In addition to reactions to Hans-Werner Sinn’s books and press statements, numerous other questions were posed to him on various issues in the Discussion Forum.
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Sehr geehrter Herr Sinn, meiner Wahrnehmung nach ist es in den letzten Jahren, zu meiner Freude, zunehmend Ausweis von Wissenschaftlichkeit geworden, in der Darstellung von Ergebnissen die Komplexität des Themas anzudeuten und den eigenen Beitrag in diese Komplexität einzuordnen. Dies lässt - und ich sehe das positiv - wenig Platz für Polarisierungen, hat natürlich den Nachteil, dass die Ergebnisse weniger plakativ darstellbar sind und dass der eigene Beitrag einer von vielen ist, ein vielleicht wichtiger Baustein, aber nicht als fundamentaler Paradigmenwechsel darstellbar ist. Genau diese Haltung habe ich bei Ihnen vermisst, angesichts der Bedeutung des Themas, die Sie ja auch dargestellt haben, eine verpasste Chance. Als Nichtökonomin war für mich der Hinweis, die ökonomische Abwägung von vermutetem Vermögenszuwachs kontra Anlage von Erträgen auf der Angebotsseite als einen Hebel für erfolgreiche Umweltpolitik einzusetzen, sehr interessant. Für mich würde es für einen guten Vortrag schon genügen, hier EINEN neuen Hebel kennengelernt zu haben. Argumentativ nicht belegt ist für mich jedoch, dass VORRANGIG die "grüne" Bewegung dafür gesorgt hat, die Energiepreise seit den Energiekrisen der siebziger Jahre konstant niedrig zu halten. Hier haben, nicht nur meiner Einschätzung nach, politische Entscheidungen für niedrige Energiepreise eine große Rolle gespielt, Diversifizierung der Energiequellen, wie Ausweitung von Atomstrom in den Hauptabnehmerländern, Verstromung von Kohle, der in Deutschland auch gegen Protest der Anwohner in Braunkohleabbaugebieten durchsetzt wurde, Erschließung von Nordseeöl und nicht zuletzt die Präsenz des größten Nachfragers USA als Militärmacht am Golf, um nur einige zu nennen. Dies alles wurde nicht einmal erwähnt. Damit ist ihr vorgestelltes "Grünes Paradoxon" für mich nicht ausreichend begründet, denn die Nachfrageseite hat bisher sehr effektive Strategien entwickelt, um einen niedrigen Energiepreis durchzusetzen. Die Bausch-und-Bogen-Verdammung von allem, was in der Klimapolitik und- technologie auf der Nachfrageseite je gelaufen ist, ist damit für mich nicht nachvollziehbar. Polarisierungen haben zudem leider den Nachteil, Tausenden von Menschen, die sich bisher mit dem Thema beschäftigt haben, schlicht die Intelligenz abzusprechen. Meiner Ansicht nach sollte die Universität Düsseldorf die gute Darstellung von Wissenschaft auch nicht aus den Augen verlieren, wenn sie in der Öffentlichkeit bekannte Menschen als Vortragende einlädt. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau R., Sie haben Recht, dass durchaus auch andere Faktoren die Energiepreisentwicklung beeinflusst haben und weiter beeinflussen. Mir ging es aber nicht um eine umfassende Erklärung sondern um die Frage, ob unsere Politik der Nachfrageeinschränkung wirksam ist oder überhaupt sein kann. Deshalb habe ich das Angebot in den Blick genommen, was bisher nicht geschehen ist. Wer die Politik will, muss begründen, warum er glaubt, dass die Nachfrageeinschränkung die Abbaumengen verringert. Aber die Vertreter der Grünen haben das Angebot bislang systematisch ausgeblendet. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin wirklich sehr angetan von Ihrem gestrigen Vortrag in Kiel. Aber obwohl Sie die Kernprobleme der Euro-Schuldenkrise wirklich beeindruckend klar und präzise auf den Punkt bringen, habe ich das Gefühl, dass Sie die Sache in manchen Punkten nicht konsequent zu Ende denken: - Sie sagen, dass die Krisenländer eine reale Abwertung brauchen. Problem: Wenn die versuchen, im nötigen Ausmaß billiger zu werden, gibt es dort Firmenpleiten und womöglich einen Bürgerkrieg - dieser Weg ist nicht gangbar. Sie sagen auch, dass wir in Deutschland teurer werden müssen (reale Aufwertung), aber dass wir das nicht wollen. Ich hätte mir gewünscht, dass Sie etwas mehr darauf eingehen, was die Politik dazu beitragen könnte, dass Deutschland real aufwertet. Sie räumen (während der Diskussion) ein, dass die Löhne bei uns jetzt natürlicherweise steigen könnten, aber nach Ihrer Einschätzung sollte dies nachfrageseitig vom Markt gesteuert werden, statt es politisch zu verordnen. Aber: Wenn Griechenland abseits von "natürlichen" Lohnverhandlungen die Löhne teilweise um 40% kürzt, warum soll der deutsche Staat die Lohnsetzung und die Binnennachfrage nicht auch maßvoll (!) beeinflussen? Man könnte hier z.B. die Lohnnebenkosten erhöhen, um die Exporte zu verteuern, und im Gegenzug die Mehrwertsteuer senken, um Importe zu stimulieren (allerdings möglichst verteilungsneutral). Man könnte die öffentlichen Löhne als Lohnlokomotive einsetzen und durch öffentliche Erklärungen ein Klima schaffen, das gewerkschaftliche Lohnforderungen nicht prinzipiell als maßlos geißelt, sondern ein etwas höheres Niveau der Lohnsteigerungen für alle Branchen gleichzeitig empfiehlt. Deutschland könnte mit diesen Maßnahmen die Ungleichgewichte abdämpfen und ohne große eigene Schmerzen und Bürgerkriege zu einem echten Realignment beitragen. - Sie kritisieren Frau Lagarde dafür, dass sie Sanktionen gefordert hat, wenn ein Land hohe Leistungsbilanzüberschüsse produziert. Aber letztlich muss die Diskussion doch genau in diese Richtung gehen! Besser wäre natürlich ein marktbasiertes Anreizsystem, dass automatisch zu einem Ausgleich der Leistungsbilanzsalden beiträgt, aber wenn das nicht verfügbar ist, muss eben die Wirtschafts- und Sozialpolitik zentral koordiniert werden, sodass außenwirtschaftliche Ungleichgewichte im Rahmen bleiben. - Sie sagen mit Recht, dass die Ausspreizung der Zinssätze ein Marktsignal und ein notwendiger Anreizmechanismus ist, damit in den betroffenen Länder die weitere Verschuldung unattraktiv gemacht wird. Daher solle man dieses Marktsignal nicht durch Vergemeinschaftung der Risiken kaputt machen. Was Sie dabei nicht sagen ist, dass Italien höchstwahrscheinlich in der Schuldenspirale versinken würde, wenn dieses Land auf Dauer 7% Zinsen für die 10jährigen (bei 120% Verschuldung, 2% Inflation und ohne reales Wirtschaftswachstum) zu schultern hätte. Marktsignale sind eine gute Sache, aber wenn dann Italien in den "Default" geht, ist es keine gute Lösung. - Sie sagen, dass ohne die Target-Salden der Kapitalmarkt eine Lösung finden würde, um die Geldabflüsse auszugleichen, indem sich z.B. italienische Banken bei deutschen Banken zu höheren Zinsen als 1% Geld leihen würde; und dass die EZB durch die "verliehene Druckerpresse" nötige Marktsignale unterdrückt und damit Ungleichgewichte perpetuiert. Das stimmt zwar, aber die EZB versteht ihren Auftrag auch so, dass sie für eine ausreichende Liquiditätsversorgung der italienischen Wirtschaft zu sorgen hat. Würde sie das "Gelddrucken" kontingentieren, würde deutlich teurere Liquidität den italienische Kredit- und Kapitalmarkt ziemlich austrocknen und zahllose Firmen wären von der Pleite bedroht. Das wäre das Gegenteil von der geforderten Liquiditätsversorgung der Wirtschaft - die EZB tut das Richtige. Die Ungleichgewichte müssen auf andere Weise gelöst werden. Also, verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin wirklich begeistert von Ihrem Vortrag gestern und unterschreibe so gut wie alles, ich würde mir nur wünschen, dass Sie in einigen Punkten die Konsequenzen zu Ende denken und gangbare Lösungswege klarer beschreiben. Viele Grüße Ulrich S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für die Rückmeldung. Lassen Sie mich auf einige Punkte antworten. Löhne: Wenn man die Löhne politisch anhebt, wird Deutschland in die Flaute gedrückt, und es entsteht klassische Arbeitslosigkeit bei fallenden Importen und fallenden Exporten. Möglicherweise steigt sogar der Leistungsbilanzüberschuss, was die falsche Reaktion wäre. Wenn aber wir die Rettungsschirme knapp halten, dann boomt Deutschland, weil das Kapital hier bleibt, und die Importe steigen. Die Exporte werden wie bei der anderen Variante gedrückt. Nur so kann man Lohnerhöhungen begründen, nicht über den Weg von Frau Lagarde. Zinsen für Italien. Eurostat schätzt, dass Italien im Jahr 2012 eine Zinslast von 5% des BIP haben wird. In den neunziger Jahren hatte Italien 10% des BIP als Zinslast. Westdeutschland hatte damals eine Last von 6% für Zinsen und die Transfers in die neuen Länder. Italien ist offenbar weit davon entfernt, seine Zinsen nicht allein schultern zu können. Die Behauptung, es könne sie nicht schultern, ist eine Zweckbehauptung. Austrocknen von Italien: Dass Italien höhere Zinsen zahlt und über eine Flaute zur realen Abwertung gezwungen wird, ist unerlässlich, wenn die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen soll. Die vermeintliche Rettung durch Kredite zu 1% Zins für 3 Jahre schlägt das private Kapital in die Flucht und verhindert den Prozess der realen Abwertung für Italien. Es gibt keine anderen Wege, die Ungleichgewichte zu lösen als durch die reale Abwertung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
To Professor Simm First I want to say THANK YOU for the EXCELLENT Speech and Research by You and Your Colleague ! http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x _s-764870657/ifo/index.html http://www.nber.org/papers/w17626.pdf?new_window=1 } The interrelationships presented has clarified a lot of questions for me . I will need to study the research a bit in detail to understand it properly ..as I am not an economist but just a surgeon The overriding question though is WHAT NEEDS TO BE DONE .. I think You can agree on that ! In my mind it should not be too difficult ...though eventually politically ..very difficult First of all : take away the incentive of borrowing from the ECB : this is OBVIOUS accord to You This can be done just by increasing the interest-rate which has to be paid By nations having a deficit on this ECB account. For ex letting it be a FLOATING INTEREST RATE ... increasing in magnitude ..in correlation with the Size of the deficit ... the higher the deficit.. the higher the interest rate .. Quite sound in financial terms ! Politically easy to explain and motivate and Still NOT a total denial of shared responsibility . Second of all : Assure that collateral ASSETS are fungible ..as You term it . I have for a long time ..inspired by the Norvegian Wealth Fund Been thinking ..WHY ... not make the EURO .. a real asset backed currency . In that context GOLD is too narrowminded ... it should include ALL tangible Asset Classes in public Sovereign Posession within the EURO Area : Infrastructure / Real Estate / Equities / Foreign Bonds .. private and sovereign satisfying certain investment criteria and ofc Gold/ Silver / Platinum etc . This represents an enormous CAPITAL ! ( There is NO area with equal accumulated capital in the world ..wealth which often is lying dormant .. and which is Europes real Strength ... the quite uniform INFRASTRUCTURE ... of Europe Unparalleled in the world ... as long as that will last Why not use that .. the foundation for our wealth ? In theory there should be no objection ...IF ,, the errand is not to CHEAT !) But publicly owned tangible assets Organized in ETF like structures ( for which there now exists ample expertice in all sorts of assets ) Handed over as collateral for Money issued according to a fixed agreed percentage .. as much as possible ..but a little less will do ... for ex the nominal amount of Euro in effect MINUS the circulating amount of Euro in coins and notes ! Handed over to a central EURO FUND working in close synch with the ECB Run on legally enshrined principles of sustainable profit and growth . ETF Shares traded at Global exchanges and freely exchangeable with the EURO at Market prices . And if there are NOT REAL assets to cover up ... well . then no more EURO can be issued ... by such a sovereign ! It would take some Brilliant legal and financial experts to hammer out Such a construction .. but I am sure such brilliance is there..in Europe WHO ... would not want to hold and save in such a currency ? ... Few ..is my guess ! The process would take time ... but in my opinion .. fully worth the effort securing the future of normal European citicens and Nations for a long time to come and therefore A POSITIVE goal to work towards I may be NAÏVE ..in this suggestion .. but cannot really see WHY that should be so ? Third of all : CAPITAL CONTROL UNTIL THE SITUATION IS UNDER CONTROL ! I do not know whether You are aquainted with the Almost unprecedented attack on the EURO coming out of the anglosaxon world. I think You know ! Take any issue of The Financial Times ..or almost any Other anglosaxon media outlet ... and the picture is clear ! It is interesting that the Capital Flight out of especially Italy and France Occurs exactly at the time where the ANGLOSAXON MEDIA RHETORIC BOMBARDEMENT is gaining strength and volume I do not think this is coincidental ... and I do think I know the reasons for this ! As a convinced European ... I do not think it is in the interest of EUROPE or GERMANY Or my own country DENMARK to let the anglosaxon world get away with this Attempt of DIVIDE et IMPERARE ... in order to save their own miserable situation far worse than the European situation and something they have no choice but to run away from ... which in my opinion .. is ..what is being prepared ! ( and something You do not incorporate in Your presentations .. even if the condition Of the anglosaxon financial world is a pre-requisite of understanding the current Global financial situation..of which Europe and the PIIGS and Germany are a part ) A broken down European Union split up in smaller national entities could be CAJOLED into accepting above future development ! Fourth of all : assist the indebted Euro-countries to regain competitiveness by support and investment in REAL PRODUCTIVE ENTITIES ... most of all ...CREATING JOBS .. where wages are paid by income generated by that production ... evt subsidizing such concrete individual measures in start up phases ... Just like it was done in Ireland .. in the start of that nations tiger-leap from powerty to a competitive nation. Fifth of all : increase EU spending on EDUCATION , RESEARCH and INNOVATION especially also in Indebted countries .. subsidize THAT .. not bottomless sovereign holes Never forget or omit that .. even if NO IMMIDIATE MONEY will be received . Sixth of all : increase cooperation EAST and SOUTH WARD : towards EAST EUROPE, RUSSIA and CHINA Promote the aspirations of TURKEY into the European Union ( Greece & Cyprus should never have been admitted without also taking in Turkey ! ) Nurture the relations to AFRICA .. the area of the world , where Europes fate will ultimately be decided ( are you aware that it is big business for individual african farmers to RENT out their land even on relatively small plot scale to INDIVIDUAL chinese farmers who use the land to produce ..right now ... said just to exemplify .. what is going on ? ) Seventh of all : get rid of as much of Anglosaxon " Assets " as possible.. as these debts cannot be re-paid considering the imbalances present in these countries with NO END IN SIGHT ! That will be especially Important for GERMANY .. who is facing potentially loosing half of its wealth in Europe .. but may face Loosing a big part of the second half ...in the US .. and evt the UK ( if the latter does not regain its senses abandon the illusion of financial " wealth creation " regain its industrial productive apparatus ... And come on board ) Und hiermit .. Entschuldigen Sie mich fuer meine eventuell amateurische Gedanken Und noch einmal ..VIELEN DANK ...fuer Ihren Beitrag und Erleuterungen ! Vieles ist mir nach dem Lesen ..klarer geworden ! Ich wuensche Ihnen ein Frohes Fest und Neues Jahr ! Mr Ole C G Olesen
Dear Mr. Olesen, I am sorry to respond so late. But I was overly busy with other things. Thank you very much for your insightful comments and for expressing your interest in my work. Needless to say, the questions regarding how the economic crisis challenges the economic and political strength of the EU is of extremely high interest to me. I enclose a link to the last EEAG report which has a chapter on a new crisis mechanism for the Euro area. This mechanism considers a three-stage procedure that distinguishes between different degrees of a crisis: illiquidity, impending insolvency and actual insolvency: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Furthermore I want to advert to the Bogenberger Declaration: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_20 11_bogenberg_declaration.pdf. Therefore a resolution of the crisis can only come by addressing the real roots of the crisis. Treating only the symptoms of the disease is doomed to failure. Since there is no way to return to a policy of completely excluding mutual liabilities, the declaration makes a proposal for a agenda. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
1. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verfolgte Ihre Vorträge "Eurokrise und Konjunktur" und "Ist der Euro noch zu retten?". In beiden Vorträgen gingen Sie auf den dramatischen Anstieg der Target-Kredite ein. Leider steht der erste Vortrag "Eurokrise und Konjunktur" in der Mediathek Ihres Instituts nicht mehr zur Verfügung. Unter www.querschuesse.de wird über dieses Problem seit einigen Monaten berichtet. Am 4.01.2012 erschien der Artikel "Spaniens Target2 Saldo explodiert auf -137,178 Mrd. Euro". Ältere Artikel finden Sie dort unter der Registerkarte "Target2". Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter 2. Mail: Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich sah mir gerade noch einmal das Video "ifo Konjunkturprognose 2011/2012: Schuldenkrise bremst deutsche Wirtschaft aus" an. Ich schätze Ihre Einschätzungen sehr und motivierte viele Bekannte, sich die Videos auch speziell zu den Target-Krediten anzusehen. Ich möchte dennoch Ihren Fokus auf ein soziales Problem verstärken. Im Video ""ifo Konjunkturprognose 2011/2012" sagen Sie: "Bis Willy Brandt hatte sich die Arbeitslosigkeit treppenförmig vergrößert. Das war die Situation, als Schröder mit der Agenda 2010 die Notbremse zog. Sie sehen, dass das gewirkt hat. Die Arbeitslosenzahlen gingen runter... Vergleichen Sie das mit Frankreich. Sie sehen, dass Deutschland mittlerweile eine deutlich niedrigere Arbeitslosigkeit hat als im Höhepunkt des letzten Booms vor Lehmann im Jahre 2008, während Frankreich eine Arbeitslosigkeit hat, die leicht über dem Höhepunkt der letzten Flaute im Winter der Jahre 2005 und 2006 liegt. Die beiden Länder entwickeln sich scherenförmig auseinander... Das ist Spanien, und Sie sehen, welch katastrophale Entwicklung dort die Wirtschaft nimmt mit einer immer weiter ansteigenden Massenarbeitslosigkeit. Bei der Jugendarbeitslosigkeit liegen wir bei über 40 Prozent. Was das für die Stabilität von Europa bedeutet, ist schwer zu einzuschätzen. Deutschland ist hier in einer unglaublich günstigen Situation. Und das liegt eben daran, dass wir einerseits unter dem Euro unsere Hausaufgaben haben machen müssen..." Ich arbeite im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds Münster, also einem karitativen gemeinnützigen Unternehmen. Ich habe einen Arbeitsbvertrag auf Gleizonenbasis (800 Euro brutto pro Monat) bei 120 Stunden Arbeitszeit pro Monat, entspricht 4 Tage pro Woche mit 8,5 Stunden pro Tag abzüglich 0,5 Stunden Pause. Mein Nettogehalt liegt bei 627 Euro in einer der teuersten Städte in Münster. 627 Euro pro Monat entspricht 5,23 Euro pro Stunde. Ich begleitete vor einiger Zeit eine Gruppe Rentner bei einem Tagesausflug durch die City von Münster. Die Rollstuhlfahrerin, die ich durch Karstadt schob, kaufte dort ein Stück Seife für 5 Euro. Ein Kollege von mir erschien neulich zu Fuss zur Arbeit, weil sein Fahrrad einen Platten hatte. Er sagte mir, er müsse bis Ende des Monats auf sein Gehalt warten, um sich einen neuen Fahrradschlauch leisten zu können. Uns Fahrern im Behindertenfahrdienst des Arbeitersamariterbunds geht es dabei noch gut. Wir bekommen zwar keine Zulage bei Nachtarbeit oder Wochenendarbeit und kein Weihnachtsgeld, aber Lohnfortzahlung bei Krankheit. Vorher fuhr ich als Kurierfahrer bei Beckann Kurierdienst in Münster und leerte unter anderem Briefkästen der Deutschen Post. Mein Nettostundensatz lag bei 4,50 Euro ohne Urlaubsgeld und ohne Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Da ist zwar vieles illegal dran, aber niemand geht dagegen vor, weil die ganze Branche so arbeitet und weil es keine Tarifverträge gibt. Ich unterhielt mich mit jemandem vom Zoll darüber, und er sagte mir, dem Zoll seien die Hände gebunden. Überlegen Sie noch einmal Ihre oben genannten Aussagen unter diesen Aspekten. Sie sprechen von sozialen Spannungen wegen der Massenarbeitslosigkeit in Spanien und sagen, Deutschland sei hier in einer unglaublich günstigen Situation. Ich persönlich glaube, dass sich in Deutschlang unglaublich großer sozialer Sprengstoff mehr und mehr ansammelt. Und ich würde mir wünschen, dass Sie in Ihren zukünftigen Vorträgen zumindest in einem Nebensatz eingehen, um anzudeuten, dass Sie auch diesen Aspekt (ausfklaffende Schere in Deutschland) im Fokus haben. Viele Grüße Ulrich Schlüter 3. Mail: vielen Dank, dass Sie meine Anmerkungen zu den Vorträgen von Herrn Prof. Sinn inhaltlich an Herrn Sinn weiterleiten. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und noch eine Frage anhängen. Im Artikel "Deutscher Exportmotor brummt" vom 9.01.2012 steht, dass die deutschen Exporte im November 2011 stärker als erwartet um 2,5 Prozent angestiegen sind, während die Importe um 0,5 Prozent zurückgingen. Ich habe den Verdacht, dass in diese Exporte auch beispielsweise deutsche Immobilien eingerechnet werden, die die Griechen, Italiener und zuletzt auch die Franzosen kaufen, um ihre Euros sicher anzulegen. Mit anderen Worten: Die Kapitalflucht der Südeuropäer und damit die zunehmenden negativen Targetsalden werden als Exporte der deutschen Wirtschaft ausgewiesen. Oder ein Grieche kauft ein deutsches Auto oder deutsche Aktien, und als Gegenwert erhält Deutschland faule Anleihen der Griechen in Form von ansteigenden Forderungen der Deutschen Bundesbank. Wenn mein Verdacht zutrifft, wäre es vielleicht angebracht, wenn Herr Prof. Sinn diesen Tatbestand öffentlich aufdeckt. Bei den veröffentlichten Target-Salden ist übrigens folgendes vielleicht zu berücksichtigen: Wenn man eine Immobilie kauft, so vergehen vom Termin des notariellen Kaufvertrag bis zur Abwicklung (Zahlung des Kaufpreises) oft zwei Monate. Wenn also die Südeuropäer heute Eigentumswohungen in Berlin kaufen, zahlen sie den Kaufpreis erst Monate später. Folglich schlägt sich ein weiterer Anstieg der Target-Salden mit entsprechender Verzögerung in den Zahlen der Deutschen Bundesbank nieder. Den Artikel "Deutscher Exportmortor brummt" finden Sie hier: http://www.teleboerse.de/nachrichten/Deutscher-Exportmotor-brummt-article516 1491.html Hier der komplette Inhalt des Artikels "Deutscher Exportmortor brummt": Deutscher Exportmotor brummt Deutschland exportiert weiterhin kräftig und verzeichnet unerwartet hohe Überschüsse. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Abnehmer deutscher Produkte. Volkswirte warnen aber vor Euphorie. In Deutschland haben die Exporte im November 2011 stärker zugelegt als erwartet. Im Monatsvergleich seien die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 2,5 Prozent gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit einem Plus um 0,5 Prozent gerechnet. Unterdessen gingen die Einfuhren um 0,4 Prozent zurück, während Volkswirte einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet hatten. Der Außenhandelsverband hatte Anfang Dezember auf Basis eigener Berechnungen gemeldet, dass die Billionengrenze durchbrochen sei. Er erwartet Ausfuhren im Wert von 1,075 Billionen Euro im Gesamtjahr 2011. Zwar macht die Euro-Schuldenkrise den Unternehmen zu schaffen. Doch nachdem im Oktober die weltweite Konjunkturschwäche den Export überraschend klar gedämpft hatte, zeigt sich die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" nach den letzten amtlichen Zahlen insgesamt sehr robust. EU bleibt der größte Kunde Im Jahresvergleich stiegen die Ausfuhren im November um 8,3 Prozent, die Einfuhren lagen um 6,7 Prozent höher als im Vorjahr. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss stieg auf 16,2 Mrd. Euro, nach 11,5 Mrd. Euro im Vormonat. Nach wie vor sind die Staaten der Europäischen Union die wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Dorthin gingen im November Waren im Wert von 56 Mrd. Euro, ein Anstieg um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allein die Euroländer bezogen demnach Waren im Wert von 37,7 Mrd. Euro aus Deutschland - ein Plus von 7,7 Prozent im Vergleich zum November 2010. 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in den Euro-Raum. "Von einem Einbruch der Exporte, der nach dem deutlichen Rückgang der Stimmungsindikatoren weltweit und nach den schlechten Wirtschaftszahlen aus dem Euroraum befürchtet worden war, ist bisher nichts zu sehen", kommentierte die Commerzbank. Für die kommenden Monate sei jedoch "kaum mit Impulsen vom Außenhandel zu rechnen", schreiben die Ökonomen, "die mageren Auftragseingänge aus dem Ausland" dürften sich "nach und nach bei den Ausfuhren bemerkbar machen". Ende des Artikels Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, ich bedanke mich für Ihren Brief. Haben Sie auch vielen Dank für den Hinweis auf die Internetseite "Querschüsse" sowie die Übersendung des interessanten Artikels "Deutscher Exportmotor brummt". Es tut mir Leid zu hören, dass Ihre private Situation so beschwerlich ist. Was Sie zu den Niedriglöhnen schreiben ist der Grund dafür, dass ich mich immer für Lohnzuschüsse eingesetzt habe. Ihrer Vermutung zu den Target-Salden kann ich nur zustimmen. Genauere Informationen, wie sich die Höhe der Target-Salden bestimmt, können Sie auf der Internetseite des ifo Instituts finden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich schätze Ihre Art, wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln. Mich interessiert, was Sie vom Vollgeldsystem halten (http://de.wikipedia.org/wiki/Vollgeld). Leider habe ich hierzu nichts von Ihnen im Internet gefunden.
Sehr geehrter Herr M., mit dem Vollgeldsystem (100% Mindestreserve) wird den Banken die Möglichkeit der Giralgeldschöpfung genommen. Die entsprechenden Zinsgewinne fließen der Notenbank zu, weil viel mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein muss. Die Banken müssen sich dann verstärkt über Gebühren finanzieren. Mir fällt es im Moment schwer, den Nutzen einer solchen Reform zu erkennen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Bogenberger Erklärung Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für die Bogenberge Erklärung, in der die Argumente zusammengefasst sind, die gegen die Politik der Rettungsschirme sprechen und zeigen, dass diese Politik unverantwortlich ist. Ich möchte zu 2 Punkten etwas sagen: • Im 2. Absatz der Ziffer 6 wird gesagt, dass mit dem Ankauf von Staatsanleihen der überschuldeten Euro-Staaten durch die EZB das Verbot des Art. 123 AEUV verletzt wird. Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht sehen das anders. Das ergibt sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 7. September 2011 zu den Klagen gegen die Rettungsschirme, und zwar aus den Ziffern 65, 84 und 129 der Entscheidungsgründe. Einzelheiten habe ich in einem Artikel vom 10. September 2011 zum Rücktritt es Chefvolkswirts der EZB Jürgen Stark dargelegt, den ich als Anlage 1 beifüge. In der Diskussion über diese Frage, sollten die Positionen von Bundesregierung, Bundestag und Bundesverfassungsgericht deutlich zum Ausdruck gebracht werden, denn sie versuchen sie durch Kritik an diesem Handeln nicht deutlich werden zu lassen. • In der Erklärung wird leider nicht erwähnt, dass die Verwaltungsstrukturen in überschuldeten Euro-Staaten teilweise überhaupt nicht geeignet sind, eine effiziente Ausgabenpolitik durchzuführen, und dringend einer Generalüberholung bedürfen. Ich verweise insoweit auf den OECD-Bericht, der ein verheerendes Bild der griechischen Verwaltung zeichnet (vgl. den als Anlage 2 beigefügten Bericht „Keiner redet mit keinem“ in der Süddeutschen Zeitung vom 9. Dezember 2011). So lange in dieser Hinsicht keine entscheidenden Änderungen eingetreten ist, ist keinerlei finanzielle Hilfe an Griechenland zu rechtfertigen. Außerdem verbieten solche Mißstände in den überschuldeten Euro-Staaten eine weitere Übertragung von Kompetenzen auf europäische Institutionen. Das ist erstmöglich, wenn solche Mißstände beseitigt sind, denn sie können nicht durch europäische Institutionen beseitigt werden. Das kann nur durch die nationalen Regierungen mit Unterstützung ihrer Bürger geschehen. Zu dieser Frage habe ich einen Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung geschrieben, der am 10. November veröffentlicht wurde und als Anlage 3 beigefügt ist. Mit freundlichen Grüßen Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank für diese Einschätzung. Dass das Bundesverfassungsgericht die Monetisierung der Staatsfinanzen erlauben würde, kann ich aus der von Ihnen zitierte Passage nicht erkennen. Sie lautet ja: „Auch weitere zentrale Vorschriften zur Ausgestaltung der Währungs-union sichern unionsrechtlich verfassungsrechtliche Anforderungen des Demokratie-gebots. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang insbesondere das Verbot des unmittelbaren Erwerbs von Schuldtiteln öffentlicher Einrichtungen durch die Europäische Zentralbank, das Verbot der Haftungsübernahme (Bail-out-Klausel) und die Stabilitätskriterien für eine tragfähige Haushaltswirtschaft (Art. 123 – 126, Art. 136 AEUV. Ohne dass es hier auf die Auslegung dieser Bestimmungen im Einzelnen ankäme, lässt sich ihnen doch entnehmen, dass die Eigenständigkeit der nationalen Haushalte für die gegenwärtige Ausgestaltung der Währungsunion konstitutiv ist, und dass eine die Legitimationsgrundlagen des Staatenverbundes überdehnende Haftungsübernehme für finanzwirksame Willensentschließungen anderer Mitglied-staaten – durch direkte oder indirekte Vergemeinschaftung von Staatsschulden – verhindert werden soll.“ Darin wird eher Besorgnis statt Zustimmung geäußert. Die Bundesbank jedenfalls vertritt die Auffassung, dass der Aufkauf der Staatspapiere ein Umgehungstatbestand ist. Voll zustimmen kann ich zu Ihrem zweiten Punkt. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ist es nicht so, dass jeder Target Saldo als auch jeder ELA der griechischen Nationalbank letztendlich a) zur direkten Entwertung des Euros führt b) die Bundesbank ihre Ansprüche gegenüber der EZB zwar geltend machen kann, aber im Endeffekt wird Sie lediglich Ihre Forderungen mit den Verbindlichkeiten der EZB verrechnen können da von den anderen 16 Eurostaaten im kommenden Crashfall nichts zu erwarten ist. MFG R.Hoppmann
Sehr geehrter Herr Hoppmann, mit Hilfe von Target schöpfen die GIIPS Länder mehr Zentralbankgeld als es eigentlich für die innländische Verwendung notwendig wäre. Deutschland schöpft dagegen entprechend zu wenig. Die Geldschöpfung hat sich also in die Krisenländer verlagert. Solange die Bundesbank dieses Geld aus dem Verkehr zieht, muss die Geldmenge insgesamt nicht steigen. Insofern ist die Geldentwertung nicht direkt angelegt. Problematischer sehe ich Ihren zweiten Punkt: Heute erhält die Bundesbank als Gegenleistung für ihre Kreditvergabe Forderungen gegen das EZB-System (mittlerweile von ca. 500 Mrd. Euro), die nur minimal verzinst sind (derzeit 1 Prozent), die nicht fällig gestellt werden können und von denen man nicht weiß, ob sie sich bei einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone jemals werden eintreiben lassen. Hätte Europa das US-interne Abrechnungssystem für Target-Salden zwischen den Distrikten der Fed, dann könnte die Bundesbank dafür die Übertragung von marktgängigen, gut verzinslichen Wertpapieren im gleichen Umfang verlangen. Ich befürchte wie Sie, dass wir hier einem großen Risiko ausgesetzt sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe mit großem Interesse Ihre Beiträge zum Thema Target-Salden verfolgt. Die Bundesbank ist der Ansicht, dass der deutsche Target-Saldo „kein sinnvoller Indikator für Risiken“ sei. Die Finanzierung der Banken mit Zentralbankgeld sei in der Krise notwendig. Wie schätzen Sie die Meinung der Bundesbank ein? Vielen Dank im Voraus! Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrte Frau Schmidt, die Target-Salden messen die zwischenstaatliche Kreditvergabe und damit die Zusatzrisiken, die über die Geldversorgung der betreffenden Länder hinaus entstehen. Deutschland hat heute für 500 Mrd. Euro Target-Forderungen gegen die EZB, und die hat entsprechende Forderungen gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir den 500 Mrd. Euro hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Woher haben Sie die Meinung der Bundesbank dazu? Das würde mich interessieren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, toll, dass Sie und Ihre KollegInnen uns den Wirschaftskompass geschenkt haben. Auch ich werde ihn meinen Kindern zu Weihnachten schenken. So ein Buch hat der Volksaufklärung gefehlt. Ein Bollwerk gegen Stammtischgeschwafel und ein wirklicher "Faktencheck". Meine Frage: wie oft werden sie ihn aktualisieren? Oder warum nicht eine Online Aktualisierung? Herzliche Gruesse Dieter Scheiff
Sehr geehrter Herr Scheiff, es ist geplant, dass alle zwei Jahre eine Neuauflage erscheinen soll. Das begleitende App (mit einem Quiz zum Wirtschaftskompass) wird laufend aktualisiert. Ich hoffe, Sie haben viel Freude mit dem Wirtschaftskompass. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Warum nehmen Staaten wie GIPS oder Italien Kredite nicht als Target Kredite? Anders gefragt: Warum gehen Staaten nicht so vor, wie der beispielhafte Irische Bauer, der einen Traktor in Deutschland kauft?
Sehr geehrter Herr Baumann, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Morgen Herr Sinn, da ich mir nicht sicher bin, ob Sie meine E-Mail vor ein paar Wochen erhalten haben, informiere ich Sie nochmals über unser Anliegen. Ich hoffe, Sie können mir helfen. Ich habe zwei Fragen aus der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. Im besonderen Reallohnentwicklung, Armutsdiskussion und die jetzt aktuelle Debatte um den Mindestlohn. Vielleicht können Sie mir bei diesen zwei Fragen helfen: 1) Ist es in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren zu einer Reallohnsenkung gekommen? Ist, falls eine Reallohnsenkung eingetreten ist, diese auf das Anwachsen von Minijobs und auf flexible Erwerbsformen, insbesondere Teilzeit, zurückzuführen? 2) Man hat den Eindruck, dass die Beschäftigung in Deutschland insgesamt zunimmt, dass aber dadurch das Lohnniveau nicht steigt, sondern eher sinkt. Interessant ist hier die Frage, wie sich das Lohnniveau aus der Schaffung zusätzlicher Vollzeit-Arbeitsplätze insgesamt entwickelt. Ob also mehr Stellen mit überdurchschnittlicher Entlohnung oder mehr Stellen mit unterdurchschnittlicher Entlohnung geschaffen werden. Ich hoffe, Sie können mir helfen und bedanke mich sehr im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Juliane Schmidt
Sehr geehrter Frau Schmidt, werden die Brutto-Reallöhne pro Kopf betrachtet, so kam es in den vergangenen Jahre tatsächlich zu Senkungen. Es ist allerdings zu b eachten, dass es einen Trend zu mehr Teilzeitbeschäftigung und zu Minijobs gab. Auch aktuell ist die Tendenz zu geringeren Arbeitszeiten vorhanden. Dies drückt in einer pro-Kopf Betrachtung die Reallöhne. Der Reallohn pro Stunde ist dagegen von 1995 bis 2010 jährlich um durchschnittlich etwa 0,2% gestiegen. Die strukturelle Verschiebung der Beschäftigung in den Dienstleistungssektor hinein dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. In einigen Dienstleistungsbereichen ist die Produktivität unterdurchschnittlich. Daher drückt das auf die Löhne. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung gegenüber Ihren Bemühungen und Entsetzen gegenüber der Politik verfolgen wir Ihre mahnenden Worte zur Eurokrise. Darf ich mir erlauben, Ihnen einige Fragen zu stellen, sie betreffen mich persönlich, aber auch viele andere. Wie Sie wissen, sind endfällige Fremdwährungskredite (Yen und CHF) mit Tilgungsplan in Österreich sehr beliebt gewesen. Dieses Problem haben neben mir noch fast weitere 300.000 Haushalte, vor allem meistens (wie ich) Personen ohne Haftungsbeschränkung. Durch die Finanzkrise wurde der mit der Bank vereinbarte Tilgungsplan zunichte gemacht. Die Frage stellt sich nun, ob der in 5 Jahren fällige Kredit (in Yen und CHF) durch Verkauf von Vermögenswerten unter extremen Verlusten vorzeitig abbezahlt werden sollte (mein Kredit läuft im mittleren 7-stelligen Bereich), weil weder aus Ihren fundierten Analysen noch aus den fadenscheinigen Beteuerungen der Politiker irgendein Hoffnungsschimmer für die Rettung des Euros zu erwarten ist. Zusätzlich zu allen Risiken kommt noch das besondere Risiko für Österreich. Das Land übernimmt jetzt anteilsmäßig nicht nur ähnliche Haftungen wie Deutschland, hier sind auch im privaten Sektor ca. 85 Mrd. Euro an Fremdwährungskrediten ausständig (sowie eine weitere ähnliche Summe, welche großteils österreichische Banken in den neuen EU-Mitgliedstaaten vergeben haben), zusätzlich kommt die spezielle politische Konstellation der reformunfähigen, zementierten Großkoalition dazu. Würden Sie mir raten, unter Verlust meines fast gesamten Vermögens die Kredite rückzuzahlen, soll ich auf den Austritt der Südländer aus dem Euroraum und eine anschließende Aufwertung oder einfach darauf hoffen, dass mir bald ein Stein auf den Kopf fällt? Glauben Sie persönlich, dass die Politiker in Deutschland doch noch kurz vor dem endgültigen Desaster eine vernünftige Entscheidung treffen oder denken Sie, dass sich auch Deutschland in nicht mehr bewältigbare Schuldenstände hineinziehen läßt? Haben Sie eine Idee, in welchem Zeitraumen das absehbar sein wird? Herzlichen Dank für Ihre knappe Zeit!
Sehr geehrter Herr J., Ihre Frage kann ich nicht gut beantworten, weil man Wechselkurse kaum prognostizieren kann. Zum Glück für Sie hat die Schweiz nun beschlossen, ihre Währung gegen eine Aufwertung zu verteidigen. Ich würde die Dinge abwarten und auf eine Inflation in Österreich hoffen. Die Inflation würde ihr Einkommen vergrößern und insofern die Fremdwährungskredite wieder erträglicher machen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear Prof., The International Herald Tribune on 11 Aug, quoted excerpts from an article you wrote two weeks, stating that 'throwing money at Greece will only reduce incentives for the country to restructure its economy. If one were to look at many of the Asian economies, and in fact in the micro sense, at how Asian family units control their household budget, one would realise that we are totally responsbile for our own financial misdeeds. If we are not able to live within our monthly incomes, then the rule is very simple - scale down on the unnessary luxuries. Do not over spend. If we have to borrow, then make sure we pay it back as soon as possible and not to continue living like as if we are not in debt. It would seem here, and I am in agreement with you, that being in debt is not really a big problem, if there is always someone to bail you out. THe problem is when the citizens belive that the government has a never ending flow of money. They start to become pampered, lazy and live on welfare rather then having to work for it. It's time some of these governments realise that it is a great shame to be in such heavy debt. Live within your means and if you can't, do not expect others to bail you out evertime you overspend. What do you think Prof?
Dear Mr S., thank you very much for your comment. I agree with your opinion that citizens often demand too much from governments and that they ignore that also states do not have unlimited means. However, governments also often make promises too easily, since they have a limited time horizon. Thats why we need strict rules and in addition markets which react on failures. Best regards Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, mit großem Interesse habe ich Ihr gestriges Interview im Zusammenhang mit den jüngsten Maßnahmen zur sog. "Eurorettung" zur Kenntnis genommen. Zugegebener Weise ermangelt es mir dem wirtschaftlichen Sachverstand, um hier die Lage hinreichend beurteilen zu können. Gleichwohl erscheinen mir Ihre Ausführungen sehr plausibel insbesondere auch Ihre Arbeit zu den TARGET-Krediten. Nach jüngsten Medienberichten, sollen bei dem neuerlichen "Rettungspaket" die Zinsen auf 3,5 % gesenkt werden. Bedeudet dies, dass sich nur noch jene Staaten am EFSF beteiligen müssen, die sich zu einem Zinssatz von unter 3,5 % am Markt finanzieren können? Hieße das dann nicht, dass Frankreich rausfiele und am Ende nur noch die derzeit noch Zahlungskräftigen (insb. Deutschland) übrigblieben? Für Ihre Mühewaltung danke ich im Voraus. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr W., in der Tat werden die Zinsen die Griechenland, Irland und Portugal für Kredite aus den Rettungsmaßnahmen zahlen, gesenkt. Damit soll den Ländern die Anpassung erleichtert werden. Allerdings ist das aus Sicht der anderen Länder schon eine kräftige Unterstützung. Statt zu Marktpreisen, können sich die Länder im Rettungsschirm günstige Zinsen sichern. Technisch läuft die Kreditgewährung über den EFSF (European Financial Stability Facility). Er besorgt das Geld am Kapitalmarkt. Es haften dafür die Länder der Eurozone. Es ist also nicht so, dass jedes Land einzeln das Geld für die Rettungsmaßnahmen leiht. Daher ist es auch nicht so, dass sich am EFSF nur Länder beteiligen, die sich günstiger als zu 3,5 % am Markt finanzieren können. Mit freundlichen Grüßen Klaus Abberger
Lieber Herr Professor Sinn, Nachdem Sie und ich gemeinsam auf den Seminarbänken der Uni Mannheim bei Prof. Helten saßen, dasselbe gehört - vielleicht Unterschiedliches gelesen haben - und dabei zu grundverschiedenen Schlußfolgerungen gelangen, verfolge ich - als Sie alimentierenden Steuerzahler - mit immer weniger Verständnis Ihre Arbeit, Ihre Äußerungen und Argumentationen . Es liegt vielleicht daran, daß wir - mein Freund Edgar Moser-Fendel und ich - schon damals und in der Folge während unsere wissenschaftlichen und praktischen Tätigkeiten die Grundlagen der universitär vermittelten Lehr- und Lernstoffe skeptisch bis kritisch in Frage stellten. Sie hingegen und die anderen Kommilitonen der damaligen Mannheimer Studenten- und Assistenten-Generation, wie z. B. W. Franz, K. Zimmermann oder F. Dudenhöffer scheinen eher ungefragt den Annahmen, Darstellungen und Ausführungen neoliberaler Glaubenslehren - bis heute - zu folgen. Sie haben sich persönlich damit- bei der gläubigen Öffentlichkeit - eine Reputation geschaffen, weil insb. die vorherrschende Meinung in Industrie, Verbänden und Politik den vermeintlich "logischen" und richtigen Schlußfolgerungen dieser "falschen" Glaubenslehre überwiegend folgte. Es war bis heute ein einseitiger und bequemer Weg - mit fatalen Folgen in Geld- und Realwirtschaft für unsere Kinder und Kindeskinder. Ich frage Sie : Wie vermitteln Sie Ihren Kindern guten Gewissens die Tatsachen und die Lasten für unsere folgenden Generationen, die sich aus den ökonomischen Aktivitäten der letzten 3o Jahre u. a. auch aus der ständigen Vermittlung Ihrer Erkenntnisse auf Grundlage der neoliberalen Glaubenslehre ergeben haben ? Natürlich haben Sie auch häufig auf die Folgen ausufernder öffentlicher Verschuldungen hingewiesen - das erkenne ich immer wieder. Nur waren Sie in meinen Augen nicht konsequent genug - oder zu zurückhaltend - Ihr gläubiges Publikum über die zugrundeliegenden fehlerhaften Paradigmen des neoklassischen Wirtschafts- und Wachstumsmodells und die sich daraus ergebenden sozialen und politischen Folgen aufzuklären Würde das getan, ergäben sich einige wesentlich andere Schlussfolgerunge, die allerdings das Wert- und Machtgefüge kräftig ins Wanken brächten. Warum sind Sie z. B. nicht schon lange mit dem Vorschlag aufgetreten, in das deutsche Sozialsystem analog der Schweizer Praxis alle Einkunftsarten einzubeziehen. Die Erosion des weitestgehend aus Arbeitseinkommen gespeisten Sozialsystems mit u. a. der verheerenden Folge, daß dadurch eine Spirale zu immer weniger Nachfrage nach sozial abgesicherter Arbeit (Schwarzarbeit) entstand und dadurch die Basis für die Aufbringung der Beiträge bei gleichzeitig wachsender Basis der Leistungsempfänger aufgrund der demographischen Entwicklung schrumpfte, war mit den an der Universität Mannheim vermittelten ökonomischen Kenntnisse leicht abzusehen! Statt dessen lamentiert Herr Merz, vormaliger prominenter CDU Politiker, über die "Auswanderung"der Wähler aus den "Volksparteien". Die Zusammenhänge für die "Auswanderung" der sozial gesicherten Arbeit aus den Sozialversicherungssystemen, und damit ein wichtiger Grund für die zunehmende Staatsverschuldung, konnten Herrn Merz offenbar nicht vermittelt werden. Oder er nimmt sie , dann aber aus ideologischen Gründen in Kauf um damit die sich immer stärker entwickelnde Ungleichheit in der Einkommens- und Vermögensverteilung nicht thematisieren zu müssen Mit dem uns u. a. vermittelten kritischen Rationalismus sowie einem angelesenen Verständnis der Kapital-Akkumulation (Joan Robinson) hatten wir ein Rüstzeug ,den prahlerischen neoliberalen angelsächsischen Wirtschafts-Lehren (wie z. B. Laffer-Curve, Shareholder Value etc. - als pseudowissenschaftlich verkappten Thesen frühzeitig und grundlegend zu mißtrauen Zumindest für mich hat sich mit dem politischen Machtwechsel im Land Baden- Württemberg meine Reise über 30 Jahre kritischer Beobachtung in ein kleines Stück Optimismus für das Leben unserer Kinder verwandelt.
