Das ifo Institut für Wirtschaftsforschung erhielt im August 2006 von der Landeshauptstadt Dresden den Auftrag, ein belastbares Szenario für den Arbeitsmarkt Dresden vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung zu erarbeiten. Sachsen hat seit 1990 bereits 13 % seiner Bevölkerung verloren und wird bis 2020 weitere 11 % verlieren. Hinter diesen Zahlen stehen räumlich sehr heterogene Entwicklungen mit starken Bevölkerungsverlusten vor allem in den ländlichen Räumen aber auch leichten Bevölkerungsgewinnen wie in Dresden. Allerdings kann sich die Stadt Dresden trotzdem nicht vor dem Demographieproblem verschließen. Erstens steht dem Bevölkerungsanstieg ein Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter um 3,5 % gegenüber. Zweitens kann sich die Stadt Dresden nicht von der Entwicklung im Umland abkoppeln, da gegenwärtig rund 1/3 aller Erwerbstätigen in Dresden aus benachbarten Kreisen einpendeln. Umso wichtiger für die Planung der Stadt ist deshalb die Beantwortung der folgenden Fragen. Welche Auswirkungen hat der demographische Wandel auf den Arbeitsmarkt in Dresden? Welche Entwicklungen sind in den einzelnen Arbeitsmarktqualifikationen zu erwarten? Wie wirken sich diese Entwicklungen auf die einzelnen Branchen aus?
Zentrale Ergebnisse der Studie sind, dass es in Dresden – bei gegebener Bevölkerungsprognose – aufgrund seiner Sogwirkung für Erwerbspersonen aus dem Um- und Ausland in der Summe nicht zu einem Mangel an Arbeitskräften kommen wird. Allerdings zeigt die Analyse der qualifikationsspezifischen Teilarbeitsmärkte, dass die Entwicklung für die einzelnen Qualifikationsniveaus durchaus unterschiedlich verlaufen wird. Bei den Geringqualifizierten baut sich die Arbeitslosigkeit leicht ab, ohne dass jedoch steigende Arbeitsnachfrage und demographisch bedingter Rückgang der Erwerbsbevölkerung das Arbeitslosigkeitsproblem von alleine lösen würden. Sowohl bei den Personen mit Berufsabschluss als auch bei den Personen mit Hochschulabschluss wird die Lücke zwischen Arbeitsnachfrage und Arbeitsangebot deutlich kleiner, sodass für einzelne Qualifikationen mit Knappheiten und damit Lohndruck nach oben zu rechnen ist. Je spezifischer der Arbeitskräftebedarf eines Unternehmens ist, desto wichtiger wird daher eine vorausschauende Personal- und Qualifikationspolitik. Unternehmen müssen damit rechnen, dass sie sich für spezifische Qualifikationen immer weniger auf den lokalen Arbeitsmarkt verlassen können. Die Unternehmen stehen zunehmend mit Firmen in anderen attraktiven Standorten im innerdeutschen Standortwettbewerb.
Thum, M.; B. Grundig; M. Kriese und C. Pohl (2007): Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Dresdner Arbeitsmarkt, ifo Dresden Studie 42, München/Dresden 2007
Grundig, B.; M. Kriese und C. Pohl (2007): Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Dresdner Arbeitsmarkt, ifo Dresden berichtet 02/2007, S. 3-13 (Download, PDF, 246 KB).