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Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. An der einen oder anderen Stelle ergeben sich jedoch Nachfragen, die ich Ihnen gerne stellen würde. 1) Sie gehen davon aus, dass Mitarbeiter bei einer Lohnerhöhung entlassen werden, das Produktionsvolumen aber trotzdem konstant bleibt, da die wegfallenden Arbeitskräfte durch Maschinen ersetzt werden. In diesem Fall kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen. Wenn die Arbeit von infolge von Lohnerhöhungen entlassenen Arbeitskräften allerdings nicht durch Maschinen ersetzt wird, sondern wegfällt, kann ich keine dadurch verursachte Senkung der Lohnstückkosten erkennen. Vielleicht kann ich meine Überlegung anhand eines Beispiels verdeutlichen: In Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" schreiben Sie auf den Seiten 116-117, die nominalen Stundenlöhne der westdeutschen Arbeitnehmer seien im Zeitraum von 1982 bis 2002 um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Jahr gestiegen, während die reale Arbeitsproduktivität bezogen auf die Erwerbstätigen um 2,0 Prozent pro Jahr gestiegen sei. Daraus ergebe sich ein Anstieg der nominalen Lohnstückkosten von 1,7 Prozent pro Jahr. Wenn man die Arbeitsproduktivität allerdings nicht auf die Erwerbstätigen, sondern auf alle Menschen im erwerbsfähigen Alter (also auch auf die Arbeitslosen) beziehe, dann sei der Produktivitätszuwachs geringer und damit der Anstieg der Lohnstückkosten höher gewesen. Diese Argumentation ist logisch und nachvollziehbar. Ich stelle mir nur die Frage, ob man, wenn man schon die niedrige bzw. nicht vorhandene Produktivität der Arbeitslosen mit einrechnet, nicht auch deren potenziell geringere Löhne mit berücksichtigen muss. Möglicherweise hat die Entlassung der Arbeitnehmer auch den Anstieg der nominalen Lohnkosten höher ausfallen lassen, da sie, auch nach der Lohnerhöhung, die zu ihrer Entlassung geführt hat, niedriger entlohnt worden sind als der durchschnittlich verdienende Arbeitnehmer. Einen umgekehrten Effekt konnte man im letzten Jahrzehnt beobachten, als die Durchschnittslöhne sehr langsam gestiegen sind, da durch die Agenda 2010 viele vormals Arbeitslose in ein Beschäftigungsverhältnis kamen, dass unterhalb des Durchschnitts entlohnt wurde. Man müsste also, um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, auch den gemessenen Anstieg der nominalen Lohnkosten zwischen 1982 und 2002 von 3,7 Prozent einer Revision unterziehen. Stimmen Sie dem zu? 2 + 3) Ich habe mehrere Veröffentlichungen des ifo-Instituts zur Aktivierenden Sozialhilfe gelesen. In keiner mir bekannten wird im Detail erläutert, bei welchem Verdienst im Bereich über 500 Euro wie viel Geld abgezogen bzw. zugezahlt wird. Es ist immer nur pauschal von einem 70-prozentigem Abzug die Rede. Wenn sich Mehrarbeit wirklich immer rentieren soll, müssten doch bis in die höchsten Einkommensschichten hinein noch Lohnzuschüsse gezahlt werden. Wenn jemand, der 1100 Euro aus eigener Kraft verdient, besser gestellt sein soll als jemand, der ein Einkommen von 1100 Euro nur mit einem Lohnzuschuss verdient, müsste ersterer ebenfalls einen Lohnzuschuss erhalten. Das ist, wie Sie schreiben, in System der Aktivierenden Sozialhilfe auch vorgesehen. Wenn man annimmt, dass dieser Zuschuss 200 Euro beträgt, dann müsste jemand, der 1300 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient, ja auch einen Lohnzuschuss von z. B. 100 Euro erhalten, in der Folge auch jemand, der 1400 Euro ohne einen Lohnzuschuss verdient etc. pp.. Können Sie mir eine Veröffentlichung zur Aktivierenden Sozialhilfe nennen, in der diese Zusammenhänge detailliert erläutert werden? Vermutlich liegt der Schlüssel in der Kombination der Aktivierenden Sozialhilfe mit dem Steuer- und Abgabensystem. 4 + 7) Ich denke, dass hier eine klassische "Die Katze beißt sich in den Schwanz"-Situation vorliegt. Bei einer Lohnerhöhung gibt es zwei mögliche Effekte: Erstens eine Steigerung der Konsumgüternachfrage, was zu mehr Arbeitsplätzen und mehr Investitionen führt - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass keine Lohnbezieher aufgrund der Lohnerhöhung entlassen werden, da dann möglicherweise die Lohnsumme sinkt. Und zweitens ein Verlust von Arbeitsplätzen sowie ausbleibende Investitionen - allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die gestiegene Konsumgüternachfrage nicht vorher zum Tragen kommt. Denn bei einer gestiegenen Konsumgüternachfrage können bspw. Frisörläden ihre Preise ohne Nachfrageeinbußen erhöhen, was höhere Löhne für die angestellten Frisöre rechtfertigt. Auch ansonsten treibt eine gestiegene Konsumgüternachfrage die Investitionen an, da so die mit Investitionen erzeugten Konsumgüter abgesetzt werden können. Der springende Punkt ist letztlich, welcher der beschriebenen Effekte zuerst zum Tragen kommt und dann den jeweils anderen verhindert bzw. abmildert. Mit welcher Begründung gehen Sie davon aus, dass der Entlassungseffekt zuerst eintritt und der Konsumsteigerungseffekt somit nicht zum Tragen kommt? 5) Sie argumentieren doch häufig, dass die Löhne in den Industrieländern unter Druck kommen, da durch den Fall des Eisernen Vorhangs sehr viele zusätzliche Menschen ihre Arbeitskraft anbieten. Dies hat doch aber nichts damit zu tun, dass die Produktivität in den Industrieländern gesunken ist, sondern es hat etwas mit den Knappheitsverhältnissen zu tun. Auch das Argument, dass Zuwanderer nur durch flexible Lohnstukturen in den Arbeitsmarkt integriert werden können, läuft darauf hinaus, dass sich Löhne nach den Knappheitsverhältnissen richten. Zuwanderung erzeugt schließlich keine Produktivitätssenkung, sondern ein höhreres Angebot an Arbeitskräften. Wenn sich die marktwirtschaftliche Entlohnung nach der Produktivität richtet, wieso steigen die deutschen Löhne dann seit langer Zeit nicht mehr so schnell wie die Produktivität? 6) Das sich die Produktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau nach dem Resultat ihrer Arbeit richtet, ist klar. Meine Frage hierzu war, wie man ebendiese Produktivität berechnen kann. Wenn sich der Lohn nach der Produktivität richtet, dann muss die Produktivität doch auch in irgendeiner Form als Zahl angegeben werden können, so wie der Lohn auch. Nochmals vielen Dank für Ihre Mühe. Ich bedanke mich im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, ich bedanke mich für Ihre Fragen, kann sie aber aus Zeitgründen nicht ausführlich beantworten. Zu 1) Ich gehe nicht davon aus, dass die Arbeiter durch Maschinen ersetzt werden. Die Produktion der Entlassenen fällt aus, aber da man erst einmal die weniger produktiven Arbeitsplätze abbaut, steigt die Produktivität des Restes. Natürlich nur, wenn man die Null-Produktivität der Arbeitslosen außer Acht lässt. Zu 2+3) Das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe wird in mehreren Artikeln des ifo Instituts dargelegt. In der Regel findet sich in jedem dieser Artikel eine Grafik, die genau zeigt, dass ein höheres Haushaltseinkommen durch eigene Anstrengungen auch für Personen mit niedriger Leistungsfähigkeit möglich ist. Folgt man dem Verlauf der Kurve, kann genau abgelesen werden, welchen Betrag die Aktivierende Sozialhilfe bei welchem Bruttoeinkommen vorsieht. Anbei ein Link zu einer relevanten Publikation: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1194660.PDF. Auf S. 11 ist die besagte Grafik zu finden. Zu 4+7) Der Konsum ist bekanntermaßen ein zyklisch nachlaufender Indikator. Zu 5) Die Produktivität ist nur eine wesentliche Bestimmungsgröße. Darüber hinaus spielen weitere Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise der von Ihnen angeführte Punkt der Knappheitsverhältnisse. Zu 6) Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Produktivität im Dienstleistungssektor stark vom Humankapital der Mitarbeiter abhängig ist. Dazu zählen Qualifikation, Kompetenz sowie Motivation der Mitarbeiter. Da dies allerdings weiche Faktoren sind, die man nur schwer messen kann, gilt es noch ein geeignetes Verfahren zur Produktivitätsmessung zu finden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie interessierten Bürgern die Möglichkeit einräumen, Fragen an Sie zu stellen. Ich habe Ihre Bücher "Ist Deutschland noch zu retten?", "Die Basarökonomie", "Das Grüne Paradoxon" sowie "Kasino-Kapitalismus" gelesen. Beim Lesen dieser Bücher stellten sich mir einige Fragen, welche ich nun gerne über dieses Forum an Sie richten würde. Zum Themenkomplex Lohnpolitik und Aktivierende Sozialhilfe wären dies folgende. 1) Sie argumentieren, die Lohnstückkosten seien aufgrund des Phänomens der Entlassungsproduktivität nicht aussagekräftig. Wenn eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichte, senke dies die Lohnstückkosten, da die durchschnittliche Produktivität ansteige. Was ich dabei nicht verstehe: Minder produktive Arbeitsplätze sind ja i. d. R. Arbeitsplätze mit niedriger Entlohnung. Wenn nun eine überzogene Lohnerhöhung minder produktive Arbeitsplätze vernichtet, steigt doch sowohl die durchschnittliche Produktivität, als auch die durchschnittliche Entlohnung. Diese beiden Effekte müssten sich ausgleichen und die Lohnstückkosten, die ja als Verhältnis von Entlohnung und Produktivität definiert sind, müssten konstant bleiben. Was sagen Sie zu dieser Überlegung? 2)Im System der Aktivierenden Sozialhilfe sollen die Hinzuverdienstmöglichkeiten für Arbeitslose deutlich ausgeweitet werden. Ein Beispiel: Ein Hartz IV-Empfänger bekommt, wenn er einen Arbeitsplatz bei der Kommune hat, den heutigen Regelsatz von ca. 700 Euro inkl. Miete. Nun nimmt er einen Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft für 400 Euro im Monat an. Nach Ihrem Modell hat er dann ein Gesamteinkommen von 1100 Euro. Was geschieht dann aber mit Arbeitsplätzen, bei denen ein Arbeitnehmer ohne staatliche Sozialleistungen 1100 Euro verdient? 3) An einem bestimmten Punkt kommt ein Arbeitnehmer doch auch im System der Aktivierenden Sozialhilfe in die Situation, dass sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt. Denn auch in diesem System wird das Transfergeld ab einen bestimmten Einkommen gänzlich gestrichen. Wie wollen Sie verhindern, dass die Arbeitnehmer an diesem Punkt zur Teilzeitarbeit übergehen, weil sich Mehrarbeit nicht mehr lohnt? 4) Sie argumentieren, niedrigere Löhne steigerten die Investitionsgüternachfrage, da Investitionen durch niedrigere Löhne rentabler würden. Ist es nicht so, dass ein Unternehmer seine Investitionsentscheidung von zwei Faktoren abhängig macht: Erstens natürlich von der Rentabilität, aber eben auch von der Frage, ob er die mit der Investition erzeugten Güter auch absetzen kann. Investitionen dienen letztlich zusammen genommen der Produktion von Konsumgütern. Insofern ist eine ausreichende Nachfrage nach Konsumgütern notwendig, damit investiert wird. Und Nachfrage nach Konsumgütern kann wesentlich über Lohnerhöhungen generiert werden, da Arbeitnehmer einen höheren Anteil ihres Einkommens konsumieren als Unternehmer. Vorausgesetzt, dass mein Gedankengang richtig ist, ergibt sich also ein gewisser Wiederspruch: Die Löhne müssen hoch genug sein, damit die mit einer Investition produzierten Komsumgüter abgesetzt werden können, andererseits müssen sie hinreichend niedrig sein, sodass die Investition rentabel bleibt. Man kann sicherlich argumentieren, dass die notwendige Konsumgüternachfrage auch aus dem Ausland kommen kann, dies gilt dann jedoch nur für Unternehmen, die exportieren können. Gaststätten oder kleine Textilbetriebe investieren nur, wenn die Mahlzeiten bzw. die Textilien im Inland nachgefragt werden. Was halten Sie von meinem Gedankengang? 5) Richtet sich die Entlohnung in der Marktwirtschaft nach den Knappheitsverhältnissen oder nach der Arbeitsproduktivität eines Arbeitnehmers? Oder hängt beides zusammen? 6) Wie ist die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin oder einer Putzfrau zu bestimmen? 7) Welchen Zusammenhang sehen Sie zwischen dem Lohn- und dem Preisniveau? Der Lohn eines Frisörs ist ja unmittelbar von der Zahlungskraft und damit auch von dem Lohn anderer Arbeitnehmer abhängig. Stimmt die Gleichung "Niedrige Löhne sorgen für niedrige Preise, und niedrige Preise generieren mehr Nachfrage", wenn zumindest die Konsumgüternachfrage (auf die ein Frisör ja angewiesen ist) über die niedrigeren Löhne sinkt? (Dieser Effekt kann zwar über die sinkenden Preise aufgefangen werden, jedoch ergibt sich unterm Strich keine Nachfrageerhöhung über den sinkenden Preis.) Dies ist eine Ansammlung von Fragen, die ich mir beim Lesen Ihrer Publikationen gestellt habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die Zeit für eine Beantwortung fänden. Falls Sie zzt. verhindert sind, würde ich lieber warten, als das Ihre Mitarbeiter die Fragen beantworten. Vielen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Rehnert, die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass das ifo Institut auf seiner Homepage weiteführende Literatur u.a. zu dem Thema "Aktivierende Sozialhilfe" anbietet, die Sie über folgenden Link beziehen können: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/niedriglohn#. Zu Ihrer 1. Frage: Die Lohnstückkosten messen, welche Lohnkosten bei der Erstellung der Produkte anfallen. Wenn die Produkte mit weniger Arbeisteinsatz erstellt werden, weil ein Teil der Mitarbeiter entlassen wird und die restlichen die Produktivität erhöhen, sinken die Lohnstückkosten. In der Regel steigt bei übermäßiger Lohnerhöhung der Kapitaleinsatz bei der Produktion und der Arbeitseinsatz sinkt. Zu Ihrer 2. Frage: Laut dem ifo Modell der aktivierenden Sozialhilfe werden auch bei einem Bruttoverdienst von 1100€ staatliche Leistungen bewilligt. Das Modell ist so konzipiert, dass man sich immer besser stellt, wenn man mehr arbeitet. Zu Ihrer 3. Frage: Wie eben bereits erwähnt, lohnt sich nach dem ifo Modell Mehrarbeit immer. Wenn jemand sich dafür entscheiden sollte von Vollzeitarbeit auf Teilzeitarbeit zu wechseln, wird sich für denjenigen das Nettoeinkommen in erheblichem Maße reduzieren. Zu Ihrer 4. Frage: Wenn Kosten sinken, werden Investitionen rentabler. Projekte die sich unter den bisherigen Bedingungen gerade nicht mehr lohnen, werden bei geringeren Kosten durchgeführt. Bezüglich der inländischen Konsumnachfrage ist gesamtwirtschaftlich die Lohnsumme eine wichtige Größe. Wenn zu höhe Löhne Arbeitslosigkeit generieren, ist die Summa aller Löhne und Gehälter oftmals geringer. Einfach mit höheren Löhnen Nachfrage zu erzeugen ist nicht möglich. Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Zu Ihrer 5. Frage: Die wesentliche Größe für die Lohnbestimmung ist die Produktivität. Zu Ihrer 6. Frage: Ganz allgemein berechnet sich die Arbeitsproduktivität aus dem Quotienten von Produktionsmenge und Arbeitsvolumen. Die Problematik hier, auf die Sie hinauswollen, bezieht sich auf Dienstleistungen. Die Arbeitsproduktivität einer Sekretärin ist nicht davon abhängig, wie schnell sie gewisse Arbeiten verrichtet. Vielmehr ist das Resultat hier wichtig. Die gute Koordinierung von Terminen beispielsweise würde sich in einer erhöhten Produktivität ausdrücken. Zu Ihrer 7. Frage: Auch hier müssen Sie wieder beachten, dass wir uns nicht über höhere Löhne wie Münchhausen am Haarschopf aus dem Sumpf ziehen können. Übertrieben hohe Löhne verursachen Arbeitslosigkeit und die Lohnsumme sinkt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe das Buch von Thilo Sarrazin "Deutschland schafft sich ab" gelesen, worin er die "Aktivierende Sozialhilfe" des Ifo-Instituts als "utopisch und undurchführbar" bezeichnet. Ich unterstelle Herrn Sarrazin, dass er mit undurchführbar, politisch undurchsetzbar meinte. Wäre es nicht sinnvoll, wenn das Ifo Institut Reformen in solchen "Häppchen" vorschlagen würde, dass diese auch politische Mehrheiten finden (können)? Ein zentrales Anliegen des Buches ist, die relative Kinderlosigkeit der "bildungsnahen" Schichten zu beseitigen und gleichzeitig die Zuwanderung in die Sozialsysteme zu beenden. Gibt es neben dem Vorschlag des Ifo-Instituts die Rentenhöhe an die Zahl der Kinder zu binden um die Geburtenrate zu erhöhen weitere? Leider bleibt Herr Sarrazin in diesem Punkt sehr vage. Mit freundlichen Grüßen Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Dr. Böhme, die aktivierende Sozialhilfe ist ja bereits ein Stück mit der Hartz-IV-Gesetzgebung eingeführt. Die Lohnzuschüsse, die dort eingebaut sind genauso wie die Ein-Euro-Jobs entstammen faktisch dem ifo-Vorschlag von 2002. Aber man ist uns nur ein Stückweit gefolgt. Dass der Arbeitsmarkt derzeit viel besser funktioniert, liegt daran. Ich hoffe, man wird noch mehr in unsere Richtung gehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihnen noch ein gesundes neues Jahr. Kurz vor Weihnachten letztes Jahr, schockt Herr Prof. Möller vom IAB Nürnberg alljene wie mich, die bisher gegen einen Mindestlohn waren. Er plädiert nun wider erwarten plötzlich für einen Mindestlohn mit Augenmaß, wobei er auch auf meine Nachfrage hin eine Antwort schuldig bleibt, was Augenmaß denn betragsmäßig sei. Auf meine Nachfrage schrieb er (Zitat): "Im Unterschied zu dem, was die meisten Kollegen in Deutschland in der Tat glauben, ist die Wirkung eines moderaten Mindestlohns auf die Beschäftigung theoretisch unbestimmt. Falls Unternehmen - aus welchem Grund auch immer - Marktmacht besitzen, kann eine staatlich festgelegte Lohnuntergrenze die Beschäftigung sogar erhöhen. Der Grund liegt darin, dass wegen des höheren Lohns mehr Leute eine Arbeit aufnehmen wollen. Dies funktioniert solange, wie die Unternehmen bei Ausweitung der Beschäftigung noch Gewinne machen." Ich glaube, dass die Öffentlichkeit nun vollends verwirrt ist, wenn Beiträge wie "Lügen der Ökonomen über den Mindestlohn" o.ä. veröffentlicht werden. Kommen derartige Meinungswandel auf politischen Druck hin zustande, oder gibt es andere triftige Gründe, die Kombilöhne aus der Diskussion zu verdrängen? Beste Grüße, T.S.
