In October 2003 Hans-Werner Sinn’s book "Ist Deutschland noch zu retten?" appeared. It analyses the problems facing the German economy and its social-welfare system and contains reform proposals in a 6+1 point programme. Since the publication of the book, many reactions to the book have reached the author.
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Die Frage, ob Deutschland noch zu retten ist, ist eng mit der Frage verknüpft, ob es gelingt, dass sich Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien ... gerettet werden können. Hier haben wir das Problem, dass die Staatspapieren keine Käufer mehr finden, weil das Ausfallrisiko zu groß ist. Damit steigen die Zinsen auf eine Höhe, dass die Länder nicht in der Lage sind (auch gesunde Länder wären dazu nicht in der Lage) die Schulden zu bedienen. Ein Ausweg wäre aber relativ einfach zu finden. Würden die Staaten gestatten, dass die Bürger ihre Steuerschulden mit Staatspapieren begleichen, würde das dazu führen, dass die eigenen Bürger die Papiere kaufen und der Staat sich somit bei der eigenen Bevölkerung verschuldet. Die Steuersätze könnten dafür auch angehoben werden und eine Zinsabschlagsteuer erhoben werden. Das würde dazu führen, dass es Käufer für die Papiere gibt und die Risikozinsaufschläge würde sinken. Ein Teil der Schuldzinsen fließt dann über die Zinsabschläge an den Staat zurück. Die Bürger könnten dann zwar weniger konsumieren, was zu einer Verbesserung der Leistungsbilanz führen würde. Was halten Sie von diesem Vorschlag zur Rettung der Schuldnerstaaten?
Sehr geehrter Herr H., in der Tat ist ein Teil des Verschuldungsproblems einiger europäischer Länder darin zu sehen, dass diese Staaten im Ausland und nicht bei der eigenen Bevölkerung verschuldet sind. Der angebotene Vorschlag eignet sich jedoch meines Erachtens nicht zur Lösung dieses Problems, da zunächst keine Anreize zum Kauf von Staatspapieren für den Steuerpflichtigen ersichtlich sind. Selbst wenn die Steuerpflichtigen jedoch so zum Kauf von Staatspapieren animiert werden könnten, würden am Ende des Jahres dem Staat (monetäre) Steuereinnahmen in der Höhe fehlen, für die er Staatsanleihen zurückgenommen hat. Insofern ergibt sich kein Nettovorteil. Der Vorschlag, die Steuern (hier: Zinsbesteuerung) auszuweiten ist hingegen eine von vielen möglichen Maßnahmen zur Verbesserung der Haushaltslage vieler Staaten. Angesichts des Steuerwettbewerbs ist es jedoch möglich, dass hiermit auch Standortnachteile verbunden sind, was also auch kontraproduktiv sein kann. Mit freundlichen Grüßen Christian Breuer
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auf Seite 510 wird die EU-Verfassung Artikel II-34 erwähnt. Frage: Wurde dieser Artikel inzwischen geändert? Wenn ja, wie? Mit freundlichen Grüßen Hermann Weller
Sehr geehrter Herr Weller, der zitierte Artikel bezieht sich auf einen Entwurf der EU-Verfassung, der im irischen Referendum gescheitert ist. Inzwischen wurde stattdessen ein Grundlagenvertrag angenommen, bei dem alles nochmal neu nummeriert und vieles umgeschrieben wurde. Der Inhalt dieses Paragraphen ist meines Wissens aber noch vollständig erhalten. Nur fehlt mir jetzt die Zeit, dem nachzuforschen. Ich bitte um Ihr Verständnis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
S.g. Herr Sinn Ich mache mir ein wenig Sorgen um die Deutsche Wirtschaft. Insbesondere die rekordverdächtig niedrigen Nettoinvestitionen geben mir zu denken. Ja sie verwirren mich geradezu. Mir liegen Statistiken des IWF vor, nach denen im Jahr 2005 die Abschreibungen 334 Mrd Euro ausgemacht hätten, während sich die Ersparnisse auf insgesamt 463 Mrd belaufen hätten, womit also 129 Mrd Euro für Nettoinvestitionen zur Verfügung gestanden wären. Die Bundesbank weist für den selben Zeitraum in der Kapitalbilanz einen Fehlbetrag von 131 Mrd aus. Wenn man nun mal Residualgrößen und die Verwirrung um die Integration der Devisenbilanz in die Kapitalbilanz durch den IWF ignoriert, ergäbe das nach Adam Riese eine leicht negative Netto(inlands)investitionsquote für das Jahr 2005. Für 2007 weist die Bundesbank aber bereits ein Kapitalbilanzdefizit von 223 Mrd Euro aus, rund 9% des Deutschen BIP. Sofern sich nun das Sparen nicht drastisch gesteigert hätte (genau Daten liegen mir nicht vor), müsste Deutschland bereits eine tief-rote Nettoinvestitionsquote haben. Sehe ich das falsch?
Sehr geehrter Herr Schaffer, vielen Dank für Ihr Mail vom 21. August an Prof. Sinn. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Ich denke, ein Blick in Fachserie 18 Reihe 1.2 „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen Inlandsproduktsberechnung“ des Statistischen Bundesamtes kann weiterhelfen. Im Heft 2. Vierteljahr 2008 finden sich in Tabelle 1.5 „Verfügbares Einkommen, Sparen und Finanzierungssaldo der Volkswirtschaft“ folgende Daten (Mrd. Euro): *2005 **2006 ***2007 Sparen *162,24 **211,48 ***267,78 Bruttoinvestitionen *379,04 **409,41 ***442,57 Abschreibungen *335,86 **343,13 ***358,75 Nettoinvestitionen *43,18 **66,28 ***83,82 Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie beurteilen Sie eigentlich aus pragmatisch-politischer Sicht die Wahrscheinlichkeit der Umsetzbarkeit ihrer Vorschläge. Kann es denn zusammenpassen, dass man einerseits fordert, die Sozialhilfe zu senken und bei steigenden Energie- und Lebensmittelpreisen (Inflation 3%)sowie der sog. kalten Progression den privaten Konsum zu erhöhen, andererseits dafür plädiert, die private Altersvorsorge drastisch auszubauen. Wahrscheinlich müssen derzeit 2/3-3/4 der Deutschen aufgrund der Steigerung bei den Grundversorgungspreisen ihren Konsum ohnehin schon reduzieren. Daher gibt es wohl keinen zusätzlichen Spielraum zum Sparen. Und die von Ihnen vorgeschlagene Steuerreform ist sicher zum jetzigen Zeitpunkt illusorisch, da politisch nicht durchsetzbar. Schöne Grüße Matthias Basel
Sehr geehrter Herr Basel, vielen Dank für Ihr Mail vom 23. Juni. Da Prof. Sinn sich derzeit zu Forschungszwecken im Ausland aufhält, habe ich es übernommen, Ihnen zu antworten. Das wichtigste Anliegen von Prof. Sinn ist es, einen strukturellen Beitrag zur Verminderung der Arbeitslosigkeit zuleisten. Glücklicherweise ist die Beschäftigungslosigkeit auf Grund der günstigen Konjunkturentwicklung der letzten Monate deutlich zurückgegangen. Das darf jedoch nicht über die Notwendigkeit hinwegtäuschen, den Anreiz zur Arbeitsaufnahme insbesondere bei gering Qualifizierten zu stärken. Prof. Sinn geht es nicht darum, einfach die Sozialhilfe zu senken, sondern diejenigen mit staatlichen Zuzahlungen zu belohnen, die bereit sind, auch bei niedrigem Lohn eine Arbeit aufzunehmen. Der Staat sollte nicht den Mindestlohn, sondern ein Mindesteinkommen sicherstellen, wie es das ifo Institut mit seinem Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe vorgeschlagen hat. Auf diese Weise tut man sich auch leichter, mit den gestiegenen Preisen für Energie und Lebensmittel zurechtzukommen. Natürlich muss die Europäische Zentralbank alles daran setzen, die Inflation wieder unter die Zweiprozentmarke zu drücken. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Anmerkung des Moderators: Folgebeitrag zum Beitrag am 16.12.2007 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich kann Ihrer Argumentation folgen, wenn Sie sagen, dass es durch die Revolvierung des Wertpapierbestandes keine Nettoabflüsse des privaten Sektors gibt. Aber beschreibt dieser Zusammenhang nicht auch, dass letztlich bestehende Kredite ständig durch neue Kredite ersetzt werden und dadurch die Schuldenbelastung im Verhältnis zu der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge steigt? Nehmen wir einmal an, fünf Menschen gründen eine eigene Volkswirtschaft. Noch hat keiner dieser fünf Menschen Geld. Sie gründen also eine Notenbank. Jeder der fünf Menschen emittiert ein verzinsliches Wertpapier, welches 100,- Euro wert ist. Die Notenbank kauft diese Wertpapiere und bringt somit das erste Geld in Umlauf, insgesamt 500,- Euro. Jeder der fünf Menschen unserer Mini-Volkswirtschaft hat jetzt schon mehr Schulden als überhaupt Geld im Umlauf ist. Im Umlauf sind nämlich 500,- Euro, dagengen stehen Schulden von 500,- Euro + z.B. 5% Zinsen pro Jahr. Nehmen wir weiter an, die Wirtschaft wächst nicht, so dass Zins-und Tilgungszahlungen vom privaten Sektor an den Staat(Notenbank) fließen, dieser das Geld aber wieder im gleichen Umfang wie er Zins-und Tilgungszahlungen erhalten hat in Form des Aufkaufs von neuen privaten Anleihen an den privaten Sektor verausgabt. Es gibt jetzt zwar keine Nettoabflüsse an Geld aus dem privaten Sektor, aber die Schulden des privaten Sektors vergrößern sich fortlaufend in Relation zu der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge. Mit freundlichen Grüßen Noel König
Sehr geehrter Herr König, Sie müssen zwischen Zinsen und Tildungszahlungen unterscheiden. Wenn der Staat die ihm durch Tilgung zufließenden Mittel wieder zum Ankauf neuer Wertpapiere verwemdet, bleiben Geldmenge und Schuldenbestand konstant. Verwendet er auch seine Zinsen dazu, würde sich die Geldmenge vergrößern. Aber das brächte Inflation. Deshalb macht er das auch nicht, sondern gibt die Zinserträge als Transfers (oder Steuersenkngen) wieder an den privaten Sektor zurück. Die Zinserträge der Notenbank fließen nämlich in das Staatsbudget und dienen der Finanzierung laufender Ausgaben, sei es im Sozialbereich, sei es für öffentliche Infrastruktur, die sonst durch Steuern hätten finanziert werden müssen. Dazu ist die Notenbank verpflichtet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr g. Herr Prof. Dr.Dr.Dr.h.c. Sinn! Dass Sie nicht im Dienste der Gewerkschaften stehen ist wohl jedem klar. Die Managergehälter sind deswegen zu hoch, weil sie bei Misserfolg nicht aus ihrer Tasche zahlen müssen, sondern noch eine unverschämte Abfindung erhalten. Das ist keine Neiddiskussion, sondern es geht um Gerechtigkeit (dieser Begriff scheint Ihnen unbekannt oder jedenalls egal zu sein). Das neoliberale System wird vielleicht in gar nicht so ferner Zeit seinen Crash erleben. Dann haben solche Leute wie sie und Konsorten ausgeschis.... Herbert Nuschler