Sehr geehrter Herr F., Ihren Rundumschlag nehme ich zur Kenntnis. Aber nehmen Sie bitte auch zur Kenntnis, dass ich a) wissenschaftlich schon vor Jahrzehnten gegen die Behauptung angeschrieben habe, wir seien auf dem rechten Ast der Laffer-Kurve, wo niedrigere Steuern mehr Einnahmen bringen und b) in meinem Buch Kasino-Kapitalismus (Kapitel 4) nachweise, wieso die Idee des Shareholder Value die Zockerei der Banken verursachte. Kann es sein, dass Sie bei Ihren Aussagen Dinge durcheinander bringen oder mich vielleicht verwechseln? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
herr Sinn, Ich Wohne in US Bundesstaat Californien wir sind von Gruenen(liberal demokraten) beherrscht. die Arbeitslosigkeit quote ist 12.4% die staats und Kommunalkassen sind leer. Grosse Areale von fetten Agrarland werden Wueste. Tausenden von wohnhaeuser sind non den Banken versteigert. Californien ist deutschlands Zu kunft Vorsicht Robert N.
Sehr geehrter Herr N., vielen Dank für Ihre Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Professor, ich habe ihren Artikel in der SZ gelesen. Ich schätze Sie für ihre kritische Haltung zur causa Hellas sogar als Inselgrieche, trotzdem würde mich interessieren, ob man nicht eine schnelle und konstruktive Lösung für diesen ersten Krisenfall Europas finden sollte, anstatt hier die "Salami-Taktik" zu betreiben und unnötige Zeit zu verlieren. Europa funktioniert nun mal nicht nach dem Prinzip "wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass," - das gilt für die jetzigen Pleitestaaten, wie auch für die starken Volkswirtschaften, die viel zu lange zugeschaut haben. Warum nur hat es so lange gedauert, bis man auf die Idee gekommen ist, dass eine zentralisierte und vorausschauende Wirtschaftspolitik etwas für sich hat. Vor Jahren hat man "Europas verlängerte Werkbank" nach Kleinasien verlegt. Fernseher, Autos und Waschmaschinen werden nun in der Türkei gefertigt. Frage: Können wir nicht Produktionsstätten aus der Türkei zurück verlagern, um die Produktivität beispielsweise Portugals und Griechenlands wieder zu steigern oder ist diese Form der Wirtschaftslenkung naiv? Als Hotelier reagiere ich dieser Tage besonders bestürzt darauf, mit welcher Vehemenz die Türkei als Billig Reiseland wirbt und erhört wird (April Ausgabe Merian; in der April Ausgabe GeoSaison wirbt man neuerdings sogar für Nordzypern). Der griechische Tourismus (die einzig verbliebene "Industrie") ist rückläufig und wir können nur schwer mit der Türkei konkurrieren. Meiner Meinung nach müssten die Griechen günstiger, die Touristen vielleicht solidarischer werden, anstatt Griechenland jetzt auch noch zu meiden. Wunschdenken? Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar - MfG - M.S.
Sehr geehrter Herr S., als das Handelsblatt letztes Jahr fragte, wie man Griechenland helfen solle, schlug ich vor, wieder mehr Urlaub in Griechenland zu machen. Allerdings muss das Land dazu billiger werden. Das letzte Mal, als ich da war, war ich entsetzt. Mit zwei Personen ist man am Abend schnell mal 100 Euro los. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ich habe eine Frage bezüglich des Finanzsystems in den USA. Gibt es dort institutionelle Regelungen, welche explizit festsetzen wie bei einem möglichen Staatsbankrott vorzugehen ist? Hilft zum Beispiel Washington oder die FED mit einer Finanzspritze oder eventuell der IMF? Vielen Dank!
Sehr geehrte Frau V., der IWF hilft sicherlich nicht. Die Staaten werden weitgehend allein gelassen. Als die Stadt New York um das Jahr 1972 aufgrund der umfangreichen Sozialausgaben von Bürgermeister Lindsey Pleite ging (sie ist ökonomisch fast deckungsgleich mit dem Staat New York), musste sie ihre zukünftigen Steuereinnahmen an die Banken verpfänden. Europa richtet einen Rettungsmechanismus ein, den man in den USA nicht kennt, obwohl es noch gar kein Bundesstaat ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
URSACHE der Ausfälle der Not-Strom-Aggregate und damit der Reaktor-Kühlungs-Pumpen Sehr geehrte Damen und Herren, wir sind in keiner Weise bei der Atomkraftwerktechnologie engagiert und auch keine Atomkraftfans. Trotzdem möchten wir aus unserer Fachkenntnis heraus feststellen, dass die Reaktorkatastrophe in Japan vermeidbar gewesen wäre und die dortige Reaktor-Technik trotz Erdbeben und damit ausgelöstem Tsanami nicht hätte versagen müssen. Es war letztlich ein Versagen der Planer, die den Worstcase zu niedrig eingeschätzt hatten und deshalb nicht alle schon beim Bau nötigen aber auch jederzeit nachrüstbaren und ohne weiteres möglichen technischen Vorsorgemaßnahmen für den nun eingetretenen Ernstfall geplant und eingesetzt hatten. Das Tragische an der Reaktorkatastrophe in Japan ist, dass diese nämlich durch einfache technische Maßnahmen für wenige tausend Dollar hätte verhindert werden können. Die Ursache des Ausfalls der Reaktorkühlung ist nicht das starke Erdbeben, sondern das durch den Tsunami in das Reaktorgebäude eingedrungene Meerwasser, das die Notstromversorgung der Kühlungswasser-Umwälzpumpen irreparabel lahmgelegt hatte. Jeder Elektrikerlehrling im 1.Lehrjahr weiß, dass Wasser in elektrischen Anlagen Kurzschlüsse verursacht und damit ausser Funktion setzt.Die elektrische Notstromanlage besteht aus mehreren Dieselmotoren (in Fukushima mindetens 3 Stück je Anlage) die jeweils einen Stromgenerator antreiben, die im Notfall nach der Schnellabschaltung des Reaktors den Strom für die Kühlungs-Wasserpumpen liefern wenn die allgemeine Stromzufuhr zum Kraftwerk zusammenbricht. Das Tsunamiwasser hat also die Generatoren durch Kurzschlüsse irreparabel stillgelegt und wahrscheinlich auch die Dieselmotoren, wenn Wasser in deren Luftansaugschacht gelangt ist, wodurch der Motor "absäuft" und dadurch nicht mehr zum Laufen gebracht werden kann und sogar irreparabel beschädigt ist. Ein zusätzliches Problem sind wie gemeldet, die außerhalb des Gebäudes stehenden Dieseltanks die vom Tsunami weggeschwemmt wurden und die dadurch abgerissenen oder beschädigten Dieselzuleitungen. Der Atom-GAU in Japan wäre mit realtiv geringen Kosten absolut sicher verhindert worden durch einfache technische Vorsorge: 1.) Wasserdichte Notstrom-Generatoren (Tauchwasserdichtigkeit) zur Kurzschluss-Sicherheit und/oder absolut wasserdichtes, erbebenfestes Beton-Bauwerk um Generatoren und Dieselmotoren mitsamt Dieselbehältern. 2.) Notstrom-Generatoren mit Dieselmotoren die mindestens 10 Meter hohe Luftansaugschächten über der Normal-Meerwasserhöhe aufweisen. 3.) Erdbeben- und Tsunamisichere Dieselbehälter und Zuleitungen zu den Dieselmotoren im gemeinsamen wasserdichten Notaggregate-Gebäude. 4.) Zusätzliche manuelle Startmöglichkeit der Notstrom-Dieselmotoren mit wasserdichten Batterien und manuellen Schaltern ohne die ebenfalls wasserausfallgefährdeten Computersteuerungen. Mit freundlichen Grüßen German Gresser Intertronic Gresser GmbH - Innovation + Technology Eichendorffstrasse 4 / D - 97072 Wuerzburg / Germany
Sehr geehrter Herr Gresser, das sind wichtige Feststellungen. Es ist wirklich verblüffend und irritierend, wenn man solche billigen Lösungen nicht gewählt hat, obwohl dadurch die möglichen Schäden hätten vermieden werden können. Aber der Punkt ist: Die Kosten für die Verhütung trägt man selbst, während man die Schäden mangels Haftungsmasse gar nicht tragen muss. Die bleiben anderswo liegen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine Frage zur Giralgeschöpfung, um die sich ja viele Mythen ranken. Nehmen wir an die freien Liquiditätsreserven einer Geschäftsbank sind aufgebraucht und sie verkauft der Notenbank festverzinsliche Wertpapiere, um ihr Zentralbankguthaben wieder aufzufüllen. Kann die Geschäftsbank dieses Zentralbankgeld direkt an die Privatwirtschaft weiterverleihen oder kann dieses Zentralbankgeld nur dadurch in Umlauf kommen in dem die Geschäftsbank das Zentralbankgeld zum Beispiel für eine Kundenüberweisung verwendet, so dass die Empfängerbank dieses Zentralbankuthaben dann wieder im Zuge der Giralgeschöpfung weiterverleihen kann. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Liebe Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, die Bank kann das Zentralbankgeld verleihen. Dann wandert es aber nur zu einem Teil aus dem Bankensystem heraus, weil die Kunden es großenteils für Überweisungen innerhalb des Bankensystems verwenden. Man kann deshalb ein Vielfaches des Zentralbankgeldes verleihen, das man hat. Gäbe es keinen Bargeldabfluss, könnten Banken nach Belieben Kredite vergeben, ohne, dass sie das Geld haben. Sie müssen ja dann nie mit echtem Geld auszahlen. Das gäbe unweigerlich Inflation. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Bedeutung des Zinsmechanismus ist mir nicht ganz klar. Der Nominalzins setzt sich aus Inflation und Realzins zusammen. Der Zins entsteht am Markt durch Angebot und Nachfrage. Ein niedriger Zins macht Investitionen attraktiv, da sie sich schnell amortisieren und umgekehrt. Der Zins wirkt also antizyklisch und damit konjunkturglättend. So weit, so gut. Es gibt aber auch den Leitzins der Notenbank. Der Leitzins ist der Preis, den die Banken für von der Notenbank geliehenes Geld zu zahlen haben. Der variable Leitzins spiegelt sich also in variablen Refinanzierungskosten der Banken wider. Die Geldschöpfung ist aber kein Monopol der Notenbank. Die Geldschöpfung wird bereits zu über 90% (?) von den Geschäftsbanken betrieben. Durch das von den Geschäftsbanken geschöpfte Geld entstehen diesen aber keine Refinanzierungskosten. Warum orientiert sich der Marktzins dann so streng (tatsächlich oder vermeintlich) am Leitzins? Ist der Markt effizient, wird er die Inflation (die tatsächliche oder zu erwartende) und einen angemessenen Realzins (wovon hängt der eigentlich ab?) abbilden. Der Geldbesitzer wird einen Nominalzins kleiner als die Inflation (also negativen Realzins) auch nicht dulden. Die in den Wirtschaftsmedien geführte Diskussion, die EZB müsse wegen der steigenden Inflation in D die Zinsen anheben, könne dies aus Rücksicht auf die schwächeren Peripherie-Staaten aber nicht, schreibt dem Leitzins eine Rolle zu, die ich nicht nachvollziehen kann. Bildet der Markt die Verhältnisse realistisch und effizient ab, wird die durch eine Lohn-Preis-Spirale ausgelöste Inflation schon alleine deshalb konjunktur- und inflationsdämpfend wirken, weil die Unternehmen (ebenso Staat und private Haushalte) überproportional höhere Fremdkapitalzinsen zu zahlen haben (Zinsaufwand für Unternehmensanleihe heute ca. 6%, bei 3 Prozentpunkten mehr Inflation erhöht sich der Zinsaufwand um ca. 50%, die Inflation erhöht den Umsatz und die anderen Kosten aber nur um die 3%). Wir haben es bei einem höheren Lohn-Preis-Niveau also mit einer realen Aufwertung zu tun, die die Wettbewerbsfähigkeit reduziert und daher den abgeschafften Wechselkursmechanismus ersetzt. Die zentrale Frage lautet: Warum ist eine Leitzinserhöhung die notwendige Bedingung für die Bekämpfung der Inflation? Der Marktzins dürfte sich in dieser Konstellation vom Leitzins gar nicht oder kaum beeindrucken lassen. Vielen Dank für Ihre Mühe. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Müller, das Gesamtvermögen einer Volkswirtschaft besteht aus realen Vermögensgegenständen, die man anfassen kann, Forderungen gegenüber dem Ausland und Geld im Sinne von Bargeld und Girokonten. Dahinter stehen Eigenkapitalansprüche und Kredite. Das Bargeld wurde als Kredit von der Notenbank ausgegeben, das Giralgeld als Kredit von den Banken geschaffen. Der Wert der Bankaktien leitet sich u.a. durch den Wert der Kreditforderungen aus der Giralgeldschöpfung her, und auch die Notenbank könnte man durch den Barwert der Zinserträge, die sie erwirtschaftet, bewerten. Der Zins wird maßgeblich durch die Forderungen der Kreditgeber und die Nachfrage der Kreditnehmer bestimmt. Über den Leitzins der EZB wird der kurzfristige Zins festgelegt, denn zu diesem Zins gewährt die EZB Kredit mit selbst gedrucktem Geld. Senkt sie den Zins, kann mehr neuer Kredit nachgefragt werden, als an neuen Ersparnissen von den Kreditanbietern kommt. Die Wirtschaft expandiert. Freilich ist die Voraussetzung, dass die Leute das Mehr an Geld, das sie sich leihen, nicht einfach auf ihrem Konto halten und sich der größeren Liquidität erfreuen. Heute ist der Zins schon fast null. Die Annehmlichkeiten der hohen Liquidität veranlassen viele, das Geld zu halten, statt es auszugeben. Die Notenbank hat dann kaum noch einen Einfluss auf die Wirtschaftstätigkeit. In Amerika, wo der Leizins praktisch Null ist, sehen wir das ganz deutlich. Oder auch in Japan, wo er schon 12 Jahre null ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Professor! In "Mross Daily News" vom 21.12.2010 im Internet habe ish unter anderem auch Folgendes gelesen: "Menschliches Glück lässt sich nicht messen – zu dieser Erkenntnis kommt ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Bruttoinlandsprodukt hätte durch einen Wohlfahrtsindikator ersetzt werden sollen, um qualitative Aspekte des Lebens zu messen." Wo kann ich dazu etwas im Original lesen, da mir der Ansatz bemerkenswert scheint. Sind Sie vielleicht der Betreuer jener Forschungsarbeit gewesen, für die ein Student aus Dresden in diesem Jahr einen Preis bekam - seine Ansichten scheinen drauf hinzudeuten. Mit freundlichen Grüßen Siegfried Newiger
Sehr geehrter Herr Newiger, mein Kommentar bezog sich auf das Gutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu diesem Thema. Sie können es per Google finden. Mit freundlichen Grüßen zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Jean-Claude Juncker zum EU-Beitritt der Schweiz Jean-Claude Juncker hat sich in einem Interview mit „Die Zeit“ klar für einen Beitritt der Schweiz zur EU ausgesprochen. Damit befördert Juncker wie so viele Berufspolitiker aus der EU, die die Eidgenossenschaft gerne als Mitglied sähen, die Meinung jener stark überwiegenden Mehrheit in der Schweiz, die eine Mitgliedschaft vor allem deshalb ausschliesst, weil die kleine Schweiz und die grosse EU in sehr unterschiedlicher, inkompatibler Weise regiert werden. Es gibt bis auf weiteres keine Alternative zu einer friedlichen und offenen Zusammenarbeit. Juncker mag richtig liegen, wenn er die SVP-Position als grundsätzlich perspektivlos bezeichnet. Er befindet sich jedoch total auf dem Holzweg, wenn er meint, eine Nicht-Mitgliedschaft der Schweiz in der EU finde nur in nationalistischen bis xenophoben Kreisen ihre Anhänger. Verfechter offener Märkte, für die ‚gross‘ bei weitem nicht immer und schon gar nicht automatisch ‚gut‘ bedeutet, bietet die EU wenig Attraktion. Das Machbarkeitsprinzip hat dort einen viel zu hohen Stellenwert. Den Schaden daraus können ‚wir‘ beinahe täglich mitverfolgen. Die Attraktion eines Beitritts ist in jüngerer Zeit auch deshalb kleiner geworden, weil zunehmend das politische Duopol von Paris und Berlin meint, ‚Europa‘ de facto im Alleingang zum Wohlstand führen zu dürfen. Das hat ja Jean-Claude Juncker selbst erfahren, indem er etwa von Präsident Sarkozy wie ein Schulbube abgekanzelt wurde. So wie sich Präsident Chirac vor Jahren pauschal gegenüber den ehemaligen Ostländern als Peiniger aufspielte. Eine Nicht-Mitgliedschaft mit ‚totaler Abschottung‘ gleichzusetzen, ist Unfug. Man befrage dazu insbesondere Unternehmer im Süddeutschen Raum. Mich dünkt, bei Jean-Claude Juncker seien die Nerven nun etwas angespannt. Ich kann das verstehen. Denn: Falls sich die Hiobsbotschaften zum Euro im gegenwärtigen Rhythmus weiterziehen, wird sich der Eurogruppen-Präsident nicht mehr den vermeintlichen Sorgen der prosperierenden Schweiz, sondern wieder vollumfänglich seinem übergrossen Zuständigkeitsbereich widmen. Und wer weiss: vielleicht kommt er dann auch davon weg, etwa jeden dritten Tag einen neuen Vorschlag zu machen, der jeweils Schuldenprobleme mit neuen Schulden lösen soll. Vielleicht kommt er auf die Idee, dass es grundsätzlich ‚nur‘ drei Möglichkeiten für die Auflösung des selbstverschuldeten Schlamassels dieser unsäglichen Euro-Zwängerei gibt: Die EZB kauft in noch grösserem Ausmass und anhaltend Schulden der Gross-Schuldenländer. Sie ist dabei schon weit ‚fortgeschritten‘ und tönt an, sie brauche für die Fortführung mehr Mittel. Genannt wird dies ‚Flexibilisierung‘. Die EU wird zum Bundesstaat. Ohne neuen Vertrag wird dies nicht zu bewerkstelligen sein. Die Aussichten dafür sind, vorsichtig ausgedrückt, ungünstig. Stichwort: Deutsches Verfassungsgericht. Schliesslich und vorteilhafterweise wird sich auch in EU-Kreisen die Meinung und Haltung schrittweise verbreiten, dass ‚gross‘ nicht in jedem Fall ‚gut‘ sein muss. ‚L’Europe à deux vitesses‘ (mindestens !) wird wieder ein Thema werden. Auch de jure. De facto haben ‚wir‘ dies längst. Und dann, aber erst dann, wird ein luxemburgischer Premierminister mit etwas Aussicht auf Erfolg den schweizerischen Souverän zu einem Beitritt oder jedenfalls zu noch engerer Zusammenarbeit einladen und animieren können. Erich Heini, Luzern (ehemals Wirtschaftsredakteur und Auslandkorrespondent der „NZZ“ sowie Pressechef der Schweizerischen Nationalbank unter Fritz Leutwiler von 1976 bis 1985)
Sehr geehrter Herr Heini, vielen Dank für Ihre sehr erwägenswerten Überlegungen. Ich wünsche Ihnen alles Gute zum vierten Advent und Frohe Weihnachten. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrer Beantwortung der Frage (17.11.2010), ob in einer Wirtschaft Investitionen ausschließlich mit inländischen und ausländischen Ersparnissen zu finanzieren seien, also I = S - (Ex - Im), bestätigten Sie dies. Falls I größer S - (Ex - Im), gibt es eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachten Geld finanzieren. Nun meine Frage: Angenommen eine prosperierende Volkswirtschaft (dynamische Bevölkerungsentwicklung, wachsende Wertschöpfung und Produktivität)hat einen erhöhten Kapitalbedarf, den sie mit der eigenen Ersparnis nicht decken kann. In diesem Fall wäre sie auf ausländisches Kapital angewiesen und hätte ein Leistungsbilanzdefizit, damit I = S - (Ex -Im). Wenn das ausländische Sparkapital nun aber z. B. aus politischen Gründen nicht für die notwendigen Investitionen zur Verfügung steht, dann könnte der Staat die Lücke doch "mit der Druckerpresse" stopfen ohne dass daraus zwangsläufig eine Überschussnachfrage mit Inflation resultiert. Denn der zusätzlichen Nachfrage nach (Investitons)gütern stünde aufgrund der inneren dynamischen Entwicklung (Produktivitätsanstieg) auch ein entsprechendes zusätzliches Angebot gegenüber. Die Frage wäre natürlich, ob diese Lösung akzeptiert würde. Mit freundlichen Grüßen Peter Busse
Sehr geehrter Herr Busse, wenn I größer S durch die Druckerpresse bedient wird, gibt es eine Überschussnachfrage, die Inflation macht, weil die Ressourcen im Umfang dieser Differenz ja nicht aus dem Ausland kommen. I minus S ist der Überschuss der Nachfrage über die eigene Produktion, weil S der Teil der Produktion ist, der nicht konsumiert ist. Mit freundlichem Gruß zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin derzeit verwundert, dass sich ganz Deutschland über unseren Exportüberschuß freut. Exportüberschuß bedeutet doch im Endeffekt Ware aus dem Handelsraum raus - Geld rein, bzw. am Ende steht mehr Geld weniger Ware gegenüber also nach allem was ich gelernt habe müsste die Gleichung lauten Exportüberschuß = Inflation. Dazu müssen die Exporteure noch massenweise dafür arbeiten ohne am Ende etwas dafür zu haben (über die Summe der deutschen gesehen, nicht auf die einzelnen bezogen). Zur Betrachtung der tatsächlichen Inflation muss jetzt allerdings das Spektrum der bewerteten Produkte um Finanzprodukte wie Aktien, Fonds und Staatsanleihen erweitert werden, da gerade hierhin in der Vergangenheit massiv Geld abgeflossen ist (auch staatlich provoziert durch die Riesterrente und ähnliches). Ich denke, dass dies einfache Gedanken sind, habe diese jedoch noch nie diskutiert gehört. Können Sie mir sagen weshalb wir uns das ganze dennoch dauerhaft schönreden?
Sehr geehrter Herr Maier, fast haben Sie recht, aber nicht ganz. Man kriegt kein Geld für die Exporte, sondern Wertpapiere, also Ansprüche gegen Ausländer, die später gegen Waren einlösbar sind. Das ist nichts, was die Inflation treiben könnte, jedenfalls nicht bei uns. In den Schuldnerländern ergibt sich ein Anreiz, sich der Rückzahlungsverpflichtung durch Infaltion zu entziehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Altkanzler Helmut Schmid kritisiert, dass Frau Merkel beim Aufkommen der Finanzkrise in Griechenland nicht sofort Ihre Solidarität bekundet hat, um dadurch den Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Er spricht Merkel und Schäuble in Teilen das Format ab, genug von den Zusammenhängen der Finanzmärkte, des Bankensystems, sowie von nationalen und internationalen Fragen zu verstehen. Jean Claude Junker hingegen, dem Fan für Euro Bonds, hält unser Altkanzler wohl für einen großen Staatsman mit genügend Überblick. Ich meine, unabhängig von der fachlichen Qualifikation von Merkel und Schäuble, bezweifle ich, ob Helmut Schmidt über die Urteilskraft verfügt, die er anderen abspricht. Gerade als studierter Ökonom sollte er doch erkennen, dass mit sofortigen Solidaritätsversprechen und Euro Bonds der Kapitalexport aus Deutschland heraus perpetuiert wird und Deutschland Güter gegen Zahlungsversprechen eintauscht, für die es auch noch selbst bürgen muß. Mit freundlichem Gruß, K.
Lieber Herr K., inhaltlich haben Sie völlig recht. Dass der Gläubiger für die Bonität seines Schuldners bürgen soll ist pervers. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich las mehrere Bücher von Ihnen und erlebte Sie in Fernsehdiskussionen. Da Sie jemand sind, der sich traut, visionäre Ideen zu formulieren und in die Öffentlichkeit zu tragen, sende ich Ihnen anbei eine Kopie einer E-Mail zu, die ich an alle Abgeordneten des deutschen Bundestages mit der Bitte schickte, sich ernsthaft mit meinem Lösungsansatz "Englisch als offizielle zweite Amtssprache einführen" zu beschäftigen. Mir geht es darum, dass möglichst schnell möglichst viele Entscheider aus Wirtschaft und Politik sich mit meinem Lösungsansatz auseinandersetzen und er hoffentlich irgendwann in die Öffentlichkeit getragen wird, um breitflächig und hoffentlich sachlich diskutiert zu werden. Verantwortungsvolle Eltern, die ihren Kindern eine gute Ausbildung als Vorbereitung für einen erfolgreichen Berufsstart zukommen lassen wollen, werden mir bestimmt in vielen Punkten zustimmen. Wenn Sie finden, dass an meinen Gedanken etwas dran ist, so finden Sie bestimmt einen Weg, die Idee in die Öffentlichkeit zu tragen. Wenn Ihnen meine Idee nicht behagt, so wäre ich um eine kurze Rückantwort dankbar, warum Sie wenig oder nichts davon halten. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schlüter
Sehr geehrter Herr Schlüter, haben Sie herzlichen Dank für Ihre interessante Email. Ihre Idee, die englische Sprache in Deutschland als zweite offizielle Amtssprache einzuführen, um die Attraktivität des Landes für ausländische Arbeitnehmer zu erhöhen, ist nachvollziehbar. Inwiefern die Bürokratiesprache eines Landes die Entscheidung eines Arbeitnehmers zur Migration in dieses Land beeinflusst, ist jedoch zu prüfen. Intuitiv scheinen privatwirtschaftliche Gründe, insbesondere die Attraktivität der Arbeitsplätze in deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich, als die wichtigeren Entscheidungskriterien. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zum Thema Geldschöpfung habe ich eine Verständnisfrage. Die Banken können per Kredit Geld aus dem Nichts schöpfen. Es gibt dabei diverse Restriktionen, z.B. den Mindestreservesatz der Notenbank oder das Eigenkapital der Bank. Die Banken insgesamt können aber ein Vielfaches der Spareinlagen als Kredit vergeben. In den Einführungskursen der VWL wird aber gelehrt, dass in einer geschlossenen Wirtschaft Ersparnisse und Investitionen gleich seien (S=I) bzw. in einer offenen Wirtschaft (S-I=EX-IM). Ein Unternehmen kann aber doch nicht nur Unternehmensanleihen ausgeben, um die Investitionen zu finanzieren, sondern ebenso einen klassischen Bankkredit aufnehmen. Damit dürfte die Wirtschaft (ob geschlossen oder offen) nicht ausschließlich von inländischen und ausländischen Ersparnissen abhängig sein. Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Müller, doch, investieren kann man nur mit Ersparnissen. Die Kreditschöpfung der Banken ist ein Einmaleffekt. Abhängig von den Zahlungssitten und den regulatorischen Details wird in Relation zur Geldbasis (Zentralbankgeld in den Händen der Privaten) eine bestimmt Gesamtgeldmenge M1 geschaffen (Bargeld in den Händen privater Nichtbanken und Sichtdepositen bei Banken). Der Kredit aus dem Nichts ist ein zusätzlicher Geldbestand, der zirkuliert, aber nicht für Investitionen zur Verfügung steht, außer er wächst schneller als das Transaktionsvolumen, weil die EZB die Geldbasis schneller wachsen lässt. Dann ist ex ante tatsächlich I größer S - EX + Im, und es gibt eine Überschussnachfrage mit Inflation. Die Inflation frisst das reale Geld wieder auf und verhindert so, dass Banken Investitionen mit selbstgemachtem Geld finanzieren. Auch wenn die Geldbestände relativ zum Transaktionsvolumen kleiner werden, kann diese Ungleichung temporär gelten. Ich hoffe, dies beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, in großer Hoffnung wende ich mich an Sie. Können Sie mir kurz was zu dieser These sagen? "Die Segmentierung des Emissionsmarktes sowie Regulierungsüberlagerung von Emissionshandelssystemen und Ökosteuer führen dazu, dass die Kosten der Klimapolitik steigen." haben Sie vielen Dank für Ihre Mühen. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau W., Ihre Vermutung stimmt. Das habe ich ausführlich in meinem Buch Das grüne Paradoxon aus dem Jahr 2008 begründet. Der Emissionshandel setzt den gleichen Preis für Schadstoffemission und führt deshalb zu einer kostenminimalen Vermeidung. Zusätzliche Regulierung führt zu einer Abweichung von dieser Lösung, ohne die Gesamtemission beeinflussen zu können. Also steigen die Kosten der Vermeidung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was würden Sie der amerikanischen Regierung und der FED raten, um sich aus ihrer prekären Finanzsituation zu befreien? Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, der Wahrheit ins Auge sehen und einen Prozess der Schrumpfung des Lebensstandards durch Austerity-Programme und Budgekürzungen einleiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Zu Ihrer Information: Auf der Seite http://www.energie-lexikon.info/ag_klimaschutz.html habe ich eine Kritik ihrer Argumentationskette im NZZ-Interview vom 05.06.2010 veröffentlicht. Ich bin entschieden der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Argumentation schwer daneben liegen, verspreche aber gleichzeitig, diese Ansicht und den Artikel umgehend zu korrigieren, wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich will Ihrer Aufforderung gerne nachkommen. Sie verweisen darauf, dass die Ölscheichs auf Preissenkungen mit einer Angebotseinschränkung reagieren. Das ist richtig, sofern es um eine temporäre Preissenkung geht. Die Scheichs vergleichen nämlich die Barwerte der erwarteten Preise für alle Zeitpunkte und planen dort zu verkaufen, wo der Barwert am höchsten ist. Fällt in einer Periode der Preis, reagieren sie stark negativ mit den Mengen. Temporäre Preisschocks verursachen also Mengenreaktionen. Anders ist es bei permanenten Preisschocks. Wenn der Barwert des Preises für alle Perioden in gleichem Umfang sinkt, kann man nicht mehr ausweichen. Dann gibt es keine Mengenreaktionen. Die Mengenreaktionen können dann sogar falsch herum gehen in dem Sinne, dass man bei Preissenkungen mehr anbietet. Das ist genau dann der Fall, wenn erwartet wird, dass einer die Ökosteuern im Laufe der Zeit immer stärker werden und der Barwert des Preises für zukünftige Perioden mehr sinkt als in der Gegenwart. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Dikussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Im NZZ-Interview haben Sie nicht mit Barwerten argumentiert, sondern mit Produktionskosten, was wirklich Ihre Thesen nicht untermauern kann. Nun verwenden Sie das Barwert-Argument, das immerhin viel besser ist, aber viel zu simpel, um die Realität damit vernünftig zu erfassen. Ich führe das kurz aus. Die Realität auf dem Ölmarkt - begrenzte Kapazitäten bei steigender Nachfrage sowie extrem unterschiedliche Förderkosten - bilden Sie in Ihren allzu simplen Modellen nicht angemessen ab. In 2008 hat die Nachfrage die Produktionskapazitäten fast ausgeschöpft, deswegen auch die nervösen Preisausschläge. Wenn die Wirtschaftskrise demnächst endet, sind wir sofort wieder an diesem Punkt, und die Preise werden wieder explodieren - bald womöglich noch weit mehr als je gesehen. Das gibt dann Anreize für die Aufnahme zusätzlicher, teurer und häufig extrem umweltschädlicher bzw. gefährlicher Produktionsprojekte - z. B. Ölsande, Tiefseebohrungen oder auch Kohleverflüssigung. Wenn wir durch Sparbemühungen dies verhindern oder zumindest dämpfen, ist für das Klima sehr viel gewonnen. Nebenbei auch für unsere Volkswirtschaft. Ihr Barwert-Argument geht an diesen Sachverhalten völlig vorbei. Gerade wenn es uns gelänge, etwa durch flächendeckende CO2-Steuern die Barwerte des Öls dauerhaft wesentlich zu senken, würde das jede Menge zusätzlicher extrem umweltschädlicher Produktion verhindern. (Sie haben also übersehen, dass es sehr wohl Projekte gibt - vor allem zukünftige - deren Produktionskosten viel höher liegen als etwa in OPEC-Ländern.) Absolut Recht gebe ich Ihnen aber in einem: Eine Dämpfung der Nachfrage durch Energiesparbemühungen (mit den bis heute genutzten Methoden) wird kaum so stark ausfallen können, dass dies für den Klimaschutz genügt. Deswegen brauchen wir in der Tat dringend Cap & Trade oder ähnliche ergänzende Mechanismen. Erst durch diese kann das Energiesparen ausreichend effektiv werden, um das Klimaproblem zu entschärfen. Das ändert aber nichts daran, dass energische Bemühungen um Energieeffizienz und -einsparung schon vor Cap & Trade sehr nützlich sein werden - allein schon deswegen, weil man die Caps niedriger ansetzen kann, wenn sich die Wirtschaft schon etwas darauf vorbereitet hat. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich empfehle Ihnen, wenn Sie tiefer einsteigen wollen, die Lektüre eines Ökonomie-Lehrbuches zum Stichwort Hotelling-Regel. Sie werden feststellen, dass da kein Widerspruch zur Extraktionskostenbetrachtung ist. Das entscheidende Argument gegen Ihres habe ich Ihnen gegeben. Ich weiß nicht, was Sie mit meinen Modellen meinen. Welchen meiner Aufsätze meinen Sie? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: 2. Fortsetzung der Diskussion mit Herrn Rüdiger Paschotta) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Ich meinte ganz einfach gedankliche Modelle, wie wir sie alle in mehr oder weniger angemessener Form für unsere Überlegungen benutzen. Gegen die Hotelling-Theorie habe ich auch nichts Grundsätzliches einzuwenden, nur gegen das Ausblenden wichtiger anderer Aspekte, die damit nicht berücksichtigt sind. Leider sehr ich in Ihren Rückmeldungen nichts, was diverse von mir kritisierte Punkte substanziell berührt: - Etwa den Umstand, dass die Förderkosten nicht wie von Ihnen behauptet überall extrem niedrig sind, sondern bei neuen Projekten so hoch sind, dass dies häufig die Realisierung be- oder verhindert. - Ebenso, dass dies meist die Projekte mit den größten Umweltbelastungen sind, dass deren Verhinderung also dem Klima sehr wohl zugute kommt. - Weiter, dass die heutigen Klimaschutzbemühungen, so unvollkommen sie sein mögen, eine wichtige Vorbereitung auf ein späteres, richtig greifendes Cap & Trade-Regime sind, da man offensichtlich niedrigere Caps durchsetzen kann, wenn man schon ein Stück weit in diese Richtung gegangen ist. Caps fallen nicht vom Himmel, sie müssen politisch ausgehandelt werden und werden von gemachten Erfahrungen beeinflusst. Übrigens auch von Forderungen nach anderen Maßnahmen: Es braucht viel politischen Druck. Und politisch betrachtet ist es eben verheerend, viele Leute dazu zu verleiten, dass sie einfach mal nichts tun und warten, bis irgend jemand (wer denn?) auf irgend eine Weise ein wirksames Cap & Trade-Regime weltweit installiert. Sie können ihnen ja auch nicht sagen, wie das gehen soll. Ihr Endziel ist ja gut, das will ich auch, und bis wir es erreicht haben, setze ich mich energisch für Schritte in die richtige Richtung ein. (Selbstverständlich nicht für wirkungslose Maßnahmen, nur um das eigene Gewisse zu beruhigen.) Sie mögen ja die ökonomischen Theorien bestens verstehen, berücksichtigen aber leider einfach diverse Umstände nicht, die essenziell für die Beurteilung der Lage und möglicher Maßnahmen sind. Gleichzeitig werfen Sie anderen Leuten Oberflächlichkeit vor - das passt wirklich nicht zusammen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, bei den Modellen weichen Sie aus, und das wissen Sie auch selbst. Sie geben mir nicht den Eindruck, dass Sie die kritisierten Modelle kennen. Sie haben gesagt, Sie würden Ihre Ansichten revidieren, wenn ich Sie überzeugen könnte. Doch haben Sie Ihren Beitrag parallel bereits der NZZ geschickt, bevor ich überhaupt eine Chance hatte, Sie zu überzeugen. Ihre Aussage, dass Sie bereit sind, sich überzeugen zu lassen, nehme ich Ihnen deshalb nicht mehr ab. Dennoch hier ein letzter Versuch. Die Rolle der Förderkosten sehen Sie leider falsch. Ich verweise Sie auf die beiliegende Studie von Karl zu den wirklichen durchschnittlichen Förderkosten. Die liegen alle nur bei Bruchteilen der Preise. Dass der Preis der limitierende Faktor für die profitable Extraktionsmenge ist, ist für erschöpfbare Ressourcen im Gegensatz zu reproduzierbaren Gütern grundsätzlich nicht wahr. Würden Sie die intertemporalen Modelle kennen, wüssten Sie das. Ressourcenpreise sind Knappheitspreise, die fast nichts mit den Förderkosten zu tun haben. Richtig ist, dass es im Einzelfall in einer großen Weltwirtschaft auch Lagerstätten geben mag, deren Abbau durch das Grenzkostenkriterium gesteuert wird, weil die Eigentümer keinerlei intertemporale Erwägungen mehr anstellen. Das kann z.B. dann der Fall sein, wenn sie die Enteignung durch nationale Politik, ihren eigenen Machtverlust oder die Enteignung durch grüne Politik in der Zukunft erwarten. Doch werden diese Mengen im Gleichgewicht der Märkte stets durch die Minderproduktion der Standardanbieter kompensiert, weil die Mengen der nicht intertemporal optimierenden Anbieter die Preise heute drücken und sie morgen erhöhen, so dass es für Normalanbieter rentabel wird, eine vollkommene Substitution der Mengen vorzunehmen, bis die erwartete Preissteigerungsrate der Bestände in Situ wieder die Marktverzinsung bringt (Standardresultat der intertemporalen Modelle der Hotelling-Welt). Im Übrigen, wenn schon die drohende Enteignung durch grüne Politik hinter dem Verzicht auf intertemporale Optimierung ist, so würde sich ja schon hier das grüne Paradoxon zeigen. (Ankündigung grüner Politik führt heute zu Angstverkäufen.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, in einem Forumsbeitrag sagen Sie, dass die Schuldenquote gegen den Steady-State-Wert (Quotient aus Defizitquote und Wachstumsrate) strebt. Ich komme allerdings zu dem Ergebnis, dass die Schuldenquote gegen unendlich strebt, wenn die Defizitquote größer ist als die Wachstumsrate. Bei identischen Raten komme ich auf den Grenzwert 1, also Schuldenquote 100 %. Vielleicht habe ich mich auch verrechnet. Ich habe einfach den Grenzwert von folgendem Quotienten ermittelt: Zähler: S + W((1+f)hoch n -1) Nenner: W (1 +g) hoch n mit S=Schuldenstand, W=Wirtschaftsleistung, f=Defizitquote, g=Wachstumsrate Vielen Dank für Ihre Mühe.
Sehr geehrter Herr Müller, Sie verlangen jetzt zuviel, wenn ich den Beweis, der sich der Methode der Differenzialrechnung bedient, hier im Email darlege, zumal man da keine Formeln schreiben kann. So, wie Sie es rechnen, kann man nicht vorgehen, denn der Schuldenbestand im Zähler wächst ja nicht mit einer konstanten Rate, selbst wenn die Wirtschaftsleistung das tut. Nur der absolute Zuwachs der Schulden wächst immer mit der Rate der Wirtschaftleistung. Allerdings nähert sich die Wachstumsrate des Schuldenbestandes allmählich der Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung an. Diese Heuristik mag hilfreich sein. Stellen Sie sich vor, Sie geben jedes Jahr eine bestimmte Kartoffelmenge zu einem schon vorhandenen Haufen dazu, die selbst wiederum mit einer festen Rate wächst. Dann wächst auf die Dauer auch der ganze Haufen so schnell wie die pro Jahr hinzu gegebene Kartoffelmenge, und zwar unabhängig davon, wie groß der Anfangshaufen war. War der anfängliche Haufen groß, nähert sich die Wachstumsrate des Haufens von oben der Wachstumsrate des Zuwachses an Kartoffeln an, war der anfängliche Haufen klein, nähert sie sich von unten an. Die Regel ist: "Eine Größe wächst auf die Dauer so schnell wie ihr Zuwachs wächst." Im konkreten Fall ist die Zuwachsrate der Kartoffelmenge, also des Schuldenbestandes, auf die Dauer stets so groß wie die Wachstumsrate des Sozialprodukts. Also geht der Quotient aus Schulden und Sozialprodukt, die Schuldenquote, auf jeden Fall gegen einen festen Grenzwert, sofern die Wachstumsrate des Sozialprodukts größer Null und konstant ist. Der Quotient kann also nie gegen unendlich gehen, wie Sie vermuten. Das hat der englische Ökonom Evsay Domar schon in den frühen 50er Jahren herausgefunden. Die Größe der Schuldenquote, gegen die das System im Laufe der Zeit strebt, wird durch den Quotienten aus Defizitquote und Wachstumsrate angegeben. Bei 5% nominalem Wachstum und 3% Defizitquote geht also die Schuldenquote asymptotisch gegen 60% (=3%/6%). Das sind die Zahlen, die beim Stabilitäts- und Wachstumspakt zugrunde lagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ich finde es bedauerlich, daß die deutsche Industrie sich den Orden "Exportweltmeister" anheften läßt und nicht merkt, daß sie mit diesem für einen Teil Ihrer Leistung bezahlt wird; dh. Lob statt Bezahlung. Wenn ein Land mehr Waren liefert als es bekommt, dann hat es einen Anspruch auf Lieferung der Differenz. Dieser Anspruch liegt als verbrieftes Guthaben auf der Bank. Da jedoch offen ist, ob der Schuldner, der das Guthaben bedienen muß, dies auch tut, wäre es besser, eine ausgeglichene Handelsbilanz zu haben. Es ist nämlich vorzuziehen, die Ware im Haus zu haben als eine offenstehende Forderung. So viel aus der Sicht des Lieferanten.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die Dinge auf den Punkt! Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich habe Ihre Kritik am "750bn Rettungssschrim fuer den EURO" gelesen und moechte Sie ausdruecklich unterstuetzen. Ihre Analyse zu diesem Vorgehen unserer politischen Klasse -ueber Nacht an einem Wochenende den Einstieg in die Trasnferunion zu entscheiden sowie die EZB in ihrer Unabhaengigkeit zu beschneiden- ist ein Ding der Unmoeglichlkeit. Das dem Bundestag vorgelegt Kreditermaechtigungsgesetz ist ebenso untragbar. Keine der Massnahmen bekaempft wirkungsvoll Ursachen der Krise. Das ist das Schlimme, und der deutschen Volkswirtschaft, den Buergern, wird erheblicher Schaden zugefuegt (Verschuldung) sowie die Stabilitaet unseres Geldes langfristig gefaehrdet. Einzig richtiger Weg waere eine planmaessige Schuldenrestrukturierung betroffener Laender gewesen (iVm Pariser Club, IMF, Glaeubigern...) Danke dass Sie sich offen positioniert haben. Leider agieren unsere Politiker mit immer weniger oekonomischem Sachverstand nach dem Motto "was nicht sein darf das nicht sein kann" bzw "nach mir (meiner Legislaturperiode) die Sintflut". Die Quittung ist bei den naechsten Landtags- bzw Bundestagswahlen zu erwarten. Mit freundlichen Gruessen, Jochen Huppert Kfm. Geschaeftsfuehrer eines mittelstaendischen Unternehmens Backnang, Deutschland
Sehr geehrter Herr Huppert, vielen Dank für die Unterstützung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn : Ihren Ausführungen zum Verbot von Leerverkäufen, die ich mit Interesse gelesen habe, möchte ich folgendes hinzufügen. Der Verkauf von geliehenen Wertpapieren verfälscht den Markt ebenso wie der echte Leerverkauf; mit dem Unterschied, daß letzterer vor Börsenschluß glattgestellt werden muß. Die Verfälschung der Marktlage besteht darin, daß Wertpapiere auf dem Markt erscheinen und auf den Kurs drücken, obwohl der Besitzer diese gar nicht verkaufen will. Der Leerverkäufer hat sich mit geliehenen Aktien eine Macht verschafft, die er aus eigenem Vermögen nicht hat. Und das im Verborgenen! Diese Täuschung des Marktes ist der erste Makel. Nun ist davon auszugehen, daß der Leerverkäufer mit seiner Spekulations-Richtung richtig liegt. Er beschleunigt dann eine Entwicklung, die später doch eingetreten wäre. Damit verhindert er aber einen langsamen, also sanften Verlauf, und nimmt der Wirtschaft die Möglichkeit, sich anzupassen. Das ist der zweite Makel. Viele Grüße Klaus Friebe PS. Die Contra-Ausführungen von Thomas Mayer von der Deutschen Bank sind reine Rabulistik.
