In addition to his books "Ist Deutschland noch zu retten?" and "Die Basar-Ökonomie. Deutschland: Exportweltmeister oder Schlusslicht?" Hans-Werner Sinn’s press articles, interviews and TV appearances have received numerous reactions.
Press Articles by Staff Press Interviews Staff on TV and Radio
For this discussion forum a selection of the comments and questions received has been made. Contributions can be accessed via the links on the left-hand side or from the search function.
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Kommentar zu den Plaenen der EU-Kommision bezueglich Exportueberschussbegrenzung war derartig treffend! Danke fuer Ihren Mut, sich laut gegen den politischen Irrsinn und die oekonomische Unbedarftheit unserer Regierungen zu stellen! Bitte machen Sie weiter so, ich wuensche Ihnen viel Kraft dafuer. Beste Gruesse
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für den Zuspruch! Ich freue mich sehr darüber. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dres. h.c. Hans-Werner Sinn, mein Versuch mich telefonisch für Ihre klare Darstellung der Wirtschaftslage zu bedanken ist gescheitert. anstatt des Anrufs schreibe ich Ihnen nun diese Email. Vielen Dank für Ihre klare und allgemein verständliche Erklärung zu der momentanen allgemeinen wirtschaftlichen Lage der EU, die Sie in der Sendung "Unter den Linden" formulierten. Wenn der Kunde nicht zahlt, muss der Kaufmann den Laden schließen oder die Preise erhöhen, bis schlussendlich der letzte Kunde wegbleibt und der Laden dann geschlossen wird, so ist es eben. Konsolidierung kann nur entstehen wenn sich die Konsumenten bewusst werden, was Sie da konsumieren und wie aufwendig die Entwicklung und Herstllung ist. Hochtechnologien sind eben nicht mit Oliven und Schafskäse zu bezahlen. Wir in Deutschland sind lange Jahre Exportweltmeister und immernoch Vizemeister. Dies ist den Arbeitnehmern in Deutschland zu verdanken, die Lohnverzicht geübt haben. Es ist an der Zeit, das die Löhne erhöht werden und Rentner in Deutschland von Ihrer Rente leben können und mit leben meine ich konsumieren und somit junge Menschen in Arbeit bringen. Der Binnenmarkt kann uns aus der Krise führen. Deutschland kann Deutschland helfen, aber nicht der ganzen Welt! Wir haben unsere Stärken sind aber nicht, um bei der griechischen Mythologie zu bleiben, Atlas, der die Welt auf den Schultern trägt. Denken Sie mit jedem Ihrer Worte an die Menschen in Deutschland, die trotz beruflicher Qualifikation und Berufserfahrung zu Schmutzlöhnen arbeiten müssen, damit unsere Zahlungsschwachen Kunden bedient werden können.
Sehr geehrter Herr F., haben Sie vielen Dank für die netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ich freue mich sehr, dass Ihnen die Sendung gefallen hat. Dass nun die Zeit für Lohnerhöhungen in Deutschland gekommen ist, hatte ich in meinem Beitrag ja gesagt. Das muss aber als Reaktion auf die Nachfrage nach Arbeitskräften geschehen und darf ihr nicht vorauseilen. Ich bin zuversichtlich, dass die allmähliche Räumung des Arbeitsmarktes, die wir beobachten, die lange vermissten Lohnerhöhungen bringen wird. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: heutige phoenix sendung sehr geehrter professor sinn, ich möchte ihnen ganz herzlich danken für ihre klaren und verständlichen worte in der o. a. sendung. im gegensatz zu den meisten politikern sind sie erfrischend parteiunabhängig und haben nach meiner auffassung die misere der weltwirtschaft heute auf den punkt gebracht. ich bin ökonomisch nicht sehr gebildet, konnte aber ihre argumentation gut verstehen und nachvollziehen. jedoch habe ich politische eine frage, die mir auch im zusammenhang mit den banken und konzernen unter den nägeln brennt. im bundesdeutschen grundgesetz heißt es ja: eigentum verpflichtet. es soll zugleich dem wohle der allgemeinheit dienen. des weiteren sieht das grundgesetz sogar im schlimmsten fall vergesellschaftung von konzernen und banken vor. die konsequente regulierung der banken, märkte und konzerne scheint mir hier eine möglichkeit zu bieten, dem grundgesetz wenigstens ein wenig zu genügen. sie bekommen sicher viele briefe, aber ich würde mich über eine kurze einschätzung von ihnen sehr freuen. mit freundlichem gruß peter biehl
Sehr geehrter Herr Biehl, ich freue mich über Ihre netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Eine Verstaatlichung ist durchaus möglich. Als politisches Instrument zur Stabilisierung wie beispielsweise während der Finanzkrise kam es ja auch zu gewissen Notverstaatlichungen. Ich erinnere da nur an die Hypo Real Estate. Banken sollten den Staat als Teilhaber akzeptieren, wenn sie es nicht schaffen, selbst genug neues Eigenkapital zu finden. Wenn eine Bank in Schwierigkeiten kommt, sollten aber nicht die Bank-Aktionäre retten, sondern nur die Banken selbst. Und das geht nur, indem der Staat im Tausch für seine Hilfe an die Banken Aktien bekommt. Ansonsten haben Sie vollkommen Recht, dass die Banken stärker reguliert werden müssen. Wie, das habe ich im letzten Kapital meines Buches Kasino-Kapitalismus ausführlich beschrieben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sendung Günter Jauch 11.12.11 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Gefahr eines Unfriedens zwischen den Euroländern, aber vielmehr die Gefahr eines Generationenkonflikts ähnlich dessen in den 1960er Jahren halte ich auch gegeben, wenn mann den Euro nicht zu retten vermag, aber auch, wenn die Länder sich weiter wie bisher verschulden. Eine Budget-Kontrolle ohne Einbindung der Märkte halte ich für schwierig wegen des möglichen Verlusts der Anerkennung der Leistungen der Bundesrepublik, wenn Deutschland anfängt Europolizei zu spielen. Ebenso falsch mag die völlige Freiheit der Finanzmärkte sein, die bisher zwar steuernd wirken aber, mehr als bisher, zu sozialen Verwerfungen führen könnten. .... warum also nicht doch Eurobonds? Warum legt man nicht Eurobonds auf, die von einer europäischen Stelle (z.B. ESM, ESFS) kontrolliert werden und dessen Einnahmen an die Euro-Staaten verteilt werden. Diese Verteilung sollte angelehnt an die Maastricht Kriterien erfolgen aber zu einem reduziertem Prozentsatz des BIP, beispielsweise nur 1,5-2% anstatt 3%. Für die Verteilung sollte das BIP des vorvergangenen Jahres zugrunde gelegt werden, damit die europäische Statistikbehörde genug Zeit hat gründlich die Zahlen der Länder zu prüfen. Wenn von einem Staat mehr Geld, bis zur Maastricht Grenze 3%, benötigt wird müsste sich dieser dann entsprechend seiner Bonität mit einem höheren oder auch niedrigerem Zinssatz refinanzieren können. Staaten mit sehr guter Bonität würden zwar auch für die Eurobonds haften, müssten sich aber nicht über dieses Vehikel finanzieren sondern könnten weiter eigene Staatsanleihen zu niedrigeren Zinssätzen herausgeben. Dies hätte mehrere Vorteile. Länder mit schlechter Bonität wären aufgrund des Drucks der Finanzmärkte weiterhin angehalten zu sparen und die Eurobonds würden hier nicht den Anreiz setzen sich billig refinanzieren zu können. Somit verlören Eurobonds aus deutscher Sicht ihren Schrecken. Länder mit guter Bonität könnten sich weiterhin mit niedrigen Zinssätzen refinanzieren. Deutschland und Frankreich müssten nicht Budgetpolizei spielen und die Länder behielten Ihre Budgethoheit. Die EZB wäre entlastet und müsste keine Staatsanleihen mehr aufkaufen und kann sich wieder auf ihre eigentliche Aufgaben der Geldwertstabilität kümmern. Die Zugrundelegung des BIP des vorvergangenen Jahres hat den Vorteil, dass bei einer drohenden Rezession eher ein größeres BIP als Bemessungsgrundlage dient und bei einem Aufschwung eher ein kleineres BIP. In einer Rezession steht demnach dem Staat zur Ankurbelung der Wirtschaft relativ mehr Geld zur Verfügung, bei einem Aufschwung aus einer Rezession heraus eher weniger. Schließlich gibt es für den Fall das ein Staat die 3% Grenze überschreitet die Möglichkeit die Refinazierung aus Eurobond zu reduzieren oder ganz zu stoppen. Es bräuchte keine Hebelung von zugesagten Geldern und das Risiko eines Bürgschaftsausfalls ist m.E. deutlich geringer, da die Finanzmärkte nicht mehr auf einen Ausfall spekulieren könnten. Mit freundlichen Grüßen Dr. Hein Kleihues Dr. med. H. Kleihues
Sehr geehrter Herr Dr. Kleihues, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihnen nur leider nicht zustimmen, weil die Eurobonds sich nie so politisch begrenzen lassen, wie Sie es gerne hätten. Eurobonds, egal in welcher Form, würden die massive Kapitalabwanderung aus Deutschland heraus wieder aktivieren und unser Land erneut zurückwerfen. Sie würden die überschuldeten Staaten der Peripherie anregen, neue Schulden zu machen, und die Bedingungen, die zur Krise des Euro geführt haben, perpetuieren. Insbesondere würden die Eurobonds, indem sie die Kapitalströme in Europa wieder in Gang setzen, damit die Leistungsbilanzungleichgewichte zwischen den Ländern verfestigen. Ziel muss jedoch ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte mich hiermit für Ihre stets klaren Worte gegenüber der Politik in Sachen Euro bedanken! Mit mehr Gehör auf Fachleute durch die Politik hätten wir die derzeitigen Probleme nicht. Mir fehlt auch der Glaube, dass sich die Mentalität der "PIGS" aufgrund von neuen Vorgaben ändern wird. Pausenlose Rechtsbrüche sprechen nicht dafür...bitte machen Sie weiter so...Herzlichen Dank und Gruß Ernst Wünsche
Sehr geehrter Herr Wünsche, vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehter Herr Professor Sinn, Ihr Interview im Thalia Magazin 3/2011 habe ich erst jetzt gesehen und wollte Ihnen für die deutliche Kritik der Energiepolitik in Deutschland herzlich danken. Denn dieser Unsinn mit den EEG, dem Atomausstieg, der CO2 Verpressung etc. und die damit verbundene Stromverteuerug bedroht unseren Wohlstand. Für mich ist es unverständlich, daß Wissenschaftler, die an sich selbst skeptisch sein sollten, diese Hysterie von der angeblichen Klimaerwärmung durch antropogenen CO2, derart verfallen sind. Denn für mich handelt es sich hier bisher nur um eine noch nicht bewiesene Hypothese. Und zwar so lange, bis jemand nachgewiesen hat, wieso es vor nicht allzu langer Zeit diese enorme und schnelle Klimaerwärmung mit einem Anstieg des Meeresniveaus um 120 m (ein hundert zwanzig METER) gegeben hat. Ich stamme von der Insel Hvar in Dalmatien. Vor etwa 11000 Jahren konnte man von meiner Insel Hvar gegenüber nach Italien, wo heute Ancona ist, trockenen Fußes gehen, denn weit und breit gab es kein Meer. Das ist wohl auch der Grund, warum Archäologen auf den dalmatinischen Inseln (damals Berge) keine Zivilisationsreste älter als 7000 Jahre gefunden haben. Denn die Menschen lebten damals natürlich nicht in den Bergen sondern in dem fruchtbaren Adriatal. Dann plötzlich stieg das Meeresniveau in weniger als 500 Jahren um 120 Meter, ohne jeglichen CO2 Einfluß, aber vermutlich solar getrieben? Wenn für diese heutige minimale Meeresniveauanhebung von wenigern Zentimetern die Menschen mit ihren CO2 verantwortlich sein sollen, dann ist diese Hypothese für mich ein schlechter Witz. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich möchte Ihnen mit dieser Nachricht ein schlichtes Danke senden, dass Sie einer der wenigen Menschen sind, die in diesen Tagen versuchen, den Menschen in Deutschland zu erklären, dass wir Ländern wie Griechenland nicht helfen, indem wir ihnen Milliarden von Euro schenken. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, aber ich habe Ihnen vor etwa einem halben Jahr nach einem Vortrag der Studienstiftung des Deutschen Volkes im Maximilianeum die Frage gestellt, warum das ifo-Institut nicht mehr unternimmt, um die Menschen in Deutschland über die äußerst risikoreiche Politik ihrer Regierung aufzuklären. Sie antworteten mir damals, dass Sie alles tun würden, dass Ihnen möglich sei und dass Sie leider auch nicht mehr tun könnten, als ihre Aussagen so oft es geht zu wiederholen. Als ich Ihr kurzes Interview im vorletzten Spiegel gelesen habe, musste ich an dieses kurze Gespräch denken und wollte Ihnen auf diesem Wege einfach nur sagen, dass ich es großartig finde, dass Sie sich für meine Zukunft und die Zukunft meiner Generation so stark einsetzen. Danke, bitte machen Sie weiter so!
Sehr geehrter Herr J., vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, in Ihrem Artikel „Die Drohung mit der Druckerpresse“ (Wirtschaftswoche Nr. 44) schreiben Sie, daß zuerst Irland und dann andere Länder der Euro Zone die Druckerpresse angeworfen hätten. Meine Sie damit den Druck von Bargeld? Ist dies bei den erforderlichen Summen vorstellbar? Für eine Erläuterung wäre ich sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Dipl. Kfm. Günter Kircher
Sehr geehrter Herr Kircher, mit dem Begriff „Druckerpresse“ meine ich nicht unbedingt das tatsächliche Drucken von Bargeld. Die Geldschöpfung, also die Vermehrung der Geldmenge, geschieht heutzutage sehr stark über sogenanntes Giral- oder Buchgeld, das nicht als Papier- oder Münzgeld sondern virtuell auf Bankkonten existiert. Dieses Geld entsteht etwa durch die Vergabe von Krediten. Ich verwende den Begriff "Druckerpresse" daher um bildlich zu beschreiben, was derzeit geschieht. Die Banken ziehen Notenbankkredite über das Verrechnungssystem Target, um die Zahlungsbilanzdefizite in ihren Ländern zu schließen. Für weitere Einzelheiten zum Targetsystem verweise ich auf folgenden Aufsatz: „Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB“ (http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF). Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn: HB vom 12.09.2011, Seite 11, EURO, Kein Erpressungspotenzial Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Beitrag macht sehr deutlich, dass wir in dem Dilemma schon gefangen sind. Selbst, wenn wir eine neue D-Mark durch Ankauf von Euro drücken würden, hätten wir ja wieder das, was Sie mit dem Problem der Targetkonten schon ankreiden. Was mir nicht in den Kopf will, ist, dass wir in Deutschland Jahrzehnte auf eine fair bewertete D-Markt geschworen haben, warum trauen wir sie uns heute nicht mehr zu? Natürlich gäbe es Anpassungsprozesse im Übergang, aber bei den prognostizierten Kursen lagen wir vor kurzem mit dem Euro auch schon mehr oder weniger. Also warum das Geschrei? Und wenn wir einen steten Exportüberschuss pflegen wollen, zeigen uns Norwegen und andere, wie man das mit Auslandsinvestmentfonds auch tatsächlich als Kaufkraft in die Zukunft retten kann. Mit besten Grüßen
Sehr geehrter Herr P., Sie haben ja Recht. Ich habe ja nicht gesagt, dass die Bundesbank intervenieren sollte, sondern nur, dass sie es könnte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Interview in focus money Guten Tag, Herr Professor Sinn, ich beziehe mich auf das im obigen Magazin abgedruckte Interview mit Ihnen. Ich verstehe nicht, wieso die Eurobonds schlechter sein sollen, als das, was die EZB bereits schon getan hat: nämlich Schrottanleihen anzukaufen. Bei den Eurobonds wäre die Haftung Deutschlands zumindest theoretisch quotal zu begrenzen gewesen, bei den EZB Papieren haftet Deutschland gesamtschuldnerisch, im schlimmsten Fall allein. Mach ich da einen Denkfehler? Danke im Voraus für eine qualifizierte Antwort. MFG
Sehr geehrter Herr R., was die EZB macht, ist in der Tat fast dasselbe wie Eurobonds ausgeben. Man muss viele Löcher stopfen. Nicht nur eines. Aber Deutschland haftet keinesfalls gesamtschuldnerisch. Wenn die EZB kein Eigenkapital mehr hat, muss Deutschland allenfalls gemäß seinem Kapitalanteil für die Verluste aufkommen, obwohl nicht ganz klar ist, ob wir überhaupt eine bindende Nachschusspflicht haben. Eine gesamtschuldnerische Haftung gibt es jedenfalls nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Interview mit Ihnen in Bayern-Alpha gesehen: Ich finde, daß die gegenwärtige Finanzpolitik mehrerer europäischer Regierungen fast kriminelle Züge hat. Überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, warum man nicht eine Sondersteuer für alle großen Unternehmen einführt, die der Allgemeinheit in der einen oder anderen Art (sei es z. B. durch Umweltschäden oder Finanzkrisen ...) größere Kosten verursacht haben oder verursachen. Auch Firmen, die Waffen produzieren, sollten mit einer Sondersteuer belegt werden (und zwar in solcher Höhe, bis diese Firmen aus Deutschland verschwinden oder kaputt gehen)! Außerdem sollte meiner Meinung nach z. B. die Mehrwertsteuer um 1-2 Prozent weiter erhöht werden - genauso wie etwa die Steuern auf Alkohol und Zigaretten. Jegliche Verschwendung von Staatsgeldern, die regelmäßig vom Bundesrechnungshof dokumentiert wird, sollte strafbar sein. Wir leben längst in einer Gesellschaft, in der ein falsch verstandener "Liberalismus" zur Gefahr für das Staatswesen und das Allgemeinwohl geworden ist: Viele Untaten in Politik, Finanzwesen, Wirtschaft, die dem Allgemeinwohl extrem schaden und von vielen (oder den meisten) Bürgern eigentlich als Straftaten empfunden werden, stehen schlicht nicht unter Strafe, werden von keiner Staatsanwaltschaft verfolgt. Viele Politiker trauen sich gar nicht mehr, die als rational eigentlich richtig erkannten Maßnahmen zu ergreifen oder auch nur auszusprechen. Wenn die internationale Staatsverschuldung nicht viel konsequenter bekämpft wird (wobei in Zukunft noch die enormen Kosten zur Eindämmung des Klimawandels hinzukommen!), sehe ich für zukünftige Generationen ernsthaft die Möglichkeit für gewaltsame Ausschreitungen und möglicherweise sogar Umstürze. Es wäre evtl. ratsam, für die Staatengemeinschaft sich lieber früher als später zu einer Um- und Entschuldungskonferenz zusammenzufinden, bevor das alles in eine gigantische, unkontrollierbare Katastrophe führt. PS: Die EU ist nicht in erster Linie eine Währungsunion für die Bürger sondern für die WIRTSCHAFT - als solche wurde sie konzipiert und viel zu schnell und ohne genügende Sorgfalt umgesetzt - ganz ähnlich wie damals Stoiber gedrängt hat, die marode Bank zu kaufen und seine Minister das abnicken ließ (obwohl er vor den Folgen schriftlich gewarnt wurde).
Sehr geehrter Herr Sinn Ich habe Ihr Interview in der Presse gelesen. Da habe ich nur eine Frage: Warum schreiben Sie, die Renten werden als erstes angegriffen? Warum nicht die Gehälter unserer Volksvertreter. Sind die Diätenerhöhungen kein Thema? Ich habe das Gefühl, darüber darf man nicht sprechen. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme
Sehr geehrter Herr A., das Problem wird in zwanzig Jahren auftreten, wenn unsere Baby-Boomer, die jetzt Mitte vierzig sind, Renten von ihren Kindern haben wollen, die es nicht in genügender Zahl gibt. Dann werden sich die impliziten Staatsschulden Deutschlands in Form der Rentenversicherung mit den offenen Staatsschulden und den Garantieforderungen im Zuge der Rettungspakete addieren, was zu kaum lösbaren Finanzproblemen führen wird. Die Gehälter der Volksvertreter sind bei der Rechnung eine quantitativ vernachlässigbare Größe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des vorangegangenen Beitrags, siehe unten. Prof. Sinn, Thank you for your response. I know understand from your reference to the German Supreme Court what is the real issue behind the recent litigation spectacle that looks esoteric for non-Germans. However, it also makes me wonder why neither the German nor the Dutch government seems willing to seize the opportunity of the current very low interest rates to engage in a massive issuance of very long run bonds (30 - 100 years or even eternal bonds) and pay-off bonds which expire sooner. With respect to the intertemporal effects. I observe that governments have some other means to effectively force that issue. Requiring all kinds of regulated institutional investors and pension funds to raise their minimum investment level in AAA-related securities, in particular government bonds, which hardly pay out a real interest rate, effectively causes the same shift. I do not want to be as crass as Geoffrey Woods puts it in the FT today (http://www.ft.com/intl/cms/s/0/a246b0c2-b629-11e0-8bed-00144feabdc0.html) calling it "premeditated theft by governments from their citizens". Effectively this is just another, but less easily understood route for common people, working in the same direction of economic outcomes. As far as I understand the German Supreme Court doesn't have a say in German politicians designing laws / regulations that raise capital requirements for financial institutions and force insurers and pension funds into bonds with low or negative real returns. So this may then be the only political viable route, but it would then be due to a preconception of the German Supreme Court on what constitutes a stable and strong currency and the leeway politicians have to reach the some end results in a different way. But I may see this entirely wrong, but I do miss how in a neo-classical framework, where money acts as a veil over economic activities, the final outcome with respect to nominal intertemporal contracts is that different when the market moves toward a new equilibrium, guided by politicians who create the new institutional arrangements that will steer it into that direction. I only have the impression that the currently negotiated policies design a route that is slower to deflate the real debts, private and public.
I respond to your latest article on the Euro distributed by Project Syndicate. http://www.project-syndicate.org/commentary/sinn38/English Although I aggree with your line of analysis, I think you miss to point out the alternative political action: Internal Revaluation in Northern-Europe. A deliberate joint parliamentary action in Germany, France and The Netherlands in a law that raises for once nominal gross incomes for everyone working under an employee contract relation of 20-30%, made conditional on adoption of similar measures in each of the other two countries and considerable political pressure on Finland, Austria, Belgium and Ireland to adopt it too, would bring the solution of the observed economic imbalances, while the generic law imposition of this does provide the broad scale to avoid pay rises in only a few countries and sectors of industry. Alfred Kleinknecht tried to make this point after the Austerity run of the 1980s in the Netherlands, as keeping wages down mainly resulted in labour intensive industries to thrive. Today, this surely would cause some outcry in The Netherlands among the Pension Funds. But as many start to observe the ongoing slip of the prices paid for Dutch housing, while there is massive private debt in mortgages, this manoeuvre could become politically acceptable. As a one-off bump in labour cost would in particular lead to many businesses to raise investment in labour saving capital goods, Germany's strongest sector of industry, I do not know whether such an internal revaluation policy would not become politically feasible. For France it surely has some positive impact on their state debt levels as measured in Debt-to-GDP. In short, the ultimate economic maintainable mix will probably be a combination of both internal revaluation in the North and internal devaluation in the South. Aren't your proposed political solutions more problematic in economic impact than such a nation wide internal revaluation in the economic core of the Eurozone?
Dear Mr. R., Thanks for your reply. You are right, appreciation of the North via a relative price increase would greatly facilitate the adjustment. However, inflation also has its costs, because it imposes a risk on nominal intertemporal contracts within a country. Germany which suffered from a hyperinflation will definitely be reluctant to accept such a strategy. Its supreme court will likely take the Maastricht treaty literal should it turn out that the task of the ECB to stabilize the price level is interpreted as applying only to some European average. This will turn out to be a severe constraint excluding the solution you prefer. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn Ich habe Ihr Interview in der Presse gelesen. Da habe ich nur eine Frage: Warum schreiben Sie, die Renten werden als erstes angegriffen? Warum nicht die Gehälter unserer Volksvertreter. Sind die Diätenerhöhungen kein Thema? Ich habe das Gefühl, darüber darf man nicht sprechen. Vielen Dank für Ihre Stellungnahme.
Good evening I have just read your article in "Le Monde" saying that Greece should exit the Euro but some of the things you say do not make sense to me. First you say that Greece will regain competitiveness by devaluating. This is for sure, but this is just going back to the past and not trying to reform. Doing so the Greek people would also lose even more of their actual standard of living, and furthermore, it will not incite them in restructuring what really creates their lack of competitivity which is mainly the unproductive public sector (a complete failure). You say that Europe should not make money transfers as West Germany did with East Germany. Please note that at the moment there is no real money transfer to Greece other than the loans, which are actually part of the debt restructuration, which as you said yourself Europe would have to ensure whatever the case... Eventually, you say that the situation is going to turn into emigration out of Greece if they stay inside the Euro. Is it not the best solution from a European perspective as well as for the individuals ? is it not the best solution since both the people staying in the reformed greek economy and those leaving for other Europeans countries will both optimise their productivity and therefore optimize their standard of living ? Of course Greece is gonna be slightly downsized in term of population, but maybe not that much in terms of overall production and for Europe it is quite transparent since most Greek emigrants will help growth in other europeans economies.
Thanks for your note. Let me reply. 1. Explicit devaluation is the least harmful way of becoming competitive. Cutting prices while keeping the euro involves a decade of hardship, real contraction, misery and, as Keynes and Friedman alike have argued, political turmoil. Restructuring the economy is necessary regardless of that. But who does it? What, if it will not happen? That needs a mental revolution. There is no way to avoid a depreciation, either internally or externally. The living standard will fall for sure as Greece lives beyond its means. But an external depreciation means that the internal prices and wages will all stay the same and prices in general will only go up according to their import content. 2. Greece has been bankrupt basically since 2008. Since that time the excess of imports over exports has been financed with the money printing press and, from May 2010 onwards, with the aid programs of the Euro countries. There is general agreement of markets that additional loans given to Greece will not lead to additional debt services to other countries. Probably the tax payers of Europe will redeem the debt. 3. Emigration is only a second best option, given that we cannot fix the mess. Returning to an orderly state of affairs in Greece is better than a mass flight of the population. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Bonjour Monsieur le Professeur, Permettez-moi d'écrire en Français, afin d'éviter les erreurs que je risque de faire en utilisant l'allemand ou l'anglais. Je viens de lire dans le journal français "Le Monde" un article dans lequel vous préconisez pour la Grèce une sortie provisoire de l'EURO. Ne serait-il pas possible de créer un étalon-euro ayant cours légal dans tous les Etats de l'Euroland, ces derniers ayant la possibilité -mais non l'obligation- de créer parallèlement leur propre monnaie. Les pays comme la Grèce, l'Irlande, le Portugal, etc..., pourraient ainsi choisir le cours de change vis-à-vis de l'Euro qui leur serait financièrement le plus favorable. D'un autre côté, les avantages que procure une monnaie commune subsisteraient puisque l'Euro continuerait d'exister. Hochachtungsvoll, Marcel Luttgens
Sehr geehrter Herr Luttgens, erlauben Sie mir, auf Deutsch zurück zu schreiben. Ich denke, Sie machen einen sehr nützlichen Vorschlag. Gerne würden wir ihn auf unserer Homepage veröffentlichen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Ihr Bericht Rente in Gefahr ich habe einen Kurzbericht gelesen, das die Rentner edie ersten Opfer sind. Ich bin nun beunruhigt. Ich bin selber Pensionär und habe nun Angst das der Staat keine Pension mehr bezahlen kann. Was meinten Sie , das die ersten Opfer Rentner sind.
Sehr geehrter Herr R., die Renten sind bei weitem der wichtigste und größte Posten im Staatsbudget. Die Lasten, die mit den riesigen Rettungspaketen auf den deutschen Staat zukommen, werden alle wichtigen Ausgabenposten treffen, vor allem die Renten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Manche Ausführungen kann man kaum glauben. Prof. Sinn: „Ein Land, das wie die USA in der Liquiditätsfalle ist, muss Budgetdefizite fahren und die Geldmenge vergrössern, bis das Geld den Leuten zu den Ohren rauskommt. Frage an Prof. Sinn. „Reicht das?“ Prof. Sinn: „Ich weiss es nicht.“ Ihr Zitat klingt so sarkastisch, dass ich nachfragen möchte, ob Sie diese Aussage ernst meinen. Ich fahre regelm an einem Schwimmbad vorbei, das seit ca. 2 Jahren mit Mitteln aus diesen Töpfen renoviert wird. Der Einbruch ist längst vorbei, das Geld wird von der klammen Kommune immer noch gerne genommen. Die Mittel sind jedoch nicht ausreichend fokussiert für einen konjunkturellen Stimulus. Auch (noch) mehr Geld hätte da keinen positiven Effekt abgegeben. Das funktioniert schon deshalb nicht, weil solche Projekte nicht in der Schublade liegen. Bis zur Bewilligung nach einer Planungsphase vergeht einiges an Zeit, die Realisierung braucht weitere Monate - die konjunkturelle Situation hat sich dann schon verändert. Zudem – dass sich die Konjunktur hierzulande erholt hat, ist eine Ausnahme, für die USA gilt das nicht so. Der Fiskalimpuls hat in den USA nicht gewirkt, hier - s.o. - auch nicht, die Intervention war sowohl unnötig wie unwirksam, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Nur ist allerorten die öffentliche Verschuldung explodiert – per saldo hat die Massnahme die Vitalfunktionen der ausgabenfreudigen Gesellschaften belastet. Nicht nur, dass Sie die Brüning`sche Politik zu Unrecht (Borchardt-Kontroverse) anprangern. Sie verweigern sich auch der Einsicht, warum die tiefe Rezession folgend auf das Ende von WWI in den USA nach weniger als 2 Jahren vorbei war - obwohl (!!!) die US-Administrationen fast gar nichts getan haben. Nach Ihrer Interpretation hätte eine tiefe Rezession die 20er Jahre überschatten müssen. Ebenso vergessen Sie, dass Hoover u Roosevelt wie Hitler trotz enormer Budget-Defizite keinen selbsttragenden Aufschwung herbeiführen konnten. Weil Wilson/ Harding inaktiv blieben, war der Einbruch schnell vorbei, weil Hoover, noch mehr Roosevelt die Fiskalpolitik und den Interventionismus heftig nutzte, kamen die USA bis 1939 nicht zurück in einen selbsttragenden Aufschwung, ähnlich das NS-Deutschland. In Ihrem Eingangs-Zitat unterstellen Sie den Fiskal-Impulsen tatsächlich eine positive Wirkung. Das tun Etatisten mit ihren keynesianisischen Glaubensätzen häufig – Reinhart/ Rogoff verweisen auf die Konsequenzen.
Sehr geehrter Herr H., der Spruch, den ich wiedergab ist ein Lehrspruch der Monetaristen, nicht einmal nur der Keynesianer, die der Geldmengenvergrößerung ja keine Wirkung zuschreiben, wenn die Ökonomie in der Liquiditätsfalle ist. Die einen setzen auf Fiskalpolitik, die anderen auf Geldpolitik. Die Kombination ist ein ziemlich sicheres Rezept, wenn auch von der Natur einer Nitrokapsel gegen den Kreislaufkollaps. Das ist weitgehend Konsens unter den Ökonomen. Es ist leider so, dass das die einzige Chance ist. Wenn man in eine Deflationsspirale wie Japan rutscht, gibt es kein Entrinnen mehr. Diese Politik hat 2009 den Untergang verhindert. Die Konjunkturprogramme lagen bei 1000 Mrd. Euro weltweit. Ihretwegen kamen wir so schnell raus aus der Rezession, wie wir hineingekommen waren. Aber nun sind wir raus, und in der Tat muss man jetzt aussteigen. Schon letztes Jahr hätte man es tun müssen. Ich weiß nicht, ob sie mich bei Brüning richtig interpretieren. Brüning hatte in der Tat keine andere Wahl, weil er nicht extern abwerten durfte. Er tat das Richtige. Aber die Situation zeigt nur, in welch eine Zerreißprobe die Gesellschaft mit einer realen Abwertung von 20% bis 30% kommt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, ich möchte Ihnen zu Ihren Artikeln zu den Target Salden gratulieren, auch wenn ich sonst eher nicht Ihre Meinung teile. Der Hinweis auf die Target Salden ist sehr wichtig - vor allem in einem Diskussionsumfeld, das leider über weite Strecken durch Inkompetenz geprägt wird.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Rückmeldung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Sie haben mit der TARGET2-Salden-Problematik ein Thema in die Medien gebracht, das aktuell sehr kontrovers diskutiert wird. Dabei müssen Sie viel Kritik einstecken. Ich möchte Sie darin bestärken weiterhin ökonomische Probleme zu erkennen und medial zu positionieren. Es wäre um einiges leichter sich im Elfenbeiturm der Wissenschaft zu verstecken. Machen Sie bitte weiter so! Mit freundlichen Grüßen Ralph Maurer
Vielen Dank, Herr Maurer. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof.Sinn, Ich habe mich sehr ueber ihre Publikationen und Interviews in den Print und TV Medien zum Thema der Griechenland Verschuldung und allgemeinen Euro Problematik& Verschuldung in Portugal, Spanien und Irland gefreut. Ich finde es vollkommen richtig, dass es eine Umschuldung fuer Griechenland geben muss zusammen mit einer Wiedereinfuehrung der Griechischen Drachme damit die Wirtschaft dort wieder Wettbewerbsfaehig wird und das Land wieder auf die Fuesse kommt. Es waere klueger gewesen ein Kerneuropa mit gesunden Volkswirtschaften als Start Laender fuer die Euro einfuehrung zu nehmen und nicht Laender wie die oben genannten durchzuschleppen. Wie ich im heutigen Focus lesen konnte ist dieses Thema in allen Bundestagsfraktionen nicht auf der Tagesordnung obwohl es jeden deutschen Buerger etwas angeht. Die eigentlich wichtige Steuerentlastung der Buerger entfaellt, um den Euro zu stabilisieren und die Geduld der Burger zu diesem Thema ist langsam am Ende. Ich sehe leider wirklich " Schwarz " falls man ihrem Rat und aller anderen vernuenftigen Oekonomen nicht folgt und Griechenland aus der Euro Zone ausschliesst, schliesslich hatt GR sich ja mit gefaelschten Zahlen und Fakten reingemogelt. Machen Sie weiter so unser Land bracht Maenner wie Sie die, die Wahrheit beim Namen nennen. Mit freundlichen Gruessen Stefan Hakenberg
Sehr geehrter Herr Hakenberg, vielen Dank für Ihren Zuspruch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herren Heiner Bremer, Kollegen Prof. Hans-Werner Sinn und Prof. Hubert Weiger, bei der gestern (Di. 12.4.2011) in n-tv ausgestrahlten Sendung 'Das Duell bei n-tv' Wer bezahlt den grünen Strom? ging es doch bei der Diskussion wegen, teilweise unrichtiger Argumente, aus meiner Sicht doch ziemlich drunter und drüber, so dass der Kern der Debatte teilweise bis zu Unkenntlichkeit entstellt wurde. Ich denke wir sind uns einig, dass der Ausgangspunkt der Debatte folgende beiden Kernprobleme der modernen Zivilisation sind Klimawandel und (zunehmende) Ressourcenverknappung und die darauf mögliche bzw. geeigneten Reaktionen darauf. Um es gleich vorweg zunehmen können am langen Ende d.h. in den nächsten Jahrzehnten nur Lösungen der Energiefrage aus Kombinationen aus den Bereich 1.) Energiesparen, 2.) Steigerung der Energieeffizienz und 3.) erneuerbare Energien kommen, denn die Ressourcen fossiler Energien sind doch einerseits sehr endlich (bzw. in Termini von VWL'ern ist dies eine Frage von Beschaffungskosten), andererseits als Emitter von klimaschädlichem CO2 bekannt (siehe dazu meine Folien 4 - 10). Weiterhin ist die Nutzung von Nuklearenergie auch höchst umstritten, bzw., auch letztlich ressourcenlimitiert (siehe Folie 4). Nun was in ihrer Sendung einfach nicht vermittelt wurde, ist das der Konflikt nur in den der 'relativen Mischung' der Antworten in den Möglichkeiten 1.), 2.) und 3.) bestehen kann, und wie dabei ein optimaler Nutzen bei minimalen Kosten entsteht, eine Antwort die aber von vielen Faktoren anhängt und vor allem von der Zeit, für wann sie beantwortetet werden soll, also heute, in 5 Jahren, 20 Jahren et cetera. Nun wo stehen heute in der um die Energieversorgung. Dazu gab es in der jüngsten Vergangenheit doch etliche fundierte wissenschaftliche Literatur, deren Ergebnisse zu zitieren sich doch schon gelohnt hätte (diese Literatur - die von Untersuchungen von McKinsey über CO2 Vermeidingskosten, über SRU, bis Publikationen aus nature und Science reichen) finden sie implizit in meinem Vortrag im Anhang. Machen wir also kurz einmal ein Inventur, mit disputablen Vorschlägen, wie in den nächsten Jahrzehnten darauf diese Herausforderung zu reagieren ist, jenseits des tagesspolitisch hektischen Geschäfts, denn auf 1 Jahr mehr oder wenige Laufzeit von irgendetwas kommt es eigentlich gar nicht bei der Energieversorgung an. Betrachten wir also den Primärnergiebedarf von Deutschland (Folie 11) und wie darauf in den einzelnen Sektoren darauf reagiert mit Maßnahmen aus dem Bündel 1.), 2.) vernüftig zu reagieren ist. 1.) Wir wissen dass circa 3/8 der Primarenergie im Gebäudebereich eingesetzt wird. Folie 28 vermittelt Ihnen nun einen Eindruck, welche Maßnahme negative bzw. positive Vermeidungskosten haben, basierend auf den Energiepreisen von 2005. Wie sie z.B. ersehen können, haben negative Vermeidungskosten circa 57 Millionen CO2 Emisssionen, oder 7% des deutschen Primärnergiebedarfes. Aus meiner persönlichen Erfahrung als Wissenschaftler (Folien 29 -32) (und Hausbesitzer der ein Gebäudesanierung auf Niedrigenergiestandard hinter sich hat) weiss ich dass im dt. Gebäudebestand 3/4 zu erträglichen Kosten (ich hab es hinter mir) einzusparen sind (allerdings aber nicht von heute auf morgen, sinder das ist eine Generationenfrage). Also ist das Potential der Energieeinsparung im Gebäudebereich: 3/8 mal 3/4 = 9/32 also der dt. Energieversorgung! 2.) Energieeffizienz (Folie 11): Wir wissen, das 28.2% der dt. Pirmärnenergie zum großen Teil in (vermeidbaren) Verlusten verbraten wird, die man stark reduzieren könnten, falls wir bereit sind einigen technische Systeme (im Verkehr und Energiewirtschaft) umzustellen. Das gehören insbesondere die Stromerzeugung und der Verkehr, denn beide nützen einen aus physikalischen Gründen sehr ineffizienten Prozess (Carnot Prozess) zur Gewinnung mechanischer/bzw. eletrischer Energie aus chemischer Energie aus. Betrachten wir also Energieinsparungen durch Effizienzgewinne und die dafür erfordlichen Kosten in den beiden Bereichen. 2a.) Folie 14 zeigt Ihnen dazu die sogenannten CO2 Vermeidungskosten im Energiebereich, wobei dei Zahlen heute doch schon etwas günstiger für die EE sind, denn einerseits haben sich die Gestehungskosten z.Bsp. für on-shore Windstrom bei circa 90 Euro/MWh eingependelt, die Kosten für Photovoltaikstrom haben sich seither halbiert, so dass z.B. ich im eher sonnenreichen Allgäu auf meinem Dach Sonnenstrom für 160 Euro/MWh (EBIT Herr Prof. Sinn) herstellen kann, während der Strom vom lokalen Lieferanten z.B. 240 Euro/MWh kostet, andererseits die Stromkosten durch 'die Merit Order Effekte der EE' an der Leipziger Strombörse von gut 80 Euro/MWh (2008) auf heute unter 60 Euro/MWh verbilligt hat. Nebenbei bemerkt hätten Sie diesen Sachverhalt Herr Prof. Sinn als Ökonom, locker in die Debatte einführen können und müssen. Wie auch immer, es gibt von dem Sachverständigen Rat für Umweltfragen (SRU) eine Studie zur völligen Energieversorgung aus EE und ihrer Kosten (Folien 19 - 26) nach der mit Erzeugungskosten < 100 Euro/MWh der deutsche Stromverbauch von circa 600 TWh zu decken wäre, allerdings nur im Rahmen eines Energiaustausches/Speicher mit Dänemark und Norwegen. Wir wissen aber aus dem von unseren Studenten gerechnten Szenario, das die Preise und Versorgungssicherheit von EE stark günstiger mit wachsender Größe der Vernetzung günstiger wird. Eine Übeschlagrechnung die ich für Sie hier mache zeigt nun, dass das Einsparpotential im dt Primärenergibedarf der Energiewirtschaft (3/8) wiederrum 3/4 bei vernüftigen Kosten beträgt (siehe Folie 20), also ist das Einsparpotential für fossile Energien und Kernkraft durch Energieeffizienz und EE alleine im Energiesektor: 3/8 mal 3/4 = 9/32 beträgt. 2b.) Um es kurz zu machen Folien 34 bis 37 zeigt Ihnen das Effizienzsteigerungpotential im Verkehr, bzw. die CO2 Vermeidungskosten (betrachten Sie bitte dei Größe der Zahlen auf der y-Achse) bei Maßnahmen, die die Automobilindustrie enmpfiehlt im Vergleich zu den CO2 Vermeidungskosten der anderen Bereiche. Um es kurz und prägnant zu sagen: Energieeinsparung im konventionellen Verkehr ist ein typischer Fall einer Fehlallokation Volkswirtschaftlicher Mittel. Folie 35 vermittlet Ihnen einen Eindruck welchen energetischen Gewinn z.B. die breitflächige Einführung von Elektromobile mit sich brächte. Summa sumarum verbrauchen wir als 18.8% (3/16) der dt Primärenergie für Verkehrszwecke, von denen sich circa 1/2 bei Einführung von Elektromobile sparen liesen. Also besteht hier ein Eisparpotential von (3/32) des dt. Primärenergiebedarfs. 3.) Negative CO2 Vermeidungskosten in der Industrie wurden in 2005 auf 35 Millionen Tonnen CO2 geschätzt (Folie 27), was einer Menge 1/32 des dt Primäenergieverbrauches entspricht. Zählen wir als nun zusammen, was die dt Volkswirtschaft and Effizienz und Energieinsparpotential hat (deren Realisierung zugegebenermaßen je nach Maßnahme aber bis zu Jahrzehnte brauchen kann): 9/32 aus 1.), zzgl. 9/32 aus 2a, zzgl. 3/32 aus 2.) zzgl 1/32 aus 3.) also in Summe 22/32, oder mindestens 68.7 %, ohne! das dabei die dt, Industrie bzw. der Vebraucher unbotmäßig zur Kasse gebeten würde. Ich denke sinnvolle Poltitik wäre nun diese Potentiale der Maßnahmen 1.) 2.) und 3.) zu aktivieren. Also reden wir über hunderte wenn nicht tausende Maßnahmen (anstelle von Windkraft u.a. bei uns im Allgäu, was viele Mitbürger als einen notwendigen Tribut an den Lebenstil empfinden), denn diese wäre zum Besten des Landes, seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit und auch zuküftigen Chancen auf dem Weltmarkt! Ich denke die Sendung hätte entlang dieser Linie dem Zuschauer die Problematik der Energieversorgung vermittelt werden können, ohne ins polemische und daher wenig Informative abzukleiden.
Sehr geehrter Prof. P., im Namen von Herrn Sinn, der momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre ausführliche Stellungnahme und Folien danken. Ich stimme Ihnen natürlich sofort zu, dass die Lösung des Klima-/Ressourcenproblems keine kurzfristig zu lösende Aufgabe darstellt und vor allem nicht auf Einzelmaßnahmen sondern eine Kombination verschiedener Maßnahmen zurückgreifen muss. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
An die Redaktion der TAZ, Rudi-Dutschke-Str. 23, Berlin; via e-mail-Formular An die Redaktion des ZDF, Mainz. Via e-mail-Formular Sehr geehrter Herr Sinn, Ich schreibe Ihnen einen offenen Brief, den ich auch der Redaktionen der TAZ und des ZDF zukommen lasse. ich habe gestern, am 14. April, im zdf die Sendung von Maybrit Illner "Atom-Angst, Wie teuer kommt der schnelle Ausstieg" verfolgt, bei der Sie als Gast geladen waren. Ich möchte im ersten Schritt auf Ihre inhaltlichen Standpunkte eingehen, dass der schnelle Umstieg auf erneuerbare Energien eine "Schnapsidee" sei und uns sehr teuer zu stehen kommen wird. Nur soviel dazu: Ich denke, Ihr Standpunkt ist nicht hinreichend belegt, zumal nicht klar offengelegt ist, was uns die friedliche Nutzung der Kernenergie an volkswirtschaftlichen Kosten in der Vergangenheit aufgebürdet hat und uns zukünftig aufbürden wird. Da gibt es sehr viele Kosten, die gar nicht in den Strompreis eingerechnet wurden und werden, sondern mit vielen Griffen in die Staatskasse und somit aus Steuergeldern bezahlt wurden und werden und damit zu "indirekten Strompreis-Zusatzerhöhungen" geführt haben, die überhaupt nicht in der Strom-Jahresabrechnung eines jeden Strombeziehers auftauchen und die auch energieintensive, in diesem Falle ja stromintensive Güter, wie beispielsweise die der Aluminiumindustrie verteuert haben. Einige wenige Beispiele für diese "verdeckten" Mehrkosten möchte ich hier aufführen: - der volkswirtschaftliche Schaden durch den GAU in Tschernobyl, die anschließenden finanziellen Aufwendungen Deutschlands in Form von Hilfsgeldern für die Opfer und Geschädigten, die es auch in Deutschland gegeben hat und geben wird, aber auch in Form von wirtschaftlichen Hilfen für die zusammengebrochenen osteuropäischen Volkswirtschaften, sowie der Gelder, die dazu genutzt werden sollten, den beschädigten Reaktorblock wirksam von der Atmosphäre abzuschirmen (Sarkophag). - Hierzulande sind sehr viele Subventionen in den vergangenen 50-60 Jahren in die Erforschung der friedlichen Kernenergie geflossen, um sie unter anderem "marktreif" für die Anwendung in der Stromproduktion zu machen, aber auch um die Anlagen zu bauen. Einige Anlagen wurden mit Milliardenaufwand gebaut, sind aber nie ans Netz gegangen. - Zukünftig wird die Sanierung der Atommülllagerstätte im Bergwerk Asse schätzungsweise 4-5 Milliarden Euro kosten, die ebenfalls nicht auf den Strompreis umgelegt werden - wie viel erneuerbare Energien hätte man mit diesen "versenkten" Milliarden zusätzlich installieren können? - Die Endlagerfrage ist nach wie vor ungelöst. Die Erforschung zur Lösung dieser Frage wird weitere Milliarden kosten. Das Problem wird sich bei Stoffen wie Plutonium mit einer Halbwertszeit von mindestens 24.000 Jahren wohl für unzählige nachfolgenden Generationen auch in Form von Schäden und Kosten niederschlagen, die dann natürlich auch nicht in den Strompreis einkalkuliert werden. Ich denke, nur mit diesen wenigen Argumenten im Hinterkopf und angesichts des Restrisikos der Kernenergie, das uns jetzt drastisch in Japan vor Augen geführt wird, ist die Mehrheit der Menschen in diesem Land nicht mehr bereit dazu, die Kernenergie weiterhin zu tragen. Der eigentliche Anlass aber, der mich dazu bewogen hat Ihnen zu schreiben, ist Ihre Äußerung am Ender der Sendung gestern Abend: Sie unterstellten „den Medien“, insbesondere dem Fernsehen, durch die Überlagerung der Bilder des verheerenden Erdbebens und dem darauf folgenden Tsunami mit den Bildern der explodierenden Reaktorblöcke „alles zu mischen“ und so das Gefühl zu erzeugen, dass da die „Apokalypse im Atom“ sich ereignen würde. Sie stellten dar, dass die Opfer des Erdbebens und der Tsunami-Welle, die vielen Toten, zur Stimmungsmache gegen die Kernenergie verwendet werden, obwohl bei dem GAU in Fukushima ja noch keine Menschen umgekommen sind. Abgesehen davon, dass wir da momentan tatsächlich die „Apokalypse im Atom“ erleben – oder wie soll sonst ein Unfall der INES-Stufe 7 bezeichnet werden? – sind dort schon Menschen durch den GAU gestorben. Das sollten Sie eigentlich wissen! Ihre Darstellung ist unerträglich pietätlos gegenüber „diesen“ Opfern, aber auch den Opfern der Naturkatastrophe gegenüber und respektlos gegenüber allen Überlebenden. Ihre Äußerungen sind eigentlich nur als blanker Zynismus aufzufassen, denn Sie unterstellen „uns“, einfachen Beobachtern von außen, dass wir nicht trennen können zwischen der Naturkatastrophe und der von Menschen gemachten Katastrophe. Zum Anderen instrumentalisieren Sie die „unbeteiligten Toten“ der Naturkatastrophe, um „uns“ einfachen Beobachtern von außen einen Überhang an Emotionen unterzuschieben. Sie unterstellen „Stimmungsmache“, die dazu führt, dass es an „Rationalität“ fehlt. Stellen Sie sich vor, es wäre der GAU in Fukushima eingetreten, ohne vorheriges Erdbeben mit einem Tsunami – und diese Annahme ist nicht gerade weit hergeholt, wie uns die Historie der Unfälle, die bisher im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie aufgetreten sind, zeigt. Dann wäre der Aufstand, mit ihrem Wort die „Stimmungsmache“, hierzulande wahrscheinlich noch größer, weil eine erklärbare, von „außen“ kommende Ursache nicht menschlichen Ursprungs für einen GAU gar nicht via Fernsehen für uns zu sehen gewesen wäre. Es wäre sozusagen die nebulöse, unsichtbare Gefahr der Kernenergie durch Systemversagen und menschliche Fehler offensichtlich geworden, die uns ja in eine solche „Hysterie“ versetzt, sozusagen die „unschöne Variante“ des Restrisikos. Und natürlich werden noch weitere Opfer folgen, nicht zu schweigen von allen Erbgutschäden, die sich erst im Laufe der nächsten Generationen in Form von Totgeburten und Missbildungen niederschlagen werden. Wissen Sie, Herr Sinn, es ist nicht nur sehr bedrückend, zu sehen, dass so viele Menschen durch eine Naturkatastrophe gestorben sind und viele weitere darunter unendlich leiden. Nein, es ist unerträglich, mit ansehen zu müssen, dass zu all diesem Leid auch noch der GAU mit dazu gekommen ist. Das steigert die Tragödie über alle Schmerzgrenzen hinaus! Gestern hat ein 102 Jahre alter Mann Suizid begangen, als er sich vergegenwärtigen musste, dass er auf Grund der Verstrahlung durch den GAU in Fukushima sein Haus niemals wieder bewohnen kann. Solch ein Opfer alleine verbietet es schon, jegliche Form der Relativierung dieser „Katastrophe-on-top“ und der Gefahren der Kernenergie zu betreiben!