Sehr geehrter Herr S., Herr Möller hat insofern recht, als das Fehlen von Konkurrenz auf Seiten der Arbeitgeber die Implikation haben kann, dass der Mindestlohn mehr Beschäftigung hervorruft. Nur ist dies bloß ein theoretischer Fall. Gerade gering Qualifzierte können wegen ihrer fehlenden Spezialausbildung auch in den kleinsten Gemeinden zwischen vielen Arbeitgebern wählen, zu denen ja auch Privathaushalte gehören. Es gibt also auch auf Seiten der Arbeitgeber Konkurrenz. Unter diesen Voraussetzungen gibt es keine theoretische Zweideutigkeit. Mindestlöhne vernichten dann eindeutig Jobs. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Annahme, dass ein steigender Preis (hier Mindestlohn) am Arbeitsmarkt zu sinkender Arbeitsnachfrage führen müsste und demzufolge höhere Arbeitslosigkeit bei Geringqualifizierten auslösen könnte ist logisch und nachvollziehbar. Allerdings hat das IAB in Nürnberg meines wissens in der überwiegenden Zahl seiner empirischen Studien zum Mindestlohn herausgefunden, dass die Annahme in der Praxis kaum zutrifft. Dies liegt wohl zum einen daran, dass oft keine Substitutionsmöglichkeiten bestehen (in vielen Dienstleistungsbetrieben können die Menschen nicht gegen Maschinen ausgetauscht werden, siehe Post oder Pflegebranche). Zum anderen werden wohl im Gegenzug zu gestiegenen Lohnkosten einfach die Preise erhöht um eine Kompensation zu erreichen. Also entweder liegt das IAB da falsch oder das ifo. Wahrscheinlich liegt sogar die Wahrheit in der Mitte?? Beste Grüße aus Nürnberg
Der Chef des IAB, Prof. Möller, hat in einer ökonometrischen Studie in der Baubranche in den neuen Bundesländern massive Beschäftigungseinbrüche gefunden, als nach dem Entsendegesetz eine Tarifbindung eingeführt wurde. Für den Westen fand er keine negativen Ergebnisse, allerdings waren seine Schätzergebnisse dort auch nicht statistisch signifikant, weil die Datenbasis nicht reichte. Im Westen war die Tarifbindung ja auch unbedeutend, weil ohnehin die meisten Löhne tariflich determiniert waren. Im Osten war es anders. Die ostdeutschen Baufirmen hatten untertariflich gezahlt und mussten nun mit den Löhnen hoch, was eine massive Entlassungswelle hervorrief. Eine Übersicht über die statistischen Untersuchungen dazu finden Sie auf der Homepage von IZA, dem Institut für die Zukunft der Arbeit. Danach kommen fast alle Untersuchungen zu dem Schluss, dass Lohnerhöhungen die Zahl der Jobs verringern. Das kann auch gar nicht anders sein. Dass die Nachfrage fällt, wenn der Preis steigt, ist eines der grundsätzlichsten und trivialsten Gesetze der Volkswirtschaftlehre. Natürlich gibt es immer irgendwelche Ausnahmen hier und da. Ich wundere mich nur, wie in Deutschland aus ideologischen Gründen häufig auf solchen Ausnahmen herumgeritten wird. Für mich ist das Ganze so ähnlich, als würde jemand die Fallgestze negieren: Eigentlich jenseits dessen, was man seriöserweise diskutieren kann. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, wenn ich Ihre Vita lese gehe ich im Normalfall davon aus das Sie hochgebildet sind. Umsomehr verwundert mich, als Nichtakademiker, dass Sie immernoch in das Horn der Klientel der FDP und teilweise CDU stossen indem Sie sich, und nun kommts, wider besseren Wissens, gegen den Mindestlohn aussprechen. Frei nach Herrn Volker Pispers: Wer gegen den Mindestlohn ist, ist ein A...l.... und wer behauptet Mindestlohn vernichtet Arbeitsplätze ist erschwerend ein dummes A...l.....! Herr Sinn: Auch Ihnen wird nicht entgangen sein, dass in fast allen europäischen Ländern Mindestlöhne gezahlt werden und nicht Ihre Horrorvorstellung von dann eintretender Areitslosigkeit stattgefunden hat. In Deutschland soll nach meiner Auffassung von Gerechtigkeit jeder Arbeitnehmer/in, der/die 40 Wochenstunden arbeitet, auch so bezahlt werden, dass er/sie ohne Unterstützung vom Staat (Aufstocker) leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann. Alles andere ist unsozial undSchürt auf Dauer Unfrieden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr S., ich blase nicht in das Horn der FDP und CDU. Es ist, mit Verlaub, umgekehrt. Zum Mindestlohn habe ich das ifo Institut schon lange positioniert, bevor er ein öffentliches Thema wurde. Das ifo hat ja im Jahr 2002 die Alternative des aktivierenden Sozialstaates zur Entwicklung eines Niedriglohnsektors in einem Gutachtentext entwickelt, der zur Basis der Hartz-Reformen und der Vorschläge verschiedener Sachverständigengremien wurde. Das war die Alternative zum Mindestlohn. Die Erfahrungen anderer Länder mit dem Mindestlohn sind eher schlecht. Die französische Jugendarbeitslosigkeit hat damit viel zu tun. Das Problem ist: Zwar ist es ein akzeptabler Wunsch, dass jeder von seiner Hände Arbeit leben kann, doch die Wirklichkeit ist, dass es nicht genug gute Stellen gibt, um diesen Wunsch ohne Beschäftigungszwang der Arbeitgeber zu realisieren (und ein Beschäftigungszwang wie etwa bei Behinderten würde die Grundregeln des marktwirtschaftlichen Systems unterminieren und auch entwürdigend wirken). Unsere Devise ist: "Wer arbeiten will, muss arbeiten können und dann genug zum Leben haben." Dieses Ziel kann mit einem Mindestlohn nicht erreicht werden. Nach jüngsten Schätzungen von Schöb und Knabe (finden Sie auf unserer Homepage) würde ein Mindestlohn von 8,25 Euro 1,25 Millionen Stellen in Deutchland vernichten. Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des vorangegangenen Beitrag zur Aktivierenden Sozialhilfe/Mindestlohn) Sehr geehrter Herr Sinn, ich zitiere aus der Antwort: " Man kann es nur durch eine Politik der Lohnzuschüsse erreichen, weil man dann Menschen ein hinreichendes Einkommen sichern kann, ohne sie zugleich so zu verteuern, dass sie keine Stelle mehr finden." Und genau da sehe ich die Gefahr. Ich kenne mittlerweile Beispiele von Unternehmen, die genau diese Subvention als Geschäftsmodel haben. Ganz einfach ausgedrückt. Die Unternehmen kalkulieren Ihren Gewinn durch den Zuschuss zum Lohn vom Staat. Da frage ich mich, und ich betone nochmal, ich bin nicht akademisch vorgebildet sondern besitze lediglich ein halbwegs gutes Allgemeinwissen, geht's eigentlich noch? Diese Unternehmen machen ihren Profit nur deswegen, weil sie mit den Aufstockern rechnen. Beispiel Springer mit Pin. Das Unternehmenskonzept brach sofort zusammen als es entsprechende Tarifverträge im Postdienstleistungsgewerbe gab. Ich habe vor einiger Zeit in einer Fernsehdiskussion einen Unternehmensvertreter sagen hören, sinngemäß, ja leider erwirtschaften solche Mitarbeiter keinen ausreichenden Lohn um davon leben zu können, deswegen muss der Staat einspringen. Das neue Geschäftsmodel heißt: Zahle deinen Mitarbeitern so wenig wie möglich, den der Staat wird den Rest zahlen damit der MA davon leben kann. Und das sagen einige Unternehmen mittlerweile ganz offen. Sorry, ich habe da eine andere Auffassung. Was würde eigentlich passieren, wenn niemand die Arbeit für das bisschen Geld macht? Würde dann z.B. einfach nicht mehr geputzt, putzen dann z.B. die Vorstände selbst, wird dann plötzlich mehr gezahlt weil es plötzlich doch wirtschaftlich ist? Ich weiß, so viele Fragen und so wenig Antworten.