Sehr geehrter Herr Friebe, Sie bringen die beiden Hauptaspekte auf den Punkt. Ich stimme Ihnen dabei vollständig zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze Ihre geschliffene Kritik, so wie die o.g. aktuelle, sehr! Sie hätten m.E. noch weiter gehen können. Der zweifellos durch unser Land dominierte europäische Rettungsschirm birgt zwar das Potential für eigene Verluste, jedoch auch die (viel größere-) Gefahr einer zukünftigen politischen Dominanz Deutschlands in Europa und darüber hinaus.... Davor fürchtete ich mich als überzeugter Europäer viel mehr als vor den Verlusten bei französischen oder deutschen Banken. Es wird wieder einmal Zeit, sich an eine nicht allzu ferne Vergangenheit zu erinnern, in größeren Zusammenhängen zu denken und möglichen Anfängen zu wehren. Diese Situation stimmt mich sehr nachdenklich. Viele Grüße Priv.-Doz. Dr. Charles Dewey
Sehr geehrter Herr Dewey, das ist ein interessanter Gesichtspunkt. Sie meinen, die Länder würden von Deutschland abhängig. In der Tat ist auch das eine der problematischen Implikationen. Schuldner mögen Ihre Gläubiger meistens nicht besonders. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Prof. Sinn, ich verstehe den Zusammenhang zwischen fallender Umlaufrendite deutscher Staatsanleihen und den gegebenen Garantien nicht. Eigentlich haben unsere Parlamentarier mit dem größten "All in" aller Zeiten doch massiv das Risiko bei Investition in unsere Staatsanleihen erhöht. Wieso steigen denn aber die Kurse? Womit rechnen die Märkte? Mit freundlichen Grüßen, Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, die Märkte schätzen nun das Risiko von Anlagen in den Ländern der südwestlichen Peripherie Europas und in Amerika wesentlich höher ein als früher. Das treibt die Zinsspreads im Vergleich zu Deutschland hoch. Die Zinsen im Rest Europas steigen, doch in Deutschland fallen sie, weil Deutschland als der sichere Hafen gilt, zumal es bei dem Anlage suchenden Geld ja im Wesentlichen um unsere eigenen deutschen Spargelder geht. Deutschland war nun mal diesseits und jenseits des Atlantik der bei weitem größte Kapitalexporteuer. Investiert wurde hier nur noch wenig. Das alles ändert sich nun. Das Kapital drängt auf den Inlandsmarkt und begnügt sich mit niedrigsten Renditen, was hierzulande mittelfristig einen Bauboom auslösen wird, so jedenfalls meine Vermutung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich frage mich seit längerem was die Vorteile und Nachteile der Quote: "Staatsverschuldung im Bezug zum BIP" ist. In der Literatur wird dies als einzig relevante Grösse angesehen. Weshalb vergleicht man nicht die Staatsverschuldung im Bezug zur Einwohnerzahl eines Landes oder die Staatsverschuldung im Bezug zum gesammten Kapital eines Landes? Mit freundlichem Gruss Paul-Oliver Burkart
Sehr geehrter Herr Burkart, man nimmt das BIP, weil man die wirtschaftliche Leistungskraft zum Vergleich heranziehen möchte. Eigentlich sollte man aber lieber das Nettonationaleinkommen nehmen, das die Summe der Einkommen der Deutschen misst. Das BIP ist die Summe der in Deutschland verdienten Einkommen zuzüglich der Abschreibungen, keine besonders relevante Maßgröße. Das ist aber Konvention. Eine Relation zum gesamten Kapital wäre möglicherweise noch besser. Das Problem ist nur, dass es darüber keine verlässlichen Statistiken gibt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Zur Staatsschuldenkrise: Was wäre von einem Vorschlag zu halten, der die Landesverwalter in die persönliche Haftung bei staatlichem Bilanz-Betrug bringt? Als seinerzeit Verantwortliche bei Enron die drohende Insolvenz verschleiert hatten, wurden teils auch Haftstrafen verhängt. Bei öffentlich Amtsträgern hingegen ist da Fehlanzeige, da kann gefälscht werden, wie es gerade beliebt und im Zweifel gibt es dann Anwürfe gegen die Erfüllungsgehilfen statt gegen die Verantwortlichen, wie im Fall von Goldmann-Sachs. Mutmaßlich hätte eine persönliche Haftung mit Strafbarkeit doch eine stark disziplinierende Wirkung und würde ebenso Gerechtigkeitsaspekte berücksichtigen. Jedenfalls sorgt die SOX-Gesetzgebung beispielsweise für geradezu paranoide Genauigkeit in den betroffenen Unternehmen, das würde bestimmt auch durch die Übertragung dieses Gesetzes auf die Sphäre der öffentlichen Finanzen erzielt werden können. Freundliche Grüße, Roland Scheel
Sehr geehrter Herr Scheel, Recht haben Sie. Nur wie setzt man das in Griechenland um? Die Schummelei fand ja dort statt. Wenn alles korrupt ist, kann man auch keine Gesetze implementieren. Vielleicht müsste die EU eine Strafgerichtsbarkeit für die Fälschung von EU-relevanten Daten und die Missachtung von EU-Regeln einrichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in Ihrem Beitrag zum EURO-Rettungsschirm sprechen Sie die Angleichung des Zinsniveaus für EUR-Staaten nach Einführung des Euros und die negativen Auswirkungen dieser Entwicklung auf die deutsche Volkswirtschaft an. Ich finde diese Überlegungen sehr interessant, habe aber eine Verständniss-Frage dazu. Sie Argumentieren, dass das relativ niedrigere Zinsniveau für insbesondere südeuropäische Staaten dazu führte, dass das Kapital dorthin wanderte und in diesen Ländern einen Boom auslöste, während die deutsche Volkswirtschaft mit eher mageren Wachstumsraten auskommen musste. Wenn aber das Kapital in Deutschland knapp wurde, hätte es das nicht zu steigenden Zinsen führen müssen, wenn weiterhin Unternehmer hätten investieren wollen? Tatsächlich liegt das Zinsniveau seit einigen Jahren auf einem historisch niedrigen Niveau. Hätten des weiteren Unternehmer nicht schon vor Jahren über eine Kreditklemme o. ä. klagen müssen, wenn in Deutschland eine Kapitalknappheit vorgelegen hat? Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus! MfG Frank Winninghoff
Sehr geehrter Herr Winnighoff, vom Euro her kamen ja nicht die einzigen Einflüsse auf das Zinsniveau. Die lockere Geldpolitik in der zweiten Hälfte der 1990ger Jahre, aber auch nach dem 11. September und dem Irakkrieg hat die Zinsen insgesamt niedirg gehalten. Dies aber für alle Länder. Die Beseitigung der Risikoprämien gegenüber Deutschland kam aber als Sondereffekt noch hinzu, und daraus resultiert die hohe Wachstumsdynamik auf den Immobilienmärkten der süd-westlichen Peripherie Europas, von der der deutsche Immoblienmarkt gänzlich unbeeindruckt blieb. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in der Vergangenheit hatte ich bzgl. der Finanzkrise und Ihrem Vortrag in Osnabrück schon einmal die Frage gestellt, inwieweit Deutschland, als Eyposrt (Vize)Weltmeister gewährleisten kann, dass den exportierten Werten auch ein adäquater Gegenwert geleistet werden kann. Die Antworten, die ich erhalten hatte waren (und sind erst recht jetzt) recht zweifelhaft. Wenn wir nur exportieren um dann die Werte gegen Bürgschaften des eigenen Landes abzusichern (siehe Griechenland), so kann das ja nicht ernsthaft eine nachhaltige wirkliche Perspektive sein. Wir produzieren sozusagen auf Pump und wenn der Gläubiger nicht zahlen kann, dann zahlen halt die Steuerzahler in Deutschland!! Was ist denn da Ihrer Meinung nach los? Aus meinen vormaligen Beiträgen können Sie schliessen, dass ich hier jetzt von Ihnen eigentlich einmal eine grundsätzliche Stellungnahme bzgl. der Stellung Deutschlands im europäischen und globalen Rahmen wünschen würde. Mit freundlichem Gruss Martin Schlütz
Sehr geehrter Herr Schlütz, Ihre Bedenken sind berechtigt. Sie können dazu morgen oder übermorgen von der ifo-Homepage, wenn Sie wollen, einen grundsätzlichen Text von mir herunterladen. Er ist gerade in der Endredaktion. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden. Mit bestem Gruß Frank B.
Sehr geehrter Herr B., Sie haben natürlich völlig Recht mit Ihrer Kritik an den Landesbanken. Ich habe übrigens diese Kritik schon in einem Buch über die Landesbanken, das vor gut zehn Jahren bei Beck erschien, formuliert und vor den Geschäftsmodellen gewarnte. Das Basel-System reguliert aber auch die Privatbanken zu wenig. Dazu habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus, das gerade in dritter Auflage herauskam, ziemlich viel geschrieben. Ich bin skeptischer als Sie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben, mehr als einmal, warnend Ihre Stimme erhoben. (Wie im Übrigen auch Hans-Olaf Henkel es nicht müde wird, zu tun) Jetzt auch wieder in Bezug auf die Griechenland-Krise. Doch was frommt's? Unsere Politiker sind nicht in der Lage und wohl auch nicht willens, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Letztlich wird das wieder nur zu dem führen, was der begnadete Kabarettist Volker Pispers schon vorausgesehen hat: "Dann kommt wieder ein eloquenter junger Mann aus dem benachbarten Ausland und erzählt den Deutschen, wo es langgeht". Und ich füge bei - und es werden ihm alle wieder nachlaufen. Die meisten "Volksvertreter" werden sagen, dass sei unmöglich: ich erinnere aber nur an Ted Turner oder Silvio Berlusconi. Diese Menschen sind auf einmal da, wie der Blitz, man bemerkt ihn erst, wenn er einschlägt. Deshalb: wir brauchen in Deutschland neben all den linken Parteien (darunter jetzt auch: CDU und CSU) eine neue konservative Partei, eine Partei des gesunden Menschenverstandes. Die FPD wird es allein nicht richten können, dafür sind die Vorbehalte gegen diese Gruppierung zu groß. Ansonsten werden wir den von Henkel schon heraufbeschworenen "Neosozialismus" bekommen, Deutschland würde zu einer "DDR-light". Warum gründen Sie nicht, gemeinsam mit den wenigen, noch "Verständigen" im Land diese neue Partei? Frau Merkel hat viele in der CDU vergrätzt. Ich bin sicher, es würden Ihnen viele nur zu gern folgen. Im jetzigen Zustand ist die Union als Volkspartei nicht überlebensfähig. Herzliche Grüße H.W.
Sehr geehrter Herr W., zu viel der Ehre, die Sie mir da zuteil werden lassen. Ich bin als Politiker ungeeignet. Ich bin ein Wissenschaftler, und dabei muss es bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist denn von den aktuellen Maßnahmen zur Stabilitätssicherung des Euro? Gruß, Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, es ist wenig davon zu halten. Schauen Sie am Dienstag in die FAZ. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sind Sie der Meinung, dass es hilfreich wäre, CDS Papiere, mit welchen Spekulanten auf den Ausfall von Staatsschulden spekulieren können, zu verbieten. Soweit ich richtig informiert bin, sind sie ja der Meinung, dass man Leerverkäufe auf Aktien oder Anleihen verbieten sollte. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, ich bin nicht der Meinung, dass man CDS-Kontrakte generell verbieten sollte, nur die naked CDS, also Versicherungen gegen Risiken, die man gar nicht hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wäre denn der Austritt Deutschlands aus der EURO- Zone eine Alternative? Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, in der Tat ist das eine theoretische Möglichkeit. Aber das Land, das autritt, handelt sich eine Menge technischer Probleme ein, so dass es besser ist, wenn Griechenland austritt. Man kann Griechenland helfen, diese Probleme zu lösen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, durch eine Internetrecherche nach Beiträgen ihrerseits zu Politik und Wirtschaft bin ich auf ihr Interview mit der Süddeutschen Zeitung gestoßen, dass man sich zu Teilen auch per Video anschauen kann (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/517/422278/text/). Zuerst wollte ich mich für ihre Arbeit als Ökonom und Autor bedanken; Mein Interesse an politischen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekten des Lebens ist durch ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten“ geweckt worden. Geprägt durch die Ausführungen in ihrem Buch und der Überzeugung, dass diese richtig sind, habe ich eine liberale Haltung eingenommen und bereits zu meiner Schulzeit immer wieder heftig dafür argumentiert und diskutiert. Seitdem bin ich meinem Interesse treu geblieben und studiere nun im zweiten Semester Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. Bei dem Interview sind mir zwei Aspekte aufgefallen, die mich seitdem sehr beschäftigt haben. Die Frage, ob Managergehälter gerecht seien, verneinen Sie klar. Kurz darauf erläutern Sie, dass man diese unverhältnismäßige Lohnspreizung aber nicht ändern könne und man sich daher mit ihr abfinden sollte. Ich muss ihnen in diesem Punkt widersprechen, da ich der festen Überzeugung bin, dass beides möglich ist. Im Zuge dieser Finanzkrise, bei der diese Managergehaltsdiskussion durch (ungerechtfertigte?) Abfindungen von Managern in Millionenhöhe, unter deren Leitung riskante Geschäfte abgewickelt worden sind, die letztendlich zu Abschreibungen, Schließungen und Vermögensverlusten von einfachen Bürgern geführt hat, ist die Diskussion entbrannt, wie man Gehaltsanreize schaffen kann, die sich am langfristigen Erfolg des Unternehmens messen und wie Manager mehr Verantwortung für ihre Firma, im Sinne von Eigenhaftung, übernehmen sollten. Dabei vertrete ich keinesfalls die Meinung, dass alle Manager raffgierige Menschen sind und nie an das Unternehmen denken und daher enteignet werden sollten zum Wohle des Unternehmens. Ich kenne Beispiele von Schweizer Banken, bei denen Manager auf ihr rechtmäßiges Gehalt verzichtet haben um ihrer Bank zu helfen. Ebenfalls habe ich ihre Meinung unterstützt, dass die Grenze von Managergehältern auf 500000€ bei Inanspruchnahme des Stabilisierungsfonds, zu Fehlanreizen, durch Rückschraubung des Geschäftes und verspäteter Inanspruchnahme, und dadurch zu einer viel größeren Katastrophe für Deutschland werden könnte. Bislang scheint sich diese Prognose allerdings als falsch darzustellen, da schon einige private Unternehmen den Sonderfond in Anspruch genommen haben. Meine Verwunderung über ihre Aussage war vielmehr, dass Sie einen Fehler erkennen, aber meinen, nichts daran ändern zu können bzw. zu müssen. Generell müssen Regulierungen das Ergebnis nicht verschlechtern, sie können sie auch verbessern, wie viele Beispiele zeigen: Verbot von Monopolen, da diese ineffizienter arbeiten, Regulierung von Energie und auch Sie haben, wenn ich mich richtig erinnere, im Jahr 2001 für schärfere Kontrollen des Finanzsystems plädiert. Warum sind Sie dann der Meinung, dass eine Regulierung bei Managergehältern nicht möglich sei und automatisch zu einer Verschlechterung des Gemeinwohls führen würde. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass genau die Forderungen, die verschiedene Wissenschaftler und Politiker an die Gehaltsstrukturen stellen richtig sind; der Bonus soll durch langfristigen Erfolg gedeckt werden und bei Krisen oder fatalen Fehlern, die auch zur Schließung von Unternehmen führen, müssen Manager zu Teilen haftbar gemacht werden. Wieso stellen Sie sich diesen Forderungen entgegen? Ist es nicht berechtigt, diese Maßnahmen der Haftung und der Vorsorge, gegen zu riskante Geschäfte, bei deren Misslingen der Bürger verliert, mit zu den Aufgaben eines Managers zu stellen, der über das 50-fache der Bundeskanzlerin verdient? Würde ein solches Vorgehen, bei dem junge, engagierte, höchstmotivierte Menschen dieses Risiko eingehen und diejenigen, denen das Risiko zu hoch ist und dann ins Ausland abwandern, wie Sie es im weiteren Verlauf des Interviews prognostiziert haben, nicht zu mehr Wettbewerb um die Posten führen? Ich glaube, dass es ein großes Potential an Menschen gibt, die in der Lage sind, mindestens genauso gut die größten Firmen Deutschlands zu leiten, aber dabei die geforderten Auflagen oder auch eine Verringerung des Gehalts in Kauf nehmen. Weshalb ich ursprünglich dieses Schreiben anfangen wollte, war ein anderer Grund, der aber auch durch das oben genannte Interview entstand. Davor möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Sie meine höchste Achtung haben und ich Sie für einen sehr intelligenten Mann halte, von dem ich sehr überzeugt war, dass er wichtige und richtige Hypothesen aufstellt. Allerdings beginnen Sie beim Interview ein Argument mit den Worten: „Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser“, was ich durchaus unterstütze, und kommentieren dann kurz einen Vergleich der beiden deutschen Wirtschaftssysteme. Sie sagen dann, dass die Neidpräferenz in der ehemaligen DDR so weit ging, dass sich die Menschen darüber aufregten, dass Honecker ein Kühlschrank hatte und dieses ausgeprägte Neid dazu führt, „dass keiner einen Kühlschrank hatte oder nur sehr wenige“. Diese Aussage ist definitiv falsch und zeugt von einem völlig falschen Bild der DDR. Es ist sehr drastisch formuliert und ich kann mir vorstellen, dass Sie es für anmaßend halten, dass ich als Student des zweiten Semesters, ihnen als Professor etwas so direkt schreibe. Jedoch muss ich zugeben, dass mich ihre Äußerung zutiefst enttäuscht hat, da ich Sie für einen wohlüberlegten Menschen hielt, der seine Meinung fundiert vertritt. Meine Großeltern haben in der DDR gelebt und meine Eltern sind dort groß geworden. Obwohl wir alle, damit schließe ich mich definitiv ein, keine Befürworter des Kommunismus oder der DDR waren, sind wir doch bestrebt, falsche Behauptungen über das dortige Leben richtig zu stellen. Ich finde es paradox, dass Sie für einen Vergleich von Managern und Juden, was meines Erachtens von den Medien total lächerlich aufgezogen wurde und überhaupt nicht der Punkt ihrer Aussage verstanden worden ist, öffentlich so angegriffen wurden, sodass Sie sich entschuldigen mussten, eine Aussage aber, die sich auf keine historischen Daten stützt, ein falsches Bild der ostdeutschen Geschichte zeigt und dem Klischee des desinteressierten Westdeutschen genügt, von den Medien nicht beachtet wird, obwohl es dort ihre Berechtigung hätte. Ich würde Sie Bitten, auch in Ihrem Interesse, in der Öffentlichkeit ein solches Beispiel nicht mehr anzuführen, da es Ihre Glaubhaft in anderen Dingen sehr in Frage stellt. Falls Sie jedoch ein anderes – ich nenne es mal polemisches – Beispiel zur Unterstützung Ihres Unmutes über das kommunistische System suchen, kann ich Ihnen mit gutem Gewissen die Waschmaschine empfehlen. Diese hatten in der Tat nicht alle Bürger. Ich glaube allerdings nicht, dass es Ihrer Umgangsweise und Erfahrung als Ökonom und Wissenschaftler entspricht, polemisch zu argumentieren, bin mir dennoch über die Schlagkräftigkeit und Medienwirksamkeit solcher Argumente bewusst. Allerdings bin ich mir sicher, dass Sie ihre Position auch ohne so was vertreten können und den Menschen bewusst machen, warum wir die soziale Marktwirtschaft brauchen und weshalb ein kommunistisch/sozialistisch geprägtes System die falsche bzw. keine Alternative ist. Mit freundlichen Grüßen, Alexander Scheer
Sehr geehrter Herr Scheer, haben Sie vielen Dank für Ihren langen Brief, auf den ich nur kurz antworten kann. Ich bin gegen einen Eingriff des Staates in die Entlohnungsstrukturen, weil Löhne Preise sind, die eine Allokationsfunktion ausüben. Das gilt auch für Manager-Gehälter. Wenn die Gehälter gedeckelt werden, wird der Wettbewerb der Unternehmen um die Manager ausgeschaltet. Dann geht nicht mehr der cleverste Manager zum größten Unternehmen, wo er durch weise Entscheidungen den größten Schaden verhindern kann. Die Schäden für die Gesellschaft wären ein Vielfaches dessen, was bei den Gehältern eingespart wird. Bestimmte Dinge, die einen ärgern, kann man nicht ändern. Staatliche Interventionen, die externe Effekte internalisieren, kann man in der Regel jedoch realisieren. Ihrer Behauptung, dass es genügend clevere Manager gibt, kann ich nur heftig widersprechen. Das Wissen der jeweiligen Manager ist sehr speziell. Es reicht nicht, intelligent und gut ausgebildet zu sein. Man muss zudem in einem möglichst ähnlichen Marktumfeld reichlich Erfahrung haben. Die Vorstellung, dass die Manager sich selbst bedienen, kann ich im Großen und Ganzen nicht teilen, weil die Manager ja von den Unternehmen angeheuert werden, und dann werden die Gehälter schon vereinbart. Wenn ein Manager erst einmal im Job ist, hat er nur noch wenig Verhandlungsmacht. Im Übrigen ist dies wirklich ein Nebenkriegsschauplatz, der nur von der öffentlichen Neiddiskussion aufgeblasen wurde. Dass sich ostdeutsche Neidgefühle eher auf Waschmaschinen als auf Kühlschränke konzentrieren, weil die knapp waren, akzeptiere ich mit Interesse. Meine flapsige Bemerkung in dieser Hinsicht sollten Sie nicht auf die Goldwaage legen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ersteinmal danke für ihre hervorragenden wissenschaftlichen Publikationen, Sie brinegn "Licht ins Dunkle". Im Zuge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise greifen die großen Zentralbanken der Welt zu Maßnahmen des "quatitative easing". Die FED hat MBS-Papiere im "Buchwert" von 1300 Mill. USD von den Banken gekauft. Sie schätzen den fairen Wert der Papiere jedoch auf nur 30-40% des ursprünglichen Buchwertes. Die FED plant dieser Papiere zu einem spätern Zeitpunkt zu veräußern, wenn Sie richtig liegen wird die FED damit eine Verlust in Höhe von ca. 850 Mill. USD machen, den der US-Steuerzahler tragen muss. Sehe ich das richtig? Wenn ja, welche Auswirkungen ergeben sich daraus für die USA? Die 850 Mill. USD sind im Umlauf, jedoch stehen dahinter keine echten Güter/Immobilienwerte, muss dies nicht langfristig in hoher Inflation enden? Wodurch könnte jetzt die Geldumlaufgeschwindigkeit steigen? Mit freundlichen Grüßen, Luis Bötticher
Sehr geehrter Herr Bötticher, wenn Ihre Zahlen über das, was die FED gekauft hat, stimmen, stimmt auch Ihre Konsequenz, es sei denn, es gibt doch noch ein Wunder bei den toxischen Papieren. Sind Sie aber sicher, dass die FED die Papiere gekauft und nicht nur in Zahlung genommen hat? In Europa nimmt die EZB private Wertpapiere nur in Zahlung und behält in vollem Umfang ihre Ansprüche gegen die Banken. Nur, wenn die Banken pleite gehen, kriegt sie ihr Geld nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe Ihnen, weil ich erleichtert bin, dass Sie bezüglich der griechischen Katastrophe ein klares Handeln empfehlen. Gleichzeitig möchte ich zum Ausdruck bringen, dass es ein Glück für Deutschland ist und dass es Mut macht, zu wissen, dass es Menschen wie Sie gibt. Ich hoffe, dass Sie bei den Regierenden Gehör finden und dass Sie die Kraft und das Durchsetzungsvermögen haben, sich dieses zu verschaffen. Seit der deutschen Wiedervereinigung fahren wir in regelmäßigen Abständen von zwei Jahren für 2 Monate nach Griechenland. In dem ersten Jahrzehnt hatte man den Eindruck, dass der Lebensstandard nicht sonderlich hoch ist. Im zurückliegenden Jahrzehnt hat sich aber scheinbar eine wundersame Entwicklung vollzogen. Staunend fragt man sich, wie das möglich war, obwohl es in Griechenland kaum einen Zuwachs an Industrie gegeben hat. Und der Tourismus ist auch nicht derart angestiegen! Wenn man durch die Orte streift, dann hat man den Eindruck, dass fast alle Griechen Urlaub machen. Und neben dem ‚urlaubmachen‘ und den vielen Luxusautos entdeckt man immer häufiger den griechisch sprechenden ‚Pascha‘, unförmig dick, mit einer Stimme, die seiner Bedeutung gerecht wird. Diese Pascha hat es geschafft und muss nicht mehr selbst arbeiten – er beschäftigt Albaner, Rumänen, Bulgaren, usw.. Vor der Wahl Anfang Oktober 2009 ließ die FAZ einen griechischen Politiker zu Wort kommen. Sinngemäß sagte er: „Wir wissen, dass wir auf eine große Krise zusteuern, aber wir sind nicht mehr in der Lage, diese Entwicklung aufzuhalten. Wir sind zu fett und zu faul“. Bleibt die Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung. Sind die Griechen allein an diesem dekadenten Verfall schuld? Meine Meinung ist nein. Dem kleinen Griechenland mit nicht einmal 12 Millionen Einwohnern wird von der EU Jahr für Jahr die größte Fördersumme aller EU-Länder – rund 550 € pro Person und Jahr - zugeschoben. Und dieses Geld fließt, wahrscheinlich ohne Kontrolle, in die Taschen von griechischen Beamten, die den Wert des Geldes zu schätzen wissen. Diese reichen dann einen Teil davon an Günstlinge weiter, um sich des Wohlwollens zu erfreuen und um ihre Positionen zu sichern. Und in diesem EU-Sumpf versenkt Deutschland jährlich 12.500.000.000 € ! Deutschland hat bisher genug geholfen, ganz besonders den Griechen. Die Griechen haben diese Hilfe missbraucht. Die Griechen müssen wieder zu sich selbst finden. Das schlimmste wäre, wenn sich Deutschland auf irgendeine Art und Weise erpressen ließe. Der Prozess wird sehr lange dauern. Und für diese Zeit muss man Griechenland aus der €-Zone ausschließen. Die Griechen wollen und werden sich nicht umstellen. Sie vertrauen darauf, dass ihnen weitere Tricks einfallen und dass letztendlich die Europäer, entsprechende Stimmen sind schon zu hören, umfallen und weiterhin ihr Füllhorn in das Fass ohne Boden ausgießen. Es besteht auch die Gefahr, dass es in Griechenland große Unruhen, wenn nicht sogar Bürgerkrieg gibt. Die Sanierungsmaßnahmen in Griechenland werden nicht denen aufgebürdet, die bisher Nutznießer waren, sondern hauptsächlich der großen Masse, die nur wenig oder gar nichts von dem EU-Segen abbekommen hat. Europa ist sicher gut beraten, wenn es sich bei diesem Klärungsprozess diskret zurückhält. Wenn ich als CDU-Mitglied zu den CDU-Mitgliedern der Regierung mehr Vertrauen hätte, dann wäre dieser Brief an diese gegangen. Ich wünsche Ihnen allen Erfolg. Mit freundlichen Grüßen W. John
Sehr geehrter Herr John, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Hat die Elite in unserem Land keine Ideen und Träume mehr. Wir diskutieren seit sieben Jahren über Hartz IV. Es scheint mir aber, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch mindestens ein Drittel Sklaven brauchen. Wir können uns immer noch nicht von der Sklaverei befreien und uns anzumaßen Menschen zu bevormunden und zu bestimmen. Wir sollten keine weitere Zeit verlieren und uns vom jetzigen Sozialsystem so schnell wie möglich verabschieden. Wir sollten auch unsere Gesellschaft nicht weiterhin gegeneinander ausspielen. Jung gegen Alt, Arbeitende gegen Arbeitslose, die Jugend gegen die Rentner usw.. Wir sollten so schnell wie möglich uns auf den Weg machen, ein neues Sozial- und Wirtschaftssystem zu denken. Vorschläge von Universitäten und Professoren gibt es genug. Um einen nur zu nennen, wäre Prof. Götz Werner, Inhaber des DM-Drogeriemarktes. Er schlägt ein bedingungsloses Grundeinkommen in Verbindung mit einer Steuerreform vor. Uns geistig in dieser Richtung zu bewegen, würde viel mehr Sinn machen, als weiterhin über alle Sozialleistungen zu diskutieren und Menschen weiterhin unter Druck zu setzen. Ich würde mich schämen, weiterhin ins Fernsehen zu gehen und über das abgelaufene Sozialsystem zu dikutieren. Mit freundlichen Grüssen Manfred Rubba
Sehr geehrter Herr Rubba, das bedingungslose Grundeinkommen ist leider nicht finanzierbar. Bei den angestrebten 800 Euro für Kind und Kegel kämen 800 Milliarden Euro heraus. Der Mehrwertsteuersatz zur Finanzierung müsste auf über 100% steigen. Das alles ist reichlich utopisch. Verantwortungsvolle Politik bleibt im realistischen Rahmen. ifo schlägt eine Erhöhung des Freibetrags bis zum Beginn des Transferentzugs von 100 auf 500 Euro vor und will den Transferentzug von derzeit 80-90% auf 70% senken. Das ist finanzierbar, bzw. kostet nichts, weil Hartz-IV zugleich zu einem Lohn für kommunale Arbeit wird. Genaueres finden Sie, wenn es Sie interessiert, auf unserer Homepage (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sehe ich es richtig, dass ein Land seine ausländischen Staatschulden nur dann tilgen kann, wenn es einen Handelsbilanzüberschuß erwirtschaftet? Um wie viel sich die Staatsschuld dann aber wirklich reduziert, hängt davon ab, wie hoch der Anteil des Überschusses ist, welcher für die Tilgung verwendet wird. Das bedeutet, Griechenland müßte in der Tat seine Währung abwerten, was schwerlich gelingen kann, wenn es den Euro beibehält. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, man kann den Außenhandelsüberschuss verwenden, um dem Ausland Geschenke zu machen, dort Vermögen kaufen oder seine Schulden zu tilgen. Da Griechenland keine Geschenke macht, sondern solche von der EU erhält, stünde mehr als der Überschuss im Außenhandel für die Tilgung zur Verfügung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Nachfrage zur Griechenland- und EURO- Krise Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe Ihre TV-Beiträge in der Mediathek des ifo- Instituts sowie den in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 14.3.20210 verfolgt und bin dankbar, dass Sie bei dieser möglicherweise für Europa schicksalhaften Frage für die Einhaltung der ökonomischen Vernunft eintreten. Ich hätte zwei Verständnisfragen: 1. Wie kann man im Fall eines Austritts von Griechenland aus der EURO- Zone verhindern, dass sich die Spekulation gegen das nächste schwache Land in der Euro-Zone wendet? 2. Könnte Griechenland den gewaltigen Aufwand einer Währungsumstellung schultern? Es müsste zum Beispiel neues Geld hergestellt und umgetauscht werden, der öffentliche Sektor, Banken, Versicherungen, Handel und Industrie müssten umrechnen, Verträge ändern und sowie neue Preise finden und bekannt geben. Mit freundlichen Grüßen! Jan-Günther Scherer
Sehr geehrter Herr Scherer, die Gefahr eines Dominoeffektes der von Ihnen beschriebenen Art besteht, doch es besteht auch die Chance, den Euro zu stabilisieren, indem Griechenland nicht mehr dabei ist. Die Währungsumstellung könnte eine Drachme einführen, die zunächst die gleichen numerischen Preise wie in Euro hat. Danach könnte die Drachme abgewertet werden. DIe EU könnte bei der Umstellung helfen. Der Verbleib Griechenlands im Euroraum stellt das Problem eines Außenhandelsdefizits von 16% dar, das dauerhaft finanziert werden muss. Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Erscheint mir utopisch. Im Euroraum müsste Griechenland durch Kürzung der Löhne und Preise abwerten. Das ist ein Rezept für Aufruhr, weil keiner der Erste sein will. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Meine Frage bzw. Meinung zu dem Vorschlag von Herrn Prof. Sinn: Alle Kommunen sollen verpflichtet werden, jeden Hartz IV-Empfänger einen Vollzeitarbeitsplatz anzubieten. Die Entlohnung soll dann auf Hartz IV-Niveu sein. Meine Frage dazu, wie nennt man dann diese Arbeit? Schwarzarbeit? Nein regulärer Arbeitsplatz? Nein Wer arbeitet und das 8 Stunden täglich, soll doch bitte dafür auch eine anständige Entlohnung erhalten. Natürlich dann auch einen Arbeitsvertrag, wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland. Ich bin der Ansicht, das diese Arbeit (auf Hartz IV-Entlohnung) nur folgend heißen kann, und zwar: SCHEINARBEIT Nach dem Motto: 1. Wir halten somit die untere und mittlere Lohnschicht-Arbeiter etwas mehr in Laune, da ja nun die "Hartz IV"-Menschen ja auch 8 Stunden arbeiten (jedoch auf Hartz IV-Niveu) 2. Die Arbeitslosenstatistik wird auf einem Schlag "schön geschminkt" 3. Regierende Länderparteien und Bundesparteien profitieren durch mehr und längere Machterhaltung. Alles zum "SCHEIN" ! Wenn man ernst meint, und den LZA einen Vollzeitjob durch die Kommunen anbietet, so ist es ohne Weiteres nicht verkehrt. Verkehrt ist nur die Entlohnung auf Hartz IV-Niveu. Soll wirklich jemand 8 Stunden täglich arbeiten und trotzdem ein Hartz-IV-Empfänger bleiben. Was will man damit wirklich bezwecken? Bitte eine ehrliche Antwort. Ich bedanke mich schon jetzt recht herzlichst für Ihre Antwort, Herr Prof. Sinn
Sehr geehrter Herr Bürger, wie hoch das Hartz-IV-Niveau ist, kann man diskutieren. Es sollte zur Sicherung des Existenzminimums ausreichen. Sie vergessen, dass nach dem Vorschlag des ifo Instituts auch die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessert werden. Schon bei einer Halbtagstätigkeit im Niedriglohnsektor käme man mit den Lohnzuschüssen auf mehr Einkommen als bei einer Vollzeittätigkeit bei der Kommune. Niemand würde bei meinem Vorschlag weniger kriegen als heute, doch die meisten deutlich mehr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schätze und achte Sie sehr hoch. Angesichts der extremen Bedrohung durch die globalen Finanzmärkte in Verbindung mit der vor allem indischen und chinesischen Wachstumsdynamik und der damit verbundenen extremen ökologischen Bedrohungen und weltweiten Elendsthematik und der damit einhergehenden möglichen schwerwiegenden Krisenpotentiale, die wiederum die Lage auf den Finanzmärkten weiter verschärfen könnte, ist mir bewusst, dass die Probleme des deutschen Niedrigstlohnsektors in dieser Hinsicht keine Priorität besitzen können. Aber wenn Sie und zum Beispiel Herr Prof. Miegel, den ich ebenso hoch achte und schätze, offen und objektiv über diese Thematik reden, dann sollten auch alle Implikationen dieses Randthemas offen und ohne Tabus genannt werden – das gehört dann auch zur intellektuellen Redlichkeit! Zumindest sollte deutlichst gesagt werden, dass es eine „entscheidungstheorietische“ „Optimierungsaufgabe“ für nationale makroökonomische Arbeitsmarktkonstruktion unter globalen Rahmenbedingungen ist. Dabei spielt die zu erwartende Anforderungsprofilstruktur der Arbeitsmärkte in Europa natürlich eine extrem große Rolle. Die extreme Wissensgesellschaft muss zwangsläufig der Masse der intelligenzverteilten (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) Bevölkerung ( ca. 0.33), die die Kerntätigkeitsbereiche nie abdecken kann, einen Ersatzarbeitsmarkt zuweisen und diesen möglichst ausbauen. Das geht nur über die legislative Setzung von rechtlichen Rahmenbedingungen, die notwendig nicht mehr grundgesetzkonform sein können. Dies muss man also zunächst einmal in einem Wust aus lex superior, lex inferior und lex spezialis so verwursteln, dass es niemand mehr rechtssystematisch entwirren kann. Das ist bereits geschehen. Dann kann mit den entsprechenden Rechtsmitteln versehen, ein solcher substitutiver Arbeitsmarktsektor langfristig aufgebaut werden. Das geschieht auch bereits. Die Lohnspreizung nimmt enorm zu und zwar so weit, dass die weiter expandierenden substitutiven Niedrigstlohnarbeitsmärkte keine Existenzsicherung mehr ermöglichen werden. Das deutet sich bereits an. Man sollte also zugeben, dass man aus den oben (sehr grob) aufgeführten Gründen nicht anders kann, als einen nicht existenzsichernden substitutiven Niesdrigstlohnarbeitsmakt zu schaffen, der aus Sozialkrisenvermeidungs- und Akzeptanzsteuerungsgründen so weit ausgebaut werden muss, dass mindestens 80% der derzeit Arbeitslosen darin Beschäftigung finden können und komplementär staatlich alimentiert werden. Damit diese Menge an Arbeitsplätzen entstehen kann, sind Ecklöhne in der Gegend von 3 Euro erforderlich. Wenn dies in der Masse langfristig nicht erreichbar ist, droht ein extremer sozialer Konflikt wegen des sich verschärfenden Akzeptanzverlustes der Ungleichbehandlung von Arbeitslosen und Niedrigstlöhnern (Lohnabstandsgebot). Meine Beurteilung dieses Szenarios ist, dass es ist in der Masse nicht erreichbar ist, weil die tarifär abgesicherte 3 Euro Grenze nicht erreichbar ist. Also bleibt nur der Ausweg die Arbeitsmarktgruppen gegeneinander in Stellung zu bringen ( Arbeitslose gegen Hochlöhner – Hochlöhner gegen Zeitarbeiter, Zeitarbeiter gegen Niedrigstlöhner – Niedrigstlöhner gegen Arbeitslose ), um so den Eiertanz der Verschleierung der ganz einfachen Tatsache politisch weiter tanzen zu können: Diese primitive Wahrheit lautet: 33% der Gesellschaft sind nicht intelligent (emotionale, soziale, analytische Intelligenz etc.) genug, um die Normalarbeitsmarktanforderungen zu erfüllen. Diese Leute belasten den „intelligenten Mittelstand“ – also müssen wir sie akzeptanzbasiert ruhig stellen, weil es (noch) keine funktionierende sekundäre Fertilitätssteuerung gibt und es keine primäre Fertilitätssteuerung geben darf. Ich gehöre übrigens zu den 33% der „Unintelligenten“. So verbleibe ich mit den besten Grüßen A. B.
Sehr geehrter Herr B., ich nehme Ihre Meinung zur Kenntnis, die Sie überpointiert vortragen, aber ich teile sie nur ansatzweise. Sicherlich stimmt es nicht, dass man im untersten Bereich Stundenlöhne von 3 Euro braucht, um den Großteil der Arbeitslosigkeit zu beseitigen: ifo hat im Jahr 2002 eine Untersuchung getätigt, wonach man mit gut dem Doppelten hinkommt, die dann zu subventionieren sind, um das Einkommen über den Lohn zu erhöhen, wie Sie es ja auch vorschlagen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hr. Sinn, vieleicht koennen Sie mir eine Erklaerung oder einen Link zur Erklaerung geben. Es geht diesmal nicht um die Hartz 4 Saetze, sondern Tatsache, das man, wenn man die Grundsicherung im Werte von Hartz 4 selbst erwirtschaftet schon zum guten Steuerzahler wird. Bei aller Diskussion ueber Hartz4 scheint niemand zu sehen, das man keinen Kinderfreibetrag hat, wenn man Kindergeld bezieht. Ein Hartz4 Empf. allein mit 2 Kindern bekommt z.B. 1510,- + Kindergeld. Will man aber 1510 EUR netto erarbeiten und bekommt Kindergeld da Nutzung des Freibetrages weniger im Total ergeben wuerde, dann sind das etwa 2400 brutto und man ist guter Steuerzahler. Siehe unten. Aber dies scheint ein Dreisatz zu sein, welcher fuer viele Redakteure zu komplex ist. Entweder liege ich voellig falsch oder ich bin der Einzige der dies versteht. Deshalb wende ich mich an Ihr Institut der Fachleute. Vielen Dank. Die Zahlen kennen Sie natuerlich schon: Hartz4 Bezuege fuer Alleinerziehend mit 2 Kindern per Monat Erwachsener 359,00 2 Kinder 506,20 Alleinerziehend 129,24 Kaltmiete 740,00 Heizung 100,00 Total Anspruch 990,84 + 840,00 = 1830,84 Kindergeld -320,00 Total 1510,84 Ausgezahlt vom Staat per Jahr: 18130,08 netto ohne Kindergeld, das geht natuerlich separat. --------------------- Benoetigte Einnahmen als Selbstaendiger um den Nettobetrag mit Arbeit zu erwirtschaften: 25900 EUR - 4200 EUR (Krankenv.) = 21500 EUR - 3225,00 EUR (15% Steuern) = 18270,- gezahlte Steuern: 3225,- / 12 = 269 EUR pro Monat ---------------------------------------- Also Stundenlohn etwa 10EUR Netto. Dies liegt dann in einem Bereich in dem schon erhebliche EUR Betraege an Sozialabgaben und vor allem Steuern gezahlt werden muessen. Diese arbeitende Person ist ja schon "gutverdienend". Ich kenne die Angestellen Formel nicht genau, aber es sollte auf etwa 2400 EUR (4800 DMark) brutto hinauslaufen. Volle Verguenstigungen ohne Antragsverzoegerungen bei Kinderbetreuung, Gerichtskosten, etc. kommen noch hinzu. Da haben nicht nur Geringqualifizierte Schwierigkeiten den Hartz4 Betrag zu verdienen. Ich stehe voll hinter einem Sozialsystem mit Hartz 4 Saetzen, speziell fuer Kinder muss alles getan werden. Aber ist es nicht grundgesetzwidrig vom Buerger Steuern zu verlangen wenn er die Grundsicherung selbst verdient? Ich habe noch weitere absurde Beispiele und stehe Ihnen gerne fuer Fragen zur Verfuegung. Noch interessanter wird es wenn jemand alleinerziehend mit 2 Kindern ist und fuer 2 weitere Kinder Unterhalt zahlen und erwirtschaften will. Mit freundlichem Gruss A. M.
