In addition to reactions to Hans-Werner Sinn’s books and press statements, numerous other questions were posed to him on various issues in the Discussion Forum.
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Meine Frage bezieht sich auf den alten Vortrag "Land der Greise" von Ihnen über die demographische Entwicklung vom 8.6.2005. Sie stellen gegen Ende die Handlungsempfehlung an die Politik dar, dass sich die Rentenhöhe (so wie es verstanden habe) stark an der Kinderzahl orientiert. Ich muss gestehen, dass ich das genaue Modell nicht mehr hinbekomme, da ich den Vortrag vor ungefähr einem Monat gehört habe, aber für meine Frage ist das eigentlich auch nicht wichtig. Meine Frage zielt auf Ihr grundsätzliches Argument, dass ein Kind der Gesellschaft wirtschaftlichen Wert bringt, und dass daher eine solche Fördernug der Eltern bei richtiger Subventionshöhe lohnt. Liegt hier nicht das Problem vor, dass erstens der wirtschaftliche Wert stark von der Erziehung abhängt? Kurz gesagt, folgt doch aus der sozial differentiellen Präferenz für Kinder-"Qualität" vs. -"Quantität" zu mindest unter Umständen, dass bestimmte Kinder wirtschaftliche Kosten erzeugen können. Das alleine reicht als Argument reich wohl nicht, da man diese Unterschiede wegmitteln kann, aber wenn die Eltern unterschiedlich auf Anreize wie eben Ihre Rentensubvention mit Fertilität reagieren, sollte es selektive Mitnahmeeffekte geben. Überspitzt gesagt, sollten sozial schwache Eltern dann nicht nur Kinder für das Kindergeld bekommen, sondern sogar noch für die Rente. Dann müsste man schon der Wert der Kinder in die Rentenhöhe miteinbeziehen.
Sehr geehrter Herr P., da Herr Sinn derzeit im Ausland ist, antworte ich Ihnen. Ich möchte mich für Ihre Anregungen bedanken. Zu der von Ihnen angesprochenen Problematik gibt es ein ifo Spezialthema „Rentenreform/Kinderrente“ auf das ich Sie gerne verweisen möchte: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/rentenreform. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, es ist eine wohl eher unübliche Anfrage, die ich hätte. Ich bin Schülerin in Baden-Württemberg im 13. Schuljahr, mache also in diesem Jahr mein Abitur, eins meiner schriftlichen Prüfungsfächer ist Wirtschaft. Dieses Fach habe ich nun seit zwei Jahren. In unserer momentanen Lehrplaneinheit "Weltwirtschaftliche Entwicklungsprozesse und ihre theoretischen Begründungen" haben wir uns auch mit Ihrer These der Basar-Ökonomie in Deutschland beschäftigt. In unserer Klausur gab es u.a. folgende Aufgabe: "Beurteilen Sie die Stimmigkeit der These von der "Basar-Ökonomie" Hans-Werner Sinns." Zur Beantwortung der Aufgabe habe ich zu Anfang Ihre These wie folgt zusammengefasst: "Die These der Basar-Ökonomie in Deutschland, die von Hans-Werner Sinn aufgestellt wurde, beschreibt die Verschleierung der Deindustrialisierung in Dt. So würde die Wertschöpfung an Industrieprodukten abnehmen, da die Fertigungstiefe sich aufgrund des Kaufens von Vorprodukten aus dem Ausland im Inland verringere." Dazu meinte mein Lehrer, dass die Formulierung "Verschleierung der Deindustrialisierung" einen Logikfehler darstelle. Ich hatte mich damit aber auf eine Kritikschrift zu Ihrer These mit der Formulierung "Das zentrale "Basarökonomie"-Argument einerverschleierten Deindustrialisierung durch Produktionsverlagerungen ins Ausland ist für Deutschland jedoch zu bezweifeln." (Quelle: Klepper, Carl Dominik / Schnettler, Katrin: Mehr Freiheit wagen, in: Argumente zu Marktwirtschaft und Politik Nr. 98 (Nov. 2006), hrsg. von Stiftung Marktwirtschaft) bezogen. Mein Lehrer ist der Meinung, dass diese beiden Formulierungen nicht die gleiche Aussage hätten. Ich habe Ihre These aber so verstanden, dass die Deindustrialisierung in Deutschland verschleiert wird durch die Annahme, dass Deutschland als Industriestaat kategorisiert wird und die Deindustrialisierung so nicht ersichtlich bzw. wie in obiger Quelle genannt "verschleiert" wird. Und damit folgere ich, dass meine Formulierung logisch korrekt ist und mit Ihrer These übereinstimmt. Meine Formulierung drückt lediglich aus, dass dieser Vorgang momentan stattfindet. Bei der Formulierung von Klepper wird hingegen ausgesagt, dass die Deindustrialisierung bereits verschleiert ist, wobei das meines Erachtens ebenfalls mit Ihrer These vereinbar ist. Da wir uns aber diesbezüglich nicht einigen können, würde es mich außerordentlich freuen, wenn Sie sich die Zeit nehmen würden und als Begründer der These der "Basar-Ökonomie" aussagen könnten, ob meine Folgerungen korrekt sind oder nicht. Im Vorraus vielen Dank für Ihre Bemühungen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass Sie als so qualifizierter und berühmter Ökonom für Anfragen auf solch unkomplizierte Weise erreichbar sind. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau J., die Basar-Hypothese besagt, dass der inländische Wertschöpfungsanteil an der Industrieproduktion (Fertigungstiefe) zugunsten des Auslands fällt und sich Deutschland zunehmend auf die kundennahen Endstufen der Produktionsketten spezialisiert. Immer mehr deutsche Industrieunternehmen verlagern arbeitsintensive Teile ihrer Wertschöpfungsketten in ausländische Niederlassungen (Offshoring) oder kaufen Vorprodukte bei Zulieferern aus dem Ausland (Outsourcing), um dadurch den hohen deutschen Lohnkosten zu entkommen. Dabei darf man nicht übersehen, dass diese Strategie die Wettbewerbsfähigkeit im Export belebt und dass der Exportindustrie zudem durch die Flaute der deutschen Binnensektoren sehr viel Kapital zufloss. Das hatte mich in meinem Buch „Das grüne Paradoxon“ veranlasst, von einem pathologischen Exportboom in Form einer übermäßigen Aufblähung der Wertschöpfung im Export zu sprechen. Sie interpretieren mich also insofern falsch. Auch der Begriff „Verschleierung der Deindustrialisierung“ trifft diesen Sachverhalt nun wahrlich nicht. Da muss ich Sie enttäuschen. Zur „Basar-Ökonomie“ hat das ifo Institut eine ifo-Spezialthema-Seite im Internet eingerichtet: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/basareconomy. Hier können Sie weitergehende Literatur zum Thema finden. Entscheidend ist aber das Buch selbst. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, könnten Sie sich vorstellen, dass das ifo-Institut unter seiner Aufgabe "Bereitstellung von Wirtschaftsinformationen für die interessierte Öffentlichkeit" eine Gesamtschau seiner Erkenntnisse über die finanziellen Auswirkungen der Mitgliedschaft in der Euro-Zone für die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht? Ich habe den Eindruck, dass eine Anwort (möglichst in tabellarischer Form) auf folgende Fragen auf breites Interesse stoßen würde: 1. Entwicklung der (oft behaupteten) gesamtwirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der Mitgliedschaft im Zeitablauf. 2. Erkennbare/erwartbare Belastung der deutschen Steuerzahler durch: -Bürgschaften -Transfers -Stützungsmaßnahmen für deutsche Banken -Haushaltseinnahmeausfälle (z.B. reduzierte Gewinnabführung Bundesbank (auch wg. nicht bedienter Targets), Steuerausfälle durch vom Schuldenerlaß betroffene Steuerpflichtige) Nebenfrage: Wäre es nicht ein hilfreiches Instrument, sozusagen ein Abwertungssurrogat, Griechenland vorübergehend die Erhebung von Importzöllen und die Gewährung von Ausfuhrsubventionen zu gestatten? (Das kollidierte zwar insbesondere mit EU-Recht. Eine Hürde, die heutzutage wohl zu nehmen wäre.) Mit freundlichen Grüßen Eberhard Kunde
Sehr geehrter Herr Kunde, haben Sie vielen Dank für Ihre Vorschläge. Eine genaue Bezifferung der gesamtwirtschaftlichen Vorteilhaftigkeit der Mitgliedschaft erscheint mir jedoch etwas schwierig. Sicher ist, dass Deutschland eher nicht zu den Profiteuren gehörte. In der Bogenberger Erklärung wird hierzu genauer Stellung genommen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_2011_bogenberger_erklaerung.pdf. Die zu erwartende Belastung der deutschen Steuerzahler durch die vielfachen Rettungsaktionen sind im ifo Haftungspegel aufgeführt: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/_Haftungspegel. Demnach beläuft sich der deutsche Haftungsanteil bei Insolvenz der GIIPS-Länder derzeit auf 676 Mrd. Euro (GIIPS: Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien). Zu Ihrer Nebenfrage: Die Erhebung von Importzöllen ist prinzipiell eine Möglichkeit, die immer wieder auch in der Diskussion vorkommt. Dafür müssten dann aber, wie von Ihnen bereits angemerkt, die EU-Verträge verändert werden. Was dem freilich nahekommt, ist eine Umschichtung der Besteuerung von der direkten Steuer zur Mehrwertsteuer. Das würde die Importe verteuern, ohne dass man mit dem EU-Recht in Konflikt geriete. Nur leider ist der Weg in Griechenland so extrem weit (Abwertung von 30-50% nötig), dass dieser Weg wohl nicht ausreichend ist. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Forsetzung der Diskussion mit Herrn Dr. Ring) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für die rasche Antwort. Zu meiner Frage hätte ich insoweit noch zwei Anmerkungen/Ergänzungen: 1. die Rechte der Bundesbank unterliegen doch insoweit (was Vermögensanlage angeht) dem alleinigen Primat des Deutschen Gesetzgebers. Wir könnten das dann doch selber ermöglichen. 2. oder die KfW könnte den Erwerb der Sachanlagen durchführen. Oder gleich die Bundesrepublik. Es kommt doch nur darauf an, dass eine inländische Organisation im Euro-Ausland erwirbt, oder? Vielen Dank Mit freundlichen Grüßen Stephan Ring
Sehr geehrter Herr Ring, Sie machen hier einen wichtigen Punkt, über den es sich lohnt, ernsthaft nachzudenken. In der Tat ließe sich, wenn die Bundesrepublik Deutschland über die KfW Vermögensobjekte im Süden erwürbe, die Target-Forderung in fungibles Vermögen überführen. Ähnlich geschieht es ja schon durch die offiziellen Rettungsaktionen. Wir geben Kredit in die Südländer über die intergouvernmentalen Hilfsprojekte, und dadurch sinkt der Target-Saldo. Allerdings geschieht das nur, wenn diese Länder das Geld nicht verwenden, um es hier wieder anzulegen oder um sich hier Güter zu kaufen. Aber auch wenn dieser konterkarierende Effekt gering wäre: Letztlich geben wir immer mehr Kapital in Länder, die dieses Kapital verbrennen und haben nicht die Möglichkeit, es dort anzulegen, wo wir es anlegen wollen. Mir scheint deshalb, dass man schon von Vornherein die Vergabe von Refinanzierungskrediten in die Südländer begrenzen muss, indem man mehr Sicherheiten fordert. Das ist auch der Ansatz von Bundesbankpräsident Weidmann, wenn die Presse über seinen Brief an Mario Draghi korrekt berichtet hat. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Vortrag im Bayerischen Hof Target II Salden Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich durfte an Ihrem hervorragenden Vortrag diese Woche teilnehmen. Nun läßt mich eine Frage nicht mehr los: Könnte die Bundesbank oder die BRD nicht durch den Kauf von Sachwerten (Gold, Rohstoffe etc) aus anderen Ländern des Euroraums die Target-Salden reduzieren? Im Ergebnis wären dann nicht Forderungen gegen die EZB sondern die Sachwerte durch die Druckepresse "aufgedrängt" worden. Immer noch besser als nichts. Selbst wenn der Einkauf überteuert erfolgen würde. Vielen Dank Mit freundlichen Grüßen Stephan Ring
Sehr geehrter Herr Ring, das wäre der Clou. Ich war in der Tat einen Moment lang verblüfft von dieser einfachen Lösung. Aber, soweit ich weiß, darf die Bundesbank das nicht. Sie darf nur mit Banken auf ihrem Territorium Geschäfte machen. Ich glaube, wir kommen nicht um den Ausgleich zwischen den Notenbanken herum. Mein Vorschlag, den ich zusammen mit acht anderen Ökonomen der European Economic Advisory Group at CESifo ausgearbeitet habe, lautet, dass die Regierungen der Eurozone staatliche Pfandbriefe ausgeben sollten, die nach einheitlichen Kriterien mit Immobilien oder vorrangigen Ansprüchen auf künftige Steuereinnahmen des Emissionslandes besichert sind. Wir sind der Meinung, dass diese Pfandbriefe zur jährlichen Tilgung der Target-Salden verwendet werden können. Den detaillierten Bericht dazu können Sie der ifo-Homepage entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Forsetzung der Diskussion mit US vom 5. März 2012) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin überrascht und erfreut, dass Sie sich die Mühe machen, Anfragen persönlich zu beantworten. In einzelnen Punkten bin ich allerdings anderer Meinung. Löhne: Sie sagen, dass eine politisch beeinflusste Lohnerhöhung in Deutschland eine Flaute hervorruft, Abeitslosigkeit entsteht und sowohl Importe als auch Exporte fallen. Auch wenn man keiner gewerkschaftlichen Ideologie anhängt, kann man erkennen, dass nicht zwangsläufig eine Flaute kommen muss. Eine Reallohnerhöhung oberhalb des Produktivitätswachstums bedeutet erstmal eine Umverteilung von den Unternehmensgewinnen in die Hände der abhängig Beschäftigten, die womöglich eine niedrigere Sparquote haben. Im Exportsektor würden die Gewinne fallen, die Binnenwirtschaft könnte durch steigende Binnennachfrage profitieren und mehr umsetzen. Das gilt jedenfalls, sofern die (maßvollen) Lohnerhöhungen nicht zu zahllosen Firmenpleiten führen. Die Wirtschaftstätigkeit im Inland würde wahrscheinlich in der Summe steigen, wobei im Exportsektor weniger und in der Binnenwirtschaft mehr erwirtschaftet / produziert würde. Zudem gäbe es Druck auf die Preise in Deutschland, insbesondere im Exportsektor, was aber ja Zweck der Übung war. Lohnnebenkosten: Sie haben noch nichts zu dem Vorschlag gesagt, die starke deutsche Wettbewerbsposition über die Lohnnebenkosten zu dämpfen. Sarkozy kündigte vorgestern an, die Schröderschen Reformen zu Senkung der Lohnnebenkosten mit Hilfe einer Umsatzsteuer-Erhöhung nachzuahmen. Es würde im Sinne der europäischen Ungleichgewichte helfen, wenn Deutschland das Gegenteil täte - sodass Exportprodukte verteuert werden und die ausländischen Importeure deutscher Waren stärker als bisher an der Finanzierung unseres Sozialsystems beteiligt werden. Diese Umsteuerung ließe sich schnell umsetzen und später auch wieder umkehren, falls Deutschland eines Tages einmal ein Leistungsbilanzdefizit haben sollte. Nun werden Sie sagen, dass Deutschland nicht nur mit Europäern, sondern auch mit Chinesen und Amerikandern im Wettbewerb steht - das stimmt zwar, aber der deutsche Leistungsbilanzüberschuss erzeugt eine erhebliche Nachfrage nach Euros auf dem Devisenmarkt, sodass der Eurokurs auch dadurch hoch gehalten wird. Ohne unsere Überschüsse würde der Euro etwas abwerten und Resteuropa wieder etwas mehr Luft zum Atmen geben. Zinsen in Italien: Mag sein, dass die ital. Zinsbelastung 2012 laut Eurostat bei 5% des BIP liegt, allerdings konnten man sich dort bis vor kurzem ja relativ günstig verschulden. Die hohen Refinanzierungskosten werden erst im Laufe der Zeit wirksam, wie Sie sicher wissen. Italien hatte bis 1996 Inflationsraten von 4 bis über 6%, insofern war die Hälfte der genannten Zinslast (von 10%) faktisch reale Entschuldung, die eine entsprechende nominale Aufschuldung erlaubte. Der Vergleich hinkt, genauso wie der Vergleich mit Deutschland, da die Transfers nach Ostdeutschland sofort nachfragewirksam wurden und oft zu westdeutschen Unternehmen und zurückflossen. Ich nehme aber zur Kenntnis, dass die aktuell anfallende Zinslast für Italien durchaus noch zu schultern ist. Die EZB hilft ja derzeit maßgeblich dabei, dass es noch eine Weile finanziebar bleibt. Flaute von Italien: Sie sagen, dass Italien über ein Flaute zur realen Abwertung gezwungen werden muss. Flaute und reale Abwertung bedeuten aber praktisch Deflation und Massenarbeitslosigkeit. Überlegen sie, wieviel volkswirtschaftliche Ressourcen in so einer Zeit der Preisanpassung nach unten ungenutzt bleiben! Niemand mit Verstand würde für sein eigenes Land eine Deflation emfehlen, um relative Preise anzupassen, sondern immer eine moderate Inflation vorziehen. Nun sind wir aber in der Situation, wo wir zwischen einer Inflation in Deutschland und der Deflation in Spanien, Italien, Portugal zu wählen haben - als gute Europäer muss der Weg aus der Krise auch über eine reale Aufwertung Deutschlands führen. Die Konsequenzen einer etwas höheren Preis- und Lohnsteigerung in Deutschland sind weit weniger dramatisch als die Konsequenzen einer jahrelangen Deflation in Südeuropa. Viele Grüße US
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die nochmalige Rückmeldung. Mich wundert, dass Sie nicht den Unterschied zwischen einer nachfrageinduzierten Lohnerhöhung sehen, die es geben wird und geben sollte, und einer aufoktroyierten Lohnerhöhung, die Lagarde & Co wollen. Dass letztere die klassische Arbeitslosigkeit hervorruft, werden Sie nicht in Abrede stellen wollen. Auch nicht, dass es unwahrscheinlich ist, dass eine solche Lohnerhöhung die Nachfrage eher senken würde, weil ja die Summe aller Einkommen wegen des Rückgangs der Beschäftigung fällt. Was Sie zu den Schwierigkeiten einer realen Abwertung durch Deflation sagen, kann ich nur unterschreiben. Dazu habe ich immer wieder in Artikeln Stellung genommen mit dem gleichen Tenor wie Sie. Das genau ist ja das Problem. Man braucht die Deflation, um wettbewerbsfähig zu werden, kriegt sie aber nur um den Preis der realen Kontraktion. Wenn der Weg zum Gleichgewicht groß ist, gibt es im Euroraum keine Lösung! Bezüglich der Zinslast für Italien ist es so, wie ich sagte. Eurostat schätzt 5% des BIP für 2011, und in den neunziger Jahren waren es 10%. Sicher, damals hat die Inflation die Schuld entwertet. Man musste nicht tilgen. Da haben Sie Recht. Aber immerhin war die reine Zinslast relativ zum BIP doppelt so groß wie für 2011. Das ist eine großer Unterschied. Und wenn die Last zu groß ist: Warum zwingt Italien nicht seine Bürger, die die Papiere ja halten, sie zu mäßigen Zinsen weiter zu halten, anstatt die Staatengemeinschaft durch den EFSF zu zwingen, sie zu kaufen. Wieso muss die europäische Staatengemeinschaft den italienischen Vermögensbesitzern die als toxisch angesehenen Staatsanleihen abkaufen? Berlusconi hatte sich kurz vor dem Ende seiner Amtszeit noch damit gebrüstet, dass die Italienischen Haushalte besonders reich sind. Er hatte ja Recht. Die Wohneigentumsquote in Italien ist wesentlich höher als in Deutschland, und es gibt in bürgerlichen Kreisen einen Wohlstand, den ich in Deutschland noch nicht gesehen habe. So gesehen fällt es mir schwer einzusehen, warum meine Kinder und Sie zu Gläubigern des italienischen Staates werden sollen, indem sie die Luxemburger Bad Bank garantieren. Ich halte das für ein ziemlich sicheres Rezept, in Europa Unfrieden zu schüren. Wenn Sie privat italienische Papiere kaufen wollen, weil Sie sie für attraktiv halten, können Sie es ja tun. Wieso wollen Sie sich durch kollektiven Beschluss zum Kauf verpflichten? Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße US
Sehr geehrter Herr S. vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in einem Interview haben Sie gesagt, dass hinter den Target Forderungen unsere Ersparnisse stehen. Zitat von Ihnen: " Und wenn die Bundesbank die Banken und Lebensversicherungen einfach nur mit neugedrucktem Geld befriedigen möchte, was sie natürlich kann, dann gibt es Inflation." Meinen Sie damit, dass die Überschussliquidität welche die Banken bei der Bundesbank anlegt, im Falle, dass die Target Forderungen abgeschrieben werden müssten, im Risiko steht? Aber in welchem Zusammenhang stehen die Auszahlungen der Lebensversicherungen mit den Target2 Forderungen der Bundesbank? Mit freundlichem Gruß Noel König .
Sehr geehrter Herr König, die Target-Forderungen entstehen, weil die Südländer ihre Schulden bei den deutschen Banken und Versicherungen zurückzahlen (müssen) und diese Institutionen stattdessen Forderungen gegen die Bundesbank erhalten, die selbst Target-Forderungen gegen die EZB erhält. Mittlerweile sind 500 Mrd. Euro dort angelegt. Diese Summe entspricht in etwa der Hälfte des Nettoauslandvermögens der Bundesrepublik Deutschland. Wenn jetzt der Euro zerbrechen würde, hätte Deutschland eine Forderung gegenüber einem System, das nicht mehr existiert. Es ist nicht rechtlich geregelt, wie in einem solchen Fall zu verfahren wäre. Jetzt kann man natürlich einwenden, dass den Forderungen doch auch Sicherheiten zugrunde liegen. Fakt ist jedoch, dass die Qualität der Sicherheiten enorm abgenommen hat. Wenn Griechenland jetzt beispielsweise insolvent geht, haben die griechischen Sicherheiten keinen Wert mehr. Einspringen wird deshalb letztendlich der deutsche Steuerzahler bzw. der deutsche Sparer. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Prof. Sinn, als interessierter Bürger und zusätzlich als Bielefelder verfolge ich Ihre Äußerungen in den Medien immer mit besonderer Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang habe ich folgende Frage: von unseren Politikern (Frau Merkel in der Jauch-Sendung, Martin Schulz bei Maybritt Illner, unser Bielefelder CDU-Europa-Abgeordneter Elmar Brok [der Sie übrigens in meiner Gegenwart als Prof. Unsinn bezeichnet hat]) sprechen immer von einem Deutschen Export-Anteil in die Euro-Zone in Höhe von 60 %. Ich erinnere mich jedoch, daß Sie im Fernsehen von einer Abnahme des deutschen Exports in die Länder der EURO-Zone gesprochen haben. Nach meiner Erinnerung belief sich der Export-Anteil vor der Einführung des EURO in diese Länder auf ca. 49 % und reduzierte sich inzwischen auf nur noch ca. 41 %. Können Sie diese Zahlen bestätigen? Oder welche Werte sind richtig? Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen. Viele Grüße aus Bielefeld! Norbert Barlmeyer
Sehr geehrter Herr Barlmeyer, der Anteil der deutschen Ausfuhren an die Länder der Euro-Zone lag 2010 bei 40,8%. 2005 lag dieser Wert noch bei 44,7% und 1995 betrug der Wert sogar 46,8%. Ich hoffe, Ihnen hiermit weitergeholfen zu haben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, meiner Wahrnehmung nach ist es in den letzten Jahren, zu meiner Freude, zunehmend Ausweis von Wissenschaftlichkeit geworden, in der Darstellung von Ergebnissen die Komplexität des Themas anzudeuten und den eigenen Beitrag in diese Komplexität einzuordnen. Dies lässt - und ich sehe das positiv - wenig Platz für Polarisierungen, hat natürlich den Nachteil, dass die Ergebnisse weniger plakativ darstellbar sind und dass der eigene Beitrag einer von vielen ist, ein vielleicht wichtiger Baustein, aber nicht als fundamentaler Paradigmenwechsel darstellbar ist. Genau diese Haltung habe ich bei Ihnen vermisst, angesichts der Bedeutung des Themas, die Sie ja auch dargestellt haben, eine verpasste Chance. Als Nichtökonomin war für mich der Hinweis, die ökonomische Abwägung von vermutetem Vermögenszuwachs kontra Anlage von Erträgen auf der Angebotsseite als einen Hebel für erfolgreiche Umweltpolitik einzusetzen, sehr interessant. Für mich würde es für einen guten Vortrag schon genügen, hier EINEN neuen Hebel kennengelernt zu haben. Argumentativ nicht belegt ist für mich jedoch, dass VORRANGIG die "grüne" Bewegung dafür gesorgt hat, die Energiepreise seit den Energiekrisen der siebziger Jahre konstant niedrig zu halten. Hier haben, nicht nur meiner Einschätzung nach, politische Entscheidungen für niedrige Energiepreise eine große Rolle gespielt, Diversifizierung der Energiequellen, wie Ausweitung von Atomstrom in den Hauptabnehmerländern, Verstromung von Kohle, der in Deutschland auch gegen Protest der Anwohner in Braunkohleabbaugebieten durchsetzt wurde, Erschließung von Nordseeöl und nicht zuletzt die Präsenz des größten Nachfragers USA als Militärmacht am Golf, um nur einige zu nennen. Dies alles wurde nicht einmal erwähnt. Damit ist ihr vorgestelltes "Grünes Paradoxon" für mich nicht ausreichend begründet, denn die Nachfrageseite hat bisher sehr effektive Strategien entwickelt, um einen niedrigen Energiepreis durchzusetzen. Die Bausch-und-Bogen-Verdammung von allem, was in der Klimapolitik und- technologie auf der Nachfrageseite je gelaufen ist, ist damit für mich nicht nachvollziehbar. Polarisierungen haben zudem leider den Nachteil, Tausenden von Menschen, die sich bisher mit dem Thema beschäftigt haben, schlicht die Intelligenz abzusprechen. Meiner Ansicht nach sollte die Universität Düsseldorf die gute Darstellung von Wissenschaft auch nicht aus den Augen verlieren, wenn sie in der Öffentlichkeit bekannte Menschen als Vortragende einlädt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau R., Sie haben Recht, dass durchaus auch andere Faktoren die Energiepreisentwicklung beeinflusst haben und weiter beeinflussen. Mir ging es aber nicht um eine umfassende Erklärung sondern um die Frage, ob unsere Politik der Nachfrageeinschränkung wirksam ist oder überhaupt sein kann. Deshalb habe ich das Angebot in den Blick genommen, was bisher nicht geschehen ist. Wer die Politik will, muss begründen, warum er glaubt, dass die Nachfrageeinschränkung die Abbaumengen verringert. Aber die Vertreter der Grünen haben das Angebot bislang systematisch ausgeblendet. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße Ulrich S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
To Professor Simm First I want to say THANK YOU for the EXCELLENT Speech and Research by You and Your Colleague ! http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x _s-764870657/ifo/index.html http://www.nber.org/papers/w17626.pdf?new_window=1 } The interrelationships presented has clarified a lot of questions for me . I will need to study the research a bit in detail to understand it properly ..as I am not an economist but just a surgeon The overriding question though is WHAT NEEDS TO BE DONE .. I think You can agree on that ! In my mind it should not be too difficult ...though eventually politically ..very difficult First of all : take away the incentive of borrowing from the ECB : this is OBVIOUS accord to You This can be done just by increasing the interest-rate which has to be paid By nations having a deficit on this ECB account. For ex letting it be a FLOATING INTEREST RATE ... increasing in magnitude ..in correlation with the Size of the deficit ... the higher the deficit.. the higher the interest rate .. Quite sound in financial terms ! Politically easy to explain and motivate and Still NOT a total denial of shared responsibility . Second of all : Assure that collateral ASSETS are fungible ..as You term it . I have for a long time ..inspired by the Norvegian Wealth Fund Been thinking ..WHY ... not make the EURO .. a real asset backed currency . In that context GOLD is too narrowminded ... it should include ALL tangible Asset Classes in public Sovereign Posession within the EURO Area : Infrastructure / Real Estate / Equities / Foreign Bonds .. private and sovereign satisfying certain investment criteria and ofc Gold/ Silver / Platinum etc . This represents an enormous CAPITAL ! ( There is NO area with equal accumulated capital in the world ..wealth which often is lying dormant .. and which is Europes real Strength ... the quite uniform INFRASTRUCTURE ... of Europe Unparalleled in the world ... as long as that will last Why not use that .. the foundation for our wealth ? In theory there should be no objection ...IF ,, the errand is not to CHEAT !) But publicly owned tangible assets Organized in ETF like structures ( for which there now exists ample expertice in all sorts of assets ) Handed over as collateral for Money issued according to a fixed agreed percentage .. as much as possible ..but a little less will do ... for ex the nominal amount of Euro in effect MINUS the circulating amount of Euro in coins and notes ! Handed over to a central EURO FUND working in close synch with the ECB Run on legally enshrined principles of sustainable profit and growth . ETF Shares traded at Global exchanges and freely exchangeable with the EURO at Market prices . And if there are NOT REAL assets to cover up ... well . then no more EURO can be issued ... by such a sovereign ! It would take some Brilliant legal and financial experts to hammer out Such a construction .. but I am sure such brilliance is there..in Europe WHO ... would not want to hold and save in such a currency ? ... Few ..is my guess ! The process would take time ... but in my opinion .. fully worth the effort securing the future of normal European citicens and Nations for a long time to come and therefore A POSITIVE goal to work towards I may be NAÏVE ..in this suggestion .. but cannot really see WHY that should be so ? Third of all : CAPITAL CONTROL UNTIL THE SITUATION IS UNDER CONTROL ! I do not know whether You are aquainted with the Almost unprecedented attack on the EURO coming out of the anglosaxon world. I think You know ! Take any issue of The Financial Times ..or almost any Other anglosaxon media outlet ... and the picture is clear ! It is interesting that the Capital Flight out of especially Italy and France Occurs exactly at the time where the ANGLOSAXON MEDIA RHETORIC BOMBARDEMENT is gaining strength and volume I do not think this is coincidental ... and I do think I know the reasons for this ! As a convinced European ... I do not think it is in the interest of EUROPE or GERMANY Or my own country DENMARK to let the anglosaxon world get away with this Attempt of DIVIDE et IMPERARE ... in order to save their own miserable situation far worse than the European situation and something they have no choice but to run away from ... which in my opinion .. is ..what is being prepared ! ( and something You do not incorporate in Your presentations .. even if the condition Of the anglosaxon financial world is a pre-requisite of understanding the current Global financial situation..of which Europe and the PIIGS and Germany are a part ) A broken down European Union split up in smaller national entities could be CAJOLED into accepting above future development ! Fourth of all : assist the indebted Euro-countries to regain competitiveness by support and investment in REAL PRODUCTIVE ENTITIES ... most of all ...CREATING JOBS .. where wages are paid by income generated by that production ... evt subsidizing such concrete individual measures in start up phases ... Just like it was done in Ireland .. in the start of that nations tiger-leap from powerty to a competitive nation. Fifth of all : increase EU spending on EDUCATION , RESEARCH and INNOVATION especially also in Indebted countries .. subsidize THAT .. not bottomless sovereign holes Never forget or omit that .. even if NO IMMIDIATE MONEY will be received . Sixth of all : increase cooperation EAST and SOUTH WARD : towards EAST EUROPE, RUSSIA and CHINA Promote the aspirations of TURKEY into the European Union ( Greece & Cyprus should never have been admitted without also taking in Turkey ! ) Nurture the relations to AFRICA .. the area of the world , where Europes fate will ultimately be decided ( are you aware that it is big business for individual african farmers to RENT out their land even on relatively small plot scale to INDIVIDUAL chinese farmers who use the land to produce ..right now ... said just to exemplify .. what is going on ? ) Seventh of all : get rid of as much of Anglosaxon " Assets " as possible.. as these debts cannot be re-paid considering the imbalances present in these countries with NO END IN SIGHT ! That will be especially Important for GERMANY .. who is facing potentially loosing half of its wealth in Europe .. but may face Loosing a big part of the second half ...in the US .. and evt the UK ( if the latter does not regain its senses abandon the illusion of financial " wealth creation " regain its industrial productive apparatus ... And come on board ) Und hiermit .. Entschuldigen Sie mich fuer meine eventuell amateurische Gedanken Und noch einmal ..VIELEN DANK ...fuer Ihren Beitrag und Erleuterungen ! Vieles ist mir nach dem Lesen ..klarer geworden ! Ich wuensche Ihnen ein Frohes Fest und Neues Jahr ! Mr Ole C G Olesen
Dear Mr. Olesen, I am sorry to respond so late. But I was overly busy with other things. Thank you very much for your insightful comments and for expressing your interest in my work. Needless to say, the questions regarding how the economic crisis challenges the economic and political strength of the EU is of extremely high interest to me. I enclose a link to the last EEAG report which has a chapter on a new crisis mechanism for the Euro area. This mechanism considers a three-stage procedure that distinguishes between different degrees of a crisis: illiquidity, impending insolvency and actual insolvency: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Furthermore I want to advert to the Bogenberger Declaration: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_20 11_bogenberg_declaration.pdf. Therefore a resolution of the crisis can only come by addressing the real roots of the crisis. Treating only the symptoms of the disease is doomed to failure. Since there is no way to return to a policy of completely excluding mutual liabilities, the declaration makes a proposal for a agenda. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
1. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verfolgte Ihre Vorträge "Eurokrise und Konjunktur" und "Ist der Euro noch zu retten?". In beiden Vorträgen gingen Sie auf den dramatischen Anstieg der Target-Kredite ein. Leider steht der erste Vortrag "Eurokrise und Konjunktur" in der Mediathek Ihres Instituts nicht mehr zur Verfügung. Unter www.querschuesse.de wird über dieses Problem seit einigen Monaten berichtet. Am 4.01.2012 erschien der Artikel "Spaniens Target2 Saldo explodiert auf -137,178 Mrd. Euro". Ältere Artikel finden Sie dort unter der Registerkarte "Target2". Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter 2. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich sah mir gerade noch einmal das Video "ifo Konjunkturprognose 2011/2012: Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft aus" an. Ich schätze Ihre Einschätzungen sehr und motivierte viele Bekannte, sich die Videos auch speziell zu den Target-Krediten anzusehen. Ich möchte dennoch Ihren Fokus auf ein soziales Problem verstärken. Im Video ""ifo Konjunkturprognose 2011/2012" sagen Sie: "Bis Willy Brandt hatte sich die Arbeitslosigkeit treppenförmig vergrößert. Das war die Situation, als Schröder mit der Agenda 2010 die Notbremse zog. Sie sehen, dass das gewirkt hat. Die Arbeitslosenzahlen gingen runter... Vergleichen Sie das mit Frankreich. Sie sehen, dass Deutschland mittlerweile eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hat als im Höhepunkt des letzten Booms vor Lehmann im Jahre 2008, während Frankreich eine Arbeitslosigkeit hat, die leicht über dem Höhepunkt der letzten Flaute im Winter der Jahre 2005 und 2006 liegt. Die beiden Länder entwickeln sich scherenförmig auseinander... Das ist Spanien, und Sie sehen, welch katastrophale Entwicklung dort die Wirtschaft nimmt mit einer immer weiter ansteigenden Massenarbeitslosigkeit. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegen wir bei über 40 Prozent. Was das für die Stabilität von Europa bedeutet, ist schwer zu einzuschätzen. Deutschland ist hier in einer unglaublich günstigen Situation. Und das liegt eben daran, dass wir einerseits unter dem Euro unsere Hausaufgaben haben machen müssen..." Ich arbeite im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds Münster, also einem karitativen gemeinnützigen Unternehmen. Ich habe einen Arbeitsbvertrag auf Gleizonenbasis (800 Euro brutto pro Monat) bei 120 Stunden Arbeitszeit pro Monat, entspricht 4 Tage pro Woche mit 8,5 Stunden pro Tag abzüglich 0,5 Stunden Pause. Mein Nettogehalt liegt bei 627 Euro in einer der teuersten Städte in Münster. 627 Euro pro Monat entspricht 5,23 Euro pro Stunde. Ich begleitete vor einiger Zeit eine Gruppe Rentner bei einem Tagesausflug durch die City von Münster. Die Rollstuhlfahrerin, die ich durch Karstadt schob, kaufte dort ein Stück Seife für 5 Euro. Ein Kollege von mir erschien neulich zu Fuss zur Arbeit, weil sein Fahrrad einen Platten hatte. Er sagte mir, er müsse bis Ende des Monats auf sein Gehalt warten, um sich einen neuen Fahrradschlauch leisten zu können. Uns Fahrern im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds geht es dabei noch gut. Wir bekommen zwar keine Zulage bei Nachtarbeit oder Wochenendarbeit und kein Weihnachtsgeld, aber Lohnfortzahlung bei Krankheit. Vorher fuhr ich als Kurierfahrer bei Beckann Kurierdienst in Münster und leerte unter anderem Briefkästen der Deutschen Post. Mein Nettostundensatz lag bei 4,50 Euro ohne Urlaubsgeld und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da ist zwar vieles illegal dran, aber niemand geht dagegen vor, weil die ganze Branche so arbeitet und weil es keine Tarifverträge gibt. Ich unterhielt mich mit jemandem vom Zoll darüber, und er sagte mir, dem Zoll seien die Hände gebunden. Überlegen Sie noch einmal Ihre oben genannten Aussagen unter diesen Aspekten. Sie sprechen von sozialen Spannungen wegen der Massenarbeitslosigkeit in Spanien und sagen, Deutschland sei hier in einer unglaublich günstigen Situation. Ich persönlich glaube, dass sich in Deutschlang unglaublich großer sozialer Sprengstoff mehr und mehr ansammelt. Und ich würde mir wünschen, dass Sie in Ihren zukünftigen Vorträgen zumindest in einem Nebensatz eingehen, um anzudeuten, dass Sie auch diesen Aspekt (ausfklaffende Schere in Deutschland) im Fokus haben. Viele Grüße Ulrich Schlüter 3. Mail: vielen Dank, dass Sie meine Anmerkungen zu den Vorträgen von Herrn Prof. Sinn inhaltlich an Herrn Sinn weiterleiten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch eine Frage anhängen. Im Artikel "Deutscher Exportmotor brummt" vom 9.01.2012 steht, dass die deutschen Exporte im November 2011 stärker als erwartet um 2,5 Prozent angestiegen sind, während die Importe um 0,5 Prozent zurückgingen. Ich habe den Verdacht, dass in diese Exporte auch beispielsweise deutsche Immobilien eingerechnet werden, die die Griechen, Italiener und zuletzt auch die Franzosen kaufen, um ihre Euros sicher anzulegen. Mit anderen Worten: Die Kapitalflucht der Südeuropäer und damit die zunehmenden negativen Targetsalden werden als Exporte der deutschen Wirtschaft ausgewiesen. Oder ein Grieche kauft ein deutsches Auto oder deutsche Aktien, und als Gegenwert erhält Deutschland faule Anleihen der Griechen in Form von ansteigenden Forderungen der Deutschen Bundesbank. Wenn mein Verdacht zutrifft, wäre es vielleicht angebracht, wenn Herr Prof. Sinn diesen Tatbestand öffentlich aufdeckt. Bei den veröffentlichten Target-Salden ist übrigens folgendes vielleicht zu berücksichtigen: Wenn man eine Immobilie kauft, so vergehen vom Termin des notariellen Kaufvertrag bis zur Abwicklung (Zahlung des Kaufpreises) oft zwei Monate. Wenn also die Südeuropäer heute Eigentumswohungen in Berlin kaufen, zahlen sie den Kaufpreis erst Monate später. Folglich schlägt sich ein weiterer Anstieg der Target-Salden mit entsprechender Verzögerung in den Zahlen der Deutschen Bundesbank nieder. Den Artikel "Deutscher Exportmortor brummt" finden Sie hier: http://www.teleboerse.de/nachrichten/Deutscher-Exportmotor-brummt-article516 1491.html Hier der komplette Inhalt des Artikels "Deutscher Exportmortor brummt": Deutscher Exportmotor brummt Deutschland exportiert weiterhin kräftig und verzeichnet unerwartet hohe Überschüsse. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Abnehmer deutscher Produkte. Volkswirte warnen aber vor Euphorie. In Deutschland haben die Exporte im November 2011 stärker zugelegt als erwartet. Im Monatsvergleich seien die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Plus um 0,5 Prozent gerechnet. Unterdessen gingen die Einfuhren um 0,4 Prozent zurück, während Volkswirte einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet hatten. Der Außenhandelsverband hatte Anfang Dezember auf Basis eigener Berechnungen gemeldet, dass die Billionengrenze durchbrochen sei. Er erwartet Ausfuhren im Wert von 1,075 Billionen Euro im Gesamtjahr 2011. Zwar macht die Euro-Schuldenkrise den Unternehmen zu schaffen. Doch nachdem im Oktober die weltweite Konjunkturschwäche den Export überraschend klar gedämpft hatte, zeigt sich die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" nach den letzten amtlichen Zahlen insgesamt sehr robust. EU bleibt der größte Kunde Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren im November um 8,3 Prozent, die Einfuhren lagen um 6,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg auf 16,2 Mrd. Euro, nach 11,5 Mrd. Euro im Vormonat. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Dorthin gingen im November Waren im Wert von 56 Mrd. Euro, ein Anstieg um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein die Euroländer bezogen demnach Waren im Wert von 37,7 Mrd. Euro aus Deutschland - ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum November 2010. 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum. "Von einem Einbruch der Exporte, der nach dem deutlichen Rückgang der Stimmungsindikatoren weltweit und nach den schlechten Wirtschaftszahlen aus dem Euroraum befürchtet worden war, ist bisher nichts zu sehen", kommentierte die Commerzbank. Für die kommenden Monate sei jedoch "kaum mit Impulsen vom Außenhandel zu rechnen", schreiben die Ökonomen, "die mageren Auftragseingänge aus dem Ausland" dürften sich "nach und nach bei den Ausfuhren bemerkbar machen". Ende des Artikels Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, ich bedanke mich für Ihren Brief. Haben Sie auch vielen Dank für den Hinweis auf die Internetseite "Querschüsse" sowie die Übersendung des interessanten Artikels "Deutscher Exportmotor brummt". Es tut mir Leid zu hören, dass Ihre private Situation so beschwerlich ist. Was Sie zu den Niedriglöhnen schreiben ist der Grund dafür, dass ich mich immer für Lohnzuschüsse eingesetzt habe. Ihrer Vermutung zu den Target-Salden kann ich nur zustimmen. Genauere Informationen, wie sich die Höhe der Target-Salden bestimmt, können Sie auf der Internetseite des ifo Instituts finden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich schätze Ihre Art, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mich interessiert, was Sie vom Vollgeldsystem halten (http://de.wikipedia.org/wiki/Vollgeld). Leider habe ich hierzu nichts von Ihnen im Internet gefunden.
Sehr geehrter Herr M., mit dem Vollgeldsystem (100% Mindestreserve) wird den Banken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung genommen. Die entsprechenden Zinsgewinne fließen der Notenbank zu, weil viel mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein muss. Die Banken müssen sich dann verstärkt über Gebühren finanzieren. Mir fällt es im Moment schwer, den Nutzen einer solchen Reform zu erkennen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Bogenberger Erklärung Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für die Bogenberge Erklärung, in der die Argumente zusammengefasst sind, die gegen die Politik der Rettungsschirme sprechen und zeigen, dass diese Politik unverantwortlich ist. Ich möchte zu 2 Punkten etwas sagen: • Im 2. Absatz der Ziffer 6 wird gesagt, dass mit dem Ankauf von Staatsanleihen der überschuldeten Euro-Staaten durch die EZB das Verbot des Art. 123 AEUV verletzt wird. Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht sehen das anders. Das ergibt sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7. September 2011 zu den Klagen gegen die Rettungsschirme, und zwar aus den Ziffern 65, 84 und 129 der Entscheidungsgründe. Einzelheiten habe ich in einem Artikel vom 10. September 2011 zum Rücktritt es Chefvolkswirts der EZB Jürgen Stark dargelegt, den ich als Anlage 1 beifüge. In der Diskussion über diese Frage, sollten die Positionen von Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht deutlich zum Ausdruck gebracht werden, denn sie versuchen sie durch Kritik an diesem Handeln nicht deutlich werden zu lassen. • In der Erklärung wird leider nicht erwähnt, dass die Verwaltungsstrukturen in überschuldeten Euro-Staaten teilweise überhaupt nicht geeignet sind, eine effiziente Ausgabenpolitik durchzuführen, und dringend einer Generalüberholung bedürfen. Ich verweise insoweit auf den OECD-Bericht, der ein verheerendes Bild der griechischen Verwaltung zeichnet (vgl. den als Anlage 2 beigefügten Bericht „Keiner redet mit keinem“ in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Dezember 2011). So lange in dieser Hinsicht keine entscheidenden Änderungen eingetreten ist, ist keinerlei finanzielle Hilfe an Griechenland zu rechtfertigen. Außerdem verbieten solche Mißstände in den überschuldeten Euro-Staaten eine weitere Übertragung von Kompetenzen auf europäische Institutionen. Das ist erstmöglich, wenn solche Mißstände beseitigt sind, denn sie können nicht durch europäische Institutionen beseitigt werden. Das kann nur durch die nationalen Regierungen mit Unterstützung ihrer Bürger geschehen. Zu dieser Frage habe ich einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben, der am 10. November veröffentlicht wurde und als Anlage 3 beigefügt ist. Mit freundlichen Grüßen Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank für diese Einschätzung. Dass das Bundesverfassungsgericht die Monetisierung der Staatsfinanzen erlauben würde, kann ich aus der von Ihnen zitierte Passage nicht erkennen. Sie lautet ja: „Auch weitere zentrale Vorschriften zur Ausgestaltung der Währungs-union sichern unionsrechtlich verfassungsrechtliche Anforderungen des Demokratie-gebots. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere das Verbot des unmittelbaren Erwerbs von Schuldtiteln öffentlicher Einrichtungen durch die Europäische Zentralbank, das Verbot der Haftungsübernahme (Bail-out-Klausel) und die Stabilitätskriterien für eine tragfähige Haushaltswirtschaft (Art. 123 – 126, Art. 136 AEUV. Ohne dass es hier auf die Auslegung dieser Bestimmungen im Einzelnen ankäme, lässt sich ihnen doch entnehmen, dass die Eigenständigkeit der nationalen Haushalte für die gegenwärtige Ausgestaltung der Währungsunion konstitutiv ist, und dass eine die Legitimationsgrundlagen des Staatenverbundes überdehnende Haftungsübernehme für finanzwirksame Willensentschließungen anderer Mitglied-staaten – durch direkte oder indirekte Vergemeinschaftung von Staatsschulden – verhindert werden soll.“ Darin wird eher Besorgnis statt Zustimmung geäußert. Die Bundesbank jedenfalls vertritt die Auffassung, dass der Aufkauf der Staatspapiere ein Umgehungstatbestand ist. Voll zustimmen kann ich zu Ihrem zweiten Punkt. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass jeder Target Saldo als auch jeder ELA der griechischen Nationalbank letztendlich a) zur direkten Entwertung des Euros führt b) die Bundesbank ihre Ansprüche gegenüber der EZB zwar geltend machen kann, aber im Endeffekt wird Sie lediglich Ihre Forderungen mit den Verbindlichkeiten der EZB verrechnen können da von den anderen 16 Eurostaaten im kommenden Crashfall nichts zu erwarten ist. MFG R.Hoppmann
Sehr geehrter Herr Hoppmann, mit Hilfe von Target schöpfen die GIIPS Länder mehr Zentralbankgeld als es eigentlich für die innländische Verwendung notwendig wäre. Deutschland schöpft dagegen entprechend zu wenig. Die Geldschöpfung hat sich also in die Krisenländer verlagert. Solange die Bundesbank dieses Geld aus dem Verkehr zieht, muss die Geldmenge insgesamt nicht steigen. Insofern ist die Geldentwertung nicht direkt angelegt. Problematischer sehe ich Ihren zweiten Punkt: Heute erhält die Bundesbank als Gegenleistung für ihre Kreditvergabe Forderungen gegen das EZB-System (mittlerweile von ca. 500 Mrd. Euro), die nur minimal verzinst sind (derzeit 1 Prozent), die nicht fällig gestellt werden können und von denen man nicht weiß, ob sie sich bei einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone jemals werden eintreiben lassen. Hätte Europa das US-interne Abrechnungssystem für Target-Salden zwischen den Distrikten der Fed, dann könnte die Bundesbank dafür die Übertragung von marktgängigen, gut verzinslichen Wertpapieren im gleichen Umfang verlangen. Ich befürchte wie Sie, dass wir hier einem großen Risiko ausgesetzt sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe mit großem Interesse Ihre Beiträge zum Thema Target-Salden verfolgt. Die Bundesbank ist der Ansicht, dass der deutsche Target-Saldo „kein sinnvoller Indikator für Risiken“ sei. Die Finanzierung der Banken mit Zentralbankgeld sei in der Krise notwendig. Wie schätzen Sie die Meinung der Bundesbank ein? Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrte Frau Schmidt, die Target-Salden messen die zwischenstaatliche Kreditvergabe und damit die Zusatzrisiken, die über die Geldversorgung der betreffenden Länder hinaus entstehen. Deutschland hat heute für 500 Mrd. Euro Target-Forderungen gegen die EZB, und die hat entsprechende Forderungen gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir den 500 Mrd. Euro hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Woher haben Sie die Meinung der Bundesbank dazu? Das würde mich interessieren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, toll, dass Sie und Ihre KollegInnen uns den Wirschaftskompass geschenkt haben. Auch ich werde ihn meinen Kindern zu Weihnachten schenken. So ein Buch hat der Volksaufklärung gefehlt. Ein Bollwerk gegen Stammtischgeschwafel und ein wirklicher "Faktencheck". Meine Frage: wie oft werden sie ihn aktualisieren? Oder warum nicht eine Online Aktualisierung? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, es ist geplant, dass alle zwei Jahre eine Neuauflage erscheinen soll. Das begleitende App (mit einem Quiz zum Wirtschaftskompass) wird laufend aktualisiert. Ich hoffe, Sie haben viel Freude mit dem Wirtschaftskompass. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Warum nehmen Staaten wie GIPS oder Italien Kredite nicht als Target Kredite? Anders gefragt: Warum gehen Staaten nicht so vor, wie der beispielhafte Irische Bauer, der einen Traktor in Deutschland kauft?
Sehr geehrter Herr Baumann, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Morgen Herr Sinn, da ich mir nicht sicher bin, ob Sie meine E-Mail vor ein paar Wochen erhalten haben, informiere ich Sie nochmals über unser Anliegen. Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ich habe zwei Fragen aus der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im besonderen Reallohnentwicklung, Armutsdiskussion und die jetzt aktuelle Debatte um den Mindestlohn. Vielleicht können Sie mir bei diesen zwei Fragen helfen: 1) Ist es in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren zu einer Reallohnsenkung gekommen? Ist, falls eine Reallohnsenkung eingetreten ist, diese auf das Anwachsen von Minijobs und auf flexible Erwerbsformen, insbesondere Teilzeit, zurückzuführen? 2) Man hat den Eindruck, dass die Beschäftigung in Deutschland insgesamt zunimmt, dass aber dadurch das Lohnniveau nicht steigt, sondern eher sinkt. Interessant ist hier die Frage, wie sich das Lohnniveau aus der Schaffung zusätzlicher Vollzeit-Arbeitsplätze insgesamt entwickelt. Ob also mehr Stellen mit überdurchschnittlicher Entlohnung oder mehr Stellen mit unterdurchschnittlicher Entlohnung geschaffen werden. Ich hoffe, Sie können mir helfen und bedanke mich sehr im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrter Frau Schmidt, werden die Brutto-Reallöhne pro Kopf betrachtet, so kam es in den vergangenen Jahre tatsächlich zu Senkungen. Es ist allerdings zu b eachten, dass es einen Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und zu Minijobs gab. Auch aktuell ist die Tendenz zu geringeren Arbeitszeiten vorhanden. Dies drückt in einer pro-Kopf Betrachtung die Reallöhne. Der Reallohn pro Stunde ist dagegen von 1995 bis 2010 jährlich um durchschnittlich etwa 0,2% gestiegen. Die strukturelle Verschiebung der Beschäftigung in den Dienstleistungssektor hinein dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. In einigen Dienstleistungsbereichen ist die Produktivität unterdurchschnittlich. Daher drückt das auf die Löhne. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung gegenüber Ihren Bemühungen und Entsetzen gegenüber der Politik verfolgen wir Ihre mahnenden Worte zur Eurokrise. Darf ich mir erlauben, Ihnen einige Fragen zu stellen, sie betreffen mich persönlich, aber auch viele andere. Wie Sie wissen, sind endfällige Fremdwährungskredite (Yen und CHF) mit Tilgungsplan in Österreich sehr beliebt gewesen. Dieses Problem haben neben mir noch fast weitere 300.000 Haushalte, vor allem meistens (wie ich) Personen ohne Haftungsbeschränkung. Durch die Finanzkrise wurde der mit der Bank vereinbarte Tilgungsplan zunichte gemacht. Die Frage stellt sich nun, ob der in 5 Jahren fällige Kredit (in Yen und CHF) durch Verkauf von Vermögenswerten unter extremen Verlusten vorzeitig abbezahlt werden sollte (mein Kredit läuft im mittleren 7-stelligen Bereich), weil weder aus Ihren fundierten Analysen noch aus den fadenscheinigen Beteuerungen der Politiker irgendein Hoffnungsschimmer für die Rettung des Euros zu erwarten ist. Zusätzlich zu allen Risiken kommt noch das besondere Risiko für Österreich. Das Land übernimmt jetzt anteilsmäßig nicht nur ähnliche Haftungen wie Deutschland, hier sind auch im privaten Sektor ca. 85 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten ausständig (sowie eine weitere ähnliche Summe, welche großteils österreichische Banken in den neuen EU-Mitgliedstaaten vergeben haben), zusätzlich kommt die spezielle politische Konstellation der reformunfähigen, zementierten Großkoalition dazu. Würden Sie mir raten, unter Verlust meines fast gesamten Vermögens die Kredite rückzuzahlen, soll ich auf den Austritt der Südländer aus dem Euroraum und eine anschließende Aufwertung oder einfach darauf hoffen, dass mir bald ein Stein auf den Kopf fällt? Glauben Sie persönlich, dass die Politiker in Deutschland doch noch kurz vor dem endgültigen Desaster eine vernünftige Entscheidung treffen oder denken Sie, dass sich auch Deutschland in nicht mehr bewältigbare Schuldenstände hineinziehen läßt? Haben Sie eine Idee, in welchem Zeitraumen das absehbar sein wird? Herzlichen Dank für Ihre knappe Zeit!
Sehr geehrter Herr J., Ihre Frage kann ich nicht gut beantworten, weil man Wechselkurse kaum prognostizieren kann. Zum Glück für Sie hat die Schweiz nun beschlossen, ihre Währung gegen eine Aufwertung zu verteidigen. Ich würde die Dinge abwarten und auf eine Inflation in Österreich hoffen. Die Inflation würde ihr Einkommen vergrößern und insofern die Fremdwährungskredite wieder erträglicher machen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear Prof., The International Herald Tribune on 11 Aug, quoted excerpts from an article you wrote two weeks, stating that 'throwing money at Greece will only reduce incentives for the country to restructure its economy. If one were to look at many of the Asian economies, and in fact in the micro sense, at how Asian family units control their household budget, one would realise that we are totally responsbile for our own financial misdeeds. If we are not able to live within our monthly incomes, then the rule is very simple - scale down on the unnessary luxuries. Do not over spend. If we have to borrow, then make sure we pay it back as soon as possible and not to continue living like as if we are not in debt. It would seem here, and I am in agreement with you, that being in debt is not really a big problem, if there is always someone to bail you out. THe problem is when the citizens belive that the government has a never ending flow of money. They start to become pampered, lazy and live on welfare rather then having to work for it. It's time some of these governments realise that it is a great shame to be in such heavy debt. Live within your means and if you can't, do not expect others to bail you out evertime you overspend. What do you think Prof?
Dear Mr S., thank you very much for your comment. I agree with your opinion that citizens often demand too much from governments and that they ignore that also states do not have unlimited means. However, governments also often make promises too easily, since they have a limited time horizon. Thats why we need strict rules and in addition markets which react on failures. Best regards Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihr gestriges Interview im Zusammenhang mit den jüngsten Maßnahmen zur sog. "Eurorettung" zur Kenntnis genommen. Zugegebener Weise ermangelt es mir dem wirtschaftlichen Sachverstand, um hier die Lage hinreichend beurteilen zu können. Gleichwohl erscheinen mir Ihre Ausführungen sehr plausibel insbesondere auch Ihre Arbeit zu den TARGET-Krediten. Nach jüngsten Medienberichten, sollen bei dem neuerlichen "Rettungspaket" die Zinsen auf 3,5 % gesenkt werden. Bedeudet dies, dass sich nur noch jene Staaten am EFSF beteiligen müssen, die sich zu einem Zinssatz von unter 3,5 % am Markt finanzieren können? Hieße das dann nicht, dass Frankreich rausfiele und am Ende nur noch die derzeit noch Zahlungskräftigen (insb. Deutschland) übrigblieben? Für Ihre Mühewaltung danke ich im Voraus. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr W., in der Tat werden die Zinsen die Griechenland, Irland und Portugal für Kredite aus den Rettungsmaßnahmen zahlen, gesenkt. Damit soll den Ländern die Anpassung erleichtert werden. Allerdings ist das aus Sicht der anderen Länder schon eine kräftige Unterstützung. Statt zu Marktpreisen, können sich die Länder im Rettungsschirm günstige Zinsen sichern. Technisch läuft die Kreditgewährung über den EFSF (European Financial Stability Facility). Er besorgt das Geld am Kapitalmarkt. Es haften dafür die Länder der Eurozone. Es ist also nicht so, dass jedes Land einzeln das Geld für die Rettungsmaßnahmen leiht. Daher ist es auch nicht so, dass sich am EFSF nur Länder beteiligen, die sich günstiger als zu 3,5 % am Markt finanzieren können. Mit freundlichen Grüßen Klaus Abberger
Lieber Herr Professor Sinn, Nachdem Sie und ich gemeinsam auf den Seminarbänken der Uni Mannheim bei Prof. Helten saßen, dasselbe gehört - vielleicht Unterschiedliches gelesen haben - und dabei zu grundverschiedenen Schlußfolgerungen gelangen, verfolge ich - als Sie alimentierenden Steuerzahler - mit immer weniger Verständnis Ihre Arbeit, Ihre Äußerungen und Argumentationen . Es liegt vielleicht daran, daß wir - mein Freund Edgar Moser-Fendel und ich - schon damals und in der Folge während unsere wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeiten die Grundlagen der universitär vermittelten Lehr- und Lernstoffe skeptisch bis kritisch in Frage stellten. Sie hingegen und die anderen Kommilitonen der damaligen Mannheimer Studenten- und Assistenten-Generation, wie z. B. W. Franz, K. Zimmermann oder F. Dudenhöffer scheinen eher ungefragt den Annahmen, Darstellungen und Ausführungen neoliberaler Glaubenslehren - bis heute - zu folgen. Sie haben sich persönlich damit- bei der gläubigen Öffentlichkeit - eine Reputation geschaffen, weil insb. die vorherrschende Meinung in Industrie, Verbänden und Politik den vermeintlich "logischen" und richtigen Schlußfolgerungen dieser "falschen" Glaubenslehre überwiegend folgte. Es war bis heute ein einseitiger und bequemer Weg - mit fatalen Folgen in Geld- und Realwirtschaft für unsere Kinder und Kindeskinder. Ich frage Sie : Wie vermitteln Sie Ihren Kindern guten Gewissens die Tatsachen und die Lasten für unsere folgenden Generationen, die sich aus den ökonomischen Aktivitäten der letzten 3o Jahre u. a. auch aus der ständigen Vermittlung Ihrer Erkenntnisse auf Grundlage der neoliberalen Glaubenslehre ergeben haben ? Natürlich haben Sie auch häufig auf die Folgen ausufernder öffentlicher Verschuldungen hingewiesen - das erkenne ich immer wieder. Nur waren Sie in meinen Augen nicht konsequent genug - oder zu zurückhaltend - Ihr gläubiges Publikum über die zugrundeliegenden fehlerhaften Paradigmen des neoklassischen Wirtschafts- und Wachstumsmodells und die sich daraus ergebenden sozialen und politischen Folgen aufzuklären Würde das getan, ergäben sich einige wesentlich andere Schlussfolgerunge, die allerdings das Wert- und Machtgefüge kräftig ins Wanken brächten. Warum sind Sie z. B. nicht schon lange mit dem Vorschlag aufgetreten, in das deutsche Sozialsystem analog der Schweizer Praxis alle Einkunftsarten einzubeziehen. Die Erosion des weitestgehend aus Arbeitseinkommen gespeisten Sozialsystems mit u. a. der verheerenden Folge, daß dadurch eine Spirale zu immer weniger Nachfrage nach sozial abgesicherter Arbeit (Schwarzarbeit) entstand und dadurch die Basis für die Aufbringung der Beiträge bei gleichzeitig wachsender Basis der Leistungsempfänger aufgrund der demographischen Entwicklung schrumpfte, war mit den an der Universität Mannheim vermittelten ökonomischen Kenntnisse leicht abzusehen! Statt dessen lamentiert Herr Merz, vormaliger prominenter CDU Politiker, über die "Auswanderung"der Wähler aus den "Volksparteien". Die Zusammenhänge für die "Auswanderung" der sozial gesicherten Arbeit aus den Sozialversicherungssystemen, und damit ein wichtiger Grund für die zunehmende Staatsverschuldung, konnten Herrn Merz offenbar nicht vermittelt werden. Oder er nimmt sie , dann aber aus ideologischen Gründen in Kauf um damit die sich immer stärker entwickelnde Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung nicht thematisieren zu müssen Mit dem uns u. a. vermittelten kritischen Rationalismus sowie einem angelesenen Verständnis der Kapital-Akkumulation (Joan Robinson) hatten wir ein Rüstzeug ,den prahlerischen neoliberalen angelsächsischen Wirtschafts-Lehren (wie z. B. Laffer-Curve, Shareholder Value etc. - als pseudowissenschaftlich verkappten Thesen frühzeitig und grundlegend zu mißtrauen Zumindest für mich hat sich mit dem politischen Machtwechsel im Land Baden- Württemberg meine Reise über 30 Jahre kritischer Beobachtung in ein kleines Stück Optimismus für das Leben unserer Kinder verwandelt.
Sehr geehrter Herr F., Ihren Rundumschlag nehme ich zur Kenntnis. Aber nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, dass ich a) wissenschaftlich schon vor Jahrzehnten gegen die Behauptung angeschrieben habe, wir seien auf dem rechten Ast der Laffer-Kurve, wo niedrigere Steuern mehr Einnahmen bringen und b) in meinem Buch Kasino-Kapitalismus (Kapitel 4) nachweise, wieso die Idee des Shareholder Value die Zockerei der Banken verursachte. Kann es sein, dass Sie bei Ihren Aussagen Dinge durcheinander bringen oder mich vielleicht verwechseln? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
herr Sinn, Ich Wohne in US Bundesstaat Californien wir sind von Gruenen(liberal demokraten) beherrscht. die Arbeitslosigkeit quote ist 12.4% die staats und Kommunalkassen sind leer. Grosse Areale von fetten Agrarland werden Wueste. Tausenden von wohnhaeuser sind non den Banken versteigert. Californien ist deutschlands Zu kunft Vorsicht Robert N.
Sehr geehrter Herr N., vielen Dank für Ihre Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Professor, ich habe ihren Artikel in der SZ gelesen. Ich schätze Sie für ihre kritische Haltung zur causa Hellas sogar als Inselgrieche, trotzdem würde mich interessieren, ob man nicht eine schnelle und konstruktive Lösung für diesen ersten Krisenfall Europas finden sollte, anstatt hier die "Salami-Taktik" zu betreiben und unnötige Zeit zu verlieren. Europa funktioniert nun mal nicht nach dem Prinzip "wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass," - das gilt für die jetzigen Pleitestaaten, wie auch für die starken Volkswirtschaften, die viel zu lange zugeschaut haben. Warum nur hat es so lange gedauert, bis man auf die Idee gekommen ist, dass eine zentralisierte und vorausschauende Wirtschaftspolitik etwas für sich hat. Vor Jahren hat man "Europas verlängerte Werkbank" nach Kleinasien verlegt. Fernseher, Autos und Waschmaschinen werden nun in der Türkei gefertigt. Frage: Können wir nicht Produktionsstätten aus der Türkei zurück verlagern, um die Produktivität beispielsweise Portugals und Griechenlands wieder zu steigern oder ist diese Form der Wirtschaftslenkung naiv? Als Hotelier reagiere ich dieser Tage besonders bestürzt darauf, mit welcher Vehemenz die Türkei als Billig Reiseland wirbt und erhört wird (April Ausgabe Merian; in der April Ausgabe GeoSaison wirbt man neuerdings sogar für Nordzypern). Der griechische Tourismus (die einzig verbliebene "Industrie") ist rückläufig und wir können nur schwer mit der Türkei konkurrieren. Meiner Meinung nach müssten die Griechen günstiger, die Touristen vielleicht solidarischer werden, anstatt Griechenland jetzt auch noch zu meiden. Wunschdenken? Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar - MfG - M.S.
Sehr geehrter Herr S., als das Handelsblatt letztes Jahr fragte, wie man Griechenland helfen solle, schlug ich vor, wieder mehr Urlaub in Griechenland zu machen. Allerdings muss das Land dazu billiger werden. Das letzte Mal, als ich da war, war ich entsetzt. Mit zwei Personen ist man am Abend schnell mal 100 Euro los. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ich habe eine Frage bezüglich des Finanzsystems in den USA. Gibt es dort institutionelle Regelungen, welche explizit festsetzen wie bei einem möglichen Staatsbankrott vorzugehen ist? Hilft zum Beispiel Washington oder die FED mit einer Finanzspritze oder eventuell der IMF? Vielen Dank!