Sehr geehrter Herr S., leider kann Ihnen Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten. Ich möchte Ihnen jedoch versichern, dass Herr Sinn es weder den Opfern von Fukushima noch den Opfern des Tsunamis gegenüber an Respekt und Mitgefühl fehlen lassen wollte. Er hat lediglich darauf hingewiesen, dass es auch bei anderen Formen der Energieerzeugung zu Opfern gekommen ist. Und obwohl diese Opferzahlen zum Teil sehr hoch sind, wird darüber weit weniger in den Medien berichtet. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Werter H. Sinn, kommen Sie doch bitte mal ins Saarland, da können Sie sich den Preis als grössten Dummschwätzer des Landes abholen - soviel ist ihnen jetzt schon sicher. H. Peter Müller hat den Preis schon. Ich verfolge ihre Meinung schon einige Zeit - sie könnte genauso von meinem neuen Nachbarn, dem Banker, kommen. Wenn man sieht, in welchem Umfang in der Industrie Energie verschwendet wird, so kann ich immer wieder gut Ihre Argumentation verstehen. Sie sprechen für eine Kaste, die sich in grossen Teilen nicht darum schert, wie effizient die billige Energie verwendet wird. Dass man dafür dann Strom aus KKWs nutzen muss ist eine Farce. Verschwendung überall - auch im KKW, denn dort wird auch eine ganze Menge Ab-Wärme produziert - und das soll nicht zur Erwärmung der Erde beitragen? Ein KKW hat den schlechtesten Wirkungsgrad aller Energien, wenn man alle Kosten einrechnet. Ein schöner Witz, den man sich hier konstruiert hat. Aber Sie sind ja Wirtschaftsfachmann. Um physikalische Realitäten brauchen Sie sich ja nicht zu kümmern. Herzlichen Glückwunsch für dieses kastrierte Kastendenken. Gruss von einem Energietechniker von der Saar.
Sehr geehrter Herr H., vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Bestehende Kernkraftwerke weisen in der Tat einen relativ geringen Wirkungsgrad auf. Die Kostenfrage, die sich naturgemäß bei Kernkraftwerken sehr kompliziert gestaltet, sollte jedoch von dieser physikalischen Größe getrennt betrachtet werden. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind hier nicht nur die hohen Kapitalkosten und relativ geringe Brennstoffkosten zu berücksichtigen, sondern ebenso die externen Kosten, die z.B. aus dem Risiko von Unfällen resultieren. Wie hoch der Preis für Atomstrom bei Berücksichtigung all dieser Kosten (inkl. Endlagerung und umfassender Versicherungspflicht) wäre, darüber gehen die Meinungen auch unter Experten stark auseinander. Sicher ist, dass sich der gegenwärtige Kostenvorteil des Atomstroms dadurch zumindest vermindert. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
hallo, herr sinn! der kabarettist georg schramm hat mal sinngemäss über sie gesagt, ihr nachname könne nur ein künstlername sein. dass er nicht so ganz unrecht hat, belegt ihr auftritt bei "illner" am donnerstag. dort sagten sie, keine industrie-nation komme ohne atomkraft aus. wenn sie mal nach dänemark schauen wollen! dort hat die regierung gerade beschlossen, den energiebedarf des landes bis 2045 aus- schliesslich aus regenerativen quellen zu bestreiten. ausserdem sagen sie mir bitte, welche vorschläge sie für die endlagerung des atommülls haben.
Sehr geehrter Herr A., vielen Dank für Ihren Kommentar. Prof. Sinn kann momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten. Eine Stellungnahme von ihm zur Frage der Endlagerung können Sie allerdings in seinem Buch "Das Grüne Paradoxon" finden, in dem er sich mit der Frage der Endlagerung auseinandersetzt. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, dass sich ein Industrieland mit Sonne/Wind und Laufwasserkraftwerke nicht versorgen kann. Bei dem hohen Anspruchsdenken der Deutschen wird diese alternative Energie keine Akzeptanz finden. Schon nachts den Strom abschalten zwischen 1 Uhr und 4 Uhr wurde bei uns im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Nicht die neuen Leitungstrassen angeblich von Nord nach Süd sind das Problem, (wir im Süden haben doch Solarenergie) sondern die Speicherung vor Ort. Die Kosten der Speicherung sind auch 10mal so hoch. Siehe meine Anlage. Ich bin durchaus für alternative Erzeugung und ich habe meiner Gemeinde eine Machbarkeitsstudie bis 2025 vorgelegt. Ich sage Ihnen: Die Leute im GR haben keine Ahnung was auf unsere Gemeinde und auf Deutschland zukommt. Es handelt sich um träumerische Ideen aus der Steinzeit, mehr ideologisierter Glaube als handeste Realisierung. Es geht nicht um den Ersatz von Opel durch den teureren Mercedes, sondern um ganz andere Fahrzeuge mit anderen Straßen.
Sehr geehrter Herr K., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihre objektiven Betrachtungen der regenerativen Energien anlässlich des TV-Auftritts zur Windkraft vom 12.April 2011 (N-TV) haben mich sehr beeindruckt. Leider konnte ich die Alternativen zur Windkraft nicht klar erkennen. Haben Sie die Geothermie gemeint, als Sie die Selbstversorgung der Landwirte ansprachen? Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dass die Tiefengeothermie sehr wohl die Windkraft vollständig ersetzen kann (www.geothermie-zentrum.de/geothermie/tiefengeothermie.html). Dies setzt meines Erachtens voraus, dass keine atomaren Endlager in einem Bergwerk projektiert werden. Als voraussichtliche Langzeitwirkung wird Grundwasser radioaktiv kontaminiert und die Geothermieanlagen zur Abschaltung zwingen. Wenn mein bescheidener Hinweis für zukünftige Planungen Beachtung findet, wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Sehr geehrter Herr N., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und den Hinweis danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, nachfolgende Nachricht hatte ich Ihnen bereits unter einer anderen E-Mail-Adresse zugesendet. Die Diskussion bei Maybrit Illner habe ich ebenfalls verfolgt und war gleichermaßen erstaunt, dass die wiederholte Frage der Moderatorin nach dem Ersatz der Kernkraftwerke durch Windenergie nicht beantwortet wurde – es ist nicht möglich. Bisher habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie der Handel mit elektrischer Energie europaweit erfolgt. Wie werden die Belastungsspitzen behandelt? In Sommermonaten vergangener Jahre konnte Frankreich den Eigenbedarf nicht decken, weil deren Kernkraftwerke teilweise mit Wasser aus Flüssen gekühlt wurden, deren thermische Belastbarkeit überschritten worden wäre. Hätte z.B. Frankreich auch über 35 % der Kernenergie eines Moratoriums wegen vom Netz genommen, würden in Europa Versorgungsengpässe bestehen. Muss beim internationalen Handel die Leistungsspitze bestellt werden, wie das bei Großverbrauchern erfolgt? Eine Kurzfassung meiner Überlegungen füge ich bei. Übrigens ist nicht verwunderlich, dass über 80 % der Bevölkerung Kernenergie ablehnt, wenn sie fälschlicherweise unterrichtet wird, dass diese Energie nicht benötigt wird. Sie können davon ausgehen, dass meine Beurteilung keine grundlegenden Fehler beinhaltet. An einem Ideenaustausch bin ich aber sehr interessiert. Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sehr geehrter Herr Professor Weiger, bei der Diskussion mit Heiner Bremer wurde der Eindruck vermittelt, mit Windrädern könnten Kraftwerke ersetzt werden. Das geht nicht, die Leistungsbetrachtung – kW – lässt erkennen, dass ohne Wind kein Strom ankommt. Wenn als Ersatz für Biblis A theoretisch die über 6000 Windräder errichtet würden und wenig Wind bläst, muss das Kraftwerk wieder liefern. Aber bei guten Windverhältnissen würde die Anlage ein Vielfaches des Bedarfs leisten können. Das Problem besteht bereits heute zeitweise. Deshalb muss bei weiterem Ausbau von Wind- und Solarstrom gründlich über die Folgen nachgedacht werden. Speichern kann man Windenergie nicht, weil keine Speicher so viel Kapazität haben, dass sie die langen windarmen Phasen ausfüllen könnten. Völlig abgesehen davon, dass Speicher mit so viel Leistung gar nicht denkbar sind. Mit Elektrolyse Wasserstoff oder Methan herzustellen und damit wieder Kraftwerke zu betreiben, scheitert an dem sehr schlechten Wirkungsgrad dieses Verfahrens. Strom von Photovoltaikanlagen zu speichern ist auch nicht sinnvoll, weil alle Speicher Energie vernichten und der Erntefaktor der Solaranlagen zu schlecht ist. Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass Photovoltaik nicht weiter zulasten von Verbrauchern gefördert wird. Mit Kraft-Wärme-Kopplung sind die Anpassungsprobleme der Stromnetze nicht zu lösen, weil der Wärmebedarf die Leistung bestimmt. Es gibt viele Gutachten von SRU, WBGU, Fraunhofer, Prognos und anderen, die auf hunderten von Seiten nachweisen, dass z.B. bis 2050 eine Versorgung mit erneuerbaren Energien möglich ist. Alle machen den gleichen Fehler: Die Energie – kWh – wird betrachtet und nicht die Leistung – kW! Mit Wind- und Solaranlagen können keine Kraftwerke ersetzt werden! Mit den vorhandenen oder denkbaren Techniken ist eine Versorgung mit regenerativer Energie nicht möglich. In den Roh- und Abfallstoffen der Kernspaltung sind riesige Energiemengen, die wir heute nicht nutzen. Wissenschaftler arbeiten daran Verfahren zu entwickeln, mit denen diese Energie genutzt werden kann und die Strahlung auf Halbwertszeiten von Sekunden gemindert wird. Der Zugriff auf die Abfälle muss erhalten bleiben, wir brauchen keine Endlager. Für Fragen und weitere Informationen stehe ich gern zu Ihrer Verfügung. Ich würde mich über eine Antwort von Ihnen freuen.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Sie weisen zurecht auf die Rolle, die französische Kernenergie bei der Deckung der weggefallenen Leistung aus den abgeschalteten deutschen Atomkraftwerken hin. Deutschland muss sich hier entscheiden, ob es wirklich konsequent auf Atomstrom verzichten will und sich über die entstehenden Kosten und technischen Voraussetzungen im Klaren sein. Ebenso muss bei der Suche nach Alternativen zur heutigen Nutzung von Atomenergie ergebnisoffen vorgegangen werden, ohne dass bestimmte Technologien von vorneherein aus der Betrachtung ausgeschlossen werden. Gerade diese Debatte ist es, zu der Prof. Sinn beitragen will. Zu Ihrer Frage nach dem Stromhandel: An der Strombörse werden sowohl Grundlaststrom als auch Spitzenstrom gehandelt, der Spitzenbedarf an Leistung kann dabei auch reserviert werden. In Anhang finden Sie noch eine Ausarbeitung der AGEB zu der aktuellen Energieverbrauchsentwicklung bei, in der auch die Terminbörsen angesprochen werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen
Diskussionsrunde über Atomausstieg und erneuerbare Energie am 14.04.2011 bei Maybrit Illner Sehr geehrter Herr Professor Sinn. Mit großem Interesse verfolgen meine Frau und ich die Diskussionen zu diesem Thema. Es ist immer der gleiche Ablauf. Es wird geredet und geredet. Wir haben den Eindruck, daß Politiker von dieser Materie überhaupt nichts verstehen. Sie sind nicht in der Lage, selbst etwas zu überdenken und nachzurechnen. Jeder dieser Leute kommt mit seiner eigenen Statistik. Es gibt wohl keine parteilose Statistik. Ist dann,wie gestern, Gott sei Dank, einmal ein Fachmann in Ihrer Person dabei, dann läuft das wie üblich ab. Wenn ein Fachmann beginnt Fakten logisch und auch für jeden verständlich darzulegen, wird dies sofort vom Gesprächsführenden, wie gestern Frau Illner, unterbrochen. Man will stundenlang reden, ohne etwas konkretes sagen zu müssen. Ständig wird einhellig behauptet, daß der Staat keinen Betrieb führen kann. Hier aber, wo es um um die wichtigste wirtschaftliche Entscheidung geht, da führen Personen Regie, deren Kompetenzbasis das Parteibuch ist. Die Qualifikation dieser Leute ist so hoch, daß sie in der Lage sind ausnahmslos jedes Ministeramt zu übernehmen. Das erinnert uns an frühere Zeiten. Es gilt die Devise ,erst mal machen, und dann schauen,was passiert. Es gibt endlose Beispiele von Gesetzen, die man dann hat und nicht mehr losbekommt. Was man mit der hochgelobten Solartechnik anrichtet, hochgelobt von denen, die daran verdienen, ist absoluter Schwachsinn. Das ist Aktionismus in Reinkultur. Wer sind wir denn, daß wir die Welt verändern wollen ? Was denkt wohl der Rest der Welt von uns? Grössenwahnsinnig? Das könnte es treffen. Wissen Deutsche immer alles besser? Nein, aber deutsche Politiker, die wissen immer, was andere Länder tun sollten. Mir scheint, Deutschland wird für den Betrachter von außen mehr und mehr zu einer amorphen Masse. Keine Fasson, keine Linie mehr in Ethik und Moral. Jeder Politiker darf mehrmals am Tag öffentlich seine Meinung ändern. Man nennt es freie Meinungsäußerung, jedoch entwurzelt man dabei alles. Diskussionen, wie gestern bringen gar nichts, wenn nicht vor Beginn der Diskussion Fakten auf den Tisch kommen, über die dann diskutiert wird. Solange jeder Politiker einen andere Zahl aus der Tasche ziehen darf, ist die Absicht klar; darüber reden, aber vernebeln. Klar ist, daß keiner höhere Kosten will. Klar ist, daß keiner bei sich Windräder will. Klar ist, daß keiner bei sich Oberleitungen will. Klar ist, daß keiner bei sich die Landschaft für Erdkabel aufgraben lassen will. Klar ist, daß niemand die Langzeitfolgen all dieser Dinge kennt. Klar ist, daß Japan hätte nie in diesen Regionen Atomkraftwerke bauen dürfen. Klar ist, daß in den gefährlichsten seismischen Zonen dann auch die gefährlichsten Tsunamis auftreten können. Klar ist auch, daß die sofortige öffentliche Erklärung von Frau Merkel "...kein Wissenschaftler dieser Welt konnte so etwas vorraussehen...", unqualifiziert war. Das war vorprogrammiert, das war nur eine Frage der Zeit. Das gilt aber nicht für Deutschland. Klar ist auch, daß die Energiekonzerne in der Frage des Gewinns auch in absoluten Zahlen rechnen, und den Ausfall dann an anderer Stelle einfordern werden. Klar ist auch, daß dem Höhenflug der Atomgegner der freie Fall folgen wird. Was also ist in den Köpfen der Politiker klar? Gar nichts. Ich meine, die Wissenschaft ist gefordert, alle Fakten zu erarbeiten, und öffentlich Verständlich darzustellen. Nur sie ist in der Lage eine sachliche Basis zu schaffen. Was jetzt läuft ist nur Parteipolitik. Das muß ein Ende haben; alles Tun muß ausschließlich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Interesse unseres Landes hoffe ich und viele in diesem Land, daß die Vernunft siegen wird. Ich hoffe auf Ihren ganz grossen Beitrag dazu. Es grüßt Sie hochachtungsvoll Dieter Hacke
Sehr geehrter Herr Hacke, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne in seinem Namen für Ihren Kommentar danken. Herrn Sinn ist es ebenso wie Ihnen ein besonderes Anliegen, dass von der emotionalen Diskussion in der Folge von Fukushima wieder zu einer sachlichen Diskussion übergegangen wird, die auf wissenschaftlich fundierten Grundlagen basiert. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, daß die Vernichtung der deutschen Kerntechnik sehr, sehr teuer wird. Kernstrom ist unverzichtbar, die "Energiewende" besteht darin, daß Deutschland vom Exporteur von Kernstrom zum Importeur wird. Halten Sie es für möglich, daß die Kerntechnik im Interesse der deutschen Bevölkerung noch zu retten ist? Wäre ein Zusammenschluß von denkenden Fachleuten möglich? Kopien sende ich an eine Reihe von Fachleuten. Mit freundlichen Grüßen Hans Penner
Sehr geehrter Herr Penner, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Ich persönlich denke, dass die langfristige Prognose für die Kernenergie in Deutschland stark von der weiteren Entwicklung in Fukushima abhängen wird. Es darf allerdings auch nicht vergessen werden, dass der Ausstieg aus der Kernenergie vor Fukushima und vor dem "Ausstieg vom Ausstieg" bereits schon einmal beschlossen wurde. Insofern würde ich zumindest kurzfristig nicht mit einer Umkehr der grundlegenden Entwicklung rechnen. Wichtig erscheint vor allem, dass in der zur Zeit noch sehr emotionalen Debatte keine überstürzten und potentiell langfristig sehr teuren Entscheidungen gefällt werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Atomdebatte bei Illner vom 15.04. 2011 Sehr geehrter Herr Dr. Gaulke , Während der Sendung konnte ich feststellen, dass durch die Ausführungen von Herrn Professor Sinn endlich einmal versucht wurde die richtige Bezugsgröße ,nämlich den Primärenergiebedarf in Bezug zu den erneuerbaren Energien zu stellen. Versucht leider deshalb, weil die Moderatorin diese Art der Diskussion ständig abwürgen wollte. Ich bin der Meinung,dass wir weltweit ab 2020 eine, sich langsam aufbauende Versorgungslücke in der Beschaffung des Weltprimärenergiebedarfs erleben werden, gerade zu dem Zeitpunkt, wo wir unsere Kernkraftwerke abschalten sollen. Seit Beginn des 21.Jahrhundert wird sich der Primärenergiebedarf bis zum Jahr 2050 mindestens verdoppeln,aufgrund der weiteren Explosion der Weltbevölkerung und des verstärkten Zugriffs der Schwellen/Entwicklungsländer auf die fossilen Energieträger. Man kann davon ausgehen, dass bis 2020-2030 die Erdölreserven und die Erdgasreserven weitgehend abgebaut sind und danach die Kohle bis 2050-2060 ebenfalls.Selbst eine Verschiebung um 10 oder 20 Jahre löst unsere Probleme nicht. Das bedeutet auf jeden Fall, dass die Nachfrage das Angebot übersteigen wird und die Preise dramatisch steigen werden.Zur Zeit wird der Energiebedarf der Welt zu 99 % durch fossile Energieträger gedeckt, die erneuerbaren Energie spielen keine Rolle und werden es auch zukünftig nicht können, weil deren Energiedichte im Vergleich zu den fossilen Energieträgern etwa 10 (exp -9 ) bis 10 (exp - 17) mal kleiner ist, bezogen auf KWh /m³. Im Vergleich zur Kernenergie beträgt der Faktor sogar 10 (exp -21 ). Natürlich kann man in Deutschland längerfristig ,entspechend teuer,und einschließlich eines Landschaftsumbaus die 23 % der Stomgewinnung aus Kernenergie durch erneuerbare Energie ersetzen, aber gegenüber den zu erwartenden Problemen bringt uns das überhaupt nicht weiter, sondern kehrt sich sogar ins Negarive , weil wir unsere finanziellen Ressourcen verschwenden und unseren Anschluss an die Entwicklung von inhärenten und absolut sicheren Reaktoren aufzugeben. Zur Zeit wird in Deutschland der Primärenergiebedarf zu 9 % durch erneuerbare Energien gedeckt,( berechnet nach der Wirkungsgradmethode, sonst sind es nur 5 % ) davon werden um 6 % durch biogene Stoffe aller Art und durch Wasserenergie bereit gestellt, entscheident ist aber, dass sich dieser Anteil aus eigenen ,deutschen Quellen nicht mehr vergrößern lässt. 3 % zum Primärbedarf werden durch Wind-und Solarenergie aufgebracht. Wobei die Photovoltaik mal gerade 0,5 % liefert.Besonders interessant ist dabei die Tatsache, dass für die Photovoltaik im Jahr 2010 19,5 Mrd € für Investitionen ausgegeben wurden. Damit hat sich die Photovoltaik in Deutschland von einem Energieentwicklungsprogramm in ein staatlich abgesichertes Renditeprogramm entwickelt. Ich bin der Meinung, dass die sich auftuende Versorgungslücke durch den Abbau der fossilen Energieträger ,wenn überhaupt ,nur durch die Option der Kernenergie abgemildert werden kann. Dies setzt aber voraus, dass man bei der weiteren Entwicklung der Kernenergie auf den, in Deutschland ,in den 80ziger Jahren entwickelten Hochtemperatuereakrtor , der heute in den Staaten, in China und anderen Ländern als die 4te Reaktorgeneration und als inhärenter kleiner Reaktor weiter entwickelt wird ,zurück greift. Desweiteren müsste die bereits begonnene Entwicklung der Hybridreatoren zur Entsorgung des radioaktiven Abfalls voran getrieben werden, sowie die Nutzung von Thorium zur Erweiterung der Kernbrennstoffe für weitere 200 Jahre um Zeit zu gewinnen, für die Entwicklung und den Aufbau von Fusionsreaktoren. Ich bin sicher, dass andere Länder diesen Weg gehen werden, denn falls uns dies nicht gelingen wird, bedeutet das für die gesamte Menschheit ein Absinken auf einen Lebensstandard den sich vor allem die Industrienationen nicht vorstellen können. P.S. Eine detaillierte Zusammenfassung der Energieproblematik gibt es in dem Buch von : Professor Dr. Dietrich Pelte " Die Zukunft unserer Energieversorgung " eine Analyse aus mathematischen - naturwissenschaftlicher Sicht Vieweg + Teubner / GWV Fachverlag Gmbh , Wiesbaden Dieses Buch ist mit Abstand das Beste und übersichtlichste was ich zu dem Thema Energieversorgung gefunden habe. Warum gibt es die Sendungen zu dem Thema Energie immer nur mit Juristen und sogenannten Experten, aber selten mit fundierten Wissenschaftlern, wie Professor Pelte ? Ich hoffe, ich habe Sie mit meiner Mail nicht zusehr belästigt, aber es war mir eine Freude in der o.g. Sendung durch Herrn Professor Sinn meine Meinung zu diesem Thema wenigstens teiweise bestätigt zu sehen, vielen Dank. Mit freundlichen Grüßen Burkhard Franke
Sehr geehrter Herr Franke, Herr Gaulke hat Ihre Email an mich als Leiterin des Bereichs Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen am ifo Institut weitergeleitet und ich möchte mich auch in seinem Namen für Ihre ausführliche Stellungnahme bedanken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Das Duell bei NTV am 11.04.2011 1. Sehr gute, treffende und anschauliche Argumente 2. Leider werden immer folgende Argumente vergessen: a) Das Verhältnis der "Eierschale" unserer Erde und dann 100%ige Sicherheit fordern; b) Bei dem Verweis auf die Gefahren für unsere Nachkommen vergißt man leider die leergebrannte Erde (Buch von H. Guhl: "Ein Planet wird geplündert"); c) Wenn denn die Endlagerung sorgfältig und rückholbar erfolgt -und nicht wie in Asse einfach abgekippt wird- werden nachfolgende Generationen neu entwickelte Verfahren zur Unschädlichmachung anweden können. Ein vielleicht vorläufiges Endlager z. B. in Gorleben ist bestimmt auch als Übergang besser/ sicherer als X- Zwischenlager!
Sehr geehrter Herr P., da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, ich kann verstehen, dass sie und von ihnen vertretene Gruppierungen der Gesellschaft ein Interesse an der Fortführung der Atomkraft haben. Wenn sie jedoch vor den Kosten warnen, dann bitte ich sie doch um Ehrlichkeit. Sagen sie der Bevölkerung doch, dass der Strom sie bisher nicht so viel gekostet hat, wie sie auf der Stromrechnung sahen. Sagen sie ihnen doch, dass rund 700 Milliarden Euro an Atom-Subventionen gezahlt wurden. Die Steuern haben wir Bürger gezahlt (wäre schön, wenn sie mal vorrechnen wie viel uns die Kilowattstunde tatsächlich gekostet hat). Sagen sie den Bürgern doch, dass sie nicht nur den Strompreis zahlen, sondern mit den Steuern auch das Milliardengrab Asse etc. finanzieren und finanziert haben. Bitte machen sie sich nur durch Verschweigen dieser Fakten der Lüge schuldig, sondern bekennen sie Farbe und sagen sie, dass diese Milliarden ihrer Meinung nach besser ausgegeben sind und waren als die, die neue Netze und der weitere Ausbau der Erneurbaren Energien kosten. Verbreiten sie nicht nur Halbwahrheiten.
Sehr geehrter Herr R., da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. In einer Live-Fernsehsendung können leider nicht immer alle Aspekte eines Themas angesprochen werden. Herr Sinn hat z.B. in seinem Beitrag im Handelsblatt vom 29.3. explizit auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Versicherungen für Atomkraftwerkbetreiber zu erhöhen und so eine Annäherung an die tatsächlichen Kosten der Atomenergie zu erhalten. Ich stimme Ihnen zu, dass die Preise, zu denen Atomstrom angeboten wird, nicht die wahren Kosten für die Gesellschaft (incl. Wiederaufbereitung, Zwischen- und Endlagerung, Versicherung der bei einem Unfall zu erwartenden Schäden,…) wiederspiegeln. Hier sollte die Transparenz erhöht werden. Daten zu expliziten und impliziten Subventionen der Vergangenheit stehen zwar zur Verfügung, werden aber häufig nicht beachtet. Entscheidend ist, dass bei der Kalkulation alternativer Energieszenarien für die Zukunft sämtliche Kosten berücksichtigt werden und diese einander systematisch gegenüber gestellt werden. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr verehrter Herr Sinn, es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen nach der Sendung von Maibrit Illner für Ihre Standhaftigkeit zu danken, mit der Sie schlichte Fakten nennen. Egal, wie man zur Atomkraft steht, dieses naive Gerede über den Atomausstieg und über alternative Energien ist nicht mehr zu ertragen. Wer als Ingenieur mal den Taschenrechner in die Hand nimmt kann Ihnen nur zustimmen. Das schlimme ist nur, die Politiker glauben an ihr Gerede oder werden von der breiten Bevölkerung und auch den Medien vor sich hergetrieben mit einem Wunschdenken von alternativen Energieformen, das reine Fiktion ist. Dabei geht ihnen jegliches Gefühl für Proportionen verloren und auch für das technisch Machbare. „Nur ein bisschen Forschen Fördern und dann geht das schon“ ist ein weit verbreiteter Irrtum, aber wem sag ich das. Gemeinsam mit 16 mittelständischen, Schweizer Unternehmern habe ich vor 14 Tagen das neuste und grösste Schweizer KKW in Leibstadt besucht. Leibstadt erzeugt aus 3600 MW thermischer Energie 1250 MW Strom für ca. 1,2 Mio. Personen und braucht dafür pro Tag ca. 75kg Uran, davon ca. 2,5kg spaltbares Uran 235. Dies entspricht einem Äquivalent von mehr als 10.000 Tonnen Kohle, das sind 180 Güterwagons Kohle, pro Tag! Mehr als 6000 Windkraftanlagen wären dafür nötig, diese Energie zu erzeugen, vorausgesetzt, der Wind weht (mit mehr als 4,5 m/s). Wer hier von schnellem Atomausstieg redet träumt. Auch ich bin für alternative Energien, vieles ist möglich, dezentrale Kraft-Wärmekopplung etc. Hier ist mehr möglich als viele glauben. Zudem sollte das Quasi-Kartell der 5 grossen Energie-Konzerne aufgebrochen werden, die mit Heerscharen von Lobbyisten Berlin im Griff haben. Ich fürchte nur, Berlin wird wieder irgendwelche unsinnigen Förderprogramme auflegen wie die Solarförderung, die nur Aktionäre und ausländische Hersteller reich gemacht haben. Die gleichen Fördermittel hätten im Bereich der Wärmedämmung von Wohnung einen weit grösseren Einspareffekt erzielt. Ihnen jedenfalls nochmals ein Dankeschön. Sie sind eine erfrischende Bereicherung der Medien-Szene. Bleiben Sie so standhaft.
Sehr geehrter Herr B., da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre zustimmenden Worte danken. In der gegenwärtigen emotionalen Debatte um den Atomausstieg fehlt tatsächlich die Ruhe und Sachlichkeit Alternativen systematisch gegeneinander abzuwägen. Die Gefahr ist hoch, dass anstelle eines langfristig tragbaren Konzeptes schnelle Lösungen gesucht und gefunden werden, die zu überhöhten Kosten und damit zu unnötigen volkswirtschaftlichen Belastungen führen. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Sendung Mybrit Illner 14.04. Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich lasse mich selten dazu hinreißen, irgendwelche öffentliche Auftritte im Fernsehen zu kommentieren. Dennoch will ich das hiermit tun. Ihre Argumente, die gegen einen schnellen Ausstieg aus der Kernenergie sprechen unterstütze ich voll und ganz. In gleicher Weise kritisiere ich ebenfalls die Augenwischerei die mit emotionalen Debatten über die Kernenergie betrieben wird. Windkraft und Solarenergie werden in naher Zukunft nicht den gesamten Energiebedarf in Deutschland decken können. Da müssen dann schon andere Lösungen wie Fusionsreaktoren her - aber das könnte ja auch wieder "böse" sein. Im Übrigen sind statistisch und emotionsfrei betrachtet die Menschen die durch Radioaktivität mittelbar und unmittelbar umgekommen sind (selbst wenn man Hiroshima und Nagasaki hinzunimmt) eher gering einzuschätzen. Da ist morgendliche Fahrt mit dem Auto in die Arbeit deutlich riskanter.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Was die zweite Diskussionsrunde im ZDF zum Thema "Ausstieg aus der Kernenergie" offen legt, macht mir richtig Angst. Nicht die Gefahren durch die Kernreaktoren machen mir Angst, sondern die Abgründe an Ignoranz unserer Volksvertreter in Bezug auf marktwirtschaftliche Zusammenhänge. Das Ganze kommt mir vor die Situation eines Flugzeugingenieurs, der für die Entwicklung eines fortschrittlichen Hubschraubers auf die Zustimmung des "mündigen Bürgers" angewiesen ist, dessen Erfahrungen im Flugzeugbau sich auf seine Versuche mit einem Legobausatz beschränken. In einem Glaubenskrieg, zu dem sich die wild entschlossene Suche nach dem ökologischen Glück inzwischen entwickelt hat, werden Hinweise auf Hindernisse als verlogene Störmanöver betrachtet. Das führt dazu, dass die Überbringer schlechter Botschaften als Feinde gesehen werden. Die Stromkonzern-Dinosaurier müssen, koste es, was es wolle, von den Liliputanern, die ihren Strom aus ihrer Heizung zaubern, gefesselt werden. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Bundesbürger seinen Strompreis, geschweige denn seinen Verbrauch im Kopf, hat und damit auch überhaupt beurteilen kann, was eine weitere Preiserhöhung um einige Cents für ihn bedeutet. Wenn Sie argumentieren, dass eine Zunahme des Erzeugerpreises um 3,5 cts dramatisch ist im Vergleich zu den derzeit an der Börse gehandelten 5 cts, dann stößt das im besten Fall auf Unverständnis. Leider kenne ich auch keine Patentlösung für die Auflösung der Konfrontation. Da auch gestern Abend viel von Investitionen die Rede war, ist mein Vorschlag, bei den Hausaufgaben, die die Stromerzeuger und industriellen Nutzer zur Zeit machen, eine für kapitalintensive Anlagen maßgebliche Kennzahl, das spezifische Invest für den pro Jahr tatsächlich abgelieferten Strom (EURO/MWh x Jahr) zu klären für die zur Diskussion stehenden Varianten: • Gaskraftwerke • Kohlekraftwerke ohne und mit CO2-Lagerung • Windparks einschließlich Netzausbau und Speicherkapazitäten • Wasserkraftwerke • Stromerzeugung durch Wärmekopplung in privaten Haushalten. • Solarstrom Das spezifische Invest pro abgelieferte MWh dürfte bei den zur Diskussion stehenden Varianten drastisch unterschiedlich sein, könnte aber von weiteren Träumereien wie beim Solarstrom abhalten, wenn die Bedeutung dieser Kennziffer von einer breiten Öffentlichkeit verstanden wird. Statt der Kosten der Stromerzeugung, die man als internes Problem der "reichen" Stromkonzerne ansieht, sollte die Motivation für Investitionen in den Vordergrund gestellt werden. Den Leuten muss klar werden, dass ohne Motivation für wirtschaftlichen Erfolg sich niemand bewegen wird. Zudrehen von Geldquellen und Gängelung sind keine Motivation. Um die Bedeutung des spezisfischen Invest dem in Investitionsentscheidungen unerfahrenen Bürger nahe zu bringen, braucht man ein einfaches Bild aus dem täglichen Erfahrungsbereich. Als Analogie könnte ein Hauskauf dienen: "Ich würde mir gern ein Niedrigenergiehaus für 6.000 €/m² kaufen, kann mir aber leider nur ein konventionelles Haus für 3.000 €/m² leisten." Solange ich nicht weiß, wohin die Reise geht, verschiebe ich meine Hausinvestition erst mal. Einleuchtende Bilder wie die Dame aus Bremen, die von den Geräuschen benachbarter Windräder krank geworden ist, regen eher zu Nachdenken an als von Diskussionsteilnemern zitierte Zahlen zwischen 3 und 17% (?) für den Anteil an Windkraft. Das abstrakte Vorstellungsvermögen kann mit Bildern aus Japan einfach nicht mithalten. Noch ein letzter Gedanke: Die Banken haben es verstanden, Ihren Kopf mit der "Systemrelevanz" aus der Schlinge zu ziehen, die übersetzt in die Alltagssprache bedeutet: Wenn wir untergehen, geht Ihr alle mit uns unter. Bei der Energieversorgung der Industrie geht es ja auch um die berühmte Kuh, die man nur melken kann, wenn sie ausreichend Futter bekommt. So wie es die Banker und die Bauern geschafft haben, ihre Sorgen in einfache Bilder zu transponieren, müssen die Naturwissenschaftler und Ingenieure schleunigst eine einleuchtende Bildersprache entwickeln, um gehört zu werden. Auf jeden Fall wird das ein langer und sehr mühsamer Weg, bis alle verstanden haben, was heute auf dem Spiel steht.
Sehr geehrter Herr F., da Prof. Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich es übernommen. Prof. Sinn geht es, ebenso wie Ihnen, um eine Versachlichung der Debatte. Dies bedeutet insbesondere, die verschiedenen Alternativen in der Energiepolitik hinsichtlich Ihrer Umsetzbarkeit und Kosten zu beurteilen. Sie haben recht, dass die Informationen so dargestellt werden müssen, dass Sie einfach, schnell erfassbar und vergleichbar sein müssen. Allerdings muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die zugrunde gelegten Zahlen die Kosten der jeweiligen Systems umfassend darstellen. Dies betrifft neben Kapitalinvestitionen u.a. die direkten Kosten pro produzierter MWh, die Lebensdauer der jeweiligen Anlagen, Folgekosten und CO2-Emissionen. All diese Informationen müssen in eine Form gebracht werden, die eingänglich und verständlich ist. Ich stimme Ihnen zu, dass wichtige Informationen zu häufig in der öffentlichen Debatte untergehen, da sie zu komplex dargestellt werden. Dementsprechend danke ich Ihnen für Ihre Anregung. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Leider sind Sie mir die Antwort auf meine Frage schuldig geblieben. Nehmen wir nun mal an, dass die Gewinnung aus dem Meerwasser und die Brütertechnologie irgendwann mal funktionieren sollte. Was ist danach? Sprich, wenn diese Vorräte auch aufgebraucht sind. Wie wollen wir dann unsere Energie erzeugen? Ich bedanke mich nochmals im Voraus für Ihre Antwort!
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Nachfrage. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Wie Herr Sinn bereits schrieb, ist der Zeithorizont dieser Technologien sehr lang, weit über die von Ihnen genannten Zeiträume hinaus (die Nuclear Energy Agency spricht von potentiell Tausenden von Jahren). Was danach sein wird, ist aus heutigen Sicht nur schwer einzuschätzen. Eine technische Option ist die Kernfusion. Des Weiteren sollte die Fähigkeit der Menschheit, neue Technologien zu entwickeln, die heute noch utopisch erscheinen, nicht unterschätzt werden. Vor ca. 150 Jahren wurde vom britischen Ökonomen W. Jevons in seinem Buch "The Coal Question" die These vertreten, dass die wirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand kommen muss, da die Kohlereserven als Hauptenergielieferant der damaligen Zeit zwangsläufig zur Neige gehen müssen. Wie bekannt, sind die Kohlereserven auch heute noch lange nicht erschöpft und an die Stelle der Kohle sind alternative Energieträger getreten, die damals noch nicht denkbar waren. Die Annahme, dass auch in der Zukunft neue Verfahren entwickelt werden, erscheint mir daher durchaus gerechtfertigt. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zur Zeit ist die Energiedebatte im vollem Gange. Von allen Seiten hört man unterschiedliche Meinungen, die in den einzelnen Argumentationen oft plausibel klingen. Ich möchte mir selber ein differenziertes Bild aneignen. Ich habe Sie gerade eben bei Anne Will verfolgt und viele Argumente waren schlüssig. Aber bei einem Argument wollte ich eine generelle stellen. Sie sagten ohne Fossile Energieträger ist die Stromversorgung nicht möglich, da es die Erneuerbaren nicht schaffen. Deswegen meine generelle Frage. Irgendwann werden alle fossilen Energieträger inklusive Uranvorkommen aufgebraucht sein. Um das jetzt in 70, 100, 200,500 Jahren ist, ist mal dahingestellt. Wie wird die Menschheit dann Energie herstellen? Ich würde mich sehr freuen auf eine Antwort und bedanke mich im Voraus für Ihr Bemühen. Alles Gute!
Sehr geehrter Herr S., es ist mehr Kohle da, als wir in der Atmosphäre ablagern können. Kernkraft war die Hoffnung auf Ersatz der Kohle. Wenn wir aussteigen, stehen wir mit leeren Händen da. Windflügel werden den Ersatz nicht bringen können, weil die Kapazität zu klein ist. Kapazitätsprobleme beim Uran gibt es nicht, weil die Laufzeiten durch schnelle Brüter um den Faktor 60 vergrößert werden können. Außerdem kann man Uran aus dem Meerwasser herausfiltern. Bei der Kernkraft stellt sich nur das Problem der Gefahr, das man aber nicht verabsolutieren darf, denn alles ist gefährlich. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Diskussionsrunde bei Maybrit Illner Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank dafür, dass Sie heute Abend in der Diskussionsrunde bei Maybrit Illner als einzigster den Industriestandort Deutschland verteidigt haben. Sie haben realistisch aufgezeigt was die erneuerbaren in Deutschland leisten können und was nicht. Es wäre wünschenswert und wichtig so sachlich und ehrlich über den bisher sehr guten Enerhiemix in Deutschland zu diskutieren wie Sie es tun, damit die Bürger in der Lage versetzt werden wenigstens halbwegs objektiv eine Meinung zu bilden. Vielen Dank dafür.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für diesen Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear professor Sinn, Your contribution to the Maybritt Illner programme was sane and exactly on the mark! I have watched ARD and ZDF since 11 March and have been/continue to be dismayed and astonished by their irrational, hysterical mode of reporting. The Energiewende now planned in your country is an economic and ecological disaster. As you emphasized, sun and wind are far too diffuse to gather economically in the quantaties required in a postmodern industrial society like yours and mine. What germany needs in the next twenty years is all safe AKWs to run for 60 years and the construction of another thirty type 4 and 5 (breeder) reactors to replace all coal power stations. Thanks for your ratioanl analysis!!