Sehr geehrter Herr Nuschler, ich verstehe wirklich nicht, wieso Sie meinen, die Gerechtigkeit sei mir egal. Ich halte sie für ein wichtiges Ziel der Wirtschaftspolitik, wie ich in vielen meiner Schriften betont habe. Die Abfindungen der Manager ergeben sich daraus, dass die meistens einen fünf-Jahres-Vertrag haben, so dass sie noch Ansprüche haben, wenn sie vorzeitig entlassen werden sollen. Ich stelle das nur fest. Ich habe in der Sendung, die Sie sahen, betont, dass ich die Manager-Gehälter unter Gerechtigkeitsgesichtspunkten als für zu hoch ansehe. Neid und Gerechtigkeitsempfinden gehen im übrigen Hand in Hand. Viele, die über Gerechtigkeit reden, sind vom Neid getrieben. Der Unterschied ist kaum auszumachen. Warum Sie mich beschimpfen, verstehe ich ehrlich gesagt nicht. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Anmerkung des Moderators: Folgebeitrag zum Beitrag vom 04.12.2007: Sehr geehrter Herr Professor, ich sah keinen Unterschied zwischen Lügner und Unwahrheit sagendem. Sie haben mich belehrt, ich nehme meine Äußerung zurück. Mit dem Satz „Die Schulden werden um etwa 0.1% des BIP gesenkt“ wollen Sie mir beweisen, daß der Staat keine Schulden mehr macht. Als promovierter Tierarzt bin ich da kein Fachmann, aber mein Verstand wehrt sich gegen Umwandlung der klingenden Euros gegen virtuelle BIP-Prozente. Die 11,8 Milliarden sind in erster Linie Schulden, nur vergleichsweise Prozente des BIP. Als Schulden müssen sie in Euros zurückbezahlt werden – ich weiß nicht, ob es eine Rolle spielt, wie niedrig dann der BIP sein kann. Ausserdem: Wieviel Prozent Leser haben Ihren Satz als „Schulden in BIP-Prozenten“ verstanden ? Einer von Tausend wäre Ihr 0,1% des BIP. Mit Bild-Lsern sollte man lieber anders reden wie mit Kollegen von Instituten. -- Einigen wir uns also an dem Wortlaut meines Vorwurfs: So wie der Satz dort stand, war er Unwahrheit? Um den Satz „Schulden werden um etwa 0.1% des BIP gesenkt“ zu verstehen, müßte ich wissen, was man unter Schulden versteht und wieviel dieses 0,1 % ausmacht. Ich bitte Sie um Hilfe. Ihren Artikel über den Aufschwung habe ich mit Interesse gelesen, aber so weit reiche ich mit meinen 84 Jahren - und Slowake dazu - nicht mehr. Nun zu der Mindesteinkommenssicherung. Wenn der Staat einem Arbeitgeber fünf Arbeiter (bis wieviel können es sein?) teilweise bezahlt, finde ich es nicht in Ordnung. Da wird an erster Stelle nicht dem Arbeitnehmer, sondern dem Arbeitgeber geholfen – wenn er nicht immer der Reiche, ist er doch immer der Reichere. Wie ich das sehe, ist es Einladung zum Betrug und Wettbewerbsverzerrung. Mindesteinkommenssicherung bedeutet für mich, daß man von einer Arbeit anständig leben kann und das sollte man nicht mit Hilfe an unfähige verbinden. Wenn ein Unternehmen nicht einmal den ausgehandelten Mindest-Lohn zahlen kann, warum soll man es noch einige Tage am Leben halten? Es warten doch so viele auf seine Pleite – denen wird es ohne staatlichen Zuschuss sofort besser gehen. Alle kann man sowieso nicht retten. Ich versuche seit Jahrzehnten die Situation in meiner Umgebung zu verstehen. Ich habe zum zweiten mal einen Leserbrief geschrieben – ich werde es wahrscheinlich nie mehr tun. Natürlich haben Sie recht – es kommt auf die Formulierung an und dazu haben Sie das Institut. Natürlich habe ich recht, weil es sich um gesundes Verständnis handelt und wo das Herz schlägt. Mit freundlichen Grüssen Ihr Rastislav Skoda
Sehr geehrter Herr Dr. Skoda, es tut mir leid, wenn ich wieder in Fachjargon abgerutscht bin. Der Sachverhalt ist so: Während der Bund im Jahr 2007 etwa 14,4 Mrd. und im Jahr 2008 etwa 11,9 Mrd. Euro Schulden machte bzw. machen wird, erzielte der Staat insgesamt im Jahr 2007 einen Überschuss von 2,2 Mrd. Ich vermute, Ihre Zahl von 11,8 Mrd. ist die Schätzung für die Nettoneuverschuldung des Bundes im Jahr 2008. Einen Widerspruch zwischen diesen Zahlen gibt es nicht, denn der Staat besteht unter anderem aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen. Was der Bund im Jahr 2007 an Schulden machte, wurde durch Ersparnis der anderen Einrichtungen des Staates um 2,2 Mrd. Euro übertroffen. Der Staat hat in diesem Jahr in der Tat seit 1969 erstmals keine Schulden mehr gemacht, sondern Schulden netto zurückgezahlt, wenn man vom Einmaleffekt der Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000 absieht. Was die Mindestlöhne anbetrifft, so bitte ich zu bedenken, dass Personen, die nicht so leistungsfähig sind, dass sie mit ihrer Hände Arbeit den Mindestlohn verdienen können, dann zur Arbeitslosigkeit verdammt sind, was bedeutet, dass der Staat das Existenzminimum in voller Höhe sichern muss. Mindesteinkommenssicherung heißt, dass sich keiner davon machen kann, dass jeder mitmacht und beiträgt, was er kann, und wenn das zum Leben nicht reicht, dann gibt der Staat noch etwas dazu. Dass das die Löhne senkt und die Gewinne der Unternehmen erhöht ist ein erwünschter Effekt, denn nur so kommen die nötigen Stellen zustande. Sie wollen doch sicher auch ein Gemeinwesen, wo jedem das Existenzminimum garantiert wird und jeder in dem Maße beiträgt, wie er es kann. Wenn Sie das wollen, können Sie nicht wirklich für Mindestlöhne sein. Mit herzlichen Grüßen zum Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof.Dr.Dr.h.c. Hans-Werner Sinn, Habe schon viele Gedanken von ihnen gehört, über Wirtschaftsfragen. Möchte ja nicht unhöflich sein, aber das, was sie da sagen, ist ganz einfach falsch. Zum Beispiel die letzte Aussage von ihnen zur Offenlegung der Managergehälter. Machen sie es sich da nicht einfach zu leicht? Die ganzen Diskussionen würde es gar nicht geben, wenn die Manager für das viele Geld auch gute Arbeit machen würden. Aber das ist ja nicht der Fall. Dafür gibt es genug Beispiele und die müßten ihnen bekannt sein. Man denke nur an Siemens oder Airbus, Opel auch VW und es gibt noch mehr Firmen in Deutschland. Jeder weiß, das es Managerfehler waren, nur ihnen ist das noch nicht aufgefallen. Dann ihre Aussage zu den Löhnen. Eine Frage: was verdienen Sie? Nach meiner Meinung auch zu viel, wenn sie sagen, dass die Deutschen zu viel Geld verdienen. Man müßte der armen Wirtschaft mehr helfen und den geringen Lohn von den Arbeitern durch Zahlungen vom Staat so erhöhen, dass die Arbeiter auch davon leben können. Was ist eigentlich die Aufgabe des Info-Instituts. Wer steht hinter diesem Info-Institut, wer bezahlt ihre Gehälter? Ich nehme mal an die Wirtschaft. Denn ihr Info-Institut ist auch noch nicht aufgefallen, das wir auf der Welt immer mehr reiche Menschen wie Manager oder Aktionäre wie den Herrn Piech von VW haben. Aber die Bevölkerung immer ärmer wird. Das ist ja nicht nur in Deutschland so. Wenn die Manager so Angst vor der Offenlegung haben, dann ist doch die Frage. Warum habe ich als Manager Angst, wenn ich doch gute Arbeit mache. Warum kommen in Deutschland die Manager nicht in das Gefängnis,wenn sie sich strafbar gemacht haben. Seit Kanzler Kohl ist kein Topmanger mehr verurteilt worden. Auch Herr Kohl ist nicht verurteilt worden. Die Herren haben nur Bewährungstrafen erhalten, so wie der Herr Hartz oder Strauß in München. Wenn ich in so einen Institut arbeiten würde,müßte ich auch wissen, was das Volk darüber denkt. Gehen sie mal unter das Volk und trinken sie mal ein Kaffee. Dann werden sie merken, dass sie mit ihrer Aussagen auf dem Holzweg sind. Sie sind zwar ein Professor,aber das heißt nicht das sie alles wissen. Warum will der Herr Schäuble die Bundeswehr im Inneren einsetzen,hat er Angst vor dem Volk? Nach meiner Meinung ist die Wirtschaft für das Volk da und nicht das Volk für die Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft ihre Produkte an das Volk verkaufen will. Muß die Wirtschaft mit dem Volk richtig umgehen und den Arbeitern auch den richtigen Lohn geben,damit das Volk die Produkte auch kaufen kann. Aber Deutschland ist ein Billliglohnland und der Binnenmarkt läuft ja nicht so, wie die Wirtschaft es gern haben will. Die Manager sind ja intelligent und sie werden merken,das man die Produkte nur verkaufen kann, wenn das Volk auch das Geld hat, oder? Mit freundlichem Gruß Peter Hoffmann
Sehr geehrter Herr Hoffmann, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Deutschland ist kein Billiglohnland. Das Gegenteil ist richtig. Wir liegen im internationalen Vergleich sehr hoch. Ich lege Ihnen dazu zwei Artikel aus dem Schnelldienst bei. Die Arbeitnehmer werden auch nicht immer ärmer. Auch hier stimmt das Gegenteil. Zu Ihrer Frage bezüglich des ifo Instituts: Das ifo ist eine gemeinnützige Einrichtung und wird als Leibniz-Institut über die blaue Liste finanziert. Die Zuwendungsgeber sind alle Länder und der Bund. Der Name lautet ifo Institut, nicht info Institut. Ifo ist ein Acronym und steht für Information und Forschung. ifo ist das im Inland und im Ausland bekannteste deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut. Es ist überparteilich und steht weder im Dienste der Wirtschaft noch im Dienste der Gewerkschaften. Ich bin keineswegs der Meinung, dass Manager nicht kontrolliert werden soll, aber die Kontrolle unterliegt den Aktionären, die sie eingestellt haben und nicht der allgemeinen Öffentlichkeit. Eine Wirtschaft, die durch sozialistische Neidpräferenzen gesteuert wird, geht zugrunde, und zum Schluss sind alle arm. Um Produkte verkaufen zu können braucht man keine bestimmte Einkommensverteilung, denn wie können die Reichen, die Sie anprangern, reich sein, wenn sie für ihren Reichtum keine Güter kaufen. Sie haben völlig recht: Die Wirtschaft ist für das Volk da und nicht umgekehrt. Deshalb sind die Manager und Unternehmer auch nur Mittel zum Zweck. Man muss ihnen hohe Gewinne lassen, damit sie die Wirtschaft ordentlich auf Schwung bringen und den Wohlstand der breiten Massen erzeugen. Ohne clevere Manager und Unternehmer funktioniert nichts. Weniger Neid wäre allen förderlich. Dennoch braucht man zur Korrektur der Einkommensverteilung einen starken Sozialstaat, der gerade den Armen unter die Arme greift und sie nicht mit dem sitzen lässt, was sie selbst erwirtschaften können. Aber das geht nur über Lohnzuschüsse. Wenn man Lohnersatzleistungen gibt wie bei uns, entsteht eine Massenarbeitslosigkeit, weil die Lohnansprüche, die aufgebaut werden, international nicht darstellbar sind. Zu den strafrechtlichen Fragen kann ich Ihnen nichts sagen. Da fühle ich mich nicht kompetent. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, mit großem Vergnügen habe ich Ihre Thünen-Vorlesung verfolgt! Erlauben Sie mir einen kurzen Kommentar: Wäre es nicht ein relativ praktikabler Weg (jedenfalls praktikabler als die Kriegsschiffe zu den Steueroasen zu schicken) für eine Stärkung des OPEC-Kartells zu sorgen, was ja endogen zu höheren Preisen und geringeren Fördermengen führen sollte? Es könnte eventuell interessant sein, den Aspekt der Marktmacht auf der Angebotsseite stärker in Ihre 'angebotsseitige' Argumentation enzuflechten. Dies nur ein kurzer Gedanke. Mit freundlichen Grüßen
vielen Dank für diesen Hinweis. Aber leider wird das nicht gelingen, denn wie Stiglitz schon in den siebziger Jahren gezeigt hat, gibt es bei erschöpfbaren Ressourcen (ähnlich wie im atemporalen Fall bei senkrechter Angebotskurve) keine wirksame Monopolmacht. Konkret zum Beispiel: Wenn die Nachfrageelastizität konstant ist, so dass der prozentuale Abstand zwischen Preis und Grenzerlös konstant ist und es keine Extraktionskosten gibt, dann ist der Abbaupfad des Monopols identisch mit dem bei Konkurrenz. Sicher, auch dies wird durch Abbaukosten und eine nicht-konstante Nachfrageelastizität modifiziert, aber vom Grundsatz her ist überhaupt nicht klar, ob ein Monopol heute höhere oder niedrigere Preise als ein Konkurrenzmarkt setzt. Die OPEC glaubt nur, sie hätte wirksame Preissetzungsmacht. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse laß ich ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?". Ihre Überlegung und Argument hinsichtlich der Staatsquote gemessen am Nettoinlandsprodukt und nicht am Bruttoinlandsprodukt fand ich durchaus interessant. Meine weitere Überlegung war, zumal die Umsatzsteuer in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter anstieg und höhere Staatstätigkeit impliziert, diese Berechnung auf das Nettoinlandsprodukt zu Fakorkosten anzuwenden: Also NIP minus Umsatzsteuer plus Zuschüsse. Beispielsweise würde für ein Land wie Japan (UmSt. 5%)diese Rechnung schon fast hinreichend sein...! Ist eine solche Überlegung sinnvoll ?