Sehr geehrte Frau V., der IWF hilft sicherlich nicht. Die Staaten werden weitgehend allein gelassen. Als die Stadt New York um das Jahr 1972 aufgrund der umfangreichen Sozialausgaben von Bürgermeister Lindsey Pleite ging (sie ist ökonomisch fast deckungsgleich mit dem Staat New York), musste sie ihre zukünftigen Steuereinnahmen an die Banken verpfänden. Europa richtet einen Rettungsmechanismus ein, den man in den USA nicht kennt, obwohl es noch gar kein Bundesstaat ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
URSACHE der Ausfälle der Not-Strom-Aggregate und damit der Reaktor-Kühlungs-Pumpen Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind in keiner Weise bei der Atomkraftwerktechnologie engagiert und auch keine Atomkraftfans. Trotzdem möchten wir aus unserer Fachkenntnis heraus feststellen, dass die Reaktorkatastrophe in Japan vermeidbar gewesen wäre und die dortige Reaktor-Technik trotz Erdbeben und damit ausgelöstem Tsanami nicht hätte versagen müssen. Es war letztlich ein Versagen der Planer, die den Worstcase zu niedrig eingeschätzt hatten und deshalb nicht alle schon beim Bau nötigen aber auch jederzeit nachrüstbaren und ohne weiteres möglichen technischen Vorsorgemaßnahmen für den nun eingetretenen Ernstfall geplant und eingesetzt hatten. Das Tragische an der Reaktorkatastrophe in Japan ist, dass diese nämlich durch einfache technische Maßnahmen für wenige tausend Dollar hätte verhindert werden können. Die Ursache des Ausfalls der Reaktorkühlung ist nicht das starke Erdbeben, sondern das durch den Tsunami in das Reaktorgebäude eingedrungene Meerwasser, das die Notstromversorgung der Kühlungswasser-Umwälzpumpen irreparabel lahmgelegt hatte. Jeder Elektrikerlehrling im 1.Lehrjahr weiß, dass Wasser in elektrischen Anlagen Kurzschlüsse verursacht und damit ausser Funktion setzt.Die elektrische Notstromanlage besteht aus mehreren Dieselmotoren (in Fukushima mindetens 3 Stück je Anlage) die jeweils einen Stromgenerator antreiben, die im Notfall nach der Schnellabschaltung des Reaktors den Strom für die Kühlungs-Wasserpumpen liefern wenn die allgemeine Stromzufuhr zum Kraftwerk zusammenbricht. Das Tsunamiwasser hat also die Generatoren durch Kurzschlüsse irreparabel stillgelegt und wahrscheinlich auch die Dieselmotoren, wenn Wasser in deren Luftansaugschacht gelangt ist, wodurch der Motor "absäuft" und dadurch nicht mehr zum Laufen gebracht werden kann und sogar irreparabel beschädigt ist. Ein zusätzliches Problem sind wie gemeldet, die außerhalb des Gebäudes stehenden Dieseltanks die vom Tsunami weggeschwemmt wurden und die dadurch abgerissenen oder beschädigten Dieselzuleitungen. Der Atom-GAU in Japan wäre mit realtiv geringen Kosten absolut sicher verhindert worden durch einfache technische Vorsorge: 1.) Wasserdichte Notstrom-Generatoren (Tauchwasserdichtigkeit) zur Kurzschluss-Sicherheit und/oder absolut wasserdichtes, erbebenfestes Beton-Bauwerk um Generatoren und Dieselmotoren mitsamt Dieselbehältern. 2.) Notstrom-Generatoren mit Dieselmotoren die mindestens 10 Meter hohe Luftansaugschächten über der Normal-Meerwasserhöhe aufweisen. 3.) Erdbeben- und Tsunamisichere Dieselbehälter und Zuleitungen zu den Dieselmotoren im gemeinsamen wasserdichten Notaggregate-Gebäude. 4.) Zusätzliche manuelle Startmöglichkeit der Notstrom-Dieselmotoren mit wasserdichten Batterien und manuellen Schaltern ohne die ebenfalls wasserausfallgefährdeten Computersteuerungen. Mit freundlichen Grüßen German Gresser Intertronic Gresser GmbH - Innovation + Technology Eichendorffstrasse 4 / D - 97072 Wuerzburg / Germany
Sehr geehrter Herr Gresser, das sind wichtige Feststellungen. Es ist wirklich verblüffend und irritierend, wenn man solche billigen Lösungen nicht gewählt hat, obwohl dadurch die möglichen Schäden hätten vermieden werden können. Aber der Punkt ist: Die Kosten für die Verhütung trägt man selbst, während man die Schäden mangels Haftungsmasse gar nicht tragen muss. Die bleiben anderswo liegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine Frage zur Giralgeschöpfung, um die sich ja viele Mythen ranken. Nehmen wir an die freien Liquiditätsreserven einer Geschäftsbank sind aufgebraucht und sie verkauft der Notenbank festverzinsliche Wertpapiere, um ihr Zentralbankguthaben wieder aufzufüllen. Kann die Geschäftsbank dieses Zentralbankgeld direkt an die Privatwirtschaft weiterverleihen oder kann dieses Zentralbankgeld nur dadurch in Umlauf kommen in dem die Geschäftsbank das Zentralbankgeld zum Beispiel für eine Kundenüberweisung verwendet, so dass die Empfängerbank dieses Zentralbankuthaben dann wieder im Zuge der Giralgeschöpfung weiterverleihen kann. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Liebe Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, die Bank kann das Zentralbankgeld verleihen. Dann wandert es aber nur zu einem Teil aus dem Bankensystem heraus, weil die Kunden es großenteils für Überweisungen innerhalb des Bankensystems verwenden. Man kann deshalb ein Vielfaches des Zentralbankgeldes verleihen, das man hat. Gäbe es keinen Bargeldabfluss, könnten Banken nach Belieben Kredite vergeben, ohne, dass sie das Geld haben. Sie müssen ja dann nie mit echtem Geld auszahlen. Das gäbe unweigerlich Inflation. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Bedeutung des Zinsmechanismus ist mir nicht ganz klar. Der Nominalzins setzt sich aus Inflation und Realzins zusammen. Der Zins entsteht am Markt durch Angebot und Nachfrage. Ein niedriger Zins macht Investitionen attraktiv, da sie sich schnell amortisieren und umgekehrt. Der Zins wirkt also antizyklisch und damit konjunkturglättend. So weit, so gut. Es gibt aber auch den Leitzins der Notenbank. Der Leitzins ist der Preis, den die Banken für von der Notenbank geliehenes Geld zu zahlen haben. Der variable Leitzins spiegelt sich also in variablen Refinanzierungskosten der Banken wider. Die Geldschöpfung ist aber kein Monopol der Notenbank. Die Geldschöpfung wird bereits zu über 90% (?) von den Geschäftsbanken betrieben. Durch das von den Geschäftsbanken geschöpfte Geld entstehen diesen aber keine Refinanzierungskosten. Warum orientiert sich der Marktzins dann so streng (tatsächlich oder vermeintlich) am Leitzins? Ist der Markt effizient, wird er die Inflation (die tatsächliche oder zu erwartende) und einen angemessenen Realzins (wovon hängt der eigentlich ab?) abbilden. Der Geldbesitzer wird einen Nominalzins kleiner als die Inflation (also negativen Realzins) auch nicht dulden. Die in den Wirtschaftsmedien geführte Diskussion, die EZB müsse wegen der steigenden Inflation in D die Zinsen anheben, könne dies aus Rücksicht auf die schwächeren Peripherie-Staaten aber nicht, schreibt dem Leitzins eine Rolle zu, die ich nicht nachvollziehen kann. Bildet der Markt die Verhältnisse realistisch und effizient ab, wird die durch eine Lohn-Preis-Spirale ausgelöste Inflation schon alleine deshalb konjunktur- und inflationsdämpfend wirken, weil die Unternehmen (ebenso Staat und private Haushalte) überproportional höhere Fremdkapitalzinsen zu zahlen haben (Zinsaufwand für Unternehmensanleihe heute ca. 6%, bei 3 Prozentpunkten mehr Inflation erhöht sich der Zinsaufwand um ca. 50%, die Inflation erhöht den Umsatz und die anderen Kosten aber nur um die 3%). Wir haben es bei einem höheren Lohn-Preis-Niveau also mit einer realen Aufwertung zu tun, die die Wettbewerbsfähigkeit reduziert und daher den abgeschafften Wechselkursmechanismus ersetzt. Die zentrale Frage lautet: Warum ist eine Leitzinserhöhung die notwendige Bedingung für die Bekämpfung der Inflation? Der Marktzins dürfte sich in dieser Konstellation vom Leitzins gar nicht oder kaum beeindrucken lassen. Vielen Dank für Ihre Mühe. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Müller, das Gesamtvermögen einer Volkswirtschaft besteht aus realen Vermögensgegenständen, die man anfassen kann, Forderungen gegenüber dem Ausland und Geld im Sinne von Bargeld und Girokonten. Dahinter stehen Eigenkapitalansprüche und Kredite. Das Bargeld wurde als Kredit von der Notenbank ausgegeben, das Giralgeld als Kredit von den Banken geschaffen. Der Wert der Bankaktien leitet sich u.a. durch den Wert der Kreditforderungen aus der Giralgeldschöpfung her, und auch die Notenbank könnte man durch den Barwert der Zinserträge, die sie erwirtschaftet, bewerten. Der Zins wird maßgeblich durch die Forderungen der Kreditgeber und die Nachfrage der Kreditnehmer bestimmt. Über den Leitzins der EZB wird der kurzfristige Zins festgelegt, denn zu diesem Zins gewährt die EZB Kredit mit selbst gedrucktem Geld. Senkt sie den Zins, kann mehr neuer Kredit nachgefragt werden, als an neuen Ersparnissen von den Kreditanbietern kommt. Die Wirtschaft expandiert. Freilich ist die Voraussetzung, dass die Leute das Mehr an Geld, das sie sich leihen, nicht einfach auf ihrem Konto halten und sich der größeren Liquidität erfreuen. Heute ist der Zins schon fast null. Die Annehmlichkeiten der hohen Liquidität veranlassen viele, das Geld zu halten, statt es auszugeben. Die Notenbank hat dann kaum noch einen Einfluss auf die Wirtschaftstätigkeit. In Amerika, wo der Leizins praktisch Null ist, sehen wir das ganz deutlich. Oder auch in Japan, wo er schon 12 Jahre null ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Professor! In "Mross Daily News" vom 21.12.2010 im Internet habe ish unter anderem auch Folgendes gelesen: "Menschliches Glück lässt sich nicht messen – zu dieser Erkenntnis kommt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Bruttoinlandsprodukt hätte durch einen Wohlfahrtsindikator ersetzt werden sollen, um qualitative Aspekte des Lebens zu messen." Wo kann ich dazu etwas im Original lesen, da mir der Ansatz bemerkenswert scheint. Sind Sie vielleicht der Betreuer jener Forschungsarbeit gewesen, für die ein Student aus Dresden in diesem Jahr einen Preis bekam - seine Ansichten scheinen drauf hinzudeuten. Mit freundlichen Grüßen Siegfried Newiger
Sehr geehrter Herr Newiger, mein Kommentar bezog sich auf das Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu diesem Thema. Sie können es per Google finden. Mit freundlichen Grüßen zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Jean-Claude Juncker zum EU-Beitritt der Schweiz Jean-Claude Juncker hat sich in einem Interview mit „Die Zeit“ klar für einen Beitritt der Schweiz zur EU ausgesprochen. Damit befördert Juncker wie so viele Berufspolitiker aus der EU, die die Eidgenossenschaft gerne als Mitglied sähen, die Meinung jener stark überwiegenden Mehrheit in der Schweiz, die eine Mitgliedschaft vor allem deshalb ausschliesst, weil die kleine Schweiz und die grosse EU in sehr unterschiedlicher, inkompatibler Weise regiert werden. Es gibt bis auf weiteres keine Alternative zu einer friedlichen und offenen Zusammenarbeit. Juncker mag richtig liegen, wenn er die SVP-Position als grundsätzlich perspektivlos bezeichnet. Er befindet sich jedoch total auf dem Holzweg, wenn er meint, eine Nicht-Mitgliedschaft der Schweiz in der EU finde nur in nationalistischen bis xenophoben Kreisen ihre Anhänger. Verfechter offener Märkte, für die ‚gross‘ bei weitem nicht immer und schon gar nicht automatisch ‚gut‘ bedeutet, bietet die EU wenig Attraktion. Das Machbarkeitsprinzip hat dort einen viel zu hohen Stellenwert. Den Schaden daraus können ‚wir‘ beinahe täglich mitverfolgen. Die Attraktion eines Beitritts ist in jüngerer Zeit auch deshalb kleiner geworden, weil zunehmend das politische Duopol von Paris und Berlin meint, ‚Europa‘ de facto im Alleingang zum Wohlstand führen zu dürfen. Das hat ja Jean-Claude Juncker selbst erfahren, indem er etwa von Präsident Sarkozy wie ein Schulbube abgekanzelt wurde. So wie sich Präsident Chirac vor Jahren pauschal gegenüber den ehemaligen Ostländern als Peiniger aufspielte. Eine Nicht-Mitgliedschaft mit ‚totaler Abschottung‘ gleichzusetzen, ist Unfug. Man befrage dazu insbesondere Unternehmer im Süddeutschen Raum. Mich dünkt, bei Jean-Claude Juncker seien die Nerven nun etwas angespannt. Ich kann das verstehen. Denn: Falls sich die Hiobsbotschaften zum Euro im gegenwärtigen Rhythmus weiterziehen, wird sich der Eurogruppen-Präsident nicht mehr den vermeintlichen Sorgen der prosperierenden Schweiz, sondern wieder vollumfänglich seinem übergrossen Zuständigkeitsbereich widmen. Und wer weiss: vielleicht kommt er dann auch davon weg, etwa jeden dritten Tag einen neuen Vorschlag zu machen, der jeweils Schuldenprobleme mit neuen Schulden lösen soll. Vielleicht kommt er auf die Idee, dass es grundsätzlich ‚nur‘ drei Möglichkeiten für die Auflösung des selbstverschuldeten Schlamassels dieser unsäglichen Euro-Zwängerei gibt: Die EZB kauft in noch grösserem Ausmass und anhaltend Schulden der Gross-Schuldenländer. Sie ist dabei schon weit ‚fortgeschritten‘ und tönt an, sie brauche für die Fortführung mehr Mittel. Genannt wird dies ‚Flexibilisierung‘. Die EU wird zum Bundesstaat. Ohne neuen Vertrag wird dies nicht zu bewerkstelligen sein. Die Aussichten dafür sind, vorsichtig ausgedrückt, ungünstig. Stichwort: Deutsches Verfassungsgericht. Schliesslich und vorteilhafterweise wird sich auch in EU-Kreisen die Meinung und Haltung schrittweise verbreiten, dass ‚gross‘ nicht in jedem Fall ‚gut‘ sein muss. ‚L’Europe à deux vitesses‘ (mindestens !) wird wieder ein Thema werden. Auch de jure. De facto haben ‚wir‘ dies längst. Und dann, aber erst dann, wird ein luxemburgischer Premierminister mit etwas Aussicht auf Erfolg den schweizerischen Souverän zu einem Beitritt oder jedenfalls zu noch engerer Zusammenarbeit einladen und animieren können. Erich Heini, Luzern (ehemals Wirtschaftsredakteur und Auslandkorrespondent der „NZZ“ sowie Pressechef der Schweizerischen Nationalbank unter Fritz Leutwiler von 1976 bis 1985)
Sehr geehrter Herr Heini, vielen Dank für Ihre sehr erwägenswerten Überlegungen. Ich wünsche Ihnen alles Gute zum vierten Advent und Frohe Weihnachten. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrer Beantwortung der Frage (17.11.2010), ob in einer Wirtschaft Investitionen ausschließlich mit inländischen und ausländischen Ersparnissen zu finanzieren seien, also I = S - (Ex - Im), bestätigten Sie dies. Falls I größer S - (Ex - Im), gibt es eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachten Geld finanzieren. Nun meine Frage: Angenommen eine prosperierende Volkswirtschaft (dynamische Bevölkerungsentwicklung, wachsende Wertschöpfung und Produktivität)hat einen erhöhten Kapitalbedarf, den sie mit der eigenen Ersparnis nicht decken kann. In diesem Fall wäre sie auf ausländisches Kapital angewiesen und hätte ein Leistungsbilanzdefizit, damit I = S - (Ex -Im). Wenn das ausländische Sparkapital nun aber z. B. aus politischen Gründen nicht für die notwendigen Investitionen zur Verfügung steht, dann könnte der Staat die Lücke doch "mit der Druckerpresse" stopfen ohne dass daraus zwangsläufig eine Überschussnachfrage mit Inflation resultiert. Denn der zusätzlichen Nachfrage nach (Investitons)gütern stünde aufgrund der inneren dynamischen Entwicklung (Produktivitätsanstieg) auch ein entsprechendes zusätzliches Angebot gegenüber. Die Frage wäre natürlich, ob diese Lösung akzeptiert würde. Mit freundlichen Grüßen Peter Busse
Sehr geehrter Herr Busse, wenn I größer S durch die Druckerpresse bedient wird, gibt es eine Überschussnachfrage, die Inflation macht, weil die Ressourcen im Umfang dieser Differenz ja nicht aus dem Ausland kommen. I minus S ist der Überschuss der Nachfrage über die eigene Produktion, weil S der Teil der Produktion ist, der nicht konsumiert ist. Mit freundlichem Gruß zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin derzeit verwundert, dass sich ganz Deutschland über unseren Exportüberschuß freut. Exportüberschuß bedeutet doch im Endeffekt Ware aus dem Handelsraum raus - Geld rein, bzw. am Ende steht mehr Geld weniger Ware gegenüber also nach allem was ich gelernt habe müsste die Gleichung lauten Exportüberschuß = Inflation. Dazu müssen die Exporteure noch massenweise dafür arbeiten ohne am Ende etwas dafür zu haben (über die Summe der deutschen gesehen, nicht auf die einzelnen bezogen). Zur Betrachtung der tatsächlichen Inflation muss jetzt allerdings das Spektrum der bewerteten Produkte um Finanzprodukte wie Aktien, Fonds und Staatsanleihen erweitert werden, da gerade hierhin in der Vergangenheit massiv Geld abgeflossen ist (auch staatlich provoziert durch die Riesterrente und ähnliches). Ich denke, dass dies einfache Gedanken sind, habe diese jedoch noch nie diskutiert gehört. Können Sie mir sagen weshalb wir uns das ganze dennoch dauerhaft schönreden?
Sehr geehrter Herr Maier, fast haben Sie recht, aber nicht ganz. Man kriegt kein Geld für die Exporte, sondern Wertpapiere, also Ansprüche gegen Ausländer, die später gegen Waren einlösbar sind. Das ist nichts, was die Inflation treiben könnte, jedenfalls nicht bei uns. In den Schuldnerländern ergibt sich ein Anreiz, sich der Rückzahlungsverpflichtung durch Infaltion zu entziehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Altkanzler Helmut Schmid kritisiert, dass Frau Merkel beim Aufkommen der Finanzkrise in Griechenland nicht sofort Ihre Solidarität bekundet hat, um dadurch den Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er spricht Merkel und Schäuble in Teilen das Format ab, genug von den Zusammenhängen der Finanzmärkte, des Bankensystems, sowie von nationalen und internationalen Fragen zu verstehen. Jean Claude Junker hingegen, dem Fan für Euro Bonds, hält unser Altkanzler wohl für einen großen Staatsman mit genügend Überblick. Ich meine, unabhängig von der fachlichen Qualifikation von Merkel und Schäuble, bezweifle ich, ob Helmut Schmidt über die Urteilskraft verfügt, die er anderen abspricht. Gerade als studierter Ökonom sollte er doch erkennen, dass mit sofortigen Solidaritätsversprechen und Euro Bonds der Kapitalexport aus Deutschland heraus perpetuiert wird und Deutschland Güter gegen Zahlungsversprechen eintauscht, für die es auch noch selbst bürgen muß. Mit freundlichem Gruß, K.
Lieber Herr K., inhaltlich haben Sie völlig recht. Dass der Gläubiger für die Bonität seines Schuldners bürgen soll ist pervers. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich las mehrere Bücher von Ihnen und erlebte Sie in Fernsehdiskussionen. Da Sie jemand sind, der sich traut, visionäre Ideen zu formulieren und in die Öffentlichkeit zu tragen, sende ich Ihnen anbei eine Kopie einer E-Mail zu, die ich an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages mit der Bitte schickte, sich ernsthaft mit meinem Lösungsansatz "Englisch als offizielle zweite Amtssprache einführen" zu beschäftigen. Mir geht es darum, dass möglichst schnell möglichst viele Entscheider aus Wirtschaft und Politik sich mit meinem Lösungsansatz auseinandersetzen und er hoffentlich irgendwann in die Öffentlichkeit getragen wird, um breitflächig und hoffentlich sachlich diskutiert zu werden. Verantwortungsvolle Eltern, die ihren Kindern eine gute Ausbildung als Vorbereitung für einen erfolgreichen Berufsstart zukommen lassen wollen, werden mir bestimmt in vielen Punkten zustimmen. Wenn Sie finden, dass an meinen Gedanken etwas dran ist, so finden Sie bestimmt einen Weg, die Idee in die Öffentlichkeit zu tragen. Wenn Ihnen meine Idee nicht behagt, so wäre ich um eine kurze Rückantwort dankbar, warum Sie wenig oder nichts davon halten. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, haben Sie herzlichen Dank für Ihre interessante Email. Ihre Idee, die englische Sprache in Deutschland als zweite offizielle Amtssprache einzuführen, um die Attraktivität des Landes für ausländische Arbeitnehmer zu erhöhen, ist nachvollziehbar. Inwiefern die Bürokratiesprache eines Landes die Entscheidung eines Arbeitnehmers zur Migration in dieses Land beeinflusst, ist jedoch zu prüfen. Intuitiv scheinen privatwirtschaftliche Gründe, insbesondere die Attraktivität der Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich, als die wichtigeren Entscheidungskriterien. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zum Thema Geldschöpfung habe ich eine Verständnisfrage. Die Banken können per Kredit Geld aus dem Nichts schöpfen. Es gibt dabei diverse Restriktionen, z.B. den Mindestreservesatz der Notenbank oder das Eigenkapital der Bank. Die Banken insgesamt können aber ein Vielfaches der Spareinlagen als Kredit vergeben. In den Einführungskursen der VWL wird aber gelehrt, dass in einer geschlossenen Wirtschaft Ersparnisse und Investitionen gleich seien (S=I) bzw. in einer offenen Wirtschaft (S-I=EX-IM). Ein Unternehmen kann aber doch nicht nur Unternehmensanleihen ausgeben, um die Investitionen zu finanzieren, sondern ebenso einen klassischen Bankkredit aufnehmen. Damit dürfte die Wirtschaft (ob geschlossen oder offen) nicht ausschließlich von inländischen und ausländischen Ersparnissen abhängig sein. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Müller, doch, investieren kann man nur mit Ersparnissen. Die Kreditschöpfung der Banken ist ein Einmaleffekt. Abhängig von den Zahlungssitten und den regulatorischen Details wird in Relation zur Geldbasis (Zentralbankgeld in den Händen der Privaten) eine bestimmt Gesamtgeldmenge M1 geschaffen (Bargeld in den Händen privater Nichtbanken und Sichtdepositen bei Banken). Der Kredit aus dem Nichts ist ein zusätzlicher Geldbestand, der zirkuliert, aber nicht für Investitionen zur Verfügung steht, außer er wächst schneller als das Transaktionsvolumen, weil die EZB die Geldbasis schneller wachsen lässt. Dann ist ex ante tatsächlich I größer S - EX + Im, und es gibt eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachtem Geld finanzieren. Auch wenn die Geldbestände relativ zum Transaktionsvolumen kleiner werden, kann diese Ungleichung temporär gelten. Ich hoffe, dies beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, in großer Hoffnung wende ich mich an Sie. Können Sie mir kurz was zu dieser These sagen? "Die Segmentierung des Emissionsmarktes sowie Regulierungsüberlagerung von Emissionshandelssystemen und Ökosteuer führen dazu, dass die Kosten der Klimapolitik steigen." haben Sie vielen Dank für Ihre Mühen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau W., Ihre Vermutung stimmt. Das habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon aus dem Jahr 2008 begründet. Der Emissionshandel setzt den gleichen Preis für Schadstoffemission und führt deshalb zu einer kostenminimalen Vermeidung. Zusätzliche Regulierung führt zu einer Abweichung von dieser Lösung, ohne die Gesamtemission beeinflussen zu können. Also steigen die Kosten der Vermeidung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was würden Sie der amerikanischen Regierung und der FED raten, um sich aus ihrer prekären Finanzsituation zu befreien? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, der Wahrheit ins Auge sehen und einen Prozess der Schrumpfung des Lebensstandards durch Austerity-Programme und Budgekürzungen einleiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Zu Ihrer Information: Auf der Seite http://www.energie-lexikon.info/ag_klimaschutz.html habe ich eine Kritik ihrer Argumentationskette im NZZ-Interview vom 05.06.2010 veröffentlicht. Ich bin entschieden der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Argumentation schwer daneben liegen, verspreche aber gleichzeitig, diese Ansicht und den Artikel umgehend zu korrigieren, wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich will Ihrer Aufforderung gerne nachkommen. Sie verweisen darauf, dass die Ölscheichs auf Preissenkungen mit einer Angebotseinschränkung reagieren. Das ist richtig, sofern es um eine temporäre Preissenkung geht. Die Scheichs vergleichen nämlich die Barwerte der erwarteten Preise für alle Zeitpunkte und planen dort zu verkaufen, wo der Barwert am höchsten ist. Fällt in einer Periode der Preis, reagieren sie stark negativ mit den Mengen. Temporäre Preisschocks verursachen also Mengenreaktionen. Anders ist es bei permanenten Preisschocks. Wenn der Barwert des Preises für alle Perioden in gleichem Umfang sinkt, kann man nicht mehr ausweichen. Dann gibt es keine Mengenreaktionen. Die Mengenreaktionen können dann sogar falsch herum gehen in dem Sinne, dass man bei Preissenkungen mehr anbietet. Das ist genau dann der Fall, wenn erwartet wird, dass einer die Ökosteuern im Laufe der Zeit immer stärker werden und der Barwert des Preises für zukünftige Perioden mehr sinkt als in der Gegenwart. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Im NZZ-Interview haben Sie nicht mit Barwerten argumentiert, sondern mit Produktionskosten, was wirklich Ihre Thesen nicht untermauern kann. Nun verwenden Sie das Barwert-Argument, das immerhin viel besser ist, aber viel zu simpel, um die Realität damit vernünftig zu erfassen. Ich führe das kurz aus. Die Realität auf dem Ölmarkt - begrenzte Kapazitäten bei steigender Nachfrage sowie extrem unterschiedliche Förderkosten - bilden Sie in Ihren allzu simplen Modellen nicht angemessen ab. In 2008 hat die Nachfrage die Produktionskapazitäten fast ausgeschöpft, deswegen auch die nervösen Preisausschläge. Wenn die Wirtschaftskrise demnächst endet, sind wir sofort wieder an diesem Punkt, und die Preise werden wieder explodieren - bald womöglich noch weit mehr als je gesehen. Das gibt dann Anreize für die Aufnahme zusätzlicher, teurer und häufig extrem umweltschädlicher bzw. gefährlicher Produktionsprojekte - z. B. Ölsande, Tiefseebohrungen oder auch Kohleverflüssigung. Wenn wir durch Sparbemühungen dies verhindern oder zumindest dämpfen, ist für das Klima sehr viel gewonnen. Nebenbei auch für unsere Volkswirtschaft. Ihr Barwert-Argument geht an diesen Sachverhalten völlig vorbei. Gerade wenn es uns gelänge, etwa durch flächendeckende CO2-Steuern die Barwerte des Öls dauerhaft wesentlich zu senken, würde das jede Menge zusätzlicher extrem umweltschädlicher Produktion verhindern. (Sie haben also übersehen, dass es sehr wohl Projekte gibt - vor allem zukünftige - deren Produktionskosten viel höher liegen als etwa in OPEC-Ländern.) Absolut Recht gebe ich Ihnen aber in einem: Eine Dämpfung der Nachfrage durch Energiesparbemühungen (mit den bis heute genutzten Methoden) wird kaum so stark ausfallen können, dass dies für den Klimaschutz genügt. Deswegen brauchen wir in der Tat dringend Cap & Trade oder ähnliche ergänzende Mechanismen. Erst durch diese kann das Energiesparen ausreichend effektiv werden, um das Klimaproblem zu entschärfen. Das ändert aber nichts daran, dass energische Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung schon vor Cap & Trade sehr nützlich sein werden - allein schon deswegen, weil man die Caps niedriger ansetzen kann, wenn sich die Wirtschaft schon etwas darauf vorbereitet hat. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich empfehle Ihnen, wenn Sie tiefer einsteigen wollen, die Lektüre eines Ökonomie-Lehrbuches zum Stichwort Hotelling-Regel. Sie werden feststellen, dass da kein Widerspruch zur Extraktionskostenbetrachtung ist. Das entscheidende Argument gegen Ihres habe ich Ihnen gegeben. Ich weiß nicht, was Sie mit meinen Modellen meinen. Welchen meiner Aufsätze meinen Sie? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: 2. Fortsetzung der Diskussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Ich meinte ganz einfach gedankliche Modelle, wie wir sie alle in mehr oder weniger angemessener Form für unsere Überlegungen benutzen. Gegen die Hotelling-Theorie habe ich auch nichts Grundsätzliches einzuwenden, nur gegen das Ausblenden wichtiger anderer Aspekte, die damit nicht berücksichtigt sind. Leider sehr ich in Ihren Rückmeldungen nichts, was diverse von mir kritisierte Punkte substanziell berührt: - Etwa den Umstand, dass die Förderkosten nicht wie von Ihnen behauptet überall extrem niedrig sind, sondern bei neuen Projekten so hoch sind, dass dies häufig die Realisierung be- oder verhindert. - Ebenso, dass dies meist die Projekte mit den größten Umweltbelastungen sind, dass deren Verhinderung also dem Klima sehr wohl zugute kommt. - Weiter, dass die heutigen Klimaschutzbemühungen, so unvollkommen sie sein mögen, eine wichtige Vorbereitung auf ein späteres, richtig greifendes Cap & Trade-Regime sind, da man offensichtlich niedrigere Caps durchsetzen kann, wenn man schon ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Caps fallen nicht vom Himmel, sie müssen politisch ausgehandelt werden und werden von gemachten Erfahrungen beeinflusst. Übrigens auch von Forderungen nach anderen Maßnahmen: Es braucht viel politischen Druck. Und politisch betrachtet ist es eben verheerend, viele Leute dazu zu verleiten, dass sie einfach mal nichts tun und warten, bis irgend jemand (wer denn?) auf irgend eine Weise ein wirksames Cap & Trade-Regime weltweit installiert. Sie können ihnen ja auch nicht sagen, wie das gehen soll. Ihr Endziel ist ja gut, das will ich auch, und bis wir es erreicht haben, setze ich mich energisch für Schritte in die richtige Richtung ein. (Selbstverständlich nicht für wirkungslose Maßnahmen, nur um das eigene Gewisse zu beruhigen.) Sie mögen ja die ökonomischen Theorien bestens verstehen, berücksichtigen aber leider einfach diverse Umstände nicht, die essenziell für die Beurteilung der Lage und möglicher Maßnahmen sind. Gleichzeitig werfen Sie anderen Leuten Oberflächlichkeit vor - das passt wirklich nicht zusammen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, bei den Modellen weichen Sie aus, und das wissen Sie auch selbst. Sie geben mir nicht den Eindruck, dass Sie die kritisierten Modelle kennen. Sie haben gesagt, Sie würden Ihre Ansichten revidieren, wenn ich Sie überzeugen könnte. Doch haben Sie Ihren Beitrag parallel bereits der NZZ geschickt, bevor ich überhaupt eine Chance hatte, Sie zu überzeugen. Ihre Aussage, dass Sie bereit sind, sich überzeugen zu lassen, nehme ich Ihnen deshalb nicht mehr ab. Dennoch hier ein letzter Versuch. Die Rolle der Förderkosten sehen Sie leider falsch. Ich verweise Sie auf die beiliegende Studie von Karl zu den wirklichen durchschnittlichen Förderkosten. Die liegen alle nur bei Bruchteilen der Preise. Dass der Preis der limitierende Faktor für die profitable Extraktionsmenge ist, ist für erschöpfbare Ressourcen im Gegensatz zu reproduzierbaren Gütern grundsätzlich nicht wahr. Würden Sie die intertemporalen Modelle kennen, wüssten Sie das. Ressourcenpreise sind Knappheitspreise, die fast nichts mit den Förderkosten zu tun haben. Richtig ist, dass es im Einzelfall in einer großen Weltwirtschaft auch Lagerstätten geben mag, deren Abbau durch das Grenzkostenkriterium gesteuert wird, weil die Eigentümer keinerlei intertemporale Erwägungen mehr anstellen. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn sie die Enteignung durch nationale Politik, ihren eigenen Machtverlust oder die Enteignung durch grüne Politik in der Zukunft erwarten. Doch werden diese Mengen im Gleichgewicht der Märkte stets durch die Minderproduktion der Standardanbieter kompensiert, weil die Mengen der nicht intertemporal optimierenden Anbieter die Preise heute drücken und sie morgen erhöhen, so dass es für Normalanbieter rentabel wird, eine vollkommene Substitution der Mengen vorzunehmen, bis die erwartete Preissteigerungsrate der Bestände in Situ wieder die Marktverzinsung bringt (Standardresultat der intertemporalen Modelle der Hotelling-Welt). Im Übrigen, wenn schon die drohende Enteignung durch grüne Politik hinter dem Verzicht auf intertemporale Optimierung ist, so würde sich ja schon hier das grüne Paradoxon zeigen. (Ankündigung grüner Politik führt heute zu Angstverkäufen.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, in einem Forumsbeitrag sagen Sie, dass die Schuldenquote gegen den Steady-State-Wert (Quotient aus Defizitquote und Wachstumsrate) strebt. Ich komme allerdings zu dem Ergebnis, dass die Schuldenquote gegen unendlich strebt, wenn die Defizitquote größer ist als die Wachstumsrate. Bei identischen Raten komme ich auf den Grenzwert 1, also Schuldenquote 100 %. Vielleicht habe ich mich auch verrechnet. Ich habe einfach den Grenzwert von folgendem Quotienten ermittelt: Zähler: S + W((1+f)hoch n -1) Nenner: W (1 +g) hoch n mit S=Schuldenstand, W=Wirtschaftsleistung, f=Defizitquote, g=Wachstumsrate Vielen Dank für Ihre Mühe.
Sehr geehrter Herr Müller, Sie verlangen jetzt zuviel, wenn ich den Beweis, der sich der Methode der Differenzialrechnung bedient, hier im Email darlege, zumal man da keine Formeln schreiben kann. So, wie Sie es rechnen, kann man nicht vorgehen, denn der Schuldenbestand im Zähler wächst ja nicht mit einer konstanten Rate, selbst wenn die Wirtschaftsleistung das tut. Nur der absolute Zuwachs der Schulden wächst immer mit der Rate der Wirtschaftleistung. Allerdings nähert sich die Wachstumsrate des Schuldenbestandes allmählich der Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung an. Diese Heuristik mag hilfreich sein. Stellen Sie sich vor, Sie geben jedes Jahr eine bestimmte Kartoffelmenge zu einem schon vorhandenen Haufen dazu, die selbst wiederum mit einer festen Rate wächst. Dann wächst auf die Dauer auch der ganze Haufen so schnell wie die pro Jahr hinzu gegebene Kartoffelmenge, und zwar unabhängig davon, wie groß der Anfangshaufen war. War der anfängliche Haufen groß, nähert sich die Wachstumsrate des Haufens von oben der Wachstumsrate des Zuwachses an Kartoffeln an, war der anfängliche Haufen klein, nähert sie sich von unten an. Die Regel ist: "Eine Größe wächst auf die Dauer so schnell wie ihr Zuwachs wächst." Im konkreten Fall ist die Zuwachsrate der Kartoffelmenge, also des Schuldenbestandes, auf die Dauer stets so groß wie die Wachstumsrate des Sozialprodukts. Also geht der Quotient aus Schulden und Sozialprodukt, die Schuldenquote, auf jeden Fall gegen einen festen Grenzwert, sofern die Wachstumsrate des Sozialprodukts größer Null und konstant ist. Der Quotient kann also nie gegen unendlich gehen, wie Sie vermuten. Das hat der englische Ökonom Evsay Domar schon in den frühen 50er Jahren herausgefunden. Die Größe der Schuldenquote, gegen die das System im Laufe der Zeit strebt, wird durch den Quotienten aus Defizitquote und Wachstumsrate angegeben. Bei 5% nominalem Wachstum und 3% Defizitquote geht also die Schuldenquote asymptotisch gegen 60% (=3%/6%). Das sind die Zahlen, die beim Stabilitäts- und Wachstumspakt zugrunde lagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ich finde es bedauerlich, daß die deutsche Industrie sich den Orden "Exportweltmeister" anheften läßt und nicht merkt, daß sie mit diesem für einen Teil Ihrer Leistung bezahlt wird; dh. Lob statt Bezahlung. Wenn ein Land mehr Waren liefert als es bekommt, dann hat es einen Anspruch auf Lieferung der Differenz. Dieser Anspruch liegt als verbrieftes Guthaben auf der Bank. Da jedoch offen ist, ob der Schuldner, der das Guthaben bedienen muß, dies auch tut, wäre es besser, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu haben. Es ist nämlich vorzuziehen, die Ware im Haus zu haben als eine offenstehende Forderung. So viel aus der Sicht des Lieferanten.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die Dinge auf den Punkt! Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich habe Ihre Kritik am "750bn Rettungssschrim fuer den EURO" gelesen und moechte Sie ausdruecklich unterstuetzen. Ihre Analyse zu diesem Vorgehen unserer politischen Klasse -ueber Nacht an einem Wochenende den Einstieg in die Trasnferunion zu entscheiden sowie die EZB in ihrer Unabhaengigkeit zu beschneiden- ist ein Ding der Unmoeglichlkeit. Das dem Bundestag vorgelegt Kreditermaechtigungsgesetz ist ebenso untragbar. Keine der Massnahmen bekaempft wirkungsvoll Ursachen der Krise. Das ist das Schlimme, und der deutschen Volkswirtschaft, den Buergern, wird erheblicher Schaden zugefuegt (Verschuldung) sowie die Stabilitaet unseres Geldes langfristig gefaehrdet. Einzig richtiger Weg waere eine planmaessige Schuldenrestrukturierung betroffener Laender gewesen (iVm Pariser Club, IMF, Glaeubigern...) Danke dass Sie sich offen positioniert haben. Leider agieren unsere Politiker mit immer weniger oekonomischem Sachverstand nach dem Motto "was nicht sein darf das nicht sein kann" bzw "nach mir (meiner Legislaturperiode) die Sintflut". Die Quittung ist bei den naechsten Landtags- bzw Bundestagswahlen zu erwarten. Mit freundlichen Gruessen, Jochen Huppert Kfm. Geschaeftsfuehrer eines mittelstaendischen Unternehmens Backnang, Deutschland
Sehr geehrter Herr Huppert, vielen Dank für die Unterstützung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn : Ihren Ausführungen zum Verbot von Leerverkäufen, die ich mit Interesse gelesen habe, möchte ich folgendes hinzufügen. Der Verkauf von geliehenen Wertpapieren verfälscht den Markt ebenso wie der echte Leerverkauf; mit dem Unterschied, daß letzterer vor Börsenschluß glattgestellt werden muß. Die Verfälschung der Marktlage besteht darin, daß Wertpapiere auf dem Markt erscheinen und auf den Kurs drücken, obwohl der Besitzer diese gar nicht verkaufen will. Der Leerverkäufer hat sich mit geliehenen Aktien eine Macht verschafft, die er aus eigenem Vermögen nicht hat. Und das im Verborgenen! Diese Täuschung des Marktes ist der erste Makel. Nun ist davon auszugehen, daß der Leerverkäufer mit seiner Spekulations-Richtung richtig liegt. Er beschleunigt dann eine Entwicklung, die später doch eingetreten wäre. Damit verhindert er aber einen langsamen, also sanften Verlauf, und nimmt der Wirtschaft die Möglichkeit, sich anzupassen. Das ist der zweite Makel. Viele Grüße Klaus Friebe PS. Die Contra-Ausführungen von Thomas Mayer von der Deutschen Bank sind reine Rabulistik.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die beiden Hauptaspekte auf den Punkt. Ich stimme Ihnen dabei vollständig zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze Ihre geschliffene Kritik, so wie die o.g. aktuelle, sehr! Sie hätten m.E. noch weiter gehen können. Der zweifellos durch unser Land dominierte europäische Rettungsschirm birgt zwar das Potential für eigene Verluste, jedoch auch die (viel größere-) Gefahr einer zukünftigen politischen Dominanz Deutschlands in Europa und darüber hinaus.... Davor fürchtete ich mich als überzeugter Europäer viel mehr als vor den Verlusten bei französischen oder deutschen Banken. Es wird wieder einmal Zeit, sich an eine nicht allzu ferne Vergangenheit zu erinnern, in größeren Zusammenhängen zu denken und möglichen Anfängen zu wehren. Diese Situation stimmt mich sehr nachdenklich. Viele Grüße Priv.-Doz. Dr. Charles Dewey
Sehr geehrter Herr Dewey, das ist ein interessanter Gesichtspunkt. Sie meinen, die Länder würden von Deutschland abhängig. In der Tat ist auch das eine der problematischen Implikationen. Schuldner mögen Ihre Gläubiger meistens nicht besonders. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Prof. Sinn, ich verstehe den Zusammenhang zwischen fallender Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen und den gegebenen Garantien nicht. Eigentlich haben unsere Parlamentarier mit dem größten "All in" aller Zeiten doch massiv das Risiko bei Investition in unsere Staatsanleihen erhöht. Wieso steigen denn aber die Kurse? Womit rechnen die Märkte? Mit freundlichen Grüßen, Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Märkte schätzen nun das Risiko von Anlagen in den Ländern der südwestlichen Peripherie Europas und in Amerika wesentlich höher ein als früher. Das treibt die Zinsspreads im Vergleich zu Deutschland hoch. Die Zinsen im Rest Europas steigen, doch in Deutschland fallen sie, weil Deutschland als der sichere Hafen gilt, zumal es bei dem Anlage suchenden Geld ja im Wesentlichen um unsere eigenen deutschen Spargelder geht. Deutschland war nun mal diesseits und jenseits des Atlantik der bei weitem größte Kapitalexporteuer. Investiert wurde hier nur noch wenig. Das alles ändert sich nun. Das Kapital drängt auf den Inlandsmarkt und begnügt sich mit niedrigsten Renditen, was hierzulande mittelfristig einen Bauboom auslösen wird, so jedenfalls meine Vermutung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich frage mich seit längerem was die Vorteile und Nachteile der Quote: "Staatsverschuldung im Bezug zum BIP" ist. In der Literatur wird dies als einzig relevante Grösse angesehen. Weshalb vergleicht man nicht die Staatsverschuldung im Bezug zur Einwohnerzahl eines Landes oder die Staatsverschuldung im Bezug zum gesammten Kapital eines Landes? Mit freundlichem Gruss Paul-Oliver Burkart
Sehr geehrter Herr Burkart, man nimmt das BIP, weil man die wirtschaftliche Leistungskraft zum Vergleich heranziehen möchte. Eigentlich sollte man aber lieber das Nettonationaleinkommen nehmen, das die Summe der Einkommen der Deutschen misst. Das BIP ist die Summe der in Deutschland verdienten Einkommen zuzüglich der Abschreibungen, keine besonders relevante Maßgröße. Das ist aber Konvention. Eine Relation zum gesamten Kapital wäre möglicherweise noch besser. Das Problem ist nur, dass es darüber keine verlässlichen Statistiken gibt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Zur Staatsschuldenkrise: Was wäre von einem Vorschlag zu halten, der die Landesverwalter in die persönliche Haftung bei staatlichem Bilanz-Betrug bringt? Als seinerzeit Verantwortliche bei Enron die drohende Insolvenz verschleiert hatten, wurden teils auch Haftstrafen verhängt. Bei öffentlich Amtsträgern hingegen ist da Fehlanzeige, da kann gefälscht werden, wie es gerade beliebt und im Zweifel gibt es dann Anwürfe gegen die Erfüllungsgehilfen statt gegen die Verantwortlichen, wie im Fall von Goldmann-Sachs. Mutmaßlich hätte eine persönliche Haftung mit Strafbarkeit doch eine stark disziplinierende Wirkung und würde ebenso Gerechtigkeitsaspekte berücksichtigen. Jedenfalls sorgt die SOX-Gesetzgebung beispielsweise für geradezu paranoide Genauigkeit in den betroffenen Unternehmen, das würde bestimmt auch durch die Übertragung dieses Gesetzes auf die Sphäre der öffentlichen Finanzen erzielt werden können. Freundliche Grüße, Roland Scheel
Sehr geehrter Herr Scheel, Recht haben Sie. Nur wie setzt man das in Griechenland um? Die Schummelei fand ja dort statt. Wenn alles korrupt ist, kann man auch keine Gesetze implementieren. Vielleicht müsste die EU eine Strafgerichtsbarkeit für die Fälschung von EU-relevanten Daten und die Missachtung von EU-Regeln einrichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrem Beitrag zum EURO-Rettungsschirm sprechen Sie die Angleichung des Zinsniveaus für EUR-Staaten nach Einführung des Euros und die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die deutsche Volkswirtschaft an. Ich finde diese Überlegungen sehr interessant, habe aber eine Verständniss-Frage dazu. Sie Argumentieren, dass das relativ niedrigere Zinsniveau für insbesondere südeuropäische Staaten dazu führte, dass das Kapital dorthin wanderte und in diesen Ländern einen Boom auslöste, während die deutsche Volkswirtschaft mit eher mageren Wachstumsraten auskommen musste. Wenn aber das Kapital in Deutschland knapp wurde, hätte es das nicht zu steigenden Zinsen führen müssen, wenn weiterhin Unternehmer hätten investieren wollen? Tatsächlich liegt das Zinsniveau seit einigen Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau. Hätten des weiteren Unternehmer nicht schon vor Jahren über eine Kreditklemme o. ä. klagen müssen, wenn in Deutschland eine Kapitalknappheit vorgelegen hat? Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus! MfG Frank Winninghoff
Sehr geehrter Herr Winnighoff, vom Euro her kamen ja nicht die einzigen Einflüsse auf das Zinsniveau. Die lockere Geldpolitik in der zweiten Hälfte der 1990ger Jahre, aber auch nach dem 11. September und dem Irakkrieg hat die Zinsen insgesamt niedirg gehalten. Dies aber für alle Länder. Die Beseitigung der Risikoprämien gegenüber Deutschland kam aber als Sondereffekt noch hinzu, und daraus resultiert die hohe Wachstumsdynamik auf den Immobilienmärkten der süd-westlichen Peripherie Europas, von der der deutsche Immoblienmarkt gänzlich unbeeindruckt blieb. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in der Vergangenheit hatte ich bzgl. der Finanzkrise und Ihrem Vortrag in Osnabrück schon einmal die Frage gestellt, inwieweit Deutschland, als Eyposrt (Vize)Weltmeister gewährleisten kann, dass den exportierten Werten auch ein adäquater Gegenwert geleistet werden kann. Die Antworten, die ich erhalten hatte waren (und sind erst recht jetzt) recht zweifelhaft. Wenn wir nur exportieren um dann die Werte gegen Bürgschaften des eigenen Landes abzusichern (siehe Griechenland), so kann das ja nicht ernsthaft eine nachhaltige wirkliche Perspektive sein. Wir produzieren sozusagen auf Pump und wenn der Gläubiger nicht zahlen kann, dann zahlen halt die Steuerzahler in Deutschland!! Was ist denn da Ihrer Meinung nach los? Aus meinen vormaligen Beiträgen können Sie schliessen, dass ich hier jetzt von Ihnen eigentlich einmal eine grundsätzliche Stellungnahme bzgl. der Stellung Deutschlands im europäischen und globalen Rahmen wünschen würde. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, Ihre Bedenken sind berechtigt. Sie können dazu morgen oder übermorgen von der ifo-Homepage, wenn Sie wollen, einen grundsätzlichen Text von mir herunterladen. Er ist gerade in der Endredaktion. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden. Mit bestem Gruß Frank B.
Sehr geehrter Herr B., Sie haben natürlich völlig Recht mit Ihrer Kritik an den Landesbanken. Ich habe übrigens diese Kritik schon in einem Buch über die Landesbanken, das vor gut zehn Jahren bei Beck erschien, formuliert und vor den Geschäftsmodellen gewarnte. Das Basel-System reguliert aber auch die Privatbanken zu wenig. Dazu habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus, das gerade in dritter Auflage herauskam, ziemlich viel geschrieben. Ich bin skeptischer als Sie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben, mehr als einmal, warnend Ihre Stimme erhoben. (Wie im Übrigen auch Hans-Olaf Henkel es nicht müde wird, zu tun) Jetzt auch wieder in Bezug auf die Griechenland-Krise. Doch was frommt's? Unsere Politiker sind nicht in der Lage und wohl auch nicht willens, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Letztlich wird das wieder nur zu dem führen, was der begnadete Kabarettist Volker Pispers schon vorausgesehen hat: "Dann kommt wieder ein eloquenter junger Mann aus dem benachbarten Ausland und erzählt den Deutschen, wo es langgeht". Und ich füge bei - und es werden ihm alle wieder nachlaufen. Die meisten "Volksvertreter" werden sagen, dass sei unmöglich: ich erinnere aber nur an Ted Turner oder Silvio Berlusconi. Diese Menschen sind auf einmal da, wie der Blitz, man bemerkt ihn erst, wenn er einschlägt. Deshalb: wir brauchen in Deutschland neben all den linken Parteien (darunter jetzt auch: CDU und CSU) eine neue konservative Partei, eine Partei des gesunden Menschenverstandes. Die FPD wird es allein nicht richten können, dafür sind die Vorbehalte gegen diese Gruppierung zu groß. Ansonsten werden wir den von Henkel schon heraufbeschworenen "Neosozialismus" bekommen, Deutschland würde zu einer "DDR-light". Warum gründen Sie nicht, gemeinsam mit den wenigen, noch "Verständigen" im Land diese neue Partei? Frau Merkel hat viele in der CDU vergrätzt. Ich bin sicher, es würden Ihnen viele nur zu gern folgen. Im jetzigen Zustand ist die Union als Volkspartei nicht überlebensfähig. Herzliche Grüße H.W.
Sehr geehrter Herr W., zu viel der Ehre, die Sie mir da zuteil werden lassen. Ich bin als Politiker ungeeignet. Ich bin ein Wissenschaftler, und dabei muss es bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist denn von den aktuellen Maßnahmen zur Stabilitätssicherung des Euro? Gruß, Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, es ist wenig davon zu halten. Schauen Sie am Dienstag in die FAZ. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sind Sie der Meinung, dass es hilfreich wäre, CDS Papiere, mit welchen Spekulanten auf den Ausfall von Staatsschulden spekulieren können, zu verbieten. Soweit ich richtig informiert bin, sind sie ja der Meinung, dass man Leerverkäufe auf Aktien oder Anleihen verbieten sollte. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, ich bin nicht der Meinung, dass man CDS-Kontrakte generell verbieten sollte, nur die naked CDS, also Versicherungen gegen Risiken, die man gar nicht hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wäre denn der Austritt Deutschlands aus der EURO- Zone eine Alternative? Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, in der Tat ist das eine theoretische Möglichkeit. Aber das Land, das autritt, handelt sich eine Menge technischer Probleme ein, so dass es besser ist, wenn Griechenland austritt. Man kann Griechenland helfen, diese Probleme zu lösen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, durch eine Internetrecherche nach Beiträgen ihrerseits zu Politik und Wirtschaft bin ich auf ihr Interview mit der Süddeutschen Zeitung gestoßen, dass man sich zu Teilen auch per Video anschauen kann (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/517/422278/text/). Zuerst wollte ich mich für ihre Arbeit als Ökonom und Autor bedanken; Mein Interesse an politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten des Lebens ist durch ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten“ geweckt worden. Geprägt durch die Ausführungen in ihrem Buch und der Überzeugung, dass diese richtig sind, habe ich eine liberale Haltung eingenommen und bereits zu meiner Schulzeit immer wieder heftig dafür argumentiert und diskutiert. Seitdem bin ich meinem Interesse treu geblieben und studiere nun im zweiten Semester Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Bei dem Interview sind mir zwei Aspekte aufgefallen, die mich seitdem sehr beschäftigt haben. Die Frage, ob Managergehälter gerecht seien, verneinen Sie klar. Kurz darauf erläutern Sie, dass man diese unverhältnismäßige Lohnspreizung aber nicht ändern könne und man sich daher mit ihr abfinden sollte. Ich muss ihnen in diesem Punkt widersprechen, da ich der festen Überzeugung bin, dass beides möglich ist. Im Zuge dieser Finanzkrise, bei der diese Managergehaltsdiskussion durch (ungerechtfertigte?) Abfindungen von Managern in Millionenhöhe, unter deren Leitung riskante Geschäfte abgewickelt worden sind, die letztendlich zu Abschreibungen, Schließungen und Vermögensverlusten von einfachen Bürgern geführt hat, ist die Diskussion entbrannt, wie man Gehaltsanreize schaffen kann, die sich am langfristigen Erfolg des Unternehmens messen und wie Manager mehr Verantwortung für ihre Firma, im Sinne von Eigenhaftung, übernehmen sollten. Dabei vertrete ich keinesfalls die Meinung, dass alle Manager raffgierige Menschen sind und nie an das Unternehmen denken und daher enteignet werden sollten zum Wohle des Unternehmens. Ich kenne Beispiele von Schweizer Banken, bei denen Manager auf ihr rechtmäßiges Gehalt verzichtet haben um ihrer Bank zu helfen. Ebenfalls habe ich ihre Meinung unterstützt, dass die Grenze von Managergehältern auf 500000€ bei Inanspruchnahme des Stabilisierungsfonds, zu Fehlanreizen, durch Rückschraubung des Geschäftes und verspäteter Inanspruchnahme, und dadurch zu einer viel größeren Katastrophe für Deutschland werden könnte. Bislang scheint sich diese Prognose allerdings als falsch darzustellen, da schon einige private Unternehmen den Sonderfond in Anspruch genommen haben. Meine Verwunderung über ihre Aussage war vielmehr, dass Sie einen Fehler erkennen, aber meinen, nichts daran ändern zu können bzw. zu müssen. Generell müssen Regulierungen das Ergebnis nicht verschlechtern, sie können sie auch verbessern, wie viele Beispiele zeigen: Verbot von Monopolen, da diese ineffizienter arbeiten, Regulierung von Energie und auch Sie haben, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2001 für schärfere Kontrollen des Finanzsystems plädiert. Warum sind Sie dann der Meinung, dass eine Regulierung bei Managergehältern nicht möglich sei und automatisch zu einer Verschlechterung des Gemeinwohls führen würde. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass genau die Forderungen, die verschiedene Wissenschaftler und Politiker an die Gehaltsstrukturen stellen richtig sind; der Bonus soll durch langfristigen Erfolg gedeckt werden und bei Krisen oder fatalen Fehlern, die auch zur Schließung von Unternehmen führen, müssen Manager zu Teilen haftbar gemacht werden. Wieso stellen Sie sich diesen Forderungen entgegen? Ist es nicht berechtigt, diese Maßnahmen der Haftung und der Vorsorge, gegen zu riskante Geschäfte, bei deren Misslingen der Bürger verliert, mit zu den Aufgaben eines Managers zu stellen, der über das 50-fache der Bundeskanzlerin verdient? Würde ein solches Vorgehen, bei dem junge, engagierte, höchstmotivierte Menschen dieses Risiko eingehen und diejenigen, denen das Risiko zu hoch ist und dann ins Ausland abwandern, wie Sie es im weiteren Verlauf des Interviews prognostiziert haben, nicht zu mehr Wettbewerb um die Posten führen? Ich glaube, dass es ein großes Potential an Menschen gibt, die in der Lage sind, mindestens genauso gut die größten Firmen Deutschlands zu leiten, aber dabei die geforderten Auflagen oder auch eine Verringerung des Gehalts in Kauf nehmen. Weshalb ich ursprünglich dieses Schreiben anfangen wollte, war ein anderer Grund, der aber auch durch das oben genannte Interview entstand. Davor möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie meine höchste Achtung haben und ich Sie für einen sehr intelligenten Mann halte, von dem ich sehr überzeugt war, dass er wichtige und richtige Hypothesen aufstellt. Allerdings beginnen Sie beim Interview ein Argument mit den Worten: „Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“, was ich durchaus unterstütze, und kommentieren dann kurz einen Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme. Sie sagen dann, dass die Neidpräferenz in der ehemaligen DDR so weit ging, dass sich die Menschen darüber aufregten, dass Honecker ein Kühlschrank hatte und dieses ausgeprägte Neid dazu führt, „dass keiner einen Kühlschrank hatte oder nur sehr wenige“. Diese Aussage ist definitiv falsch und zeugt von einem völlig falschen Bild der DDR. Es ist sehr drastisch formuliert und ich kann mir vorstellen, dass Sie es für anmaßend halten, dass ich als Student des zweiten Semesters, ihnen als Professor etwas so direkt schreibe. Jedoch muss ich zugeben, dass mich ihre Äußerung zutiefst enttäuscht hat, da ich Sie für einen wohlüberlegten Menschen hielt, der seine Meinung fundiert vertritt. Meine Großeltern haben in der DDR gelebt und meine Eltern sind dort groß geworden. Obwohl wir alle, damit schließe ich mich definitiv ein, keine Befürworter des Kommunismus oder der DDR waren, sind wir doch bestrebt, falsche Behauptungen über das dortige Leben richtig zu stellen. Ich finde es paradox, dass Sie für einen Vergleich von Managern und Juden, was meines Erachtens von den Medien total lächerlich aufgezogen wurde und überhaupt nicht der Punkt ihrer Aussage verstanden worden ist, öffentlich so angegriffen wurden, sodass Sie sich entschuldigen mussten, eine Aussage aber, die sich auf keine historischen Daten stützt, ein falsches Bild der ostdeutschen Geschichte zeigt und dem Klischee des desinteressierten Westdeutschen genügt, von den Medien nicht beachtet wird, obwohl es dort ihre Berechtigung hätte. Ich würde Sie Bitten, auch in Ihrem Interesse, in der Öffentlichkeit ein solches Beispiel nicht mehr anzuführen, da es Ihre Glaubhaft in anderen Dingen sehr in Frage stellt. Falls Sie jedoch ein anderes – ich nenne es mal polemisches – Beispiel zur Unterstützung Ihres Unmutes über das kommunistische System suchen, kann ich Ihnen mit gutem Gewissen die Waschmaschine empfehlen. Diese hatten in der Tat nicht alle Bürger. Ich glaube allerdings nicht, dass es Ihrer Umgangsweise und Erfahrung als Ökonom und Wissenschaftler entspricht, polemisch zu argumentieren, bin mir dennoch über die Schlagkräftigkeit und Medienwirksamkeit solcher Argumente bewusst. Allerdings bin ich mir sicher, dass Sie ihre Position auch ohne so was vertreten können und den Menschen bewusst machen, warum wir die soziale Marktwirtschaft brauchen und weshalb ein kommunistisch/sozialistisch geprägtes System die falsche bzw. keine Alternative ist. Mit freundlichen Grüßen, Alexander Scheer
Sehr geehrter Herr Scheer, haben Sie vielen Dank für Ihren langen Brief, auf den ich nur kurz antworten kann. Ich bin gegen einen Eingriff des Staates in die Entlohnungsstrukturen, weil Löhne Preise sind, die eine Allokationsfunktion ausüben. Das gilt auch für Manager-Gehälter. Wenn die Gehälter gedeckelt werden, wird der Wettbewerb der Unternehmen um die Manager ausgeschaltet. Dann geht nicht mehr der cleverste Manager zum größten Unternehmen, wo er durch weise Entscheidungen den größten Schaden verhindern kann. Die Schäden für die Gesellschaft wären ein Vielfaches dessen, was bei den Gehältern eingespart wird. Bestimmte Dinge, die einen ärgern, kann man nicht ändern. Staatliche Interventionen, die externe Effekte internalisieren, kann man in der Regel jedoch realisieren. Ihrer Behauptung, dass es genügend clevere Manager gibt, kann ich nur heftig widersprechen. Das Wissen der jeweiligen Manager ist sehr speziell. Es reicht nicht, intelligent und gut ausgebildet zu sein. Man muss zudem in einem möglichst ähnlichen Marktumfeld reichlich Erfahrung haben. Die Vorstellung, dass die Manager sich selbst bedienen, kann ich im Großen und Ganzen nicht teilen, weil die Manager ja von den Unternehmen angeheuert werden, und dann werden die Gehälter schon vereinbart. Wenn ein Manager erst einmal im Job ist, hat er nur noch wenig Verhandlungsmacht. Im Übrigen ist dies wirklich ein Nebenkriegsschauplatz, der nur von der öffentlichen Neiddiskussion aufgeblasen wurde. Dass sich ostdeutsche Neidgefühle eher auf Waschmaschinen als auf Kühlschränke konzentrieren, weil die knapp waren, akzeptiere ich mit Interesse. Meine flapsige Bemerkung in dieser Hinsicht sollten Sie nicht auf die Goldwaage legen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ersteinmal danke für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Publikationen, Sie brinegn "Licht ins Dunkle". Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise greifen die großen Zentralbanken der Welt zu Maßnahmen des "quatitative easing". Die FED hat MBS-Papiere im "Buchwert" von 1300 Mill. USD von den Banken gekauft. Sie schätzen den fairen Wert der Papiere jedoch auf nur 30-40% des ursprünglichen Buchwertes. Die FED plant dieser Papiere zu einem spätern Zeitpunkt zu veräußern, wenn Sie richtig liegen wird die FED damit eine Verlust in Höhe von ca. 850 Mill. USD machen, den der US-Steuerzahler tragen muss. Sehe ich das richtig? Wenn ja, welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die USA? Die 850 Mill. USD sind im Umlauf, jedoch stehen dahinter keine echten Güter/Immobilienwerte, muss dies nicht langfristig in hoher Inflation enden? Wodurch könnte jetzt die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen? Mit freundlichen Grüßen, Luis Bötticher
Sehr geehrter Herr Bötticher, wenn Ihre Zahlen über das, was die FED gekauft hat, stimmen, stimmt auch Ihre Konsequenz, es sei denn, es gibt doch noch ein Wunder bei den toxischen Papieren. Sind Sie aber sicher, dass die FED die Papiere gekauft und nicht nur in Zahlung genommen hat? In Europa nimmt die EZB private Wertpapiere nur in Zahlung und behält in vollem Umfang ihre Ansprüche gegen die Banken. Nur, wenn die Banken pleite gehen, kriegt sie ihr Geld nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe Ihnen, weil ich erleichtert bin, dass Sie bezüglich der griechischen Katastrophe ein klares Handeln empfehlen. Gleichzeitig möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es ein Glück für Deutschland ist und dass es Mut macht, zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt. Ich hoffe, dass Sie bei den Regierenden Gehör finden und dass Sie die Kraft und das Durchsetzungsvermögen haben, sich dieses zu verschaffen. Seit der deutschen Wiedervereinigung fahren wir in regelmäßigen Abständen von zwei Jahren für 2 Monate nach Griechenland. In dem ersten Jahrzehnt hatte man den Eindruck, dass der Lebensstandard nicht sonderlich hoch ist. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich aber scheinbar eine wundersame Entwicklung vollzogen. Staunend fragt man sich, wie das möglich war, obwohl es in Griechenland kaum einen Zuwachs an Industrie gegeben hat. Und der Tourismus ist auch nicht derart angestiegen! Wenn man durch die Orte streift, dann hat man den Eindruck, dass fast alle Griechen Urlaub machen. Und neben dem ‚urlaubmachen‘ und den vielen Luxusautos entdeckt man immer häufiger den griechisch sprechenden ‚Pascha‘, unförmig dick, mit einer Stimme, die seiner Bedeutung gerecht wird. Diese Pascha hat es geschafft und muss nicht mehr selbst arbeiten – er beschäftigt Albaner, Rumänen, Bulgaren, usw.. Vor der Wahl Anfang Oktober 2009 ließ die FAZ einen griechischen Politiker zu Wort kommen. Sinngemäß sagte er: „Wir wissen, dass wir auf eine große Krise zusteuern, aber wir sind nicht mehr in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Wir sind zu fett und zu faul“. Bleibt die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung. Sind die Griechen allein an diesem dekadenten Verfall schuld? Meine Meinung ist nein. Dem kleinen Griechenland mit nicht einmal 12 Millionen Einwohnern wird von der EU Jahr für Jahr die größte Fördersumme aller EU-Länder – rund 550 € pro Person und Jahr - zugeschoben. Und dieses Geld fließt, wahrscheinlich ohne Kontrolle, in die Taschen von griechischen Beamten, die den Wert des Geldes zu schätzen wissen. Diese reichen dann einen Teil davon an Günstlinge weiter, um sich des Wohlwollens zu erfreuen und um ihre Positionen zu sichern. Und in diesem EU-Sumpf versenkt Deutschland jährlich 12.500.000.000 € ! Deutschland hat bisher genug geholfen, ganz besonders den Griechen. Die Griechen haben diese Hilfe missbraucht. Die Griechen müssen wieder zu sich selbst finden. Das schlimmste wäre, wenn sich Deutschland auf irgendeine Art und Weise erpressen ließe. Der Prozess wird sehr lange dauern. Und für diese Zeit muss man Griechenland aus der €-Zone ausschließen. Die Griechen wollen und werden sich nicht umstellen. Sie vertrauen darauf, dass ihnen weitere Tricks einfallen und dass letztendlich die Europäer, entsprechende Stimmen sind schon zu hören, umfallen und weiterhin ihr Füllhorn in das Fass ohne Boden ausgießen. Es besteht auch die Gefahr, dass es in Griechenland große Unruhen, wenn nicht sogar Bürgerkrieg gibt. Die Sanierungsmaßnahmen in Griechenland werden nicht denen aufgebürdet, die bisher Nutznießer waren, sondern hauptsächlich der großen Masse, die nur wenig oder gar nichts von dem EU-Segen abbekommen hat. Europa ist sicher gut beraten, wenn es sich bei diesem Klärungsprozess diskret zurückhält. Wenn ich als CDU-Mitglied zu den CDU-Mitgliedern der Regierung mehr Vertrauen hätte, dann wäre dieser Brief an diese gegangen. Ich wünsche Ihnen allen Erfolg. Mit freundlichen Grüßen W. John
Sehr geehrter Herr John, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Hat die Elite in unserem Land keine Ideen und Träume mehr. Wir diskutieren seit sieben Jahren über Hartz IV. Es scheint mir aber, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch mindestens ein Drittel Sklaven brauchen. Wir können uns immer noch nicht von der Sklaverei befreien und uns anzumaßen Menschen zu bevormunden und zu bestimmen. Wir sollten keine weitere Zeit verlieren und uns vom jetzigen Sozialsystem so schnell wie möglich verabschieden. Wir sollten auch unsere Gesellschaft nicht weiterhin gegeneinander ausspielen. Jung gegen Alt, Arbeitende gegen Arbeitslose, die Jugend gegen die Rentner usw.. Wir sollten so schnell wie möglich uns auf den Weg machen, ein neues Sozial- und Wirtschaftssystem zu denken. Vorschläge von Universitäten und Professoren gibt es genug. Um einen nur zu nennen, wäre Prof. Götz Werner, Inhaber des DM-Drogeriemarktes. Er schlägt ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer Steuerreform vor. Uns geistig in dieser Richtung zu bewegen, würde viel mehr Sinn machen, als weiterhin über alle Sozialleistungen zu diskutieren und Menschen weiterhin unter Druck zu setzen. Ich würde mich schämen, weiterhin ins Fernsehen zu gehen und über das abgelaufene Sozialsystem zu dikutieren. Mit freundlichen Grüssen Manfred Rubba
Sehr geehrter Herr Rubba, das bedingungslose Grundeinkommen ist leider nicht finanzierbar. Bei den angestrebten 800 Euro für Kind und Kegel kämen 800 Milliarden Euro heraus. Der Mehrwertsteuersatz zur Finanzierung müsste auf über 100% steigen. Das alles ist reichlich utopisch. Verantwortungsvolle Politik bleibt im realistischen Rahmen. ifo schlägt eine Erhöhung des Freibetrags bis zum Beginn des Transferentzugs von 100 auf 500 Euro vor und will den Transferentzug von derzeit 80-90% auf 70% senken. Das ist finanzierbar, bzw. kostet nichts, weil Hartz-IV zugleich zu einem Lohn für kommunale Arbeit wird. Genaueres finden Sie, wenn es Sie interessiert, auf unserer Homepage (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sehe ich es richtig, dass ein Land seine ausländischen Staatschulden nur dann tilgen kann, wenn es einen Handelsbilanzüberschuß erwirtschaftet? Um wie viel sich die Staatsschuld dann aber wirklich reduziert, hängt davon ab, wie hoch der Anteil des Überschusses ist, welcher für die Tilgung verwendet wird. Das bedeutet, Griechenland müßte in der Tat seine Währung abwerten, was schwerlich gelingen kann, wenn es den Euro beibehält. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, man kann den Außenhandelsüberschuss verwenden, um dem Ausland Geschenke zu machen, dort Vermögen kaufen oder seine Schulden zu tilgen. Da Griechenland keine Geschenke macht, sondern solche von der EU erhält, stünde mehr als der Überschuss im Außenhandel für die Tilgung zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Nachfrage zur Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe Ihre TV-Beiträge in der Mediathek des ifo- Instituts sowie den in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.3.20210 verfolgt und bin dankbar, dass Sie bei dieser möglicherweise für Europa schicksalhaften Frage für die Einhaltung der ökonomischen Vernunft eintreten. Ich hätte zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann man im Fall eines Austritts von Griechenland aus der EURO- Zone verhindern, dass sich die Spekulation gegen das nächste schwache Land in der Euro-Zone wendet? 2. Könnte Griechenland den gewaltigen Aufwand einer Währungsumstellung schultern? Es müsste zum Beispiel neues Geld hergestellt und umgetauscht werden, der öffentliche Sektor, Banken, Versicherungen, Handel und Industrie müssten umrechnen, Verträge ändern und sowie neue Preise finden und bekannt geben. Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, die Gefahr eines Dominoeffektes der von Ihnen beschriebenen Art besteht, doch es besteht auch die Chance, den Euro zu stabilisieren, indem Griechenland nicht mehr dabei ist. Die Währungsumstellung könnte eine Drachme einführen, die zunächst die gleichen numerischen Preise wie in Euro hat. Danach könnte die Drachme abgewertet werden. DIe EU könnte bei der Umstellung helfen. Der Verbleib Griechenlands im Euroraum stellt das Problem eines Außenhandelsdefizits von 16% dar, das dauerhaft finanziert werden muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Erscheint mir utopisch. Im Euroraum müsste Griechenland durch Kürzung der Löhne und Preise abwerten. Das ist ein Rezept für Aufruhr, weil keiner der Erste sein will. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Meine Frage bzw. Meinung zu dem Vorschlag von Herrn Prof. Sinn: Alle Kommunen sollen verpflichtet werden, jeden Hartz IV-Empfänger einen Vollzeitarbeitsplatz anzubieten. Die Entlohnung soll dann auf Hartz IV-Niveu sein. Meine Frage dazu, wie nennt man dann diese Arbeit? Schwarzarbeit? Nein regulärer Arbeitsplatz? Nein Wer arbeitet und das 8 Stunden täglich, soll doch bitte dafür auch eine anständige Entlohnung erhalten. Natürlich dann auch einen Arbeitsvertrag, wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland. Ich bin der Ansicht, das diese Arbeit (auf Hartz IV-Entlohnung) nur folgend heißen kann, und zwar: SCHEINARBEIT Nach dem Motto: 1. Wir halten somit die untere und mittlere Lohnschicht-Arbeiter etwas mehr in Laune, da ja nun die "Hartz IV"-Menschen ja auch 8 Stunden arbeiten (jedoch auf Hartz IV-Niveu) 2. Die Arbeitslosenstatistik wird auf einem Schlag "schön geschminkt" 3. Regierende Länderparteien und Bundesparteien profitieren durch mehr und längere Machterhaltung. Alles zum "SCHEIN" ! Wenn man ernst meint, und den LZA einen Vollzeitjob durch die Kommunen anbietet, so ist es ohne Weiteres nicht verkehrt. Verkehrt ist nur die Entlohnung auf Hartz IV-Niveu. Soll wirklich jemand 8 Stunden täglich arbeiten und trotzdem ein Hartz-IV-Empfänger bleiben. Was will man damit wirklich bezwecken? Bitte eine ehrliche Antwort. Ich bedanke mich schon jetzt recht herzlichst für Ihre Antwort, Herr Prof. Sinn
Sehr geehrter Herr Bürger, wie hoch das Hartz-IV-Niveau ist, kann man diskutieren. Es sollte zur Sicherung des Existenzminimums ausreichen. Sie vergessen, dass nach dem Vorschlag des ifo Instituts auch die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert werden. Schon bei einer Halbtagstätigkeit im Niedriglohnsektor käme man mit den Lohnzuschüssen auf mehr Einkommen als bei einer Vollzeittätigkeit bei der Kommune. Niemand würde bei meinem Vorschlag weniger kriegen als heute, doch die meisten deutlich mehr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze und achte Sie sehr hoch. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globalen Finanzmärkte in Verbindung mit der vor allem indischen und chinesischen Wachstumsdynamik und der damit verbundenen extremen ökologischen Bedrohungen und weltweiten Elendsthematik und der damit einhergehenden möglichen schwerwiegenden Krisenpotentiale, die wiederum die Lage auf den Finanzmärkten weiter verschärfen könnte, ist mir bewusst, dass die Probleme des deutschen Niedrigstlohnsektors in dieser Hinsicht keine Priorität besitzen können. Aber wenn Sie und zum Beispiel Herr Prof. Miegel, den ich ebenso hoch achte und schätze, offen und objektiv über diese Thematik reden, dann sollten auch alle Implikationen dieses Randthemas offen und ohne Tabus genannt werden – das gehört dann auch zur intellektuellen Redlichkeit! Zumindest sollte deutlichst gesagt werden, dass es eine „entscheidungstheorietische“ „Optimierungsaufgabe“ für nationale makroökonomische Arbeitsmarktkonstruktion unter globalen Rahmenbedingungen ist. Dabei spielt die zu erwartende Anforderungsprofilstruktur der Arbeitsmärkte in Europa natürlich eine extrem große Rolle. Die extreme Wissensgesellschaft muss zwangsläufig der Masse der intelligenzverteilten (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) Bevölkerung ( ca. 0.33), die die Kerntätigkeitsbereiche nie abdecken kann, einen Ersatzarbeitsmarkt zuweisen und diesen möglichst ausbauen. Das geht nur über die legislative Setzung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die notwendig nicht mehr grundgesetzkonform sein können. Dies muss man also zunächst einmal in einem Wust aus lex superior, lex inferior und lex spezialis so verwursteln, dass es niemand mehr rechtssystematisch entwirren kann. Das ist bereits geschehen. Dann kann mit den entsprechenden Rechtsmitteln versehen, ein solcher substitutiver Arbeitsmarktsektor langfristig aufgebaut werden. Das geschieht auch bereits. Die Lohnspreizung nimmt enorm zu und zwar so weit, dass die weiter expandierenden substitutiven Niedrigstlohnarbeitsmärkte keine Existenzsicherung mehr ermöglichen werden. Das deutet sich bereits an. Man sollte also zugeben, dass man aus den oben (sehr grob) aufgeführten Gründen nicht anders kann, als einen nicht existenzsichernden substitutiven Niesdrigstlohnarbeitsmakt zu schaffen, der aus Sozialkrisenvermeidungs- und Akzeptanzsteuerungsgründen so weit ausgebaut werden muss, dass mindestens 80% der derzeit Arbeitslosen darin Beschäftigung finden können und komplementär staatlich alimentiert werden. Damit diese Menge an Arbeitsplätzen entstehen kann, sind Ecklöhne in der Gegend von 3 Euro erforderlich. Wenn dies in der Masse langfristig nicht erreichbar ist, droht ein extremer sozialer Konflikt wegen des sich verschärfenden Akzeptanzverlustes der Ungleichbehandlung von Arbeitslosen und Niedrigstlöhnern (Lohnabstandsgebot). Meine Beurteilung dieses Szenarios ist, dass es ist in der Masse nicht erreichbar ist, weil die tarifär abgesicherte 3 Euro Grenze nicht erreichbar ist. Also bleibt nur der Ausweg die Arbeitsmarktgruppen gegeneinander in Stellung zu bringen ( Arbeitslose gegen Hochlöhner – Hochlöhner gegen Zeitarbeiter, Zeitarbeiter gegen Niedrigstlöhner – Niedrigstlöhner gegen Arbeitslose ), um so den Eiertanz der Verschleierung der ganz einfachen Tatsache politisch weiter tanzen zu können: Diese primitive Wahrheit lautet: 33% der Gesellschaft sind nicht intelligent (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) genug, um die Normalarbeitsmarktanforderungen zu erfüllen. Diese Leute belasten den „intelligenten Mittelstand“ – also müssen wir sie akzeptanzbasiert ruhig stellen, weil es (noch) keine funktionierende sekundäre Fertilitätssteuerung gibt und es keine primäre Fertilitätssteuerung geben darf. Ich gehöre übrigens zu den 33% der „Unintelligenten“. So verbleibe ich mit den besten Grüßen A. B.
Sehr geehrter Herr B., ich nehme Ihre Meinung zur Kenntnis, die Sie überpointiert vortragen, aber ich teile sie nur ansatzweise. Sicherlich stimmt es nicht, dass man im untersten Bereich Stundenlöhne von 3 Euro braucht, um den Großteil der Arbeitslosigkeit zu beseitigen: ifo hat im Jahr 2002 eine Untersuchung getätigt, wonach man mit gut dem Doppelten hinkommt, die dann zu subventionieren sind, um das Einkommen über den Lohn zu erhöhen, wie Sie es ja auch vorschlagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hr. Sinn, vieleicht koennen Sie mir eine Erklaerung oder einen Link zur Erklaerung geben. Es geht diesmal nicht um die Hartz 4 Saetze, sondern Tatsache, das man, wenn man die Grundsicherung im Werte von Hartz 4 selbst erwirtschaftet schon zum guten Steuerzahler wird. Bei aller Diskussion ueber Hartz4 scheint niemand zu sehen, das man keinen Kinderfreibetrag hat, wenn man Kindergeld bezieht. Ein Hartz4 Empf. allein mit 2 Kindern bekommt z.B. 1510,- + Kindergeld. Will man aber 1510 EUR netto erarbeiten und bekommt Kindergeld da Nutzung des Freibetrages weniger im Total ergeben wuerde, dann sind das etwa 2400 brutto und man ist guter Steuerzahler. Siehe unten. Aber dies scheint ein Dreisatz zu sein, welcher fuer viele Redakteure zu komplex ist. Entweder liege ich voellig falsch oder ich bin der Einzige der dies versteht. Deshalb wende ich mich an Ihr Institut der Fachleute. Vielen Dank. Die Zahlen kennen Sie natuerlich schon: Hartz4 Bezuege fuer Alleinerziehend mit 2 Kindern per Monat Erwachsener 359,00 2 Kinder 506,20 Alleinerziehend 129,24 Kaltmiete 740,00 Heizung 100,00 Total Anspruch 990,84 + 840,00 = 1830,84 Kindergeld -320,00 Total 1510,84 Ausgezahlt vom Staat per Jahr: 18130,08 netto ohne Kindergeld, das geht natuerlich separat. --------------------- Benoetigte Einnahmen als Selbstaendiger um den Nettobetrag mit Arbeit zu erwirtschaften: 25900 EUR - 4200 EUR (Krankenv.) = 21500 EUR - 3225,00 EUR (15% Steuern) = 18270,- gezahlte Steuern: 3225,- / 12 = 269 EUR pro Monat ---------------------------------------- Also Stundenlohn etwa 10EUR Netto. Dies liegt dann in einem Bereich in dem schon erhebliche EUR Betraege an Sozialabgaben und vor allem Steuern gezahlt werden muessen. Diese arbeitende Person ist ja schon "gutverdienend". Ich kenne die Angestellen Formel nicht genau, aber es sollte auf etwa 2400 EUR (4800 DMark) brutto hinauslaufen. Volle Verguenstigungen ohne Antragsverzoegerungen bei Kinderbetreuung, Gerichtskosten, etc. kommen noch hinzu. Da haben nicht nur Geringqualifizierte Schwierigkeiten den Hartz4 Betrag zu verdienen. Ich stehe voll hinter einem Sozialsystem mit Hartz 4 Saetzen, speziell fuer Kinder muss alles getan werden. Aber ist es nicht grundgesetzwidrig vom Buerger Steuern zu verlangen wenn er die Grundsicherung selbst verdient? Ich habe noch weitere absurde Beispiele und stehe Ihnen gerne fuer Fragen zur Verfuegung. Noch interessanter wird es wenn jemand alleinerziehend mit 2 Kindern ist und fuer 2 weitere Kinder Unterhalt zahlen und erwirtschaften will. Mit freundlichem Gruss A. M.