Dear Mr. L., Thank you very much for your comment. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Betreff: Atom-Angst: Wie teuer kommt der schnelle Ausstieg? (Maybrit Illner vom 14.4.2011) Sehr geehrte Damen und Herren Diskutanten, mit Interesse habe ich die Sendung verfolgt und mir ab und zu Notizen gemacht, auf die ich im Folgenden gerne eingehen will. a) Stromimporte aus dem Ausland Deutschland importiert seit dem Herunterfahren der Alt-Meiler wieder mehr Strom. Dies ist aber kein Zeichen einer Stromlücke oder fehlender Kraftwerkskapazitäten, sondern ein marktgetriebener Mechanismus. Der Nachtstrom ist in Frankreich einfach billiger als in Deutschland, deswegen wird er importiert. Während der Mittagsstunden exportiert Deutschland nach wie vor hochpreisigen Peak-Strom, weil dieser hierzulande günstiger als im benachbarten Ausland ist. b) Neubau von Kraftwerken Gaskraftwerke sind in 2-3 Jahren errichtet und können einen drohenden Kapazitätsengpass durch plangemäßes Abschalten weiterer Kernkraftwerke sowie altersbedingte Außerbetriebnahmen von Kohlekraftwerken bis 2020 ausgleichen. Etliche größere und mittlere Stadtwerke haben bereits Pläne in der Schublade, die auch kurzfristig angegangen werden können. Das Preisrisiko für Erdgas scheint aufgrund des "Gas Gluts" (Fatih Birol, IEA) in der kommenden Dekade gebannt. Bei Kernkraftwerken ist eine negative Lernkurve festzustellen, d.h. sie werden spezifisch immer teurer. Der EPR in Olkiluoto wird auf über 3000€/kW geschätzt. Die Citibank gibt zur Kernenergie die Einschätzung ab: "New Nuclear – The Economics Say No" [1] und auch das MIT spricht in seiner Studie "The Future of Nuclear Power" davon, dass in liberalisierten Märkten Kernenergie im Vergleich zur Gas & Kohle nicht wettbewerbsfähig ist (Update von 2009). Der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien ist aus meiner Sicht insbesondere vor dem Hintergrund der gereiften EE-Industrie durchaus zu stemmen. In China wächst die Windenergie schon im zweiten Folgejahr mit knapp 100%, etwa die Hälfte des Weltmarktes wurde dort 2010 verbaut. Ich erwarte ähnliches beim PV-Sektor, sobald das chinesische EEG für die Sonnenenergie scharfgeschaltet wird (bislang gibt es dort nur Ausschreibungen für "Feldtestanlagen" in MW-Bereich) und die aufgebauten Produktionskapazitäen auch auf den Heimatmarkt wirken. Im Vergleich zu dieser Expansion ist die notwendige deutsche Marktentwicklung bei PV und Wind als harmlos zu bezeichen. c) Speichertechnologien und Netzausbau Der räumliche Ausgleich von Fluktuationen über das Netz ist aufgrund der höheren Wirkungsgrade volkswirtschaftlich zu bevorzugen. Nichts desto weniger können auch Netze nur Quellen mit Senken verbinden. Ist dieses Potential erreicht ("Kupferplatte"), so werden Speicher notwendig. Zudem kann auch bei langwierigem Leitungsbau die zweitrangige Lösung der Verstärkung der Speicherinfrastruktur kurzfristigere Umsetzungserfolge feiern. Neben den Stromspeichern im engeren Sinne sind auch funktionale Stromspeicher (DSM, therm. Speicher mit Koppelung zur Elektroenergie, etc.) zu betrachten. Wichtig ist bei der Speicherbedarfsanalyse eine spektrale Zerlegung der auszugleichenden Restlast: je nach Frequenzbereich wie Stunde, Tag, Woche, Jahr und Auslastung d.h. "Spitzenlast-" bzw. "Mittellast"speicher sind unterschiedliche Speichertechnologien in Form einer Merit-Order-Matrix kostenminimal. d) Energieeffizienz Das Energiesystem Deutschlands besteht, wie in der Runde angesprochen, nicht nur aus dem Stromsektor, sondern neben der Industrie auch aus den Haushalten (3/4 davon Heizwärme) und dem Transportsektor (Kraftstoffe). Im großen Feld der Raumwärme ist die kapitaleffektivste Methode für Einsparungen die Sanierung der Heizung. Im Segment der stromverbrauchenden Heizungen wäre dies also der Austausch von Nachtspeicherheizungen durch Wärmepumpen bzw. bei den gasverbrauchenden Heizungen ist die nächste Effizienzstufe die stromerzeugende Heizung (Mini-BHKW bzw. Umstellung auf Nah/Fernwärme). Im Verkehrssektor ist momentan das E-Auto groß in Mode, aber CO2-Einsparungen lassen sich viel schneller durch eine stärkere Marktdurchdringung der jetzt schon kaufbaren Erdgasautos erzielen, ggf. auch als Hybrid-Antrieb. f) Wer bezahlt es? Am Ende bezahlt es immer der Kunde bzw. der Verbraucher oder auch Bürger. Man kann natürlich Szenariorechnungen aufmachen, in denen bei konstantem Grundlastband aus Kernenergie und zunehmenden EE-Einspeisern diese beiden Elemente in einer Hammer (EE) und Amboss (KKW) Bewegung den Strompreis häufiger in Richtung der marginalen Grundlastkosten gedrängt hätten. Das führt zu einer Investitionszurückhaltung. Für den Aufbau der Speicher sowie für die Erneuerung des konventionellen Kraftwerksparks müssten dann zusätzliche Anreize geschaffen werden, die am Ende ebenfalls der Endverbraucher zahlt. Ansonsten hätte man einen ausblutenden und überalterten Anlagenpark, der dann nach den ersten sichtbaren Defekten in einer Hau-Ruck Aktion zu sanieren wäre. Eine hysteresearme Investitionscharakteristik mit gleichmäßigen Umsätzen für Neuanschaffung sehe ich für das Gesamtsystem als wünschenswerter an. Mit Clausthaler Glückauf, Gunnar Kaestle [1] https://www.citigroupgeo.com/pdf/SEU27102.pdf [2] http://web.mit.edu/nuclearpower/
Sehr geehrter Herr Kaestle, lassen Sie mich Ihnen bitte, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, für Ihren ausführlichen Kommentar danken. Sie haben natürlich recht, dass der Import von Atomstrom auf Marktmechanismen zurückzuführen ist. Sollte allerdings darauf verzichtet werden, so ist müssten die wegfallenden Importe zumindest zum Teil durch Kohlekraftwerke übernommen werden, die einen schlechteren Wirkungsgrad als bisher aktive Kraftwerke aufweisen. Entsprechend käme es zu einem Anstieg der Nachfrage nach CO2-Zertifikaten in Deutschland, was die Preise für Strom weiter steigen ließe. Mögliche Knappheiten in der kurzfristigen Versorgung würden entsprechend dem Marktmechanismus zu weiter steigenden Preisen führen. Auch bei Kernenergie müsste natürlich mit den wahren volkswirtschaftlichen Kosten kalkuliert werden. Erweiterte Versicherungspflichten für Atemkraftwerkbetreiber würden eine derartige Einpreisung zumindest partiell erreichen. Ebenso ist unumstritten, dass verschärfte Sicherheitsvorschriften und Sicherungssysteme wie beim EPR ihren Preis haben. Grundsätzlich ist ein Ausbau der erneuerbaren Energien zum Ersatz des Atomstroms sicherlich machbar. Insgesamt sollte bei der Diskussion um den Atomausstieg allerdings nicht das langfristige Ziel der Energiewende, die Reduktion der Emissionen aus fossilen Energieträgern, aus den Augen verloren werden. Bei der Kombination mit Gaskraftwerken muss entsprechend bedacht werden, dass auch diese wiederum CO2 ausstoßen. Ein effizienter Ausbau von Wind- und Sonnenenergie setzt zudem eine europäische Koordination und Integration der Energiekonzepte voraus. Dementsprechend ist vor einem deutschen Alleingang - ebenso wie beim Atomstrom - zu warnen. Steigerungen in der Energieeffizienz schließlich werden in der politischen Diskussion leider häufig vernachlässigt, obwohl gerade hier bereits heute großes Potential besteht. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Hervorragend, endlich wagt es jemand, gegen den Unsinn - Tsunami der Röttgens und Co. anzutreten. Helfen wird Ihre Hartnäckigkeit wenig bis nichts, denn solche Trotteleien und verbohrte Mainstream müssen durchlitten werden. Deprimierend. Meinen die CDU - "Granden" wirklich, das "gemeine Volk" jubelt ihnen zu" ? Übrigens: dieser die Gesellschaft und den Staat zerstörende Wahn geht auf die ebenso idiotische Klima - Hexerei zurück. Ich meine, es wäre sehr hilfreich, wenn Ihr Institut eine wissenschaftliche Dokumentation zum Thema Energie / Kernenergie herausbringen würde - vorausgesetzt, Sie haben Mitarbeiter, die nicht vom "modernen linken noch mainstream" mitgerissen werden /wurden. Und fähig sind, nüchtern zu denken. Grüße vom Chiemsee Dr.-Ing. A. Freißmuth
Sehr geehrter Herr Freißmuth, haben Sie vielen Dank für Ihre Kommentare. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, In der Kernenergieausstiegsdiskussion am 14.4.2011 im ZDF waren Ihre sachbezogenen Äußerungen ein Lichtblick. Herzlichen Dank! Die Diskussion zeigte deutlich, dass sich ein Industrieland mit Sonne/Wind und Laufwasserkraftwerke nicht versorgen kann. Bei dem hohen Anspruchsdenken der Deutschen wird diese alternative Energie keine Akzeptanz finden. Schon nachts den Strom abschalten zwischen 1 Uhr und 4 Uhr wurde bei uns im Gemeinderat kontrovers diskutiert. Nicht die neuen Leitungstrassen angeblich von Nord nach Süd sind das Problem, (wir im Süden haben doch Solarenergie) sondern die Speicherung vor Ort. Die Kosten der Speicherung sind auch 10mal so hoch. Siehe meine Anlage. Ich bin durchaus für alternative Erzeugung und ich habe meiner Gemeinde eine Machbarkeitsstudie bis 2025 vorgelegt. Ich sage Ihnen: Die Leute im GR haben keine Ahnung was auf unsere Gemeinde und auf Deutschland zukommt. Es handelt sich um träumerische Ideen aus der Steinzeit, mehr ideologisierter Glaube als handeste Realisierung. Es geht nicht um den Ersatz von Opel durch den teureren Mercedes, sondern um ganz andere Fahrzeuge mit anderen Straßen. Mit freundlichen Grüßen Josef Kowatsch.
Sehr geehrter Herr Kowatsch, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und Ihren Kommentar danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr Geehrter Herr Prof. Sinn, Die Substitution von Produktionsfaktoren fand und findet immer statt und wird auch in Zukunft immer stattfinden. Das erzwingen schon die Veränderungen der Zusammensetzung des Ressourcenangebotes, die unterschiedlich zunehmenden Aufwände zu ihrer Gewinnung, die damit einhergehenden Änderungen der Kostenzusammensetzungen und die dazugehörende Wissensentwicklung. Aber : Eines ist dabei unabänderlich und unausweichlich : Der heutige Wohlstand wird vor allem durch die energiegetriebenen Maschinen, deren Leistungsfähigkeit, deren Wirkunggrad und deren Ressourcenversorgung bestimmt und hier liegt der unausweichliche Engpaß. Wenn die Ressourcenbereitstellung selbst bereits einen großen Teil der gewonnenen Ressourcen und Maschinenkapazitäten aufsaugt, bleibt für die eigentlichen Anwendungen jenseits der Ressourcengewinnung weniger übrig. Und wenn sich das weiter unaufhaltsam verschlechtert, kommt irgendwann der Punkt, wo für die elementaren Lebensbedürfnisse nicht mehr genug Ressourcen und Maschinenkapazitäten zur Verfügung stehen. Dann müssen Menschen sterben. Unausweichlich. Und die Atomenergiegewinnung löst das Problem dadurch, daß sie für das Leben heute auf das Leben in der Zukunft keine Rücksicht nimmt, unter Hoffnung, daß es da schon eine Lösung gibt, und unter Inkaufnahme des Untergangs aller höheren Lebewesen, falls es keine gibt. Kurz : Die unabdingbare Notwendigkeit der Energieversorgung für das Leben heute nimmt die Zerstörung des Lebens für alle Zukunft in Kauf. Damit verliert aber alles Leben heute seinen Sinn. Wir könnten also gleich unser Leben beenden. Das ist also keine Lösung. Zu Meadows : Er hat in seiner Gleichgewichtssimulation in "Die Grenzen des Wachstums" außer Acht gelassen, daß der Aufwand der Ressourcengewinnung unaufhaltsam zunimmt, der Prozentsatz der nutzbaren Ressourcen also immer geringer wird. Er hat deshalb nicht gesehen, daß eine gleichbleibende Resourcenversorgung schon Wachstum der Ressoourcengewinnung erzwingt, wenn die Menschen nicht ärmer werden sollen. Die Lage der Menschheit ist also schlimmer, als es Meadows dargestellt hat. Mit freundlichen Grüßen Erich Paus
Sehr geehrter Herr Paus, da Herr Sinn Ihnen momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich antworten kann, möchte ich Ihnen gerne für Ihre Email und den Kommentar danken. Ich würde Ihre pessimistische Einstellung allerdings nicht teilen. Die Menschheit hat bereits in der Vergangenheit immer wieder Schranken überwunden, die noch wenige Jahre zuvor unüberwindbar erschienen. Auch Meadows Szenario aus dem Jahre 1972 hat sich bisher nicht bewahrheitet, da er ebenfalls die Anreizwirkungen, die von sich verändernden Preisen auf die wirtschaftliche Tätigkeit ausgeübt werden - sei es zur Entwicklung energiesparender Prozesse, der Erforschung von Substituten oder der Weiterentwicklung bestehender Technologien - unterschätzt hat. Die Hoffnung, dass der Mensch eine Lösung des Energieproblems findet halte ich dementsprechend für durchaus begründet. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Wie gerade tel. erläutert, hatte ich mit großem Interesse die gestrige Runde bei Frau Illner verfolgt und muss sagen, dass sowohl Minister Röttgen als auch H. Vahrenholt blass blieben. Dass Prof. Sinn Kernkraftanhänger ist (ich habe selbst Diplom in Kernreaktortechnik) und mit "Wind" u.a. regenerativen Energieerzeuger so seine Probleme hat, blieb mir nicht verborgen. Wir hatten vor gut einem Jahr schon entsprechende Korrespondenz. Im ANHANG ist die Windkraftausbeute der letzten 5 Jahre beigefügt, welche besagt, dass in diesen 5 Jahren Windkraft noch nicht einmal auf 8.000 h Volllast kommt (im Vergleich dazu 8.760 h/a). Im letzten Jahr lagen wir gerade bei 1.380 h (= 15,7 % /a). Wie wollen wir hiermit Stromversorgung garantieren, zumal bei Volllast diese nicht gespeichert werden kann. Was mich als "Antriebstechniker" jedoch wahnsinnig ärgert, ist die technische Unzuverlässigkeit der Windkraftanlagen. Ausgelegt für 20 Jahre störungsfreien Betrieb, erreichen sie dank insbesondere auch der Getriebeprobleme noch nicht mal die Hälfte. Dieser Umstand wurde jetzt beschrieben in SONNE WIND & WÄRME 5/2011, S. 108 (Ausgabe zur Hannover Messe). Zur schlechten Windkraftausbeute, die sich auch bei Vervielfachung der Windkraftanlagen nicht verbessert, kommt auch noch die fragwürdige Technik dazu, alles kostentreibend und nicht berechenbar. Prof. Sinn hat ja auf die EEG-Kosten von 3,53 ct/kWh in diesem Jahr hingewiesen. Er hätte sagen sollen, dass wir im nächsten Jahr (auch dank SOLAR-Vergütung) wohl bei über 5 ct/kWh liegen werden. Warum muss ich mich mit bald 74 Jahren noch so ins Zeug legen? Weil meine 5 Enkel bald zu Besuch kommen zu Ostern und irgendwann dann fragen werden, warum Energie so teuer ist. Mit freundlichen Grüssen Dr. Wilhelm Schäfer, Witten
Sehr geehrter Herr Schäfer, vielen Dank für die interessanten Informationen. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, vielen Dank für Ihren gestrigen "Auftritt" bei M. Illner.Besonders dankbar bin ich Ihnen, daß Sie mit überzeugenden Fakten "gegengehalten" haben. Die Diskussion über die sog. "Energiewende" ist voller Irrationalität. Besonders erfreut war ich für Ihren selten gehörten Hinweis auf die neuen Druckwasserreaktoren, die in Finnland und Frankreich gebaut werden. Einen solchen Hinweis hört man eigentlich nie. An dieser Reaaktorentwicklung waren auch Karlsruher Forscher beteiligt, die schon zu einem frühen Zeitpunkt z.B. auf einen sog. Kernfänger ( Core-Catcher ) hingearbeitet haben, der die Kernschmelze vom Eindringen ins Erdreich abhält. Es können Reaktoren gebaut werden, welche die Folgen einer Kernschmelze auf das Innere eines Reaktors beschränken. Bitte bringen Sie weiterhin Sachargumente in die Diskussion ein auch über die Kapitalvernichtungdsmaschine EEG. Vielen Dank und freundliche Grüße Hellmut Wagner Prof. Dr. Hellmut Wagner Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
Sehr geehrter Herr Wagner, vielen Dank für Ihren Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, was die zweite Diskussionsrunde im ZDF zum Thema "Ausstieg aus der Kernenergie" offen legt, macht mir richtig Angst. Nicht die Gefahren durch die Kernreaktoren machen mir Angst, sondern die Abgründe an Ignoranz unserer Volksvertreter in Bezug auf marktwirtschaftliche Zusammenhänge. Das Ganze kommt mir vor, wie die Situation eines Flugzeugingenieurs, der für die Entwicklung eines fortschrittlichen Hubschraubers auf die Zustimmung des "mündigen Bürgers" angewiesen ist, dessen Erfahrungen im Flugzeugbau sich auf seine Versuche mit einem Legobausatz beschränken. In einem Glaubenskrieg, zu dem sich die wild entschlossene Suche nach dem ökologischen Glück inzwischen entwickelt hat, werden Hinweise auf Hindernisse als verlogene Störmanöver betrachtet. Das führt dazu, dass die Überbringer schlechter Botschaften als Feinde gesehen werden. Die Stromkonzern-Dinosaurier müssen, koste es, was es wolle, von den Liliputanern, die ihren Strom aus ihrer Heizung zaubern, gefesselt werden. Ich bin mir sicher, dass kaum ein Bundesbürger seinen Strompreis, geschweige denn seinen Verbrauch im Kopf, hat und damit auch überhaupt beurteilen kann, was eine weitere Preiserhöhung um einige Cents für ihn bedeutet. Wenn Sie argumentieren, dass eine Zunahme des Erzeugerpreises um 3,5 cts dramatisch ist im Vergleich zu den derzeit an der Börse gehandelten 5 cts, dann stößt das im besten Fall auf Unverständnis. Leider kenne ich auch keine Patentlösung für die Auflösung der Konfrontation. Da auch gestern Abend viel von Investitionen die Rede war, ist mein Vorschlag, bei den Hausaufgaben, die die Stromerzeuger und industriellen Nutzer zur Zeit machen, eine für kapitalintensive Anlagen maßgebliche Kennzahl, das spezifische Invest für den pro Jahr tatsächlich abgelieferten Strom (EURO/MWh x Jahr) zu klären für die zur Diskussion stehenden Varianten: • Gaskraftwerke • Kohlekraftwerke ohne und mit CO2-Lagerung • Windparks einschließlich Netzausbau und Speicherkapazitäten • Wasserkraftwerke • Stromerzeugung durch Wärmekopplung in privaten Haushalten. • Solarstrom Das spezifische Invest pro abgelieferte MWh dürfte bei den zur Diskussion stehenden Varianten drastisch unterschiedlich sein, könnte aber von weiteren Träumereien wie beim Solarstrom abhalten, wenn die Bedeutung dieser Kennziffer von einer breiten Öffentlichkeit verstanden wird. Statt der Kosten der Stromerzeugung, die man als internes Problem der "reichen" Stromkonzerne ansieht, sollte die Motivation für Investitionen in den Vordergrund gestellt werden. Den Leuten muss klar werden, dass ohne Motivation für wirtschaftlichen Erfolg sich niemand bewegen wird. Zudrehen von Geldquellen und Gängelung sind keine Motivation. Um die Bedeutung des spezisfischen Invest dem in Investitionsentscheidungen unerfahrenen Bürger nahe zu bringen, braucht man ein einfaches Bild aus dem täglichen Erfahrungsbereich. Als Analogie könnte ein Hauskauf dienen: "Ich würde mir gern ein Niedrigenergiehaus für 6.000 €/m² kaufen, kann mir aber leider nur ein konventionelles Haus für 3.000 €/m² leisten." Solange ich nicht weiß, wohin die Reise geht, verschiebe ich meine Hausinvestition erst mal. Einleuchtende Bilder wie die Dame aus Bremen, die von den Geräuschen benachbarter Windräder krank geworden ist, regen eher zum Nachdenken an als von Diskussionsteilnehmern zitierte Zahlen zwischen 3 und 17% (?) für den Anteil an Windkraft. Das abstrakte Vorstellungsvermögen kann mit Bildern aus Japan einfach nicht mithalten. Noch ein letzter Gedanke: Die Banken haben es verstanden, Ihren Kopf mit der "Systemrelevanz" aus der Schlinge zu ziehen, die übersetzt in die Alltagssprache bedeutet: Wenn wir untergehen, geht Ihr alle mit uns unter. Bei der Energieversorgung der Industrie geht es ja auch um die berühmte Kuh, die man nur melken kann, wenn sie ausreichend Futter bekommt. So wie es die Banker und die Bauern geschafft haben, ihre Sorgen in einfache Bilder zu transponieren, müssen die Naturwissenschaftler und Ingenieure schleunigst eine einleuchtende Bildersprache entwickeln, um gehört zu werden. Auf jeden Fall wird das ein langer und sehr mühsamer Weg, bis alle verstanden haben, was heute auf dem Spiel steht. Mit freundlichen Grüßen Martin Fischer
Sehr geehrter Herr Dr. Fischer, da Prof. Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich es übernommen. Prof. Sinn geht es, ebenso wie Ihnen, um eine Versachlichung der Debatte. Dies bedeutet insbesondere, die verschiedenen Alternativen in der Energiepolitik hinsichtlich Ihrer Umsetzbarkeit und Kosten zu beurteilen. Sie haben recht, dass die Informationen so dargestellt werden müssen, dass Sie einfach, schnell erfassbar und vergleichbar sein müssen. Allerdings muss ebenfalls sichergestellt werden, dass die zugrunde gelegten Zahlen die Kosten der jeweiligen Systems umfassend darstellen. Dies betrifft neben Kapitalinvestitionen u.a. die direkten Kosten pro produzierter MWh, die Lebensdauer der jeweiligen Anlagen, Folgekosten und CO2-Emissionen. All diese Informationen müssen in eine Form gebracht werden, die eingänglich und verständlich ist. Ich stimme Ihnen zu, dass wichtige Informationen zu häufig in der öffentlichen Debatte untergehen, da sie zu komplex dargestellt werden. Dementsprechend danke ich Ihnen für Ihre Anregung. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Sinn, ich möchte meine Empörung über die Niederträchtigkeit zum Ausdruck bringen, mit der Frau Illner Sie in ihrer „Polit-Talk“ über die Kosten des „Umstiegs“ auf Erneuerbare Energien am 14. April, ZDF, 22:15, behandelt hat. Unser Umweltminister durfte über viel Unüberlegtes reden, Sie kamen kaum zu Wort. Als Sie u. a. darauf hinwiesen, wie die deutsche Öffentlichkeit durch die Medien verwirrt wird und es durch Erdbeben und Tsunami 30.000 Tote oder mehr gegeben hat, durch Radioaktivität aber noch kein einziger Japaner getötet wurde, liess sie es zu, dass Sie niedergeschrieen wurden, und als Sie versuchten, die Belastung der deutschen Volkswirtschaft zu erklären und empfahlen, neue, gegen Kernschmelze gesicherte Kernreaktoren zu bauen, wie der in Finnland gebaute und in Frankreich geplante „Europäische Druckwasserreaktor“ (EPR), schnitt Maybrit Illner ihnen das Wort ab, obwohl dies zum eigentlichen Thema gehörte. Ich habe mich in der ehemaligen Kernforschungsanlage Jülich (jetzt Forschungszentrum) lange mit der biologischen Wirkung der ionisierenden Strahlung und mit den Vorteilen und Gefahren der Kernenergie befasst und kann Ihre Ansichten nur bestätigen. (Für die Behauptung, die man Ihnen entgegenhielt, dass die Todesfälle noch kommen würden, gibt es keinerlei Anhalt. Dazu waren die bisher bekannt gewordenen Strahlendosen – anders als in Tschernobyl – viel zu gering, und es ist auch nichts über das Vorkommen der sog. „Strahlenkrankheit“ bekannt.) Mit freundlichen Grüßen, Karl-Hartmut v. Wangenheim Prof. Dr. Karl-Hartmut v. Wangenheim
Sehr geehrter Prof. von Wangenheim, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen hiermit für Ihre unterstützende Email danken. Livesendungen entwickeln bekanntermaßen ihre eigene Dynamik und so gehen auch wichtige Beiträge leider immer wieder in der Hitze des Gefechtes unter. Es bleibt zu hoffen, dass die Informationen wie bei Ihnen so auch bei anderen Zuschauern trotz der Unterbrechungen angekommen sind. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: Ihr Beitrag bei Maybrit Illner am gestrigen Abend Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, für Ihren deutlichen Beitrag gestern bei der Talkrunde bei Maybrit Illner möchte ich Ihnen im Namen von EIKE unseren Respekt und Dank aussprechen. Lediglich etwas mehr Festigkeit gegenüber dem ständigen "Ins- Wort- Fallen" der Gastgeberin hätten wir uns gewünscht, aber trotz vieler Talkrunden können manche (und noch mehr Ihr Nachbar Dr. Vahrenholt) ihre gute Kinderstube nicht vergessen. Leider war diese weder bei Minister Röttgen noch der Linken noch der Gastgeberin ein Hemmnis. Obwohl wir in der Klimafrage uneins blieben (siehe unseren Mailwechsel vom November 2008 zu Ihrem Buch "Das grüne Pardoxon") sind wir über die Bewertung des abrupten Kurswechsels der Parteien samt der Regierung, weg von aller konventioneller Energieerzeugung zum "Zeitalter der Erneuerbaren" völlig einig. Es ist und bleibt ein naturwissenschaftliches Unding und eine wirtschaftliche Katastrophe die Wirtschaft eines Landes auf unerfüllbare Visisonen umzusteuern, die vielen naturwissenschaftlichen Gesetzen widersprechen und ökonomisch desaströse Folgen haben. Und das von einer Regierung, die geschworen hat "Gefahren vom deutschen Volke abzuwenden und dessen Wohlstand zu mehren". Jetzt wird dieser Schwur schon auf "gefühlte" Gefahren angewendet, nur mit zwangsläufig folgendem "gefühltem" Wohlstand werden wir uns nichts kaufen können. Das Mantra vom notwendigen Klimaschutz ist die Hauptbegründung all diesen Unsinns. Auch jetzt, 3 Jahre nach unserem Mailwechsel hat sich am Klima nichts wirklich verändert, die Erwärmung bleibt seit 15 Jahren aus, die CO2 Konzentration steigt stetig, die Meeresspiegel sind weiter völlig unbeeindruckt und steigen weiter mal moderat, mal nicht. Die "Beweise" für den CO2 induzierten Klimawandel liefern nach wie vor nur Computermodelle. Also kein Grund in Sicht die Klimapanik weiter zu verfolgen. Auch das Thema Ressourcenverfügbarkeit entspannt sich jeden Tag mehr, wie die jüngsten Entdeckungen z.B. im Schiefergasbereich zeigen. (z.B. hier http://www.eike-klima-energie.eu/news-anzeige/riesige-energiequelle-schiefergas-die-hits-reissen-nicht-ab/) Es wäre vielleicht doch mal angebracht, dass wir uns treffen um darüber zu reden. Mit den Kollegen vom PIK werden wir das in der nächsten Woche tun (Dr. Vahrenholt wird auch dabei sein), allerdings ohne Hoffnung der gegenseitigen Überzeugung. Aber das Ifo Institut und Sie leben ja nicht von der Klimapanik und betreiben nicht die große Transformation, deswegen gibt es Hoffnung auf Einsicht in Fakten. Ich würde mich über einen Gesprächsvorschlag freuen und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Michael Limburg Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie) Tel: +49-(0)33201-31132 http://www.eike-klima-energie.eu/
Sehr geehrter Herr Limburg, vielen Dank für Ihre Email. Da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. In der Einschätzung der Bedrohung durch den Klimawandel stimme ich Herrn Sinn zu, so dass zwischen Ihrer und meiner Position auch hier Unterschiede bestehen dürften. Dies heißt natürlich nicht, wie Sie schon bemerkten, dass man nicht über Sachfragen reden sollte. Ich wäre gerne bereit, mich mit Ihnen auszutauschen und würde vorschlagen, dass Sie diesbezüglich meine Sekretärin kontaktieren (budel@ifo.de). Ich könnte dann auch bei Herrn Sinn nachfragen, ob er zeitlich die Möglichkeit hätte, an dem Treffen teilzunehmen. Mit freundlichen Grüßen Karen Pittel
Sehr geehrter Dr.Sinn, Ich habe Ihnen in dem Programm maybrit illner gesehen, wo Sie die Kernkraft befürwortet hat. Zur Zeit keine leichte Aufgabe. Ich versuche seit 36 Jahren in Dänemark für die Kernkraft zu argumentieren, aber wie Sie wissen, ohne Erfolg. Die Dänische Politiker und Behörden versuchen weltweit den Eindruck zu geben dass in DK die Windenergie einen sehr grossen Teil von dem Stromverbrauch deckt, etwa 20%. Das richtige ist, dass die Windkraftproduktion etwa 20% des Stromverbrauchs entspricht, aber nicht alles wird in Dänemark verwendet, viel wird exportiert. Ich habe darüber geschrieben und füge einige Dokumente bei. Ausserdem möchte ich Ihnen einen Hinweiss geben, und zwar zu www.pfbach.dk . Dort gibt es viele sehr nützliche Informationen. Der Autor, Paul-Frederik Bach, hat viele Jahren in der Stromversorgung gearbeitet. Mit freundlichen Grüssen Bertel Lohmann Andersen www.reo.dk
Sehr geehrter Herr Andersen, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen auch in seinem Namen für die Informationen danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betr.: Atomangst http://maybritillner.zdf.de/ZDFde/inhalt/25/0,1872,8232601,00.html Da haben 2 Fach-Experten gefehlt: 1 Klimatologe (z.B. Prof. Rahmstorf) http://www.pik-potsdam.de/~stefan/ und 1 Peak Oiler (z.B. Dr. Zittel) http://www.lbst.de/ Dass die Oelpreise wieder hoch gehen wuerden war und ist allen klar, die peak oil verstanden haben. Wir haben 3 Probleme gleichzeitig: (1) Globale Oel Exporte haben schon 2005 ihr Maximum ueberschritten. Die Zeit laeuft aus, da die Unruhen in der Arabischen Welt zum Teil von peak selber ausgeloest wurden. Ich traf einen von zwei OPEC whistleblowers, Dr Bakhtiari, persoenlich hier in Sydney, ein Jahr vor seinem Tod (oder Ermordung?). Er sagte mir, Iran wird 2015 kein Oel mehr exportieren. (2) Eine oelabhaengige Wirtschaft kann ihre Schulden nicht zurueckzahlen wenn die Verfuegbarkeit von Oel zurueckgeht, es sei denn die Produktivitaet des Oel Einsatzes steigt entsprechend. Es werden aber immer noch Autobahnen gebaut. Das Fenster fuer Elektro-Autos is laengst geschlossen. 19/6/2010 M2 widening: Primary Energy Dilemma for cars http://www.crudeoilpeak.com/?p=1631 (3) Eigentlich muessen die Kohlekraftwerke ersetzt werden 8/3/2010 NASA climatologist James Hansen at Sydney Uni: "Australia doesn't agree now that they got to stop their coal, but they are going to agree. I can guarantee you that within a decade or so because the climate change will become so strongly apparent that's going to become imperative" http://www.usyd.edu.au/sydney_ideas/lectures/2010/professor_james_hansen.shtml 8/12/2009 James Hansen: Storms of My Grandchildren http://www.crudeoilpeak.com/?p=767 Mein GAU Szenario: Peak oil und die Schuldenkrise werden unsere Wirtschaft zermuerben und wenn die Natur uns dann zwingt die Kohlekraftwerke abzuschalten und zu ersetzen, ist die Wirtschaftskraft (und vielleicht auch das Oel) nicht mehr da, diese Mega-Projekte zu finanzieren und zu implementieren. Zeitraum: bis 2020. Die Atom-Angst Diskussion im ZDF hat ueberhaupt nicht die system dynamics Problematik (wie in den Grenzen des Wachstums) behandelt. Wenn das Arktische See Eis schmilzt wird das Wetter auf der Nordhaelfte verrueckt spielen Sehen Sie sich mal die Maslowski Studie an, kann schon zwischen 2013 und 2018 passieren http://soa.arcus.org/sites/soa.arcus.org/files/sessions/1-1-advances-understanding-arctic-system-components/pdf/1-1-7-maslowski-wieslaw.pdf http://nsidc.org/arcticseaicenews/ ----------------links von meiner website www.crudeoilpeak.com--------------- 15/3/2011 Japanese meltdown highlights energy dilemma as peak oil enters hot phase http://www.crudeoilpeak.com/?p=2735 12/4/2011 Libyans fight over oil field at depletion mid point while African crude oil exports decline http://www.crudeoilpeak.com/?p=2947 24/3/2011 Libya: yet another (peak) oil war http://www.crudeoilpeak.com/?p=2759 19/3/2011 2010 vs. 2005: pay 40% more for the same amount of crude oil http://www.crudeoilpeak.com/?p=2752 2/3/2011 WikiLeaks cable from Riyadh implied Saudis could pump only 9.8 mb/d in 2011 http://www.crudeoilpeak.com/?p=2669 24/2/2011 Libya exports 7% of crude from Mediterranean and Middle East http://www.crudeoilpeak.com/?p=2633 31/1/2011 Egypt - the convergence of oil decline, political and socio-economic crisis http://www.crudeoilpeak.com/?p=2525 30/12/2010 Another warning on Iran's oil production and exports http://www.crudeoilpeak.com/?p=2448 2/12/2010 Fly, but leave your car at home http://www.crudeoilpeak.com/?p=2320 17/11/2010 Diesel shortages in China http://www.crudeoilpeak.com/?p=2149 10/11/2010 IEA World Energy Outlook 2010: Global crude oil production will never grow again http://www.crudeoilpeak.com/?p=2060 10/10/2010 Oil importers outside Chindia to save 1/3 by 2015, says US petroleum geologist at ASPO conference http://www.crudeoilpeak.com/?p=1934 4/10/2010 Russia's oil peak and the German reunification http://www.crudeoilpeak.com/?p=1912 20/9/2010 IEA corrects oil statistics containing bio fuels http://www.crudeoilpeak.com/?p=1876 13/8/2010 Saudi Arabia lost production share to Russia http://www.crudeoilpeak.com/?p=1800 31/7/2010 Saudi Aramco's crude oil exports peaked in 2005 http://www.crudeoilpeak.com/?p=1738 12/11/2009 “Key oil figures were distorted by US pressure, says whistleblower” http://www.crudeoilpeak.com/?p=564 ....und Vieles mehr MfG Dipl. Ing. Matt Mushalik (MIEAust, CPEng) Sydney www.crudeoilpeak.com
Sehr geehrter Herr Mushalik, da Herr Sinn momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, habe ich dies übernommen. Ich stimme Ihnen zu, dass die Atomdebatte nicht losgelöst von der Klimadebatte geführt werden darf. Im Zuge der akuten Atomangst wird die langfristige Gefahr des Klimawandels häufig vergessen und die Diskussion dreht sich ausschließlich um den kurzfristigen Atomausstieg. Ich sehe allerdings die Chancen, einen langfristigen Ausstieg aus den fossilen Energieträgern wirtschaftlich zu überleben, weniger skeptisch. Wie Sie auch bemerkten, werden im Zuge der steigenden Knappheit fossiler Energieträger deren Preise ansteigen, so dass nicht nur bereits bestehende alternative Technologien (zur Energieeinsparung ebenso wie zum Ersatz fossiler Energieträger) wettbewerbsfähig werden, sondern auch Anreize zur Entwicklung weiterer Technologien entstehen. Die Anreizwirkungen von Preisen wurde in den „Grenzen des Wachstums“ beispielsweise zum großen Teil vernachlässigt. Problematisch ist vor allem, dass im Angesicht der bisher noch verfügbaren Reserven und Ressourcen an insbesondere Kohle, eine Umstellung des Energiesystems aufgrund marktwirtschaftlicher Triebkräfte zu spät kommen, um einen starken Anstieg der globalen Temperaturen zu vermeiden. Hier sind Klimapolitik und globale Lösungen gefragt. Für Ihre Angaben zu weiterführenden Informationen danke ich Ihnen sehr. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gestern Abend Ihren Auftritt bei Frau Illner gesehen und kann Sie in Ihren Aussagen nur unterstützen. Ich finde es immer wieder traurig, wie weltfremd manche Leute sind, so auch leider unser Herr Minister. Wie Sie zu Recht bemerkten, frage ich mich auch, wie man den Energiebedarf zukünftig decken soll, wenn wir jetzt auch noch alle anfangen Elektroautos zu fahren und dabei die Kernkraft- und Kohlekraftwerke abschalten wollen. Eigentlich braucht man keine Volkswirtschaft studiert zu haben, um festzustellen, dass da irgendetwas nicht funktionieren kann. Der Glaube an den techn. Fortschritt allein hat noch keine Berge versetzt! Ich habe mich schon immer gefragt, wie wir es in diesem Land bei so vielen Träumern überhaupt so weit gebracht haben...
Sehr geehrter Herr L., im Namen von Herrn Sinn, der momentan aufgrund eines Forschungsaufenthaltes leider nicht persönlich auf Ihre Email antworten kann, möchte ich Ihnen für Ihre unterstützende Email danken. Mit freundlichen Grüßen, Karen Pittel (ifo Bereichsleiterin Energie, Umwelt und erschöpfbare Ressourcen)
Betreff: ZDF, Illner Sehr geehrter Herr Sinn, für die Teilnahme an der gestrigen Gesprächsrunde danke ich Ihnen. Es tut gut, in Zeiten, in denen Naivität und Heuchelei Konjunktur haben, hier und da eine Stimme der Vernunft zu hören. Bitte halten Sie durch. Mit freundlichen Grüßen aus Dithmarschen Jörn Fiebelkorn
Sehr geehrter Herr Fiebelkorn, vielen Dank für die Ermutigung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Teilnahme Prof. Sinn bei Illner Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre klaren Worte zu den Ökoenergien in der gestrigen Illner-Sendung meinen herzlichen Dank. Nicht nur Politiker befinden sich auf Wolke sieben. Sogar der BDEW verschließt die Augen vor der Realität. Alle gemeinsam verniedlichen die schon vorhandenen und die künftigen Eingriffe in die Natur. Eine Reise von Emden entlang der Nordseeküste nach Niebüll sollte zur Pflicht für jeden werden, der sich zu dem Thema äußern will. Nur die großen Naturkatastrophen haben das Land zuvor so dramatisch und nachhaltig verändert, wie das nun durch die sogenannten Erneuerbaren geschieht. Für den Bürger entstehen nur zusätzliche Kosten und vielfältige Belastungen ohne den geringsten zusätzlichen Nutzen. Insbesondere können die sogenannten Erneuerbaren keine thermischen Kraftwerke ersetzen. Das geht zwar rechnerisch, aber in der Praxis geht das regelmäßig schief. In diesen Stunden sorgt ein ausgedehntes Hochdruckgebiet über Mitteleuropa dafür, daß Deutschlands 21600 Windkraftanlagen bei einer Nennleistung von 27000 Megawatt gerade noch 600 Megawatt Leistung erbringen. Jederzeit aktuell zu finden bei eex http://www.transparency.eex.com/de/daten_uebertragungsnetzbetreiber/stromerzeugung/tatsaechliche-produktion-wind Damit kann man offensichtlich überhaupt nichts ersetzen. Nochmals Dank und beste Grüße. Helmut Erb
Sehr geehrter Herr Erb, vielen Dank für diese Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ihr Kommentar "Müttern helfen" in der Zeit Sehr geehrter Herr Sinn, selten habe ich einen Kommentar gelesen, der mir so aus der Seele gesprochen hat!!! heutzutage ist Alles ein großes Durcheinander, Kristina Schröder und Alice Schwarzer streiten sich öffentlich, die Rede ist von Kinderbetreung, Frauenquote und Emanzipation, DIE Frau will und kann alles, - das letzte sehe ich genauso, sonst ist mir die Debatte zu einseitig. Emanzipation heißt doch auch Wahlfreiheit und Selbstverwirklichung, nirgendwo wird erwähnt, dass man eventuell auch gerne mit seinen Kindern zusammen sein und sich freiwillig dafür entscheiden könnte. Ich bin ganz bestimmt ein Kind der Emanzipation, wir haben in Frankreich gelebt, wo ich in den Genuss der „Rund-Um-Kinderbetreuung“ kam, bin dann aber, wieder zurück in Deutschland, nach der Geburt des zweiten Kindes zu Hause geblieben. Dieser Rückzug war zunächst nicht ganz freiwillig, weil es damals keine Kinderbetreuung gab, die sich mit meinen Arbeitszeiten im Labor (Grundlagenforschung) deckte. Aus dieser Notwendigkeit wurden dann aber viele freiwillige „Mutterjahre“. In öffentlichen Talkrunden treten berufstätige Mütter gegen Nur-Mütter an, letztere sind gerne ein bisschen dümmlich in Szene gesetzt und entsprechen dem Bild vom Heimchen am Herd. Und die Diskussionen sind nicht objektiv, sondern agressiv, warum kann man verschiedene Lebensformen nicht einfach gleichberechtigt nebeneinander stehen lassen? Warum muss es schwarz oder weiß, ja oder nein sein?? Die Kinderbetreuung muss ausgebaut werden, das ist keine Frage, aber es muss doch nicht für Jeden die richtige Lösung sein, mal abgesehen davon, dass das sowieso Niemand bezahlen könnte! Alles ist sehr kurzlebig, Lebensformen, Ansichten und wissenschaftliche Theorien ändern sich alle paar Jahre, was heute allgemein anerkannt ist, kann morgen schon wieder verworfen werden. Und für so eine vage Aussicht soll ich meine Überzeugung aufgeben, nur um in zehn Jahren womöglich als neue Erkenntnis der Wissenschaft zu hören, dass es für Kinder doch auch anregend und nicht schlecht ist, wenn die Familie Zeit für sie hat, wenn sie nicht um Beruf und Selbstverwirklichung herum organisiert werden müssen?? Angeblich ist ja jetzt die >neue deutsche Gemütlichkeit< wieder da, der soziale Mittelpunkt ist wieder die Familie..., ich bin atem- und fassungslos. Ich komme mir vor wie eine Unbelehrbare, die die Familie immer erstrebenswert , wertvoll und lustig fand und mit dem Begriff Humankapital, der von manchen Wirtschaftsleuten verbreitet wurde, nie etwas anfangen konnte. Ich (48 Jahre, 3 Kinder, 18,16,13 Jahre) bin Diplom-Biologin und habe nach dem Studium zunächst in Freiburg in einem Pharmazielabor in der Forschung gearbeitet. Anschließend war ich für meine Promotion für fünf Jahre in Strasbourg an der Uni. Da es dort eine funktionierende Kinderbetreuung gab und es auch allgemein ganz normal war, während der Doktorarbeit das erste Kind zu bekommen, bin ich dem Beispiel meiner Mit-Doktoranden gefolgt, unsere erste Tochter kam während meiner Laborversuche zur Welt (nicht wörtlich gemeint..). Zwei Jahre später, während des Zusammenschreibens der Ergebnisse wurde unser Sohn geboren. Da wir aber mittlerweile wieder zurück in Deutschland waren, fehlte mir die Kinderbetreuung und ich habe die Promotion nicht beenden können. Das dritte Kind kam drei Jahre später. Heute, nach der längeren Kindererziehungspause, ist meine Situation natürlich schwierig, das gebe ich gerne zu, aber deswegen würde ich mich trotzdem nicht anders entscheiden. Ich arbeite an meinem Wiedereinstieg, schreibe mittlerweile Artikel für verschiedene Zeitschriften und stelle immer wieder fest, dass man heutzutage als Mutter irgendwie doch "von gestern" ist. Die von Ihnen angesprochene Wertschätzung gab es noch vor wenigen Jahren, jetzt hat sich die Gewichtung verschoben! Dehalb tat es so gut, Ihren Kommentar zu lesen, vielen Dank dafür! Mit freundlichen Grüßen Patricia Klatt
Sehr geehrte Frau Klatt, vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich hoffe, Deutschland wird sich nochmal besinnen. Die Mütter müssten sich öffentlich äußern, wie Sie es tun. Wir am ifo wollen die Akzente so setzen, dass die kinderlose Schein-Familie bei der Sozial- und Familienpolitik jedenfalls nicht im Mittelpunkt steht. Mit herzlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin durch Zufall auf Ihre Aussagen im Fernsehen gestossen. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,757163,00.html Leider habe ich die Sendung nicht gesehen. Ich möchte Sie auf die Bemerkungen von Prof David Spiegelhater (Professor of the Public Understanding of Risk at the University of Cambridge) hinweisen, die für Sie möglicherweise von Interesse sind: http://www.rssenews.org.uk/articles/20110404 http://www.newscientist.com/article/mg20928050.200-risk-expert-why-radiation -fears-are-often-exaggerated.html Ich dachte, dass solche kritischen Kommentare wie von Spiegelhalter in Deutschland unmöglich sind, bis ich auf Ihre Bemerkungen gestossen bin. Respekt. Freundliche Grüsse Leonhard Held Professor of Biostatistics University of Zurich
Sehr geehrter Herr Held, vielen Dank für diese interessanten Links. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Zeitungsartikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, der am 2. April 2011 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist) http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm Lieber Herr Sinn, warum unterordnet sich die Bundesbank diesem Spiel? Warum werden diese Daten nicht von den Verantwortlichen, also dem Bundesbankpräsidenten, öffentlich gemacht und diskutiert? Ein Rücktritt allein kommuniziert zu wenig, insbesondere wenn dessen Gründe aus falsch verstandener "Solidarität" der Öffentlichkeit verschwiegen werden. Herr Issing hatte sich seinerzeits strikt gegen Transparenz über die Interna der EZB ausgesprochen. Es ist klar, daß Herr Issing für diese Position die Unterstützung der Mehrheit im Direktorium fand - und immer noch finden würde. Aber ein weiter so kann ja ab einem gewissen Punkt wohl nur noch schwerlich im Interesse der Mehrheit sein. Warum dringen die Beratergremien der deutschen Politik nicht durch? Vielleicht ändert sich das ja, nachdem einige Garantieeinlagen abgeflossen sind? Das wäre dann ein teurer Lernprozeß, aber vielleicht kann sich Deutschland das noch leisten? Besser als nie wär es allemal. Mit besten Grüßen und bestem Dank für Ihren Einsatz!