Sehr geehrter Herr Miltner, für Ihr Vorgehen spricht, dass wegen des Bestimmungslandprinzips bei der Mehrwertsteuer nur die Nettopreise nach Mehrwertsteuer Weltmarktpreise sind. Wenn man also wissen will, welchen Anteil des zu Weltmarktpreisen bewerteten Sozialprodukts der Staat absorbiert, kann man so rechnen, wie Sie es vorschlagen. Man muss nur immer genau sagen, was man berechnet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort vom 5.6.07 (meine Anfrage vom 30.4.07). Die Zahlen für Konsum und Investition habe ich der Webseite des Statistischen Bundesamtes entnommen. Die 10% waren eine reine, aber wie ich meine zulässige, theoretische Überlegung. Im Jahre 2001 wurde die Körperschaftssteuer von 40% auf 25% gesenkt. Der Staat hat damit auf Konsum in Höhe der Steuerausfälle zu Lasten des Sozialprodukts verzichtet. Unmittebar daraufhin sind die Investitionen um ca. 11% eingebrochen und haben auch heute noch nicht den gleichen Umfang des Jahres 2000 erreicht. Die Arbeitnehmer verzichten nun schon seit ca. 10 Jahren auf reale Einkommenszuwächse zu Lasten des Sozialprodukts. Die Formel Verzicht von Konsum zu Lasten des Sozialprodukts und damit schnelleres Wachstum ist daher wohl nicht aufgegangen, wie eigentlich nach so langen Zeiträumen zu erwarten gewesen wäre. Das ist für mich völlig unverständlich. Haben Sie hierfür eine plausible Erklärung? Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Hartmuth
Sehr geehrter Herr Hartmut, die Formel: Verzicht gleich Wachstum stimmt sicher so nicht. Es muss schon klar sein, worum es geht. Wenn der Staat z.B. im Nachhinein alter Körperschaftsteuern zurückzahlt, wie das die Regierung Schröder gemacht hat, bringt das gar nichts. Das Geld verschwindet auf dem internationalen Kapitalmarkt. Wenn der Staat die Steuern für neue Investitionen senkt, dann macht er die rentabler, und es wird mehr investiert. Wenn die Löhne fallen, werden die Investitionen auch rentabler, und es wird mehr investiert. Bei der Zeitphase, die Sie ansprechen, war es anders. Die Weltwirtschaft war in einer Flaute, und die Beschäftigung ging zurück. Investiert wurde auch nicht mehr. Die Gewerkschaften konnten angesichts des Überschussangebots an Menschen auf dem Arbeitmarkt keine Lohnerhöhungen durchsetzten. Die Lohnzurückhaltung war also nicht Auslöser des Geschehens, sondern verursacht durch die Flaute. Die Konsequenz einer Ursache kann die Ursache nicht verdrehen. Allenfalls konnte die Lohnzurückhaltung verhindern, dass noch mehr Jobs verloren gingen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Zu: Internationaler Vergleich der Arbeitskosten (Replik zur Antwort von Herr Dr. Robert Koll, persönlicher Berater des ifo-Präsidenten, vom 14.06.2006 im ifo-Diskussionsforum) Sehr geehrter Herr Dr. Koll, sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) vom 11. März 2007 sagte der neue Personalvorstand der Volkswagen AG, Herr Horst Neumann, im Interview, dass die Arbeitskosten bei den westdeutschen Traditionswerken von Volkswagen nun bei 43 Euro pro Stunde liegen (Anmerkung: im Vorjahr lagen sie noch bei ca. 54 Euro pro Stunde!!!). Ferner konstatierte er, dass die Arbeitskosten an alternativen Standorten, z.B. in Ungarn bei 10 Euro pro Stunde und in Tschechien und Polen bei nur 7 bis 8 Euro pro Stunde lägen. In der FAS vom 19. Februar 2006, nennt der Personalvorstand der VW AG, Herr Horst Neumann, Arbeitskosten in Höhe von 41 Euro pro Stunde bei der Audi AG, beim VW-Werk Mosel (Ostdeutschland) in Höhe von 34 Euro, bei der Auto 5000 GmbH in Höhe von 30 Euro und beim VW-Werk in Portugal in Höhe von 14 Euro pro Stunde. Gleichzeitig sagte der Personalvorstand von VW im Interview vom 11. März 2007 in der FAS, dass der geplante Stellenabbau in Höhe von 20.000 Stellen in den westdeutschen Traditionswerken, bei momentan insgesamt 94.000 Stellen der Volkswagen AG in Deutschland, wie geplant weitergehe. Und dann gibt es immer noch einige zentrale Akteure in Deutschland, wie Oskar Lafontaine und Co., die gebetsmühlenhaft in den Medien behaupten, Deutschland hätte keine Probleme, was das Niveau der Arbeitskosten anbelangt!!! Lafontaine und Co. übersehen, dass Arbeitnehmer in Deutschland bei nichtmarktkonformen Löhnen durch Roboter, ERP-Software, verstärktem Bezug von Systemkomponenten aus Niedriglohnländern sowie durch den verstärkten Ausbau der ausländischen Produktions- und Verwaltungsstandorte substituiert werden. Die aktuelle Forderung der IG-Metall nach einer Lohnerhöhung in Höhe von 6,5 % passt genau in diese Landschaft: sie schafft mehr Arbeitsplätze - im Ausland!!! Mit freundlichen Grüßen Robert Muth
Sehr geehrter Herr Muth, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Sie haben völlig recht. Beiliegend finden Sie einen gerade dazu von mir veröffentlichten Beitrag. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: den Beitrag finden Sie im ifo Schnelldienst Nr. 4/2007, S. 54-59
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, der Anlass meines Schreibens ist folgender: Im Zeitraum März bis Juli 2003 musste ich im Rahmen meiner Fachhochschulreife einen Vortrag über Arbeitsproduktivität, Bruttolohnentwicklung und die damit im Zusammenhang stehende Arbeitsvolumenentwicklung halten. Äußerst hilfreich war mir damals ein TV-Beitrag von Ihnen, welcher meiner Meinung nach auf Arte oder Phoenix ausgestrahlt wurde. Leider bin ich mir dabei nicht mehr sicher. In dieser mehrteiligen Dokumentation referierten Sie unter anderem über die Bruttolohnentwicklung und verglichen Deutschland sowohl mit den Niederlanden als auch der USA. Im Ergebnis dessen stellten Sie fest, dass die agressive Arbeitslohnpolitik sich zum Nachteil für das Arbeitsvolumen auswirkt. Nun gestaltet sich meine Situation derart, dass ich mittlerweile an der Fachhochschule für Sächsische Verwaltung in Meißen studiere und mich im Rahmen der zu schreibenden Seminararbeit erneut für dieses Thema entschieden habe. Da ich den vorab benannten Beitrag nun leider in der Liste Ihrer online angebotenen TV-Dokumentationen nicht mehr finden kann, wollte ich Sie hiermit darum bitten, mir, sofern es Ihre Zeit erlaubt, den entsprechenden Link zu schicken. Für Ihre Bemühungen möchte ich mich bereits vorab bedanken. Mit herzlichsten Grüßen A. Herold
Sehr geehrter Herr Herold, ich bin mir nicht mehr sicher, welche Sendung das war. Eigentlich sind alle Sendungen auf Videos auf unserer Homepage. Der fragliche Sachverhalt ist aber ohnehin viel gründlicher in meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?", Kapitel 2, bei Econ veröffentlicht. Dort finden Sie auch die eine Graphik, die den Sachverhalt präzisiert. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
ist es normal das ich 55 Jahre ,28 stundenkraft als fleischverkäuferin in einer großen kette für 700 Euro arbeite. Aber!!!wöchendlich 42 stunden arbeiten muss, ohne bezahlung nie samstags frei !die stunden nicht bezahlt werden ,wir nicht abfeiern können.aber froh sein müssen das wir arbeit haben. Ich halte es nicht mehr aus,möchte das die mich kündigen.Bin 12 jahre dabei in der firma.41jahre arbeite ich schon. Das ist Deutschland!! Wo soll das noch hin führen
Sehr geehrte Frau Werner, was Sie schreiben, ist nicht in Ordnung. Wenn Sie nur für 28 Stunden bezahlt werden, müssen Sie auch nur 28 Stunden arbeiten. Mir ist klar, dass der Druck manchmal hoch ist, und man die Mehrarbeit nicht vermeiden kann. Die muss dann aber an anderer Stelle ausgeglichen werden. Ich weiß nicht, warum Sie mir in dem Zusammenhang schreiben. Vielleicht ist es wegen unseres Lohnsubventionsprogramms, der aktivierenden Sozialhilfe. ifo will ja, dass jemand mit Ihrem Einkommen vom Staat einen erheblichen Zuschuss bekommt. Wie hoch der in Ihrem Fall wäre, hängt von Ihrer individuellen Situation ab, insbesondere davon, ob und wenn ja wie viele weitere Personen im Haushalt leben und welches Einkommen die Haushaltsmitglieder insgesamt haben. Wenn Sie das wissen wollen, müssten Sie mich hierzu aufklären. Sonst weiß ich nicht, wie ich Ihr Schreiben interpretieren soll. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn Ich möchte Ihnen auf diesem Wege meine Hochachtung für Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" aussprechen. Ich bin begeistert davon das Jemand mal Klartext spricht und sich nicht dem, scheinbar im Trend liegenden, Opportunismus hingibt, um den Menschen nicht ihre Illusionen zu nehmen damit diese sich auf keinen Fall ihren Problemen stellen! Zu Ihrer Person ist einiges bei Wikipedia zu finden, auch das sie im schönen München wohnen. Ich verstehe allerdings nicht, warum Sie als Gegenspieler oder gar Feind von Volkswirten wie Peter Bofinger bezeichnet werden. Da ich auch dessen Buch gelesen habe, glaube ich sagen zu können das diese Freund/Feind Mentalität nicht zutrifft und darüber hinaus für unser Land schädlich ist. Ich sehe wenig bis keine Schwierigkeiten Ihre und des Herrn Bofingers Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Korrigieren sie mich bitte falls ich da falsch liege. Da ich aus den neuen Bundesländern stamme kann ich Ihre Aussagen über die Grenzabgabenlast zu 100% nachvollziehen. Die wirtschaftliche Realität in Bezug auf die Baumärkte, das Baugewerbe und der do it yourself Gewohnheit der Menschen, scheint den besser bezahlten und vermutlich handwerklich unbegabten Staatsvertretern unbekannt zu sein. Natürlich leidet die Binnennachfrage! Weil die Menschen das Geld was sie für importierte Produkte aus Niedriglohnländern ausgeben, beim örtlichen Handwerker und Gastronomen sparen, indem sie selber kochen und malern, wie es ja in diversen Fernsehshows gezeigt wird. Scheinbar möchte Niemand jemand Anderen bezahlen das es ihm geschmeckt hat oder der Raum fehlerfrei renoviert wurde, stattdessen vierteljährlich die neuesten Elektronikprodukte kaufen. Es wäre durchaus interesant welches Verhalten die Ressourcen der Erde mehr aufzert. Damit wollte ich nur kurz unterstreichen, wie die Wirtschaft von jedem einzelnen Konsumenten beeinflusst wird, ein Mentalitätsumschwung wäre auch hier hilfreich, die Politik wird dabei allerdings nicht davon befreit die Bedingungen hierfür zu verbessern. Bevor ich hier allerdings vollends in Kritik an der Vielzahl an kurzsichtigen egoistischen opportunistischen karrierorientierten Menschen, ohne Vaterlandsliebe und Gemeinwohlinteresse, versinke, wünsche ich Ihnen und Ihrer Frau ein schönes, erholsames Wochenende und Kraft Ihren Kurs auch gegen den Wind von "oben" zu halten, vertauen sie auf die Strömung von "unten". Hochachtungsvoll Frank Blobel
Sehr geehrter Herr Bloblel, vielen Dank für die Strömung von unten. Es freut mich, dass ich bei Ihnen Unterstützung finde. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Betreff: Kolumne in der Wirtschaftswoche. Hans-Werner Sinn über die wirkliche Armut in Deutschland Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihre o.g. Kolumne, die ich jetzt erst gelesen habe, reizt mich doch zu einer Reaktion. Ich wünschte mir, dass auch die "reinen Ökonomen" endlich einmal die sozialwissenschaftliche und -ethische Weiterentwicklung der Armutsdefinitionen zur Kenntnis nehmen oder vielleicht sogar akzeptieren würden. Ich spreche dabei ausdrücklich im Plural, da es natürlich nicht nur eine einzige gibt. Eine Definition der "relativen Armut" in Deutschland immer noch mit dem Vergleich zur "absoluten Armut" entkräften zu wollen, ist aus meiner Sicht bei weitem nicht mehr zeitgemäß. Die 60-Prozent-Definiton als ArmutsRISIKOgrenze ist sicher zu hinterfragen. Natürlich könnte die Schwelle auch bei 59 oder 42,3 % angenommen werden. Hier kommt die Wissenschaft nicht ohne Wertung aus. Aber es gab eben viele - für mich nachvollziehbare - Gründe in dieser Region eine solche Schwelle zu definieren. Jedenfalls wird die Argumentation nicht durch das Millionärsbeispiel entkräftet. Mir ist in Deutschland keine Steuerenklave bekannt, in der es eine Durchschnittseinkommen von einer Mio. Euro gibt. Ihnen etwa? Weiterhin ist wohl Ihre Behauptung falsch, dass etwa Leibrenten nicht in die Einkommensberechnung für das Armutsrisiko eingehen. Meines Wissens fallen die Leibrenten im Rahmen der Erhebung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe, auf deren Basis in Deutland die Armutsrisikostatistik veröffentlicht wird, in die Kategorie "Erstattungen und weitere Einnahmen" - genau wie private Unterhaltsleistungen. (Möglicherweise wollten Sie darauf hinweisen, dass Einkommen aus Leibrenten kaum in der Einkommenssteuerstatistik auftauchen.) Schließlich hätte ich gedacht, dass Sie sich bedingt durch Ihre Gutachtenerstellung etwas mit den Neuregelungen der Sozialhilfe und der Grundsicherung für Arbeitsuchende beschäftigt hätten. Vielleicht wäre Ihnen dann aufgefallen, dass es seit Inkrafttreten des SGB II und des SGB XII keinen "freien Kühlschrank, Herd oder Fernseher" zusätzlich zum Regelsatz mehr gibt - höchstens noch im Rahmen der Erstausstattung nach § 23 SGB II oder § 31 SGB XII. Beides sind Leistungen, die in der Praxis nur noch in sehr wenigen Ausnahmefällen gewährt werden. > Mit freundlichen Grüßen > > Diakonisches Werk der Ev. Kirche in Deutschland > > Roland Klose > Arbeitsfeld Sozialpolitik gegen Ausgrenzung und Armut > Zentrum Familie, Integration, Bildung > Berlin
Sehr geehrter Herr Klose, vielen Dank für Ihre Reaktion. Lassen Sie mich wie folgt antworten. 1. Ich weiß nicht, was sie mit dem Begriff zeitgemäß meinen. Die Argumente, die ich gegen die 60-Prozent-Grenze brachte, sind, so denke ich, zeitlos richtig. Man kann doch nicht in einer Volkswirtschaft mit einem der höchsten Haushaltseinkommen auf der ganzen Welt die gleichen 60% als Maßstab für die Armut nehmen wie in ärmeren Ländern! ... ... Lesen Sie die vollständige Antwort von Prof. Sinn (PDF, 17 KB).
Guten Tag Herr Prof. Sinn, ich habe vor kurzem ihren kleinen Artikel in "der Zeit" gelesen. Sie schrieben, dass der internationale Währungsfonds Deutschland eine relativ starre Lohnstruktur (nach unten) bescheinigt habe. Mich würde die Studie sehr interessieren und wäre Ihnen dankbar, wenn sie mir mitteilen würden, um welche Studie es sich hier handelt. vielen Dank und beste Grüße
Sehr geehrter Herr Klaßmüller, hier ist der Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Anmerkung des Moderators: Der Artikel ist erschienen bei IMF Staff Papers, Vol. 51, No. 2, unter dem Titel "The Enbearable Stability of the German Wage Structure: Evidence and Interpretation" (Autor: Eswar S. Prasad)
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Sandsturm der Informationen fällt es mir persönlich immer schwerer den tatsächlichen Kurs von Deutschland abzuschätzen. Was ich bei Ihnen vermisse ist eine grundlegende Kritik am Finanz- und Währungssystem. Ich kann mir nicht vorstellen dass dieses System fortbestehen kann, angesichts der strukturellen Probleme, angesichts der Entwicklung "Arbeit ohne Zukunft". Als Projektmanager im Automotive-Bereich, in der Robotik habe ich die Ambitionen der Autobauer kennengelernt: -Die vollautomatische Fabrik der Zukunft- weitgehend ohne menschliche Arbeitskraft zu realisieren. Im Bankenbereich habe ich als Informatiker die verselbständigten Finanzinstrumente, z.B. im Bereich Optionshandel, Derivate gesehen. Beide Erfahrungen bergen sozialen Sprengstoff insich. 1. kann ich nicht glauben dass Milliarden von Menschen Roboter entwerfen und bauen und 2. kann ich nicht glauben das verselbständigte Finanzinstrumente der Banken mit Geld Geld zu verdienen dem Wohl der Menschen dienen! Also ist es nicht an der Zeit die Kräfte zu bündeln für die Zeit nach dem Crash? Mit freundlichen Grüßen Rolf-Dieter Lenkewitz www.ocmts.de
Sehr geehrter Herr Lenkewitz, ich teile Ihre Bedenken zu einem guten Teil. Zu den Robotern habe ich mich schon genug geäußert. Es kann nicht Sinn und Zweck des Wirtschaftens sein, Werkhallen für Roboter statt für Menschen zu entwerfen, und die Menschen dann untätig vom Sozialstaat alimentierten zu lassen. Wir müssen wieder zu einer Wirtschaftsweise zurückfinden, die allen, die arbeiten können, auch Arbeit verschafft. Wie das geschehen kann, hat das ifo Institut mit seinem Programm der aktivierenden Sozialhilfe dargelegt. Was den Derivate-Handel betrifft, bin ich auch skeptisch, wenngleich nicht so skeptisch wie sie. Mit Derivaten kann man Risiken sehr gut abdecken. Sie sind ein unverzichtbares Element in der Sicherungsstrategie der Unternehmen geworden. Risikomärkte sind extrem wichtige Märkte für das Funktionieren eines Systems. Dessen ungeachtet stimme ich zu, dass die Prozesse zum Teil so komplex werden, dass sie niemand mehr durchschaut und dass erhebliche Systemrisiken drohen, die nur durch eine straffe Finanzaufsicht, möglichst auch auf europäischer Ebene gelöst werden können. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat dazu in ihrem Jahresbericht 2003 ein Kapitel geschrieben. Sie finden den Bericht auf unserer Homepage zum Herunterladen: "Financial Architecture", in: Report on the European Economy 2003, München, 2003, S. 98-117. http://www.cesifo-group.de/DocCIDL/forumspecial_chap4_2003.pdf Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, eine zentrale Maßnahme Ihres "Rettungsplans" für Deutschlannd besteht in der Schaffung von Wachstum durch allerlei Einsparungen im sozialen Bereich, in der Bürokratie, usw. Als Physik-Student stelle ich mir jedoch die Frage, ob ein dauerhaftes Wachstum überhaupt möglich sein kann, da die Grundlagen dessen (Rohstoffe zur Energiegewinnung und Produktion) begrenzt sind. Denn der derzeitige Verbrauch an Ressourcen übersteigt bei fast allen Ressourcen (nicht nur Öl, Kohle, Gas, auch Zink, Kupfer, Eisen, ...)den natürlichen Reproduktionsprozess. Aber nach den Gesetzen der Thermodynamik ist ein 100-prozentiges Recycling unmöglich (da es wegen der Irreversibilität der Prozesse einer Energiemenge von unendlich bedarf). Ergo nimmt sich das jetzige System die Grundlage an Rohstoffen für ein dauerhaftes Wachstum, und zwar solange, bis die Schaffung von Gold (Eisen, Zink,...) aus z.B. Sand gelingt - aber das liegt mehr als nur in den Sternen. Für diese Erkenntnis hat die Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Wachstum keine Relevanz. Wie stehen Sie diesen physikalischen Erkenntnissen gegenüber? Welche Bedeutung haben die Naturwissenschaften (insb. die Physik) für die Axiome Ihres volks- und v.a. betriebswirtschaftliches Denkens? Welche Gedankengänge veranlassen Sie zum Streben nach (mehr) Wachstum? Über die Beantwortung dieser Fragen wäre ich ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Erik Richter