Sehr geehrter Herr M., schöne und erhellende Beispiele. Vielen Dank! Damit schlagen wir uns am ifo auch dauernd herum. Die Komplexität und Widersprüchlichkeit des fiskalischen Systems ist grenzenlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn, mein Vorschlag zu Hartz IV: 1. Alle Hartz4-Empfänger sollen für maximal 6 Monate befristet einen 400,00 Euro-Job ohne einer Anrechnung ausüben dürfen. D. h. 400,00 Euro ohne einer Anrechnung, zusätzlich zu Hartz 4. Begründung: 1. Die Hemmschwelle für Arbeitgeber einen Langzeitarbeitslosen einzustellen wird geringer, da für die Arbeitsleistung keinen Abzug von 240,00 Euro auf Hartz IV angerechnet würde. (von 50 Arbeitgebern bekam ich 50 Absagen. Die potentiellen Arbeitgeber hatten immer wieder bedenken, dass durch die 240,00 Euro Anrechnung die Arbeitsleistung nicht gewährleistet sei. Es hatte nichts mit meiner Qualifikation zu tun, die auch nicht schlecht ist) 2. Der LZA ist somit im Betrieb und hat eventuell auch eine weitere Chance voll eingestellt zu werden. 3. Der LZA verbessert somit seinen Lebenslauf und hat auch mehr Chancen auf dem weiteren 1. Arbeitsmarkt. 4. Die Binnenwirtschaft wird dadurch auch angekurbelt, da der Hinzuverdienst wieder ausgegeben wird. 5. Der LZA verstärkt dadurch sein Selbstbewusstsein. Kann sich wieder auf Jobs konzentrieren, die seinem Arbeitsprofil dienen. (Nur als Hinweis: ein 1,00 Euro Job z. B. Straßefegen für einen Bankkaufmann macht keinen Sinn. Und es werden zusätzliche Ausgaben im Schnitt 300,00 - 500,00 Euro an den jeweiligen gemeinnützigen Arbeitgeber von der Staatskasse bezahlt. Bekommt der Bankkaufmann jedoch einen 400,00 Euro Job als Mitarbeiter in einer Bank, so ist es für die Laufbahn weitaus dienlicher. 6. Schwarzarbeit würde dadurch eingedämmt werden. Meine Frage an die Politiker(in): Was würde gegen meinen o. g. Vorschlag sprechen??? Ich habe manchmal so den Eindruck, dass nicht der Hartz-IV-Empfänger das Hartz-IV-Gesetz missbraucht, sondern die Hartz IV-Gesetzgebung die Hartz IV-Empfänger. Oder benutzt man das Hartz-IV Gesetz nur als sog. Lohndumpingbarometer? Zum Schluss noch zu erwähnen: Ich bitte von den Politiker nicht wieder so Ausreden, wie - ja eine Friseuse muss 8 Stunden täglich schwer arbeiten und hat im Monat fast weniger Lohn als ein Hartz-IV-Empfänger. 1. Wir haben keine 35 Millionen Friseusen. 2. Nicht der Hartz-IV-Empfänger ist an den Billiglöhnen der Friseusen schuld. An alle Friseusen, ihr macht alle einen guten Job und drücke euch allen die Daumen, dass ihr in Zukunft einen vernünftigen Lohn bekommt. Ich habe es nur als Beispiel genommen, da die Politiker ständig in der Vergangenheit es ins "Spiel" brachten und weiter bringen werden. Ich würde mich sehr darüber freuen, mir mitzuteilen, was sie über meinen o.g. Vorschlag halten. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr M., Sie schlagen vor, die Freigrenze für abzugsfreien Hartz-IV-Bezug auf 400 Euro zu erhöhen. Das ist kein schlechter Vorschlag. Auch das ifo will die Hinzuverdienstmöglichkeiten verbessern. Allerdings wollen wir eher den Transferentzug insgesamt verringert, so dass es sich auch lohnt, besser entlohnte Jobs anzunehmen. Sie haben aber recht: Wir müssen ein System schaffen, wo wir ein Sozialeinkommen zum niedrigen Lohn hinzu gewähren, weil nur so mehr Stellen entstehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, um die Beherrschung der Firma Opel durch GM gab und gibt es viele Diskussionen. U.a. wurde bekannt, daß es Opel aufgrund des Beherrschungs-vertrags duch GM nicht gestattet ist, seine Produkte in bestimmten fremden Ländern wie China, USA, Canada, etc. anzubieten. Ferner wurde bekannt, daß alle Rechte an Erfindungen + Patenten von Opel Ingnieuren nach USA übertragen wurden und daß Opel für diese eigenen Erfindungen auch noch jährliche Lizenzgebühren an GM zahlen muß. Mir ist gut bekannt, wie ausländische Firmenmütter damit u.a. das dt. Arbeitnehmer- Erfindungsgesetz aushebeln. Die bekannten Beherrschungsverträge sind alles andere als fair. Sie räumen der besitzenden Mutter einen Absolutheitsanspruch ein, unter dem schon viele Mitarbeiter gekaufter Firmen zu leiden hatten und haben. In USA machte in den 70ern ein Carl Icahn davon Gebrauch.In D betraf es die Firmen AEG, Höchst, Grohe, dt.Airbus-Töchter, SEL und viele mehr. Die bekannten Beherrschungsmethoden behandeln gekaufte Firmen oft wie Sklaven. ITT-Manager in USA verlangten von dt. Managern in den 80 Jahren "go home, change laws". Mich wundert, daß mir bis heute kein Beitrag eines Wirtschafts-forschungsinstitutes bekannt ist, das sich mit dieser Thematik eingehend beschäftigt, auseinandergesetzt und für faire Lösungen geworben hat. Es wäre m.E. höchste Zeit im Zeitalter der Globalisierung "faire Vertragsgrundlagen" für gekaufte Firmen zu erarbeiten und dafür eingehend zu werben. Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, das sind in der Tat problematische Verhältnisse. Ich muss gestehen, dass ich das nicht wusste. Die Leser auf unserer Homepage werden sich dafür interessieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe nicht warum es bei den Managern keinerlei Haftung zu geben scheint. Jeder Handwerker haftet für die fachgerechte Qualität seiner Arbeit, in der Regel nach BGB 5 Jahre. Top Manager in den Vorständen der großen Unternehmen, die ein Vielfaches jährlich gegenüber kleinen Handwerkern verdienen, scheinen nicht zu haften. Hatte nicht die HypoRealEstate ca. 100 Milliarden € Verluste unter ihrem Vorstand verzeichnet und trotzdem konnten Herr Funke u. andere Manager ausstehende Gehälter inkl. Boni etc. einklagen. Gelten für Top-Manager andere Regeln als für kleine Unternehmer? Wie erklärt sich das? Mit freundlichen Grüßen, Hans J. Matt
Sehr geehrter Herr Matt, Sie sind falsch informiert. Manager haften für ihre Fehler im vollen Umfang ihres Privatvermögens. So wurde ein namhafter Banker kürzlich von einem Hedgefonds von den Bahamas auf 15 Mrd. Euro verklagt. Der Banker hat zwar eine Versicherung, aber die deckt maximal 250 Millionen ab. Wer nicht haftet, ist der Aktionär. Er kann seine Bank durch die Einstellung, Instruktion und Bezahlung seiner Manager zum Glücksspiel antreiben, und haftet doch nicht mit seinem Privatvermögen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse habe ich ihre Ausführungen zu den Folgen der Staatsverschuldungen zur Kenntnis genommen. Ich möchte Sie darin unterstützen, die Brisanz des Themas für Demokratie und Generationengerechtigkeit öffentlich zu machen. Hier meine Anmerkungen: Nach der Währungsreform ist vor der Währungsreform Die Wirtschaftswissenschaft sollte der Wirtschaft nicht länger hinterherlaufen, sondern heute schon Lösungen für morgen erarbeiten. In der Vergangenheit wurden Währungsreformen durchgeführt, weil das Vertrauen in die Währung verloren gegangen war und eine nicht mehr aufzuhaltende Inflation die Funktionen des Zahlungsmittels außer Kraft gesetzt haben. Die Währung ist heute auch ohne hohe Inflation gefährdet. Es werden hier 7 Fakten genannt, die eine Notwendigkeit einer Währungsreform begünstigen: Eine Staatsverschuldung, die einen hohen Anteil am Steueraufkommen für die Zinsleistungen bindet,erhöht die Gefahr, dass in länger anhaltenden Hochzinsphasen, bei steigender Inflation oder bei Abwertung der Bonität die Zinsleistungen so rapide ansteigen, dass diese nur mit noch höherer Staatsverschuldung geleistet werden können. Dadurch beschleunigt sich die Beziehung aus Schuldendienst und Staatsverschuldung über einige Jahre bis zum Staatsbankrott. Bei einigen südeuropäischen EURO-Ländern sind erste Signale dieser Entwicklung zu sehen. Eine Regierung mit einer hohen Staatsverschuldung hat sich in die Hände ihrer Geldgeber gegeben. Die politische Erpressbarkeit durch die Kapitalgeber hat man in der Bankenkrise gesehen, als 500 MRD EUR als Rettungspaket für die Banken aufgelegt wurden. Die Regierung musste die Banken retten, da nur die Banken und die Kapitalsammelstellen (z.B. Versicherungen, Fonds) in der Lage sind, den wachsenden Kreditbedarf des Staates zu decken. Es hat sich eine unheilvolle Abhängigkeit der Banken und des Staates entwickelt. Der Staat ist heute ohne die Banken insolvent. Aufgrund der internationalen Verpflechtung der Konzerne und des investierten Kapitals sind alle großen Währungen heute stark voneinander abhängig. Der Sturz einer großen Währung führt unweigerlich dazu, dass die anderen Währungen mit ins Trudeln geraten. Der Niedergang einer großen Währung alleine, ohne die anderen zu betreffen, ist eher unwahrscheinlich. Die spannende Frage ist hier, ob eine Volkswirtschaft sich einen Vorteil verschaffen kann, wenn es zeitlich vor den anderen Ländern seine Schulden ablegt. Die fortschreitende Konzentration des Kapitals innerhalb einer Volkswirtschaft ist ein Grundgesetz. Die Bankenkrise hätte dazu führen können, dass dieser Trend vorübergehend ausgesetzt wäre, wenn viele Banken insolvent und in der Folge die Vermögen vieler Superreichen verloren gegangen wären. Die Regierenden haben die Banken und die Vermögen der Superreichen gerettet. Die Konzentration des Kapitals führt dazu, dass die Regierenden immer abhängiger von den Reichen werden und immer weniger abhängig von den Wählern. Die Konzentration des Kapitals kann aber auch dazu führen, dass eine große Mehrheit der Bürger die Zinsleistungen des Staates als Reparationen empfinden, und sich weigert, länger für die Fehler der Vergangenheit große Teile des Staatsaufkommens an die Kapitalgeber abzugeben und kein großes Bedürfnis am Festhalten an der alten Währung empfindet. Diese Bewußtwerdung kann in der Staatskrise dazu führen, dass ein Staat sich neu gründet und die Verpflichtungen ! der Vergangenheit ablegt. Eine Währungsreform ist dann logisch. Die US-Notenbank hat im Jahr 2007 die Zinsen ansteigen lassen. Dadurch wurde die Immobilienkrise sichtbar und in der Folge kam es zur Banken- und Weltwirtschaftskrise. Viele hochverschuldeten Volkswirtschaften halten die Zinsen dadurch niedrig, dass sie die Märkte liquide halten. Diese Liquidität führt zur Ausweitung der Geldmenge, was immer dann zur Inflation führt, wenn diese Liquidität für die Bürger spürbar ist. Da diese Liquidität nur im Bankensystem kreist, kommt es noch zu keinen Inflationstendenzen. Das Geld, dass auf den Markt gepumpt wird, sucht nach Anlagemöglickeiten und findet diese bei den Staatsschulden. Die Staaten schöpfen Geld und nehmen dieses Geld anschließend als Staatsschulden auf. Dieses System der wundersamen Geldvermehrung ist auf Sand gebaut und kann nicht auf Dauer für Geldwertstabilität sorgen. Kann es bei den Staatsschulden überhaupt noch folgenlose Hochzinsphasen geben? Die fortschreitende Staatsverschuldung ist solange möglich, so lange die Geldgeber Vertrauen in die Zahlungswilligkeit und -fähigkeit des Staates haben. Die eingeführte Schuldenbremse beabsichtigt, dieses Vertrauen nicht zu überreizen. Die bisherige Unfähigkeit des Staates zum Sparen läßt große Zweifel an der Dauerhaftigkeit des Gesetzes aufkommen. Übersteigt der Schuldendienst eine magische Grenze (z.B. 50% der Steuereinnahmen), so ist die Wahrscheinlichkeit groß, das das Volk sich seiner Schulden entzieht. Die Nennung dieser Ziele in den Parteiprogrammen wäre automatisch das Ende jeder Kreditwürdigkeit eines Staates. Die Nicht-Regulierung der Finanzmärkte kann dazu führen, dass erneut große Verwerfungen am Immobilien- und/oder am Kapitalmarkt entstehen. Die Folge wäre eine erneute Rettung der Beteiligten mit großen Folgen für die Staatsfinanzen und die Stabilität der Währung. Eine Währungsreform sollte im Idealfall auch die Besitzverhältnisse an Grund und Boden und Firmeneigentum neu regeln. In diesem Sinne ist eine Währungsreform die ideale Möglichkeit, die Ideale und Vorteile des Sozialismus und des Kapitalismus zu vereinen: Ein sozialistischer Neuanfang (alle 50 Jahre) für alle gleich und eine soziale Marktwirtschaft, die den Vorteil des egoistischen Gewinnstrebens nutzt. Eine Währungsreform ist gleichzusetzen mit einem Reset, um die politischen Fehler der Staatsverschuldung zu korrigieren und der Vermögensungerechtigkeit wirksam zu begegnen. Spannend wird in schlechteren Zeiten sein, ob die Kapitalseite weiter die Politiker und die Wissenschaft einwickeln und die Bürger ruhig halten kann oder ob sich die Bürger gegen die Kapitalinteressen durchsetzen können. Hohe Zinszahlungen für die Staatsverschuldung erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der Bürger sich gegen ein Weiterso stellt. Die Gefahr einer zunehmenden Diktatur des Kapitals und eine Verabschiedung von der Demokratie ist sehr hoch! Ich freue mich über eine kurze Nachricht! Gruß Rainer Kuczewski
Sehr geehrter Herr Kuczewski, was Sie unter dem Namen Währungsreform vorschlagen ist nichts anderes als eine Revolution. Solche Revolutionen mit einer Neuordnung der Besitzverhältnisse hat es hier und da in der Geschichte gegeben, und wir Deutschen hatten die verlorenen Kriege, die auch auf das Gleiche hinausliefen. Nach meinem Eindruck sind die Ergebnisse der Revolutionen im Großen und Ganzen aber nicht besonders günstig für die Menschheitsentwicklung gewesen. Die Gefahr für eine neue Revolution in Deutschland sehe ich nicht. Heute haben auch die weniger begüterten Teile der deutschen Bevölkerung ein Realeinkommen wie noch nie zuvor in der Geschichte. Auch die Armutsgefährdung, die ein relatives Maß ist, ist seit den Hartz-IV-Reformen deutlich zurück gegangen. Und die Notwendigkeit einer Revolution sehe ich schon rein gar nicht. Unser Land muss im Gegenteil nach den Kriegen endlich zur Ruhe kommen. Es braucht eine langanhaltende Phase der ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung, in der sich die Vermögenswerte allmählich wieder aufbauen können. Dazu brauchen wir mehr wirtschaftliche Dynamik in unserem Land, was ein besseres Bildungssystem und ein anreizverträglicheres Sozialsystem verlangt. Reformen sind der wesentlich bessere Weg zur Überwindung der Spannungen in der Gesellschaft. Wir brauchen als nächstes eine große Reform des Finanzsektors. Dann ersparen wir uns Revolutionen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Dr. h.c. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, erst einmal möchte ich mich für Ihr hervorragendes und erfrischendes Referat während der Ringvorlesung des Zentrums Wald-Forst-Holz Weihenstephan am 27.01.2010 herzlich bedanken. Diesbezüglich habe ich einige Fragen an Sie, die sich leider nicht durch die anschließende Diskussion im Rahmen der Vorlesung, aufgrund der Kürze der Zeit, beantworten ließen. Vielleicht bietet sich Ihnen die Möglichkeit mir die Antworten kurz mitzuteilen. 1. Emissionshandel - Nettoimport von Zertifikaten in Deutschland Ihren Ausführungen war zu entnehmen, dass deutsche Unternehmen Zertifikate importieren. Dieses Phänomen erklärt sich mir nicht, da aufgrund des EEGs und der hierdurch resultierenden Einspeiseverpflichtung doch eigentlich weniger Strom aus fossilen Brennstoffen produziert und verbraucht wird. Aufgrund dessen müssten die EVU in Deutschland doch Zertifikate einsparen, die wiederum an der Börse veräußert werden könnten. Warum importiert Deutschland jedoch Zertifikate? Wer importiert die Zertifikate? (EVU, energieintensive Unternehmen, Broker?) Gibt es Erhebungen, wie viele Zertifikate jährlich nach Deutschland importiert werden? 2. EON/RWE: Investitionen in erneuerbare Energien Sie haben während der Diskussion im Anschluss an Ihr Referat ausgeführt, dass EON/RWE in erneuerbare Energien investieren, diese Investitionen sind hinlänglich bekannt. Ihren Ausführungen, soweit ich dies richtig verstanden habe, war zu entnehmen, dass die EVUs Investitionen in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs und der damit verbundenen Einspeisevergütung tätigen. Investieren diese Unternehmen wirklich in erneuerbare Energien aufgrund des EEGs oder aus dem Grund, dass sie mit einem Anstieg der Zertifikatpreise in Zukunft rechnen und somit die Grenzvermeidungskosten niedriger sind als die Zertifikatpreise oder ist es eine Kombination aus beidem?
Sehr geehrte Frau A., ich habe den Sachverhalt nochmals geprüft. Deutschland importiert in der Tat in geringem Umfang UNO- und EU-Zertifikate, AAUs und EUAs. Ich nehme an, das liegt daran, dass die anderen Länder cleverer waren bei der Feststellung ihres Status-Quo-Ausstoßes, von dem aus die Zuteilungen berechnet wurden. Die Zertifikate werden von den Unternehmen selbst importiert, indem sie einfach an der Leipziger Börse gekauft werden. Ohne den grünen Strom würden wir noch viel mehr importieren. Zur zweiten Frage: Hier ist es sicherlich die Kombination aus Emissionspreisen und den Einspeisetarifen. Beides macht den grünen Strom wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich stelle mir die Frage, ob zwischen der Inflationsrate und der Staatsverschuldung eine direkte Korrelation besteht. Ist es nicht so, dass hohe Staatsausgaben unweigerlich cet. par. dazu führen, dass die Inflationsrate steigt, weil die Bürger, die die Staatspapiere halten, ihre anderen Ausgaben dafür nicht einschränken werden? Beispiel: Jemand hat ein Vermögen von einer Million Euro und gibt normalerweise 100.000 Euro im Jahr aus. Nun kauft er sich für 50.000 Euro Staatsanleihen - jetzt wird er ja sein normales Konsumbudget nicht verringern, da er ja wieder fest mit der Rückzahlung seiner Anlage + Rendite rechnet. Von seiner Million wird also nach dem Kauf der Anleihen nicht mehr 100.000, sondern 150.000 in die Wirtschaft fließen. Steigt hierdurch nicht auch automatisch die Inflationsrate und stellt dies nicht ein großes Problem für die Volkswirtschaft, gerade zu Zeiten so expansiver Fiskalpolitik, dar? Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Sie liegen insofern nicht falsch, als dass eine Staatsverschuldung, mit der der Staat zusätzliche Ausgaben finanziert, tatsächlich die gesamtwirschaftliche Nachfrage erhöht. Tut er das in einer ausgeglichenen Wirtschaftslage, gibt es Inflation. Tut er es in der Flaute, so verhindert es zunächst einmal nur den Absturz. Solange er die ausfallende private Nachfrage nicht überkompensiert, gibt es keine Inflation. Allerdings könnten die Finanzminister in Zukunft die Notenbank bedrängen, mehr Geld zu drucken, um so die Inflation anzuheizen und die Schuld des Staates real zu entwerten. Nur ist das leichter gesagt als getan. Im Moment sind wir meilenweit von einer Inflation entfernt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich hatte vor einigen Monaten eine Anfrage nach Ihrem Vortrag in Osnabrück gestellt, deren Antwort leider weder inhaltlich, noch semantisch einen Sinn ergab. Ich möchte daher meine Frage noch etwas präzisieren: Ein auf Wachstum orientiertes Wirtschaftssystem ist, rein mathematisch, von einer oberen Grenze determiniert. Genauer: Das derzeitige Wirtschaftssystem basiert (mathematisch) auf einem exponentiellen Wachstum. Sie kennen sicher das uralte Beispiel mit dem Schachbrett: Ein Reiskorn auf dem ersten Feld und dann doppelt so viele auf dem jeweilig folgenden. Es ist nach einigen Wachstumsperioden einfach nicht möglich, das weitere Wachstum in adäquatem prozentualem Zuwachs zu realisieren. In dem Beispiel mit dem Schachbrett (bei Verdoppelung) muss man bei 64 Feldern quasi eine unendliche Anzahl von Reiskörnern aufbringen. Auch wenn in den derzeitigen wirtschaftlichen Systemen von keiner Verdoppelung von Jaht zu Jahr ausgegangen wird, so ist aber dennoch das System exponentiell angelegt. Der Faktor ist halt nicht 1 zu 2, sondern man "begnügt" sich mit einer Rendite von 5-10 oder auch 20 oder 30 (?) Prozent (je nach Gier der entsprechenden Investoren und den scheinbaren Möglichkeiten durch geschickte kurzfristige Kalkulationen). In der Vergangenheit konnte immer wieder ein "Reset" dieses Sytems erfolgen (die Weltkriege). Zerstörung schafft immer wieder die neue Möglichkeit, Wachstum von einem neuen Nullpunkt aus, zu schaffen. Heute leben wir in einer Welt, die global dermassen vernetzt und abhängig ist, dass ein solcher Weg - zum Glück - nicht mehr möglich ist. Umso mehr stelle ich noch einmal die Frage, wie - unter der Voraussetzung des geforderten systemimmanenten exponentiellen Wachstums - das derzeitige System überhaupt funktionieren kann. Beschleunigt wird meiner Meinung nach das System wesentlich dadurch, dass nur Abgaben auf Güter, nicht aber auf Finanztransaktionen erhoben werden. Stichwort: Güter unterliegen einem Wertverlust (Steuern/ Verderb / Veralterung/ Wertverlust), Geld aber bleibt, abgesehen von Inflation im Wert erhalten. Ist nicht mindestens eine Abgabe auf Finanztransaktionen notwendig? Ich möchte betonen, dass ich mich hier nicht nur auf die Finanzsituation in Deuschland beziehe. Es geht hier um das grundsätzliche System, welches natürlich global aufgestellt ist. Allerdings ist mit der EU ja auch ein durchaus mächtiger Apparat instititioniert (insbesondere nach der Verabschiedung des Lissabon-Vertrages), so dass es Möglichkeiten gibt (oder sehr kurzfristig geben kann - wenn der Wille da ist), um entsprechende Massnahmen durchsetzen zu können. Das Prinzip des Zinseszins zerstört immer stärker die gesamten Volkswirtschaften, weil immer offensichtlicher wird, dass selbst die Zinsen nicht mehr adäquat (Stichwort Wertschöpfung) beglichen werden können. Welche Vision haben Sie? Ich bin sehr interessiert. Mit freudlichem Gruss M. S.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig recht. Exponentielles Wachstum für immer kann es nicht geben. Aber doch für lange Zeiträume. Wenn die Weltwirtschaft eines Tages nicht mehr wächst oder sogar schrumpft, weil die Ressourcen zur Neige gehen, was ich vermute, wird dennoch die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform sein, weil sie die Knappheit effizient verwaltet. Mit dem Zins oder Zinseszins hat das nichts zu tun. Selbstverständlich kann es auch in einer stationären oder schrumpfenden Wirtschaft Zinsen geben. Der alte österreichische Ökonom Böhm von Bawerk hatte drei Zinsgründe angegeben: Die Mehrergiebigkeit längerer Produktionsumwege, die bessere Versorgungslage in der Zukunft und die Minderschätzung zukünftiger Bedürfnisse. Nur der zweite Grund hat mit Wachstum zu tun. Die anderen beiden Gründe können auch bei stationärer oder schrumpfender Wirtschaft einen Zins erzeugen. Alle einschlägigen Wachstumsmodelle können bei geeigneter Parameterwahl auch als Schrumpfungsmodelle laufen, und dennoch kann der Zins positiv sein. Freilich kann der Zins bei hinreichend starker Schrumpfung negativ werden, weil der zweite Zinsgrund von Böhm von Bawerk die anderen dominiert. Auch mit negativen Zinsen bleibt die Marktwirtschaft die beste Wirtschaftsform. Ob der Staat eine Steuer auf Finanzvermögen einführen sollte, kann man diskutieren. Dafür spricht ein Verteilungsargument sowie das Tobin-Argument, den Nullsummenspielen die Luft wegzunehmen. Dagegen spricht, dass man eigentlich keine Steuer auf Transaktionen haben sollte, weil sie die meisten Verzerrungen im Wirtschaftsablauf auslöst. Wenn man gute von schlechten Finanztransaktionen unterscheiden könnte, hätte ich nichts dagegen, die schlechten zu besteuern. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, im Rahmen eines von Herrn Professor Schwintowski (Humboldt Universität Berlin) betreuten juristischen Promotionsvorhabens befasse ich mich derzeit mit möglichen Regulierungsansätzen für Leerverkäufen. Im Rahmen dieser Dissertation bemühe ich mich um ein besseres Verständnis der ökonomischen Auswirkungen von Leerverkäufen auf die Finanzmärkte. Ich habe mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Leerverkaufsthematik in Ihrem jüngsten Buch „Kasinokapitalismus“ gelesen. In dem Buch betonen Sie die Eignung von Leerverkäufen zur Marktmanipulation sowie deren destabilisierenden Einfluss auf die Kapitalmärkte. Sie argumentieren, dass das typischerweise mit Hilfe von Leerverkäufen verfolgte Ziel – die Spekulation auf sinkende Kurse – auch durch Terminverkäufe von Aktien realisierbar sei. Daher seien Leerverkäufe letztlich überflüssig und zu verbieten. Ich teile Ihre Einschätzung hinsichtlich der mit Leerverkäufen verbundenen Risiken. Allerdings meine ich, dass Leerverkäufe durchaus sinnvolle Funktionen erfüllen können. So wird sich in dem von Ihnen genannten Beispiel der Terminkäufer – meist eine Bank – gegen das Risiko eines steigenden Kurses absichern wollen. Eine solche Absicherung erfolgt meines Wissens in der Praxis meist über einen simultan mit dem Termingeschäft getätigten Leerverkauf. Insofern scheinen mir Leerverkäufe jedenfalls zur Absicherung von Termingeschäften notwendig. Zu der Frage, wie sich Leerverkäufe auf die Finanzmärkte auswirken, existieren zahlreiche wirtschaftswissenschaftlichen Untersuchungen meist angelsächsischen Ursprungs, die ich derzeit auswerte. Die meisten dieser Studien bescheinigen jedenfalls gedeckten Leerverkäufen positive Auswirkungen auf die Finanzmärkte. So wird betont, dass Leerverkäufe einen positiven Beitrag zur Marktliquidität und Preisfindung leisteten. Dennoch darf das Missbrauchspotential dieser Handelstechnik nicht aus den Augen verloren werden. Es stellt sich daher die Frage, ob Leerverkäufe in Deutschland und Europa wenn nicht zumindest erhöhten Transparenzerfordernissen unterworfen werden sollten. In Frage kämen hier bspw. Kennzeichnungspflichten für Leerverkäufe und/oder Meldepflichten hinsichtlich gehaltener Short Positionen, sobald diese gewisse Grenzwerte überschreiten. Für eine solche Kennzeichnungspflicht spräche, dass Leerverkäufe für die Finanzmarktaufsicht erkennbar und damit besser kontrollierbar würden. Zudem könnten die gesammelten Daten dem Finanzmarkt in anonymisierter Form zur Verfügung gestellt werden und so zu einer Verbesserung der Markt- und Preistransparenz beitragen. Neben der Einführung der oben skizzierten Transparenzvorschriften könnte eine Unterbindung ungedeckter Leerverkäufe nach US- amerikanischem Vorbild (Regulation SHO à „locate requirement“ & „close out requirement“) sinnvoll sein. Zur Verhinderung von Leerverkaufs-Attacken auf einzelne Aktientitel könnte zudem die Einführung sogenannter „Circuit- Breaker“, die bei starken Kursrückgängen einzelner Aktientitel die Durchführung weiterer Leerverkäufe dieser Titel automatisch unterbinden, erwogen werden. Eine weitere Alternative wäre die Einführung einer Regelung, welche Leerverkäufe nur in steigende Märkte zulässt. Eine solche, an der US- amerikanischen „Up-Tick- Rule“ angelehnte Vorschrift wäre ggf. geeignet, eine Beschleunigung von Abwärtsspiralen durch Leerverkäufe zu verhindern. Mit der Leerverkaufsproblematik haben sich in kürzlich veröffentlichten Stellungnahmen sowohl das Committee of European Securities Regulators (CESR) als auch die International Organization of Securities Commissions (IOSCO) befasst. Während die CESR primär mehr Transparenz für Leerverkäufe fordert, regt die IOSCO darüber hinausgehend die Einführung strikter Settlement- Vorschriften zur Bekämpfung von Lieferverzögerungen bei Wertpapiergeschäften an. Eine Umsetzung der oben skizzierten Maßnahmen würde für die betroffenen Wertpapierhändler/ Banken/ Investmenthäuser wohl nicht unerhebliche Kosten verursachen und zudem eine erhebliche Einschränkung der Geschäftstätigkeit bedeuten. Erste Stellungnahmen der Wertpapierwirtschaft zu den Vorschlägen der CESR und IOSCO fallen daher naturgemäß wenig euphorisch aus. Ich würde mich freuen, mit Ihnen oder einem mit dieser Thematik befassten Mitarbeiter Ihres Hauses zu den oben aufgeworfenen Fragen in Dialog treten zu dürfen. Würden Sie die Einführung von Transparenzvorschriften für Leerverkäufe begrüßen? Oder ist aus Ihrer Sicht ein völliges Verbot gedeckter und ungedeckter Leerverkäufe tatsächlich die einzig richtige Antwort auf die mit Leerverkäufen verbundenen Risiken? Ist das aktuell an deutschen Börsen für Wertpapiertransaktionen geltende Settlement- System ausreichend effektiv oder sollten hier verschärfte Regelungen (wie bspw. die Einführung von Strafzahlungen und schnellere Zwangseindeckung offener Positionen bei Lieferverzug) erwogen werden, um ungedeckte Leerverkäufen entgegenzuwirken? Mir ist bewusst, dass die vorstehend formulierten Fragen recht speziell und nicht einfach zu beantworten sind. Sie haben sich aber intensiv mit den Ursachen der Finanzkrise befasst. Möglicherweise können Sie daher zu der einen oder anderen der oben aufgeworfenen Fragen etwas sagen? Ich würde mich freuen, wenn Sie Zeit für ein kurzes Gespräch hätten. Mit freundlichen Grüßen Dirk- Fabian Lange
Sehr geehrter Herr Lange, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Das Thema, das Sie sich vorgenommen haben, ist wichtig. Aber Sie sind sicherlich schon viel tiefer eingestiegen als ich. Die Transparenzregeln können helfen, wenn wir eine Aufsicht haben, die damit etwas anfangen kann. Was Sie an positiven Aspekten der Leerverkäufe aufzählen, will ich nicht bestreiten. Allerdings scheint mir, dass die genannten Effekte auch bei einfachen Termingeschäften zu erzielen sind. Das müsste die Forschungsstrategie sein: Herausfinden, was Leerverkäufe zusätzlich zu Termingeschäften an Vorteilen bringen. Wenn diese Vorteile damit zu tun haben, dass man als einzelner Investor den Marktkurs verändern kann, sind sie volkswirtschaftlich zu verwerfen. Wenn es andere Vorteile sind, die ich aber im Moment nicht überblicke, kann man Leerverkäufen positiver gegenüber stehen. Ich kann Ihnen also nur empfehlen, sich bei Ihrem Denkprozess präzise auf diese Fragestellung zu konzentrieren. Eigentlich ist die Fragestellung mathematischer Natur, aber ich weiß natürlich, dass es für Juristen nicht gerade naheliegt, die Natur der Geschäfte formal-mathematisch zu formulieren. Dann würde man aber präzise sehen, worin der Zusatznutzen der Leerverkäufe besteht und könnte volkwirtschatlichen von privatem Nutzen unterscheiden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihren Vortrag in Hannover über die Finanzkrise vor einigen Monaten gehört und anschließend Ihr Buch zum Casino Kapitalismus gelesen. Die hat bei mir etliche Fragen aufgeworfen und ich erlaube mir, mich hilfesuchend hiermit an Sie zu wenden : Rein volkswirtschaftlich gesehen müßte die Bewältigung der jetzigen Krise doch wohl nicht zwangsläufig mit höheren Schulden einhergehen, wie man sagt. Wäre es nicht denkbar, daß statt der Verschuldung bei uns auch der Weg der dauerhaften Geldschöpfung gewählt würde, indem die Bundesbank sogenannten systemrelevanten Instituten „einen verlorenen Sanierungs-Zuschuß“ gewährte, der nie zurück gezahlt würde? Wie sich das auf das Vertrauen in die Stabilität der Währung , den Lebenshaltungskostenindex auswirkt. müßte man sehen… Ist die Fed nicht auf dem Wege dazu, indem sie Anleihen aufkauft (warten wir mal, was sie tut, wenn die nicht gezahlt werden können..) Man sagt gemeinhin, daß die Geldmenge, die heute weltweit existiert das 30fache? dessen umfaßt, was realwirtschaftlich notwendig ist. Verstehe ich es richtig, daß also ein Großteil der Geldmengen nicht in die Realwirtschaft fließen, sondern in finanziellen Gütern gebunden sind. Gibt es diese überhaupt oder hängt alles irgendwie mit der Realwirtschaft zusammen? Selbst wenn das der Fall wäre, gibt es offensichtlich einen riesengroßen, permanenten Bodensatz , indem das spekulative Geld steckt. Weiß man in etwa in welchen Kategorien und Größenordnungen die nicht realwirtschaftlich benötigten Beträge angelegt sind weltweit? Ich unterstelle, daß es solche finanziellen Güter gibt und frage folgendes: Irgendwann habe ich in der Jugendzeit etwas von der Fischerschen Verkehrsgleichung gehört , die heute wohl nur noch historische Bedeutung hat. Als Denkmodell scheint sie mir aber nach wie vor hilfreich, wenn man sie etwas erweitert, nämlich annimmt, daß Mit dem Einkommen gehortet+konsumiert+investiert+spekuliert werden kann (der Faktor Spekulation wäre hier neu. Ihn gab es immer schon , aber nie in so erheblichem Umfang wie heute im Verhältnis zur Realwirtschaft) Und neben dem Güterberg heute zusätzlich finanzielle Güter (Instrumente, wie Aktien, Kontrakte…) bestehen, die losgelöst vom Güterberg existieren können und ein Leben für sich leben.. Vor diesem Hintergrund würde dann deutlich, daß die Erweiterung der Geldmenge nicht zwangsweise zu einem Anstieg der realwirtschaftlichen Preise führt sondern sich die Effekte in einem Aufblähen und einer Inflation der Werte der finanziellen Instrumente sich zeigen kann. Hätte die Volkswirtschaftsehre einen Index für die Preisentwicklung der finanziellen Güter und betrachtete man beides zusammen, also insbesondere den Verbraucherpreisindex und den Finanzindex, müßte doch vieles deutlicher werden. Wie man diesen Index mißt und was man einbezieht, wäre sicherlich einiger Forschung wert. Wenn diese 2 Welten existieren, die eigenen Gesetzen unterliegen, dann würde auch deutlich, daß es völlig hirnrissig ist, den Banken Geld – heute auch noch auf unserer aller Kosten- zu geben, die zum größten Teil in Finanzinstrumente fließen, statt in die Realwirtschaft und daß es richtig wäre das Banksystem – wie in England wohl vorgesehen – in Geschäftsbanken und Investmentbanken zu trennen.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für die Fragen. Die Notenbank kann nicht beliebig viel Geld schaffen, weil das den Kapitalmarkt aushebelt. Die Zinsen sind dann praktisch null. In der Krise ist es ok. Bei Normalsituationen der Wirtschaft gäbe es Inflation. Deswegen ist die Monetarisierung der Staatsschuld keine Option. Die Geldmenge ist bestimmt nicht dreißig Mal höher als nötig. Das ist eine viel zu hohe Zahl. Wir müssen irgendwann zu einer Politik des knappen Geldes zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie mögen ein kluger Mensch sein, doch Ihre Beurteilung über die Situation der Hartz IV-Empfänger hat wenig mit der Realität zu tun. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Sie von dieser Realität zu weit entfernt sind. Sicherlich gibt es Gemeinden, in denen einiges billiger ist, verglichen mit Städten, in denen manches teurer ist. Dennoch würde ich mir, nach 35 Jahren Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit durch einen betrügerischen Konkurs meines Arbeitgebers wünschen, in einer grösseren Stadt zu leben. Mit meinem Einkommen durch Hartz IV bin ich z.B. völlig unbeweglich, da ich Transportkosten im kleinstädtischen Bereich nicht finanzieren kann.Es ist schlichtweg zu teuer. Ich schaffe gerade mal die Buskosten, um zum Arzt zu kommen, Kosten, die ich ohne Hartz IV möglicherweise nicht hätte, da ich mit normaler Arbeit wahrscheinlich gesunder wäre. Nach 35 Jahren Berufsstätigkeit ohne Erkrankungen hoffte ich auf ein Älterwerden in meinem Beruf, der mir viel Freude machte. Ein krimineller Arbeitgeber, für den ich die letzten 14 Berufsjahre gearbeitet habe, führte die Firma in eine betrügerische Insolvenz, wurde allerding niemals erwischt. Doch mich hat es aufgrund Hartz IV voll erwischt. Ich bin einfach daran krank geworden. Ohne Perspektive mit Geld, das zum Überleben reicht, aber von der Gesellschaft ausschliesst, braucht man all seine Kraft, um diesem Leben kein Ende zu setzen. Selbst die ehrenamtliche Tätigkeit mit benachteiligten Kindern schafft da keinen Ausgleich, da mir auch dabei die entsetzlichen Folgen des Neokapitalismus permanent vor Augen geführt werden. Wahrscheinlich könnte ich das alles besser ertragen, wenn ich über ein gewisses Mass an Dummheit verfügen würde. Leider kann ich mir die nicht mehr aneignen. Nur dass Sie, der sich wirklich um gar nichts wirtschaftlich sorgen muss, solche Weisheiten loslassen, demonstriert Ihre Unwissenheit. Auch ohne Alkohol und ungesunde Lebensweise werden Menschen, die an sich gern arbeiten würden und trotz excellenter Ausbildung und Berufspraxis in diesem Land keine Arbeit fanden und finden, krank. Dieser Aspekt kommt mir immer viel zu kurz. Mit der staatlichen Hilfe kann ich sehr wohl rein körperlich überleben. Ich habe aber nicht die geringste Chance, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Da ich billig leben muss, wohne ich ausserhalb. Sonst würde meine Miete nicht übernommen. Ich kann mich aber nicht nach innen bewegen, weil die Transportkosten zu hoch sind. Für einen Besuch in die Stadt muss ich zwei Wochen sparen. Der völlige Verzicht auf Fleisch, Aufschnitt und Kaffee ermöglicht es mir, dass ich alle Vierteljahr einmal eine Eintrittskarte von ca. EUR 8 erwerbe, um mal eine Autorenlesung zu besuchen. Wahrscheinlich soll ich das aber gar nicht, sondern mich nur vom TV und Prof. Sinn einlullen lassen, damit ich ja nicht kritisch werde. Herr Prof. Sinn, beschränken Sie sich auf das, was sie mal gelernt haben, aber lassen Sie Ihre Finger weg von Beurteilungen dessen, was HartzIV-Empfänger zu viel oder zu wenig haben - Sie haben keine Ahnung! Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, den ich sehr überzeugend finde. Aber Sie scheinen implizit davon auszugehen, dass ich die Hartz-IV-Sätze im kleinstädtischen Bereich kürzen möchte. Darf ich fragen, wie Sie darauf kommen? Ich habe das nicht vorgeschlagen und würde deshalb gerne von Ihnen wissen, was Ihre Quelle ist. Auf einer Homepage ist eine Lüge in dieser Richtung verbreitet worden. Dagegen gehe ich juristisch vor. Mich würde es interessieren, woher Sie Ihre Information haben. Bestimmt nicht von mir. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es ist begrüßenswert, dass die Hartz-IV-Regelungen auf den Prüfstand sollen. Nicht begrüßenswert ist Ihr Vorschlag, Hartz-IV-Leistungen territorial zu staffeln. In Berlin seien die Lebenshaltungskosten höher als in Hoyerswerda? Vielleicht auch noch zu unterscheiden zwischen Berlin-Ost und Berlin-West? Dann staffeln Sie bitte auch gleich die Renten, dass ALG I und die Prämien für Krankenkassen - vielleicht auch noch die Löhne? Welch unsinniger Vorschlag, welch bürokratischer immenser Aufwand? Aber immerhin, Herr Professor, so bleibt man im öffentlichen Dialog. Das ist doch auch schon viel wert. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich darf darauf hinweisen, dass die Renten, das ALG I, die Löhne und die Krankenkassenprämien allesamt regional gestaffelt sind! Das scheinen Sie zu übersehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion siehe oben) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, danke für Ihre umgehende Antwort. Da ich zwar kein Geld, aber sehr viel Zeit habe, lese ich viel. Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, ob die von mir geschilderte Information aus irgendeiner Zeitschrift - Spiegel, Focus, Stern, Manager-Magazin - oder aus der Tagespresse stammt. Übrigens kann ich mir all diese Dinge nicht kaufen, sondern erhalte sie von Familie und Freunden abgelegt, d.h. nach 1 oder 2 Wochen. Es ist aber auch möglich, dass ich die Information aus Radio oder TV habe. Zunächst hatte ich mehrere Tage meiner Empörung gefrönt, bevor ich Ihnen meine mail schickte. Da ich mich inzwischen daran gewöhnt habe, unsachliche Angriffe auf alles, was mit HartzIV zu tun hat, und auch grundsätzlich auf HartzIV-Empfänger - und das beginnt leider bei den imkompetenten Mitarbeitern der ARGE - hinzunehmen und zu verkraften, reagiere ich normalerweise nicht. Doch die Ihnen zugeschriebene Äusserung ging mir schlichtweg zu weit, da sie sicherlich von unwissenden Politikern gern zur Grundlage genommen wird, Kürzungen vorzunehmen, deshalb meine mail. Nach 35 Jahren Berufstätigkeit mit 3 äusserst wohlgeratenen Söhnen, die diesem Land viel Steuern zahlen, fühle ich mich schlecht behandelt. Seit 9 Jahren habe ich mich von Flensburg bis Garmisch beworben, mit ausgezeichneten Unterlagen. Vielleicht hätte ich mein Alter fälschen sollen. Ganz klar bin ich der Meinung, dass ich all die Despektierlichkeiten, die ich permanent höre oder lese, nicht verdient habe. Es gibt gewiss ausser mir noch viele andere 'Hilfeempfänger', die ähnlich empfinden. Ich bedaure, dass ich Ihnen keine Quelle benennen kann, aus der die benannten Fakten stammen. Mit freundlichen Grüssen Gisela Krüger
Sehr geehrte Frau Krüger, vielen Dank für Ihre Antwort. Aber Sie sehen, wie das Mediengeschäft läuft. Hier kochen einige Leute ihre eigenen Süppchen, indem sie die Empörung zu einer Geschäftsidee machen. Mit freundlichem Gruß und den besten Wünschen bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prefessor Sinn, geben Sie lieber zu, dass auch dieses System mit 250 km/h gegen die Mauer fährt. Schulden soweit das Auge reicht - wir leben über unsere Verhältnisse, jedoch nicht weil die Bürger das so wünschen. Preise in diesem System werden nicht durch den Gegenwert der Ware oder Dienstleistung bestimmt, sondern nach dem Einkommens- niveau der Bevölkerung. Dies fordern Sie nun auch bei den Regelsätzen der ALG II- Sätzen - Angleich der sozialen Leistungen nach Ausgabenniveau der jeweiligen Region. Hiermit befeurern Sie gerade zu das Spekulantentum von Regionen wie München und Stuttgart oder auch in Berlin. Welchen Sinn kann es haben, dass junge Familien in München nie in der Lage sein werden sich Wohneigentum zu schaffen ohne sich und Ihre Kinder lebenslänglich an die Willkür der Banken auszuliefern? Scharen von fahrenden, telefonierenden und Internet-Abzockern überziehen das Land und stürzen Bürger mit seitenweisen missverständlichen Verträgen in Unheil. Die wirklichen Verbrecher sind m.E. die internationalen Konzerne, welche bspw.fuer einen Dollar in Bangladesch oder Kambodscha ein Poloshirt nähen lassen (wobei auch hier der Löwenanteil den Fabrikbesitzer bleibt) und dieses dann in der westlichen Welt unter wohlklingenden europäischen Namen für 50 Dollar verkaufen. Hier fordern Sie nie eine Regulierung und erklären die sittenwiedrige Praxis mit dem Gespenst der globalen Marktwirtschaft. Hier werden Milliardengewinne ergaunert, die keinem ALG II-Bezieher zu Gute kommen. Btw: der kauft bei KIK sein Poloshirt aus China (Zwangsarbeiter, die von Ihren Familien verschleppt werden sehen keinen Lohn für Ihre Arbeit). Ist dies Sinn der (marktwirtschaftlichen) Demokratie? Ich glaube nicht! Mit freundlichen Grüßen, irgendein Bürger.