Lieber Herr G., wenn ich wüsste, warum die Bundesbank das mitgemacht hat, wäre ich klüger. Ich bin ziemlich sprachlos. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich schätze Ihre Ansichten zu aktuellen ökonomischen und politischen Fragen normalerweise sehr. Die Vorschläge, die Sie jedoch kürzlich unter dem Titel "Müttern helfen" in der ZEIT veröffentlicht haben, halte ich für den falschen Weg. Überlegen wir doch einmal, wie eine freie Gesellschaft das Problem handhaben würde: Eltern müßten die Opportunitätskosten der Kindererziehung selbst tragen. Dazu gehören auch die Abschreibungen, die auf das im Beruf erworbene Humankapital in der Babypause vorzunehmen sind. Ihre Rechtfertigung besteht nun darin, dass es auf Grund des Rentensystems externe Effekte gibt. Diese sollten aber internalisiert werden, indem wir das bestehende Rentensystem abschaffen. Eine Internalisierung durch Subventionierung der Geburten schafft die falschen Anreize. Wenn man ihren Vorschlag konsequent anwendet, würde jedes Kind einem Paar 140.000 Eur an Barwert in Rentenansprüchen einbringen. Versicherungsgesellschaften würden vielleicht Swaps anbieten, die dieses Geld sofort auszahlen, um später einmal die Rente zu kassieren. Nicht auszudenken, wer dann aus welchen Motiven Kinder in die Welt setzen würde! Ich denke, das Thema zeigt sehr schön, dass im Sozialstaat eine Intervention die nächste rechtfertigt. Ich bin selbst gerade Vater geworden. Auch ich wünsche mir flexible, elterngerechte Arbeitszeiten, aber ich bin auch bereit den Preis, den diese Flexibilität in Form geringerer Produktivität erfordert, selbst zu zahlen. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, die möglich zur Telearbeit, etc. gesetzlich festzuschreiben. Vielleicht sind die hohe Abgabenlast und die teure staatlich regulierte Kinderbetreuungslandschaft Ursache der Misere; ich kann es nicht genau sagen. Ich denke nur, dass derlei Forderungen -wie Sie sie äußern- affirmativ gegenüber einem Politikverständnis wirken, das sich immer mehr festsetzt und das da lautet: wir können und sollten jeden Bereich des Privaten Lebens durch staatliche Anreize, Ge- und Verbote leiten und lenken. P.S. Ein aufschlußreicher Artikel zu dem Thema findet sich unter http://mises.org/daily/1406. Dort geht es um den Geburtenrückgang in Schweden. Die These des Autors lautet, dass der Sozialstaat erst systematisch die ökonomischen Vorteile der Familie zerstört hat und anschließend -um die demographie Entwicklung im Lot zu halten- zu einer vollständigen Vergemeinschaftung der Kosten übergehen musste. Das Resultat ist eine Bevormundungsbürokratie von der Wiege bis zur Bahre und ein Pflegemangel wie wir ihn auch bei uns kennen. Between 1935 and 1975, the Myrdals' domestic agenda guided, by fits and starts, the evolution of the Swedish welfare state. Periods of political and bureaucratic activism-1935 to 1938, 1944 to 1948, and 1965 to 1973-were punctuated by evidence of stubborn resistance among the Swedish populace, or by budgetary restraints that delayed full implementation. Yet by the end of the process, most elements of the Myrdals' family agenda were in place. What were the specific results? With the family stripped, by state fiat, of all productive functions, of all insurance and welfare functions, and of most consumption functions, it should cause little surprise that ever fewer Swedes chose to live in families. The marriage rate fell to a record low among modern nations, while the proportion of adults living alone soared. In central Stockholm, for example, fully two-thirds of the population lived in single-person households by the mid-1980s. With the costs and benefits of children fully socialized, and with the natural economic gains from marriage intentionally eliminated by law, the bearing of children was also severed from marriage: by 1990, well over half of Swedish births were outside of marriage. Children, too, enjoyed as 'rights' a great parcel of benefits provided by the state: free medical and dental care; abundant and cheap public transport; free meals; free education; and even state "child advocates" available to intervene when parents overstepped their bounds. Children, too, no longer needed "family": the state now served as their real parent. Indeed, Rutgers University sociologist David Poponoe suggests that the term 'welfare state' no longer does justice to this form of total personal dependence on the government. Instead, he uses the label, "client society," to describe a nation "in which citizens are for the most part clients of a large group of public employees who take care of them throughout their lives." .... Hewlett is right, of course, about the flaws in the existing American welfare state: we have socialized the economic value of children here; but we have left the costs with individual parents. The United States in 1991, as Sweden in 1934, has an incomplete version of the pure welfare state model. She's correct, too, that this exacts a price: the number of American children born annually inside of marriage has been stagnant through the 1980s, at a level 30 percent below the zero-growth rate. Americans are simply not investing their own time and money in more than one or two children, largely because its not worth their while. (The overall birthrate, it is true, has climbed somewhat, but this is due entirely to the sharp rise in the number of out-of-wedlock births from 665,000 in 1980 to over 1,000,000 in 1990; these births, it appears, our welfare system subsidizes well.) But there is an alternative to the "Swedish solution." It's one that Dr. Hewlett declines to mention; and it's the one that the Myrdals dismissed as "beyond reasonable debate" sixty years ago. This option is called a "free society," where instead of completing the client/welfare state by extending bureaucratic tentacles completely around children, we instead dismantle what we already have done. The agenda here is simple, radical and pragmatically anti-bureaucratic: 1. end state-mandated and state-controlled education, leaving the training and rearing of children up to their own parents or legal guardians; 2. abolish child-labor laws, again reasoning that parents or guardians are the best judges of their children's interests and welfare, vastly better than any combination of state bureaucrats; 3. and dismantle the Social Security system, leaving protection or security in old age to be provided, once again, by individuals and their families. These acts would restore the economic benefits of children to parents, and so end the anti-child contradiction that lies at the center of the incomplete welfare state. Most commentators would respond that these would be impossible, inconceivable actions in a modern, industrial society. Given the realities or complexities of the modern world, they would say chaos would be the sure result, if we engaged in such reactionary efforts. My response would be to point to scattered groups in America which, through some amazing historical quirk or some political miracle, still inhabit one of our few remaining "zones of liberty" and which survive under such an "impossible" regime. One unexpected but interesting example would be the Amish, who beat off government challenges to their special limited educational practices (namely, schooling only by Amish teachers and only through the eighth grade), who make heavy use of child labor, and who avoid Social Security (as well as government farm welfare) out of principle. Not only have the Amish managed to survive in an industrial, market milieu; they have thrived. Their families are three times the size of the American average. When facing fair competition, their farms turn profits in "good times and bad." It is probably true that relatively few contemporary Americans would choose to live like the Amish, given a true freedom of choice. Then again, no one can be quite sure what America would look like, if citizens were actually freed from the bureaucratic rule over families that began to be imposed here, over one hundred years ago, starting with the rise of the mandated public school. I have absolutely no doubt, though, that under a true regime of liberty, families would be stronger, children more plentiful, and men and women happier and more content. For me, that's enough. -- "We favor diversity, just not diversity of opinion"
Sehr geehrter Herr A., Sie sprechen mir ja aus dem Herzen. Erst zerstört der Staat die Familie, und dann muss er die Konsequenzen bezahlen. Das ist ja die Kernthese aus dem Rentenkapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" Ihren Gedankengang finden Sie dort zentral präsentiert. In der Tat geht es nicht um die Subventionierung der Geburten, sondern die Rücknahme der Sozialisierung der Schaffenskraft der Kinder. Genau deshalb will ich ja eine Kinderkomponente in das Rentensystem einbauen, anstatt mit Familienpolitik zu arbeiten. Wenn die Renten nicht mehr unabhängig davon gezahlt werden, ob man Kinder großgezogen hat oder nicht, wird das Ausmaß der Sozialisierung der Nachteile der Kinderlosigkeit kleiner. Die völlige Abschaffung der Rentenversicherung, die Sie vielleicht im Auge haben, ist ein quantitativ weiterer Schritt, den ich aber für zu weitgehend halte. Die Rentenversicherung kann als Versicherung gegen Kinderlosigkeit interpretiert werden. Heute ist sie als Vollkaskoversicherung ausgestaltet. Ich fände eine Teilkaskoversicherung besser. Eine solche Teilkaskoversicherung einzuführen ist systematisch eben nicht eine Subventionierung des Kinderkriegens, sondern eine Verminderung des Moral-Hazard-Effekts durch Umverteilung der Ressourcen von den Kinderlosen zu den Eltern. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Tickende Zeitbombe Sehr geehrter Herr Professor Sinn, es stellt stellt sich mir nach Lesen Ihres obigen Artikels die Frage, ob Frau Merkel 1. die Zusammenhänge, Folgen und Risiken, die Sie darlegen, verstanden haben könnte und ob sie 2. die Kraft aufbringt, daraus endlich die nötigen Schlüsse zu ziehen. Wenn man allein bedenkt, daß sie als promovierte Physikerin nach Harrisburg und Tschernobyl noch ein Fukushima brauchte, um (angeblich) die der Kernenergiegewinnung innewohnenden Gefahren zu erkennen, dann sind wohl erhebliche Zweifel angebracht! Dennoch sei Ihnen Dank, daß Sie Ihre Stimme immer wieder einmal erheben. Mit freundlichen Grüßen Arne Bruhn
Vielen Dank für die Rückmeldung, Herr Bruhn. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Respekt, mit welcher Oberflächlichkeit Sie das Thema Restrisiko und die damit gegebenenfalls verbundenen Folgekosten "ökonomisch verharmlosen". Sie wissen genau, dass der Fall der Fälle nicht versichert ist und sich auch nicht versichern läßt. Dazu hat sich in der vergangenen Woche die Münchener Rückversicherung dezidiert geäußert. Die Folgekosten sind unkalkulierbar (siehe Tschnobyl mit 235 Milliarden $ Schaden, Handelsblatt Nr. 59 S.1), so heisst es. Wenn die Medienangaben stimmen, muss die Ukraine jedes Jahr 5% des Sozialprodukts allein für den Unterhalt der Ruine ausgeben. Ich würde Ihnen mal empfehlen, sich über diese Folgekosten Gedanken zu machen und - Sie sind ja schliesslich Ökonom - diese zu beziffern. Es wäre nur zu fair wenn Sie nicht Äpel mit Birnen vergleichen. Jedes Solarkraftwerk und Windenergieanlage hat eine Haftpflichtversicherung, sogar jeder Hundebesitzer muss diese vorweisen, nur die gesamte Atomindustrie ist davon erstaunlicherweise weitgehend freigestellt. So banal das klingt, der Schaden muss dann entweder vom Staat oder von den Geschädigten getragen werden. Genauso wie die Kosten für die Entsorgung und die Endlagerung. Halten Sie diesen Zustand für "ökonomisch" angemessen und vertretbar? Muss es nicht ein gesellschaftlicher Grundkonsens sein, dass die Betreiber verantwortlich sind für den "Dreck" und das "Risiko"? Was glauben Sie, wie hoch sind dann die Kosten pro Kwh? 1, 2 oder gar 20 €? Oder noch mehr? Wie wäre es, wenn Sie sich mal Gedanken um den Subventionswert der oben genannten Postionen zu machen? Sie sind doch Volkswirt, also machen Sie sich bitte mal endlich "nützlich" und tragen Sie nicht weiter zur allgemeinen Volksverdummung bei!
Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für Ihren Kommentar. Aber Sie scheinen mich nicht verstanden zu haben und unterstellen mir das Gegenteil, von dem, was ich gesagt habe. Die Internalisierung der Schäden durch Versicherung ist doch gerade das, was ich gefordert habe. Cat Bonds versichern schon heute viele Milliarden Euro bei Naturkatastrophen. Der CDS-Markt umfasst über 30.000 Milliarden Euro. Diese Dinge sind versicherbar, und dann erfolgt genau das, was Sie und ich fordern: Die Internalisierung der Schäden. Bitte lesen Sie meinen Artikel ein zweites Mal. Beiliegend auch noch ein früherer Artikel aus der Wirtschaftswoche zu dem Thema. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Zeitungsartikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, der am 2. April in der SZ erschienen ist. http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm) Lieber Kollege Sinn! Vielen Dank für die e-mail und den interessanten Artikel! In der Tat. Deswegen hat ja Trichet sehr gebettelt, dass der "Rettungsschirm" auch Altschulden kauft, insbesondere die, die die EZB hält. In gewisser Weise ist das eine Buchhaltungsfrage, denn ob nun Deutschland per EZB-Anteil für diese Schulden haftet, oder per Rettungsschirm-Anteil (wenn der die denn gekauft hätte), macht einen geringen Unterschied, außer das die beschlossene Lösung zusätzliche Mittel für Neuschulden bereit stellt. Mit freundlichen Grüßen, Harald Uhlig
Lieber Herr Uhlig, vielen Dank für die Rückantwort und schöne Grüße nach Chicago. Ihr Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Lieber Herr Sinn, richtig, d.h. gut und schön. Aber wenn man sich diesen Effekt (Konvergenz der Zinssätze) schon wünscht, dann muss man sich dazu auch gleich einen Ersatz wünschen für den verloren gegangenen Anpassungsmechanismus über Wechselkurse. Wir alle wissen, dass "eigentlich" etwas auf den Arbeitsmärkten hätte passieren müssen (um das Auseinanderdriften der Lohnstückkosten zu vermeiden), aber die Chancen, dass der Euroraum vom Buba-Standard, wie das damals hiess, auf einen IG Metall-Standard (anbei ein Uralt-Editorial) übergehen könnte, standen damals - und stehen immer noch - denkbar schlecht.
Lieber Herr S., ja, da haben Sie wohl recht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag bezieht sich auf den Artikel "Tickende Zeitbombe" von Prof. Sinn, erschienen am 2. April in der SZ: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm) Lieber Herr Sinn, der eigentliche Sündenfall (i.e., Verschuldung der GIPS-Länder) hiess seinerzeit an den Kapitalmärkten das "convergence game." Warum ist damals keinem Beobachter ein Licht aufgegangen?
Lieber Herr S., ganz so sehe ich es nicht. Die Konvergenz durch Kapitalströme an sich war ja nicht das Problem, sondern ein erwünschter Effekt. (Ich hänge dazu einen älteren Artikel an.) Das Problem war die Blase, die Staatsverschuldung und nun der Kreditfluss durch die Staatengemeinschaft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Danke für die gewohnt klare Analyse! Schon vorher erhalten, gelesen und weiter umverteilt. Die Entwicklung ist in der Tat Besorgnis erregend. Prof. Dr. Wolfram F. Richter Technische Universität Dortmund
Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag von Prof. Richter bezieht sich auf auf den Zeitungsartikel von Prof. Sinn "Tickende Zeitbombe"; erschienen am 2. April 2011 in der Süddeutschen Zeitung http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-sz-2011-04-03.htm
Betreff: Energiewende Sehr geehrter Herr Sinn, es ist mir möglich Ihren Argumenten zu 98 % zu folgen – sie zu verstehen. Aber plötzlich danke ich an meine „erwachsenen Kinder“ und an die Enkel und von da geht es dann zum Hauptproblem!!!!!! Entsorgung – kennen Sie ein schlüssiges Konzept für die Entsorgung des Atommülls?????
Sehr geehrter Herr S., der Salzstock in Gorleben ist vermutlich geeignet. Aber man kann über schnelle Brüter die Restmengen radioaktiven Materials dramatisch verringern. Das Endlagerproblem für C02 ist um vieles größer. In meinem Buch „Das Grüne Paradoxon“ habe ich das ausgeführt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Energiewende ins Nichts Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihren Beitrag im Handelsblatt des heutigen Tages. Sie schreiben, man müsse unsere Reaktoren sicherer machen. Aber hieß es denn nicht bis quasi gestern, daß wir die sichersten Reaktoren der Welt hätten? Mag ja sein, daß Flugzeug"abstürze" selten vorkommen. Und wenn doch? Das Erschreckende ist doch, daß dann in den ersten vierzehn Tagen gewissermaßen mit dem Gartenschlauch herumgefuchtelt wird und dann in den nächsten Monaten - wir werden ja noch sehen wie lange - anstelle von Salzwasser Süßwasser verwendet wird. Daß uns hierfür nicht mehr eingefallen ist, ist m.E. die eigentliche Katastrofe.
Sehr geehrter Herr H., es mag sein, dass es irgendwo so hieß. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das Risiko der Kernschmelze beschrieben und darauf hingewiesen, dass es besser wäre, die deutschen Atomkraftwerke durch sicherere vom Typ Olkiluoto zu ersetzten. Im übrigen stimme ich Ihnen zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
An Herrn Sinn, Gastautor, Montag 28.03.11 Guten Tag, Herr Sinn, Mit einigem Erstaunen habe ich ihren Kommentar gelesen. Ihrem Argument, wir würden uns ja auch anderen Gefahren wie zum Beispiel Auto fahren oder fliegen aussetzen hinkt leider gewaltig. Erstens setzen wir uns der "Gefahr" selbstbestimmt aus und das Risiko ist ja wohl deutlich geringer für einen großen Teil der Bevölkerung und zweitens kann man das ja mit dem Risiko eines möglichen GAU`s nicht unbedingt vergleichen. Oder meinen Sie vielleicht, die Menschen, die in der Nähe der Kernkraftwerke leben nehmen dieses Risiko gerne in Kauf? Ich und offensichtlich viele andere- wie der Sonntag gezeigt hat- sehen die Sache etwas anders. Mit freundlichen Grüßen E. F.
Sehr geehrte Frau F., ich verstehe, dass Sie die Unterschiede in der Natur der Risiken betonen. Wir setzten uns aber vielen Risiken aus, die nicht selbstbestimmt sind. So sind bislang sehr viel mehr Menschen unschuldig oder auch, ohne selbst Auto zu fahren, bei Autounfällen umgekommen als bei Atomunglücken. Und was sagen Sie zu dem Argument, dass Kernkraftgebiete Zuzugsgebiete sind, weil die Attraktivität der Jobs die Abschreckung durch das Strahlenrisiko überstieg? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin ein Fan Ihrer meist sehr scharfsinnigen Beiträge. Ich habe aber nach sorgfältiger Recherche den Eindruck, dass Sie in dem unten stehenden Artikel (ifo Standpunkt Nr. 122, Abgründe)in einem Punkt irren. Die 326 Mrd. Euro Nettoforderungen gegenüber anderen Notenbanken des Eurosystems fallen unter die Offenmarktransaktionen der EZB. Für Ausfälle haftet das Eurosystem, Deutschland gemäß seinem Kapitalanteil an der EZB.
Sehr geehrte Frau K., vielen Dank für den Hinweis. Ich habe aber nicht gesagt, dass Deutschland allein haftet oder zu welchem Prozentanteil, eben weil mir das nicht klar war. Als ich den Artikel schrieb, hatte ich von zwei Interpretationen gehört: 1. Die Salden sind aus Handelsgeschäften entstanden, und deshalb haftet Deutschland allein. 2. Die Salden gelten als im Zusammenhang mit Geldpolitik entstanden, und Deutschland haftet zu seinem Kapitalanteil +x, wobei x durch die ausfallenden Länder bestimmt wird. Ich hatte in einer Vorfassung des Artikels beide Varianten erwähnt, dann aber der Kürze halber die Frage, zu welchem Anteil Deutschland haftet, offen gelassen. Inzwischen hat die Bundesbank reagiert und mitgeteilt, dass es Forderungen und Schulden gegenüber dem EZB-System sind. Forderungen und Schulden entstehen bilateral und werden im zweiten Schritt auf die EZB übertragen. Dazu muss es eine Vereinbarung geben, die aber nicht veröffentlicht ist. Jedenfalls deckt dies die zweite Interpretation. Auf der Basis habe ich heute (2. 4. 2011) einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme mit Ihrer Analyse überein, halte aber die Argumentation bei dem Vergleich mit den Flugzeugabstürzen für angreifbar. Atomunfälle sind sehr seltene Ereignisse mit, wenn sich das Risiko realisiert, extrem großem und langandauerndem Schaden. Ich glabe daher, dass Sie besser mit Meteoriteneinschlägen argumentieren sollten. Sie sind gleichermaßen selten und, falls sie eintreten, ebenso gefährlich. Nach der Logik des Atomausstiegs müsste man also sofort Milliarden in das Scanen des Weltraums nach Meteoriten investieren und gleichzeitig technische Abwehrkonzepte entwickeln und implementieren. Das Preisschild dieses Rettungsschirms müsste sich sicher nicht vor dem des Euro-Rettungsschirmes verstecken. Übrigens bin ich seit fast 30 Jahren mit einer Japanerin verheiratet. Wir haben zwei erwachsene Kinder. Meine Schwiegermutter lebt 100 km Luftlinie von Fukushima. Wir haben zahlreiche Verwandte in Japan. Natürlich sind wir um sie und sie um sich besorgt. Aber trotzdem sind sie gelassener als viele im fast 10000km entfernten Deutschland. Vielleicht trifft ja schlußendlich auch hier das Sprichwort von "nomen est omen": Fuku=Glück,Shima=Insel.
Sehr geehrter Herr O., vielen Dank für den Kommentar. Jeder Vergleich hinkt, das ist schon klar. Aber wir Menschen kommen nicht umhin, unseren Weg durch einen Dschungel von Gefahren zu bahnen und dabei abzuwägen. Mit apodiktischen Urteilen kommen wir bestimmt nicht weit. Es ist interessant, was Sie von Japan berichten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren Gastkommentar im Handelsblatt am 28. März gelesen zum Thema: Energiewende ins Nichts. Ich bin davon sehr angetan, weil er sich wohltuend abhebt von den vielen fast hysterischen Appellen so mancher Personen, auch Politiker. Gestatten Sie, daß ich Ihnen einen eigenen Artikel aus der Essener Bistumszeitung RuhrWort vom 2. April 2011 zu dem Thema zusende, der auf den Kugelhaufenreaktor hinweist – eine ganz andere Kernkrafttechnologie, die die Ereignisse in Tschernobyl und Japan verhindert hätte und leider in diesen Wochen gar nicht in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Der BKU – Bund Katholischer Unternehmer – befürwortet seit langem bereits diese Kernkrafttechnologie, findet aber in der aufgeregten Welt von heute leider keinerlei Gehör. Sie wenden sich gegen Hauruck-Maßnahmen und setzen sich für wohlüberlegte Strategien ein – daher hoffe ich, bei Ihnen ein offenes Ohr im Sinne einer wohlwollenden Prüfung für diese Alternative zu finden nach dem Motto: Umstieg statt Ausstieg.. In der Hoffnung, daß mein Artikel – Vorwort und Hauptartikel der beigefügten Seite – auf Ihr Interesse stößt, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Elisabeth Schulte (Anm. des Moderators: Nachfolgend der im Text erwähnte Artikel) Umstieg statt Ausstieg - Kernkraft ist nicht gleich Kernkraft Japan, 11. März 2011: Ein Erdbeben mit Stärke 9 bringt die Ostküste aus dem Gleichgewicht – Häuser und Unternehmen - auch Kernkraftwerke - erzittern und brechen nahe des Zentrums größtenteils zusammen. Diese Stärke 9 eines Bebens war noch nie gemessen worden. Und dann der Tsunami: Er überflutet und verwüstet, was bisher dem Erdbeben noch standgehalten hatte - auch die Stromversorgung einiger Kernreaktoren. Und die Notaggregate erweisen sich als zu schwach, um die erforderliche Kühlung aufrecht zu erhalten. Es droht der GAU – der größtmögliche Unfall eines Atomkraftwerkes: Überhitzung, Durchbrennen der Brennstäbe, Explosion, Austreten von Radioaktivität – Verstrahlung von Menschen, Lebensmitteln, Wasser. Auch in Tschernobyl entstand die Katastrophe durch Ausfall der Kühlung des Reaktors, weil ein Test, den Strom abzuschalten, komplett aus dem Ruder lief. Eines ist klar: die Frage der Energieversorgung stellt sich weltweit neu, auch wenn es eine alte und bereits oft diskutierte Frage ist. Kernkraftwerke in Deutschland und der Welt haben ein Restrisiko, das seit jeher umstritten ist und nicht versicherbar. Bereits in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts wies Hermann Josef Werhahn, Mitglied des BKU seit Jahrzehnten, erfahren in Wirtschaft und Politik wie kaum ein anderer, auf dieses Manko hin. Deshalb warb und wirbt der Schwiegersohn des Nachkriegs-Bundeskanzlers Adenauer für eine Alternative, die genau in diesem Punkt entscheidend anders war und ist: er setzte sich seit damals ununterbrochen und unermüdlich für den Kugelhaufenreaktor ein, den Prof. Rudolf Schulten seit 1956 in Jülich entwickelt hatte. Werhahns Motto: „Umsteigen statt Aussteigen!“ Der Kugelhaufenreaktor basiert nicht auf der Reaktion von Brennstäben, die gekühlt werden müssen und im Notfall durch menschliches Eingreifen gestoppt werden, indem mit Hilfe von Strom z.B. Graphitstäbe zwischen die Brennstäbe gefahren werden, um den Betrieb herunter zu fahren. Der Kugelhaufenreaktor hingegen besteht aus kugelförmigen Brennelementen in einem Kugelbett und einer Helium-Kühlung. Die handgroßen Grafitkugeln enthalten nadelkopfgroße Kernbrennstoffe – Werhahn nennt sie „sandkornkleine Panzerkörner“ -, und diese sind ummantelt mit einer Schicht von Siliziumkarbit, also einer diamantharten Keramikhülle. Die Kernreaktion läuft im Kugelhaufenreaktor durch die genau austarierte Ummantelung der Kugeln ab und nicht durch menschlich gesteuerte Vorgänge, die fehlerhaft sein könnten. Wird eine Kugel während einer Kernreaktion beschädigt, wird die Reaktion automatisch, aus sich selbst heraus gestoppt: das ist die „inhärente Sicherheit“. Werhahn: „Kommt es von außen zu einem enormen Druck auf die Kugeln, so fliegen die Kugeln auseinander – und selbst wenn einige Kugeln beschädigt werden, bleiben die Panzerkörner darin unversehrt. Und vor allem: Je höher die Temperatur im Reaktor wird, um so schwächer ist die Rate der Kernreaktion - schließlich bei Null.“ Erfolgreiche Versuche mit Kugelhaufenreaktor In Jülich wurde der Atom-Versuchsreaktor bereits in den 60er und erneut in den 70er Jahren auf einen GAU hin getestet: Bei voller Temperatur und in vollem Betrieb wurden die Abschaltstäbe blockiert und das Kühlgasgebläse abgeschaltet. Die Wärme wurde langsam über das Kugelbett nach außen abgeführt, nichts brannte durch oder explodierte. Es gab keine Strahlung nach draußen. 2005 erfolgte ein ähnlicher Versuch in China genauso erfolgreich. 1988 wurden aus politischen Gründen der Atom-Versuchsreaktor in Jülich wie auch der daraus entwickelte Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop abgeschaltet. Auch in Südafrika scheiterte der Bau eines Hochtemperaturreaktors 2010, aber nicht, weil der Kugelhaufenreaktor nicht funktioniert – er hat 20 Jahre Probelauf in Jülich gut absolviert -, sondern weil in Südafrika Abweichungen vom Grundprinzip getätigt wurden, die von Prof. Schulten und seinem Team bereits in den 60er Jahren bei der Suche nach Weiterentwicklungen verworfen worden waren. In Südafrika liefen schließlich Zeit und Geld aus dem Plan, was das Aus bedeutete. Verantwortliche sollen über Restrisiko nachdenken Ggf. gibt es noch das ein oder andere am Kugelhaufenreaktor zu verbessern - das wesentlich Positive dieser Technologie jedoch besteht in ihrer inhärenten Sicherheit, die es lohnend macht, der Umsetzung weiter nachzugehen und sie als ernsthafte Alternative zu der bisher nicht versicherbaren Kernkraft-Technologie zu sehen. Auch wenn die genauen Ursachen und Folgen der Kernkraftwerksunglücke in Japan jetzt kurz nach der Katastrophe noch nicht feststehen, so sollten sie auf jeden Fall Anlaß für alle Verantwortlichen dieser Welt – sei es auf Betreiber-Seite oder Politiker-Seite – sein, über das Restrisiko nachzudenken, das sie zu verantworten haben. Bis auf weiteres – man sollte nie „nie“ sagen - ist die Kerntechnologie alternativlos als einer von mehreren Bausteinen der Energieversorgung: alle alternativen Energien wie Wind- und Solarenergie können nur Spitzen des Verbrauchs abdecken, nicht aber den gesamten Bedarf der Volkswirtschaften. Auch ökologisch gesehen wäre es nicht zielführend, riesige Flächen Deutschlands mit Windkrafträdern zuzupflastern. Außerdem haben auch Kohlebergbau und –kraftwerke ihre ökologischen Nachteile. Bei jeder Art der Energieversorgung sind Vor- und Nachteile verantwortungsbewußt im Einzelfall abzuwägen. So zu tun, als könne alles von jetzt auf gleich ohne massive Konsequenzen für die gesamte Bevölkerung geändert oder gar abgeschaltet werden, ist unrealistisch und nicht hilfreich. Dipl.-Volkswirtin Elisabeth Schulte, Mülheim an der Ruhr, BKU Bund Katholischer Unternehmer, Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Ruhrgebiet.
Sehr geehrte Frau Schulte, vielen Dank für diesen interessanten Artikel. Man sollte sich mit den Möglichkeiten des Kugelhaufen-Reaktors in der Tat näher befassen. Es gibt viele Möglichkeiten, in Sicherheit zu investieren. Auch die Core Catcher, die in Flamanville und Olkiluoto eingebaut sind, beherrschen die Kernschmelze. Die hysterische Überreaktion von Politik und Öffentlichkeit ist kein guter Ratgeber für weise Entscheidungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, aus Ihren Theorien und Plänen für Deutschland muss man schließen, dass Sie sich dieses Land im Zustand der sechziger Jahre wünschen: Währen der amerikanische Industriearbeiter einen Chevrolet fuhr, begnügte sich der deutsche mit einem Volkswagen oder Opel Kadett. Den Deutschen ging es damals bereits wieder ›ganz gut‹, aber ihre Lebensverhältnisse waren eben immer noch bescheiden genug, dass ihre Qualitätsdrehbänke billiger war als die Qualitätsdrehbänke der Chevrolet/Ford/Plymouth fahrenden amerikanischen Kollegen. Sie behaupten somit, das deutsche ›Wirtschaftswunder‹ resultierte aus einem ganz bestimmten Verhältnis aus Lebensstandard und Leistung. Das ist in sich logisch – leider wohl. Und es bedeutet zugleich, dass die absolute Leistung (›deutsche Qualität‹) nicht über der anderer Nationen liege. Auch das mag stimmen. Also leben wir heute über unsere Verhältnisse. Gut soweit die Analyse. Aber das Zurückgehen auf das alte Verhältnis ist mit Sicherheit nicht zu erreichen. Ihre Vorschläge sind sehr drastisch und belasten das ›soziale Gefühl‹ zu stark, um akzeptiert zu werden. Was ich in Ihren Vorschläge vermisse, ist die Forderung nach eindeutigen Anstrengung, bessere Waren und Dienstleistungen anbieten zu können. Und das geht nur über Wissen und Können. Deutschland verfügt nicht annähernd über das Wissen wie allgemein angenommen. Wie kann es sonst sein, dass die IT-Branche dümpelt (wer versteht wirklich etwas von Computern). Gentechnologie, Kernfusion, Naotechnologie seien weiter genannt. In Deutschland gibt es kein Harvard, Stanford, Princeton, MIT, nicht einmal IBM. Bereits das Elektro-Auto hinkt offensichtlich wieder hinterher. Und hier ist eine wirkliche Innovation gar nicht beteiligt. Ich habe übrigens eine kleine private historische Studie betrieben und mir die Entwicklung in Naturwissenschaft und Technologie mit Schwerpunkt Aufklärung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts angesehen. Deutschland steht hier gegen v. a. Frankreich, England, Italien, Holland nicht gut da. Ich bin der Überzeugung, der allzu gute Ruf der Deutschen beruht auf einer Selbstpropaganda um die Gründerzeit herum – also nach 1871 bis zum Ersten Weltkrieg. Ja, es gab Gauss, Zeiss und Abbe. Aber zuvor gab es Jansen, Swammerdam, Leeuwenhoek, Wollaston, Hall, de Fermat. Und Daimler und Benz? Die Geschichte zeigt, wer alles bereits zuvor die Grundlagen erforscht und geschaffen hat (die halbe Welt baute irgendwelche Verbrennungsmotoren und baute sie sogar in Fahrzeuge ein). Wie also soll das weitergehen? Billig billig gegen Slawen, Balkan, Fernost? Die Idee mit den Indern ist Vergangenheit – niemand fühlt sich im deutschen Wissenschaftsbetrieb wohl. Wir müssen lernen, was Grundlagenforschung und Innovation wirklich bedeuten. Und wenn es die Deutschen nicht alleine hin bekommen – ja dann müssen sie ihren Stolz besiegen (schon Nietzsche wusste, Deutsche überschätzen sich maßlos) und mit Nicht-Deutschen etwas dafür tun, dem gerecht zu werden, was sie seit ehe und je glauben zu sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Harry Martin (ich bin Deutscher)
Sehr geehrter Herr Martin, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich finde sie interessant, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme. Mich selbst erkenne ich in Ihrer Darstellung freilich nicht wieder. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Überschrift Ihres Kommentars beschreibt sehr richtig den Zustand, den man erreichen würde, wenn man heute in einer Phase von Angst und Schrecken den Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung nach einem sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie in einem Energiekonzept umsetzen würde. Es kann nicht sein, dass man eine über Jahrzehnte zuverlässige und bewährte Quelle der Grundlast-Stromversorgung aufgibt und meint, sie durch eine Vision ersetzen zu können. Ein in jeder Beziehung verantwortungsloses Regierungs-Handeln wäre das Ergebnis. Grundsätzlich fehlt heute in den Köpfen die Erkenntnis, dass jede Energie, die wir wandeln und nutzen - nichts anderes können wir - Kernenergie ist. Die erneuerbaren Energien sind die Kernenergie der Sonne und der Erde! Zudem wird völlig vergessen, dass zu Beginn des 19.Jahrhunderts die Energieversorgung vollständig durch erneuerbare Energien erfolgte. Dies konnte damals bei einer Weltbevölkerung von 1 Milliarde Menschen auch gelingen. Der Einsatz der Kohle mit seiner 10fach höheren Energiedichte hat erst die industrielle Revolution ausgelöst. Der Übergang zum Uran mit seiner noch um ein Vielfaches höheren Energiedichte war demzufolge ein logischer Schritt im Hinblick auf einen effiziente Versorgung der exponentiell wachsenden Weltbevölkerung. Einen weiteren Schritt auf diesem vorgezeichneten Weg würde wie von Ihnen angesprochen die Kernfusion darstellen. Allerdings kann diese aus technischen Gründen sicherlich nicht in einem Energiekonzept für die nächsten 40 Jahre Berücksichtigung finden. Ein Zurück zu einer 100 %-Versorgung mit erneuerbaren Energien für ein Industrieland wird es jedenfalls nicht geben. Es wäre ein Schritt zurück in die Vergangenheit! Der riesige Flächenbedarf und die gigantischen Anlagen zur Stromerzeugung aufgrund der niedrigen Energiedichten von Wind und Sonne würden Deutschland zu einem "Erneuerbaren- Energien-Monstrum" verkommen lassen. Es läßt sich absehen, dass allein die auslaufenden Einspeisevergütungen dazu führen werden, dass in 10 - 15 Jahren Deutschland das Land mit den meisten Windmühlen-Ruinen sein wird. Leider erwähnen Sie in Ihrem Kommentar den Atomstrom als einzige Möglichkeit, die Erwärmung der Erde durch den Treibhauseffekt zu verhindern, weil dessen Erzeugung keinen CO2-Ausstoß verursacht. Ich möchte aus den aktuellen Gründen dieses Faktum nicht besonders in den Vordergrund stellen. Aber die sich durchsetzende Erkenntnis, ja Weisheit ist: Nicht CO2 bestimmt das Klima, sondern das Klima bestimmt das CO2! Sie hatten in einer früheren Veröffentlichung bereits darauf hingewiesen, dass der Emissionshandel wahrscheinlich ergebnislos bleiben wird. Klimaschutz: wie viel Überheblichkeit des Menschen steckt allein in diesem Begriff ! Physikalische Grundlage Ihrer richtigen Feststellung ist, dass alle Spurengase unter den atmosphärischen Bedingungen abnehmender Gasdichte durch den bisher nicht berücksichtigten Effekt der Vorwärtsstreuung keinen "Wärmestrahlungs-Widerstand" ausbilden und damit keinen Beitrag zu einem Treibhauseffekt leisten können. Es sind die Kondensationsprodukte des Wasserdampfs, die verständlicherweise den Treibhauseffekt verursachen! Ich kann Sie heute nur bitten, dies bei den nun anstehenden Diskussionen zumindest im Kopf zu behalten. Mit freundlichen Grüßen Dr.-Ing. Hans-Joachim Böhme (Förderndes Mitglied der NRW-Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf)
Sehr geehrter Herr Böhme, vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Beitrag im Handelsblatt Energiewende ins Nichts quer zu aller Hysterie und allen opportunistischen Ankündigungen zur Selbstdemontage der deutschen Wirtschaft finde ich verdienstvoll und mutig. Mich hat besonders Ihr Absatz über die Hinwendung zur Kernfusion beinahe elektrisiert. So etwas stand schon in einem von mir mitverfaßten Flugblatt, das ich 1972 nach der Verleihung des Friedenspreises an den Club of Rome dem Bundespräsidenten Heinemann in seinen Staatsopel hineinreichte. Auch finde ich Ihren Beitrag weitsichtiger und frei von der Unbeweglichkeit der Intervention von Helmut Kohl in BILD, zu der ich mich (undedeutend an hochbedeutender Stelle) in Facebook so geäußert habe: Einspruch eines Monuments by Peter G. Spengler on Friday, March 25, 2011 at 2:20pm Den größten anzunehmenden Einbruch der CDU in ihrer letzten Festung kann Herrn Kohls Intervention http://bit.ly/gd5KnY nicht mehr abwenden. Es fehlt ihr trotz Verweis auf Deutschland als Technologieführer die operative Präzision seiner berühmten 10 Punkte von 1989 http://bit.ly/gS0DYk. Forschung und Entwicklung der Welt werden auf die in der Urantechnologie eingepferchte Zirkelhysterie deutscher Verbote nicht warten. Allein schon dann wenn sich in China, Russland und Indien die Kerntechnik mit dem Brennstoff Thorium duchsetzt, wird klarer werden, daß die Kernfission tatsächlich eine Brückentechnologie ist - aber eine zur Kernfusion, nicht eine für den Wind. Aber mir scheint - zum Schluß bemerkt - auch in Ihrer Sicht der Alternativen noch etwas zu fehlen: Kernenergierzeugung nicht mit dem Brennstoff Uran, sondern Thorium. Das wäre ein Unterschied ums Ganze. Auch hier war die deutsche Kerntechnik einst führend; nun übernehmen das die Chinesen, demnächst mit zusätzlichem KnowHow aus Russland. Ambrose Evans-Pritchard war so hilfreich, diese Alternative in seinem letzten Beitrag im Torygraph darzustellen, bevor er sich ins Land der Mayas in Urlaub begeben hat: Safe nuclear does exist, and China is leading the way with thorium Vielleicht sollten Sie diese ganz andere Schiene auch bedenken. Mit besten Grüßen Peter G. Spengler
Sehr geehrter Herr Spengler, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Ihren Artikel im Handelsblatt zur Atomdebatte gelesen und möchte mich auf diesem Weg zu einigen Punkten Ihrer Argumentation äußern. Ich war Student der VWL an der LMU und habe alle drei Kernfächer der Finanzwissenschaft bei Ihnen gehört. Meiner Meinung nach, sollten bei der ökonomischen Analyse von AKWs, neben den Opportunitätskosten von alternativen Energieproduzenten und der Leistung für den Endverbrauch auch die Kosten noch einmal genau qualifiziert und quantifiziert werden. Zwei Kostenpunkte werden oft nicht berücksichtigt: Die Lagerkosten für den Atommüll und die ökonomischen Kosten von jeglichen Unfällen. Die Lagerkosten pro Jahr sind gering. Multipliziert man diese jedoch mit den „x-tausend“ Jahren, so nehmen sie insgesamt einen sehr hohen Wert ein. Die ökonomischen Kosten von jeglichen Unfällen bis hin zum Super-GAU sind enorm. Oft wird gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit der Unfälle niedrig einzuschätzen ist. Wenn man bedenkt, dass zwischen Fukushima und Tschernobyl nur 25 Jahre liegen und die Sowjetunion und wahrscheinlich alle Länder mit AKWs viele Unfälle und Gefahrensituationen gar nicht an die Öffentlichkeit bringen, kann man die Wahrscheinlichkeit als höher einschätzen als bisher gewollt. Ich glaube, dass die Leistungsfähigkeit eines AKWs unter der Berücksichtigung aller Faktoren deutlich geringer einzustufen ist als dies bisher der Fall war. Sie argumentieren ähnlich, wenn sie den Versorgungsgrad von Wind- und Sonnenenergie berücksichtigen. Zu einem einzigen Punkt in Ihrem Artikel möchte ich mich kritisch äußern. Sie vergleichen die Nutzung der Atomenergie mit dem Flug- oder PKW- Verkehr. Dieser Vergleich ist nicht ganz treffend. Beim größten anzunehmenden Unfall auf der Autobahn oder mit dem Flugzeug sind von dem Unfall „nur“ Menschen betroffen, die direkt beteiligt sind. Tschernobyl hat ein sehr großes Gebiet auf einen sehr dicht besiedelten Kontinent als nicht mehr lebensfähig gestaltet. Die Opfer von Tschernobyl sind in ganz Mittel- und Osteuropa verstreut. Ich finde es akzeptabler Deutschlands und Europas Landschaften in einen großen Windpark umzubauen, als in den nächsten x-hundert Jahren Gebiete in Europa zu haben, die bis zum Jüngsten Tag nicht mehr bewohnbar sind. Es gibt keinen Versicherer der hierfür eine Haftpflichtversicherung anbieten kann. Ich schätze Ihre Arbeit und Zeit sehr und erwarte daher keine Antwort. Trotzdem hoffe ich, dass Sie diese E-Mail gelesen haben.
Sehr geehrter Herr C., vielen Dank für den Kommentar. Unfälle durch Menschenhand, bei denen es Opfer gibt, die sich nicht bewusst der Gefahr ausgesetzt haben, gibt es haufenweise, auch durch den Verkehr. Es sind daran bislang sehr viel mehr Menschen gestorben als an Atomunfällen. Nichts ist absolut. Man muss immer abwägen. Das Endlagerproblem ist beim CO2 viel größer als beim Atom, denn man lagert ja in der Atmosphäre, und unterirdisch gibt es den Platz nicht. Ein Kubikmeder Kohle bringt mehr als 5 Kubikmeter flüssiges CO2. Um Biblis A, das einen halben Güterzug an Abfällen pro Jahr erzeugt, zu ersetzen, bräuchte man Kohlekraftwerke, die 6000 Güterzüge mit CO2-Tanks pro Jahr an Abfällen erzeugen, die in der Atmosphäre abzuladen sind. Ein Viertel des in der Atmosphäre abgelagerten CO2 verschwindet praktisch nie. Die mittlere Verweildauer ist 30.000 Jahre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Interesse habe ich Ihren Artikel Energiewende ins Nichts im Handelsblatt gelesen. Da für die Endlagerung keine vernünftige Lösung gefunden werden kann, sind auch angeblich sicherere AKW's höchstens eine sehr kurzfristige Lösung für unser Energieproblem. Interessant finde ich den Aspekt Kernfusion. Das Endlagerproblem ist reduziert auf 100 Jahre, geringere Radioaktivität, höhere Betriebssicherheit, verfügbare Rohstoffe, CO2-frei sind weitere Pluspunkte. Ich frage mich allerdings, warum die Kernfusion überhaupt nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Es muss doch gerade jetzt auch im Sinne der Politik sein, neue Technologie aus Deutschland zum Thema Energieerzeugung ins Gespräch zu bringen.Welche Gefahren birgt die Kernfusion, welche Nachteile bringt sie? Oder steckt man mit Cern, Wendelstein und Iter noch zu sehr in den Kinderschuhen der Entwicklung? Was denken Sie? Mit freundlichen Grüßen Stefan Bauer
Sehr geehrter Herr Bauer, ich glaube, die Politik ist einfach nicht rational und die meisten Wähler sind es auch nicht. Schon das Adjektiv „Atom“ ist emotional negativ besetzt, und da fällt so ein kleiner Unterschied wie zwischen Kernfusion und Kernspaltung schon gar nicht mehr ins Gewicht. Wir machen Emotionspolitik statt Sachpolitik. So richtet sich dieses Gemeinwesen zugrunde. Die hyperaktiven, aufbauschenden und emotionalisierenden Medien, die mit Sensationen um Marktanteile kämpfen, tragen dazu bei, dass die Politik sich immer mehr von der Sachebene löst und zur Gemütspolitik wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Frau Marquardt, bezugnehmend auf unser Telefongespräch von heute morgen, folgende Punkte: Von der DRV Bund bin ich anders beraten worden, als Herr Sinn in dem Artikel von 10.03.11 in der Zeit schreibt. Pro Kind erhält ein Elternteil 3 Rentenpunkte (seit 1992), ein Retnenpunkt ist derzeit 27 € wert, also steigtert sich die Rente um 80,- € pro Monat. Selbst bei einer "nur" druchschnittlichen Lebenserwartng der Frauen macht dies mehr als die genannten 11.000,- € aus. Zudem trägt diese Regelung der Selbstbestimmung der Frauen erheblich bei, da die 3 Punkte auf jeden Fall gutgeschrieben werden, auch denn die Frau keine 3 Jahre pausiert, sondern auch möglicherweise gleich nach der Geburt weiterarbeitet (so bin ich auf mehrmalige Nachfrage von der DRV Bund beraten worden). So diskrimiert werden die Frauen also vom Rentenwesen her nicht, seit 1992. Ich freue mich, von Ihnen zu hören
Sehr geehrte Frau L., vielen Dank für Ihre Anfrage. Prof. Sinn bezieht sich auf einen Forschungsbericht (ifo Forschungsbericht Nr. 27: Die fiskalische Bilanz eines Kindes im deutschen Steuer- und Sozialsystem), der vor einiger Zeit bei uns erstellt wurde. Bei den Berechnungen wird die Barwertmethode verwendet, weil zeitlich gestaffelte Zahlungen - wie eine längere Zeit laufende Renten - für eine zusammenfassende gegenwartsbezogene Bewertung abdiskontiert werden müssen. Man darf nicht einfach jährliche Euro-Beträge addieren, sondern nur deren "Barwerte". In dem Gutachten wird errechnet, dass kinderbezogene Rentenansprüche im Durchschnitt 4,5 Entgeltpunkte ausmachen (3 Punkte die Erziehungszeiten, 1,5 Punkte die evtl. Höherbewertung beitragsbezogener Ansprüche bis zum 10. Lebensjahr eines Kindes), und dann wird für eine Frau gerechnet, die derzeit 25 Jahre alt ist, mit 65 in Rente geht und bis 80 lebt. Die zeitliche Distanz und der als Diskontfaktor verwendete Zins (3,5% p.a.) sind für die am Ende ermittelte Zahl wichtig. Zu beachten ist aber, dass die von uns gleichfalls abgeschätzten Erträge eines Kindes für das Rentensystem bzw. andere Versicherte nach genau derselben Logik berechnet werden: als Barwerte des zukünftigen Zahlungsstroms der vom Kind (und allen seinen erwarteten Kindeskindern) entrichteten Rentenbeiträge, abzüglich der jeweils erhaltenen Renten. Änderungen der Annahmen ändern also zwar vielleicht die Zahlen, aber nicht (so sehr) die von Herrn Sinn angesprochene Relation zwischen beiden Einzelgrößen. Ich darf an dieser Stelle noch anführen, dass Ihnen die DRV natürlich richtige Auskünfte erteilt hat. Es ist nur eine andere Herangehensweise, weil nicht der Barwert ermittelt wird. Konnten wir Ihnen mit dieser Antwort weiterhelfen? Mit freundlichen Grüßen Annette Marquardt
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zuunächst besten Dank für Ihren sachlichen Gastkommentar in einer Zeit, in der vielen unserer Mitbürger Sachlichkeit und die Tragweite von ad-hoc-Entscheidungen bzw. den Forderungen nach solchen mindestens vorübergehend abhanden gekommen ist. Unabhängig vom Pro- oder Contra-"Atomkraft"-Votum des Einzelnen, machen Sie zu Recht darauf aufmerksam, daß ein Ausstieg nur über einen längeren Zeitraum darstellbar ist, wollen wir uns nicht der Grundlage unseres zukünftiges Wohlstandes entziehen. Selbst bei einem geplanten Ausstieg über einen vernünftigen Zeitraum, ist heute nicht abschließend zu klären, ob die regenerativen Quellen zu allen Jahreszeiten den künftigen Energiebedarf abdecken können, d.h. ob nicht auch in ferner Zukunft noch ein Minimum an Atomkraft unumgänglich ist. Deutlich zu kurz gekommen ist mir in Ihrem Beitrag, ein anderer Aspekt in der ökonomischen Betrachtung der Atomkraft. Ein Produktionsprozeß dessen Restrisiko (und nichts anderes hat sich in Fukushima realisiert; dies meine ich keineswegs zynisch, schon gar nicht, angesichts des Leidens der betroffenen Menschen) auf Versicherungsmärkten nicht versicherbar ist, weil keine risikoadäqauten Prämien berechenbar sind bzw. wären sie es, dann wäre die Atomenergie wahrscheinlich hoffnungslos überteuert im Vergleich zu anderen Energieträgern, ein solches Unternehmen bzw. Produkt hat in einer marktwirtschaftlichen Ordnung m.E. nichts verloren (Ihr Vergleich mit Flugzeugunglücken und Autounfällen ist nicht richtig, da es sich hier um "Restrisiken" handelt, jedes Schadenereignis sowohl räumlich als auch hinsichtlich der potentiellen Opferzahlen vergleichsweise sehr begrenzt ist - daher sind diese Risiken auch versicherbar). Nur durch eine entsprechend immens hohe Subventionierung (= Übernahme der Kosten durch den Steuerzahler im Fall der Realisierung des Restrisikos sowie der Kosten für Zwischen- und Endlagerung der Brennstäbe) kann die Atomenergie preislich "wettbewerbsfähig" gehalten werden (Der übliche Verweis auf die Deckungsvorsoge deutscher Kernkraftswerkbetreiber in Höhe von 2,5 Mrd EUR sowie die Gesamthaftung der Betreibergesellschaften und ihrer Mütter in Höhe ihres gesamten Vermögens halte ich nicht für überzeugend, da heute nicht absehbar ist, ob der künftige Marktwert mindestens dem Schadenswert entspricht.). Subventionierung jedweder Art (auch anderer Energieträger!) stellt eine Preisverzerrung dar und führt zu einer massiven Fehlallokation der Ressourcen, mit den entsprechenden (negativen) Konsequenzen für Wachstum und Beschäftigung sowie der Verschuldung der öffentlichen Haushalte. Aus diesem (marktwirtschaftlichen) Grund, und nicht wegen einer "grünen" Romantik, halte ich den Ausstieg aus der Atomkraft für geboten - so schnell wie möglich, aber ohne Hysterie. Mit freundlichen Grüßen Rudolf Just
Sehr geehrter Herr Just, wir stimmen weitgehend überein. Nur wäre ich bezüglich der Versicherbarkeit nicht so pessimistisch. Es gibt ja die sogenannten Cat Bonds, handelbare Versicherungskontrakte, die Naturkatstrophen abdecken. Und der Markt für CDS-Versicherungen lag vor der Finanzkrise bei 60.000 Milliarden Dollar (also etwa 45 Billionen Euro). Die Gesamtkosten der Katastrophe von Japan wurden zuletzt inklusive der Tsunami-Schäden auf 200 Milliarden geschätzt. Und wenn die Reaktoren versichert werden müssen, wird man sehen, ob sie sich noch lohnen. Das kann man dann abwarten. Sie haben völlig Recht, dass die möglichen Schäden internalisiert werden müssen, und das kann mit Hilfe von Versicherungen geschehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Leserbrief von gestern. Erlauben Sie mir dazu eine kurze ergänzenden bzw. Gegenargumentation. Bezüglich der prinzipiellen Identität der Risiken der Kernenergie mit anderen Lebensrisiken haben Sie Recht. Die Dachziegel und das Auto kann man ebenso wie die Kernenergie als Lebensrisiken einer wirtschaftlich hoch-entwickelten Welt ansehen, dem sich jeder aussetzt, der darin leben möchte. Diese Risiken stehen im Vergleich zu den Raubtieren und Hungersnöten unserer Vorfahren in einem durchaus vorteilhaften Verhältnis. Die Frage, ob ein Risiko bewusst oder unbewusst eingegangen wird, ist übrigens aus meiner Sicht nicht entscheidend. Die Verantwortung für das Einsetzen seines eigenen Verstandes liegt bei jedem Menschen selbst - das ist die zwingende Schlussfolgerung aus den Erkenntnissen Charles Darwins. Dennoch besteht ein Unterschied, wenn man den Erwartungswert der Dachziegel mit demjenigen der Kernenergie aus Sicht des Einzelnen vergleicht. Nach meiner Überzeugung und derjenigen meiner Mitarbeiter ist der Erwartungswert eines erheblichen Kernenergieschadens extrem viel höher als derjenige einer Dachziegel. Denn die systemischen Risiken der Kernenergie mit der Folge eines GAU - ob in Form eines Bedienfehlers (Ukraine) oder eines Konstruktionsfehlers (Japan) - sind viel höher als landläufig angenommen oder behauptet. Wir haben in einer Mitte 2010 veröffentlichten Prognose (siehe Anlage, u.a. veröffentlicht in www.competence-site.de, "Prognose der Wechselquoten ..." ) darauf hingewiesen, dass innerhalb von fünf Jahren mit einen solchen Vorfall außerhalb Europas zu rechnen ist, da eine Analyse der Systemfaktoren unter Einbeziehung menschlicher Verhaltensmuster (kulturell geprägte Befehls- und Hierarchiestrukturen in Japan und den USA) zu einer überraschend hohen Risikobewertung kommt. Bezüglich CO2 haben Sie ebenfalls Recht - CO2 kann allerdings als Energiespeicher dienen, wenn man es unter Zuhilfenahme von Sonnenenergie oder seiner Derivate (Wind, Wasserkraft, Biomasse, etc.) zur Herstellung von Methan nutzt. Damit füllt man den Speicher CO2-neutral wieder auf. Es dient also in der umgewandelten Form als Speicher für Sonnenenergie - der allerdings gegenüber den meisten übrigen bekannten Speichertechniken einen erheblichen Herstellungs- und Transportkostenvorteil besitzt, da er auf bereits vorhandener Infrastruktur - namentlich Gasnetzte und -speicher - aufbauen kann und für Verbrennungsmotoren geeignet ist. Eine kurze Darstellung finden Sie im beiliegenden Dokument "Simple Truth" auf der Seite 82. Mit freundlichen Grüßen Peter Jumpertz p.s. Im Moment gehen wir übrigens davon aus, dass die Gefahr durch libysche Spontanterroristen für französische Kernkraftwerke von den Sicherheitsbehörden Europas enorm unterschätzt wird. Bei einem Besuch am Flughafen Nizza kann man sich dieses Eindrucks selbst beim besten Willen nicht erwehren. In Anbetracht der möglichen Weiterentwicklung des "arabischen Frühlings" überprüfen wir daher zurzeit unsere Einschätzung bezüglich der regionalen Risikoverteilung der Kernenergie.