Sehr geehrter Herr M., schöne und erhellende Beispiele. Vielen Dank! Damit schlagen wir uns am ifo auch dauernd herum. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit des fiskalischen Systems ist grenzenlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, mein Vorschlag zu Hartz IV: 1. Alle Hartz4-Empfänger sollen für maximal 6 Monate befristet einen 400,00 Euro-Job ohne einer Anrechnung ausüben dürfen. D. h. 400,00 Euro ohne einer Anrechnung, zusätzlich zu Hartz 4. Begründung: 1. Die Hemmschwelle für Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einzustellen wird geringer, da für die Arbeitsleistung keinen Abzug von 240,00 Euro auf Hartz IV angerechnet würde. (von 50 Arbeitgebern bekam ich 50 Absagen. Die potentiellen Arbeitgeber hatten immer wieder bedenken, dass durch die 240,00 Euro Anrechnung die Arbeitsleistung nicht gewährleistet sei. Es hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun, die auch nicht schlecht ist) 2. Der LZA ist somit im Betrieb und hat eventuell auch eine weitere Chance voll eingestellt zu werden. 3. Der LZA verbessert somit seinen Lebenslauf und hat auch mehr Chancen auf dem weiteren 1. Arbeitsmarkt. 4. Die Binnenwirtschaft wird dadurch auch angekurbelt, da der Hinzuverdienst wieder ausgegeben wird. 5. Der LZA verstärkt dadurch sein Selbstbewusstsein. Kann sich wieder auf Jobs konzentrieren, die seinem Arbeitsprofil dienen. (Nur als Hinweis: ein 1,00 Euro Job z. B. Straßefegen für einen Bankkaufmann macht keinen Sinn. Und es werden zusätzliche Ausgaben im Schnitt 300,00 - 500,00 Euro an den jeweiligen gemeinnützigen Arbeitgeber von der Staatskasse bezahlt. Bekommt der Bankkaufmann jedoch einen 400,00 Euro Job als Mitarbeiter in einer Bank, so ist es für die Laufbahn weitaus dienlicher. 6. Schwarzarbeit würde dadurch eingedämmt werden. Meine Frage an die Politiker(in): Was würde gegen meinen o. g. Vorschlag sprechen??? Ich habe manchmal so den Eindruck, dass nicht der Hartz-IV-Empfänger das Hartz-IV-Gesetz missbraucht, sondern die Hartz IV-Gesetzgebung die Hartz IV-Empfänger. Oder benutzt man das Hartz-IV Gesetz nur als sog. Lohndumpingbarometer? Zum Schluss noch zu erwähnen: Ich bitte von den Politiker nicht wieder so Ausreden, wie - ja eine Friseuse muss 8 Stunden täglich schwer arbeiten und hat im Monat fast weniger Lohn als ein Hartz-IV-Empfänger. 1. Wir haben keine 35 Millionen Friseusen. 2. Nicht der Hartz-IV-Empfänger ist an den Billiglöhnen der Friseusen schuld. An alle Friseusen, ihr macht alle einen guten Job und drücke euch allen die Daumen, dass ihr in Zukunft einen vernünftigen Lohn bekommt. Ich habe es nur als Beispiel genommen, da die Politiker ständig in der Vergangenheit es ins "Spiel" brachten und weiter bringen werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, mir mitzuteilen, was sie über meinen o.g. Vorschlag halten. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr M., Sie schlagen vor, die Freigrenze für abzugsfreien Hartz-IV-Bezug auf 400 Euro zu erhöhen. Das ist kein schlechter Vorschlag. Auch das ifo will die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings wollen wir eher den Transferentzug insgesamt verringert, so dass es sich auch lohnt, besser entlohnte Jobs anzunehmen. Sie haben aber recht: Wir müssen ein System schaffen, wo wir ein Sozialeinkommen zum niedrigen Lohn hinzu gewähren, weil nur so mehr Stellen entstehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, um die Beherrschung der Firma Opel durch GM gab und gibt es viele Diskussionen. U.a. wurde bekannt, daß es Opel aufgrund des Beherrschungs-vertrags duch GM nicht gestattet ist, seine Produkte in bestimmten fremden Ländern wie China, USA, Canada, etc. anzubieten. Ferner wurde bekannt, daß alle Rechte an Erfindungen + Patenten von Opel Ingnieuren nach USA übertragen wurden und daß Opel für diese eigenen Erfindungen auch noch jährliche Lizenzgebühren an GM zahlen muß. Mir ist gut bekannt, wie ausländische Firmenmütter damit u.a. das dt. Arbeitnehmer- Erfindungsgesetz aushebeln. Die bekannten Beherrschungsverträge sind alles andere als fair. Sie räumen der besitzenden Mutter einen Absolutheitsanspruch ein, unter dem schon viele Mitarbeiter gekaufter Firmen zu leiden hatten und haben. In USA machte in den 70ern ein Carl Icahn davon Gebrauch.In D betraf es die Firmen AEG, Höchst, Grohe, dt.Airbus-Töchter, SEL und viele mehr. Die bekannten Beherrschungsmethoden behandeln gekaufte Firmen oft wie Sklaven. ITT-Manager in USA verlangten von dt. Managern in den 80 Jahren "go home, change laws". Mich wundert, daß mir bis heute kein Beitrag eines Wirtschafts-forschungsinstitutes bekannt ist, das sich mit dieser Thematik eingehend beschäftigt, auseinandergesetzt und für faire Lösungen geworben hat. Es wäre m.E. höchste Zeit im Zeitalter der Globalisierung "faire Vertragsgrundlagen" für gekaufte Firmen zu erarbeiten und dafür eingehend zu werben. Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, das sind in der Tat problematische Verhältnisse. Ich muss gestehen, dass ich das nicht wusste. Die Leser auf unserer Homepage werden sich dafür interessieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe nicht warum es bei den Managern keinerlei Haftung zu geben scheint. Jeder Handwerker haftet für die fachgerechte Qualität seiner Arbeit, in der Regel nach BGB 5 Jahre. Top Manager in den Vorständen der großen Unternehmen, die ein Vielfaches jährlich gegenüber kleinen Handwerkern verdienen, scheinen nicht zu haften. Hatte nicht die HypoRealEstate ca. 100 Milliarden € Verluste unter ihrem Vorstand verzeichnet und trotzdem konnten Herr Funke u. andere Manager ausstehende Gehälter inkl. Boni etc. einklagen. Gelten für Top-Manager andere Regeln als für kleine Unternehmer? Wie erklärt sich das? Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, Sie sind falsch informiert. Manager haften für ihre Fehler im vollen Umfang ihres Privatvermögens. So wurde ein namhafter Banker kürzlich von einem Hedgefonds von den Bahamas auf 15 Mrd. Euro verklagt. Der Banker hat zwar eine Versicherung, aber die deckt maximal 250 Millionen ab. Wer nicht haftet, ist der Aktionär. Er kann seine Bank durch die Einstellung, Instruktion und Bezahlung seiner Manager zum Glücksspiel antreiben, und haftet doch nicht mit seinem Privatvermögen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse habe ich ihre Ausführungen zu den Folgen der Staatsverschuldungen zur Kenntnis genommen. Ich möchte Sie darin unterstützen, die Brisanz des Themas für Demokratie und Generationengerechtigkeit öffentlich zu machen. Hier meine Anmerkungen: Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform Die Wirtschaftswissenschaft sollte der Wirtschaft nicht länger hinterherlaufen, sondern heute schon Lösungen für morgen erarbeiten. In der Vergangenheit wurden Währungsreformen durchgeführt, weil das Vertrauen in die Währung verloren gegangen war und eine nicht mehr aufzuhaltende Inflation die Funktionen des Zahlungsmittels außer Kraft gesetzt haben. Die Währung ist heute auch ohne hohe Inflation gefährdet. Es werden hier 7 Fakten genannt, die eine Notwendigkeit einer Währungsreform begünstigen: Eine Staatsverschuldung, die einen hohen Anteil am Steueraufkommen für die Zinsleistungen bindet,erhöht die Gefahr, dass in länger anhaltenden Hochzinsphasen, bei steigender Inflation oder bei Abwertung der Bonität die Zinsleistungen so rapide ansteigen, dass diese nur mit noch höherer Staatsverschuldung geleistet werden können. Dadurch beschleunigt sich die Beziehung aus Schuldendienst und Staatsverschuldung über einige Jahre bis zum Staatsbankrott. Bei einigen südeuropäischen EURO-Ländern sind erste Signale dieser Entwicklung zu sehen. Eine Regierung mit einer hohen Staatsverschuldung hat sich in die Hände ihrer Geldgeber gegeben. Die politische Erpressbarkeit durch die Kapitalgeber hat man in der Bankenkrise gesehen, als 500 MRD EUR als Rettungspaket für die Banken aufgelegt wurden. Die Regierung musste die Banken retten, da nur die Banken und die Kapitalsammelstellen (z.B. Versicherungen, Fonds) in der Lage sind, den wachsenden Kreditbedarf des Staates zu decken. Es hat sich eine unheilvolle Abhängigkeit der Banken und des Staates entwickelt. Der Staat ist heute ohne die Banken insolvent. Aufgrund der internationalen Verpflechtung der Konzerne und des investierten Kapitals sind alle großen Währungen heute stark voneinander abhängig. Der Sturz einer großen Währung führt unweigerlich dazu, dass die anderen Währungen mit ins Trudeln geraten. Der Niedergang einer großen Währung alleine, ohne die anderen zu betreffen, ist eher unwahrscheinlich. Die spannende Frage ist hier, ob eine Volkswirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann, wenn es zeitlich vor den anderen Ländern seine Schulden ablegt. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein Grundgesetz. Die Bankenkrise hätte dazu führen können, dass dieser Trend vorübergehend ausgesetzt wäre, wenn viele Banken insolvent und in der Folge die Vermögen vieler Superreichen verloren gegangen wären. Die Regierenden haben die Banken und die Vermögen der Superreichen gerettet. Die Konzentration des Kapitals führt dazu, dass die Regierenden immer abhängiger von den Reichen werden und immer weniger abhängig von den Wählern. Die Konzentration des Kapitals kann aber auch dazu führen, dass eine große Mehrheit der Bürger die Zinsleistungen des Staates als Reparationen empfinden, und sich weigert, länger für die Fehler der Vergangenheit große Teile des Staatsaufkommens an die Kapitalgeber abzugeben und kein großes Bedürfnis am Festhalten an der alten Währung empfindet. Diese Bewußtwerdung kann in der Staatskrise dazu führen, dass ein Staat sich neu gründet und die Verpflichtungen ! der Vergangenheit ablegt. Eine Währungsreform ist dann logisch. Die US-Notenbank hat im Jahr 2007 die Zinsen ansteigen lassen. Dadurch wurde die Immobilienkrise sichtbar und in der Folge kam es zur Banken- und Weltwirtschaftskrise. Viele hochverschuldeten Volkswirtschaften halten die Zinsen dadurch niedrig, dass sie die Märkte liquide halten. Diese Liquidität führt zur Ausweitung der Geldmenge, was immer dann zur Inflation führt, wenn diese Liquidität für die Bürger spürbar ist. Da diese Liquidität nur im Bankensystem kreist, kommt es noch zu keinen Inflationstendenzen. Das Geld, dass auf den Markt gepumpt wird, sucht nach Anlagemöglickeiten und findet diese bei den Staatsschulden. Die Staaten schöpfen Geld und nehmen dieses Geld anschließend als Staatsschulden auf. Dieses System der wundersamen Geldvermehrung ist auf Sand gebaut und kann nicht auf Dauer für Geldwertstabilität sorgen. Kann es bei den Staatsschulden überhaupt noch folgenlose Hochzinsphasen geben? Die fortschreitende Staatsverschuldung ist solange möglich, so lange die Geldgeber Vertrauen in die Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Staates haben. Die eingeführte Schuldenbremse beabsichtigt, dieses Vertrauen nicht zu überreizen. Die bisherige Unfähigkeit des Staates zum Sparen läßt große Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Gesetzes aufkommen. Übersteigt der Schuldendienst eine magische Grenze (z.B. 50% der Steuereinnahmen), so ist die Wahrscheinlichkeit groß, das das Volk sich seiner Schulden entzieht. Die Nennung dieser Ziele in den Parteiprogrammen wäre automatisch das Ende jeder Kreditwürdigkeit eines Staates. Die Nicht-Regulierung der Finanzmärkte kann dazu führen, dass erneut große Verwerfungen am Immobilien- und/oder am Kapitalmarkt entstehen. Die Folge wäre eine erneute Rettung der Beteiligten mit großen Folgen für die Staatsfinanzen und die Stabilität der Währung. Eine Währungsreform sollte im Idealfall auch die Besitzverhältnisse an Grund und Boden und Firmeneigentum neu regeln. In diesem Sinne ist eine Währungsreform die ideale Möglichkeit, die Ideale und Vorteile des Sozialismus und des Kapitalismus zu vereinen: Ein sozialistischer Neuanfang (alle 50 Jahre) für alle gleich und eine soziale Marktwirtschaft, die den Vorteil des egoistischen Gewinnstrebens nutzt. Eine Währungsreform ist gleichzusetzen mit einem Reset, um die politischen Fehler der Staatsverschuldung zu korrigieren und der Vermögensungerechtigkeit wirksam zu begegnen. Spannend wird in schlechteren Zeiten sein, ob die Kapitalseite weiter die Politiker und die Wissenschaft einwickeln und die Bürger ruhig halten kann oder ob sich die Bürger gegen die Kapitalinteressen durchsetzen können. Hohe Zinszahlungen für die Staatsverschuldung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Bürger sich gegen ein Weiterso stellt. Die Gefahr einer zunehmenden Diktatur des Kapitals und eine Verabschiedung von der Demokratie ist sehr hoch! Ich freue mich über eine kurze Nachricht! Gruß Rainer Kuczewski
Sehr geehrter Herr Kuczewski, was Sie unter dem Namen Währungsreform vorschlagen ist nichts anderes als eine Revolution. Solche Revolutionen mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse hat es hier und da in der Geschichte gegeben, und wir Deutschen hatten die verlorenen Kriege, die auch auf das Gleiche hinausliefen. Nach meinem Eindruck sind die Ergebnisse der Revolutionen im Großen und Ganzen aber nicht besonders günstig für die Menschheitsentwicklung gewesen. Die Gefahr für eine neue Revolution in Deutschland sehe ich nicht. Heute haben auch die weniger begüterten Teile der deutschen Bevölkerung ein Realeinkommen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Auch die Armutsgefährdung, die ein relatives Maß ist, ist seit den Hartz-IV-Reformen deutlich zurück gegangen. Und die Notwendigkeit einer Revolution sehe ich schon rein gar nicht. Unser Land muss im Gegenteil nach den Kriegen endlich zur Ruhe kommen. Es braucht eine langanhaltende Phase der ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der sich die Vermögenswerte allmählich wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir mehr wirtschaftliche Dynamik in unserem Land, was ein besseres Bildungssystem und ein anreizverträglicheres Sozialsystem verlangt. Reformen sind der wesentlich bessere Weg zur Überwindung der Spannungen in der Gesellschaft. Wir brauchen als nächstes eine große Reform des Finanzsektors. Dann ersparen wir uns Revolutionen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Dr. h.c. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal möchte ich mich für Ihr hervorragendes und erfrischendes Referat während der Ringvorlesung des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan am 27.01.2010 herzlich bedanken. Diesbezüglich habe ich einige Fragen an Sie, die sich leider nicht durch die anschließende Diskussion im Rahmen der Vorlesung, aufgrund der Kürze der Zeit, beantworten ließen. Vielleicht bietet sich Ihnen die Möglichkeit mir die Antworten kurz mitzuteilen. 1. Emissionshandel - Nettoimport von Zertifikaten in Deutschland Ihren Ausführungen war zu entnehmen, dass deutsche Unternehmen Zertifikate importieren. Dieses Phänomen erklärt sich mir nicht, da aufgrund des EEGs und der hierdurch resultierenden Einspeiseverpflichtung doch eigentlich weniger Strom aus fossilen Brennstoffen produziert und verbraucht wird. Aufgrund dessen müssten die EVU in Deutschland doch Zertifikate einsparen, die wiederum an der Börse veräußert werden könnten. Warum importiert Deutschland jedoch Zertifikate? Wer importiert die Zertifikate? (EVU, energieintensive Unternehmen, Broker?) Gibt es Erhebungen, wie viele Zertifikate jährlich nach Deutschland importiert werden? 2. EON/RWE: Investitionen in erneuerbare Energien Sie haben während der Diskussion im Anschluss an Ihr Referat ausgeführt, dass EON/RWE in erneuerbare Energien investieren, diese Investitionen sind hinlänglich bekannt. Ihren Ausführungen, soweit ich dies richtig verstanden habe, war zu entnehmen, dass die EVUs Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs und der damit verbundenen Einspeisevergütung tätigen. Investieren diese Unternehmen wirklich in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs oder aus dem Grund, dass sie mit einem Anstieg der Zertifikatpreise in Zukunft rechnen und somit die Grenzvermeidungskosten niedriger sind als die Zertifikatpreise oder ist es eine Kombination aus beidem?
Sehr geehrte Frau A., ich habe den Sachverhalt nochmals geprüft. Deutschland importiert in der Tat in geringem Umfang UNO- und EU-Zertifikate, AAUs und EUAs. Ich nehme an, das liegt daran, dass die anderen Länder cleverer waren bei der Feststellung ihres Status-Quo-Ausstoßes, von dem aus die Zuteilungen berechnet wurden. Die Zertifikate werden von den Unternehmen selbst importiert, indem sie einfach an der Leipziger Börse gekauft werden. Ohne den grünen Strom würden wir noch viel mehr importieren. Zur zweiten Frage: Hier ist es sicherlich die Kombination aus Emissionspreisen und den Einspeisetarifen. Beides macht den grünen Strom wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich stelle mir die Frage, ob zwischen der Inflationsrate und der Staatsverschuldung eine direkte Korrelation besteht. Ist es nicht so, dass hohe Staatsausgaben unweigerlich cet. par. dazu führen, dass die Inflationsrate steigt, weil die Bürger, die die Staatspapiere halten, ihre anderen Ausgaben dafür nicht einschränken werden? Beispiel: Jemand hat ein Vermögen von einer Million Euro und gibt normalerweise 100.000 Euro im Jahr aus. Nun kauft er sich für 50.000 Euro Staatsanleihen - jetzt wird er ja sein normales Konsumbudget nicht verringern, da er ja wieder fest mit der Rückzahlung seiner Anlage + Rendite rechnet. Von seiner Million wird also nach dem Kauf der Anleihen nicht mehr 100.000, sondern 150.000 in die Wirtschaft fließen. Steigt hierdurch nicht auch automatisch die Inflationsrate und stellt dies nicht ein großes Problem für die Volkswirtschaft, gerade zu Zeiten so expansiver Fiskalpolitik, dar? Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Sie liegen insofern nicht falsch, als dass eine Staatsverschuldung, mit der der Staat zusätzliche Ausgaben finanziert, tatsächlich die gesamtwirschaftliche Nachfrage erhöht. Tut er das in einer ausgeglichenen Wirtschaftslage, gibt es Inflation. Tut er es in der Flaute, so verhindert es zunächst einmal nur den Absturz. Solange er die ausfallende private Nachfrage nicht überkompensiert, gibt es keine Inflation. Allerdings könnten die Finanzminister in Zukunft die Notenbank bedrängen, mehr Geld zu drucken, um so die Inflation anzuheizen und die Schuld des Staates real zu entwerten. Nur ist das leichter gesagt als getan. Im Moment sind wir meilenweit von einer Inflation entfernt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich hatte vor einigen Monaten eine Anfrage nach Ihrem Vortrag in Osnabrück gestellt, deren Antwort leider weder inhaltlich, noch semantisch einen Sinn ergab. Ich möchte daher meine Frage noch etwas präzisieren: Ein auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem ist, rein mathematisch, von einer oberen Grenze determiniert. Genauer: Das derzeitige Wirtschaftssystem basiert (mathematisch) auf einem exponentiellen Wachstum. Sie kennen sicher das uralte Beispiel mit dem Schachbrett: Ein Reiskorn auf dem ersten Feld und dann doppelt so viele auf dem jeweilig folgenden. Es ist nach einigen Wachstumsperioden einfach nicht möglich, das weitere Wachstum in adäquatem prozentualem Zuwachs zu realisieren. In dem Beispiel mit dem Schachbrett (bei Verdoppelung) muss man bei 64 Feldern quasi eine unendliche Anzahl von Reiskörnern aufbringen. Auch wenn in den derzeitigen wirtschaftlichen Systemen von keiner Verdoppelung von Jaht zu Jahr ausgegangen wird, so ist aber dennoch das System exponentiell angelegt. Der Faktor ist halt nicht 1 zu 2, sondern man "begnügt" sich mit einer Rendite von 5-10 oder auch 20 oder 30 (?) Prozent (je nach Gier der entsprechenden Investoren und den scheinbaren Möglichkeiten durch geschickte kurzfristige Kalkulationen). In der Vergangenheit konnte immer wieder ein "Reset" dieses Sytems erfolgen (die Weltkriege). Zerstörung schafft immer wieder die neue Möglichkeit, Wachstum von einem neuen Nullpunkt aus, zu schaffen. Heute leben wir in einer Welt, die global dermassen vernetzt und abhängig ist, dass ein solcher Weg - zum Glück - nicht mehr möglich ist. Umso mehr stelle ich noch einmal die Frage, wie - unter der Voraussetzung des geforderten systemimmanenten exponentiellen Wachstums - das derzeitige System überhaupt funktionieren kann. Beschleunigt wird meiner Meinung nach das System wesentlich dadurch, dass nur Abgaben auf Güter, nicht aber auf Finanztransaktionen erhoben werden. Stichwort: Güter unterliegen einem Wertverlust (Steuern/ Verderb / Veralterung/ Wertverlust), Geld aber bleibt, abgesehen von Inflation im Wert erhalten. Ist nicht mindestens eine Abgabe auf Finanztransaktionen notwendig? Ich möchte betonen, dass ich mich hier nicht nur auf die Finanzsituation in Deuschland beziehe. Es geht hier um das grundsätzliche System, welches natürlich global aufgestellt ist. Allerdings ist mit der EU ja auch ein durchaus mächtiger Apparat instititioniert (insbesondere nach der Verabschiedung des Lissabon-Vertrages), so dass es Möglichkeiten gibt (oder sehr kurzfristig geben kann - wenn der Wille da ist), um entsprechende Massnahmen durchsetzen zu können. Das Prinzip des Zinseszins zerstört immer stärker die gesamten Volkswirtschaften, weil immer offensichtlicher wird, dass selbst die Zinsen nicht mehr adäquat (Stichwort Wertschöpfung) beglichen werden können. Welche Vision haben Sie? Ich bin sehr interessiert. Mit freudlichem Gruss M. S.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig recht. Exponentielles Wachstum für immer kann es nicht geben. Aber doch für lange Zeiträume. Wenn die Weltwirtschaft eines Tages nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, weil die Ressourcen zur Neige gehen, was ich vermute, wird dennoch die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform sein, weil sie die Knappheit effizient verwaltet. Mit dem Zins oder Zinseszins hat das nichts zu tun. Selbstverständlich kann es auch in einer stationären oder schrumpfenden Wirtschaft Zinsen geben. Der alte österreichische Ökonom Böhm von Bawerk hatte drei Zinsgründe angegeben: Die Mehrergiebigkeit längerer Produktionsumwege, die bessere Versorgungslage in der Zukunft und die Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse. Nur der zweite Grund hat mit Wachstum zu tun. Die anderen beiden Gründe können auch bei stationärer oder schrumpfender Wirtschaft einen Zins erzeugen. Alle einschlägigen Wachstumsmodelle können bei geeigneter Parameterwahl auch als Schrumpfungsmodelle laufen, und dennoch kann der Zins positiv sein. Freilich kann der Zins bei hinreichend starker Schrumpfung negativ werden, weil der zweite Zinsgrund von Böhm von Bawerk die anderen dominiert. Auch mit negativen Zinsen bleibt die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform. Ob der Staat eine Steuer auf Finanzvermögen einführen sollte, kann man diskutieren. Dafür spricht ein Verteilungsargument sowie das Tobin-Argument, den Nullsummenspielen die Luft wegzunehmen. Dagegen spricht, dass man eigentlich keine Steuer auf Transaktionen haben sollte, weil sie die meisten Verzerrungen im Wirtschaftsablauf auslöst. Wenn man gute von schlechten Finanztransaktionen unterscheiden könnte, hätte ich nichts dagegen, die schlechten zu besteuern. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, im Rahmen eines von Herrn Professor Schwintowski (Humboldt Universität Berlin) betreuten juristischen Promotionsvorhabens befasse ich mich derzeit mit möglichen Regulierungsansätzen für Leerverkäufen. Im Rahmen dieser Dissertation bemühe ich mich um ein besseres Verständnis der ökonomischen Auswirkungen von Leerverkäufen auf die Finanzmärkte. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Leerverkaufsthematik in Ihrem jüngsten Buch „Kasinokapitalismus“ gelesen. In dem Buch betonen Sie die Eignung von Leerverkäufen zur Marktmanipulation sowie deren destabilisierenden Einfluss auf die Kapitalmärkte. Sie argumentieren, dass das typischerweise mit Hilfe von Leerverkäufen verfolgte Ziel – die Spekulation auf sinkende Kurse – auch durch Terminverkäufe von Aktien realisierbar sei. Daher seien Leerverkäufe letztlich überflüssig und zu verbieten. Ich teile Ihre Einschätzung hinsichtlich der mit Leerverkäufen verbundenen Risiken. Allerdings meine ich, dass Leerverkäufe durchaus sinnvolle Funktionen erfüllen können. So wird sich in dem von Ihnen genannten Beispiel der Terminkäufer – meist eine Bank – gegen das Risiko eines steigenden Kurses absichern wollen. Eine solche Absicherung erfolgt meines Wissens in der Praxis meist über einen simultan mit dem Termingeschäft getätigten Leerverkauf. Insofern scheinen mir Leerverkäufe jedenfalls zur Absicherung von Termingeschäften notwendig. Zu der Frage, wie sich Leerverkäufe auf die Finanzmärkte auswirken, existieren zahlreiche wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen meist angelsächsischen Ursprungs, die ich derzeit auswerte. Die meisten dieser Studien bescheinigen jedenfalls gedeckten Leerverkäufen positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte. So wird betont, dass Leerverkäufe einen positiven Beitrag zur Marktliquidität und Preisfindung leisteten. Dennoch darf das Missbrauchspotential dieser Handelstechnik nicht aus den Augen verloren werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Leerverkäufe in Deutschland und Europa wenn nicht zumindest erhöhten Transparenzerfordernissen unterworfen werden sollten. In Frage kämen hier bspw. Kennzeichnungspflichten für Leerverkäufe und/oder Meldepflichten hinsichtlich gehaltener Short Positionen, sobald diese gewisse Grenzwerte überschreiten. Für eine solche Kennzeichnungspflicht spräche, dass Leerverkäufe für die Finanzmarktaufsicht erkennbar und damit besser kontrollierbar würden. Zudem könnten die gesammelten Daten dem Finanzmarkt in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden und so zu einer Verbesserung der Markt- und Preistransparenz beitragen. Neben der Einführung der oben skizzierten Transparenzvorschriften könnte eine Unterbindung ungedeckter Leerverkäufe nach US- amerikanischem Vorbild (Regulation SHO à „locate requirement“ & „close out requirement“) sinnvoll sein. Zur Verhinderung von Leerverkaufs-Attacken auf einzelne Aktientitel könnte zudem die Einführung sogenannter „Circuit- Breaker“, die bei starken Kursrückgängen einzelner Aktientitel die Durchführung weiterer Leerverkäufe dieser Titel automatisch unterbinden, erwogen werden. Eine weitere Alternative wäre die Einführung einer Regelung, welche Leerverkäufe nur in steigende Märkte zulässt. Eine solche, an der US- amerikanischen „Up-Tick- Rule“ angelehnte Vorschrift wäre ggf. geeignet, eine Beschleunigung von Abwärtsspiralen durch Leerverkäufe zu verhindern. Mit der Leerverkaufsproblematik haben sich in kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen sowohl das Committee of European Securities Regulators (CESR) als auch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) befasst. Während die CESR primär mehr Transparenz für Leerverkäufe fordert, regt die IOSCO darüber hinausgehend die Einführung strikter Settlement- Vorschriften zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen bei Wertpapiergeschäften an. Eine Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen würde für die betroffenen Wertpapierhändler/ Banken/ Investmenthäuser wohl nicht unerhebliche Kosten verursachen und zudem eine erhebliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit bedeuten. Erste Stellungnahmen der Wertpapierwirtschaft zu den Vorschlägen der CESR und IOSCO fallen daher naturgemäß wenig euphorisch aus. Ich würde mich freuen, mit Ihnen oder einem mit dieser Thematik befassten Mitarbeiter Ihres Hauses zu den oben aufgeworfenen Fragen in Dialog treten zu dürfen. Würden Sie die Einführung von Transparenzvorschriften für Leerverkäufe begrüßen? Oder ist aus Ihrer Sicht ein völliges Verbot gedeckter und ungedeckter Leerverkäufe tatsächlich die einzig richtige Antwort auf die mit Leerverkäufen verbundenen Risiken? Ist das aktuell an deutschen Börsen für Wertpapiertransaktionen geltende Settlement- System ausreichend effektiv oder sollten hier verschärfte Regelungen (wie bspw. die Einführung von Strafzahlungen und schnellere Zwangseindeckung offener Positionen bei Lieferverzug) erwogen werden, um ungedeckte Leerverkäufen entgegenzuwirken? Mir ist bewusst, dass die vorstehend formulierten Fragen recht speziell und nicht einfach zu beantworten sind. Sie haben sich aber intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise befasst. Möglicherweise können Sie daher zu der einen oder anderen der oben aufgeworfenen Fragen etwas sagen? Ich würde mich freuen, wenn Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten. Mit freundlichen Grüßen Dirk- Fabian Lange
Sehr geehrter Herr Lange, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Das Thema, das Sie sich vorgenommen haben, ist wichtig. Aber Sie sind sicherlich schon viel tiefer eingestiegen als ich. Die Transparenzregeln können helfen, wenn wir eine Aufsicht haben, die damit etwas anfangen kann. Was Sie an positiven Aspekten der Leerverkäufe aufzählen, will ich nicht bestreiten. Allerdings scheint mir, dass die genannten Effekte auch bei einfachen Termingeschäften zu erzielen sind. Das müsste die Forschungsstrategie sein: Herausfinden, was Leerverkäufe zusätzlich zu Termingeschäften an Vorteilen bringen. Wenn diese Vorteile damit zu tun haben, dass man als einzelner Investor den Marktkurs verändern kann, sind sie volkswirtschaftlich zu verwerfen. Wenn es andere Vorteile sind, die ich aber im Moment nicht überblicke, kann man Leerverkäufen positiver gegenüber stehen. Ich kann Ihnen also nur empfehlen, sich bei Ihrem Denkprozess präzise auf diese Fragestellung zu konzentrieren. Eigentlich ist die Fragestellung mathematischer Natur, aber ich weiß natürlich, dass es für Juristen nicht gerade naheliegt, die Natur der Geschäfte formal-mathematisch zu formulieren. Dann würde man aber präzise sehen, worin der Zusatznutzen der Leerverkäufe besteht und könnte volkwirtschatlichen von privatem Nutzen unterscheiden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihren Vortrag in Hannover über die Finanzkrise vor einigen Monaten gehört und anschließend Ihr Buch zum Casino Kapitalismus gelesen. Die hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen und ich erlaube mir, mich hilfesuchend hiermit an Sie zu wenden : Rein volkswirtschaftlich gesehen müßte die Bewältigung der jetzigen Krise doch wohl nicht zwangsläufig mit höheren Schulden einhergehen, wie man sagt. Wäre es nicht denkbar, daß statt der Verschuldung bei uns auch der Weg der dauerhaften Geldschöpfung gewählt würde, indem die Bundesbank sogenannten systemrelevanten Instituten „einen verlorenen Sanierungs-Zuschuß“ gewährte, der nie zurück gezahlt würde? Wie sich das auf das Vertrauen in die Stabilität der Währung , den Lebenshaltungskostenindex auswirkt. müßte man sehen… Ist die Fed nicht auf dem Wege dazu, indem sie Anleihen aufkauft (warten wir mal, was sie tut, wenn die nicht gezahlt werden können..) Man sagt gemeinhin, daß die Geldmenge, die heute weltweit existiert das 30fache? dessen umfaßt, was realwirtschaftlich notwendig ist. Verstehe ich es richtig, daß also ein Großteil der Geldmengen nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern in finanziellen Gütern gebunden sind. Gibt es diese überhaupt oder hängt alles irgendwie mit der Realwirtschaft zusammen? Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es offensichtlich einen riesengroßen, permanenten Bodensatz , indem das spekulative Geld steckt. Weiß man in etwa in welchen Kategorien und Größenordnungen die nicht realwirtschaftlich benötigten Beträge angelegt sind weltweit? Ich unterstelle, daß es solche finanziellen Güter gibt und frage folgendes: Irgendwann habe ich in der Jugendzeit etwas von der Fischerschen Verkehrsgleichung gehört , die heute wohl nur noch historische Bedeutung hat. Als Denkmodell scheint sie mir aber nach wie vor hilfreich, wenn man sie etwas erweitert, nämlich annimmt, daß Mit dem Einkommen gehortet+konsumiert+investiert+spekuliert werden kann (der Faktor Spekulation wäre hier neu. Ihn gab es immer schon , aber nie in so erheblichem Umfang wie heute im Verhältnis zur Realwirtschaft) Und neben dem Güterberg heute zusätzlich finanzielle Güter (Instrumente, wie Aktien, Kontrakte…) bestehen, die losgelöst vom Güterberg existieren können und ein Leben für sich leben.. Vor diesem Hintergrund würde dann deutlich, daß die Erweiterung der Geldmenge nicht zwangsweise zu einem Anstieg der realwirtschaftlichen Preise führt sondern sich die Effekte in einem Aufblähen und einer Inflation der Werte der finanziellen Instrumente sich zeigen kann. Hätte die Volkswirtschaftsehre einen Index für die Preisentwicklung der finanziellen Güter und betrachtete man beides zusammen, also insbesondere den Verbraucherpreisindex und den Finanzindex, müßte doch vieles deutlicher werden. Wie man diesen Index mißt und was man einbezieht, wäre sicherlich einiger Forschung wert. Wenn diese 2 Welten existieren, die eigenen Gesetzen unterliegen, dann würde auch deutlich, daß es völlig hirnrissig ist, den Banken Geld – heute auch noch auf unserer aller Kosten- zu geben, die zum größten Teil in Finanzinstrumente fließen, statt in die Realwirtschaft und daß es richtig wäre das Banksystem – wie in England wohl vorgesehen – in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Die Notenbank kann nicht beliebig viel Geld schaffen, weil das den Kapitalmarkt aushebelt. Die Zinsen sind dann praktisch null. In der Krise ist es ok. Bei Normalsituationen der Wirtschaft gäbe es Inflation. Deswegen ist die Monetarisierung der Staatsschuld keine Option. Die Geldmenge ist bestimmt nicht dreißig Mal höher als nötig. Das ist eine viel zu hohe Zahl. Wir müssen irgendwann zu einer Politik des knappen Geldes zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie mögen ein kluger Mensch sein, doch Ihre Beurteilung über die Situation der Hartz IV-Empfänger hat wenig mit der Realität zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie von dieser Realität zu weit entfernt sind. Sicherlich gibt es Gemeinden, in denen einiges billiger ist, verglichen mit Städten, in denen manches teurer ist. Dennoch würde ich mir, nach 35 Jahren Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit durch einen betrügerischen Konkurs meines Arbeitgebers wünschen, in einer grösseren Stadt zu leben. Mit meinem Einkommen durch Hartz IV bin ich z.B. völlig unbeweglich, da ich Transportkosten im kleinstädtischen Bereich nicht finanzieren kann.Es ist schlichtweg zu teuer. Ich schaffe gerade mal die Buskosten, um zum Arzt zu kommen, Kosten, die ich ohne Hartz IV möglicherweise nicht hätte, da ich mit normaler Arbeit wahrscheinlich gesunder wäre. Nach 35 Jahren Berufsstätigkeit ohne Erkrankungen hoffte ich auf ein Älterwerden in meinem Beruf, der mir viel Freude machte. Ein krimineller Arbeitgeber, für den ich die letzten 14 Berufsjahre gearbeitet habe, führte die Firma in eine betrügerische Insolvenz, wurde allerding niemals erwischt. Doch mich hat es aufgrund Hartz IV voll erwischt. Ich bin einfach daran krank geworden. Ohne Perspektive mit Geld, das zum Überleben reicht, aber von der Gesellschaft ausschliesst, braucht man all seine Kraft, um diesem Leben kein Ende zu setzen. Selbst die ehrenamtliche Tätigkeit mit benachteiligten Kindern schafft da keinen Ausgleich, da mir auch dabei die entsetzlichen Folgen des Neokapitalismus permanent vor Augen geführt werden. Wahrscheinlich könnte ich das alles besser ertragen, wenn ich über ein gewisses Mass an Dummheit verfügen würde. Leider kann ich mir die nicht mehr aneignen. Nur dass Sie, der sich wirklich um gar nichts wirtschaftlich sorgen muss, solche Weisheiten loslassen, demonstriert Ihre Unwissenheit. Auch ohne Alkohol und ungesunde Lebensweise werden Menschen, die an sich gern arbeiten würden und trotz excellenter Ausbildung und Berufspraxis in diesem Land keine Arbeit fanden und finden, krank. Dieser Aspekt kommt mir immer viel zu kurz. Mit der staatlichen Hilfe kann ich sehr wohl rein körperlich überleben. Ich habe aber nicht die geringste Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Da ich billig leben muss, wohne ich ausserhalb. Sonst würde meine Miete nicht übernommen. Ich kann mich aber nicht nach innen bewegen, weil die Transportkosten zu hoch sind. Für einen Besuch in die Stadt muss ich zwei Wochen sparen. Der völlige Verzicht auf Fleisch, Aufschnitt und Kaffee ermöglicht es mir, dass ich alle Vierteljahr einmal eine Eintrittskarte von ca. EUR 8 erwerbe, um mal eine Autorenlesung zu besuchen. Wahrscheinlich soll ich das aber gar nicht, sondern mich nur vom TV und Prof. Sinn einlullen lassen, damit ich ja nicht kritisch werde. Herr Prof. Sinn, beschränken Sie sich auf das, was sie mal gelernt haben, aber lassen Sie Ihre Finger weg von Beurteilungen dessen, was HartzIV-Empfänger zu viel oder zu wenig haben - Sie haben keine Ahnung! Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich sehr überzeugend finde. Aber Sie scheinen implizit davon auszugehen, dass ich die Hartz-IV-Sätze im kleinstädtischen Bereich kürzen möchte. Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen? Ich habe das nicht vorgeschlagen und würde deshalb gerne von Ihnen wissen, was Ihre Quelle ist. Auf einer Homepage ist eine Lüge in dieser Richtung verbreitet worden. Dagegen gehe ich juristisch vor. Mich würde es interessieren, woher Sie Ihre Information haben. Bestimmt nicht von mir. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es ist begrüßenswert, dass die Hartz-IV-Regelungen auf den Prüfstand sollen. Nicht begrüßenswert ist Ihr Vorschlag, Hartz-IV-Leistungen territorial zu staffeln. In Berlin seien die Lebenshaltungskosten höher als in Hoyerswerda? Vielleicht auch noch zu unterscheiden zwischen Berlin-Ost und Berlin-West? Dann staffeln Sie bitte auch gleich die Renten, dass ALG I und die Prämien für Krankenkassen - vielleicht auch noch die Löhne? Welch unsinniger Vorschlag, welch bürokratischer immenser Aufwand? Aber immerhin, Herr Professor, so bleibt man im öffentlichen Dialog. Das ist doch auch schon viel wert. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich darf darauf hinweisen, dass die Renten, das ALG I, die Löhne und die Krankenkassenprämien allesamt regional gestaffelt sind! Das scheinen Sie zu übersehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion siehe oben) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, danke für Ihre umgehende Antwort. Da ich zwar kein Geld, aber sehr viel Zeit habe, lese ich viel. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob die von mir geschilderte Information aus irgendeiner Zeitschrift - Spiegel, Focus, Stern, Manager-Magazin - oder aus der Tagespresse stammt. Übrigens kann ich mir all diese Dinge nicht kaufen, sondern erhalte sie von Familie und Freunden abgelegt, d.h. nach 1 oder 2 Wochen. Es ist aber auch möglich, dass ich die Information aus Radio oder TV habe. Zunächst hatte ich mehrere Tage meiner Empörung gefrönt, bevor ich Ihnen meine mail schickte. Da ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, unsachliche Angriffe auf alles, was mit HartzIV zu tun hat, und auch grundsätzlich auf HartzIV-Empfänger - und das beginnt leider bei den imkompetenten Mitarbeitern der ARGE - hinzunehmen und zu verkraften, reagiere ich normalerweise nicht. Doch die Ihnen zugeschriebene Äusserung ging mir schlichtweg zu weit, da sie sicherlich von unwissenden Politikern gern zur Grundlage genommen wird, Kürzungen vorzunehmen, deshalb meine mail. Nach 35 Jahren Berufstätigkeit mit 3 äusserst wohlgeratenen Söhnen, die diesem Land viel Steuern zahlen, fühle ich mich schlecht behandelt. Seit 9 Jahren habe ich mich von Flensburg bis Garmisch beworben, mit ausgezeichneten Unterlagen. Vielleicht hätte ich mein Alter fälschen sollen. Ganz klar bin ich der Meinung, dass ich all die Despektierlichkeiten, die ich permanent höre oder lese, nicht verdient habe. Es gibt gewiss ausser mir noch viele andere 'Hilfeempfänger', die ähnlich empfinden. Ich bedaure, dass ich Ihnen keine Quelle benennen kann, aus der die benannten Fakten stammen. Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, vielen Dank für Ihre Antwort. Aber Sie sehen, wie das Mediengeschäft läuft. Hier kochen einige Leute ihre eigenen Süppchen, indem sie die Empörung zu einer Geschäftsidee machen. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prefessor Sinn, geben Sie lieber zu, dass auch dieses System mit 250 km/h gegen die Mauer fährt. Schulden soweit das Auge reicht - wir leben über unsere Verhältnisse, jedoch nicht weil die Bürger das so wünschen. Preise in diesem System werden nicht durch den Gegenwert der Ware oder Dienstleistung bestimmt, sondern nach dem Einkommens- niveau der Bevölkerung. Dies fordern Sie nun auch bei den Regelsätzen der ALG II- Sätzen - Angleich der sozialen Leistungen nach Ausgabenniveau der jeweiligen Region. Hiermit befeurern Sie gerade zu das Spekulantentum von Regionen wie München und Stuttgart oder auch in Berlin. Welchen Sinn kann es haben, dass junge Familien in München nie in der Lage sein werden sich Wohneigentum zu schaffen ohne sich und Ihre Kinder lebenslänglich an die Willkür der Banken auszuliefern? Scharen von fahrenden, telefonierenden und Internet-Abzockern überziehen das Land und stürzen Bürger mit seitenweisen missverständlichen Verträgen in Unheil. Die wirklichen Verbrecher sind m.E. die internationalen Konzerne, welche bspw.fuer einen Dollar in Bangladesch oder Kambodscha ein Poloshirt nähen lassen (wobei auch hier der Löwenanteil den Fabrikbesitzer bleibt) und dieses dann in der westlichen Welt unter wohlklingenden europäischen Namen für 50 Dollar verkaufen. Hier fordern Sie nie eine Regulierung und erklären die sittenwiedrige Praxis mit dem Gespenst der globalen Marktwirtschaft. Hier werden Milliardengewinne ergaunert, die keinem ALG II-Bezieher zu Gute kommen. Btw: der kauft bei KIK sein Poloshirt aus China (Zwangsarbeiter, die von Ihren Familien verschleppt werden sehen keinen Lohn für Ihre Arbeit). Ist dies Sinn der (marktwirtschaftlichen) Demokratie? Ich glaube nicht! Mit freundlichen Grüßen, irgendein Bürger.
Sehr geehrter Herr N., ich verstehe Ihre Skepsis bezüglich des Finanzwesens und stehe ihr nicht ganz fern, nur dass meine Kritik weniger radikal wäre. Zu Hartz IV: Die Mietzuschüsse sind ja schon heute nach den regionalen Gegebenheiten gestaffelt. Was ich vorschlage, ist auch die unterschiedlichen Preisniveaus der Konsumgüter zu berücksichtigen, damit jeder Hartz-IV-Empfänger gleich viel bekommt. Es kann nicht sein, dass der Lebensstandard der Hartz-IV-Empfänger in der Großstadt kleiner ist als auf dem flachen Lande. Gleiches muss gleich behandelt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, in Nachgang zu unserer anregenden Diskussion in Würzburg schicke ich Ihnen den Artikel von Paul Krugman, auf den sich meine Äußerungen bezogen haben, das erwähnte Titelbild des Economist und ein paar Gedanken, die ich vor fast einem Jahr zur Finanzkrise aus psychologischer Sicht zu Papier gebracht habe. Mit herzlichem Gruß, Fritz Strack http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html http://memex.naughtons.org/wp-content/uploads/2009/08/economist_economic_theory.jpg http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,585425,00.html
Lieber Herr Strack, erst jetzt komme ich dazu, auf Ihre Mail zu antworten. Ihren Beitrag finde ich sehr überzeugend, sehe aber keinen Widerspruch zur Ökonomie. Wenn Sie z.B. auf die Asymmetrie der Beteiligung an Gewinnen und Verlusten hinweisen, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Das habe ich in meiner Dissertation schwerpunktmäßig behandelt. (Ök. Entscheidungen bei Ungewissheit, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Mohr-Siebeck 1980.) Auch der folgende Beitrag untersucht das Thema: „Kinked Utility and the Demand for Human Wealth and Liability Insurance“, European Economic Review 17, 1982, S. 149-162. Der Krugman-Artikel ist bissig, aber in seiner Kritik am Chicago-Ansatz korrekt. Wiederum kein Widerspruch. Auch ich habe in meinen Vorlesungen diesen Ansatz stets massiv mit ähnlichen Argumenten kritisiert und mich beim Konjunkturthema auf die Seite der Keynesianer geschlagen. (Dass die meisten ökonomischen Probleme nichts mit Konjunktur und Krisen zu tun haben, weiß natürlich auch Krugman. Er selbst hat kaum in dieser Richtung publiziert.) Hier zwei meiner Beiträge aus dieser Richtung, wo ich die Alt- und Neumonetaristen aus Chicago kritisiere. „Rationale Erwartungen, Rationierung und Rezession ‑ Braucht keynesianische Politik dumme Bürger?“, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 199, 1984, S. 158-178. „Pro und Contra Crowding Out. Zur Stichhaltigkeit dreier populärer Argumente“, Kredit und Kapital 16, 1983, S. 488-512. Das alles ist aber keine Kritik am ökonomischen Ansatz an sich, sondern eine hausinterne Kritik. Auch Krugman kritisiert ja nicht sich selbst, sondern speziell nur die Ökonomen der Chicago-Schule. Der Konflikt zwischen der Ostküste und Chicago ist alt. Europa steht überwiegend auf der Positition der Ostküste. Und in Deutschland haben wir die neoliberale oder ordoliberale Schule, die eine starke Rolle des Staates bei der Setzung der Spielregeln bejaht. Diese Schule ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was die Ostküste meint. Diese Krise ist in der Tat eine Schlappe für Chicago und ein Triumph des Neoliberalismus, jedenfalls in seiner ursprünglichen Bedeutung als Gegenteil von Paleoliberalismus, der dem heutigen Chicago-Liberalismus entspricht. Wir hatten uns noch über die effizienten Märkte ausgetauscht. Das stammt von Fama und meint nur, dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt die dann vorhandene Information widerspiegeln. Effiziente Märkte im Sinne der allokativen Effizienz, also der Hauptsätze der Wohlfahrtstheorie sind damit nicht gemeint. In einem Punkt stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass man zur Erklärung der Krise irrationales Verhalten braucht. In meinem Buch "Kasino-Kapitalismus", das ich Ihnen zukommen lasse, läuft die Erklärung im wesentlichen über die Haftungsbeschränkung und die asymmetrischen Entlohnungsstrukturen, die daraus resultieren. Bislang habe ich noch kein Argument gehört, wie irrationales Verhalten die Krise zur Krise hätte beitragen können. Auch die Fehleinschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten, die wir seit Allais (ich glaube 1949) kennen, trägt nichts Erkennbares bei. Die Banken hätten genauso gespielt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten korrekt eingeschätzt hätten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betrifft: Das Grüne Paradoxon darf nicht zum Atomausstiegs-Verschiebungs Paradoxon werden Hallo Herr Prof. Sinn, 1. eine gute Theorie muss man auch breit einsetzen können. Ich wende daher mal das Grüne Paradoxon auf die beschlossene Verschiebung des Atomausstieges an. Das Ergebnis: der verschobene deutsche Atomausstieg bringt überhaupt keine CO2-Einsparung solange die CO2 Zertifikate insgesamt (also nicht nur für Deutschland) nicht entsprechend reduziert werden. 2. Also muss man als Klimaschützer fordern: Weniger CO2-Zertifikate und höhere CO2-Einsparquoten zur Realisierung der Kernenergie-Dividende. Auf der COP15 Konferenz in Kopenhagen ergibt sich hierfür im Dezember 2009 eine gute Gelegenheit. 3. Die Bundesregierung ist hier jedoch bisher noch nicht auf dem richtigen Weg. Im neuen Regierungsprogramm wurde das bisherige CO2-Einsparziel von 40% (für 2020 im Vergleich zu 1990) noch nicht geändert. Dies wäre aber auch nur ein erster Schritt, denn die Verankerung bei den CO2-Zertifikaten müsste folgen. 4. Seltsam ist nur, dass die Grün- Orthodoxen diese weiche Flanke des verschobenen Atomausstieges noch nicht erkannt haben. Oder behindert sie da vielleicht ihre Lebenslüge, dass man nämlich mit Kernenergie ja eh kein CO2 einsparen könne? Oder behalten sie sogar am Ende noch Recht, wenn der Weiterbetrieb der Kernenergie nicht als Verknappung der Zertifikate umgesetzt wird? Dr. rer. nat. Gerhard Luther, Saarbrücken
Sehr geehrter Herr Dr. Luther, vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist der Verzicht auf den Atomausstieg für sich genommen klimapolitisch irrelevant, weil der CO2-Ausstoß Europas bereits durch die Menge der Emissionszertifikate gesteuert wird. Er ist aber natürlich relevant für die Energiekosten, weil Atomenergie, zumal von Kernkraftwerken, die schon stehen, die billigste Energieform ist. Ob es Sinn macht, die C02-Menge in Europa unilateral weiter zu senken, wage ich zu bezweifeln, denn der Kohlenstoff, den wir Europäer nicht kaufen, wird halt anderswo angeliefert und verbrannt. Ich meine deshalb, dass es keine Alternative zu einem weltweiten Emissionshandel gibt, an dem sich alle Länder beteiligen. Weitere Vorleistungen Europas könnten konterproduktiv sein, weil sie den Chinesen und Amerikanern noch mehr Anreize gibt, auf eigene Anstrengungen zu verzichten, und zwar sowohl politisch als auch über die Märkte wegen der Absenkung der Preise für fossile Brennstoffe. Noch eine Anmerkung zum grünen Paradoxon. In meinem gleichnamigen Buch werden zwar einige Paradoxa beschrieben, doch ist der Name für einen besonderen Effekt reserviert. Wenn die grüne Politik allmählich immer grüner wird, verringert die grüne Politik die Steigerungsrate der Preise der fossilen Brennstoffe, was den Ressourcenbesitzern Anreize gibt, schneller zu extrahieren und ihr Vermögen in Finanzanlagen umzutauschen, weil die Rendite der Ressourcen im Boden kleiner wird. D.h. angekündigte grüne Politik senkt die Preise der fossilen Brennstoffe heute und beschleunigt den Klimawandel. Das gilt für alle Arten grüner Politik, sogar unilateral angekündigte Einschränkungen der Menge der Emissionszertifikate. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, die neue Regierung Merkel/Westerwelle möchte die Steuern senken, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. In Deutschland ist die Abgabenlast laut Spiegelonline weitaus höher als die Steuerlast. Wäre es nicht sinnvoller, um Arbeitsplätze zu schaffen, Konsum und Investitionen zu fördern, den Faktor Arbeit zu verbilligen? Warum wird dieser Ansatz in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichem Gruß, Peter Weinreich
Sehr geehrter Herr Weinreich, Konsum ist das Gegenteil von Investition. Wenn ich den Konsum fördere, kann ich zwar den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials erhöhen, doch echtes Wachstum gibt es nur, wenn ich das Potenzial selbst vergrößere, und das geht nur über Investitionen. Deutschland hat die kleinste Nettoinvestitionsquote aller OECD-Länder. Wachsen können wir nur mit mehr Investitionen. Beschleunigte Abschreibungen wären ein Mittel, sie anzuregen. Die Verbilligung der Arbeit über die weitere Ausdehnung des Niedriglohnsektors durch eine Agenda 2020, also noch mehr Lohnzuschüsse, wäre eine weitere Möglichkeit, sogar eine sehr viel wirksamere. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion, letzter Beitrag verfasst am 23. Oktober, siehe unten stehende Beiträge) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für die Richtigstellung. Sämtliche Fehler gehen natürlich allein zu meinen Lasten. Sie bestätigen, dass die staatliche Ausgabenerhöhung das GDP fast immer weniger erhöht als der direkte fiskalische Impuls. Barro-Zitat: … thus spending stimulus programs will likely raise GDP by less than the increase in government spending. Defense-spending multipliers exceeding one likely apply only at very high unemployment rates, and nondefense multipliers are probably smaller. However, there is empirical support for the proposition that tax rate reductions will increase real GDP. Multiplikatoren überschreiten nur in ganz seltenen Fällen – ziemlich sicher nicht heute, da die Arbeitslosigkeit nicht so hoch ausfällt – den Wert von 1. Und gleichzeitig – meine Rede - treten fast immer gegenläufige Effekte ein, die gleichzeitig zu einer Absenkung der privaten Investition und Nachfrage führen, ansonsten wäre der Multiplikator mindestens = 1. Es gibt fast immer eine Minderung privater Wirtschaftstätigkeit parallel zu den Konjunktur-programmen, wobei das allein noch keine Kausalität, aber doch eine Beziehung ausdrückt. Auf die pure Spekulation auf einen Multiplikator > 1 hin große Verschuldungspakete zu befürworten, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Die empirischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte wie der WW-Krise belegen diese Annahme jedenfalls nicht, was Sie auch nicht bestreiten. Angesichts niedriger Zinsen, eines hohen Staatsanteils und Arbeit-nehmer-Einkommen in der Weltspitzengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gegenläufigen Effekte (u.a. Crowding-Out) eher noch zunehmen werden à sich der tatsächliche Multiplikator vielleicht sogar weiter von 1 entfernt (auf 0 zu). Vermutlich würden Sie die WW-Krise als „nicht-gleichgewichtige Ökonomie“ bezeichnen. Die Barro-Analyse zeigt jedenfalls, dass auch für diese Phase keine empirischen Belege vorliegen, dass über die staatlichen Programme reliabel Impulse vom Staat auf den Privatbereich induziert werden können. In meiner Lesart, erstens ist es fraglich, ob nicht viel eher die Investitionen die Arbeitsplätze schaffen als simple Ausgabenerhöhungen, zweiten sind solche Programme immer die Ausflüsse von big/ bigger government. Dies bildet gleichzeitig institutionellen Barrieren, welches die Privaten von mehr Nachfrage und Investition abhält, wie unter Hoover und Roosevelt. Je mehr Staat, desto mehr politische Lösungen, die immer wieder Klientelpräferenzen folgen. Barro verweist darauf, dass Steuersenkungen die gleiche Wirkung haben. Sie halten solche Argumente, die ich früher von ihnen gehört hatte, heute aus der Diskussion heraus und propagieren stattdessen das Allheilmittel weiterer großer Staatsprogramme. Damit folgen Sie einem Tenor - bei aller Wertschätzung Ihrer Sachkunde und Ihres Engagements - den man nur als „sozialdemokratisiert“ bezeichnen muss.
Sehr geehrter Herr Hamilton, Sie haben sich irgendwie festgebissen in der Vorstellung, das Sozialprodukt würde fallen, wenn der Multiplikator kleiner als eins sei. Die Begründung für Konjunkturprogramme braucht das nicht. Auch wenn der Multiplikator kleiner als eins ist, steigt das Sozialprodukt. Aber das hatte ich ja schon erwähnt. Warum gehen Sie darauf nicht ein? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, hat die Hartz IV Gesetzgebung zu einem Mehrwert für die Volkswirtschaft geführt oder wurde nur die Arbeit im Billiglohnsektor auf mehr Köpfe verteilt, die dann entsprechend weniger verdienen?
Sehr geehrter Herr Böhme, die Arbeit wurde definitiv nicht auf mehr Köpfe verteilt, sondern es wurde mehr gearbeitet und ein höheres Sozialprodukt erzielt. Deutschland kam nach langen Jahren aus seiner europäischen Schlusslichtposition beim Wachstum heraus und hat sich bis zum Durchschnitt vorangerobbt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Bundestagswahl ist die Tür nun offen für eine Steuerstrukturreform. Das Konzept der FDP halte ich für gut, nur leider fehlt mir im Geringverdienerbereich die Einführung einer Negativsteuer. Warum ist dieser Ansatz im FDP Konzept nicht vorhanden? Welche Bedenken gibt es gegenüber dem jetzigen Zuschusssystem?
Wenn ich nur wüsste, warum die FDP das nicht aufnimmt. Aber vielleicht tut sie es ja doch, ohne es an die große Glocke zu hängen. Warten wir ab. Da ich mit der Partei nichts zu tun habe, weiß ich es nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.09.09 - IHR GASTKOMMENTAR „WELTMEISTERSCHAFT AUF PUMP“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Stellungnahme! Aus der Sicht der Sozialhaushalte haben Sie natürlich völlig Recht, dass Lohnzuschüsse keine Subventionen sind, aus der Sicht der Unternehmen verhält es sich jedoch anders. Lohnzuschüsse sind hier Subventionen genau wie Zuschüsse zu Treibstoffen, oder zinsgünstige Kredite. Das ist eine Verzerrung der Wettbewerbssituation und wird über kurz oder lang die EU-Organe auf den Plan rufen. In historischer Betrachtung haben sich moderne, d.h. in der Regel kapitalintensive Industrien langfristig der lohnintensiven Fertigung überlegen gezeigt. Um in der globalen Wirtschaft mithalten zu können, muss Deutschland als Hochlohn- land kapitalintensiv arbeiten. Hätten wir rechtzeitig Maschinen entwickelt, die Mobiltelefone computergesteuert montieren, wären zwar bei Nokia in Bochum Arbeitsplätze weggefallen, die Wertschöpfung aber in Deutschland verblieben. So wird für vielleicht zehn oder zwanzig Jahre in Rumänien montiert, bevor automatische Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung muss Deutschland schon jetzt die Weichen für eine kapitalintensive Produktion stellen um mit weniger Beschäftigten weiterhin Wachstum zu erzielen. Einmal braucht die technologische Entwicklung ihre Zeit, weiter müssen die Unternehmen Gelegenheit haben, sich in ihrer Kapitalstruktur darauf einzustellen. Lohnzu- schüsse würden hier kontraproduktiv wirken, da sie den Innovationsprozess hemmen. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, wie recht Sie doch haben. Nur, man kann alles übertreiben. Da wir eine Marktwirtschaft haben, passiert genau das, was Sie beschreiben von allein durch den Markt, wenn man ihn lässt. Wenn man ihn nicht lässt und die Löhne noch über das hohe Niveau hinaus erhöht, das sie in Deutschland sowieso gehabt hätten, dann gibt es zu viel Kapitalintensivierung. Sie können mir glauben, der Punkt ist ökonomisch sonnenklar, sogar duch die Nobelpreise von Arrow und Debreu untermauert. Das richtige kommt heraus, wenn der Staat nicht in die Lohnstruktur eingreift. Tut er es, wie in Deutschalnd, geht die Spezialisierung zu weit und führt zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das Kriterium, das zeigt, ob die Spezialisierung zu weit ging, denn Spezialisierung auf arbeitssparende Prozess, bei denen die freigesetzen Arbeitnehmer unbeschäftigt bleiben, sind Wohlfahrtsverluste für die Volkswirtschaft. Eine Lohnsubvention ist deshalb ausgehend von der verzerrten Situation, die wir in Deutschland haben, keine Verzerrung, sondern die Aufhebung derselben. Das kann ich nun nicht hier in der Kürze der Zeit nicht für Sie beweisen. Ich kann auch nicht erwarten, dass Sie das Argument als Nichtökonom wirklich in dem Sinne verstehen können, dass Sie davon überzeugt sind. Sie müssen mir insofern also schon vertrauen, so wie wir alle ja auch den Aussagen anderer Fachdisziplinen vertrauen, auch wenn wir die Argumente nur ansatzweise zur Kenntnis nehmen können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Hr. Prof. Dr. Sinn, wäre nett, wenn Sie eine ehrliche Antwort geben würden: "Halten Sie privat, wo auch immer, etwas Gold bzw. Edelmetalle?" Gruß S.Mueller
Nein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
S.g. Herr Sinn Schon seit einiger Zeit prognostiziere ich Deutschland eine tiefe Rezession für das Jahr 2009, wobei ich bisher von -3% ausgegangen bin. Ich erwartete Anfang 2008 auch noch ein Nullwachstum für das eben vergangene Jahr. Ein Prognose die mir von BIP Deflator und der terms of trade offenbar doch ein wenig verhagelt wurde. Diese beiden (etwas hilflosen) Forenbeiträge mögen mein Kassandra-Syndrom veranschaulichen: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/169118,0.html?sid=538a0fc571630181fce64825b762e4d9 http://forum.politik.de/forum/showthread.php?t=205807 Nach den eben veröffentlichten Konjunkturdaten des statistischen Bundesamtes für den Monat Jänner, sehe ich nun aber ein, dass eine Prognose von -3% nicht zu halten sein wird. Langfristig korreliert die Industrieproduktion etwa mit dem Faktor 0,4 mit dem realen BIP. Aus dem Rückgang von 20,5% auf Jahresbasis ließe sich also ein gesamtwirtschaftlicher Rückgang von etwa 8% ableiten. Hinzu kommt aber eine ungebrochene Abwärtsdynamik die sich bei den Auftragseingängen (-38%) abbildet. Wie kann es da sein, dass noch immer Wachstumsprognosen von -2,2% kursieren, oder aber mit -3,7% (IfW) bzw. -3,8% (HWWI) auf Basis die Jänner Zahlen in Umlauf gebracht werden? Selbst für eine Prognose von -5% müsste sich die Wirtschaft im 2.Hj kräftig erholen. Wahrscheinlicher scheint doch eher ein Einbruch von 7 oder 8%, auch -10% scheinen möglich. Was das für die Arbeitslosenzahlen bedeuten wird, mag man sich kaum vorstellen. Mangelt es etwa am Mut solche Zahlen in Umlauf zu bringen?
Sehr geehrter Herr Schaffer, vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Die Beantwortung habe ich anstelle von Herrn Prof. Sinn übernommen. Da ich selber bei der ifo Konjunkturprognose mitarbeite, beschäftigt mich Ihre Frage auch inhaltlich. Die Gemeinschaftsdiagnose der Institute geht mittlerweile von jahresdurchschnittlich -6% beim realen BIP in 2009 aus. Bei dieser Prognose ist übrigens auch das von Ihnen angesprochene IfW dabei. Bei der Berechnung der Prognose berücksichtigen wir natürlich die vorhandenen Monatsindikatoren, wie etwa die Industrieproduktion. Allerdings prognostizieren wir die Monatswerte auch. Knackpunkt für dieses Jahr ist insbesondere, wie die weltweit initiierten Konjunkturpakete wirken und mit welcher zeitlichen Verteilung. Das beeinflusst ganz zentral die jahresdurchschnittliche Veränderungsrate. Im weiteren Jahresverlauf wird sicher die Diskussion über die Arbeitslosigkeit ein zentrales Thema sein. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt steht erst am Beginn. Wir werden deutlich steigende Arbeitslosenraten zu verzeichnen haben. An Mut mangelt es uns nicht, wenn es um Prognose dieser Zahlen geht. Wir versuchen neutral und objektiv ein Basisszenario für die weiter Konjunkturentwicklung zu entwerfen. Diese Basisvariante veröffentlichen wir dann auch. Wir publizieren weder aus unserer Sicht zu positive noch zu negative Prognosen. Damit würden wir unserem Auftrag nicht gerecht. Mit einseitigen Prognosen wäre den Akteuren in der Wirtschaft nicht geholfen. Sie würden Planungen und Handlungen auf bewusst verzerrten Informationen aufbauen. Möglicherweise ergreifen die Akteure aufgrund einer "ungeschminkten" Prognose geeignete Maßnahmen, um die weitere Entwicklung zu beeinflussen. Dazu benötigen sie aber neutrale Vorgaben. Eventuell führen diese Handlungen (Zinsanpassungen, Steueränderungen, Konjunkturpakete, Tarifverhandlungen, etc.) dann dazu, dass die Prognose nicht eintritt. Gerade diese "Fehlprognosen" sind dann aber wohl unsere erfolgreichsten Prognosen. Mit freundlichem Gruß Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Hallo Herr Prof. Sinn. Am Wochenende konnte man ein persönliches Gespräch zwischen Ihnen und einem Journalisten auf Phönix sehen. Beim Thema Marktversagen, das von den Medienvertretern immer wieder gern durchgekaut wird, haben Sie nicht viel gegen gehalten. Ihre These war ja eher, dass der Bankenbereich zu wenig reguliert war. Speziell das Problem der erzwungenen Vergabe von Hypotheken an Schuldner geringer Bonität - Stichwort "Communty Reinvestment Act" (CRA) - und ihren Konsequenzen für die Kreditgeber (Fannie & Freddie) haben Sie ganz außen vor gelassen. Hier ist ein link zu einer kritischen Anmerkungen dazu schon in 1994. http://www.businessweek.com/archives/1994/b33985.arc.htm Meine Fragen: Sehen Sie den CRA als nachrangig für die Finanzmarktkrise? Ist das viel eher nicht ein klasssisches Regulierungsversagen? mfg - Gero Dubbermann
Sehr geehrter Herr Dubbermann, Sie haben mit Ihrem Hinweis völlig Recht. Aber wenn ich etwas nicht gesagt habe, heißt es nicht, dass ich es nicht auch hätte sagen können oder nicht wusste. Der Sachverhalt ist hier intensivst diskutiert worden. Der wahre Grund für die Risikobereitschaft der Geringverdiener liegt indes in der Leichtigkeit, mit der man in den USA Privatkonkurs anmelden kann bzw. in der fehlenden Durchgriffshaftung seitens der Banken. Sonst hätten die Leute die staatlichen Kredite kaum genommen. Nachrangig insofern ja, aber dennoch wichtig als Teil der Erklärung des Geschehens. Man konnte seine Bank ja sogar auf Diskrimnierung verklagen, wenn sie einem als Geringverdiener keinen Kredit gab. Kein Geringerer als Obama hat als Rechtsanwalt meines Wissens geholfen, die Klagen zu betreiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich bin erleichtert, daß endlich eine bedeutende Persönlichkeit der Wirtschaftswissenschaften mit gebotener Konsequenz den Unfug ins Rampenlicht rückt, der uns seit Jahrzehnten einen guten Teil unserer Wirtschaftskraft kostet. Die Allusion an den "Geisterfahrer der Welt" ist treffend. Ich gratuliere Ihnen. MfG Dr. André von Froreich Facharzt für Labormedizin
Sehr geehrter Herr Froreich, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn es ist außerordentlich bedauerlich, daß durch Ihre unglückselige Bemerkung die anderen wichtigen Aussagen im Interview so untergegangen sind. Auch dieser Artikel Löcher Stopfen http://www.project-syndicate.org/commentary/sinn22/German und das von Ihnen im Interview erwähnte Buch The New Systems Competition http://www.cesifo-group.de/portal/page/p...02-systcomp.htm ist es dieses?, fassen sehr schön die meßbaren prozyklische Elemente zusammen, die zu diesen finanziellen Seifenblasen beitrugen. Allerdings gibt es nicht nur meßbare Elemente, die die Seifenblasen förderten. Im Interview äußerten Sie die Ansicht In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. ...Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Überlegen Sie sich einmal, welches Verhalten Sie mit dieser Ansicht bei Ihren Absolventen auslösen. Ihre Aussage heißt mit anderen Worten: Jedes Verhalten, daß durch Anreize gefördert und durch fehlende Regeln nicht verboten wurde, ist erlaubt. Wäre Mord erlaubt, wäre das auch nur ein falscher Anreiz oder fehlende Regeln? Das kann es doch wohl nicht sein? Jeder wirtschaftliche Handelnde hat als Marktteilnehmer zwei Grunderfahrungen zu verinnerlichen. Einen Kunden kann ich nur einmal schädigen Auf jeden wirtschaftlichen Sommer folgt ein wirtschaftlicher Herbst oder Winter, in dem ich Reserven brauche Das sind Regeln, wenn man so will elementare Erfahrungen, die keine staatliche Regel außerkraftsetzen kann Nochmal ihre Aussage Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Diese Art der Argumentation kann man als eine in die Zukunft gerichtete Absolution für jedes menschliche Verhalten interpretieren und Sie können sicher sein, so wird sie interpretiert. Das bin nicht ich, der über die Strenge schlägt, es sind die Regeln, die mich dazu zwingen. Das bin nicht ich, der zugeschlagen hat, es war meine schwere Kindheit, die mich dazuz zwang und die fehlende Polizei, die mich dabei nicht hinderte. Kommt Ihnen diese Argumentation nicht bekannt vor. Sie und Ihre Kollegen begeben sich mit dieser Argumentation in ein gefährliches Fahrwasser. Sie sollten sich nicht als Beichvater mißbrauchen lassen, der Absolution für jedes zukünftiges Verhalten erteilt. Das kann nicht sein. Von jedem Erwachsene kann ich erwarten, daß er weiss, was Anstand ist und das er nicht seine Kunden willentlich und wissentlich schädigt. Nächster Kritikpunkt Es gibt eine Grauzone, wo nicht mehr staatliche Regeln und noch nicht globale Regeln gelten. Wer ohne Regeln nicht selbst weiss, wie sich ein ehrbarer Kaufmann verhält, weiss es auch mit Regeln auch nicht. Er wird nur daran gehindert und vielleicht bestraft, aber er besitzt keine Einsicht in ein Fehlverhalten. Mehr erreichen Sie nicht durch Regeln, die nur ein passiver Schiedsrichter, aber nicht die Mitspieler selbst vorgeben. Genau aus dem Grund ist es falsch, wenn der Staat als Schiedsrichter die Regeln vorgibt, da in einem sich selbst organisierenden System nur die Regeln von den Marktteilnehmern als richtig anerkannt werden, die man sich selbst aus innerer Einsicht in die Notwendigkeit geben. Gibt der Staat die Regeln vor, wird innere Einsicht in die Regeln immer fehlen und jede Möglichkeit genutzt werden, die Regeln zu umgehen. Wie man im rechtsfreien Raum jenseits der Staaten beobachten kann. Die Marktteilnehmer und nicht der Staat müssen sich selber regulieren und sich selbst die Regeln geben, die sie aus innerer Einsicht für notwendig erkannt haben. Niemand sonst Mit freundlichen Grüßen Manfred Albrecht Den Kommentar Bitte nur mit dem Vermerk Name ist der Redaktion bekannt veröffentlichen
Sehr geehrter Herr Albrecht, vielen Dank für Ihr Mail vom 28.10. November an Prof. Sinn. Ich habe es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie beziehen sich auf Prof. Sinns Interview im Tagesspiegel vom 27. Oktober und kritisieren seine Aussage „Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln“. Als Wirtschaftswissenschaftler untersucht Prof. Sinn bestimmte Probleme und arbeitet Lösungsvorschläge aus. Andere wissenschaftliche Disziplinen tragen das Ihre zur Lösung von Problemen bei. Wenn es um kriminelle Handlungen geht, so ist es Aufgabe der Justiz, diese zu verfolgen. Mir scheint, Sie überinterpretieren die erwähnte Aussage von Prof. Sinn, alsob er als Volkswirt alle möglichen Sichtweisen zu einem Problem abdecken müsste. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Guten Tag Hr. Prof. Sinn, meine Frage bezieht sich auf den Klimawandel. Sie haben in einem Interview geäußert, dass unilaterales Vorgehen einzelner Länder im Bezug auf die Minderung von THG - emissionen wenig nützlich ist, da der Nettoeffekt durch den Preismechanismus geradezu 0 ist. Dies ist mir verständlich. Wenn das Öl nicht in der Erde bleibt, wird es weiter verbrannt. Führt ihrer Meinung nach die endliche Verfügbarkeit von Öl zu abnehmenden THG emissionen? Wäre es sinnvoll, die zulässigen Emissionen pro Kopf gleichzuverteilen oder wäre dies klimapolitisch nicht durchzusetzen?Vielen Dank schon mal, Grüße aus Frankfurt
Sehr geehrter Herr ..., meine Meinung zu dem Thema habe ich in dem angehängten Beitrag dargelegt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: Sie finden das von Prof Sinn angesprochene Working Paper unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/pls/guest/download/Ifo%20Working%20Papers%20(seit%202005)/IfoWorkingPaper-54.pdf
Sehr geehrter Professor Sinn, eine Frage zur Immobilienkrise: Es wird in diesem Zusammenhang oft von Geldvernichtung gesprochen. Die Abschreibungen belaufen sich schätzungsweise auf eine Höhe von 265 Milliarden Dollar. Ist dieses Geld wirklich vernichtet oder hat es nur jemand anderes? Wer sind Gewinner, wer Verlierer? Ich habe hierzu noch keine seriöse Antwort im Netz gefunden. Beste Grüße aus Köln
Sehr geehrter Herr Schepers, das Geld haben die Häuslebauer in Amerika, die Kredite aufnahmen, die sie nicht zurückzahlen können. Sie haben das Geld konsumiert. Auch der deutsche Steuerzahler finanziert diesen Konsum mit. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Im Studium (vor 20 Jahren) habe ich gelernt, daß eine Goldene Regel und damit Säule der Marktwirtschft folgendes Verhalten des Auftraggebers ist: Um reale Kalkulationen für ein Angebot zu erhalten, werden generell der teuerste sowie der preiswerteste Anbieter ohne Detailüberprüfung gestrichen ! Seit Jahren wird dies weder bei privaten noch öffentlichen Ausschreibungen beherzigt ! Damit schlägt sich unser Land doch selbst die Füße weg ! Oder ??? (Rückwärtsentwicklung zum Frühkapitalismus ?) St.-M. Dreihöfer
Sehr geehrter Herr Dreihöfer, vielen Dank für Ihren Beitrag, in dem Sie sich nach der richtigen Bewertung unterschiedlicher Unternehmensangebote durch den Auftraggeber erkundigen. In einer Welt der Unsicherheit, wenn man also die Qualität der Angebote nicht genau kennt, erscheint es vernünftig, so vorzugehen, wie Sie das beschreiben. Ob man so das beste Angebot vielleicht sogar ausschlägt, weiß man auch nicht mit Sicherheit. Wie man bei privaten oder öffentlichen Ausschreibungen wirklich vorgeht, entzieht sich meiner Kenntnis. Arg drastisch finde ich es, wenn sie es eine „Rückwärtsentwicklung zum Frühkapitalismus“ nennen, falls man die von Ihnen genannte Regel doch nicht anwendet. Mit freundlichen Gruß Robert Koll, Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, Es freut mich ihnen Mitteilen zu können, das ich doch Recht gehabt habe.Die Fakten liegen auf den Tisch. Die Zeit der Neokonservativen ist nun vorbei. Nun kommen wieder die Demokraten und die Zeit der Manager mit der schnellen Geldmacherei, auf Kosten der Arbeiter ist auch vorbei. Die Fakten sind nicht zu übersehen.Mit der Bankenkrise, die nun mit Steuergeldern saniert werden müssen. Habe gerade eine Eilmeldung erhalten, das die USA sich in einer Rezession befindet. Haben sie nichts aus der Geschichte Gelernt. Das hatten wir schon einmal. Nun ist es wieder Zeit für einen „New Deal“ das die Karten wieder neu gemischt werden. Mehr Geld für die Arbeiter und nicht für die Reichen. Es gibt ein gutes Buch. Das müssen Sie mal Lesen. „Nach Bush“ von Paul Krugman.Sie waren auf einen Holzweg gewesen. Ich hoffe Sie haben was gelernt. Mit Freundlichen Gruß Peter Hoffmann
Sehr geehrter Herr Hofmann, ich verstehe nicht, wieso und in welcher Hinsicht die Rezession in den USA Ihnen Recht gibt. Unsere Diskussion bezog sich doch auf ganz andere Themen. ifo hat die Möglichkeit einer Rezession in den USA in seiner Konjukturprognose von Anfang des Jahres für die EEAG sowie in verschiedenen Artikeln betont. Ich hänge zwei dieser Artikel an. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: Es bestehen noch 2 weitere Diskussionsbeiträge zwischen Herrn Hoffmann und Prof. Sinn vom 03. und 10. Dezember 2007.
