Das Handelsblatt hat am 18.9.2006 das Ergebnis einer umfangreichen Erhebung zur internationalen Forschungsleistung deutschsprachiger Volkswirte in einer begrenzten Menge an Zeitschriften veröffentlicht. Es wurden die Literaturverzeichnisse von 850 Ökonomen einschließlich der Statistik und Ökonometrie gesichtet und bewertet. Von den ca. 1000 im EconLit erfassten wissenschaftlichen Zeitschriften aus dem Bereich der Ökonomie wurden ca. 180 Zeitschriften berücksichtigt, die nach einer Liste der französischen Ökonomen Combes und Linnemer sowie nach der sogenannten Tinbergen-Liste als wissenschaftlich besonders hochstehende internationale Zeitschriften gelten. Innerhalb dieser Zeitschriftenliste wurden, je nach der Einschätzung der Bedeutung der Zeitschriften, Gewichte von 1 bis 0,2 vergeben. Ferner wurden die Aufsätze invers zur Zahl der beteiligten Autoren gewichtet. Zum Beispiel wurde die Punktzahl im Falle zweier Autoren mit 2/3 und im Falle von drei Autoren mit 2/4 = 1/2 multipliziert.
Bewusst nicht erfasst wurden wissenschaftliche Monographien, auch nicht solche in internationalen Top-Verlagen, die mit Referee-Verfahren arbeiten. Das Ranking reflektiert damit die im angelsächsischen Bereich veränderte Werteskala bezüglich der Art der ökonomischen Forschungsarbeiten. Nicht erfasst wurden ferner Aufsätze in referierten oder nicht referierten Sammelbänden.
Es wurden grundsätzlich nur englischsprachige internationale Zeitschriften berücksichtigt. In wenigen Fällen handelt es sich dabei um Zeitschriften die früher in anderen Sprachen publiziert haben. Die Zeitschriftenauswahl umfasst die Zeitschriften, denen im Bereich der Volkswirtschaftslehre in der Tat eine hohe Beachtung zukommt.
Nicht erfasst wurde leider eine Reihe von internationalen Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum, obwohl sie seit langem rein englischsprachig sind und sicherlich zu den anerkannten Publikationsorganen des Faches zählen. Dazu gehören u.a. das German Economic Review (die Fachzeitschrift des Vereins für Socialpolitik, des Fachverbandes der deutschen Volkswirte), das Journal of Economics (früher Zeitschrift für Nationalökonomie), das Finanzarchiv (eine der ältesten ökonomischen Zeitschriften der Welt) und auch die CESifo Economic Studies, die als Nachfolger der ifo Studien bei Oxford University Press herauskommen und zu der Handvoll deutscher Zeitschriften gehören, die es in den Social Science Citation Index geschafft haben. Erfasst sind aber das Review of World Economics aus Kiel (früher Weltwirtschaftliches Archiv) sowie das Journal of Institutional and Theoretical Economics (früher Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft). Die Nichterfassung respektabler Zeitschriften aus dem deutschsprachigen Raum ist kritikwürdig, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Handelsblatt-Liste auch Organe wie die holländische Zeitschrift De Economist, die belgische Zeitschrift Annales d'Economie et de Statistique, das Michigan Law Review oder das Yale Law Journal berücksichtigt, denen unter Ökonomen kaum eine höhere Bedeutung zukommen dürfte.
Trotz dieser Einschränkungen ist die Handelsblatt-Liste die bislang umfangreichste Erhebung der Publikationen in internationalen Zeitschriften. Wenngleich sie im Gegensatz zu der vom Handelsblatt vertretenen Auffassung nicht den Forschungserfolg an sich misst, vermittelt sie doch einen im Großen und Ganzen zutreffenden Eindruck vom Publikationserfolg deutscher Ökonomen in referierten internationalen Zeitschriften, die außerhalb des deutschen Sprachraums erscheinen.
Das ifo Institut kann sich darüber freuen, dass seine Forscher außerordentlich gute Plätze belegt haben. Einige ifo-Forscher haben es geschafft, in die Spitzengruppe vorzustoßen.
Ifo Präsident Hans-Werner Sinn (58), hat den fünften Rang inne, was die gesamte Lebensleistung bezüglich der Publikationen in internationalen referierten Zeitschriften betrifft, dies obwohl seine vielen Bücher, auch die internationalen, nicht gezählt wurden. Sinn liegt mit jeweils minimalem Abstand zwischen Werner Hildenbrand (70) und dem Nobelpreisträger Reinhard Selten (76), (In dem vom Handelblatt veröffentlichten Ranking hatte er den vierten Platz, aber später wurden diese Angaben auf der Homepage des Handelsblatts korrigiert.)
Stolz kann die CESifo-Gruppe auf Kai Konrad sein, der hinter Martin Hellwig (49) den zweiten Platz in der Gesamtliste einnimmt, obwohl er erst 45 Jahre alt ist. Konrad ist zwar Professor an der Freien Universität Berlin und am Wissenschaftszentrum, aber er ist mit dem ifo Institut als Forschungsprofessor und Area Coordinator im CESifo-Netzwerk (Labour and Social Affairs) eng verbunden. Er hat als Schüler von Hans-Werner Sinn lange Jahre am CES gearbeitet und maßgeblich zu den frühen Publikationserfolgen der volkswirtschaftlichen Fakultät der LMU München beigetragen. Konrad ist mit einer Punktzahl von 1,01 pro Jahr der in Relation zu seinen Forschungsjahren produktivste deutsche Ökonom.
Auf dem zweiten Platz hinter Kai Konrad kommt in der Liste der pro Zeiteinheit produktivsten Volkswirte Deutschlands der ifo Bereichsleiter Peter Egger (37). Egger nimmt hinter Patrick Schmitz (37) auch den zweiten Platz bei der Liste der meisten Veröffentlichungen ein.
Die Liste der Top 100 der Auslandspublikationen ist auch im Hinblick auf die Namen, die sie nicht enthält, interessant. Ökonomen, die von linken Politikern gerne als Vertreter eines alternativen wirtschaftspolitischen Ansatzes dargestellt werden, der angeblich im Ausland populärer sei als in der "neoliberal" verzerrten Ökonomenzunft Deutschlands (Lafontaine), sucht man vergebens.
Nachfolgend wird die Handelsblatt-Liste der 100 in internationalen Zeitschriften aktivsten Forscher Deutschlands wiedergegeben. Die enger mit der CESifo-Gruppe verbundenen Forscher sind hervorgehoben. Die Kontextinformation (erscheint, wenn man mit dem Mauszeiger auf den Namen navigiert) erläutert jeweils, in welcher Beziehung diese Forscher zur CESifo-Gruppe stehen. Die Reihung richtet sich nach der gesamten Punktezahl. Nachrichtlich sind auch noch die seit 2002 erworbenen Punkte und die Zahl der Punkte pro Jahr seit dem Jahr der ersten Veröffentlichung angegeben.
n.v. nicht verfügbar
Quelle: Handelsblatt.com, Stand 01. Oktober 2006, www.handelsblatt.com; Zusammenstellung des ifo Instituts.
Diese Liste stellt die mit der CESifo-Gruppe verbundenen und beim Handelsblatt-Ranking erfolgreichen Forscher mit ihren Punkten und Rangpositionen nochmals zusammen:
Jugend forscht Presseecho Handelsblatt, 25.09.2006, Nr. 185, S. 11