Sehr geehrter Herr N., ich verstehe Ihre Skepsis bezüglich des Finanzwesens und stehe ihr nicht ganz fern, nur dass meine Kritik weniger radikal wäre. Zu Hartz IV: Die Mietzuschüsse sind ja schon heute nach den regionalen Gegebenheiten gestaffelt. Was ich vorschlage, ist auch die unterschiedlichen Preisniveaus der Konsumgüter zu berücksichtigen, damit jeder Hartz-IV-Empfänger gleich viel bekommt. Es kann nicht sein, dass der Lebensstandard der Hartz-IV-Empfänger in der Großstadt kleiner ist als auf dem flachen Lande. Gleiches muss gleich behandelt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, in Nachgang zu unserer anregenden Diskussion in Würzburg schicke ich Ihnen den Artikel von Paul Krugman, auf den sich meine Äußerungen bezogen haben, das erwähnte Titelbild des Economist und ein paar Gedanken, die ich vor fast einem Jahr zur Finanzkrise aus psychologischer Sicht zu Papier gebracht habe. Mit herzlichem Gruß, Fritz Strack http://www.nytimes.com/2009/09/06/magazine/06Economic-t.html http://memex.naughtons.org/wp-content/uploads/2009/08/economist_economic_theory.jpg http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,585425,00.html
Lieber Herr Strack, erst jetzt komme ich dazu, auf Ihre Mail zu antworten. Ihren Beitrag finde ich sehr überzeugend, sehe aber keinen Widerspruch zur Ökonomie. Wenn Sie z.B. auf die Asymmetrie der Beteiligung an Gewinnen und Verlusten hinweisen, so kann ich Ihnen nur zustimmen. Das habe ich in meiner Dissertation schwerpunktmäßig behandelt. (Ök. Entscheidungen bei Ungewissheit, Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Mohr-Siebeck 1980.) Auch der folgende Beitrag untersucht das Thema: „Kinked Utility and the Demand for Human Wealth and Liability Insurance“, European Economic Review 17, 1982, S. 149-162. Der Krugman-Artikel ist bissig, aber in seiner Kritik am Chicago-Ansatz korrekt. Wiederum kein Widerspruch. Auch ich habe in meinen Vorlesungen diesen Ansatz stets massiv mit ähnlichen Argumenten kritisiert und mich beim Konjunkturthema auf die Seite der Keynesianer geschlagen. (Dass die meisten ökonomischen Probleme nichts mit Konjunktur und Krisen zu tun haben, weiß natürlich auch Krugman. Er selbst hat kaum in dieser Richtung publiziert.) Hier zwei meiner Beiträge aus dieser Richtung, wo ich die Alt- und Neumonetaristen aus Chicago kritisiere. „Rationale Erwartungen, Rationierung und Rezession ‑ Braucht keynesianische Politik dumme Bürger?“, Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik 199, 1984, S. 158-178. „Pro und Contra Crowding Out. Zur Stichhaltigkeit dreier populärer Argumente“, Kredit und Kapital 16, 1983, S. 488-512. Das alles ist aber keine Kritik am ökonomischen Ansatz an sich, sondern eine hausinterne Kritik. Auch Krugman kritisiert ja nicht sich selbst, sondern speziell nur die Ökonomen der Chicago-Schule. Der Konflikt zwischen der Ostküste und Chicago ist alt. Europa steht überwiegend auf der Positition der Ostküste. Und in Deutschland haben wir die neoliberale oder ordoliberale Schule, die eine starke Rolle des Staates bei der Setzung der Spielregeln bejaht. Diese Schule ist ziemlich deckungsgleich mit dem, was die Ostküste meint. Diese Krise ist in der Tat eine Schlappe für Chicago und ein Triumph des Neoliberalismus, jedenfalls in seiner ursprünglichen Bedeutung als Gegenteil von Paleoliberalismus, der dem heutigen Chicago-Liberalismus entspricht. Wir hatten uns noch über die effizienten Märkte ausgetauscht. Das stammt von Fama und meint nur, dass die Kurse zu jedem Zeitpunkt die dann vorhandene Information widerspiegeln. Effiziente Märkte im Sinne der allokativen Effizienz, also der Hauptsätze der Wohlfahrtstheorie sind damit nicht gemeint. In einem Punkt stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass man zur Erklärung der Krise irrationales Verhalten braucht. In meinem Buch "Kasino-Kapitalismus", das ich Ihnen zukommen lasse, läuft die Erklärung im wesentlichen über die Haftungsbeschränkung und die asymmetrischen Entlohnungsstrukturen, die daraus resultieren. Bislang habe ich noch kein Argument gehört, wie irrationales Verhalten die Krise zur Krise hätte beitragen können. Auch die Fehleinschätzung kleiner Wahrscheinlichkeiten, die wir seit Allais (ich glaube 1949) kennen, trägt nichts Erkennbares bei. Die Banken hätten genauso gespielt, wenn sie die Wahrscheinlichkeiten korrekt eingeschätzt hätten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betrifft: Das Grüne Paradoxon darf nicht zum Atomausstiegs-Verschiebungs Paradoxon werden Hallo Herr Prof. Sinn, 1. eine gute Theorie muss man auch breit einsetzen können. Ich wende daher mal das Grüne Paradoxon auf die beschlossene Verschiebung des Atomausstieges an. Das Ergebnis: der verschobene deutsche Atomausstieg bringt überhaupt keine CO2-Einsparung solange die CO2 Zertifikate insgesamt (also nicht nur für Deutschland) nicht entsprechend reduziert werden. 2. Also muss man als Klimaschützer fordern: Weniger CO2-Zertifikate und höhere CO2-Einsparquoten zur Realisierung der Kernenergie-Dividende. Auf der COP15 Konferenz in Kopenhagen ergibt sich hierfür im Dezember 2009 eine gute Gelegenheit. 3. Die Bundesregierung ist hier jedoch bisher noch nicht auf dem richtigen Weg. Im neuen Regierungsprogramm wurde das bisherige CO2-Einsparziel von 40% (für 2020 im Vergleich zu 1990) noch nicht geändert. Dies wäre aber auch nur ein erster Schritt, denn die Verankerung bei den CO2-Zertifikaten müsste folgen. 4. Seltsam ist nur, dass die Grün- Orthodoxen diese weiche Flanke des verschobenen Atomausstieges noch nicht erkannt haben. Oder behindert sie da vielleicht ihre Lebenslüge, dass man nämlich mit Kernenergie ja eh kein CO2 einsparen könne? Oder behalten sie sogar am Ende noch Recht, wenn der Weiterbetrieb der Kernenergie nicht als Verknappung der Zertifikate umgesetzt wird? Dr. rer. nat. Gerhard Luther, Saarbrücken
Sehr geehrter Herr Dr. Luther, vielen Dank für Ihren Beitrag. In der Tat ist der Verzicht auf den Atomausstieg für sich genommen klimapolitisch irrelevant, weil der CO2-Ausstoß Europas bereits durch die Menge der Emissionszertifikate gesteuert wird. Er ist aber natürlich relevant für die Energiekosten, weil Atomenergie, zumal von Kernkraftwerken, die schon stehen, die billigste Energieform ist. Ob es Sinn macht, die C02-Menge in Europa unilateral weiter zu senken, wage ich zu bezweifeln, denn der Kohlenstoff, den wir Europäer nicht kaufen, wird halt anderswo angeliefert und verbrannt. Ich meine deshalb, dass es keine Alternative zu einem weltweiten Emissionshandel gibt, an dem sich alle Länder beteiligen. Weitere Vorleistungen Europas könnten konterproduktiv sein, weil sie den Chinesen und Amerikanern noch mehr Anreize gibt, auf eigene Anstrengungen zu verzichten, und zwar sowohl politisch als auch über die Märkte wegen der Absenkung der Preise für fossile Brennstoffe. Noch eine Anmerkung zum grünen Paradoxon. In meinem gleichnamigen Buch werden zwar einige Paradoxa beschrieben, doch ist der Name für einen besonderen Effekt reserviert. Wenn die grüne Politik allmählich immer grüner wird, verringert die grüne Politik die Steigerungsrate der Preise der fossilen Brennstoffe, was den Ressourcenbesitzern Anreize gibt, schneller zu extrahieren und ihr Vermögen in Finanzanlagen umzutauschen, weil die Rendite der Ressourcen im Boden kleiner wird. D.h. angekündigte grüne Politik senkt die Preise der fossilen Brennstoffe heute und beschleunigt den Klimawandel. Das gilt für alle Arten grüner Politik, sogar unilateral angekündigte Einschränkungen der Menge der Emissionszertifikate. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, die neue Regierung Merkel/Westerwelle möchte die Steuern senken, um Wirtschaftswachstum zu erreichen. In Deutschland ist die Abgabenlast laut Spiegelonline weitaus höher als die Steuerlast. Wäre es nicht sinnvoller, um Arbeitsplätze zu schaffen, Konsum und Investitionen zu fördern, den Faktor Arbeit zu verbilligen? Warum wird dieser Ansatz in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt? Vielen Dank für Ihre Antwort! Mit freundlichem Gruß, Peter Weinreich
Sehr geehrter Herr Weinreich, Konsum ist das Gegenteil von Investition. Wenn ich den Konsum fördere, kann ich zwar den Auslastungsgrad des Produktionspotenzials erhöhen, doch echtes Wachstum gibt es nur, wenn ich das Potenzial selbst vergrößere, und das geht nur über Investitionen. Deutschland hat die kleinste Nettoinvestitionsquote aller OECD-Länder. Wachsen können wir nur mit mehr Investitionen. Beschleunigte Abschreibungen wären ein Mittel, sie anzuregen. Die Verbilligung der Arbeit über die weitere Ausdehnung des Niedriglohnsektors durch eine Agenda 2020, also noch mehr Lohnzuschüsse, wäre eine weitere Möglichkeit, sogar eine sehr viel wirksamere. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Fortsetzung der Diskussion, letzter Beitrag verfasst am 23. Oktober, siehe unten stehende Beiträge) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für die Richtigstellung. Sämtliche Fehler gehen natürlich allein zu meinen Lasten. Sie bestätigen, dass die staatliche Ausgabenerhöhung das GDP fast immer weniger erhöht als der direkte fiskalische Impuls. Barro-Zitat: … thus spending stimulus programs will likely raise GDP by less than the increase in government spending. Defense-spending multipliers exceeding one likely apply only at very high unemployment rates, and nondefense multipliers are probably smaller. However, there is empirical support for the proposition that tax rate reductions will increase real GDP. Multiplikatoren überschreiten nur in ganz seltenen Fällen – ziemlich sicher nicht heute, da die Arbeitslosigkeit nicht so hoch ausfällt – den Wert von 1. Und gleichzeitig – meine Rede - treten fast immer gegenläufige Effekte ein, die gleichzeitig zu einer Absenkung der privaten Investition und Nachfrage führen, ansonsten wäre der Multiplikator mindestens = 1. Es gibt fast immer eine Minderung privater Wirtschaftstätigkeit parallel zu den Konjunktur-programmen, wobei das allein noch keine Kausalität, aber doch eine Beziehung ausdrückt. Auf die pure Spekulation auf einen Multiplikator > 1 hin große Verschuldungspakete zu befürworten, entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage. Die empirischen Auswertungen der letzten Jahrzehnte wie der WW-Krise belegen diese Annahme jedenfalls nicht, was Sie auch nicht bestreiten. Angesichts niedriger Zinsen, eines hohen Staatsanteils und Arbeit-nehmer-Einkommen in der Weltspitzengruppe ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die gegenläufigen Effekte (u.a. Crowding-Out) eher noch zunehmen werden à sich der tatsächliche Multiplikator vielleicht sogar weiter von 1 entfernt (auf 0 zu). Vermutlich würden Sie die WW-Krise als „nicht-gleichgewichtige Ökonomie“ bezeichnen. Die Barro-Analyse zeigt jedenfalls, dass auch für diese Phase keine empirischen Belege vorliegen, dass über die staatlichen Programme reliabel Impulse vom Staat auf den Privatbereich induziert werden können. In meiner Lesart, erstens ist es fraglich, ob nicht viel eher die Investitionen die Arbeitsplätze schaffen als simple Ausgabenerhöhungen, zweiten sind solche Programme immer die Ausflüsse von big/ bigger government. Dies bildet gleichzeitig institutionellen Barrieren, welches die Privaten von mehr Nachfrage und Investition abhält, wie unter Hoover und Roosevelt. Je mehr Staat, desto mehr politische Lösungen, die immer wieder Klientelpräferenzen folgen. Barro verweist darauf, dass Steuersenkungen die gleiche Wirkung haben. Sie halten solche Argumente, die ich früher von ihnen gehört hatte, heute aus der Diskussion heraus und propagieren stattdessen das Allheilmittel weiterer großer Staatsprogramme. Damit folgen Sie einem Tenor - bei aller Wertschätzung Ihrer Sachkunde und Ihres Engagements - den man nur als „sozialdemokratisiert“ bezeichnen muss.
Sehr geehrter Herr Hamilton, Sie haben sich irgendwie festgebissen in der Vorstellung, das Sozialprodukt würde fallen, wenn der Multiplikator kleiner als eins sei. Die Begründung für Konjunkturprogramme braucht das nicht. Auch wenn der Multiplikator kleiner als eins ist, steigt das Sozialprodukt. Aber das hatte ich ja schon erwähnt. Warum gehen Sie darauf nicht ein? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, hat die Hartz IV Gesetzgebung zu einem Mehrwert für die Volkswirtschaft geführt oder wurde nur die Arbeit im Billiglohnsektor auf mehr Köpfe verteilt, die dann entsprechend weniger verdienen?
Sehr geehrter Herr Böhme, die Arbeit wurde definitiv nicht auf mehr Köpfe verteilt, sondern es wurde mehr gearbeitet und ein höheres Sozialprodukt erzielt. Deutschland kam nach langen Jahren aus seiner europäischen Schlusslichtposition beim Wachstum heraus und hat sich bis zum Durchschnitt vorangerobbt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der Bundestagswahl ist die Tür nun offen für eine Steuerstrukturreform. Das Konzept der FDP halte ich für gut, nur leider fehlt mir im Geringverdienerbereich die Einführung einer Negativsteuer. Warum ist dieser Ansatz im FDP Konzept nicht vorhanden? Welche Bedenken gibt es gegenüber dem jetzigen Zuschusssystem?
Wenn ich nur wüsste, warum die FDP das nicht aufnimmt. Aber vielleicht tut sie es ja doch, ohne es an die große Glocke zu hängen. Warten wir ab. Da ich mit der Partei nichts zu tun habe, weiß ich es nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.09.09 - IHR GASTKOMMENTAR „WELTMEISTERSCHAFT AUF PUMP“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, haben Sie vielen Dank für Ihre Antwort zu meiner Stellungnahme! Aus der Sicht der Sozialhaushalte haben Sie natürlich völlig Recht, dass Lohnzuschüsse keine Subventionen sind, aus der Sicht der Unternehmen verhält es sich jedoch anders. Lohnzuschüsse sind hier Subventionen genau wie Zuschüsse zu Treibstoffen, oder zinsgünstige Kredite. Das ist eine Verzerrung der Wettbewerbssituation und wird über kurz oder lang die EU-Organe auf den Plan rufen. In historischer Betrachtung haben sich moderne, d.h. in der Regel kapitalintensive Industrien langfristig der lohnintensiven Fertigung überlegen gezeigt. Um in der globalen Wirtschaft mithalten zu können, muss Deutschland als Hochlohn- land kapitalintensiv arbeiten. Hätten wir rechtzeitig Maschinen entwickelt, die Mobiltelefone computergesteuert montieren, wären zwar bei Nokia in Bochum Arbeitsplätze weggefallen, die Wertschöpfung aber in Deutschland verblieben. So wird für vielleicht zehn oder zwanzig Jahre in Rumänien montiert, bevor automatische Anlagen entwickelt und in Betrieb genommen werden. Gerade in Anbetracht der demografischen Entwicklung muss Deutschland schon jetzt die Weichen für eine kapitalintensive Produktion stellen um mit weniger Beschäftigten weiterhin Wachstum zu erzielen. Einmal braucht die technologische Entwicklung ihre Zeit, weiter müssen die Unternehmen Gelegenheit haben, sich in ihrer Kapitalstruktur darauf einzustellen. Lohnzu- schüsse würden hier kontraproduktiv wirken, da sie den Innovationsprozess hemmen. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, wie recht Sie doch haben. Nur, man kann alles übertreiben. Da wir eine Marktwirtschaft haben, passiert genau das, was Sie beschreiben von allein durch den Markt, wenn man ihn lässt. Wenn man ihn nicht lässt und die Löhne noch über das hohe Niveau hinaus erhöht, das sie in Deutschland sowieso gehabt hätten, dann gibt es zu viel Kapitalintensivierung. Sie können mir glauben, der Punkt ist ökonomisch sonnenklar, sogar duch die Nobelpreise von Arrow und Debreu untermauert. Das richtige kommt heraus, wenn der Staat nicht in die Lohnstruktur eingreift. Tut er es, wie in Deutschalnd, geht die Spezialisierung zu weit und führt zu Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist das Kriterium, das zeigt, ob die Spezialisierung zu weit ging, denn Spezialisierung auf arbeitssparende Prozess, bei denen die freigesetzen Arbeitnehmer unbeschäftigt bleiben, sind Wohlfahrtsverluste für die Volkswirtschaft. Eine Lohnsubvention ist deshalb ausgehend von der verzerrten Situation, die wir in Deutschland haben, keine Verzerrung, sondern die Aufhebung derselben. Das kann ich nun nicht hier in der Kürze der Zeit nicht für Sie beweisen. Ich kann auch nicht erwarten, dass Sie das Argument als Nichtökonom wirklich in dem Sinne verstehen können, dass Sie davon überzeugt sind. Sie müssen mir insofern also schon vertrauen, so wie wir alle ja auch den Aussagen anderer Fachdisziplinen vertrauen, auch wenn wir die Argumente nur ansatzweise zur Kenntnis nehmen können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Hr. Prof. Dr. Sinn, wäre nett, wenn Sie eine ehrliche Antwort geben würden: "Halten Sie privat, wo auch immer, etwas Gold bzw. Edelmetalle?" Gruß S.Mueller
Nein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
S.g. Herr Sinn Schon seit einiger Zeit prognostiziere ich Deutschland eine tiefe Rezession für das Jahr 2009, wobei ich bisher von -3% ausgegangen bin. Ich erwartete Anfang 2008 auch noch ein Nullwachstum für das eben vergangene Jahr. Ein Prognose die mir von BIP Deflator und der terms of trade offenbar doch ein wenig verhagelt wurde. Diese beiden (etwas hilflosen) Forenbeiträge mögen mein Kassandra-Syndrom veranschaulichen: http://www.uni-protokolle.de/foren/viewt/169118,0.html?sid=538a0fc571630181fce64825b762e4d9 http://forum.politik.de/forum/showthread.php?t=205807 Nach den eben veröffentlichten Konjunkturdaten des statistischen Bundesamtes für den Monat Jänner, sehe ich nun aber ein, dass eine Prognose von -3% nicht zu halten sein wird. Langfristig korreliert die Industrieproduktion etwa mit dem Faktor 0,4 mit dem realen BIP. Aus dem Rückgang von 20,5% auf Jahresbasis ließe sich also ein gesamtwirtschaftlicher Rückgang von etwa 8% ableiten. Hinzu kommt aber eine ungebrochene Abwärtsdynamik die sich bei den Auftragseingängen (-38%) abbildet. Wie kann es da sein, dass noch immer Wachstumsprognosen von -2,2% kursieren, oder aber mit -3,7% (IfW) bzw. -3,8% (HWWI) auf Basis die Jänner Zahlen in Umlauf gebracht werden? Selbst für eine Prognose von -5% müsste sich die Wirtschaft im 2.Hj kräftig erholen. Wahrscheinlicher scheint doch eher ein Einbruch von 7 oder 8%, auch -10% scheinen möglich. Was das für die Arbeitslosenzahlen bedeuten wird, mag man sich kaum vorstellen. Mangelt es etwa am Mut solche Zahlen in Umlauf zu bringen?
Sehr geehrter Herr Schaffer, vielen Dank für Ihren Diskussionsbeitrag. Die Beantwortung habe ich anstelle von Herrn Prof. Sinn übernommen. Da ich selber bei der ifo Konjunkturprognose mitarbeite, beschäftigt mich Ihre Frage auch inhaltlich. Die Gemeinschaftsdiagnose der Institute geht mittlerweile von jahresdurchschnittlich -6% beim realen BIP in 2009 aus. Bei dieser Prognose ist übrigens auch das von Ihnen angesprochene IfW dabei. Bei der Berechnung der Prognose berücksichtigen wir natürlich die vorhandenen Monatsindikatoren, wie etwa die Industrieproduktion. Allerdings prognostizieren wir die Monatswerte auch. Knackpunkt für dieses Jahr ist insbesondere, wie die weltweit initiierten Konjunkturpakete wirken und mit welcher zeitlichen Verteilung. Das beeinflusst ganz zentral die jahresdurchschnittliche Veränderungsrate. Im weiteren Jahresverlauf wird sicher die Diskussion über die Arbeitslosigkeit ein zentrales Thema sein. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt steht erst am Beginn. Wir werden deutlich steigende Arbeitslosenraten zu verzeichnen haben. An Mut mangelt es uns nicht, wenn es um Prognose dieser Zahlen geht. Wir versuchen neutral und objektiv ein Basisszenario für die weiter Konjunkturentwicklung zu entwerfen. Diese Basisvariante veröffentlichen wir dann auch. Wir publizieren weder aus unserer Sicht zu positive noch zu negative Prognosen. Damit würden wir unserem Auftrag nicht gerecht. Mit einseitigen Prognosen wäre den Akteuren in der Wirtschaft nicht geholfen. Sie würden Planungen und Handlungen auf bewusst verzerrten Informationen aufbauen. Möglicherweise ergreifen die Akteure aufgrund einer "ungeschminkten" Prognose geeignete Maßnahmen, um die weitere Entwicklung zu beeinflussen. Dazu benötigen sie aber neutrale Vorgaben. Eventuell führen diese Handlungen (Zinsanpassungen, Steueränderungen, Konjunkturpakete, Tarifverhandlungen, etc.) dann dazu, dass die Prognose nicht eintritt. Gerade diese "Fehlprognosen" sind dann aber wohl unsere erfolgreichsten Prognosen. Mit freundlichem Gruß Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Hallo Herr Prof. Sinn. Am Wochenende konnte man ein persönliches Gespräch zwischen Ihnen und einem Journalisten auf Phönix sehen. Beim Thema Marktversagen, das von den Medienvertretern immer wieder gern durchgekaut wird, haben Sie nicht viel gegen gehalten. Ihre These war ja eher, dass der Bankenbereich zu wenig reguliert war. Speziell das Problem der erzwungenen Vergabe von Hypotheken an Schuldner geringer Bonität - Stichwort "Communty Reinvestment Act" (CRA) - und ihren Konsequenzen für die Kreditgeber (Fannie & Freddie) haben Sie ganz außen vor gelassen. Hier ist ein link zu einer kritischen Anmerkungen dazu schon in 1994. http://www.businessweek.com/archives/1994/b33985.arc.htm Meine Fragen: Sehen Sie den CRA als nachrangig für die Finanzmarktkrise? Ist das viel eher nicht ein klasssisches Regulierungsversagen? mfg - Gero Dubbermann
Sehr geehrter Herr Dubbermann, Sie haben mit Ihrem Hinweis völlig Recht. Aber wenn ich etwas nicht gesagt habe, heißt es nicht, dass ich es nicht auch hätte sagen können oder nicht wusste. Der Sachverhalt ist hier intensivst diskutiert worden. Der wahre Grund für die Risikobereitschaft der Geringverdiener liegt indes in der Leichtigkeit, mit der man in den USA Privatkonkurs anmelden kann bzw. in der fehlenden Durchgriffshaftung seitens der Banken. Sonst hätten die Leute die staatlichen Kredite kaum genommen. Nachrangig insofern ja, aber dennoch wichtig als Teil der Erklärung des Geschehens. Man konnte seine Bank ja sogar auf Diskrimnierung verklagen, wenn sie einem als Geringverdiener keinen Kredit gab. Kein Geringerer als Obama hat als Rechtsanwalt meines Wissens geholfen, die Klagen zu betreiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich bin erleichtert, daß endlich eine bedeutende Persönlichkeit der Wirtschaftswissenschaften mit gebotener Konsequenz den Unfug ins Rampenlicht rückt, der uns seit Jahrzehnten einen guten Teil unserer Wirtschaftskraft kostet. Die Allusion an den "Geisterfahrer der Welt" ist treffend. Ich gratuliere Ihnen. MfG Dr. André von Froreich Facharzt für Labormedizin
Sehr geehrter Herr Froreich, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn es ist außerordentlich bedauerlich, daß durch Ihre unglückselige Bemerkung die anderen wichtigen Aussagen im Interview so untergegangen sind. Auch dieser Artikel Löcher Stopfen http://www.project-syndicate.org/commentary/sinn22/German und das von Ihnen im Interview erwähnte Buch The New Systems Competition http://www.cesifo-group.de/portal/page/p...02-systcomp.htm ist es dieses?, fassen sehr schön die meßbaren prozyklische Elemente zusammen, die zu diesen finanziellen Seifenblasen beitrugen. Allerdings gibt es nicht nur meßbare Elemente, die die Seifenblasen förderten. Im Interview äußerten Sie die Ansicht In jeder Krise wird nach Schuldigen gesucht, nach Sündenböcken. ...Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Überlegen Sie sich einmal, welches Verhalten Sie mit dieser Ansicht bei Ihren Absolventen auslösen. Ihre Aussage heißt mit anderen Worten: Jedes Verhalten, daß durch Anreize gefördert und durch fehlende Regeln nicht verboten wurde, ist erlaubt. Wäre Mord erlaubt, wäre das auch nur ein falscher Anreiz oder fehlende Regeln? Das kann es doch wohl nicht sein? Jeder wirtschaftliche Handelnde hat als Marktteilnehmer zwei Grunderfahrungen zu verinnerlichen. Einen Kunden kann ich nur einmal schädigen Auf jeden wirtschaftlichen Sommer folgt ein wirtschaftlicher Herbst oder Winter, in dem ich Reserven brauche Das sind Regeln, wenn man so will elementare Erfahrungen, die keine staatliche Regel außerkraftsetzen kann Nochmal ihre Aussage Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln. Diese Art der Argumentation kann man als eine in die Zukunft gerichtete Absolution für jedes menschliche Verhalten interpretieren und Sie können sicher sein, so wird sie interpretiert. Das bin nicht ich, der über die Strenge schlägt, es sind die Regeln, die mich dazu zwingen. Das bin nicht ich, der zugeschlagen hat, es war meine schwere Kindheit, die mich dazuz zwang und die fehlende Polizei, die mich dabei nicht hinderte. Kommt Ihnen diese Argumentation nicht bekannt vor. Sie und Ihre Kollegen begeben sich mit dieser Argumentation in ein gefährliches Fahrwasser. Sie sollten sich nicht als Beichvater mißbrauchen lassen, der Absolution für jedes zukünftiges Verhalten erteilt. Das kann nicht sein. Von jedem Erwachsene kann ich erwarten, daß er weiss, was Anstand ist und das er nicht seine Kunden willentlich und wissentlich schädigt. Nächster Kritikpunkt Es gibt eine Grauzone, wo nicht mehr staatliche Regeln und noch nicht globale Regeln gelten. Wer ohne Regeln nicht selbst weiss, wie sich ein ehrbarer Kaufmann verhält, weiss es auch mit Regeln auch nicht. Er wird nur daran gehindert und vielleicht bestraft, aber er besitzt keine Einsicht in ein Fehlverhalten. Mehr erreichen Sie nicht durch Regeln, die nur ein passiver Schiedsrichter, aber nicht die Mitspieler selbst vorgeben. Genau aus dem Grund ist es falsch, wenn der Staat als Schiedsrichter die Regeln vorgibt, da in einem sich selbst organisierenden System nur die Regeln von den Marktteilnehmern als richtig anerkannt werden, die man sich selbst aus innerer Einsicht in die Notwendigkeit geben. Gibt der Staat die Regeln vor, wird innere Einsicht in die Regeln immer fehlen und jede Möglichkeit genutzt werden, die Regeln zu umgehen. Wie man im rechtsfreien Raum jenseits der Staaten beobachten kann. Die Marktteilnehmer und nicht der Staat müssen sich selber regulieren und sich selbst die Regeln geben, die sie aus innerer Einsicht für notwendig erkannt haben. Niemand sonst Mit freundlichen Grüßen Manfred Albrecht Den Kommentar Bitte nur mit dem Vermerk Name ist der Redaktion bekannt veröffentlichen
Sehr geehrter Herr Albrecht, vielen Dank für Ihr Mail vom 28.10. November an Prof. Sinn. Ich habe es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie beziehen sich auf Prof. Sinns Interview im Tagesspiegel vom 27. Oktober und kritisieren seine Aussage „Als Volkswirt sehe ich stattdessen falsche Anreize und fehlende Regeln“. Als Wirtschaftswissenschaftler untersucht Prof. Sinn bestimmte Probleme und arbeitet Lösungsvorschläge aus. Andere wissenschaftliche Disziplinen tragen das Ihre zur Lösung von Problemen bei. Wenn es um kriminelle Handlungen geht, so ist es Aufgabe der Justiz, diese zu verfolgen. Mir scheint, Sie überinterpretieren die erwähnte Aussage von Prof. Sinn, alsob er als Volkswirt alle möglichen Sichtweisen zu einem Problem abdecken müsste. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Guten Tag Hr. Prof. Sinn, meine Frage bezieht sich auf den Klimawandel. Sie haben in einem Interview geäußert, dass unilaterales Vorgehen einzelner Länder im Bezug auf die Minderung von THG - emissionen wenig nützlich ist, da der Nettoeffekt durch den Preismechanismus geradezu 0 ist. Dies ist mir verständlich. Wenn das Öl nicht in der Erde bleibt, wird es weiter verbrannt. Führt ihrer Meinung nach die endliche Verfügbarkeit von Öl zu abnehmenden THG emissionen? Wäre es sinnvoll, die zulässigen Emissionen pro Kopf gleichzuverteilen oder wäre dies klimapolitisch nicht durchzusetzen?Vielen Dank schon mal, Grüße aus Frankfurt
Sehr geehrter Herr ..., meine Meinung zu dem Thema habe ich in dem angehängten Beitrag dargelegt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: Sie finden das von Prof Sinn angesprochene Working Paper unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/pls/guest/download/Ifo%20Working%20Papers%20(seit%202005)/IfoWorkingPaper-54.pdf
Sehr geehrter Professor Sinn, eine Frage zur Immobilienkrise: Es wird in diesem Zusammenhang oft von Geldvernichtung gesprochen. Die Abschreibungen belaufen sich schätzungsweise auf eine Höhe von 265 Milliarden Dollar. Ist dieses Geld wirklich vernichtet oder hat es nur jemand anderes? Wer sind Gewinner, wer Verlierer? Ich habe hierzu noch keine seriöse Antwort im Netz gefunden. Beste Grüße aus Köln
Sehr geehrter Herr Schepers, das Geld haben die Häuslebauer in Amerika, die Kredite aufnahmen, die sie nicht zurückzahlen können. Sie haben das Geld konsumiert. Auch der deutsche Steuerzahler finanziert diesen Konsum mit. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Im Studium (vor 20 Jahren) habe ich gelernt, daß eine Goldene Regel und damit Säule der Marktwirtschft folgendes Verhalten des Auftraggebers ist: Um reale Kalkulationen für ein Angebot zu erhalten, werden generell der teuerste sowie der preiswerteste Anbieter ohne Detailüberprüfung gestrichen ! Seit Jahren wird dies weder bei privaten noch öffentlichen Ausschreibungen beherzigt ! Damit schlägt sich unser Land doch selbst die Füße weg ! Oder ??? (Rückwärtsentwicklung zum Frühkapitalismus ?) St.-M. Dreihöfer
Sehr geehrter Herr Dreihöfer, vielen Dank für Ihren Beitrag, in dem Sie sich nach der richtigen Bewertung unterschiedlicher Unternehmensangebote durch den Auftraggeber erkundigen. In einer Welt der Unsicherheit, wenn man also die Qualität der Angebote nicht genau kennt, erscheint es vernünftig, so vorzugehen, wie Sie das beschreiben. Ob man so das beste Angebot vielleicht sogar ausschlägt, weiß man auch nicht mit Sicherheit. Wie man bei privaten oder öffentlichen Ausschreibungen wirklich vorgeht, entzieht sich meiner Kenntnis. Arg drastisch finde ich es, wenn sie es eine „Rückwärtsentwicklung zum Frühkapitalismus“ nennen, falls man die von Ihnen genannte Regel doch nicht anwendet. Mit freundlichen Gruß Robert Koll, Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, Es freut mich ihnen Mitteilen zu können, das ich doch Recht gehabt habe.Die Fakten liegen auf den Tisch. Die Zeit der Neokonservativen ist nun vorbei. Nun kommen wieder die Demokraten und die Zeit der Manager mit der schnellen Geldmacherei, auf Kosten der Arbeiter ist auch vorbei. Die Fakten sind nicht zu übersehen.Mit der Bankenkrise, die nun mit Steuergeldern saniert werden müssen. Habe gerade eine Eilmeldung erhalten, das die USA sich in einer Rezession befindet. Haben sie nichts aus der Geschichte Gelernt. Das hatten wir schon einmal. Nun ist es wieder Zeit für einen „New Deal“ das die Karten wieder neu gemischt werden. Mehr Geld für die Arbeiter und nicht für die Reichen. Es gibt ein gutes Buch. Das müssen Sie mal Lesen. „Nach Bush“ von Paul Krugman.Sie waren auf einen Holzweg gewesen. Ich hoffe Sie haben was gelernt. Mit Freundlichen Gruß Peter Hoffmann
Sehr geehrter Herr Hofmann, ich verstehe nicht, wieso und in welcher Hinsicht die Rezession in den USA Ihnen Recht gibt. Unsere Diskussion bezog sich doch auf ganz andere Themen. ifo hat die Möglichkeit einer Rezession in den USA in seiner Konjukturprognose von Anfang des Jahres für die EEAG sowie in verschiedenen Artikeln betont. Ich hänge zwei dieser Artikel an. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: Es bestehen noch 2 weitere Diskussionsbeiträge zwischen Herrn Hoffmann und Prof. Sinn vom 03. und 10. Dezember 2007.
Bild-online vom 20.03.2008 Sie behaupten in diesem Beitrag, dass eine private Versicherung doppelt so viel Rente bringt als die gesetzliche Versicherung. Wer garantiert mir das? Die Versicherungen? Bestimmt nicht. Die Beispiele in USA und England zeigen wohin eine private Altersvorsorge führen kann. Nur die Rentenversicherung hat nach 2 Weltkriegen die Versicherten bezahlt! Ich kannte viele Selbstständige die vor dem 2. Weltkrieg nicht in die Rentenversicherung bezahlt haben sondern in Lebensversicherungen. Diese Menschen bekamen keinen Pfennig aus ihren Versicherungen und mußten größtenteils ab dem Rentenalter bis zum Tode weiter arbeiten um einigermaßen leben zu können. Auch in den USA und England sind viele Rentner verarmt die sich privat versichert haben. Wenn man sieht was im Augenblick an der Börse abgeht muß man Angst haben, dass neben Banken nicht auch Versicherungen in die Pleite gehen. Uns Sie wollen, dass wir für die Vorsorge Versicherungen abschließen? Die wollen doch nur an unseren Provisionen verdienen. Offensichtlich sind Sie, Herr Professor Sinn, Lobbyist der Versicherungswirtschaft.
Sehr geehrter Herr Dziekan, Sie sind sehr schnell mit Ihrem Urteil. Wenn Sie der Meinung sind, dass die gesetzliche Rentenversicherung besser ist: Sind sie dann ein Lobbyist der gesetzlichen Versicherung? Ich kann Sie beruhigen. Ich stehe bei keiner Versicherung in Diensten. Die inhaltliche Aussage, die ich getroffen habe, ist durch viele Studien erhärtet. Sie bekommen beim Unlageverfahren nur eine Rendite in Höhe der Lohnsteigerung, und die ist deutlich niedriger als der Marktzins. In Barwerten gerechnet macht die Rente nur ungefähr die Hälfte dessen aus, was man bei einer Kapitalmarktanlage bekommt. Im übrigen unterstellen Sie mir implizit, ich hätte dafür plädiert, die gesetzliche Rentenversicherung durch privates Sparen bei einer Lebensversicherung zu ersetzen. Das habe ich keineswegs getan. Ich habe nur für's Riester-Sparen als Zusatzversorgung werben wollen. Ich selbst habe in verschiedenen Beiträgen gezeigt, dass der Renditevorteil der privaten Kapitalanlage nicht etwa einen Systemvorteil bedeutet, sondern nur scheinbar für die Gesellschaft besteht. Er verschwindet, wenn man die Steuern mit berücksichtigt, die zur Bedienung der schon bestehenden Rentenansprüche benötigt werden. Dennoch stimmt die Aussage, die Bild von mir veröffentlicht hat. Weil es die gesetzliche Versicherung wegen der Kinderarmut der Deutschen nicht mehr schafft, die Renten zu zahlen, müssen wir wohl oder übel dazusparen, wenn wir im Alter auskömmlich leben wollen. Was Sie zu den Risiken sagen, stimmt. Niemand kann für alle Eventualitäten die Sicherheit garantieren. Aber die Rentenversicherung kann das auch nicht. Wenn die Kinder ausbleiben, die die neuen Beiträge später mal zahlen, kann die Rentenversicherung auch nicht mehr zahlen. Das ist das aktuelle Risiko, vor dem wir derzeit stehen. Nichts für Ungut. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mir ist Ihre ablehnende Haltung gegenüber Mindestlöhnen bekannt, was ich sehr begrüße. Im Zuge meiner Diplomarbeit zum Thema Mindestlohn vs. Mindesteinkommen und die Folgen für den deutschen Mittelstand, bin ich auf eine Studie des Klaus Bartsch Econometrics zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes gestoßen. In diesem Gutachten wird von einem neoklassischen Modell ausgegangen, indem eine sog. Marktstörung nicht durch Marktmacht der Arbeitsanbieter, also den Gewerkschaften, sondern durch die Arbeitsnachfrager, nämlich den Unternehmen, ausgelöst wird. Ferner führt dies zu einem Lohn, der unterhalb des Gleichgewichtslohnes liegt. Gründe hierfür sieht das Institut in den sinkenden Löhnen bei gleichzeitiger Ausdehnung des Arbeitsangebotes. Arbeitnehmer sind gezwungen, ihr Arbeitsangebot solange auszuweiten, bis sie ihre Existenz gesichert haben. Der Mindestlohn soll das Gleichgewicht wiederherstellen. Was halten Sie von dieser These?? Für Ihre Antwort danke ich Ihnen im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Stefan Rohsiepe
Sehr geehrter Herr Rohsiepe, das Monopsonargument ist lange bekannt und Gegenstand der Mikrotheorie. Es stimmt theoretisch, aber nicht empirisch, denn gerade die gering Qualifizierten, um die es geht, haben nicht nur einen Arbeitgeber, bei dem sie beschäftigt werden können. Die spezielle Variante einer steigenden Arbeitsangebotskurve, von der Sie berichten, ist mir unbekannt. Aber sichlich ist dies empirisch nicht relevant. Alle ökonometrischen Untersuchungen zeigen, dass das Arbeitsangebot schwach mit dem Lohn steigt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag, mich würde interessieren: Was kostet uns die Mehrwertsteuererhöhung wirklich? Welche positiven Auswirkungen(wenn überhaupt) hat sie und welche negativen Folgen können wir ihr anlasten? Wäre die Inflation auch ohne die Mehrwertsteuererhöhung momentan so hoch? MfG Anna Reiter
Sehr geehrte Frau Reiter, die Mehrwertsteuererhöhung hat zu etwas mehr als einem Prozentpunkt zur Preiserhöhung des Jahres 2007 beigetragen. Die Inflation wird, da das Ganze ja nicht wiederholt wird, dieses Jahr nicht noch einmal angestoßen. Wir rechnen mit 2,3%. Positive Auswirkungen gibt es nur auf das Staatsbudget. Durch die Erhöhung hat es die Regierung geschafft, dass der deutsche Staat im Jarhr 2007 zum ersten Mal seit 1969 (mit Ausnahme des Jahres, in dem die UMTS-Erlöse hinzutraten) keine neuen Schulden gemacht hat. Negativ ist die Mehrwertsteuer für die Anreize, legal zu arbeiten. Die Schwarzarbeit wird noch attraktiver. Außerdem kostet sie die Bürger natürlich Kaufkraft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Fragen zum Thema "Staatsverschuldung" sind bis dahin geklärt, dafür möchte ich mich sehr bei Ihnen bedanken. Ich habe Ihnen vor kurzem eine Mail bezüglich ihrer Meinung zum Thema Klimaschutz im Hinblick auf das Treffen der G8 Staaten in Heiligendamm geschrieben. In dieser Mail bezweifelte ich ihre Ansicht, dass durch die Vereinbarung der G8 Staaten und einiger anderer Länder, ihre CO2 Emissionen zu senken, der Preis von fossilen Brennstoffen, insbesondere Öl, so stark fallen kann, dass dadurch die anderen Länder infolge der Preissenkung in der Lage sind, genau so viel CO2 mehr zu verbrauchen als die G8 Staaten und die anderen in die Vereinbarung involvierten Länder weniger verbrauchen. Als Begründung für meine Überzeugung gab ich an, dass die Gesamtnachfrage nach fossilen Brennstoffen in diesem Fall genauso hoch sein müsste wie vor der Vereinbarung der G8 Staaten, ihren CO2 Verbrauch zu reduzieren. Daraus folgerte ich, dass sich in diesem Fall auch der Preis auf sein ursprüngliches Niveau einpendeln müsste, was wiederum bedeutet, dass die nicht in die Vereinbarung involvierten Länder ihren CO2 Verbrauch gar nicht erst auf dieses Niveau steigern könnten. Darum meine Frage: Ist Ihnen da ein "kleiner Fehler" unterlaufen. Wäre ja nicht schlimm, wir sind ja alle nur Menschen. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, es gibt zwei Effekte auf die Nachfrage. 1. die staatlichen Maßnahmen zur Nachfrageverringerung und 2. den Preis. Falls das Angebot nicht reagiert, ist der Marktpreis umso niedriger, je mehr die staatlichen Maßnahmen wirken. Er ist genauso so viel niedriger, dass der Effekt des Staates kompensiert wird. Schauen Sie sich doch bitte erst einmal meinen Aufsatz zum Klimaschutz an, den ich anhänge. Den logischen Widerspruch, den sie meinen, gibt es nicht. Europa kann die Weltnachfrage nicht bedingungslos drosseln, sondern immer nur die Nachfrage, die sich bei einem gegebenen Weltmarktpreis ergeben hätte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: das angesprochene Working Paper finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/pls/guest/download/Ifo%20Working%20Papers%20(seit%202005)/IfoWorkingPaper-54.pdf
Betreff: Staatsverschuldung Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte Ihnen eine Frage bezüglich der Staatsverschuldung stellen. Ist es überhaupt möglich die Staatsverschuldung nicht nur temporär, sondern dauerhaft zu senken? Ich bezweifle dies aus folgendem Grund: Die Notenbanken drucken Geld und verleihen es gegen Zinsen den Privatbanken, diese verleihen es weiter an Unternehmer, Existenzgründer und an Privathaushalte. Auch die Privatbanken verlangen natürlich Zinsen von Ihren Schuldnern. Würde jetzt kein neues Geld in Umlauf gebracht werden, könnten einzelne Schuldner Ihre Kredite nur zu Lasten dem Bankrot anderer Schuldner zurückzahlen. Also muß neues Geld verliehen werden, was wiederum neue Schulden impliziert. Dieser Kreislauf setzt sich Jahr für Jahr fort. Ist ein Unternehmen bankrott gegangen oder kann ein Privathaushalt seinen Konsumkredit nicht mehr bedienen erhalten sie von den Banken in der Regel keinen neuen Kredit. Nur der Staat ist quasi grenzenlos kreditwürdig. Dadurch werden durch den Staat immer neue Gelder in Umlauf gebracht durch die verhindert wird, dass zu viele Unternehmen und Privathaushalte pleite gehen. Dadurch steigt die Staatsverschuldung natürlich Jahr für Jahr weiter an. Die Staatsverschuldung steigt auch im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt an! Muss der Staat, wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, nicht zwangsläufig irgendwann seine Kreditwürdigkeit verlieren und das ganze System bricht dann zusammen? Die konkrete Frage lautet also, muss unserer Wirtschafts- und Geldsystem nicht zwangsläufig irgendwann systembedingt zusammenbrechen? Mit freundlichen Grüßen Noel König
Sehr geehrter Herr Noel, Sie sagen richtig, dass neu gedrucktes Geld von der Notenbank an die Wirtschaft verzinslich verliehen wird. So wächst die Geldmenge mit der wirtschaftlichen Entwicklung. Warum da irgendetwas zusammenbrechen soll, erkenne ich nicht. Nehmen Sie einmal an, die Wirtschaft wüchse nicht mehr, so dass auch nicht mehr Geld benötigt wird. Dann fließen zwar permanent Zinsen von den Kreditnehmern an den Staat, aber der Staat verausgabt dieses Geld wieder, gibt es also zurück an den privaten Sektor. Sie sagen: "Würde jetzt kein neues Geld in Umlauf gebracht werden, könnten einzelne Schuldner Ihre Kredite nur zu Lasten dem Bankrott anderer Schuldner zurückzahlen." Diesen Satz verstehe ich nicht. Warum sollen die Schuldner nicht in der Lage sein, ihre Kredite ohne Bankrott zurück zu zahlen. Die Schuldner haben das Geld vielleicht produktiv investiert und verdienen damit Erträge, aus denen die Zinsen bedient werden können. Und wenn sie auch tilgen, dann steht das Kapital anderen Verwendungen zur Verfügung. Kurzum: Ich kann Sie hier wirklich beruhigen. Es gibt nicht den geringsten Anlass, bei den von Ihnen beschriebenen Aspekten selbstzerstörerische Kräfte zu befürchten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Folgebeitrag zum Beitrag vom 03.12.2007: Möchte mich bei Herrn Sinn für seine Antwort bedanken. Aber das mit der Neidpräferenz sehe ich nicht so. Im Mittelalter gab es Leibeigene und der Adel hat die Menschen ausgebeutet. Ich glaube nicht, dass die Menschen neidisch auf den Adel waren. Sie waren nur unzufrieden mit ihren Leben und daraus ist dann die Demokratie entstanden. Was dann von unseren Manager wieder als Neid hingestellt wird.A uch im alten Rom haben schon laut Cicero einige Römer gemeint sie wären was Besseres und müssten das Volk ausbeuten. Mit Freundlichen Gruß Peter Hoffmann
Sehr geehrter Herr Hoffmann, wir leben aber nicht mehr im Mittelalter, sondern in der Neuzeit und haben einen umfassenden Sozialstaat. Die Manager, die die extrem hohen Gehälter haben, zahlen auch extrem hohe Steuern. Die Steuern sind wegen der Progression sogar relativ noch höher als die Bruttoeinkommen. Damit werden die Armen finanziert. Heute lebt in Deutschland praktisch niemand unter dem Existenzminimum, denn jeder hat Anrecht auf Hartz IV oder die Sozialhilfe, die das Existenzminimum sichern. Das ist der Unterschied zum Mittelalter. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, in Ihrem Beitrag zur Debatte um Mindestlöhne kommen Sie zu dem Ergebnis, dass die Einführung von Mindestlöhnen (egal ob gesetzlich oder tarifvertraglich begründet) Arbeitsplätze vernichtet. Sie führen an, dass die Möglichkeit für niedrigere Löhne zu Produktionszuwächsen führen und somit zu einer Steigerung des Gesamtvermögens führen würde. Exemplarisch führen Sie die Bauwirtschaft und die Beschäftigungsentwicklung dort seit 1997 an. Aus meiner Sicht sind in dieser Argumentation zwei wesentliche Effekte nicht berücksichtigt: 1. Ein Produktionszuwachs und damit eine Zunahme der Arbeit ist nur in Märkten zu erwarten, in denen ein großer Teil des Bedarfs auf Grund des Preises nicht zu Nachfrage wird. Dort ist bei niedrigeren Löhnen und daraus resultierend niedrigeren Preisen mit einer Nachfragesteigerung zu rechnen. Das gilt offensichtlich nicht für die klassischen Dienstleistungsbranchen, die derzeit in der Diskussion für den Mindestlohn sind. Zumindest mir ist noch nicht die Behauptung untergekommen, mit einem Rückgang des Preises für Briefsendungen würde sich das Aufkommen des innerdeutschen Briefverkehrs drastisch erhöhen. Damit wirkt sich aber eine gegenläufige Entwicklung aus: Unter der Annahme mehrerer Marktteilnehmer mit an sonsten vergleichbaren Kostenstrukturen kann der Marktteilnehmer, der niedrigere Löhne zahlt, einen zusätzlichen Kosten- und damit Preisvorteil realisieren. Auf Grund des unelastischen Marktvolumens sind die übrigen Marktteilnehmer gezwungen, die Preisreduzierung und die damit verbundene Kostenverringerung nachzuvolziehen. Dazu bleiben zwei Möglichkeiten: Bei gleichbleibenden (höheren) Löhnen die Zahl der Arbeitskräfte zu verringern oder ebenfalls die Löhne zu senken. Am Ende der Entwicklung stehen entweder weniger Arbeitsplätze oder ein niedrigeres Lohnniveau, ohne dass neue Arbeitsplätze entstehen würden. Damit wäre aber dem Staat sowohl auf der Einnahmeseite (niedrigere Steuergrundlage bei der Einkommenssteuer) als auch auf der Ausgabenseite (kein Rückgang der Arbeitslosigkeit und zusätzlicher Bedarf für Transferzahlungen) geschadet. 2. Im Beispiel der Bauwirtschaft lässt sich nur spekulieren, wie die Entwicklung bei niedrigerem Lohnniveau ausgesehen hätte. Da Deutschland kein abgeschotteter Markt ist, führt selbst eine Zunahme der Nachfrage und damit eine Zunahme von Arbeitsplätzen nicht zwangsläufig zu einer Abnahme der Arbeitslosigkeit. Musterbeispiel ist hier die Landwirtschaft, die einen hohen Bedarf an niedrig qualifizierten und niedrig bezahlten Arbeitskräften z.B. bei der Erntehilfe hat. Diese unzweifelhaft vorhandenen Arbeitsplätze werden von Arbeitskräften aus dem Ausland ausgefüllt, da sich nur wenige Inländer bereitfinden, für den damit verbundenen Lohn zu arbeiten. Damit wird die inländische Arbeitslosigkeit nicht verringert. Der Verdacht liegt nahe, dass in der Bauwirtschaft im Bereich der niedrig qualifizierten Tätigkeiten ein ähnliches Bild entstanden wäre, wenn die Löhne auf einem nicht existenzsichernden Niveau liegen würden. Sollte im Angesicht dieser Fakten nicht jede Branche anhand der spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Marktes beurteilt werden, anstatt pauschal in die eine oder andere Richtung zu entscheiden? Mit freundlichen Grüßen Langschmidt
Sehr geehrter Herr Langschmidt, vielen Dank für Ihr Mail, das ich gerne beantworte. 1. Dass im Bau Arbeitsplätze verloren gingen, als die Allgemeinverbindlichkeit eingeführt wurde, ist in der Studie von König und Möller, die ich zitiere, nachgewiesen worden. Insofern braucht man nicht zu theoretisieren. Aber wir können das gerne tun. Niedrigere Löhne machen niedrigere Preise, und niedrigere Preise machen stets mehr Nachfrge. Warum nun gerade Briefe eine Ausnahme sein sollen, ist mir schleierhaft. Man kann doch Nachrichten auf vielerlei Weise übermitteln. Welchen Weg man wählt hängt unter anderem von den Kosten ab. Davon abgesehen, führen niedrigere Löhne auch deshalb zu mehr Beschäftigung, weil die Firmen weniger Maschinen und Roboter zum Ersatz von Menschen einsetzten. Gerade bei der Post gibt es erhebliche Rationalisierungsmöglichkeiten, die durch hohe Löhne aktiviert werden. Dass der Staat bei einer Lohnsenkung den Kürzeren zieht, kann man schwerlich unterstellen, denn im gleichen Umfang wie die Löhne fallen, steigen die Gewinne. Da die Gewinne in der Regel einer höheren prozentualen Steuerlast unterliegen als die Löhne, wächst das Steueraufkommen durch die Lohnsenkung. 2. Bei fallenden Löhnen sinkt der Immigrationsanreiz. Insofern ist klar, dass die zusätzlichen Stellen, die durch Lohnsenkungen geschaffen werden, den Inländern zugute kommen. Ich hoffe, diese Antworten waren Ihnen nützlich. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag Hr. Professor Sinn, im Rahmen meines betriebswirtschaftlichen Studiums höre ich im aktuellen Semester die Vorlesung Solzialpolitik. Gehalten wird diese von einem Volkswirt, der zugleich Parteimitglied bei den Grünen ist und demnach sehr stark für das Modell des "bedingunslosen Grundeinkommens" plädiert und auch der Idee des "solidarische Bürgergeldes" (D. Althaus) positives abgewinnen kann. Meine Frage ist nun, welche realen Implikationen diese Modelle für den Arbeitsmarkt tatsächlich, ihrer Einschätzung nach, haben. Positiv wäre aus meiner Sicht, die radikale Veränderung, mitgleich Vereinfachung des deutschen Steuersystems. Sicher kann man auch sagen, dass nun der heute noch hervorgebrachte implizite Mindestlohn durch den Sozialstaat dann ja nicht mehr vorhanden wäre, dahingehend, dass bei Eingehen eines Arbeitsverhältnisses der Transfer ja nicht entzogen wird. Es würde also den Reservationslohn nicht künstlich erhöhen, oder? Meine Befürchtung, diese Idee, so schön sie kingt, löst nicht unser Problem der Massenarbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten, oder? Was glauben Sie, welche Effekte das für gerade diese Gruppe von potentiellen Arbeitskräften hat? Und, da beide Systeme ja über die Mehrwertsteuer finanziert würden, welche Implikationen ergäben sich für den Außenhandel? Ist eine reine Konsumbesteuerung sinnvoll?Vielen Dank und freundliche Grüße aus Frankfurt
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank für die Anfrage. Das Grundeinkommen ist prinzipiell ok, wenn Sie den Begriff sehr weit verstehen. Alle Vorstellungen zum Niedriglohnsektor arbeiten mit einem Grundeinkommen. Auch Hartz IV übrigens. Die eigentliche Frage ist, wie hoch es sein soll und wie der Transfer bei wachsendem Einkommen in den Steuertarif überführt werden soll, was je nötig ist, wenn das Staatsbudget ausgeglichen bleiben soll. Was in der politischen Diskussion mit dem Vorschlag des Grundeinkommens gemeint ist, geht von einer engeren Definition aus. Man denkt an ein sehr hohes Grundeinkommen von beispielsweise 800 Euro für jeden. Ein solches Grundeinkommen kostet 800 Mrd. Euro, was in die Nähe des gesamten Staatsbudgets kommt, das bei 1100 Mrd. Euro liegt. Schon hieran erkennen Sie, wie absurd der Vorschlag ist. Wollte man das durch eine Mehrwertsteuererhöhung bezahlen, wie manchmal vorgeschlagen wird, so bräuchte man ca. weitere 100 Prozent. Dh. der Mehrwertsteuersatz wäre nicht etwa 20 Prozent wie heute, sondern 120 Prozent. Das ist weder mit EU-Recht noch Common Sense kompatibel. Die ganze Schwierigkeit bei der Gestaltung der Anreizstrukturen im Niedriglohnsektor liegt im Feintuning. Man muss sehr viele komplizierte und iterative Rechnungen machen, um zu einem belastbaren Vorschlag zu gelangen. ifo hat das gemacht. Wir schlagen deshalb eine Modifikation des ALG II vor: Die Hinzuverdienstgrenze wird von 100 auf 500 Euro erhöht, der Regelsatz bei Nichtarbeit wird um ein Drittel gekürzt und für den Notfall steht der heutige Regelsatz ungekürzt zur Verfügung, wenn man dafür einen Vollzeitjob beim Staat ausübt. Der Staat darf die Arbeitsleistung unter Verwendung von Zeitarbeitsfirmen an die private Wirtschaft verleihen. Dieses System ist in der Lage, die implizite Lohnuntergrenze im jetzigen System um mehr als ein Drittel zu senken, sorgt also für die nötige Flexibilität. Ein Drittel Lohnsenkung im Niedriglohnbereich ist nach unserer Rechnung hinreichend, die Arbeitslosigkeit der gering Qualifizierten zu beseitigen. Stärker bräuchte und würde der Lohn nicht fallen. Der Sachverständigenrat hat den ifo-Vorschlag im Kern übernommen. Er hat im letzten Jahresgutachten die Vorschläge zur Grundeinkommenssicherung auf Korn genommen und für absurd erklärt. Auch ein ifo-Schnelldienst vom letzten Frühjahr beschäftigt sich damit und vergleicht die Grundeinkommensvorschläge mit den anderen Vorschlägen. (Anmerkung des Moderators: Link zum Artikel aus Schnelldienst 19/2007: http://www.cesifo-group.de/link/ifosd_2007_19_3.pdf) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich würde gerne wissen wie hoch sie die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass die Weltwirtschaft nächstes Jahr in eine Rezession rutscht. Die Zeitungsartikel gehn da sehr weit auseinander. Bis jetzt war ich der Meinung, dass sich die Finanzkrise zwar durchaus auf die Weltwirtschaft auswirkt, sich aber die Folgen einigermaßen in Grenzen halten und man immer noch von einem geringem Wachstum ausgehn kann. Da die Weltwirtschaft nicht mehr so stark von den Vorgaben aus den USA abhängt, da China, Indien und Russland die Nachfrage auf dem Weltmarkt vorantreiben. Die Dollarschwäche und der steigende Ölpreis drücken natürlich auch stark auf die Weltwirtschaft. Sind sie also auch eher der Meinung dass diese drei Faktoren zu einer Rezession führen oder dass die Wirtschaft diese Schocks verdaun kann und weiter wächst?