Bild-online vom 20.03.2008 Sie behaupten in diesem Beitrag, dass eine private Versicherung doppelt so viel Rente bringt als die gesetzliche Versicherung. Wer garantiert mir das? Die Versicherungen? Bestimmt nicht. Die Beispiele in USA und England zeigen wohin eine private Altersvorsorge führen kann. Nur die Rentenversicherung hat nach 2 Weltkriegen die Versicherten bezahlt! Ich kannte viele Selbstständige die vor dem 2. Weltkrieg nicht in die Rentenversicherung bezahlt haben sondern in Lebensversicherungen. Diese Menschen bekamen keinen Pfennig aus ihren Versicherungen und mußten größtenteils ab dem Rentenalter bis zum Tode weiter arbeiten um einigermaßen leben zu können. Auch in den USA und England sind viele Rentner verarmt die sich privat versichert haben. Wenn man sieht was im Augenblick an der Börse abgeht muß man Angst haben, dass neben Banken nicht auch Versicherungen in die Pleite gehen. Uns Sie wollen, dass wir für die Vorsorge Versicherungen abschließen? Die wollen doch nur an unseren Provisionen verdienen. Offensichtlich sind Sie, Herr Professor Sinn, Lobbyist der Versicherungswirtschaft.
Sehr geehrter Herr Dziekan, Sie sind sehr schnell mit Ihrem Urteil. Wenn Sie der Meinung sind, dass die gesetzliche Rentenversicherung besser ist: Sind sie dann ein Lobbyist der gesetzlichen Versicherung? Ich kann Sie beruhigen. Ich stehe bei keiner Versicherung in Diensten. Die inhaltliche Aussage, die ich getroffen habe, ist durch viele Studien erhärtet. Sie bekommen beim Unlageverfahren nur eine Rendite in Höhe der Lohnsteigerung, und die ist deutlich niedriger als der Marktzins. In Barwerten gerechnet macht die Rente nur ungefähr die Hälfte dessen aus, was man bei einer Kapitalmarktanlage bekommt. Im übrigen unterstellen Sie mir implizit, ich hätte dafür plädiert, die gesetzliche Rentenversicherung durch privates Sparen bei einer Lebensversicherung zu ersetzen. Das habe ich keineswegs getan. Ich habe nur für's Riester-Sparen als Zusatzversorgung werben wollen. Ich selbst habe in verschiedenen Beiträgen gezeigt, dass der Renditevorteil der privaten Kapitalanlage nicht etwa einen Systemvorteil bedeutet, sondern nur scheinbar für die Gesellschaft besteht. Er verschwindet, wenn man die Steuern mit berücksichtigt, die zur Bedienung der schon bestehenden Rentenansprüche benötigt werden. Dennoch stimmt die Aussage, die Bild von mir veröffentlicht hat. Weil es die gesetzliche Versicherung wegen der Kinderarmut der Deutschen nicht mehr schafft, die Renten zu zahlen, müssen wir wohl oder übel dazusparen, wenn wir im Alter auskömmlich leben wollen. Was Sie zu den Risiken sagen, stimmt. Niemand kann für alle Eventualitäten die Sicherheit garantieren. Aber die Rentenversicherung kann das auch nicht. Wenn die Kinder ausbleiben, die die neuen Beiträge später mal zahlen, kann die Rentenversicherung auch nicht mehr zahlen. Das ist das aktuelle Risiko, vor dem wir derzeit stehen. Nichts für Ungut. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mir ist Ihre ablehnende Haltung gegenüber Mindestlöhnen bekannt, was ich sehr begrüße. Im Zuge meiner Diplomarbeit zum Thema Mindestlohn vs. Mindesteinkommen und die Folgen für den deutschen Mittelstand, bin ich auf eine Studie des Klaus Bartsch Econometrics zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes gestoßen. In diesem Gutachten wird von einem neoklassischen Modell ausgegangen, indem eine sog. Marktstörung nicht durch Marktmacht der Arbeitsanbieter, also den Gewerkschaften, sondern durch die Arbeitsnachfrager, nämlich den Unternehmen, ausgelöst wird. Ferner führt dies zu einem Lohn, der unterhalb des Gleichgewichtslohnes liegt. Gründe hierfür sieht das Institut in den sinkenden Löhnen bei gleichzeitiger Ausdehnung des Arbeitsangebotes. Arbeitnehmer sind gezwungen, ihr Arbeitsangebot solange auszuweiten, bis sie ihre Existenz gesichert haben. Der Mindestlohn soll das Gleichgewicht wiederherstellen. Was halten Sie von dieser These?? Für Ihre Antwort danke ich Ihnen im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Stefan Rohsiepe
Sehr geehrter Herr Rohsiepe, das Monopsonargument ist lange bekannt und Gegenstand der Mikrotheorie. Es stimmt theoretisch, aber nicht empirisch, denn gerade die gering Qualifizierten, um die es geht, haben nicht nur einen Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt werden können. Die spezielle Variante einer steigenden Arbeitsangebotskurve, von der Sie berichten, ist mir unbekannt. Aber sichlich ist dies empirisch nicht relevant. Alle ökonometrischen Untersuchungen zeigen, dass das Arbeitsangebot schwach mit dem Lohn steigt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, mich würde interessieren: Was kostet uns die Mehrwertsteuererhöhung wirklich? Welche positiven Auswirkungen(wenn überhaupt) hat sie und welche negativen Folgen können wir ihr anlasten? Wäre die Inflation auch ohne die Mehrwertsteuererhöhung momentan so hoch? MfG Anna Reiter
Sehr geehrte Frau Reiter, die Mehrwertsteuererhöhung hat zu etwas mehr als einem Prozentpunkt zur Preiserhöhung des Jahres 2007 beigetragen. Die Inflation wird, da das Ganze ja nicht wiederholt wird, dieses Jahr nicht noch einmal angestoßen. Wir rechnen mit 2,3%. Positive Auswirkungen gibt es nur auf das Staatsbudget. Durch die Erhöhung hat es die Regierung geschafft, dass der deutsche Staat im Jarhr 2007 zum ersten Mal seit 1969 (mit Ausnahme des Jahres, in dem die UMTS-Erlöse hinzutraten) keine neuen Schulden gemacht hat. Negativ ist die Mehrwertsteuer für die Anreize, legal zu arbeiten. Die Schwarzarbeit wird noch attraktiver. Außerdem kostet sie die Bürger natürlich Kaufkraft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Fragen zum Thema "Staatsverschuldung" sind bis dahin geklärt, dafür möchte ich mich sehr bei Ihnen bedanken. Ich habe Ihnen vor kurzem eine Mail bezüglich ihrer Meinung zum Thema Klimaschutz im Hinblick auf das Treffen der G8 Staaten in Heiligendamm geschrieben. In dieser Mail bezweifelte ich ihre Ansicht, dass durch die Vereinbarung der G8 Staaten und einiger anderer Länder, ihre CO2 Emissionen zu senken, der Preis von fossilen Brennstoffen, insbesondere Öl, so stark fallen kann, dass dadurch die anderen Länder infolge der Preissenkung in der Lage sind, genau so viel CO2 mehr zu verbrauchen als die G8 Staaten und die anderen in die Vereinbarung involvierten Länder weniger verbrauchen. Als Begründung für meine Überzeugung gab ich an, dass die Gesamtnachfrage nach fossilen Brennstoffen in diesem Fall genauso hoch sein müsste wie vor der Vereinbarung der G8 Staaten, ihren CO2 Verbrauch zu reduzieren. Daraus folgerte ich, dass sich in diesem Fall auch der Preis auf sein ursprüngliches Niveau einpendeln müsste, was wiederum bedeutet, dass die nicht in die Vereinbarung involvierten Länder ihren CO2 Verbrauch gar nicht erst auf dieses Niveau steigern könnten. Darum meine Frage: Ist Ihnen da ein "kleiner Fehler" unterlaufen. Wäre ja nicht schlimm, wir sind ja alle nur Menschen. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, es gibt zwei Effekte auf die Nachfrage. 1. die staatlichen Maßnahmen zur Nachfrageverringerung und 2. den Preis. Falls das Angebot nicht reagiert, ist der Marktpreis umso niedriger, je mehr die staatlichen Maßnahmen wirken. Er ist genauso so viel niedriger, dass der Effekt des Staates kompensiert wird. Schauen Sie sich doch bitte erst einmal meinen Aufsatz zum Klimaschutz an, den ich anhänge. Den logischen Widerspruch, den sie meinen, gibt es nicht. Europa kann die Weltnachfrage nicht bedingungslos drosseln, sondern immer nur die Nachfrage, die sich bei einem gegebenen Weltmarktpreis ergeben hätte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: das angesprochene Working Paper finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/pls/guest/download/Ifo%20Working%20Papers%20(seit%202005)/IfoWorkingPaper-54.pdf
Betreff: Staatsverschuldung Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte Ihnen eine Frage bezüglich der Staatsverschuldung stellen. Ist es überhaupt möglich die Staatsverschuldung nicht nur temporär, sondern dauerhaft zu senken? Ich bezweifle dies aus folgendem Grund: Die Notenbanken drucken Geld und verleihen es gegen Zinsen den Privatbanken, diese verleihen es weiter an Unternehmer, Existenzgründer und an Privathaushalte. Auch die Privatbanken verlangen natürlich Zinsen von Ihren Schuldnern. Würde jetzt kein neues Geld in Umlauf gebracht werden, könnten einzelne Schuldner Ihre Kredite nur zu Lasten dem Bankrot anderer Schuldner zurückzahlen. Also muß neues Geld verliehen werden, was wiederum neue Schulden impliziert. Dieser Kreislauf setzt sich Jahr für Jahr fort. Ist ein Unternehmen bankrott gegangen oder kann ein Privathaushalt seinen Konsumkredit nicht mehr bedienen erhalten sie von den Banken in der Regel keinen neuen Kredit. Nur der Staat ist quasi grenzenlos kreditwürdig. Dadurch werden durch den Staat immer neue Gelder in Umlauf gebracht durch die verhindert wird, dass zu viele Unternehmen und Privathaushalte pleite gehen. Dadurch steigt die Staatsverschuldung natürlich Jahr für Jahr weiter an. Die Staatsverschuldung steigt auch im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt an! Muss der Staat, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, nicht zwangsläufig irgendwann seine Kreditwürdigkeit verlieren und das ganze System bricht dann zusammen? Die konkrete Frage lautet also, muss unserer Wirtschafts- und Geldsystem nicht zwangsläufig irgendwann systembedingt zusammenbrechen? Mit freundlichen Grüßen Noel König
Sehr geehrter Herr Noel, Sie sagen richtig, dass neu gedrucktes Geld von der Notenbank an die Wirtschaft verzinslich verliehen wird. So wächst die Geldmenge mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Warum da irgendetwas zusammenbrechen soll, erkenne ich nicht. Nehmen Sie einmal an, die Wirtschaft wüchse nicht mehr, so dass auch nicht mehr Geld benötigt wird. Dann fließen zwar permanent Zinsen von den Kreditnehmern an den Staat, aber der Staat verausgabt dieses Geld wieder, gibt es also zurück an den privaten Sektor. Sie sagen: "Würde jetzt kein neues Geld in Umlauf gebracht werden, könnten einzelne Schuldner Ihre Kredite nur zu Lasten dem Bankrott anderer Schuldner zurückzahlen." Diesen Satz verstehe ich nicht. Warum sollen die Schuldner nicht in der Lage sein, ihre Kredite ohne Bankrott zurück zu zahlen. Die Schuldner haben das Geld vielleicht produktiv investiert und verdienen damit Erträge, aus denen die Zinsen bedient werden können. Und wenn sie auch tilgen, dann steht das Kapital anderen Verwendungen zur Verfügung. Kurzum: Ich kann Sie hier wirklich beruhigen. Es gibt nicht den geringsten Anlass, bei den von Ihnen beschriebenen Aspekten selbstzerstörerische Kräfte zu befürchten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Folgebeitrag zum Beitrag vom 03.12.2007: Möchte mich bei Herrn Sinn für seine Antwort bedanken. Aber das mit der Neidpräferenz sehe ich nicht so. Im Mittelalter gab es Leibeigene und der Adel hat die Menschen ausgebeutet. Ich glaube nicht, dass die Menschen neidisch auf den Adel waren. Sie waren nur unzufrieden mit ihren Leben und daraus ist dann die Demokratie entstanden. Was dann von unseren Manager wieder als Neid hingestellt wird.A uch im alten Rom haben schon laut Cicero einige Römer gemeint sie wären was Besseres und müssten das Volk ausbeuten. Mit Freundlichen Gruß Peter Hoffmann
Sehr geehrter Herr Hoffmann, wir leben aber nicht mehr im Mittelalter, sondern in der Neuzeit und haben einen umfassenden Sozialstaat. Die Manager, die die extrem hohen Gehälter haben, zahlen auch extrem hohe Steuern. Die Steuern sind wegen der Progression sogar relativ noch höher als die Bruttoeinkommen. Damit werden die Armen finanziert. Heute lebt in Deutschland praktisch niemand unter dem Existenzminimum, denn jeder hat Anrecht auf Hartz IV oder die Sozialhilfe, die das Existenzminimum sichern. Das ist der Unterschied zum Mittelalter. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, in Ihrem Beitrag zur Debatte um Mindestlöhne kommen Sie zu dem Ergebnis, dass die Einführung von Mindestlöhnen (egal ob gesetzlich oder tarifvertraglich begründet) Arbeitsplätze vernichtet. Sie führen an, dass die Möglichkeit für niedrigere Löhne zu Produktionszuwächsen führen und somit zu einer Steigerung des Gesamtvermögens führen würde. Exemplarisch führen Sie die Bauwirtschaft und die Beschäftigungsentwicklung dort seit 1997 an. Aus meiner Sicht sind in dieser Argumentation zwei wesentliche Effekte nicht berücksichtigt: 1. Ein Produktionszuwachs und damit eine Zunahme der Arbeit ist nur in Märkten zu erwarten, in denen ein großer Teil des Bedarfs auf Grund des Preises nicht zu Nachfrage wird. Dort ist bei niedrigeren Löhnen und daraus resultierend niedrigeren Preisen mit einer Nachfragesteigerung zu rechnen. Das gilt offensichtlich nicht für die klassischen Dienstleistungsbranchen, die derzeit in der Diskussion für den Mindestlohn sind. Zumindest mir ist noch nicht die Behauptung untergekommen, mit einem Rückgang des Preises für Briefsendungen würde sich das Aufkommen des innerdeutschen Briefverkehrs drastisch erhöhen. Damit wirkt sich aber eine gegenläufige Entwicklung aus: Unter der Annahme mehrerer Marktteilnehmer mit an sonsten vergleichbaren Kostenstrukturen kann der Marktteilnehmer, der niedrigere Löhne zahlt, einen zusätzlichen Kosten- und damit Preisvorteil realisieren. Auf Grund des unelastischen Marktvolumens sind die übrigen Marktteilnehmer gezwungen, die Preisreduzierung und die damit verbundene Kostenverringerung nachzuvolziehen. Dazu bleiben zwei Möglichkeiten: Bei gleichbleibenden (höheren) Löhnen die Zahl der Arbeitskräfte zu verringern oder ebenfalls die Löhne zu senken. Am Ende der Entwicklung stehen entweder weniger Arbeitsplätze oder ein niedrigeres Lohnniveau, ohne dass neue Arbeitsplätze entstehen würden. Damit wäre aber dem Staat sowohl auf der Einnahmeseite (niedrigere Steuergrundlage bei der Einkommenssteuer) als auch auf der Ausgabenseite (kein Rückgang der Arbeitslosigkeit und zusätzlicher Bedarf für Transferzahlungen) geschadet. 2. Im Beispiel der Bauwirtschaft lässt sich nur spekulieren, wie die Entwicklung bei niedrigerem Lohnniveau ausgesehen hätte. Da Deutschland kein abgeschotteter Markt ist, führt selbst eine Zunahme der Nachfrage und damit eine Zunahme von Arbeitsplätzen nicht zwangsläufig zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit. Musterbeispiel ist hier die Landwirtschaft, die einen hohen Bedarf an niedrig qualifizierten und niedrig bezahlten Arbeitskräften z.B. bei der Erntehilfe hat. Diese unzweifelhaft vorhandenen Arbeitsplätze werden von Arbeitskräften aus dem Ausland ausgefüllt, da sich nur wenige Inländer bereitfinden, für den damit verbundenen Lohn zu arbeiten. Damit wird die inländische Arbeitslosigkeit nicht verringert. Der Verdacht liegt nahe, dass in der Bauwirtschaft im Bereich der niedrig qualifizierten Tätigkeiten ein ähnliches Bild entstanden wäre, wenn die Löhne auf einem nicht existenzsichernden Niveau liegen würden. Sollte im Angesicht dieser Fakten nicht jede Branche anhand der spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Marktes beurteilt werden, anstatt pauschal in die eine oder andere Richtung zu entscheiden? Mit freundlichen Grüßen Langschmidt
Sehr geehrter Herr Langschmidt, vielen Dank für Ihr Mail, das ich gerne beantworte. 1. Dass im Bau Arbeitsplätze verloren gingen, als die Allgemeinverbindlichkeit eingeführt wurde, ist in der Studie von König und Möller, die ich zitiere, nachgewiesen worden. Insofern braucht man nicht zu theoretisieren. Aber wir können das gerne tun. Niedrigere Löhne machen niedrigere Preise, und niedrigere Preise machen stets mehr Nachfrge. Warum nun gerade Briefe eine Ausnahme sein sollen, ist mir schleierhaft. Man kann doch Nachrichten auf vielerlei Weise übermitteln. Welchen Weg man wählt hängt unter anderem von den Kosten ab. Davon abgesehen, führen niedrigere Löhne auch deshalb zu mehr Beschäftigung, weil die Firmen weniger Maschinen und Roboter zum Ersatz von Menschen einsetzten. Gerade bei der Post gibt es erhebliche Rationalisierungsmöglichkeiten, die durch hohe Löhne aktiviert werden. Dass der Staat bei einer Lohnsenkung den Kürzeren zieht, kann man schwerlich unterstellen, denn im gleichen Umfang wie die Löhne fallen, steigen die Gewinne. Da die Gewinne in der Regel einer höheren prozentualen Steuerlast unterliegen als die Löhne, wächst das Steueraufkommen durch die Lohnsenkung. 2. Bei fallenden Löhnen sinkt der Immigrationsanreiz. Insofern ist klar, dass die zusätzlichen Stellen, die durch Lohnsenkungen geschaffen werden, den Inländern zugute kommen. Ich hoffe, diese Antworten waren Ihnen nützlich. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag Hr. Professor Sinn, im Rahmen meines betriebswirtschaftlichen Studiums höre ich im aktuellen Semester die Vorlesung Solzialpolitik. Gehalten wird diese von einem Volkswirt, der zugleich Parteimitglied bei den Grünen ist und demnach sehr stark für das Modell des "bedingunslosen Grundeinkommens" plädiert und auch der Idee des "solidarische Bürgergeldes" (D. Althaus) positives abgewinnen kann. Meine Frage ist nun, welche realen Implikationen diese Modelle für den Arbeitsmarkt tatsächlich, ihrer Einschätzung nach, haben. Positiv wäre aus meiner Sicht, die radikale Veränderung, mitgleich Vereinfachung des deutschen Steuersystems. Sicher kann man auch sagen, dass nun der heute noch hervorgebrachte implizite Mindestlohn durch den Sozialstaat dann ja nicht mehr vorhanden wäre, dahingehend, dass bei Eingehen eines Arbeitsverhältnisses der Transfer ja nicht entzogen wird. Es würde also den Reservationslohn nicht künstlich erhöhen, oder? Meine Befürchtung, diese Idee, so schön sie kingt, löst nicht unser Problem der Massenarbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten, oder? Was glauben Sie, welche Effekte das für gerade diese Gruppe von potentiellen Arbeitskräften hat? Und, da beide Systeme ja über die Mehrwertsteuer finanziert würden, welche Implikationen ergäben sich für den Außenhandel? Ist eine reine Konsumbesteuerung sinnvoll?Vielen Dank und freundliche Grüße aus Frankfurt
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank für die Anfrage. Das Grundeinkommen ist prinzipiell ok, wenn Sie den Begriff sehr weit verstehen. Alle Vorstellungen zum Niedriglohnsektor arbeiten mit einem Grundeinkommen. Auch Hartz IV übrigens. Die eigentliche Frage ist, wie hoch es sein soll und wie der Transfer bei wachsendem Einkommen in den Steuertarif überführt werden soll, was je nötig ist, wenn das Staatsbudget ausgeglichen bleiben soll. Was in der politischen Diskussion mit dem Vorschlag des Grundeinkommens gemeint ist, geht von einer engeren Definition aus. Man denkt an ein sehr hohes Grundeinkommen von beispielsweise 800 Euro für jeden. Ein solches Grundeinkommen kostet 800 Mrd. Euro, was in die Nähe des gesamten Staatsbudgets kommt, das bei 1100 Mrd. Euro liegt. Schon hieran erkennen Sie, wie absurd der Vorschlag ist. Wollte man das durch eine Mehrwertsteuererhöhung bezahlen, wie manchmal vorgeschlagen wird, so bräuchte man ca. weitere 100 Prozent. Dh. der Mehrwertsteuersatz wäre nicht etwa 20 Prozent wie heute, sondern 120 Prozent. Das ist weder mit EU-Recht noch Common Sense kompatibel. Die ganze Schwierigkeit bei der Gestaltung der Anreizstrukturen im Niedriglohnsektor liegt im Feintuning. Man muss sehr viele komplizierte und iterative Rechnungen machen, um zu einem belastbaren Vorschlag zu gelangen. ifo hat das gemacht. Wir schlagen deshalb eine Modifikation des ALG II vor: Die Hinzuverdienstgrenze wird von 100 auf 500 Euro erhöht, der Regelsatz bei Nichtarbeit wird um ein Drittel gekürzt und für den Notfall steht der heutige Regelsatz ungekürzt zur Verfügung, wenn man dafür einen Vollzeitjob beim Staat ausübt. Der Staat darf die Arbeitsleistung unter Verwendung von Zeitarbeitsfirmen an die private Wirtschaft verleihen. Dieses System ist in der Lage, die implizite Lohnuntergrenze im jetzigen System um mehr als ein Drittel zu senken, sorgt also für die nötige Flexibilität. Ein Drittel Lohnsenkung im Niedriglohnbereich ist nach unserer Rechnung hinreichend, die Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten zu beseitigen. Stärker bräuchte und würde der Lohn nicht fallen. Der Sachverständigenrat hat den ifo-Vorschlag im Kern übernommen. Er hat im letzten Jahresgutachten die Vorschläge zur Grundeinkommenssicherung auf Korn genommen und für absurd erklärt. Auch ein ifo-Schnelldienst vom letzten Frühjahr beschäftigt sich damit und vergleicht die Grundeinkommensvorschläge mit den anderen Vorschlägen. (Anmerkung des Moderators: Link zum Artikel aus Schnelldienst 19/2007: http://www.cesifo-group.de/link/ifosd_2007_19_3.pdf) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich würde gerne wissen wie hoch sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass die Weltwirtschaft nächstes Jahr in eine Rezession rutscht. Die Zeitungsartikel gehn da sehr weit auseinander. Bis jetzt war ich der Meinung, dass sich die Finanzkrise zwar durchaus auf die Weltwirtschaft auswirkt, sich aber die Folgen einigermaßen in Grenzen halten und man immer noch von einem geringem Wachstum ausgehn kann. Da die Weltwirtschaft nicht mehr so stark von den Vorgaben aus den USA abhängt, da China, Indien und Russland die Nachfrage auf dem Weltmarkt vorantreiben. Die Dollarschwäche und der steigende Ölpreis drücken natürlich auch stark auf die Weltwirtschaft. Sind sie also auch eher der Meinung dass diese drei Faktoren zu einer Rezession führen oder dass die Wirtschaft diese Schocks verdaun kann und weiter wächst?
Sehr geehrter Herr Funke, nach meiner Einschätzung ist die Krise gravierend, und zwar nicht nur wegen der Banken, sondern vor allem wegen der Rückwirkungen des Hauspreisverfalls auf den amerikanischen Konsum. Die Wahrscheinlichkeit einer amerikanischen Rezession in den nächsten z w e i Jahren schätze ich als 50:50 ein. Wenn es so käme, würde auch Deutschland nicht ungeschoren bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sagten, daß ein Lokführerstreik mit höheren Löhnen für die Lokführer keinesfalls toleriert werden kann - wer hat hier was zu tolerieren und wer ist im Besitz der absoluten Wahrheit? Ich wünsche Ihnen einen, wenn nötig, monatelangen Bahnstreik mit Blockade der Wirtschaft - so daß nichts mehr läuft - dann werden Sie sehen, wer in diesem Land was zu tolerieren hat. Wir haben sowieso ein Demokratiedefizit und langsam diese Wirtschaftsform satt, in der sich einige bereichern auf Kosten aller (ich meine hier nicht die Lokführer!), von Korruption und Inkompetenz auf Seiten des Managements, der gleichgeschalteten Medien und abhängigen Wirtschaftsweisen. Mit freundlichem Gruß Gerd Breternitz
Sehr geehrter Herr Breternitz, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich habe mein Urteil aus der Sicht der Volkswirtschaftslehre abgegeben. Man kann zeigen, dass Berufsstandsgewerkschaften, wenn sie einzeln verhandeln, im Endeffekt ein so hohes Lohnniveau für die Branche herausholen, dass die Branche als solche teilzerstört wird, was den Beschäftigten selbst trotz der hohen Löhne für eine Restmenge an Beschäftigten per saldo Nachteile bringt. Was toleriert werden kann und was nicht, entscheidet ein Volkswirt nicht nach freiem Gustus, sondern er leitet es aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen her, die im Fach erarbeitet wurden. Sicher, man braucht auch Werturteile, aber es sind sehr schwache Urteile, solche, von denen man annehmen kann, dass sie vom weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung geteilt werden. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass die Werturteile sogar von der weitaus überwiegenden Zahl der Bahnbeschäftigten selbst geteilt werden. Trotz ganz schwacher Werturteile kommen aber zumeist klare, politische Empfehlungen heraus, weil die volkswirtschaftliche Erkenntnis sich vorrangig darauf konzentriert, wie die Spielregeln für die Interaktion der Menschen das Gesamtergebnis beeinflussen. Ich weiß, dass dieses Denkmuster von Nichtökonomen häufig nicht verstanden wird. Sie vermuten starke Werturteile hinter den politischen Aussagen. Aber solche Werturteile brauchen wir nicht. Ein praktisches Beispiel für Spielregeln, die eindeutig ineffizient sind, ist der Kommunismus. Dort ging es bekanntlich selbst der Arbeiterschicht schlechter als in der Marktwirtschaft. Das Werturteil, das man braucht, um festzustellen, dass die Spielregeln schlecht waren, ist so schwach, dass man in der Tat annehmen kann, dass es von der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung geteilt wird. Es lautet ja einfach nur, dass ein System dann besser als ein anderes ist, wenn selbst am unteren Ende der Einkommensverteilung mehr Wohlstand entsteht. Abhängig sind wir übrigens nicht. Die Wirtschaftsweisen aus dem Sachverständigenrat werden vom Bund bezahlt, und das ifo Institut, für das ich spreche, ist eine von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte gemeinnützige Einrichtung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Sie haben geschrieben, dass der Konjunkturzyklus von den Investitionen abhängt und diese wiederum vom Ersatzzyklus der Investitionen getrieben werden. Mir stellt sich jetzt die Frage, was denn wohl diesen Ersatzzyklus antreibt? Die Laufzeit der Maschinen kann es nicht sein, weil die Firmen sie ja nicht zum gleichen Zeitpunkt beschafft haben. Investitionen hängen meiner Meinung nach vom erwarteten Gewinn ab, also der Differenz zwischen Anschaffungskosten + Kreditzinsen und dem Erlös (bzw. der Nachfrage). Da es am Anfang des Konjunkturzyklus viele Arbeitslose gibt, würde ich eine maßgebliche Rolle der Zinsen vermuten. Liege ich damit richtig? Mit freundlichen Grüßen Frank Reibold frank@reibold-online.de
Sehr geehrter Herr Reibold, Sie liegen damit völlig richtig. Je höher die Zinsen, desto kleiner die Investitionen, die sich lohnen. Allerdings sind die meisten Investitionen in der Tat Ersatzinvestitionen, und man ersetzt nicht, bevor es nötig ist. Wann man genau ersetzt, hängt sicherlich von den Zinsen ab. Der Ersatzzyklus macht aus einmaligen Störungen im Investitionsverhalten, die viele Ursachen haben können, eine Wellenbewegung. Eine Wellenbewegung wird darüber hinaus durch das Akzelerationsprinzip erzeugt, nach dem Investitionen von der erwarteten Nachfrage abhängig sind, die selbst wiederum zum Teil aus Investitionsgüternachfrage besteht. Das hat kein geringerer als der Nobelpreisträger Paul Samuelson untersucht. All diese Erklärungen rivalisieren nicht, sondern wirken gleichzeitig in unterschiedlicher Stärke. Fest steht aber, dass die Investitionen mehr schwanken als der Rest der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dass hieraus das Konjunkturphänomen resultiert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe mit Interesse den Beitrag in der FAZ vom 12.10.2007 über Ihre Ausführungen im Verein für Socialpolitk gelesen. Ihrer Analyse stimme ich vollständig zu. Die im Artikel geschilderten Ansätze zur Verlangsamung des Klimawandels halte ich jedoch für wenig konsequent. Gerade eine ökonomisch begründete Lösung des Problems muss doch bei den Interessen der Potentaten ansetzen. Deshalb schlage ich vor, dass ein international gespeister Umweltfonds diese Potentaten dafür bezahlt/belohnt, dass sie die Fördermengen für Erdöl senken. Das mag zwar politisch nicht sehr populär sein, umweltpolitisch dürfte eine solche Massnahme allerdings wirken. Diese Idee lässt sich wie Sie erkennen modellhaft konkretisieren und durchrechnen. Machen Sie doch mal eine Diplomarbeit daraus. Ich wäre auf die Ergebnisse gespannt. (Ich schreibe nicht im Auftrag einer Satirezeitschrift, sondern denke in den selben Kategorien wie Sie) -- Mit freundlichen Grüßen Ekkehard Lauritzen
Sehr geehrter Herr Lauritzen, vielen Dank für den Hinweis. Ich habe Ihre Lösung in dem angehängten Beitrag "Public Policies Against Global Warming" und auch bei meiner Thünen-Vorlesung, von der die FAZ berichtet, diskutiert. Sie funktioniert ökonomisch. Ich bezweifle nur, dass sich die Verbraucherländer dazu bereit finden werden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine Frage im Kontext Mindestlohn/Aktivierende Sozialhilfe: Arbeitgeber stellen Arbeitnehmer gegenwärtig regelmäßig zu außerordentlich niedrigen Löhnen ein mit dem Argument, sich den Rest des zum Leben Notwendigen doch vom Sozialamt zu holen. Birgt diese übliche Praxis der Abgeltungsabwälzung des Differenzbetrages auf den Staat im Extremfall nicht die Gefahr, daß dieser auf Dauer überlastet wird, während jene aufgrund der Beschäftigung Geringqualifizierter in solchen Jobs nur vergleichsweise schwache Produktivitätszuwächse erzielen, oder wird dieses Phänomen eine Eigendynamik entwickeln, die zur Basis höheren Produktivitätspotentials werden kann? Ist ein gesetzlicher Mindestlohn, der immer noch weit unter der Produktivitätskompensation für von Geringqualifizierten geleisteter Arbeit liegt, nicht doch ein vorstellbarer Beitrag zur Entlastung (und damit Exklusion) des Staates?
Sehr geehrter Herr Schmidt, vielen Dank für Ihren Brief. Der sogenannte Mitnahme-Effekt, auf den Sie sich implizit beziehen, wird immer wieder als Gegenargument gegen eine Bezuschussung der Löhne angeführt. Den Mitnahmeeffekt gibt es natürlich, aber er taugt nicht als Gegenargument, weil er ja im Zentrum des erhofften Wirkungsmechanismus steht. Selbstverständlich werden die Löhne nach einer Bezuschussung sinken, aber genau deswegen wird es mehr Stellen geben! Zu niedrigeren Löhnen wird ein größerer Teil der auf dem Reißbrett potenziell vorhandenen Stellen in die Realität überführt. Man kann nicht das, was die gewünschten Ergebnisse hervorbringt, als Gegenargument zitieren. Bedenken Sie im übrigen, dass der Effekt die Löhne nicht ins Bodenlose senken kann. Eben weil mehr Stellen rentabel werden, steigt die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften, und wenn die Arbeitskräfte so knapp geworden sind, dass es schwer ist, neue zu finden, werden sich die Unternehmen gegenseitig bei der Suche nach ihnen überbieten. Der Lohn kann also nur so weit fallen, bis die Arbeitslosigkeit beseitigt ist, und genau das will man erreichen. Eine Belastung des Staates gibt es insofern nicht, als das heutige System, bei dem der Staat die Arbeitslosen zu hundert Prozent finanziert, durch ein anderes ersetzt wird, bei dem der Staat die Geringverdiener nur bezuschusst. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in einem auch in der FAZ zitierten Interview hatten Sie sich gegen die Veröffentlichung von Managergehältern ausgesprochen, weil dies nur Neid schüre, diese äußerst mobilen Menschen vertreibe und dann angeblich weniger Wirtschaftswachstum entstehe, weil dies zu gleichmacherischen Gesellschaft führe, in der sich Leistung nicht mehr lohne. Warum sollen aber nicht zumindest die Aktionäre, die ja Eigentümer des Unternehmens sind, erfahren und auch darüber entscheiden dürfen (und zwar m. E. auch für jedes einzelne Vorstandsmitglied), was ihre gesetzlichen Vertreter verdienen sollen. Der Gutsherr muss doch wissen und auch darüber entscheiden dürfen, was sein Gutsverwalter verdient! Warum soll daran gleich die Wirtschaft zugrunde gehen? Solche Veröffentlichungspflichten gibt es auch in den USA, die Sie ja als neoklassicher Ökonom sonst so loben. Im übrigen unterschätzen sie m. E. den Wertschöpfungsbeitrag, den die Arbeitnehmer in einem Unternehmen leisten, dass Wohl und Wehe eines Unternehmens hängt doch nicht ausschließlich vom Vorstand ab. Auch deswegen halte ich Ihre Befürchtung des Abdriftens in den Sozialismus bei einer Veröffentlichungspflicht von Managergehältern für ziemlich überzogen. Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Reinhart PS: Im übrigen finde ich es sehr gut, dass Sie sich nicht im Elfenbeinturm verkriechen, sondern sich auch den Fragen von Laien stellen und sich in den öffentliche Diskussion einbringen. Dass tun manche Professoren m. E. viel zu wenig.
Sehr geehrter Herr Reinhart, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es stimmt: die Aktionäre müssen das Recht haben, über die Veröffentlichung zu entscheiden. Das hatten sie aber schon immer. Wogegen ich mich wende ist, dass der Staat den Aktionären die Entscheidung aus der Hand nimmt und die Veröffentlichung vorschreibt. Es könnte ja sein, dass die Aktionäre nicht möchten, dass veröffentlicht wird, weil sie den Missbrauch durch Unbefugte fürchten. Wähler wollen ja auch nicht, dass sämtliche Facetten der Staatsfinanzen veröffentlicht werden. Wieviel Geld die Finanzämter von wem bekommen, wird nicht veröffentlicht, auch nicht was die Geheimdienste und das Militär im Einzelnen erhalten etc. Also: Ich bin strikt dafür, dass die Aktionäre selbst mehrheitlich entscheiden, wie zu verfahren ist. Es geht bei der Diskussion ja auch nicht um die Aktionäre, sondern um das Informationsinteresse der Öffentlichkeit und der Arbeitnehmer, das aus meiner Sicht allzu häufig neidgetrieben ist. Ich halte dieses Interesse für nachrangig. Wieviel die Aktionäre den einzelnen Angestellten bezahlen, müssen diese Aktionäre bzw. ihre gewählten Vertreter selbst entscheiden. Die Angestellten haben untereinander kein Informationsrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Hr. Prof. Sinn, ich habe die große Befürchtung, dass es der Politik bis zur nächsten Bundestagswahl gelingt, die Menschen so stark zu verunsichern, dass die Befürworter des Mindestlohns den Großteil der Wählerstimmen auf sich ziehen. Ich kenne die beiden rivalisierenden Positionen von Politik und Wissenschaft, warum gelingt es nicht, den Menschen klar zu machen, wie die Lohnfindung tatsächlich abläuft und dass es in unseren marktwirtschaftlichen Systemen klare Regeln gibt, die man nicht verhindern kann. Warum sind mit diesem Gerechtigkeits-Gerede mehr Stimmen zu gewinnen als mit der Wahrheit? Als ich gerade Kurt Beck in der ersten Sendung von Anne Will habe reden hören, habe ich schon wieder zu viel bekommen. Dennoch hat er den größten Beifall erhalten. Wieso glauben die Menschen in unserem Land daran, dass Unternehmen vorgeschriebene Löhne tatsächlich bezahlen, dass ist doch geradezu naiv. Warum kann die Politik nicht endlich mal Tacheles reden und die wirklichen Folgen eines Lohndiktats erklären? Primär geht es wohl doch nur um Wahlsiege, das Wohle des Volkes ist nur sekundär. Das ist erschreckend. MfG Michael Müller
Sehr geehrter Herr Müller, Sie haben mit Ihrer Einschätzung völlig recht. Wunsch und Wirklichkeit fielen bei den Deutschen schon häufig auseinander. Beim Mindestlohn ist es wieder mal so. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Hr. Prof. Sinn, ihren Worten nach ist der private Konsum für das Wirtschaftswachstum eines Landes nicht zwingend notwendig. Sie sagen, wenn ein Land langfristig einen größeren Teil seines Sozialproduktes investiert statt konsumiert, wächst es schneller. Wenn ich es richtig verstanden habe, erzeugt der Konsum lediglich die konjunkturellen Schwankungen innerhalb gegebener Produktionskapazitäten der Unternehmen, bis zur Kapazitätsobergrenze. Demnach findet das regelmäßige Auf und Ab der Konjunktur nur innerhalb bereits vorhandener Produktionskapazitäten statt und erst wenn die Grenze erreicht ist, wird tatsächlich Wachstum generiert, richtig? Und dieses Wachstum entsteht nur, wenn die Unternehmen ihr Kapital in neue Maschinen und Produktionsstätten investieren, was zu neuen Arbeitsplätzen führt und zu einer tatsächlichen Erhöhung des Sozialproduktes? Es fällt mir schwer, diesen Sachverhalt meinen Kommilitonen verständlich zu machen, viele meinen, würde der Konsum soweit steigen, dass die Produktionsgrenze überschritten wird, würde dies ebenfalls zu neuen Arbeitsplätzen führen und Wachstum erzeugen. Wie kann ich das wiederlegen? Vielen Dank Michael Müller
Sehr geehrter Herr Eschborn, die Antwort ist einfach. Wenn die Konsumnachfrage über die Kapazitätsgrenzen hinaus ausgehnt wird, kann sie definitionsgemäß nur durch eine Kapazitätserweiterung bedient werden. Eine Kapaziätserweiterung kann aber nur durch eine Investition stattfinden. Das verlangt entweder, dass weniger im Ausland investiert wird oder dass der Konsum fällt. Definitionsgemäß ist die Ersparnis einer Volkswirtschaft die Differenz zwischen Produktion und Konsum. Die Ersparnis kann für inländische oder ausländische Investitionen verwendet werden. Da die Produktion nicht mehr ohne Invesititonen gesteigert werden kann, wenn man an der Kapaziätsgrenze ist, folgt zwingend, was ich gesagt habe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, im ifo Schnelldienst 4/2007 Seite 51 ab Zeile 2 beschreiben Sie, dass die Löhne der existierende Jobs zwar auch durch die von Ihnen vorgeschlagene aktivierende SH unter Druck geraten werden, aber durch die negative Einkommenssteuer abgefangen werden sollen. Haben wir dann nicht das Ergebnis, dass der Staat durch den Lohndruck in den angerenzenden (durch aktivierende SH) geförderten Lohngruppen sinken wird und der Ausgleich von Vater Staat entrichten werden müßte? Somit ergibt sich für mich eine zusätzliche Belastung der Staatskasse, was ja vermieden werden soll. Für Ihre Meinung dazu bin ich sehr dankbar und verbeleibe mit freundlichen Grüßen.
Sehr geehrter Herr Berthold, In unseren Berechnungen ist bereits die Lohnsenkung der angrenzenden Lohngruppen und die p a r t i e l l e Kompensation durch die aktivierende Sozialhilfe eingerechnet worden. Dennoch kommen wir zu einer Entlastung des Staatsbudgets. Unser Vorschlag ist so geartet, dass am unteren Rand der Einkommesverteilung das heutige Hartz-IV Einkommen gesichert ist, wenn man mindestens halbtags in der Privatwirtschaft oder ganztags bei der Kommune arbeitet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei höheren Löhnen netto Verluste entstehen, weil die Lohnskala ins Rutschen kommt, was die Voraussetzung für die Rückkehr zur Vollbeschäftigung ist. Die nicht kompensierten Verluste werden aber gering sein, weil sie großenteils ausgeglichen werden durch Preissenkungen bei den Dienstleistungen und anderen lokalen Gütern, deren Preise unmittelbar vom Lohn abhängen. Die fiskalische Rechnung ist doch im Grundsatz diese: Heute bezahlt der Staat Millionen von Menschen zu hundert Prozent, während sie nicht arbeiten. Wir wollen Millionen von Menschen dauerhaft bezuschussen, während sie arbeiten, so dass sie in der Summe aus Ihrem Lohn und dem Zuschuss das soziale Existenzminimum wieder errreichen. Das es nur ein Zuschuss ist, könnte die Sache billiger werden. Da den Zuschuss nicht nur die neu Beschäftigten kriegen, sondern auch die Altsassen, deren Löhne unter Druck kommen, könnte es teurer werden. Welcher Effekt überwiegt, ist ein Rechenexempel, dessen Ergebnis u. a. von der Frage abhängt, wieviel Lohnsenkung stattfindet und vom Staat ausgeglichen werden muss, wenn die Arbeitslosigkeit verschwinden soll. Wir haben die Rechnung gemacht. Ausführliche Darstellungen finden Sie im Gutachten zur aktivierenden Sozialhilfe aus dem Jahre 2002 sowie auch in der neuen englischen Fassung, die letztes Jahr bei Edward Elgar veröffentlicht wurde. Hinweise finden Sie auf der CESifo Homepage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, wie stehen Sie zu einem Grundeinkommen? Der IFO-Vorschlag zu aktivierenden Sozialhilfe sieht eine Kürzung des Arbeitslosengeldes bei Ablehnung einer kommunalen Tätigkeit vor. D.h. aber doch auch, dass der Rest (ca. 300 Euro) bedingungslos ausgezahlt wird, oder nicht? Dazu wird bis zu einem gewissen Einkommen die Sozialversicherung übernommen. Für Niedrigverdiener ist das eine beträchtliche Subvention. Wenn man eh schon so weit geht, wäre dann nicht ein karges Grundeinkommen in der Straubhaar-Variante von 400 Euro (+ 200 Euro Kopfpauschale für die Kranken- und Pflegeversicherung) der elegantere Weg aus der Misere? Man kann sich so die Organisation kommunaler Tätigkeit sparen und weite Teile der Sozialbürokratie abbauen. Der aktivierende Effekt sowie die Förderung eines Niedriglohnsektors erreicht man auch durch ein karges Grundeinkommen. Was spricht dagegen?
Sehr geehrter Herr Frey, Alle Vorschläge zum Niedriglohnsektor haben ein Grundeinkommen. Auch das AlG II beinhaltet bereits ein Grundeinkommen. Freilich wird das Grundeinkommen entzogen, wenn man arbeitet. Dadurch entstehen hohe Lohnansprüche, die die Jobs vernichten. Um den Arbeitsmarkt zu beleben, und niedrigere Löhne zu ermöglichen, ohne dass die Leute weniger Einkommen haben, muss man den Transferentzug verringern. Das kostet staatliches Geld. Wenn er dieses Geld nicht durch weitere Steuererhöhungen aufbringen will, muss er das bereits vorhandene Grundeinkommen senken. Praktisch alle Vorschläge mit dem Namen Grundeinkommen wollen es aber erhöhen. Es ist von 800 Euro pro Kopf die Rede. Ein solches Grundeinkommen zu zahlen und dann bei Arbeitsaufnahme nicht zu entziehen ist extrem teuer. In der Summe kommt man für alle Deutschen auf 800 Mrd. Euro, was einen Mehrwertsteuersatz von mehr als 100 Prozent bedeutet. Gut, man kann anderes streichen, aber was denn? Das wird schwierig. Die Crux mit den Grundeinkommensvorschlägen ist, dass sie nicht auf einer seriösen Belastungsrechnung basieren. Ifo hat solche Rechnungen gemacht und kommt zu dem Schluss, dass man im Vergleich zur heutigen Situation um ein Drittel beim Grundeinkommen runter muss, wenn man den Transferenzug hinreichend weit verringern möchte, um die notwendige Lohnflexibilität zu erzeugen. Wer rauf statt runter will, geht in die falsche Richtung. Das ist das Problem. Straubhaar will wohl als einziger, der das Grundeinkommen im engeren Sinne vertritt, nicht rauf, sondern runter. Wenn er nur 600 Euro einschließlich Krankenverischerung zahlen will, dann ist das weniger als heute. Heute gibt es mit dem Wohngeld für den Single im Normalfall 640 Euro. Die freie Krankenversicherung ist nochmal 200 Euro wert, macht 840 Euro in der Summe. Straubhaar könnte evtl. funktionieren. Allerdings ist bei ihm der Transferentzug ja vermutlich gleich Null. Nach unseren Rechnungen wird es dann immer noch extrem teuer für den Staat. Wenn er den Staat nicht mehr belasten will, muss er entweder noch weiter runter oder den Transferentzug nicht bis auf Null absenken. Übrigens gibt es vom Frühjahr dieses Jahres ein Sonderheft des ifo-Schnelldienstes, in dem die alternativen Vorschläge zum Niedriglohnsektor verglichen werden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe noch gar keine Stellungnahme von Ihnen zu dem IG-Metall-Abschluß im Südwesten gelesen. Halten Sie ihn für "verkraftbar"? Wird er negative Auswirkungen auf den weiteren Aufbau von Arbeitsplätzen haben? Ich persönlich bin immer etwas hin- und hergerissen zwischen dem mich freuen für die Arbeitnehmer und den Bedenken, dass Erhöhungen der Arbeitskosten immer Verlust/geringeren Aufbau von Arbeitsplätzen bedeutet. Und noch haben eben nicht alle Arbeit. Mit freundlichem Gruß, Wolf Winkler
Sehr geehrter Herr Winkler, 4,1 % ist zwei Prozent zu viel nach unseren Rechnungen, wenn man einen beschäftigungsneutralen Abschluss als Maßstab nimmt. Die Summe aus Inflation der Nettopreise nach MWSt und Produktivitätszuwachs liegt nur bei etwas über 2%. Ich weiß aber nicht, ob man eine beschäftigungsneutrale Lohnpolitik rechtfertigen kann, wenn es eine Massenarbeitslosigkeit gibt. Man muss eigentlich unter dieser Marke bleiben, wenn man jenseits des Konjunkturaufschwungs einen Beitrag zur Vollbeschäftigung leisten möchte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, was halten Sie von einem bedingungslosen Grundeinkommen? Der IFO-Vorschlag zur aktivierenden Sozialhilfe sieht eine Kürzung des Arbeitslosengeldes vor, wenn kommunale Arbeit abgelehnt wird. D.h. aber doch auch, dass der Rest bedingungslos ausgezahlt wird? Richtig? Sagen wir, es werden 300 Euro bedingungslos ausgezahlt, dazu kommen auch beim IFO-Vorschlag bis zu einer bestimmten Grenze die Sozialversicherungsbeiträge. Zusammen ist das doch dicht an dem spartanischem Grundeinkommen wie es von Ihrem Kollegen Straubhaar durchgerechnet wurde. Straubhaars Grundeinkommen von 400 Euro plus 200 Euro Kopfpauschale für die Kranken-und Pflegeversicherung hat zudem den Vorteil große Teile der Staatsbürokratie loszuwerden sowie die Lohnnebenkosten abzuschaffen und etwas für die Familien zu tun. Kommunale Arbeitsbeschaffung könnte man sich dann sparen. Ist das nicht eleganter als der IFO-Vorschlag?
Sehr geehrter Herr Sinn, wir machen demnächst eine Diskussionsrunde zum Thema "Should German wages be increased?" Wir vertreten Sie und müssen mit ihren Argumenten gegen eine Lohnerhöhung sprechen. Wir bitte Sie um Hilfe, uns einige ihrer Argumente nahezulegen. Mit freundlichen Grüßen Luise
Sehr geehrte Frau Schmitt, ich darf Sie hier auf mein Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" verweisen, das die wichtigsten Argumente bringt. Wichtig ist, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn die Löhne langsamer als die Produktivität steigen - weil weniger Roboter an die Stelle von Menschen gesetzt werden - weil die arbeitsintensiven Sektoren nicht so schnell kaputt gehen - weil mehr investiert wird (denn die Gewinnmargen werden größer, und mehr Projekte rutschen über die Rentabilitätsschwelle) - weil die lokalen Dienstleistungen dann relativ billig bleiben, was die Nachfrage nach ihnen erhöht (heimischer Tourismus statt Auslandstourismus) - und natürlich weil das Standardargument, die Kaufkraft sei dann niedriger, nicht stimmt. (Die Kaufkraft ist unabhängig von der Lohnhöhe. Die Löhne entscheiden nur darüber, wer sie hat, der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber.) Ich hoffe, das reicht auf die Schnelle. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Ifo Standpunkt Nr.82 "Konsum schadet der Wirtschaft".Ich habe meinen Bäcker mitgeteilt,dass ich nichts mehr bei im kaufen kann, da Konsum der Wirtschaft schadet. Daraufhin hat er seine Angestellten entlassen und sein Geschäft geschlossen. Ich hoffe, ich habe ganz in Ihrem Sinn gehandelt. Mit freundlichen Grüßen Klaus Wex
Sehr geehrter Herr Wex, wenn Sie statt dessen ein Haus gebaut, den Sohn des Bäckers zum Bauunternehmer und den Sohn des Angestellten zum Maurer gemacht haben, dann schon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Professor, zu Ihrem Standpunkt Nr.82 möchte ich mal nachfragen, wieso in dem noch stärksten Wirtschaftsraum (USA) der Konsumklimaindex so wichtig ist, vor allem da doch diese Wirtschaftsmacht gerade aus dem unermesslichen Konsum resultiert.
Sehr geehrter Herr Stüdeman, ich verstehe Ihre Frage schon. Der Konsum ist in den USA und in Deutschland wichtig für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Aber in beiden Ländern gilt natürlich auch, dass die Investitionen ebenso wichtig für die Nachfrage sind. Die Investitionen sind hüben wie drüben die Cycle Makers. Sie schwanken sehr stark, weil die Investoren je nach Erwartung anders entscheiden. Investitionen sind im Vergleich zum Konsum die bessere Nachfrage, weil sie zudem noch die Produktionskapazität erhöhen und Jobs schaffen. Das heißt nicht, dass der Konsum unwichtig ist für die Nachfrage. Wenn er additiv zu den Investitionen hinzutritt, weil auf den neuen Stellen mehr verdient wird, belebt sich die Konjunktur. Wenn der Konsum durch Lohnerhöhungen erzeugt wird, ist das hingegen nicht zu erwarten, weil dann die Investititonsgüternachfrage fällt. Ich hoffe, das hat Ihre Frage beantwortet. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine sehr individuelle Frage. Mein Bruder (40, Nürnberg, unabgeschlossene Ausbildung als KfZ Mechaniker), ist gering qualifiziert und seit mehreren Jahren ohne längerfrisitige Beschäftigung. Sollte ich ihm raten, sich bei kleineren Unternehmen initiativ mit dem Angebot, für den gleichen Lohn 20% mehr zu arbeiten, zu bewerben? Würde das seine Chance auf eine Anstellung realistisch verbessern? Es würde mich freuen, wenn Sie auch auf eine so spezielle Frage kurz eingehen könnten. Mit freundlichem Gruß Marco Sußbauer
Sehr geehrter Herr Sußbauer, Ich würde Ihrem Bruder raten, zu einer Zeitarbeitsfirma zu gehen. Da gibt es immer Arbeit. Außerdem würde ich ihm raten, von den Weiterbildungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen, die die Arbeitsverwaltungen anbieten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
sehr geehrter herr sinn, sie haben uns sehr geprägt, was volkswirtschaftliches denken betrifft. viel von dem, was sie uns unterrichtet haben geben wir nun selber an schüler und studenten an der bayerischen akademie für außenwirtschaft weiter. manchmal fehlt uns bei diskussionen mit anderen dozenten aber die sicherheit in der argumentationsweise und dem erkennen von ursache und wirkung. im moment haben wir einen großen disput und kommen nicht weiter: szenario: 2 länder: land a hat einen exportüberschuß, land b importiert mehr als es exportiert. wohin fließt nun das kapital? ich sage: eportüberschuß = kapitalexport! land a muss land b geld leihen, damit es die zusätzlichen, nicht selbst erwirtschaftete güter bezhalen kann. (in form von DI's oder ankauf der staats-/ unternehmensanleihen.) eine andere meinung ist: land a hat einen kapitalzufluß von land b. ich verstehe dann aber nicht, woher das geld kommt (der staat kann ja nicht so ohne weiteres geld drucken wg. der unabhängigkeit der zentralbank) auf der anderen seite steigt aber auch das BIP von Land a: Y=C+I+G+M und der Geldbestand in land a, denn die forderungen müßen ja bezahlt werden. dies würde bedeuten, dass das geliehene geld wieder zurückfließt. (ein nullsummenspiel). würde das geld aus einem anderen land c an land b geliehen werden, wäre aber zusätzliches kapital im land a vorhanden. in beiden fällen würde sich die geldmenge erhöhen, die inflation steigen und die zinsen auch. würde ich zwei währungen haben, würde die nachfrage nach der währung in land a steigen. d.h die währung würde aufgewertet im vergleich zu der währung im land b (bei der mengennotierung würde das bedeuten, dass der euro zum doller von 1:1,20 auf 1:1,30 sich verändert) nehmen wir an, land a ist europa und land b wäre die usa. dann würde das szenario der währung in der realität zutreffen, nicht aber das zins-szenario. was ist denn jetzt nun richtig? ich weiß, dass sie viel beschäftigt sind, aber vielleicht können sie mir stichpunktartig erklären, wo mein denkfehler ist. herzlichen dank und die besten grüße marcus altmann
Sehr geehrter Herr Altmann, die Sache ist eindeutig. Das Land, das einen Exportüberschuss in der Leistungsbilanz hat, hat auch einen in der Kapitalverkehrsbilanz. Der Grund ist einfach, wie Sie es ja auch schon vermuten. Wer mehr Waren und Leistungen an das Ausland liefert, als er bekommt, kann die überschüssigen Waren und Leistungen nur verschenken, verleihen oder im Austausch für ausländische Kapitalanlagen hergeben. Die Kreditvergabe an das Ausland und den Erwerb ausländischer Kapitalanlagen nennt man Kapitalexport (aus dem Inland an das Ausland). Da die Exporte minus der Importe minus der Geschenke dem Leistungsbilanzüberschuss gleich sind, ist der Leistungsbilanzüberschuss mit dem Kapitalexport identisch. Im Prinzip kann man die überschüssigen Exporte zwar auch noch im Austausch für ausländische Devisen hergeben, doch spielt dies empirisch keine Rolle. Man erhält zwar zunächst einen Überschuss an zuströmenden Devisen, doch da diese keine Zinsen bringen und im Inland kein Zahlungsmittel sind, werden sie postwendend wieder im Ausland angelegt. Würde man Devisenpolster aufbauen, so würde das in der Statistik nicht als Kapitalexport gezählt, im Grunde genommen ist es aber trotzdem einer, nur eben ein unverzinslicher Kapitalexport ins Ausland. Deutschland hatte im letzten Jahr eine gesamtwirtschaftliche Ersparnis von 183 Mrd. Euro und eine inländische Nettoinvestition von 75 Mrd. Euro. Die Differenz in Höhe von 108 Mrd. Euro war der Nettokapitalexport bzw. der Leistungsbilanzüberschuss. 25 Mrd. dieses Nettokapitalexports bestanden übrigens aus Nettodirektinvestitionen Deutschlands im Ausland. Der Löwenanteil war eine deutsche Kreditvergabe an das Ausland und Portfolioinivestitionen im Ausland. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, teilen Sie die Meinung dass sich die westliche Welt in einer anhaltenden deflationären Phase befindet? Vor allem die USA finanziert ihren Konsum nur auf Schulden, von denen es nicht abesehbar ist wie sie zurückgezahlt werden können. Ohne diese substanzabbauenden Konsumspritzen würde sich meiner Ansicht nach eine negative Nachfrage-/Lohnspirale aufbauen und zum Kollaps führen. Japan kann sich offenbar nur mit Zinsen nahe null über Wasser halten und der Deflation entgegensteuern. Und in Deutschland zeichnet Sie sich auch durch Steuererhöhungen, Neuverschuldung, steigende Beiträge, und sogar fallende Reallöhne vor 2 Jahren. Würden Sie dem zustimmen, und wenn ja warum genießt das Wort Deflation so wenig Aufmerksamkeit in den Medien und wie kann man es bekämpfen oder ist man dem schutzlos ausgeliefert, wie es den Anschein hat? Danke, dass Sie sich für meine Frage Zeit genommen haben und in Hoffnung auf Antwort Stefan Fritzsche
Sehr geehrter Herr Fritzsche, als Deflation bezeichnet man eine Situation, in der die Güterpreise fallen, nicht eine solche, in der die Reallöhne fallen. So gesehen kann von einer Deflation nicht die Rede sein. Deutschland wird in diesem Jahr eine Inflationsrate von ca. 2,5% haben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Frage ist weniger fachspezifisch, sondern bezieht sich auf das Verhältnis Medien-Politik-Wirtschaft. Wie wie gut erachten Sie die Transportfähigkeit wirtschaftspolitischer Themen über Medienformate wie beispielsweise "Sabine Christiansen"? Welchen Wert hat eine solche Sendung für den Fernsehzuschauer ("Laien") ohne wirtschaftswissenschaftlichen Backround? Aufklärung oder Verblendung? Über eine Antwort würde ich mich freuen. Mit freundlichen Grüßen Manuel Barton
Sehr geehrter Herr Barton, der Aufklärungswert ist gering, aber nicht null. Zwar wird der einen Meinung aus Proporzgründen stets wieder eine andere Meinung entgegengesezt, die genau das Gegenteil sagt. Aber wer sich für die Argumente interessiert, bekommt vielleicht doch einige Stichworte, die ihm vorher nicht geläufig waren und kann dann selbst weiterdenken. Ich fände es zwar besser, wenn man in Talkshows die Argumente gründlicher ausdiskutieren würde, und wenn die Medien nicht immer nur die Extrempositionen darstellen würden, aber gegeben dass diese Talkshows so sind, wie sie sind, wäre es ein Fehler, das Feld nur denjenigen zu überlassen, die das Volks weiter in die Richtung eines falschen Weges schubsen wollen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, Sie finden die Zeit dafür, mir auf diesen Beitrag eine kurze Antwort zu schicken... Im Moment beraten sich die europäischen Regierungen (soweit ich weiss ist auch die US amerikanische Regierung beteiligt) über die Regulierung von Hedge Fonds. Über die Geschäftstätigkeit von Hedgefonds (oder anderen zahlungskräftigen "Tradern" wie z.B. Private Equity Fonds) ist in Deutschland in letzter Zeit (im Wahlkampf) zwar sehr viel gestritten worden, ich interessiere mich aber in dieser Anfrage nur für ein bestimmtes Handelsinstrument, nämlich die sog. "credit default swaps". Diverse Finanzmerktexperten (wie auch Finanzwissenschaftler) warnen seit längerer Zeit schon vor dem unkontrollierten Handel mit Kreditderivaten, da dieser in einem "worst-case" Szenario dazu führen könnte, dass Unternehmen sich mit diesem Instrument "bei sich selbst versichern"... z.B. wenn ein zahlungskräftiger Investor (daher der Bezug zu Hedge Fonds) große Mengen dieser Derivate aufkauft und dabei unentdeckt bleibt, dass der Emittent dieser Derivate mit einem großen Teil seines verfügbaren Kapitals in jenem Hedgefonds investiert ist... Wäre, selbst in so einem Extremfall, nicht trotzdem ein Streuung (wenn auch ein Geringe) des Risikos gewährleistet, im Vergleich zum Zustand ohne Kreditderivate? ...denkbar wäre nach Ansicht der Kritiker auch eine "makroökonomische Kettenreaktion" bei Zahlungsunfähigkeit, wenn der Handel jener Swaps keine ausreichende "Streuung" gewährleistet... Ich richte meine Anfrage vor Allem deswegen an das ifo-Institut, weil mich die Auswirkungen solcher Kontrakte auf die gesamte Volkswirtschaft interessieren. Meine Fragen lauten nun: 1. Halten Sie diese "worst-case" Szenarien für realistisch, und, vor Allem: 2. Kennen Sie (theoretische oder empirische) Arbeiten von Ökonomen, die sich mit der Dynamik von Kreditausfällen beschäftigt haben? Ich bin leider auch nach längerer Suche nicht fündig geworden, sonst hätte ich Sie nicht damit belästigt... Wenn Sie mir Links zu derartigen Arbeiten schicken könnten, wäre ich Ihnen äußerst dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Florian Guldner P.S.: Sie dürfen diesen Beitrag auch gerne im Forum veröffentlichen; ich denke aber nicht, dass sich die Leser des Forums für diese Thematik interessieren...
Sehr geehrter Herr Guldner, ich bin leider kein Experte auf dem Gebiet, teile aber Ihre Sorgen. Ich möchte Sie an Prof. Bernd Rudolph von der BWL-Fakultät in München verweisen, der alles über Derivate weiß, was man wissen kann. Für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kreditklemmen können Sie auch Prof. Frank Westermann von der Uni Osnabrück kontaktieren. Die Adressen finden Sie sicher bei Google. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in der Vortragsreihe von Alpha Campus behandeln Sie auch das Thema Ostdeutschland. Da geht es einmal darum, dass die ostdeutsche Bevölkerung nach wievor nicht an (ihren) Unternehmen beteiligt ist. Wie könnte denn eine solche Beteiligung, wenn es sich nicht um eine Aktiengesellschaft handelt, aussehen? Für Ihre Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Carsten Titze
Sehr geehrter Herr Titze, wenn es sich um eine GmbH oder eine andere Kapitalgesellschaft handelt, kann man Beteiligungsrechte ausgeben, die Aktien nicht unähnlich, jedoch nicht handelbar sind. Wenn es sich um Personengesellschaften handelt, können die Arbeitnehmer ihren Unternehmen im Umfang eines Lohnverzichts Darlehen geben, die zum Marktzins bedient werden. Mann kann auch eine Konstruktion mit Genussrechten finden, wobei ein darlehensähnlicher Anspruch mit einer niedrigen Verzinsung gesichert ist und außerdem eine Gewinnbeteiligungskomponente gewährt wird. Wenn Sie bei der AGP, der Arbeitsgemeinschaft partnerschaftlich geführter Unternehmen, nachschauen, werden Sie hier vermutlich fündig. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe eine Frage bezüglich einem Sachverhalt, der eigentlich kaum in den Medien und in Talkshows angesprochen wird, würde aber trotzdem gerne die Meinung eines Ökonomen dazu hören. Es wird zumeist von der asiatischen oder osteuropäischen Konkurrenz gesprochen - wie sieht es denn eigentlich mit den afrikanischen Ländern aus? Es ist selbstverständlich, dass die lange noch nicht so weit sind wie bspw. China, aber wie sehen Sie denn die Zukunft der afrikanischen Ländern, die bisher ja noch riesige Armutsraten aufweisen? Könnten Sie mir ferner noch einmal darlegen, aus welchen Teilen die Kosten eines Unternehmens bestehen (Mietkosten, ...) und weshalb nur die Lohnkosten die relevanten Kosten sind ? Vielen Dank und ein frohes und vor allen Dingen gesundes neues Jahr
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider hat es nicht den Anschein, dass Afrika sich auf absehbare Zeit entwickeln könnte und in der Lage ist, Industriegüter in nennenswertem Umfang zu prodzieren, von Ausnahmen in Südafrika und andernorts einmal abgesehen. Man braucht für komplexe Produktionsprozesse, in die sehr viele Menschen verwoben sind, vermutlich die Kultur der sozialen Zusammenarbeit und der strikten Verhaltensregeln, die in Afrika nicht in einer Art vorhanden ist, die mit den asiatischen Ländern vergleichbar ist. Zu den Lohnkosten. Die Kosten eines Unternehmens bestehen aus Kapitalkosten, Mieten, Löhnen, Vorprodukten und Steuern, wobei Mietkosten ein verschwindender Anteil sind. Standortrelevant sind im wesentlichen nur die Löhne und nationalen Steuern. Vorproduktkosten, die den Löwenanteil der Kosten eines Unternehmens ausmachen, sind entweder Lohnkosten auf vorgelagerten deutschen Märkten, oder es handelt sich um Kosten für importierte Vorprodukte, die in allen Ländern etwa gleich teuer sind. Zinskosten sind überall ähnlich hoch, weil wir einen internationalen Kapitalmarkt haben. Mietkosten sind zwar auch standortrelevant, doch bestimmen sie sich endogen nach der Standortqualität, könnten also für sich genommen selbst dann nicht für Standortnachteile verantwortlich sein, wenn sie einen erheblichen Teil der Kosten der Unternehmen ausmachen würden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sie behaupten Beamte wären in unserem Land nicht besser gestellt(Gehalt, Privilegien, großzügige Pensionen e.t.c). Ich gebe ihnen in dem Punkt Recht, dass bspw. die Spitzenbeamte in den Ministerien und hohe Richter mehr Geld in der freien Wirtschaft verdienen könnten. Aber sind Sie auch der Meinung, dass bspw. ein Studienrat, Oberstudienrat, Studiendirektor und Oberstudiendirektor gerecht besoldet ist wenn man dies mit der Besoldung eines B6(Nettolohn: nach Abzügen von Lohnsteuer, Kirchensteuer, Soli Steuer und Krankenversicherung+2 Kinder=ca. 5200 euro netto) Beamten vergleicht, welcher einen viel höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft hat und nicht um 14:00 zu Hause ist? Ich bin vielmehr der Meinung, dass das Besoldungsrecht in sich ungerecht ist. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass ein Beamter im Schnitt(Spitzenbeamte ausgeschlossen) zu viel Geld verdient im Vergleich zu einem normalen Arbeitnehmer, da ein normaler Arbeitnehmer 1. kündbar ist2. keine Pension im Alter erhält und 3. monatliche Sozialabzüge hat Ich würde mich über eine Beantwortung meiner Frage sehr freuen
Sehr geehrter Herr Hubert, die interne Struktur der Besoldung im öffentlichen Dienst kann ich nicht sinnvoll kommentieren. Nur eines: Bei den Lehrern müssen Sie die vielen Korrektur- und Vorbereitungsarbeiten mit berücksichtigen, die sehr viel Zeit verbrauchen. Im übrigen meine ich, dass gerade Lehrer besser bezahlt werden müssen, damit sich wieder die Besten eines Jahrgangs für den Lehrerberuf entscheiden, wie das ja früher einmal der Fall war. Wer will den heute noch Lehrer werden? Wegen des im Vergleich zum Rest der Gesellschaft gefallenen Gehalts hat sich die Qualität der Lehrer im Laufe des letzten halben Jahrhunderts dramatisch verschlechtert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe derzeit an einer Hausarbeit zu dem Thema: "Der Vergleich des deutschen und des britischen Arbeitsmarktes." Da ich mich gerade auch auf eine Präsentation zu diesem Thema vorbereite, bin ich sehr an Ihrer Meinung interessiert. Vor allem würde mich interessieren, wie Sie zu den letzten Entwicklungen am Arbeitsmarkt stehen? Ist der kleine Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt die Folge der Reformpolitik der letzten Jahre oder eher doch die Weltwirtschaft? Zudem habe ich in Ihren Veröffentlichungen gelesen,dass Sie die Senkung der Arbeitskosten, so wie die sog. "negative Einkommenssteuer" für maßgeblich Aspekte halten um den Arbeitsmarkt zu reformieren. Um wie viel Prozent könnte man die Arbeitslosigkeit durch diese Reformen Ihrer Meinung nach senken? Sollte das britische Modell ein Vorbild für uns Deutsche werden?Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. MfG Stefan Rohsiepe
Sehr geehrter Herr Rohsiepe, der Aufschwung in Deutschland heute ist rein konjunkturell. Ob daraus etwas Nachhaltiges wird, kann nur die nächste Flaute zeigen. Dazu muss man bis in das nächste Jahrzehnt warten, eigentlich bis nach 2015, denn die Zyklen der deutschen Arbeitslosigkeit waren bislang stets zehn Jahre lang. Die Aktivierende Sozialhilfe würde den Weg zur Vollbeschäftigugn zurückweisen, weil die gesamte Lohnskala nach unten hin ausgespreizt wird. Die Effekte gehen weit über den Niedriglohnsektor hinaus. Aber das braucht auch ein Jahrzent, bis alles wirkt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat in einem kürzlich veröffentlichten Weissbuch ("Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation") eine Strategie zur Forcierung von Wachstum und Beschäftigung auf der Basis von Innovation und Qualifikation statt quantitativem Wachstum auf der Basis niedriger Löhne entwickelt. Zu den insgesamt 11 Strategielinien für Wachstum und Beschäftigung zählen u.a.: Innovation, Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur, Umwelt- und Energiepolitik, etc. Warum soll das in Österreich funktionieren und in Deutschland nicht?