Sehr geehrter Herr S., Sie haben völlig Recht: Die Lohnbezuschussung über Hartz IV bedeutet, dass Geschäftsmodelle entstehen, die ohne diese Bezuschussung nicht existieren würden. Das sagt mit anderen Worten dasselbe wie das, was ich gesagt habe. Wir brauchen solche Geschäftsmodelle, damit wir allmählich wieder zur Vollbeschäftigung zurückkehren können. Will man darauf verzichten, dann bleibt die Arbeitslosigkeit unverändert hoch. Wenn Unternehmen zugeben, dass sie darauf spekulieren, dass der Staat einen Teil der Lohnrechnung übernimmt, so ist das nicht verwerflich, sondern ehrlich und ökonomisch genau richtig. Genau darum geht es. Hartz-IV ist ein Lohnzuschussystem, das niedrigere Löhne ohne Einkommensverluste ermöglicht und so die Zahl der Stellen, die von den Unternehmen rentabel zu bewirtschaften sind, erhöht. Genau das ist der Weg, mit dem der Niedriglohnsektor aufgebaut werden sollte und wurde. Sie verweisen auf das Putzen. Ja, in der Tat, es würde weniger geputzt, und es wird ja noch immer zu wenig geputzt, trotz Hartz IV. Schauen Sie sich mal in manchen Großstädten um. Aber nicht das Putzen und ähnliche Dienstleistungen sind das Hauptproblem, sondern die vielen einfachen Arbeitsstellen im verarbeitenden Gewerbe und im Bau, die durch Kapitalexport nach Osteuropa und Asien verlagert werden. Deutschland hatte in den Jahren vor der Krise die niedrigste Nettoinvestitionquote aller OECD-Länder. Im Jahr 2008 wurden von der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis in Höhe von 280 Milliarden Euro nur 117 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Der Rest des Geldes wanderte ins Ausland. Bezuschusste Geschäftsmodelle in Deutschland verhindern das. Eine Mindestlohnstrategie verhindert hingegen diese Geschäftsmodelle, erzeugt Arbeitslosigkeit und zwingt den Staat, Arbeitslosigkeit zu finanzieren, was sehr viel teurer ist und Menschen aus dem Sozialverbund der Arbeitswelt ausgrenzt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wegen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011 werden wahrscheinlich weitere tarifliche Mindestlöhne (mehr oder weniger flächendeckend?) vereinbart werden, die auf Antrag des Tarifvertragsparteien nach Arbeitnehmerentsendegesetz zugleich für die jeweilige Branche von dem/der Bundesminister/in für Arbeit und Soziales als verbindlich erklärt werden (können). Erlauben Sie dazu die folgenden Fragen: 1. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? 2. Halten Sie damit die Diskussion zu den gesetzlichen Mindestlöhnen für obsolet? 3. Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die Arbeitslosigkeit? Danke für die Antwort und mit freundlichen Grüßen nach München Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, Sie sehen das wohl realistisch. Sie kennen meine normative Position. Hände weg von den Mindestlöhnen, weil sie Jobs kosten. Nach einer neueren Studie von Schöb und Knabe würde ein Mindestlohn von 8,50 Euro 1 1/4 Millionen Stellen kosten, die zusätzliche Immigration und die dadurch verursachte Verdrängung noch nicht gerechnet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dieser Beitrag ist eine Fortsetzung der vorangegangenen Diskussion) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bedanke mich für Ihre rasche Rückantwort. Ich habe jedoch Einiges nicht richtig verstehen können. Sie schreiben u. a. ...Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung,..... Wieso muss ein Unterschied bleiben? Beispiel: Ein LZA soll beim Strassenreinigungsdienst Vollzeit nur eine Entlohnung in Höhe von Hartz IV erhalten. Wenn dieser LZA diese Tätigkeit wie ein anderer Beschäftiger verrichtet, wieso soll er dann nicht für seine geleistete Arbeit genauso entlohnt werden? Verstehe ich nicht. Oder geht es nur darum, dass man den LZA sozusagen jetzt während der Vollzeit unter Kontrolle hat, ober er regelmäßig auf der Arbeit erscheint, oder, dass er in der Zeit sog. "nicht Schwarzarbeitet" etc. Ich vermute, dass es nur darum geht. Wenn es um Leistung gehen sollte, dann soll man den LZA auch richtig (mit Arbeitsvertrag) entlohnen. Muss ja nicht gleich als Neueinsteiger der gleiche Lohn sein. Jedoch auch nicht auf Hartz-IV Niveu. Dies würde einem LZA doch nur wieder demoralisieren. Wenn ein LZA richtig seinen Job als Strassenreiniger verrichtet und dies täglich 8 Stunden, dann aber bitte einen fairen LOHN. Arbeit muss sich lohnen - heisst es doch immer. Meiner Meinung nach muss man auch dieses sog. Lohnabstandsgebot detailierter betrachten. Bisher nannte man immer gerne die Frisöse. Dann stelle ich mir natürlich auch die Frage, warum eine Frisöse z. B. bei Vollzeit nur 900,00 Euro netto verdient und ein Politiker ca. 7.000,00 - 8.000,00 Euro. Kurzum: Unterschiede zwischen einem alleinstehendem LZA und einer Familie mit 1 oder 2 Kindern: Alleinstehender ca. 670,00 Euro Hartz IV Familie mit Kind ca. 1500, Euro Hartz IV Wenn der Familienvater auf Hartz IV Niveau als Strassenfeger arbeitet erhält er nach Ihrem Vorschlag also 1500,00 Euro Der Alleinstehende für den gleichen Job 670,00 Euro Wie geht das zusammen??? Man muss also schon sehr differenzierter schauen. Auch z.B. ob jemand mit oder ohne Ausbildung ist etc. Ich würde mich nochmals sehr freuen, wenn sie mir antworten. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., eine Hartz-IV-Beschäftigung kann keine Dauerlösung sein, und insofern wäre es verfehlt, diese Tätigkeit wie eine normale Beschäftigung zu entlohnen. Es steht ja jedem frei, in den normalen Arbeitsmarkt zu wechseln, der wegen der dramatischen Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die wir vorsehen, gewaltig in Bewegung kommen wird. Dort wird er schon bei einer Halbtagstätigkeit deutlich mehr verdienen. Der Staat hat die Aufgabe,das Existenzminimum zu sichern, aber er kann auch eine Gegenleistung dafür erwarten. Das Geld für eine Entlohung wie in regulären Stellen ist nicht da. Woher soll das kommen? Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe gestern im TV ihren Vorschlag gehört, worin sie u. a. vorschlagen, dass jeder Hartz IV-Empfänger von der Kommune einen Vollzeitarbeitsplatz in Höhe des Hartz IV-Geldes erhalten soll. Ich habe mir dabei so meine eigenen Gedanken über diesen Vorschlag gemacht. Es würde doch damit wieder nur Unruhen geben, dieses Mal jedoch unter den Hartz IV-Empfänger. z. B. 10 LZA bekommen einen Job in der Stadt XY als Strassenreiniger. Wieso erhalten diese 10 dann für den gleichen Job jeder einen unterschiedlichen Lohn??? (Lohn= Regelsatz plus unterschiedliche Mietkosten inkl. Heizung) Desweiteren heisst es doch: Arbeit muss sich Lohnen! Wenn es nach ihrem Vorschlag gehen würde, wo würde sich hierbei die Arbeit lohnen??? Ich finde, wer einen Arbeitsplatz hat und Vollzeit arbeiten soll, der soll auch wie jeder andere Arbeiter in Deutschland einen Arbeitsvertrag erhalten. Desweiteren einen Lohn, der für den ausgeführten Job angemessen und leistungsgerecht ist. Warum soll z. B. ein Straßenfeger der vorher LZA war und ungelernt ist, mehr verdienen, wie z. B. ein Zuarbeiter in der Verwaltung der auch vorher LZA war und eine kaufmännische Ausbildung hat? (Beispiel: Straßenfeger hatte vorher 723 Euro Hartz IV, der Zuarbeiter hatte vorher 685 Euro Hartz IV)(Beide vorausgesetzt sind Alleinstehende) Noch als weiterer Gedanke von mir. Selbst die o. g. Beispiele zeigen, wenn man fordert, dass man auf Hartz IV Niveu für einen Ganztagsjob lediglich 723,00 Euro oder 685 Euro netto erhält, so sehe ich dies als Ausbeutung an. Ich finde, wer als LZA ganztags arbeiten soll, der verdient es auch nicht,als Hartz IV-Empfänger weiterhin deklariert zu werden, sondern, wie schon erwähnt, genauso behandelt werden muss, wie jeder Arbeiter (mit Arbeitsvertrag) oder Angestellter. Mich würde es natürlich auch sehr interessieren, wie sie zu ihrem Vorschlag gekommen sind. Mir kommt es langsam von allen Seiten so vor, als würde man in einer Pokerrunde sitzen. Ja, das Thema ist ein heisses Feuer, aber es gießen leider zu viele Leute immer wieder neues Benzin hinein. Da ich auch ein Mensch offener Worte bin, nenne ich meine Empfindungen und Gefühle als Betroffener. Wut, Angst und teilweise richtige Ohnmacht. Mit Menschen sollte man nicht spielen. Ich empfinde es jedoch als Pokerspiel, was in den letzten Monaten mit Hartz IV-Empfängern geschieht. Als Betroffener würde ich liebendgern Vorschläge unterbreiten, die Substanz haben und auch effektiv und nachhaltig sind. Jedoch zusammen mit den LZA.... Man möchte doch LZA wieder zu Mitarbeitern machen. Betonung auf Mit Die Politik sehen die LZA jedoch als Gegenarbeiter und das ist schon mal der allererste Fehler. Worte wie Unterschicht etc. - mal ehrlich, wo bleibt denn da die Menschlichkeit. Die meisten LZA sind engagiert, mehr als man glauben mag. Das Menschen jedoch andere Menschen gegenseitig aufhetzen, das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun. (Ich weiß, dass sie, Herr Prof. Sinn, es nicht machen und auch nicht machten, vielmehr verschiedene Politiker und Medien). Und bei LZA geht es nunmal auch um Menschen. Das sollte man niemals aus den Augen verlieren. Als letzten Hinweis. Ich habe am 08.03.10 in meiner Gemeinde im Rathaus bei der Personalabteilung wieder mal vorgesprochen, mit der Bitte, ob ich vielleicht einen Job erhalten könnte. Auch nur als sog. Zuarbeiter oder Ähnliches. Die Antwort war folgende: Nein, wir stellen keine Leute ein. Wir müssen selbst für unsere Mitarbeiter, die länger erkrankt sind, Wiedereingliederungsstellen offen halten. Habe nochmals nachgefragt. Defenitiv war die Antwort Nein. Selbst bei einem sog. 1 Eurojob erhielt ich ein NEIN. Herr Prof. Sinn, es ist nicht so einfach. Mich würde es von den jetzt regierenden Politiker mal interessieren, welche Taktik oder beim Bild der Pokerrunde zu bleiben, was wirklich gespielt wird. Ich habe dabei ein mullmiges Gefühl. Noch als letzter Gedanke. Wann öffnes sich denn endlich wieder mal die Tore bei der Bundesanstalt für Arbeit in den verschiedenen Städten für die LZA??? Bei uns in meinem Ort ist der Zugang für LZA verwehrt. Und das ist auch eine falsche Massnahme. Ich würde mich sehr freuen, Herr Prof. Sinn, wenn ich zu meinem Schreibeneine Antwort erhalten würde. Mit freundlichen Grüssen M.
Sehr geehrter Herr M., ich verstehe Ihre Bedenken. Aber Sie müssen bitte auch berücksichtigen, dass die Arbeit der Hartz-IV-Bezieher nur ein Notanker bei meinem Vorschlag ist. Durch die dramatische Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten, die ich vorschlage, wird es viel attraktiver, in der Privatwirtschaft zu arbeiten. Dort würde man schon bei einer Halbtagsstelle im Niedriglohnbereich so viel Geld in der Tasche haben, wie ein Hartz-IV-Bezieher bei Vollzeit. Es muss ein Unterschied erhalten bleiben. Die Hartz-IV-Beschäftigung darf unter keinen Umständen gleich entlohnt werden wie eine normale Beschäftigung, denn sonst bleiben die Menschen da hängen, und das wollen Sie doch sicher auch nicht. Insgesamt laufen meine Vorschläge auf eine Belebung des Arbeitsmarktes und eine Erhöhung des Lebensstandards derer hinaus, die heute keine Stelle haben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. im Gefolge des Urteils des BundesVerfG wird über die Angemessenheit der Regelsätze diskutiert. Dazu haben sich die Richter allerdings nicht geäußert. In diesem Zusammenhang werben Sie seit einiger Zeit für die Regionalisierung der Regelsätze: "Angesichts der regionalen Unterschiede im Preisniveau der Waren und Dienstleistungen verlangt dies zwingend eine Regionalisierung der Geldsätze". Ist es aber nun wirklich so, dass in dem Warenkorb der Bedarfsgemeinschaften nach SGB II regionale Preisunterschiede eine wesentliche Rolle spielen? Bei den Lebensmittelangeboten der Supermärkte mit deren hoher Wettbewerbsintensität kann ich mir das kaum vorstellen, bei Textilien ebenso wenig und die Kosten der Wohnung sind bereits regionalisiert. Meine Frage daher: Gibt es Untersuchungen mit verlässlichen Ergebnissen zu diesem Thema? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, es gab bis in die neunziger Jahre eine Statistik des Statistischen Bundesamtes mit Unterschieden in den regionalen Preisindices ohne Wohnen von bis zu 6%. Das ist nicht viel, aber auch nicht wenig. Wenn man die Wohnkosten ohnehin schon regionalisiert, kann man den Rest auch regionalisieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, gut nachgeplappert, könnte man denken. Herr Pofalla meint, die Darstellung nach außen könne verbessert werden – was immer er damit auch meinen möge. Und prompt kommen Sie hinterher und empfehlen, die Hartz.IV-Sätze müssten besser begründet werden, was immer Sie damit meinen. Eine andere Begründung der Sätze ändert noch nichts an der Situation selbst, dass einige Empfänger damit nicht leben können und dem entgegen manch Arbeitnehmer acht Stunden und mehr malochen muss und trotzdem weniger auf der Hand hat als vergleichbare Hartz-IV-Bezieher. Nicht die Begründung ist ausschlaggebend sondern ein Ergebnis, was zur Befriedigung aller Betroffenen beitragen kann. Solch nutzlose Meinungsbekundungen oder ins Leere gehenden Empfehlungen brauchen wir sicher nicht. Erstaunlich nur, dass Sie bzw. Ihr Institut noch nicht folgende Tatsache festgestellt haben wollen; jedenfalls, so weit mir bekannt ist, nicht öffentlich: Die Zahl der Arbeitslosen sei in Deutschland im Januar 2010 auf 3.617.000 Millionen gestiegen. Bei gleichzeitig rund 7,4 Millionen Hartz-IV-Empfänger, die ja unstrittig grundsätzlich auch arbeitslos sind, addieren sich die Arbeitslosen insgesamt auf rund 11 Millionen. Subtrahiert man davon 1,35 Millionen Hartz-IV- Aufstocker, bleiben immer noch real 9,65 Millionen Arbeitslose übrig. Einfach nur in der Statistik ‚rumkorrigieren ändert noch nichts am Problem selbst! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr W., die Aussage, dass nicht die Hartz-IV-Sätze falsch sind, sondern die Art ihrer Berechnung, ist nicht meine, sondern die des Verfassungsgerichts. Ich weiß nicht, was Herr Pofalla gesagt hat. Definitiv folgt aus dem Urteil des Gerichts nicht, dass man Hartz-IV-Sätze zur Befriedigung aller Betroffenen braucht. Da es sich um Gelder handelt, die anderen über das Steuersystem weggenommen werden, kann es immer nur um den Grundbedarf gehen, der zum Existenzminimum gehört. Bitte lesen Sie das Urteil und richten Sie Ihre Kritik zuständigkeitshalber an das Gericht. Was die Zahlen betrifft, so darf man sie nicht addieren, wie Sie es tun. Es stimmt zwar, dass die Hartz-IV-Empfänger arbeitslos sind, aber genau deshalb sind sie in der Arbeitslosenzahl schon enthalten. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, selten gehe ich mit Ihren zumeist sehr plakativen Meinungsäußerungen konform. Hier jedoch haben Sie den Nagel nicht nur auf den Kopf getroffen sondern absolut zentral erwischt. Die Zuteilung von monetären Leistungen an Hartz IV-Empfänger für deren Kinder kommt allzuoft eben nicht bei den Kindern an sondern endet - populistisch gesprochen - an Theken oder Zigarettenautomaten. Hier sind dann die Erwirtschafter der Leistungen mindestens doppelt geprellt, denn zunächst haben diese die Leistungen zur Verteilung zur Verfügung zu stellen um dann den x-ten Bildungsweg für die bedauernswerten Spösslinge der alimentierten Eltern zu finanzieren und dann im Endeffekt diesen später die Vollalimentierung zu bezahlen. Dumm ist an der Situation, dass die Kinder spätestens vom ersten Atemzug an die Nachteile des sozialen Umfeldes spüren, erleiden und letztendlich verständlicherweise verinnerlichen, so dass dieses Problem wirklich besser durch Sachleistungen angegangen werden kann. Aber nur diese Sachleistungen auf Basis Hartz IV werden das Problem nicht lösen, dazu bedarf es eben größerer gesellschaftlicher Anstrengungen und diese erfordern im kleinen Rahmen bereits das Engagement der Bürger, so dass Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen Angebote zur Freizeitgestaltung abseits des vor- und nachmittäglichen Fernsehkonsums sowie den Reizen der täglichen Komasauferei ab 9, 10 oder 11 geboten werden können, wenn die Kommunen hier schon ihre Verantwortng mit Verbotsschilder gegen Sauferei "erschöpfend" abgegolten sehen. Es ist schon erschreckend zu beobachten, dass Kommunen zuerst allen Einrichtungen für Jugendliche den Geldhahn zudrehen und zu schließen um dann entrüstet auf die Reaktion! der Jugend zu reagieren, da diese nun herumlungern. Sie haben jedenfalls meine volle Unterstützung für Ihre Forderung nach Sachleistungen! Mit freundlichen Grüßen vom Bodensee S. H.