Sehr geehrter Herr Funke, nach meiner Einschätzung ist die Krise gravierend, und zwar nicht nur wegen der Banken, sondern vor allem wegen der Rückwirkungen des Hauspreisverfalls auf den amerikanischen Konsum. Die Wahrscheinlichkeit einer amerikanischen Rezession in den nächsten z w e i Jahren schätze ich als 50:50 ein. Wenn es so käme, würde auch Deutschland nicht ungeschoren bleiben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sagten, daß ein Lokführerstreik mit höheren Löhnen für die Lokführer keinesfalls toleriert werden kann - wer hat hier was zu tolerieren und wer ist im Besitz der absoluten Wahrheit? Ich wünsche Ihnen einen, wenn nötig, monatelangen Bahnstreik mit Blockade der Wirtschaft - so daß nichts mehr läuft - dann werden Sie sehen, wer in diesem Land was zu tolerieren hat. Wir haben sowieso ein Demokratiedefizit und langsam diese Wirtschaftsform satt, in der sich einige bereichern auf Kosten aller (ich meine hier nicht die Lokführer!), von Korruption und Inkompetenz auf Seiten des Managements, der gleichgeschalteten Medien und abhängigen Wirtschaftsweisen. Mit freundlichem Gruß Gerd Breternitz
Sehr geehrter Herr Breternitz, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich habe mein Urteil aus der Sicht der Volkswirtschaftslehre abgegeben. Man kann zeigen, dass Berufsstandsgewerkschaften, wenn sie einzeln verhandeln, im Endeffekt ein so hohes Lohnniveau für die Branche herausholen, dass die Branche als solche teilzerstört wird, was den Beschäftigten selbst trotz der hohen Löhne für eine Restmenge an Beschäftigten per saldo Nachteile bringt. Was toleriert werden kann und was nicht, entscheidet ein Volkswirt nicht nach freiem Gustus, sondern er leitet es aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen her, die im Fach erarbeitet wurden. Sicher, man braucht auch Werturteile, aber es sind sehr schwache Urteile, solche, von denen man annehmen kann, dass sie vom weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung geteilt werden. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass die Werturteile sogar von der weitaus überwiegenden Zahl der Bahnbeschäftigten selbst geteilt werden. Trotz ganz schwacher Werturteile kommen aber zumeist klare, politische Empfehlungen heraus, weil die volkswirtschaftliche Erkenntnis sich vorrangig darauf konzentriert, wie die Spielregeln für die Interaktion der Menschen das Gesamtergebnis beeinflussen. Ich weiß, dass dieses Denkmuster von Nichtökonomen häufig nicht verstanden wird. Sie vermuten starke Werturteile hinter den politischen Aussagen. Aber solche Werturteile brauchen wir nicht. Ein praktisches Beispiel für Spielregeln, die eindeutig ineffizient sind, ist der Kommunismus. Dort ging es bekanntlich selbst der Arbeiterschicht schlechter als in der Marktwirtschaft. Das Werturteil, das man braucht, um festzustellen, dass die Spielregeln schlecht waren, ist so schwach, dass man in der Tat annehmen kann, dass es von der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung geteilt wird. Es lautet ja einfach nur, dass ein System dann besser als ein anderes ist, wenn selbst am unteren Ende der Einkommensverteilung mehr Wohlstand entsteht. Abhängig sind wir übrigens nicht. Die Wirtschaftsweisen aus dem Sachverständigenrat werden vom Bund bezahlt, und das ifo Institut, für das ich spreche, ist eine von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte gemeinnützige Einrichtung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Sie haben geschrieben, dass der Konjunkturzyklus von den Investitionen abhängt und diese wiederum vom Ersatzzyklus der Investitionen getrieben werden. Mir stellt sich jetzt die Frage, was denn wohl diesen Ersatzzyklus antreibt? Die Laufzeit der Maschinen kann es nicht sein, weil die Firmen sie ja nicht zum gleichen Zeitpunkt beschafft haben. Investitionen hängen meiner Meinung nach vom erwarteten Gewinn ab, also der Differenz zwischen Anschaffungskosten + Kreditzinsen und dem Erlös (bzw. der Nachfrage). Da es am Anfang des Konjunkturzyklus viele Arbeitslose gibt, würde ich eine maßgebliche Rolle der Zinsen vermuten. Liege ich damit richtig? Mit freundlichen Grüßen Frank Reibold frank@reibold-online.de
Sehr geehrter Herr Reibold, Sie liegen damit völlig richtig. Je höher die Zinsen, desto kleiner die Investitionen, die sich lohnen. Allerdings sind die meisten Investitionen in der Tat Ersatzinvestitionen, und man ersetzt nicht, bevor es nötig ist. Wann man genau ersetzt, hängt sicherlich von den Zinsen ab. Der Ersatzzyklus macht aus einmaligen Störungen im Investitionsverhalten, die viele Ursachen haben können, eine Wellenbewegung. Eine Wellenbewegung wird darüber hinaus durch das Akzelerationsprinzip erzeugt, nach dem Investitionen von der erwarteten Nachfrage abhängig sind, die selbst wiederum zum Teil aus Investitionsgüternachfrage besteht. Das hat kein geringerer als der Nobelpreisträger Paul Samuelson untersucht. All diese Erklärungen rivalisieren nicht, sondern wirken gleichzeitig in unterschiedlicher Stärke. Fest steht aber, dass die Investitionen mehr schwanken als der Rest der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und dass hieraus das Konjunkturphänomen resultiert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe mit Interesse den Beitrag in der FAZ vom 12.10.2007 über Ihre Ausführungen im Verein für Socialpolitk gelesen. Ihrer Analyse stimme ich vollständig zu. Die im Artikel geschilderten Ansätze zur Verlangsamung des Klimawandels halte ich jedoch für wenig konsequent. Gerade eine ökonomisch begründete Lösung des Problems muss doch bei den Interessen der Potentaten ansetzen. Deshalb schlage ich vor, dass ein international gespeister Umweltfonds diese Potentaten dafür bezahlt/belohnt, dass sie die Fördermengen für Erdöl senken. Das mag zwar politisch nicht sehr populär sein, umweltpolitisch dürfte eine solche Massnahme allerdings wirken. Diese Idee lässt sich wie Sie erkennen modellhaft konkretisieren und durchrechnen. Machen Sie doch mal eine Diplomarbeit daraus. Ich wäre auf die Ergebnisse gespannt. (Ich schreibe nicht im Auftrag einer Satirezeitschrift, sondern denke in den selben Kategorien wie Sie) -- Mit freundlichen Grüßen Ekkehard Lauritzen
Sehr geehrter Herr Lauritzen, vielen Dank für den Hinweis. Ich habe Ihre Lösung in dem angehängten Beitrag "Public Policies Against Global Warming" und auch bei meiner Thünen-Vorlesung, von der die FAZ berichtet, diskutiert. Sie funktioniert ökonomisch. Ich bezweifle nur, dass sich die Verbraucherländer dazu bereit finden werden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine Frage im Kontext Mindestlohn/Aktivierende Sozialhilfe: Arbeitgeber stellen Arbeitnehmer gegenwärtig regelmäßig zu außerordentlich niedrigen Löhnen ein mit dem Argument, sich den Rest des zum Leben Notwendigen doch vom Sozialamt zu holen. Birgt diese übliche Praxis der Abgeltungsabwälzung des Differenzbetrages auf den Staat im Extremfall nicht die Gefahr, daß dieser auf Dauer überlastet wird, während jene aufgrund der Beschäftigung Geringqualifizierter in solchen Jobs nur vergleichsweise schwache Produktivitätszuwächse erzielen, oder wird dieses Phänomen eine Eigendynamik entwickeln, die zur Basis höheren Produktivitätspotentials werden kann? Ist ein gesetzlicher Mindestlohn, der immer noch weit unter der Produktivitätskompensation für von Geringqualifizierten geleisteter Arbeit liegt, nicht doch ein vorstellbarer Beitrag zur Entlastung (und damit Exklusion) des Staates?
Sehr geehrter Herr Schmidt, vielen Dank für Ihren Brief. Der sogenannte Mitnahme-Effekt, auf den Sie sich implizit beziehen, wird immer wieder als Gegenargument gegen eine Bezuschussung der Löhne angeführt. Den Mitnahmeeffekt gibt es natürlich, aber er taugt nicht als Gegenargument, weil er ja im Zentrum des erhofften Wirkungsmechanismus steht. Selbstverständlich werden die Löhne nach einer Bezuschussung sinken, aber genau deswegen wird es mehr Stellen geben! Zu niedrigeren Löhnen wird ein größerer Teil der auf dem Reißbrett potenziell vorhandenen Stellen in die Realität überführt. Man kann nicht das, was die gewünschten Ergebnisse hervorbringt, als Gegenargument zitieren. Bedenken Sie im übrigen, dass der Effekt die Löhne nicht ins Bodenlose senken kann. Eben weil mehr Stellen rentabel werden, steigt die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften, und wenn die Arbeitskräfte so knapp geworden sind, dass es schwer ist, neue zu finden, werden sich die Unternehmen gegenseitig bei der Suche nach ihnen überbieten. Der Lohn kann also nur so weit fallen, bis die Arbeitslosigkeit beseitigt ist, und genau das will man erreichen. Eine Belastung des Staates gibt es insofern nicht, als das heutige System, bei dem der Staat die Arbeitslosen zu hundert Prozent finanziert, durch ein anderes ersetzt wird, bei dem der Staat die Geringverdiener nur bezuschusst. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, in einem auch in der FAZ zitierten Interview hatten Sie sich gegen die Veröffentlichung von Managergehältern ausgesprochen, weil dies nur Neid schüre, diese äußerst mobilen Menschen vertreibe und dann angeblich weniger Wirtschaftswachstum entstehe, weil dies zu gleichmacherischen Gesellschaft führe, in der sich Leistung nicht mehr lohne. Warum sollen aber nicht zumindest die Aktionäre, die ja Eigentümer des Unternehmens sind, erfahren und auch darüber entscheiden dürfen (und zwar m. E. auch für jedes einzelne Vorstandsmitglied), was ihre gesetzlichen Vertreter verdienen sollen. Der Gutsherr muss doch wissen und auch darüber entscheiden dürfen, was sein Gutsverwalter verdient! Warum soll daran gleich die Wirtschaft zugrunde gehen? Solche Veröffentlichungspflichten gibt es auch in den USA, die Sie ja als neoklassicher Ökonom sonst so loben. Im übrigen unterschätzen sie m. E. den Wertschöpfungsbeitrag, den die Arbeitnehmer in einem Unternehmen leisten, dass Wohl und Wehe eines Unternehmens hängt doch nicht ausschließlich vom Vorstand ab. Auch deswegen halte ich Ihre Befürchtung des Abdriftens in den Sozialismus bei einer Veröffentlichungspflicht von Managergehältern für ziemlich überzogen. Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Reinhart PS: Im übrigen finde ich es sehr gut, dass Sie sich nicht im Elfenbeinturm verkriechen, sondern sich auch den Fragen von Laien stellen und sich in den öffentliche Diskussion einbringen. Dass tun manche Professoren m. E. viel zu wenig.
Sehr geehrter Herr Reinhart, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es stimmt: die Aktionäre müssen das Recht haben, über die Veröffentlichung zu entscheiden. Das hatten sie aber schon immer. Wogegen ich mich wende ist, dass der Staat den Aktionären die Entscheidung aus der Hand nimmt und die Veröffentlichung vorschreibt. Es könnte ja sein, dass die Aktionäre nicht möchten, dass veröffentlicht wird, weil sie den Missbrauch durch Unbefugte fürchten. Wähler wollen ja auch nicht, dass sämtliche Facetten der Staatsfinanzen veröffentlicht werden. Wieviel Geld die Finanzämter von wem bekommen, wird nicht veröffentlicht, auch nicht was die Geheimdienste und das Militär im Einzelnen erhalten etc. Also: Ich bin strikt dafür, dass die Aktionäre selbst mehrheitlich entscheiden, wie zu verfahren ist. Es geht bei der Diskussion ja auch nicht um die Aktionäre, sondern um das Informationsinteresse der Öffentlichkeit und der Arbeitnehmer, das aus meiner Sicht allzu häufig neidgetrieben ist. Ich halte dieses Interesse für nachrangig. Wieviel die Aktionäre den einzelnen Angestellten bezahlen, müssen diese Aktionäre bzw. ihre gewählten Vertreter selbst entscheiden. Die Angestellten haben untereinander kein Informationsrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Hr. Prof. Sinn, ich habe die große Befürchtung, dass es der Politik bis zur nächsten Bundestagswahl gelingt, die Menschen so stark zu verunsichern, dass die Befürworter des Mindestlohns den Großteil der Wählerstimmen auf sich ziehen. Ich kenne die beiden rivalisierenden Positionen von Politik und Wissenschaft, warum gelingt es nicht, den Menschen klar zu machen, wie die Lohnfindung tatsächlich abläuft und dass es in unseren marktwirtschaftlichen Systemen klare Regeln gibt, die man nicht verhindern kann. Warum sind mit diesem Gerechtigkeits-Gerede mehr Stimmen zu gewinnen als mit der Wahrheit? Als ich gerade Kurt Beck in der ersten Sendung von Anne Will habe reden hören, habe ich schon wieder zu viel bekommen. Dennoch hat er den größten Beifall erhalten. Wieso glauben die Menschen in unserem Land daran, dass Unternehmen vorgeschriebene Löhne tatsächlich bezahlen, dass ist doch geradezu naiv. Warum kann die Politik nicht endlich mal Tacheles reden und die wirklichen Folgen eines Lohndiktats erklären? Primär geht es wohl doch nur um Wahlsiege, das Wohle des Volkes ist nur sekundär. Das ist erschreckend. MfG Michael Müller
Sehr geehrter Herr Müller, Sie haben mit Ihrer Einschätzung völlig recht. Wunsch und Wirklichkeit fielen bei den Deutschen schon häufig auseinander. Beim Mindestlohn ist es wieder mal so. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Hr. Prof. Sinn, ihren Worten nach ist der private Konsum für das Wirtschaftswachstum eines Landes nicht zwingend notwendig. Sie sagen, wenn ein Land langfristig einen größeren Teil seines Sozialproduktes investiert statt konsumiert, wächst es schneller. Wenn ich es richtig verstanden habe, erzeugt der Konsum lediglich die konjunkturellen Schwankungen innerhalb gegebener Produktionskapazitäten der Unternehmen, bis zur Kapazitätsobergrenze. Demnach findet das regelmäßige Auf und Ab der Konjunktur nur innerhalb bereits vorhandener Produktionskapazitäten statt und erst wenn die Grenze erreicht ist, wird tatsächlich Wachstum generiert, richtig? Und dieses Wachstum entsteht nur, wenn die Unternehmen ihr Kapital in neue Maschinen und Produktionsstätten investieren, was zu neuen Arbeitsplätzen führt und zu einer tatsächlichen Erhöhung des Sozialproduktes? Es fällt mir schwer, diesen Sachverhalt meinen Kommilitonen verständlich zu machen, viele meinen, würde der Konsum soweit steigen, dass die Produktionsgrenze überschritten wird, würde dies ebenfalls zu neuen Arbeitsplätzen führen und Wachstum erzeugen. Wie kann ich das wiederlegen? Vielen Dank Michael Müller
Sehr geehrter Herr Eschborn, die Antwort ist einfach. Wenn die Konsumnachfrage über die Kapazitätsgrenzen hinaus ausgehnt wird, kann sie definitionsgemäß nur durch eine Kapazitätserweiterung bedient werden. Eine Kapaziätserweiterung kann aber nur durch eine Investition stattfinden. Das verlangt entweder, dass weniger im Ausland investiert wird oder dass der Konsum fällt. Definitionsgemäß ist die Ersparnis einer Volkswirtschaft die Differenz zwischen Produktion und Konsum. Die Ersparnis kann für inländische oder ausländische Investitionen verwendet werden. Da die Produktion nicht mehr ohne Invesititonen gesteigert werden kann, wenn man an der Kapaziätsgrenze ist, folgt zwingend, was ich gesagt habe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, im ifo Schnelldienst 4/2007 Seite 51 ab Zeile 2 beschreiben Sie, dass die Löhne der existierende Jobs zwar auch durch die von Ihnen vorgeschlagene aktivierende SH unter Druck geraten werden, aber durch die negative Einkommenssteuer abgefangen werden sollen. Haben wir dann nicht das Ergebnis, dass der Staat durch den Lohndruck in den angerenzenden (durch aktivierende SH) geförderten Lohngruppen sinken wird und der Ausgleich von Vater Staat entrichten werden müßte? Somit ergibt sich für mich eine zusätzliche Belastung der Staatskasse, was ja vermieden werden soll. Für Ihre Meinung dazu bin ich sehr dankbar und verbeleibe mit freundlichen Grüßen.
Sehr geehrter Herr Berthold, In unseren Berechnungen ist bereits die Lohnsenkung der angrenzenden Lohngruppen und die p a r t i e l l e Kompensation durch die aktivierende Sozialhilfe eingerechnet worden. Dennoch kommen wir zu einer Entlastung des Staatsbudgets. Unser Vorschlag ist so geartet, dass am unteren Rand der Einkommesverteilung das heutige Hartz-IV Einkommen gesichert ist, wenn man mindestens halbtags in der Privatwirtschaft oder ganztags bei der Kommune arbeitet. Es ist nicht ausgeschlossen, dass bei höheren Löhnen netto Verluste entstehen, weil die Lohnskala ins Rutschen kommt, was die Voraussetzung für die Rückkehr zur Vollbeschäftigung ist. Die nicht kompensierten Verluste werden aber gering sein, weil sie großenteils ausgeglichen werden durch Preissenkungen bei den Dienstleistungen und anderen lokalen Gütern, deren Preise unmittelbar vom Lohn abhängen. Die fiskalische Rechnung ist doch im Grundsatz diese: Heute bezahlt der Staat Millionen von Menschen zu hundert Prozent, während sie nicht arbeiten. Wir wollen Millionen von Menschen dauerhaft bezuschussen, während sie arbeiten, so dass sie in der Summe aus Ihrem Lohn und dem Zuschuss das soziale Existenzminimum wieder errreichen. Das es nur ein Zuschuss ist, könnte die Sache billiger werden. Da den Zuschuss nicht nur die neu Beschäftigten kriegen, sondern auch die Altsassen, deren Löhne unter Druck kommen, könnte es teurer werden. Welcher Effekt überwiegt, ist ein Rechenexempel, dessen Ergebnis u. a. von der Frage abhängt, wieviel Lohnsenkung stattfindet und vom Staat ausgeglichen werden muss, wenn die Arbeitslosigkeit verschwinden soll. Wir haben die Rechnung gemacht. Ausführliche Darstellungen finden Sie im Gutachten zur aktivierenden Sozialhilfe aus dem Jahre 2002 sowie auch in der neuen englischen Fassung, die letztes Jahr bei Edward Elgar veröffentlicht wurde. Hinweise finden Sie auf der CESifo Homepage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, wie stehen Sie zu einem Grundeinkommen? Der IFO-Vorschlag zu aktivierenden Sozialhilfe sieht eine Kürzung des Arbeitslosengeldes bei Ablehnung einer kommunalen Tätigkeit vor. D.h. aber doch auch, dass der Rest (ca. 300 Euro) bedingungslos ausgezahlt wird, oder nicht? Dazu wird bis zu einem gewissen Einkommen die Sozialversicherung übernommen. Für Niedrigverdiener ist das eine beträchtliche Subvention. Wenn man eh schon so weit geht, wäre dann nicht ein karges Grundeinkommen in der Straubhaar-Variante von 400 Euro (+ 200 Euro Kopfpauschale für die Kranken- und Pflegeversicherung) der elegantere Weg aus der Misere? Man kann sich so die Organisation kommunaler Tätigkeit sparen und weite Teile der Sozialbürokratie abbauen. Der aktivierende Effekt sowie die Förderung eines Niedriglohnsektors erreicht man auch durch ein karges Grundeinkommen. Was spricht dagegen?
Sehr geehrter Herr Frey, Alle Vorschläge zum Niedriglohnsektor haben ein Grundeinkommen. Auch das AlG II beinhaltet bereits ein Grundeinkommen. Freilich wird das Grundeinkommen entzogen, wenn man arbeitet. Dadurch entstehen hohe Lohnansprüche, die die Jobs vernichten. Um den Arbeitsmarkt zu beleben, und niedrigere Löhne zu ermöglichen, ohne dass die Leute weniger Einkommen haben, muss man den Transferentzug verringern. Das kostet staatliches Geld. Wenn er dieses Geld nicht durch weitere Steuererhöhungen aufbringen will, muss er das bereits vorhandene Grundeinkommen senken. Praktisch alle Vorschläge mit dem Namen Grundeinkommen wollen es aber erhöhen. Es ist von 800 Euro pro Kopf die Rede. Ein solches Grundeinkommen zu zahlen und dann bei Arbeitsaufnahme nicht zu entziehen ist extrem teuer. In der Summe kommt man für alle Deutschen auf 800 Mrd. Euro, was einen Mehrwertsteuersatz von mehr als 100 Prozent bedeutet. Gut, man kann anderes streichen, aber was denn? Das wird schwierig. Die Crux mit den Grundeinkommensvorschlägen ist, dass sie nicht auf einer seriösen Belastungsrechnung basieren. Ifo hat solche Rechnungen gemacht und kommt zu dem Schluss, dass man im Vergleich zur heutigen Situation um ein Drittel beim Grundeinkommen runter muss, wenn man den Transferenzug hinreichend weit verringern möchte, um die notwendige Lohnflexibilität zu erzeugen. Wer rauf statt runter will, geht in die falsche Richtung. Das ist das Problem. Straubhaar will wohl als einziger, der das Grundeinkommen im engeren Sinne vertritt, nicht rauf, sondern runter. Wenn er nur 600 Euro einschließlich Krankenverischerung zahlen will, dann ist das weniger als heute. Heute gibt es mit dem Wohngeld für den Single im Normalfall 640 Euro. Die freie Krankenversicherung ist nochmal 200 Euro wert, macht 840 Euro in der Summe. Straubhaar könnte evtl. funktionieren. Allerdings ist bei ihm der Transferentzug ja vermutlich gleich Null. Nach unseren Rechnungen wird es dann immer noch extrem teuer für den Staat. Wenn er den Staat nicht mehr belasten will, muss er entweder noch weiter runter oder den Transferentzug nicht bis auf Null absenken. Übrigens gibt es vom Frühjahr dieses Jahres ein Sonderheft des ifo-Schnelldienstes, in dem die alternativen Vorschläge zum Niedriglohnsektor verglichen werden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe noch gar keine Stellungnahme von Ihnen zu dem IG-Metall-Abschluß im Südwesten gelesen. Halten Sie ihn für "verkraftbar"? Wird er negative Auswirkungen auf den weiteren Aufbau von Arbeitsplätzen haben? Ich persönlich bin immer etwas hin- und hergerissen zwischen dem mich freuen für die Arbeitnehmer und den Bedenken, dass Erhöhungen der Arbeitskosten immer Verlust/geringeren Aufbau von Arbeitsplätzen bedeutet. Und noch haben eben nicht alle Arbeit. Mit freundlichem Gruß, Wolf Winkler
Sehr geehrter Herr Winkler, 4,1 % ist zwei Prozent zu viel nach unseren Rechnungen, wenn man einen beschäftigungsneutralen Abschluss als Maßstab nimmt. Die Summe aus Inflation der Nettopreise nach MWSt und Produktivitätszuwachs liegt nur bei etwas über 2%. Ich weiß aber nicht, ob man eine beschäftigungsneutrale Lohnpolitik rechtfertigen kann, wenn es eine Massenarbeitslosigkeit gibt. Man muss eigentlich unter dieser Marke bleiben, wenn man jenseits des Konjunkturaufschwungs einen Beitrag zur Vollbeschäftigung leisten möchte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, was halten Sie von einem bedingungslosen Grundeinkommen? Der IFO-Vorschlag zur aktivierenden Sozialhilfe sieht eine Kürzung des Arbeitslosengeldes vor, wenn kommunale Arbeit abgelehnt wird. D.h. aber doch auch, dass der Rest bedingungslos ausgezahlt wird? Richtig? Sagen wir, es werden 300 Euro bedingungslos ausgezahlt, dazu kommen auch beim IFO-Vorschlag bis zu einer bestimmten Grenze die Sozialversicherungsbeiträge. Zusammen ist das doch dicht an dem spartanischem Grundeinkommen wie es von Ihrem Kollegen Straubhaar durchgerechnet wurde. Straubhaars Grundeinkommen von 400 Euro plus 200 Euro Kopfpauschale für die Kranken-und Pflegeversicherung hat zudem den Vorteil große Teile der Staatsbürokratie loszuwerden sowie die Lohnnebenkosten abzuschaffen und etwas für die Familien zu tun. Kommunale Arbeitsbeschaffung könnte man sich dann sparen. Ist das nicht eleganter als der IFO-Vorschlag?
Sehr geehrter Herr Sinn, wir machen demnächst eine Diskussionsrunde zum Thema "Should German wages be increased?" Wir vertreten Sie und müssen mit ihren Argumenten gegen eine Lohnerhöhung sprechen. Wir bitte Sie um Hilfe, uns einige ihrer Argumente nahezulegen. Mit freundlichen Grüßen Luise
Sehr geehrte Frau Schmitt, ich darf Sie hier auf mein Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" verweisen, das die wichtigsten Argumente bringt. Wichtig ist, dass mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, wenn die Löhne langsamer als die Produktivität steigen - weil weniger Roboter an die Stelle von Menschen gesetzt werden - weil die arbeitsintensiven Sektoren nicht so schnell kaputt gehen - weil mehr investiert wird (denn die Gewinnmargen werden größer, und mehr Projekte rutschen über die Rentabilitätsschwelle) - weil die lokalen Dienstleistungen dann relativ billig bleiben, was die Nachfrage nach ihnen erhöht (heimischer Tourismus statt Auslandstourismus) - und natürlich weil das Standardargument, die Kaufkraft sei dann niedriger, nicht stimmt. (Die Kaufkraft ist unabhängig von der Lohnhöhe. Die Löhne entscheiden nur darüber, wer sie hat, der Arbeitnehmer oder der Arbeitgeber.) Ich hoffe, das reicht auf die Schnelle. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Ifo Standpunkt Nr.82 "Konsum schadet der Wirtschaft".Ich habe meinen Bäcker mitgeteilt,dass ich nichts mehr bei im kaufen kann, da Konsum der Wirtschaft schadet. Daraufhin hat er seine Angestellten entlassen und sein Geschäft geschlossen. Ich hoffe, ich habe ganz in Ihrem Sinn gehandelt. Mit freundlichen Grüßen Klaus Wex
Sehr geehrter Herr Wex, wenn Sie statt dessen ein Haus gebaut, den Sohn des Bäckers zum Bauunternehmer und den Sohn des Angestellten zum Maurer gemacht haben, dann schon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Professor, zu Ihrem Standpunkt Nr.82 möchte ich mal nachfragen, wieso in dem noch stärksten Wirtschaftsraum (USA) der Konsumklimaindex so wichtig ist, vor allem da doch diese Wirtschaftsmacht gerade aus dem unermesslichen Konsum resultiert.
Sehr geehrter Herr Stüdeman, ich verstehe Ihre Frage schon. Der Konsum ist in den USA und in Deutschland wichtig für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Aber in beiden Ländern gilt natürlich auch, dass die Investitionen ebenso wichtig für die Nachfrage sind. Die Investitionen sind hüben wie drüben die Cycle Makers. Sie schwanken sehr stark, weil die Investoren je nach Erwartung anders entscheiden. Investitionen sind im Vergleich zum Konsum die bessere Nachfrage, weil sie zudem noch die Produktionskapazität erhöhen und Jobs schaffen. Das heißt nicht, dass der Konsum unwichtig ist für die Nachfrage. Wenn er additiv zu den Investitionen hinzutritt, weil auf den neuen Stellen mehr verdient wird, belebt sich die Konjunktur. Wenn der Konsum durch Lohnerhöhungen erzeugt wird, ist das hingegen nicht zu erwarten, weil dann die Investititonsgüternachfrage fällt. Ich hoffe, das hat Ihre Frage beantwortet. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine sehr individuelle Frage. Mein Bruder (40, Nürnberg, unabgeschlossene Ausbildung als KfZ Mechaniker), ist gering qualifiziert und seit mehreren Jahren ohne längerfrisitige Beschäftigung. Sollte ich ihm raten, sich bei kleineren Unternehmen initiativ mit dem Angebot, für den gleichen Lohn 20% mehr zu arbeiten, zu bewerben? Würde das seine Chance auf eine Anstellung realistisch verbessern? Es würde mich freuen, wenn Sie auch auf eine so spezielle Frage kurz eingehen könnten. Mit freundlichem Gruß Marco Sußbauer
Sehr geehrter Herr Sußbauer, Ich würde Ihrem Bruder raten, zu einer Zeitarbeitsfirma zu gehen. Da gibt es immer Arbeit. Außerdem würde ich ihm raten, von den Weiterbildungsmöglichkeiten Gebrauch zu machen, die die Arbeitsverwaltungen anbieten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
sehr geehrter herr sinn, sie haben uns sehr geprägt, was volkswirtschaftliches denken betrifft. viel von dem, was sie uns unterrichtet haben geben wir nun selber an schüler und studenten an der bayerischen akademie für außenwirtschaft weiter. manchmal fehlt uns bei diskussionen mit anderen dozenten aber die sicherheit in der argumentationsweise und dem erkennen von ursache und wirkung. im moment haben wir einen großen disput und kommen nicht weiter: szenario: 2 länder: land a hat einen exportüberschuß, land b importiert mehr als es exportiert. wohin fließt nun das kapital? ich sage: eportüberschuß = kapitalexport! land a muss land b geld leihen, damit es die zusätzlichen, nicht selbst erwirtschaftete güter bezhalen kann. (in form von DI's oder ankauf der staats-/ unternehmensanleihen.) eine andere meinung ist: land a hat einen kapitalzufluß von land b. ich verstehe dann aber nicht, woher das geld kommt (der staat kann ja nicht so ohne weiteres geld drucken wg. der unabhängigkeit der zentralbank) auf der anderen seite steigt aber auch das BIP von Land a: Y=C+I+G+M und der Geldbestand in land a, denn die forderungen müßen ja bezahlt werden. dies würde bedeuten, dass das geliehene geld wieder zurückfließt. (ein nullsummenspiel). würde das geld aus einem anderen land c an land b geliehen werden, wäre aber zusätzliches kapital im land a vorhanden. in beiden fällen würde sich die geldmenge erhöhen, die inflation steigen und die zinsen auch. würde ich zwei währungen haben, würde die nachfrage nach der währung in land a steigen. d.h die währung würde aufgewertet im vergleich zu der währung im land b (bei der mengennotierung würde das bedeuten, dass der euro zum doller von 1:1,20 auf 1:1,30 sich verändert) nehmen wir an, land a ist europa und land b wäre die usa. dann würde das szenario der währung in der realität zutreffen, nicht aber das zins-szenario. was ist denn jetzt nun richtig? ich weiß, dass sie viel beschäftigt sind, aber vielleicht können sie mir stichpunktartig erklären, wo mein denkfehler ist. herzlichen dank und die besten grüße marcus altmann
Sehr geehrter Herr Altmann, die Sache ist eindeutig. Das Land, das einen Exportüberschuss in der Leistungsbilanz hat, hat auch einen in der Kapitalverkehrsbilanz. Der Grund ist einfach, wie Sie es ja auch schon vermuten. Wer mehr Waren und Leistungen an das Ausland liefert, als er bekommt, kann die überschüssigen Waren und Leistungen nur verschenken, verleihen oder im Austausch für ausländische Kapitalanlagen hergeben. Die Kreditvergabe an das Ausland und den Erwerb ausländischer Kapitalanlagen nennt man Kapitalexport (aus dem Inland an das Ausland). Da die Exporte minus der Importe minus der Geschenke dem Leistungsbilanzüberschuss gleich sind, ist der Leistungsbilanzüberschuss mit dem Kapitalexport identisch. Im Prinzip kann man die überschüssigen Exporte zwar auch noch im Austausch für ausländische Devisen hergeben, doch spielt dies empirisch keine Rolle. Man erhält zwar zunächst einen Überschuss an zuströmenden Devisen, doch da diese keine Zinsen bringen und im Inland kein Zahlungsmittel sind, werden sie postwendend wieder im Ausland angelegt. Würde man Devisenpolster aufbauen, so würde das in der Statistik nicht als Kapitalexport gezählt, im Grunde genommen ist es aber trotzdem einer, nur eben ein unverzinslicher Kapitalexport ins Ausland. Deutschland hatte im letzten Jahr eine gesamtwirtschaftliche Ersparnis von 183 Mrd. Euro und eine inländische Nettoinvestition von 75 Mrd. Euro. Die Differenz in Höhe von 108 Mrd. Euro war der Nettokapitalexport bzw. der Leistungsbilanzüberschuss. 25 Mrd. dieses Nettokapitalexports bestanden übrigens aus Nettodirektinvestitionen Deutschlands im Ausland. Der Löwenanteil war eine deutsche Kreditvergabe an das Ausland und Portfolioinivestitionen im Ausland. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, teilen Sie die Meinung dass sich die westliche Welt in einer anhaltenden deflationären Phase befindet? Vor allem die USA finanziert ihren Konsum nur auf Schulden, von denen es nicht abesehbar ist wie sie zurückgezahlt werden können. Ohne diese substanzabbauenden Konsumspritzen würde sich meiner Ansicht nach eine negative Nachfrage-/Lohnspirale aufbauen und zum Kollaps führen. Japan kann sich offenbar nur mit Zinsen nahe null über Wasser halten und der Deflation entgegensteuern. Und in Deutschland zeichnet Sie sich auch durch Steuererhöhungen, Neuverschuldung, steigende Beiträge, und sogar fallende Reallöhne vor 2 Jahren. Würden Sie dem zustimmen, und wenn ja warum genießt das Wort Deflation so wenig Aufmerksamkeit in den Medien und wie kann man es bekämpfen oder ist man dem schutzlos ausgeliefert, wie es den Anschein hat? Danke, dass Sie sich für meine Frage Zeit genommen haben und in Hoffnung auf Antwort Stefan Fritzsche
Sehr geehrter Herr Fritzsche, als Deflation bezeichnet man eine Situation, in der die Güterpreise fallen, nicht eine solche, in der die Reallöhne fallen. So gesehen kann von einer Deflation nicht die Rede sein. Deutschland wird in diesem Jahr eine Inflationsrate von ca. 2,5% haben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, meine Frage ist weniger fachspezifisch, sondern bezieht sich auf das Verhältnis Medien-Politik-Wirtschaft. Wie wie gut erachten Sie die Transportfähigkeit wirtschaftspolitischer Themen über Medienformate wie beispielsweise "Sabine Christiansen"? Welchen Wert hat eine solche Sendung für den Fernsehzuschauer ("Laien") ohne wirtschaftswissenschaftlichen Backround? Aufklärung oder Verblendung? Über eine Antwort würde ich mich freuen. Mit freundlichen Grüßen Manuel Barton
Sehr geehrter Herr Barton, der Aufklärungswert ist gering, aber nicht null. Zwar wird der einen Meinung aus Proporzgründen stets wieder eine andere Meinung entgegengesezt, die genau das Gegenteil sagt. Aber wer sich für die Argumente interessiert, bekommt vielleicht doch einige Stichworte, die ihm vorher nicht geläufig waren und kann dann selbst weiterdenken. Ich fände es zwar besser, wenn man in Talkshows die Argumente gründlicher ausdiskutieren würde, und wenn die Medien nicht immer nur die Extrempositionen darstellen würden, aber gegeben dass diese Talkshows so sind, wie sie sind, wäre es ein Fehler, das Feld nur denjenigen zu überlassen, die das Volks weiter in die Richtung eines falschen Weges schubsen wollen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren, ich hoffe, Sie finden die Zeit dafür, mir auf diesen Beitrag eine kurze Antwort zu schicken... Im Moment beraten sich die europäischen Regierungen (soweit ich weiss ist auch die US amerikanische Regierung beteiligt) über die Regulierung von Hedge Fonds. Über die Geschäftstätigkeit von Hedgefonds (oder anderen zahlungskräftigen "Tradern" wie z.B. Private Equity Fonds) ist in Deutschland in letzter Zeit (im Wahlkampf) zwar sehr viel gestritten worden, ich interessiere mich aber in dieser Anfrage nur für ein bestimmtes Handelsinstrument, nämlich die sog. "credit default swaps". Diverse Finanzmerktexperten (wie auch Finanzwissenschaftler) warnen seit längerer Zeit schon vor dem unkontrollierten Handel mit Kreditderivaten, da dieser in einem "worst-case" Szenario dazu führen könnte, dass Unternehmen sich mit diesem Instrument "bei sich selbst versichern"... z.B. wenn ein zahlungskräftiger Investor (daher der Bezug zu Hedge Fonds) große Mengen dieser Derivate aufkauft und dabei unentdeckt bleibt, dass der Emittent dieser Derivate mit einem großen Teil seines verfügbaren Kapitals in jenem Hedgefonds investiert ist... Wäre, selbst in so einem Extremfall, nicht trotzdem ein Streuung (wenn auch ein Geringe) des Risikos gewährleistet, im Vergleich zum Zustand ohne Kreditderivate? ...denkbar wäre nach Ansicht der Kritiker auch eine "makroökonomische Kettenreaktion" bei Zahlungsunfähigkeit, wenn der Handel jener Swaps keine ausreichende "Streuung" gewährleistet... Ich richte meine Anfrage vor Allem deswegen an das ifo-Institut, weil mich die Auswirkungen solcher Kontrakte auf die gesamte Volkswirtschaft interessieren. Meine Fragen lauten nun: 1. Halten Sie diese "worst-case" Szenarien für realistisch, und, vor Allem: 2. Kennen Sie (theoretische oder empirische) Arbeiten von Ökonomen, die sich mit der Dynamik von Kreditausfällen beschäftigt haben? Ich bin leider auch nach längerer Suche nicht fündig geworden, sonst hätte ich Sie nicht damit belästigt... Wenn Sie mir Links zu derartigen Arbeiten schicken könnten, wäre ich Ihnen äußerst dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Florian Guldner P.S.: Sie dürfen diesen Beitrag auch gerne im Forum veröffentlichen; ich denke aber nicht, dass sich die Leser des Forums für diese Thematik interessieren...