Sehr geehrter Herr Pototschnig, bisher konnte ich nur eine Kurzfassung des WIFO-Weißbuchs "Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation" überfliegen. Ich finde die wirtschaftspolitischen Vorschläge interessant und auch beherzigenswert. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Konzept in Österreich umgesetzt wird und wie es das Wirtschaftswachstum in Österreich anregt. Mir fällt allerdings beim Überfliegen der Kurzfassung auf, dass man wenig über die gering Qualifizierten spricht, die ja einen erheblichen Teil der Arbeitslosen, in Deutschland jedenfalls, ausmachen, und kaum Abhilfemaßnahmen für diesen Personenkreis diskutiert. Dennoch wünsche ich mir, dass die Ideen dieses Weißbuchs fruchtbaren Boden finden und die Angebotsbedingungen der österreichischen Wirtschaft verbessern helfen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen! (Beitrag vom 23.10.06, ANmerkung des Moderators) Zu der 1) hätte ich allerdings noch eine - zwar werden unsere Produkte billiger, aber andererseits steigt doch dann die Nachfrage nach unserem (dem deutschen) Euro, wodurch doch dann eigentlich der Wechselkurs vom deutschen Euro zum ausländischen steigt (dies entspräche doch einer Aufwertung). 2) Wie sehen Sie die Zukunft der Wirtschaftsforschung bzgl. Jobs? Ich bin derzeit noch 16 Jahre alt, habe mir aber schon vorgenommen, VWL zu studieren (natürlich erst in 3-4 Jahren, d.h. tendenziell sind es noch bis zu 10 Jahre bis ich mit dem Studium fertig wäre). Jedoch hätte ich wenig Interesse in einer Versicherung, Bank oder volkswirtschaftlichen Abteilung eines Unternehmens zu arbeiten - sondern eben eher in der Forschung (Wirtschaftsforschungsinstitut mit Wirtschaftspolitikberatung). Dass es da nicht Jobs in Hülle und Fülle gibt, ist selbstverständlich - was sind wichtige Voraussetzungen, um als Wirtschaftsforscher arbeiten zu können (guter Abschluss, Promotionsarbeit, etc.)? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich der Jobs - tendenziell positiver oder negativer als bisher? Vielen Dank
Sehr geehrter Herr Darwin, Zu 1: Ihre Vermutung ist richtig. Sollte wegen der im Ausland billigeren deutschen Produkte die ausländische Nachfrage nach diesen Produkten erheblich ansteigen, könnte dies den Wechselkurs der deutschen Währung in die Höhe treiben, in Abhängigkeit vom Anteil dieser verbilligten Produkte am gesamten deutschen Export. In jedem Fall entsteht dadurch eine Gegenbewegung, die die ausländische Nachfrage nach den ursprünglich verbilligten Produkten wieder etwas bremst. Zu 2: Zu den Berufsaussichten eines Volkswirts lassen sich kaum allgemeine Aussagen treffen. Wichtig sind natürlich die Studienabschlüsse. Sind diese gut vorzeigbar, bestehen, denke ich, realistische Anstellungschancen in den Unternehmen, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Falls Sie einen exzellenten Abschluss haben, ist auch eine Universitätskarriere möglich. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte MitarbeiterInnen des IFO-Instituts, in letzter Zeit wird verstärkt die Idee eines sog. "bedingungslosen Grundeinkommens" propagiert, insbesondere von Götz Werner (vgl.: http://www.unternimm-die-zukunft.de), aber auch von Teilen der SPÖ in Österreich. Nun meine Frage an Sie: Wie steht Prof. Sinn bzw. das IFO-Institut zur Frage nach dem "bedingungslosen Grundeinkommen"? Beteiligt er sich an der Diskussion hierüber? Gibt es bereits eine (kostenlose) (Online-)Publikation des IFO-Instituts zu diesem Thema? Vielleicht könnten Sie mir eine kurze kritische Stellungnahme zu dem Thema "bedingungsloses Grundeinkommen" abgeben? Vielen Dank für Ihre Bemühungen! mit freundlichen Grüßen Tobias Waibel
Sehr geehrter Herr Waibel, meines Wissens gibt es noch keine veröffentlichte Stellungnahme von Prof. Sinn zum sog. bedingungslosen Einkommen. Generell sollte man gegenüber allen finanziellen Leistungen des Staates an die Bürger skeptisch sein, die ohne Prüfung der Bedürftigkeit erfolgen. Gerechtfertigt erscheinen mir solche Leistungen etwa im Falle des Kindergeldes oder des Elterngeldes. Hier hat sich der Staat das Ziel gesetzt, eine größere Zahl von Kindern zu ermöglichen. Allerdings muss man hier unterstellen, dass das Kindergeld / Elterngeld auch sehr gut verdienende Haushalte dazu bringt, sich mehr Kinder zu wünschen. Staatliche finanzielle Leistungen an alle Bürger erzeugen ein sehr hohes Finanzierungsvolumen. Unterstellt man, dass 10 Prozent (das ist eine gegriffene Zahl!) der Menschen bedürftig sind, erhalten also 90% der Bürger staatliche Unterstützung, die sie nicht benötigen. Auch wegen des immensen Finazierungsbedarfs können solche generellen Leistungen pro Person nicht besonders hoch sein. Vernünftiger wäre es doch, die öffentlichen Ressourcen auf die schwer benachteiligten Menschen zu konzentrieren und diese adäquat zu unterstützen. Ein schwer behinderter und pflegebedüftiger Mensch kommt mit einem Bürgergeld von meinetwegen 1.500 Euro nicht aus. Natürlich ist die Prüfung der Bedürftigkeit oft eine diffizile und auch teure Angelegenheit. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe eine Frage an Sie, die sich allerdings weniger auf Wirtschaftspolitik sondern eher auf Grundlagen der Geldpolitik bezieht. 1) Bei der ifo Jahreshauptversammlung sagen Sie, dass in den letzten Jahren die Inflation in Deutschland immer etwas geringer als im gesamten Euroraum war. Sie erwähnten, dass wir dadurch real abwerten würden. Weshalb handelt es sich hierbei um eine Abwertung? Wenn in einem anderen Land eine höhere Inflation herrscht, sinkt doch die Nachfrage nach dem ausländischen Euro bzw. das Angebot an dem deutschen (inländischen) Euro sinkt - wenn man sich dies im Marktmodell anschaut, verschiebt sich doch dadurch eigentlich die Angebotsgerade nach oben links, wodurch auch der Wechselkurs nach oben geht (Angebotsverknappung). Dann hieße das doch eigentlich, dass die inländsiche deutsche Währung aufwerten müsste. 2) Kann man folgendes sagen? Je höher der Marktpreis desto geringer die Nachfrage. Je höher der Marktpreis desto größer das Angebot. ABER: Je höher die Nachfrage desto höher der Preis. Je höher das Angebot desto geringer der Preis. 3) Müssten nicht theoretisch, wenn man Mindestpreise für Gammelfleisch festlegt, das Angebot an Gammelfleisch eigentlich wg. des Angebotsgesetzes höher werden? Mit freundlichen Grüßen Christian Darwin
Sehr geehrter Herr Darwin, zu Ihren Fragen: 1) Wenn wir weniger als die anderen inflationieren, werden unsere Produkte im Verhältnis zum Ausland billiger. Das nennt man eine reale Abwertung, weil eine offene Abwertung bei unterschiedlichen Währungen den gleichen Effekt hätte. 2) Alles richtig. 3) Auch richtig. Vergleichen Sie dazu meinen Artikel in der WirtschaftsWoche vom 25.9.2006, den Sie auf der Website des ifo Instituts finden (http://www.cesifo-group.de/link/_echomitarb/ifostimme-Wiwo-25-09-06.htm). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Mitarbeiter des IFO! Ich bin Schüler einer Gymnasialen Oberstufe in Nordrhein Westfalen und muss demnächst meiner Kurslehrerin mein Facharbeitsthema vorschlagen. Ich beabsichtige, mich im Leistungskurs Sozialwissenschaften mit einem Thema der Ökonomie auseinanderzusetzen. Ich könnte mir folgende Themenbereiche für meine Facharbeit vorstellen: - Basarökonomie Deutschland. - rent seeking - Sozialversicherungshypothese - Deutsches Rentensystem - Arbeitslosigkeit in Deutschland Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich mir Herr Sinns Bücher schon genauer durchgelesen habe und aus seinen Thesen mögliche Themen hergeleitet habe. Ich habe auch grundsätzlich kein Verständnisproblem. Leider fehlen mir jedoch Quellen zu den Themen "Sozialversicherungshypothese" und "rent seeking"(zudem auch die Zeit für eine genauere Recherche). Leider muss ich meiner Kurslehrerin bereits nächste Woche ein Thema sowie einen groben inhaltlichen Überblick zum Facharbeitsthema aushändigen. Deswegen würde ich mich freuen, wenn sie mir Internetseiten oder Ratschläge gebten, sodass ich meinen Informationsmangel beheben kann und einschätzen kann, wie meine Facharbeit aussieht. Ich gehe davon aus, dass meine Kurslehrerin lediglich eines der beiden Themen "rent seeking" und "Sozialversicherungshypothese" annehmen würde, weil die anderen Themen insgesamt sehr umfangreich und "bekannt" sind. Daher favorisiere ich diese ohnehin, obwohl ich Herr Sinns "ganze" Thesen natürlich viel interssanter finde und übrigens Ausnhmslos für richtig halte!
Sehr geehrter Herr Burmeister, zu Prof. Sinns Buch "Systems Competition" gibt es keine deutsche Übersetzung; allerdings findet sich ein Aufsatz von ihm mit dem Titel "Der neue Systemwettbewerb“ in Perspektiven der Wirtschaftspolitik 3, 2002, S. 391-407. Zu "Rent Seeking" empfehle ich den Aufsatz von Gordon Tullock im Lexikon "The New Palgrave". Tullock ist der wesentliche Autor zu diesem Thema. Zu "Sozialversicherungshypothese" sollten Sie den Abschnitt "Adenauers Denkfehler oder: Warum wir eine aktive Bevölkerungspolitik brauchen" im 7. Kapitel des Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" durcharbeiten; dort wird auch einschlägige Literatur genannt. Ein Gang in eine Bibliothek wird sich bei so speziellen Themen nicht vermeiden lassen. Viel Erfolg bei Ihrer Facharbeit! Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, im Forum wurden schon mehrfach Fragen zur "Kaufkrafttheorie der Löhne" gestellt. Können Sie mir sagen, wer diese Theorie erfunden hat? Keynes schlägt ja in seiner "General Theory" vor, die Löhne in der kurzen Frist stabil zu halten, um dann via Inflation die Reallöhne senken zu können. Ich bin mit der Behandlung von Konjunkturzyklen in den Lehrbüchern (auch dem von Ihnen rezensierten Macroeconomics von Burda / Wyplosz) nicht zufrieden; meiner Meinung nach bleiben die wirklichen Ursachen unerklärt. Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der "österreichischen Schule" der Volkswirtschaftslehre (Mises, Hayek, Rothbard)? Vielen Dank im Voraus Mit freundlichen Grüßen Frank Reibold
Sehr geehrter Herr Reibold, Sie fragen nach dem "Erfinder" der "Kaufkrafttheorie der Löhne". Man findet bei der Literaturrecherche zwar immer wieder Aufsätze, in denen dieses Konzept dargestellt wird (z.B. van Suntum, 1994), ohne dass dabei sein Schöpfer genannt würde. Wikipedia gibt den polnischen Ökonomen Michal Kalecki mit seinem Aufsatz "Place nominalne i realne" aus dem Jahr 1939 an. In Mark Blaug, "Systematische Theoriegeschichte der Ökonomie", Band 3, Nymphenburger Verlagsbuchhandlung: München, 1975 werden die beiden amerikanischen Ökonomen Sidney und Beatrice Webb mit Ihrem Aufsatz "Industrial democracy", ursprünglich wohl bereits 1897 erschienen, jetzt in einem Nachdruck bei Palgrave Macmillan, 2003, neu aufgelegt, genannt als Autoren einer "Hochlohntheorie", die offenbar mit dem Verweis auf eine durch Lohnerhöhung induzierte langfristige Anpassung der Unternehmen die Tätigkeit der Gewerkschaften rechtfertigt. Desweiteren fragen Sie nach einer guten Erklärung der Konjunkturzyklen. Haben Sie schon Gunther Tichy, Konjunktur. Stilisierte Fakten, Theorie, Prognose, Springer-Verlag Berlin-Heidelberg, 2. Aufl., 1994 konsultiert? Dort wird auch etwas zur "Konjunkturtheorie der österreichischen Schule" gesagt. Oder Viktor Zarnowitz, Business Cycles. Theory, History, Indicators, and Forecasting, The University of Chicago Press: Chicago und London, 1992 bzw. Walter Naggl, Konjunktur, Lang: Frankfurt, 1999? Meinen Sie wirklich Rothbard oder nicht doch eher Kurt W. Rothschild, Nationalökonom und emeritierter Professor der Universität Linz? Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Worthülsen werden entlarft Die volkswirtschaftliche Realität entgegen der hier so heiligbehandelten neoliberalen Weltansicht definiert deren kläglichen Rest eines dumpfen Geschichtsbewußtseins, den die Marktwirtschaft (noch ) übriggelassen hat, sie ist ihre eigene Legende: daß sie nämlich grundsätzlich »wohlfahrtssteigernd« sei. Demnach hätte die Menschheit vor der marktwirtschaftlichen Modernisierung im Elend verschmachten müssen. In Wirklichkeit verhält es sich für die große Mehrheit der Weltbevölkerung heute mehr denn je genau umgekehrt. Zwar hat der Kapitalismus zweifellos die Produktivkräfte verwissenschaftlicht und ihre Entwicklung ungeheuer beschleunigt. Die Steigerung der Wohlfahrt war damit jedoch merkwürdigerweise immer nur zeitweilig verbunden, begrenzt auf bestimmte soziale Segmente und Weltregionen. Denn der Kapitalismus ist ein brutales Gewinner-Verlierer-Spiel, dessen totalitärer Charakter die pure soziale und selbst die physische Existenz als Einsatz nicht ausspart; und er hat von Anfang an mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht, Deutschland in Jahre 2006, 10 Millionen Arbeitslose, Millionen von Menschen am untersten Ende der Sozialskala, Kinderarmut, entrechtete Arbeitslose, Rentner unter der Armutsgrenze lebend und der gleichen mehr, Deutschland als Basarökonomie aber nicht so wie es das IFO Institut es sehen will, als vielmehr Deutschland als Ramschladen grosser Multis.
Sehr geehrter Herr Nutz, Sie beklagen, dass es in Deutschland 2006 10 Millionen Arbeitslose gebe, Millionen von Menschen am untersten Ende der Sozialskala, Kinderarmut usw. Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, ob Sie vielleicht nicht doch etwas zu schwarz malen. Die Arbeit des ifo Instituts und von Prof. Sinn jedoch zielt gerade auf wirtschaftspolitische Vorschläge, die umsetzbar sind und Abhilfe schaffen können. Zum Beispiel durch die Aktivierende Sozialhilfe, die den gering Qualifizierten wieder echte Arbeitsmarktchancen eröffnen könnte. Das Ziel des ifo Instituts und von Prof. Sinn ist es, mit volkswirtschaftlichen Ideen einen Beitrag zu einer menschenwürdigeren Welt zu leisten, nicht etwa den Kapitalismus zu etablieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich arbeite gerade an einer Studie über den Außenhandel in Ostdeutschland. Mich würde interessieren ob es Daten zur Aufteilung des Außenhandels der einzelnen Bundesländer gibt, in Bezug auf die Länder und deren Güter? Sprich, gibt es Daten über die Struktur, die Güter und die Zusammensetzung, des sehr bescheidenen Anteils des Ostens, an dem gesamtdeutschen Außenhandel? Anschlussfrage: Wo sehen sie die Ursachen des geringen Anteils an dem Außenhandel? Hochachtungsvoll, Mathias Löhr
Sehr geehrter Herr Löhr, Sie fragen nach Außenhandelsdaten auf Bundesländerebene. Natürlich gibt es solche Daten beim Statistischen Bundesamt. Sie erhalten sie auf Anfrage und gegen Beteiligung an den Ermittlungskosten. Die Ursachen für die Exportschwäche Ostdeutschlands sind vielfältig. Eine wesentliche liegt im (im Vergleich zu Westdeutschland) geringeren Industrieanteil der ostdeutschen Wirtschaft. Es sind die Industriesektoren, die im Export aktiv sind. Desweiteren sind möglicherweise die ostdeutschen Unternehmen noch nicht vollständig in die internationalen Unternehmensnetzwerke integriert, die eine wichtige Stütze für Außenhandelsgeschäfte sind. Außerdem ist es denkbar, dass die Exporttätigkeit Ostdeutschlands möglicherweise bei der statistischen Erfassung unterschätzt wird. Die statistische Erfassung beruht im Wesentlichen aus der Auswertung von Frachtbriefen. Dabei kommen reine Auslieferungsstandorte, die häufig in Westdeutschland liegen, öfter zum Zuge. Sie sollten auch die Veröffentlichungen des IWH und des DIW (z.B. DIW Wochenbericht 33/03) durchsehen, die sich öfter mit der von Ihnen gestellten Frage befassen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine merkwürdige Idee schoss mir gerade durch den Kopf: Ich kenne noch die Zeiten der Vollbeschäftigung, als wir Gastarbeiter nach Deutschland holten. Ich unterstelle einfach mal, daß zu jener Zeit wesentlich weniger Ehefrauen im Berufsleben standen. Es war ja erst der Beginn der Gleichberechtigungswelle. "Meine Frau hat es nicht nötig zu arbeiten" war ja ein geflügeltes Wort. Gibt es noch Statistiken darüber, wieviele Arbeitsplätze damals in Deutschland gesamt zur Verfügung standen ? Sind es heute real mehr oder gleich viele oder weniger ? Mehr Betriebe auf der einen Seite, Automatisierung auf der anderen Seite könnte doch eine Nivellierung der Gesamtzahl zur Folge haben. Ich habe Ihre diesbezüglichen Vorträge im BR-Alpha gesehen. Könnte es sein, daß die Anzahl der arbeitenden Ehefrauen mit Kindern in etwa der der heute arbeitslosen Männer gleicht ? Bitte mich nicht falsch zu verstehen, dies ist von mir weder wertend gemeint, noch ein Aufruf "Mutter nachhause zu den Kindern". Es wäre allenfalls eine Teilerklärung dafür, daß in einer Volkswirtschaft bezogen auf die Gesamtzahl der Arbeitnehmer eines Volkes einfach nicht für alle ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Globalisierung sind mir natürlich bewußt. Es ist nur ... eine Frage; vielleicht völlig falsch gedacht. Beste Grüße, Günther LUDWIG
Sehr geehrter Herr Ludwig, Sie fragen, ob die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen die Arbeitslosigkeit der Männer gesteigert hat. Die Anzahl der erwerbstätigen Frauen ist seit 1950 tatsächlich stärker gestiegen als jene der Männer. Betrachtet man nur die alten Bundesländer, nahm die Erwerbstätigkeit der Frauen zwischen 1950 und 2005 um fast 80% und jene der Männer um gut 24% zu. Neben veränderten Einstellungen der Menschen zur Arbeitswelt hatte auch der sektorale Strukturwandel sicherlich erheblichen Einfluß auf diese Entwicklung. Mit Strukturwandel meint man das Schrumpfen von Industrie und Landwirtschaft und die Expansion der Dienstleistungen. In den Dienstleistungen, denke ich, gibt es viel mehr Tätigkeiten, die für Frauen geeignet sind als in der Industrie. Abgesehen davon, darf man nicht von einer gegebenen Anzahl von Arbeitsplätzen ausgehen, die auf Männer und Frauen verteilt würden. Zu fragen ist vielmehr, warum die Arbeitsmöglichkeiten nicht im selben Maße gewachsen sind wie das Arbeitskräftepotenzial, d.h. wie es zu dieser hohen Arbeitslosigkeit kommen konnte. Wesentliche Ursache dafür, denke ich, ist die zunehmende Verkrustung unseres Arbeitsmarktes, die sich in den im internationalen Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten zeigt. Man hat über lange Zeit steigende Arbeitskosten produziert und die dadurch freigesetzten Arbeitskräfte dem Sozialstaat zugeschoben. Ich denke also nicht, dass die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen ursächlich für die steigende Arbeitslosigkeit der Männer ist. Beide Geschlechter haben unter den Verkrustungen des Arbeitsmarktes zu leiden. Eine andere Frage ist, wie man es erwerbstätigen Frauen leichter machen könnte, Beruf und Familie besser aufeinander abzustimmen. Hier ist noch einiges zu tun, und jeder Schritt, der dieses Problem lösen hilft, wird auch positiven Einfluss auf die Zahl der Geburten haben. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe letztens eine sehr interessante Fernsehdokumentaion über den norwegischen Arbeitsmarkt gesehen. Dort wurde gesagt, dass Arbeitnehmer (im Handwerk) nicht mehr als 200 Überstunden im Jahr machen dürfen. Auf besonderen Antrag können im November noch einmal 100 Überstunden beantragt werden. Arbeitgeber und Gemeinde entscheiden gemeinsam wer diese Überstunden machen darf. Ziel und Zweck dieser Kontrolle soll sein, dass nur wirklich Bedürftige in den Genuss von Mehrarbeit kommen. Wäre es nicht auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt sinnvoll, die vergabe der Arbeit gerechter aufzuteilen und zu kontrollieren. Mit freundlichen Grüße Doris Brown
Sehr geehrter Frau Brown, leider kenne ich die Fernsehserie nicht, auf die Sie sich beziehen. Falls es sich um einen öffentlichen lokalen Arbeitgeber (Kommune) handelt, kann ich mir das angedeutete Entscheidungsverfahren über die Anzahl der Überstunden gut vorstellen. Meiner Erfahrung nach gibt es auch private Arbeitgeber, die Rücksicht auf die von Ihnen genannten Umstände (Unterstützung bedürftiger Personen, Finanzierung eines Eigenheims) nehmen. Da man sich kennt, sind in diesem Rahmen solche Entscheidungen relativ problemlos zu treffen. Allerdings habe ich Zweifel, ob man von staatlicher Seite ein System aufbauen kann, das die Arbeit "gerechter" verteilt. Es entstünden umfängliche Nachweispflichten mit erheblichem Verwaltungsaufwand. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Vorschläge zur Steuervereinfachung mit abgestuften Steuersätzen habe ich so oder so ähnlich bereits in der Vergangenheit von einem Prof. aus Heidelberg gehört.Nur die Vorschläge zur Gegenfinanzierung sind auch Sie schuldig geblieben.Auch Prof. Kirchhof hat sich nicht konkret dazu geäussert, um welche Subventionen es sich handelt. Allein die Streichung aller Werbungskosten bei Arbeitnehmern und den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ist nicht ausreichend, um eine Fehlbetrag von ca. 68 Milliarden auszugleichen. Außerdem wundert es mich, daß Sie die Einkünfte aus Kapitalvermögen jetzt mit 20% besteuern wollen. In einer öffentlichen Diskussion mit Prof. Kirchhof hatten Sie vorgeschlagen, Kapitaleinkünfte ganz steuerfrei zu belassen. Mfg. Helmut Bach
Sehr geehrter Herr Bach, das ifo Institut hat Vorschläge zur Finanzierung einer Steuerreform vorgelegt. Sie finden sie in Prof. Sinns Artikel "Wo jetzt gespart werden muss", FAZ vom 8 November 2005, S. 12. Konsultieren Sie auch die ifo-Website www.ifo.de , Politikdebatte / Eigene Presseartikel. Im 6. Kapitel "Der Steuerstaat: Faß ohne Boden" von "Ist Deutschland noch zu retten?" erläutert Prof. Sinn im letzten Abschnitt "Eine wirklich mutige Steuerreform" seine Überlegungen zur Besteuerung von Eigenkapitalzinsen und Kapitalerträgen ausführlich. Richtig ist, dass Kapitaleinkünfte eigentlich steuerfrei bleiben sollten (vgl. den davorliegenden Abschnitt "Warum man das Kapital nicht wirklich besteuern kann"). Zinserträge sind daher einer Sonderbehandlung zu unterziehen. Mit dem vorgeschlagenen Steuersatz von 20% auf Eigenkapitalzinsen und Kapitalerträge sollen "die Kosten der vom Kapital benutzten Infrastruktur" abgedeckt werden. An den angegebenen Textstellen finden Sie dafür ausführliche Erläuterungen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte Mitarbeiter beim ifo-Institut, ich hoffe, dass Sie mir eine allgemeine Frage, die in der politischen Debatte häufig auftaucht, beantworten können: Man hört von Volkswirten sehr oft das Argument, dass eine Umverteilung von Einkommen hin zu Haushalten mit geringerer Kaufkraft nötig wäre, um die inländische Konjunktur anzukurbeln; sprich: einen Mulitplikatorprozess in Gang zu setzen, der im weiteren Verlauf Gewinne, Löhne und damit wiederum Kaufkraft erhöht... Diese Vorgehensweise wäre doch nur dann vorteilhaft, wenn 1. Die Haushalte mit geringem Einkommen hauptsächlich deutsche Produkte kaufen würden (was zu bezweifeln ist), und wenn 2. Die marginale Konsumquote bei Haushalten mit niedrigeren Einkommen wesentlich höher wäre, als bei den Haushalten mit hohen Einkommen (letztendlich entsteht ja durch die durch Umverteilung nötige Besteuerung auch ein Wohlfahrtsverlust). Meine Frage lautet nun: Haben sie empirische Daten zum Konsumverhalten verschiedener Einkommensgruppen in Deutschland, evtl. auch einen Link zu einer Untersuchung dieser Art, die sie mir zur Verfügung stellen könnten? Würde mich sehr interessieren... Schöne Grüße, F. Guldner
Sehr geehrter Herr Guldner, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie fragen nach dem Importanteil des Güterkorbes der privaten Haushalte. Dazu liegen keine aktuellen Informationen vor. Man vermutet, dass der Anteil der Importe etwa ein Drittel ausmacht. Erst recht weiß man nicht, ob und wie dieser Importanteil über die Einkommensklassen variiert. Die Konsumquote der Haushalte variiert nach den Einkommensklassen. Auskunft darüber gibt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2003. (Fachserie 15 Reihe 5). Die Konsumquote in Deutschland liegt bei den privaten Haushalten mit weniger als 900 Euro monatlichem Nettoeinkommen bei 115%, fällt mit steigendem Einkommen und beträgt bei den Haushalten, die zwischen 5.000 und 18.000 Euro monatliches Nettoeinkommen haben, 60%. Bedenken Sie, dass die Nachfrage nach Investitionsgütern, die von den Unternehmen gekauft werden, ebenfalls Teil der volkswirtschaftlichen Nachfrage ist. Diese Nachfrage nach Investitionsgütern wird aus der Ersparnis der Unternehmen selber, aber auch aus der höheren Ersparnis der oberen Einkommenschichten finanziert. Es ist also nicht ausgemacht, dass eine Umverteilung der Einkommen hin zu den niedrigen Einkommen wegen der dort höheren Konsumquote die Konjunktur besonders ankurbelt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte Damen u. Herren, ich habe gelesen,daß Sie die Frage der Hinterziehung der Umsatzeuer untersucht haben und dabei zum Ergebnis kommen, daß etwa 11% des Aufkommens (ca. 17 Milliarden) hinterzogen werden. Mich würde interessieren wie dieses Ergebnis zustande kommt?.Welche Fälle sind untersucht worden? Wo liegen die haupsächlichen Schwachpunkte im System? Helmut Bach
Sehr geehrter Herr Bach, Sie interessieren sich für die Arbeiten des ifo Instituts zur Reform der Mehrwertsteuer. Zum richtigen Verständnis der Ergebnisse sollten Sie sich diese Studie anschauen: Parsche, Rüdiger (mit A. Gebauer, C.W. Nam et al.), "Entwicklung des Umsatzsteueraufkommens und finanzielle Auswirkungen neuerer Modelle bei der Umsatzbesteuerung", ifo Forschungsberichte 13, München, 2002. Eine Aktualisierung der Ergebnisse finden Sie in dem Aufsatz: Gebauer, Andrea und Rüdiger Parsche, "Leichtes Absinken der Mehrwertsteuerhinterziehungsquote im Jahr 2005", ifo Schnelldienst 58, Nr. 9, 2005, S. 12-13. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Zu: Internationaler Vergleich der Arbeitskosten von Industriearbeitern Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, am 12. und 13. Juni 2006 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung davon, dass die Arbeitskosten in den westdeutschen Werken der VW AG bei 54 Euro pro Stunde liegen. Verrückt, oder???!!! Mit freundlichen Grüßen Robert Muth
Sehr geehrter Herr Muth, vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Höhe der Arbeitskosten bei der VW AG. Vermutlich sind die 54 Euro pro Stunde ein Durchschnittswert für das gesamte Unternehmen VW, also Arbeiter und Angestellte. Gegenüber Arbeitskosten von 27,60 Euro, wie sie das Institut der deutschen Wirtschaft für Arbeiter 2004 für Westdeutschland berichtet, ist 54 Euro dennoch ein stolzer Ausreißer. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit grossem Interesse und Zustimmung habe ich Ihre Bücher gelesen. Eine Frage habe ich letztens in diesem Zusammenhang im privaten Kreis diskutiert: Angenommen, die Politik schafft es nicht wirkliche Reformen durchzuführen, sondern läuft weiter in die falsche Richtung. (Was wohl leider wahrscheinlich ist) Wohin entwickelt sich das Land dann volkswirtschaftlich gesehen? Wie wirken sich höchste Arbeitslosigkeit, höchste Abgaben bei den Verbliebenen AN und ein Staatsbankrott konkret aus? Ist eine hohe Inflation durch den Euro blockiert? Was passiert eigentlich, wenn die Wirtschaft "zusammenbricht". Wir vermuteten das im letzten Extrem Anarchie bzw. ein Volksaufstand ausbrechen würde. Die Frage lautet also, was ist die schlimmste Konsequenz die sich aus einer Fortführung der derzeitegen Politik konkret ergibt. Vielen Dank und freundliche Grüße Noah Andreas
Sehr geehrter Herr Andreas, im Jahre 1980 lag die deutsche Staatsschuldenquote, der Anteil der öffentlichen Schulden am Bruttoinlandsprodukt, bei 31%, für das Jahr 2007 erwartet das ifo Institut in seiner jüngsten Prognose 68,3% erwartet. Sie sehen, die Entwicklung der Staatsfinanzen geht in die falsche Richtung, wenn auch der derzeitige Zustand noch nicht akut besorgniserregend ist. Japan etwa hat eine Staatsschuldenquote von gut 160%. Die ungute Entwicklung der öffentlichen Finanzen in Deutschland wird sich fortsetzen, falls man nicht durch effektive Reformen die öffentlichen Ausgaben vermindert und/oder durch eine Verbesserung der Produktionsbedingungen zu einem im Trend höheren Wachstum kommt. Zum Staatsbankrott liegen historische Erfahrungen vor: Deutschland hat im 20. Jahrhundert zweimal eine solche Situation erlebt. Wie man sich den Staatsbankrott vorzustellen hat, kann man an Hand der historischen Beispiele nachvollziehen. Für Details verweise ich auf volkwirtschaftliche Nachschlagewerke. Wir sollten unsere ganze Fantasie nicht für das Ausmalen des Staatsbankrotts verschwenden, sondern alles in Bewegung setzen, um den durchaus möglichen Kollaps zu verindern. Es hilft zum Beispiel nicht weiter, Vorschläge für notwendige Reformen im Vorhinein als Fantasien neoliberaler Fundamentalisten zu diskreditieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zuerst muss ich Ihnen ein Lob machen, wie souverän Sie mit Ihnen entgegenschmetternder Kritik umgehen. Von "Scharlatan" bis "Verfassungsgegner" war da ja schon alles dabei. Würde mich nicht wundern, wenn man Ihnen demnächst vorwürft, Sie wollen die volle Kinderrente bei drei Kindern, weil Sie selbst drei Kinder haben... Hier mal wieder ein paar Fragen: 1. Bezüglich des Kapitalexports beim Exportüberschuss. Sie hatten es einmal so beschrieben, dass, wenn Polens Wirtschaft wächst, sie deutsche Waren nachfragt, was dann in unserer Statistik einen Überschuss induziert. Nichsdestotrotz machen doch Exportfirmen dadurch einen realen Gewinnn. Auch wenn hier nichts wächst (was ja so ziehmlich der Fall ist), bleibt doch der Gewinn der Exportfirmen stehen. Oder meinen Sie es so, dass eben dieser Gewinn ein Konjunkturstimulus ist, aber eben nicht nachhaltiges Wachstum? 2. Bei ihren Thesen entsteht immer der Eindruck, als ob Arbeitnehmer eher Konsumgüter kaufen und Arbeitgeber eher Investitionsgüter. Warum sind dann Autos als Investitionsgut deklariert? Immerhin könnte das Heer der Arbeitnehmer immer mehr Autos kaufen als die Arbeitgeberseite es könnte. (Das ist nur eine generelle Frage; Ich bin wie Sie überzeugt, dass nur Steuersenkungen die Binnennachfrage ankurbeln könnte und nicht Lohnsteigerungen.) 3. Viele Staaten machen es ja vor, dass es besser ist, die Sozialversicherungen über Steuern als über Beiträge zu finanzieren. Es heißt ja immer, dass es in Zeiten der Globalisierung sinnvoll ist, mobile Güter (Arbeit,Kapital) tunlichst in Ruhe zu lassen und eher immobile Güter (Konsum,Vermögen,...) zu besteuern. Das leuchtet mir ja so weit ein, aber wenn ich das betriebswirtschaflich betrachte, verstehe ich den Unterschied dann doch nicht. Denn: dem Arbeitgeber ist es doch egal, wie das heißt, was er zahlt! Ob nun mehr Mehrwertsteuer oder mehr Rentenbeitrag! Wo liegt denn nun der fundamentale Vorteil der Steuerfinanzierung der Sicherungssystem? Mit freundlichen Grüßen Andreas Golle
Sehr geehrter Herr Golle, vielen Dank für Ihr Lob an Prof. Sinn. An seiner Stelle erlaube ich mir, Ihnen zu antworten. (1) Ein Exportüberschuss bei Waren und Dienstleistungen ist gleichbedeutend mit einem Kapitalexport, weil ja die inländische Wirtschaft nicht die gesamten erwirtschafteten Einnahmen dazu nutzt, Waren und Dienste im Ausland zu kaufen. Dass die Exportgüter produzierenden deutschen Firmen (hoffentlich) mit Gewinn arbeiten, hat mit dieser Überlegung nichts zu tun. Man kann im angesprochenen Kapitalexport insofern einen Wohlfahrtsverlust sehen, als im Ausland erwirtschaftete Kaufkraft nicht zu Investitionszwecken für die deutsche Volkswirtschaft genutzt wird, sondern gleichsam "brachliegt". (2) Investitionsgüter sind solche Güter, die zum Ersatz oder zur Erweiterung des Produktionspotenzials verwendet werden. Und Unternehmer sind jene Wirtschaftssubjekte, die produzieren. Haushalte produzieren definitionsgemäß nicht und kaufen deshalb Konsumgüter. Ob ein Auto volkswirtschaftlich ein Konsum- oder ein Investitionsgut ist, hängt von seiner Verwendung ab. Man sieht es ihm nicht an. (3) Der Vorteil der Steuerfinanzierung von Sozialversicherungen liegt darin, dass der Arbeitgeber einen geringeren Widerstand gegen eine zusätzliche Beschäftigung hat als bei Beitragsfinanzierung; denn die Arbeitgeber- und auch die Arbeitnehmerbeiträge vermindern sich oder fallen ganz weg. (Auch die Arbeitnehmerbeiträge werden letztendlich vom Unternehmen bezahlt.) Natürlich müssen die Sozialversicherungen bezahlt werden; im Falle der Steuerfinanzierung sind die Beitragszahlungen aber eben nicht an die Arbeitsaufnahme gebunden! Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
sehr geehrter prof. sinn, ich bin student an der staatlichen studienakademie riesa und schreibe gerade meine dipl.arbeit mit dem thema ,,auswirkungen einer liberalisierung des ladenschlussgesetzes unter ökonomischen und rechtlichen aspekten bei der warenhandelsgesellschaft plus".mich würde interessieren, ob sie zu diesem thema eventuell einige publikationsempfehlungen hätten.ich habe bereits die ifo-homepage besucht und dort einiges an material gefunden. vielleicht haben sie aber darüber hinaus noch einige empfehlungen.ich würde mich freuen von ihnen zu hören. mit freundlichem gruß ramon kaleja
Sehr geehrter Herr Kaleja, das ifo Institut hat zwei große Gutachten zum Ladenschluss erarbeitet. Das erste wurde 1995 als Nr. 139 der Schriftenreihe des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung bei Duncker & Humblot veröffentlicht: U. Ch. Täger, K. Vogler-Ludwig, S. Munz (Hrsg.), "Das deutsche Ladenschlussgesetz auf dem Prüfstand". Das zweite Gutachten erschien im Jahre 2000 als Nr. 58 der ifo-Studien zu Handels- und Dienstleistungsfragen im Verlag des ifo Instituts: Ch. Täger, "Effekte der Liberalisierung des deutschen Ladenschlussgesetzes auf den Einzelhandel und auf das Verbraucherverhalten: eine empirische Bestandsaufnahme". Dazwischen und danach gab es eine Reihe von Artikeln im ifo Schnelldienst von Uwe Christian Täger und anderen, zuletzt in ifo Schnelldienst 56, Nr. 3, 2003, S. 8-10. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen bei Ihrer Diplomarbeit weiter, für die ich Ihnen viel Erfolg wünsche. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Glauben sie wirklich, dass die Investionsgüternachfrage steigen kann, wenn die Absatzerwartungen aufgrund schwacher Binnennachfrage gering ausfallen.In ihrem Buch erläutern sie, dass die Investionsgüternachfrage wichtiger sei als die Konsumgüternachfrage.Aber das ist ja das eklatante Problem Deutschlands.Die Nachfragebedingungen sind ja essentiell für die Investionen. Zudem glaube ich wirklich, dass Deutschland eine expansive Geldpolitik benötigt, um die wirtschaftliche Bedingungen zu verbessern. Verfällt Deutschland nicht in eine tiefe Depression, wenn es die von ihnen entwickelten Konzepte verwirklicht. Der Kombi-Lohn scheint ja recht sinnvoll. Die Lockerung des Kündigungsschutzes auch. Trotzdem muss man sich doch fragen, ob Wirtschaft nicht zu 50 Prozent aus Psychologie besteht. Wäre die der Fall kämen nur noch wenige Familien zu dem Entschluss Kinder in die Welt zu setzen, hätten sie einen Tag vorher einen ihrer-vorsichtig formuliert- weniger positiven Berichte gelesen. Und die Demographieentwicklung ist auf lange Sicht betrachtet von äußester Wichtigkeit.Ich gehe davon aus, dass der Beitrag nicht veröffentlich wird, weil er nicht ihrer Aufassung entspricht. Zumal die bisherigen Kommentare positiv waren.
Sehr geehrter Herr Vogt, die Investitionsgüternachfrage ist volkswirtschaftlich deswegen wichtiger als die Konsumgüternachfrage, weil durch den Kauf von Investitionsgütern das Produktionspotential erweitert wird und neue bzw. produktivere Arbeitsplätze entstehen. Daher sind günstige Bedingungen für die Investitionsgüternachfrage, vor allem die Gewinnerwartungen, wichtig. Die Europäische Zentralbank praktiziert derzeit eine expansive Geldpolitik; die Zinssätze sind sowohl im internationalen Vergleich als auch in historischer Betrachtung niedrig. Von dieser Seite her sind die Bedingungen für einen Aufschwung günstig. Sicher spielt die Psychologie in der Wirtschaft eine große Rolle. Aber am nötigsten ist ein flexibler Arbeitsmarkt, der die Beschäftigung anregen wird. Damit würden auch die Ängste um den Arbeitsplatz verschwinden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der neuen und unseeligen Diskussion um Mindestlöhne, der - wenn ich das richtig sehe - halbherzigen Gehversuche in Sachen "Kombilöhne" und schließlich der aktuellen "Reparurarbeiten" an Hartz IV kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Statt nun wirklich die notwendigen Strukturreformen energisch anzugehen,einigt man sich in der Großen Koalition offenbar immer nur auf dem jeweils kleinsten Nenner und kommt nicht voran. Ist es wirklich so schwer, das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe umzusetzen und kann wirklich kein Politiker die 12 Seiten der Einkommensteuerreform von Prof Kirchhof begreifen: Wohin man auch blickt: Überall hektische Baustellenarbeit und der Masterplan für die Sanierung Deutschland existiert noch nicht einmal im Entwurf. So wird Deutschland doch noch weiter abgehängt und - was noch schlimmer ist - verpasst die derzeitige Konjunktur als Chance für die dringend notwendigen (Struktur-)Reformen. Daher meine Fragen: 1. Haben wir nicht ein tiefsitzendes Entscheidungs-Defizit-Problem, das quasi als "systemimmanenter" "Flaschenhals" für notwendige Reformen fungiert? 2. Wie gehr es eigentlich einem Wissenschaftler, der gerade nicht aus dem "Elfenbeinturm" agiert, aber offenbar dauernd an der Politik vorbeiredet (wie mit den sechs Punkten zur Aktivierenden Sozialhilfe - ist das nicht langsam frustrierend? Danke und mit freundlichen Grüßen Ihr Volker Reich
Sehr geehrter Herr Reich, erlauben Sie mir, an Prof. Sinns Stelle zu antworten. Bei der letzten ifo Jahresversammlung gab es nachmittags eine Expertenrunde zum Thema "Jobs für Deutschland". Die anwesenden Politiker wurden immer wieder auf die Entscheidungsschwäche der Regierenden angesprochen. In der Antwort hat man einfach auf das letzte Wahlergebnis hingewiesen und gesagt, die Verhältnisse seien so gewählt worden. Da mag was Wahres dran sein. Prof. Sinn hat sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass seine Vorschläge der Aktivierenden Sozialhilfe von der gegenwärtigen Regierung so nicht umgesetzt werden. Dennoch sieht er darin keinen Grund, vom als richtig erkannten Weg abzuweichen. Erstens ist nach der Wahl vor der Wahl. Und zweitens sieht er keine vernünftige und verantwortbare Alternative. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, ich befasse mich derzeit mit ihrem Modell der aktivierenden Sozialhilfe und habe dazu eine Frage: Wenn ein Arbeitsunwilliger, welchem nach ihrem Modell die staatlichen Zahlungen im Vergleich zum heugtigen ALG2 Nivau um 30% gesenkt werden sollen, Kinder hat, wie ist dann zu gewährleisten, dass das Exitenzminiumum des Kindes gesichert ist? Die staatliche Zahlung plus Kindergeld dürften nicht ausreichen, um dem Arbeitsunwilligen und dem Kind das Exitenzminimum zu sichern. Könnte es hier sogar verfassungsrechtliche Probleme geben?
Sehr geehrter Herr Münstermann, Sie fragen, wie im ifo-Vorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe das Existenzminimum von Kindern gesichert ist, wenn der Haushaltsvorstand keine Arbeit aufnimmt. Aussagen dazu finden Sie in H.-W. Sinn, Ch. Holzner, W. Meister, W. Ochel, M. Werding, "Aktivierende Sozialhilfe. Ein Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum", ifo Schnelldienst 55, Nr. 9, 2002. Dabei handelt es sich um ein Sonderheft der ifo-Zeitschrift. Auf Seite 32 heißt es: "Für im Haushalt lebende Kinder werden in Zukunft einheitliche, vom (Arbeits-) Einkommen der Eltern unabhängige Beiträge in Höhe des gegenwärtigen Kindergelds (im Regelfall 154 Euro, bei vierten und weiteren Kindern 179 Euro) gezahlt." Wie im davorliegenden Abschnitt "Kinderbezogene Leistungen" (S. 28-30) dargelegt, wird die Absicht verfolgt, eine einkommensunabhängige Unterstützung der Kinder zu schaffen, und es wird zunächst einmal das gegenwärtige Kindergeld als Maß für die Leistungshöhe vorgeschlagen. Im alten System der Sozialhilfe war wegen der einkommensabhängigen Unterstützung der Kinder die "Bestrafung" des Haushalts bei Arbeitsaufnahme sehr hoch. Es empfiehlt sich also, den Schnelldienst-Aufsatz aus dem Jahre 2002 nochmals zu lesen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Konträr Ihrer Meinung Herr Prof. Sinn möchte ich meine Sichtweise des „Ökonomie-Outputs zu Besten geben Die angebotsorientierte Wirtschaftpolitik oder anders ausgedrückt: die „sayische“ Behauptung, jegliches Angebot schaffe sich seine Nachfrage selbst und deren Zauberworte mehr hat wirkungsvoll gezeigt, zu welchen Mehrwert-Schaffungen der Neoliberalismus im Stande ist, da wären: Massenarmut, Verelendung und Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen und vor allem sein Lieblingsspiel: Massenarbeitslosigkeit herbeiführen und der gleichen mehr. Einst war die Geisel der Menschheit die gefürchtete Pest heute ist es der Kapitalismus in seiner Reinform, verblüffend ist, wie groß seine verblendete Gevolksschaft ist und gottgleich daran glauben und nicht erkennen, daß Freiheit immer die Freiheit anders Denkender sein muß, geschweige denn verstehen, was unter dem kategorischen Imperativ zu verstehen ist, denn volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen unterliegen keinem Naturgesetz Uwe Nutz, übrigens ich bin kein Sozialist oder einer sonstigen linken Gruppierung angehörig
Sehr geehrter Herr Nutz, die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland ist ein Faktum, das es zu erklären gilt. Ich glaube nicht, dass die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik dahinter steckt, da eine solche Politik nicht praktiziert worden ist. Die im Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten sind durch einen überzogenen Sozialstaat geschaffen worden, der z.B. den gering Qualifizierten keine echten Chancen auf dem Arbeitsmarkt lässt. Die sehr hohen Arbeitskosten haben die Unternehmen veranlasst, ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. Man redet den Leuten ein, man könne die Folgen der Globalisierung einfach ignorieren und müsse sich dem weltweiten Wettbewerb nicht stellen. Wahr ist jedoch: Je eher wir uns auf den globalen Wettbewerb einstellen, desto eher werden sich die Dinge zum Besseren wenden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich las ein wenig im Forum herum. Dabei kam mir der Gedanke ob ich in einem andern Land lebe. Ich selbst bin Freiberufler auf Steuerklasse 5. Ich werde durch diese Steuerlast erwürgt. Durch Fleiß und Kreativität erwirtschaftete Einkünfte wurden durch die gemeinsame Veranlagung komplett eingezogen. Dadurch haben wir errechnet das wir Netto mehr haben wenn die Arbeit heruntergefahren wird. Ich hatte vor jemanden einzustellen was dadurch natürlich unmöglich geworden ist . Meine Frage, sehen Politiker eigentlich nicht was mit dieser Steuerpolitik ausgelöst wird? Fleiß wird hier ja regelrecht bestraft. Das betrifft meistens die Frauen die versuchen wieder in einen Beruf zu kommen, nur die Arbeiten dann aus Hobby und vor allem umsonst. Dadurch geht doch enorm viel Kreativität verloren, von Motivation gar nicht zu sprechen. Außerdem würde mich mal Interessieren wie die positiven Stimmungen im Land entstehen. Um mich herum schließen Betriebe reihenweise, Ärzte schließen ihre Praxen. Auf der Straße herrscht blanker Krieg zwischen Deutschen Russen und Türken. Aber die Politiker reden Friede Freude Eierkuchen, von Integration. Doch meine Erfahrung sagt mir dass es eher umgekehrt ist, und immer mehr wird. Warum sollen die sich denn Integrieren, sie haben doch schon längst die Macht. Wer es nicht glauben mag, dem wünsche ich z.B. einen angenehmen nächtlichen Spaziergang im Franfurter Bahnhofsviertel. Oder in Köln Kalk, im Ruhrgebiet und noch vielen andere Orten. Sind die Politiker soweit weg von der Realität der Straße oder Interessiert es sie einfach nicht? Was das Elterngeld angeht so wird das nur Wirkung zeigen auf die Leute die damit verdienen wollen mit allen Konsequenzen. Denn in einer Karriere stören Kinder nur. Ich denke, dass es nur eine privat zu bewertende Entscheidung ist. Und Vervielfältigung ist nicht jedermanns Sache und schön findet es auch nicht jeder. Ist Deutschland noch zu retten? Im Elfenbeinturm, möglicherweise. Auf der Straße: Nein. Oder sehe ich da was falsch?
Sehr geehrter Herr Müller, Sie klagen darüber, dass die Abgabenbelastung auf Ihr Einkommen als Freiberufler sehr hoch sei. Das ifo Institut befasst sich regelmäßig mit der Abgabenbelastung auf das Arbeitseinkommen. Eine aktuelle Zusammenstellung der Ergebnisse finden Sie in W. Meister, "Abgabenbelastung des Faktors Arbeit", ifo Schnelldienst 85, Nr. 24, 2005, S. 6-17. Zusammenfassend wird dort festgestellt, dass "derzeit in Deutschland rund zwei Drittel der Wertschöpfung, die durch zusätzliches Arbeitseinkommen entsteht, in Form von Steuern oder Sozialabgaben an den Staat" gehen. Dieses Niveau ist eindeutig zu hoch. Das Niveau der Abgabenlast ist in anderen Ländern (ausgenommen Frankreich) deutlich niedriger. Zwar ist das Nettoeinkommen zwischen 1998 und 2004 auch in Deutschland gestiegen, u.a. wegen der Steuerreformen der rot-grünen Koalition, aber in den anderen betrachteten Ländern eben noch mehr. Die Einführung des Elterngelds sehe ich nicht so pessimistisch wie Sie. Mit dem Elterngeld erhalten auch Normalverdiener einen echten Lohnersatz, wenn sie ihre Zeit (12-14 Monate) den Kindern widmen. Natürlich ist die Entscheidung für Kinder eine persönliche oder private Entscheidung. Die ökonomischen Konsequenzen dieser Entscheidung muss der Staat jedoch bei der Frestlegung von Steuern und Abgaben jedoch berücksichtigen und einen gewissen Ausgleich zwischen jenen herbeiführen, die Kinder betreuen, und jenen, die dies nicht tun. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Grundsätzlich Ihren Vorschlag für einen Kombilohn;denn er geht in die Richtung der noch revolutionäreren Negativsteuer von Milton Friedman,die die Armut bekämpft,ohne eine gigantische,bevormundende und ihre "Kunden"oft auch entwürdigende Bürokratie.Entgegen manchen Befürchtungen,denke ich wird diese Idee schon allein deshalb den Arbeitnehmern eher nützen.Die Betroffenen wären wieder(fast)vollwertige Marktteilnehmer,das Selbstvertrauen(eigene Arbeitsleistung,oder wie Sie es nennen "das Mitmachen")würde größer. Noch ein weiteres Argument fällt mir zum Kombilohn ein: Der Arbeitsmarkt unterscheidet sich meines Erachtens von anderen Märkten dadurch,daß bei extrem niedrigen Preisen(Löhnen),das Angebot nicht wie üblich zurückgeht,sondern bei Unterschreiten des jeweils individuell empfundenen Existenzminimums wieder zunimmt.Daraus ergibt sich für mich ein struktureller Nachteil für die Arbeitnehmerseite.Der Kombilohn,noch mehr aber die Negativsteuer,könnte dieses Problem abmildern.Auf diese Idee scheint bei den Gewerkschaften noch niemand gekommen zu sein.Wie ist ihre Meinung dazu? Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Arbeit Jens Christian Heuer
Sehr geehrter Herr Heuer, Prof. Sinn hat schon 2002 mit seinem Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe eine Art Kombilohn zur Entlohnung von gering Qualifizierten vorgeschlagen. Die Idee ist, dass man den Marktlohn für gering Qualifizierte akzeptiert und nicht durch Mindestlohnvorschriften verfälscht, dass der Staat aber in diesem Fall einen Lohnergänzung gibt, die schließlich zusammen mit dem Arbeitslohn zu einem akzeptablen Einkommen führt. Ein Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass die Unternehmen bei den sich einstellenden niedrigen Marktlöhnen eine hohe Arbeitsnachfrage entwickeln werden. Eine aktualisierte Fassung dieses Vorschlags finden Sie im Aufsatz "Aktivierende Sozialhilfe 2006: Das Kombilohn-Modell des ifo Instituts", ifo Schnelldienst Nr. 2, 2006 auf den Seiten 6-27. Bisher ist nicht klar, ob die Regierung diesen Vorschlag aufnehmen will. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Zunächst einmal vielen Dank für die auf meine Anfrage über das deutsche Gesundheitssystem von Herrn Dr. Koll zugeschickte Antwort! Ihre ökonomischen Erklärungen auf die wirtschaftliche Misere Deutschlands sind meines Erachtens zwar völlig richtig und eigentlich auch trivial aber, wenn ich andere Leute in Gesprächen davon überzeugen will, dass die Lohnkosten in Deutschland zu hoch sind, wird häufig das dänische Lohnniveau erwähnt, das in den Publikationen immer höher liegt als in Deutschland. Leider bin ich kein Volkswirt, sondern Schüler, und habe nicht genug Zeit und Fachwissen, um die dänische Wirtschafts- und Lohnentwicklung zu beobachten und zu verstehen. Daher meine Frage: Warum ist die Arbeitslosigkeit in Dänemark trotz höherer Lohnkosten soviel niedriger als in Deutschland? Was haben die Dänen anders bzw. besser gemacht als wir? Vielen Dank für eine hoffentlich baldige Antort! Mit freundlichen Grüßen Daniel Burmeister
Sehr geehrter Herr Burmeister, Sie fragen, wie, im Vergleich mit Deutschland, die hohen dänischen Arbeitskosten zu den niedrigen Arbeitslosenquoten passen. Im Jahre 2004 waren die dänischen Arbeitskosten höher als die deutschen. In Dänemark sind die Sozialleistungen sehr hoch, was die vergleichsweise hohen Arbeitskosten erklärt. Am besten Sie lesen den Aufsatz "Industrielle Arbeitskosten im internationalen Vergleich" von Christoph Schröder in iw-trends 3/2005 nach. Sie können ihn auch von der Website des Instituts der deutschen Wirtschaft www.iw-koeln.de herunterladen. Beim internationalen Vergleich der Arbeitslosenquoten empfiehlt es sich, die standardisierten Quoten der OECD zu verwenden. Im Jahre 2004 betrug die dänische Quote 5,4% und die deutsche 10,5%. Zur Erklärung der niedrigeren dänischen Arbeitslosenquote ist meiner Ansicht nach folgendes zu bedenken: • In Dänemark ist der Kündigungsschutz schwächer als in Deutschland. D.h. Arbeitssuchende finden schneller Arbeit. In Dänemark ist der Arbeitsmarkt viel weniger reguliert. Im Employment Outlook der OECD 2004 finden sich Indikatoren über die Stärke des Kündigungsschutzes. Sowohl bei normalen Arbeisverhältnissen als auch bei Teilzeitverträgen erhält Dänemark deutlich niedrigere Werte als Deutschland. • In Dänemark werden Arbeitssuchende nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" wirksamer zur Annahme einer Arbeit gedrängt. Neben den Rechten werden die Pflichten der Arbeitslosen stark betont. • In Dänemark, wie in Skandinavien allgemein, spielt der Staat als Arbeitgeber eine viel größere Rolle als bei uns. Man geht wahrscheinlich zu weit, hierin ein systematisches Verstecken von Arbeitslosen zu sehen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich bin von ihrem Modell "Kombilohn" überzeugt. So hoffe ich, dass die Regierung den Kombilohn recht bald einführt. Leider muss ich durch in den Medien immer wieder feststellen, dass viele Politiker dagegen sind. Das finde ich Schade, denn ich halte Ihr Modell bestens geeignet um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Mit freundlichen Grüßen Jürgen Kröger
Sehr geehrter Herr Kröger, haben Sie vielen Dank für Ihre moralische Unterstützung. Hoffen wir, dass viele so denken wie Sie. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, kein Tag vergeht, an dem man nicht über die vielen Strukturprobleme in Deutschland mit neuen Hiobsbotschaften "informiert" wird. Extrem hohe Arbeitslosigkeit, massive Krise der sozialen Sicherungssysteme, demographische Abwärtsspirale, verfehlte Zuwanderungspolitik, Bildungskrise, Altersarmut etc. Immer und immer wieder greifen die Medien diese Themen genüßlich auf. Die Verunsicherung in der Bevölkerung wird dadurch natürlich immer größer und selbst gut informierte Menschen, zu denen ich mich eigentlich zähle, geraten ins Grübeln. Dabei gibt es soviele hochinteressante Diskussionsbeiträge und Lösungsansätze von Gelehrten, Instituten und Fachorganen. Auch aus Ihrem Hause kommen regelmäßig wachstumsfördernde und zukunftssichernde Vorschläge, die eigentlich "nur noch" umgesetzt werden müssen. Und da liegt aus meiner Sicht das Kernproblem. Wenn doch die wichtigen und richtigen Maßnahmen zur Bewältigung der "Krisen" offen auf dem Tisch liegen, warum hat man dann das Gefühl, es geschieht nichts ? Ist eine Politik der kleinen Schritte, wie sie von der Kanzlerin gepflegt wird, der richtige Weg ? Müßten nicht sämtliche Probleme ohne Zeitverzug massiv angegangen werden ? Hätte die Große Koalition aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht die Chance, alle Lösungsansätze zu verwirklichen ? Oder sind die nach wie vor vorhandenen politischen Gegensätze und die vielen unterschiedlichen Interessengruppen DER Bremsklotz für Reformen ? Als Bürger kann man da schon verzweifeln und liegt hier nicht auch der Nährboden für die zunehmende Abkehr der Bevölkerung vom politischen System ? Die miserable Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen deutet doch darauf hin. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner Ungeduld und es braucht wirklich Zeit (die ja eigentlich nicht mehr vorhanden ist) um die Zukunft dieses Landes zu sichern.
Sehr geehrter Herr Ebeling, erlauben Sie mir, an Stelle Herrn Professor Sinns zu antworten. Sie fragen sich, warum die auf dem Tisch liegenden Reformvorschläge nicht schneller umgesetzt würden. Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich nur ein Umsetzungsproblem haben, wie Sie das offenbar meinen. Schon das Ergebnis des Diagnose wird oft nicht von allen Entscheidungsträgern akzeptiert. Nehmen Sie als Beispiel die Situation der öffentlichen Haushalte. Während ein Großteil der Experten Ausgabenkürzungen vorschlägt, dringen andere auf eine Verbesserung der Einnahmenseite, d.h. auf eine weitere Erhöhung von Steuern und Abgaben. Nur wenn das Ergebnis der Diagnose von der Mehrheit bejaht wird, kann man sinnvollerweise mit der Therapie beginnen. Der Ruf nach dem "Big-Bang" hört sich zwar gut an, in einer demokratisch verfassten Gesellschaft, die mittels politischer Mehrheiten entscheidet, lässt sich ein solches Verfahren nur sehr schwer durchführen. Ich denke, bei den anstehenden Reformen braucht es viel Geduld, vielleicht auch viele kleine Schritte. Nie aufhören darf jedenfalls das Bemühen, die Öffentlichkeit über die realen volkswirtschaftlichen Sachverhalte aufzuklären. Das Wissen um volkswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten vermisse ich bei vielen öffentlichen Diskussionen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Lohndumping; Liebe Doktoren und Wissenschaftler - Gscheid Redner ? Das füttern eines PC's mit Daten einer oft fragwürdigen Software mit vielen falschen Parametern birgt immense Gefahren. In erster Linie gilt es die extremen Lohnunterschiede auszugleichen. Dann die lieben anonymen Aktionäre etwas zu beschneiden und zwar weltweit, damit der ungehemmte Geldtransfer nicht mehr so leicht möglich ist. Börsenschwindler und nachweisliche Ausbeuter gehören lebenslang hinter Gittern, so wie Bankräuber und Mörder. Denn diese Gewissenlose Ausbeutung ( anonymes Kapital)verleitet immer mehr Menschen zu einem noch nie da gewesenem EGO Trip. Es wird dann einfach als notwendige, ganz normale Vorgangsweise angenommen, wenn tausende/millionen Ihre Familien nicht mehr ernähren können . Wer sich mit Pyramidenspielen genauer beschäftigt, kommt allmählich drauf, dass es in der Wirtschaft genauso zu geht. So, nach dem Motto " den letzten beißen die Hunde " Nur durch andere weltweit geänderte Rahmenbedingungen im Sinne einer ehrlichen Bezahlung der Arbeit ist die Stimmung in der Welt wieder anzuheben. Dadurch steigen auch die Löhne und die Arbeitsleitungen wieder an. Eine positive STIMMUNG in Begleitung von Reformen für Arbeitnehmer und Familien fördert erheblich die allgemeine Wirtschaftslage. Ich weis von was ich spreche- nur das Kapital will nicht zuhören. Man kann nur hoffen, dass die Vernunft wieder die Oberhand bekommt. LG aus Österreich PS: Am schlimmsten sind die Berater ( skrupellos max. Gewinn )
Sehr geehrter Herr Freisinger, vielen Dank für Ihren Beitrag im Diskussionsforum des ifo Instituts. Erlauben Sie mir, an Prof. Sinns Stelle zu antworten. Ich bin nicht der Meinung, dass Entlohnungsunterschiede zwischen Personen, die auf tatsächliche Unterschiede in deren Leistungsfähigkeit zurückzuführen sind, staatlicherseits ausgeglichen werden sollen. Eine "ehrliche Bezahlung der Arbeit", wie Sie sie zu Recht fordern, verlangt keine Gleichmacherei. Dadurch etwa, dass man den gering Qualifizierten Lohnersatzleistungen zuspricht, die über ihrer Leistungsfähigkeit liegen, haben sie keine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt. Einverstanden bin sehr damit, dass die Umsetzung notwendiger Reformen die Wirtschaft in Schwung bringen könnte und dass eine positive Stimmung dabei hilfreich sein kann. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
meine fragen an herrn sinn: a] wie hoch sind die subventionen der öffentlichen hand ["blaue-liste-institut" / wgl] für das ifo-institut in 2005 und 2006? b] wie hoch ist der anteil der öffentlichen subventionen an ihrem gehalt [prozentual & real] in 2005 und 2006? c] sind sie für die gänzliche streichung der öffentlichen subventionen für das ifo-institut, ergo ihr einkommen? wenn nein: warum nicht? d] wie schätzen sie selbst ihren - betriebs- wie volkswirtschaftlich berechneten - "mehrwert" für die gesellschaft ein? was kosten sie und was bringen sie? e] erfüllen sie nach eigener einschätzung den auftrag der wissenschaftlichen arbeit, für die sie von der öffentlichen hand bezahlt werden? zu bedenken: zeiteinsatz für talkshows, interviews etc. f] sind sie bereit - und sehen sie sich persönlich dazu fähig - , künftig als selbständiger in deutschland zu arbeiten - ohne direkte wie indirekte subventionen und ohne "krumme" geschäfte? um öffentliche antwort wird gebeten. mit freundlichen grüßen marc fritzler unternehmer, münchen
Sehr geehrter Herr Fritzler, vielen Dank für Ihre Mail vom 16. März an Prof. Sinn. Erlauben Sie mir, an seiner Stelle zu antworten. Sie haben eine Reihe von Fragen, die persönliche Daten von Prof. Sinn betreffen und die ich nicht beantworten kann. Die Frage jedoch nach dem gesellschaftlichen Nutzen des ifo Instituts ist wichtig und wird natürlich auch von den öffentlichen Zuwendungsgebern des ifo Instituts gestellt. Zu diesem Zweck wird das ifo Institut, wie andere Institute auch, von Zeit zu Zeit von einem unabhängigen Wissenschaftlergremium evaluiert. Dieses ist zuletzt im vergangenen Oktober geschehen. Das Ergebnis wird noch in diesem Sommer feststehen und der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Das ifo Institut ist zuversichtlich, dass seine Arbeit dabei angemessen und positiv bewertet wird. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die unsägliche Mindestlohndebatte, bei welcher sich ja nun offensichtlich auch unsere Bundeskanzlerin einwickeln lässt, führt regelmäßig zur Feststellung, es gäbe in anderen europäischen Ländern bereits Mindestlöhne, und dies durchaus auch im Bereich von € 7 und mehr. Nicht wirklich diskutiert wird jedoch die Umsetzung und die Erfahrung, die mit Mindestlöhnen in diesen Ländern tatsächlich gemacht wurde, welche Auswirkungen sie haben, ob diese überhaupt umgesetzt werden. Wie begegne ich diesen Argumenten? Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der Süßwarenindustrie, und unser Tarifvertrag beginnt hier in Bayern bei € 7,71. Es wäre fatal, wenn neben unserem aufgrund der Geburtenrate schrumpfenden nationalen Markt jegliche Exportchance für unsere handarbeitsintensiven Produkte durch einen Eingriff in die Tarifautonomie vereitelt würde. Mit freundlichen Grüßen, Christof Küchle
Sehr geehrter Herr Küchle, vielen Dank für Ihre Mail vom 15. März an Prof. Sinn. Erlauben Sie mir, an seiner Stelle zu antworten. Gesetzliche Mindestlöhne gibt es meines Wissens (Stand Frühjahr 2006) in den USA und in Europa in Belgien, Tschechien, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, den Niederlanden, Polen, Portugal, Slowenien, Slowakei, im Vereinigten Königreich, in Bulgarien, Rumänien und in der Türkei. Sie reichen, auf Stundenbasis umgerechnet, von 0,47 Euro in Bulgarinen bis 8,69 Euro in Luxemburg. In den USA hat man 4,25 Euro und in Großbritannien 7,36 Euro. In Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Irland und in den USA wird der Mindestlohn pro Stunde festgelegt, in den anderen Ländern pro Monat. Einen guten Überblick finden Sie in Th. Schulten, R. Bispinck, C. Schäfer (Hrsg.), Mindestlöhne in Europa, VSA-Verlag: Hamburg, 2006. Neben den genannten Festlegungen gibt es in vielen Ländern eine Reihe von Ausdifferenzierungen. So hat Großbritannien nebem dem Mindeststundenlohnsatz von 7,50 Euro für die Erwachsenen ab 22 Jahren einen Richtwert für die 18- bis 21-Jährigen sowie diejenigen, eine neue Tätigkeit bei einem neuen Arbeitnehmer aufnehmen, von 6,30 Euro und einen Jugendlohnsatz von 4,40 Euro. Man versucht also, einen "zu hohen" Mindestlohn zu vermeiden. Generell sind Mindestlöhne kritisch zu sehen, da sie, falls über dem Marktlohn, die Arbeitslosigkeit steigern, falls unter dem Marktlohn, eigentlich überflüssig sind. Wie sie in Deutschland wirken würden, hängt letztendlich von der konkreten Ausgestaltung ab, d.h. vom festgelegten Wert und ob man zum Beispiel, wie in Großbritannien, auf die besonderen Bedingungen der Jugendlichen und Berufseinsteiger Rücksicht nimmt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, sehr geehrte ifo Mitarbeiter, ich unterstütze das vom ifo Institut entwickelte Modell der aktivierenden Sozialhilfe (AS) im Prinzip voll und ganz. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kernpunkte des Modells im anstehenden Gesetzgebungsprozess zu Kombilöhnen übernommen werden (Stichwort: Mindest-Kombilohn [schauder!]). Trotzdem hätte ich eine Frage an Sie: Haben Sie sich eigentlich auch Gedanken über die konkrete Ausgestaltung der AS gemacht? Ein Beispiel: Erwerbsunfähige Personen sollen weiterhin Sozialleistungen erhalten, die einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen. Das muss so sein, da diese Menschen ihr Einkommen nicht durch Niedriglohn-Jobs erhöhen können. Ich stelle mir nun die Frage, welche Möglichkeiten der Staat hat, die Erwerbsfähigkeit zu überprüfen. Für Arbeitsunwillige ist es doch in der Regel kein Problem, sich Arbeitsunfähigkeit attestieren zu lassen (Das habe ich als Schüler schon gemacht; und zwar aus weitaus geringfügigeren Gründen als dem Erwerb des Lebensunterhalts). Es gibt meiner Meinung nach nur 2 Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen, nämlich entweder durch erheblichen Kostenaufwand (Amtsärztliche Überprüfung o.Ä.; sind solche Kosten in der ifo-Schätzung schon berücksichtigt?), oder dadurch, dass die Basis-Sozialleistungen für Arbeitsunwillige und Erbwerbsunfähige gleich hoch sind; damit würde sich opportunistisches Verhalten auf keinen Fall mehr lohnen. ...dann wäre die AS aber (je nach Höhe des Mindestsatzes) entweder mit wirklichem "sozialem Kahlschlag" gleichzusetzen, da Erwerbsunfähige zu wenig Hilfe erhielten, oder sie wäre wirkungslos: Die Frage, ob jemand Bereit ist, für 2-3 Euro / Stunde zu arbeiten, hängt doch entscheidend davon ab, welche Grundausstattung er vom Staat erhält... Vielleicht haben Sie ja einen Lösungsansatz für dieses Problem (und Weitere, die sich durch das AS Modell ergeben)... ...Bitte um Aufklärung. Mit freundlichen Grüßen, F. Guldner
Sehr geehrter Herr Guldner, die Frage der Erwerbsfähigkeit ist mit Einführung der Hartz IV-Reform am 1. Januar 2005 entschieden. Als erwerbsfähig gelten Personen, die unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes täglich mindestens drei Stunden arbeiten können. Eine Erwerbsfähigkeit kann nur durch amtsärztlich festgestellte, gesundheitliche Gründe (Krankheit oder Behinderung) ausgeschlossen werden. Bei strittigen Grenzfällen werden vermutlich Gerichte entscheiden. Die Aktivierende Sozialhilfe geht also davon aus, dass man erwerbsfähige und nicht-erwerbsfähige Personen zutreffend unterscheiden kann, so wie dies bereits unter Anwendung der Hartz IV-Regeln geschieht. Daher können erwerbsfähige und nicht-erwerbsfähige Personen auch unterschiedlich behandelt werden, so wie die Aktivierende Sozialhilfe das vorsieht. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie schreiben "Wenn der Staat Menschen fürs Arbeiten bezahlt, anstatt nur, wenn sie nicht arbeiten, wie das heute der Fall ist, implizieren Sozialleistungen auch keinen Mindestlohn." Jede Form des Sockels befriedigt einen Teil der Bedürfnisse, die ansonsten nur befriedigt worden wären, in dem für die Bedürfnisbedriedigung notwendigen Mittel durch Arbeit erlangt worden wären. Aus dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzen ergibt sich sofort, dass die staatliche Alimentationen nur dann nicht zu einem höheren Lohnanspruch führen, wenn der (mittelbare) Grenznutzen der Arbeit gleich hoch wäre, wie er ohne Eingriff wäre. Da ein Teil der Bedürfnisse aber schon befriedigt wurde, und von jeder weiteren Einheit der durch Arbeit apropiierten Mittel somit ein geringerer Nutzen ausgeht, ist das schon logisch unmöglich. Selbst wenn der Staat ausschliesslich für die Arbeit zahlt und nichts für die Nichtarbeit, dann wird ein Teil der Arbeiten nicht mehr verrichtet werden. Zwar ist der Lohn auf Seiten des Arbeitgebers für die ersten Anteile der Arbeitsleistung niedriger, als er ohne Lohnsubvention wäre, aber ab einer gewissen Arbeitsmenge steigen die Lohnforderungen stärker, als es ohne Subvention des Lohnes der Fall wäre, weil auch die Musse allgemein als Ziel menschlichen Handelns angesehen werden muss. Illustrierend kann das durch die langjährig beobachtbare Abnahme der Jahresarbeitsstunden in hoch entwickelten Ländern dargestellt werden. Diese tritt ein, obwohl (oder besser eben weil) die Arbeit effektiver ist und dadurch das Nichtstun häufiger dem Arbeiten vorgezogen wird. Wollte man tatsächliche die Menge der bewirtschafteten Arbeitskraft erhöhen, dann müsste der Staat die Arbeit in der Weise besteuern, dass der Grenznutzen der Arbeit höher ist als ohne die Steuer. Da aber niemand ernsthaft die Einführung einer umgekehrt progressiven Steuer befürworten wird (beispielsweise eine Kopfsteuer, diese würde so wirken), so bleibt lediglich anzuerkennen, dass der Staat niemals sozial sein kann (i.s.V. Redistribution von reich nach arm) und gleichzeitig die bewirtschaftete Arbeitsmenge erhöht.
Sehr geehrter Herr Scheel, im einfachsten mikroökonomischen Nutzenkalkül, das zur Bestimmung des optimalen Arbeitsangebots führt, werden zwei Argumente betrachtet, nämlich Freizeit und Güterkonsum, repräsentiert durch das Arbeitseinkommen. Beide Argumente stiften positiven Nutzen; der Grenznutzen nimmt mit steigendem Verbrauch von Freizeit bzw. sonstigem Güterkonsum, insoweit er durch das Arbeitseinkommen ermöglicht wird, ab. Von einem Grenznutzen der Arbeit zu sprechen, ist in diesem Zusammenhang irreführend. Die langfristig beobachtbare Abnahme der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person und Jahr hat sicherlich viele Ursachen. Eine davon ist jedenfalls, dass in vielen Tarifverträgen niedrigere Wochenarbeitszeiten vereinbart worden sind. Diese Entwicklung ist für sich genommen noch nicht negativ, weil die Menschen i.d.R. lieber mehr Freizeit genießen als mehr arbeiten möchten. Die Entwicklung ist dennoch negativ zu bewerten, weil dadurch unsere Arbeitskosten im internationalen Vergleich auf die Spitze getrieben worden sind. In der Folge haben viele Unternehmen ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland verlagert. Die deutschen Arbeitnehmer hatten an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren, und die Arbeitslosenzahlen wurden höher und höher. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Hallo Herr Professor Sinn, ich möchte ihnen eine Frage stellen, bei der mir die Antwort immer noch nicht ganz klar ist und die von linken Politikern immer wieder als Argument gegen liberale Politik angeführt wird: Wieso sind die skandinavischen Staaten, bspw. Dänemark, trotz ihrer so immens hohen Staatsquote ökonomisch doch relativ erfolgreich (deutliches höheres Wachstum)? Wiederspricht das nicht jedem ökonomischen Modell, dass wenn viel Geld über den Staat distribuiert wird, der Markt deutlich weniger zum Zuge kommt, Steuern und Abgaben die Produktionsfaktoren belasten und somit die Ökonomie eigentlich ineffizienter sein sollte?