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie sagen viel Wahres. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Als ich kürzlich Ihren "Auftritt" bei ntv zum Thema "Hartz IV, zu lasch, zu teuer" sah, kam ich nicht umhin, mich zu wundern, warum Sie ihre Meinung zur Ausgestaltung des ALG II su stark geändert zu haben scheinen: Sah die Aktivierende Sozialhilfe nicht sehr wohl vor, das ALG II bei Nicht-Erwerbstätigkeit drastisch (auf 1/3, soweit ich das richtig in Erinnerung habe) zu kürzen, und im Gegenzug die Hinzuverdienstmöglichkeiten ebenso drastisch zu erhöhen? Davon war nur aber keine Rede mehr. Stattdessen traten Sie nur noch für eine Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten ein, auch ganz ohne grundsätzliche Kürzung von Hartz4 bei Nicht-Aufnahme einer (ggf. von der Kommune bereitgestellten) Erwerbstätigkeit. Warum dieser Meinungsumschwung? Und ist es denn überhaupt wirklich so zweckmäßig, die Hinzuverdienstmöglichkeiten bei sehr niedrigen EInkommen zu verbessern? Birgt das nicht die Gefahr, wie es ja auch bei den ersten 100 Euro Hinzuverdienst bereits der Fall ist, die ohne jeden Abzug behalten werden dürfen, dass insbesonere geringfügige Beschäftigung gefördert wird, statt Vollzeittätigkeiten? Der Sachverständigenrat plädiert deshalb jedenfalls auch eher zu einer Geringfügigkeitsschwelle, also eben schlechteren Hinzuverdienstmöglichkeiten im ganz unteren Einkommensbereich. Ich würde dem zustimmen. Anreize, mehr zu arbeiten, schafft man doch dann, wenn bei zunehmendem EInkommen die zusätzliche Belastung verringert wird (also direkt regressive Belastung), und nicht umgekehrt, bei niedrigen EInkommen die Belastung niedrig ist und dann immer höher wird (also direkt progressive Belastung). Man sollte deshalb, m.E., lieber, bei sehr niedrigen Einkommen sehr schwache HInzuverdienstmöglichkeiten gewähren, und erst bei EInkommen, die auf eine Vollzeittätigkeit schließen lassen, die Hinzuverdienstmöglichkeiten wieder verbessern. Mit freundlichen Grüßen, Daniel Lechmann
Sehr geehrter Herr Lechmann, das ist kein Meinungsumschwung. Nur haben Sie die Information über unser Modell offenbar aus einer Sekundärquelle. In der Tat wird unser Vorschlag so kolportiert, wie Sie es sagen. Die Kürzung um eine Drittel bei Nichtaufnahme der Arbeit und mehrfacher Nichtaufnahme ist herrschende Gesetzeslage, nichts besonderes bei unserem Vorschlag. Das Besondere ist, dass wir kommunale Arbeitsgelegenheiten für jeden Hartz-IV-Empfänger ohne Ausnahme vorsehen wollen, die zur Höhe des Hartz-IV-Satzes entlohnt werden (Null-Euro-Jobs, wenn Sie so wollen). Dann kann einerseits niemand, der arbeiten will, weniger Geld haben als heute bei Hartz IV und andererseits ist doch der Arbeitsanreiz gewährleistet. Wenn die Kommune ihrer Verpflichtung nicht nachkommt, muss sie Hartz IV auch ohne Arbeit zahlen. Das wird in der Presse nicht richtig dargestellt, und deshalb muss ich mich stets mit der angeblichen, unbedingten Kürzung des Regelsatzes auf ein Drittel herumschlagen, die in der Presse kursiert. Die Verbesserung der Hinzuverdienstmöglichkeiten kommt hinzu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Dr. Sinn, als Redner beim Neujahrsempfang der Süßwarenbranche (was es nicht alles gibt - gabs Schampus und Kaviar??) haben Sie die Manager der Banken in Schutz genommen. Demnach seien die Manager nur die Marionetten im Theater und der Stripenzieher der Aktionäre. Nun - dem kann ich so nicht zustimmen. Denn es sind ja gerade diese Manager der Banken, die ihre eigenen Leute massiv unter Druck setzen um die von der Bank vertriebenen Finanzprodukte - und sei es noch so großer und hochriskanter Mist - unters Volk zu bringen und für die Abschlüsse kassierten sowohl die Bank, als auch die Bankberater und last but not least der Manager (gemessen am Erfolg) fette Provisionen. WOllen Sie mal ein Beispiel? Na da schnappen wir und soch mal den Krösus der Bankenbranche, Mr. Josef Ackermann himself, Chef der Deutschen Bank. Die haben beispielsweise für einen Investmentfonds zum Bau von Megariesenrädern wie dem Golden Eye in London in vielen Metropolen der Welt Geld gesammelt, darunter von 10 000 Anlager aus Deutschland. Hier wurde den leuten eine risikolose Anlage mit hoher Gewinnausschüttung suggeriert - lassen Sie sich einfach mal so einen Prospekt zukommen von der Deutschen Bank. Die Bank selbst hat bereits für den Abschluß selber knappe 10% Vermittlungsprovision kassiert. Der Fond ist Pleite - die Kohle futsch, es steht nirgends auch nur ein einziges dieser Riesenräder - denn die Klitsche ging gleich nch dem bau eines Fundaments in China Pleite. Über die Seriösität von so einer eigenartigen Anlage kann man ncht streiten, die ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Allein von der großen Deutschen Bank gibt es noch weitere solcher Beispiele von - ich nenne es betrügerischen - Investmentprodukten. Und es gibt Tausende mehr solcher Investmentprodukte von sämtlichen anderen banken. Die Banken sind da fein raus, denn sie haben sih nach dem Crash darauf spezialisiert keine eigenen Anlageprodukte mehr zu verkaufen, sondern treten nur noch als Vermittler auf und kassieren dafür fette Provisionen. Nun frage ich Sie: Wollen Sie allen Ernstes Ihre Behauptung aufrecht erhalten die Bankmanager seien nur marionetten? Diese unseriösen Leute, werter Herr Sinn, sind die Ursache für massive Kaitalvernichtung. Und genau diese Banken werden beim nächsten Crash, dem Platzen der us-amerikanischen Kreditkartenblase, erneut nach Vater Staat schreien umd Steuergelder zu vereinnahmen. Und nich ein paar Worte zu Ihren Theorien des Esports: Exporte werden wegen des schwachen Dollars mehr denn je zu einem Zuschussgeschäft. Fragt sich nur wer das Geld aufbringen soll, um Exporte weiterhin in so großzügiger Form zu finanzieren, die Risiken für solche Geschäfte zu sozialisieren und die Gewinne in die Taschen der Manager - die ja nach wie vor mehrere Millionen für Null Risiko kassieren - zu leiten. Sehen SIe das nicht falsch. Ich bin sehr dafür das eine herausragende Leistung dementsprechend entlohnt werden muss, aber nur dann wenn die manager im falle eines Scheiterns auch das Risiko zu tragen mal ein oder 2 jahre für NULL gearbeitet zu haben. Aber genau das Gegenteil ist der Fal: Scheitern die Manager, dann kassieren sie fette Abfindungen für vorzeitige Vertragsauflösung oder kassiern bis Vertragsende weiterhin ihre Gehälter - vorausgesetzt die Firma besteht solang und muss nicht Konkurs anmelden und Hunderte oder tausende Jobs vernichten. Die Gier vieler Manager ist so ausgeufert, sie scheuen nicht einmal davor zurück hier die fabriken zu schließen und in China neue Klitschen einzurichten und das gesamte Know-How frei haus mitzuliefern - die eigentliche Ursache für das Wachstum Chinas. Obwohl ich die von den kommunistischen Machthabern vorgegaukelten Wachstumszahlen sowieo sehr anzweifle. Das ganze System erinnert mich doch zu sehr an die 5-jahres-Pläne der DDR, wo Mähdurchbrigade 0815 trotz sinkender Ernten Jahr für Jahr die Soll-Zahlen um 10-20% überschritten haben - komische Ähnlichkeit gelle. Ihre Mitleidsbekunden zu Gunsten der Manager in aller Ehren, Meister Sinn. Es wäre aber angebracht Sie würden mal etwas Anteilnahme zeigen für die wahren Verlierer - den Arbeitnehmern hierzulande die Tag für Tag um ihren Job fürchten. Was glauben Sie eigentlich wie lange das Spiel so weitergeht? Europa wird finanzpolitsch daran scheitern, denn es wird mehr und mehr das Opfer und der Zahlmeister des us-amerikansichen Kapitalismus und des Sozialismus Chinas sowie Korruption Indiens. Die Amerikaner sind fein raus, sie delegieren einfach ihre Schulden, sie lassen ihre Währung geradezu verfallen und können somit ihre Schulden locker zahlen - Looser wird die deutsche Exportwirtschaft - was zu weiteren Megapleiten führt, und die Chinesen - angesichts ihrer extrem hohen Devisenreserven in US-Dollar. Ich bin nur darauf gespannt, wie Sie solche Entwicklungen dann begründen wollen? Selbst Ihnen dürfte klar sein, das gerade in der BRD der massive Rückgang an Exporten einigermaßen durch den Konsum im Binnenmarkt abgemildert wurden. Sicherlich gab es auch einen gewaltigen Abschwung hier, aber mit weit weniger Auswirkungen als in den anderen europäischen Ländern. Und dies haben wir auch dem Instrument Kurzarbeit zu verdanken, wobei hier massenhaft von den Großkonzernen betrogen wurde. Der Mittelstand und das Handwerk haben sich als Stütze der Konjuntur erwiesen - womit keiner von euch selbstherrlichen Experten gerechnet hat. Um das instument Kurzarbeit beneiden uns inzwischen die anderen Länder. Von den Experten wird sie dagegen, wegen der damit verbundenen Kosten, als Hindernis und Damoklesschwert angesehen, da sie ja auch die Fertigungskosten verteuert. Nun - das ist durchaus richtig: Aber hätten beispielsweise die Manager der großen Konzerne nicht in hirnloser Wildwestmanier über Jahrzehnte so massiv Jobs nach Asien verlagert, dann gäbe es das Phänomen Massenarbeitslosikeit nicht in dieser krassen Form. Und dadurch wären letztenendes auch die Lohnnebenkosten niedriger. Die alten Weisheiten der Manager, wie dauernd Fehlzeiten wegen Krankheit, zuviel Feiertage, zuviel Urlaub, zu hohe Löhne etc. sind schon seit teilweise 20 jahren nicht mehr zutreffend. Feiertage sind bereits weggefallen, der Urlaub hat sich im Schnitt auf 25 Tage reduziert, die Wochenarbeitszeit liegt durchschnittlich bei 41,5 Stunden, die Löhne stagnieren seit bereits 20 Jahren - und genau das sind die eigentlichen Ursachen der Krise auf dem binnemarkt. Mit freundlichen Grüßen Stephan Vollmer
Sehr geehrter Herr Vollmer, ich befürchte, Sie missverstehen mich, wenn Sie glauben, ich wollte die Manager in Schutz nehmen. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass deren Entlohnung, die in der Tat zu riskantem Anlageverhalten geführt hat, von der Entlohung der Aktionäre abgeleitet ist, bei der es auch nur Boni und kaum Mali gibt. Wenn Sie die Argumentation näher interessiert, kann ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus", Kap. 4, verweisen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn Bei ihrer Argumentation gegen Mindestlohn und für aktivierende Sozialhilfe spielt ja das Thema der Produktivität der Arbeiter eine entscheidende Rolle. Von der Einführung eines Mindestlohns von 7,50€ wären ja fast ausschließlich Angestellte im Dienstleistungssektor betroffen. Nun meine ganz einfache und kurze Frage: Wie kann man die Produktivität eben eines solchen Angestellten bestimmen? z.B. die Produktivität eines Straßenkehrers oder einer Friseurin. Das muss doch irgendwie von der Zahlungsbereitschaft des Kunden abhängen. Ich studiere zwar VWL im 7. Semester, unter anderem bei ihnen, aber es bleibt mir ein Rätsel..
Sehr geehrter Herr Graf, in der Tat geht es um Wertproduktivitäten, und in die gehen die Preise ein, die von der Zahlungsbereitschaft der Kunden abhängen. Je billiger die Haarschnitte sind, desto mehr werden nachgefragt. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, erlauben Sie mir einige Anmerkungen zu Ihrem Statement in der FTD: Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts: "Noch nie waren die Schwierigkeiten, denen sich eine neue Bundesregierung gegenübersah, so groß wie heute. Arbeitslosigkeit, Finanzkrise und Staatsschulden bilden eine schwer beherrschbare Gemengelage. Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Agenda 2010, um den Arbeitsmarkt noch weiter in die Richtung des aktivierenden Sozialstaates zu verändern." Die Herausforderungen sind in der Tat immens und noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik werden wir wohl mit einem derart massiven Problemgeflecht auf verschiedenen Feldern parallel konfrontiert. Ich konzentriere mich allein auf einige aktuelle Aspekte zum Thema Arbeitslosigkeit, das schon wegen des Regierungswechsels wohl wie kein anderes im Feuer der politischen Auseinandersetzung schon der nächsten Monate stehen dürfte: 1. Die Agenda-Politik war und ist m.E. im Grundsatz zwar weiterhin richtig, sie erfordert heute allerdings deutliche Neujustierungen (eine "Monstranz" Hartz IV nutzt keinem). Z.B. ist die "Klasseneinteilung" in ALG(I) und ALGII bzw. BA und ARGE, für "Harz IV"-Empfänger diskriminierend und zugleich kontraproduktiv, weil sie deren Arbeitsmarktchancen (nämlich als "ausgewiesene" Arbeitssuchende zweiter Klasse) mindert. Zudem setzen die Zuverdienstregelungen des ALG II falsche Anreize (vgl. anders das Konzept "aktivierende Sozialhilfe" des ifo). Berücksichtigt man hier z.B. weiter, dass im Niedriglohnbereich Werbungs- und Sonderausgabenabzüge mangels Steuerpflicht zumeist nicht wirken (schon die zuwachsenden Fahrtkosten konterkarieren nicht selten bereits Brutto-Mehreinkommen), überrascht nicht, dass Arbeitslose (zu) lange Leistungsempfänger bleiben, bis sich eine Erwerbtätigkeit vermutlich nachhaltig (!) lohnt. Solche (und andere) Inkonsistenzen im - insoweit auch inflexiblen und inzwischen deutlich bürokratielastigen - Regelwerk SGB II bauen Arbeitslosigkeit daher nicht nicht wie gewünscht - und wie es m.E. möglich wäre (!) - ab (sondern dienen eher der "Arbeitsbeschaffung" für eine wachsende Schar von Sozialrichtern). Hinzu kommt schließlich und (nach meiner nur fallweisen) Beobachtung, dass es hier eine wirklich effektive Arbeitsvermittlung (schon mangels "Mase") nach wie vor nicht gibt (es dürfte die "Delegierung" an Zeitarbeitsfirmen und sonstige Unternehmen überwiegen und zumindest bei einigen (vielen?) dürfte ein Seriositätstest auch nicht uneingeschränkt positiv ausfallen. 2. Die "Neue SPD" wird es möglicherweise als Befreiungsschlag empfinden, das "Schrödervermächtnis Hartz IV" endlich "in die Tonne zu treten". Folglich wird es vermutlich schon in den nächsten Monaten hierüber eine heftige - und hochideologisierte - Diskussion - mit beiden (!) linken Parteien - geben. Das "bürgerliche Lager" wäre hier gut beraten, wenn es diese Diskussion offensiv (also nicht aus einer Verteidigungsposition heraus) führte und dabei zugleich deutlich machte, dass die SGB-II-Systemregelungen stets (!) den Interessen der betroffenen Leistungsbezieher objektiv entsprechen, die von der Solidargemeinschaft unter großen Anstrengungen gewahrt und geschützt werden. Insoweit hat der scheidende Arbeits- und Sozialminister Scholz sogar recht: "Die SPD hat es mit der Reformpolitik der letzten Jahre geschafft, die Grundlagen des deutschen Sozialstaats zu sichern", sagte er. "Aber die Reformen waren - wenn die Bürger ihr eigenes Leben betrachten - nicht immer gut. Das aufzuarbeiten, wird unsere Aufgabe sein." 3. Für diese Neujustierung ALG II ist wissenschaftlicher Support wie übrigens auch umgekehrt die Bereitschaft der Politik notwendig, eine solche Unterstützung anzunehmen. An die Wissenschaft ist indessen zu apellieren, an die bezeichnete "Gemengenlage" interdisziplinär heranzugehen, Wie schon oben erwähnt, sind Systemregelungen im Bereich SGB II nicht allein unter volks(und betriebs-)wirtschaftlichen, sondern zudem (beispielweise) auch unter markt- und verhaltenspsychologischen Aspekten heranzugehen und dabei gleichzeitig effiziente Methoden der - auch stufenweisen - Arbeitsvermittlung bzw. des Coaching zu entwickeln und umzusetzen. Ziel muss dabei auch sein, Akzeptanz bei dieser Zielgruppe zu erreichen. Dabei sind mir die (auch zielgruppenimmanenten) Grenzen durchaus bewusst. Insbesondere eindeutig zu erkennende Gestaltungsfehler sind indessen ebenso konsequent zu korrigieren wie letztlich verhindert werden muss, dass eben diese Zielgruppe zu einem "Neo-Proletariat" und im Übrigen nachhaltigem Reservoir für Parteien und Gruppierungen gepäppelt wird, die bei einer etwaigen Verteidigung der deutschen Demokratie sicher nicht an der Spitze stehen werden. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, vielen Dank für die tiefschürfende Antwort. Ich stimme vielem zu, nur nicht Ihrer Kritik an Hartz IV. Hartz IV erzeugt schon zwei Klassen von Arbeitslosen. Das ist objektiv richtig. Aber es ist auch nicht vermeidbar, wenn man die Kosten der Arbeitslosigkeit im Griff behalten und Anreize zur Arbeitsaufnahme bieten will. Die Grundidee ist ja gewesen, die Arbeitslosigkeit etwas weniger komfortabel zu gestalten und dafür die Beschäftigung ein wenig zu bezuschussen. Ich würde die Beschäftigung noch mehr bezuschussen, und damit wären wir dann irgendwann bei der aktivierenden Sozialhilfe, die Sie ja auch wollen. Wichtig ist mir, dass die Bezuschussung durch Hartz IV (bis weit über den Sockel hinaus) die Armutsgefährdung schon heute für geringbezahlte Arbeitnehmer wirksam verhindert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Anm. des Moderators: Dies ist eine Antwort von Hr. Dr. Reich auf den Beitrag vom 7.10.2009 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, herzlichen Dank für Ihre Antwort: Die Weiterentwicklung von ALG II zur aktivierenden Sozialhilfe, diese etwa eingebettet in ein "Bürgergeld" als negative Einkommensteuer wäre der Weg, den ich prinzipiell versuchen würde. Im Zentrum stehen dabei in der Tat die Anreize zur Arbeitsaufnahme bzw. die Beseitigung von Inkonsistenzen, die das erschweren (ein "Aufstocker", der "auf dem flachen Land" mit dem Auto monatlich 1.000 Km zur Arbeitsstelle fahren müsste, kann eine Arbeitsaufnahme schlichtweg nicht "rechnen"). Jedenfalls gefällt mir nicht, dass "Hartz IV" (namentlich von der Politik) nicht selten nur noch als Monstranz hochgehalten wird (und sich daraus übrigens auch eine durchaus nicht ungefährliche politische Statik entwickelt hat). Schließlich steht insoweit der "Lackmustest" der Agenda 2010 noch aus. Denn die positive Arbeitsmarktentwicklung der Jahre 2005 bis 2008 ergab sich ja auf dem Boden einer deutlichen konjunkurellen Aufwärtsbewegung. Das wird in den Jahren 2010 bis 2012 - siehe auch Prognose ifo - vermutlich ganz anders sein. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, klar, der Test geht weiter. Aber im Aufschwung wurde erstmals das bisherige (seit einem Drittel Jahrhundert geltende) Muster durchbrochen, dass die Sockelarbeitslosigkeit im Westen von Boom zu Boom um 800.000 Personen stieg. Sie fiel stattdessen um 200.000. Macht 1 Mio Extrajobs, die nicht durch die Konjunktur zu erklären sind. Außer der Agenda fällt mir nichts ein, was die Ursache hätte sein können. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe eine Frage bzgl. der Hartz 4 Reformen und dem Thema "aktivierende Sozialhilfe". Obwohl ich eigentlich ein Fürsprecher der obengenannten Reformen bin, bin ich jüngst auf eine Zahl gestoßen, die mich in Stutzen gebracht hat. So verkündete Friedrich Merz bei Maybritt Illner, dass obwohl der Regelsatz der Transferleistungen an Langzeitarbeitslose gesunken ist und sich auch die absolute Zahl an Arbeitslosen minimiert hat, die Ausgaben für dieses System insgesamt um 10 Mrd gestiegen sind. Dies ist meines Achtens nach ein Widerspruch, da das Produkt aus Transferempfängerzahl * Regelsatz folglich eigentlich gesunken sein müsste. Ist die Erklärung also doch, dass durch die gesunkenen Lohnansprüche der Arbeitnehmer in Folge der Hartz 4 Reformen immer weniger Menschen mit ihrem Einkommen auskommen und somit "aufstocken" müssen, sodass unterm Strich für den Steuerzahler ein negativer Nettoeffekt entsteht ? Oder gibt es andere Gründe ? Vielen Dank schon einmal für Ihre Mühe und schöne Weihnachtstage, Matthias Geiss
Sehr geehrter Herr Geiss, der zitierte Kostenanstieg um 10 Milliarden Euro bezieht sich auf das Jahr der Einführung von Hartz IV. Von 2004 auf 2005 (das erste Jahr mit Hartz IV) stiegen die Kosten für Arbeitslosenhilfe (bzw. Arbeitslosengeld II) und Sozialhilfe zusammengenommen um 10 Milliarden Euro. Aber das lag nicht an der Reform. Die wichtigsten Ursachen war zum einen der Anstieg der Arbeitslosenzahl um fast eine halbe Million im Jahresdurchschnitt und zum anderen, dass bei den betroffenen Haushalten das Wohngeld durch eine volle Kostenübernahme der Arbeitsgemeinschaften ersetzt wurde. Entsprechend sanken die Wohngeldausgaben des Staates von 2004 auf 2005 um knapp 75% oder 3,9 Milliarden Euro. Das muss man von den 10 Milliarden auf jeden Fall abziehen. Zieht man außerdem den Betrag ab, der auf den konjunkturell bedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist und bei etwa 2,5 Milliarden Euro liegen dürfte, verbleiben gerade mal 3,6 Milliarden Euro. Freilich zeigt auch dieser Betrag nicht die mögliche Belastung durch die Reform, weil im Jahr 2005 noch keinerlei ökonomische Reaktionen des Arbeitsmarktes auf die Reformen zu verzeichnen waren. Die traten erst allmählich, dann aber umso kräftiger in den Jahren danach auf. Mit jedem Arbeitslosen, der beschäftigt wurde, sparte der Staat Geld. Nach unseren Rechnungen hat Schröders Reform die Arbeitslosenzahlen bis 2008 allein in Westdeutschland um 1 Million und im Osten vielleicht noch einmal um 200.000 bis 250.000 verringert. Das dürfte für sich genommen eine Einsparung um mindestens 17 Milliarden Euro pro Jahr an Arbeitslosengeld mit sich gebracht haben. Dagegen ist freilich zu rechnen, dass es im Jahr 2008 mehr als 1,3 Millionen Aufstocker gab, die die im Rahmen der Agenda 2010 vorgesehenen Lohnzuschüsse erhalten. Diese Lohnzuschüsse kosten ca. 9 Milliarden Euro, das sind rund 8 Milliarden Euro mehr als im früheren System. (Außerdem erhöhten sich die erstattungsfähigen Miet- und Heizkosten, was aber nichts mit der Reform zu tun hat, denn das wäre in jedem System nötig gewesen.) Summa summarum ergibt sich also grob die folgende Rechnung. Von Merz zitierter Kostenanstieg 2004/2005 10,0 Mrd. Euro Senkung der Wohngeldausgaben an anderer Stelle ./. 3,9 Mrd. Euro Konjunktureller Anstieg der Arbeitslosigkeit bis 2005 ./. 2,5 Mrd. Euro Senkung der Arbeitslosigkeit durch Hartz IV ./. 17,0 Mrd. Euro Lohnzuschüsse + 8,0 Mrd. Euro __________________ Summe - 5,4 Mrd. Euro Sie sehen, dass die Reform die Ausgaben des Staates um mehr als 5 Milliarden Euro gesenkt hat. Der Vorteil der Reform lag im übrigen darin, dass mehr Leute arbeiteten, was das Sozialprodukt erhöht und die sozialen Probleme verringert hat. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Greifswald und aufgrund praktischer Erfahrungen in leitender Tätigkeit bei der Vermittlung von Langzeitarbeitslosen beschäftige ich mich seit längerem mit den verschiedenen Kombilohnmodellen. Bei der Lektüre Ihrer Beiträge zur aktivierenden Sozialhilfe aus ifo Schnelldienst 2/2006 und 9/2002 sind noch ein paar Fragen offen geblieben. 1. Um wieviel Prozent soll die Regelleistung für Bezieher von Arbeitslosengeld II abgesenkt werden, die keine Arbeit annehmen wollen? 2. Wie soll diese Absenkung praktisch erfolgen, wenn künftig kein Sanktionsbescheid mehr erlassen werden soll? 2. Was geschieht in diesem Fall mit den Kosten der Unterkunft und Heizung? 3. Wenn es bei der Aufnahme einer kommunalen Beschäftigung eine Einkommenserhöhung von je nach Familiestand 340 € bis 660 € geben soll, wie setzt sich diese dann zum Beispiel für einen Alleinstehenden genau zusammen? Mit freundlichen Grüßen Matthias Köpp
Sehr geehrter Herr Köpp, vielen Dank für Ihr Mail vom 8. August an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. 1. Wird die Aufnahme einer Arbeit abgelehnt, wird nach den Vorstellungen des ifo Instituts die Regelleistung gestrichen; § 31 SGB II sieht derzeit eine schrittweise Streichung vor. 2. Die vom ifo Institut vorgeschlagene Regel müsste in das Sozialgesetzbuch aufgenommen werden. 3. Kosten für Unterkunft und Heizung werden auch in diesem Fall ersetzt. 4. Der Vorschlag des ifo Instituts ist so gestaltet, dass bei Aufnahme einer kommunalen Beschäftigung exakt das Einkommensniveau von Hatz IV erreicht wird. D.h. dass ein Alleinstehender um 345 Euro pro Monat mehr bekommt, als wenn er keine Arbeit annimmt. Die 345 Euro entsprechen exakt dem Regelsatz von 4. Vierteljahr 2005. Zusammen mit den Kosten der Unterkunft (damals im Durchschnitt 328 Euro monatlich) hat der Alleinstehende also 673 (gerundet 670) Euro zur Verfügung gegenüber 328 (gerundet 330) Euro, wenn er keine Arbeit aufnimmt. Die im Aufsatz genannten 340 Euro Differenz ergeben sich aus den gerundeten Werten. Ich hoffe, ich konnte zur Klärung beitragen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, sehr geehrte Damen und Herren mich würde interessieren, wie mit den Nichterwerbsfähigen oder denjenigen, die auch unter der aktivierenden Sozialhilfe nicht arbeiten wollen, umgegangen werden soll. Soll sich da etwas am bisherigen System ändern? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr .... (Name dem Moderator bekannt), vielen Dank für Ihre Mail vom 21. Juli an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Prof. Sinn will einen Beitrag dazu leisten, die immer noch hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland zu vermindern. Da die gering Qualifizierten daran einen erheblichen Anteil haben, konzentriert sich das ifo-Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe auf diesen Personenkreis. Es geht also um erwerbsfähige bedürftige Personen, die bereit sind, einen angebotenen Arbeitsplatz anzunehmen. Nicht-erwerbsfähige bedürftige Personen werden nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften unterstützt. Ebenso werden bei erwerbsfähigen bedürftigen Personen, die nicht arbeiten wollen, die jeweils geltenden Vorschriften angewandt. Die wichtigsten Veröffentlichungen zum ifo-Vorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe finden Sie in ifo Schnelldienst 9/2002 (Sonderausgabe) und in 4/2007, S. 48-53; beide Texte können Sie auf der ifo-Website nachlesen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Der Streit um eine gesetzliche Untergrenze für Niedriglöhne Ein Mindestlohn zum Schutz gegen die Ausbeutung – der Sozialkassen Es gibt wieder eine höchst offiziell anerkannte ‚soziale Frage‘ in diesem unserem Lande. Da stellen sich die Politiker aller Parteien hin und debattieren vehement, ob sie ihre Lieblingsbürger, die Herren Arbeitgeber, nicht zwingen müssen und sollen, zumindest gewissen Arbeitnehmern mindestens soviel zu zahlen, dass sie vom Lohn leben können. Die können das nämlich massenhaft nicht (mehr). Und zwar deshalb, weil die regierenden Volksvertreter und „die Wirtschaft“ mit vereinten Kräften dafür gesorgt haben. Auf dass der deutsche Kapitalstandort wächst und gedeiht.
Sehr geehrter Herr Büttner, vielen Dank für Ihr Mail vom 19. Juli an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Prof. Sinn hat in mehreren Beiträgen dargelegt, warum Mindestlöhne den Geringverdienern kein Mindesteinkommen sichern, sondern im Gegenteil neue Arbeitslosigkeit schaffen. Mindestlöhne nützen ja nur den Geringverdienern, die ihre Arbeit behalten werden. Vielleicht können Sie auf der ifo-Website Prof. Sinns Beitrag für SZ online vom 1. April 2008 nachlesen. Das ifo-Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe dagegen sichert Geringverdienern ein Mindesteinkommen, bestehend aus einem Arbeitseinkommen, wenn man einen angebotenen Arbeitsplatz annimmt, und einer staatlichen Zuzahlung. Dabei sind die Details so austariert, dass man bereits bei Annahme einer Halbtagsstelle in etwa ein Einkommen in der Höhe des heutigen ALG II-Niveaus erreicht. Die wichtigsten Veröffentlichungen zum ifo-Vorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe finden Sie in ifo Schnelldienst 9/2002 (Sonderausgabe) und in 4/2007, S. 48-53; beide Texte können Sie auf der ifo-Website nachlesen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Hilmar Schneider hat in einem Interview für "Die Presse" am 4.7. gesagt, dass der Nachteil von Kombilohn-Modellen in der Praxis darin liegt, dass an der Einkommensschwelle, an der die staatliche Unterstützung ausläuft, die Menschen eher zu Teilzeitjobs neigen würden, weil sie dadurch kaum Geld verlieren würden. (http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/396265/index.do) Für wie relevant halten Sie diesen Aspekt? Mit freundlichen Grüßen Helmut Gugerbauer
Sehr geehrter Herr Gugerbauer, vielen Dank für Ihr Mail vom 9. Juli an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Es gibt viele Kombilohn-Modelle mit unterschiedlichen Transferentzugsraten. Die Transferentzugsrate gibt an, wie viel vom zusätzlich verdienten Geld (durch Arbeit oder Förderung) vom Staat einbehalten wird. Man wird bei zunehmender Arbeitszeit und steigendem Einkommen beim Auslaufen der staatlichen Förderung bei einer Teilzeitbeschäftigung bleiben, wenn der Transferentzug nahe bei 100% liegt; in diesem Fall würde sich Mehrarbeit nicht lohnen. Im ifo-Modell der Aktivierenden Sozialhilfe gibt es durchgängig eine Transferentzugsrate von „nur“ 70%. Das schließt einen kräftigen Anreiz ein, einen Vollzeitarbeitsplatz, wenn angeboten, anzunehmen. Bedenken Sie, dass nach Berechnungen des ifo Instituts der Transferentzug eines „normalen“ Arbeitsplatzes in Deutschland derzeit etwa für ein Ehepaar mit zwei Kindern, in dem ein Arbeitnehmer mit vollem, einer mit 33⅓ % des Durchschnittsverdienstes in der Privatwirtschaft beschäftigt ist, bei 65,4 % liegt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Können sie die mitnahmeeffeckte für den kombilohn berechnen? Ist durch den kombilohn auch ein lohndruck auf höhere gehaltsklassen zu befürchten, oder würden sich die effeckte ausschließlich auf den geringverdiener-bereich beschränken? da es mir bisher noch nicht deutlich wurde: wie würden sie verhindern, dass es beim "auffüllen" (z.b. auf 800 euro) keine anreize mehr gäbe, einen besser bezahlten job anzunehmen, der aber noch unter der auffüllgrenze entlohnt wird? Wären die mitnahmeeffeckte bei einer stufenweisen auffüllung des einkommens nicht noch viel größer? wo läge hier ein vernünftiges mittelmaß? (falls sie sich dazu schon konkret geäußert haben, so dass man es auch ohne vwl-studium versteht, reicht mir ein link vollkommen aus ;) ) und noch was: sagt gregor gysi abseits der kamera manchmal: "eigentlich haben sie ja recht"?