Betreff: Ihr Artikel "Mütter helfen" in "Die Zeit" vom 10.3.2011 Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr o. g. Artikel hat mir gut gefallen. Ich bin Diplom-Kauffrau (FH) und Mutter von 4 Kindern. Das Thema "Müttern helfen" interessiert mich sehr. M. E. wäre den Müttern am besten geholfen, wenn "Mutter als Beruf" eingeführt und bezahlt würde (die Tätigkeit von Müttern ist als Arbeit gesellschaftlich nicht anerkannt), und zwar für alle Frauen, die es wünschen (ich bin überzeugt, dies wäre die Mehrheit). Hierzu hat z. B. die bekannte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und Autorin Christa Meves ein Modell entworfen, was mir sehr gut gefällt. Was dazu fehlt, ist ein konkretes Finanzierungsmodell. Dies müßte noch erarbeitet werden. Das wäre wohl eigentlich Regierungsarbeit, doch so lange die Regierung das nicht will, wird sie an so einem Finanzierungsmodell nicht arbeiten. Wenn ich Zeit hätte, würde ich so etwas gern (mit)erarbeiten. Nur - als Mutter von 4 noch kleinen Kindern habe ich dazu keine Zeit. Ich weiß, dass schon verschiedentlich Leute versucht haben, so ein Modell fü! r ein Gehalt für Mütter zu erarbeiten. Nur - m. W. sind diese Modelle offensichtlich noch nicht bis zum Ende durchdacht (das wäre wirklich sehr, sehr viel Arbeit). Es müßte m. E. so sein, dass die Bedürfnisse ALLER Frauen - die, die ganz zu Hause sich der Familienarbeit widmen wollen und solche, die ihre Kinder fremdbetreuen lassen wollen für andere Berufsarbeit - abdecken. (wobei: ich denke, dass dann die wenigsten Frauen noch andere Berufsarbeit machen würden - weil es nämlich großer Stress ist bzw. nicht wirklich möglich ist, Familie und Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu kriegen. Und die Bedürfnisse der Kinder werden bei der gegenwärtigen Politik nicht mitbedacht (z. B.: kleine kinder unter 3 bleiben NICHT gern in der Kita - und Mütter haben eigentlich emotionale Probleme, sie abzugeben ... und die Kinder entwickeln bei unzureichender Bindung an die Mutter oftmals viele Probleme, z. B. Lernschwierigkeiten) Ich denke, wenn das Finanzierungsmodell und die Ausgestaltung des Berufes "Mutter" so gestaltet wäre, das es so plausibel und für alle vorteilhaft wäre, so dass NIEMAND mehr nein dazu sagen kann - und der Politik begründet vorgelegt wird, DANN gäbe es vielleicht eine Chance, dass es umgesetzt wird ...? Wie gesagt, ich würde mich gern damit beschäftigen, realistisch Zeit dafür werde ich aber wohl erst in einigen Jahren haben, wenn die Kinder selbständig sind und ggf. aus dem Haus ... Haben Sie eine Idee, was man tun kann, ganz praktisch, z. B. zur Entwicklung eines Finanzierungsmodells für den Beruf Mutter?
Sehr geehrte Frau S., haben Sie vielen Dank für Ihre Notiz. Ich habe kein direktes Finanzierungsmodell vor Augen, wohl aber ein Modell, bei dem den Müttern Rentenansprüche erwachsen, wenn sie Kinder großziehen. Ich habe das "Kinderrente" genannt. Die Kinderrente bietet sogar auch einen finanziellen Vorteil schon, wenn die Kinder klein sind, denn Eltern brauchen in meinem Modell nicht zu Riestern, während andere es müssen. Wenn Sie das näher interessiert: Dieses Modell ist in einem Kapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" das bei Econ und Ullstein erschien, dargelegt. Ich denke, Sie werden sich da wiederfinden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren Kommentar und Ihre Berechnungen zu dem europäischen Rettungsfond gelesen (www.voxeu.org, s. u.). Ihre Zahlen decken sich weitestgehend mit denen anderer Kritiker an einer Aufstockung, und in etwa meinen eigenen. Die Erfahrung hat mich allerdings gelehrt, dass der Markt Limite immer antestet, es sei denn sie sind sehr großzügig gesetzt. Auch mache ich mir immer stärkere Sorgen bzgl. Belgien, und der dort vorherrschenden politischen Paralyse. Den Medien habe ich entnommen, dass auch Sie überrascht wurden über die Kapitalflucht innerhalb der Eurozone, dargestellt im letzten Monatsbericht der Bundesbank (338 Mrd. Euro netto Forderungen innerhalb der Euro-Systems). Ich hatte mich bei meinen Schätzungen auf die ELAs der ZBs schwacher Länder gestützt (51 Mrd. Euro Irland, 20 Mrd. Euro Portugal, etc.), und war unter grober Abschätzung potenzieller Grauzonen „nur“ auf Größenordnungen um die 100 Mrd. Euro gekommen. Was die Buba Zahlen auf jeden Fall aufdecken, die Zerreißproben innerhalb des Euro-Raumes sind wesentlich höher als EZB Kommentare und aggregierten Zahlen vermuten ließen. Im Zentrum bleibt dabei der Banken- und Finanzsektor. Es erscheint mir daher fraglich, wie eine Rettung oder nachhaltige Stützung des Euro erreicht werden kann, ohne simultan den Banken- und Finanzsektor auf ein solides Fundament zu stellen? Ich wäre Ihnen oder einem Ihrer Kollegen oder Kolleginnen dankbar, wenn Sie mir folgende Fragen beantworten könnten: 1. sind bei Ihren Berechnungen die notwendigen Rekapitalisierungen der Banken berücksichtigt worden? 2. von welcher Höhe von Abschreibungen und EK-Nachschuss gehen Sie aus? 3. falls ja, zu welchem Zeitpunkt stehen Ihrer Meinung nach diese Nachschüsse an? Ich stelle mir die Frage, ob es nicht billiger und nachhaltiger wäre, wenn überverschuldete Länder, wie z. B. Griechenland, die Bedienung ihrer Staatsschulden aussetzen und einen hair-cut verhandeln. Da diese Länder während der Verhandlungsphase keinen Zugang zu den Kapitalmärkten haben, werden die EFSF Gelder zur Finanzierung des Haushaltsdefizits herangezogen. Selbst wenn dies für alle Peripherie Länder notwendig ist, so sollte ein niedriger 3-stelliger Milliardenbetrag ausreichen. Simultan dazu wird ein pan-europäischer Bankenrettungsfond aufgelegt. Zunächst werden die Institute dazu angeleitet ihre Bilanzen zu bereinigen. Aktionäre und nachrangige Anleihe tragen die Kosten. Und soweit notwendig springt der pan-europäische Rettungsfond bei der Rekapitalisierung ein. Dies wird offen und explizit nach außen kommuniziert, und begleitet von einer umfangreichen Liquiditätslinie durch EZB und ZBs. Die Kombination beider Fonds zusammen sollten die zur Verfügung gestellten 750 Mrd. Euro nach meiner Einschätzung nicht überschreiten. Der anstehende Entschuldungsprozess befindet sich aktuell am Anfang der Implementierung. Es erscheint mir nicht unrealistisch von einem mehr-, vielleicht 10-jährigen Zeithorizont auszugehen, in Griechenland könnte es eine ganze Generation dauern. Und das unter Annahme günstiger Refinanzierungskosten und keiner weiteren Marktturbulenzen. Bei der aktuellen Entwicklung an den Kapitalmärkten, insbesondere den Rohstoffmärkten, kommen mir aber ernsthafte Zweifel, ob wir überhaupt noch 12 Monate Zeit haben. Ein Beispiel, der Ölpreis (Brent) handelt inzwischen über 106 $/Barrel. Es wird geschätzt, dass ein weiterer nachhaltiger Anstieg um 10-15% konjunkturelle Auswirkungen haben sollte. Mein obiger Lösungsansatz findet im Endeffekt bereits schleichend statt. Weil er aber nicht klar definiert wird, zu enormen Kosten und mit potentiell katastrophalen negativen Nebenwirkungen.
Sehr geehrter Herr W., Ihre Vorstellungen von einem Haircut sind realistisch. Allerdings braucht man für die Finanzierung lange nicht einen solch großen Fonds, wie Sie unterstellen. Das ist ja das Ergebnis des Vox-Artikels. Kosten für die Rekapitalisierung von Banken und ähnliches sind dabei nicht direkt berücksichtigt worden. Vielmehr werden nur die durch die EU- und EZB-Aktionen eingegangenen Verpflichtungen dem Refinanzierungsbedarf und einer dreiprozentigen Nettoneuverschuldung gegenüber gestellt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, am Montag der vergangenen Woche haben Sie sich in einem Morgeninterview mit dem Deutschlandfunk zu Saudi Arabien geäußert, und zwar zu der Frage, ob es dort möglicherweise auch zu Unruhen kommen könne. Dabei haben Sie darauf verwiesen, dass die Bevölkerumg dort ja keine - wirtschaftliche - Not leide, und dass Unruhen somit unwahrscheinlich seien ( VERZEIHEN SIE, WENN ICH DEN WORTLAUT NICHT MEHR PRÄSENT HABE!! ). Ich war über diese Äusserung etwas verwundert bzw. sehr befremdet, denn die Frage ist ja keineswegs nur eine wirtschaftliche. Die Unruhen und der Widerstand gegen die Regierungen basieren ja auf eine ganzen Menge anderer - vor allem auch sozialer und menschenrechtlicher - Faktoren. So nimmt z. B. kaum jemand Bezug auf die vielen keineswegs auf Rosen gebetteten ausländischen ArbeitnehmerInnen in Saudi Arabien. Ich bitte Sie dringend, diese Aspekte in Ihre geschätzten Analysen aufzunehmen und darauf hinzuweisen. Freundliche Grüsse (ich würde mich über eine Antwort freuen)!
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für Ihre Nachricht. Sicherlich spielen auch soziale Dinge, die nichts mit materiellen Aspekten des Lebens zu tun haben, eine Rolle. Das will ich nicht verhehlen. Aber mir scheint doch, dass die Armut und Hoffnungslosigkeit der vielen jungen Menschen der arabischen Länder, die wegen der gestiegenen Nahrungsmittelpreise kürzlich noch gesteigert wurde, ein Ventil gesucht hat. Nun hofft man darauf, dass neue Machthaber die Armut überwinden werden, aber ich befürchte, die arabischen Länder werden doch nur vom Regen in die Traufe kommen. Um eine Demokratisierung im westlichen Sinne ging es jedenfalls bei den Aufständen wohl eher nicht. Ob die immer nur kurzfristig eingesetzten Gastarbeiter in Saudi-Arabien das Potenzial haben, sich politisch zu organisieren, wage ich zu bezweifeln. Insofern glaube ich in der Tat, dass kein Analogieschluss von den nordafrikanischen Staaten auf Saudi-Arabien möglich ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion vom 4. März 2011) Sehr geehrter Herr Sinn, herzlichen Dank für die umgehende Antwort. Bitte gestatten Sie mir, für meine Entgegnung die Welt der Äpfel und Birnen zu verlassen. In der Veröffentlichung des Economist ging es um die 'reale' Veränderung des BIP/Einwohner. Ich bin der Meinung, das muss man -je nach Erkenntniszweck- auf unterschiedliche Weise angehen. Hat man die Veränderung des BIP-Volumens im Auge (so wohl die Economist-Autoren), nimmt man das volumenorientiert deflationierte BIP pro Land (üblicherweise via doppelte Deflationierung gewonnen wie bei der Messung des wirtschaftlichen Wachstums). Geht es dagegen um den Realwert der BIP, so ist nicht der implizite Deflator zu nehmen, sondern ein auf die jeweilige Fragestellung antwortendes Inflationsmass Das heißt, es ist eine Entscheidung zu treffen bezüglich des adäquaten Deflationierungshorizonts. Sie vertreten die Position, es müsse auf jeden Fall ein Preisindex für den gesamten Währungsraum sein. Da bin ich nicht mit von der Partie. Man mag so vorgehen (da es um Adäquatheit geht, gibt es kein richtig oder falsch), zwingend ist es jedoch keinesfalls, und überzeugend meiner Meinung nach auch nicht. Angenommen, man nimmt den HVPI für die Eurozone. Dann misst man Inflation an den Waren und Dienstleistungen des Konsums in der gesamten Eurozone. Das mag mit Blick auf die Deflationierung des BIP aus zwei Gründen problematisch erscheinen: das BIP steht für mehr als nur Konsumgüter, und der im Eurozonen-HICP manifestierte Warenkorb ist beschränkt relevant für Deutschland. Was den Preisindex betrifft, schiene mir stattdessen ein Preisindex der Güter letzter Verwendung interessant. Und dann eher der landesbezogene als derjenige der Eurozone. Damit ergäbe sich die Veränderung der jeweiligen gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung unter Zugrundelegung eines Warenkorbs, der für die betrachtete Volkswirtschaft relevant ist. Bei dieser realwertorientierten Deflationierung werden die Änderungen der die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung mit determinierenden Relativpreise (von Produktionswert und Vorleistungen) nicht herausgerechnet.Geht man wie von Ihnen vorgeschlagen vor, werden die Terms of Trade des gesamtwirtschaftlichen Produktionsprozesses (relative Veränderungen von Output- zu Inputpreisen) zwar auch nicht angetastet, man eliminert aber auch inflatorische Komponenten, die für den betrachteten volkswirtschaftlichen Produktionsprozess irrelevant sind. Für Letzteres sehe ich allerdings keine inhaltlich-konzeptionelle Begründug in Ihrem Beitrag. Eine im übrigen hier nicht adressierte (aber durchaus reizvolle) Frage ist, wie obige Überlegungen zu intertemporalen Preisveränderungen sich verhalten zu Zeitvergleichen von Niveaus von Länderaggregaten unter Verwendung von Kaufkraftparitäten. Es ist offenkundig, dass Realvergleiche über Zeit und Raum konzeptionell nichttrivial sind. Dem Adäquationsproblem ist dabei sehr sorgfältig zu begegnen. Und dies insbesondere dann, wenn man - wie Sie in Ihrem Leserbrief an den Economist- aus den Rechnungen weitreichende Schlussfolgerungen zieht. Da Sie, so ich es nicht missverstehe, die Position vertreten, Statistiker (Sie meinen sicher die amtliche Statistik) verwechselten Äpfel und Birnen, wäre es sehr angemessen, wenn Sie diese offensiv mit ihren vermuteten Fehlern konfrontierten. Mit freundlichen Grüßen Joachim Recktenwald
Sehr geehrter Herr Recktenwald, es geht wirklich darum, was die Frage ist. Will man wissen, wie sich die wirtschaftliche Leistung eines Landes im Zeitablauf im Vergleich zu anderen entwickelt hat, muss man einheitlich deflationieren. Wenn ich zum Beispiel wissen will, wie sich die Leistung von BMW und Mercedes im Vergleich zueinander entwickelt hat muss ich die Entwicklung des Umsatzes oder der Wertschöpfung zu Marktpreisen nehmen, und dann ggfs. noch mit dem deutschen Preisindex deflationieren. Will man wissen, wie sich der Mengenabsatz entwickelt hat, kann man messen, wie sich die jeweiligen Stückzahlen entwickelt haben. Das entspricht einer Deflationierung der Umsätze mit einem Preisindex für Mercedes-Autos bei Mercedes oder BMW-Autos bei BMW. Die BIP-Deflation mit dem nationalen Preisindex ist letzteres. Sie liefert das Wachstum eines Mengenindikators. Die Deflation mit einem gesamteuropäischen Index (am besten natürlich ein BIP-Deflator statt eines Konsumindex, wie Sie erwägen) ist ersteres. Man erhält das inflationsbereinigte Wachstum von ökonomischen Werten. Wir bewegen uns hier im Elementarbereich der Wohlfahrtstheorie aus dem Grundstudium. Die Dinge sind meines Erachtens trivial. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betreff: Professor Sinns Leserbrief im Economist dieser Woche Professor Sinns Anmerkungen zur korrekten Deflationierung (Economist dieser Woche) überraschen. Sie stehen nicht im Einklang mit der international üblichen Praxis (basierend auf SNA und ESVG). Hat Herr Sinn die konzeptionellen Grundlagen seiner Auffassung anderweitig detaillierter dargelegt? Mit freundlichen Grüßen Joachim Recktenwald
Sehr geehrter Herr Recktenwald, wenn ein Bauer Äpfel, der andere Birnen produziert, und Sie wollen wissen, wer eine höhere Wertschöpfung hat, können Sie nicht den Umsatz des einen durch den Apfelpreis und den des anderen durch den Birnenpreis teilen, denn dann erhalten Sie die Apfel- und die Birnenmenge. Preise sind dazu da, unterschiedliche Güter vergleichbar zu machen. Also darf man bei einer Inflationsbereinigung in einem Wirtschaftsraum, wenn man Wirtschaftsstärke messen will, nur durch einen einheitlichen Preisindex teilen. Tut man das nicht, rechnet man neben der Inflation auch noch die Relativpreisänderung heraus. Konkret: Deutschland ist von 1995 bis 2010 vom dritten auf den zehnten Platz im BIP pro Kopf zurück gefallen. Diese Aussage macht nur Sinn, wen Sie sie auf der Basis einer Marktbewertung der Produktion vornehmen, und sie ist robust, gleichgültig ob Sie sie in Nominalwerten treffen oder durch den harmonisierten Preisindex für den Euroraum teilen. Wie man deflationiert hängt immer von der Fragestellung ab. Wenn ich wissen will, um wie viel Prozent die Apfelmenge beim einen Bauern und die Birnenmenge beim anderen Bauern gewachsen ist, kann ich durch spezifische Preisindices teilen. Das wäre sinnvoll, wenn der eine Bauer sich von Äpfeln und der andere von Birnen ernährt und ich wissen will, wie sich der Lebensstandard verändert hat. Vielleicht kann ich an solchen Zahlen auch interessiert sein, wenn ich ein Maß für die Steigerung der technischen Effizienz gewinnen will. Wenn es aber um Markterfolge und ökonomische Wirtschaftsleistung geht, muss ich die Erfolge der beiden Bauern vergleichen, indem ich die Marktpreisrelationen nutze, um unterschiedliche Mengen vergleichbar zu machen. Ich hoffe, diese Ausführungen waren Ihnen nützlich. Es geht hier um recht einfache, aber fundamentale Sachverhalte, die manch ein Statistiker vielleicht aus dem Blick verliert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
HB 10.12.10 – „WIEDER DIE GLEICHEN FEHLER“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, nach den vielen widersprüchlichen Kommentaren und Forderungen der vergangenen Wochen zur Euro-Krise hat Ihr wohlfundierter Artikel die Dinge auf den Punkt gebracht. Gestatten sie mir, dass ich noch einiges anmerke: Ich erinnere mich, dass in der Vor-Euro-Zeit in den 70’er-Jahren, Staaten mit starkem Abwertungsrisiko wie z.B. Italien, für Anleihen drei bis fünf Prozent höhere Zinsen zahlen mussten. Das war damals völlig normal und hat keinerlei Kommentare ausgelöst. Warum sollte es also heute für Länder wie Griechenland, Irland und Portugal so schwerwiegend sein, ebenfalls höhere Zinsen bezahlen zu müssen? Weiter glaube ich, dass die Märkte die „Umbrella-Theorie“ aus der Zeit der Ost-West-Spaltung Europas wieder aufleben lassen werden, die besagte: im Ernstfall wird die Sowjetunion für Schulden der Satelliten- Staaten aufkommen, auch ohne formale Garantie. Das führte seiner Zeit zu erträglichen Zinskonditionen im Handelsverkehr mit jenen, teil- weise wackeligen Ländern (z.B. Rumänien). Der in diesem Jahr von der EU geleistete Beistand für bedrohte Euro-Länder bestätigt die Richtigkeit einer solchen „EU-Umbrella-Vermutung“ und dürfte daher die Zinssätze für die betroffenen Länder nicht in den Himmel schiessen lassen. Unbedingt muss jedoch die wirtschaftliche Leistungskraft Griechenlands, Portugal, Irlands auch Spaniens gestärkt werden, damit eine reale Chance für eine Gesundung und Schuldenrückzahlung geschaffen wird. Das kann nur mit Hilfe ausländischer Investitionen geschehen. In den 70’er Jahren gab es in Deutschland ein Gesetz über steuerliche Vergünstigungen für Investitionen in Entwicklungsländern. Das hat zwar hauptsächlich zu schlecht konzipierten Hotelprojekten auf den Kanaren geführt, viele Anleger haben Geld verloren, aber man könnte es heute sicher besser machen und zwar auf europäischer Ebene. Es gibt den EU-Strukturfond, der entsprechend modifiziert werden könnte um sinnvolle Investitionen in diesen Ländern zu fördern. Sie beklagen, dass deutsche Ersparnisse in den vergangenen Jahrzehnten mehr im Ausland als im Inland zu Investitionen verwendet wurden. Neben grossen Projekten im Wachstumsmarkt China, ist viel Geld nach Osteuropa geflossen, da für Produktionsbetriebe dort die Investitionen aufgrund niedriger Löhne lukrativer waren. Diese Investitionen waren langfristig sicher sinnvoll, da sie der deutschen Industrie gleichzeitig neue Märkte eröffnet haben. Um aber Anreize für Investitionen in Deutschland zu schaffen, sollte bei den Abschreibungsregeln für Ausrüstungen angesetzt werden. Schon in Anbetracht der demografischen Entwicklung braucht Deutschland eine kapital- und nicht personalintensive Industrie. Weiter senkt der Einsatz automatischer Fertigungsprozesse die Kosten, sodass wir auch gegenüber Billiglohnländern wieder konkurrenzfähig sein werden. Der deutsche Maschinenbau hat das Potential Anlagen zu entwickeln, die eine kostengünstige Produktion in Deutschland vieler Artikel erlauben würde. Warum musste die Handy-Produktion in Deutschland eingestellt werden? Hätte deutsche Ingenieurskunst nicht Anlagen zur vollautomatischen Herstellung entwickeln können? Mit günstiger steuerlichen Abschreibung dieser Investitionen wäre dies sicher für alle Beteiligten attraktiv gewesen. Der Vorteil ist zudem, dass solche Anlagen aufgrund des deutschen Knowhows im Maschinenbau im Lande entwickelt und gefertigt worden wären, um eines Tages, wenn auch in China und Indien die Löhne steigen, ein Exportschlager zu werden. Der taiwanesisch-chinesische Elektronik-Zulieferer, Foxconn, plant Fertigung in den USA mit vollautomatischen Fabriken ohne Beschäftigte! Solche Pläne sollten eigentlich aus Deutschland kommen! Die Wirtschaft hat sich in dieser Richtung noch nicht geäussert. Es scheint mir, die deutschen Unternehmen wollen wieder den einfachen Weg mit preiswerten Fachkräften von ausserhalb der EU gehen, statt in moderne Anlagen zu investieren. Letzteres mindert zunächst die Rendite, worauf besonders Unternehmen mit Beteiligung von Finanzinvestoren Rücksicht nehmen müssen. Langfristig verschlechtert eine veraltete Industrie aber die Wettbewerbsfähigkeit im Weltmarkt. Die Ökonomie sollte sich über diese betriebswirtschaftlichen Bedenken hinwegsetzen und für eine kapitalintensive, moderne Industriestruktur in Deutschland plädieren. Mit freundlichen Grüssen HORST E. BÖTTCHER
Sehr geehrter Herr Böttcher, vielen Dank für die tiefschürfenden Beobachtungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herren Professoren, endlich lese ich wieder was vernünftiges. Allerdings kommt es etwas spät. Ja, vor allem die Bundesregierung, aber auch die beteiligten europäischen Finanzminister haben beim finanzpolitischen Schutzschirm für Griechenland und Co. solange rumgekaspert, bis die risikobereiten Profis im Besitz der Staatsanleihen waren und nun neben den hohen Zinsen auch noch die europäischen Garantien für die Rückzahlung haben. Feine Leistung. Zu allem Überfluss hat man diese Garantien eben nicht auf zB 70 oder 60 % der Anleihen beschränkt, so dass die Anleihekäufer, -besitzer und neuen Investoren eben nicht mitbelastet werden. Ich bin aber fast sicher, dass die lange schlecht geredeten Anleihen von den seit 2008 als Käufer auftretenden neuen Investoren eben nicht zu 100, sondern mit erheblichem Abschlag gekauft wurden, womit sich das Geschäft zum dritten nochmals besonders lohnend gestaltete. Fast ist man versucht, zu sagen, die beteiligten Investmentbanker haben sich so zu Recht ihre Boni verdient. Daß man es diesen Leuten zu Lasten der Steuerzahler aber so einfach macht, lässt mich schon zornig werden. Ich behaupte seit mehreren Jahren, dass der finanzpolitische Verstand vollständig entstaatlicht wurde und dass dieser Umstand zum eigentlichen und wohl dauerhaften Sieg des Neoliberalismus (oder wie das Programm auch immer hieß) geführt hat. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr V., der Vorschlag mit der Insolvenzordnung ist nicht erst jetzt von uns gekommen. Ich habe seit dem Mai schon in drei größeren Publikationen und mehreren Interviews diesen Vorschlag gemacht. Sie finden die Sachen bei uns auf der Homepage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn Danke das Sie die Sendung gerade ertragen haben (Illner-ZDF). Ich danke Ihnen für Ihre Beiträge in der Disskusion. Als ich mir zusammen mit meiner Frau die Vorstellung der Teilnehmer ansah, tippten wir gleich zu Beginn, dass man Sie als Sündenbock eingeladen hatte. Ich danke Ihnen für Ihre Sachlichkeit und stimme Ihne zu, dass die Umweltproblematik neu grüne Religion geworden ist. Auch wenn Ihre Stimme nicht gern ghört wird von der Mehrzahl meinen Befall haben Sie.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für den Zuspruch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag ist die Fortsetzung der Diskussion vom 30. September 2010) Es dreht sich hierbei um die Wirkungsmächtigkeit heutiger volkswirtschaftlicher Theorien, Wirkungsmächtigkeit im Habermas“schen Sinne, daß diese Überlegungen im internationalen Diskurs „Fahrt“ gewinnen. ( Es sei angemerkt, daß im Raum des internationalen Handelsrechtes, vielleicht auch anderer Rechtsgebiete, das ANGELSÄCHSISCHE Element immer mehr die internationalen Handelsabläufe und Standards bestimmt). Dies ist m.E. nicht ausschließlich eine Frage der Dominanz des Amerikanisch-Englischen als lingua franca). – Ich denke, daß sich die deutsche, theoretische Ökonomie auf einem sehr hohen und differenzierten Niveau der Analyse und des Perspektive-Einnehmen-Könnens bewegt. Das sollte doch unsere Ökonomen veranlassen, in der internationalen maßgeblichen Presse massiver auf zu treten. Deutschland kann seine Spitzenposition – jetzt bedrängt von China und anderen wichtigen Schwellenländern – leicht auf Dauer verlieren, wenn wir nicht die theoretische „Deutungshoheit“ über das weltwirtschaftliche Geschehen im Auge behalten. Ich mag diesen Begriff der Deutungshoheit eigentlich gar nicht, aber man muß sich leider so verquast ausdrücken. Gemeint ist, daß auch theoretische Kompetenz ein ganz, ganz wichtiges Exportgut ist! Übrigens müßte sich auch Minister Brüderle um solche Fragen m.E. mehr kümmern… zusammen mit Frau Schavan. Gruß an Sie persönlich nach München und natürlich an Herrn Professor Sinn. sigurd schmidt
Sehr geehrter Herr Schmidt, ich kann Ihnen nur beipflichten. Es ist eminent wichtig, dass wir Deutschen uns die Deutungshoheit nicht aus der Hand nehmen lassen. Die Interpretation des deutschen Außenhandelsüberschusses als Zeichen der Stärke statt als Ergebnis der Kapitalabwanderung ist der größte gedankliche Fehler der europäischen politischen Klasse. Deutschland muss sich gegen diesen Fehler zur Wehr setzen, auch weil seine Anerkennung als angeblich richtige Aussage, teure politische Konsequenzen hätte. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mithelfen würden, die Politiker von der Wichtigkeit dieses Gegenstandes zu überzeugen. Vielleicht hören sie dann besser zu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr.Sinn, in der FAZ vom 20.09. ist zu lesen, dass Sie die Meinung vertreten, dass Deutschland vor einem Superboom steht. Da Ihre Meinung für mich Gewicht hat, ich Sie beim Peutinger- Colleg auch schon einmal gehört habe, erlaube ich mir die Frage, ob Sie das wirklich so gesagt haben und wenn ja, wie lang Ihrer Meinung nach der Boom dauern wird. Mit besten Grüßen Dr. Dieter Scheidemandel
Sehr geehrter Herr Dr. Scheidemandel, ja das habe ich so gesagt. Aber zugleich habe ich ausgeführt, dass ich an eine langanhaltende Strukturveränderung zu deutschen Gunsten denke, die weit über die Konjunkturzyklen hinausreicht. Es ist keine Aussage, die übernächstes Jahr, wenn vielleicht aus Amerika die nächste Nachfragekrise kommt, gelten muss. Die Konjunktur ist die Schwankung um den Trend. Ich meine aber den Trend, und der ist nun positiv, weil sich das Risikobewusstsein der Anleger ändert. Viel Geld, das ohne die Krise wieterhin ins Ausland gegangen wäre, wird nun hier bleiben und einen Bauboom erzeugen. Die Auftragsbestände der Architekten sind heute schon größer als je zuvor in den letzten 15 Jahren. Nur noch eine Bedingung muss ich nennen. Wenn die Euro-Rettungspakete in dieser Form unbefristet verlängert werden, werden wir wieder in das alte Entwicklungsmuster zurückfallen, weil wir dann unseren Konkurrenten auf dem Kapitalmarkt mit unserer Bonität zu billigen Krediten verhelfen. Wenn aber Frau Merkel hart bleibt, dann wird Deutschland wieder ein Investitionsstandort. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, ich muss Ihnen viele Komplimente machen für Ihre Engelsgeduld und Ihre unglaubliche Toleranz in der Talkshow "M.Illner" soeben im ZDF. Wie schmerzhaft muss es sein, sorgsam zuzuhören und den Mund halten zu müssen, weil a eine sensationsfreudige Moderatorin b ein cleverer, aalglatter, aber nicht sehr kompetenter Minister c ein angeberischer Latif, der allzu gerne riesengroße Sprüche ablässt d ein total naiver, emotionaler (ernsthaft bemühter??) Schauspieler e eine fanatisch indoktrinierte sozialistisch-religiöse junge Wilde alle ihre Sprüche absondern wollen. DANKE, dass Sie es auf sich nehmen, solche zutiefst qualvolle Veranstaltung durchzustehen und trotz allen Gegenwindes, trotz allen emotional geäußerten Schwachsinns immer wieder Ihre vernünftige Meinung zu vertreten. Wenn Sie nicht dabei gewesen wären, hätte ich abgeschaltet, weil das hoffnungslos indoktrinierte Personen (naive dt. Weltverbesserer), ein geltungsbedürftiger Klimaforscher und ein überaus aalglatter Minister waren. Ist diese derzeit typische Diskussionskultur in unseren Medien noch zu retten? Alle müssen gleichberechtigt zu Wort kommen, jeder selbstgekochte Quatsch, jede verdrehte Ansicht ist ein "berechtigter Diskussionsbeitrag". Beste Grüße Ihr Christoph Buchal (Forschungszentrum Jülich und Uni Köln, Autor von "KLIMA" und "ENERGIE")
Sehr geehrter Herr Buchal, haben Sie vielen Dank für die Mitteilung. Wenn man sich auf das Medium Talkshow einlässt, bleibt nichts anderes übrig, als Geduld zu wahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Mit Vergnügen habe ich beobachtet, wie hilflos Herr Röttgen Ihren Argumenten entgegnete.Bei der Abwahl der (Klima-) Kanzlerin wird er dann stolz seine Erneuerbaren via EEG, einschließlich der für die deutsche Stromversorgung völlig unnötigen PV-Anlagen,hervorheben. Eine Schande für Deutschland-schon wieder ein Fachminister ohne Sachverstand, der nicht einmal die Wirkungsweise des derzeitigen Emissionshandels verstehen will-.Er redet von der europäischen Vorreiterrolle und von der einmaligen deutschen erneuerbaren Technik, obwohl z.B. China 2009 für 2,54 Milliarden PV-Module nach Deutschland exportiert hat.Politik ohne Substanz und ökonimische Basis! MFG Harald Lutz Dipl. Ing.
Sehr geehrter Herr Lutz, haben Sie vielen Dank für die Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, habe neugierig die Sendung im ZDF verfolgt! Es ist unglaublich das es nicht gelingt dem Deutschen Volk klarzumachen, wie die Weltwirtschaft funktioniert. Die glauben wirklich man kann das Klima verändern, wenn man Umweltstrom kauft und 100 auf der Autobahn fährt. Ich glaube Sie haben Recht. Wenn es nicht gelingt ein Globales Modell zu finden verlaufen die nächsten 50 Jahre im Sand und "wir" werden nur abkassiert von einer gerade entstehenden Umweltindustrie. Es kommt nichts Messbares dabei raus. Es schockt mich, wenn eine ganze Nation einem Schauspieler, einer "Linken Grünen mit Wahnvorstellungen" (Entschuldigen Sie!), einem frisch gebackenen Umweltminister der den ganzen Tag Zucker von der Industrie in den Arsch geblasen bekommt und einem Meteorologen, der nur Auswirkungen propagiert, besser zuhört als einem Mann wie Ihnen, der endlich mal den wahren Ablauf der Sache überhaupt schildern kann. Wenn das so einfach wäre wie "die" Glauben, dann hätten wir kein Problem, denke ich. Vielen Dank und beste Grüsse aus Niederbayern Thomas Feilmeier
Sehr geehrter Herr Feilmeier, vielen Dank für den Kommentar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Ich habe mit Interesse Ihre Aussagen in einem FAZ-Artikel zur DIW-Studie über die schrumpfende Mittelschicht gelesen. Sie zitieren dort aus der OECD-Studie "Growing unequal" dass rund 80% der steigenden Ungleichheit sich auf geänderte Haushaltsstrukturen zurückführen lassen. Diese Zahlen sind allerdings falsch und auf einen Übertragungsfehler zurückzuführen, was mittlerweile von den Autoren der Studiebestätigt wurde. Wir haben eine ähnliche Analyse durchgeführt: http://ftp.iza.org/dp4770.pdf Diese Version überarbeiten wir gerade für eine Resubmission - bei Interesse kann ich Ihnen die überarbeitete Version in ein paar Wochen senden. Unabhängig von der Äquivalenzskala (und auch ohne) finden wir, dass der Anstieg der Ungleichheit vor (nach) Steuern und Transfers zu rund 55% (15%) mit geänderten Haushaltsstrukturen in Verbindung steht. (Die Zahlen ändern sich durch ein umfassendes, rückwirkendes Datenupdate des SOEP etwas im Vergleich zum IZA-Discussion paper). Für Rückfragen hierzu stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Beste Grüße aus Bonn und bis spätestens zur IIPF-Konferenz Andreas Peichl
Lieber Herr Peichl, das ist sehr interessant. Ich habe in der Tat die OECD zitiert. Die 80%-Zahl stammt von dort und wurde von mir letztes Jahr im Frühjahr, als ich meinen Artikel schrieb, zitiert. Allerdings sind Ihre 55% immer noch mehr als die Hälfte. So falsch lag also die OECD nicht. Bitte schicken Sie mir Ihre Studie. Meine Kritik ist aber fundamentaler. Ich finde, man kann nicht einfach bei Singles eine Bedarfsgewichtung vornehmen und die Einkommen mit 77% multiplizieren und dann die so künstlich verkleinerten Einkommen der Einkommensverteilung zuführen, für die man dann die Verteilungsmaße berechnet und interpretiert. Die Mittelstandsgrenze liegt dann nicht bei 70% des Median, sondern in Wahrheit bei 91%, ohne dass das klar gemacht wird. Das ist eine schlimme Irreführung der Öffentlichkeit, weil das Werturteil, wieviel Singles mehr an Geld brauchen, bereits in die Daten einfließt. Ich habe einmal gelernt, dass Daten und Interpretation streng zu trennen sind. Dieses Fundamentalprinzip der seriösen volkswirtschaftlichen Analyse wird mit der Bedarfsgewichtung durchbrochen. Die Öffentlichkeit interpretiert und bewertet Daten, die selbst bereits durch ein Werturteil manipuliert wurden. Ich hoffe, Sie schließen sich dem nicht an. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr K., leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Interesse lese ich Ihre Interviews und Artikel, zuletzt in der Welt am Sonntag über "Das ist Neoliberlismus". Sie selbst haben sich schon öfter über die Gründe der Finanzkrise geäußert, auch in diesem Artikel. Ich möchte dazu ein paar Dinge anmerken. Es wird nicht nur von Ihnen sehr oft von "die Banken in D..." gesprochen. Ich denke man muss im Bezug auf die Finanzkrise ganz deutlich zwischen privaten und staatseigenen bzw. Landesbanken unterscheiden. Bei den staatseigenen Banken sind schätzungsweise über 200 Mrd EUR an Verlusten entstanden, die der Steuerzahler zu tragen hat. Die Geschäftsmodelle dieser Banken konnten in der Vergangenheit ohne Einschränkung von der Politik über die entsprechenden Gremien (Aufsichtsrat) bestimmt werden. Eine Änderung von Gesetzen oder Regeln wäre im Bezug auf diese Banken nicht notwendig gewesen, da die Politik auch bereits in der Vergangenheit andere Geschäftsmodelle mit verringertem Risikoprofil hätte umsetzen können. Das Problem bestand darin, dass diese staatseigenen Banken jahrelang gute Erträge erwirtschaftet haben und sich deshalb kein Politiker um ein erhöhtes Risiko gekümmert hat. Da viele Politiker auch nicht über die entsprechende Ausbildung z.B. als ehemaliger Bankmanager verfügten, konnten die Aufsichtsgremien das Risiko auch nicht richtig einschätzen. Um zukünftig im Bezug auf die Staatsbanken etwas zu ändern müssen keine Gesetze geändert werden, der Staat oder die Länder können bereits jetzt zu 100% bestimmen, was getan werden soll. Im Gegenteil zu den Staatsbanken haben in Deutschland nur 2 private Banken (HRE und Commerzbank) staatliche Hilfen beantragt. Verluste sind dem Steuerzahler selbst durch diese Investments noch nicht entstanden! Kann man aus 2 gescheiterten Geschäftsmodellen deutscher Privatbanken überhaupt ableiten, dass in diesem Bereich gravierende Fehler gemacht worden sind und darf man aufgrund dieser 2 Banken von "die Banken in D" sprechen? Ich würde sagen man darf es nicht! Deutschland ist im Gegensatz zu vielen anderen Ländern eher ein Vorbild wie ein Bankensystem funktionieren kann ohne den Staat in Krisensituationen schwer zu fordern (wie z.B. in den USA, UK). Sie sagen, dass die Hinterlegung der Bankgeschäfte mit mehr Eigenkapital eine Krise verhindern kann. Aus meiner Sicht ist das im Bezug auf Deutschland nicht richtig, denn weder die HRE noch die Commerzbank hätten durch mehr Eigenkapitalhinterlegung Ihre spezifischen Probleme verhindern können. Lediglich die Staats- und Landesbanken hätten einen kleinen Teil weniger in die Kreditersatzgeschäfte investieren können. Das Problem lag im Falle der Hypothekenwertpapiere, die die Landesbanken gekauft haben, doch in der falschen Bewertung des Risikos durch die Ratingagenturen und durch die Banken und deren Gremien selbst. Eine höhere Eigenkapitalanforderung hätte deshalb nicht dazu geführt, dass die Banken diese Papiere nicht gekauft hätten, man hätte nur etwas weniger davon genommen. Aus meiner Sicht wäre folgendes hilfreich: - Die Gremien der staatseigenen Banken dürfen seitens des Gesellschafters nur mit Personen besetzt werden, die entsprechende Erfahrung (z.B. ehemals Bankvorstand) vorweisen können. Diese "professionellen" Gremien entscheiden dann mit dem Gesellschafter (Staat und deren Vertreter) über das Risikolevel. Bei der Umsetzung des Geschäftsmodells oder aber bei deren Kontrolle agieren nur die entsprechenden Gremien selbst. - Die Bankenaufsicht muss eingreifen (können), wenn man wie im Falle der HRE durch die Prüfung mit eigenen Wirtschaftsprüfern erfährt, dass hier ein Geschäftsmodell gefahren wird, dass stark risikobehaftet ist und nicht mit den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns vereinbar ist (langfristige Kredite zum größten Teil kurzfristig zu refinanzieren). - Basel II erweitern und die Anforderungen an das Risikomanagement (MaRisk (BA))besser definieren, um der Bankenaufsicht schnelle Einsicht und Vergleichbarkeit zu ermöglichen, aber auch um den Gremien selbst bessere Transparenz zu geben. Dieses gilt in erster Linie für Deutschland, für andere Staaten mögen noch ganz andere Maßnahmen notwendig sein. Wir sollten unser deutsches System nicht schlechter reden als es ist (Privatbankensystem). Aus meiner Sicht kommt eine selbstkritische Haltung der Politik über die selbst zu verantwortenden Verluste in den staatseigenen Banken viel zu kurz uns sollte von Vertretern der Forschungs- und Bildungsinstitute deutlicher kritisiert werden.
Sehr geehrter Herr B., Sie haben natürlich völlig Recht mit Ihrer Kritik an den Landesbanken. Ich habe übrigens diese Kritik schon in einem Buch über die Landesbanken, das vor gut zehn Jahren bei Beck erschien, formuliert und vor den Geschäftsmodellen gewarnte. Das Basel-System reguliert aber auch die Privatbanken zu wenig. Dazu habe ich in meinem Buch Kasino-Kapitalismus, das gerade in dritter Auflage herauskam, ziemlich viel geschrieben. Ich bin skeptischer als Sie. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihren obigen Artikel gelesen. Daß der Euro durch die EU Maßnahmen weiter nach unten gedrückt wird, war mir auch von vornherein klar. Doch die ökonomischen Konsequenzen für Deutschland sind mir erst durch Ihren Beitrag richtig klar geworden. Danke für Ihre klaren Worte! Wenn sie nur die Politiker erreichen würden.