Sehr geehrter Herr Richter, haben Sie vielen Dank für den Hinweis auf die Gesetzte der Thermodynamik. Diese Gesetze haben auch in der Volkswirtschaftlehre in den siebziger Jahren eine erhebliche Rolle gespielt bei der Frage, wie und ob Wachstum bei schwindenden natürlichen Ressourcen möglich ist. Ich habe volles Verständnis für diese Frage. Ich habe in den siebziger Jahren, wie Sie unschwer meinem Literaturverzeichnis (Homepage ifo) entnehmen können, eine ganze Reihe von Papers zu erschöpfbaren natürlichen Ressourcen geschrieben. Man muss aber bedenken, dass die Begrenzungen, die sich durch die Hauptsätze der Thermodynamik ergeben, sehr weit in der Zukunft liegen, weit jenseits der historischen Zeitperspektiven, die man bei wirtschaftlichen Betrachtungen sinnvoll berücksichtigen kann. Es geht hier ja wohl mehr um Jahrtausende als um Jahrzehnte, ja wahrscheilich sogar um viele Milliarden von Jahren. Bis diese Gesetze wirken wird die menschliche Art ohnehin aus vielerlei Gründen ausgestorben sein. Das gilt nicht für die Ressourcenknappheit, deren wachsende Bedeutung in unserem eigenen Leben und dem Leben unserer Kinder schon sehr deutlich werden wird. Aber die Ressourcenknappheit ist kein spezifisch deutsches Problem. Solange die Welt noch wachsen kann, kann es auch Deutschland. Im übrigen argumentiere ich ja gar nicht platt für Wachstum, sondern sage nur, dass die Menschen, die es gibt und die arbeitsfähig sind, auch arbeiten sollten, wenn sie es wollen. Es macht keinen Sinn, ein System zu schaffen, wo Millionen von Menschen Däumchen drehen. Einer der Gründe ist das Ressourcenproblem. Man kann Energie durch menschliche Arbeitskraft ersetzen. Zum Beispiel kann man den Tourismus, der in Deutschland wegen der Lohnstarrheiten überteuert ist, billiger machen, indem man Lohnflexibilität einführt. Das schaftt Arbeitsplätze und verringert die Fernreisen. Von der Sorte gibt es sehr viele Beispiele. Außerdem verstehe ich nicht, wieso Sie mich nicht unbedingt mit der Position identifizieren, man müsse den Sozialstaat billiger machen. Ich will doch keinen Sozialabbau, sondern den Sozialstaat effizienter machen. Wenn ich hier und da auch kürzen würde, so ist das bei mit aber stets ein Thema von untergeordneter Bedeutung. Ich will vor allem, dass der Sozialstaat sein Geld fürs Mitmachen statt fürs Wegbleiben ausgibt. Das hat mit Einsparungen im sozialen Bereich nicht zu tun. Es würde mich schon interessieren, woher Sie Ihre Einschätzung über meine Position haben. Vielleicht können Sie mich in diesem Punkte aufklären. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in einem Kapitel ihres Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" gehen Sie auf die Problematik der Arbeitskräftemigration im Niedriglohnbereich ein. Sie erwähnen, dass diese bei einer hinreichenden Lohnflexibilität zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und einer damit verbundener Wohlstandssteigerung für beide Seiten, statt wie bisher unter starren Löhnen, zur Erhöhung der Arbeitslosigkeit führe. Unter anderem nennen Sie Israel und die USA als Beispiel, die trotz hoher Nettoeinwanderung eine sinkende Arbeitslosenrate aufweisen. Könnte es nicht sein, dass dieser Effekt zwar parallel zur Einwanderung verläuft, aber letztlich doch auf ganz andere Ursachen zurückzuführen ist? Immerhin hatten die USA in den 90er Jahren ja ein enormes Wirtschaftswachstum, ferner handelt es sich bei beiden Volkswirtschaften um Transferökonomien mit teilweise erheblichen Leistungsbilanzdefiziten (wie Ihre Grafik 5.4 auf S. 232 besonders im Falle Israels zeigt). Ist es nicht so, dass Immigration von Menschen mit niedrigerem Qualifikationsprofil und damit verbundener niedriger Wertschöpfung im Vergleich zum Durchschnitt des Ziellandes, in diesem immer zu einer Senkung des Pro-Kopf-Einkommens führt? Und für den Lebensstandard ausschlaggebend ist doch immer das Pro-Kopf-Einkommen und nicht das Gesamte Volkseinkommen. Offensichtlich führt diese Art von Immigration selbst in den USA, bei hoher Lohnflexibilität und Abwesenheit eines Sozialstaates nach europäischem Muster, zu erheblichen wirtschaftlichen (und sozialen) Problemen und erhöhter Arbeitslosigkeit. Zu dieser Problematik habe ich im Journal des Manhattan Institutes einen hochinteressanten Artikel gelesen. Dieser zitiert Studien, welche ein sehr düsteres Licht auf die open-border Politik werfen. Der Artikel ist hochinteressant, daher verweise ich auf den link weiter unten. Es finden sich auf den Webseiten des einflußreichen City-Journals weitere interessante Artikel zur Problematik der US-Immigration und des US-Wohlfahrtssystems, welche auch für uns Europäer aufschlussreich sind. Offensichtlich stellen bei einer weitgehend freien Einwanderung selbst so rudimentäre sozialstaatliche Regelungen wie sie in den USA üblich sind, ein erhebliches Problem dar. Es würde mich freuen Ihre Meinung zu diesem lesenswerten Artikel zu hören. Der link: http://www.city-journal.org/html/16_4_immigration_policy.html Mit freundlichen Grüßen, Olaf Schmidt
Sehr geehrter Herr Schmidt, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Natürlich kann es sein, dass die wirtschaftliche Prosperität zufällig mit der Einwanderung zusammentraf. Aber Prosperität heißt nicht automatisch, dass mehr Stellen geschaffen werden. Das geht nur bei flexiblen Löhnen. Die Amerikaner haben praktisch zwanzig Jahre eine Reallohnkonstanz gehabt, während die Wirtschaft und das Pro-Kopf-Einkommen wuchsen. Die Löhne folgten nicht mit, und genau deshalb wurden die Immigranten integriert. Pro-Kopf-Einkommen und Lohn sind nicht dasselbe, denn es gibt viele Einkommen, die nicht Lohn sind (Pachten, Zinsen, Gewinne z.B.). Immigration von gering Qualifizierten bedeutet regelmäßig, dass der Lohn in den Bereichen fällt, wo die Immigranten ihre Dienste anbieten, dass aber gleichzeitig das Pro-Kopf-Einkommen steigt. Die Lohnsenkung ist ja identisch mit einer Erhöhung der anderen Einkommen im selben Umfang, also nur eine Umverteilung. Sie berührt das Pro-Kopf-Einkommen nicht. Da die Immigranten das Sozialprodukt um mehr als ihren Lohn erhöhen, steigt das Pro-Kopf-Einkommen der Einheimischen, währen deren Lohn fällt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, zunächst Respekt zu Ihrem Buch und Ihren Vorschlägen, ich habe es in zwei Tagen verschlungen, eigene Gedanken wiedererkannt, andere verfeinert vorgefunden und mußte bei einigen Punkten in der Tat umdenken. Vieles ist eben nicht so wie es auf den ersten Blick erscheint oder von entsprechend Interessierten (Gewerkschaften) dargestellt wird. Ganz kurz zusammengefasst der Inhalt: Deutschland braucht zuerst wieder einer funktionierende Marktwirtschaft. Der Markt ist hart aber grausam. An dieser Stelle und nicht vorher muß der Staat mit geeigneten Korrketuren (aktivierende Sozialhilfe) eingreifen. Unsere Löhne sind durch die bestehende Sozialhilfe und die Tarifpolitik der Gewerkschaften zu hoch und müssen auf einen marktgerechten Wert zurückgeholt werden. Dies schafft dann durch die Regelungen des Marktes wieder Vollbeschäftigung. Auf diesem Weg sehe ich aber noch Probleme, die im Buch nicht behandelt wurden: Prinzipiell kann ich mit einem kleineren, marktgerechten Lohn leben. Zum Teil gleichen sich die Dinge ja dabei aus. Der Friseurbesuch zum Beispiel wird ja auch billiger, weil er direkt von den Lohnkosten abhängt. Entsprechendes gilt für schnelllebige Preise, wie z.B. die Brötschen beim Bäcker, die ebenfalls billiger werden können, wenn der Bäcker weniger Lohnkosten hat. Aber was ist mit langfristigen Preisen, wie z.B. Immobilienpreisen, die durch zu hohe Löhne der verfehlten Politik der vergangenen ja auch in die Höhe getrieben wurden? Ich habe z.B. entsprechend meinem Einkommen ein Haus - natürlich gegen Darlehen - gekauft. Bei sinkenden Preisen wegen geringerer Nachfrage bzw. geringerer Kaufkraft verliert mein Haus an Wert, das Darlehen bleibt aber. Ich sehe hier die Gefahr einer Deflation, die wohl auch niemand ernsthaft haben will. Genauso besteht die Gefahr, dass die Leute bei sinkenden Löhnen und daraus resultierenden fallenden Preisen (betrifft inländische, weitgehend vom Lohn abhängige Preise) ihr Geld lieber auf der hohen Kante liegen lassen und sich an der Geldaufwertung erfreuen. Auch dies ist wohl ein unerwünschter Deflationseffekt. Der Rückweg zu einer funktionierenden Marktwirtschaft bei den Löhnen ist notwendig, aber ausgesprochen schwierig. PS: Eine Aufschrift zum Thema, neulich auf der Heckscheibe eines Pkw gesehen: "Gewerkschaften, die Pest des 20. Jahrhunderts!"