Sehr geehrter Herr Borgwardt, vielen Dank für Ihr Mail vom 28. Juni an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Sie sprechen den Ziehharmonika-Effekt der Sozialhilfe als Lohnuntergrenze an. Bei der Tarifsetzung müssen ja gewisse Mindestlohnabstände zwischen und zu den Niedrigtarifgruppen eingehalten werden. Wird der unterste Tariflohn durch die Sozialhilfe angehoben, steigen auch die Löhne in den benachbarten Tariflohngruppen bis hin zu den höheren Gruppen, allerdings sukzessive weniger, je weiter sie vom unteren Rand der Tarifskala entfernt sind. Die Tarifskala wird, ähnlich wie die Rippen einer Ziehharmonika, von unten her zusammengestaucht, und es entsteht Arbeitslosigkeit, die sich speziell bei den Niedrigtarifgruppen konzentriert. Die gegenläufige Veränderung der Lohnskala – nämlich eine stärkere Spreizung – ist durch den Vorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe des ifo Instituts beabsichtigt. Dadurch, dass Marktlöhne unterhalb des Sozialhilfeniveaus zugelassen werden, werden die Lohnansprüche der gering Qualifizierten gesenkt. Zugleich gerät aber auch – wie Sie richtig vermuten – der Lohn der bereits Beschäftigten unter Druck. Die Ausgestaltung des ifo-Vorschlags als negative Einkommensteuer stellt sicher, dass auch diese Personen quasi automatisch in den Genuss der Förderung kommen. Die negativen verteilungspolitischen Implikationen des Mitnahmeeffektes werden abgefedert, wenn nicht vermieden und zugleich erhöht sich die Beschäftigung. Da der Reformvorschlag der Aktivierenden Sozialhilfe den Mindestlohncharakter staatlicher Sozialleistungen beseitigt, der vom derzeitigen Sicherungssystem erzeugt wird, ist damit zu rechnen, dass sich die Lohnstruktur hinreichend weit aufspreizen wird, um die Arbeitslosigkeit im Niedriglohnbereich langfristig bis auf eine verbleibende friktionelle Arbeitslosigkeit zu beseitigen. Da die Aktivierende Sozialhilfe auf Grund ihrer Beschäftigung schaffenden Wirkung den Staat jedenfalls nicht schlechter, wahrscheinlich sogar besser stellt als ohne Reform, sind die entstehenden Mitnahmeeffekte kein Problem, sondern im Sinn einer einheitlichen Förderung notwendig. Prof. Sinn hat diese Zusammenhänge in seinem Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“, Ullstein Buchverlage 2005, im Abschnitt „Gering Qualifizierte im Abseits: der Ziehharmonika-Effekt“ und in „Die zentralen Elemente der Aktivierende Sozialhilfe“, ifo Schnelldienst 4/2007, S. 48-53 ausführlich beschrieben. Vielleicht bietet sich Ihnen die Gelegenheit, dies nachzulesen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin Studentin der ökonomischen Bildung und der Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. Ich habe ihre Aussage in der Publik zum Thema Mindestlohn "Mit etwas mehr Ungerechtigkeit lebt es sich besser" mit Erschrecken gelesen. Für mich ist es unverständlich wie jemand wie Sie (65,10 EUR Stundenlohn) eine solche Aussage treffen kann. Sie leben in einer anderen Welt, wie der "normale" Deutsche. Es sollte für einen Ökonomen, wie Sie es sind, kein Problem sein, in einem Land zu leben, indem die Lebenshaltungskosten jährlich steigen und das nicht nur um 1 %, sondern um ein Vielfaches. Können Sie sich überhaupt vorstellen wie es ist am Existenzminimum zu leben? Zu sehen, ob sie den Monat überhaupt überstehen und ihre Kinder groß zu bekommen? Ich gehe nicht davon aus. Für Sie wird es kein Problem sein ihren 3 Kindern ein Leben zu geben, indem keine Wünsche offen bleiben. Vielleicht sollten Sie einfach mal die andere Seite des Lebens kennen lernen, um zu verstehen, wie es ist, wenig zu haben und den eigenen Kindern wenig bieten zu können. Um mein Studium überhaupt antreten zu können, musste ich einen Kredit aufnehmen, um wenigstens die Studiengebühren bezahlen zu können. Und ohne mein Bafög wäre ich auch nicht in der Lage meinen Traumberuf "Gehörlosenpädagogin" anzugehen. Meine Familie gehört nämlich nicht wie Sie zu den sozialstarken Familien. Für Menschen, die am Existenzminimum leben, ist es seht schwer über die Runden zu kommen. Gerade für diese Menschen bietet der Mindestlohn einen kleinen Lichtblick, auch wenn dieser noch nicht groß genug ist. Ich persönlich würde einen Mindestlohn sogar noch höher ansetzten, damit alle Familien dieselben Lebenschancen haben. Immerhin ist Deutschland eines der wenigen Länder der EU, das noch keinen Mindestlohn eingeführt hat. Für Sie wird sich durch die Einführung des Mindestlohns ja auch nichts ändern, oder? Die werden ihren Stundenlohn behalten und weiterhin in ihrem Luxus leben können, auch wenn die Lebenshaltungskosten noch weiter ansteigen. Ich an Ihrer Stelle würde mich schämen, die Aussage getroffen zu haben. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau Hasslöver, ich wette, Sie haben meinen Artikel nicht gelesen, sondern nur einen provokanten Ausszug, den Ihnen jemand gegeben hat. Wenn Sie den Artikel gelesen hätten, wüssten Sie, dass ich argumentiere, mit etwas mehr Ungerechtigkeit im Sinne von Ungleichheit, sei das Einkommen der Ärmsten höher, weil das Sozialprodukt insgesamt höher ist, so dass trotz der größeren Ungleichheit am unteren Ende ein höherer Lebensstandard entsteht. Ihre Argumentation unterstellt aber genau das Gegenteil. Ich hänge mein Interview aus der Süddeutschen hier an. Würden Sie mir bitte sagen, woher Sie den Text haben, auf den Sie sich beziehen? Es werden manchmal von interessierten Kreisen den Sinn verdrehende Auszüge verteilt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anlage: Interview aus der Süddeutschen Zeitung Anmerkung des Moderators: Sie finden das Interview sowie einen weiteren Artikel von Prof. Sinn zum Thema unter folgenden Links: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/20echointerv/_echointerv?item_link=ifointerviewtxt-sz-24-10-07.htm http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-SZonline-01-04-08.htm
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Ihre Thesen bezüglich des Mindestlohns erscheinen mir durchaus plausibel. Da jedoch, wie Sie bereits erwähnten, in Großbritannien das Mindestlohnsystem zumindest keine allzu negativen Auswirkungen hat, da nur 1,9% der Beschäftigten dort diesen Mindestlohn erhalten, möchte ich anmerken, dass der britische Mindestlohn nach derzeitigem Wechselkurs nach der Steuerreform bei ziemlich genau 7,50 Euro liegt. Dazu zwei Fragen: 1. liegt die britische Produktivität einfach höher als die in Deutschland, sodass im Vergleich die Briten einfach besser gestellt sind? 2. Wäre ein mit Großbritannien vergleichbarer Mindestlohn in Deutschland eher durchzusetzen, wenn man, wie in vielen anderen Ländern auch, die Lohnkosten senkte (sprich: weniger Sozialabgaben, höhere Freibeträge)? Kurz gefragt: ließe sich in Deutschland ein System von Niedriglöhnen und -einkommen auf gesetzlich verankertem Weg durchsetzen, wenn man von der Umverteilungs- auf eine Freibetragspolitik umstellte? Vielen Dank im Voraus. Wolfgang Schumann
Sehr geehrter Herr Schumann, Sie haben mit Ihren Vermutungen völlig Recht. Der britische Mindestlohn ist trotz seines nominell hohen Wertes nicht so gravierend, weil das britische Sozialprodukt pro Kopf höher und die Arbeitgeber-Sozialabgaben kleiner sind. Ich hänge Ihnen einen ausführlichen Artikel dazu an, der in gekürzter Form auch in der Süddeutschen Zeitung erschien. Da finden Sie die Zahlen. Übersetzt in deutsche Verhältnisse liegt der britische Mindestlohn bei 6,16 Euro . Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo, Das Ifo Institut vertritt ja die Auffassung, dass Mindestlöhne im besten Fall wirkungslos sind, aber - je nach Höhe - Arbeitsplätze kosten lassen. Mir ist die scharfe Abgrenzung zwischen gesetzten Preisgrenzen und Steuern und Subventionen als Alternative nicht klar. Beispielsweise können obere Preisgrenzen ja auch durch einen Grenzssteuersatz von 100% dargestellt werden. Letztlich kann man immer eine spezifische Grenzbelastungskurve berechnen, so dass der direkte Preiseingriff und der vermeintlich weichere Eingriff über die Steuern, Transfers und Subventionen darüber vergleichbar werden. Wenn man zusätzlich davon ausgehen kann, dass ein Teil dieser Besteuerungen und Transfers überwälzt werden (Mitnahmeeffekte), so dass die gestauchte Sekundärverteilung zu einer gespreizten Primärverteilung führt, dann könnte doch in einem stark auf Umverteilung setzenden Systems ebenfalls Umverteilungssätze erreicht werden, die mit Höchst- und Mindestlöhnen vergleichbar sind. Wie könnte bei der aktivierenden Sozialhilfe sichergestellt werden, dass es keine Tendenz zu fortwährenden Ausweitung der Transfers und Steuern gibt?
Sehr geehrter Herr Scheel, Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. In der Tat haben Sie prinzipiell recht. Der Unterschied ist nur graduell, aber doch eben deshalb erheblich. Mindestlöhne entsprechen hundertprozentigen Grenzsteuersätzen auf das Lohneinkommen. Wir hatten mit der alten Sozialhilfe ein System mit einem hunderprozentigen Transferentzug, und das war einer festen Mindestlohnschranke äquivalent, wie ich in meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" und sonstwo argumentiert habe. Bei Hartz IV ist der Transferentzug (der implizite Grenzssteuersatz) auf 80% reduziert worden. ifo will ihn weiter reduzieren, im Bereich bis zu einem Einkommen von 500 Euro gar auf Null. Ich hoffe, Sie verstehen, dass genau aus diesem Grunde ein allokativer Vorteil entsteht. Null ist eben das Gegenteil von 100%. Ich gebe zu, dass wir die Null-Grenzbelastung nicht für höhere Einkommen durchhalten können. Dann wäre das System nicht mehr finanzierbar. Doch senken wir die Grenzbelastungen in allen Einkommensbereichen ab. Das macht die Sache allokativ auf jeden Fall vorteilhaft. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich schreibe Ihnen bezüglich ihrer Forderung der Lohnsubvention (die Sie z.B. bei „hart aber fair“ geäußert haben und auch im Dialog mit Kai Ernst vertreten). Es ist sicher richtig, dass eine wenige Unternehmen keinen Mindestlöhnen zahlen können. (z.B. Dienstleistungsunternehmen an den östlichen Grenzen Deutschlands, wie z.B. Frisöre) Jedoch würde meiner Meinung nach eine Flächendenkende Lohnsubvention zu weiterem Lohndumping führen. Viele Studien bescheinigen jetzt schon eine Tendenz in diese Richtungen (so z.B. Studien der Hans-Böckler-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung). Flächendeckende Lohnsubvention (ohne einen gesetzlichen Mindestlohn) würde zu dem den Druck auf das gesamte Lohngefüge. Bei steigenden Gewinnen der großen Konzerne, weiter Stellenverlagerung und steigenden Managergehältern hat dies nur zur Folge, dass sich die soziale Ungerechtigkeit weiter erhöht. Außerdem frage ich mich, wie es Möglich ist das eine Studie von Verdi einen kurzfristigen Beschäftigungsanstieg von ca. 450.000 Personen und einen langfristigen Anstieg von 100.000 prognostiziert. (die Argumente dieser Studie klingen plausibel und es wird betont, dass nichts schöngerechnet wurde) Ich freue mich auf Ihre Antworten. Vielen Dank im Voraus. Hochachtungsvoll Philipp Schulze
Sehr geehrter Herr Schulze, ich weiß nicht, warum Sie von Lohndumping sprechen. Dumping-Preise sind Preise unter Gestehungskosten. Das Wort kann auf Löhne nicht angewendet werden. Wenn Sie darauf hinweisen wollen, dass Zuschüsse die Löhne für einfache Arbeit verringern, dann haben Sie allerdings Recht. Genau darum geht es ja. Der Lohnsenkungseffekt (gegen den Trend, nicht in der Zeit), den wir nach der Agenda 2010 beobachtet haben, hat die zusätzliche Million an Stellen gebracht, von der auch Herr Beck sprach. Aber die Zuzahlungen aus ALG II verhindern, dass Armut entsteht. Ohne die Zuzahlungen hätten sich die Stellen nur um den Preis der Verarmung breiter Bevölkerungsmassen schaffen lassen. Der Lohnsenkungseffekt ist dort zu Ende, wo Vollbeschäftigung erreicht ist, weil dann die Arbeitgeber um die Arbeitnehmer konkurrieren. Weitere Zuzahlungen kommen voll und ganz den Arbeitnehmern zu Gute. Es geht bei allem um die Frage, wie man das Sozialsystem ausgestalten muss, um die impliziten Mindestlöhne, die es setzt, zu senken, ohne dass dadurch Armut entsteht. Das geht nur durch Absenkung der Mittel für's Wegbleiben und/oder Erhöhung der Mittel fürs Mitmachen. Ersteres ist sozialpolitisch bedenklich, letzteres nicht, ganz im Gegenteil. Verdis Behauptung, höhere Löhne würden einen Nachfrageschub in Gang setzen und deshalb die Beschäftigung steigern, ist zu absurd, als dass ich das als Ökonom ernst nehmen könnte. Die Investitionsgüternachfrage geht auf jeden Fall zurück, und vielleicht fällt sogar die Konsumnachfrage. Das tut sie dann, wenn der Stellenverlust den Effekt der Lohnerhöhung pro Kopf bezüglich der Menge überkompensiert. Bitte beachten Sie die gemeinsame Stellungnahme der Präsidenten der deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute vom Donnerstag, was die Beschäftigungseffekte anbetrifft. Die Sache ist empirisch völlig eindeutig. Verdi macht interessengestützte Behauptungen, mehr nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mein Bruder schreibt gerade eine Hausarbeit zum Thema Mindestlohn. Seiner Meinung nach zog der Mindestlohn in England keine negativen Effekte nach sich. Laut einer Studie sollen sogar einige positive Folgen von ihm ausgegangen sein. Als "Sinneaner" bezweifle ich seine Meinung aber. Ist es ihrer Meinung nach möglich, dass ein Mindestlohn der über einem Niveau liegt welches der Markt ohne gesetzliche Vorgaben erzeugt hätte, im Hinblick auf die Arbeitslosenquote und das Bruttosozialprodukt eines Landes auch positive Aspekte erbringen kann? Mit freundlichen Grüßen Noel König
Sehr geehrter Herr König, theoretisch möglich ist es, dass ein bindender Mindestlohn keine negativen Wirkungen, sondern sogar positive hat, wenn auf dem Arbeitsmarkt nur eine Firma als Nachfrager auftritt, wenn also ein Monopson vorliegt. Ohne Mindestlohn fragt die Firma zu wenig Arbeitskräfte nach, weil sie weiß, dass sie damit die Löhne hochtreibt. Mit einem Mindestlohn braucht sie diese Befürchtung nicht zu haben, weil die Löhne ja schon hoch sind. Sie fragt dann mehr Arbeitskräfte nach. Das ist das Gegenstück einer Preisobergrenze für ein Monopol, die auch dieses Monopol veranlasst, mehr zu produzieren. Der Fall wurde von Alan Mannig in GB, (meinem Ex-Kollegen) Alan Krueger in den USA und anderen hervorgehoben. Die Literaturdiskussion hat dann aber gezeigt, dass das nur ein theoretischer Fall ist. Selbst auf lokalen Arbeitsmärkten treten ja stets viele Arbeitgeber miteinander in Konkurrenz. Keiner ist so groß, dass der Effekt auf die allgemeine Lohnhöhe, den er durch seine Nachfrageentscheidungen hervorrufen könnte, nennenswert ist. Dann vernichten Mindestlöhne ganz eindeutig Jobs. Das ist gerade bei gering Qualifizierten, um die es beim Mindestlohn geht, der Fall. Sie sind ja nicht an bestimmte Arbeitnehmer gebunden, sondern lassen sich überall einsetzten. Der Effekt des Monopsons ist vielleicht hier und da auf einem lokalen Markt mit eng spezialisierten Facharbeitern zu beobachten, die nicht auf andere Arbeitgeber ausweichen können. Als allgemeines Phänomen spielt er keinerlei Rolle. Ich halte das Argument für völlig abwegig. In der politischen Debatte darf man sich nicht auf solche Randfälle aus dem theoretischen Bereich der Möglichkeiten kaprizieren. Mit freundlichem Gruß HWS