Sehr geehrter Herr Bataille, Ihre Beobachtung trifft zu, dass skandinavische Länder wie etwa Dänemark, Finnland und Schweden in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen sind als Deutschland und dieses höhere Wachstum mit signifikant höheren Staatsquoten einherging. Nach Angaben der OECD betrug im Jahre 2005 die deutsche Staatsquote ("General government total outlays") 46,8%,die dänische 54,0%, die finnische 50,9% und die schwedische 57,2%. Sie haben damit ein vielschichtiges Problem angesprochen, das nicht mit einem einzigen Argument erklärt werden kann. Ich will nur wenige Punkte ansprechen, die mir wichtig erscheinen. Das im Vergleich niedrige Wachstum in Deutschland hat einmal mit der indirekten Konkurrenz des Sozialstaates gegen die privaten Unternehmer zu tun. Unser Sozialsystem setzt faktisch eine Lohnuntergrenze, unter der sich eine Arbeitsaufnahme nicht lohnt. Da diese Lohnuntergrenze hö-her ist als das, was ein großer Teil der gering Qualifizierten leisten können, wird dieser Personenkreis vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Sie tragen nichts zur Wirtschaftsleistung bei und werden vom Sozialstaat unterstützt. Ein weiterer Grund für das vergleichsweise niedrige deutsche Wachstum liegt in den hohen deutschen Arbeitskosten, die viele Firmen veranlassen, ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland zu bringen mit entsprechend abträglichen Folgen für unseren Arbeitsmarkt. Nicht zu vergessen ist aber auch, dass viele skandinavische Länder eine sog. duale Einkommensbesteuerung haben, bei der die Steuerbelastung des Kapitals geringer als jene des sonstigen Einkommens ist. Dadurch haben weniger Firmen Veranlassung, ihren steuerlichen Unternehmenssitz in ein Niedrigsteuerland zu legen mit entsprechend günstigen Folgen für die Steuereinnahmen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin zwar erst fünfzehn Jahre alt, interessie mich dennoch für Politik und Wirtschaft. In meinem Alter interessieren sich die meisten dafür eigentlich gar nicht, und wenn, dann sind sie wirtschaftlich doch immer ziemlich "links" häufig schon "sozialistisch" eingestellt. Ich denke aber eher, dass eine liberale (ich mag das Wort "rechte" hier nicht) Wirtschaftspolitik besser ist. Ich hoffe, Sie können mir einige Fragen zu Wirtschaft und Ihren Modellen und Ideen beantworten, auch wenn ich vielleicht noch keine so große Ahnung über Wirtschaft habe. 1) Bekanntermaßen ist die Geburtenrate in Deutschland sehr niedrig. Man sagt ja, dass es notwendig ist, dass mehr Kinder geboren werden, damit die Rente finanziert werden kann (bzw. allgemein die Sozialversicherungen), da es dann natürlihc mehr Steuerzahler und auch Einzahler in die Sozialversicherungen gibt. Nun stellt sich mir aber die folgende Frage: Wenn man mehr Kinder und somit auch später mehr "Arbeiter" hat, können diese doch nur in die Sozialversicherung einzahlen bzw. allgemein Steuern zahlen, wenn sie auch in Arbeit sind. Doch wir haben doch im Moment das Problem, dass die Arbeitsplätze eigentlich nicht da sind. Durch die erhöhte Bevölerung durch höhere Geburtenraten würde es doch nicht mehr Arbeitsplätze und somit eigentlich auch nicht mehr Einzahler in die Sozialversicherungen geben. Eher wirkt es sich doch nachteilig aus, da schließlich mehr Kindergeld und ggf. (höchstwahrscheinlich nach derzeitiger Lage) auch mehr Arbeitslosengeld bezahlt werden müsste. Was ich sagen will: Solang die Arbeitsplätze nicht da sind, bringen doch mehr Kinder überhaupt nichts, oder irre ich mich da? 2) Sie fordern doch niedrigere Löhne, damit vorallendingen die Binnennachfrage durch Investitionen steigen kann. Heißt das dann, dass sie eigentlich nicht eine Senkung der Arbeitslosenzahlen damit erreichen wollen, sondern durch das gesparte Geld bei niedrigeren Löhnen "nur" höhere Investitionen? Inwiefern hängen höhere Investitionen und Schaffung neuer Arbeitsplätze zusammen? Wird nicht durch niedrigere Löhne auch weniger in die Sozialversicherungen eingezahlt? 3) Ist es nicht trotzdem so, dass durch niedrigere Löhne die Binnennachfrage sinkt. Also ich meine jetzt nicht die Binnenachfrage durch Investitionen, sondern durch die normale erhöhte Kaufkraft eines jeden Bürgers. Schließlich haben wir eine Inflation von immerhin 2%. Wie soll dann mehr von einem "normalen" Bürger gekauft werden, wenn er weniger Geld hat? Ich treffe immer wieder auf dieses Argument, wenn ich versuche andere von liberaler Wirtschaftspolitik zu überzeugen. 4) Was sind diese Lohnstückkosten? Wie wichtig sind sie im Vergleich zu den normalen Lohnnebenkosten? Wie würden Sie vorschlagen, die Lohnnebenkosten zu senken? Oder ist es erstmal sowieso wichtiger, die Löhne zu senken? 5) Welches Land würden Sie neben Neuseeland als ein "Musterbeispiel" für eine liberale, deregulierte Wirtschaft nennen? Wie treten Sie dem Argument entgegen, dass die liberale Wirtschaftspolitik Kapitalismus und somit Armut fördert? Gibt es da irgendwelche interessanten Zahlen oder Statistiken, dass es in sozialistischen Staaten den Menschen noch schlechter geht als in liberal geführten? Das waren jetzt relativ viele Fragen, aber ich bin in diesem Gebiet einfach sehr interessiert. Ich hoffe, Sie verstehen dies und würde mich sehr freuen, wenn Sie die Fragen beantworten könnten.
Hier die Antworten zu Ihren Fragen. 1. Arbeitsplätze fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht, nämliich von Unternehmern. Wenn mehr Kinder geboren werden, befinden sich darunter auch mehr spätere Unternehmer. Eine Wirtschaft ist eine Institution, in der die einen Menschen die anderen beschäftigen. 2. Ich will nicht niedrigere Löhne, um die Binnennachfrage zu erhöhen, sondern um die Investititonen anzuregen. Arbeitsplätze entstehen durch solche Investitionen. Daneben sind Investitionen auch Binnennachfrage. Das betone ich aber nur deshalb, weil häufig gesagt wird, wenn die Löhne niedrig seien, fehle es an Nachfrage. Natürlich sind die Sozialvesicherungsbeiträge dann niedriger. Die Ausgaben sind auch niedriger. Die Einkommensverteilung ist stärker zwischen hohen und niedrigeren Einkommen gespreizt. Ob das gerecht ist oder nicht, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall führt es wieder zu mehr Stellen für die gering Qualifizierten. 3. Der Teil der Binnennachfrage, der aus Konsum besteht, mag bei einer Lohnsenkung fallen. Sicher ist aber auch das nicht, denn wenn es deswegen mehr Stellen gibt, muss die Lohnsumme nicht fallen. Ja, wegen der höheren Beschäftigung könnte die Zuversicht der Menschen wieder steigen und somit auch die Kosumquote bezüglich des Einkommens steigen. Auf jeden Fall steigt aber, wie schon gesagt, die Nachfrage nach Investitionsgütern. 4. Die Lohnnebenkosten zu senken, ist leichter gesagt als getan, denn wer soll die Finanzierungslasten übernehmen? In der Breite halte ich diese Politik für nicht finanzierbar, wenn man nennenswerte Beschäftigungseffekte erreichen will. 5. Eine liberale Politik, die mit einem Abbau des Sozialstaates einhergeht, wird möglicherweise die Armut fördern. Eine liberale Politik, die den Sozialstaat umbaut von einer Einrichtung, die den Unternehmen Konkurrenz am Arbeitsmarkt macht, zu einer solchen, die partnerschaftlich agiert, also Lohnzuschüsse zahlt, wird die Armut definitiv verringern. Recht verstandener Liberalismus verringert Armut. Glauben Sie nicht den Zerrbildern, die die Gewerkschaften und manche Politiker erzeugen. Einen Staat, der bessere Anreize mit deutschen Vorstellungen von sozialer Sicherheit verbindet, so wie ich mir das vorstelle, gibt es zwar nicht. Aber Dänemark hat gewisse Elemente, die mir gefallen. Neuseeland und Großbritannien sind den Weg des Sozialabbaus gegangen. In GB sieht man die Armut allethalben. Über Neuseeland weiß ich nicht so sehr Bescheid. Das Land war aber unter seinen hohen Soziallasten so verarmt, dass es heute auch den Ärmsten der Armen besser gehen könnte als damals, vor den Reformen. In den USA hat sich die Armut verringert, als man den Earned Income Tax Credit einführte, der von den Anreizen dem von mir favorisierten Sytem entspricht. Allerdings geben die Amerikaner dafür zu wenig Geld aus, so dass die Armut dort noch immer ein Problem ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Interesse verfolge ich die aktuellen Diskussionen in der Öffentlichkeit über wirtschaftspolitische Konzepte. Auch habe mich theoretisch mit den neoklassischen sowie keynsianischen Modellen auseinadergesetzt. Mir drängen sich nun einige Fragen an Sie auf. Generell finde ich die meisten ihrer Vorschläge plausibel und sinnvoll, doch ihre Ausführung höherer Lohn führt nicht zu mehr Konsumgüternachfrage kann ich nicht vollends nachvollziehen. Unternehmen beziehen doch nur Investitionsgüter (auf die Sie pochen) wenn ihnen gewährleistet wird, dass sie die Produkte auch absetzen können, ergo wenn genügend Nachfrage besteht. Denn z.B. die Automobilindustrie verkauft die Mehrzahl der Pkws an private Konsumenten und nicht als Investitionsgüter an andere Unternehmen. Damit einhergehend verstehe ich ihre drastische Forderung nach Lohnsenkung zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit nicht, denn wir sind doch Exportweltmeister und durch die ar angebotsorientierte Wirtschaftpolitik resultiert gerade unsere schwache Binnennachfrage, welche das nach Ansicht der meisten Ökonomen das Hauptproblem unser Volkswirtschaft ist. Oder erklären sie dies anders? Ihr Kombilohnmodell ist zwar verständlich, doch aus meiner Sicht sozial ungerecht. Das Arbeitslosengeld 2 zu verwenden um die Aufwendungen zu finanzieren halte ich für eine zweifelhafte Praxis. Das von Ihnen propagierte Motto „ Weniger für die, die nichts tun und mehr für die, die arbeiten“ ist etwas einseitig, denn die viele Menschen können nichts für ihre Arbeitslosigkeit. Tatsache ist nun mal das ca. 5 Millionen Arbeitsplätze fehlen. Durch Hartz 4 ist eine Schwächung der Arbeitslosen entstanden und ich kann nicht nachvollziehen, dass ein Arbeitnehmer, der 30 Jahre in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, nur 18 Monate Anspruchsdauer hat. Ich bitte sie ganz herzlich, um Klärung meiner Fragen und Richtigstellung der Aussagen. Mit freundlichen Grüßen Marius Piwonka
Sehr geehrter Herr Piwonka, gerne beantworte ich Ihre Fragen. 1. Genügend Nachfrage muss vorhanden sein, in der Tat. Aber niedrigere Löhne machen die Investitionen rentabler, und Investitionen sind Nachfrage. Das dürfen Sie nicht übersehen. Den Kapitalstock der Wirtschaft zu vergrößern verlangt genauso Güter aus laufender Produktion wie das Füllen des Bauches. Die Nachfrage, die Investoren brauchen, um zu investieren, besteht zum Teil selbst wieder aus Investitionsgüternachfrage. Ein Wirtschaft die langsam wächst, investiert nur einen kleinen Teil des Sozialprodukts. Hier ist die notwendige Konsumgüternachfrage groß. Eine Wirtschaft, die schnell wächst, investiert permanent einen großen Teil des Sozialprodukts. Hier kann die Konsumgüternachfrage in Relation klein sein. 2. Dass es an Binnennachfrage fehlt, ist eine Standardmeinung der Presse, nicht der Ökonomen. Ich würde eher sagen, dass es an Binnenangebot fehlt, weil die Binnensektoren jene sind, die wegen der hohen Arbeitsintensität der Produktion am ehesten unter den hohen Löhnen gelitten haben und noch leiden: Denken Sie an den Bau oder den Tourismus. Immer weniger Deutsche können es sich leisten, in Deutschland zu bauen oder Urlaub zu machen. Sicher, hier gibt es auch ein Nachfrageproblem, aber nur insoweit, als die lohnbedingt hohen Preise die Nachfrage vertrieben haben. 3. Wenn Sie mich mit dem Satz zitieren " Weniger für die, die nichts tun und mehr für die, die arbeiten", so ist das nicht ganz korrekt. Ich sage: "Weniger für's Nichtstun und mehr für's Mitmachen", was in einer wichtigen Nuance ein Unterschied ist. Aber zur Sache: Sie haben Recht, dass es an Arbeitsplätzen fehlt. Aber warum fehlt es daran? - Weil der Staat zu viel Geld für's Nichtstun zahlt und damit Lohnansprüche aufbaut, die die Wirtschaft angesichts der internationalen Niedriglohnkonkurrenz weder befriedigen kann noch will. Weniger Geld für's Nichtstun zu zahlen, heißt die Lohnansprüche zu senken und dadurch Jobs zu schaffen. Mehr Geld für's Mitmachen zu zahlen, hat nochmal den gleichen Effekt und sichert zudem trotz der niedrigeren Löhne den Lebensstandard der Betroffenen. Und wenn die Wirtschaft doch nicht reagiert? - Dann gibt es eben kommunale Jobs, wobei die Kommunen die Menschen über Zeitarbeitsfirmen an die Privatwirtschaft verleihen können und zwar zu einem beliebig niedrigen Satz. Der Lohn der Menschen, die so tätig werden, ist unabhängig von diesem Satz das heutige ALG II. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 23.1.06, Anm. des Moderators) Also, Ich halte das, was Sie hier schreiben für nicht durchführbar. Letztendlich fordern Sie, dass zu Dumpinglöhnen in der Industrie gearbeitet werden soll. Meine Erfahrung als Ing. mit der Industrie ist die, dass dort auf ein Ing. mittlerweile 50 Betriebswirte kommen. Ich habe eine zeitlang in München gearbeitet und wirklich extremste Erfahrungen machen müssen. Im Resultat werden die Löhne vorallem für Ingenieure in weitere Dumpingbereiche gedrückt. In jedem Fall würde ich persönlich bei 20cent/Stunde besser aelteren Menschen den Hintern saeubern statt in der Industrie zu arbeiten. Das kann es wirklich nicht sein nach 10 Jahren Studium (2 Faecher) Ich sage es Ihnen ehrlich - ich habe wirklich absolut kein Vertauen in dem was Sie hier vorbringen. Geben Sie den Leuten Freiheit in Form einer Negativsteuer.. dann wird es auch wieder Wertschöpfung geben, die Volkswirte und Juristen verkaufen können.
Sehr geehrter Herr Haefner, jetzt verstehe ich Sie gar nicht mehr. Die Negativsteuer ist doch genau das, was wir wollen. Auch die wird ja mit wachsendem Einkommen abgeschmolzen. Ich vermute, wir reden völlig aneinander vorbei. Ich weise Sie auf das neue ifo Gutachten zur Aktivierenden Sozialhilfe (http://www.cesifo-group.de/link/ifosd_02_2006_kombilohn.pdf) und die dazugehörige Pressemitteilung hin. Wenn Sie sich das anschauen, werden Sie vielleicht überzeugt sein, dass gar kein Unterschied besteht zwischen dem, was Ihnen vorschwebt, und dem, was wir wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom selben Tag, Anm. des Moderators)Ja. die Negativsteuer ist das was ich will Allerdings sehe ich da schon einen grossen Unterschied zwischen Ihrer und Meiner Denkweise. Sie sprechen von "aktivierend" - also wahrscheinlich unter Aufsicht des Staates - irgendetwas beunruhigt mich da ;) - und ich dagegen meine, für Jeden (ab 21 Jahren) ohne Bedingung. Mal ganz davon abgesehen, dass ich als Freiberufler in Ihrem Modell gar nicht vorkomme - macht nix.. bin ich gewohnt ;-) - frage ich mich ernsthaft, was in so manchen Deutschen Staedten passieren soll ? Mit "Wettbewerb" bekommen Sie die Wirtschaft dort nicht mehr in Schwung. das steht fest .. dem steht die Informationsgesellschaft entgegen. Ich persönlich denke, dass diese Negativsteuer Jedem zur Verfügung stehen sollte, und Sie wird aus genannten Gründen nicht! inflationaer wirken . zumindest solange da oben im All die Satelitten kreisen, und global die Preise drücken. Letztendlich können wir doch genau das machen, was dieser DM-Chef Herr Werner fordert ? Wir lassen die Reichen reich und die Armen arm. Ist ohnehin relativ, und interessiert auch Niemand. Also schaffen den Umverteilungsstaat einfach ab. Wir lösen die Arbeitsaemter auf - wer braucht die ? .. was können die tun ? .. und setzen uns mit der Negtagativsteuer locker über Vietnam. Aber zu welchen Zweck ???? ... da unterscheiden wir uns glaube ich in den Ansichten. Ich persönlich glaube nicht mehr an eine volkswirtschaftliche Verantwortung der Konzerne. Die sind laengst global vernetzt und werden ohnehin machen, was Sie wollen. Ausserdem denke ich, dass dieses Spiel mit der Negativsteuer nur einige wenige Jahrzehnte funktionieren wird ..... wie sehen Sie das ? Spaetestens wenn die Chinesen Ihre Satelliten ebenfalls im All haben, muessen wir also auch wieder regionale Netzwerke stehen haben. Es ist meiner Meinung nach utopisch mit unserer Demographieentwicklung unsere Volkswirtschaft gegen Asien antreten zu lassen. . Halten Sie es wirklich für realisch, dass wir Asien diesbzgl noch Paroli bieten können, zumal Spitze der Entwicklung ausschliesslich Consumerbereiche betrifft, die nicht nachhaltig sind. Fazit: Wir werden sehr bald wieder kommunale, bürgerliche und regionale Strukturen aufbauen müssen, um zu überleben. Keine Ahnung, wer damit anfangen wird ... aber ich denke nicht, dass sich die Leute unter Zwang wieder in Regionalstrukturen zwaengen lassen werden. Also, ich sehe die Negativsteuer als bedingungsloses Bürgergeld ... und bei Ihren Bürgergeld kann sich die Industrie daraus nach Belieben bedienen - das ist der Uterschied. Das finde ich nicht gut.. Die Industrie muss selbstverstaendlich ordentliche Löhne zahlen .. dafür sollte Sie aber auch die Leute nach Belieben rausschmeissen können, und wesentlich mehr auf "OnDemand"-Produktion umstellen. Also SINN macht die Industrie dann, wenn die Bürger dort hin und wieder einmal arbeiten könnte, um sein Bürgergeld aufzustocken. Verstehen Sie meine Denkweise ??? Hier dieser Vorschlag ist viel zu üppig: http://www.wahl.de/index.php/thomaswolters/2005/08/10/fdp_burgergeld Das kann nicht funktionieren - vorallem das Kindergeld ist viel zu grosszügig bemessen. Da dürften einige Herrschaften Ihre Aufgabe in der Gesellschaft auf das Kinderkriegen reduzieren. Wir haben sicherlich ein Problem mit NAchwuchs. Aber irgendwie finde ich die Denkweise, dass der Staat für Kinder zu sorgen hat etwas "seltsam" Als Ing. bemühe ich mich seit Jahren, mir ein Standbein aufzubauen, dass es mir erlaubt Kinder zu haben, und dann gibt es einfach Menschen, die Kinder in die Welt setzen und fertig ;-) Das finde ich nicht gut. Wer über das Bürgergeld hinaus arbeitet, der muss belohnt werden - auch mit Kindern! .. und nicht derjenige, der gar nichts macht und nur Kinder gross zieht. Damit habe ich ein Problem. mfg, mark haefner
Sehr geehrter Herr Haefner, so macht unsere Diskussion keinen Sinn. Was Sie an Unterschieden vermuten, ist doch nur semantisch begründet. Sie haben irgendwelche Vermutungen auf gezielte Lenkung, die offenbar aus dem Wort "aktivierend" resultieren. Sie müssen das Konzept schon lesen. Dann werden Sie festellen, dass genau das nicht der Fall ist. Und natürlich macht unser Modell keinen Unterschied bezüglich der Einkommensquellen. Dass Freiberufler erfasst sind, folgt doch aus der ganzen Natur des Konzeptes. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 13.1.06, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Professor, warum soll denn diese Grundsicherung verschwinden, wenn die Menschen arbeiten ? Diese Logik muessen Sie mir mal erklaeren. Niemand wird arbeiten, wenn Ihm dann die Grundsicherung weggenommen wird Es ist schon wirklich interessant zu welchen Erkenntnissen Volkswirte fähig sind Führen Sie ein bedingungsloses Bürgergeld ein. Um es mal in Ihrer Sprache auszudrücken. Es wird keine Inflation geben. Warum ? Weil Jeder Mensch egal ob "Unternehmer" oder "Konsument" dank Internet nach den Preisen in Asien schielt. Ist das dann noch Volkswirtschaft ? Was wir also haben ist eine künstliche Deflation dank Internet. Dadurch , dass Sie eben künstlich ist, erlaubt Sie uns die Weltwirtschaft einfach zu "tunneln" D.h. Sie setzen das Bürgergeld bedingungslos über die asiatischen Löhne - ohne Bedingung und Diktat. Inflation wird nicht kommen, dank künstlicher Deflation, udn die weltweiten Satelitten werden die diePreise auch noch einge JAhre drücken. >Sonderregeln für Ingenieure machen ja keinen Sinn. Wie sollen diese regelungen keinen Sinn machen .. Sonderregelungen für Kapitalbesitzer gibt es doch auch ? Ich bin der Ansicht, dass wir bedingungsloses! Bürgergeld brauchen, vorallem für Ingenieure Der Unternehmer und DM-Chef Herr Götz hat ja juengst selbst festgestellt, dass die Arbeitsplaetze aufgrund von Rationmalioserung verloren gehen. Wenn dem so ist, und dies von unterscheidlicher Seite auch so gesehen wird- also sogar vonden Profiteuren - warum dreschen Sie dann immer weiter auf diejenigen Menschen ein, die diesen Wohlstand geschaffen haben ??? - das muessen Sie mir mal erklaeren. Also . so geht das nicht. Die Leute muessen sich zumindest frei bewegen können. Soll ich nun alles verkaufen hier, nur weil ich gerade mal keine Auftraege habe ? Wie lange sollen wir nioch warten bis dieses Hasspamphlet Hartz4 endlich aus der Welt ist.
Sehr geehrter Herr Haefner, die Grundsicherung muss allmählich verschwinden, wenn jemand immer mehr Einkommen verdient, denn irgendwo muss ja der Punkt kommen, wo er selbst Abgaben an den Staat abführt, anstatt Geld zu beziehen. Wäre das nicht der Fall, so hätte der Staat keine Einnahmen. Jedes System der Grundsicherung muss bei wachsenden Einkommen den Übergang von der Nettozahlung an den Betroffenen in den Nettoempfang von Geldern vom Betroffenen definieren. Aber ich gebe Ihnen insofern völlig Recht, als der Abbau der Grundsicherung nicht zu schnell gehen darf, weil dann die faktischen Grenzbelastungen zu hoch werden. Heute, beim ALG II, ist der Transferentzug für Einkommen jenseits von 100 Euro 80%, und jenseits von 800 Euro ist er 90%. Bei der Aktivierenden Sozialhilfe ist der Transferentzug bis 500 Euro null, und danach ist er durchgängig nur 70%. Sie werden zugeben, dass das bereits eine dramatische Verbesserung ist. Vielleicht reden wir auch ein wenig aneinander vorbei. Aber vielleicht wird Ihnen die Pressemitteilung des ifo Instituts vom 26.1.06 Klarheit verschaffen (auf der Website www.ifo.de). Sie enthält eine Graphik, aus der der Unterschied sehr schön deutlich wird. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Doktor Sinn, seit einiger Zeit beschäftigt mich die frage, warum Unternehmen eine Dividende zahlen. Meiner Ansicht nach zeigt ein Unternehmen das eine Dividende zahlt doch nur damit, dass sie das Geld nicht profitabel investieren können. Ein Beispiel liefert die Deutsche Telekom, die mit ca. 4% eine sehr hohe Dividende an ihre Aktionäre ausschüttet. Anstatt, mit dem ausgeschütteten Geld, die Schulden gesenkt, oder Zukunftsinvestitionen getätigt werden, wird eine hohe Dividende an die Aktionäre ausgezahlt. Daraus ziehe ich den Schluss, dass die Deutsche Telekom in ihrem Segment keine Profitablen Bereiche mehr sieht. Meine frage an sie ist nun, warum Unternehmen eine solche Dividendenstratigie verfolgen. Mit freundlichen Grüßen Thomas Lach
Sehr geehrter Herr Lach, in der Tat: Wenn ein Unternehmen selbst über attraktive Investitionsprojekte verfügt, die eine höhere Rendite als der Kapitalmarkt versprechen, dann sollte es seine Gewinne zur Finanzierung dieser Projekte einbehalten. Bedenken müssen Sie jedoch, dass eine effizient arbeitende Unternehmung gerade nur alle jene Projekte realisiert, die mit der Kapitalmarktrendite Schritt halten, und auch nicht mehr. Deswegen ist die Dividendenzahlung als effizientes Verhalten zu interpretieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, an Ihrem Denkansatz stört mich seine mechanische Betrachtungsweise, die von meßbaren quantifizierbaren Größen ausgeht, wie sie immer wieder in Ihrem Beiträgen zum Ausdruck kommt. Inmaterielle Größen wie Intuition, Intelligenz, Disziplin, Einsatzwille führen zu materiellen Größen, zu materiellen Reichtum. Es ist der immaterielle Reichtum, der den materiellen Reichtum hervorruft... (Lesen Sie hier den kompletten Beitrag, pdf, Anm. des Moderators)
Sehr geehrter Herr Albrecht, mit dem, was Sie zur Bedeutung praktischen Intelligenz sagen, sprechen Sie mir aus dem Herzen. Ich sehe das genauso wie Sie. Natürlich muss man die Menschen mit praktischer Intelligenz fördern. Deswegen ist die duale Ausbildung in Deutschland ein Segen. Was ich nicht verstehe, sind Ihre wirtschaftspolitischen Äußerungen. Ungeachtet der Notwendigkeit, den richtigen Schlüssel für die Ausbildung zu finden, muss man das Sozialsystem so umstellen, dass es Beschäftigung gibt. Und dass Sie die quantifizierende Betrachtung der Volkswirte stört, kann ich nur zur Kenntnis nehmen. Das wird Sie wahrscheinlich auch bei den anderen Wissenschaften stören, die Lebewesen zum Erkenntnisobjekt haben. Doch gerade dies hilft, die Erkenntnisse des Faches interdisziplinär vergleichbar zu machen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, was halten Sie von dem Vorschlag, dass wenigstens studierte Ingenieuren ein bedingungsloses Existenzminum erhalten, mit dem Sie sich frei bewegen können. Ich kenne einige arbeitslose Kollegen, die wie im Hausarrest zu Hause sitzen, während es in dieser Welt nun wirklich genügend Arbeit gibt Wenn diese Gesellschaft keine Ansprüche mehr hat, so ist das meiner Meinung nach positiv zu bewerten. Zur Überwachung der Gesellschaft reichen aber Techniker.. und zur Erhaltung der Bausubstanz braucht man Handwerker. Wirklich niemand glaubt mehr an Wachstum in diesem Land - also warum gibt die Politik nicht wenigstens den Berufsstand seine Freiheit zurück, der dieses Land aufgebaut hat. Es ist eine Frechheit wie hierzulande bspweise mit Architekten umgegangen wird. Es mag zwar sein, dass Häuser heutzutage aus der Fabrik kommen, und keine neuen Ansprüche mehr entstehen - ausser auf der grünen Wiese - aber um Hartz4 zu beantragen muessen Freiberufler ohne Auftraege zunaechst sogar Ihr Equipment verkaufen und stehen dann quasi unter Hausarrest. Ich bearbeite als Freiberufler mittlerweile Projekte in Indien. und das natürlich zu indischen Löhnen - einzig, dass ich Deutsch Muttersprachler bin wertet das Ganze etwas auf. Aber es gibt dort eben Projekte, und ich bearbeite das über das Netz. Hartz4 kommt für mich nicht in Frage. Das Alles ist eine unglaubliche Entmündigung Sollte es wirklich nochmal in den naechsten 1000 Jahren eine Wirtschaft hier im Land geben, dann nur, wen die Leute frei sind. Herr Professor - wir sind keine Rindviecher !
Sehr geehrter Herr Haefner, Sonderregeln für Ingenieure machen ja keinen Sinn. Aber eine Grundsicherung zu gewähren, die langsamer verschwindet, wenn man Arbeit annimmt, ist ja genau mein Vorschlag. Genau das schafft die Bewegungsfreiheit, die Sie wollen. Heute sind nur 100 Euro eigenen Hinzuverdienstes frei. Wir wollen 500 Euro freistellen, und dann ist der Transferentzug viel kleiner als heute beim ALG II. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, derzeit wird auch in der hiesigen Regionalpresse das Thema "Kombilöhne" diskutiert. Da selbst die Kammern (!) vom - zu Grunde liegenden - Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe nichts zu wissen scheinen (die beklagen sich allen Ernstes über die Arbeitslosigkeit von älteren Hochqualifizierten), habe ich mich - hoffentlich in Ihrem Sinne - geärgert. Mein Beitrag an die Adresse des "Nordbayerischen Kurier": "Kombilöhne: Das Konzept der "Aktivierenden Sozialhilfe" ist bereits durchgerechnet. Konzept-Diskussion ja, uninformiertes Zerreden nein. Die "Kombilöhne" gehen auf das Konzept der "Aktivierenden Sozialhilfe" zurück, das vom Münchner Ifo-Institut bereits im Jahre 2002 konzipiert und auch durchgerechnet worden ist. Die Grundidee ähnelt dem "Earned Income Tax Credit", mit dem in den USA erfolgreich Beschäftigung bei gering Qualifizierten erzielt wurde. Ausgangsposition ist dabei der Befund, dass in Deutschland Arbeitslosigkeit in allerster Linie die Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten ist. So sind in Deutschland 14,2 % der Erwerbspersonen ohne Berufsschulabschluss oder Abitur arbeitslos, in Portugal sind es 2,4 % (Zahlenangaben aus 2001). Mindestens 40 % aller deutschen Arbeitslosen verfügen über keine Berufsausbildung, ihr Anteil an den Erwerbspersonen insgesamt beträgt aber nur 16 %, und diese Schere öffnet sich immer weiter. Arbeitslosigkeit ist gerade kein Problem der Hochqualifizierten! Für die gering Qualifizierten liegen die Marktlöhne deutlich unterhalb oder bestenfalls in der Nähe der Lohnersatzleistungen (Arbeitslosengeld I und II), so dass sich Arbeit für den Einzelnen schlichtweg nicht lohnt. Um im Arbeitsmarkt ein angemessenes Nettokommen zu erzielen, müsste der Betroffenen überdies erhebliche Bruttolöhne realisieren, so dass auch der Einstieg in den Arbeitsmarkt extrem erschwert wird. Genau hier setzt die Idee der Aktivierenden Sozialhilfe an: Das Sozialsystem wird komplett umgestellt: Statt Lohnersatzleistungen werden nur noch Lohnergänzungsleistungen als Zuschüsse an Beschäftigte gewährt. Diese Zuschüsse setzen sich aus Lohnsteuergutschriften und einer (reduzierten) Sozialhilfe zusammen und nehmen mit wachsendem Bruttoeinkommen allmählich ab - aber eben nur in dem Maße, dass es für den Betroffenen stets vorteilhafter bleibt, ein Beschäftigungsverhältnis einzugehen und auch zu halten. Damit wird nicht mehr Arbeitslosigkeit (=Nichtstun), sondern Beschäftigung (=Arbeit) finanziert. Ein solches System wird dabei nach Aussage des Ifo-Institutes übrigens keinen Euro mehr als das alte Sozialsystem auch dann kosten, wenn man Mitnahme- oder Schwarzarbeit-Effekte berücksichtigt. Es kommt jetzt darauf an, ein solches Konzept nicht wieder mit den alten Ritualen zu zerreden. Diese Mahnung richtet sich an die Politik, aber auch an die Arbeitgeber- und vor allem die Gewerkschaftsseite. Ob die Stellungnahmen der Kammern insofern wegweisend sind, darf man füglich bezweifeln, Ihnen sei als Lektüre anempfohlen: Hans Werner Sinn: Ist Deutschland noch zu retten, Ullstein 2005." In der Hoffmumg, das Thema - natürlich sehr verkürzt und auch etas zugesitzt - einigermaßen zutreffend dargestellt zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Ihr Volker Reich
Sehr geehrter Herr Reich, vielen Dank für Ihre Initiative. Deutschland leidet wirklich unter einem Erkenntnisproblem. Sie haben mitgeholfen, es zu überwinden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist nach Ihrer Meinung die (bereinigte) Lohnquote ein sinnvolles Instrument der Umverteilung, wie ja häufig von Gewerkschaften o.ä. angenommen wird? Vielen Dank vorab! Christian Obladen
Sehr geehrter Herr Obladen, die um was bereinigte Lohnquote meinen Sie? Es gibt viele Bereinigungsverfahren. Beste Grüße zum Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, gibt es von Ihnen einen Beitrag zum Thema "Charakterisierung der Arbeitslosigkeit in Deutschland"? Wenn ja, wo kann ich ihn bekommen? Vielen Dank Stefanie Müller
Sehr geehrte Frau Müller, ich habe viel zur Arbeitslosigkeit in Deutschland geschrieben und weiß deshalb nicht, was Sie meinen. Am besten, Sie schauen einmal in mein Buch "Basar-Ökonomie". Dort sind die wichtigsten Aspekte diskutiert. Ansonsten können Sie noch auf der ifo-Website (www.ifo.de) in meinem CV nachschauen. Dort finden Sie alles, was ich geschrieben habe, vieles auch zum Herunterladen. Mit den besten Grüßen zum Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich beziehe mich auf meinen Beitrag und Ihre Antwort vom 19.12.05. Bitte erklären Sie mir etwas genauer, warum Gebäude industrielle Zwischenprodukte sind und keine Investitionsgüter. Lediglich ein Lebkuchenhaus könnte der Beschreibung „industrielles Zwischenprodukt“ teilweise gerecht werden, echte Gebäude, wie Warenhäuser und Produktionshallen sind natürlich Investitionsgüter. Wenn Ihnen das Beispiel nicht gefällt, dann können wir auch noch eine Produktionsstufe vorn angliedern, indem wir Maschinenbauunternehmen hinzufügen, die die Baumaschinen für unsere Baufirmen A produzieren. Das Ergebnis bleibt das gleiche: Am Ende der Kette werden in oder mit den Investitionsgütern Konsumgüter produziert. Die muss aber jemand kaufen können, sonst nützt die ganze Produktion nichts und die Investitionsgüter werden gar nicht benötigt. Ich denke, das Problem bei Ihrer Überlegung ist, dass Sie annehmen, es käme nur auf die Verteilung der Gesamtproduktivkräfte zwischen Investitions- und Konsumnachfrage an. Konsumgüter sind sofort aufgegessen, Investition hingegen ist nachhaltig und schafft eine Grundlage für die Zukunft. Das ist auch richtig, jedoch nur die halbe Wahrheit, denn die „[...]Vollausschöpfung der Produktion durch Nachfrage für Konsum und Investition[...]“ ist eben leider nicht gegeben. Sonst hätten wir keine gesamtwirtschaftliche Kapazitätsauslastung von lediglich ca. 82%. Die Produktionsleistung als das Axiom zu nehmen ist die falsche Sichtweise, das Angebot schafft sich nicht seine Nachfrage. Man muss die Sache andersherum betrachten, Produktion geschieht nur, wenn Aufträge (also Nachfrage) dafür vorliegen, sowohl für Investitionsgüter, als auch für Konsumgüter. Je höher beide Formen der Nachfrage sind, umso größer die Auslastung der Produktionskapazität und umso höher dadurch der Hang zur Ausdehnung der Kapazität, was sich wiederum in mehr Investitionsgüternachfrage ausdrückt. Da es demnach nicht nur auf die Verteilung der Produktionsmittel zwischen Investitionsgütern und Konsumgütern ankommt und die Investitionsnachfrage wie bereits gezeigt positiv (und nicht negativ) von der Konsumnachfrage abhängt, ist eine Schwächung der Konsumnachfrage über geringere Löhne schädlich für die gesamte Nachfrage. Das führt zu geringerer Produktion, weiterer Einschränkung der Investitionsgüternachfrage und damit höherer Arbeitslosigkeit und schwachen Wachstumsraten. Die Analogie zur Situation in Deutschland ist unverkennbar. Dazu übrigens noch ein paar anschauliche Bilder: http://www.jjahnke.net/2geschichten.html Es sei besonders auf Abb. 04054 verwiesen, die sinkende Reallöhne und –gehälter zeigt. Außerdem Abb. 04055 mit stagnierenden Konsumausgaben seit 2000 und Abb. 04029 mit sinkenden Bruttoanlageinvestitionen im gleichen Zeitraum. Besinnliche Weihnachtstage und ein frohes Fest wünscht Sebastian Gechert
Sehr geehrter Herr Gechert, Sie weichen semantisch aus. Auch wenn letztlich das Wirtschaften dem Konsum gilt, kann eine Volkswirtschaft auf die Dauer, für alle Ewigkeit, einen größeren Anteil ihrer Produktion für die laufende Erhöhung ihres Kapitalstocks verwenden. Wenn der Konsum in den nächsten Jahrzehnten hinreichd niedrig ist, kann er danach für alle Ewigkeit höher sein, weil die Wirtschaft dauerhaft schneller wächst. Wenn die Löhne über ihrem markträumenden Niveau sind, gibt es Arbeitslosigkeit, und der Anreiz für Investitionen fällt. In der Gegenwart und in der Zukunft ist die Produktion kleiner, als sie sein könnte. Aber die Nachfrage kann immer so klein sein wie die Produktion. Das gilt für die geschlossen Wirtschaft, und noch viel mehr für die offene. Je offener die Wirtschaft ist, desto mehr Kapital weicht ins Ausland aus. Da Sie mir nicht glauben, allerdings großes Interesse an dem Thema haben, muss ich sie bitten, ein Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre zu diesen Themen zu konsultieren. Ich kann hier keine Privatvorlesung über VWL durchführen. Im übrigen: Natürlich sind Gebäude keine industriellen Zwischenprodukte, sondern Kapitalgüter, die durch Investitionen entstanden sind. Als Investitionen bezeichnet man die Erhöhung des Kapitalbestandes der Wirtschaft. Frohe Weihnachten und alles Gute im neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Bücher. Ich möchte jedoch der Behauptung widersprechen, dass eine gealterte Gesellschaft Ihren Sozialausgaben problemlos aus einem früher angesparten Kapitalstock finanzieren kann. Fehlende Ersatzinvestitionen für die Abschreibungen des Kapitalstockes führen irgendwann dazu, dass der Kapitalstock überpropotional an Wert verliert. Auch in schrumpfenden Märkten gewinnen auf Dauer nur die Besten und nicht diejenigen, die Ihre alten Maschinen am längsten nutzen. Und das eine Heimholung des im Ausland liegenden angesparten Kapitals problemlos möglich ist, verhindert der Markt. Dieser wird aufgrund der erhöhten Nachfrage nach "Heimholung" diese eben verteuern. Oder konkret: für unsere koreanischen Aktien können wir uns die polnische Putzfrau nicht mehr leisten -Dank Angebot und Nachfrage. Mit freundlichen Grüßen Ralf Bornträger
Sehr geehrter Herr Bornträger, vielen Dank für Ihre Nachricht. Leider kann ich Ihnen auch nicht zustimmen. Wenn der Kapitalstock schrumpft, wird Kapital knapper und im Inland sind tendenziell höhere Renditen erzielbar. Im Ausland freilich passiert wenig. Der Weltkapitalmarktzins wird nicht von unserer deutschen Ersparnis abhängen. Der Zins lag über Jahrhunderte stabil in der Gegend von real 4%. Es gibt also eine hohe Sicherheit, dass man keine Kapitalverluste erleidet. Die polnische Putzfrau kann man sich leisten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, natürlich ist Investitionsnachfrage auch Nachfrage, das ist mir bewusst. Um das klar zu stellen: Ich möchte nicht die echten Unternehmer verteufeln, die stets ein hohes Risiko fahren und keinen festen Gehaltszettel am Ende des Monats erwarten dürfen. Sie sollen für ihren Mut und ihr Engagement auch belohnt werden. Aber man schneidet sich als gesamte politische Klasse `Unternehmen` ins eigene Fleisch, wenn man die Löhne verringern will. Denn der Akzelerationseffekt ergibt sich ja aus der Produktionskette. Nehmen wir folgendes an: Wir haben in dieser Kette Unternehmen des Typs A, Unternehmen des Typs B und die Konsumenten C. Diese 3 sind die Akteure in dieser Volkswirtschaft. A sind Baufirmen, B sind Einzelhandelsketten. Die Konsumenten C sind Bauarbeiter, Ingenieure und Verkäufer, die bei A und B arbeiten und dafür Lohn erhalten. Die C Fragen bei B Waren nach, B fragt bei A die Bauleistungen nach. Das ist ein geschlossener Prozess mit Investitionsnachfrage und Konsumgüternachfrage. Wenn nun A die Löhne senkt, hat C weniger Geld und fragt daher weniger bei B nach. Dadurch hat auch B weniger Geld und kann von A weniger Gebäude bauen lassen. Die A haben zwar ihre Kosten gesenkt, erhalten aber gleichzeitig weniger Geld von den B. Das Resultat: A hat etwa gleich viel wie zuvor, B und C haben weniger. Was ich mit diesem zugegeben recht simplen Beispiel verdeutlichen will: Am Ende der Investitionsnachfragekette stehen immer Unternehmen B, die zwar Investitionen nachfragen, aber Konsumgüter produzieren. Damit ist die gesamte Kette vom Ende her betrachtet von der Konsumgüternachfrage abhängig. Diese zu schwächen, indem man die Löhne senkt, wirkt sich indirekt wieder negativ auf die eigenen Erlöse aus, weil eben auch die Investitionsnachfrage sinkt. Aus einzelwirtschaftlicher Sicht eines Unternehmens A kann man das bestreiten, global gesehen ist es jedoch logisch. Diesen Zwiespalt zu bekämpfen, muss daher Aufgabe der Politik sein. Der Staat oder die EU haben die Möglichkeit das einzelwirtschaftliche Handeln so zu lenken, dass global das Beste für alle herauskommt. Diese Aufgabe hat man jedoch in den letzten 20 Jahren verschlafen. Wenn Sie sagen, dass der positive Effekt höherer Löhne nicht bewiesen ist, dann möchte ich Ihnen folgende Zahlen entgegen halten: In den 70er Jahren ging ein BIP Zuwachs von +118,6% mit einer Steigerung der Reallöhne von +20,5% einher. In den 80ern waren es: BIP +65,7% und Löhne +6,7%. In den 90ern: BIP +33,7%, Löhne –2,2%. Der Zusammenhang ist deutlich, die Lohnerhöhungen wirkten nicht schädlich auf die gesamte Wohlfahrt. Ganz im Gegenteil. Nun mag man entgegenhalten, das wären andere Zeiten gewesen. Das ist aber erstens kein Argument und zweitens ist die ganze Sache immer noch aktuell: Ostdeutschland müsste angesichts der niedrigeren Löhne im Verhältnis zum Westen boomen, wenn man Ihrer Argumentation folgt. Westdeutschland wächst aber stärker als der Osten, weil die Leute im Osten eine geringere Kaufkraft haben. Das mag zwar auch kein Beweis pro höhere Löhne sein. Alles in allem widerlegt es aber Ihre These, dass mit Lohnsenkungen alles ins Lot kommt. Das zeigen auch die Zahlen der 90er Jahre von oben. Fazit: Lohnsenkungen sind bereits geschehen und sie haben uns gesamtwirtschaftlich sogar schlechter gestellt. Diesen Weg weiter zu verfolgen kann keine Lösung sein.
Sehr geehrter Herr Gechert, nein, so ist es nicht. Sie betrachten keine Investitionsgüter, sondern industrielle Zwischenprodukte. Investitionsgüter sind Fertigprodukte, also Teile der Endproduktion, die man "auf einen Haufen" legt. Sie dienen der Vergrößerung des Kapitalstocks. Eine Ökonomie kann unterschiedliche Anteile der Endproduktion in diesem Sinne investieren. Je größer der Anteil ist, desto kleiner ist zunächst der Konsum, aber dennoch fehlt es nicht an Nachfrage, weil die Investitionsgüter statt dessen nachgefragt werden. Je größer der Investitionsanteil am Sozialprodukt ist, desto schneller wächst der Kapitalstock der Wirtschaft und damit auch das Sozialprodukt. Aus dem wachsenden Sozialprodukt kann auf Dauer ein kleinerer Anteil konsumiert werden, und doch wird der Konsum irgendwann höher sein, als es sonst der Fall gewesen wäre. Welcher Anteil des Sozialprodukts investiert wird, hängt insbesondere vom Lohnniveau ab. Je höher er ist, desto geringer ist die Investitionsquote. Also: Alternative Lohnniveaus sind mit einer Vollausschöpfung der Produktion durch Nachfrage für Konsum und Investition gekennzeichnet, doch je höher der Lohn, desto kleiner der Investitionsanteil, desto kleiner die Wachstumsrate der Wirtschaft. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 8.12.05, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Prof. Sinn, Ihre Argumentation beruht darauf, dass Unternehmen aufgrund von erzielten Gewinnen investieren. Dazu wäre es natürlich hilfreich, geringere Löhne zu bezahlen, um den Profit zu steigern. Tatsächlich investieren Unternehmen aber in der Erwartung zukünftiger Gewinne: Bei einer Investitionsrechnung ist das Entscheidungskriterium, ob sich die Auszahlung irgendwann amortisiert. Danach wird entschieden, ob investiert wird, oder nicht. Und das hängt entscheidend davon ab, ob die entsprechende Nachfrage beim Konsument der produzierten Güter vorliegt, damit auch Gewinne eingefahren werden können. Eine starke Konsumentennachfrage erhöht also auch die Bereitschaft zu investieren, denn so werden Hohe Renditen erwartet. Das erreicht man aber nicht über Lohnsenkungen. Richtig ist, dass der Faktor Arbeit im Vergleich zum Faktor Kapital in Deutschland benachteiligt ist. Angesichts steigender Ungleichverteilung des Vermögens in Deutschland kann man das aber nicht ändern, indem man am unteren Ende der Verteilungskurve etwas wegnimmt. Besser wäre, den Faktor Kapital stärker zu belasten. Die deutsche Steuerquote ist eine der geringsten in Europa, vor allem was die Kapitalbesteuerung anbelangt. An dieser Schraube zu drehen, wäre also durchaus möglich. Das passt aber momentan nicht in die politische Landschaft, die auf Zurückdrängung des Staates aus allen Bereichen abzielt. Die Steuersenkungen der letzten Jahre, besonders der Kapitalertragssteuer, haben jedoch offensichtlich nur zu Renditesteigerungen geführt. Auf die Arbeitslosigkeit hatte dies keinen Einfluss. Ganz im Gegenteil, bei Jahreshauptversammlungen heißt es gern: "Wir haben dieses Jahr einen Rekordgewinn zu vermelden, das haben wir unseren starken Anstrengungen zu verdanken. Als Belohnung dafür schicken wir 5000 unserer Angestellten in einen langen wohlverdienten Urlaub." Der "Basarökonomie", wie Sie Deutschland beschreiben, wird man im Übrigen über niedrigere Löhne auch nicht Herr werden können. Denn dann werden die Deutschen noch weniger Endprodukte nachfragen können, was die Unternehmen noch weiter dazu zwingt, sich auf den Export zu spezialisieren. Ich möchte mich trotz der unterschiedlichen Meinungen, die wir beide vertreten bei Ihnen bedanken, dass Sie die Zeit finden mit mir hier zu diskutieren. Freundliche Grüße sendet Sebastian Gechert
Sehr geehrter Herr Gechert, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Sie machen einen entscheidenden Fehler bei Ihrer Darlegung: Sie setzen Konsum mit Nachfrage gleich und sehen nicht, dass Investition genauso Nachfrage ist. Das laufende Sozialprodukt wird zum Aufessen verwendet und dazu, den Kapitalhaufen laufend zu vergrößern. Letzteres ist genauso Nachfrage wie ersteres. Was Sie zu den erwarteten Gewinnen in der Investitionsrechnung schreiben ist völlig richtig. Nur müssen Sie bedenken, dass auch eine erwartete Steigerung der Investitionsgüternachfrage die Investitionsgüternachfrage erhöht. Das ist das Akzelerationsprinzip. Wenn zum Beispiel die Bauindustrie mehr Nachfrage nach neuen Gebäuden erwartet, wird sie mehr Baumaschinen kaufen. Dass die Nachfrage die Investitionen beflügelt, heißt nicht, dass man hohe Löhne bräuchte. Hohe Löhne senken die Nachfrage nach Investitionsgütern, was über den Akzelerationsmechanismus, den Sie beschreiben, einen weiteren negativen Einfluss auf die Investitionsgüternachfrage hat. Kurzum, was ich sagen will: Es ist überhaupt nicht klar, wie höhere Löhne auf die Nachfrage wirken und wie sie dann über das Akzelerationsprinzip die Investitionen verändern. Ich vermute, höhere Löhne erhöhen die Konsumgüternachfrage weniger, als sie die Investitionsgüternachfrage senken, so dass sich ein negativer Akzelerationseffekt über die Nachfrage auf die Investionen ergibt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich beziehe mich noch einmal auf meinen Beitrag vom 29.11. und Ihre Antwort darauf: Dass das Sparen gesamtwirtschaftlich dem Investieren spiegelbildlich entgegen steht, ist richtig. Jedoch trifft dies nur auf eine Betrachtung ex post (also im Nachhinein) zu. Bei der Planung der Unternehmer kann das keine Rolle spielen. Schließlich beschafft sich der Bäckermeister keinen neuen Ofen, nur weil er sieht, dass auf der anderen Straßenseite jemand sein Geld zur Bank schafft. Nein, die Investition drückt sich hier in einer Bestandserhöhung am Ende der Wirtschaftsperiode aus. Der Bäcker hätte jetzt 3 Sack Mehl mehr auf Lager als im Vorjahr, weil die Leute das Geld lieber zur Bank geschafft haben, als sich noch ein paar Brötchen mehr zu kaufen. Nur aus diesem Blickwinkel betrachtet, entspricht das Sparen dem Investieren!(Das Beispiel klingt zwar etwas belustigend, ist aber durchaus ernst zu nehmen). Somit kann Sparen auch keine unmittelbare Nachfrage sein. Sie ist höchstens mittelbare Nachfrage , indem ein anderer das Geld als Kredit aufnimmt (wie Sie es richtig beschrieben haben). Noch etwas zum Thema Löhne: Wenn die Firmen so gut verkaufen, warum haben wir dann so ein angeblich großes Problem mit den Lohnkosten? Unterstellt man, dass die Unternehmer rational handeln, verkaufen sie zu höheren Preisen, als ihre Stückkosten. Wenn sie dann auch im Ausland gut verkaufen, scheinen diese Preise nicht zu hoch zu sein, um "dem Druck der Globalisierung" standhalten zu können. Und wenn man dann noch sieht, dass der deutsche Außenbeitrag stark positiv ist (siehe Exporte und Importe in der Tabelle: http://www.destatis.de/basis/d/vgr/vgrtab1.php) muss diese Leistung auch trotz der "teuren" deutschen Arbeiter erwirtschaftet worden sein. Der Außenhandel ist also stark trotz hoher Lohnkosten. Woran es fehlt, damit das Klagen aus allen Mündern aufhört, ist die inländische Nachfrage. Und diese schwächelt, wenn die Inländer weniger Geld durch sinkende Löhne, weniger Vertrauen in die Zukunft durch ungesicherte Arbeitsplätze und größere Ängste aufgrund der aktuellen Debatte um "härtere Einschnitte" und "radikale Reformen" haben. Denn das dämpft die Nachfrage und erhöht das Sparen. Dieses Sparen jedoch erzeugt keine Investition, wie wir sie uns wünschen. Es führt nur in einen Abwärtskreislauf.
Sehr geerhter Herr Gechert, Sie haben bezüglich der Läger und der Ex-Post-Identität natürlich Recht. Nur: Ein Teil der Ersparnis ist auch ex ante Nachfrage, nämlich die von den Unternehmen aus einbehaltenen Gewinnen finanzierten Investitionen. Unternehmensersparnis und Investition ist teilweise, natürlich nur teilweise, dasselbe. Bezüglich der anderen Argumente kann ich nur auf meine "Basar-Ökonomie" verweisen. Danach vernichten hohe Löhne die arbeitsintensiven Sektoren zuerst, treiben Arbeit und Kapital in die kapitalintensiven Exportsektoren, senken dort die Preise und erhöhen so die Wertschöpfung im Export. Zugleich spezialisieren sich die Firmen auf die kundennahen Endstufen der Produktion, was impliziert, dass die Exportmengen noch schneller steigen als die Wertschöpfung im Export. Im Übrigen: Dass hohe Löhne Binnennachfrage schaffen, ist nicht richtig. Zwar mag der Konsum steigen, doch definitiv geht die Investitionsgüternachfrage zurück. Womöglich geht sogar der Konsum zurück, weil die Arbeitslosigkeit steigt und die Leute noch mehr Angst bekommen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn ! Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Deutschen, die nicht neidvoll auf erfolgreiche Unternehmer und Neureiche schauen. Dass Leistung sich lohnen soll und muß, ist für mich unabdingbar. Dieses Prinzip ist ja überhaupt der Motivator einer prosperierenden Wirtschaft. Doch was für Unternehmer gilt, darf für abhängig Beschäftigte nicht ausgeblendet werden. Wer soll denn all die qualitativ und preislich hochwertigen Erzeugnisse aus deutscher Produktion im Inland noch kaufen, wenn die Löhne und Gehälter immer mehr in die Zange genommen werden ?
Sehr geehrter Herr Ebeling, die deutschen Unternehmen sind in der Endproduktion schwach, aber beim industriellen Zwischenhandel international Spitze. Die Industrie lebt von den Exportmärkten der Welt. Hohe deutsche Löhne übersetzen sich in den Kauf von koreanischen DVD-Players, und nicht unbedingt in den Kauf von deutschen Werkzeugmaschinen. Kurz: Man braucht keine Lohneinkommen, um Nachfrage zu haben. Je niedriger die Löhne, desto höher die Gewinne und die Kaufkraft der Unternehmer. Niedrige Löhne sind zwar ungerecht, aber kein grundsätzliches Problem der fehlenden Kaufkraft in Deutschland. Die Kaufkraft wird nur anders verteilt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, derzeit diskutieren wir im Rahmen unserer VWL Veranstaltungen die möglichen Effekte der Mehrwertsteuererhöhung auf den Arbeitsmarkt. Schaffen Mehrwertsteuerfinanzierte niedrigere Lohnnebenkosten mehr Arbeitsplätze? Nach meiner Ansicht wird der Konsum wohl im 2.Hj. 2006 noch mal anziehen, was ich jedoch als Vorzieheffekt sehe. Ab 2007 werden die AN mehr sparen als bisher, und die Konsumquote wird fallen. Die Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung auf 4,5 % wird die Mehrbelastung durch die Umsatzsteuer nicht auffangen. Durch den weiterhin niedrigen Konsum werden die Unternehmen immer mehr Einsparungen bei den Personalkosten vornehmen bzw. zumindest wenig neue Arbeitsplätze schaffen. Durch die Steuererhöhung sehe ich auch die Gefahr einer weiteren Steigerung der Schwarzarbeit, wenn handwerkliche Dienstleistungen teurer werden. Die Krankenkassen beschweren sich ebenfalls, durch die Mehrwertsteuer ihre Beiträge weiter erhöhen zu müssen, und so stehen die Hersteller, Händler und Konsumenten im Endeffekt wieder vor gleichhohen Lohnnebenkosten. Senkung der AV aber dafür Steigung der KV. Durch hohe Energiepreise, steigender Mehrwertsteuer und damit verbundenen steigenden Lebenshaltungskosten, steigender Sozialversicherungsbeiträge sehe ich am Konjunkturhimmel und vor allem auf dem Arbeitsmarkt kein Sonnenlicht! Wie ist Ihre Meinung zu der Fragestellung? Schaffen Mehrwertsteuerfinanzierte niedrigere Lohnnebenkosten mehr Arbeitsplätze? Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Klapproth, einen Vorzieheffekt wird es geben. Aber die Grenzbelastung der Arbeit im Binnenverhältnis, die ja die Mehrwertsteuer umschließt (denken Sie an eine Handwerkerrechnung), wird eher noch etwa größer statt kleiner. Nur im Außenverhältnis, wo sie wegen des Bestimmungslandprinzips bei der Mehrwertsteuer keine Rolle spielt, fallen die Lohnkosten geringfügig. Aber das ist nicht der Rede wert. Sie fallen beim typischen Industriearbeiter nur von 27,80 Euro auf 27,60 Euro. Man kann durch die Quersubventionierung der Lohnnebenkosten substanzielle Effekte nur unter prohibitiv hohen Kosten erreichen. Deswegen halte ich davon gar nichts. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, wie sehen sie eigentlich die "Magdeburger Alternative" im Vergleich zu Ihrem Modell der "Aktivierenden Sozialhilfe" zur Bekämpfung der Arbeitlosigkeit bei den Geringqualifizierten? Ist dieses Modell politisch nicht einfacher durchzusetzen? Ihre Meinung würde mich sehr zu diesem Thema interessieren. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Roter
Sehr geehrter Herr Roter, die Magdeburger Alternative ist im Prinzip zu begrüßen. Doch hat sie, weil sie zusätzliche Beschäftigung bei den Firmen subventionieren möchte, gegenüber der Aktivierenden Sozialhilfe folgende Nachteile. 1. Sie hilft nicht jenen bereits beschäftigten Geringverdienern, deren Löhne durch die neuen subventionierten Arbeitsverhältnisse unter Druck kommen. Die Aktivierende Sozialhilfe unterstützt diese Personen quasi automatisch, denn bei fallendem Einkommen kommen sie automatisch in den Förderbereich. 2. Da nur die zusätzlichen Jobs subventioniert werden sollen, erhalten Firmen, die aus strukturellen Gründen ohnehin wachsen, ohne jede Anstrengung Geld, während Firmen aus schrumpfenden Branchen, die die Schrumpfung verlangsamen, leer ausgehen. 3. Exisitierende Firmen haben gegenüber Neugründungen das Nachsehen. Um in den Genuss der Subventionen zu kommen, werden alte Firmen zugemacht, um neue zu gründen, was ein unsinniger Vorgang wäre. 4. Die Subventionen können nicht auf die individuellen Verhältnisse der betroffenen Arbeitnehmer abgestellt werden, weil sie nicht an das Individuum fließen. Die Aktivierende Sozialhilfe ist eine negative Einkommensteuer. Nur sie stellt sicher, dass Personen mit gleicher Leistungskraft auch gleich bezuschusst werden. 5. Man hat mit dem Ansatz noch keine Erfahrung. Die Aktivierende Sozialhilfe ist in Amerika unter dem Namen Earned Income Tax Credit sehr gut ausgetestet worden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 28.11.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Prof. Sinn. Es ist richtig, dass die Unternehmer Zwecksparen betreiben müssen, um später Investitionen tätigen zu können. Andererseits sieht man von diesen Investitionen recht wenig. Wie Sie bereits gesagt haben, ist die Nettoinvestitionsquote in Dtl. sehr niedrig. Dies liegt aber vor allem daran, dass die deutsche Produktionskapazität nur zu ca. 80% ausgelastet ist. Warum sollte man dann noch mehr Maschinen/Anlagen kaufen, wenn sowieso schon einige still liegen. Auf der anderen Seite fehlt es den Niedriglöhnern und Arbeitslosen an den einfachsten Dingen. Dort ließe sich sehr leicht eine Nachfragesteigerung erreichen. Die angebotsfreundliche Politik der letzten Jahre führt also in die falsche Richtung. Steuersenkungen, verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten usw. versickern zu großen Teilen in den Taschen der Teilhaber, die sich dann wirklich Pelzmäntel für ihre Frau kaufen.
Sehr geehrter Herr Gechert, nein, es geht nicht um das Zwecksparen. Wenn ein Unternehmer investiert, spart er! Sparen und Investieren ist dann dasselbe. Die Ersparnis ist dann selbst unmittelbar Nachfrage. Natürlich kann auch ein Unternehmer sparen, indem er nicht investiert, sondern sein Geld am Kapitalmarkt anlegt. Aber dann kann jemand anderes die Ersparnis als Kredit aufnehmen und damit Investitionsgüter kaufen. Die Investitionen sind sehr gering, weil die Lohnkosten sehr hoch sind. Das ist der Hauptgrund. Die Firmen verkaufen doch gut. Der Export läuft prächtig. Nur investiert man zunehmend auch in ausländische Fabriken, die die Vorleistungen liefern. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 25.11.05, Anm. des Moderators)"Die Frage ist allenfalls, ob die Unternehmer so viel mehr nachfragen, wie die Arbeitnehmer weniger nachfragen. Sie kann bejaht werden[...]" Diese Aussage kann so nicht stehenbleiben, denn dann müsste man bei Einkünften aus Lohnarbeit von der selben Sparquote ausgehen, wie bei Hochverdienern. Dies wird in einfachen Rechenmodellen häufig vorausgesetzt, ist aber falsch. Wenigverdiener sparen weniger an, als Besserverdiener, folglich ist der Rücklauf in den Wirtschaftskreislauf dort wesentlich größer. Geringverdiener haben sogar z.T. negative Sparquoten, eine Steigerung dieser Löhne würde folglich in vollem Umfang in den Kreislauf zurückfließen, was bei einer Zielsetzung "gesellschaftliche Wohlfahrt" nur gut sein kann. Dieses Ziel scheint für Sie aber nicht wichtig zu sein. "[...]und zugleich hat es einen Rekord-Kapitalexport" Der Rekordkapitalexport geht mit unserem Rekordaußenbeitrag einher, schließlich müssen die exportierten Waren auch bezahlt werden. Dies ist eine saldenmechanische Notwendigkeit. "Ein paar Jahre Zurückhaltung bei der Steigerung der Löhne kann nicht 30 Jahre exzessiver Steigerungen kompensieren, wie wir sie seit 1970 hatten." Die Lohnsteigerungen sind eine Errungenschaft unserer sozialen Marktwirtschaft. Sie gingen damals außerdem mit einer größeren Steigerung des BIP einher. Globalisierung gab es auch damals schon. "Deutschland hat nach Dänemark mit 27,80 Euro die höchsten Stundenlohnkosten für Industriearbeiter auf der ganzen Welt." Die hohe Qualität deutscher Produkte sollte auch dementsprechend entlohnt werden. Wozu sollte man auch in einen Konkurrenzkampf mit Billiglohnländern treten. Dies wäre ein gesellschaftlicher Rückschritt. Investitionen in Bildung und Forschung und nicht der derzeitige Rückschritt auf allen Ebenen könnten uns dies auch weiter ersparen. Viele Grüße Sebastian Gechert
Sehr geehrter Herr Gechert, Sie haben völlig Recht, dass Unternehmer eine sehr viel höhere Sparquote haben. Der Punkt ist nur, dass nicht nur Konsum Nachfrage ist, sondern genauso Investitionen. Wenn Unternehmer sparen, investieren sie in der Regel. Statt ihrer Frau einen Pelzmantel zu kaufen, was Konsum wäre, kaufen sie ihren Arbeitern ein neues Fabrikgebäude oder eine neue Maschine. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, wenn ich mir die Freiheit erlauben darf Sie zu zitieren: "[...]Die Löhne werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und fallen dementsprechend. Dann wächst die Beschäftigung, bis alle beschäftigt sind. Mit der Beschäftigung wächst die Produktion und im gleichen Umfang auch das Einkommen resp. die Kaufkraft. Die Deutschen sind reicher.[...]" Sie haben hier die klassische Mikroökonomie sehr treffend beschrieben. Leider ist der Arbeitsmarkt aber kein Gütermarkt. Wir haben es hier mit einem Kreislaufzusammenhang zu tun, wie er auf gesamtwirtschaftlichen Märkten vorherrscht. Eine Senkung der Löhne bis zum "Marktgleichgewicht" führt zu geringerer Kaufkraft, die öffentliche Debatte (wie auch Ihre Bücher) in diese Richtung schürt Ängste und sorgt somit für Kaufzurückhaltung. Die Vergangenheit zeigt auch, dass eine Reallohnsenkung, wie sie in den letzten Jahren bereits eingesetzt hat nicht dazu führt, dass die Beschäftigung wächst [...]bis alle beschäftigt sind.[...] Das Gegenteil ist der Fall: Durch Lohnsenkung geht es den Menschen und der Volkswirtschaft schlechter, lediglich der Verteilungskampf wird weiter zugunsten der Herrschenden Klasse verschoben.
Sehr geehrter Herr Gechert, Sie irren sich. Das Resultat, dass Lohnsenkungen die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöhen, ist auch insbesondere im allgemeinen Gleichgewicht einer Volkswirtschaft gegeben, und selbstverständlich berücksichtigt es die Kreislaufzusammenhänge. Dass eine Senkung der Löhne zu geringerer Kaufkraft führt, wie Sie schreiben, ist natürlich nicht richtig. Sie führt zu einer Umverteilung von Kaufkraft zu Lasten der Arbeitnehmer und zu Gunsten der Unternehmer, das ist alles. Die Frage ist allenfalls, ob die Unternehmer so viel mehr nachfragen, wie die Arbeitnehmer weniger nachfragen. Sie kann bejaht werden, denn die Lohnsenkung erhöht die Rentabilität der Investitionen, so dass die Unternehmer nicht nur mehr Geld haben, sondern es auch attraktiv finden, es für den Kauf von Investitionsgütern auszugeben, um dadurch noch größere Gewinne zu machen. Richtig ist, dass es zu Umverteilungsgewinnen "der herrschenden Klasse" kommt, wie Sie sagen. Das liegt daran, dass die Arbeiter durch die ex-kommunistischen Niedriglöhner Konkurrenz bekommen haben und die Unternehmer für ihr Kapital weltweit viel höhre Renditen bekommen. Ändern kann man das kaum, jedenfalls nicht durch eine Fortsetzung der Hochlohnpolitik in Deutschland. Die hohen Renditen auf den Weltkapitalmärkten sind von uns kaum beeinflussbar. Die Hochlohnpolitik führt deshalb zu einer Fortsetzung der Kapitalflucht, die wir schon heute zu beklagen haben. Deutschland ist das Land mit der niedrigsten Nettoinvestitionsquote unter allen Industrieländern, und zugleich hat es einen Rekord-Kapitalexport. Im Übrigen: die Reallohnsenkung der letzten Jahre ging mit einem Anstieg der realen Lohnkosten einher, und nur die sind für die Unternehmer relevant. Aber selbst, wenn die realen Lohnkosten gefallen wären: Ein paar Jahre Zurückhaltung bei der Steigerung der Löhne kann nicht 30 Jahre exzessiver Steigerungen kompensieren, wie wir sie seit 1970 hatten. Deutschland hat nach Dänemark mit 27,80 Euro die höchsten Stundenlohnkosten für Industriearbeiter auf der ganzen Welt. Viele Grüße Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geeehrter Herr Professor Sinn, wir diskutieren in unserer Klasse,ob eine Abschaffung der Wehrpflicht einen Beitrag zum Anstieg der Arbeitslosenquote durch das erhöhte Angebot an Arbeitskräften bei gleicher Nachfrage leistet, oder ob durch die eingeschlossene Abschaffung des Zivildienstes neue Arbeitsplätze im Sozialwesen entstehen würden. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn sie uns Argumente für oder gegen die Position, dass die Zahl der Arbeitslosen durch den Wegfall der Wehrpflicht steigen würde, liefern könnten. Mit freundlichen Grüßen Christian Sander
Lieber Christian, ich sehe das so: Angenommen die Wehrpflicht wird ersatzlos abgeschafft und die Mittel, die bei der Bundeswehr für die Ausstattung der Wehrpflichtigen zur Verfügung standen, werden nun anderweitig eingesetzt. Dann erhöht sich das Angebot an Arbeitskräften auf dem Arbeitsmarkt, ohne dass sich die Nachfrage ändert. Nun muss man zwei Fälle unterscheiden. a) Die Löhne sind unverändert. Dann entsteht Arbeitslosigkeit. b) Die Löhne werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und fallen dementsprechend. Dann wächst die Beschäftigung, bis alle beschäftigt sind. Mit der Beschäftigung wächst die Produktion und im gleichen Umfang auch das Einkommen resp. die Kaufkraft. Die Deutschen sind reicher. Wenn man den Zivildienst einschließt, ändert sich nichts an der Analyse, es sei denn, man unterstellt, dass nun mehr Steuern erhoben werden, um die entsprechenden Dienste vom Staat bezahlen zu lassen. In diesem Fall wäre das Endergebnis ähnlich wie bei der Pflicht, nur würden sich die Lasten der Zivildienstleistungen von denjenigen, die die Arbeit tun, auf die Gesellschaft im Allgmeinen verlagern, weil ja nun alle Steuern zahlen müssen. Diejenigen, die den Zivildienst tun, haben keine Last, denn sie werden ja bezahlt und arbeiten freiwillig. Ich hoffe, das reicht für's Erste. Welcher der Fälle vorliegt, kann ich natürlich auch nicht sagen. Das hängt ja von politischen Entscheidungen ab. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse habe ich ihre Bücher " Ist Deutschl...." und "Basar-Ökonomie" gelesen. Ich bin kein Ökonom (promovierter Pharmazeut), glaube aber die Botschaft verstanden zu haben. Leider haben mich ihre Bücher sehr pessimistisch für Deutschland gestimmt. In Diskussionen am Mittagstisch stelle ich fest, dass selbst meine Kollegen ein Erkenntnisproblem haben. Somit steht für mich fest, dass es in Deutschland innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahren zu einer wirtschaftlichen Katastrophe kommen wird. Ich habe gesehen wie ein Industriezweig nach dem anderen in Deutschland langsam untergeht. Besonders getroffen hat mich der Ausverkauf der deutschen Pharmaindustrie. Die Apotheke der Welt waren wir mal. Politikern sind ihre Bücher sicherlich bekannt und auch die Tatsache, dass ihnen eine Sozialreform vom Ifo-Institut auf dem Silbertablett seviert würde. Die Richtigkeit ihrer Argumente MUSS jedem klar denkenden Menschen einleuchten. Ich hoffe, Sie versuchen durch persönliche Kontakte und Gespräche mit Politikern ihre Vorstellungen weiter zu verbreiten und zu überzeugen. Ich hätte noch eine Frage zu einer Aussage von Ihnen bezüglich der Besteuerung von Kapitalerträgen (Aktiengewinne sollen ja jetzt auch immer besteuert werden): Sie haben mal in einer Diskussion gesagt, dass jegliche Besteuerung des Kapitals gerade zu einer so hohen Kapitalflucht führt, dass es nicht zu mehr Einnahmen des Staates im Gesamten führt, im Gegenteil, sogar etwas weniger in die Staatskasse fließt. Dies ließe sich Beweisen, erschließe sich aber nicht der "30 Sekunden Logik". Könnten Sie hierauf kurz eingehen?! Wenn ich das so korrekt widergegeben habe, warum kapieren es dann Herr Müntefering und Frau Merkel nicht? MfG Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, ein Beispiel für den Effekt, den ich meine, die Einführung der zehnprozentigen Quellensteuer auf Zinserträge (Gesetz vom 25.07.88, StReformG 1990). Diese Steuer führte zu erheblicher Kapitalflucht und musste alsbald wieder abgeschafft werden (StReformÄndG v. 30.06.89), weil das Steueraufkommen aus der normalen Einkommensteuer auf Zinserträge fiel. Die Kapitalflucht war gigantisch. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als Student der Betriebswirtschafslehre habe ich mich eingehend mit Ihren Thesen und Lösungsvorschlägen aus Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" beschäftigt. Ich stimme mit Ihnen dahingehend überein, dass unser Steuersystem und Sozialstaat von Grund auf neu ausgerichtet werden sollte. Allerdings liegt den meisten Ihrer Vorschläge eine Lohnzurückhaltung der Angestellten und Arbeiter zugrunde. Dies würde meiner Einschätzung jedoch vor allem den internationalen Konzernen helfen, die ihre Produkte nun günstiger oder in größerem Umfang anbieten könnten. Den inländisch operierenden Unternehmen würde jedoch ein Teil der Kaufkraft in Form von nicht mehr vorhandenen Lohnsteigerungen entzogen, was auch Auswirkungen auf die Preise haben müsste. Wie soll der Durchschnittshaushalt weiterhin seine Miete und notwendigen Einkäufe, sprich seinen Konsum aufrechterhalten, wenn die Preise wohl weiterhin steigen (vor allem Importe wie Öl oder Billigprodukte), allerdings zeitgleich die Löhne stagnieren bzw. fallen? Eine höhere Wertschöpfung kann ich nur für die Exportindustrie ausmachen. Mit freundlichen Grüßen, Stefan Holzmair PS: Leider kam es zu Schwierigkeiten mit Ihrem Server, die Nachricht könnte eventuell mehrmals gesendet worden sein.