Sehr geehrter Herr Mayer, zunächst vielen Dank für Ihre Komplimente zu Prof. Sinns Buch "Ist Deutschland noch zu retten?". Sie beschäftigen sich mit der Frage, wie man Lohnsenkungen volkswirtschaftlich ohne größere negativen Nebenwirkungen durchführen könnte. Das ist eine sehr komplexe Frage, man wird wahrscheinlich zu keinen praktikablen Antworten kommen. Daher sollte man Senkungen des Nominallohns nicht anstreben. Prof. Sinn schlägt im Buch eine Reduzierung des Nominallohns bewusst nicht vor. Möglich sind jedoch Reallohnsenkungen durch Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich. Dies hätte zur Folge, dass die Einkommen der Arbeitnehmer erhalten bleiben und somit auch zur geplanten Verausgabung zur Verfügung stehen. Der so erzielbare Wachstumseffekt sorgt dafür, dass die Mehrproduktion auch ihre kaufkräftige Nachfrage findet. Eine Lohnsenkung im volkswirtschaftlichen Sinne, d.h. im Durchschnitt über alle Beschäftigten, ist auch dadurch möglich, dass man einen Niedriglohnbereich zulässt. Dies setzt voraus, dass man institutionelle Regelungen findet, die es ermöglichen, die Lohnuntergrenze, die der Sozialstaat setzt, aufzuheben. Das ifo Institut hat dazu sein Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe vorgelegt. Allerdings setzt dieser Vorschlag voraus, dass die Tarifparteien seine Umsetzung nicht durch die Einführung von Mindestlöhnen verhindern. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Zun Kombilohn erlaube ich mir die folgende Frage: Die Grundidee, nämlich Geringerqualifizierte statt über Lohnersatzleistungen aus dem Markt "herauszunehmen" zu Marktlöhnen zu beschäftigen und die Differenz zu einem "anständigen" Lohn über eine negative Einkommensteuer auszugleichen finde ich nach wie vor wegweisend. Auch deswegen, weil längerfristige Arbeitslosigkeit eine eigene, sozalphsychologisch äußerst kontraproduktive Dynamik entwickelt und vor allem Weiterqualifizierung regelmäßig mit (!) Beschäftigung einhergehen muss. Nun sind die (geringeren) Löhne zwar eine oder auch eine wesentliche Kompenente für Beschäftigung, es gibt aber auch noch andere. Außerdem: Was sagen Sie insbesondere zu dem Argument, dass es auch für die Geringerqualifizierten in Deutschland schlichtweg nicht genügend Arbeitsplätze gibt - ziemlich unabhängig von der Höhe der Vergütung? Mir freundlichen Grüßen Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, Das Angebot an Arbeitsplätzen hängt ganz wesentlich von den damit verbundenen Arbeitskosten ab. Dies gilt auch für gering Qualifizierte. Durch niedrigere Arbeitskosten werden zusätzliche Arbeitsplätze ermöglicht: (1) In neuen/bestehenden Unternehmen können bei niedrigeren Arbeitskosten neue/weitere Geschäftsideen realisiert werden, die vorher wegen der höheren Arbeitskosten nicht profitabel waren. (2) Es können Unternehmen in Deutschland gehalten werden, die bei den alten Arbeitskosten pro Stunde ins kostengünstigere Ausland abgewandert wären. Arbeitsplatzabbau wird vermieden. (3) Für die bestehenden Unternehmen, die ihre bisherigen Geschäftsideen weiter verfolgen, wirkt die Senkung der Arbeitskosten pro Stunde wie ein Produktivitätsschub: Man kann die gleiche Menge bei niedrigerer Arbeitskostensumme produzieren; es entstehen keine neuen Arbeitsplätze, aber zusätzlicher Gewinn, der verausgabt werden kann. Oder man kann bei gleicher Arbeitskostensumme mehr produzieren. Dies wird nur dann geschehen, wenn dafür die volkswirtschaftliche Nachfrage in der Einschätzung der Unternehmer vorhanden ist. Diese Mehrproduktion ist nur mit zusätzlichen Arbeitsplätzen möglich. In allen drei logisch unterscheidbaren Fällen kommt es zu einem Arbeitsplatzaufbau. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrte Damen und Herren, welche persönliche Sozialisation, welche Schicksalsschläge muss Herr Sinn erlebt haben, um aus dem Niederschreiben eines Landes eine Profession zu machen? Die Erzeugung einer Mißstimmung im Land, um dann eine wirtschaftsliberale Kulturrevolution anzuzetteln? Eines ist klar: Den Wirtschaftsliberalen in diesem Land wird der politische Krieg erklärt. Wir lassen uns diesen demokratischen Sozialstaat mit seiner hohen ökonomischen Potenz von den Sinns und Raffelhüschens nicht kaputt machen. Mit freundlichen Grüßen Holger Gensicke (Diplom-Ökonom)
Sehr geehrter Herr Gensicke, da haben Sie Prof. Sinn aber kräftig missverstanden. Ihm geht es doch nicht um Untergangsszenarien, sondern um eine realistische Analyse und darauf aufbauende Reformvorschläge. Diese enthalten auch den Erhalt des Sozialstaats. Lesen Sie das Kapitel "Das 6+1-Programm für den Neuanfang" aus seinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" oder seine Konzeption der Aktivierenden Sozialhilfe. Das sind alles konstruktive Vorschläge. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?". Es ist brillant, klar und spannend geschrieben! Ich habe es als Urlaubslektüre gelesen, bin aber noch nicht fertig. Als nationalökonomischer Laie habe ich leider Verständnisprobleme mit einigen Sachverhalten (nicht nur aus Ihrem Buch): 1. Länger arbeiten (ohne Lohnausgleich): mindestens 42 Stunden Sie argumentieren, dass die Befürchtung der Gewerkschaften (Verringerung der Beschäftigung) unbegründet sei, weil bei dieser indirekten Form der Lohnkostensenkung ganz im Gegenteil mit einer erheblichen Mehrbeschäftigung zu rechnen sei: bei nicht so produktiven Firmen würden Stellen gerettet, die andernfalls verloren gingen. Wichtiger: alle Unternehmen würden mehr Gewinn machen als vorher und daher mehr produzieren, verkaufen, anderswo kaufen, etc. Meine Frage: woher kommt die zusätzliche Kaufkraft? Wenn bisher Arbeitslose neue Beschäftigungsmöglichkeiten finden, so steigt damit nicht zwangsläufig ihr verfügbares Einkommen, weil die Lohnersatzleistungen des Sozialstaates ja kaum geringer waren. Es sei denn, das System der Lohnersatzleistungen wird gleichzeitig zu einem System der Aktivierenden Sozialhilfe (Lohnergänzungsleistungen) umgebaut... 2. Länger arbeiten: z.B. bis 67 Jahre Abgesehen davon, dass diese Entwicklung aus demografischen und Gründen der Finanzierbarkeit des Sozialstaats (Renten) notwendig erscheint, stellt sich mir auch hier die Frage: wird damit die Arbeitslosigkeit vergrößert (weil die Alten den Jungen die Jobs wegnehmen) oder verringert? Wenn Letzteres, warum? 3. Lissabon-Ziele: 70/60/50% (Beschäftigung gesamt/von Frauen/von 55-64 Jährigen) Ich bin mir nicht sicher, die Ziele im Einzelnen richtig wiedergegeben zu haben; der Tendenz nach geht es aber um "mehr Personen sollen länger beschäftigt sein". Wieder: wie soll das gehen? Durch mehr Forschung und Innovation? Die demografische Entwicklung allein wird wohl nicht die Erreichung der Ziele ermöglichen, sonst hätte man diese nicht eigens definieren müssen. Wie gesagt, ich bin ein volkswirtschaftlicher Laie - ich habe Betriebswirtschaft studiert. Mit knapp 60 bin ich bei einem internationalen (Mineralöl-)Konzern in Pension gegangen. Seither übe ich diverse kleinere Beschäftigungen aus (Lektor an einer FH, Trainer für Business Games), darüber hinaus bin ich im Vorstand eines gemeinnützigen Vereins pensionierter Führungskräfte, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Kontakte KMU und Jungunternehmern kostengünstig zur Verfügung stellen. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir meine Fragen in der Ihnen eigenen Klarheit und Verständlichkeit beantworten könnten. Herzlichen Dank im Voraus. Mit freundlichen Grüßen Dr. Roland Pototschnig
Sehr geehrter Herr Pototschnig, gerne beantworte ich Ihre Fragen. 1. Es mag stimmen, dass die Lohnersatzleistungen des Staates kaum geringer waren als das Einkommen, das die neu Beschäftigten erhalten. Aber der Staat hat das Geld, das er sonst für die Lohnersatzleistungen ausgegeben hätte, übrig. Bei ihm entsteht also der Kaufkraftgewinn. Er kann dieses Geld für Güterkäufe selbst verausgaben. Er kann es auch als Transfers oder Steuersenkungen an seine Bürger zurückgeben. Dann entsteht die Kaufkraft dort. Oder er verwendet es zur Verringerung der Nettokreditaufnahme. Dann stehen dem Kapitalmarkt mehr Mittel für private Investitionen zur Verfügung. Was auch immer geschieht: stets ist das Mehr an Sozialprodukt, das die neu Beschäftigten erzeugen, auch ein Mehr an Kaufkraft, und zwar bis auf den letzten Cent. Die Summe aller Einkommen einer Volkswirtschaft entspricht immer genau dem Wert ihrer Produktion, wie auch immer die Umverteilungsprozess durch den Staat veranstaltet wird. 2. Die Arbeitslosigkeit wird vergrößert, wenn man die Lohnstrukturen nicht ändert. Lässt man zu, dass die Löhne in den Bereichen nachgeben, wo die Mehrarbeit angeboten wird, dann entstehen dort auch mehr Stellen. Die Arbeitslosigkeit steigt dann nicht. Ökonomen meinen imnmer letzteres, also eine ungestörte Marktreaktion, wenn sie von den Wirkungen einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit reden. 3. Hier gilt das Gleiche wie vorher. Im Grunde ist die Antwort der Ökonomie auf Ihre Fragen doch einfach: Unter allen Verhältnissen gibt es eine Lohnstruktur, die die Wirtschaft zur Vollbeschäftigung führt. Wenn die tatsächliche Lohnstruktur anders gestaltet wird, entsteht Arbeitslosigkeit. Das ist unser deutsches Problem. Sowohl die Lohnersatzleistungen des Sozialstaates als auch der Einfluss der Gewerkschaften führen dazu, dass die Löhne nicht durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden und dass diese beiden Größen deshalb voneinander abweichen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Zum Thema Deutschland, der Finanzminister sollte schleunigst einen Schuldenberater aufsuchen. Für die Krankenkasse, jeder muss einzahlen (Prozentual von Einkommen) wer mehr will kann sich Privat absichern. Die BFA (Rente und Pension) ablösen, alle Rentenbeträge auszahlen (mit Zinsen, ) und dann die Rente und Pension mit Steuer finanzieren (gleicher Preis 72% Nettoeinkommen), dann gibt’s keine Debatten. Dann hätten der Bundestag mehr Zeit zu Arbeiten. Langzeitarbeitlose länger als >10 Jahre oder wer nicht Gearbeitet hat, sie müssen mit Lebensmittelmarken auskommmen, das muss verhandelt werden. Wer Hartz4 hat, muss sich der Mieter mit vielleicht mit der Miete von 75% (der Vermieter muss sich einschränken können) zufrieden sein. Jeder der arbeiten kann muss einen Lohn erhalten dass er Leben kann. Wer eine Subvention bekommt (auf ein Haus, ein Studium, was immer sein soll muss das Geld wieder zurückzahlen), ich kann das nicht verstehen, Ich soll das bezahlen das er mich ,wenn er genug verdient hat an mich Entsorgt. Ich muss auch meine Miete bezahlen, ich bin ein (Subvention Miete ? ) Rentner. Eine Abfindung muss mit Sozialabgaben (Rentenbeiträgen, Krankenversicherung und Pflegeversicherungen) belegt werden. Eine Firma die ins Ausland geht, kann die Verluste die im Ausland anfallen, kann sie bei und in Deutschland nicht geltend machen. Wenn sich eine Firma einen Mitarbeiter Entsorgt, dann muss das Arbeitsvermittlung, das verfolgen dass ein jünger eingestellt wird (so war es Vorgehsehen), ? 1985 vom Blüm und seinen Konsorten eigentlich die ganze Regierung, dann hätten wir das Problem nicht . !!!!!!!!!!!!!!! Mit freundlichen Grüßen Hirschvogel Rudolf PS: Ich würde mich freuen was von Ihnen zu hören, ich muss auch Zeit haben für Deutschland und seine Bewohner.