Sehr geehrter Herr Guldner, ich bin leider kein Experte auf dem Gebiet, teile aber Ihre Sorgen. Ich möchte Sie an Prof. Bernd Rudolph von der BWL-Fakultät in München verweisen, der alles über Derivate weiß, was man wissen kann. Für die volkswirtschaftliche Bedeutung der Kreditklemmen können Sie auch Prof. Frank Westermann von der Uni Osnabrück kontaktieren. Die Adressen finden Sie sicher bei Google. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in der Vortragsreihe von Alpha Campus behandeln Sie auch das Thema Ostdeutschland. Da geht es einmal darum, dass die ostdeutsche Bevölkerung nach wievor nicht an (ihren) Unternehmen beteiligt ist. Wie könnte denn eine solche Beteiligung, wenn es sich nicht um eine Aktiengesellschaft handelt, aussehen? Für Ihre Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Carsten Titze
Sehr geehrter Herr Titze, wenn es sich um eine GmbH oder eine andere Kapitalgesellschaft handelt, kann man Beteiligungsrechte ausgeben, die Aktien nicht unähnlich, jedoch nicht handelbar sind. Wenn es sich um Personengesellschaften handelt, können die Arbeitnehmer ihren Unternehmen im Umfang eines Lohnverzichts Darlehen geben, die zum Marktzins bedient werden. Mann kann auch eine Konstruktion mit Genussrechten finden, wobei ein darlehensähnlicher Anspruch mit einer niedrigen Verzinsung gesichert ist und außerdem eine Gewinnbeteiligungskomponente gewährt wird. Wenn Sie bei der AGP, der Arbeitsgemeinschaft partnerschaftlich geführter Unternehmen, nachschauen, werden Sie hier vermutlich fündig. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe eine Frage bezüglich einem Sachverhalt, der eigentlich kaum in den Medien und in Talkshows angesprochen wird, würde aber trotzdem gerne die Meinung eines Ökonomen dazu hören. Es wird zumeist von der asiatischen oder osteuropäischen Konkurrenz gesprochen - wie sieht es denn eigentlich mit den afrikanischen Ländern aus? Es ist selbstverständlich, dass die lange noch nicht so weit sind wie bspw. China, aber wie sehen Sie denn die Zukunft der afrikanischen Ländern, die bisher ja noch riesige Armutsraten aufweisen? Könnten Sie mir ferner noch einmal darlegen, aus welchen Teilen die Kosten eines Unternehmens bestehen (Mietkosten, ...) und weshalb nur die Lohnkosten die relevanten Kosten sind ? Vielen Dank und ein frohes und vor allen Dingen gesundes neues Jahr
Vielen Dank für Ihre Anfrage. Leider hat es nicht den Anschein, dass Afrika sich auf absehbare Zeit entwickeln könnte und in der Lage ist, Industriegüter in nennenswertem Umfang zu prodzieren, von Ausnahmen in Südafrika und andernorts einmal abgesehen. Man braucht für komplexe Produktionsprozesse, in die sehr viele Menschen verwoben sind, vermutlich die Kultur der sozialen Zusammenarbeit und der strikten Verhaltensregeln, die in Afrika nicht in einer Art vorhanden ist, die mit den asiatischen Ländern vergleichbar ist. Zu den Lohnkosten. Die Kosten eines Unternehmens bestehen aus Kapitalkosten, Mieten, Löhnen, Vorprodukten und Steuern, wobei Mietkosten ein verschwindender Anteil sind. Standortrelevant sind im wesentlichen nur die Löhne und nationalen Steuern. Vorproduktkosten, die den Löwenanteil der Kosten eines Unternehmens ausmachen, sind entweder Lohnkosten auf vorgelagerten deutschen Märkten, oder es handelt sich um Kosten für importierte Vorprodukte, die in allen Ländern etwa gleich teuer sind. Zinskosten sind überall ähnlich hoch, weil wir einen internationalen Kapitalmarkt haben. Mietkosten sind zwar auch standortrelevant, doch bestimmen sie sich endogen nach der Standortqualität, könnten also für sich genommen selbst dann nicht für Standortnachteile verantwortlich sein, wenn sie einen erheblichen Teil der Kosten der Unternehmen ausmachen würden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sie behaupten Beamte wären in unserem Land nicht besser gestellt(Gehalt, Privilegien, großzügige Pensionen e.t.c). Ich gebe ihnen in dem Punkt Recht, dass bspw. die Spitzenbeamte in den Ministerien und hohe Richter mehr Geld in der freien Wirtschaft verdienen könnten. Aber sind Sie auch der Meinung, dass bspw. ein Studienrat, Oberstudienrat, Studiendirektor und Oberstudiendirektor gerecht besoldet ist wenn man dies mit der Besoldung eines B6(Nettolohn: nach Abzügen von Lohnsteuer, Kirchensteuer, Soli Steuer und Krankenversicherung+2 Kinder=ca. 5200 euro netto) Beamten vergleicht, welcher einen viel höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft hat und nicht um 14:00 zu Hause ist? Ich bin vielmehr der Meinung, dass das Besoldungsrecht in sich ungerecht ist. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass ein Beamter im Schnitt(Spitzenbeamte ausgeschlossen) zu viel Geld verdient im Vergleich zu einem normalen Arbeitnehmer, da ein normaler Arbeitnehmer 1. kündbar ist2. keine Pension im Alter erhält und 3. monatliche Sozialabzüge hat Ich würde mich über eine Beantwortung meiner Frage sehr freuen
Sehr geehrter Herr Hubert, die interne Struktur der Besoldung im öffentlichen Dienst kann ich nicht sinnvoll kommentieren. Nur eines: Bei den Lehrern müssen Sie die vielen Korrektur- und Vorbereitungsarbeiten mit berücksichtigen, die sehr viel Zeit verbrauchen. Im übrigen meine ich, dass gerade Lehrer besser bezahlt werden müssen, damit sich wieder die Besten eines Jahrgangs für den Lehrerberuf entscheiden, wie das ja früher einmal der Fall war. Wer will den heute noch Lehrer werden? Wegen des im Vergleich zum Rest der Gesellschaft gefallenen Gehalts hat sich die Qualität der Lehrer im Laufe des letzten halben Jahrhunderts dramatisch verschlechtert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe derzeit an einer Hausarbeit zu dem Thema: "Der Vergleich des deutschen und des britischen Arbeitsmarktes." Da ich mich gerade auch auf eine Präsentation zu diesem Thema vorbereite, bin ich sehr an Ihrer Meinung interessiert. Vor allem würde mich interessieren, wie Sie zu den letzten Entwicklungen am Arbeitsmarkt stehen? Ist der kleine Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt die Folge der Reformpolitik der letzten Jahre oder eher doch die Weltwirtschaft? Zudem habe ich in Ihren Veröffentlichungen gelesen,dass Sie die Senkung der Arbeitskosten, so wie die sog. "negative Einkommenssteuer" für maßgeblich Aspekte halten um den Arbeitsmarkt zu reformieren. Um wie viel Prozent könnte man die Arbeitslosigkeit durch diese Reformen Ihrer Meinung nach senken? Sollte das britische Modell ein Vorbild für uns Deutsche werden?Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. MfG Stefan Rohsiepe
Sehr geehrter Herr Rohsiepe, der Aufschwung in Deutschland heute ist rein konjunkturell. Ob daraus etwas Nachhaltiges wird, kann nur die nächste Flaute zeigen. Dazu muss man bis in das nächste Jahrzehnt warten, eigentlich bis nach 2015, denn die Zyklen der deutschen Arbeitslosigkeit waren bislang stets zehn Jahre lang. Die Aktivierende Sozialhilfe würde den Weg zur Vollbeschäftigugn zurückweisen, weil die gesamte Lohnskala nach unten hin ausgespreizt wird. Die Effekte gehen weit über den Niedriglohnsektor hinaus. Aber das braucht auch ein Jahrzent, bis alles wirkt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat in einem kürzlich veröffentlichten Weissbuch ("Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation") eine Strategie zur Forcierung von Wachstum und Beschäftigung auf der Basis von Innovation und Qualifikation statt quantitativem Wachstum auf der Basis niedriger Löhne entwickelt. Zu den insgesamt 11 Strategielinien für Wachstum und Beschäftigung zählen u.a.: Innovation, Aus- und Weiterbildung, Infrastruktur, Umwelt- und Energiepolitik, etc. Warum soll das in Österreich funktionieren und in Deutschland nicht?
Sehr geehrter Herr Pototschnig, bisher konnte ich nur eine Kurzfassung des WIFO-Weißbuchs "Mehr Beschäftigung durch Wachstum auf Basis von Innovation und Qualifikation" überfliegen. Ich finde die wirtschaftspolitischen Vorschläge interessant und auch beherzigenswert. Es bleibt abzuwarten, inwieweit dieses Konzept in Österreich umgesetzt wird und wie es das Wirtschaftswachstum in Österreich anregt. Mir fällt allerdings beim Überfliegen der Kurzfassung auf, dass man wenig über die gering Qualifizierten spricht, die ja einen erheblichen Teil der Arbeitslosen, in Deutschland jedenfalls, ausmachen, und kaum Abhilfemaßnahmen für diesen Personenkreis diskutiert. Dennoch wünsche ich mir, dass die Ideen dieses Weißbuchs fruchtbaren Boden finden und die Angebotsbedingungen der österreichischen Wirtschaft verbessern helfen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen! (Beitrag vom 23.10.06, ANmerkung des Moderators) Zu der 1) hätte ich allerdings noch eine - zwar werden unsere Produkte billiger, aber andererseits steigt doch dann die Nachfrage nach unserem (dem deutschen) Euro, wodurch doch dann eigentlich der Wechselkurs vom deutschen Euro zum ausländischen steigt (dies entspräche doch einer Aufwertung). 2) Wie sehen Sie die Zukunft der Wirtschaftsforschung bzgl. Jobs? Ich bin derzeit noch 16 Jahre alt, habe mir aber schon vorgenommen, VWL zu studieren (natürlich erst in 3-4 Jahren, d.h. tendenziell sind es noch bis zu 10 Jahre bis ich mit dem Studium fertig wäre). Jedoch hätte ich wenig Interesse in einer Versicherung, Bank oder volkswirtschaftlichen Abteilung eines Unternehmens zu arbeiten - sondern eben eher in der Forschung (Wirtschaftsforschungsinstitut mit Wirtschaftspolitikberatung). Dass es da nicht Jobs in Hülle und Fülle gibt, ist selbstverständlich - was sind wichtige Voraussetzungen, um als Wirtschaftsforscher arbeiten zu können (guter Abschluss, Promotionsarbeit, etc.)? Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich der Jobs - tendenziell positiver oder negativer als bisher? Vielen Dank
Sehr geehrter Herr Darwin, Zu 1: Ihre Vermutung ist richtig. Sollte wegen der im Ausland billigeren deutschen Produkte die ausländische Nachfrage nach diesen Produkten erheblich ansteigen, könnte dies den Wechselkurs der deutschen Währung in die Höhe treiben, in Abhängigkeit vom Anteil dieser verbilligten Produkte am gesamten deutschen Export. In jedem Fall entsteht dadurch eine Gegenbewegung, die die ausländische Nachfrage nach den ursprünglich verbilligten Produkten wieder etwas bremst. Zu 2: Zu den Berufsaussichten eines Volkswirts lassen sich kaum allgemeine Aussagen treffen. Wichtig sind natürlich die Studienabschlüsse. Sind diese gut vorzeigbar, bestehen, denke ich, realistische Anstellungschancen in den Unternehmen, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Falls Sie einen exzellenten Abschluss haben, ist auch eine Universitätskarriere möglich. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte MitarbeiterInnen des IFO-Instituts, in letzter Zeit wird verstärkt die Idee eines sog. "bedingungslosen Grundeinkommens" propagiert, insbesondere von Götz Werner (vgl.: http://www.unternimm-die-zukunft.de), aber auch von Teilen der SPÖ in Österreich. Nun meine Frage an Sie: Wie steht Prof. Sinn bzw. das IFO-Institut zur Frage nach dem "bedingungslosen Grundeinkommen"? Beteiligt er sich an der Diskussion hierüber? Gibt es bereits eine (kostenlose) (Online-)Publikation des IFO-Instituts zu diesem Thema? Vielleicht könnten Sie mir eine kurze kritische Stellungnahme zu dem Thema "bedingungsloses Grundeinkommen" abgeben? Vielen Dank für Ihre Bemühungen! mit freundlichen Grüßen Tobias Waibel
Sehr geehrter Herr Waibel, meines Wissens gibt es noch keine veröffentlichte Stellungnahme von Prof. Sinn zum sog. bedingungslosen Einkommen. Generell sollte man gegenüber allen finanziellen Leistungen des Staates an die Bürger skeptisch sein, die ohne Prüfung der Bedürftigkeit erfolgen. Gerechtfertigt erscheinen mir solche Leistungen etwa im Falle des Kindergeldes oder des Elterngeldes. Hier hat sich der Staat das Ziel gesetzt, eine größere Zahl von Kindern zu ermöglichen. Allerdings muss man hier unterstellen, dass das Kindergeld / Elterngeld auch sehr gut verdienende Haushalte dazu bringt, sich mehr Kinder zu wünschen. Staatliche finanzielle Leistungen an alle Bürger erzeugen ein sehr hohes Finanzierungsvolumen. Unterstellt man, dass 10 Prozent (das ist eine gegriffene Zahl!) der Menschen bedürftig sind, erhalten also 90% der Bürger staatliche Unterstützung, die sie nicht benötigen. Auch wegen des immensen Finazierungsbedarfs können solche generellen Leistungen pro Person nicht besonders hoch sein. Vernünftiger wäre es doch, die öffentlichen Ressourcen auf die schwer benachteiligten Menschen zu konzentrieren und diese adäquat zu unterstützen. Ein schwer behinderter und pflegebedüftiger Mensch kommt mit einem Bürgergeld von meinetwegen 1.500 Euro nicht aus. Natürlich ist die Prüfung der Bedürftigkeit oft eine diffizile und auch teure Angelegenheit. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe eine Frage an Sie, die sich allerdings weniger auf Wirtschaftspolitik sondern eher auf Grundlagen der Geldpolitik bezieht. 1) Bei der ifo Jahreshauptversammlung sagen Sie, dass in den letzten Jahren die Inflation in Deutschland immer etwas geringer als im gesamten Euroraum war. Sie erwähnten, dass wir dadurch real abwerten würden. Weshalb handelt es sich hierbei um eine Abwertung? Wenn in einem anderen Land eine höhere Inflation herrscht, sinkt doch die Nachfrage nach dem ausländischen Euro bzw. das Angebot an dem deutschen (inländischen) Euro sinkt - wenn man sich dies im Marktmodell anschaut, verschiebt sich doch dadurch eigentlich die Angebotsgerade nach oben links, wodurch auch der Wechselkurs nach oben geht (Angebotsverknappung). Dann hieße das doch eigentlich, dass die inländsiche deutsche Währung aufwerten müsste. 2) Kann man folgendes sagen? Je höher der Marktpreis desto geringer die Nachfrage. Je höher der Marktpreis desto größer das Angebot. ABER: Je höher die Nachfrage desto höher der Preis. Je höher das Angebot desto geringer der Preis. 3) Müssten nicht theoretisch, wenn man Mindestpreise für Gammelfleisch festlegt, das Angebot an Gammelfleisch eigentlich wg. des Angebotsgesetzes höher werden? Mit freundlichen Grüßen Christian Darwin
Sehr geehrter Herr Darwin, zu Ihren Fragen: 1) Wenn wir weniger als die anderen inflationieren, werden unsere Produkte im Verhältnis zum Ausland billiger. Das nennt man eine reale Abwertung, weil eine offene Abwertung bei unterschiedlichen Währungen den gleichen Effekt hätte. 2) Alles richtig. 3) Auch richtig. Vergleichen Sie dazu meinen Artikel in der WirtschaftsWoche vom 25.9.2006, den Sie auf der Website des ifo Instituts finden (http://www.cesifo-group.de/link/_echomitarb/ifostimme-Wiwo-25-09-06.htm). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Mitarbeiter des IFO! Ich bin Schüler einer Gymnasialen Oberstufe in Nordrhein Westfalen und muss demnächst meiner Kurslehrerin mein Facharbeitsthema vorschlagen. Ich beabsichtige, mich im Leistungskurs Sozialwissenschaften mit einem Thema der Ökonomie auseinanderzusetzen. Ich könnte mir folgende Themenbereiche für meine Facharbeit vorstellen: - Basarökonomie Deutschland. - rent seeking - Sozialversicherungshypothese - Deutsches Rentensystem - Arbeitslosigkeit in Deutschland Sie können sich vielleicht vorstellen, dass ich mir Herr Sinns Bücher schon genauer durchgelesen habe und aus seinen Thesen mögliche Themen hergeleitet habe. Ich habe auch grundsätzlich kein Verständnisproblem. Leider fehlen mir jedoch Quellen zu den Themen "Sozialversicherungshypothese" und "rent seeking"(zudem auch die Zeit für eine genauere Recherche). Leider muss ich meiner Kurslehrerin bereits nächste Woche ein Thema sowie einen groben inhaltlichen Überblick zum Facharbeitsthema aushändigen. Deswegen würde ich mich freuen, wenn sie mir Internetseiten oder Ratschläge gebten, sodass ich meinen Informationsmangel beheben kann und einschätzen kann, wie meine Facharbeit aussieht. Ich gehe davon aus, dass meine Kurslehrerin lediglich eines der beiden Themen "rent seeking" und "Sozialversicherungshypothese" annehmen würde, weil die anderen Themen insgesamt sehr umfangreich und "bekannt" sind. Daher favorisiere ich diese ohnehin, obwohl ich Herr Sinns "ganze" Thesen natürlich viel interssanter finde und übrigens Ausnhmslos für richtig halte!
Sehr geehrter Herr Burmeister, zu Prof. Sinns Buch "Systems Competition" gibt es keine deutsche Übersetzung; allerdings findet sich ein Aufsatz von ihm mit dem Titel "Der neue Systemwettbewerb“ in Perspektiven der Wirtschaftspolitik 3, 2002, S. 391-407. Zu "Rent Seeking" empfehle ich den Aufsatz von Gordon Tullock im Lexikon "The New Palgrave". Tullock ist der wesentliche Autor zu diesem Thema. Zu "Sozialversicherungshypothese" sollten Sie den Abschnitt "Adenauers Denkfehler oder: Warum wir eine aktive Bevölkerungspolitik brauchen" im 7. Kapitel des Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" durcharbeiten; dort wird auch einschlägige Literatur genannt. Ein Gang in eine Bibliothek wird sich bei so speziellen Themen nicht vermeiden lassen. Viel Erfolg bei Ihrer Facharbeit! Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, im Forum wurden schon mehrfach Fragen zur "Kaufkrafttheorie der Löhne" gestellt. Können Sie mir sagen, wer diese Theorie erfunden hat? Keynes schlägt ja in seiner "General Theory" vor, die Löhne in der kurzen Frist stabil zu halten, um dann via Inflation die Reallöhne senken zu können. Ich bin mit der Behandlung von Konjunkturzyklen in den Lehrbüchern (auch dem von Ihnen rezensierten Macroeconomics von Burda / Wyplosz) nicht zufrieden; meiner Meinung nach bleiben die wirklichen Ursachen unerklärt. Was halten Sie in diesem Zusammenhang von der "österreichischen Schule" der Volkswirtschaftslehre (Mises, Hayek, Rothbard)? Vielen Dank im Voraus Mit freundlichen Grüßen Frank Reibold
Sehr geehrter Herr Reibold, Sie fragen nach dem "Erfinder" der "Kaufkrafttheorie der Löhne". Man findet bei der Literaturrecherche zwar immer wieder Aufsätze, in denen dieses Konzept dargestellt wird (z.B. van Suntum, 1994), ohne dass dabei sein Schöpfer genannt würde. Wikipedia gibt den polnischen Ökonomen Michal Kalecki mit seinem Aufsatz "Place nominalne i realne" aus dem Jahr 1939 an. In Mark Blaug, "Systematische Theoriegeschichte der Ökonomie", Band 3, Nymphenburger Verlagsbuchhandlung: München, 1975 werden die beiden amerikanischen Ökonomen Sidney und Beatrice Webb mit Ihrem Aufsatz "Industrial democracy", ursprünglich wohl bereits 1897 erschienen, jetzt in einem Nachdruck bei Palgrave Macmillan, 2003, neu aufgelegt, genannt als Autoren einer "Hochlohntheorie", die offenbar mit dem Verweis auf eine durch Lohnerhöhung induzierte langfristige Anpassung der Unternehmen die Tätigkeit der Gewerkschaften rechtfertigt. Desweiteren fragen Sie nach einer guten Erklärung der Konjunkturzyklen. Haben Sie schon Gunther Tichy, Konjunktur. Stilisierte Fakten, Theorie, Prognose, Springer-Verlag Berlin-Heidelberg, 2. Aufl., 1994 konsultiert? Dort wird auch etwas zur "Konjunkturtheorie der österreichischen Schule" gesagt. Oder Viktor Zarnowitz, Business Cycles. Theory, History, Indicators, and Forecasting, The University of Chicago Press: Chicago und London, 1992 bzw. Walter Naggl, Konjunktur, Lang: Frankfurt, 1999? Meinen Sie wirklich Rothbard oder nicht doch eher Kurt W. Rothschild, Nationalökonom und emeritierter Professor der Universität Linz? Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Worthülsen werden entlarft Die volkswirtschaftliche Realität entgegen der hier so heiligbehandelten neoliberalen Weltansicht definiert deren kläglichen Rest eines dumpfen Geschichtsbewußtseins, den die Marktwirtschaft (noch ) übriggelassen hat, sie ist ihre eigene Legende: daß sie nämlich grundsätzlich »wohlfahrtssteigernd« sei. Demnach hätte die Menschheit vor der marktwirtschaftlichen Modernisierung im Elend verschmachten müssen. In Wirklichkeit verhält es sich für die große Mehrheit der Weltbevölkerung heute mehr denn je genau umgekehrt. Zwar hat der Kapitalismus zweifellos die Produktivkräfte verwissenschaftlicht und ihre Entwicklung ungeheuer beschleunigt. Die Steigerung der Wohlfahrt war damit jedoch merkwürdigerweise immer nur zeitweilig verbunden, begrenzt auf bestimmte soziale Segmente und Weltregionen. Denn der Kapitalismus ist ein brutales Gewinner-Verlierer-Spiel, dessen totalitärer Charakter die pure soziale und selbst die physische Existenz als Einsatz nicht ausspart; und er hat von Anfang an mehr Verlierer als Gewinner hervorgebracht, Deutschland in Jahre 2006, 10 Millionen Arbeitslose, Millionen von Menschen am untersten Ende der Sozialskala, Kinderarmut, entrechtete Arbeitslose, Rentner unter der Armutsgrenze lebend und der gleichen mehr, Deutschland als Basarökonomie aber nicht so wie es das IFO Institut es sehen will, als vielmehr Deutschland als Ramschladen grosser Multis.
Sehr geehrter Herr Nutz, Sie beklagen, dass es in Deutschland 2006 10 Millionen Arbeitslose gebe, Millionen von Menschen am untersten Ende der Sozialskala, Kinderarmut usw. Ich will jetzt nicht darüber diskutieren, ob Sie vielleicht nicht doch etwas zu schwarz malen. Die Arbeit des ifo Instituts und von Prof. Sinn jedoch zielt gerade auf wirtschaftspolitische Vorschläge, die umsetzbar sind und Abhilfe schaffen können. Zum Beispiel durch die Aktivierende Sozialhilfe, die den gering Qualifizierten wieder echte Arbeitsmarktchancen eröffnen könnte. Das Ziel des ifo Instituts und von Prof. Sinn ist es, mit volkswirtschaftlichen Ideen einen Beitrag zu einer menschenwürdigeren Welt zu leisten, nicht etwa den Kapitalismus zu etablieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich arbeite gerade an einer Studie über den Außenhandel in Ostdeutschland. Mich würde interessieren ob es Daten zur Aufteilung des Außenhandels der einzelnen Bundesländer gibt, in Bezug auf die Länder und deren Güter? Sprich, gibt es Daten über die Struktur, die Güter und die Zusammensetzung, des sehr bescheidenen Anteils des Ostens, an dem gesamtdeutschen Außenhandel? Anschlussfrage: Wo sehen sie die Ursachen des geringen Anteils an dem Außenhandel? Hochachtungsvoll, Mathias Löhr
Sehr geehrter Herr Löhr, Sie fragen nach Außenhandelsdaten auf Bundesländerebene. Natürlich gibt es solche Daten beim Statistischen Bundesamt. Sie erhalten sie auf Anfrage und gegen Beteiligung an den Ermittlungskosten. Die Ursachen für die Exportschwäche Ostdeutschlands sind vielfältig. Eine wesentliche liegt im (im Vergleich zu Westdeutschland) geringeren Industrieanteil der ostdeutschen Wirtschaft. Es sind die Industriesektoren, die im Export aktiv sind. Desweiteren sind möglicherweise die ostdeutschen Unternehmen noch nicht vollständig in die internationalen Unternehmensnetzwerke integriert, die eine wichtige Stütze für Außenhandelsgeschäfte sind. Außerdem ist es denkbar, dass die Exporttätigkeit Ostdeutschlands möglicherweise bei der statistischen Erfassung unterschätzt wird. Die statistische Erfassung beruht im Wesentlichen aus der Auswertung von Frachtbriefen. Dabei kommen reine Auslieferungsstandorte, die häufig in Westdeutschland liegen, öfter zum Zuge. Sie sollten auch die Veröffentlichungen des IWH und des DIW (z.B. DIW Wochenbericht 33/03) durchsehen, die sich öfter mit der von Ihnen gestellten Frage befassen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine merkwürdige Idee schoss mir gerade durch den Kopf: Ich kenne noch die Zeiten der Vollbeschäftigung, als wir Gastarbeiter nach Deutschland holten. Ich unterstelle einfach mal, daß zu jener Zeit wesentlich weniger Ehefrauen im Berufsleben standen. Es war ja erst der Beginn der Gleichberechtigungswelle. "Meine Frau hat es nicht nötig zu arbeiten" war ja ein geflügeltes Wort. Gibt es noch Statistiken darüber, wieviele Arbeitsplätze damals in Deutschland gesamt zur Verfügung standen ? Sind es heute real mehr oder gleich viele oder weniger ? Mehr Betriebe auf der einen Seite, Automatisierung auf der anderen Seite könnte doch eine Nivellierung der Gesamtzahl zur Folge haben. Ich habe Ihre diesbezüglichen Vorträge im BR-Alpha gesehen. Könnte es sein, daß die Anzahl der arbeitenden Ehefrauen mit Kindern in etwa der der heute arbeitslosen Männer gleicht ? Bitte mich nicht falsch zu verstehen, dies ist von mir weder wertend gemeint, noch ein Aufruf "Mutter nachhause zu den Kindern". Es wäre allenfalls eine Teilerklärung dafür, daß in einer Volkswirtschaft bezogen auf die Gesamtzahl der Arbeitnehmer eines Volkes einfach nicht für alle ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Die wirtschaftlichen Zusammenhänge der Globalisierung sind mir natürlich bewußt. Es ist nur ... eine Frage; vielleicht völlig falsch gedacht. Beste Grüße, Günther LUDWIG
Sehr geehrter Herr Ludwig, Sie fragen, ob die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen die Arbeitslosigkeit der Männer gesteigert hat. Die Anzahl der erwerbstätigen Frauen ist seit 1950 tatsächlich stärker gestiegen als jene der Männer. Betrachtet man nur die alten Bundesländer, nahm die Erwerbstätigkeit der Frauen zwischen 1950 und 2005 um fast 80% und jene der Männer um gut 24% zu. Neben veränderten Einstellungen der Menschen zur Arbeitswelt hatte auch der sektorale Strukturwandel sicherlich erheblichen Einfluß auf diese Entwicklung. Mit Strukturwandel meint man das Schrumpfen von Industrie und Landwirtschaft und die Expansion der Dienstleistungen. In den Dienstleistungen, denke ich, gibt es viel mehr Tätigkeiten, die für Frauen geeignet sind als in der Industrie. Abgesehen davon, darf man nicht von einer gegebenen Anzahl von Arbeitsplätzen ausgehen, die auf Männer und Frauen verteilt würden. Zu fragen ist vielmehr, warum die Arbeitsmöglichkeiten nicht im selben Maße gewachsen sind wie das Arbeitskräftepotenzial, d.h. wie es zu dieser hohen Arbeitslosigkeit kommen konnte. Wesentliche Ursache dafür, denke ich, ist die zunehmende Verkrustung unseres Arbeitsmarktes, die sich in den im internationalen Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten zeigt. Man hat über lange Zeit steigende Arbeitskosten produziert und die dadurch freigesetzten Arbeitskräfte dem Sozialstaat zugeschoben. Ich denke also nicht, dass die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen ursächlich für die steigende Arbeitslosigkeit der Männer ist. Beide Geschlechter haben unter den Verkrustungen des Arbeitsmarktes zu leiden. Eine andere Frage ist, wie man es erwerbstätigen Frauen leichter machen könnte, Beruf und Familie besser aufeinander abzustimmen. Hier ist noch einiges zu tun, und jeder Schritt, der dieses Problem lösen hilft, wird auch positiven Einfluss auf die Zahl der Geburten haben. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dr. Sinn, ich habe letztens eine sehr interessante Fernsehdokumentaion über den norwegischen Arbeitsmarkt gesehen. Dort wurde gesagt, dass Arbeitnehmer (im Handwerk) nicht mehr als 200 Überstunden im Jahr machen dürfen. Auf besonderen Antrag können im November noch einmal 100 Überstunden beantragt werden. Arbeitgeber und Gemeinde entscheiden gemeinsam wer diese Überstunden machen darf. Ziel und Zweck dieser Kontrolle soll sein, dass nur wirklich Bedürftige in den Genuss von Mehrarbeit kommen. Wäre es nicht auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt sinnvoll, die vergabe der Arbeit gerechter aufzuteilen und zu kontrollieren. Mit freundlichen Grüße Doris Brown
Sehr geehrter Frau Brown, leider kenne ich die Fernsehserie nicht, auf die Sie sich beziehen. Falls es sich um einen öffentlichen lokalen Arbeitgeber (Kommune) handelt, kann ich mir das angedeutete Entscheidungsverfahren über die Anzahl der Überstunden gut vorstellen. Meiner Erfahrung nach gibt es auch private Arbeitgeber, die Rücksicht auf die von Ihnen genannten Umstände (Unterstützung bedürftiger Personen, Finanzierung eines Eigenheims) nehmen. Da man sich kennt, sind in diesem Rahmen solche Entscheidungen relativ problemlos zu treffen. Allerdings habe ich Zweifel, ob man von staatlicher Seite ein System aufbauen kann, das die Arbeit "gerechter" verteilt. Es entstünden umfängliche Nachweispflichten mit erheblichem Verwaltungsaufwand. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Vorschläge zur Steuervereinfachung mit abgestuften Steuersätzen habe ich so oder so ähnlich bereits in der Vergangenheit von einem Prof. aus Heidelberg gehört.Nur die Vorschläge zur Gegenfinanzierung sind auch Sie schuldig geblieben.Auch Prof. Kirchhof hat sich nicht konkret dazu geäussert, um welche Subventionen es sich handelt. Allein die Streichung aller Werbungskosten bei Arbeitnehmern und den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ist nicht ausreichend, um eine Fehlbetrag von ca. 68 Milliarden auszugleichen. Außerdem wundert es mich, daß Sie die Einkünfte aus Kapitalvermögen jetzt mit 20% besteuern wollen. In einer öffentlichen Diskussion mit Prof. Kirchhof hatten Sie vorgeschlagen, Kapitaleinkünfte ganz steuerfrei zu belassen. Mfg. Helmut Bach
Sehr geehrter Herr Bach, das ifo Institut hat Vorschläge zur Finanzierung einer Steuerreform vorgelegt. Sie finden sie in Prof. Sinns Artikel "Wo jetzt gespart werden muss", FAZ vom 8 November 2005, S. 12. Konsultieren Sie auch die ifo-Website www.ifo.de , Politikdebatte / Eigene Presseartikel. Im 6. Kapitel "Der Steuerstaat: Faß ohne Boden" von "Ist Deutschland noch zu retten?" erläutert Prof. Sinn im letzten Abschnitt "Eine wirklich mutige Steuerreform" seine Überlegungen zur Besteuerung von Eigenkapitalzinsen und Kapitalerträgen ausführlich. Richtig ist, dass Kapitaleinkünfte eigentlich steuerfrei bleiben sollten (vgl. den davorliegenden Abschnitt "Warum man das Kapital nicht wirklich besteuern kann"). Zinserträge sind daher einer Sonderbehandlung zu unterziehen. Mit dem vorgeschlagenen Steuersatz von 20% auf Eigenkapitalzinsen und Kapitalerträge sollen "die Kosten der vom Kapital benutzten Infrastruktur" abgedeckt werden. An den angegebenen Textstellen finden Sie dafür ausführliche Erläuterungen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte Mitarbeiter beim ifo-Institut, ich hoffe, dass Sie mir eine allgemeine Frage, die in der politischen Debatte häufig auftaucht, beantworten können: Man hört von Volkswirten sehr oft das Argument, dass eine Umverteilung von Einkommen hin zu Haushalten mit geringerer Kaufkraft nötig wäre, um die inländische Konjunktur anzukurbeln; sprich: einen Mulitplikatorprozess in Gang zu setzen, der im weiteren Verlauf Gewinne, Löhne und damit wiederum Kaufkraft erhöht... Diese Vorgehensweise wäre doch nur dann vorteilhaft, wenn 1. Die Haushalte mit geringem Einkommen hauptsächlich deutsche Produkte kaufen würden (was zu bezweifeln ist), und wenn 2. Die marginale Konsumquote bei Haushalten mit niedrigeren Einkommen wesentlich höher wäre, als bei den Haushalten mit hohen Einkommen (letztendlich entsteht ja durch die durch Umverteilung nötige Besteuerung auch ein Wohlfahrtsverlust). Meine Frage lautet nun: Haben sie empirische Daten zum Konsumverhalten verschiedener Einkommensgruppen in Deutschland, evtl. auch einen Link zu einer Untersuchung dieser Art, die sie mir zur Verfügung stellen könnten? Würde mich sehr interessieren... Schöne Grüße, F. Guldner
Sehr geehrter Herr Guldner, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie fragen nach dem Importanteil des Güterkorbes der privaten Haushalte. Dazu liegen keine aktuellen Informationen vor. Man vermutet, dass der Anteil der Importe etwa ein Drittel ausmacht. Erst recht weiß man nicht, ob und wie dieser Importanteil über die Einkommensklassen variiert. Die Konsumquote der Haushalte variiert nach den Einkommensklassen. Auskunft darüber gibt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2003. (Fachserie 15 Reihe 5). Die Konsumquote in Deutschland liegt bei den privaten Haushalten mit weniger als 900 Euro monatlichem Nettoeinkommen bei 115%, fällt mit steigendem Einkommen und beträgt bei den Haushalten, die zwischen 5.000 und 18.000 Euro monatliches Nettoeinkommen haben, 60%. Bedenken Sie, dass die Nachfrage nach Investitionsgütern, die von den Unternehmen gekauft werden, ebenfalls Teil der volkswirtschaftlichen Nachfrage ist. Diese Nachfrage nach Investitionsgütern wird aus der Ersparnis der Unternehmen selber, aber auch aus der höheren Ersparnis der oberen Einkommenschichten finanziert. Es ist also nicht ausgemacht, dass eine Umverteilung der Einkommen hin zu den niedrigen Einkommen wegen der dort höheren Konsumquote die Konjunktur besonders ankurbelt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte Damen u. Herren, ich habe gelesen,daß Sie die Frage der Hinterziehung der Umsatzeuer untersucht haben und dabei zum Ergebnis kommen, daß etwa 11% des Aufkommens (ca. 17 Milliarden) hinterzogen werden. Mich würde interessieren wie dieses Ergebnis zustande kommt?.Welche Fälle sind untersucht worden? Wo liegen die haupsächlichen Schwachpunkte im System? Helmut Bach
Sehr geehrter Herr Bach, Sie interessieren sich für die Arbeiten des ifo Instituts zur Reform der Mehrwertsteuer. Zum richtigen Verständnis der Ergebnisse sollten Sie sich diese Studie anschauen: Parsche, Rüdiger (mit A. Gebauer, C.W. Nam et al.), "Entwicklung des Umsatzsteueraufkommens und finanzielle Auswirkungen neuerer Modelle bei der Umsatzbesteuerung", ifo Forschungsberichte 13, München, 2002. Eine Aktualisierung der Ergebnisse finden Sie in dem Aufsatz: Gebauer, Andrea und Rüdiger Parsche, "Leichtes Absinken der Mehrwertsteuerhinterziehungsquote im Jahr 2005", ifo Schnelldienst 58, Nr. 9, 2005, S. 12-13. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Zu: Internationaler Vergleich der Arbeitskosten von Industriearbeitern Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, am 12. und 13. Juni 2006 berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung davon, dass die Arbeitskosten in den westdeutschen Werken der VW AG bei 54 Euro pro Stunde liegen. Verrückt, oder???!!! Mit freundlichen Grüßen Robert Muth
Sehr geehrter Herr Muth, vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Höhe der Arbeitskosten bei der VW AG. Vermutlich sind die 54 Euro pro Stunde ein Durchschnittswert für das gesamte Unternehmen VW, also Arbeiter und Angestellte. Gegenüber Arbeitskosten von 27,60 Euro, wie sie das Institut der deutschen Wirtschaft für Arbeiter 2004 für Westdeutschland berichtet, ist 54 Euro dennoch ein stolzer Ausreißer. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit grossem Interesse und Zustimmung habe ich Ihre Bücher gelesen. Eine Frage habe ich letztens in diesem Zusammenhang im privaten Kreis diskutiert: Angenommen, die Politik schafft es nicht wirkliche Reformen durchzuführen, sondern läuft weiter in die falsche Richtung. (Was wohl leider wahrscheinlich ist) Wohin entwickelt sich das Land dann volkswirtschaftlich gesehen? Wie wirken sich höchste Arbeitslosigkeit, höchste Abgaben bei den Verbliebenen AN und ein Staatsbankrott konkret aus? Ist eine hohe Inflation durch den Euro blockiert? Was passiert eigentlich, wenn die Wirtschaft "zusammenbricht". Wir vermuteten das im letzten Extrem Anarchie bzw. ein Volksaufstand ausbrechen würde. Die Frage lautet also, was ist die schlimmste Konsequenz die sich aus einer Fortführung der derzeitegen Politik konkret ergibt. Vielen Dank und freundliche Grüße Noah Andreas
Sehr geehrter Herr Andreas, im Jahre 1980 lag die deutsche Staatsschuldenquote, der Anteil der öffentlichen Schulden am Bruttoinlandsprodukt, bei 31%, für das Jahr 2007 erwartet das ifo Institut in seiner jüngsten Prognose 68,3% erwartet. Sie sehen, die Entwicklung der Staatsfinanzen geht in die falsche Richtung, wenn auch der derzeitige Zustand noch nicht akut besorgniserregend ist. Japan etwa hat eine Staatsschuldenquote von gut 160%. Die ungute Entwicklung der öffentlichen Finanzen in Deutschland wird sich fortsetzen, falls man nicht durch effektive Reformen die öffentlichen Ausgaben vermindert und/oder durch eine Verbesserung der Produktionsbedingungen zu einem im Trend höheren Wachstum kommt. Zum Staatsbankrott liegen historische Erfahrungen vor: Deutschland hat im 20. Jahrhundert zweimal eine solche Situation erlebt. Wie man sich den Staatsbankrott vorzustellen hat, kann man an Hand der historischen Beispiele nachvollziehen. Für Details verweise ich auf volkwirtschaftliche Nachschlagewerke. Wir sollten unsere ganze Fantasie nicht für das Ausmalen des Staatsbankrotts verschwenden, sondern alles in Bewegung setzen, um den durchaus möglichen Kollaps zu verindern. Es hilft zum Beispiel nicht weiter, Vorschläge für notwendige Reformen im Vorhinein als Fantasien neoliberaler Fundamentalisten zu diskreditieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zuerst muss ich Ihnen ein Lob machen, wie souverän Sie mit Ihnen entgegenschmetternder Kritik umgehen. Von "Scharlatan" bis "Verfassungsgegner" war da ja schon alles dabei. Würde mich nicht wundern, wenn man Ihnen demnächst vorwürft, Sie wollen die volle Kinderrente bei drei Kindern, weil Sie selbst drei Kinder haben... Hier mal wieder ein paar Fragen: 1. Bezüglich des Kapitalexports beim Exportüberschuss. Sie hatten es einmal so beschrieben, dass, wenn Polens Wirtschaft wächst, sie deutsche Waren nachfragt, was dann in unserer Statistik einen Überschuss induziert. Nichsdestotrotz machen doch Exportfirmen dadurch einen realen Gewinnn. Auch wenn hier nichts wächst (was ja so ziehmlich der Fall ist), bleibt doch der Gewinn der Exportfirmen stehen. Oder meinen Sie es so, dass eben dieser Gewinn ein Konjunkturstimulus ist, aber eben nicht nachhaltiges Wachstum? 2. Bei ihren Thesen entsteht immer der Eindruck, als ob Arbeitnehmer eher Konsumgüter kaufen und Arbeitgeber eher Investitionsgüter. Warum sind dann Autos als Investitionsgut deklariert? Immerhin könnte das Heer der Arbeitnehmer immer mehr Autos kaufen als die Arbeitgeberseite es könnte. (Das ist nur eine generelle Frage; Ich bin wie Sie überzeugt, dass nur Steuersenkungen die Binnennachfrage ankurbeln könnte und nicht Lohnsteigerungen.) 3. Viele Staaten machen es ja vor, dass es besser ist, die Sozialversicherungen über Steuern als über Beiträge zu finanzieren. Es heißt ja immer, dass es in Zeiten der Globalisierung sinnvoll ist, mobile Güter (Arbeit,Kapital) tunlichst in Ruhe zu lassen und eher immobile Güter (Konsum,Vermögen,...) zu besteuern. Das leuchtet mir ja so weit ein, aber wenn ich das betriebswirtschaflich betrachte, verstehe ich den Unterschied dann doch nicht. Denn: dem Arbeitgeber ist es doch egal, wie das heißt, was er zahlt! Ob nun mehr Mehrwertsteuer oder mehr Rentenbeitrag! Wo liegt denn nun der fundamentale Vorteil der Steuerfinanzierung der Sicherungssystem? Mit freundlichen Grüßen Andreas Golle
Sehr geehrter Herr Golle, vielen Dank für Ihr Lob an Prof. Sinn. An seiner Stelle erlaube ich mir, Ihnen zu antworten. (1) Ein Exportüberschuss bei Waren und Dienstleistungen ist gleichbedeutend mit einem Kapitalexport, weil ja die inländische Wirtschaft nicht die gesamten erwirtschafteten Einnahmen dazu nutzt, Waren und Dienste im Ausland zu kaufen. Dass die Exportgüter produzierenden deutschen Firmen (hoffentlich) mit Gewinn arbeiten, hat mit dieser Überlegung nichts zu tun. Man kann im angesprochenen Kapitalexport insofern einen Wohlfahrtsverlust sehen, als im Ausland erwirtschaftete Kaufkraft nicht zu Investitionszwecken für die deutsche Volkswirtschaft genutzt wird, sondern gleichsam "brachliegt". (2) Investitionsgüter sind solche Güter, die zum Ersatz oder zur Erweiterung des Produktionspotenzials verwendet werden. Und Unternehmer sind jene Wirtschaftssubjekte, die produzieren. Haushalte produzieren definitionsgemäß nicht und kaufen deshalb Konsumgüter. Ob ein Auto volkswirtschaftlich ein Konsum- oder ein Investitionsgut ist, hängt von seiner Verwendung ab. Man sieht es ihm nicht an. (3) Der Vorteil der Steuerfinanzierung von Sozialversicherungen liegt darin, dass der Arbeitgeber einen geringeren Widerstand gegen eine zusätzliche Beschäftigung hat als bei Beitragsfinanzierung; denn die Arbeitgeber- und auch die Arbeitnehmerbeiträge vermindern sich oder fallen ganz weg. (Auch die Arbeitnehmerbeiträge werden letztendlich vom Unternehmen bezahlt.) Natürlich müssen die Sozialversicherungen bezahlt werden; im Falle der Steuerfinanzierung sind die Beitragszahlungen aber eben nicht an die Arbeitsaufnahme gebunden! Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
sehr geehrter prof. sinn, ich bin student an der staatlichen studienakademie riesa und schreibe gerade meine dipl.arbeit mit dem thema ,,auswirkungen einer liberalisierung des ladenschlussgesetzes unter ökonomischen und rechtlichen aspekten bei der warenhandelsgesellschaft plus".mich würde interessieren, ob sie zu diesem thema eventuell einige publikationsempfehlungen hätten.ich habe bereits die ifo-homepage besucht und dort einiges an material gefunden. vielleicht haben sie aber darüber hinaus noch einige empfehlungen.ich würde mich freuen von ihnen zu hören. mit freundlichem gruß ramon kaleja
Sehr geehrter Herr Kaleja, das ifo Institut hat zwei große Gutachten zum Ladenschluss erarbeitet. Das erste wurde 1995 als Nr. 139 der Schriftenreihe des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung bei Duncker & Humblot veröffentlicht: U. Ch. Täger, K. Vogler-Ludwig, S. Munz (Hrsg.), "Das deutsche Ladenschlussgesetz auf dem Prüfstand". Das zweite Gutachten erschien im Jahre 2000 als Nr. 58 der ifo-Studien zu Handels- und Dienstleistungsfragen im Verlag des ifo Instituts: Ch. Täger, "Effekte der Liberalisierung des deutschen Ladenschlussgesetzes auf den Einzelhandel und auf das Verbraucherverhalten: eine empirische Bestandsaufnahme". Dazwischen und danach gab es eine Reihe von Artikeln im ifo Schnelldienst von Uwe Christian Täger und anderen, zuletzt in ifo Schnelldienst 56, Nr. 3, 2003, S. 8-10. Ich hoffe, diese Informationen helfen Ihnen bei Ihrer Diplomarbeit weiter, für die ich Ihnen viel Erfolg wünsche. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Glauben sie wirklich, dass die Investionsgüternachfrage steigen kann, wenn die Absatzerwartungen aufgrund schwacher Binnennachfrage gering ausfallen.In ihrem Buch erläutern sie, dass die Investionsgüternachfrage wichtiger sei als die Konsumgüternachfrage.Aber das ist ja das eklatante Problem Deutschlands.Die Nachfragebedingungen sind ja essentiell für die Investionen. Zudem glaube ich wirklich, dass Deutschland eine expansive Geldpolitik benötigt, um die wirtschaftliche Bedingungen zu verbessern. Verfällt Deutschland nicht in eine tiefe Depression, wenn es die von ihnen entwickelten Konzepte verwirklicht. Der Kombi-Lohn scheint ja recht sinnvoll. Die Lockerung des Kündigungsschutzes auch. Trotzdem muss man sich doch fragen, ob Wirtschaft nicht zu 50 Prozent aus Psychologie besteht. Wäre die der Fall kämen nur noch wenige Familien zu dem Entschluss Kinder in die Welt zu setzen, hätten sie einen Tag vorher einen ihrer-vorsichtig formuliert- weniger positiven Berichte gelesen. Und die Demographieentwicklung ist auf lange Sicht betrachtet von äußester Wichtigkeit.Ich gehe davon aus, dass der Beitrag nicht veröffentlich wird, weil er nicht ihrer Aufassung entspricht. Zumal die bisherigen Kommentare positiv waren.