Anm. des Moderatord: Folgebeitrag zum Beitrag am 13.12.2007 Zu der Antwort von Herrn Dr. Dr. Sinn habe ich noch eine kleine Anmerkung. Sie Herr Dr. Dr. Sinn bevorzugen ein Zuschuss-System, welches den Steuerzahler belastet und die Unternehmen noch mehr dazu bringt, Ihre Umsätze in Milliardenbereichen zu steigern und Billiglöhne zu zahlen. Dies kann doch nicht die Lösung sein, denn wenn der Staat dazu legt, wird es zum vernünftigen Leben nicht reichen. Man kann auch nicht verlangen, dass der Staat für Unternehmen wie Siemens und Mercedes, die Milliardengewinne machen, zulegt, um den Managern noch mehr Geld in den Rachen zu schieben. Folgendes Modell könnte ich mir vorstellen: 1.) Ein Mindestlohn von 7,50 Euro 2.) Bis zum allgemeinen Bruttogehalt von 1600,- Euro Befreiung des Arbeitnehmers von der Lohnsteuer. 3.) Förderung von Klein- und Mittelunternehmen, die nachweisen, dass Sie den Mindestlohn nicht zahlen können und dadurch nicht mehr konkurrenzfähig wären. 4.) Anpassung der Beiträge von Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung an das Einkommen. Dies stelle ich mir in etwa so vor, dass Geringverdiener bis zu einem Verdienst von Brutto 1600,- lediglich die Hälfte des jetzigen Betrages zahlen und der Finanzielle Unterschied für die Kassen wird dann gestaffelt nach Einkommen je Höhe um je 1-2 Prozent angehoben. 5. Eine Verpflichtung, dass jeder, der arbeitet egal was er verdient in die Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung einzahlt. 6.) Zusammenführung von Gesetzlichen und Privaten Krankenkassen Somit hätte man eine Lösung für alle gefunden und es wäre auch sozial gerecht nach dem Motto wer viel hat zahlt mehr und wer weniger hat zahlt weniger Gruß Kai Ernst
Sehr geehrter Herr Ernst, vielen Dank für die neue Stellungnahme. Sie unterstellen, dass die Zuzahlungen Geld kosten. Sie müssen aber die verringerte Arbeitslosigkeit dagegen rechnen. Wenn man ein neues Hartz-IV-System mit mehr Geld fürs Mitmachen, weniger fürs Wegbleiben und kommunaler Jobgarantie daneben stellt, wie es das ifo entwickelt hat, kostet das alles nichts. Einen neueren Schnelldienstaufsatz vom ifo aus dem letzten Jahr dazu hänge ich an. Im übrigen bin ich Ihren Vorschlägen zur Belastungsverringerung im Niedriglohnbereich nicht abgeneigt. Die Unterschiede zwischen einer Belastungsverringerung und einer Zuhalung liegen im semantischen Bereich, nicht im ökonomischen. Wenn jemand keine Lasten trägt, obwohl er öffentliche Leistungen in Anspurch nimmt (Straßen, Justiz, Parks, Sozialschutz), wird er auch bezuschusst. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Betreff: der dümmste Spruch des Jahres(Süddeutsche Zeitung) Guten Tag nach München, jeder sollte in Deutschland von seiner Hände Arbeit leben können, das sollten auch Professoren , die hart arbeiten und ein gutes Einkommen haben, akzeptieren. Ein Geschäftsmodell , das auf Löhnen unter Minimum basiert, ist ungeeignet. Die Schwäche der Leute auszunutzen, kann nicht akzeptiert werden. Eine bessere Ausbildung und Betreuung Heranwachsender ist eine wichtige Voraussetzung , auch für die Wirtschaft, die sie vertreten. Nach meiner Ansicht sollte man das Steuersystem vereinfachen und an Stelle von 100000 Finanzbeamten , die entsprechende Zahl Lehrkräfte und Jugendbetreuer beschäftigen, um das Versagen der Eltern und der Wirtschaft bei der Ausbildung zu kompensieren. Ich finde den Artikel provozierend! Werner Brüderle, 65 Jahre -- Danziger Str. 41 40883 Ratingen
Sehr geehrter Herr Brüderle, jeder sollte von seiner Hände Arbeit leben können. Das unterschreibe ich sofort als Postulat. Nur wie wollen Sie das erreichen, wenn er es nicht kann? Ein Postulat ist doch etwas anderes als die Beschreibung eines Faktums. Die deutsche Diskussion leidet darunter, dass Wunsch und Wirklichkeit verwechselt werden. Genau das war mein Punkt. Sie meinen, dass die Unternehmen die Schwäche der Leute ausnutzen. Aber wie soll das geschehen? Jedem steht es doch frei, seinen Arbeitsplatz zu wechseln. Und jederzeit kann er dabei einen Lohn bis maximal zur Höhe seiner Produktivität fordern. Liegt der Lohn, den er fordert, unter seiner Produktivität, wird ihn der Arbeitgeber gerne einstellen, denn dann macht er ja einen Gewinn. Liegt der Lohn darüber, wird der Arbeitgeber ihn nicht einstellen. Das Problem, mit dem Sie sich bei Ihrer Argumentation auseinander setzen müssen, ist, dass der Lohn in Höhe der Produktivität nicht zum Leben ausreicht. Genau um diese Menschen und Stellen geht es. Setzt man mit Ihrer Begründung einen Mindestlohn, von dem man leben kann, dann findet die Beschäftigung bei einer erheblichen Zahl von Menschen nicht statt, außer man zwingt die Arbeitgeber zur Einstellung. Vielleicht wollen Sie das in letzter Konsequenz. Aber dann haben wir nun wirklich keine Marktwirtschaft mehr, sondern ein System der staatlichen Zwangsverwaltung wie in der DDR. Ein solches System kann aus vielerlei Gründen überhaupt nicht funktionieren. Bitte nehmen Sie mir ab, dass ich anspruchsvolle soziale Ziele verfolge, wenn ich sage, dass man das Mindesteinkommen durch staatliche Zuschüsse sichern soll. Nur so, ja leider wirklich nur so, lässt sich sicherstellen, dass jeder, der arbeiten kann, auch einen Arbeitsplatz erhält und dabei ein Einkommen erzielt, von dem er leben kann. Ist es wirklich so wichtig, ob das Einkommen zu hundert Prozent aus Lohn besteht oder zu einem gewissen Teil aus dem staatlichen Zuschuss? Ich habe bis zum heutigen Tage trotz intensiven Bemühens nicht verstanden, warum die Vertreter des Mindestlohns keine Zuschüsse wollen, wenn sie ehrlich um das Wohl der Menschen bemüht sind. Ich habe aber verstanden, dass die Mindestlohndebatte losgetreten wollte, weil der private Monopolist Deutsche Post verhindern wollte, dass er Konkurrenz bekommt. Das freilich hat mit sozialen Erwägungen herzlich wenig zu tun. Mit den besten Grüßen zum neuen Jahr bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Betreff: Mindestlohn kostet viele Jobs/ dpa-Meldung vom 14.12.2007 Sehr geehrter Herr Sinn, da ich sowohl Ihre Einlassungen in der kürzlich ausgestrahlten Sendung „hart aber fair“ als auch die o.g. dpa-Meldung in dieser Sache zur Kenntnis nehmen durfte, stellt sich für mich die ernsthafte Frage, wie ein hochgradig studierter Mensch wie Sie so etwas behaupten kann?! Es mag vielleicht noch angehen, dass in unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem dies tatsächlich der Fall sein könnte; aber niemals in einer freien Marktwirtschaft, die vom Kapitalismus befreit wird, also in der Tat vom Kapitalismus dann frei ist! Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben Löhne Arbeitsplätze vernichtet! Arbeitsplätze vernichtet ausschließlich der Zins bzw. besser gesagt der Zinseszins – oder sollten Sie etwa nicht die leistungslose, exponentielle Vermögensvermehrung der Superreichen kenne und zwar ausschließlich zu Lasten der schaffenden Bevölkerung. Bei unserer kapitalistisch verfälschten Marktwirtschaft dürften deshalb mindestens 90% unserer Bevölkerung zu den Verlierern zählen!!!! Warum haben Sie nicht die Zivilcourage, die offen und ehrlich – wie z.B. der Vollblutunternehmer Prof. Dr. Wolfgang Berger – öffentlich zu sagen? Natürlich ist es viel bequemer, mit den Wölfen zu heulen, als gegen den Strom zu schwimmen. So scheine mir auch die so genannten fünf Weisen nach dem Motto zu handeln: „Dessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe!“ Da ich mich mit diesem Thema seit meinem Studium ernsthaft auseinandersetze und seit über 30 Jahren (!) selbständig im Finanzdienstleistungssektor tätig bin, wird mir immer klarer, dass – wenn die beiden Urmonopole, das Geld- und Bodenmonopol, nicht marktwirtschaftliche eliminiert werden – es über kurz oder lang zu einer sehr scharfen Korrektur bis hin zu einem Währungscrash unausweichlich führen kann bzw. muss. Ein Wirtschaftssystem, dass auf stetiges Wirtschaftswachstum angewiesen ist, um überhaupt in einer Zeitachse von ca. 50-100 Jahren überleben zu können und während dieser Zeit die Reichen, in erster Linie leistungslos, immer reicher und die Armen immer zahlreicher werden lässt, muss allein schon aus mathematischen Gründen zum unausweichlichen Crash führen, da Mathematik bekanntlich nicht lügt! Das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem inzwischen überstrapazierten Wort „Neid“ zu tun, das sind absolute Fakten, die mir bisher noch keiner widerlegen konnte – oder können Sie dies etwa? Mein „Lehrmeister“, der äußerst erfolgreiche Unternehmer Silvio Gesell, hat dies bereits vor 100 Jahren (!) erkannt und u.a. in seinem Hauptwerk „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ der Menschheit zur Kenntnis gegeben. Verantwortungsbewusste Nationalökonomin wie J. M. Keynes und Prof. Irving Fisher haben nicht nur seine Analyse bestätigt, sondern auch seine Lösungsvorschläge als wegweisend bezeichnet. Und was machen die heutigen Nationalökonomen oder diejenigen, die sich dafür halten? Sie schweigen diese Erkenntnisse tot oder ignorieren sie einfach in ihrer kaum noch zu übertreffenden Arroganz, obwohl auch sie inzwischen selbst bemerken dürften, dass die Auswüchse des Kapitalismus in immer kürzeren Abständen sichtbarer und immer heftiger werden. „Nach uns die Sintflut“ oder was? Im Übrigen haben in der damaligen Zeit auch andere Unternehmer – also keine reinen wissenschaftlichen Theoretiker – die Auswüchse dieses menschenunwürdigen, ausbeuterischen Systems erkannt und in ihren Büchern angeprangert. So im besonders lesenswerten Buch „Wirtschaft als Drangsal (Economic Tribulation)“ des englischen Großindustriellen Vicent C. Vickers. In diesem Zusammenhang ist das erst kürzlich erschienen Werk „Über das Geld – Geschichte und Zukunft des Wirtschaftens“ des deutschen Autors Dr. Bernd Striegel sicherlich sehr lesenswert. Da bekanntlich die Hoffnung zuletzt stirbt, kann man nur hoffen, dass in absehbarer Zeit das besehende System von couragierten Menschen radial reformiert wird und wenn das von Deutschen geschehen würde, wäre das die größte Genugtuung, da doch gerade von den deutschen Bürgern die Zivilcourage immer wieder eingefordert wird. Sollte es jedoch noch solange dauern, wie der ehemalige Banker und Direktor der Reichs-Kreditgesellschaft einmal wie folgt festgehalten hat: „Dazu aber ist es zuerst nötig, dass diejenigen Fachleute, die immer das für unmöglich halten, was sie selbst nicht begreifen und nicht begreifen können, verschwinden“, dann muss man allerdings bei unserem heutigen Waffenpotential das allerschlimmste Szenario befürchten. Wollen Sie dafür mitverantwortlich sein? Mit freundlichen Grüßen PS: Die Verantwortlichen der Weimarer Republik, die diese Demokratie mit einer mörderischen Deflationspolitik förmlich vor die Wand gefahren haben, konnten sich vielleicht noch mit der Entschuldigung das konnte keiner ahnen“ zurückziehen; aber für die heutigen Leader gilt das nicht mehr, das seit fast 100 JAHREN (!) bekannt ist, dass eine umlaufgesicherte Indexwährung jegliche Wirtschaftskrisen ad absurdum führen würde!!!
Sehr geehrter Herr Baumgart, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief vom 16. 12. 2007. Ich muss mich entschuldigen, dass ich erst jetzt antworte. Aber zu Weihnachten ist bei uns immer sehr viel Trubel, der sich bis in den Januar hineinzieht. Sie schreiben leider gegen den Falschen. Ich denke, ich war der erste Ökonom, der in Deutschland massiv vor den Verteilungsfolgen der Globalisierung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gewarnt hat. Dass Sie mich nun sozusagen dem Lager der Schönredner zuordnen, muss auf einer Verwechselung beruhen. Auch in der Sendung Hart aber Fair, die Sie doch gesehen haben, habe ich darauf hingewiesen, dass die Globalisierung viele Verlierer erzeugt. Sie können sich die Sendung gerne noch einmal ansehen. Sie ist auf unserer Homepage als Video. Gerade weil ich das Unheil kommen sah, habe ich frühzeitig mit der Aktivierenden Sozialhilfe eine Gegenstrategie zu entwickeln versucht. Die Wissenschaft hat sich dem inzwischen angeschlossen. Jedenfalls haben der Sachverständigenrat und der wissen-schaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft mein Modell übernommen. Stöbern Sie doch einmal auf der Homepage in meinem CV. Dort finden Sie all die vielen Texte, die ich zur Globalisierung und zur Gegenstrategie geschrieben habe. Ich lege Ihnen auch noch einen Sammelbrief an meine Leser bei, der manche Ihrer Punkte vielleicht klärt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
thema mindestlohn! wenn in diesem land viele menschen die in arbeit stehen, auch zugleich sozialhilfe benötigen (löhne zu 2-7 Euro),dann haben wir in diesem land einige Unternehmen z.B. PIN AG die auf diesem markt nicht´s zu suchen haben (damit übrigens auch der springer verlag , dem ich keine zeitschrift mehr abkaufe !in der hoffnung das dies noch einige mio´s in deutschlad so sehen).aber genau dieser verlag macht in seiner enrüstung über den Postmindestlohn auch noch die aussage das er Milliarden schwer ist und dennoch ca. 1000 menschen entlassen muss. aber wie schon erwähnt solche unsoziale Kratler-unternehmen haben auf dem markt nichts zu suchen bzw. denen kauft man auch ihre waren nicht mehr ab! und eins herr Sinn bin ich sicher, erst wenn solche lohn dumping´s nicht mehr möglich sind, dann haben wir nicht, so wie sie meinen 1.9 mio arbeitsplätze verloren sondern mindestens soviel gewonnen. denn erst dann kann sich der arbeiter von seinem lohn wieder etwas leisten und demnach auch wieder geld in die (den) wirtschaft(aufschwung)pumben. zu lohn dumping noch eines, die meisten davon betroffenen angestellten hohlen sich zusatzleistungen vom Staat, also auch von mir, den jeder Bürger ist der Staat.vorallem jeder Steuerzahlender ist damit betroffen,wenn unternehmen in Deutschland ihre angestellten ausbeuten. und um genau dieser ausbeutung entgegen zu treten wird über kurz oder lang (besser kurz) ein mindestlohn unausweichlich.