Sehr geehrter Herr Holzmair, Sie gehen davon aus, dass nur Löhne Kaufkraft sind und berücksichtigen nicht, dass eine Lohnerhöhung die Kaufkraft nur von den Gewinnbeziehern zu den Lohnbeziehern umverteilt, ohne sie selbst zu verändern. Da die Lohnerhöhung viele Investitionen unrentabel macht, wird zudem ein Anreiz ausgeübt, Investitionsgüterkäufe zu unterlassen. Die These, eine Lohnerhöhung würde die Nachfrage stärken, und eine Lohnsenkung die Nachfrage schwächen, ist nicht begründbar. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn, die Private-Equity-Fonds kaufen deutsche Immobilien vom Staat.Dabei liest man von bis zu25% Gewinn für die Fonds.Diese verkauften staat- liche Immobilien sind mit Steuergeld finanziert,anschließend zahlt der Staat Mieten für die Weiternutzung.Meine Frage:macht der Staat dabei auch ein Gewinn,oder besorgt er sich nur kurzfristig Liquidität? Wird dabei gegen der Artikel115 GG verstoßen? 2 Jahre alte Immobilien sind ja da noch nicht bezahlt? Wie kürzlich in Hessen geschehen. Können sie mir die Zusammenhänge erklären? Mit freundlichem Gruß Friedhelm Frank
Sehr geehrter Herr Frank, Kommunen pflegen Immobilien weit unter Wert zu verkaufen. Deshalb sind Private-Equity-Gesellschaften interessiert. Sie kaufen und verkaufen mit Gewinn. Die Kommunen kommen auf diese Weise schnell zu Geld. Gegen Art. 115 GG wird nicht verstoßen, weil die Kommunen Vermögen veräußern, um ihr Budget zu decken, doch keine neue Schulden machen. Das ist zwar ökonomisch ziemlich dasselbe, aber das Grundgesetz übersieht leider die ökonomischen Zusammenhänge. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 1.11.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort, welche sehr ausführlich auf meine (z.T. vielleicht übertrieben polarisierenden) Fragen eingeht. Ich möchte jedoch noch etwas nachtragen, um einen wesentlichen Gesichtspunkt zu betonen, auf den die Diskussion vielleicht vor allem hinausläuft: Gesamtwirtschaftskreislauf und Vermögenssteuer (inkl. Verwandte davon wie Grund-/Immo.steuer ...) (...) (Klicken Sie hier, um den ganzen Beitrag zu lesen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine Frage zur Vermögenspolarisation und dem zukünftigen Wert der Arbeit: In "Ist Deutschland noch zu retten?","Basar-Ökonomie", u.a. vertreten Sie die Ansicht, dass die Politik dem 'Sachzwang' der (globalen) Ökonomie schlicht weitgehend nachgeben solle. Das Heil werde im Freimarkt gefunden. Wenn für das Gro nicht kurzfristig, dann sicher später. Doch wer wollte dafür eine Garantie geben? Arbeitnehmer müssten demzufolge sich schlicht ersatzlos mit niedrigeren Löhnen abfinden, Kürzung von Sozialleistungen müsse eben hingenommen werden, u.s.w. So wie die Dinge laufen, könnte also die Gesamtwohlfahrt (und damit Binnenkaufkraft) vermutlich gar nicht auf heutigem Niveau erhalten bleiben. Entweder besser gleichverteilt Niedrigstlöhne und 'Arbeitsprostitution', oder das heutige Arbeitslosensystem mit Gnadenbrot für die Letzten in der Gesellschaft. Eine Auswahl zwischen Not oder Elend. Trotz immer höherer Produktivität und besserer Technologie? Bloßes rückkopplungsloses Freimarkten scheint die große Bewegung der Polarisierung von Vermögen/Einkommen noch schneller voranzutreiben. Porsche steigt, VW fällt. 10%-ige Kapitalrenditen saugen bei nur 1..2% Wi.Wachstum unerbittlich das Volksvermögen ins obere Dezil der Habenden ab. Bald vielleicht sogar unsere geliebten Autobahnen. Arbeit scheint in der Breite unabdingbar stark an Bedeutung und Wert zu verlieren (Automatisierung, Optimierung, Globalisierung), kleinunternehmerische Initiative wird auch immer weniger wert. Bloßes Kapital übernimmt immer mehr die Zügel. Gutbezahlte Sozialjobs können vermutlich kaum ein Ausweg sein, da sie ja auch weitgehend von den Schwächeren bzw. Steuersystem finanziert werden müssten. Ich vermisse bei Ihren Schriften (welche zwar in lokalen Zusammenhängen stimmig erscheinen) das große Thema der Vermögenspolarisation, sowie das Thema der Abwertung von Arbeit gegenüber schon akkumuliertem Kapital. Es scheint, dass immer statischere Ansammlungen von immer mehr 'funktionslosen' Vermögen ein Hauptproblem unserer Gesellschaft sind: Dies Kapital nimmt nicht mehr als Kaufkraft teil, und auch kaum noch als Katalysator originaler Kreativität, sondern übt als Rendite-Black-Box nur noch bloße Besitz- und Machtvorhaltefunktion aus. Vielleicht kann die derzeitige Entwicklung - selbst mit den von Ihnen skizzierten Marktbegradigungen - nicht mehr lange dem Fatum ausweichen, dass Arbeit schlicht nicht mehr allein das Gro der Einkommen bestreiten wird können? Was ist ihre Meinung zu einem zwar marktliberalen Ansatz (dabei v.a. auch Herunterfahren der verzerrenden Tarifautonomie), jedoch mit dem Zusatz einer großkanonischen Kapitalrückkopplung per Vermögenssteuern(v.a. an Quellen: Grund-,Share-,...) + bedingungslosem additiven Bürgergeld + bestimmten Absicherungszöllen etc.? Die heilige Kuh 'Eigentum' würde per Vermögenssteuer zwar mehr funktionalisiert, die Staatsquote würde steigen, doch eine niedrige Staatsquote an sich sollte ja kein Selbstzweck sein, sondern schlicht der Funktion 'Gesamtwohlfahrt' untergeordnet sein. ("Wat funzt, dat funzt" sagte mir einmal ein Ingenieur). Vielleicht gibt es doch ein funktionierendes Volkswirtschafts- und Steuersystem welches bei Erhaltung maximaler individueller Freiheit und trotz Globalisierung die Gesamtwohlfahrt parallel zum technologischen Fortschritt entwickelt? Die zentrale Frage lautet vielleicht so: Passt das Konzept statischen 'göttlich definierten' Eigentums (eine Verherrlichung des Besitzstandsdenken?) eigentlich in eine dynamische neoklassische Wirtschaftstheorie, welche eher Funktion/Handel/Tausch als Maxime sieht, denn die kapitalistische Maxime Produktionskapital. Letztere Maxime in Form schon des Begriffs "Eigentum" passt vermutlich nicht mehr in eine Nachfragerüberflusswirtschaft, in der für jeden Bedarf 100-fach Lieferanten bereitstehen? Mit freundlichen Grüssen, Robert Kiendl
Sehr geehrter Kiendl, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, der mich beeindruckt hat. Ich teile Ihre Sorgen in einem höheren Umfang, als Sie denken mögen, und kann nur hoffen, dass Sie auch meine Aussagen ernster nehmen, als Sie es tun. Wenn Sie meine Bücher lesen, werden Sie feststellen, dass sie wie auch eine Reihe früherer Schriften von der tiefen Sorge getragen sind, dass die Arbeiter die Opfer der Globalisierung sind und dass sich die Gesellschaft in der Zeit der Globalisierung zweiteilt. Die Zweiteilung will ich auflösen, indem ich den Sozialstaat reformiere. Ich will den aktivierenden Sozialstaat, der dauerhaft Zuschüsse zu den niedrigen Einkommen zahlt, anstatt Lohnersatzleistungen zu erbringen. Sie stecken mich in irgendeine Schublade mit der Überschrift "neoliberal" und nehmen nicht zur Kenntnis, was ich sage. Lassen Sie mich ein paar Ihrer Sätze herauspicken, um Ihnen zu zeigen, dass Sie mich nicht verstehen, und auch, um darzulegen, wo Sie selbst nicht ganz richtig liegen mögen. Ich zitiere einige Ihrer Aussagen und kommentiere sie. 1. "Das Heil werde im Freimarkt gefunden. Wenn für das Gros nicht kurzfristig, dann sicher später. Doch wer wollte dafür Garantie geben: Arbeitnehmer müssten demzufolge sich schlicht ersatzlos mit niedrigen Löhnen abfindne. Kürzung von Sozialleistungen müsse eben hingenommen werden, u.s.w. " Sie haben sich hier wirklich im Autor vertan. Meine Position ist, dass einfache Arbeiter zu den dauerhaften Verlierern der Globalisierung gehören und dass sie dauerhaft bezuschusst werden müssen. 2. "Auswahl zwischen Not und Elend" . Sorry, das wäre so, wenn man nur die Wahl zwischen einem auf dem Lohnersatzsystem basierenden Sozialstaat und dem Verzicht auf den Sozialstaat hätte. Meiner Grundbotschaft, den Sozialstaat als aktivierenden Sozialstaat zu erhalten, wird diese Aussage nicht gerecht. 3. "Ich vermisse bei Ihren Schriften (welche zwar in lokalen Zusammenhängen stimmig erscheinen) das große Thema der Vermögenspolarisation, sowie das Thema der Abwertung von Arbeit gegenüber schon akkumuliertem Kapital." Auch hier kann ich Ihnen nicht folgen. Die Abwertung der Arbeit gegenüber dem schon akkumulierten Kapital ist doch eines meiner Hauptthemen in meinen Schriften zur Vermögensbeteiligung in Arbeitnehmerhand. (Sehen Sie bitte im Schriftenverzeichnis auf der ifo Website nach.) 4. Die Sicherung des Eigentums ist die Grundvoraussetzung des marktwirtschaftlichen Systems. Ohne wohldefinierte Eigentumsrechte keine Tauschwirtschaft. Wer das in Frage stellt, muss die Revolution wollen. Wenn die Akkumulation von Vermögen unter Strafe gestellt wird, wird nicht mehr akkumuliert. Und wenn der Kapitalstock nicht mehr wächst, wächst nichts mehr in diesem Lande. Wir kommen dem Punkt leider schneller näher, als manche glauben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, als ein an dem Schicksaal unseres Landes interessierter Bürger möchte ich mich heute mit zwei Fragen an Sie wenden. Die Rentendebatte, wie sie in der Vergangenheit geführt wurde, scheint mir die Fakten regelrecht auf den Kopf zu stellen: Angefangen bei einem Großteil der Bevölkerung, der immer noch an die Existenz einer Kasse und dem damit verbundenen Kapitalstock glaubt, dem Versagen vieler Politiker, deren Kreuz offensichtlich nicht breit genug ist, sich realistisch einer sachlichen Diskussion zu stellen sowie einem für meine Person nicht nachvollziehbaren Urteil des Verfassungsgerichtes, das nach meiner Interpretation die weitläufige Meinung über die Existenz einer "Rentenkasse" deckt. Mich interessiert, ob Ihnen Untersuchungen vorliegen, die einen Vergleich (z.B. auf Basis der Lebensarbeitsleistung) der Rentenbelastungen sowie -auszahlungen jetziger Rentner mit denen zukünftiger Rentner zulassen. Wenn ich betrachte, dass der Beitragssatz in den fünfziger Jahren bei 14% lag, dagegen die Bevölkerung heute unter Beachtung der Ökosteuer sowie des Bundeszuschusses wahrscheinlich einer tatsächlichen Belastung von weit über 30 % ausgesetzt ist, dann würden mich derartige Ergebnisse sehr interessieren. Bei meiner zweiten Frage bitte ich Sie um eine persönliche Einschätzung: Wenn das Verfassungsgericht die Rente unter den Schutz des Rechtes auf Eigentum stellt (habe ehrlicherweise die Begründung nicht gelesen), dann muss dieses Recht eigentlich allen Bürgern gleichermaßen zustehen - also auch den heute Zwanzigjährigen. Vor dem Hintergrund des demographischen Bruches in unserer Gesellschaft habe ich allerdings die Befürchtung, das die Jungen nicht nur nicht in den Genuss ihres "Eigentums" kommen, sondern zusätzlich die Zeche für eine Fehlentwicklung tragen, für das sie am allerwenigsten verantwortlich sind, indem Sie nämlich von höchster Instanz dazu verdonnert wurden, den jetzigen Rentenempfängern ihre Besitzstände zu wahren. Stellt dieser Sachverhalt nicht sogar eine eklatante Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes unseres Grundgesetzes dar? Vielen Dank Ihr Henrik Bartels
Sehr geehrter Herr Bartels, die von Ihnen gewünschten Rentenberechnungen gibt es. Ich verweise zum Beispiel auf meinen Beitrag "Das demographische Defizit", ein Sonderheft des ifo Schnelldienstes, das von der ifo-Website unter http://www.cesifo-group.de/link/SD5-2003-forschungsergebnisse.pdf herunterladbar ist. Auch in meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" habe ich Berechnungen dargestellt. Was den eigentumsähnlichen Schutz der Rentenansprüche betrifft, habe ich volles Verständnis für Ihre Position. Allerdings meint das Verfassungsgericht sicher keinen Schutz, wie er durch eine bestimmte, dynamische Rentenformel gewährt wird. Das ist weit interpretierbar, und im Rahmen dessen, was das Gericht zulässt, sind vernünftige Reformen machbar. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, meine beigefügte E-Mail an die Zuschauer-Redaktion der heutigen Sendung "Menschen bei Maischberger" erlaube ich mir, Ihnen zur Kenntnis zu geben. Mit freundlichen Grüßen Heinrich Dietel "Bitte auch an Herrn Jürgen Fliege weiterleiten, vielen Dank! Sehr geehrte Frau Maischberger, sehr geehrter Herr Fliege, in Ihrer heutigen Sendung "Politiker ohne Überzeugungen? Ein Land ohne Visionen?" sprach Herr Fliege mit Recht an, dass nicht nur von den Arbeitsmarktproblemen geredet werden solle, sondern besser für jeden in Deutschland, der arbeiten will, auch real Arbeit angeboten werden müsse. Hier würden die "Visionen" und Ideen der Verantwortlichen fehlen. Hierzu sei der Hinweis erlaubt, dass es zumindest einen sehr bemerkenswerten und beachtlichen, visionären Vorschlag eines hochkarätigen Fachmannes gerade zur Bewältigung dieses Problemes gibt. Herr Prof. Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Institutes München, schlägt unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es in Deutschland zwar prinzipiell genügend Arbeit für jeden gibt, jedoch diese oft nicht mehr bezahlbar - weil zu teuer - ist, sinngemäß etwa folgendes vor: a) Zulassung auch deutlich niedrigerer Vergütungen (für einfacheArbeiten/Tätigkeiten), die für sich genommen für den Arbeitenden (und ggf. seine Familie) nicht auskömmlich sind; b) Dafür Aufstockung der fehlenden Differenz bis zur Auskömmlichkeit durch eine staatliche Unterstützung für den Arbeitenden (und eben nicht mehr für den Arbeitsunwilligen, der eigentlich arbeitsfähig ist); c) Dies heißt also: Umstellung unseres bisherigen AL-Unterstützungssystems, dass gerade diejenigen unterstützt, die nachweislich nicht (oder nicht offiziell) arbeiten, auf ein System zur primären Unterstützung derjenigen, die zwar arbeiten, aber dafür am Markt zu wenig Vergütung erhalten, um allein davon auskömmlich leben zu können. Fazit: Statt - wie bisher - Milliardenbeträge in die Unterstützung von nachweislich nicht Arbeitenden zu stecken, wäre dieses Geld besser zur Unterstützung von Arbeitenden eingesetzt, deren Lohn allein aber nicht auskömmlich ist; also Schließung dieser "Lücke zur Auskömmlichkeit" durch den Staat. Ich meine, dass dieser weitblickende Vorschlag sowohl bei unseren Politikern bisher viel zu wenig Beachtung gefunden hat, als auch in den Medien unzureichend aufgegriffen und diskutiert worden ist. Vielleicht haben Sie beide die Möglichkeit, letzteres einmal in Ihren Sendungen nachzuholen? Ich würde dies jedenfalls sehr begrüßen. Mit vielem Dank im Voraus und freundlichen Grüßen"
Sehr geehrter Herr Dietel, vielen Dank für die Kopie und die Unterstützung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, (...) Ich wollte Sie nach einer Zahl fragen, die Sie vielleicht nicht haben. Wie hat sich die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl seit 1950 entwickelt? Vielleicht können Sie mir die Frage auf diesem Wege beantworten. Für Ihre Mühe danke ich Ihnen. Mit freundlichen Grüßen Metzger
Sehr geehrter Herr Metzger, mit ihrer impliziten Vermutung haben Sie Recht. Während 1950 der Anteil der beim Staat beschäftigten Arbeitnehmer an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen 6,5% betrug, liegt dieser Anteil derzeit bei etwa 12%. Er hat sich also verdoppelt. Andererseits muss man bedenken, dass die 12% mustergültig wenig sind. In den skandinavischen Ländern liegt der Anteil bei 30%, und selbst in den USA beträgt er 15%. Der Anteil der Staatsbediensteten ist die Zahl, bei der Deutschland im internationalen Vergleich außerordentlich bescheiden auftritt. Unser Staat ist insofern schlanker als andere. Bei uns liegt das Problem nicht bei der Zahl der Staatsdiener als vielmehr bei der Zahl der ohne Leistung vom Staat bezuschussten Menschen. Nicht weniger als 41% der erwachsenene Deutschen sind Empfänger staatlicher Transferleistungen. In den neuen Ländern liegt dieser Anteil bei sage und schreibe 47%. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, im Wahlkampf wurde der Begriff des Exportweltmeisters von der amtierenden Bundesregierung ja immer wieder positiv ins Spiel gebracht. Nun ist ja sowieso klar, dass dieser Export einigermaßen aufgebläht ist. Aber nach ein wenig Recherche bin ich auch darauf gestoßen, dass ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht besser sein soll, als ein Exportüberschuss. Unter einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht ist doch zu verstehen, dass Exporte und Importe annähernd gleich groß sind, oder? Ist ein solches Gleichgewicht für ein Land (wie Deutschland) besser als ein Exportüberschuss? Und wenn ja, warum?
Sehr geehrter Herr Fasbender, was hier optimal ist, lässt sich nicht generell sagen. Auf jeden Fall sollten sie wissen, dass ein Exportüberschuss den Kapitalabfluss des Landes misst, wobei dahinter Geschenke, Kredite und ausländischer Vermögenserwerb stehen. Auf lange Sicht kann man nicht nur immer Kapital abfließen lassen wie heute, sondern muss es auch wieder zurückholen. Dann entsteht ein Defizit, die Importe sind dann höher als die Exporte. Wenn die Deutschen heute im Ausland sparen, um später von den Ersparnissen zu leben, brauchen wir heute einen Überschuss und später ein Defizit. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Medien sind voll von Hiobsbotschaften über unsere Ökonomie. Sehen Sie eine Möglichkeit näherungsweise zu berechnen in welchem Zeitraum bei rigider Sparpolitik die Schulden abgebaut werden könnten? Ich weiss: es ist zwar pure Mathematik, aber es gibt viele Unbekannte in der Gleichung. Es wäre nett, wenn Sie trotz Ihrer terminlichen Anspannung Stellung nehmen würden. Glückwunsch auch zu Ihrem neuen Amt. Gruss Carlheinz Jolas
Sehr geehrter Herr Jolas, der Schuldenabbau ist illusorisch. Es wäre schon sehr viel geholfen, wenn die Schulden nicht mehr so schnell wüchsen wie bislang. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe mich in der Vergangenheit mit vielen Ihrer Thesen beschäftigt und kann Ihnen in Ihrer Einschätzung der Lage nur zustimmen. Leider haben wir anscheinend in Deutschland ein Problem: Die Bürger unseres Landes wollen nicht hören, dass es dem Land schlecht geht, und dass wir lediglich mit extremen Reformen unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen können. Das wissen auch unsere Politiker. Und da diese gewählt oder wiedergewählt werden wollen, wird mit derartigen Wahrheiten hinter dem Berg gehalten. Selbst Kollegen wie Prof. Bofinger reden (meines Erachtens wider besseren Wissens) einer Nachfragepolitik das Wort, die die Probleme nicht löst. Was sollte die Unternehmen daran hindern, bei einer massiver Erhöhung der Löhne weitere Auslagerungen von Arbeitskräften vorzunehmen. Ich muß leider sagen, dass ich einigermaßen verzweifelt bin und nicht sehe, wie wir dieser Schraube entkommen sollen, wenn unsere Politiker aus bekannten Interessen die wirklichen Probleme und deren Lösungsansätze nicht sehen wollen. Vielleicht habe Sie ja auch Ideen, wie man die Öffentlichkeit - und nicht nur die interessierten Teile - von der Notwendigkeit der von Ihnen beschriebenen Reformen überzeugen kann. Oder muß man dem alten Spruch glauben, der da sagt: "Das Volk bekommt die Regierung, die es verdient". Beste Grüße aus Hannover Dr. Günter M. Schulte
Sehr geehrter Herr Schulte, ich verstehe Ihre Verzweiflung. Man kann nur beharrlich weiter aufklären. Das versuchen wir am ifo Institut. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! das Wahlprogramm der CDU wurde in der Frage vom 12.07. hier ja auch schon angesprochen. Leider ist aber auch nicht zu viel in dieses Programm hineingeflossen. Aber werden z.B. die Kombilöhne eine ähnliche Wirkung haben können, wie die aktivierende Sozialhilfe, die sie in ihrem Buch beschreiben? was halten sie von der Mehrwertsteuererhöhung und von der gleichzeitigen Lohnnebenkostensenkung? Wird damit die Kaufkraft der Rentner nicht zu sehr geschwächt? Oder die Kaufkraft derjenigen, die Kindergeld beziehen? Und zu guter letzt und ganz aktuell: Was halten sie von den Steuerplänen von Professor Kirchhof und welche Chancen geben sie ihm, diese mit der CDU umzusetzen? Da sie in der Programmkommission dort mitgemacht haben können sie das vielleicht besser beurteilen...!?
Sehr geehrter Herr Fasbender, vielen Dank für Ihre Fragen. Hier einige Antworten. 1. Kombilöhne in dem Sinne, dass alle Arbeitslosen sie bekommen, sind zu teuer. Als Maßnahme für Geringverdiener, die an die Stelle der alten Sozialhilfe für Erwerbsfähige tritt, sind sie ungefähr das, was die Aktivierende Sozialhilfe meint. 2. Die Mehrwertsteuererhöhung ist problematisch. Sie wird, auch wenn das Aufkommen für die Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge verwendet wird, kaum eine Entlastung auf dem Arbeitsmarkt bringen. Dazu mein Beitrag in der Wirtschaftswoche: http://www.cesifo-group.de/link/_echomitarb/ifostimme-WiWo-21-07-05.htm. In der Tat gehören die Rentner zu den benachteiligten Gruppen. 3. Kirchhof ist zu radikal, was die Senkung der Sätze betrifft, aber im Grundsatz liegt er nicht falsch. Ich finde allerdings auch das Vereinfachungsprogramm des Sachverständigenrates für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sehr gut, ja eigentlich noch besser. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, einem Flugblatt des DGB war folgende Aussage zu entnehmen: "Wenn es stimmt, dass längere Arbeitszeiten, niedrigere Löhne und ausgehöhlte Flächentarifverträge Arbeitsplätze schaffen, dann müssten wir in den neuen Bundesländern ein Arbeitsplatzwunder haben. Das Gegenteil jedoch ist der Fall! Die Arbeitslosigkeit ist noch höher als bei uns. Warum wohl?" Was ist aus Ihrer Sicht dazu zu sagen? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichen Grüßen, Dietrich Jaser
Sehr geehrter Herr Jaser, die Antwort ist einfach. Arbeitslosigkeit kann man nicht monokausal erklären. Zu jeder Standortqualität gibt es Löhne, die Vollbeschäftigung schaffen, nur sind sie je nach Qualität immer anders. Die neuen Bundesländer verfügen nicht über den Kapitalstock, den Westdeutschland nach dem Krieg hat schaffen können, und insbesondere fehlt es an den gewachsenen Unternehmensnetzwerken. Deswegen weichen die Löhne, die Vollbeschäftigung schaffen, noch viel weiter nach unten von den westdeutschen ab als die tatsächlichen Löhne. Der Sachverhalt ist offenkundig, wenn man sich überlegt, dass die DDR bei ganzen 7% der westdeutschen Löhne lag und dass die Löhne nach der Vereinigung durch künstliche, marktfremde Kräfte nach oben getrieben wurden. Das zitierte Argument ist von folgender Qualität: Wenn es stimmen würde, dass Dämme gegen Wasser schützen, müsste New Orleans eine Trockenwüste sein. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Warum wohl? Die suggerierte Antwort nach der unten stehenden Logik ist: "Weil es Dämme hat", was offenkundig Unsinn ist. New Orleans steht nicht unter Wasser, weil es Dämme hat, sondern weil es nicht genug Dämme hat. Ebenso gibt es die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland nicht, weil dort die Löhne niedrig sind, sondern weil die Löhne nicht niedrig genug sind. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, da ich Sie bisher als einen der wenigen Menschen kennengelernt habe, die bereit sind, auch über neue Wege jenseits der ausgetretenen Pfade nachzudenken, möchte ich Sie zu Ihrer Meinung über eine Idee fragen, die mir seit einiger Zeit im Kopf herumgeht: Wie wäre es, wenn man die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung abschaffen und diesen Teil des Sozialsystems aus Steuermitteln (ähnlich Umsatzsteuer, aber unter Einbeziehung von z.B. Banken, Versicherungen und Ärzten) finanzieren würde? Der Effekt wäre zunächst einmal eine Senkung der Kosten für Arbeit um ca. 20%, ohne dass die Arbeitnehmer weniger Geld in der Tasche hätten, d.h. es gäbe keine negativen Auswirkungen auf die Konjunktur. Diese Maßnahme könnte auch unabhängig von sonstigen notwendigen Reformen des Sozialsystems verwirklicht werden, denn es bliebe ja bei den Beiträgen der Arbeitnehmer und somit bei beitragsbezogenén Leistungen. Wenn die Maßnahme aufkommensneutral durchgeführt wird, führt sie auch insgesamt nicht zu Preiserhöhungen, sondern nur zu einer Verlagerung; Dienstleistungen und Produkte mit viel menschlicher Arbeit werden billiger, Produkte mit wenig menschlicher Arbeit teurer. Dabei würde die Senkung z.B. bei reinen Handwerkerleistungen nahezu vollständig durchschlagen, da die erhöhte Steuer auf eine entsprechend niedrigere Basis trifft. Dies wäre vermutlich auch ein wirksamer Beitrag zur Bekämpfung der Schwarzarbeit. Vielen Dank, dass Sie mir bis hierhin gefolgt sind. Mit freundlichen Grüßen Holger Timm
Sehr geehrter Herr Timm, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich habe mich mit dem Thema auch schon verschiedentlich beschäftigt, zuletzt in einem Artikel für die Wirtschaftswoche "Verfehlte Hoffnungen", 21.7.05). Vielleicht ist der für Ihre Überlegungen nützlich. http://www.cesifo-group.de/link/_echomitarb/ifostimme-WiWo-21-07-05.htm Ich sehe in dieser Umschichtung keine letztlich befriedigende Lösung, weil sie die Arbeit nur im Außenverhältnis entlastet, doch kaum im Binnenverhältnis. Gerade die von Ihnen erwähnten Handwerksleistungen werden durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer wieder teurer. Ein Nettoeffekt ergibt sich nur insofern, als es gelingt, anderen Bevölkerungskreisen wie insbesondere den Beamten und Rentnern neue Lasten aufzubürden. Ob man das will, ist ein Werturteil. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, Es ist aus meiner Sicht illusorisch, dass eine pronatale Politik, wie auch immer ausgestaltet, dazu geeignet ist, die Umlagerente zu sichern. Auch verstärkte Ausbildungen helfen nicht, denn der angehende Arbeitstätige wird zum Zeitpunkt seiner Arbeitsaufnahme zwischen verschiedenen Ländern wählen können. Die Ausbildung erhöht ja nicht den Humankapitalstock Deutschlands, sondern den beruflichen Wert der konkreten Person. Die kann und wird sich im Ausland orientieren, wenn die deutschen Verhältnisse die heutigen bleiben. Ebenso habe ich mit einem kleinen Programm, dem die Sterbetafel 2003 zugrunde lag, berechnen können, dass langfristig die Quote der 20-65-jährigen im Vh. zur gesamten Bevölkerung unter Annahme der derzeitigen Geburtenquote sich auf 53,5% einpendelt. Bei idealer Geburtensteuerung liesse sich eine Quote von 58% erzielen. Das ist zum einen natürlich nicht realisierbar, zum anderen wenig beeindruckend. Richtig wäre es, die Erwerbstätigkeit in Deutschland attraktiv zu machen. Das ist doch das eigentliche Ziel und keine Geburtenquoten. Die These "Wir haben zu wenig Kinder" ist schlicht falsch. Es ist doch vielmehr so: Wir haben einen sklerotischen dritten Weg, dessen Scheitern Ludwig von Mises in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vorraussagte. Im Nachhinein betrachtet kann ich leider keinen Punkt in seinen Prognosen finden, der nicht eingetreten wäre. Immer steigende Staatsquoten, die sich selbst nähren, heute Staatsschulden i.H.v 330% des BIP (im Finanzierungssaldo, also nach Abzug der erwarteten Einnahmen!, brutto liegen wir bei über 600% im Barwert). Ständig steigende Transferbedürftigkeit. Immer unsauberere Marktinformationen, die zu Scheinblüten unrentabler Investitionen führen. und und und. Es ist schon so: Solange die Politik das Primat hat und im Prinzip jederzeit intervenieren kann, kann von keinem Markt mehr gesprochen werden, denn er ist in einem solchen System nur dann frei, wenn er eben genau das tut, was die Poltik von ihm erwartet. Niemand traut sich, die Diagnose klar zu stellen. Immer noch wird dem Schräubchendrehen Heilwirkung zugesprochen. Ich muss heute beobachten, dass selbst diejenigen, die als "radikal" bezeichnet werden - so wurden Sie in einer Anmoderation eines Fernsehbeitrages bezeichnet - ein außerordentlich sozialdemokratisches Modell vertreten. Da fragt sich mancher (beispieslweise ich), wie es dazu kommen konnte, dass der Zustand der Wirtschaft, der in Punkto Staatsintervention niemals übertroffen wurde, dann und wann als "Turbokapitalismus" bezeichnet wird und gemäßigte Sozialdemokraten als Marktfetischisten, Sozialdemokraten als herzlose Marktradikale. Man kann sich nur noch wundern. Ich entschuldige mich, der Text ist ein wenig zu lang geraten. Viele Grüße, Roland Scheel
Sehr geehrter Herr Scheel, Sie haben natürlich Recht, dass Auswanderung die Möglichkeit bietet, den Lasten des Sozialsystems, insbesondere der umlagefinanzierten Rentenversicherung, auszuweichen. Aber gerade auch deshalb ist es ja sinnvoll, wenn die Umlagerenten nicht gegen den demographischen Trend verteidigt werden, was immer höhere Beitragssätze brächte. Ich will ja die Kinderrente. Sie bedeutet, dass Kinderlose die Last der Kinderlosigkeit stärker tragen müssen, weil ihre Umlagerenten in der Summe aller Rentenkomponenten (Kinderrente und gesetzliche Altrente) niedriger sein werden als im heutigen System. Und sie bedeutet, dass die Lasten, die die Kinder in ihrem Erwerbsleben selbst tragen müssen, geringer ausfallen als beim herrschenden System. Insofern sind die Anreize auszuwandern geringer, während zugleich die Fertilitätsanreize für die Eltern höher sind. Eltern wird ein kleinerer Prozentsatz der Früchte ihrer "Humankapitalinvestition" weggenommen. Weil der Staat weniger sozialisiert und interveniert, kommen die echten Präferenzen der Menschen wieder zum Zuge. Ich hoffe, Sie folgen mir: Die Forderung nach einer Erhöhung der Kinderzahl kommt nicht aus einer exogenen Wertsetzung, sondern aus den Präferenzen der Menschen selbst. Mein Leitbild bei dieser Frage ist die freie Entscheidung der Eltern, die im Gegensatz zu heute nicht durch die Sozialisierung der Kinder auf dem Wege der Rentenversicherung verzerrt ist. Was Sie ansonsten sagen, scheint mir sehr stimmig zu sein und für eine kluge Interpretation der Fakten zu sprechen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn, es ist schon frustrierend, wie wenig an Einsicht sich in den Wahlprogrammen von CDU,SPD,Grüne,PDS-WASG im kommenden Wahlkampf abzeichnet.Eine Frage beschäftigt mich: Wie oft können wir noch ohne Folgen die Maastricht-Konvergenz-Kriterien verletzen? Evtl. Sanktionen der EU können doch nur mit neuen Schulden bezahlt werden. Wie ist die vertragliche Situation? Der Weg in den Steuer- und Schuldenstaat,ab Seite 320 Ihres Buches, daran hat sich ja nichts geändert. Mit bestem Dank für ihre Antwort grüßt Friedhelm Frank
Sehr geehrter Herr Frank, ich habe meinen Mitarbeiter Rüdiger Parsche gebeten, eine Antwort für Sie zu schreiben. Hier ist sein Text: Das Verfahren mit dem ursprünglich harten Defizitkriterium und dem "Fahrplan" hinsichtlich der möglichen Sanktionen wie "Frühwarnung" bei drohender Überschreitung der 3 Prozent-Grenze, Starten des "Verfahrens wegen übermäßigen Defizits" bei Neuverschuldung über 3 Prozent sowie in der ersten Stufe Vorlage eines Planes durch das betroffene Land zum Abbau des Defizits und Verhängung von Sanktionen (z.B. Geldstrafen von 0,2 Prozent bis zu 0,7 Prozent des BIP des betroffenen Landes) ist nun etwas verschwommen geworden. Seit Ende März 2005 gibt es einen Kompromiss. Neben den ursprünglichen Ausnahmen für das Überschreiten der 3 Prozent (z.B. eine Naturkatastrophe oder das betroffene Land sieht sich einer schweren Wirtschaftskrise gegenüber, d.h. das BIP geht um mindestens 2 Prozent zurück) können nun auch andere Kriterien berücksichtigt werden. So hat der Finanzminister Eichel bei den Verhandlungen durchsetzen können, dass als ein zusätzliches kriterium die Kosten der deutschen Einheit bei der Haushaltsbeurteilung berücksichtigt werden. Das heißt, dass Deutschland auch 2005 bei einer abermaligen Überschreitung der Grenze von 3 Prozent keine schwerwiegenden Sanktionen zu befürchten hätte. Dabei steht Eichels Anliegen nicht direkt in den neuen Regeln, sondern es wird dort davon gesprochen, die Kosten für die "Vereinigung Europas" in besonderer Weise zu berücksichtigen, wenn sie einen schädlichen Effekt für das Wachstum und die Haushaltslasten eines Mitgliedslandes haben. Dann kann die Defizitgrenze zeitweise verletzt werden. Man kann davon ausgehen, dass damit das bereits auf Eis gelegte Verfahren gegen Deutschland weiter verschleppt wird, auch wenn sich die Grundregeln nicht geändert haben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Es wird viel darüber diskutiert, wie sich eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bei einer gleichzeitigen Senkung der Lohnnebenkosten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer auswirken würde. Ich will bei diesem komplexen Thema nur einen Punkt herausgreifen, der bisher noch nicht betrachtet wurde. Die Lohnnebenkosten fallen immer an, solange der Arbeitnehmer im Unternehmen beschäftigt ist. Hat ein Unternehmen starke Auftragsschwankungen, so hat er damit ein höheres Risiko. Er würde also Arbeitnehmer eher entlassen bei geringer Auftragslage, da Die Lohnkosten einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten haben. Wenn jetzt aber die Lohnnebenkosten über die MWST (Umsatzsteuer) stärker finanziert werden, dann sinkt dieses Risiko etwas. Die Mehrwertsteuer wird erst bei einem erfolgreichen Verkauf fällig. Somit sinkt das Risiko für den Arbeitgeber, was letztendlich auch für die Sicherheit des Arbeitsplatzes gut ist. Wie ist ihre Haltung zu diesem Thema - und würden Sie mir in diesem Punkt zustimmen?
Sehr geehrter Herr Bern, das ist ein interessanter Aspekt. Ich denke, Ihr Argument ist richtig. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
S. g. Herr Professor, Ihre Auseinandersetzung in wirtschaftlicher-topographischer Sicht lässt nichts zu wünschen übrig, außer man lehnt ab und verteidigt im gewissen Sinne seine Vorteile. Nun zur Weiterverfolgung in gedanklicher Sicht Ihres Wissens. Es ist nun Zeit, Programme oder Vorstellungen zu entwickeln, die das Zusammenleben aller, im Kleinen (Familien), Gemeinschaften (Dörfer, Städte) und im Großen zwischen Staaten wieder möglich machen. Diesbezüglich einige wesentliche Gedanken von mir: Wie Sie wissen, hat der Sozialismus, genauso wenig wie der Kapitalismus mit sozialem Denken, geschweige für zukünftige Generationen etwas zu tun. Die Vision, die mir vorschwebt, kann daher nur lauten, weg von beidem und Entwicklung zu etwas Neuem. Z.B. : Sämtliche Ortschaften oder Gemeinden haben Grundflächen und Gebäude, diese werden genutzt für Wohnungen für Familien usw.. Grundflächen als Acker, Anbauflächen für Obst und Gemüse, Parkanlagen oder wie auch immer. Die Vision ist: Sämtliche Tätigkeiten in einer Gemeinde werden freiwillig von Menschen und Personen ausgeführt, ohne ein Gehalt in Euro. Diese Mitarbeiter bekommen Essen, Wohnung und Kleidung lebenslang zur Verfügung gestellt und haben in allen Richtungen 100%igen Schutz (Pension, Krankheit usw.). Nach innen erfolgt der Ausgleich ohne Gehalt in Euro, hat diese Gemeinschaft nach außen hin Einnahmen, wird dies in einer Bank hinterlegt. Diese kann Gelder in Form von Taschengeld an die eigenen Mitglieder oder zur Gestaltung weiterer Projekte heranziehen. Diese Gemeinschaftsform ist selbst verantwortlich für alle diesbezüglichen Aufgaben, z.B. Kauf von Produkten und Waren die nicht selbst erzeugt werden können. Im Bereich Pflege und Gesundheit, Neubau und Renovierungen, je nach Art und Wesen einer Person. Aus dieser Sicht heraus würde ich Sie bitten zu argumentieren, zu entwickeln und zu handeln und dies allen Gemeinden, Städten, Staaten und der EU vorzulegen und jedem Bürger über Radio, Fernsehen und Internet bekannt zu machen. Es ist mir bewusst, dass diese Zeilen nur einen Teil eines Gesamten darstellen und bitte daher, wenn möglich um eine Rückantwort. Hochachtungsvoll Georg Walter Auzinger
Sehr geehrter Herr Auzinger, die Welt, die Sie beschreiben, erinnert mich an das israelische Kibuz, das ich anlässlich einer Gastprofessur in Jerusalem einmal besichtigen konnte. Leider sind die Kibuzim ökonomisch nicht sehr erfolgreich. Neid und Missgunst sind genauso verbreitet wie Trittbrettfahrertum. Dieses Experiment der Geschichte ist leider wie der Kommunismus fehlgeschlagen. Bislang spricht alle Erfahrung dafür, dass die Menschen am glücklichsten in einem System werden, das stärker auf Eigenverantwortung setzt und auch dann funktioniert, wenn der Egoismus verbreitet ist. Er ist nun einmal eine wesentliche Eigenschaft der Menschen, ob wir es wollen oder nicht. Gesellschaftssysteme, die nur mit Altruismus funktionieren, sind Schön-Wetter-Systeme, die dem Sturm der Realität nicht standhalten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 21.6.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Hinweis auf die hohen Lohnkosten (incl. Nebenkosten) - welche zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen ist gewiss gerechtfertigt. Deshalb ist eine der dringensten Aufgaben die Lohnnebenkosten zu senken. Wenn man Importe, Kapital, Gewinne, Energie, Rohstoffe ... an der Finanzierung der Lohnnebenkosten beteiligt, kann man die Arbeitskosten senken. Dies gelingt durch eine teilweise Finanzierung der Lohnnebenkosten über die Mehrwertsteuer (von 16% auf ca. 20% = + 30 Mrd Euro). Wenn die zusätzlichen Einnahmen der Mehrwertsteuer in eine Senkung der Sozialbeiträge der Arbeitnehmer führen, werden insbesondere Dienstleistungen billiger. Niedrige und mittlere Einkommen werden stärker entlastet, da der Anteil der Lohnnebenkosten am Einkommen hier besonders hoch ist. Die Folge ist eine Veränderung der Kostenstruktur der Produkte. Der Anteil der arbeitsintensiven Wertschöpfung wird steigen, da die Kosten sinken. Die Nachfrage nach diesen Gütern steigt, weil sie billiger werden - dies führt zu mehr Beschäftigung - zu geringerer Arbeitslosigkeit - zu mehr Konsum und geringeren Staatsausgaben. Der Rationalisierungsdruck sinkt dadurch auch. Die Produktivität je Arbeitnehmer sinkt, die Produktivität je Einwohner steigt jedoch. Jedoch kann ich über die Absolute Höhe dieser Effekte keine seriöse Aussage machen. Vielleicht können Sie und ihr Institut mir da weiterhelfen. Mit freundlichen Grüssen Theoderich
Sehr geehrter Herr Hecker, Ihre Überlegungen erscheinen mir wiederum richtig, aber ob die Dienstleistungen bei einer Umwandlung von Lohnnebenkosten in Mehrwertsteuerpunkt billiger werden, ist nicht ganz klar, denn die Mehrwertsteuer belastet die Dienstleistungen voll. Insgesamt ist eine mehrwertsteuerfinanzierte Entlastung der Lohnnebenkosten aber wahrscheinlich schon beschäftigungserhöhend, weil die Beamten und Rentner zur Kasse gebeten werden, die Arbeitnehmer zu bezuschussen. Wir könnten die Beamtengehälter und die Renten auch direkt senken, um dadurch die Rentenkasse zu finanzieren. Das wäre in etwa das gleiche. Ob eine solche Maßnahme unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten angemessen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo, vielleicht gehört es nicht hierhin, aber ein anderes Forum finde ich nicht. Auf Ihrer Jahresversammlung kamen auch Prof. Dr. Hermann Adrian und Dr. Ernst-Jürgen Borchert zu Wort. Was diese beiden Herren beizutragen hatten kann man doch nur als „Mutterkreuzideologie“ bezeichnen. Es gab in diesem Land schon einmal eine Zeit wo Kinderlose als eine Art Asoziale und ausserhalb der „Volksgemeinschaft“ stehen stigmatisiert wurden. Dazu ist es, zumindest aus meiner Sicht, auch völlig falsch. Wir leben in einer wenn nicht sogar der höchst entwickelten Industrienationen auf dieser Erde. Da kann doch die Quantität des Nachwuchses und sekundär sein. Viel wichtiger ist doch die Qualität (bei der wir aber siehe Pisa erhebliche Mängel haben). Oder sehe ich das völlig falsch.
Sehr geehrter Herr Seidel, Sie haben natürlich Recht, wenn Sie sagen, dass die Qualität der Menschen im Sinne ihre Ausbildung wichtig ist. Indes ist das Vorhandensein von Menschen zunächst einmal die Grundvoraussetzung dafür, dass man sie ausbilden kann. Und da hapert es wirklich. Deutschland ist im OECD-Vergleich nicht nur das Land mit der höchsten Arbeitslosenquote unter den gering Qualifizierten und der größten Spannweite im Ausbildungsstand bei der PISA-Studie, was Ihren Punkt bestätigt, sondern auch das Land mit der geringsten Zahl von Geburten pro 1000 Einwohnern. Wir machen offenbar vieles falsch. Die Verbesserung der Ausbildung enthebt uns nicht der Notwendigkeit, etwas zur Erhöhung der Geburtenraten zu tun. Es ist dafür ohnehin schon zu spät. Große Tristesse ist in dreißig Jahren angesagt, wenn die Baby-Boomer, die dann siebzig sind, ernährt werden wollen, aber nicht mehr genug arbeitsfähige finden, die bereit sind, sie zu ernähren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich habe vor einigen Monaten eine kurze Diskussion über das Problem der Arbeitslosigkeit in Europa geführt. Dabei verwies ich auf die Niederländer, die das Problem der Arbeitslosigkeit scheinbar gelöst haben. Ich habe erfahren, dass ihr System der "Aktivierenden Sozialhilfe" auch in den USA angewendet wird (zumindest so ähnlich?) und ich frage mich, ob dies mit dem Systam der Niederländer zu vergleichen ist, welches gering qualifizierte Arbeit ebenfalls bezuschusst. Mein Diskussionspartner verwieß anschließend auf eine angeblich sinkende Produktivität der Niederländer gegenüber den Deutschen, was ich als sehr kritisch beurteilt habe. Erstens hat mein gegenüber sicherlich einen mathematischen Fehler begangen, indem er nicht die deutschen Arbeitslosen in der deutschen Produktivität berücksichtig hat (Deutschland ist sehr kapitalintensiv, sodass die Industrie ziemlich produktiv ist, zwangsläufig durch die hohen Löhne). Und zweitens frage ich mich, ob die geringere Produktivität der Niederländer negative Folgen hat oder ob es nicht natürlich, dass die Produktivität sinkt, wenn man arbeitsintensive, gering qualifizierte Arbeit bezuschusst ?
Sehr geehrter Herr Eden, ich kenne das holländische System nicht, wohl aber das amerikanische, und das ist von den Anreizwirkungen tatsächlich mit der Aktivierenden Sozialhilfe verwandt. Was Sie zur Produktivität sagen, kann ich nur unterstreichen. Wenn man gering Qualifizierte in Arbeit und Brot bringt, fällt die betriebswirtschaftliche Produktivität, weil der Durchschnitt gesenkt wird, doch steigt die volkswirtschaftliche Produktivität, weil das Sozialprodukt bei gegebener Zahl der Menschen in Deutschland erhöht wird. Nur auf die volkswirtschaftlich Produktivität kommt es an. Von der betriebswirtschaftlichen Produktivität kann ein Volk vielleicht gar nicht leben, weil die Zahl der Jobs, auf denen sie erzielt wird, sehr klein ist. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich freue mich, dass Sie als wissenschaftlicher Fachmann zu aktuellen Themen Stellung nehmen. Dies müsste noch häufiger geschehen. Es gibt einen grossen Anteil unseres Volkes, der diese Art von Argumentation versteht und der politischen Phrasendrescherei überdrüssig ist. Sachlich sollte aber z.B. tiefer thematisiert werden: Warum löst die Kapitaldeckung bei der Alterssicherung - die Sie ja empfehlen - gegenüber dem Umlageverfahren das Problem der Überalterung? Ich sehe das nicht: In jedem Fall, also auch bei der Kapitaldeckung, müssen die Renten von den Jungen bezahlt werden (im Grenzfall bei 0 Jungen gibt es auch 0 Kapitalerträge). Auch etwas anderes müsste thematisiert werden: Die Rente der Frauen aus der Rentenversicherung ist bei gleicher Beitragseinzahlung 50% höher als die der Männer. Ist das Gleichheit? (Rente ist jährlicher Rentenbetrag mal Anzahl Rentenjahre (Männer ca 12, Frauen ca 19)). Vorschlag zum Renteneintrittsalter: Jeder kann dann in Rente gehen, wenn sein angesparter mtl. Rentenanspruch über dem Sozialhilfesatz liegt. Der Rentenbetrag berechnet sich aus eingezahlten Beträgen und statistisch noch zu erwartender Lebensdauer. Um die nichtsbringende Diskussion über Lohnnebenkosten zu beenden, müssten andere Begriffe eingeführt werden: Bruttolohn = heutiges "Brutto" plus die heutigen "Lohnnebenkosten", Arbeitnehmer führt dann ALLES selbst ab an Versicherungen. Ebenso bei Beamten: Brutto = heutiges Brutto + "Pensionsrückstellungen", Beamte zahlt dann seine Pensionsbeiträge selbst. Mit freundlichen Grüssen Diplom-Physiker Dr. Bodo Zimmermann
Sehr geehrter Herr Zimmermann, vielen Dank für Ihre Nachricht. Ihren Vorschlägen stimme ich weitgehend zu. Aber Ihr Gedankenexperiment zur Alterssicherung ist so nicht nützlich. Da Arbeit und Kapital komplementär sind, kann der eine Faktor in der Tat nichts ohne den anderen machen. Nicht nur die Arbeit ist unerlässlich, sondern auch das Kapital. Aber es geht nicht um Total-, sondern um Marginalsubstitutionen. Natürlich kann man Arbeit durch Kapital in Grenzen substituieren, und nur darum geht es. In dem Maße, wie Kinder fehlen, kann man sie in der Tat mit Realkapital ersetzen, um Produktion und Lebensstandard zu erhalten. Die Kinder fehlen ja nicht vollständig. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Dr. Hans-Werner Sinn Ich habe in jüngster Zeit ihre Ausführungen zu einem Zuschuss für Geringverdiener beobachtet. Aus meiner Sicht ist ein solches Verfahren aber bürokratisch aufwendig. Daber würde mich interessieren, was Sie von einer Art Grundeinkommen für jeden halten. Z.B. Jeder Bürger bekommt pro Monat 400 Euro, ohne irgendwelche Nachweise von Arbeitsbereitschaft. Es gibt nur noch einen Steuersatz von 40%, der bereits ab dem 1. Euro gezahlt wird. Die von ihnen zurecht bemängelte Situation, dass Sozialhilfeempfänger keine Arbeit aufnehmen, weil diese in Konkurrenz zur Sozialhilfe steht,würde dann nicht mehr existieren. Daneben soll es nur noch die Mehrwertsteuer in Höhe von ca. 20% geben, mit deren Hilfe die Krankenversicherung finanziert werden soll. Eine Eigenbeteiligung von 10% soll dabei die Ausgaben begrenzen und Missbrauch eindämmen. Die 400 Euro ersetzen auch die Rente, wobei die bisherigen Ansprüche wohl weiterhin bezahlt werden müssten. Das Wichtigste an dieser Idee ist im Prinzip, dass der Staat keinen Überblick über mein Einkommen mehr benötigt, da es nur noch einen Steuersatz ohne Freibetrag mehr gibt. Es würde also eine Menge Bürokratie eingespart werden können und ganze Berufszweige würden überflüssig werden. Die Frage, ob man ev. für Zinseinkünfte einen reduzierten Steuersatz von 25% nimmt, kann man diskutieren. Mich würde nun interessieren, welche Einwände Sie bezüglich dieses Konzeptes haben. In einem Portal der FDP können Bürger über mögliche Konzepte diskutieren.Es lohnt sich da mal hineinzusehen. Viele Grüsse Theoderich
Sehr geehrter Herr Hecker, das Bürgergeld, das Ihnen vorschwebt, unterscheidet sich nicht grundlegend von den Vorstellungen des ifo Instituts, denn auch wir wollen ein geschlossenes Gesamtsystem, wo alle einkommensabhängigen Transfers und Steuern erfasst sind. Für das Individuum muss festgelegt werden, wieviel es bei alternativen Bruttoeinkommen netto in der Tasche hat, und diese Festlegung muss über eine Art negativer Einkommensteuer erfolgen. Die Unterschiede zwischen den Konzepten sind eher quantitativer Art. Nach meinen Vorstellungen blieben die ersten 500 Euro von jeglichem Transferentzug und Abgaben befreit. Erst danach würden der Transferentzug und die Abgaben einsetzen. Die effektive Grenzbelastung wäre also niedriger als bei Ihnen. Vorteil: man hat einen noch höheren Anreiz, von der Nullposition der Nichtarbeit wegzugehen und wenigsten ein bisschen zu arbeiten. Um diesen Anreiz noch zu stärken, würden wir sogar die ersten 200 Euro noch mit 20% bezuschussen. Das ist die Philosophie des Earned Income Tax Credit aus den USA. Der hatte enorme Mobilisierungseffekte für den Arbeitsmarkt. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass man auch Ihr Modell mit Fug und Recht vertreten kann. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 20.6.05, Anm. des Moderators) Sie haben Recht, dass ich Falschmeldungen aus Presse und Fernsehen aufgesessen bin. Es ist schon sehr bestuerzend, dass eigentlich klare Aussagen nicht nur verkuerzt, sondern falsch, ja direkt ins Gegenteil gedreht in Presse und Fernsehen verfaelscht werden. Nachdem ich den Originaltext des Interviews gelesen habe, moechte ich Ihnen sagen, dass ich mit den Vorstellungen voellig einverstanden bin, sie fuer richtig und gut halte. Da ich dort auch nicht lesen konnte, dass Renten staatliche Transferleistungen sind, entschuldigen Sie bitte meine Vorwuerfe. Da ich auch schon bisher nicht alles glaube, was in den Medien Tag fuer Tag veroeffentlicht wird, werde ich in Zukunft noch kritischer damit umgehen. Nochmals besten Dank fuer Ihre Nachricht. Beste Gruesse Dr. E. Hoffmann
Guten Tag Herr Dr. Sinn, zu Ihrer Aussage "mit dem Lebensalter nehme im Beruf die Entlohnung meistens zu, doch die Leistungsfähigkeit nehme ab" erlaube ich mir Ihnen ein paar meiner Gedanken mitzuteilen, nachdem mich die Aussage neben der das Ältere Lohnsenkungen akzeptieren sollen masslos geärgert hat. Als erstes jedoch zwei Fragen an Sie. Wie alt sind Sie? Und auf wieviel Lohnsenkung würden Sie sich einlassen? Sei es wie es sei, auf jeden Fall finde ich Ihre Aussage diskriminierend und entwürdigend. Ich bin jetzt 46 Jahre und fühle mich in keinster Weise leistungsunfähig, im Gegenteil, ich bin hoch motiviert und leistungsbereiter als mit 25. Leider denken aber viele so wie Sie und geben unserer Jahrgangsklasse gar keine Chance, auch ich gehöre leider derzeit zu den Arbeitssuchenden. In krassem Widerspruch verstehe ich auch die gegensätzliche Richtung aus Rentensicht. Heisst es hier nicht, dass man länger arbeiten soll, erst mit 65 oder noch später in Rente gehen soll?! Wie passt das zusammen? Damit erstmal genug. Ich wünsche Ihnen alles Gute und das Sie nicht so schnell ÄLTER werden. Mit freundlichen Grüßen Ina Carlström
Sehr geehrte Frau Carlström, ich bin 57 Jahre alt. Aber irgendwie scheinen Sie mich missverstanden zu haben. Kann es sein, dass Sie Ihre Information aus einer Sekundärmeldung beziehen statt aus meinem Munde oder meiner Feder? Gestern gab es eine total verzerrende Agenturmeldung, die im Interview mit Spiegel Online richtig gestellt wurde. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Ihre pauschale Bewertung, dass Aeltere generell weniger leistungsfaehig sind und deshalb weniger verdienen sollen, ist fuer mich ganz einfach Rassismus gegen Menschen wegen Erreichung eines bestimmten Alters. Die Bezahlung sollte sich lediglich nach der Leistung, egal ob mit den Haenden oder dem Kopf, richten, aber nicht nach dem Alter. Was Ihre eigene geistige Leistungsfaehigkeit betrifft, habe ich allerdings arge Zweifel. Was soll man von einem Menschen halten, der die Renten den staatlichen Transferleistungen zurechnet. Die Renten sind ein durch das Grundgesetz geschuetzter Rechtsanspruch, den man sich durch lebenslange Beitragszahlungen erworben hat, sie sind eine Versicherungsleistung. Staatliche Transferleistungen bedienen lediglich von der Politik gewollte Zuwendungen der jeweiligen Klientel, die nicht durch Beitragszahlungen gedeckt sind. Sie haben nichts mit der gesetzlichen Rentenversicherung zu tun und sollten deutlich getrennt von ihr aus Steuermitteln beglichen werden. Das wuerde von vornherein auch verhindern, dass wie von Ihnen behauptet, Renten nach 40 bis 45 Jahren Arbeitsleben und Beitragszahlung als staatliche Transferleistung difamiert werden. Beste Gruesse Dr. Ehrenfried Hoffmann
Sehr geehrter Herr Dr. Hoffmann, Sie sind offenbar einer Falschmeldung aufgesessen. Lesen Sie hier dazu mein Interview für den SPIEGEL online (http://www.cesifo-group.de/link/_echointerv/ifointerview-Spiegel-20-06-05.htm). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
guten abend, sie glauben doch nicht tatsächlich, dass ihre beabsichtigten maßnahmen - sollten sie denn umgesetzt werden - den unternehmen tatkräfige und einsatzbereite mitarbeiter bescheren werden? menschen, die angst haben, die unzufrieden sind, die sich ausgebeutet und hintergangen fühlen, werden im höchstfall das notwendigste geben. verständlich! würden sie für 1 oder 3 euro die stunde maximale leistung bringen? wenn sie dafür 8 oder mehr stunden täglich arbeiten müssten, aber trotzdem nicht wissen, wie sie ihre rechnungen bezahlen sollen, da dringend notwendige waren (gas, strom, öl, benzin etc.) fast täglich teurer werden? wissen sie überhaupt, was halbwegs gesunde lebensmittel heute kosten? ich wette - nein! sie gehen nicht einkaufen, kennen die preise nicht. ihnen ist das auch egal, denn sie haben genug geld. eigenartig, dass immer diejenigen bei den armen kürzen oder absichtlich noch mehr armut provozieren wollen, die selbst im geld schwimmen! da kommt mir doch der verdacht .... !? wo haben sie ihre seele gelassen? haben sie die vor den vielen beförderungen verloren oder irgendwo an der garderobe vergessen? die sollten sie schneunigst suchen, sonst wird es hier im land bald zu einem großen knall kommen - und zwar nicht so unblutig wie die arbeitslosen-domos! abgesehen davon, haben sie eine sehr verquere logik! wie man mit diesem denken derart viele preise, orden etc. bekommen kann, wird mir ein rätsel bleiben. ich dachte immer, dass nur derjenige geehrt wird, der sich durch besonders hervorragendes tun auszeichnet. das vermisse ich bei ihnen ganz und gar. leider verfügen die "geber" dieser auszeichnungen ebenfalls über nur mäßiges denkvermögen - so kommen die dinge dann zustande. man ehrt sich gegenseitig, damit die bürger hinter's licht geführt werden. damit sie nicht merken, dass die selbsternannten "eliten" gar keine eliten sind. sondern nur seelenlose computer auf zwei beinen, die nur ein wort kennen und nur ein ziel verfolgen: GELD! egal wie, dafür kann man ruhig über millionen leichen marschieren, hauptsache die kasse stimmt am ende. nur haben sie die rechnung ohne wirkliche menschen gemacht. diese haben sie in ihr kalkül nicht mit einbezogen. und darüm werden sie am ende den kürzeren ziehen. denn: hochmut kommt vor dem fall! sie werden sehr tief fallen, herr dr. sinn. wie schreibt wolfgang engler so schön? "wie wär's mal mit schach, herr sinn, statt immer nur halma?" sie sehen - es gibt noch andere menschen, die sie durchschaut haben! gruß, k. meyer
Sehr geehrte Frau Meyer, da ich nicht genau weiß, worauf sich Ihr Schreiben bezieht, vermute ich einmal, Sie meinen die Aktivierende Sozialhilfe, die ich vorschlage. Sie gehen davon aus, dass dieses System die Einkommen der Betroffenen senkt. Das Gegenteil ist der Fall. Zwar werden die Löhne fallen, so dass die Arbeitgeber einen Anreiz haben, neue Stellen zu schaffen. Doch erhalten die Betroffenen zusätzlich zu den Löhnen einen Zuschuss. Das Gesamteinkommen wird schon bei einer Halbtagsbeschäftigung im privaten Sektor so groß sein, wie heute beim Arbeitslosengeld II, und wer mehr arbeitet, stellt sich deutlich besser. Wer keine Stelle findet, kann immer noch zur Kommune gehen und erhält dort das Arbeitlosengeld II als Lohn für eine Vollzeit-Beschäftigung. Also: Es ist ausgeschlossen, dass irgendjemand, der jetzt auf das ALG II angewiesen ist, weniger zum Leben hat als heute, und die meisten werden mehr haben. Insofern argumentieren Sie gegen eine Position, die nicht die Meine ist. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn PS Wenn Sie mehr dazu interessiert, lade ich Sie ein, auf der Homepage des ifo Instituts zum Thema Aktivierende Sozialhilfe zu stöbern.
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 15.6.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Sinn, Ok, dann machen sie ihre Professur also ehrenamtlich. Aber so ganz umsonst werden sie uns ja mit ihrer Tätigkeit nicht beglücken. Was das andere betrifft. Ja, ich habe Werturteile daraus gemacht. Falls sie der Meinung sind, was sie da machen ist wertfrei, sind sie ja vollkommen naiv. Aber das glaube ich nun wirklich nicht. Natürlich stecken in ihren Positionen jede Menge Werturteile und natürlich ist der Kapitalismus und die gegenwärtige Situation der Weltwirtschaft mitnichten alleiniges Ergebnis zwingender ökonomischer Gesetzte sondern zum großen Teil auch Ausdruck bestimmter historischer Konstellationen und Machtverhältnisse. Das wissen sie natürlich auch und sie vertreten eben in dieser Konstellation bestimmte Interessen (was ihr gutes Recht ist). Aber wenn sie ihre Analysen und Rezepte für derart unabweisbar halten, wie kommt es dann dass Kollegen von ihnen (ebenfalls mit Professoren- und Doktortiteln reichlich dekoriert) z.T. das genaue Gegenteil vorschlagen (Löhne erhöhen etc.)? "Die Entrüstung über die Gesetze des Kapitalismus ist müßig. Auch wenn diese Entrüstung die Fallgesetze beträfe, hätte Gott dafür nur ein müdes Lächeln übrig." Haha, da muss ich immer noch drüber lachen. Können sie mir zwei deutsche Physikprofessoren nennen, die hinsichtlich der Fallgesetze entgegengesetzter Meinung sind? Wenn ja, nehme ich alles zurück. Also machen sie mal ein bischen halblang. Sie haben vielleicht in manchem Recht, aber die Art wie sie ihre Postionen die doch zum großen Teil nur neoliberaler Wirtschaftslobbyismus sind als letzte Weisheiten verkaufen wollen finde ich eher unangebracht. Mit freundlichen Grüßen Walter Stahl
Sehr geehrter Herr Stahl, dDass ich umsonst arbeite, habe ich nicht gesagt. Sie haben behauptet, ich bezöge ein C4-Gehalt, und das stimmt nicht. Was die Fallgesetze betrifft, verweise ich nur auf die moderne Physik, die sie nur als stochastisches Ereignisse, nicht aber als zwingende Notwendigkeiten im Sinne der klassischen Physik sieht. Der Ingenieur braucht sich darum nicht zu kümmern. Für ihn sind sie hinreichend genau. Ähnlich verhält es sich mit Sonderkonstellationen der sogenannten keyensianischen Unterbeschäftigung, , unter denen ausnahmsweise einmal die Beschäftigung steigt, wenn der Lohn steigt. Die Unterschiede sind nicht so groß wie sie meinen. Ich kann nicht über die Physik urteilen und gebe ihnen Recht, dass es befremdlich ist, wenn einzelne Ökonomieprofessoren den inversen Zusammenhang zwischen Lohn und Beschäftigung in Frage stellen. Ich kann ihnen aber versichern, dass es sich dabei um eine winzige Minderheit im Fach handelt, die nur nach intensiver Suche der Medien und wegen des Wunschdenkens mancher Journalisten in Erscheinung getreten sind. Es bleibt dummes Zeug, und die Kollegen handeln verantwortungslos, wenn sie sich so in der Öffentlichkeit äußern. Die statistischen Belege für den inversen Zusammenhang zwischen Lohn und Beschäftigung sind überwältigend. Ich habe sie in meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten? " ausführlich in einer Fußnote zu Kapitel 2 zitiert. Die Ökonomie ist nicht völlig wertfrei, aber die Wertannahmen sind schwach. Üblicherweise begügen wir uns mit dem sogenanntne Pareto-Kriterium. Eine Politikmaßnahme ist dann besser als eine andere, wenn die Gewinner die Verlierer kompensieren können. Es geht also um Politiken, die den Kuchen vergrößern. Sie werden von mir keine Äußerungen finden, die z.B. sagen, die Arbeiter sollten weniger Einkommen haben und die Kapitalisten mehr oder dgl. Das Fach hat gerade wegen der Wertbeladenheit der politischen Debatte eine Methode entwickelt, die Werturteile im trivialen Bereich zu halten und dennoch zu gehaltvollen politischen Aussagen zu kommen. Ich kann Ihnen versichern, dass ich keine bestimmten Interessen vertrete und partei- und gesellschaftspolitisch ungebunden bin. Ideologien und Interessenbindungen passen nicht zu dem Verständnis, das ich von meinem Fach habe. Es gibt so etwas wie eine Standesehre des Volkswirts, die dies ausschließt. Nach Ihrem Brief ahne ich, dass Sie das für naiv halten. Damit muss ich dann wohl leben. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich verstehe nicht, wie das Problem der Kinderlosigkeit durch Sparen gelöst werden kann. Man kann Geld nicht essen! Rentner werden immer auf jüngere Menschen angewiesen sein. Also muss irgendwer Kinder produzieren! Hier kommt mein Problem: Stellen wir uns vor es geben den völlig freien Markt. Wer rein ökonomisch denkt, wird auch dann auf eine gute Ausbildung setzen, in einem gut bezahlten Job arbeiten und möglichst viel Kapital bilden, darauf spekulierend, dass andere so nett sind, Kinder in die Welt zu setzen, deren Leistungen er sich dann von seinem Ersparten kaufen kann (oder denen er sein Geld verleihen kann, um Zinsen zu kassieren etc). Wer dagegen Kinder in die Welt setzt, zahlt drauf - auch in einem völlig freien Markt. Denn erstens werden Kinder immer teurer, vor allem wegen der Bildungskostenn, zweitens haben Frauen enorme Opportunitätskosten. Kurzum, auch auf einem rein freien Markt (ohne jede Verzerrung durch den "bösen" Staat), steht man ohne Kinder besser dar als mit Kindern.(Verstehen Sie? Die Umverteilung geschieht bereits im Markt, der Staat und das Rentensystem verschlimmern es nur.) Wer Kinder erzeugt, produziert zwar den wohl mit Abstand wichtigsten Rohstoff der Wirtschaft, er erwirbt sich aber keinerlei Eigentum für diese Leistung! (Außer man führt die Sklaverei wieder ein ;) Ist das nicht ein klassischer Fall von Marktversagen? Und sind Kinderlose nicht einfach "Free Rider", die davon profitieren, dass es immer noch Menschen gibt, die ihr Leben nicht vollständig der Ökonomie unterwerfen und deshalb so "dumm" sind, Kinder zu kriegen? Hat das Problem der Kinderlosigkeit vielleicht weniger mit dem Staat zu tun als mit der zunehmenden Liberalisierung und Ökonomisierung unseres Lebens? Und müsste nicht bei der Diagnose „Marktversagen“ die Lösung in Richtung „mehr Staat“ gehen? Wenn die Umverteilung bereits im Markt ist, könnte doch nur der Staat diese Umverteilung wieder rückgängig machen, indem er z.B. Strafsteuern für Kinderlose einführt, oder?
Sehr geehrter Herr Farshim, Sie haben ja völlig Recht: Ohne jüngere Menschen geht nichts. Aber es geht bei der Frage der Kapitalbildung nicht um Total-, sondern um Marginalentscheidungen. In Grenzen kann man bei der Altersversorgung Kapital an die Stelle von Menschen setzen. Dieser Ersatz ist umso eher möglich, als im Rest der Welt ja genug Menschen vorhanden sind, mit denen das in Deutschland gebildete Kapital zusammenarbeiten kann. Im Übrigen: Geld kann man nicht essen, aber man kann sich mit ihm Essen kaufen. Darauf kommt es an. Kinder kann man auch nicht essen. Dass wir mehr Kinder brauchen und dass Kinderlose die Konsequenzen ihrer Entscheidung gegen Kinder stärker tragen sollten, ist freilich richtig. Ich verweise hier auf meinen Aufsatz, der in der FAZ vom 8.6.05 veröffentlicht wurde (zu finden auf der ifo-Website unter "Politikdebatte" / "Spezialthema" Kinderrente). Vielleicht ist er für Sie von Interesse. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ich sehe,höre und lese sie ja nun viel in allen Medien und bei dem was ich da so sehe, höre und lese drängt sich mir immer stärker eine Frage auf: Wie komme ich eigentlich dazu mit meinen Steuergeldern jemandem den Vollkasko-abgesicherten Job par excellence (nämlich eine deutsche C4-Professur) mit zu finanzieren, der mit dann dauernd folgendes sagt: "Dein Kündigungsschutz muss weg" "Du hast zuviel soziale Sicherheit" "Du verdienst zuviel" "Du arbeitest zuwenig" ?? Können sie mir das sagen? Wie geht das mit den Gestzen des Kapitalismus zusammen, die sie ja im Rang von Naturgesetzen sehen? Für jegliche Hinweise dankbar Mit freundlichen Grüßen Walter Stahl
Sehr geehrter Herr Stahl, Sie irren in vielem. Erstens beziehe ich für meine Professoren-Tätigkeit kein Gehalt, sondern leiste sie ehrenamtlich. Zweitens verzerren Sie meine Aussagen zu Werturteilen. Wenn ich warne, dass die Globalisierung die Löhne drückt, oder, wenn man sich dem entgegenstellt, Arbeitslosigkeit erzeugt, machen Sie daraus ein "Du verdienst zuviel." Das ist schon ein beachtliches Stück semantischer Verdrehung. Die anderen Aussagen sind auf dem gleichen Niveau. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 21.4.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. Ich habe bereits vor einiger Zeit in einem Leserbrief an Sie Ihre Darstellung der "Flucht des Mittelstands nach Osteuropa" als zu übertrieben und nicht den Tatsachen entsprechend kritisiert. Ich bezog meine Quellen damals aus dem Mittelstandsmonitor der KFW-Bank. Sie entgegneten mir damals, die KFW benutze nicht die geläufige Mittelstandsdefiniton (was sie sehr wohl tut). Also beziehe ich mich nun auf eine andere Quelle: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) veröffentlichte am 18. Mai 2005 einen Artikel mit dem Titel: "EU-Osterweiterung - Halb so wild". Darin heißt es unter anderem: "Starke Anreize, ihre Produktion nach Mittel- und Osteuropa zu verlagern, geben bislang lediglich 9 Prozent der Unternehmen zu Protokoll. Für 71 Prozent der Betriebe ist dies momentan kein Thema." Quelle: Informationsdienst des IW Köln Nr. 20 vom 18.5.2005 - http://www.iwkoeln.de/Publikationen/frs_publikationen.htm Verstehen Sie mich nicht falsch, auch ich sehe jede einzelne Produktionsverlagerung mit großer Besorgnis. Ich warne nur vor Übertreibungen und Überreaktionen. Auch früher schon verschwanden ganze Branchen - in der Landwirtschaft, im Bergbau, in der Stahl-, Textil- und Schuhindustrie. Doch Landwirte, Bergleute und Textilarbeiterinnen blieben nicht arbeitslos. Es entstanden wieder neue Jobs im Maschinenbau, in der Chemieindustrie, im Dienstleistungsgewerbe, usw. Ich bin also optimistisch, dass Deutschland auch diesen Strukturwandel erfolgreich bewältigen wird!