Sehr geehrter Herr Hirschvogel, Ihren Vorschlag, dass jeder krankenversichert sein soll, finde ich vernünftig. Bisher ist die Krankenversicherungspflicht an die Arbeitsaufnahme gebunden. Die Frage ist, was für Menschen gelten soll, die nicht arbeiten und zugleich bedürftig sind. Sie schlagen im Rahmen der Sozialpolitik eine Reihe von Kürzungen vor, die schwer durchzusetzen sind, wie z.B. Lebensmittelmarken für Langzeitarbeitslose, und zudem nicht weiterhelfen. Außerdem weiß man aus Erfahrung, dass man Arbeitsmarktpolitik und Sozialpolitik nicht vermengen soll. Ihre Forderung "Jeder, der arbeitet, soll so viel verdienen, dass er davon leben" lässt sich in einer vernünftigen Arbeitsmarktpolitik nicht umsetzen, da man damit gering Qualifizierte von vornherein ausschließen würde. Rentenbeiträge kann man nicht auszahlen, da im Umlageverfahren keinen Kapitalstock gebildet wird. Wichtiger scheint mir, dass wir zu niedrigeren Arbeitskosten kommen. Die im internationalen Vergleich sehr hohen deutschen Arbeitskosten veranlassen Firmen, Teile ihrer Produktion ins kostengünstigere Ausland zu verlagern. Bei niedrigeren Arbeitskosten hätten wir weniger Arbeitslose und damit auch höheres Wachstum. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Wie konnen wir deutschland retten? Sollen wir eine spendenaktion zur rettung des bundeshaushalts starten?
Sehr geehrter Herr Küchle, eine Spendenaktion zur Rettung des Bundeshaushalts, wie Sie vorschlagen, wird nicht genügen, um die öffentlichen Finanzen dauerhaft in Ordnung zu bringen. Man muss bei mehr oder minder gleicher Abgabenlast die Ansprüche gegen den Staat dauerhaft erheblich vermindern. Das gilt für alle Bereiche: Der überzogene Sozialstaat mit seiner Begünstigung des Nicht-Arbeitens muss überdacht werden, die Regulierungsdichte, aber auch die Subventionen an die Unternehmen. Das ifo Institut hat dazu mehrere konkrete Vorschläge vorgelegt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, glauben Sie, dass es die Chance gibt, Deutschland zu retten? Die polnischen Sonderwirtschaftszonen mit üppigen Steuerrabatten locken die deutschen Unternehmen. Fast jeder Großkonzern geht ins Ausland. Deutsche Mittelständler nutzen auch den Steuerrabatt. Sie werden mit offenen Armen empfangen. Z. B., in Polen liegt einer der Körperschaftssteuersatz ohnehin bei niedrigen 19 Prozent zum Vergleich Deutschland 39,4, deshalb erlagen viele Konzerne diesem Angebot. Die niedrigen Löhne in Polen sind natürlich Hauptvorteil. Dort werden Millionen Arbeitsplätze geschaffen, in Deutschland werden die Arbeiter entlassen, und werden noch mehr Arbeitslose. Die Politiker versuchen immer noch durch die Steuererhöhung die Schulden ausgleichen. Wohin geht Deutschland mit großen Löhnen? Maria Frank
Sehr geehrte Frau Frank, wie auch Prof. Sinn denke ich schon, dass es Möglichkeiten gibt, die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland zum Besseren zu wenden. Mit der Unternehmensteuerreform, die die neue Regierung in diesen Tagen in die Wege geleitet hat, kann man erreichen, dass mehr Unternehmen ihre Produktion in Deutschland belassen. Ich bin mit Ihnen einer Meinung, dass die Verlagerung von Produktionen oder Teilen davon in das kostengünstigere Ausland vielen deutschen Unternehmen das Überleben gesichert hat. Die Unternehmensteuerreform alleine genügt jedoch nicht. Wir brauchen dringend flexiblere Arbeitsmärkte, die den gering Qualifizierten echte Chancen für die Aufnahme einer Arbeit lässt. Das ifo Institut hat mit seiner Aktivierenden Sozialhilfe hier einen konkreten Vorschlag auf den Tisch gelegt. Leider hat er in der politischen Welt bisher wenig Resonanz gefunden. Die öffentlichen Haushalte müssen saniert, und die Sozialsysteme müssen an die Bevölkerungsentwicklung angepasst werden. Das sind wichtige Reformfelder, die man endlich angehen muss, wenn die Wende zum Besseren noch gelingen soll. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse habe ich ihre Lektüren verschlungen. Ich habe eins noch nicht ganz verstanden: Wie uns allen klar ist, bekommen wir Deutsche zu wenig Kinder. Ist es aber ein nicht viel größeres Problem, dass die Geburtenraten in einkommenschwachen Familien noch am höchsten sind, in den einkommensreichen Schichten am niedrigsten? Die Kinder von morgen werden doch zum größten Teil in Hartz IV hineingeboren, oder? Stimmt das? Und wenn dieses stimmen sollte, wäre es dann nicht sinnvoller, statt ausdehnung des Kindergelds oder dem jetzt verabschiedeten Elterngeld auf einen noch konsequenteren Weg zum Ausbau der Kindertagesstätten zu setzen, damit die einkommensstarken Familien Beruf und Kinder wieder vereinbaren können? Sie gebähren ja schließlich die Einzahler von morgen, oder? Vielen Dank für ihr Feedback. Mit freundlichen Grüßen, Rainer Kalbacher
Sehr geehrter Herr Kalbacher, mit dem Zusammenhang zwischen Fertilität und Haushaltseinkommen hat sich 2005 eine OECD-Studie (Social, Employment and Migration Working Papers Nr. 27) befasst, die Ihre Vermutung bestätigt. Nicht nur in Deutschland ist die Fertilität bei einkommenschwächeren Hauhalten höher als bei einkommenstärkeren. Entgegen Ihrer Vermutung berücksichtigt das neue Elterngeld in wesentlichen Vorschriften das Haushaltseinkommen im positiven Sinne. Für viele der aktiven Politiker war das schwer zu verkraften. Für das alte Erziehungsgeld traf das Gegenteil zu, während das Kindergeld in der Mitte liegt, jedenfalls die einkommenschwächeren Haushalte nicht überproportional versorgt. Im Übrigen kann man nur auf Frankreich verweisen, wo man mit dem Familiensplitting einen wesentlichen Schritt weiter gegenüber der bei uns praktizierten Familienförderung ist. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
- Ihr Buch: Ist Deutschland noch zu retten ? - Guten Tag sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe soeben Ihr vorgenanntes Buch fertig gelesen. Ich muss sagen: "Ich bin einfach begeistert". Ich habe noch nie ein Buch mit solch offenen und direkten Worten zu wirtschaftlichen (oder muss man eher sagen unwirtschaftlichen) Zusammenhängen in Deutschland gelesen. Als durchaus wirtschaftlich denkender Mensch (ich bin seit 25 Jahren in der Sparkasse Freiburg tätig) haben Sie mir im Grunde genommen aus der Seele geschrieben. Viele Vorgänge aus unserem sicherlich begrenzten Wirtschaftsraum rund um Freiburg haben mich in den vergangenen 25 Jahren auch sehr stark geprägt und ich finde meine Meinungen in Ihrem Buch hervorragend wider. Es klingt so einfach, Ihre Vorschläge umzusetzen. Doch auch die günstigste politische Konstellation, die wir m.E. mit der großen Koalition heute haben, wird leider nicht den Mut besitzen, wirklich aber wirklich einschneidende Maßnahmen vorzuschlagen und umzusetzen. Ich vermute, dass wir hier an die Grenzen unserer Demokratie stoßen, da jeder Politiker unbedingt immer wieder gewählt werden will und - wie Sie seh r richtig beschreiben - zu viele Wähler vom Staat finanziell abhängig sind und somit einschneidende Maßnahmen von einer Mehrheit der Bevölkerung nicht gewollt sind. Mit Ihrem Buch haben Sie mich in vielen meiner Meinungen bestärkt und hierfür möchte ich Ihnen einen einfachen Dank sagen. Dies ist mir ein Bedürfnis. Bleiben Sie bitte "am Ball" und sensibilisieren Sie noch viel mehr Menschen, um unser Land vor dem wirtschaftlichen Chaos zu retten. Jürgen Seemann
Sehr geehrter Herr Seemann, haben Sie vielen Dank für Ihre ermunternden Zeilen. Ja, in der Tat, die Sensibilisierung für die wirtschaftlichen Fehlentwicklungen ist mit ein Anliegen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte MitarbeiterInnen des ifo-instituts, ich habe Hans-Werner Sinns Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" mit großem Gewinn gelesen, v.a. da die Sachverhalte auch für einen Nicht-Fachmann wie mich anschaulich und gut verständlich vorgetragen werden. Herzlichen Glückwunsch zu diesem gelungen Buch! Allerdings ist mir auch nach der Lektüre dieses Buches etwas unklar geblieben, so dass ich mich nun mit einer Frage an Sie wende. (Im folgenden beziehen sich die Seitenzahlen auf die im Ullstein-Verlag erschienene Taschenbuchausgabe ²2005). Sinn stellt darin die These auf, dass ein flexibler Arbeitsmarkt zu Vollbeschäftigung führe: "Auf Dauer hätte auf einem sich selbst überlassenen Konkurrenzmarkt nur dasjenige Lohniveau (sic!) Bestand, bei dem Angebot und Nachfrage sich gerade gleichen. Arbeitslose gäbe es praktisch nicht" (S. 148). Als Beispiele für Volkswirtschaften mit einem flexiblen Arbeitsmarkt werden die Länder Israel und die USA vorgestellt (S. 149). In Israel und den USA müsste daher gemäß der o.g. These von Sinn Vollbeschäftigung herrschen. Allerdings befindet sich im Jahr 2002 die Arbeitslosenquote Israels bei 10,3% und diejenige der USA bei 5,8% (S. 475f). M.E. sind diese Zahlen weit entfernt von einer "Vollbeschäftigung". Wie können Sie diese Diskrepanz erklären? Sind diese Arbeitsmärkte eben doch nicht so flexibel wie dargestellt oder sind externe Gründe für die relativ hohe Arbeitslosenquote verantwortlich (eine zu hohe Immigration wird jedoch hierfür explizit ausgeschlossen (S. 149, 475f))? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie meine Anfrage beantworten würden. Danke für Ihre Bemühungen. Viele Grüße Tobias Waibel