Lieber Herr S., vielen Dank für die Stellungnahme. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn Zu Ihrer Information: Auf der Seite http://www.energie-lexikon.info/ag_klimaschutz.html habe ich eine Kritik ihrer Argumentationskette im NZZ-Interview vom 05.06.2010 veröffentlicht. Ich bin entschieden der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Argumentation schwer daneben liegen, verspreche aber gleichzeitig, diese Ansicht und den Artikel umgehend zu korrigieren, wenn Sie mich vom Gegenteil überzeugen. Mit freundlichen Grüßen Rüdiger Paschotta
Sehr geehrter Herr Paschotta, ich will Ihrer Aufforderung gerne nachkommen. Sie verweisen darauf, dass die Ölscheichs auf Preissenkungen mit einer Angebotseinschränkung reagieren. Das ist richtig, sofern es um eine temporäre Preissenkung geht. Die Scheichs vergleichen nämlich die Barwerte der erwarteten Preise für alle Zeitpunkte und planen dort zu verkaufen, wo der Barwert am höchsten ist. Fällt in einer Periode der Preis, reagieren sie stark negativ mit den Mengen. Temporäre Preisschocks verursachen also Mengenreaktionen. Anders ist es bei permanenten Preisschocks. Wenn der Barwert des Preises für alle Perioden in gleichem Umfang sinkt, kann man nicht mehr ausweichen. Dann gibt es keine Mengenreaktionen. Die Mengenreaktionen können dann sogar falsch herum gehen in dem Sinne, dass man bei Preissenkungen mehr anbietet. Das ist genau dann der Fall, wenn erwartet wird, dass einer die Ökosteuern im Laufe der Zeit immer stärker werden und der Barwert des Preises für zukünftige Perioden mehr sinkt als in der Gegenwart. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Abend Herr Prof Sinn, ich bin Student, und möchte gerne einen Kommentar verfassen, erst einmal gilt Ihnen ein großes Dankeschön, dass Sie in vielen Sendungen fast ausnahmslos in einer einfachen Weise , dargestellt haben, inwiefern sich unser Land, unsere Volkswirtschaft, befindet und befinden wird. Genau, wenn man teurer ist, muss man auch besser sein. Es mag Ausnahmen geben, aber die Trendlinie wird sich über die Nationen ausbreiten, ob die es wollen oder nicht. Wenn man aufsteht, als große Volkswirtschaft, kann es sein, dass eine Bahn daneben das Land viel weiter ist. Man kann sich große Muskeln antrainiert haben und den Siegesstolz, aber manchmal sind die dünnen und flinken Beinchen der anderen ausreichend,um dennoch schneller zu sein. Ohne Frage - ein Dilemma. Man möchte die Menschen nicht vertäufeln, die sich wundern, dass es Veränderungen gibt. Aber leider gibt es sie, die Geschwindigkeit wird gedrosselt durch den Staat, aber die Bremskraft wird auf Dauer die Entwicklung nicht kompensieren können.Der Bremsstreifen wird nur länger und vielleicht auch dunkler. Der Grundgedanke von nationaler Verschuldung war ja bestenfalls der "Multiplikations-Effekt". Vielleicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft, aber der Staat ist kein Unternehmen. Der Staat nimmt kein Kredit auf, um die nächsten Jahre Ernte einzufahren. Ich verstehe nicht, warum führende Volkswirste das anders sehen. Natürlich sollte der Staat intervenieren in Krisen und investieren in die Zukunft. Dass leider auch langfristig nicht gesichert ist, dass die Investition in Bildung im Land bleiben, ist eine andere Sache. Aus meiner Sicht ist es mindestens gewagt, wenn man als führender Politiker in Sendungen, die ein großes Publikum erreicht, immer von Exportweltmeister spricht. Man kann nur exportieren, wenn man zuverlässig ist (Rechtssystem), die Technik hat (Know How) und die Qualität erbringt. Die Chinesen holen auf. Sie sind talentiert und lernfähig. Was wird aus unserer Export-Weltmeisterschaft, wenn 10 Meter vor dem Ziel eine andere Nation schneller vorher im Ziel ist, sind vielleicht Subventionen Sportschuhe, die uns erstmal schneller werden lassen ? Andreas Müßener
Sehr geehrter Herr Müßener, vielen Dank für diese Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Artikel über den Neoliberalismus ist ja sehr nett aber Leuten die sich damit befassen sicherlich bekannt. Fragen muss man sich, wieso das Wort Neoliberalismus einen so schlechten Ruf bekommen konnte. Ich finde es waren Professoren und Experten wie Sie, die Ihre Meinung über Regeln viel zu spät verdeutlichen. Jetzt den Mund öffnen um das Wort "Neoliberalismus" zu retten wird den Verlierern dieser Krisen nicht gerecht und dient nur als Beschönigung um vielleicht sogar Sturköpfen wie der FDP ein "weiter so" zu ermöglichen. Wenn Sie es ernst meinten wären sie vor Jahren der Vereinigung Attac beigetreten. Diese als Chaoten beschriebenen Menschen hätten meinungsmachende Schwergewichte wie sie gebraucht. Mit freundlichen Grüßen Bernhard Kühn PS: In Ihren öffentlichen Auftritten schaffen Sie es nie Sachverhalte eindeutig zu erklären. So werden Sie immer wieder missverstanden. Verstanden werden Sie nur von Menschen die sich mit der Materie auseinander setzen. Das reicht bei einem öffentlichen Auftritt gerade mal dazu als Buhmann herzuhalten.
Sehr geehrter Herr Kühn, leider hat die Redaktion den Hinweis auf die historischen Ursprünge des Neoliberalismus herausgestrichen (1938!). Daran hätten Sie erkannt, dass es nicht um eine Ex-Post-Rechtfertigung ging. Der volle Text wird im nächsten ifo-Schnelldienst erscheinen, der nächste Woche herauskommt. Wir stellen ihn umsonst auf die Homepage. Was mich betrifft, so habe ich eindringlich in meinem Buch The New Systems Competition, das 2003 herauskam, vor der Erosion der Bankenregulierung und dem Glücksrittertum, das daraus resultiert, gewarnt. Ich habe sogar eine Literaturdiskussion dazu angestoßen. Bitte schauen Sie auf unserer Homepage nach: www.CESifo.de.Sie tun mir in diesem Punkt wirklich unrecht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn, habe mit grossem Interesse "Kasino-Kapitalismus" gelesen und viel daraus gelernt, denn ich bin nur Physiker. Frage: Wäre es nicht richtiger, den Zustand einer Volkswirtschaft nicht nur mit dem Wachstum des PIB, sondern mit dem Wachstum minus Defizit des PIB zu beschreiben ? Das würde doch endlich den Politikern den Wind aus den Segeln für weiteres Schuldenmachen nehmen. Auch in der jetzigen Extremsituation würde damit jedem die reale Situation der Volkswirtschaft viel besser vor Augen geführt.
Sehr geehrter Herr Kollege A., gute Idee. Theoretisch müsste man den Quotienten von Defizitquote und Wachstumsrate nehmen, denn das ist der Steady-State-Wert, gegen die die Schuldenquote strebt. Also Wachstum von 2% bei Defizit von 5% macht einen Steady State für die Schuldenquote von 250%, was in etwa unsere derzeitige Situation ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Sie im TV gesehen und gehört. Mir fiel auf, dass Sie bei der Argumentation gegen eine Griechenlandhilfe einen Domino-Effekt anderer "Sünder-Staaten" befürchten. Da kann was daran sein,obwohl der Domino-Effekt auch in die völlig andere Richtung gehen kann ("Lernen am Erfolg") Wenn es gelingt, die Eurozone in Sachen Griechenland zu bezwingen, dann kann man sich (wie es sich bereits abzeichnet) die nächsten vornehmen: Portugal, Spanien.... Wenn die Eurozone mit dem "kleinen Griechenland-Problem" nicht fertig wird, müsste Spanien dann für den Euro tödlich sein. Aber es gibt ein historisches Beispiel, das gegen Ihre Positionierung spricht, weil die Dominos weltweit nach der verweigerten Hilfe fielen, das war die Lehman-Pleite Mitte September 2008. Damals wollte Herr Paulson (warum auch immer) verhindern, dass sich Finanzinstitute auf staatliche Hilfe stets verlassen könnten (vorher hatte er mit höheren Beträgen als für Lehman zur Konkursvermeisung nötig gewesen wären) u.a. Fannie Mae und Frteddie Mac gestützt sowie kurz danach sein 700 Milliarden Dollar-Programm für die Finanzwirtschaft durchgesetzt. Für Lehman kam das zu spät und die weltweite Finanzkrise brach los. Bei "Wikipedia" habe ich gelesen, dass die Verweigerung der Lehman-Hilfe als "Jahrhundertfehler" bewertet wird. Also die Weltfinanzkrise wurde durch die nicht gewährte vergleichsweise geringe nötige Hilfe für Lehman ausgelöst und machte Billionenschäden. Bei Griechenland sehe ich die gleiche Domino-Gefahr wie damals bei Lehman: eine neue Krise , weil die Hilfe vetweigert wurde.
Sehr geehrter Herr Röseler, vielen Dank für Ihren Beitrag. Mir ist die Lehman-Problematik bewusst. Ich habe darüber in meinem Buch Kasino-Kapitalismus ausführlich geschrieben und teile insofern Ihre Einschätzung. Die Parallelen sind aber insofern begrenzt, als bei Lehman wegen des Vertrauensverlustes der gesamte Interbankenmarkt zusammenbrach. Das kann jetzt nicht passieren. Richtig ist, dass Portugal und Irland in Schwierigkeiten kommen könnten. Aus drei Gründen halte ich diese Gefahr für begrenzt bzw. hinnehmbar. Erstens wäre es richtig, wenn diese Länder durch die Kapitalmärkte diszipliniert würden. Beide haben über ihre Verhältnisse gelebt. Wer soll das stoppen, wenn nicht die Kapitalmärkte? Zweitens ist Griechenland ein anderer Fall insofern als Griechenland sich in den Euro hereingeschwindelt hat und jetzt unser Geld will. Ich würde Portugal und Irland helfen, Griechenland aber nicht. Das wird man den Kapitalmärkten kommunizieren können. Drittens funktioniert das US-amerikanische System seit zweihundert Jahren trotz gelegentlicher Staatskonkurse recht gut. Dort hilft keiner, und die Welt geht nicht unter. Als zuletzt New York in den siebziger Jahren praktisch pleite war, musste es sich unter das Kuratel einer Aufsicht durch die Banken (Municipal Assistance Corporation) stellen, weil weder die anderen Länder noch der Bundesstaat zu Hilfe kamen. New York fand den Weg zu einer gesunden Finanzpolitik zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie gesehen bei Hart aber Fair. Mir ist nicht deutlich, wie Ihr Vorschlag der Erhöhung des Anreizes zu arbeiten durch Erhöhung der Freibeträge umzusetzen wäre. Ich habe nicht Wirtschaft, sondern Philosophie studiert und arbeite seit 2006 als Arbeitsvermittler in div. Jobcentern Berlins. Meiner Auffassung nach ist es rein inhaltslogisch nicht möglich, den Anreiz durch eine Erhöhung des Freibetrages zu erhöhen. Sie müssten schon die Regelleistung absenken, wie Herr Franz das in die Runde geworfen hat, oder sie begrenzen die Bezugsdauer von ALGII. Wenn aber diese Stellgrößen unverändert bleiben, werden die Leute sich an den höheren Freibetrag anpassen. Wie heißt es hier regelmäßihg so schön: "Herr Goldmann, ich darf ja nur 100 Euro im Monat dazuverdienen". Vielleicht können Sie bei einem Ihrer nächsten Auftritte im Fernsehen konkreter mitteilen, wie Sie sich die Umsetzung vorstellen. Mit freundlichem Gruß G.
Sehr geehrter Herr G., wir schlagen eine Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze von 100 auf 500 Euro vor sowie eine Absenkung der Transferentzugsrate von jetzt 80%-100% auf durchgängig 70%. Auch eine Senkung auf 50% ist debattierbar. Wenn man die Hälfte des hinzu verdienten Einkommens behalten kann, dann wird die Arbeit gegenüber der Nichtarbeit attraktiver, und wenn man bis 500 Euro den Hinzuverdienst voll behalten kann, wird auf jeden Fall die Bereitschaft gestärkt, bis dahin mehr zu arbeiten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, sie behaupten Griechenland habe beim Beitritt zur Euro-Zone gemogelt. Darf ich ihren Horizont etwas erweitern? Am 3. Mai 1998 wurde Griechenland der Beitritt zur dritten Stufe WWU verwehrt, da es keines der aufgestellten Konvergenzkriterien erfüllte. Am 19.6.2000 wurde festgestellt, daß Griechenland nunmehr alle Kriterien erfüllt und trat folglich der Euro-Zone am 1.1.2001 bei. Trotz eifriger Suche habe ich weder von ihnen noch aus ihrem Institut Beiträge gefunden, die die Maßnahmen in Griechenland erläutern, die zu diesem erstaunlichen Ergebnis führen. Die den europäischen Behörden wie EUROSTAT gemeldeten Zahlen beinhalten überhöhte Erträge aus Sozialkassen und im wesentlichen nicht dargestellte Militärausgaben. Hintergrund ist die Vertuschung des Ägeiskonflikts um den wahrscheinlich ölreichen Festlandsockel, in dem sich zwei höchstgerüstete Nato-Partner gegenüberstehen. So besitzt Griechenland im Verhältnis zur Bundeswehr die doppelte Anzahl an LeoII-Panzern. Die Lösung liegt nicht in in den von ihnen beschriebenenen Tragödien, sondern in der Lösung der schwelenden militärischen Konflikte in Europa und daraus folgenden Hochrüstung. Wie wenig Deutschland tatsächlich zu einer Lösung beiträgt, erkennen sie auch daran, daß Außenminister Westerwelle bei seinem Antrittsbesuch in Athen unmißverständlich gefordert hat, Griechenland solle nun Eurofighter im Umfang von drei Milliarden kaufen. Der von mir dargestellte Sachverhalt für den relevanten Zeitraum ab 1997 ist für jeden mittelmäßig begabten Ökonomen leicht nachvollziehbar. Die Militärausgaben fehlen in den Eurostat-Meldungen, in den Veröffentlichungen der griechischen Nationalbank sind sie enthalten. Übrigens die nähere Beschäftigung mit Griechenand seitens Eurostat scheiterte 2003/2004 am Veto Deutschlands. Ihre Meinung zu Griechenlandland, ich müßte lachen, wenn ich nicht weinen sollte über einen führenden deutschen Ökonomen. Griechenland und gemogelt? 1.
Sehr geehrter Herr Linke, es ist leider so, dass Eurostat in einer Reihe von Fällen festgestellt hat, dass der Oberste Rechnungshof Griechenlands und das griechische Statistische Amt "vorsätzlich", so wörtlich, falsche Zahlen gemeldet haben. Sie finden die Dokumentation auf der Homepage des ifo Instituts. (www.ifo.de). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Sie heute bei Hart aber Fair gesehen und Sie haben mir da wie immer aus meiner VWLer-Seele gesprochen. Hartz IV war richtig weil u.a. die Arbeitslosenversicherung als Risikoversicherung zu sehen ist. Man kann nur hoffen, dass bei der SPD wieder die Vernunft einkehrt und Wünschbares und Realität wieder auseinander gebracht werden. Nur eine Sache stößt mir trotz meines noch nicht allzu lange zurückliegenden quantitativen VWL-Studiums in Ihren Argumenten immer wieder sauer auf. Das ist Ihr Argument – was sicherlich aus theoretischer Sicht wegen Markträumung etc. völlig richtig ist – dass ein Lebensunterhalt sichernder Lohn für viele Arbeitnehmer gerade im Hinblick auf Globalisierung usw. utopisch ist. Da haben Sie sicherlich recht. Auch Ihr Argument, dass es einen Zuschuss für Arbeitnehmer geben sollte, die ihren Lebensunterhalt nicht von Ihrer Arbeit bestreiten können, ist klar einleuchtend. Aber ich finde, zu diesem Argument gehört auch ein Unternehmer, dessen Geschäftsmodell im Zweifel auf einem solchen niedrigen Lohn basiert. Ich erinnere mich da bspw. an die Pin-Gruppe (eigentlich ein schlechtes Beispiel, weil die nie Gewinne gemacht haben). Was sagen Sie zu Unternehmen/Unternehmern, die Ihren Arbeitnehmern einen solchen bezuschussungswürdigen Lohn zahlen und am Ende auch noch eine Vergütung erhalten, die im Zweifel deutlich über der Durchschnittsvergütung liegt? Ein im Zweifel überdurchschnittlicher Unternehmerlohn ist hier in meinen Augen absolut ungerechtfertigt. Zum einen macht er Profit aus dem Niedriglohn, zum anderen – und das Argument wiegt für mich schwerer – wird der Unternehmerlohn indirekt vom Steuerzahler subventioniert und bezahlt. Nicht zuletzt werden hier auch Anreize für jeden Unternehmer gesetzt, die Löhne zu drücken; das ist doch eine simple Maximierung für jeden Unternehmer, das kann man doch nicht leugnen? Einen subventionierten Unternehmerlohn können Sie doch nicht ernsthaft wollen? Müsste man hier nicht aus einer Gerechtigkeitsperspektive hergehen und das Einkommen eines Unternehmers, der Zuschussempfänger beschäftigt, nach oben begrenzen? Den Unternehmerlohn quasi auch kontrollieren, solange indirekt Steuergelder in das jeweilige Geschäftsmodell fließen? Ich weiß, VWL ist nicht die Frage nach der Gerechtigkeit. Aber wenn es aus der Wissenschaft auch Antworten hierzu geben würde, wäre Ihre Zunft bei der breiten Bevölkerung vielleicht auch besser angesehen und man würde mehr von dem Umsetzen, was Sie und Ihre Kollegen richtigerweise sagen. Für meinen Geschmack sollte sich die ökonomische Wissenschaft viel mehr in die politische Diskussion einmischen, hier in den USA hat man das Gefühl, dass Krugman & Co. wesentlich präsenter sind. Vielleicht haben Sie ja mal Zeit zum Antworten, viele Grüße aus New York, Bastian Falk
Sehr geehrter Herr Falk, dass Zuschüsse den Lohn senken ist erforderlich, damit sie mehr Jobs schaffen. Aber der Lohn fällt nicht ins Bodenlose, sondern nur bis zur Markträumung, also quasi Vollbeschäftigung. Fiele er tiefer, würden ihn die Unternehmer wieder hochkonkurrieren, denn dann gäbe es ja eine Überschussnachfrage nach Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt. Sehen Sie das Ganze mal nicht vom heutigen, verzerrten Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aus, sondern vom Vollbeschäftigungsniveau aus mit den dann herrschenden Löhnen für gering Qualifizierte. Von diesen Löhnen kann man nicht leben, also muss man helfen. Aber wie? Lohnerhöhungen führen zu Arbeitslosigkeit, weil sie die minder produktiven Jobs vernichten. Lohnzuschüsse führen zu einem Zusatzeinkommen, ohne dass die Beschäftigung sich verringert. Und nun können die Unternehmer das wegen des oben genannten Arguments nicht ausnutzen, indem sie den Lohn drücken. Hieran sehen Sie, dass die Lohnsubvention keine Subvention der Unternehmen, sondern der Menschen ist. Die Lohnsenkung vom verzerrten Marktgleichgewicht aus zu beurteilen und dann als Unternehmersubvention zu interpretieren, ist, so denke ich, falsche Semantik. Die Lohnsubvention hilft, ausgehend vom verzerrten Gleichgewicht, den Arbeitnehmern insofern, als sie ihnen auf dem Wege über eine Senkung der Lohnkosten Jobs schafft, ohne dass sie dafür Einkommen einbüßen müssen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betr.: Griechenland- und EURO- Krise Ihre Diskussionsbeiträge im „ZDF- Heute -Journal“ und in der „Phoenix-Runde“ Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als interessierter Laie, der sich Sorgen um die Kaufkraft seiner Rente macht, habe ich Ihre Äußerungen zum diesem Thema dankbar aufgenommen. Der Vergleich der aktuellen Situation Griechenlands mit einer antiken Griechischen Tragödie, in der es keinen guten Ausweg, sondern nur schlechte Lösungen gibt, ist einfach genial. Ich hoffe sehr, dass die Politik ihre Eitelkeiten bezüglich möglicher Einmischungen des IWF allmählich überwindet und sich verabschiedet von dem Selbstbetrug der Einrichtung eines EWF, der einen gigantischen Vermögenstranfer vom Nord nach Süd nach sich ziehen und unser Land schwächen würede. Im EWF würden dann die Defizitsünder über sich selber zu Gericht sitzen, eine Farce. Und man würde den bereits ausgehöhlten Vertrag von Maastricht vollends brechen. Ich glaube, heute hätten Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht bessere Chancen als in der Vergangenheit. Danke, dass Sie sehr viel für die Meinungsbildung in der Öffentlichkeit tun.
Sehr geehrter Herr Scherer, vielen Dank für die Nachricht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Thema: Griechenland, Währungskrise Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre klaren Ausführungen gestern abend bei Phoenix. Neben der Lage an sich ist das eigentlich Erschreckende die Beharrlichkeit, mit der gerade führende Vertreter der Politik die ökonomischen Mechanismen ignorieren. Wer eine Beruhigung der Finanzmärkte (und der Bürger) wünscht, sollte doch vielmehr auf klare Ansagen und vorhersehbare Konsequenz setzen. Nun aber zur Frage: Als kleinstes Übel raten Sie zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus dem EURO und anschl. Devaluierung zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In DK, wo ich beruflich die Debatte verfolge, gilt aber die Massnahme Devaluierung nahezu als verschrien, da die sozialdemokratischen Regierungen in den Siebzigern bei galoppierender Staatsverschuldung damit mehrfach scheiterten. Erst in den Achtzigern gelang es einer bürgerlichen Regierung mit harten Sparmassnahmen und einer festen Bindung der Krone an die EWS, die Staatsfinanzen in den Griff zu bekommen. Seither schwören Sozilademokraten wie bürgerliche Parteien auf die Politik der festen Wechselkurse. Frage also: Verführt die Devaluierung nicht zu einer unsoliden Haushaltspolitik und macht auch das Aussenhandelsgeschäft schwer planbar? Mit freundlichen Grüssen Simon Faber
Sehr geehrter Herr Faber, Sie haben insofern recht, als fortgesetzte Abwertungen eine Inflationspolitik ermöglichen und insofern selbst ein Probelm sind. Feste Kurse sind eigenlicht ein Disziplinierungsmittel. Nur hat Griechenland darauf bekanntlich nicht reagiert, weil das Land die Welt mit getürkten Statistiken glaubte dauerhaft belügen zu können. Heute ist die Aufwertung so weit fortgeschritten, dass eine Disziplinierung in dem Maße, wie sie Märkte nun erzwingen würden, wenn Griechenland nicht geholfen würde, das Land zerbrechen würde. Man muss sich der Disziplin auch unterwerfen wollen, wenn man in einem Festkurssystem ist. Das hat Griechenland nie getan. Das Ganze ist eine Gradwanderung zwischen verschiedenen Gefahren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe unseren Politikern bereits vor längerer Zeit geschrieben, da dass Hauptproblem bei den Familien doch auf dem Gebiet der Ausbildungs- und der Studiums-kosten liegt, möge mann analog der Bausparkassen eine Ausbildung und Studiumfinanzierungskasse auf Grundlage der Richtlinien der Bausparkasse Gründen, wo jedes Kind mit der Geburt Mitglied wird und eiene Finanzierung über das Kinder und Eelterngeld erfolgen sollte, von dem direkt ein gewisser Prozentsatz in diese Kasse fließt, dies Geld dürfte aber gar nicht erst in die Hand der Eltern gelangen, sondern müsste direkt in die Kasse fließen. Vielleicht könnten Sie unsere Politiker in diese Richtung führen, da unsere Politiker zu schlau sind um vom kleinen Mann einen Anstoß an zu nehmen. Ich wäre Froh. wenn ich dazu von Ihnen etwas hören würde. In diesem Sinne verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Hermann Müller
Sehr geehrter Herr Müller, das ist ein guter Vorschlag, den man nur unterstützen kann. Ein Vorteil ist, dass die Ausbildungskosten nicht anderen auferlegt werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Einstellung in der heutigen Bildzeitung über Hartz 4 Empfänger gelesen und bin zu tiefst erschüttert. Ihrer Meinung nach ist das Landleben preisgünstiger als das Stadtleben. Falsch gegedacht. Auf dem Land haben wir nicht die Möglichkeiten des Einkaufs. Sind abhängig von der hiesigen Preisgestaltung, die in der Stadt doch größer ist. Und der Vergleich mit der Currywurst ist doch mehr als an den Haaren herbeigezogen. Hartz 4 Empfänger ernährren sich nicht nur von Currywurst. Die Infrastruktur auf dem Land ist sehr eingeschränkt und die Preispolitik wird natürlich von den großen Anbietern bestimmt. Ich hoffe, Sie ändern Ihre Einstellung und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., vielen Dank für die Notiz. Ich habe mich bei meinen Ausführungen auf Erhebungen des Statistischen Bundesamtes bezogen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, mit Interesse habe ich Ihre Ausfuehrungen zu Hartz VI gelesen, die regionale anpassende Differenzierung betreffend. Dem kann ich nur zustimmen. Mit Sorge dagegen habe ich die Initiativen Ihres Kollegen Prof. Franz, des hessischen Ministerpraesidenten und anderer Politiker gesehen, das Thema Zwangsarbeit und die Diskretitierung als "eigenstaendig lebensunfaehige Alkoholiker" betreffend. Immer kritisiert habe ich die Zuverdienstregelung, Verdienste die noch nicht zur wirklichen Befreiuung ausreichen einzuziehen und durch Sozialleistung zu ersetzen. Das fuehrt bei Sachleistungsverdiensten auch dazu (Beispiel Mietminderung bei Hausverwaltertaetigkeit), dass unbare Erwerbsverdienste den Barleistungsbetrag verkuerzen, die Arbeit also noch bestraft wird. Dem Anschein nach wie real unterbindet das wirksam die Befreiiung oder zumindest Milderung der Lage. Ich hielte es fuer sinnvoller, Zuverdienste zu belassen und aufzustocken zu einem fliessenden Uebergang. Das waere auch psychologisch sinnvoller und wuerde die Konkurrenzsituation zwischen Sozialleistung und Geringverdienst entschaerfen helfen. In der bestehenden Lage ist Schwarzarbeit oft die einzige Moeglichkeit die eigene Lage zu verbessern. Die derzeiteige Verwaltungspraxis noetigt das geradezu auf, befoerdert auch durch die Amtssekeltion in "Vermittlungs-, Beratungs- und Betreuungskunden". Bei letzteren ist die Vermittlung erst ga nicht beabsichtigt. Auch das wird leider nicht oeffentlich debattiert weil politisch erkennbar offensichtlich unerwuenscht. Zusammenhaengend mit dem Wunsch der Wirtschaft, sich Mitarbeiter definierter Kostenhorizonte wie Lebensalter guenstig zu entledigen und deren Kosten zu "sozialisieren". Rechtlich sofort greifbar als Mitspflichtverletzung i.S. d. § 71 Abs. 2 GVG weil durch diese Verwaltungspraxis der Gesetzesauftrag schlicht unterlaufen wird und sich die oeffentliche Gewalt selbst nicht an die eigenen Gesetze haelt mit allen Folgen. Hartz IV in diesem Sinn ist fuer mich auch eine vorweggenommene Sozialisierung vom Bilanzbereinigungsmassnahmen der Wirtschaft, akuelle Nachlegung die Bankenkrise. Siehe die Aussage von Donald Trump: "um erfolgreich zu sein brauchen wir eine Grosse Krise" zum Thema Neoliberalismus und dessen Ziele, siehe dazu auch Sloterdijk u.a.m. Hartz IV ist insofern ein besonderes Politikum und wird inzwischen von vielen auch so verstanden. Es sind ja gerade nicht mehr die klassischen Faelle der "Asozialitaeten" dort versammelt, sondern auch Berufe, die in den Maerkten verdraengt werden warum auch immer bis hin zum Vollakademiker, oder die lebensalterbedingt ausgesteuert und abgeschoben sind. Zugleich ist es auch eine Plattform fuer Immigrationsprobleme und in diesem Zusammenhang "grossfamiliaere Clanversorgung" ueber die deutschen Grenzen hinaus. Betrachtet man den Missbrauch lag er bisher am unteren Ende der Kriminalstatistik. Die Vergleichsfaelle nach dem aktuellen Report aus Nuernberg, die die Bild-Zeitung zitiert lassen darauf schliessen, dass der Missbrauch nicht nur seitens der "Regelbetroffenen" erfolgt sondern offenbar auch gezielt aus dem vermoegenden Bereich, die eher wohl auch im Bereich der Steuerhinterziehung u.a.m. angesiedelt sind. Es waere also zu untersuchen was welchen Bereichen tatsaechlich zuzurechnen ist. Bei diesen Fragen stellt sich aktuell die Frage nach der Gesetzestreuepflicht des Staates, neu debattiert am Falle der Steuerdatenankaeufe aus der Schweiz. Verbunden mit der Frage, ob sich der Staat zum eigenen Vorteil ueber das Gesetz stellen darf. Siehe die Deckelung und politische Willkuerung der Amtshaftungsentschaedigung. Hier wird ganz offen und zum Nachteil der eigenen Staatsbuerger und Waehler das Recht gebeugt und das Vertrauen in die Demokratie untergraben wird. Die politische Kritik daran wird in der Regel als "Pauschalbeleidigung" unter Ausschluss des Vorbringens begruendeter Belange, damit unter Ausschluss der Verteidigung strafverfolgt und kriminalisiert, dito missliebige Rechtsmittelantraege auch gegen das Verbot dieser Vorgehensweise nach BGH. Auf der u.g. Site dokumentiert. Das weitere Mittel ist die Zwangspsychiatrierung, verbunden mit der politischen Diskriminierung als "betreuungsbeduerftige Alkoholiker" z.B. Strafrechtlich zu bewerten als Verbrechen gem. StGB und Tatbestand der Volksverhetzung. Da die Betroffenen keine politische Vertretung und Lobby haben wird das auch in den Medien nicht thematisiert. Die Links-Partei ist keine Alternative und die Gewerkschaften sehen die Betroffenen ebenfalls eher Konkurrenten fuer ihre Mitglieder. Sie haben naturgemaess kein Interesse daran, dass die Betroffenen wieder auf dem Arbeitsmarkt zurueckkehren und die Lage fuer die eigenen Mitglieder verschaerfen auch im Sinne des Lohndumpings. Siehe die aktuelle Lage nach dem Mindestlohnurteil bei der Post. Wir haben hier bereits eine Spaltung der Gesellschaft, zu der der Bundestag selbst festgestellt hat, dass sie die Menschenwuerde und greifbar das Recht verletzt. Ebenso vernetzt sind die EU-Vertraege (Verelendungsverbot, Werttbewerbsverzerrungen etc. pp.), insbesondere aber Art. 1, 6 EMRK. besonders kritisch dabei: die unmittelbare politische Weisungsgebundenheit der Strafermittlungsbehoerden und Anklaeger zum Staatsmonopol gem. § 146 GVG zum Ausschluss des fairen Verfahrens generell in Deutschland. Die Rechtspflege steht hier also still, die Betroffenen sind von fairen Verfahren ausgeschlossen. Keine Frage also dass es bei Hartz IV um viel mehr geht also nur um Leistungssaetze oder Zuverdienstgrenzen. Auf den wohl derzeit krassesten Fall in Deutschland moechte ich Sie hinweisen unter URL.: http://www.petart-foundation.eu /.org Ich moechte Sie nicht in Verlegenheit bringen, dazu Ihre Meinung kund zu tun, obwohl das sehr hilfreich sein koennte. Sie sehen daran, die BundesRD hat ein noch groesseres Problem als nur die Bankenrettungen und die aktuelle Haushaltslage. Juergen Peters
Sehr geehrter Herr Peters, vielen Dank fuer Ihre umsichtigen Ausfuehrungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, was ist die Ursache der meisten Hartz IV Empfänger? Die Arbeitslosigkeit,die bis hin zur Verzweiflung führt. Mein Sohn von 36 Jahren hat nach langem Kämpfen in 2 Jahren wieder einen Job nach intensiver Selbstbemühung gefunden. Jetzt nach 5-Monaten hat er die Kündigung wegen wirtschaftlicher Krise und Zahlungsunfähigkeit des Chefs bekommen. Sehen Sie, so geht es uns schon seit Jahren. Das kostet mir als Mutter viel Nerven und 10 Jahre am Lebensmut. Wenn ich all diesen Schwachsinn und die Unverschämtheit so einiger Politiker ect. höre, das "Alle" an der Armutsgrenze lebenden faul und Abzocker sind, das macht mich wütend. Man sollte mal dafür Sorge tragen, das so junge "Dinger von Frauen, nicht laufend Kinder wegen der Hilfe z.B. Kindergelderhöhung, indiese "Welt setzen! Aber diese "Frauen" leben dann sozusagen vom Staat und finden das gut! Wenn ich mich täglich umschaue, begegnen mir Frauen in ziemlich jungen Jahren und haben 3,4 noch kleine Kinder und müssen vom Staat Hilfe! bekommen. Muss man "Heute" soviele Kinder in die Welt setzen? Das kann man Heute so einfach verhindern, aber "diese Leute legen es darauf an, vom Staat zu leben und das sind "Die" die mit anderen fleißigen arbeitswilligen verglichen werden von Seitens der Politiker. Müssen wir Auländer dulden, die viele Kinder hier in die Welt setzen und keine Arbeit haben, die wir von unseren Steuern unterstützen müssen? Für unsere eigenen Bürger von Deutschland ist bald kein Geld und keine Arbeit mehr da. Hinzu kommt noch, das die Arbeitgeber Jobs unter dem menschlichen Nivieuau anbieten. Heute in der Zeitung: Schichtarbeit für Brutto 7,67€ Vollzeit,oder Minijob für 5,37€. Meinen Sie nicht auch, dass das der Knackpunkt ist, diesen Arbeutgebern gehörig auf die Finger zu klopfen. Davon kann keiner leben, das Ergebnis: Der Staat muss wieder helfen. Ich könnte Ihnen noch soviele Beispiele nennen, aber es wird ja nichts verändert, nur ich lasse mich mit meiner Familie nicht mit anderen vergleichen und werde kämpfen, das nicht "Alle" faul sind. Mit freundlichen Gruß Thielemeier-Brüning
Sehr geehrte Frau Thielemeier-Brüning, ich danke Ihnen für Ihre Zeilen. Ihrer Auffassung, dass HartzIV-Empfänger nicht faul sind, kann ich mich nur anschließen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, in der Augsburger AZ vom 02.01.10 wurden Sie in einem Interview zitiert: 'Die Senkung ....entbehrt einer volkswirtschaftlichen Berechtigung.' Politisch kann man über jede Steuer - die ja immer auch einen steuernden Effekt hat - verschiedener Meinung sein. Aber volkswirtschaftlich - aus europäischer Sicht betrachtet? Seehofer hatte versprochen, die MWSt. auf die gesamten Dienstleistungen der heimischen Gastronomie auf 7 % zu reduzieren. Heraus kam bekanntlich der Kompromiß auf 'Übernachtungen' begrenzt.- Ich verstehe H. Seehofer also: 'E i n s t i e g ' in die Reduzierung bzw. letzlich Abschaffung der MWSt. auf a l l e Dienstleistungen. Und gibt es zum Zurück zur alten Warenumsatzsteuer (aber eben im Mehrwertsteuersystem) überhaupt eine Alternative, wenn Europa als Ganzes seinen Lebensstandard nur beihalten will? (Gern sehe ich Europa und nicht die globale Welt positiv auch als Fortschrittslokomotive in Umwelt etc.) Die Besteuerung des Faktor 'A r b e i t ' mag zu Bismarck's Zeiten geboten und richtig gewesen sein, aber heute? Nur 1 Beispiel: Es sollte sich wieder lohnen, jedwelches Industrieprodukt zu reparieren oder eben 'nur' ein Update nachzurüsten als es als Ganzes dem Müll zuzuführen. Aus eben diesem Grunde sind m.E. auch Lohnnebenkosten als Ganzes umwelt-fortschrittsshemmend! Es wäre mal interessant auszurechnen, wie hoch verschiedene Waren-MWSt-Sätze sein müßten. Würden etwa 5 % für handwerkliche 50-km-Nahprodukte, (z.B. Bäckerbrot) 15 % für industrielle Fertigfood (z.B. Industriebrot) und Medikamente, sowie 25 % für den großen industriellen Rest nicht bestens ausreichen? Schließlich könnten dabei die sog. Betriebskosten der Firmen nicht mehr als Vorsteuer behandelt werden. Jedes Produkt würde de fakto mit seinem E n d preis mehrwert-besteuert, egal ob es zuletzt privat oder gewerblich gekauft wird. Wäre all dieses oder eben nur der Schritt dahin nicht eine echte Wachstumbeschleunigung in Richtung Vollbeschäftigung, Austrocknung der Schwarzarbeit, Umweltsanierung und letztlich ein Staatsschuldenabbau? Finden Sie diese Überlegungen gedanklich falsch? Liebe Grüsse M. S. PS: Die Einführung von regionalem Kunstgeld 'WIR' in Leipzig etc. etc. geht doch m.E. eigentlich als Nebeneffekt in dieselbe von mir skizzierte Richtung! Doch wie lang wird die EZB dieses akzeptieren?
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Es ist wichtig, dass die Steuern einheitlich sind, damit sie keine Lenkungseffekte entfalten. Die Mehrwertsteuer ist eine der neutralsten Steuern, die es gibt, aber nur, wenn die Sätze nicht differenziert werden. Die Differenzierung führt zu einer Änderung der Wirtschaftsstruktur, die den Präferenzen der Menschen nicht entspricht und aus steuerlichen Ausweichreaktionen resultiert. Ich kenne keinen Ökonomen, der das gutheißen würde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ! Vor einiger Zeit (Datum nicht erinnerlich) haben Sie in der österreichischen Tageszeitung "Die Presse" ein Interview gegeben, das unter dem Titel: "Niedriglöhne um ein Drittel kürzen" erschienen ist. Sie werden sich sicher noch daran erinnern können. Dieses Interview liegt jedenfalls schon länger zurück. Meine Frage: Halten Sie heute angesichts der derzeit gegebenen Situation Ihre Meinung noch aufrecht ? Haben Sie jemals in Ihrem Leben existenzielle Sorgen gehabt ? Ich vermute doch eher nein. Wären Sie bereit, eine sehr begrenzte Zeit (eine Woche) das Leben eines Niedriglohnempfängers zu führen um dann in der Praxis - und nicht aus dem elfenbeinernen Turm der Wissenschaft - zu prüfen, wie es sich so lebt ? Wenn man das überhaupt als "Leben" ansehen kann. Sie werden doch nicht im Ernst glauben, daß man mit einem Absenken der Löhne den Wirtschaftsstandort Deutschlands oder Österreichs halten kann. Sie plädieren für ein Absenken der Sozialbeihilfen und gleichzeitig für ein Absinken der Löhne. Dabei ist aber doch abzusehen, daß die Lebenskosten verursacht durch Wohnen, Kleidung, Energiekosten, Lebensmittel, etc. nicht in gleichem Ausmass zurückgehen werden. Nehmen Sie es also in Kauf, daß dann gewisse Leute einbrechen gehen, Überfälle durchführen etc.? Das erfordert dann wieder enorme Kosten des Strafvollzuges. Da beisst sich doch die Katze in den Schwanz. Auf eine Antwort, die so gehalten ist, daß diese auch jemand mit "nur Abitur" versteht, wäre ich sehr gespannt. Mit freundlichen Grüßen Thomas Seger
Sehr geehrter Herr Seger, Sie sind das Opfer einer verzerrenden Darstellung des Titeltextes geworden, der wie es so üblich ist, so geschrieben wird, dass der Protest der Leser maximiert und die Emotion geschürt wird. Das Interview liegt in der Tat schon einige Jahre zurück. Es ging um die Schaffung eines Niedriglohnsektors in Deutschland. Er sollte durch ein Lohnzuschusssystem ermöglicht werden, das dann die Einkommen erhöht statt gesenkt hätte. Es kommt ja für den Lebensstandard nicht auf die Löhne, sondern auf die Einkommen an, und die können durch Lohnzuschüsse erhöht werden. Das ifo Institut hatte dazu die aktivierende Sozialhilfe als Fördermodell entwickelt. Die Politik ist uns ein Stück weit gefolgt. Deutschland hat den Niedriglohnsektor bekommen, es gab ein Jobwunder, und mit Hartz IV wurde ein Lohnzuschusssystem eingeführt, das die Einkommen für 1,3 Millionen Lohnbezieher aufstockte und über die Armutsgefährdungsgrenze hob. Würde ich Ihre Suggestivfrage bezüglich meiner eigenen Erfahrung mit einem niedrigen Lebensstandard beantworten, wären Sie sicherlich schockiert. Aber das gehört wohl nicht zur Sache. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihren Artikel in der FAZ habe ich mit großen Interesse gelesen, und ich stimme fast allen Ihren Thesen zu. Lediglich zur These 6 habe ich eine etwas andere Sicht. Sie schreiben dort als Quintessenz, "Je mehr Schlote die Europäer außer Betrieb nehmen, desto niedriger ist der Preis der fossilen Brennstoffe, und desto mehr Schlote werden im Rest der Welt neu errichtet." Kann es nicht sein, dass ähnlich wie Europa über kurz oder lang auch die USA und weitere wichtige Staaten aus eigener Einsicht und ohne ein globales Abkommen eine effektive Klimaschutzpolitik betreiben? Warum sollte die Nachfrage nach fossiler Energie außerhalb Europas nur durch den Preis bestimmt werden. Das Beispiel Europa zeigt doch, dass auch allein durch Druck von innen Klimaschutzpolitik in Gang kommen kann. Ist es nicht denkbar, dass das Beispiel Europa Schule macht und dass dadurch letztlich auch weltweit die Nachfrage nach fossiler Energie sinkt, trotz sinkender Preise? Ich glaube, offen gesagt nicht daran, dass man außerhalb Europas auf Dauer Energiepolitik nur nach Maßgabe der Angebotspreise der Energieträger machen wird. Mein Eindruck ist eher, dass China mit seinem Ziel, die CO2 Intensität seines Sozialprodukt in den 15 Jahren von 2005 - 2020 um 40-45% zu reduzieren, sich bereits ein ehrgeiziges Ziel setzt, an dem sich auch die USA und Europa messen lassen müssen. Vielleicht liegt hier auch eine Ursache für das eine oder andere Missverständnis, das Ihre Positionen manchmal bei Berufsgrünen hervorrufen. Mit freundlichem Gruß Christoph Barthe
Sehr geehrter Herr Barthe, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Es gibt keinen grundsätzlichen Widerspruch zwischen meiner These 6 und Ihrer Sicht. Klar: man kann hoffen, dass die Chinesen unserem Beispiel folgen und sich zu Einschränkungen des C02-Verbrauchs bereit erklären, wenn wir mit gutem Beispiel voran gehen. Das aber ist eine Aussage, die sich nicht auf die Entscheidungen der Firmen und Bürger, sondern die Entscheidungen des Staates bezieht, also eine mögliche chinesische Position bei den Verhandlungen für ein weltweites Klimaabkommen. Meine These bezieht sich nicht auf die politische Entscheidungsebene, sondern auf die Ebene der einzelnen Entscheidungsträger und auf die Marktprozesse. Da ist unilateral grüne Politik aus den im Artikel beschriebenen Gründen konterproduktiv. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob wir mit unseren politischen Vorleistungen bei den internationalen Verhandlungen etwas erreichen. Kopenhagen hat das ja gezeigt. Was die Chinesen zum Mitmachen bewegen wird, sind nur harte Positionen und glaubhafte Drohungen. Wenn wir unseren Verbrauch an fossilen Brennstoffen politisch drosseln und die Klimaerwärmung drosseln, haben sie bei gegebenem Klimaziel umso mehr Spielraum für eigene Emissionenen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geerhter Herr Sinn Ich habe ihren Bericht in der FAZ gelesen. Dieser Artikel beschreibt die Situation und das Verhalten der Deutschen und ihrer Politiker vollkommen richtig. Ich möchte dazu nur zwei Anmerkungen machen. 1. Biogas Wir ernten in Schleswig-Holstein um 50t Mais vom Hektar Wenn man eine gute Anlage hat schafft man 250m3 Gas pro Tonne mit 60% Methan. Das sind 7500m3 Gas mit Erdgasqualität , das entspricht 10KW je Kubimeter Gas oder auch 75000KW pro Hektar. Dieses Gas kaufen die Stromkonzerne für 7-8 ct/KW und betreiben damit Blockheizkraftwerke um Gebäude zu heizen und den Strom für 20ct an sich selbst zu verkaufen. Das Entscheidende ist der Rohertrag vom Hektar Mais ist 5250€. In Bayern ist der Maisertrag noch 30% höher. Die Kosten für die Biogasanlage pro Hektar und Jahr (Zinsen und AFA) beträgt ungefähr 1300- 1600€. 3500€ konkurrieren mit 1500€ Rohertrag bei Weizenproduktion. Der Aufwand ist bei Mais für Biogas aber 20% niedriger. Deutschland wird bei diesen Rahmenbedingungen Biogasland!!!! und das alles ohne Geld vom Staat. Die Nahrungsmittelproduktion kommt erst wieder auf diesen Flächen in Gang bei einem Weizenpreis von über 25€/dt 2. zu ihre Bemerkung der Maisversorgung Mexikos aus der USA. Bis 1990 versorgte sich Mexiko mit Mais und Zucker selbst, mit Gründung der nordarmerikanischen Freihandelszone waren die nicht mechanisierten Bauern in Mexiko nicht mehr wettbewerbsfähig, machten sowohl bei Zuckerrohr wie auch beim Mais eine reine Subsistenzwirtschaft und als dann die Nahrungsmittel knapp wurden konnten sie sofort wieder produzieren. Genauso wie USA verhindert die EU mit ihrer subventioniertenden Landwirtschaft Aufbau einer leistungsfähigen Landwirtschaft in diesen Ländern. Aber das Problem werden die Ökös bei uns ändern, wenn die Nahrungsmittelproduktion aufhört. Ich frage mich wie diese Probleme der Markt lösen sol. Peter Lund
Sehr geehrter Herr Lund, Ihre Zahlen sind sehr interessant. Die Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion wird die Welt verändern, auch Deutschland. Der Markt kann hier nichts lösen, sondern erzeugt das Problem. Meines Erachtens sollte der Staat Barrieren zwischen den Märkten aufbauen, anstatt die Verkopplung zu befördern. In meinem Buch "Das grüne Paradoxon" habe ich das näher ausgeführt. Ein ganzes Kapitel ist der Bioenergie gewidmet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich stimme Ihnen völlig zu, wenn Sie lt. FAZ-Artikel eine Kurskorrektur der Umweltpolitik und ein Ende des kostspieligen Aktionismus fordern. Wo Sie allerdings irren, ist Ihre Feststellung, dass die Erdtemperatur in 20 oder 30 Jahren höher sein wird als in den vergangenen 800 000 Jahren. Die Annahme, die Globaltemperatur würde sich nur nach dem CO2 richten, ist eine naive Irrlehre. Die Eiskernbohrungen von Grönland und der Antarktis zeigen eindeutig, dass sich in der Vergangenheit immer erst die Temperatur geändert hat (Haupteinfluss: die variable Sonnenaktivität) und dann mit Verzögerung der CO2-Gehalt angepasst hat (durch Ausgasung/Aufnahme der Ozeane). Hier verwechseln einige Leute aus ideologischen Gründen Ursache und Wirkung. Eine Vorhersage der Klimaentwicklung ist grundsätzlich nicht möglich, da zu viele Einflussfaktoren mitspielen, die heute noch nicht hinreichend definiert sind. Die vergangenen 10 Jahre haben dies erneut bewiesen: alle Vorhersagen (die nur auf CO-Anstieg beruhten) waren falsch. Niemand hat das Ende des Temperaturanstieges und den Rückgang in den letzten Jahren vorhergesagt. Wie der IPCC schon richtig festgestellt hat, gilt in der Klimawissenschaft: "In climate research and modelling we should recognize, that we are dealing with a coupled non-linear chaotic system, and therefore that the long-term prediction of future climate states is not possible". IPCC, Third Assessment Report, 2001, Section 14.2.2.2, page 774 Wenn Sie schreiben: "das Grönland-Eis wird noch in diesem Jahrhundert schmelzen", dann liegt offenbar ein tiefgreifendes Missverständnis vor: Auch bei langfristig erhöhten Temperaturen würde es etwa 10 000 Jahre dauern, bis der bis 3000 m starke Eispanzer abgeschmolzen wäre, auf dem heute Temperaturen von durchschnittlich -31°C herrschen. Ein Abschmelzen tritt nur an den Rändern und durch Gletscherfluss auf, wird aber weitgehend durch den jährlichen Schneefall auf der fast 2 Millionen Quadratkilometer grossen Hocheisfläche wieder ausgeglichen. Im übrigen zeigt die Temperaturhistorie von Grönland in den letzten 2000 Jahren eine abfallende Tendenz, siehe das beigfügte Diagramm. Mit freundlichen Grüssen Dr. D. E. Koelle
Sehr geehrter Herr Koelle, vielen Dank für Ihre Nachricht. Aber keine Angst, ich schließe nun wirklich nicht von der Korrelation auf die Kausalität. Mit der Kausalitätsfrage und den Eiskernbohrungen habe ich mich im ersten Kapitel des in der Fußnote des FAZ-Artikels genannten Beitrages beschäftigt. Die Prognosen stammen vom IPCC, die Aussage, dass der Rekord der letzten 800 Tausend Jahre gebrochen wird, folgt aus den Eiskernbohrungen. Zum Grönlandeis verweise ich auf: Ice-Sheet and Sea-Level Changes” Alley, Richard B., Clark, Peter U., Huybrechts, Philippe und Joughin, Ian, (2005), Science, Vol. 310 No. 5747, pp. 456-460. Danach beginnt das Eis ab einer Erwärmung der Atmosphäre bei 3 Grad Celsius zu schmelzen, natürlich von den Rändern her. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Kollege Sinn! Vielen Dank für Ihren Artikel in der heutigen FAZ. Erlauben Sie ein paar Bemerkungen dazu. Es mag sein, dass ich offene Türen einrenne, da ich leider das Buch, auf das der Artikel Bezug nimmt, noch nicht kenne. Jedenfalls ist es dankenswert, dass Sie die religiöse Komponente des Höllenhauches CO2 relativiert und daraus überzeugende Wirtschaftspolitische Konsequenzen aufgezeigt haben. Ich schreibe Ihnen als emeritierter Radiochemiker und pensionierter Geschäftsführer eines Nuklearbetriebes, der einen Großteil seines Berufslebens mit der intellektuellen Angst -campagne gegen Radioaktivität in Deutschland leben musste. Dadurch sensibilisiert sammle ich nun seit vielen Jahren sorgfältig Literatur zum Wetter, neuerdings als Nicht-begriff Klima überhöht, und lese diese kritisch, um mir ein eigenes Bild außerhalb dieser neumodischen verzichtsethischen Treibjagd machen zu können.. Es ist immer verdächtig, wenn alle sogenannten Fachleute zu ihrem eigenen Nutzen einer Meinung sind. Meteorologen waren immer arme Schlucker und sind erst mit der Klimahysterie an die Fleischtöpfe der Fördermittel herangekommen Umso mehr wundert es, wenn es schon ganz zu Anfang der Beobachtungen eines sich anbahnenden Klimawandels immer Fachleute gab, die einen Einfluss des CO2-anstieges in der Atmosphäre als den bestimmenden Faktor infrage gestellt haben. Meine Sammlung solcher Stimmen hat mittlerweile schon fast biliophilen Charakter und geht weit über die 1000 Zitate hinaus, wobei auch berühmte Forscher darunter sind. Da werden auch beispielsweise die von Ihnen zitierten Bohrkernanalysen aus der Antarktis wegen der Diffusion zwischen den Eisschichten ernstlich in ihrer Aussagekraft angezweifelt. Es scheint aber unbestreitbar zu sein, dass nach einer langen Periode relativ bescheidener Klimaveränderungen nun doch eine Erwärmung messbar ist. Es wird allgemein versucht, durch Vergleiche mit früheren Perioden des Erdklimas eine Zukunftsprognose zu erhärten. Die neuen Klimamodelle schießen aber meist weit über die erwartbaren Veränderungen hinaus und sind damit wenig glaubwürdig. Es fällt auf, dass zwei Grundfragen übegangen werden : 1) Hängen gleichzeitig ablaufende Vorgänge tatsächlich ursächlich zusammen ? Dann könnte man ja beispielsweise durch eine Storchennestanbringungsverordnung auch unsere demographische Delle auswetzen. 2) Lösen lineare Veränderungen einer Bestimmungsgröße bei der anderen unbedingt und nur lineare Veränderungen aus - oder könnten es auch nicht lineare, also degressive oder progressive Folgen sein ? Zu 2) könnte man immerhin fragen, was denn am Menschen-gemachten CO2-anstieg anders wäre, als es die Vergangenheit ausweist. Der einzige Unterschied, der auffallen könnte, ist das D(C)/dt, die Anstiegsgeschwindigkeit, die in geologischen Dimensionen betrachtet von geradezu explosionsartiger Plötzlichkeit ist. Merkwürdigerweise hat dieser Umstand, weil er keinerlei erdgeschichtliches Vorbild hat, noch wenig Beachtung gefunden. Man darf aber vermuten, dass die abmildernden Augleichsvorgänge zwischen den verschiedenen Kohlenstoffdepots der Erde, wie sie bisher immer stattfanden, nicht so schnell folgen können. Das betrifft zu allererst das beweglichste nach der Atmosphäre, das Depot Meerwasser, das ja immerhin 30 mal größer als das der Atmosphäre ist (aus der Umverteilung von Radiokohlenstoff nach den oberirdischen Atombombenversuchen weiß man, dass die obere Meeresschicht CO2 mit einer Halbwertszeit von etwa 12 Jahren mit der Atmosphäre austauscht, von tieferen Schichten weiß man aber nichts), wie auch die Pflanzendecke, das Plankton und die Karbonatbildung in den Gebirgen als Hauptauffang-Reservoirs. Es gibt auch ein Henne-Ei Problem mit der Meerwassertemperatur, die aus welch- immer Gründen ansteigt und damit nicht nur Teile des gelösten CO2 nach Mineralwasserart freisetzt, sondern auch Teile des unter-meerischen Methans. Damit könnte es sein, dass wir wegen der einmaligen Anstiegsgeschwindigkeit bereits jetzt einem sich selbst beschleunigenden Änderungsvorgang ausgesetzt sind, den man nicht mehr durch auch noch so rigorose Exhalationsbeschränkungen aufhalten kann. Das wäre ! zwar wenig ermutigend. Wir wissen es aber nicht. Ebenso könnte es sein, dass die Wärmerückhaltewirkung des CO2 schon heute weit über der atmosphärischen Sättigungsgrenze liegt und mehr davon im Vergleich zum Wasserdampf gar nichts mehr bewirkt - ein degressives Klimamodell. Es würde dennoch die Schlussfolgerung nahe legen, dass wir alle unsere Mittel vorzugsweise für eine Folgenminderung einsetzen müssen, da uns eine wirkliche Klimaänderung ja mindestens über Jahrhunderte begleiten würde, bis der Kohlenstoff-Kreislauf wieder zu den alten Niveaus zurückfindet. Die augenblickliche Vermeidungshektik greift bestimmt nur langsam, wenn überhaupt, und nur mit einer weltweiten Ökodiktatur. Teuer ist sie obendrein. Meinen wir ernstlich, dass wir das Abholzen der letzten Büsche in der Savanne mit aus Deutschland geschenkten Sonnenöfen vermeiden können ? Oder woher sollen die für unsere Ochsenmästung dringend erforderlichen zusätzlichen Sojabohnen kommen, wenn nicht aus den Urwald-Rodungsflächen? Können wir wegen der Methanfreisetzung Japan, Korea, den Philippinen und Indonesien den Nassreis-Anbau verbieten und bei uns die Kuhmilch rationieren? Solcherlei Fragen gibt es viele, aber keine schlüssigen und umsetzbaren Antworten. All das unterstreicht nur Ihre Ausführungen - daher nochmals meinen Dank ! Mit freundlichen Grüßen! Prof. Dr. Wolfgang Stoll (Anmerkung: Diesem Beitrag sind noch folgende Hinweise hinzuzufügen: CO2- Zbigniew Jaworowski, “The greatest scientific scandal of our Time” EIR Science, March 16, 2007, Seite 38 -53, dort: 18 weitere Literaturhinweise. Es gibt darüber hinaus neuere Arbeiten über andere klimawirksame Gase von fast ebenso großem Einfluss ,wie z.B. Methan, und die ebenso neue wie verblüffende Erkenntnis, dass sowohl die Algen der Weltmeere, wie auch die normalen Pflanzen im Sonnenlicht neben Zuckern auch erhebliche Mengen Methan produzieren. Das Thema ist viel verzwickter, als man zunächst glaubt. So schert sich niemand darum, dass z.B. der anaerobe Grenzbereich von einer Tiefe von 250 m im Schwarzen Meer durch Eintrag organischen Materials (Dreck) aus den Zuflüssen in den letzen 20 Jahren bis auf -100 m angestiegen ist und ein Durchbruch mit der Folge von großen Exhalationen von Methan, Ammoniak und Schwefelwasserstoff in irgendeinem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zum Umkippen dieses Meeres führen muß. Prinzipiell kann das irgendwann bei allen Meeren passieren, vor allem nach Algensterben durch Übersäuerung. Das ist neben den Wirkungen von Methan aus den Wirkungen des auftauenden Permafrostbodens eine der vielen großen Unbekannten im Wettergeschehen der Zukunft. Von dem unaufhaltsam anwachsenden Stickoxidul (170 mal wirksamer als CO2) aus unserer Düngung (besonderer Sünder der durch Rapsanbau verdichtete Boden ) will ich erst gar nicht anfangen. Der Wahlspruch heißt: Es gibt viel zu tun: Warten wir´s ab !)