Sehr geehrter Herr Trabert, das Gesetz der Marktwirtschaft ist nicht, dass ein Unternehmen jemand einstellt, wenn es Geld hat, sondern wenn es mit der Einstellung Geld machen kann. Insofern hilft Ihr Hinweis auf die Milliarden von Springer nicht. Pin ist zu den Postlöhnen als Newcomer nicht wettbewerbsfähig. Nur zu niedrigeren Löhnen werden Stellen geschaffen. Das ist überall und immer so in der Marktwirtschaft. Ist es nicht besser, ein Unternehmen wie Pin gering bezahlte Arbeitsplätze schaffen zu lassen und die dann vom Staat aufstocken zu lassen, anstatt die Menschen arbeitslos sein zu lassen und dann voll zu finanzieren? Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
1. Die Reaktionszahl 0,75 scheint mir sehr pauschal zu sein. Ist sie spezifiziert auf Niedriglöhne oder ist sie abgeleitet aus gesamtwirtschaftlichen Daten? Beispiele: In der Gebäudereinigung haben die Nachfrager in der Vergangenheit schon so stark eingespart, dass kaum mehr eine Reaktion nach unten möglich scheint; Lidl wird auch künftig seine Kassen besetzt halten; Zeitarbeitsfirmen werden möglicherweise die eigene Spanne reduzieren; ein Reitstallbesitzer wird die Pferdeliebhaber stärker zur Kasse bitten müssen, ohne dass 60% (=0,75%der Anhebung auf Mindestlohnniveau) der Niedriglöhner entlassen werden müssen. 2. Wenn schon Lohnsubvention, muss der Staat dann nicht vorab definieren, welche Tätigkeiten subventioniert werden, so dass jedes Unternehmen die gleiche Chance hat, Niedriglöhner zu beschäftigen? Die Deutsche Post müsste dann also, um nicht nach und nach von PIN 'aufgesogen' zu werden, ebenfalls Lohnzuschüsse erhalten. 3. Kann Ifo berechnen, was die eigene Prognose für die Hartz IV-Ausgaben der öffentlichen Hand bedeutet? Wie sieht das Ergebnis aus?
Sehr geehrter Herr Koch, vielen Dank für Ihre Fragen. 1. Die Reaktionszahl (Ökonomen sprechen von der Preiselastizität der menschlichen Arbeit) ist ein unterer Wert aus dem Spektrum ökonometrischer Schätzergebnisse, wie sie von Thum und Ragnitz zu Rade gezogen wurden. Wenn Sie das zur Hand haben sollten: In meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" habe ich in einer Fußnote des zweiten Kapitel die mir bekannten Schätzergebnisse zusammen gefasst. Einige beziehen sich auf den gesamten Arbeitsmarkt und haben Durchschnittscharakter, andere beziehen sich eher auf den Niedriglohnsektor. Ich bitte meine Assistentin einmal, die Studie von Thum und Ragnitz anzuhängen. Die Elastizitäten reichen nach meiner Erinnerung von 0,3 bis 2,0. Die Unterschiedlichkeit erklärt sich unter anderem daraus, dass unterschiedliche Fristigkeiten betrachtet werden. Kurzfristig gibt es nur wenige Reaktionen, was den Koeffizienten klein macht. Langfristig ist alles variabel, und da geht die Elastizität eher in die Nähe von 2. Also würde demnach eine Lohnerhöhung um ein Prozent zwei Prozent der Jobs vernichten. 2. Ich halte es nicht für ratsam, spezielle Tätigkeiten zu subventionieren, sondern denke eher an eine negative Einkommensteuer, die ein Sockeleinkommen zur Verfügung stellt, wenn man nicht arbeitet, dieses staatliche Sockeleinkommen bis zu einem bestimmten Mindesteinkommen stehen lässt und anschließend bei wachsendem Einkommen einen Abschmelzungprozess definiert, so dass der Einkommensbezieher schließlich in den Steuerbereich überwechselt. Ich lasse auch hier einmal unseren Vorschlag aus einem ifo Schnelldienst des Jahres 2007 anhängen. 3. Dem Bericht können Sie dann auch Aussagen über Belastungsrechnungen entnehmen. Wir haben unseren Vorschlag so austariert, dass dem Staat im Prinzip keine Belastung entsteht, weil er viel Geld bei der Arbeitslosenversicherung einspart. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sin
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, sehr geehrte Damen und Herren, sie nennen die Zahl von 1,9 Mio Menschen, die zusätzlich arbeitslos würden, wenn ein Mindestlohn eingeführt würde. Für den aktuell diskutierten Fall der Post-Mindestlöhne ist mir das nicht einsichtig: Ein Unternhemen mit Niedrigstlohn unterbietet z.B. das Briefporto von z.Zt. 55 ct. mit etwa 45 ct. und gewinnt dadurch vehement an Stärke. Arbeitsplätze - wenn auch niedrigst vergütet - entstehen neu. In ähnlichem Maße hingegen werden Arbeitsplätze bei der Post AG verschwinden, denn mehr Briefe werden sicherlich nicht auszutragen sein. Volkswirtschaftlich betrachtet gehen hier also keine Arbeitsplätze verloren, es werden lediglich Löhne massiv gesenkt. Zudem die Frage: Wie bewerten Sie die Praxis, dass Niedrigstlohn-Firmen nur deshalb Bewerbungen um Arbeitsstellen erhalten, weil Arbeitsagenturen dorthin vermitteln und bei Verweigerung die Sozialleistungen kürzen/streichen? Mit freundlichem Gruß Stefan Welzel. PS: Ist Ihre Studie dazu irgendwo einsehbar (Download)?
Sehr geehrter Herr Welzel, die von mir genannte Zahl bezieht sich auf die Gesamtwirtschaft, falls überall flächendeckend ein Mindestlohn von 9,80 Euro für Westdeutschland und 9,00 Euro für Ostdeutschland eingeführt würde. Wie groß der Stellenverlust allein bei der Post wäre, haben wir nicht ausgerechnet. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass auch anteilig der Stellenverlust bei der Post geringer sein wird als bei anderen Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen. Aber unterschätzen Sie bitte die Reaktionen bei der Post nicht. Bei niedrigeren Löhnen können die Briefe billiger werden, und der Wechsel vom Brief zum Email findet weniger rasch statt, als es sonst der Fall gewesen wäre. Außerdem bedeuten niedrigere Löhne, dass bei der Verteilung der Briefe in den vielen Verteilerzentren weniger Menschen durch Maschinen ersetzt werden. Aus beiden Gründen werden nicht einfach nur Stellen bei der Post ersetzt. Vielmehr lässt sich vermuten, dass bei den Konkurrenten deutlich mehr Stellen entstehen, als bei der Post verloren gehen. Die Praxis, die sie von den Arbeitsagenturen beschreiben, ist mir zwar so nicht bekannt, sie wundert mich aber nicht. Die Agenturen haben in der Tat die Aufgabe, Leute zu vermitteln, und sei es in Niedriglohnstellen. Die Hoffnung ist, dass die Stellen angenommen werden. Werden sie abgelehnt, dann kann und soll die Behörde das ALG II kürzen oder streichen. Dass derjenige seinen Anspruch auf Sozialleistungen verwirkt, der eine zumutbare Arbeit ablehnt, war schon immer Gesetz in Deutschland. Seit Hartz IV wird freilich mit niedrigeren Zumutbarkeistgrenzen gearbeitet. Genau deshalb ist die Lohnfront in Bewegung geraten, und genau deshalb haben wir in den letzten zwei Jahren mehr Arbeitslosigkeit verloren, als allein wegen des Konjunkturverlaufs hätte erwartet werden können. Meinen Äußerungen liegt eine Untersuchung von Thum und Ragnitz zugrunde. Ich hänge Ihnen darzu einen englischen Aufsatz der Autoren an sowie einen deutschen anderen Aufsatz von mir, in dem ich mich auf die Autoren beziehe. Sie finden aber noch mehr auf der Homepage. Bitte beachten Sie, dass Thum und Ragnitz zunächst für den flächendeckenden Mindestlohn von 7,50 Euro gerechnet haben. Daraus resultierten 1,1 Millionen neue Arbeitslose. Die Zahl von 1,9 Millionen verlorenen Stellen bezieht sich auf den Fall einer Verallgemeinerung der Post-Mindestlöhne in Höhe von 9,80 Euro im Westen und 9 Euro im Osten. Dazu hänge ich eine Pressemitteilung des ifo an. Herr Ragnitz ist gerade dabei, seine Rechenergebnisse für die Post-Mindestlöhne in Form eines Aufsatzes zusammen zu fassen. Mit freundlichen Grüßen zum neuen Jahr, Ihr Hans-Werer Sinn Anmerkung des Moderators: Alle Artikel zum Thema Mindestlohn finden Sie im Pressezentrum auf der ifo Homepage.
Sehr geehrter Herr Sinn, mit bedauern habe ich festgestellt das Sie sich gegen den Mindestlohn aussprechen, weil es angeblich Arbeitsplätze kostet. Es ist nur verwunderlich da es in anderen Europäichen Ländern keine Arbeitsplätze gekostet hat. Außerdem bin ich der Meinung das es dringlich notwendig ist solche Löhne einzuführen, denn die Menschen die für einen Lohn arbeiten müssen von dem man am ende vom Geld noch so viel Monat übrig hat und nicht weiß woher das Brot noch kommt um zu essen kommt. Ich selber arbeite für einen Niedriglohn und weiß wovon ich Rede denn die Kosten steigen in dimensionen die nicht mehr im Verhältnis zum Einkommen stehen, so das man Gesundheitlich belastet wird weil man sorgen ohne ende hat die früher nicht da waren. Ich bin der Meinung das alle die über diese Thema reden und Kommentare abgeben inkl. Firmeninhaber und Aktionäre die nur Ihren Profit im Kopf haben, doch erst mal selber ganz nach dem Motto des Italienichen Nudelfabrikanten hergehen sollten und mal selber versuchen sollten von so einem niedrigen Lohn zu leben damit sie wissen wovon sie reden, auch unsere Politiker haben ja keine Ahnung denn was die Niedrigloehner haben bekommen all die die gegen diesen Lohn sind ja fast am Tag. Manchmal glaube ich alle arbeiten und reden in deutschland nur für all die Reichen, ohne zu wissen was es für die Menschen bedeutet für die selbe Arbeit wie andere nur die hälfte des Geldes zu bekommen. Noch eines zum Postmindeslohn, wenn der Millionär und Umsatzstarke Axel Springer Verlag als Hauptanteilnehmer der Pin Group sagt er könne diese Löhne nicht zahlen verstehe ich das nicht denn wenn es so einfach ist die Firmen in die Insolven zu schieben nur weil der Gewinn am ende kleiner ist, sollte man die Gesetzte mal so ändern das auch alles andere Eigentum dieses Millionärs auch unter die Masse fällt denn dann würde er nicht so reden , denn die Verluste die am Anfang einer jeden Firma stehen kann er doch von den Gewinnen im Verlag absetzen und wenn erst mal das Monopol fällt und er dann immer nur noch miese macht hat er wohl das falsche Konzept gehabt. Denken Sie doch einfach mal an all die Millionen Arbeiter in Deutschland die nicht wissen wo das Geld herkommen soll für das Leben, die nicht mal mehr wissen wie man für das Alter oder die Gesundheit vorsorgen soll weil es zu wenig geld gibt. Die nicht wissen wie ein kleiner Urlaub der zu erhaltung einer guten Arbeitskraft aussieht, oder die nicht wissen wo kleine Geschenke für die Lieben unter den Tannenbaum herkommen sollen. Der Staat und die Wirtschaft stehen in der Verantwortung, denn wir kommen uns langsam vera.... vor, man hört immer nur Umsatzplus in Millionen höhe und für die kleinen ist nichts da. Man sollte vielleicht lieber mal aufhören den Managern die Mist bauen auch noch zu belohnen in Millionen höhe und diese zu verantwortung ziehen , dann wärte auch mehr geld da um die Menschen vernünftig zu entlohnen. - wissen sie was eine Monatskarte in Deutschland kostet - was der Strom und Miete teuer geworden ist - was eine Bahnfahrt kostet um mal freunde zu besuchen Versetzen sie sich mal in die lage der kleinen und dann sind auch sie nicht mehr gegen die Mindestlöhne. Gruß Kai Ernst Meinertzstr. 11 48159 Münster
Sehr geehrter Herr Ernst, vielen Dank für Ihren Kommentar, den ich gerne erwidere. Bitte entschuldigen Sie, dass ich erst jetzt schreibe. Ich hatte vor Weihnachten extrem viel zu tun. Zunächst zu den Arbeitsplatzverlusten. Hier beziehe ich mich auf die Untersuchungen von Prof. Thum von der TU Dresden und Herrn Ragnitz vom IWH. Die Zahlen sind extrem belastbar und seriös berechnet. Mindestlöhne sind kein Thema, wenn sie so niedrig sind, dass kaum jemand sie bezieht. In England kriegen z.B. nur 1,9% der Arbeitnehmer den Mindestlohn. Anders in Frankreich, wo 15% den Mindestlohn kriegen. Die Massenarbeitslosigkeit der Jugendlichen, die sich im Herbst mehrfach in gewalttätigen Aufständen entlud, ist hierauf zurück zu führen. Ich bitte meine Assistentin, Ihnen meinen Artikel aus der Wirtschaftswoche vom November und aus der Süddeutschen vom 28. Dezember beizulegen. Was Sie zum Lebensstandard schreiben, kann ich nur voll und ganz unterschreiben. Natürlich muss der Lebensstandard gesichert werden. Das ist seit vielen Jahren mein Bestreben. Das ifo Institut hat hierzu schon im Jahr 2002 seine ersten Studien über ein Zuzahlungssystem vorgelegt. Den neuesten Beitrag aus diesem Jahr sowie ein, zwei Aufsätze dazu aus meiner Feder hänge ich an. Bitte denken Sie nicht, die Alternativen seien Mindestlohn oder bittere Armut. Die Alternative sind Mindestlohn oder Mindesteinkommen. Ich denke, Ihnen ist an einem auskömmlichen Lebensstandard und an einer Beschäftigung für alle gelegen. Das lässt sich nur mit einer Politik der Mindesteinkommenssicherung erreichen, wo der Staat zu den niedrigen Löhnen noch etwas hinzu zahlt. Mindestlöhne funktionieren nicht, weil sie Arbeitslosigkeit erzeugen. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn