinlandsprodukts gemessen wird, im Jahr der Aufwertung im 0.9 Prozentpunkte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im verwendeten Datensatz knapp ein Viertel aller Änderungen des realen effektiven Wechselkurses die 10 Prozent-Marke übersteigen. Solche großen Änderungen treten zum einen umso häufiger auf, je flexibler das zugrundeliegende Wechselkursregime ist. Zum anderen werden sehr rigide Wechselkursregime (feste Wechselkurse, Crawling Pegs) häufig durch spekulative Attacken, die mit kräftigen nominalen als auch realen Abwertungen einhergehen, beendet. Die Implikationen für die UNCTAD sind klar. Bei den Verhandlungen zur Liberalisierung des Welthandels wird zu einseitig auf den Abbau tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse geachtet. Dabei kann die Wechselkurspolitik zumindest temporär zu ähnlichen Verzerrungen in den Handelsbeziehungen führen. Aus diesem Grunde sollte monetäre Stablität ebenfalls auf die Tagesordnung zukünftiger Handelsrunden.
Die Ergebnisse wurden im Trade and Development Report, 2004, der UNCTAD im Kapitel IV (insbesondere Anhang 2 zu Kapitel IV) veröffentlicht.