Sehr geehrter Herr Kollege Stoll, haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Stellungnahme, die ich mit Interesse gelesen habe. All Ihre skeptischen Fragen sind berechtigt. Zur Frage der Kausalität zwischen Kohlendioxid-Gehalt und Temperatur gilt natürlich das von Ihnen Gesagte. Im Wesentlichen macht die Temperatur das Kohlendioxid in der Luft, und nicht so sehr umgekehrt. Dennoch gibt es auch die umgekehrte Korrelation, was den Treibhauseffekt hervorruft und verstärkt. Das folgt im Wesentlichen aus Messungen, die man aus dem Weltall bezüglich der zurück kommenden Strahlung gemacht hat. Sie zeigen, dass das Strahlungsspektrum genau im Bereich des Kohlendioxid-Filters Lücken hat. Ich habe solche Themen in meinem Buch diskutiert. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Sinn,Ihre Äußerung über die regionale Anpassung der Hartz4-Sätze ruft bei mir Erstaunen hervor.Kosten für Unterkunft und Heizung übernehmen in der Regel die Städte und Kommunen,egal ob in Berlin,Hoyerswerda,München oder im Sauerland.Die wirklichen Kosten die zu Buche schlagen sind Kosten für Lebensmittel,Gas,Strom und Dienstleistungen,egal ob in Berlin,München,Hoyerswerda oder in der Uckermark.Denn diese Kosten sind überall gleich,Milch,Butter oder Wurst kosten in der Uckermark genausoviel wie in Schwaben.Dazu noch die Dienstleistungen die in einkommensschwachen Regionen zum Teil noch höher liegen wie in Ballungsgebieten. Ich weiß wovon ich schreibe,beziehe nun nicht gerade Hartz4 sondern bin Eu-Rentner und bekomme neben meiner Rente noch Grundsicherung aber nach Abzug der Miete verbleibt mir gerade noch der Regelsatz in Höhe von 359,00 EURO.Und das kuriose an der ganzen Sache ist mir wurden die von mir erarbeiteten Rentenpunkte West in Rentenpunkte Ost umgewandelt. Also bitte sehr geehrter Herr Prof.Sinn erst einmal sehr genau recherchieren und sich dann dazu Äußern.
Sehr geehrter Herr Sonnenberg, die Kosten der Lebensmittel sind keineswegs gleich. Die Unterschiede betragen bis zu 6% zwischen den teuren und billigen Regionen, von der Miete abgesehen. Ich will nur, dass Gleiches gleich behandelt wird. Wer keine Arbeit hat, muss überall so unterstützt werden, dass er den gleichen Lebensstandard hat. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, es redet sich so dahin, wenn man einfach behauptet, die Steuern müssten runter, um die Kaufkraft zu stärken. Wenn dann am Ende stolz verkündet wird, in Höhe von 20 Milliarden Steuern zu senken, sind das letztlich pro Bürger auch nur runde 250 Euro pro Jahr. Und das einmalig. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass eine Steuerersparnis von rund 21 Euro pro Monat dazu motiviert, Geld auszugeben? Alles nur Geschwafel, man hört eben hin, weil das ein namhafter Wirtschaftsexperte von sich gibt. Sicher haben Sie Recht, wenn Sie behaupten, wir hätten zu hohe Lohnsteuern; nicht nur das, wir haben insgesamt zu eine hohe Abgabenrate im Vergleich zu anderen europäischen Ländern; und zwar erheblich. Während Arbeitnehmer z. B. in Irland etwa 25 Prozent Abgaben leisten, sind es bei uns um die 50 Prozent; bei Beamten allerdings nur 28 Prozent. Aber ist das ein Wunder? Müssen wir doch alle die mitversorgen, die niemals auch nur einen Cent einzahlen und trotzdem ein Anrecht auf Leistungen haben dürfen. Sie vertreten weiter die Ansicht, die Verbraucher müssten Geld ausgeben, damit die Wirtschaft in Schwung kommt. Wer hat denn die Wirtschaft in den Dreck gefahren - doch nicht die Verbraucher? Unternehmen sollten investieren, neue Maschinen kaufen und Gebäude bauen? Wie schlau? Warum sollten Unternehmen so etwas tun, wenn keine Aufträge da sind, die die Finanzierung sichern? Sicherlich wären neue Gebäude sinnvoll; aber nur als Abschreibungsmodelle. Das hilft der Wirtschaft auch nicht weiter. Was nutzen denn so zu schaffenden Arbeitsplätze? Wenn Haushalte und Firmen zu viel sparen, müsse sich der Staat verschulden, meinen Sie? Ich meine, dann muss auch der Staat sparen. Dann gibt es eben keine neuen Stadtschlösser, Hauptbahnhöfe oder sonstige Prunkbauten. Da kann man eben Beamten großzügig Sozialleistungen und Pensionen spendieren oder Abgeordneten Luxusdiäten und -pensionen spendieren. Wenn Haushalte und Firmen sparen, hat das sicher Gründe, sowohl privat als auch unternehmerisch. Wer will schon gern in die Insolvenz? Im Übrigen sollten Haushalte sparen, wenn es nach den Politikern geht - nämlich fürs Alter Vorsorge treffen! Erstaunlich auch, dass bei jeder prekären Situation sofort irgendwelche Experten nach vorn stürmen und ihre Weisheiten zum Besten geben wollen - natürlich i.d.R. im Sinne der jeweiligen führenden Politiker. Man möchte doch recht lange "dazugehören" und vom Kuchen eine möglicht große Scheibe abbekommen. Für mich ist das mehr Heuchelei als der Sache dienlich zu sein. Wer hat uns denn in den ganzen Schlamassel hineingeritten? Die Bürgerinnen und Bürger bestimmt nicht - eher größenwahnsinnige und geldgierige Politiker? Zumal wir von den ewigen, später dann aber nicht eintretenden Wirtschaftsprognosen langsam die Nase voll haben sollten. Das ist meine Meinung!
Sehr geehrter Herr W., vielen Dank für Ihre Meinung. Aber bedenken Sie bitte, dass wir derzeit die bei weitem schlimmste Rezession der Nachkriegszeit überwinden müssen. Dazu haben die Staaten der westlichen Welt ein Verschuldungspaket von 1.4 Billionen Dollar geschnürt. Ohne die Verschuldung hätte die Krise einen Verlauf wie 1929 bis 1932 nehmen können. Der Anfang, die ersten 11 Monate, war identisch, doch dann konnte die Wirtschaft abgefangen werden. Eine Verschuldung von zusätzlichen 1% des BIP, wie ich sie vorschlug, erspart uns mindestens etwa 1% Schrumpfung, wahrscheinlich noch mehr. Sie tritt hinzu zu der automatischen Verschuldung wegen der höheren Arbeitslosengelder und der wegbrechenden Steuerereinnahmen. Übrigens ist die Steuersenkung nicht einmalig, sondern dauerhaft. Der genannte Betrag bezieht sich auf ein Jahr. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie sagten in der Runde, dass durch die Agenda 2010 die Arbeitslosigkeit 2006 und 2007 gesunken sei. Interessierte Bürgerin, aber in ökonomischen Fragen fehlt mir Fachwissen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Oben genanntes Argument ist oft zu hören, wird auch oft bestritten. Meine Frage, welche Maßnahmen der agenda 2010 haben zu diesem Erfolg geführt? Ist es nicht auch so, dass durch Anspringen der Weltwirtschaft, durch größere Nachfrage, die Arbeitslosigkeit, ohne Unterstützung aus der Politik, sinkt? Danke für eine Antwort! Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrte Frau A., in der Tat liegt bei der Weltkonjunktur der Haupteffekt. Das hatte ich bei der Sendung ja gesagt. Indes war diesmal die Belebung am Arbeitsmarkt viel stärker als sonst. Der Zusatzeffekt war eine Million mehr Stellen in Westdeutschland, als es bei einer Wiederholung früherer Aufschwungmuster zu erwarten gewesen wäre. Auf unserer Homepage finden Sie mehr dazu. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe eine Frage an Sie bezüglich der Pleitewelle in Deutschland. Wenn ich z. B. nur den aktuellen Fall "Quelle" (ca. 7000 Mitarbeiter) und den Fall "Karmann" (weitere 800 von einst 7000 noch vor 5 Jahren, bleiben noch 800 Mitarbeiter übrig) hier in der Region nehme, wie verheerend wird sich dies in 1o, 15, 20 Jahren auf die (Renten)-sozialkassen auswirken ? Ich sehe da dramatische Anforderungen auf die Sozialhilfekassen auf uns zu kommen. Wie wird der Staat diese Mittel aufbringen können ? Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr D., uns stehen in der Tat schwierige Zeiten bevor. Allerdings belasten die Pleiten von heute die Zukunft nur in dem Maße, wie die Arbeitslosengelder von heute durch Schulden bezahlt werden. Der Wegfall der Arbeitsplätze selbst ist nur dann ein Problem für die Zukunft, wenn er nicht durch neue Arbeitsplätze ersetzt wird. Das war in der hundertfünfzigjährigen Geschichte der Industriegesellschaft aber noch immer der Fall gewesen. Am besten wäre es natürlich, Quelle hätte die Kurve rechtzeitig gekriegt und könnte überleben. Aber so ist es nun mal nicht. Quelle nun mit Staatsgeldern zu retten wäre ein großer Fehler. Das könnte ein Fass ohne Boden werden. Quelle hatte sich offenbar überlebt. Die Firma hat den Wandel zum Internet total verschlafen und wurde von Wettbewerbern verdrängt. Dort entstehen heute die Arbeitsplätze. Überall im Land entstehen zum Beispiel derzeit neue Verteilerzentren und Lagerhallen für Amazon. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Vielen Dank für Ihre Beiträge zur gestrigen Phönix-Runde. Sie, als „neoliberaler Papst“ (im Wortgebrauch der Linkspartei) haben es besonders schwer, weil auf Sie die Aggressionen der Linken, fast einer ganzen Gesellschaft mit strukturell linker Mehrheit - auf Sie personifiziert werden. Ich finde das ist nicht unwichtig, wenn es zur Betrachtung Ihrer Argumentation kommt. Denn ich bin mehr als überrascht, dass Sie als Protagonist eines großen Staatsdefizits auftreten. Gerade vor dem Hintergrund der ersten Weltwirtschaftskrise erscheint diese Maßnahme doch diskussionswürdig. Setzt man ein solches Instrument ein, dann müsste auch eine keynesianische Krise vorliegen. Unbestritten, dass die Weltwirtschaft einen starken exogenen Schock hinnehmen musste. Aber gleichzeitig sind in diesem Modell etliche Aspekte fragwürdig. Günstiges Geld steht zur Verfügung aufgrund der hohen Sparleistung, das Zinsniveau ist niedrig wie lange nicht mehr. Der Schlussfolgerung, dass nun durch Staatskonsum die Nachfrage belebt werden müsse, fehlt das Fundament. Denn, wenn zu wenig Arbeitsplätze da sind, gleichzeitig aber mehr als genügend Geld, dann müssen die Gründe für die niedrige Beschäftigung und das schwache Wachstum an anderer Stelle gesucht werden. Und das wäre viel weniger die Nachfrage, sondern primär die Investitionen. Sie haben in früheren Veröffentlichungen häufiger davon geredet, dass die Gewerkschaften auf dem Arbeitsmarkt keine beschäftigungsförderlichen Löhne vereinbart haben. In Bochum kämpft ein OPEL-Werk um das Überleben, dessen Personalstundensatz mit ca. 34€ ungefähr viermal (!) so hoch ist wie in Gliwice (Polen) mit ca. 8€. Deutschland liegt mit seinen Lohnkosten, im Durchschnitt des verarbeitenden Gewerbes, an 3. Stelle weltweit - noch. Gleichzeitig gibt es keine nennenswerten deutschen Consumer-Electronic-Hersteller mehr, die wenigen Fachkräfte des Elektrotechnik-Bereichs werden quasi überall gebraucht. Ein Freund, beschäftigt bei Siemens-BenQ, wurde mit der Einstellung der Handyproduktion arbeitslos, fand jedoch einen Monat später Arbeit bei NOKIA in Bochum und nach der Schließung dieses Werkes war er wiederum nach einem Monat in einem neuen - guten - Beschäftigungsverhältnis. Ihre Nachfrage-Argumentation übersieht die Rigiditäten, die sich auf dem Arbeitsmarkt ergeben haben: Am Anfang dieses Jahres wurden wir an vielen Stellen mit Forderungen von 8%-Steigerung überrascht. Natürlich fallen dann immer mehr wenig Qualifizierte und Ältere aus der Beschäftigung. Wenn die Freiheit der Vereinbarung von Arbeitsentgelten bestehen lässt, dann muss auch die Verantwortung daran gekoppelt sein - was sie nicht ist. Die Flexibilität der Löhne ist nicht gegeben, das ist eine der härtesten Rigiditäten. Wir haben hier einen ganz anderen Faktor für die Dauer-Arbeitslosigkeit in Deutschland als den Nachfragemangel. Ganz ähnliches Verhalten zeigte sich in den USA in der Folge der ersten WW-Krise. Die Gewerkschaften nutzten ihre Verhandlungsmacht, um trotzdem noch hohe Lohnzuwächse durchzusetzen. Weder die protektionistischen Maßnahmen noch die vielfältigen Eingriffe durch Hoover und FDR führten zu einer Lösung des Problems - trotz hoher Staatsdefizite sowohl unter Hoover wie unter Roosevelt. Ich darf daran erinnern, dass 1938 die Arbeitslosenquote in USA immer noch 18% betrug - nach mehr als 6 Jahren „New Deal“, trotz einer für damalige Zeiten vergleichbar immensen Verschuldung. Das deficit-spending, der vermehrte Staatskonsum war damals keine adäquate Reaktion auf die Krise. In den USA wurde sicher keine „Parallelpolitik“ betrieben, und gleichzeitig blieb die schreckliche Situation unverändert. Im Gegenteil, der überbordende Staatseinfluss verlängerte und vertiefte die Situation sogar noch weiter (siehe dazu: Shlaes, Higgs, Rauchway, Murphy, früher schon - Rothbard). Ihre Nachfragemangel-Argumentation lässt sich historisch nicht validieren. Die unglaublich geringe Investitionsquote in Deutschland hat zuallererst eine mikroökonomische Ursache (ebenso wie die wachsende Sozialquote). Die Beschäftigung ist primär von der Investitionstätigkeit abhängig. Wir kämpfen ja nicht allein gegen den Zuwachs an Arbeitslosigkeit durch diese Krise, sondern gegen die hohe Sockelarbeitslosigkeit, die sich in Deutschland trotz mehr als 30 Jahren ungebrochener Staatsverschuldung eingestellt hat. Meiner Ansicht nach geht Ihre Differentialdiagnose auf wesentliche Aspekte nicht (mehr) ein, die sie früher noch vertreten haben - ich bedaure, sagen zu müssen, dass Ihre Argumentation sich sozialdemokratisiert hat. Angesichts des öffentlichen Drucks auf Sie könnte man diesen Umschwung durchaus verstehen - aber ich fürchte, er vermeidet die Auseinandersetzung mit den wirklich umstrittenen Themen und ist nicht sachgerecht. Mit freundlichen Grüßen - Bernhard Hamilton
Sehr geehrter Herr Hamilton, ich teile Ihre Auffassung bezüglich der Lohnrigiditäten voll und ganz. Sie sind der Grund für die strukturelle Zunahme der Arbeitslosigkeit während der letzten Jahrzehnte. Dazu schreibe ich mir ja beständig die Finger wund. Nur dürfen Sie nicht übersehen, in welcher Situation die ganze Welt seit einem Jahr steckt. Dies ist die bei weitem schärfste Rezession der Nachkriegszeit mit geradezu dramatischen Nachfrageeinbrüchen. Alle, aber auch wirklich alle Institutionen, die den Prozess aus ökonomischer Sicht kommentiert haben, ob Sie nun den IMF, die Weltbank, die deutschen Institute oder die Zentralbanken der USA oder der EU nehmen, sehen das gleich. Man kann unter schleichendem Siechtum leiden und sich gleichzeitig das Bein brechen. Das ist die Situation von Deutschland heute. Das Bein muss geschient werden, und gleichzeitig muss das Siechtum bekämpft werden. Konkret muss man mit keynesianischem Deficit Spending die Wirtschaft vor dem Absturz retten und den Arbeitsmarkt von seinen Lohnrigiditäten befreien. Ein Großteil der Diskussion gestern ging um die Lohnrigiditäten, und da habe ich Ihre Position doch voll und ganz vertreten. Ich verstehe deshalb nicht, wo Sie die Sozialdemokratisierung meiner Argumentation sehen. Ich bin doch kein Ideologe, der grundsätzlich dieselbe Medizin verschreiben will, egal welche Krankheit der Patient hat. Kommentare wie Ihren kriege ich von Seiten der Linken übrigens spiegelbildlich. Offenbar möchte man mich in Lagern verorten und ist irritiert, wenn ich da nicht hineinpasse. Das erfüllt mich in gewisser Hinsicht mit Genugtuung, denn nichts fände ich schlimmer, als in einem politischen Lager verortet zu werden. Ich habe übrigens die keynesianischen und die angebotsorientierten Probleme immer zugleich im Blick gehabt und die Marktfehler wie die Leistungen des Marktes gleichermaßen betont. Das können Sie an meinem Schriftenverzeichnis unschwer erkennen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Lob für klare Worte Sehr geehrter Herr Sinn, Sie werden sich sicher fragen, warum ich Ihnen schreibe. Nun, ich bin kein prominenter Chefökonom wie Sie, kein Berufspolitiker und auch kein Unternehmer. Ich bin "nur" ein einfacher Bürger, der sich im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise um seine Zukunft sorgt. Ich habe die gesamte Debatte zwecks Konjunkturpaket, Einbindung des Klimaschutzes darin und die Frage des richtigen Finanz- und Wirtschaftssystems genau verfolgt. Sie waren deswegen ja häufig im Fernsehen, sodass ich mir die Meinung eines Experten anhören konnte. Ihre Argumentation sowie Ihre Rhetorik waren dabei überaus überzeugend. Ich erinnere mich, wie Sie auf nTV Herrn Töpfer mit seinen unrealistischen und gutmenschlichen Absichten bezüglich des Klimaschutzes entgegengetreten sind und dabei Dinge aufgedeckt haben, die mir nicht in der Dimension bewusst waren (Emmissionshandel etc.). Und auch Ihre Zurückweisung der Kritik am "kapitalistischen System" (trotz seiner offenkundiger Mängel) bei Anne Will war gekonnt und für mich eindrucksvoll. Ich wünschte, dass es mehr Menschen wie Sie geben würde, die mit Ihrem Sachverstand die Menschen nicht in die Irre führen, sondern klar und deutlich das aussprechen, was offenkundig richtig ist und den Tatsachen entspricht. Da Sie über diese Fähigkeiten verfügen, frage ich mich, warum Sie nicht versuchen dort zu wirken, wo letzlich die wichtigen Entscheidungen gefällt werden, nämlich in der Politik? Wie dringend dort Fachkompetenz benötigt wird, beweisen doch nur die lächerlichen Versuche der SPD (Konsumgutscheine) und der LINKEN (generelle Systemdebatte), die Krise zu meistern. Wie Sie die Dinge erklären und analysieren können, glaube ich, dass Sie in der Politik schnell Fuss fassen könnten, natürlich nur bei einer wirtschaftlich fortschrittlich denkenden Partei wie der CDU oder der FDP. Aber diesen Schritt werden Sie, wie Sie erst kürzlich "Im Dialog" erläuterten, nicht gehen. Daher hoffe ich umso mehr, dass Sie weiterhin mit Ihrem Sachverstand öffentlich wirksam auftreten, um damit nicht nur die Regierung und die Parteien zu beraten bzw. zu kritisieren, sondern auch dem einfachen Bürger erklären, was konkret zu tun ist, um die Krise einigermaßen gut zu überstehen und um den Menschen damit die Hoffnung auf bessere Zeiten zu geben. Fassen Sie dies als eine Bestätigung Ihrer Arbeit sowie als einen Apell für dessen Fortsetzung auf. Mit den besten Grüßen aus der Saalestadt Jena, Steffen Prosser P.S. Ihren Vergleich mit den Juden fand ich weder geschmacklos noch historisch unhaltbar. Ich hätte mir da ein wenig mehr Widerstandskraft von Ihnen gewünscht, um nicht gleich beim ersten Aufschrei zurück zu rudern. Falsche Rücksichtnahme auf jüdische Empfindlichkeiten war bei Ihrem Vergleich nicht nötig, zumal Ihre Anspielung mit den Sündenböcken doch eher die Juden entlastet und in Schutz genommen hat.
Sehr geehrter Herr Prosser, haben Sie vielen Dank für Ihren sehr verständigen Beitrag. Ich freue, dass mein Bemühen um Rationalität und Wahrheit in dieser emotional aufgeladenen Zeit anerkannt wird. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Hans Werner Sinn Ihre Diskussionsbeiträge in der gestrigen Talk-Show Anne Will Düstere Aussichten 2009 - Geld weg, Jobs weg, Vertrauen weg haben mir gefallen, insbesondere Ihre Aussagen zur Sozialökologischen Marktwirtschaft im Gegensatz zum Turbokapitalismus. Für mich ist der Widerspruch zwischen sozialistischer Planwirtschaft und der Sozialökologischer Marktwirtschaft genau so groß wie letzterer zum Kapitalismus. Ich definiere den Kapitalismus als eine Wirtschaftsform, in der man ohne eigene Leistung durch das Verleihen von Kapital wegen des Zinseszinseffekt exponentiell reicher wird. Diese Eigenschaft steht prinzipiell im Widerspruch zum Leistungsprinzip der Marktwirtschaft. Auch die gegenwärtige Finanzkrise führe ich darauf zurück und nicht auf das Fehlverhalten der Banker oder der Gier der "Heuschrecken". Von Silvio Gesell und anderen Wirtschaftsfachleuten habe ich gelernt, dass die Ursache für diese Eigenschaft des Kapitalismus auf den Systemfehler des Geldes zurückzuführen ist und, dass dieser Fehler beseitigt werden kann, wenn man umlaufgesichertes Geld einführt. Ich würde mich freuen, wenn Sie Ihren Einfluß einsetzen könnten, um ernsthaft über die Einführung eines umlaufgesicherten Geldes im Euro- Raum nachzudenken. Zum Schluß noch eine konkrete Frage: Wie groß ist der Anteil am Bruttoinlandprodukt, der auf marktwirtschaftliche bzw. kapitalistische Aktivitäten zurückzuführen ist? Dabei nehme ich an, dass der Staatsanteil nicht darin enthalten ist und die Zinskosten in den Preisen den kapitalistischen Aktivitäten zugerechnet werden müssen. In der Hoffnung Antwort zu bekommen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen Dr.- Ing. Norbert Schenke
Sehr geehrter Herr Schenke, vielen Dank für Ihre Nachricht und die netten Worte. Der private Anteil am Bruttoinlandsprodukt liegt derzeit bei etwa 55%. Der Rest, also etwa 45%, ist der Staatsanteil. Beide Anteile enthalten Zinskosten. Mit besten Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, gestern Abend habe ich im Fernsehen eine Diskussionsveranstaltung verfolgt, in der Sie u.a. behaupteten, daß das französische Bildungssystem dem (sic) deutschen Bildungssystem überlegen sei, wie die PISA-Ergebnisse bewiesen hätten. Dieser Vorsprung beruhe, so führten Sie weiter aus, auf der in Frankreich bestehenden Vorschulerziehung ("école maternelle"). Bereits der undifferenzierte Vergleich des zentralistischen französischen Bildungssystems mit dem föderalen bundesdeutschen Bildungssystem ist irreführend und führt in der - nicht nur - von Ihnen vorgetragenen Form zur Desinformation des Publikums. Tatsächlich lagen in der PISA-Studie von 2003 ("Kompetenz der 15-jährigen Schüler in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften - die Bundesländer im internationalen Vergleich") die Länder Bayern (2. Platz), Sachsen (8. Platz) und Baden-Württemberg (10. Platz) deutlich vor Frankreich (15. Platz). Dieses Ergebnis müßte somit zu ganz anderen Schlußfolgerungen führen (wie auch die innerdeutschen Studien, die nur zu gerne übergangen werden). Die Unicef-Studie des Jahres 2007 ("Zur Lage der Kinder in Industrieländern") bestätigte erneut, daß das französische Bildungssystem alles andere als vorbildlich ist. Im Bereich "Bildung" belegte Frankreich den 16. Platz und lag damit nicht nur weit hinter Bundesländern wie Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen u.a. zurück, sondern sogar hinter dem bundesdeutschen Durchschnittsergebnis (Platz 10). Mit freundlichen Grüßen Peer Volkmann Dr. Peer Oliver Volkmann
Sehr geehrter Herr Volkmann, dass es einige Bundesländer gibt, allen voran Bayern, die im internationalen Vergleich hervorragend sind, wird ja vom Ifo laufend betont. Dennoch ist klar, dass unser System zu verbessern ist, insbesondere was die Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen betrifft. Deutschland hat beim PISA-Text neben den USA die größte Streubreite zwischen guten und schlechten Schülern. Ich verweise Sie auf das Buch "Letzte Chance für gute Schulen" von Ludger Wößmann, der der Bereichsleiter der bildungspolitischen Abteilung des ifo Instituts ist. Dort werden die PISA-Ergebnisse ökonometrisch ausgewertet. Was ich gesagt habe, basiert auf diesen Untersuchungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: Phoenix-Interview vom 19.10.2008 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, bei Ihrem Interview stellte sich mir folgende Verständnisfrage. Situation 1. Eine deutscher Hersteller von Dieselmotoren exportiert jetzt nach Frankreich 30 Großdieselmotoren. 2. Durch Herstellung der Motoren fällt eine große Menge an C02 an. (Gießerei usw.) 3. Das Gerät wird exportiert 4. Wären die Motoren in Frankreich hergestellt worden, wäre dort der C02 Ausstoß angefallen. 5. Der wirtschaftliche Nutzen der Wertschöpfung fällt also in Frankreich an. 6. Wäre es nicht fair, dass dem Exporteur aus Deutschland die C02-Zertifikate gutgeschrieben werden, weil der Artikel praktisch für ein anderes Land produziert worden ist. Und der CO2-Ausstoß dort vermieden wurde? 7. Ich finde es unfair, dass einseitig der CO2-Ausstoß an der Quelle besteuert wird und nicht bei denen, die davon einen Nutzen haben. Mit freundlichen Grüßen R. Rausch aus Frankfurt
Sehr geehrter Herr Rausch, ich habe viel Verständnis für Ihre Position. Indes geht man bei den C02-Berechnungen davon aus, dass die Zertifikatekosten Produktionskosten wie Lohnkosten und ander Kosten auch sind, die dem Hersteller beim Verkauf ja entgolten werden. Insofern ist die Zurechnung zum Ort der Produktion systematisch wohl korrekt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin mir nicht sicher, inwieweit es mir zusteht, Ihnen auf diesem Wege eine Nachricht zu schreiben, schließlich bin ich „nur“ ein einfacher Student der Wirtschaftsinformatik an der Uni Bamberg und befinde mich somit auf einem sozusagen weitaus niedrigeren „Niveau“ wie Sie es als Professor. Dennoch würde ich Ihnen an dieser Stelle gerne einige meiner Gedanken zusenden, die ich während der Sendung „unter den Linden“ auf dem Kanal Phoenix hatte. Mit Begeisterung habe ich Ihre Aussagen verfolgt. Wie Recht Sie doch immer und immer wieder haben. „Die Managergehälter sind kein Gerechtigkeits-, sondern ein Knappheitsproblem“. Kein Staat der Welt kann das kontrollieren, es müssten – wie Sie ja auch gesagt haben – diejenigen tun, die diese Gehälter zulassen und das sind nun mal die Eigentümer. Und wenn diese der Meinung sind, dass ein Manager eine so große Leistung erbringt, dass er dafür 70 Mio $ erhalten sollte, dann ist es eben so. Für „angemessen“ halte ich das nicht. Für „von außen änderbar“ auch nicht. Und all diejenigen, die nach mehr „Gerechtigkeit“ schreien, tun dies – meiner Ansicht nach – nur aus einem Grund: Um selbst mehr „vom Kuchen“ zu erhalten. Insoweit ist dies – wie Sie sagten – sicherlich eine Neiddebatte, auch wenn das keiner zugeben mag. Faszinierend fand ich Ihre Feststellung, dass es gerade bei „staatlich geführten Banken“ wie der Sachsen LB und anderen zu noch weitaus größeren „Fehlern“ gekommen ist, das war mir bis dato nicht so bewusst. Doch es zeigt mir, dass wieder einmal diejenigen, die jetzt das große „Heil“ und Können versprechen, selbst noch viel weniger in der Lage zu sein scheinen, die Probleme in den Griff zu bekommen. Und das sind ja anscheinend insbesondere Probleme der – zumindest für mich – unendlich großen Gier nach mehr Reichtum. Auch wenn ich „jüngeren Jahrgangs“ bin, so bin ich doch der Meinung, dass es uns hier in Deutschland doch im Vergleich zu anderen Ländern wie bspw. Afrika wirklich sehr gut geht. Daher sollten die Menschen doch eigentlich froh sein, dass dies so ist. Aber ich habe manchmal den Eindruck, dass mit steigendem Wohlstand die Dankbarkeit doch sehr stark verloren zu gehen scheint, zumindest bei einigen. Wahrscheinlich auch bei mir, leider Gottes. Während meines (sich dem Ende zuneigenden) Studiums hatte ich u.a. die Schwerpunkte „Steuerlehre & Wirtschaftsprüfung“ belegt. Ich hatte dort einen Professor „älteren Jahrgangs“ (Prof. Kupsch), der – meiner Ansicht nach – ein starker Verfechter des „alten“ HGB-Systems war und von den Zeitwertbewertungen bei verschiedenen Finanzinstrumenten bei IFRS so rein gar nichts zu halten schien bzw. diese immer mit großem Argwohn beleuchtete. Insbesondere die Tatsache, dass hierbei Werte, die vom Unternehmen nicht realisiert wurden und in diese „Neubewertungsrücklage“ eingestellt werden, wurden von Ihm mit einem skeptischen Blick und einer kritischen Ausdrucksweise dargestellt. Als Sie in der Phoenix-Sendung auf das „Vorsichtsprinzip“ nach HGB hinwiesen, musste ich an „meinen“ ehemaligen Professor denken und dachte mir „wie Recht dieser Mann doch hatte“. Vor kurzem war ein Spiegel-Artikel mit der Überschrift „Die Menschen denken kürzer“ (o.ä.) aufgefallen. Glauben Sie, dass die derzeitige Krise nicht auch ein Phänomen gerade dieses verkürzten Denkens ist? Dass Betroffene eben gerade nicht vorsichtig genug (i.S.v. Gedanken wie „was wäre eigentlich, wenn…?“) agierten und glauben Sie, dass sich dieses Denken in Zukunft wieder verstärkt durchsetzt? Oder bewirken die „staatlichen Rettungspakete“ nicht genau das Gegenteil? Dass man den Menschen weis machen will, dass sie sich eben doch keine Gedanken machen brauchen? Aber würde dies nicht dazu führen, dass diese „Sorglosigkeit“ nicht von neuem einsetzt? Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht haben Sie eine Antwort auf meine Frage. Im Phoenix-Gespräch sagten Sie noch, dass sich in Amerika in den nächsten 10 Jahren ein „Anpassungsprozess“ etablieren würde, aus dem dieses Land „geschwächt“ in seiner Kraft herausgehen würde. Auch von diesem Gedanken bin ich ganz stark überzeugt. Doch welche Fragen mich weitaus mehr beschäftigen sind die: wie ändert sich hierdurch das „weltpolitische Gleichgewicht“? Welche Länder werden dann die „Macht“ inne haben? Wird es China und / oder Russland sein und wie sollten wir uns hier in Europa Ihrer Meinung nach diesen Ländern schon jetzt gegenüber verhalten? Vielleicht merken Sie es an dieser Stelle bereits: Natürlich. Ich bin eine gewisse „Ordnung“ gewöhnt und verspüre selbstverständlich Sorgen und Zweifel, inwieweit sich das Gewohnte in Zukunft wohl ändern werde. Daher sind diese Fragen sicherlich auch als egoistisch zu klassifizieren. Meiner Meinung nach ist übrigens JEDER MENSCH natürlich egoistisch, auch diejenigen, die immer wieder versprechen, es gehe um das „Gemeinwohl“. Ich kann das wirklich keinem Menschen glauben, denn ich bin überzeugt davon, dass auch diese nur ihren eigenen „Kragen retten“ oder diesen „ausweiten“ wollen. Sie haben gesagt „die Amerikaner müssen lernen, den Gürtel enger zu schnallen“. Doch werden Sie das Ihrer Meinung nach auch? Und wie wird dieser „Prozess“ aussehen? Wird er reibungslos ablaufen? Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht einfach ist – zumindest für mich – zu erkennen, dass man sich eben dies oder jeniges auf Grund knapper werdender finanzieller Mittel nur noch bedingt leisten kann, daher schätze bzw. eigentlich befürchte ich, dass die derzeitige Krise wohl noch einige – vielleicht viel schwerer wiegende – Krisen nach sich ziehen könnte. Da es mir auf Grund der Gegebenheiten leider nie möglich war, Sie persönlich bspw. im Rahmen einer Vorlesung sehen und reden hören zu dürfen, würde ich mich natürlich überaus freuen, wenn Sie mir Antworten auf meine Fragen zusenden würden. Allerdings gehe ich davon aus, dass Ihre Zeit sicherlich weitaus knapper bemessen ist, als bspw. meine. Nichts desto weniger, würde eine Antwort für mich – gerade aus dem Grund der Knappheit Ihrer Zeit – für mich einen überaus großen Wert darstellen. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, so bestimmt die Knappheit ja den Preis. Und der wäre in diesem Falle wohl so hoch, dass ich ihn nicht bezahlen könnte. Der einzige Preis, den ich bezahlen könnte, wäre wohl der der Dankbarkeit. Aber den würde ich auch schon bezahlen, sofern Sie vielleicht Zeit finden könnten, meine Worte dieser Mail zu lesen. Vielen Dank. Hochachtungsvoll, Michael Langer
Sehr geehrter Herr Langer, haben Sie vielen Dank für Ihre tiefen Gedanken zu dem Thema. Mit dem Hinweis auf die Sorglosigkeit, die durch das Rettungsprogramm verursacht wird, treffen Sie den Nagel auf den Kopf. Was ihre Frage zum Anspassungsprozess in Amerika betriftt, so befürchte ich, dass er auf dem Wege über eine Wirtschaftsflaute stattfinden wird. Wenn die Wirtschaft absackt, gehen die Einkommen zurück, und die Importe werden kleiner. Nur so kann das Leistungsbilanzdefizit behoben werden, und es muss wohl behoben werden, denn dass von nun an jedes Jahr von neuem über 600 Mrd. Dollar zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits nach Amerika fließen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. HWS
Sehr geehrter Herr Sinn, Laut GG muss der Staat das Eigentum der Bürger schützen. Meine Beobachting ist derzeit, dass in vielen Kommunen die innere Geldzirkulation gegen Null geht. Muss Geld nicht zunächst dort umlaufen, wo tatsächlich Menschen leben ?
Sehr geehrter Herr Licher, vielen Dank für Ihren Beitrag vom 29. August an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie beziehen sich offenbar auf Art. 14 Grundgesetz, in dem es in Abschnitt 1 heißt „Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet“: In Abschnitt 3 steht „Eine Enteignung ist nur zum Wohl der Allgemeinheit zulässig“: Ich bin kein Jurist, der diese Aussagen kompetent interpretieren könnte. Dennoch glaube ich, dass Sie das Grundgesetz korrekt verstehen, wenn Sie sagen, der Staat müsse das Eigentum schützen. Ihre Frage „Muss Geld nicht zunächst dort umlaufen, wo tatsächlich Menschen leben?“ verstehe ich so, dass Sie sog. „regionale Wirtschaftskreisläufe“ fordern. Damit versteht man eine Wirtschaftsform, in der sich die Nachfrage zunächst auf das lokale Angebot stützt und auch das Angebot versucht, sich nach der lokalen Nachfrage zu richten. Damit sind Vorteile bei der Informationsbeschaffung über die gehandelten Güter verbunden, aber auch ein Vertrauensvorschuss, den man dem benachbarten Produzenten entgegen bringen mag. Zudem kann man die notwendigen Transportleistungen gering halten, weil man eben im regionalen Wirtschaftskreislauf verbleibt. Auch wenn eine solche Wirtschaftsform viele Vorteile hat, darf man doch nicht das Tätigwerden in der globalen Wirtschaft gering schätzen, da letztere mitunter erheblich größere Spezialisierungsvorteile als der regionale Wirtschaft bietet. Die Diskussion über die Vor- bzw. Nachteile der regionalen bzw. der globalen Wirtschaft wird es immer geben. Eine kritische Rolle spielen dabei, meiner Ansicht nach, die anzurechnenden Transportkosten. Es geht also um die Frage, wie sich die korrekten volkswirtschaftlichen Transportkosten, in einem breiteren Verständnis sagen manche auch die räumlichen Transaktionskosten, bestimmen. Auch da kann man sich lange streiten. In jedem Falle weiß man, dass sich die Transportkosten in der langen Frist verminderten und so das Nutzen der Spezialisierungsvorteile der globalen Wirtschaft begünstigten. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Werter Herr Prof. Sinn Ich habe heute im Internet gelesen das Sie geäußert haben das eine Lohnangleichung in Ost und West nicht notwendig sei. Weil ja im Osten alles viel billiger ist. Ich frage mich wie Sie darauf kommen? Ich bin viel unterwegs und das meistens in den Alten Bundesländern und ich kann bei den normalen Lebensunterhaltungkosten keine Unterschiede feststellen. Bei vielen Dingen wie Energie, Wasser und anderem sind die Kosten erheblich höher als in den Alten Bundesländern. Aber mal von den Kosten abgesehen, bedeutet das auch das damit die Ostdeutschen Unternehmen für erheblich weniger Geld arbeiten müssen, weil die Kunden sonst nichts bezahlen können. Damit werden die Ostdeutschen Unternehmen schön klein gehalten. Die Unternehmer verdienen nur die hälfte der Unternehmer in den Alten Bundesländern, haben kaum Möglichkeiten zum investieren, geschweige denn Eigenkapitalbildungen vorzunehmen. Sollen diese Unternehmen klein gehalten werden, damit sie keine Konkurenz für Westdeutsche Unternehmen werden können ? Ich bin seit über 20 Jahren Unternehmer und ich werde in den nächsten jahren aus den Osten abwandern in den Westen wo ich dann für meine Arbeit und meine Produkte höhere Preise erzielen kann, denn meine Kinder sollen mein Unternehmen einmal weiterführen und ich Ostdeutschland besteht keine Zukunft dafür.
Sehr geehrter Herr Neumann, vielen Dank für Ihr Mail vom 08. August an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie beziehen sich offensichtlich auf eine Aussage von Prof. Hans-Werner Sinn in Bild Online vom 8. August, wonach das Leben in Ostdeutschland rund 10% billiger sei. Diese Aussage lässt sich durch Angaben der amtlichen Statistik belegen. Für das Jahr 1993 hat das Statistische Bundesamt einen zwischenörtlichen Vergleich der Verbraucherpreisniveaus geliefert. Diese Angaben wurden zwischen 1993 und 2001 anhand der Veränderungsraten der amtlichen Verbraucherpreisindizes des Statistischen Bundesamtes für West- und Ostdeutschland fortgeschrieben. Im Jahre 2001 belief sich das Verbraucherpreisniveau für Ostdeutschland auf 92,2% des westdeutschen Wertes (vgl. ifo Schnelldienst 11/2001, S. 28-31). Nach 2001 hat das Statistische Bundesamt keine Verbraucherpreisindizes getrennt für West- und Ostdeutschland veröffentlicht. Ob es zwischen 2001 und 2006 eine Annäherung des ostdeutschen Wertes gegeben hat, lässt sich anhand der Preisentwicklung der privaten Konsumausgaben in den einzelnen Bundesländern abschätzen. Entsprechende Angaben findet man beim Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des Länder, der beim Statistischen Landesamt Baden-Württemberg angesiedelt ist; der aktuelle Rand dieser Statistiken ist 2006. Aus den genannten Statistiken lässt sich für den Zeitraum 2001 bis 2006 durch den Vergleich der Konsumentwicklung in laufenden Preisen mit der Veränderung der preisbereinigten Konsumausgaben in West- und Ostdeutschland ein Preisanstieg errechnen, der für Deutschland 7,4%, für Westdeutschland ohne Berlin 7,5% und für Ostdeutschland einschließlich Berlin 7,1% ausmacht. Somit haben sich die Konsumausgaben im genannten Zeitraum in Ostdeutschland weniger stark verteuert als in Westdeutschland. Das ostdeutsche Preisniveau hat sich also dem westdeutschen nicht angenähert, sondern sich eher noch von ihm entfernt. Der Abstand dürfte also jetzt mehr als 8% betragen. Prof. Sinn geht es darum, den ostdeutschen Unternehmen durch geringere Kosten einen Wettbewerbsvorteil zu erhalten. Geringere Kosten sollten es den ostdeutschen Unternehmen über niedrigere Preise erlauben, besser mit den westdeutschen Unternehmen konkurrieren zu können. Es geht ihm also keineswegs darum, „die ostdeutschen Unternehmen klein zu halten“, wie Sie vermuten. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
zum "Geisterfahrer Deutschland": Sehr geehrter Herr Sinn! Ihr letzter Beitrag ist nun wirklich das letzte. Sie vertreten die Meinung der Lemminge, und das zu einem Zeitpunkt, wo selbst die CDU (und auch die meisten der einheimischen Gazetten) den zeitweilig aufgebrachten "Meinungsmulm" pro Kernkraft nicht weiter verfolgt und auch nicht weiter verfolgen wird. Wie ist es eigentlich möglich, dass ausgerechnet Ökonome, die nun nachweislich seit Jahrzehnten nicht imstande sind, Erkenntnisse aus ihrem eigenen Fachgebiet zu einer nachweislichen Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage eines Staatsgefüges einzubringen (z.B. durch einen Nachweis, nachhaltig Vollbeschäftigung erwirken zu können), ständig glauben, selbst in ihnen fremden Kontexten (z. B. Physik) Ideen zur Weltverbesserung beitragen zu können? Haben Sie womöglich Langeweile? Oder werden Sie bezahlt? Sind Sie Lobbyist? Haben Sie die Fragen zur Endlagerung geklärt? Haben Sie die Standortfragen und Akzeptanz der zukünftigen Kernkraftwerke geklärt? Werden zukünftige Kernkraftwerke ohne jegliche staatliche Subventionierung auskommen? Oder muss die Volkswirtschaft doch - einmal mehr - Ihrer Meinung nach ihren erheblichen Obulus dazu einbringen? Ist Ihnen die Endlichkeit des Grundrohstoffes Uran 235 bekannt - und sind es folglich all die Abhängigkeiten im Zusammenhang mit den Vokabeln Angebot, Nachfrage und Preis aus der ökonomischen Klippschule? Sehr geehrter Herr Sinn, es muss Ihnen klar sein, dass Sie Teil einer Wissenschaft sind, die außer Mutmaßungen, Beobachtungen und Theoremen über keinerlei gesicherte Erkenntnis verfügt, keinen wissenschaftlichen Beweis führen kann und dessen Beitrag zur Verbesserung der gesamtgesellschaftlichen Situation folglich nur als gering bezeichnet werden kann; eine permanente und vehemente Einmischung in Ihnen sachfremde Themenbereiche erscheint daher umso mehr mehr als erstaunlich und in höchstem Maße überflüssig. Mir freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Logermann, vielen Dank für Ihr Mail vom 24. Juli an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie beziehen sich offensichtlich auf den Artikel „Geisterfahrer Deutschland“ in der Wirtschaftswoche vom 21. Juli. Dort bewertet Prof. Sinn die verschiedenen Möglichkeiten der Elektrizitätserzeugung in Deutschland auf ihre Ergiebigkeit und die zu erwartenden Entwicklungskosten hin. Als Quintessenz rät er, den beschlossenen Atomausstieg zu überdenken. Dies auch deswegen, weil es in vielen anderen Ländern längst geschieht. Natürlich sind mit der Nutzung der Kernkraft noch ungelöste Probleme verbunden. Es kommt jedoch darauf an, wie man diese Probleme bewertet, d.h. welche Risiken man mit ihnen verbindet. Prof. Sinn weist nur darauf hin, dass man in anderen Ländern offensichtlich weniger risikoscheu ist. Ihre Polemik gegenüber der Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft halte ich in dem Zusammenhang für unangebracht ebenso wie die teilweise sehr unsachliche Kritik an Prof. Sinn. Mit freundlichen Grüßen ifo Institut für Wirtschaftsforschung Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, ich lese heute in unserer Langener Zeitung, dass Sie extra betonen, dass Menschen in Deutschland nicht bedürftig und schon gar nicht arm sind. Nun, ich weiß ja nicht, was Sie für eine Vorstellung haben, in Bezug auf Geld und Überleben? Sie und auch die Politiker haben leider in der heutigen Zeit die Realität total verloren, weil Ihre Gehälter, Diäten, Pensionen einfach viel zu hoch sind, um überhaupt mitzubekommen, wie andere Menschen jeden einzelnen Cent umdrehen müssen. Können Sie sich vorstellen, im Monat mit 347 Euro zu haushalten? Bezahlen Sie mal von 347 Euro, Telefon, Strom, Versicherungen und was sonst noch so an fixen Kosten im Monat anfällt und dann schauen Sie mal, was von dem Geld dann noch übrig bleibt. Mir bleiben nach Abzug aller monatlichen Ausgaben noch ca. 100 bis 130 Euro und davon muss ich dann noch den ganzen Monat leben, bzw. davon muss ich Kleidung, Schuhe, Reparaturen, Neuanschaffungen, Fahrgeld usw. bezahlen. Und wissen Sie überhaupt, was heutzutage die Lebensmittel kosten, da ja ständig Preiserhöhungen sind, genauso wie bei Strom, Wasser, Gas, Benzin usw. Und dann reden Sie davon es gäbe keine Armut, meinen Sie nicht, dass das schon unverschämt ist, bzw. ein Hohn gegenüber allen Menschen, die täglich ums Überleben kämpfen?
Sehr geehrte Frau ....., ich kenne die Zeitung leider nicht, die Sie zitieren. Deshalb wäre ich Ihnen dankbar, mir den Bericht zuzuschicken. Die Adresse ist ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Poschingerstr.5, 81679 München. Ich betone, dass ich keine persönlichen Wertungen zum Thema Armut abgegeben habe, sondern in einem Artikel der Wirtschaftswoche vom Montag nur die Armutsdefinition des statistischen Bundesamtes zitiert habe. Etwaige Kritik an dieser Definition, die aber international üblich ist, müssten Sie an das Amt richten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, bezüglich Ihrer Äußerung zur "Riesterpflicht" zwei Anmerkungen: 1. Ich werde vermutlich in 2 Jahren nicht mehr in Deutschland sein. Das ist aber schädlich für Riesterverträge, wenn ich später nicht zurückkehre. 2. Ich will die Freíheit zu entscheiden, ob ich jetzt in Luxus leben und im Alter in Armut, oder umgekehrt! 3. Es gibt keine Versorgungslücke! Selbst wenn ich heute 4000 Euro netto verdiene und später nur noch das Äquivalent von 1000 Euro Rente bekomme: Wo ist eine Lücke? Oder kann ich meinen Lebenswandel nicht der verringerten Geldmenge, die mir dazu zur Verfügung steht anpassen? Das ist mein gutes Recht. Es lebe die Freiheit! Ich wähle übrigens FDP. ;-) Wider dem Sozialismus den Sie fordern! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr ....., vielen Dank für die Nachricht. Ich verstehe Ihre Argumente, teile sie aber nicht. Im Einzelnen: 1. Wenn Sie auswandern, können Sie die Riester-Ansprüche mitnehmen. Sie verlieren nichts. 2. Die Freiheit zu proklamieren ist nicht glaubwürdig, weil Sie, wenn Sie wirklich arm sind und hungern müssen, dann doch die staatliche Hilfe in Anspruch nehmen werden. Da wir die Sozialhilfe als staatliches Schutzsystem für jedermann haben, brauchen wir die Riesterpflicht, denn ohne sie verlassen sich viele Leute darauf, dass sie der Staat im Alter, wenn sie selbst nichts haben, unterhalten wird. Da das Schutzsystem fest in unserer Sozialordnung verankert ist, kann es nicht zur Disposition gestellt werden. Das hätte vor dem Verfassungsgericht niemals bestand. Also folgt auch die Riester-Pflicht. 3. Es geht nicht um solche Rentenansprüche, sondern die Vielzahl, die unter die Sozialhilfe (heute ca. 720 Euro) fallen. Das sind heute schon viele, und wegen der Verdoppelung der Alten im Verhältnis zu den Jungen in dreißig Jahren könnte die Mehrheit der Rentenberechtigten darunter fallen. Der Normalrentner ist also von dem Fehlanreiz betroffen, die die Riester-Pflicht erforderlich macht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Scheinbar kann auch der Hr. Professor nicht rechnen, oder wie kann man auf ein Nettoeinkommen eines Niedriglöhners von Euro 910,-- kommen, wenn dieser in der Stunde Euro 4,-- bekommt. Selbst wenn dieser Betrag netto ist, würde das einer Arbeitszeit von ca. 227 Stunden entsprechen. Würde das stimmen, käme das dem Wort Ausbeutung ziemlich nahe. mfg.
Sehr geehrter Herr ..., wer für 4 Euro die Stunde 156 Stunden im Monat arbeitet, hat ein Bruttoeinkommen von 624 Euro. Nach Abzug der Sozialversicherung verblieben ihm im Jahr 2005, auf das sich der Armutsbericht bezieht, 519 Euro. Hinzu kam das aufstockende Arbeitslosengeld II, was bei durchschnittlichen Wohnkosten (nach OECD-Angabe für Deutschland) 391 Euro beträgt. In der Summe entstand ein Nettoeinkommen von 910 Euro. Genau das habe ich in meinem Artikel in der Wirtschaftswoche ausgeführt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn.
Soeben habe ich die Sendung Tacheles auf Phoenix gesehen und bin erstaunt, wie wenig Sie als "Experte" von Wirtschaft verstehen, oder wissen. Sind Sie allen Ernstes der Meinung, dass zuviel Freizeit unser Problem ist, weil wir alle nur 38 bis 39 Stunden die Woche arbeiten? Das Papier, auf dem heutzutage Tarifverträge stehen, ist nichtmal mehr als Klopapier zu gebrauchen. Ich Habe Gas- und Wasserinstallateur gelernt und studiere jetzt Maschinenbau. Was ich über die Jahre bei mir und meinen Bekannten beobachten konnte, sind steigende Arbeitszeiten und sinkende Löhne. Ausnahmslos. In meinem letzten Nebenjob habe ich 6 Tage die Woche zwischen 12 und 14 Stunden am Tag gearbeitet, wie die Festangestellten ebenfalls. Falls dies jemanden nicht gefallen sollte, hätte er sich sofort seine Papiere holen können. Ich rede hier nicht von Einzelfällen, sondern von der Regel. Falls sie einmal vom Schreibtisch aufstehen sollten, um das was auf dem Papier steht zu überprüfen, dann tun sie das nicht bei VW oder Ähnlichen, sondern befragen Menschen aus mittelständischen Handwerks- und Indutriebetrieben. Natürlich ohne den Chef zu informieren. Sie werden Erstaunliches festellen. Von kleineren Handwerksbetrieben ganz zu schweigen. In meinem erlernten Beruf kann ich heute für 6 bis 7 Euro die Stunde arbeiten gehen. Wozu also eine Ausbildung??? Da bekommt man mehr Stütze. Wohlgemerkt als Geselle. Ich rate heute auch jedem von einer Ausbildung im Handwerk ab. Wenn ich jungen Leuten ihre Aussichten darlege, sind diese doch sehr erstaunt. Das hat ihnen niemand erzählt. Aus meiner Berufsschulklasse arbeitet keiner mehr in seinem Beruf. Und an dumme Zufälle glaube ich nicht. Dies scheint hier der Bundestag der Wirtschaftswissenschaftler zu sein. Ihr seht vor lauter Papier und Zahlen die Realität nicht mehr. Sowas ärgert mich.
Sehr geehrter Herr Fuchs, ich bin nicht der Meinung, die Sie mir unterstellen. Es muss sich um eine Verwechselung handeln. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betrifft: Ihr Interview gelesen in der BILD-Zeitung "5 Wahrheiten über die Rente" Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Begeisterung lese ich gerne Ihre Meinung über die Wirtschaftspolitik in Deutschland. Mit Ihren Aussagen "5 Wahrheiten über die Rente" stimme ich gerne überein. Auch andere Persönlichkeiten aus der Volkswirtschaft äußern sich über die Thematik "Rente und deren Finanzierung" und haben meiner Meinung nach völlig recht. Doch folgende Aussagen vermisse ich. 1.Seit der Wiedervereinigung erhalten aus dieser Rentenkasse nicht nur die Rentner aus den neuen Bundesländern Ihre Rente sonder auch die vielen Rentner der Aussiedler. Diese Rentner haben die Rentenkasse zusätzlich belastet, da diese nie in die Rentenkasse einbezahlt hatten. Diese Rentenzahlungen hätte die Bundesregierung für mindestens 10 Jahre, wahrscheinlich noch länger, aus den Steuereinnahmen bezahlen müssen, könnte man bestimmt beziffern. 2.Es wir immer über eine Rentenkasse gesprochen, welche für die zukünftigen Rentenzahlung nicht ausreicht. Es hat aber bisher niemand, auch Sie nicht, über die laufenden und zukünftigen Pensionszahlungen unserer Beamten und Politker gesprochen, hierfür gibt es nämlich keine Kasse. Diese Zahlungen werden aus den laufenden Steuereinnahmen entnommen. Die Pensionen werden von allen Steuerzahlern finanziert auch aus den Steuern der Rentner. Mit welchem Recht stehen einen Pensionsempfänger und deren Witwen eine 13.Pension zu? Hierzu gibt es keine Gesetzesänderung. 3. Es wurden schon viele Gesetze für Rentner geändert, u.a. Erhöhung des Renteneintrittsalters. Diese Erhöhung trifft aber nur für Arbeitnehmer aus dem mittelständischen Unternehmen zu. Grosse Konzerne bauen Personal ab, schicken Mitarbeiter mit 55 in den Ruhestand und belasten so zusätzlich die Rentenkasse. Über diese Punkte hat sich bis heute keine Persönlichkeit aus der Politik oder Volkswirtschaft in der Öffentlichkeit geäussert. Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sicherlich haben Sie sehr wenig Zeit alle Zuschriften und Anfragen zu beantworten aber über eine Antwort auf diese Zeilen würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüssen
Sehr geehrter Herr ...., haben Sie vielen Dank für Ihre Mail. Sie haben völlig Recht, mit dem was sie zu der fehlenden Kasse für die Beamten sagen. Dass dort die Problematik genau die gleiche ist wie bei den gesetzlichen Rentnern habe ich mehrfach, so insbesondere im Rentenkapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?", geschrieben. Ich habe deshalb gefordert, dass die Pensionen auch nur so ansteigen dürfen wie die anderen Renten auch. Allerdings kann ich Ihnen, was das Niveau bestimmt, nicht zustimmen. Die Art der Rentenversorgung, auch eine 13. Pension, gehört zu den Dingen, die den Beamten bei der Einstellung bekannt waren. Für viele war dies ein Grund, sich mit den im Vergleich zur privaten Wirtschaft niedrigeren Nettogehältern für vergleichbare Arbeiten zufrieden zu geben. Ein Beamtenverhältnis hat viele Besonderheiten, die es von einem normalen Arbeitsverhältnis abheben. Dazu gehört die unbedingte gegenseitige Treuepflicht, die das Streikrecht ausschließt und demgemäß auch die Implikation hatte, die Beamtengehälter über Jahrzehnte hinweg langsamer gestiegen sind als vergleichbare Gehälter in der Privatwirtschaft. Man kann nun heute nicht einzelne Teile aus dem Gesamtpaket herauspicken, das jemanden früher einmal bewogen haben, die Beamtenkarriere einzuschlagen. Gleichwohl dürfen die Beamtenpensionen prozentual auch nicht anders steigen als die gesetzlichen Renten. Da bin ich voll bei Ihnen. Die Lasten der Russlanddeutschen dürfen in der Tat nicht aus den Beiträgen der Versicherten gezahlt werden, sondern müssen vom Steuerzahler gedeckt werden. So ist das ja auch. Etwa ein Drittel der Leistungen der Rentenversicherung sind sogenannte versicherungsfremde Leistungen, und noch etwas höher ist der Bundeszuschuss, der aus Steuermitteln finanziert wird. Dass die Großkonzerne die älteren Arbeitnehmer in die Frührente abschieben, ist in der Tat nicht in Ordnung. Dass das möglich ist, ist ein krasser Politikfehler, den man anprangern muss. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn -
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Begeisterung lese ich gerne Ihre Meinung über die Wirtschaftspolitik in Deutschland. Mit Ihren Aussagen "5 Wahrheiten über die Rente" stimme ich gerne überein. Auch andere Persönlichkeiten aus der Volkswirtschaft äußern sich über die Thematik "Rente und deren Finanzierung" und haben meiner Meinung nach völlig recht. Doch folgende Aussagen vermisse ich. 1.Seit der Wiedervereinigung erhalten aus dieser Rentenkasse nicht nur die Rentner aus den neuen Bundesländern Ihre Rente sonder auch die vielen Rentner der Aussiedler. Diese Rentner haben die Rentenkasse zusätzlich belastet, da diese nie in die Rentenkasse einbezahlt hatten. Diese Rentenzahlungen hätte die Bundesregierung für mindestens 10 Jahre, wahrscheinlich noch länger, aus den Steuereinnahmen bezahlen müssen, könnte man bestimmt beziffern. 2.Es wir immer über eine Rentenkasse gesprochen, welche für die zukünftigen Rentenzahlung nicht ausreicht. Es hat aber bisher niemand, auch Sie nicht, über die laufenden und zukünftigen Pensionszahlungen unserer Beamten und Politker gesprochen, hierfür gibt es nämlich keine Kasse. Diese Zahlungen werden aus den laufenden Steuereinnahmen entnommen. Die Pensionen werden von allen Steuerzahlern finanziert auch aus den Steuern der Rentner. Mit welchem Recht stehen einen Pensionsempfänger und deren Witwen eine 13.Pension zu? Hierzu gibt es keine Gesetzesänderung. 3. Es wurden schon viele Gesetze für Rentner geändert, u.a. Erhöhung des Renteneintrittsalters. Diese Erhöhung trifft aber nur für Arbeitnehmer aus dem mittelständischen Unternehmen zu. Grosse Konzerne bauen Personal ab, schicken Mitarbeiter mit 55 in den Ruhestand und belasten so zusätzlich die Rentenkasse. Über diese Punkte hat sich bis heute keine Persönlichkeit aus der Politik oder Volkswirtschaft in der Öffentlichkeit geäussert. Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sicherlich haben Sie sehr wenig Zeit alle Zuschriften und Anfragen zu beantworten aber über eine Antwort auf diese Zeilen würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüssen Joachim Schlegl
Sehr geehrter Herr Schlegl, haben Sie vielen Dank für Ihre Mail. Sie haben völlig Recht, mit dem was sie zu der fehlenden Kasse für die Beamten sagen. Dass dort die Problematik genau die gleiche ist wie bei den gesetzlichen Rentnern habe ich mehrfach, so insbesondere im Rentenkapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?", geschrieben. Ich habe deshalb gefordert, dass die Pensionen auch nur so ansteigen dürfen wie die anderen Renten auch. Allerdings kann ich Ihnen, was das Niveau bestimmt, nicht zustimmen. Die Art der Rentenversorgung, auch eine 13. Pension, gehört zu den Dingen, die den Beamten bei der Einstellung bekannt waren. Für viele war dies ein Grund, sich mit den im Vergleich zur privaten Wirtschaft niedrigeren Nettogehältern für vergleichbare Arbeiten zufrieden zu geben. Ein Beamtenverhältnis hat viele Besonderheiten, die es von einem normalen Arbeitsverhältnis abheben. Dazu gehört die unbedingte gegenseitige Treuepflicht, die das Streikrecht ausschließt und demgemäß auch die Implikation hatte, die Beamtengehälter über Jahrzehnte hinweg langsamer gestiegen sind als vergleichbare Gehälter in der Privatwirtschaft. Man kann nun heute nicht einzelne Teile aus dem Gesamtpaket herauspicken, das jemanden früher einmal bewogen haben, die Beamtenkarriere einzuschlagen. Gleichwohl dürfen die Beamtenpensionen prozentual auch nicht anders steigen als die gesetzlichen Renten. Da bin ich voll bei Ihnen. Die Lasten der Russlanddeutschen dürfen in der Tat nicht aus den Beiträgen der Versicherten gezahlt werden, sondern müssen vom Steuerzahler gedeckt werden. So ist das ja auch. Etwa ein Drittel der Leistungen der Rentenversicherung sind sogenannte versicherungsfremde Leistungen, und noch etwas höher ist der Bundeszuschuss, der aus Steuermitteln finanziert wird. Dass die Großkonzerne die älteren Arbeitnehmer in die Frührente abschieben, ist in der Tat nicht in Ordnung. Dass das möglich ist, ist ein krasser Politikfehler, den man anprangern muss. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn -
Guten Tag Herr Professor Sinn, sicher werden Sie keine Zeit haben, diese Mail zu beantworten. Sie werden nach der Veröffentlichung der Thesen der advisory group genug zu tun haben. Dennoch erlaube ich mir, meine Gedanken dazu darzustellen. Ihre Grundidee ist, wenn ich es richtig verstehe, dass je mehr "das grüne Europa" an fossiler Energie spart - und das zu entsprechenden Kosten, die jeder Energieverbraucher zu tragen hat - werden die Energieanbieter (die Ölscheichs) um so schneller ihre Produkte auf den Markt werfen, um nicht bei fallenden Preisen aufgrund sinkender Nachfrage Verluste zu realisieren. Das ist eine Theorie, die stimmen würde, wenn der Preis für fossile Energieträger aufgrund sinkender Nachfrage infolge der grünen Energiepolitik in Europa, wirklich fallen würde. Wer sich den Preis für Rohöl ansieht - selbst wenn man einen erheblichen Anteil an Spekulation einkalkuliert, der nimmt wahr, dass der Preis weiter steigt. Und nach Aussage von Analysten vermutlich weiter steigen wird. Das Argument, dass die Scheichs wegen der europäischen Politik nun verstärkt Öl auf den Markt bringen, um nicht künftig fallende Preise wegen sinkender Nachfrage hinnehmen zu müssen, kann also nicht wirklich überzeugen. Tatsache ist doch, dass der Energiehunger der Welt nicht abnehmen wird - im Gegenteil. Und angesichts der deutlich begrenzten Vorräte an fossilen Energiequellen wird man weiter mit steigenden Preisen rechnen müssen. So gesehen wären die Scheichs gut beraten, so wenig wie möglich zu fördern, um die Reste später zu deutlich höheren Preisen abzusetzen. Sie, Herr Professor Sinn, betonen im Bloomberg-Interview, dass es in bestimmten Bereichen (z.B. Luftfahrt) keine Alternativen gibt. Und Sie führen an, dass der Ersatz der Treibstoffe für Kraftfahrzeuge durch Biomasse einen Bedarf an Agrarflächen erfordert, der nicht darstellbar ist. Das gilt sicher auch für viele andere Bereiche. Woher also Ihre Einschätzung, dass die "grüne Europa-Politik" zu Nachfrage-Einbrüchen bei fossilen Energieträgern führt? Was in der Konsequenz - so Ihre Argumentation - die Ölscheichs zu erhöhter Produktion, mithin erhöhtem Angebot veranlassen sollte und infolge dessen zu noch schnellerer Ausbeutung der fossilen Brennstoffe führt. Ich stelle die Frage mal andersherum: Was wäre, wenn Europa keine grüne Politik verfolgen würde? Wären dann die globalen Emissionen geringer? Würden dann China und Indien usw. weniger nachfragen? Sie erklären, dass wohl letztlich alle fossilen Lagerstätten ausgebeutet werden und mithin all der bislang der Biosphäre entzogene Kohlenstoff in Form von CO2 wieder im Umlauf ist, und es nur auf den Zeitraum ankommt, in dem das geschieht. Das ist einerseits erschreckend, sagt doch aber andererseits, dass Nationen, die sich - zumindest etwas - zurückhalten und auf alternative und vor allem regenerative Energien fokussieren und diese fördern, den anderen technisch eine Nasenlänge voraus sein werden. Und dabei wird gleichzeitig die Zeitschiene, in der die fossilen Rohstoffe in CO2 umgesetzt werden, hinausgezögert. Das ist doch genau das, was Sie fordern........ (Lesen Sie hier den kompletten Beitrag im PDF-Format)
Anmerkung des Moderators: Lesen Sie das Working Paper Nr. 54 von Prof. Sinn zum Thema unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/b-publ/b3publwp/ifoWP/_ifowp?item_link=ifowp-54-abstract.htm Sehr geehrter Herr Wendt, vielen Dank für Ihre Nachricht. Dass man den Gedanken aufgrund eines kurzen Fernsehinterviews verstehen kann, würde ich niemals unterstellen. Deswegen hänge ich Ihnen einen kleinen Beitrag dazu an, der in verständlicher Sprache geschrieben ist und im Laufe des Jahres in den Perspektiven der Wirtschaftspolitik, der Fachzeitschrift des Vereins für Socialpolitik erscheinen wird (Verband der deutschen Volkswirte). Sie werden erkennen, dass insbesondere Ihre Interpretation, dass die grüne Politik zu im Zeitablauf sinkenden Preisen führen müsse, nicht gemeint ist. Vielmehr geht es um Preise, die im Vergleich zum Trend sinken, also zu jedem gegebenen zukünftigen Zeitpunkt niedriger sein werden, als das ohne die grüne Politik der Fall zu eben diesem selben Zeitpunkt gewesen wäre. Wenn die Preise nach einem bestimmten Entwicklungsmuster steigen, dann ergibt sich ein ganz bestimmter Abbaupfad, bei dem die Ressourcenanbieter indifferent zwischen dem Abbau in der Gegenwart und der Zukunft sind. Wenn in der Gegenwart abgebaut wird, kann man das Geld verzinslich am Kapitalmarkt anlegen. Wenn man das Öl im Boden lässt, steigt es an Wert. Im Gleichgewicht, ist beides in der Erwartung der Scheichs gleich attraktiv. Wenn nun eine grüne Politik eingeführt wird, die im Laufe der Zeit immer grüner wird und die Preise in Zukunft gegenüber dem Vergleichspfad stärker senkt als in der Gegenwart, dann werden die Ölscheichs weniger in der Zunkunft und mehr in der Gegenwart abbauen, bis daraufhin der erwartete Preispfad wieder so steigt, dass die Rendite der Ressource im Boden der Rendite des Kapitalmarktes in etwa gleicht. Aber was sage ich: Lesen Sie doch den Aufsatz. Der ist nicht schwer. Ich müsste jetzt zu lange ausholen, um die Dinge zuende zu deklinieren, aber genau das ist in dem Aufsatz ja geschehen. Dies soll nur ein erster Anhaltspunkt für die zu wählende Denkrichtung sein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Artikel "Hände weg von der Entfernungs-Pauschale" in der Süddeutschen Zeitung (2003) hat unser Interesse an der ökonomischen Argumentation geweckt. Wir sind zwei Masterstudenten an der Universität Basel und besuchen zur Zeit das Seminar "Wirtschafts- und Finanzpolitik" bei den Professoren Alois Stutzer, Bruno Frey (Uni Zürich) und Reiner Eichenberger (Uni Fribourg). In diesem Zusammenhang bearbeiten wir das Thema Anreize der Pendlerabzügen aus der Perspektive der aktuellen CO2-Politik. Als angehende Ökonomen, erachten wir es als notwendig die ökonomischen Argumente für die Pendlerabzüge genau zu verstehen. Erlauben Sie uns, Ihnen einige Fragen zu Ihrem Artikel zu stellen? 1. Stimmt es, dass Sie in Ihrem Text annehmen, dass der Wohnort einer Person "immobil", der Arbeitsort jedoch "mobil" ist? Gibt es eine Begründung für diese Annahme? 2. Weiter haben wir in Gedanken eine neue Situation durchgespielt und sowohl den Wohnort als auch den Arbeitsplatz als "mobil" angenommen. Gäbe es in dieser Situation Anreize vom Arbeitsort weg, in ein ländliches Gebiet zu ziehen? Wäre das aus ökonomischer Sicht ein Problem, beziehungsweise wäre in dieser Situation die Wohlfahrtsmaximierung noch gegeben? Wir würden in einer solchen Situation auch weitere Anreize wie Steuerersparnisse (in einem föderalistischen Staat), tiefere Mieten, Pendlerabzüge, etc. in die Beurteilung miteinbeziehen. Wie sehen Sie das? 3. Wir haben noch eine weitere Überlegung gemacht, die wir Ihnen gerne schildern möchten: Aus ökonomischer Sicht sollen Steuern den Markt möglichst nicht verzerren. Diese Überlegung konnten wir in Ihrem Text sehr gut nachvollziehen. Wir haben uns anschliessend Gedanken gemacht, ob die Pendlerabzüge den Markt doch verzerren könnten. Angenommen Person A arbeitet in Y und wohnt im 30km entfernten Z wo sich auch sein soziales Umfeld befindet. Person B wohnt und arbeitet in Y, hat sein soziales Umfeld aber im 30km entfernten Z. Person A legt den Weg zwischen Y und Z täglich zurück, während Person B seine Freizeit 3x pro Woche in Z verbringt. Weiter nehmen wir an, dass Person A und B das gleiche Einkommen haben. Sollen A und B aus ökonomischer Sicht wegen dem Pendlerabzug unterschiedlich besteuert werden? Falls Sie uns eine oder mehrere Fragen beantworten können oder weitere Artikel aus diesem Gebiet kennen, wäre dies ein wertvoller Beitrag an unsere Seminararbeit. Herzlichen Dank und freundliche Sabine Ulmann (B. A. in Management) und Gadaf Fazlijevik (B. A. in Business and Economics)
Sehr geehrte Frau Ulmann, sehr geehrter Herr Fazlijevik, bei der Frage der Absetzbarkeit der Wegekosten kommt es entscheidend darauf an, ob der Wohnort fest ist und dann die Arbeit gewählt wird oder umgekehrt. Im zweiten Fall sind die Wegekosten Konsum und dürfen nicht abgezogen werden, wenn man die Konsumentscheidungen nicht verzerren will. Im ersten sind sie Werbungskosten und müssen abgezogen werden, wenn man die Produktionsentscheidungen nicht verzerren will. Die Wahrheit liegt dazwischen. Es ist manchmal so, manchmal so. Da man das empirisch nicht unterscheiden kann, sollte man pauschal eine Teilabsetzbarkeit zulassen. Das war die alte deutsche Regelung mit der sehr begrenzten Entfernungspauschale, und deshalb fand ich die Argumente zu ihrer Abschaffung nicht gut begründet. . Wenn Sie mich auf ein Entweder - Oder festnageln wollen, würde ich sagen, dass meistens der Wohnort fester ist und die Arbeitsstelle dazu gewählt wird. Das liegt einfach daran, dass wir hier in Europa und nicht in Amerka sind. Hier kleben ja doch die meisten Leute an der Scholle. Klar, bei Akademikern ist es wieder anders. Aber die meisten Leute wohnen auf dem flachen Land, wo sie aufgewachsen sind und wählen sich dann eine auch vom Fahrtaufwand passende Arbeitsstätte. Meinen damaligen Artikel habe ich aus dieser Sicht geschrieben, aber auch, weil die politische Stoßrichtung damals auf Abschaffung ging, und ich ein Gegenargument bringen wollte, das in der öffentlichen Debatte noch nicht aufgetaucht war. Der Fall, dass der Weg den Charakter eines Konsumgutes hatte, stand den meisten Teilnehmern der öffentlichen Debatte vor Augen. Ich wollte sie zwingen, über den anderen Fall nachzudenken. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Thesen haben mich beeindruckt, wenn ich auch - mit Bauchweh - immer Grün wähle. Aber daß die Unis zu wenig Geld hätten, damit bin ich nicht einverstanden. Zuerst sollte das Beamtentum bie Professoren abgeschafft werden -eher sollten Lokführer beamtet sein. In heutiger Zeit solche Strukturen an den Hochschulen ist doch ein barer Unsinn. Fragen Sie Ihre studierenden Neffen und Nichten, wie neue Stellen besetzt werden. Machtgier und Konkurrenzneid verhindern sehr oft, daß der beste die Stelle bekommt. Getrickst wird bei der Stellenausschreibung und bei der Besetzung der Kommission. Und dann können Sie sicher sein, daß ohne Beziehungen, oft sogar ohne "devot-sein" gar nichts läuft. In der Schweiz haben sie meines Wissens sehr gut bezahlte Hochschullehrer, die aber ihr Können ständig unter Beweis stellen müssen. Sagen Sie nicht, das sei unmenschlich. Eine Unkündbarkeit ab 50 kann man ja einbauen. Jedenfalls sind die jetzigen Zustände an den Unis eine Einladung an hochintelligente, aber skrupellose Lehrer, ihre Macht beliebig auszubauen. Jedenfalls habe ich es so erfahren. Name dem Moderator bekannt, Hausfrau und Klavierlehrerin (nicht angestellt, nicht beamtet, aber glücklich und zufrieden)
Sehr geehrter Frau Woetzer, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Beim Beamtentum bin ich bei Ihnen. Professoren müssen keine Beamten sein, außer vielleicht im politisch relevanten Bereich wegen der Unabhängigkeit. Und dass die Bahn trotz der Streiks nur deshalb lief, weil noch vierzig Prozent der Lokführer Beamte sind, die der Staat an die private Bahn ausleiht, muss man sich auch auf der Zunge zergehen lassen. Dass wir wenig Geld für die Bildung ausgeben, ist ein Fakt. Im internationalen Vergleich ist der Anteil des BIP, der für öffentliche Bildung ausgegeben wird, sogar in den USA höher, und dort kommen die privaten Bildungseinrichtungen noch hinzu. Ich meine aber nicht, dass man speziell die Universitäten besser bezahlen müsste. Auch liegt es wahrlich nicht am Geld allein. Da haben Sie sicher Recht. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als regelmäßiger Besucher der Münchner Seminare, für deren Gastfreundschaft ich herzlich danke, sowie Hörer und Leser ungezählter Vorträge sowie Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge von Ihnen und des Ifo-Instituts, die ich stets mit Gewinn aufgenommen habe, sende ich Ihnen im Attachment einen von mir konzipierten Artikel zum Thema "Mindestlohn". Einen Anstoß dazu gab u. a. Ihr Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 28.12 2007 "Der dümmste Spruch des Jahres", den Sie mit dem für Volkswirte unverzichtbaren Engagement aber in diesem Fall, wie ich meine, mit polemischem Übereifer geschrieben haben und der deshalb - wie Ihnen vermutlich auch die Diskussion im Internet und Leserzuschriften in der Süddeutschen gezeigt haben - aus politischer und ökonomischer Sicht angreifbar geraten ist. Beste Grüße von Diplom-Volkswirt Wolfgang Barth (Lesen Sie hier die gesamte Diskussion im PDF-Format)
Sehr geehrter Herr Barth, haben Sie vielen Dank für Ihren Text zum Mindestlohn. Sie machen sich die Sache mit der Empirie zu leicht. Ich darf Sie auf den Überblicksartikel von David Neuamark und William Wascher, IZA DP No. 2570, Januar 2007, verweisen, den Sie sicher im Internet zum Herunterladen finden werden. Dort wird einer Übersicht über bald 150 empirische Studien zum Mindestlohn gegeben. Es würde mich sehr interessieren, von Ihnen zu erfahren, ob Sie nach der Lektüre immer noch der Meinung sind, dass die empirische Literatur keine Ergebnisse bringt. In einem haben Sie natürlich Recht. Ein niedriger Mindestlohn von 4,50 Euro, wie Rürup ihn vorschlägt, wird keinen Schaden anrichten. Einer von 6 Euro, wie sie ihn vorschlagen, aber schon. Ich denke, Sie kennen den Artikel von Thum und Ragnitz aus dem Schnelldienst. Da ist die Lohnverteilung ja abgebildet, und man kann ablesen, wie viele Leute betroffen sein würden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn (Lesen Sie hier die gesamte Diskussion im PDF-Format)
„Wie bei Münchhausen“ in Wirtschaftswoche Nr 10 Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als Bezieher der Wirtschaftswoche lese ich selbstverständlich Ihre dort abgedruckten Beiträge. Ich bin Anhänger des Verursacherprinzips, weil es in aller Regel Verantwortlichkeiten zuweist und außerdem meiner Vorstellung von Gerechtigkeit sehr nahe kommt. Aus ersichtlichen Gründen wird dieses Prinzip in der Realität leider häufig missachtet. Grundsätzlich sollten sich Lohnzuwächse an der Steigerung der Arbeitsproduktivität orientieren. Wer verursacht den Produktivitätsanstieg? Zunächst sind es die Ingenieure (Erfinder) und Organisatoren (Optimierung der Arbeitsabläufe). Diese Personengruppen sind in der Regel nicht gewerkschaftlich organisiert, da sie außertariflich bezahlt werden. Anschließend wird der technische Fortschritt durch Anschaffung neuer Maschinen (Kapitaleinsatz) realisiert. Die Kapitalgeber sind auch nicht in der Gewerkschaft. Bleiben letztlich die organisierten Arbeitnehmer, die insofern vom technischen Fortschritt berührt sind, als man ihnen eine qualifiziertere Arbeitsleistung abverlangt. Nur das Entgelt für die nun anspruchsvollere Arbeitsleistung steht den Arbeitnehmern als Lohnerhöhung zu. Nach meiner Wahrnehmung forderten Gewerkschaften stets Lohnerhöhungen, die nach dieser Betrachtung unbegründet waren. Außergewöhnliche Lohnsteigerungen können gerechtfertigt sein, um Vergütungsstrukturen in ein vernünftiges Verhältnis zu bringen (Lokführer). Auf die besondere Situation im öffentlichen Dienst will ich hier nicht eingehen. Rückschauende Vergleiche mit den siebziger Jahren halte ich für begrenzt erhellend, weil inzwischen fundamentale Veränderungen zu verzeichnen sind: - Abgabe von wirtschaftspolitischer Souveränität an die EU - Deutsche Wiedervereinigung - Globalisierung der Wirtschaft - Unkontrollierte Einwanderung von ca. 13 Mio. einfacher und unqualifizierter Menschen - Ein Schulsystem, das nur eingeschränkt geeignete Arbeitskräfte heranbildet - Rasanter technischer Fortschritt Ich behaupte nicht die Vollständigkeit dieser Aufzählung. Warum stets ein Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Aktivität und Arbeitslosenzahl hergestellt wird, ist mir nicht einsichtig (vielleicht lässt mein Denkvermögen zu wünschen übrig!). Ich plädiere vielmehr für die Betrachtung von wirtschaftlicher Aktivität und Anzahl der Beschäftigten, dem Komplement aus der relevanten Grundgesamtheit. Die Zahl der Arbeitslosen ist eine wenig aussagekräftige Größe, weil sie je nach Interessenlage erheblichen Manipulationen unterliegt. Zudem ist sie von dem Wirtschaftsgeschehen nur begrenzt zu beeinflussen (vgl. oben stehende Aufzählung). Fazit: Ich will Ihren Ausführungen keineswegs widersprechen. Ich denke, meine Betrachtungen über gewerkschaftlichen Lohnforderungen bestätigen Ihre Aussagen über die Lohnerhöhungen von 1970-2000. Soeben befürwortet der Herr Bundesfinanzminister Lohnerhöhungen aufgrund der erlittenen Reallohnverluste. Diese beruhen im Wesentlichen auf fiskalischen Zugriffen in die Portemonnaies der Bürger. Na dann kann ich nur erfolgreiche Altersvorsorge mit Hilfe von Geldkapitalbildung wünschen! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Peschel, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 3. 3. 2008. Was Sie zu den Gründen der Produktivitätssteigerung sagen, ist scharfsinnig. Ökonomen sprechen zur Darstellung desselben Sachverhalts deshalb auch von der Grenzproduktivität der Arbeit. Nur sie misst, wieviel die Arbeit tatsächlich beiträgt. Die durchschnittliche Produktivität hat demgegenüber viele Ursachen, wie Sie richtig darlegen. Meine Rechnungen für die Zeit von 1970 bis 2000 sind, so denke ich, insofern wichtig, als sie zeigen, dass durch überzogene Lohnforderungen selbst Arbeitslosigkeit entsteht. Ich könnte die Rechnung auch mit der Produktivität bezogen auf das Beschäftigungspotenzial im Sinne der Personen im erwerbsfähigen Alter machen. Da käme kaum etwas anderes heraus. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Beitrag zu der Diskussion in derSendung „hart aber fair“ vom vergangenen Mittwoch, den 12. Dezember2007, hat mir sehr gefallen. Mit großem Interesse hatte ich zuvor bereits IhreThese der Basar-Ökonomie gelesen und wundere mich daher umso mehr über dieeinseitige Haltung gegenüber Ihrem Standpunkt. Mich ärgert es, wenn dasZuschussmodell als sozial inakzeptabel dargestellt wird und vermeintlichintelligente Menschen wie Herr Seehofer in Mindestlöhnen eine Alternative dazusehen. Ich möchte Sie durch mein Schreiben ermutigen,weiterhin mit demselben erfrischenden Mut dazu beizutragen, uns Deutschenendlich aus den Fängen der Gerechtigkeits-Prediger zu verhelfen, sodass unserLand auch im 21. Jahrhundert in Freiheit und Wohlstand leben kann. Als Mitgliedder Union werde ich all meine Kraft dafür einsetzen, meinen Parteikollegen indieser Hinsicht die Augen zu öffnen. Hochachtungsvoll, Ihr Nicolas Sölter
Sehr geehrter Herr Sölter, haben Sie vielen Dank für Ihre unterstützenden Worte. Ja, bitte setzen auch Sie sich dafür ein, dass wir von der unsäglich dummen Mindestlohndebatte wegkommen und uns mit dem Thema der Verbesserung der Zuschüsse beschäftigen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn. Zu meiner Person: Ich bin 74 Jahre alt, pensionierter Berufsoffizier, anschließend 7 Jahre Geschäftsführer einer tarifvertraglichen Institution beim Bundesarbeitgeberverband Chemie in Wiesbaden. Seit 10 Jahren ehrenamtlicher "Lotse für Lehrstellen" bei der Industrie- und Handeslkammer Rheinhessen. Politisch interessierter normaldenkender Mitteleuropäer. Bisher hatte ich o.a. Sendung mit großem Interesse verfolgt; gerade wegen der fairen Moderation. Was gestern geschah, war Ihrer unwürdig. Sachlichkeit passt nicht die Programme der Parteien. Populismus statt Inhalte, somit Quotensicherung, scheinen nur noch gefragt zu sein. Herr Plasbeck hat aus meiner Sicht die Moderation nicht mehr im Griff. Die Art und Weise wie er Ihnen das Wort abschnitt, hingegen Wowereit schwätzen ließ, macht auch diese Talkshow uninteressant. Mit freundlichen Grüßen und ein frohes Weihnachtsfest Sönke Lorenzen
Sehr geehrter Herr Lorenzen, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Ich teile Ihre Meinung, dass die Sendung besser gewesen wäre, wenn man die Redner hätte ausreden lassen. Aber alles ist relativ. Plasberg ist deutlich argumentativer als manch andere Moderatoren. Mit den besten Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Herrn Professsor Dr. Hans-Werner SINN Betr.: Marktwirtschaft und Managergehälter Sehr geehrter Herr Professor, In der gestrigen Sendung traten Sie gegen eine Diskussion über eine "Deckelung" ein und begründeten dies mit unserer funktionierenden Marktwirtschaft. Gerade in diesem Bereich gab es jedoch eigentlich nie eine reine Marktwirtschaft. Die Gehälter von Vorständen werden vom Aufsichtsrat - häufig auf Vorschlag der Vorstände - beraten und beschlossen. Im Gegenzug sorgen die Vorstände dafür, dass die richtigen Personen in den Aufsichtsrat kommen. Dies ist genau das Gegenteil der Marktwirtschaft und entspricht genau dem Verhalten von Kartellen. In vielen Bereichen sind Kartelle ausdrücklich VERBOTEN, weil sie gegen die Regeln der Marktwirtschaft verstoßen. Die Prinzipien des Kartellrechts auf die Gehaltsfindung der Führungskräfte von Publikumsgesellschaften angewendet würde das Problem ohne große weitere Maßnahmen lösen. Dazu zählen übrigens auch die Vergütungen der Aufsichtsräte, die ebenfalls in den letzten Jahren erheblich gestiegen sind. Dies dürfte nur unter Mitwirkung der Vorstände möglich gewesen sein. Es wäre interessant, von Ihnen zu erfahren, wie der Hinweis auf die Marktwirtschaft im Hinblick auf überhöhte Managergehälter zu verstehen war. Einen "Markt" gibt es dafür ja nicht, weil die "Preise" nicht öffentlich sind. Mit freundlichen Grüßen Karl-Heinz Beißwenger
Sehr geehrter Herr Beißwenger, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich bin gegen die Deckelung, weil Marktwirtschft eine freie Preisbildung braucht. Gut, es gibt Fälle mit Kartellen, wo man eine Preisdeckelung rechtfertigen kann. Aber wieso haben Manager eine Kartellposition? Wenn das so wäre, dann müssten sich ja die Manager bei der Arbeitsplatzsuche zusammen tun und einen einheitlichen Preis verlangen. Dafür gibt es aber keine Anhaltspunkte. Der Markt für Manager ist extrem