Sehr geehrter Herr Vogt, die Investitionsgüternachfrage ist volkswirtschaftlich deswegen wichtiger als die Konsumgüternachfrage, weil durch den Kauf von Investitionsgütern das Produktionspotential erweitert wird und neue bzw. produktivere Arbeitsplätze entstehen. Daher sind günstige Bedingungen für die Investitionsgüternachfrage, vor allem die Gewinnerwartungen, wichtig. Die Europäische Zentralbank praktiziert derzeit eine expansive Geldpolitik; die Zinssätze sind sowohl im internationalen Vergleich als auch in historischer Betrachtung niedrig. Von dieser Seite her sind die Bedingungen für einen Aufschwung günstig. Sicher spielt die Psychologie in der Wirtschaft eine große Rolle. Aber am nötigsten ist ein flexibler Arbeitsmarkt, der die Beschäftigung anregen wird. Damit würden auch die Ängste um den Arbeitsplatz verschwinden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nach der neuen und unseeligen Diskussion um Mindestlöhne, der - wenn ich das richtig sehe - halbherzigen Gehversuche in Sachen "Kombilöhne" und schließlich der aktuellen "Reparurarbeiten" an Hartz IV kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln. Statt nun wirklich die notwendigen Strukturreformen energisch anzugehen,einigt man sich in der Großen Koalition offenbar immer nur auf dem jeweils kleinsten Nenner und kommt nicht voran. Ist es wirklich so schwer, das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe umzusetzen und kann wirklich kein Politiker die 12 Seiten der Einkommensteuerreform von Prof Kirchhof begreifen: Wohin man auch blickt: Überall hektische Baustellenarbeit und der Masterplan für die Sanierung Deutschland existiert noch nicht einmal im Entwurf. So wird Deutschland doch noch weiter abgehängt und - was noch schlimmer ist - verpasst die derzeitige Konjunktur als Chance für die dringend notwendigen (Struktur-)Reformen. Daher meine Fragen: 1. Haben wir nicht ein tiefsitzendes Entscheidungs-Defizit-Problem, das quasi als "systemimmanenter" "Flaschenhals" für notwendige Reformen fungiert? 2. Wie gehr es eigentlich einem Wissenschaftler, der gerade nicht aus dem "Elfenbeinturm" agiert, aber offenbar dauernd an der Politik vorbeiredet (wie mit den sechs Punkten zur Aktivierenden Sozialhilfe - ist das nicht langsam frustrierend? Danke und mit freundlichen Grüßen Ihr Volker Reich
Sehr geehrter Herr Reich, erlauben Sie mir, an Prof. Sinns Stelle zu antworten. Bei der letzten ifo Jahresversammlung gab es nachmittags eine Expertenrunde zum Thema "Jobs für Deutschland". Die anwesenden Politiker wurden immer wieder auf die Entscheidungsschwäche der Regierenden angesprochen. In der Antwort hat man einfach auf das letzte Wahlergebnis hingewiesen und gesagt, die Verhältnisse seien so gewählt worden. Da mag was Wahres dran sein. Prof. Sinn hat sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass seine Vorschläge der Aktivierenden Sozialhilfe von der gegenwärtigen Regierung so nicht umgesetzt werden. Dennoch sieht er darin keinen Grund, vom als richtig erkannten Weg abzuweichen. Erstens ist nach der Wahl vor der Wahl. Und zweitens sieht er keine vernünftige und verantwortbare Alternative. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, ich befasse mich derzeit mit ihrem Modell der aktivierenden Sozialhilfe und habe dazu eine Frage: Wenn ein Arbeitsunwilliger, welchem nach ihrem Modell die staatlichen Zahlungen im Vergleich zum heugtigen ALG2 Nivau um 30% gesenkt werden sollen, Kinder hat, wie ist dann zu gewährleisten, dass das Exitenzminiumum des Kindes gesichert ist? Die staatliche Zahlung plus Kindergeld dürften nicht ausreichen, um dem Arbeitsunwilligen und dem Kind das Exitenzminimum zu sichern. Könnte es hier sogar verfassungsrechtliche Probleme geben?
Sehr geehrter Herr Münstermann, Sie fragen, wie im ifo-Vorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe das Existenzminimum von Kindern gesichert ist, wenn der Haushaltsvorstand keine Arbeit aufnimmt. Aussagen dazu finden Sie in H.-W. Sinn, Ch. Holzner, W. Meister, W. Ochel, M. Werding, "Aktivierende Sozialhilfe. Ein Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum", ifo Schnelldienst 55, Nr. 9, 2002. Dabei handelt es sich um ein Sonderheft der ifo-Zeitschrift. Auf Seite 32 heißt es: "Für im Haushalt lebende Kinder werden in Zukunft einheitliche, vom (Arbeits-) Einkommen der Eltern unabhängige Beiträge in Höhe des gegenwärtigen Kindergelds (im Regelfall 154 Euro, bei vierten und weiteren Kindern 179 Euro) gezahlt." Wie im davorliegenden Abschnitt "Kinderbezogene Leistungen" (S. 28-30) dargelegt, wird die Absicht verfolgt, eine einkommensunabhängige Unterstützung der Kinder zu schaffen, und es wird zunächst einmal das gegenwärtige Kindergeld als Maß für die Leistungshöhe vorgeschlagen. Im alten System der Sozialhilfe war wegen der einkommensabhängigen Unterstützung der Kinder die "Bestrafung" des Haushalts bei Arbeitsaufnahme sehr hoch. Es empfiehlt sich also, den Schnelldienst-Aufsatz aus dem Jahre 2002 nochmals zu lesen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Konträr Ihrer Meinung Herr Prof. Sinn möchte ich meine Sichtweise des „Ökonomie-Outputs zu Besten geben Die angebotsorientierte Wirtschaftpolitik oder anders ausgedrückt: die „sayische“ Behauptung, jegliches Angebot schaffe sich seine Nachfrage selbst und deren Zauberworte mehr hat wirkungsvoll gezeigt, zu welchen Mehrwert-Schaffungen der Neoliberalismus im Stande ist, da wären: Massenarmut, Verelendung und Zerstörung gesellschaftlicher Strukturen und vor allem sein Lieblingsspiel: Massenarbeitslosigkeit herbeiführen und der gleichen mehr. Einst war die Geisel der Menschheit die gefürchtete Pest heute ist es der Kapitalismus in seiner Reinform, verblüffend ist, wie groß seine verblendete Gevolksschaft ist und gottgleich daran glauben und nicht erkennen, daß Freiheit immer die Freiheit anders Denkender sein muß, geschweige denn verstehen, was unter dem kategorischen Imperativ zu verstehen ist, denn volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen unterliegen keinem Naturgesetz Uwe Nutz, übrigens ich bin kein Sozialist oder einer sonstigen linken Gruppierung angehörig
Sehr geehrter Herr Nutz, die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland ist ein Faktum, das es zu erklären gilt. Ich glaube nicht, dass die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik dahinter steckt, da eine solche Politik nicht praktiziert worden ist. Die im Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten sind durch einen überzogenen Sozialstaat geschaffen worden, der z.B. den gering Qualifizierten keine echten Chancen auf dem Arbeitsmarkt lässt. Die sehr hohen Arbeitskosten haben die Unternehmen veranlasst, ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. Man redet den Leuten ein, man könne die Folgen der Globalisierung einfach ignorieren und müsse sich dem weltweiten Wettbewerb nicht stellen. Wahr ist jedoch: Je eher wir uns auf den globalen Wettbewerb einstellen, desto eher werden sich die Dinge zum Besseren wenden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich las ein wenig im Forum herum. Dabei kam mir der Gedanke ob ich in einem andern Land lebe. Ich selbst bin Freiberufler auf Steuerklasse 5. Ich werde durch diese Steuerlast erwürgt. Durch Fleiß und Kreativität erwirtschaftete Einkünfte wurden durch die gemeinsame Veranlagung komplett eingezogen. Dadurch haben wir errechnet das wir Netto mehr haben wenn die Arbeit heruntergefahren wird. Ich hatte vor jemanden einzustellen was dadurch natürlich unmöglich geworden ist . Meine Frage, sehen Politiker eigentlich nicht was mit dieser Steuerpolitik ausgelöst wird? Fleiß wird hier ja regelrecht bestraft. Das betrifft meistens die Frauen die versuchen wieder in einen Beruf zu kommen, nur die Arbeiten dann aus Hobby und vor allem umsonst. Dadurch geht doch enorm viel Kreativität verloren, von Motivation gar nicht zu sprechen. Außerdem würde mich mal Interessieren wie die positiven Stimmungen im Land entstehen. Um mich herum schließen Betriebe reihenweise, Ärzte schließen ihre Praxen. Auf der Straße herrscht blanker Krieg zwischen Deutschen Russen und Türken. Aber die Politiker reden Friede Freude Eierkuchen, von Integration. Doch meine Erfahrung sagt mir dass es eher umgekehrt ist, und immer mehr wird. Warum sollen die sich denn Integrieren, sie haben doch schon längst die Macht. Wer es nicht glauben mag, dem wünsche ich z.B. einen angenehmen nächtlichen Spaziergang im Franfurter Bahnhofsviertel. Oder in Köln Kalk, im Ruhrgebiet und noch vielen andere Orten. Sind die Politiker soweit weg von der Realität der Straße oder Interessiert es sie einfach nicht? Was das Elterngeld angeht so wird das nur Wirkung zeigen auf die Leute die damit verdienen wollen mit allen Konsequenzen. Denn in einer Karriere stören Kinder nur. Ich denke, dass es nur eine privat zu bewertende Entscheidung ist. Und Vervielfältigung ist nicht jedermanns Sache und schön findet es auch nicht jeder. Ist Deutschland noch zu retten? Im Elfenbeinturm, möglicherweise. Auf der Straße: Nein. Oder sehe ich da was falsch?
Sehr geehrter Herr Müller, Sie klagen darüber, dass die Abgabenbelastung auf Ihr Einkommen als Freiberufler sehr hoch sei. Das ifo Institut befasst sich regelmäßig mit der Abgabenbelastung auf das Arbeitseinkommen. Eine aktuelle Zusammenstellung der Ergebnisse finden Sie in W. Meister, "Abgabenbelastung des Faktors Arbeit", ifo Schnelldienst 85, Nr. 24, 2005, S. 6-17. Zusammenfassend wird dort festgestellt, dass "derzeit in Deutschland rund zwei Drittel der Wertschöpfung, die durch zusätzliches Arbeitseinkommen entsteht, in Form von Steuern oder Sozialabgaben an den Staat" gehen. Dieses Niveau ist eindeutig zu hoch. Das Niveau der Abgabenlast ist in anderen Ländern (ausgenommen Frankreich) deutlich niedriger. Zwar ist das Nettoeinkommen zwischen 1998 und 2004 auch in Deutschland gestiegen, u.a. wegen der Steuerreformen der rot-grünen Koalition, aber in den anderen betrachteten Ländern eben noch mehr. Die Einführung des Elterngelds sehe ich nicht so pessimistisch wie Sie. Mit dem Elterngeld erhalten auch Normalverdiener einen echten Lohnersatz, wenn sie ihre Zeit (12-14 Monate) den Kindern widmen. Natürlich ist die Entscheidung für Kinder eine persönliche oder private Entscheidung. Die ökonomischen Konsequenzen dieser Entscheidung muss der Staat jedoch bei der Frestlegung von Steuern und Abgaben jedoch berücksichtigen und einen gewissen Ausgleich zwischen jenen herbeiführen, die Kinder betreuen, und jenen, die dies nicht tun. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Grundsätzlich Ihren Vorschlag für einen Kombilohn;denn er geht in die Richtung der noch revolutionäreren Negativsteuer von Milton Friedman,die die Armut bekämpft,ohne eine gigantische,bevormundende und ihre "Kunden"oft auch entwürdigende Bürokratie.Entgegen manchen Befürchtungen,denke ich wird diese Idee schon allein deshalb den Arbeitnehmern eher nützen.Die Betroffenen wären wieder(fast)vollwertige Marktteilnehmer,das Selbstvertrauen(eigene Arbeitsleistung,oder wie Sie es nennen "das Mitmachen")würde größer. Noch ein weiteres Argument fällt mir zum Kombilohn ein: Der Arbeitsmarkt unterscheidet sich meines Erachtens von anderen Märkten dadurch,daß bei extrem niedrigen Preisen(Löhnen),das Angebot nicht wie üblich zurückgeht,sondern bei Unterschreiten des jeweils individuell empfundenen Existenzminimums wieder zunimmt.Daraus ergibt sich für mich ein struktureller Nachteil für die Arbeitnehmerseite.Der Kombilohn,noch mehr aber die Negativsteuer,könnte dieses Problem abmildern.Auf diese Idee scheint bei den Gewerkschaften noch niemand gekommen zu sein.Wie ist ihre Meinung dazu? Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Ihre Arbeit Jens Christian Heuer
Sehr geehrter Herr Heuer, Prof. Sinn hat schon 2002 mit seinem Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe eine Art Kombilohn zur Entlohnung von gering Qualifizierten vorgeschlagen. Die Idee ist, dass man den Marktlohn für gering Qualifizierte akzeptiert und nicht durch Mindestlohnvorschriften verfälscht, dass der Staat aber in diesem Fall einen Lohnergänzung gibt, die schließlich zusammen mit dem Arbeitslohn zu einem akzeptablen Einkommen führt. Ein Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass die Unternehmen bei den sich einstellenden niedrigen Marktlöhnen eine hohe Arbeitsnachfrage entwickeln werden. Eine aktualisierte Fassung dieses Vorschlags finden Sie im Aufsatz "Aktivierende Sozialhilfe 2006: Das Kombilohn-Modell des ifo Instituts", ifo Schnelldienst Nr. 2, 2006 auf den Seiten 6-27. Bisher ist nicht klar, ob die Regierung diesen Vorschlag aufnehmen will. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Zunächst einmal vielen Dank für die auf meine Anfrage über das deutsche Gesundheitssystem von Herrn Dr. Koll zugeschickte Antwort! Ihre ökonomischen Erklärungen auf die wirtschaftliche Misere Deutschlands sind meines Erachtens zwar völlig richtig und eigentlich auch trivial aber, wenn ich andere Leute in Gesprächen davon überzeugen will, dass die Lohnkosten in Deutschland zu hoch sind, wird häufig das dänische Lohnniveau erwähnt, das in den Publikationen immer höher liegt als in Deutschland. Leider bin ich kein Volkswirt, sondern Schüler, und habe nicht genug Zeit und Fachwissen, um die dänische Wirtschafts- und Lohnentwicklung zu beobachten und zu verstehen. Daher meine Frage: Warum ist die Arbeitslosigkeit in Dänemark trotz höherer Lohnkosten soviel niedriger als in Deutschland? Was haben die Dänen anders bzw. besser gemacht als wir? Vielen Dank für eine hoffentlich baldige Antort! Mit freundlichen Grüßen Daniel Burmeister
Sehr geehrter Herr Burmeister, Sie fragen, wie, im Vergleich mit Deutschland, die hohen dänischen Arbeitskosten zu den niedrigen Arbeitslosenquoten passen. Im Jahre 2004 waren die dänischen Arbeitskosten höher als die deutschen. In Dänemark sind die Sozialleistungen sehr hoch, was die vergleichsweise hohen Arbeitskosten erklärt. Am besten Sie lesen den Aufsatz "Industrielle Arbeitskosten im internationalen Vergleich" von Christoph Schröder in iw-trends 3/2005 nach. Sie können ihn auch von der Website des Instituts der deutschen Wirtschaft www.iw-koeln.de herunterladen. Beim internationalen Vergleich der Arbeitslosenquoten empfiehlt es sich, die standardisierten Quoten der OECD zu verwenden. Im Jahre 2004 betrug die dänische Quote 5,4% und die deutsche 10,5%. Zur Erklärung der niedrigeren dänischen Arbeitslosenquote ist meiner Ansicht nach folgendes zu bedenken: • In Dänemark ist der Kündigungsschutz schwächer als in Deutschland. D.h. Arbeitssuchende finden schneller Arbeit. In Dänemark ist der Arbeitsmarkt viel weniger reguliert. Im Employment Outlook der OECD 2004 finden sich Indikatoren über die Stärke des Kündigungsschutzes. Sowohl bei normalen Arbeisverhältnissen als auch bei Teilzeitverträgen erhält Dänemark deutlich niedrigere Werte als Deutschland. • In Dänemark werden Arbeitssuchende nach dem Prinzip "Fördern und Fordern" wirksamer zur Annahme einer Arbeit gedrängt. Neben den Rechten werden die Pflichten der Arbeitslosen stark betont. • In Dänemark, wie in Skandinavien allgemein, spielt der Staat als Arbeitgeber eine viel größere Rolle als bei uns. Man geht wahrscheinlich zu weit, hierin ein systematisches Verstecken von Arbeitslosen zu sehen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ich bin von ihrem Modell "Kombilohn" überzeugt. So hoffe ich, dass die Regierung den Kombilohn recht bald einführt. Leider muss ich durch in den Medien immer wieder feststellen, dass viele Politiker dagegen sind. Das finde ich Schade, denn ich halte Ihr Modell bestens geeignet um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Mit freundlichen Grüßen Jürgen Kröger
Sehr geehrter Herr Kröger, haben Sie vielen Dank für Ihre moralische Unterstützung. Hoffen wir, dass viele so denken wie Sie. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, kein Tag vergeht, an dem man nicht über die vielen Strukturprobleme in Deutschland mit neuen Hiobsbotschaften "informiert" wird. Extrem hohe Arbeitslosigkeit, massive Krise der sozialen Sicherungssysteme, demographische Abwärtsspirale, verfehlte Zuwanderungspolitik, Bildungskrise, Altersarmut etc. Immer und immer wieder greifen die Medien diese Themen genüßlich auf. Die Verunsicherung in der Bevölkerung wird dadurch natürlich immer größer und selbst gut informierte Menschen, zu denen ich mich eigentlich zähle, geraten ins Grübeln. Dabei gibt es soviele hochinteressante Diskussionsbeiträge und Lösungsansätze von Gelehrten, Instituten und Fachorganen. Auch aus Ihrem Hause kommen regelmäßig wachstumsfördernde und zukunftssichernde Vorschläge, die eigentlich "nur noch" umgesetzt werden müssen. Und da liegt aus meiner Sicht das Kernproblem. Wenn doch die wichtigen und richtigen Maßnahmen zur Bewältigung der "Krisen" offen auf dem Tisch liegen, warum hat man dann das Gefühl, es geschieht nichts ? Ist eine Politik der kleinen Schritte, wie sie von der Kanzlerin gepflegt wird, der richtige Weg ? Müßten nicht sämtliche Probleme ohne Zeitverzug massiv angegangen werden ? Hätte die Große Koalition aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht die Chance, alle Lösungsansätze zu verwirklichen ? Oder sind die nach wie vor vorhandenen politischen Gegensätze und die vielen unterschiedlichen Interessengruppen DER Bremsklotz für Reformen ? Als Bürger kann man da schon verzweifeln und liegt hier nicht auch der Nährboden für die zunehmende Abkehr der Bevölkerung vom politischen System ? Die miserable Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen deutet doch darauf hin. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner Ungeduld und es braucht wirklich Zeit (die ja eigentlich nicht mehr vorhanden ist) um die Zukunft dieses Landes zu sichern.
Sehr geehrter Herr Ebeling, erlauben Sie mir, an Stelle Herrn Professor Sinns zu antworten. Sie fragen sich, warum die auf dem Tisch liegenden Reformvorschläge nicht schneller umgesetzt würden. Ich bin mir nicht sicher, ob wir wirklich nur ein Umsetzungsproblem haben, wie Sie das offenbar meinen. Schon das Ergebnis des Diagnose wird oft nicht von allen Entscheidungsträgern akzeptiert. Nehmen Sie als Beispiel die Situation der öffentlichen Haushalte. Während ein Großteil der Experten Ausgabenkürzungen vorschlägt, dringen andere auf eine Verbesserung der Einnahmenseite, d.h. auf eine weitere Erhöhung von Steuern und Abgaben. Nur wenn das Ergebnis der Diagnose von der Mehrheit bejaht wird, kann man sinnvollerweise mit der Therapie beginnen. Der Ruf nach dem "Big-Bang" hört sich zwar gut an, in einer demokratisch verfassten Gesellschaft, die mittels politischer Mehrheiten entscheidet, lässt sich ein solches Verfahren nur sehr schwer durchführen. Ich denke, bei den anstehenden Reformen braucht es viel Geduld, vielleicht auch viele kleine Schritte. Nie aufhören darf jedenfalls das Bemühen, die Öffentlichkeit über die realen volkswirtschaftlichen Sachverhalte aufzuklären. Das Wissen um volkswirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten vermisse ich bei vielen öffentlichen Diskussionen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Lohndumping; Liebe Doktoren und Wissenschaftler - Gscheid Redner ? Das füttern eines PC's mit Daten einer oft fragwürdigen Software mit vielen falschen Parametern birgt immense Gefahren. In erster Linie gilt es die extremen Lohnunterschiede auszugleichen. Dann die lieben anonymen Aktionäre etwas zu beschneiden und zwar weltweit, damit der ungehemmte Geldtransfer nicht mehr so leicht möglich ist. Börsenschwindler und nachweisliche Ausbeuter gehören lebenslang hinter Gittern, so wie Bankräuber und Mörder. Denn diese Gewissenlose Ausbeutung ( anonymes Kapital)verleitet immer mehr Menschen zu einem noch nie da gewesenem EGO Trip. Es wird dann einfach als notwendige, ganz normale Vorgangsweise angenommen, wenn tausende/millionen Ihre Familien nicht mehr ernähren können . Wer sich mit Pyramidenspielen genauer beschäftigt, kommt allmählich drauf, dass es in der Wirtschaft genauso zu geht. So, nach dem Motto " den letzten beißen die Hunde " Nur durch andere weltweit geänderte Rahmenbedingungen im Sinne einer ehrlichen Bezahlung der Arbeit ist die Stimmung in der Welt wieder anzuheben. Dadurch steigen auch die Löhne und die Arbeitsleitungen wieder an. Eine positive STIMMUNG in Begleitung von Reformen für Arbeitnehmer und Familien fördert erheblich die allgemeine Wirtschaftslage. Ich weis von was ich spreche- nur das Kapital will nicht zuhören. Man kann nur hoffen, dass die Vernunft wieder die Oberhand bekommt. LG aus Österreich PS: Am schlimmsten sind die Berater ( skrupellos max. Gewinn )
Sehr geehrter Herr Freisinger, vielen Dank für Ihren Beitrag im Diskussionsforum des ifo Instituts. Erlauben Sie mir, an Prof. Sinns Stelle zu antworten. Ich bin nicht der Meinung, dass Entlohnungsunterschiede zwischen Personen, die auf tatsächliche Unterschiede in deren Leistungsfähigkeit zurückzuführen sind, staatlicherseits ausgeglichen werden sollen. Eine "ehrliche Bezahlung der Arbeit", wie Sie sie zu Recht fordern, verlangt keine Gleichmacherei. Dadurch etwa, dass man den gering Qualifizierten Lohnersatzleistungen zuspricht, die über ihrer Leistungsfähigkeit liegen, haben sie keine reelle Chance auf dem Arbeitsmarkt. Einverstanden bin sehr damit, dass die Umsetzung notwendiger Reformen die Wirtschaft in Schwung bringen könnte und dass eine positive Stimmung dabei hilfreich sein kann. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
meine fragen an herrn sinn: a] wie hoch sind die subventionen der öffentlichen hand ["blaue-liste-institut" / wgl] für das ifo-institut in 2005 und 2006? b] wie hoch ist der anteil der öffentlichen subventionen an ihrem gehalt [prozentual & real] in 2005 und 2006? c] sind sie für die gänzliche streichung der öffentlichen subventionen für das ifo-institut, ergo ihr einkommen? wenn nein: warum nicht? d] wie schätzen sie selbst ihren - betriebs- wie volkswirtschaftlich berechneten - "mehrwert" für die gesellschaft ein? was kosten sie und was bringen sie? e] erfüllen sie nach eigener einschätzung den auftrag der wissenschaftlichen arbeit, für die sie von der öffentlichen hand bezahlt werden? zu bedenken: zeiteinsatz für talkshows, interviews etc. f] sind sie bereit - und sehen sie sich persönlich dazu fähig - , künftig als selbständiger in deutschland zu arbeiten - ohne direkte wie indirekte subventionen und ohne "krumme" geschäfte? um öffentliche antwort wird gebeten. mit freundlichen grüßen marc fritzler unternehmer, münchen
Sehr geehrter Herr Fritzler, vielen Dank für Ihre Mail vom 16. März an Prof. Sinn. Erlauben Sie mir, an seiner Stelle zu antworten. Sie haben eine Reihe von Fragen, die persönliche Daten von Prof. Sinn betreffen und die ich nicht beantworten kann. Die Frage jedoch nach dem gesellschaftlichen Nutzen des ifo Instituts ist wichtig und wird natürlich auch von den öffentlichen Zuwendungsgebern des ifo Instituts gestellt. Zu diesem Zweck wird das ifo Institut, wie andere Institute auch, von Zeit zu Zeit von einem unabhängigen Wissenschaftlergremium evaluiert. Dieses ist zuletzt im vergangenen Oktober geschehen. Das Ergebnis wird noch in diesem Sommer feststehen und der Öffentlichkeit bekannt gegeben. Das ifo Institut ist zuversichtlich, dass seine Arbeit dabei angemessen und positiv bewertet wird. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die unsägliche Mindestlohndebatte, bei welcher sich ja nun offensichtlich auch unsere Bundeskanzlerin einwickeln lässt, führt regelmäßig zur Feststellung, es gäbe in anderen europäischen Ländern bereits Mindestlöhne, und dies durchaus auch im Bereich von € 7 und mehr. Nicht wirklich diskutiert wird jedoch die Umsetzung und die Erfahrung, die mit Mindestlöhnen in diesen Ländern tatsächlich gemacht wurde, welche Auswirkungen sie haben, ob diese überhaupt umgesetzt werden. Wie begegne ich diesen Argumenten? Wir sind ein mittelständisches Unternehmen der Süßwarenindustrie, und unser Tarifvertrag beginnt hier in Bayern bei € 7,71. Es wäre fatal, wenn neben unserem aufgrund der Geburtenrate schrumpfenden nationalen Markt jegliche Exportchance für unsere handarbeitsintensiven Produkte durch einen Eingriff in die Tarifautonomie vereitelt würde. Mit freundlichen Grüßen, Christof Küchle
Sehr geehrter Herr Küchle, vielen Dank für Ihre Mail vom 15. März an Prof. Sinn. Erlauben Sie mir, an seiner Stelle zu antworten. Gesetzliche Mindestlöhne gibt es meines Wissens (Stand Frühjahr 2006) in den USA und in Europa in Belgien, Tschechien, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Irland, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, den Niederlanden, Polen, Portugal, Slowenien, Slowakei, im Vereinigten Königreich, in Bulgarien, Rumänien und in der Türkei. Sie reichen, auf Stundenbasis umgerechnet, von 0,47 Euro in Bulgarinen bis 8,69 Euro in Luxemburg. In den USA hat man 4,25 Euro und in Großbritannien 7,36 Euro. In Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Irland und in den USA wird der Mindestlohn pro Stunde festgelegt, in den anderen Ländern pro Monat. Einen guten Überblick finden Sie in Th. Schulten, R. Bispinck, C. Schäfer (Hrsg.), Mindestlöhne in Europa, VSA-Verlag: Hamburg, 2006. Neben den genannten Festlegungen gibt es in vielen Ländern eine Reihe von Ausdifferenzierungen. So hat Großbritannien nebem dem Mindeststundenlohnsatz von 7,50 Euro für die Erwachsenen ab 22 Jahren einen Richtwert für die 18- bis 21-Jährigen sowie diejenigen, eine neue Tätigkeit bei einem neuen Arbeitnehmer aufnehmen, von 6,30 Euro und einen Jugendlohnsatz von 4,40 Euro. Man versucht also, einen "zu hohen" Mindestlohn zu vermeiden. Generell sind Mindestlöhne kritisch zu sehen, da sie, falls über dem Marktlohn, die Arbeitslosigkeit steigern, falls unter dem Marktlohn, eigentlich überflüssig sind. Wie sie in Deutschland wirken würden, hängt letztendlich von der konkreten Ausgestaltung ab, d.h. vom festgelegten Wert und ob man zum Beispiel, wie in Großbritannien, auf die besonderen Bedingungen der Jugendlichen und Berufseinsteiger Rücksicht nimmt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, sehr geehrte ifo Mitarbeiter, ich unterstütze das vom ifo Institut entwickelte Modell der aktivierenden Sozialhilfe (AS) im Prinzip voll und ganz. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Kernpunkte des Modells im anstehenden Gesetzgebungsprozess zu Kombilöhnen übernommen werden (Stichwort: Mindest-Kombilohn [schauder!]). Trotzdem hätte ich eine Frage an Sie: Haben Sie sich eigentlich auch Gedanken über die konkrete Ausgestaltung der AS gemacht? Ein Beispiel: Erwerbsunfähige Personen sollen weiterhin Sozialleistungen erhalten, die einen angemessenen Lebensstandard ermöglichen. Das muss so sein, da diese Menschen ihr Einkommen nicht durch Niedriglohn-Jobs erhöhen können. Ich stelle mir nun die Frage, welche Möglichkeiten der Staat hat, die Erwerbsfähigkeit zu überprüfen. Für Arbeitsunwillige ist es doch in der Regel kein Problem, sich Arbeitsunfähigkeit attestieren zu lassen (Das habe ich als Schüler schon gemacht; und zwar aus weitaus geringfügigeren Gründen als dem Erwerb des Lebensunterhalts). Es gibt meiner Meinung nach nur 2 Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen, nämlich entweder durch erheblichen Kostenaufwand (Amtsärztliche Überprüfung o.Ä.; sind solche Kosten in der ifo-Schätzung schon berücksichtigt?), oder dadurch, dass die Basis-Sozialleistungen für Arbeitsunwillige und Erbwerbsunfähige gleich hoch sind; damit würde sich opportunistisches Verhalten auf keinen Fall mehr lohnen. ...dann wäre die AS aber (je nach Höhe des Mindestsatzes) entweder mit wirklichem "sozialem Kahlschlag" gleichzusetzen, da Erwerbsunfähige zu wenig Hilfe erhielten, oder sie wäre wirkungslos: Die Frage, ob jemand Bereit ist, für 2-3 Euro / Stunde zu arbeiten, hängt doch entscheidend davon ab, welche Grundausstattung er vom Staat erhält... Vielleicht haben Sie ja einen Lösungsansatz für dieses Problem (und Weitere, die sich durch das AS Modell ergeben)... ...Bitte um Aufklärung. Mit freundlichen Grüßen, F. Guldner
Sehr geehrter Herr Guldner, die Frage der Erwerbsfähigkeit ist mit Einführung der Hartz IV-Reform am 1. Januar 2005 entschieden. Als erwerbsfähig gelten Personen, die unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes täglich mindestens drei Stunden arbeiten können. Eine Erwerbsfähigkeit kann nur durch amtsärztlich festgestellte, gesundheitliche Gründe (Krankheit oder Behinderung) ausgeschlossen werden. Bei strittigen Grenzfällen werden vermutlich Gerichte entscheiden. Die Aktivierende Sozialhilfe geht also davon aus, dass man erwerbsfähige und nicht-erwerbsfähige Personen zutreffend unterscheiden kann, so wie dies bereits unter Anwendung der Hartz IV-Regeln geschieht. Daher können erwerbsfähige und nicht-erwerbsfähige Personen auch unterschiedlich behandelt werden, so wie die Aktivierende Sozialhilfe das vorsieht. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie schreiben "Wenn der Staat Menschen fürs Arbeiten bezahlt, anstatt nur, wenn sie nicht arbeiten, wie das heute der Fall ist, implizieren Sozialleistungen auch keinen Mindestlohn." Jede Form des Sockels befriedigt einen Teil der Bedürfnisse, die ansonsten nur befriedigt worden wären, in dem für die Bedürfnisbedriedigung notwendigen Mittel durch Arbeit erlangt worden wären. Aus dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzen ergibt sich sofort, dass die staatliche Alimentationen nur dann nicht zu einem höheren Lohnanspruch führen, wenn der (mittelbare) Grenznutzen der Arbeit gleich hoch wäre, wie er ohne Eingriff wäre. Da ein Teil der Bedürfnisse aber schon befriedigt wurde, und von jeder weiteren Einheit der durch Arbeit apropiierten Mittel somit ein geringerer Nutzen ausgeht, ist das schon logisch unmöglich. Selbst wenn der Staat ausschliesslich für die Arbeit zahlt und nichts für die Nichtarbeit, dann wird ein Teil der Arbeiten nicht mehr verrichtet werden. Zwar ist der Lohn auf Seiten des Arbeitgebers für die ersten Anteile der Arbeitsleistung niedriger, als er ohne Lohnsubvention wäre, aber ab einer gewissen Arbeitsmenge steigen die Lohnforderungen stärker, als es ohne Subvention des Lohnes der Fall wäre, weil auch die Musse allgemein als Ziel menschlichen Handelns angesehen werden muss. Illustrierend kann das durch die langjährig beobachtbare Abnahme der Jahresarbeitsstunden in hoch entwickelten Ländern dargestellt werden. Diese tritt ein, obwohl (oder besser eben weil) die Arbeit effektiver ist und dadurch das Nichtstun häufiger dem Arbeiten vorgezogen wird. Wollte man tatsächliche die Menge der bewirtschafteten Arbeitskraft erhöhen, dann müsste der Staat die Arbeit in der Weise besteuern, dass der Grenznutzen der Arbeit höher ist als ohne die Steuer. Da aber niemand ernsthaft die Einführung einer umgekehrt progressiven Steuer befürworten wird (beispielsweise eine Kopfsteuer, diese würde so wirken), so bleibt lediglich anzuerkennen, dass der Staat niemals sozial sein kann (i.s.V. Redistribution von reich nach arm) und gleichzeitig die bewirtschaftete Arbeitsmenge erhöht.
Sehr geehrter Herr Scheel, im einfachsten mikroökonomischen Nutzenkalkül, das zur Bestimmung des optimalen Arbeitsangebots führt, werden zwei Argumente betrachtet, nämlich Freizeit und Güterkonsum, repräsentiert durch das Arbeitseinkommen. Beide Argumente stiften positiven Nutzen; der Grenznutzen nimmt mit steigendem Verbrauch von Freizeit bzw. sonstigem Güterkonsum, insoweit er durch das Arbeitseinkommen ermöglicht wird, ab. Von einem Grenznutzen der Arbeit zu sprechen, ist in diesem Zusammenhang irreführend. Die langfristig beobachtbare Abnahme der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person und Jahr hat sicherlich viele Ursachen. Eine davon ist jedenfalls, dass in vielen Tarifverträgen niedrigere Wochenarbeitszeiten vereinbart worden sind. Diese Entwicklung ist für sich genommen noch nicht negativ, weil die Menschen i.d.R. lieber mehr Freizeit genießen als mehr arbeiten möchten. Die Entwicklung ist dennoch negativ zu bewerten, weil dadurch unsere Arbeitskosten im internationalen Vergleich auf die Spitze getrieben worden sind. In der Folge haben viele Unternehmen ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland verlagert. Die deutschen Arbeitnehmer hatten an internationaler Wettbewerbsfähigkeit verloren, und die Arbeitslosenzahlen wurden höher und höher. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Hallo Herr Professor Sinn, ich möchte ihnen eine Frage stellen, bei der mir die Antwort immer noch nicht ganz klar ist und die von linken Politikern immer wieder als Argument gegen liberale Politik angeführt wird: Wieso sind die skandinavischen Staaten, bspw. Dänemark, trotz ihrer so immens hohen Staatsquote ökonomisch doch relativ erfolgreich (deutliches höheres Wachstum)? Wiederspricht das nicht jedem ökonomischen Modell, dass wenn viel Geld über den Staat distribuiert wird, der Markt deutlich weniger zum Zuge kommt, Steuern und Abgaben die Produktionsfaktoren belasten und somit die Ökonomie eigentlich ineffizienter sein sollte?
Sehr geehrter Herr Bataille, Ihre Beobachtung trifft zu, dass skandinavische Länder wie etwa Dänemark, Finnland und Schweden in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen sind als Deutschland und dieses höhere Wachstum mit signifikant höheren Staatsquoten einherging. Nach Angaben der OECD betrug im Jahre 2005 die deutsche Staatsquote ("General government total outlays") 46,8%,die dänische 54,0%, die finnische 50,9% und die schwedische 57,2%. Sie haben damit ein vielschichtiges Problem angesprochen, das nicht mit einem einzigen Argument erklärt werden kann. Ich will nur wenige Punkte ansprechen, die mir wichtig erscheinen. Das im Vergleich niedrige Wachstum in Deutschland hat einmal mit der indirekten Konkurrenz des Sozialstaates gegen die privaten Unternehmer zu tun. Unser Sozialsystem setzt faktisch eine Lohnuntergrenze, unter der sich eine Arbeitsaufnahme nicht lohnt. Da diese Lohnuntergrenze hö-her ist als das, was ein großer Teil der gering Qualifizierten leisten können, wird dieser Personenkreis vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt. Sie tragen nichts zur Wirtschaftsleistung bei und werden vom Sozialstaat unterstützt. Ein weiterer Grund für das vergleichsweise niedrige deutsche Wachstum liegt in den hohen deutschen Arbeitskosten, die viele Firmen veranlassen, ihre Produktion oder Teile davon ins kostengünstigere Ausland zu bringen mit entsprechend abträglichen Folgen für unseren Arbeitsmarkt. Nicht zu vergessen ist aber auch, dass viele skandinavische Länder eine sog. duale Einkommensbesteuerung haben, bei der die Steuerbelastung des Kapitals geringer als jene des sonstigen Einkommens ist. Dadurch haben weniger Firmen Veranlassung, ihren steuerlichen Unternehmenssitz in ein Niedrigsteuerland zu legen mit entsprechend günstigen Folgen für die Steuereinnahmen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich bin zwar erst fünfzehn Jahre alt, interessie mich dennoch für Politik und Wirtschaft. In meinem Alter interessieren sich die meisten dafür eigentlich gar nicht, und wenn, dann sind sie wirtschaftlich doch immer ziemlich "links" häufig schon "sozialistisch" eingestellt. Ich denke aber eher, dass eine liberale (ich mag das Wort "rechte" hier nicht) Wirtschaftspolitik besser ist. Ich hoffe, Sie können mir einige Fragen zu Wirtschaft und Ihren Modellen und Ideen beantworten, auch wenn ich vielleicht noch keine so große Ahnung über Wirtschaft habe. 1) Bekanntermaßen ist die Geburtenrate in Deutschland sehr niedrig. Man sagt ja, dass es notwendig ist, dass mehr Kinder geboren werden, damit die Rente finanziert werden kann (bzw. allgemein die Sozialversicherungen), da es dann natürlihc mehr Steuerzahler und auch Einzahler in die Sozialversicherungen gibt. Nun stellt sich mir aber die folgende Frage: Wenn man mehr Kinder und somit auch später mehr "Arbeiter" hat, können diese doch nur in die Sozialversicherung einzahlen bzw. allgemein Steuern zahlen, wenn sie auch in Arbeit sind. Doch wir haben doch im Moment das Problem, dass die Arbeitsplätze eigentlich nicht da sind. Durch die erhöhte Bevölerung durch höhere Geburtenraten würde es doch nicht mehr Arbeitsplätze und somit eigentlich auch nicht mehr Einzahler in die Sozialversicherungen geben. Eher wirkt es sich doch nachteilig aus, da schließlich mehr Kindergeld und ggf. (höchstwahrscheinlich nach derzeitiger Lage) auch mehr Arbeitslosengeld bezahlt werden müsste. Was ich sagen will: Solang die Arbeitsplätze nicht da sind, bringen doch mehr Kinder überhaupt nichts, oder irre ich mich da? 2) Sie fordern doch niedrigere Löhne, damit vorallendingen die Binnennachfrage durch Investitionen steigen kann. Heißt das dann, dass sie eigentlich nicht eine Senkung der Arbeitslosenzahlen damit erreichen wollen, sondern durch das gesparte Geld bei niedrigeren Löhnen "nur" höhere Investitionen? Inwiefern hängen höhere Investitionen und Schaffung neuer Arbeitsplätze zusammen? Wird nicht durch niedrigere Löhne auch weniger in die Sozialversicherungen eingezahlt? 3) Ist es nicht trotzdem so, dass durch niedrigere Löhne die Binnennachfrage sinkt. Also ich meine jetzt nicht die Binnenachfrage durch Investitionen, sondern durch die normale erhöhte Kaufkraft eines jeden Bürgers. Schließlich haben wir eine Inflation von immerhin 2%. Wie soll dann mehr von einem "normalen" Bürger gekauft werden, wenn er weniger Geld hat? Ich treffe immer wieder auf dieses Argument, wenn ich versuche andere von liberaler Wirtschaftspolitik zu überzeugen. 4) Was sind diese Lohnstückkosten? Wie wichtig sind sie im Vergleich zu den normalen Lohnnebenkosten? Wie würden Sie vorschlagen, die Lohnnebenkosten zu senken? Oder ist es erstmal sowieso wichtiger, die Löhne zu senken? 5) Welches Land würden Sie neben Neuseeland als ein "Musterbeispiel" für eine liberale, deregulierte Wirtschaft nennen? Wie treten Sie dem Argument entgegen, dass die liberale Wirtschaftspolitik Kapitalismus und somit Armut fördert? Gibt es da irgendwelche interessanten Zahlen oder Statistiken, dass es in sozialistischen Staaten den Menschen noch schlechter geht als in liberal geführten? Das waren jetzt relativ viele Fragen, aber ich bin in diesem Gebiet einfach sehr interessiert. Ich hoffe, Sie verstehen dies und würde mich sehr freuen, wenn Sie die Fragen beantworten könnten.
Hier die Antworten zu Ihren Fragen. 1. Arbeitsplätze fallen nicht vom Himmel, sondern werden von Menschen gemacht, nämliich von Unternehmern. Wenn mehr Kinder geboren werden, befinden sich darunter auch mehr spätere Unternehmer. Eine Wirtschaft ist eine Institution, in der die einen Menschen die anderen beschäftigen. 2. Ich will nicht niedrigere Löhne, um die Binnennachfrage zu erhöhen, sondern um die Investititonen anzuregen. Arbeitsplätze entstehen durch solche Investitionen. Daneben sind Investitionen auch Binnennachfrage. Das betone ich aber nur deshalb, weil häufig gesagt wird, wenn die Löhne niedrig seien, fehle es an Nachfrage. Natürlich sind die Sozialvesicherungsbeiträge dann niedriger. Die Ausgaben sind auch niedriger. Die Einkommensverteilung ist stärker zwischen hohen und niedrigeren Einkommen gespreizt. Ob das gerecht ist oder nicht, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall führt es wieder zu mehr Stellen für die gering Qualifizierten. 3. Der Teil der Binnennachfrage, der aus Konsum besteht, mag bei einer Lohnsenkung fallen. Sicher ist aber auch das nicht, denn wenn es deswegen mehr Stellen gibt, muss die Lohnsumme nicht fallen. Ja, wegen der höheren Beschäftigung könnte die Zuversicht der Menschen wieder steigen und somit auch die Kosumquote bezüglich des Einkommens steigen. Auf jeden Fall steigt aber, wie schon gesagt, die Nachfrage nach Investitionsgütern. 4. Die Lohnnebenkosten zu senken, ist leichter gesagt als getan, denn wer soll die Finanzierungslasten übernehmen? In der Breite halte ich diese Politik für nicht finanzierbar, wenn man nennenswerte Beschäftigungseffekte erreichen will. 5. Eine liberale Politik, die mit einem Abbau des Sozialstaates einhergeht, wird möglicherweise die Armut fördern. Eine liberale Politik, die den Sozialstaat umbaut von einer Einrichtung, die den Unternehmen Konkurrenz am Arbeitsmarkt macht, zu einer solchen, die partnerschaftlich agiert, also Lohnzuschüsse zahlt, wird die Armut definitiv verringern. Recht verstandener Liberalismus verringert Armut. Glauben Sie nicht den Zerrbildern, die die Gewerkschaften und manche Politiker erzeugen. Einen Staat, der bessere Anreize mit deutschen Vorstellungen von sozialer Sicherheit verbindet, so wie ich mir das vorstelle, gibt es zwar nicht. Aber Dänemark hat gewisse Elemente, die mir gefallen. Neuseeland und Großbritannien sind den Weg des Sozialabbaus gegangen. In GB sieht man die Armut allethalben. Über Neuseeland weiß ich nicht so sehr Bescheid. Das Land war aber unter seinen hohen Soziallasten so verarmt, dass es heute auch den Ärmsten der Armen besser gehen könnte als damals, vor den Reformen. In den USA hat sich die Armut verringert, als man den Earned Income Tax Credit einführte, der von den Anreizen dem von mir favorisierten Sytem entspricht. Allerdings geben die Amerikaner dafür zu wenig Geld aus, so dass die Armut dort noch immer ein Problem ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Interesse verfolge ich die aktuellen Diskussionen in der Öffentlichkeit über wirtschaftspolitische Konzepte. Auch habe mich theoretisch mit den neoklassischen sowie keynsianischen Modellen auseinadergesetzt. Mir drängen sich nun einige Fragen an Sie auf. Generell finde ich die meisten ihrer Vorschläge plausibel und sinnvoll, doch ihre Ausführung höherer Lohn führt nicht zu mehr Konsumgüternachfrage kann ich nicht vollends nachvollziehen. Unternehmen beziehen doch nur Investitionsgüter (auf die Sie pochen) wenn ihnen gewährleistet wird, dass sie die Produkte auch absetzen können, ergo wenn genügend Nachfrage besteht. Denn z.B. die Automobilindustrie verkauft die Mehrzahl der Pkws an private Konsumenten und nicht als Investitionsgüter an andere Unternehmen. Damit einhergehend verstehe ich ihre drastische Forderung nach Lohnsenkung zu Gunsten der Wettbewerbsfähigkeit nicht, denn wir sind doch Exportweltmeister und durch die ar angebotsorientierte Wirtschaftpolitik result