Sehr geehrter Herr Fischer, Dasselbe IW hat vor einiger Zeit geschrieben, dass sechzig Prozent der mittelständischen Unternehmen von 1000 bis 5000 Beschäftigten Standorte außerhalb der alten EU begründet haben (natürlich nicht nur in Osteuropa). Da sehe ich einen gewissen Widerspruch. Er lässt sich vielleicht auflösen, wenn man das Wort "starke Anreize" aus der IW-Mitteilung in den Blick nimmt. Anreize als solche empfinden offenbar mehr Unternehmen. Außerdem ist nicht klar, ob es bei der Frage um nur um neue Verlagerungen geht oder auch um alte, die bereits stattgefunden haben. Zur Problemlage kommt vermutlich morgen ein Artikel von mir in der FTD. Schauen Sie doch einmal hinein. Er wird dann auch auf unsere Homepage gestellt. Natürlich muss man die Dinge nicht überdramatisieren. Aber man muss sie doch so sehen, wie sie sind. Nach meiner Einschätzung, die auf der Einsicht in die Direktinvestitionsstatistik der deutschen Bundesbank beruht, sind die durch Direktinvestitionen in den osteuropäischen Beitrittsländern von deutschen Unternehmen geschaffenen Stellen schon so viele, wie insgesamt in den USA geschaffen wurden, nämlich eine knappe Million. Und der Strom der Finanzinvestitionen, die Deutschland verlassen, ist mit knapp 4% des BIP auf Rekordniveau. Es sind schon ziemlich substanzielle Effekte am Werke. Ich kriege wöchentlich Informationen über neue Verlagerungen ins Haus. Das meiste steht gar nicht in der Presse, und bis sich das in irgendwelchen Statistiken findet, vergeht Zeit. Der Trend der Zeit ist unübersehbar. Einen massiveren Strukturwandel hat Deutschland in seiner Geschichte meines Wissens kaum gehabt. Aber natürlich bricht die Welt nicht deswegen zusammen. Der Outsourcing- und Offshoring-Trend vollzieht sich über längere Zeiträume mit großer Beharrlichkeit. Dass wir den Strukturwandel gut schaffen, ist derzeit nicht erkennbar. Früher ging der Wandel nicht mit einer fundamentalen Wachstumsschwäche und Arbeitslosigkeit einher. Grund: Früher waren wir Niedriglöhner. Anpassungen der Lohnstrukturen gingen immer nach oben, wo es keine Schranken gab. Heute sind wir Hochlöhner, und vielfach müsste die Anpassung nach unten gehen, was blockiert ist. Deshalb unsere Probleme. Deshalb zu viel Verlagerung pro Zeiteinheit. Ich weiß aber, dass das Thema gerade auch der Wirtschaft unlieb ist. Die will Ruhe an der Front, weil es sonst womöglich politische Gegenmaßnahmen gibt, die auch ich nicht will. Dafür habe ich Verständnis, kann mich dadurch aber nicht beeinflussen lassen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Begeisterung verfolge ich ihre Beiträge und wie Sie Themen an die Öffentlichkeit bringen. Daher ein kleiner Vorschlag bzw. Beitrag aus meinem Verständnis. Meines Erachtens sind eine der Probleme in der Wirtschaft, dass die Unternehmen nicht mehr von Eigentümern (Hauptaktionären ) geführt werden, welche ihren Kindern ein Erbe hinterlassen wollten sondern von abhängigen Arbeitnehmern (Vorständen). Diese Vorstände werden von den Großaktionären/Investoren eingesetzt die nur kurzfristige Erfolge haben wollen. Warum wollen die Großinvestoren (und jeder einzelne welcher Investmentanteile besitzt) nur den schellen Kursgewinn und nicht die langfristige gute Dividende. Warum gelingt es nicht die Aktienkursgewinne stark zu versteuern und die Dividenden in einem anderen besseren Verhältnis. Dies würde den Anreizt schaffen produktiver und vorrausschauender zu arbeiten um eine hohe Dividende zu erwirtschaften als nur den Aktienkurs hoch zu schrauben. Heute reicht es ja schon Entlassungen ankündigen und schon steigt der Aktienkurs, eine Idiotie. Was kann der einzelne tun? Über eine Antwort würde ich mich freuen. Mit freundlichen Grüßen Maximilian Hagl
Sehr geehrter Herr Hagl, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und besonders für Ihre netten Worte zu meinem Engagement. Dass von Managern geführte und den Aktionären verpflichtete Unternehmen zu kurzfristigeren Erfolgen gezwungen sind als die von einem Eigentümer-Unternehmer geführten, ist wohl wahr. Der Vorteil der Aktiengesellschaften ist aber, dass sie sehr viel mehr Kapital bereit stellen können und eine raschere Expansion in gewinnbringenden Bereichen ermöglichen, was letztlich auch mehr Wachstum für die Volkswirtschaft verspricht. Beide Organisationsformen haben Vor- und Nachteile. Ein gemischtes System wie in Deutschland ist vermutlich das Beste. Aktienkursgewinne rigoros zu besteuern, wie sie vorschlagen, würde die langfristige Orientierung der Untenehmen nicht verbessern, im Gegenteil. Da solche Kursgewinne im langfristigen Mittel aus Gewinneinbehaltungen resultieren, ist eine Steuer auf Kursgewinne eine indirekte Steuer auf einbehaltene Gewinne. Firmen, die im Interesse ihrer Aktionäre handeln, weichen aus, indem sie mehr Dividenden zahlen und ihre Investitionen verringern. Möglich wäre es freilich, die Gewinne aus rein spekulativen Kursschwankungen um den langfristigen Trend separat besteuern. Man versucht das ja mit den sogenannten Spekulationsfristen beim Weiterverkauf von Aktien. Wer eine Aktie nur kurzzeitig hält, um sie dann gewinnbringend zu verkaufen, muss zahlen, wer sie längerfristig hält und erst dann wieder verkauft, muss es nicht. Diese Regelung halte ich für ganz vernünftig. Sie dürfte dem entsprechen, was sie wollen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Frage sollte Deutschland sich auch stellen, falls man ausländische Arbeitnehmer in Deutschland tätig werden lassen will: Wie ist der Schutz ausländischer Arbeitnehmer an einem deutschen Arbeitsplatz (...)? Irgendwann war Deutschland ja einmal soweit, dass die ausländischen "Bürger" alle die deutsche Sprache erlernen sollten (wahrscheinlich abgeguckt vom niederländischen System). Wie sieht es aus mit ausländischen "Arbeitnehmern"? In den Niederlanden ist es so, dass Arbeitgeber ausländische Arbeitnehmer, die die niederländische Sprache nicht beherrschen oder nicht so gut beherrschen, gar nicht haben wollen, da sie diese dann "nicht ausreichend" auf Gefahren im Betrieb" hinweisen können. Ich weiß es von der Euregio und ich weiß es auch von marokkanischen Freunden in den Niederlanden, die auf Suche waren nach Arbeit, jedoch nicht angenommen wurden aufgrund der schlechten bzw. weniger guten Beherrschung der niederländischen Sprache. Teilweise lebten diese Marokkaner seit mehr als 10 Jahren in den Niederlanden. Arbeitgeber in den Niederlanden wollen jedoch das Risiko (Betriebsunfall/Krankheit) nicht laufen, da es ihnen teuer zu stehen kommen könnte. Und das dürfte auch ein Problem werden für ausländische Arbeitnehmer an einem deutschen Arbeitsplatz, da die meisten Arbeitnehmer nur die eigene Sprache beherrschen. Und ebenso dürfte es für deutsche Arbeitnehmer, die nach Polen, Russland, Tschechien, Niederlande oder sogar China verschickt werden, ein Problem werden. Wissen Sie: Ich sehe meine frühere Sachbearbeiterin vom Arbeitsamt schon da sitzen mit einem tschechischen Arbeitnehmer, der gerade von seinem deutschen Arbeitgeber gefeuert wurde. Dieser Mann beherrscht die deutsche Sprache überhaupt nicht und kann auch demzufolge kein einziges deutsches Formular ausfüllen. Geld hat er von seinem deutschen Arbeitgeber nicht bekommen und kann jetzt leider nicht zurück in seine Heimat, zu seiner Familie. Ja, was will so eine Sachbearbeiterin denn dann antworten? Ich meine, andererseits ist es vielleicht auch nicht einmal ein so großes Problem, da sie nur ihre eigene Behördensprache spricht: "Wir dürfen die Arbeitslosen vor allen Dingen nicht über ihre Rechte aufklären, evtl. wohl über ihre Pflichten!" Mit anderen Worten: "Hier in Deutschland herrscht "Eigenverantwortung". Sie müssen selbst zusehen, wie sie fertig werden mit ihren Problemen. Ich bin nicht zuständig für Sie. Da müssen Sie sich bei Ihrem eigenen Arbeitsamt in Tschechien erkundigen. Ich habe jetzt leider keine Zeit. Schließen Sie bitte die Türe hinter sich!" Und der tschechische Mann versteht das dann nicht einmal oder er versteht die Gebärdensprache sehr gut und wird auch noch wütend obendrein. Ja, was dann? Viele ausländische Arbeitnehmer werden versuchen in Deutschland zu bleiben, da sie genug haben vom eigenen Land, wo sie immer schon in Armut gelebt haben. Lt. Medien denken die meisten ja immer noch, dass Deutschland ein Schlaraffenland wäre. Das dürfte auch ein Problem werden. Zuhause sitzen dann die Frauen mit ihren Kindern und warten auf ihre Männer und auf das viel versprochene Geld. Wer kommt denn dann für diese Familien auf? Dafür haben deutsche Politiker für geschiedene Männer/Frauen und deren Kinder im eigenen Land bis heute noch keine vernünftigen Lösungen gefunden, nicht einmal "nur" für die Kinder (Kinderalimente). Da ist kein einziger Politiker für verantwortlich. (...) Befragen Sie sich doch einmal bei diversen Amtsgerichten in NRW, wie schnell Deutschland ist, um das "Problem" Kinderalimtente zu lösen und wieviel Fälle pro Amtsgericht seit Jahren in der untersten Schublade ruhen. Und ich denke, dass Tschechien, Rumänien usw. sich nach einiger Zeit bedanken und eine Menge mehr Problemfälle und Sozialfälle dazubekommen werden. (...)Mit freundlichem Gruß R.S. PS: Es ist ja möglich, dass in München viele Probleme viel besser gelöst werden, aber München ist nicht "ganz Deutschland".
Sehr geehrte Frau S., haben Sie vielen Dank für diese eindringliche Beschreibung der Probleme, die mit der Migration verbunden sind. Sie bestärken mich in der Auffassung, dass man a) mit der EU-Erweiterung vorläufig nicht weiter machen soll und dass man b)Ausländer nicht noch durch Geschenke anlocken soll, wie es durch das sozialstaatliche Inklusionsrecht geschieht, das ein Eckpfeiler der EU-Politik ist. Seit vielen Jahren schreibe ich dagegen an: Mit mäßigem Erfolg. Die Politik will die Probleme im Vorfeld nicht hören, und wenn sie dann auftauchen, reagiert man hysterisch. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 21.4.05, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Sinn, (...) In unserer Gruppe wird derzeit heftig über die mediale Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Herrn Stiegler debattiert. Natürlich tragen wir uns mit der Hoffnung, der Schlagabtausch könnte so sachlich - und somit nachvollziehbar - werden, wie Ihr Disput mit Professer Hickel. Um eine minima moralia in der Wirtschaft zu gewährleisten, wird hier gerade die Einführung von Maximallöhnen diskutiert. Als 27jähriger bin ich der jüngste Diskutant, und sofort werden Stimmen laut, die unken, so etwas sei niemals durchsetzbar etc. Als Anhänger dialektischer Denkmuster hat für mich diese Idee jedoch zumindest eine Berechtigung, durchdacht zu werden. Ein Maximallohn würde einer großen Mehrheit einen Mindestlebensstandard sichern können. Was meinen Sie ? Ihr Daniel Reitzig
Sehr geehrter Herr Reitzig, meinen Sie den Vorschlag ernst? Überlegen Sie einmal, wie die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr aussähe, wenn wir das realisieren würden. Alle guten Fußballspieler wären im Ausland, wir hätten sämtliche ersten Vorrundenspiele bereits verloren. Und überlegen Sie einmal, welche Schauspieler wir noch hätten. Nie würde jemals wieder ein ausländischer Star auf deutschen Bühnen auftreten, sei es auf der Opernbühne oder bei einem Rockkonzert. Die Filmindustrie gäbe es nicht mehr, weil kein Schauspieler dann bereit wäre zu arbeiten. Michael Schumacher käme nie mehr her, wir hätten keine Tennisspieler mehr, ja nicht einmal Eiskunstläufer wären bereit in Deutschland aufzutreten.(...) Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sprechen desöfteren in den Medien von einer "Flucht der Mittelständler nach Osteuropa". Ich halte diese Karikatur für zu übertrieben. Laut aktuellem "Mittelstandsmonitor 2005" der KfW-Bankengruppe "hält sich die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa in Grenzen". Lediglich 13% der antwortenden Unternehmen treten -entweder durch Exporte, Importe oder Direktinvestitonen - mit den mittel- und osteuropäischen Märkten unternehmerisch in Kontakt. Die häufigste Form des Engagements ist der Export (9,2%), gefolgt vom Import (3,9%). Nur 1,9% der antwortenden Unternehmen haben überhaupt in Mittel- und Osteuropa investiert. Lohnkosten sind allerdings nur einer von vielen Parametern, die die Standortqualität bestimmen. Andere Kostenfaktoren, z.B. die Kapitalkosten, können durchaus zu Ungunsten der Beitrittsländer zu Buche schlagen. Zu berücksichtigen sind ferner weitere Standortfaktoren wie z. B. der Qualifikationsgrad der Arbeitskräfte, die Qualität der Realkapitalausstattung, die Bildungs- und Forschungsinfrastruktur, die Effizienz der staatlichen Verwaltung und in diesem Zusammenhang auch Korruption sowie bürokratische Hemmnisse für unternehmerische Betätigung. Natürlich ist das Lohnkostengefälle zwischen den westeuropäischen und den mittel- und osteuropäischen Ländern noch äußerst stark ausgeprägt. Allerdings entspricht den niedrigen Löhnen in den Beitrittsländern eine sehr niedrige Arbeitsproduktivität (2001 im verarbeitenden Gewerbe: 28,7 % der EU-15). Lohnkostenvorteile existieren aber nur dann, wenn das Lohngefälle den Produktivitätsrückstand überkompensiert. Im Rahmen der Diskussion über die Lohnkostenvorteile der Beitrittsländer sollte auch die Lohnentwicklung der letzten Jahre nicht außer Acht gelassen werden. Denn angesichts des Lohnanstiegs in den neunziger Jahren liegt die Vermutung nahe, dass sich das sehr ausgeprägte Lohngefälle zwischen den alten Mitgliedsländern und den Beitrittsländern im Laufe der nächsten Jahre allmählich verringern wird. So haben sich in Polen und Ungarn die Nominallöhne im Verarbeitenden Gewerbe innerhalb von fünf Jahren (1998 bis 2003) mehr als verdoppelt. Nach Berücksichtigung des gerade in diesen beiden Ländern hohen Preisauftriebs bleiben beachtliche Reallohnsteigerungen von knapp 8 % bzw. 4 % pro Jahr. Angesichts dieser (fortschreitenden) Entwicklung, liegt die Vermutung nahe, dass das Lohngefälle über die nächsten Jahrzehnte stark abnehmen wird und somit die zur Zeit herrschenden Anreize für Unternehmen die Arbeitsplätze verlagern nicht von all zu langer Dauer sein werden.
Sehr geehrter Herr Fischer, vielen Dank für Ihren Brief. Von einer Karikatur kann nicht die Rede sein, denn der Mittelstandsmonitor erfasst nur Firmen bis zu 500 Beschäftigten, und 40% haben gar nur bis zu 10 Mitarbeiter. Das sind gerade die Firmen, die nicht ins Ausland gehen. Die KFW hat eine spezielle Mittelstandsdefinition, die nur den unteren Mittelstand erfasst. Plausibler ist die geläufige Definition, nach der die Grenze bei 5000 Mitarbeitern liegt. Selbst diese Grenze ist noch gering, wenn man bedenkt, dass es viele Firmen gibt, die weit mehr Beschäftigte haben und noch immer als mittelständische Personengesellschaften definiert sind. Nach einer Studie des IW hatten schon 2002 knapp 60% der Firmen zwischen 1000 und 5000 Beschäftigten Standorte außerhalb der alten EU begründet, wobei nicht klar ist, wo außerhalb der EU die Standorte begründet wurden. Roland Berger geht in einer Studie davon aus, dass in den nächsten Jahren 90% des Mittelstands in Osteuropa agieren wird. Aufschlussreicher ist die Direktinvestitionsstatistik der Deutschen Bundesbank, die alle Engagements deutscher Firmen ab einer gewissen, niedrigen Mindestgröße erfasst und die Realität genau wiedergibt. Danach hatten deutschen Unternehmen bis zum Jahr 2001 bereits 677.000 Arbeitsplätze in Osteuropa geschaffen. (Gemeint sind die Beitrittsländer ohne Zypern und Malta. Andere Ostländer kämen noch hinzu.) 1995 waren es erst 244.000 gewesen. Wenn sich der Trend bis heute so fortgesetzt hat, werden es inzwischen ca. eine Million sein. Möglicherweise sind es aber schon mehr, weil sich die Entwicklung in letzter Zeit dramatisch beschleunigt, wie viele Beispielsfälle zeigen. Statistiken liegen aber noch nicht vor. Vermutlich wird Deutschland bis zum Ende dieses Jahres ungefähr so viele Arbeitsplätze in Osteueropa wie in den USA geschaffen haben, wo ja traditionell am meisten vor allem schon seit viel längerer Zeit investiert wurde. Das ist eine wahrhaft dramatische Entwicklung. Was die Konvergenz betrifft, kann man folgendes sagen. Im Jahr 2003 lagen die Lohnkosten der 10 Beitrittsländer bei 14% der westdeutschen Kosten. Rechnet man mit der Standardzahl von 2% Konvergenz, was heute Wachstumsraten von 11,5% entspräche, liegt die Halbwertszeit bei der Lohnlücke bei 35 Jahren. Danach würden die osteuropäischen Löhne im Jahr 2030 bei 50% des westdeutschen Niveaus angekommen sein. In Westeuropa war die Konvergenz während der letzten drei Jahrzehnte aber nur 1,1%, und keines der ostdeutschen Länder wächst mit 11%. Die Wachstumsraten liegen zumeist im Bereich von 3 bis 5%. Danach ist die Vermutung, bis 2030 sei bereits eine Konvergenz bis zur Hälfte unseres Niveaus erreicht, äußerst optimistisch. Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 20.4.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Sinn, zunächst will ich Ihnen danken, daß Sie sich kurz Zeit nahmen, mir zu antworten. Nur unterstellen will ich Ihnen gar nichts. Natürlich haben Sie recht, Ihr Institut "lebt nicht von der Wirtschaft", nicht von ihren Aufträgen. Aber es analysiert Wirtschaft, ohne Wirtschaft gäbe es wenig zu tun. Als angesehener und oft zitierter Mensch sind Sie sich Ihrer "Macht" sicher bewußt. Die Prognosen und Analysen Ihres Institutes können die Stimmung der Wirtschaft beeinflussen. Steuern fließen nur, wenn es der Wirtschaft gut geht. Da haben Sie wieder Recht. Wenn die Wirtschaft aber - unter Androhung des outsourcing u.ä. - immer weniger Steuern zu zahlen bereit ist, geht es dem Staat und somit der Mehrheit der Bürger schlecht. In der VWL wurde ich gelehrt, daß Wirtschaft eben ein Kreislauf ist. Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann auch dem Staate, aber nur dann, wenn das Kapital fließt, anstatt zu erstarren. Gefreut hätte mich, wenn Sie sich nicht damit begnügt hätten, mich freundlicherweise auf meinen Ausdrucksfehler hinzuweisen, sondern auf die beiden Punkte einzugehen, die ich vermißt hatte. Ich bin Vater einer kleinen Tochter, Sie selbst haben drei Kinder. Was ist Ihre Vision eines Europas, seiner Wirtschaft und seiner Menschen in der Zukunft ? Fragt sich: Ihr Daniel Reitzig
Sehr geehrter Herr Reitzig, ich weiß nicht, ob Sie mein Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" kennen. Da habe ich zumindest die Reformen beschrieben. Ich bin Vater von drei Kindern. Meine Vision ist, dass sie Arbeit finden und ein erfülltes Leben haben. Ich möchte kein Leben für sie, bei dem sie ihren Lebensstandard ohne Arbeit vom Staat finanziert bekommen, wie 41% der erwachsenen Deutschen, die Staatsbediensteten noch nicht gerechnet. Wenn der Lebensstandard so niedrig ist wie in meinem Leben, das hart genug war, fände ich das erträglich, obwohl ich ihnen natürlich mehr wünsche. Nur will ich nicht, dass sie in einer Gesellschaft leben, die mit einer überbordenenden Staatsverschuldung, riesigen Steuerlasten, Vergreisung und Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat, zumal dieser Kampf durchaus hässliche Formen annehmen kann. Was derzeit in Deutschland läuft, von der Mindestlohndebatte, über die Beseitigung des Bankgeheimnisses bis hin zur Kapitalismusschelte wird diese Konsequenzen haben. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sicher haben Sie recht mit Ihrer Vermutung: Wirtschaft ist keine ethische Veranstaltung. Da Sie einer Institution vorstehen, die von der Wirtschaft lebt, müssen Sie wahrscheinlich auch argumentieren, daß das Kapital zu "hätscheln" sei, wenn man Arbeitsplätze schaffen wolle. Zwei wichtige Punkte vermisse ich jedoch in Ihren Äußerungen. I. Wirtschaft muss der Ernährung der Menschen dienen, und zwar nach Möglichkeit aller Menschen. II. Wirtschaft funktioniert, in dem das Kapital fließt. Nicht in dem sozioökonomische Eliten es horten und dem Kreislauf entziehen. III. Wirtschaft hat in den letzten 2000 Jahren bewiesen, daß der Glaube an ihre Allmacht nicht zur einer Verbesserung der Lage der Mehrheit der Menschen führt. Ich freue mich trotzdem, weiterhin viel von Ihnen lernen zu können, wünsche weiter viel Erfolg und verbleibe Mit sonnigen Grüßen aus Berlin Daniel Reitzig
Sehr geehrter Herr Reitzig, ich weiß nicht, was Sie meinen, wenn Sie sagen, dass mein Institut von der Wirtschaft lebt. Wenn Sie meinen, dass Steuern nur fließen, wenn es der Wirtschaft gut geht, haben Sie Recht. Nicht Recht haben Sie, wenn Sie mir unterstellen wollen, wir lebten von Aufträgen der Wirtschaft. Wir werden wie die Max-Planck-Institute oder die Fraunhofer-Gesellschaften von der öffentlichen Hand finanziert. Dies zu Ihrer Information. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
In Deutschland gehen 85 Prozent der Löhne und Gehälter als direkte und indirekte Steuern und Abgaben vom Einkommen der Steuerzahler weg. (Diese Zahl ist relativ und schwankt etwa zwischen 70 und 90 Prozent, je nach Einkommenshöhe und Verbraucherverhalten. Wer z.B. mehr Sekt trinkt und raucht, zahlt auch anteilmäßig mehr Steuern). Es war ein Konsens über Jahre, daß die Arbeit zahlt, das Kapital relativ freigestellt war. Die Belastung der Arbeit durch Steuern und Abgaben muß als erstes zurückgefahren werden, damit der Binnenmarkt wachsen kann. Das würde den Mittelstand stärken und mehr Arbeitsplätze schaffen. Das muß einhergehen mit einer drastischen Reduzierung der Staatsausgaben. Der Staat reißt zwischen 57 und 63 Prozent des Gesamteinkommens der Gesellschaft (es gibt unterschiedliche Angaben) an sich und verteilt davon einen großen Teil (nach oben) um. In der Schweiz zum Beispiel wird eine große Aktion gestartet, wenn die Staatsquote über 40 Prozent steigt. Daraus folgt, daß der Staat auf notwendige Funktionen zusammengestutzt werden muß. Ich glaube nicht, daß der Schweizer Staat weniger gut funktioniert und daß es dort weniger Sicherheit gibt. Es gibt nur mehr fürs Geld. Der Staat und die EU subventionieren direkt und indirekt den Umzug von Unternehmen aus Deutschland in andere Wirtschaftsgebiete. Die reale Steuerqoute für Unternehmen in Deutschland soll nach den Abschreibungen bei 11,5 Prozent liegen. Dabei ist die Spannweite riesig, der größte Teil der kleinen und mittelständischen Unternehmen zahlt den vollen Satz (oder um 30 Prozent) und große Unternehmen fast nichts. Es ist notwendig, die kleinen und mittleren Unternehmen zu entlasten. Auch ist es notwendig, diese Negativ-Förderung umzukehren. Die Unternehmen, die in Deutschland investieren, erhalten Subventionen, und die nicht investieren, werden stärker besteuert. Die USA hatten in Krisenphasen einen Spitzensteuersatz von 78 Prozent, für wirklich Reiche. Investitionen im Land und Spenden an Kultur- und Bildungseinrichtungen wurden damals von den Steuern freigestellt. Dadurch wuchsen diese zukunftsschaffenden Bereiche. Warum sollte man nur immer bei den negativen Wirkungen der Liberalsierung a la USA anfangen? Übernehmen wir zeitweise die Erfahrungen und testen sie? Ich erwarte von Leuten, die nach den Gesetzen des Geldes handeln müssen, z. B. Banker, auch dieses Handeln und nicht eine irreale moralische Anschauung. Sie werden Investitionen in Deutschland nur vornehmen, wenn sie davon Vorteile oder zumindest keine Nachteile haben. Die Politik muß dafür sorgen, daß es vorteilhaft ist in Deutschland zu investieren. Bisher fördert sie den Abfluß des Geldes. Die Binnendirektinvestition muß (zumindest in dieser schwierigen Lage) den Vorrang vor der Außendirektinvestition haben. Die letzten Staatshaushalte sind real verfassungswidrig. Wenn die Sondereinnahmen weg sind, kann der Staat noch die Wehrpflicht kippen, was noch einmal 15 Mrd. Euro bringen könnte, aber was dann? Es ist eine Politik erforderlich, die wirtschaftlich handelt und nicht nur fiskalisch. Die Gardner Group hat festgestellt, daß selbst dann, wenn die Konjunktur über 2 Prozent steigt, der Arbeitsplatzabbau in Deutschland weitergeht. Das muß nicht sein, kehren wir den Prozeß um.
Hallo Herr Sinn, ich bin geschäftsführender Gesellschafter der Stecher GmbH. Wir werden in diesem Jahr rund 10 neue Arbeitsplätze schaffen. (Derzeit sind es rund 70) und werden mit ca. 20% wachsen. Wir sind Zulieferer für verschiedene Industriezweige und bedienen jeweils nur "Nischen" um uns die Billigkonkurrenz vom Hals zu halten. Damit kann man ganz gut leben. Generell sind die Löhne für qualifizierte Arbeitskräfte nicht zu hoch. Jedoch für unqualifizierte Tätigkeiten mit geringem "Know how" sind die Lohnkosten unerträglich hoch. Insbesondere für "Hilfstätigkeiten" mit geringer Anlernzeit ist die Meinung von Herrn Rürupp geradezu "spektakulär". Leider kann man nicht alle diese Tätigkeiten durch Automatisierung ersetzen. Wenn ich die große Anzahl von Bewerbern ohne jegliche Qualifikation sehe, die täglich bei uns vorstellig werden, dann denke ich, dass eine Erhöhung dieser Löhne das Leid dieser Gesellschaftsgruppe deutlich ausweitet. Es grüßt Sie einer der letzen "patriotischen" Unternehmer Günter Stecher
Thema: Reduzierung der Arbeitslosigkeit Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, könnte die Realisierung meines nachfolgenden Gedankens Sinn machen, die Arbeitslosigkeit in Deutschland zu reduzieren und sozusagen als Nebeneffekte die Sozialkassen entlasten und den privaten Konsum erhöhen? Jedes kleine und mittelständische Unternehmen (die rd. 75% der Arbeitsplätze in Deutschland bereitstellen), das einen Arbeitslosen einstellt, kann die Aufwendungen für Lohn und Gehalt für diesen neu eingestellten Mitarbeiter doppelt als abzugsfähige Betriebsausgaben im Rahmen seiner steuerlichen Gewinnermittlung ansetzen. Dem Fiskus würde dann für diese fiktive Mehr-Betriebsausgabe zwar Ertragssteuern entgehen. Andererseits würden aber diese Mindereinnahmen am Ertragsteueraufkommen durch die Lohn- und Einkommensteuer der neu eingestellten Mitarbeiter, die früher als Arbeitslose keine Steuern zahlten, zum größten Teil "gegenfinanziert". Die Sozialversicherung wird entlastet: Bisherige Leistungsempfänger werden zu Beitragszahlern. Die neuen Arbeitseinkommen werden zudem zur Steigerung des privaten Konsums beitragen. Es ist mir schon klar, dass eine solche Massnahme eine Subvention darstellt, aber es ist doch wahrscheinlich, dass viele KMU-Unternehmer und Freiberufler darin einen Anreiz sehen könnten, neue Arbeitsplätze zu schaffen. Über eine Beurteilung Ihrerseits dieses Gedankens wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Baumeister
Sehr geehrter Herr Baumeister, im Prinzip bin ich bei Ihnen. Es ist besser, die Arbeit als die Nichtarbeit zu subventionieren. Nur, wenn man das tut, muss man selektiv vorgehen, weil es sonst zu teuer wird. Nur die neu eingestellten zu subventionieren geht nicht, weil deren Konkurrenz die Löhne der Insider drückt oder die Insider verdrängt. Man muss grundätzlich alle Menschen einer Qualifikationsstufe subventionieren, wenn man eine Verarmung der Insider vermeiden will. Daher kommt nur eine Begrenzung auf Geringverdiener in Frage, und dann flächendeckend. Wer Geringverdiener ist, lässt sich aber nur anhand der persönlichen Lebensumstände des Einzelnen feststellen, und die kann man nur berücksichtigen, wenn man die Menschen selbst subventioniert. Das genau tut die aktivierende Sozialhilfe des ifo. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, die "Neugestaltung des Stabilitäts-und Wachstumspaktes" ist leider beschlossene Sache. Mir dreht es den Magen um, wenn ich überlege, welch fatale Folgen sich ergeben könnten. Als VWL-Student im 6.FS fällt es mir noch nicht ganz leicht, alle geldpolitischen Konsequenzen zu erdenken. Angenommen, der neue SWP wird als Freifahrtschein für eine höhere Verschuldungspolitik Deutschlands missbraucht, was könnte das schlimmsten Falls für den Euro vor allem aber für Deutschland bzw. Europa bedeuten? Mit freundlichem Gruß Daniel Golling
Sehr geehrter Herr Golling, es würde schlimmstenfalls bedeuten, dass die Nachfahren in den Streik treten und auswandern oder die Schulden nicht mehr bedienen. Eine mildere Konsequenz wäre eine wachsende Inflation, weil die EZB dann irgendwann mit Leuten besetzt würde, die in der Inflation eine Möglichkeit zur Reduktion der realen Schuldenlasten sehen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, besteht die Gefahr, auf Grund der neuen Beschlüsse zum Stabilitätspakt, dass ausländische Investoren noch stärker in Zukunft Deutschland meiden? Mit freundlichen Grüßen F. Frank
Sehr geehrter Herr Frank, die Gefahr besteht tatsächlich, denn mehr Schulden bedeutet höhere Zinslasten für den Staat und später mehr Steuern. Wer hier investiert, wird vor diesen Steuern Angst haben, weil er weiß, dass er in der einen oder anderen Form mit zur Kasse gebeten wird. ´ Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, die Problematik der sehr hohen Arbeitslosigkeit beschäftigt wie so viele Menschen auch mich. Zumal ich seit dem 01.03.2005 ebenfalls zum Heer der Arbeitslosen gehöre. Daher habe ich mir meine Gedanken gemacht. Ich möchte Ihnen nachfolgend meinen 3-punktigen Vorschlag zur schnellen Reduzierung der Arbeitslosenzahl nennen und Sie um Ihr sehr geschätztes Urteil bitten. Dazu wird von mir zunächst festgestellt, daß nicht die Unternehmen in Deutschland nicht international konkurrenzfähig sind, sondern die Arbeitnehmer. Und das nicht aufgrund der Nettolöhne, sondern wegen der viel zu hohen Lohnnebenkosten. Jede absenkende Veränderung dieser trägt natürlich indirekt auch zur wirtschaftlichen Verbesserung der Unternehmen bei. Fest steht auch, daß es in den Unternehmen sehr viel Arbeit gibt. Diese muß jedoch durch die hohen Personalkosten von immer weniger Arbeitnehmern durch zusätzliche Mehrarbeit erbracht werden. Dies geht natürlich zu Lasten der Gesundheit, aber natürlich auch zu Lasten der Arbeitsqualität. 1. Punkt: Jedes Unternehmen kann max. 3 Prozent der jetzigen Belegschaft zusätzlich einstellen. Für diese Neueinstellungen sind vom Arbeitgeber keine Beiträge zur Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung abzuführen. Und zwar weder Arbeitgeber- noch Arbeitnehmeranteil. Dadurch entgehen den Sozialkassen (Staat) zwar Gelder, aber es werden höhere Summen durch die Umwandlung von Arbeitslosigkeit in Vollbeschäftigung eingespart. (...) Punkt 2: Die deutliche Verteuerung der Güter und Dienstleistungen durch die Euro-Einführung trägt ganz wesentlich zur deutlichen Abschwächung der Binnenkonjunktur bei. Ist auch nachvollziehbar, wenn die Höhe der Löhne und Gehälter stagniert, die Lebenshaltungskosten aber teuerer werden. Die Politik hatte vor Einführung des Euros fest zugesagt, daß es zu keiner Verteuerung kommt. Es soll endlich Wort gehalten werden. Dabei könnte von den Betriebsprüfern der Finanzbehörden im Wege der ordentlichen Prüfungen auch die Preislisten vor und nach der Euro-Umstellung kontrolliert werden. Sollte eine deutliche Abweichung oberhalb der normalen (amtlich ermittelten) Preisteuerung liegen, so müßte mit Ordnungsgeldern sanktioniert werden. Dabei ist die Überprüfung mit Betrieben, welche am Anfang der Fertigungskette stehen (z.B. Rohstoff-lieferanten) zu beginnen. Wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, hat eine Preisregulierung durch die Kräfte des Marktes nicht den Erfolg gebracht. Es haben einfach zu viele Unternehmen die Gunst der Stunde genutzt und die Preise bei Euro-Einführung erhöht. Punkt 3: Die gestzlichen Kündigungsregelungen sind deutlich zu reduzieren. Wenn viele neue Stellen geschaffen werden, was ja Ziel ist, dann findet man natürlich auch viel schneller wieder eine neue Arbeitsstelle. Die Unternehmen sind jedoch deutlich eher bereit neue Stellen zu schaffen, wenn dabei das Kündigungsrisiko minimiert ist. Bei vollen Auftragsbüchern kann kurzfristig eingestellt, bei leeren entlassen werden. Dabei gilt, jede (auch kurzzeitige) Bereitstellung von Arbeitsplätzen bringt uns weiter. Ihre kurze Analyse meiner Überlegungen, besonders des Punkt 1, würde mir sehr helfen, da mich diese ständig beschäftigen und ich keiner- lei anderer Möglichkeiten einer kompetenten Beurteilung habe. Dafür vorab ganz herzlichen Dank. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit im Sinne unseres Landes. Mit freundlichen Grüßen Markus Hummel
Sehr geehrter Herr Hummel, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Es freut mich, dass Sie sich ernsthafte Gedanken zur Überwindung der deutschen Kostenkrise machen. Was Sie zum Kündigungsschutz schreiben, ist sehr richtig. Bei den anderen Punkten sehe ich eher Probleme. Ad 1: Die 3%-Regel für die abgabenfreie Einstellung von Arbeitskräften lässt sich schon deshalb nicht sinnvoll realisieren, weil es im Strukturwandel stets schrumpfende und wachsende Firmen zugleich gibt. Dabei gibt es ein optimales Wachstum der Schrumpfung und des Wachstums zugleich. Von der Regel profitieren die ohnehin wachsenden Firmen, und die schrumpfenden Firmen haben gar nichts davon. Es gibt leider keine Möglichkeit, nur die zusätzliche Beschäftigung zu subventionieren. Richtig ist, dass man nicht alles subventionieren (oder belastungsfrei stellen) kann. Was geht, ist nur die Geringverdiener zu subventionieren, und zwar dauerhaft. Wir haben nun einmal das Problem, dass einige Menschen nicht so viel Lohn erarbeiten können, wie wir ihnen an Einkommen nach sozialen Kriterien zubilligen wollen. Deshalb müssen sie bezuschusst werden. Der Zuschuss muss auch denen zur Verfügung gestellt werden, die nach der Hereinnahme von Geringverdienern in den Arbeitsmarkt wegen der wachsenden Konkurrenz nun weniger verdienen werden. Ad 2. Hier unterliegen Sie einer optischen Täuschung. Der Euro hat die Inflation in Deutschland nicht erhöht, sondern gesenkt. Einzelbeispiele zählen nicht. Die Täuschung kommt vermutlich daher, dass Dienstleistungen geringen Wertumfangs, die wir häufig in Anspruch nehemn teuerer geworden, andere Waren, die teuer sind und deshalb nur selten gekauft werden, billiger geworden sind. Die Gewichtung mit den Ausgabenanteilen gelingt intuitiv im Kopf leider nicht so gut wie mit dem Computer. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
In dem Beitrag vom Herrn Schmiedeknecht vom 10.03.2005 haben Sie in der Antwort behauptet, das die Kaufkraft eine andere Verteilung aufweist und dies nicht weiter problematisch ist in Bezug auf den Konsum z.B. Allerdings zweifel ich das an, denn ich denke das eine Verringerung des Einkommens bei geringen Einkommensbeziehern sofort in eine geringere Konsumnachfrage mündet, genauso wie eine Einkommenserhöhung bei sehr hohen Einkommen nicht zu einer höheren Konsumnachfrage führen wird. Diese höheren Einkommen, haben im Schnitt ihre wesentlichen Bedürfnisse bereits befriedigt (Auto, Haus usw...), so dass diese dann ihr Geld z.B. zur Bank "schleppen", damit es sich noch mehr vermehrt...
Sehr geehrter Herr Neuenfeldt, Sie haben insofern Recht, als Ihre Position dem keynesianischen Lehrbuch entspricht. Aber im Lehrbuch steht nichts von der Lohnabhängigkeit der Investitionen. Es geht hier nicht um den Einkommenseffekt, sondern den Anreizeffekt. Gewinne von heute sind nicht die Investitionen von morgen, wohl aber sind Gewinne von morgen die Investitionen von heute. Wenn sich das Investieren wegen niedrigere Löhne, die man für die Zeit der Verwertung des Investitionsobjektes erwartet, wieder mehr lohnt, wird die gesamtwirtschaftliche Nachfrage nach Investitionsgütern steigen. Dabei ist zu erwarten, dass der Nachfrageeffekt viel größer als der heutige Einkommenseffekt ist. Kann es sein, dass Sie nur Konsum als Nachfrage ansehen und übersehen, dass auch Investitionen Nachfrage sind, nämlich nach Bauleistungen, Maschinen und ähnlichem? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, persönlich haben wir uns kurz kennen gelernt am Ende einer Veranstaltung des Bayerischen Brauerbundes in München Anfang diesen Jahres. Ihre Ausführungen damals leuchteten ein, wenngleich ich als Unternehmer der Auffassung bin, dass die "aktivierende Sozialhilfe" nicht ausreicht, die Arbeitgeber damit zu Einstellungen zu bewegen. Sie werden dabei zu wenig eingebunden. Was das Land meiner Meinung nach braucht, ist ein mittels gegebenem Transferbudget gestützter zweiter Arbeitsmarkt auf der Basis von marktkonformen Beschäftigungszuschüssen. Ihre dazu in den vergangenen Tagen gemachten Aussagen gehen ja auch in diese Richtung. Darin kann ich Sie nur bestärken. Jedoch fällt mir auf, dass die Transportierung der Botschaft verbessert werden sollte. Zum Arbeitsmarktproblem nämlich gesellt sich noch ein Erkenntnisproblem. Politiker, Gewerkschaften und manche Ihrer Zunft wollen oder können die Faktenlage und die Mechanismen einfach nicht begreifen. Es ist zum Verrückt werden. Vielleicht bieten Ihnen meine beigefügten Ausführungen ( pdf )die eine oder andere Anregung, die Zusammenhänge noch plausibler darzustellen und zu kommunizieren. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören. Mit freundlichen Grüßen aus dem Westallgäu Ihr Herbert Zinth
Sehr geehrter Herr Zinth, vielen Dank für diese sehr kompetente Analyse des Problems. Nur ein paar Anmerkungen. - Die Stauchung der Lohnverteilung habe ich in meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" als Ziehharmonika-Effekt bezeichnet. - Woher wissen Sie, dass die richtige Verteilung normal ist? Die Lognornale Verteilung passt besser, schon deshalb weil sie keine negativen Einkommen zulässt. - Temporäre Lohnzuschüsse lösen nicht das Problem, dass viele Leute dauerhaft eine zu kleine Grenzproduktivität haben, als dass sie von einem Grenzproduktslohn leben könnten. Man muss dauerhaft subventionieren. Aber wie gesagt: Die Analyse ist im Kern völlig richtig. Ich hoffe, Sie finden Gehör. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Warum fordern Sie Lohnsenkung in Deutschland. Ich erlebe die gerade bei gleichbleibenden Qualitäts- und Quantitätsanforderungen an mich. Meine Reaktion darauf wird sein, dass ich noch weniger konsumiere/ kaufe, da die lebensnotwendigen Ausgaben ja gewährleistet sein müssen. Nützt es uns in Deutschland, wenn dadurch einen Handvoll Geschäftsführer mehr verdienen, aber hunderte Arbeiter weniger Geld zum Konsum zur Verfügung haben. Wer nicht einmal mehr konsumieren kann, der wird auch alle Angebote der kapitalbildung bei "Kleinen Leuten" nicht wahrnehmen können.
Sehr geehrter Herr Schmiedeknecht, ich wüsste nicht, wo ich eine Lohnsenkung gefordert hätte. Ich habe sie nur prognostiziert und darauf hingewiesen, dass die Massenarbeitslosigkeit beim alten Lohntrend immer mehr wird. Das ist nicht dasselbe. Sie müssen Ihre Information aus Sekundärquellen beziehen. Die Zeitungen machen immer noch einen drauf. Richtig ist, dass die Löhne zu hoch sind, um mit Vollbeschäftigung kompatibel zu sein. Dass sie zugleich aus Gerechtigkeitsgründen vielfach zu niedrig sind, ist kein Widerspruch. Der Konsum muss nicht fallen, wenn die Löhne fallen, weil dann ja die Gewinneinkommen höher sind. Es gibt eine andere Verteilung der Kaufkraft, aber keine Verringerung der Kaufkraft. Die Wirtschaft kommt kaufkraftmäßig mit allem zurecht, nicht aber im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und der Arbeitnehmer. Ich empfehle, dass die Löhne in den nächsten Jahren nur noch mit der Inflation steigen, um die Zahl der Arbeitsplätze allmählich wieder zu erhöhen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ihren Analysen insbesondere zu den überhöhten Lohnkosten kann ich nur zustimmen, dabei gehe ich davon aus dass einen wesentlichen Anteil die Lohnnebenkosten einnehmen. Kosten der Sozialen Sicherung werden dem Produktionsfaktor Arbeit zugeschlagen und verteuern diesen. Ich frage mich, ob nicht folgender Weg beschritten werden sollte: 1) Definition der gemeinsam für alle Bürger zu sichernden Mindeststandards bei Rente, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung 2) Möglichst Lohnkostenneutrale Finanzierung dieses Mindeststandards über allgemeine Steuermittel (u. a. Erhöhung von Mwst./ spezielle Verbrauchssteuern etc.) 3) Natürlich Schaffung von Übergangsmodellen um Härten zu vermeiden 4) Im übrigen natürlich begleitet von einer Politik des Subventionsabbaus bis hin zum Subventionsverzicht Ist ein solcher Weg Ihrer Meinung nach denkbar und insbesondere von der Finanzierunsseite her machbar? Mangels ausreichender statistischer Informationen überschaue ich nicht, welche Steuern mit welcher Erhöhung anstelle des Lohnaufschlags zur Finanzierung herangezogen werden könnten. MfG G. Epple
Sehr geehrte/r Frau/Herr Epple, was Sie vorschlagen, ist eine Möglichkeit. Die Umfinanzierung der Lohnnebenkosten durch die Mehrwertsteuer wird die Arbeitsnachfrage erhöhen. Es handelt sich allerdings auch um eine Umverteilung zugunsten der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und zu Lasten der Rentner und nicht Versicherungspflichtigen. Die Rentner und nicht Versicherungspflichtigen subventionieren die Beschäftigung der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Es ist nicht ganz leicht einzusehen, wieso das sinnvoll sein soll. Wenn man Verteilungsneutralität sichern möchte, müsste man die Renten erhöhen und die Steuern der nicht Versicherungspflichtigen verringern. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie kritisieren ja desöfteren die geringen Hinzuverdienstmöglichkeiten bei Hartz IV,die durch die hohe Entzugsrate pro zusätzlich verdientem Euro verursacht werden.Kürzlich vernahm ich die Auffassung,dass eine hohe Grenzbesteuerung durchaus Sinn machen kann, um eine produktive Person davon abzuhalten eine minder produktive zu imitieren (in diesem Fall ALGII zu empfangen). Durch die Verhinderung der Vortäuschung einer geringeren Leistungsfähigkeit wäre letztendlich sogar mehr Umverteilung möglich. Mich würde ihre Ansicht zu diesem Gedanken sehr interessieren. MfG, Mike Henze
Sehr geehrter Herr Henze, das ist ein trickreiches theoretisches Argument, das im Bezug auf die Besteuerung von Mirrlees abgeleitet wurde. Aber Emanuel Saez hat nachgewiesen, dass es für den Hinzuverdienst bei der Sozialhilfe im Rahmen des Modells von Mirrlees nicht gilt, sondern dass im Gegenteil negative Grenzsteuersätze optimal sein können. Er lieferte damit einen wichtigen theoretischen Beweis für die Sinnhaftigkeit des amerikanischen Earned Income Tax Credit. Ich glaube, das Paper ist im Quarterly Journal of Economics erschienen. Auch auf der CESifo Homepage finden Sie unter dem Namen Saez das Paper sowie allerlei verwandte Literatur. Sie brauchen nur die Search-Funktion im oberen Rahmen anzuklicken. Mein eigenes Gegenargument ist, dass das Argument nicht den Zieharmonika-Effekt bezüglich der Lohnspreizung berücksichtigt. Wegen der Lohnkonkurrenz, den der Sozialstaat mit dem Transferentzug ausübt, drückt er die Lohnskala von unter her zusammen, was bis in den mittleren Bereich Arbeitslosigkeit entstehen lässt. Soweit ich es sehe, unterstellt das Argument feste Löhne für alternative Tätigkeiten. Wenn der Hinzuverdienst verbessert wird, fällt der Lohn für einfache Arbeit, und es entstehen Jobs. Wegen der Lohnsenkung vermindert sich für sich genommen der Anreiz für den Leistungsfähigen, den weniger Leistungsfähigen zu imitieren. Wenn eine Imitationsgefahr besteht, wird sie dadurch zumindest verringert. Wenn Sie ein Ökonom sind, was ich vermute, dann würde es sich lohnen, der Sache weiter nachzugehen und auf dem Gebiet zu forschen. Das Paper von Saez ist noch ganz neu, vom letzten oder vorletzten Jahr. Da ist sicherlich noch einiges theoretisch zu klären. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielleicht können Sie zu folgender (bislang nicht öffentlich gestellten) Forderung ein Statement abgeben: "Warum werden die Unternehmen nicht rechtsverbindlich verpflichtet, im Gegenzug zu den vielfältigen finanziellen und arbeitsrechtlichen Erleichterungen, die sie in den zurückliegenden Jahren erhalten haben, im Gegenzug MEHR Arbeitsplätze in Deutschland zu schaffen?" Mit freundlichen Grüßen, F. Mueller
Sehr geehrter Herr Mueller, wenn die Unternehmen mehr Arbeitsplätze unter den herrschenden Bedingungen schaffen würden, müssten sie dafür Verluste in Kauf nehmen und würden großenteils in Konkurs gehen. Sie werden von allein mehr Arbeitsplätze schaffen, um ihre Gewinne zu vergrößern, wenn die Lohnkosten fallen. Es gibt keinen anderen Weg. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
In Ihrer Antwort zu meinem letzten Beitrag gehen Sie auf den Wechsel Heinrich von Pierers in den Aufsichtrat ein; Sie können sich keine Probleme vorstellen, die dieser Wechsel hat. Für mich liegen die Probleme der deutschen Wirtschaft jedoch weniger bei den Arbeitnehmern, sondern mehr auf Arbeitgeberseite. Deutsche Manager haben jedoch mit den Auswirkungen ihres Handelns meist wenig Probleme - irgendein Posten findet sich halt immer. Die aktuelle Situation bei Mercedes untermauert meiner Ansicht nach diese Position. Milliarden wurden durch Manager verpulvert, und jetzt sollen die Arbeitnehmer für die Fehler bezahlen. Dabei sind genau diese Arbeitnehmer diejenigen, die im Konzern DaimlerChrysler den Gewinn erwirtschaften - trotz der ach so hohen Lohnkosten. Heute wurde zudem eine Studie bekannt, die die Arbeitszeiten in Deutschland untersucht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Durchschnitt bei 42,5 h in der Woche liegt. Offensichtlich ist Ihre Forderung nach Arbeitszeitverlängerung schon längst Realität - wie ich es Ihnen in meiner ersten Mail ja bereits schrieb. Statt nun also stets nur nach der Arbeitnehmerseite zu schielen und einseitig Forderungen in diese Richtung zu stellen, wäre es vielleicht von Nöten, auch die Misere auf der anderen Seite zu beleuchten.
Sehr geehrter Herr Bischof, dass faktisch länger als tariflich gearbeitet wird, ist klar. Die durchschnittliche tarifliche Arbeitzeit ist etwa 38 Stunden. Ob die 42,5 Stunden für die faktische Arbeit stimmen, wage ich zu bezweifeln. Ich hatte von 39 Stunden gehört. Wie dem auch sei: Mein Vorschlag ist, die tarifliche Arbeit für das gleiche Geld von 38 auf 42 Stunden auszudehnen, denn nur so lassen sich die Stundenlohnkosten senken. Überstunden, die darüber hinaus gemacht werden, sind natürlich in das Belieben der Betroffenen zu stellen. Aber eines noch einmal zur Klarstellung: Ich argumentiere nicht in juristischen oder moralischen Kategorien, sondern in ökonomischen. Deshalb weise einfach darauf hin, dass die deutschen Löhne für normale Arbeit wegen der Niedriglohnkonkurrenz aus aller Welt unter Druck kommen, und dass man Arbeitslosigkeit produziert, wenn man diesem Druck nicht nachkommt. Nicht unter Druck kommen die Mangagergehälter. Die Nachfrage nach Managementleistungen wird eher noch steigen, wenn man an all die internationalen Aktivitäten denkt, die die deutschen Unternehmen in diesen Jahren enfalten. Wenn die Managergehälter in Deutschland gesenkt würden, so würden sich die deutschen Manager bevorzugt im Ausland verdingen. Die Unternehmen suchen ja händeringend nach Mitarbeitern, die bereit sind, ihre Auslandsniederlassungen zu leiten. Insofern hilft es gar nichts, wenn die Managergehälter hierzulande gesenkt werden. Dadurch wird kein einziger Arbeitsplatz für deutsche Arbeitnehmer geschaffen, im Gegenteil. Es stehen weniger qualifizierte Manager zur Verfügung, und die Produktivität der deutschen Arbeit fällt, was einen weiteren Lohndruck erzeugt. Was ich also sage, ist, dass in Deutschland die Spreizung zwischen der Entlohnung der einfachen Arbeit und der Entlohnung von Mangementleistungen wegen der Niedriglohnkonkurrenz und der internationalen Aktivitäten deutscher Unternehmen zunimmt. Forderungen, die darauf hinauslaufen, den Managern auch einen Beitrag abzuverlangen, sind zwar gerecht, jedoch nicht marktkonform. Der Markt hat seine eigenen Gesetze, und die haben mit den Prinzipien der Gerechtigkeit wenig zu tun. Auch ich finde das bedauerlich, aber ich kann mir kein anderes Wirtschaftssystem vorstellen, das auch nur halbwegs funktionieren würde.
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 12.7.04, Anm. des Moderators)Prof. Sinn schreibt : "... nicht ich will, dass die neuen Länder mit der Slowakei und Ungarn konkurrieren, sondern die Slowaken und und Ungarn wollen es. Es gibt leider nie die Möglichkeit, sich einem Wettbewerber zu verweigern so wie bei einem Schachspiel. Wer sich nicht stellt, hat verloren und geht völlig unter. Sich dem Wettbewerb zu stellen heißt freilich nicht, die gleichen Löhne zu setzen." Genau auf den letzten Aspekt aber reduziert sich die aktuelle Diskussion, es ist von nichts anderem die Rede als von Mehrarbeit ohne Lohnausgleich und Urlaubskürzung. Weiter heisst es : "... Man kann so viel teurer bleiben, wie man besser ist. Leider sind wir nicht mehr sehr viel besser, aber wir sind sehr viel teurer...". Da stimme ich voll zu, aber die entscheidende Frage ist, warum ? Hier spielen, so meine ich, mehr Aspekte eine Rolle, als nur die Lohnkosten. Ich denke da an Dinge wie den Ausbildungsgrad der Mitarbeiter, die gesetzlichen Rahmenbedingungen wie das deutsche Steuersystem, aber auch an die Managementstrukturen, die in Deutschland existieren - Heinrich von Pierer z. B. wechselt nahtlos vom Vorstandssessel in den Aufsichtsrat; wie wird er da seiner Aufsichtspflicht nachkommen ? Da lasse ich dann auch einen Satz wie "... Wenn Sie Wunder von einem Institut wie dem ifo erwarten oder gar Märchen, wie sie die Politik erzählt, sind Sie bei der falschen Adresse gelandet..." nicht gelten. Denn, die Homepage Ihres Institutes weist es unter dem Punkt "Wir über uns" aus, Sie kümmern sich um wirtschaftspolitische Beratung. Dazu gehört nach meinem Dafürhalten, dass man alle Aspekte der Problematik beleuchtet und nicht nur einseitig Lohnkürzungen fordert. Ansonsten danke ich für die Antwort und werde mir auch Ihren Hinweis auf die Statistiken in Ihrem Buch zu Herzen nehmen - zumal in anderen Quellen, z. B. http://www.politische-bildung-brandenburg.de/links/investitionsbedingungeninbrandenburg.pdf Zahlen zu finden sind, die Ihren Ausführungen zu widersprechen scheinen.
Ich sehe beim besten Willen nicht, was die Aufsichtsratstätigkeit von Herrn von Pierer mit der Frage der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Arbeitskräfte zu tun hat. Für das Unternehmen kann es jedenfalls sehr gut sein. Die Tätigkeit erfordert ein so unglaublich hohes Wissen über das Unternehmen, dass es in der Regel nicht sehr sinnvoll ist, den Posten von Außen zu besetzen, außer man findet einen Profi aus exakt der gleichen Branche, der anderswo im Vorstand war und sich nun von seinem eigenen Unternehmen gelöst hat. Klar, ich sehe auch die Nachteile, die theoretisch in der Kontinuität liegen könnten. Im vorliegen Fall ist das aber nicht zu befürchten, zumal Herr von Pierer das Haus in ausgezeichneter Ordnung übergeben hat.
Sehr geehrter Professor Sinn, vor ca. 14 Tagen habe ich mich schon einmal wegen der Thematik "Sozialleistungen für EU Bürger" an Sie gewandt. Inzwischen habe ich weitere Recherchen zum Thema unternommen. Vorab möchte ich kurz erwähnen, daß ich der Initiator der Aktion Letztes Hemd ( _www.aktionletzteshemd.de_ (http://www.aktionletzteshemd.de) ) bin, welche zu Weihnachten 2002 über 40.000 Menschen animierte, unserem Bundeskanzler Gerhard Schröder das letzte Hemd zu schicken. Die Nachfolgeaktion "Wir geben jetzt den Löffel ab" bescherte unserer Gesundheitsministerin Ulla Schmidt immerhin noch gut 9000 Löffel. Wir sind mittlerweile ein Kreis von gut 20 Personen, welche an der neuen Webseite _www.initiative-fortschritt.de_ (http://www.initiative-fortschritt.de)arbeiten und dort politisch brisante Themen zur Diskussion stellen. Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Da für erwerbslose EU Bürger eine Niederlassungsfreiheit gilt, für diese ausreichende Existenzmittel, sowie eine hier gültige Krankenversicherung notwendig sind, gehen wir bei einer 5-köpfigen Familie und den hier geltenden Sozialhilfesätzen, an denen sich diese Existenzmittel sicher messen lassen müssen, von nachweisbaren Geldbeständen in Höhe von ca 80.000 ¿ für 5 Jahre aus. Die Frage ist, wie sich hierbei Sachwerte, beispielsweise Immobilien, welche im Heimatland ja auch vermietet sein könnten, anrechnen lassen. Die nächste Problematik stellt sich bei den Selbständigen, welche hier ab sofort wohnen und arbeiten können. Müssen auch hier Existenzmittel nachgewiesen werden? Und wenn, ist dieses überhaupt mit dem EU Recht zur Niederlassungsfreiheit vereinbar? Denn wenn ein Selbstständiger zunächst Finanzmittel für einen 5 jährigen Aufenthalt nachweisen muß, in dem er hier Geld für seinen Lebensunterhalt verdienen will, kommt dieses doch einer eindeutigen Einschränkung seiner Niederlassungsfreiheit gleich, welche ja gerade für Selbstständige gilt. Bitte teilen Sie mir Ihre rechtliche Einschätzung hierzu mit.
Sehr geehrter Herr Stein, Existenzmittel müssen von Selbständigen nicht nachgewiesen werden. Sie können frei einwandern. Die Existenzmittel der nicht erwerbstätigen Personen werden auch in Renten, Bürgschaften und ähnlichem bestehen können. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es mit der Direktive oder der neuen Verfassung vereinbar ist, von einem Migranten den Nachweis von 80.000 Euro zu verlangen. Das widerspräche dem in der Präambel der Richtlinie ausgesprochenen Verbot, Einwanderer aufgrund unzureichnenden Vermögens zu diskriminieren. 80.000 Euro sind genug, um sich in der Slowakei ein schönes Haus zu kaufen. In der Praxis wird sich der Staat mir sehr viel geringeren Mitteln begnügen müssen. Außerdem wird man nicht, wenn man nun schon mit Barmitteln den Nachweis führen will, einen Aufenthalt von fünf Jahren sondern fünf Mal hintereinander den Aufenthalt für ein Jahr beantragen. Dann würden 16.000 Euro reichen. Auch dieser Antrag kann vom Immigrationsland nicht abgelehnt werden.
Wie ich den Medien entnehmen konnte, haben auch Sie einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um Wochenarbeitszeit und Urlaubsansprüche geleistet. Da ich davon ausgehe, dass Sie sich vorher eingehend mit der Materie auseinandergesetzt haben, glaube ich, Sie könnten mir vielleicht ein paar Dinge erklären. Zum Beispiel kann ich mir nicht erklären - wenn doch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit und eine Urlaubsverkürzung so entscheiden sein sollen - warum im Osten Deutschlands dann soviel Arbeitslosigkeit herrscht und die Wirtschaft dahin siecht. Im Osten nämlich ist die 40-Stunden-Woche eher die Regel, 35 Stunden die Woche werden nur in wenigen Betrieben geleistet. Und auch der Urlaub beträgt meist jetzt schon 25 Tage und weniger. Dazu kommt noch ein niedrigeres Einkommensniveau; der Flächentarifvertrag ist im Osten in der Fläche eher ausgehebelt. Wieso also blüht der Osten nicht regelrecht auf? Auch die Massstäbe, nach denen der Zustand unserer Wirtschaft gemessen wird, sind mir nicht so recht klar. So hat Siemens, von wo ja diese Diskussion ausging, im 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres den Gewinn nach Steuern gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um mehr als 100% gesteigert (http://www.siemens.de/Daten/siecom/HQ/CC/Internet/ Corporate_Press/WORKAREA/ccp_cc4/templatedata/Deutsch/ file/binary/siemens-document_1175532.pdf). Vor diesem Hintergrund verschliesst sich mir die aktuelle Diskussion eher. Irgendwie kann ich nicht recht glauben, dass Wochenarbeitszeitverlängerung und Urlaubsverkürzung tatsächlich zu mehr Arbeitsplätzen führen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir Erhellendes zukommen lassen könnten, und bedanke mich im Voraus
Ihrer Bitte komme ich gerne nach. 1. Im Osten sind die Löhne zu hoch, obwohl sie niedriger als im Westen sind. Es kommt auf das Verhältnis von Lohn und gesamtwirtschaftlicher Produktivität an. Das Lohnniveau, das im Osten Vollbeschäftigung schafft ist sicher viel niedriger als jenes, das es im Westen tut. 2. Der Indikator für die Probleme ist a) die hohe deutsche Arbeitslosigkeit und b) das hohe deutsche Lohnniveau, übrigens das höchste der Welt mit Ausnahme Norwegens. Die Gewinne von Siemens sind kein Indikator, denn das Problem ist ja, dass es den Unternehmen dank Outsourcing in Billiglohnländern noch ganz gut geht, dass das aber den Arbeitnehmern nicht hilft. Die Firmen bleiben wettbewerbsfähig, nicht aber ihre Arbeitnehmer.
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 5.7.04, Anm. des Moderators)Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ich möchte meine Frage etwas verdeutlichen: Natürlich "kostet" ein Beamter während seiner aktiven Zeit nicht mehr (den Dienstherrn sogar deutlich weniger) als ein vergleichbarer Angestellter. AAABER: Die Pension ist doch etxtrem viel höher (z.B. im zitierten Pfarrdienst 3000 bis 3500 EUR) als die Rente eines vergleichbaren Angestellten, ohne, dass der Beamte sich je an seiner eigenen Pension beteiligt hätte (Alimentationsprinzip). Für die Kirchen etwa nehmen die Pensionsverpflichtungen für Ruhestandsbeamte ruinösen Charakter an, schon heute und in der Zukunft geradezu dramatisch. Für das Land Bayern lese ich in diesem Forum: "In Bayern werden bereits jetzt 43% des Haushalts für Beamte und Angestellte des öffentl. Dienst ausgegebenn". Das muß doch negative Wirkungen auf eine Volkswirtschaft haben?
Die These, dass ein Beamter teurer ist als ein vergleichbarer Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft, teile ich nicht, weil die N e t t o löhne zuzüglich der Pensionsansprüche sich in Konkurrenz mit dem privaten Sektor entwickelt haben. Wenn die Gesamtentlohnung zu hoch wäre, müssten die Anwärter auf Beamtenstellen Schlange stehen. Das ist nicht der Fall. Der Staat hat vielmehr zunehmend Probleme, qualiziertes Personal zu gewinnen. Die Besten gehen heute in die Privatwirtschaft, und der Staat muss sich mit denen begnügen, die dort nicht genommen werden. Das war früher einmal ganz anders, weil die Nettobeamtengehälter in den vergangenen Jahrzehnten langsamer gestiegen sind als in der Privatwirtschaft. Ein Lehrer muss sich heute mit einem Facharbeiter messen. Vor dem Krieg und erst recht zur Kaiserzeit hatte er eine im Vergleich zu ihm ein geradezu fürstliches Gehalt. Dank des Einflusses der Gewerkschaften haben die Nettoeinkommen der Facharbeiter im Vergleich gewaltig zugelegt.
Welche Rolle in einer volkswirtschaftlichen Gesamtbetrachtung haben denn die Höhen von z.B. Pensionen? Ein Kirchenbeamter (Pfarrer) etwa erhält 3000 (P2) bis 3500 (P3) Pension + Beihilfen. Ähnlich bei Staatsbeamten. Sind solche fürstlichen Alimentationen eigentlich volkswirtschaftlich sinnvoll, resp. verträglich?
Ich weiß nicht, wie Pfarrer entlohnt werden. Im mittleren Dienst liegen die durschnittlichen Versorgungsbezüge der Beamten bei 1795 Euro und im gehobenen Dienst bei 2495. Ob das fürstliche Entgelte sind, weiß ich nicht. Die Beamtengehälter sind während der letzten Jahre gerade im gehobenen Dienst viel langsamer als in der Privatwirtschaft gestiegen. Höhere Beamte sollten früher einmal die Fürsten des neuen Staates sein. Die Zeiten sind lange vorbei.
Damit wir mit unserem kapitalistischem System in naher Zukunft nicht im Krieg enden ist es wichtig, daß öffentliche Personen ("Spezialisten sind Menschen die immer Mehr von immer Weniger wissen.") wie Sie, einen breiteren Horizont entwickeln. Zur Diskussion der Erhöhung der Arbeitsstunden frage ich mich wirklich ob Sie die Konstante "Mensch" überhaupt noch verstehen. Den Mensch kann man nicht einfach als endlos dehnbare Variable in Wirtschaftsrechnungen mit einbeziehen. Das durch kürzere Arbeitszeit Menschen mehr Zeit (oder überhaupt) haben für ihre Kinder und diese entsprechend erziehen könnten, womit evtl. die Kriminalität wiederum gesenkt werden könnte, daß aufgrund geringerer Arbeitszeit (und Senkung der Lohnnebenkosten natürlich) der Bedarf nach mehr Arbeitern vorhanden wäre, dass glücklichere Menschen motivierter an die Arbeit herangehen würden und dass Zeit zur Selbstverwirklichung (bei evtl. 30h Arbeitszeit) kreative Ideen für die Forschung hervorbringen würde, habe ich bisher in keinster Weise von Experten wie Ihnen in den Medien vernommen. Da ist wahrscheinlich der Frevel der Eindoktrinierung von Wissen in den Unis dran schuld, wo Selbstdenken nicht mehr gelehrt wird. Ich hoffe für Sie und für mich, dass Karl-Marx nicht Recht behält und wir es schaffen, uns von unserer eigenen Unmündigkeit zu befreien. Entschuldigen Sie den aggressiven Schreibstil, aber ich sehne mich einfach mal wieder nach aufrichtigen Persönlichkeiten, welche eine (leider noch nie erwähnte) Lösung in der Verteilung der Lasten sehen zum Wohle des Menschen und nicht einiger weniger Konzerbosse. Mit menschlichen Grüßen Heiko Engel
Sie haben ja völlig recht mit Ihrem Hinweis auf die menschliche Seite des Problems. Aber wenn Sie es für unerträglich halten, die Arbeitszeit zu erhöhen, so bitte ich doch zu bedenken, dass wir unter allen knapp 30 OECD-Ländern die drittniedrigste Jahresarbeitszeit haben. Auch wenn wir 10% länger arbeiten, liegen wir immer noch im guten Mittelfeld, etwa auf dem Niveau von Italien. Im übrigen möchte ich hier auf Marx verweisen, der der ja sehr deutlich darauf hingewiesen hat, wie wichtig es für die Würde des Menschen ist, dass er seine Arbeit als Lebensaufgabe hat. Klar, Marx meinte, im Kapitalismus sei man nur außer der Arbeit in sich und in der Arbeit außer sich. Diese Semantik war er seiner Theorie sozusagen schuldig. Im Kern hat er aber doch gerade die Bedeutung der Arbeit für die Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit anerkannt. Die Arbeitszeitverlängerung ist keine Sache, die wir uns aussuchen können. Ich befürchte, unserem Land bleibt keine andere Wahl, wenn wir aus den Wirren der Globalisierung und der europäischen Integration einigermaßen glimpflich herauskommen wollen. Wir stehen nämlich neuerdings mit Heerscharen von Menschen aus China und anderen Teilen der Welt direkt in Konkurrenz, die von unseren Standards meilenweit entfernt sind. Die Möglichkeit, sich dieser Konkurrenz nicht zu stellen, gibt es nicht. Wer sich der Konkurrenz nicht stellt, geht unter. Die Chinesen fragen nämlich nicht, ob wir mitmachen wollen.
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 28.6., Anm. des Moderators:)Wenn Sie schreiben, dass durch Mehrproduktion mehr Nachfrage entwickelt werde, kann das so nicht ganz stimmen. Zur Enstehung von mehr Nachfrage auf dieser Entwicklungsschiene gehören noch andere Bedingungen im Wirtschaftskreislauf, die die ebenfalls erfüllt sein müssen. Zum Zweiten: Das Wohlergehen des einzelnen Unternehmens muss nicht zwangsläufig zu einer gesamtwirtschaftlichen Prosperität führen. Ihr Ansatz am Wohlergehen des einzelnen Unternehmens kann schon deshalb kontraproduktiv sein, weil innerhalb der Unternehmensführung generell immer Fehlentscheidungen möglich sind, die zum Ruin von Unternehmens führen können. Deshalb wird eine Wirtschaftspolitik, die Missmanament nach Art ihres Hauses ausbügeln will, zum Ruin der Gesamtwirtschaft führen. Ein dritter Punkt ist die inzwischen weit fortgeschrittene Automatisierung, die den Arbeitnehmer als Wirtschaftsfaktor schon teilweise außen vor lassen kann. Das Dumme an einer solchen Unternehmenspolitik - das sehen wir momentan an der Entwicklung unserer Binnenkonjunktur - ist, dass eben dieser Arbeitnehmer auf der anderen Seite nämlich Nachfrage schafft. Dieser Nachfragefaktor geht bei der aktuell vorherrschenden Wirtschaftsideologie leider immer mehr den Bach runter. 4. Für das einzelne Unternehmen ist eine Auslagerung in Billiglohnländer natürlich sinnvoll und erstrebenswert. Solange man in Hochlohnlndern verkaufen kann, verspricht das ein schönes Geschäft. Der Haken dabei ist nur, dass im sogenannten Hochlohnland nach und nach die Lichter ausgehen, weil der Arbeitsmarkt stagniert und damit die Nachfrage zurückgehen muss. Diese Zusammenhänge zu beachten, ist Aufgabe nicht des einzelnen Unternehmens, sondern der Wirtschaftspolitik des betreffenden Landes. Mit freundlichen Grüßen Reinhard Riss
Sehr geehrter Herr Riss, ich weiß nicht genau, was Sie mit den anderen Bedingungen meinen. Jedenfalls steigt das gesamtwirtschaftliche Einkommen bei einer Mehrproduktion wertmäßig exakt im Umfang dieser Mehrpoduktion. Insofern ist die zusätzliche Kaufkraft für die Mehrproduktion bis auf den letzten Cent vorhanden. Natürlich muss das Wohlergehen eines einzelnen Unternehmens nicht zwangsläufig zu einer gesamtwirtschaftlichen Prosperität führen. Was Sie mir Missmanagement nach Art meines Hauses meinen, verstehe ich nicht. Es wird genausoviel Nachfrage geschaffen, wenn ein Roboter statt eines Menschen eingesetzt wird. Der Roboter gehört ja jemandem, und der wird dafür bezahlt. Das ist kein relevanter Unterschied. Zum vierten Punkt gebe ich Ihnen voll recht. Die Auslagerung in Billiglohnländer ist in Deutschland total übertrieben. Es entsteht per saldo Arbeitslosigkeit. Das habe ich in meinem Buch ausführlich ausgefürht. Der Grund liegt in den zu hohen und starren Lohnkosten in Deutschland.
Wieso werden bei längerer Arbeitszeit mehr Arbeitsplätze geschaffen? Eher doch das Gegenteil: Bei gleich bleibender Nachfrage werden noch mehr Arbeitskräfte entlassen. Wieso soll bei Erhöhung der Arbeitszeit die Nachfrage steigen? Es wird ja dadurch keine höhere Kaufkraft erzeugt. Die Folge ist also eher das Gegenteil. Die Arbeitnehmerbelastungen durch die Sozialabgaben werden von noch weniger Arbeitenden getragen werden müssen. Obwohl wir doch wieder Exportweltmeister sind, hat sich das auf die Binnennachfrage bisher nicht fördernd ausgewirkt. Wieso macht sich dieser Boom nicht in Form von Kaufkraft in Arbeitnehmerhand bemerkbar? R.Riss
Längere Arbeitszeit äußert sich nur bei einem einzelnen Unternehmen, das betrachtet wird, nicht in mehr Nachfrage, weil die Zunahme an Unternehmereinkommen, die mit dem Mehr an Produktion und Wertschöpfung verbunden ist, sich diffus als Mehnachfrage auf alle anderen Unternehmen verteilt. Wenn alle mehr arbeiten, kommt auf das einzelne Unternehmen im Schnitt genau so viel Mehrnachfrage zu, wie es produziert. Eine ausführliche Diskussion dieses Sachverhalts finden Sie in der neuen, gerade erschienen sechsten Auflage meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" bei Econ.
Lieber Herr Professor, auch ich, 59 jähriger, parteiloser Dipl. Betriebswirt, versuche seit dem 31.8.2002 (TV-Auftritt) in unserem Land etwas zu verändern. Anders als Sie, Herr Kollege, ist mir klar geworden, daß aus unserem Land eine Parteien, Behörden (Beamten)und Bürokratendiktatur geworden ist. Aus diesem Grund ist Deutschland mit dem jetzigen politischen System nicht mehr reformierbar. Wir brauchen eine neue politische Struktur. Bitte lesen Sie nach unter www.schillerkanzler.de. Nicht das Sie denken, da will einer Kanzler werden. Nur, das Kind (Verfassungsallianz)mußte einen Namen haben. Und das Wort "Staatsverfassung" verstehen nur wieviel der Bundesbürger? Wir suchen Idealisten, die an dieser neuen Verfassung kostenlos mitarbeiten. Alles andere in der website vom 31.8.2002.
1. Steuerreform: Die Gutverdiener profitieren von der vorgezogenen Steuerreform auf Kosten der Staatskasse. Dies um angeblich die Konjunktur anzukurbeln. Dies kann nicht funktionieren, wenn die Kleineinkommen weniger für den Konsum zur Verfügung haben. Wer kann den Bürgern erklären, warum nur das Geld derer, die großteils zum eigenen Schaden zuviel verdienen, die Wirtschaft beleben soll? 2. Rentenreform: Bisher gab es keine Rentenreform. Alles bleibt bei der Struktur aus Kaisers Zeiten. Bisher handelt es sich lediglich um Kürzungen und aufwendige Umverteilungen. Das Märchen mit den Beitragszahler als Schuld für die Misere? Wenn heute ein Beschäftiger soviel produziert, wie noch vor wenigen Jahrzehnten 10 und mehr Beschäftige nötig waren, so kann heute dank der modernen HighTec ein Beschäftigter 10 und mehr Mitbürger versorgen. Warum überlegen sich die Experten nicht, was seit den 90er Jahren alles schief läuft? Warum erkennt man nicht die Fehlentwicklung - ganz im Gegenteil, alles was nicht funktioniert wird unter dem Begriff "Reformen" (moderne Begriffsverwirrung) weiter forciert. Wenn die Geldgier das Bewußtsein für das Allgemeinwohl verdrängt, dann siegt der Egoismus und der ist vernichtend. Jeder Mensch sollte wissen, daß wir gegeneitig aufeinander angewiesen sind. Die Menschheit, wie auch die Tier- und Pflanzenwelt, alles beruht auf Gegenseitigkeit, kein Teil kann alleine existieren. Wenn alle Betriebe in Niedriglohnländer sind, wer soll dann die Produkte kaufen? Wie lange kann ein Wirtschaftssystem das auf EWIGES WACHSTUM aufbaut funktionieren? Wieviel Studium benötigt man dazu um diese Theorie konsequent durchzurechnen?
Sie haben ja Recht. Die Idee vom ewigen Wachstum ist absurd, und in der Tat sind wir alle aufeinander angewiesen. Die Koordination der wirtschaftlichen Aktivitäten von Millionen von Wirtschaftakteueren kann aber nur durch den Markt erfolgen, und der funktioniert nur, wenn man ihn wirken lässt. Weder ein Steuersystem, das einen großen Teil der Wertschöpfung absorbiert, noch ein Sozialsystem, das Geld unter der Bedingung auszahlt, dass man nicht arbeitet, passt gut zur Marktwirtschaft. Deshalb muss man darüber nachdenken, die Steuern zu senken und den Sozialstaat so umzubauen, dass seine Ausgaben nicht mehr mit der privaten Wirtschaft konkurrieren. Die konjunkturellen Wirkungen der Steeuerreform sind in der Tat vernachlässigbar. Da gebe ich Ihnen auch recht. Aber Deutschlands Probleme haben mit der Konjunktur nur wenig zu tun.
Ich teile auch die bereits genannte Kritik, daß die Entwicklungen der Globalsisierung keineswegs als fatalistisch einzustufen sind, sondern sehr wohl als beeinflußbar. Ein Denken in Determinismen wie bei Ihnen greift in diesem Fall zu kurz. Wichtiger als die Lohnzurückhaltung halte ich auch die Vorantreibung der Mechanisierung in der Fertigung, auch wenn sie dem Abbau der Arbeitslosigkeit kurzfristig nicht dienlich ist. Nur durch den Einsatz modernster Fertigungstechniken (z.B. Roboter) kann eine Deindustrialisierung Deutschlands verhindert werden und nicht etwa durch ein Race-to-the-bottom der Löhne mit unseren östlichen Nachbarländern. Der Staat müsste also die Entwicklung zukunfstweisender Robotertechnik an deutschen Universitäten mit erheblichen Mitteln fördern.
So wichtig Forschung und Entwicklung sind: Das ist im wesentlichen Aufgabe der Unternehmen selbst. Der Staat hat nur eine Funktion bei der Grundlagenforschung, die allseits verwertbares Wissen erzeugt. Würde der Staat so tätig, wie Sie es vorschlagen, wäre die Vergeudung von Steuergeldern vorprogrammiert. Nur der Unternehmer, der sein eigenes Geld investiert, schützt davor, dass keine unsinnigen Forschungsstrategien verfolgt werden. Im Übrigen, wer schützt uns davor, dass die Erfindungen, wenn sie denn gemacht werden, nicht von den deutschen Unternehmen in Niedriglohngebieten verwertet werden? Leider ist das kein Weg, den Lohnwettbewerb zu vermeiden. Schön wäre es, wenn Sie recht hätten.