Sehr geehrter Herr Waibel, vielen Dank für Ihrefreundlichen Worte zu Prof. Sinns Buch. Ich denke, Sie missverstehen das Argument von Prof. Sinn in Bezug auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Israel und den USA. Er sagt, dass der Arbeitsmarkt in beiden Ländern erhebliche Zuwanderungswellen ohne nachteilige Folgen verarbeitet hat. In Israel war die Arbeitslosigkeit nach der Zuwanderung sogar niedriger als vorher, und in den USA sei das Arbeitsvolumen zwischen 1982 und 2002 drastisch gestiegen. Beides ist doch ein Indiz für einen flexiblen Arbeitsmarkt, in deutlichem Konstrast zum deutschen Arbeitsmarkt, wo seit den 70er Jahren ein deutlich ansteigender Trend der Arbeitslosigkeit zu beobachten ist (vgl Abbildung 1.1). Prof. Sinn sagt nicht, dass es in den beiden genannten Ländern keine Arbeitslosigkeit gäbe, wie Sie richtig zitieren. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit größtem Interesse und weitestgehender Zustimmung habe ich Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen und möchte Ihnen zunächst zu Ihrer scharfen Analyse, die darüberhinaus in auch einem Wirtschaftslaien wie mir in verständlicher und gut lesbarer (das Buch war meine Urlaubslektüre!) Form dargebracht wird, gratulieren! In einem einzigen Punkt möchte ich dennoch und trotz meiner unvollständigen volkswirtschaftlichen Kenntnisse einen Einwand machen: Wie eine generell verlängerte Arbeitszeit mehr Nachfrage erzeugen soll, ist mir nun wirklich ein Rätsel und scheint mir doch eine sehr theorielastige Sicht der Dinge zu sein! Meiner Überzeugung nach wird der Unternehmer eben nicht mehr produzieren, "...weil er davon ausgehen kann, daß er die Mehrproduktion notfalls auf dem Wege einer Preissenkung absetzen und seinen Gewinn dennoch steigern könnte" (S. 131). Der heutige Unternehmer weiß nämlich, daß die Menschen, zumindest in den "entwickelten" Ländern, schon alles haben und zu den drei Fernsehern in der Wohnung nicht noch einen vierten brauchen! Deshalb glaube ich in diesem einzigen Punkt doch lieber den Gewerkschaften, die eine Arbeitszeitverlängerung als Jobkiller sehen! Wie wäre es denn damit: Da heutzutage Gehaltsabrechnungen per EDV üblich und somit in jedem gewünschten Bruchteil einer Vollstelle möglich sind, wäre es doch ein leichtes, Arbeitszeiten (meinetwegen auch per "Arbeitszeitkonto) maßzuschneidern und in gewissen Grenzen (natürlich in Einzelverträgen festgelegt) freizugeben? Weitergehender Vorschlag: Nur die höheren Gehaltsgruppen (die können sich's leisten...) verzichten auf ArbeitsZEIT und damit auf Geld. So könnte man den Workaholics entgegentreten, die in bester deutscher Arbeitsethik nur LANGE Arbeitszeiten als VERDIENSTvoll empfinden und diese Vorstellung auch gern allen Mitarbeitern überstülpen. Auch darf man nicht vergessen, daß lange Arbeitszeiten vom Konsum abhalten (als mäßig bezahlter akademischer Angestellter im Öffentlichen Dienst mit schlecht- bis nicht bezahltem künstlerischem Nebenberuf (Zweitstudium...) und daraus resultierender ca. 60-65-Stunden-Woche spreche ich aus Erfahrung). Der notgedrungene Konsumverzicht wäre doch Gift für die Konjunktur, oder? Und was hätte eine verstärkte Produktion, insbesondere angesichts munter drauflos produzierender bevölkerungsreicher Schwellenländer wie Indien und China die mental "noch nicht so weit sind", für ökologische Konsequenzen? Ich finde, solche Fragen sind für unsere heutige Zeit einfach überlebensnotwendig (Ressourcenknappheit, Treibhausgase etc....) und müssen in einer umfassenden Problemlösung, wie sie in Ihrem Buch in hervorragender Weise angegangen wird, berücksichtigt werden. Vielleicht wäre es ja möglich und mit volkswirtschaftlichen Grundsätzen vereinbar, vom Aspekt der Massenproduktion wegzukommen, nicht Wachstum zur Grundlage allen wirtschaftlichen Fortschritts zu erklären (MEHR Arbeitszeit, MEHR Gewinne, MEHR...MEHR...MEHR...), sondern in die hervorragenden und äußerst griffig im 6+1-Punkte-Programm vorgetragenen Lösungsansätze, sozusagen als Tüpfelchen auf dem i, noch die Erkenntnis einfließen zu lassen, daß die Erde und damit jegliches Wachstum ENDLICH sind? Leider werden grundlegende Erkenntnisse hierzu, wie sie vor 34 (!) Jahren bereits der Club of Rome angedeutet hat, von seiten der Wirtschaft immer wieder mit Achselzucken quittiert, und ich denke, auch hier können wir uns ein Zuwarten nicht mehr leisten. Aus allen diesen Gründen halte ich gerade eine "Business-Erhöhung", wie sie eine Arbeitszeitverlängerung darstellt, für schädlich. Ansonsten stimme ich den richtungweisenden Aspekten Ihres Buches voll und ganz zu! Mit besten Grüßen - Uwe Strübing
Sehr geehrter Herr Strübing, vielen Dank für Ihren Beitrag. Prof. Sinn hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Haben Sie auch vielen Dank für die Komplimente, die Sie nach Lektüre von "Ist Deutschland noch zu retten?" formulieren. Besonders freut es mich, dass Sie dieses Buch als Ihre Urlaubslektüre ausgewählt haben. Prof. Sinns Anregung, länger zu arbeiten, kommt aus der Einsicht, dass die Arbeitskosten in Deutschland im Vergleich zu den wichtigen Konkurrenzländern einfach zu hoch sind. Dies hat zu vielen Verlagungen von Produktionen oder Teilen davon ins kostengünstiger Ausland geführt. Ein Absenken der Arbeitskosten ist am einfachsten durch eine Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn zu erreichen. Bei niedrigeren Arbeitskosten werden die Unternehmen mehr Leute beschäftigten. Weil jetzt Geschäftsideen profitabel werden, die es vorher nicht waren. Die Unternehmen beschäftigen nur dann mehr Leute, wenn sie die Absicht haben, ihre Produktion auszuweiten. Das Ziel der Gewerkschaften, die Arbeitszeit zu verkürzen, das sie in den letzten Jahrzehnten ja auch durchsetzen konnten, hat nur denen genützt, die ihren Arbeitsplatz behalten konnten. Die übrigen wurden wegen der zunehmenden Arbeitskosten in die Arbeitslosigkeit getrieben. Umweltziele sollte man aus eigenständigen Überlegungen verfolgen. Auf jeden Fall sollte man sie nicht dazu benutzen, die wegen der hohen Arbeitskosten abnehmende Beschäftigung in Deutschland zu rechtfertigen, indem man aus weniger Beschäftigung auf weniger Produktion und damit weniger Umweltschäden schließt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, ein wichtiger Aspekt kommt in der Regel in Betrachtungen zur Arbeitslosigkeit zu kurz: Im Ergebnis ähnlich wie das deutsche Lohnersatzsystem des Staates und dieses noch verstärkend wirkt auch das deutsche Unterhaltsrecht, das vor dem Hintergrund der leider hohen Scheidungsraten eine ganz erheblich praktische Bedeutung erlangt hat. Bei Unterhaltspflichtigen, die 3/7 eines (Mehr-)verdienstes an den Unterhaltsberechtigten abgeben müssen, wirkt dieses im wirtschaftlichen Ergebnis wie Steuern und Abgaben auf den Lohn, was natürlich deutliche Fehlanreize gegen die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit oberhalb der Selbstbehaltsgrenzen setzt (vgl. Ihre "Eiger-Nordwand"). Dies aber nicht nur beim Unterhaltspflichtigen, sondern auch beim Unterhaltsberechtigten, da bei diesem ein (Zusatz-)Verdienst zu 3/7 zu einer Minderung seines Unterhaltsanspruches führt. Hinzu kommen noch ähnliche Effekte durch den Unterhaltsanspruch von Kindern. Gibt es eine Untersuchung, wie groß der Anteil unter den Arbeitslosen ist, für die unter dem Aspekt "Unterhaltsrecht" die Aufnahme einer Tätigkeit wirtschaftlich "unvernünftig" ist, die also neben den Geringqualifizierten mit zu hohem Anspruchslohn eine zweite strukturell bzw. systembegründete Sockelarbeitslosenrate bilden? Ist es ein messbarer Faktor, dass unabhängig (!) von der Qualifikation möglicherweise Unterhaltspflichtige und -berechtigte, dies sind mehrere Millionen, kaum einen Anreiz für die Aufnahme einer Tätigkeit haben.
Sehr geehrter Herr Janssen, vielen Dank für Ihren Beitrag. Ihr Hinweis, dass die Vorschriften des Unterhaltsrechts ähnlich wirken wie die Transferentzugsraten bei Sozialleistungsempfängern, ist zutreffend. Auch hier ist ein Anreiz gegeben, sich, wenn irgend möglich, als bedürftig darzustellen, auf Seiten des Unterhaltsleistenden wie auch des Unterhaltsempfängers. Allerdings sind die Transferentzugsraten bei Sozialleistungsempfängern wesentlich höher als drei Siebtel, wie Sie dem Aufsatz "Aktivierende Sozialhilfe 2006: Das Kombilohn-Modell des ifo Instituts" im ifo Schnelldienst 2/2006 auf den Seiten 6-27 entnehmen können. Aus den Diagrammen unter der Überschrift "Grenzbelastung des Bruttolohns" können Sie bei Bruttoeinkommen unter 1000 Euro ablesen, wie hoch die Transferentzugsrate in diesen Fällen ist. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zunächst muss ich Ihnen ein großes Kompliment für ihre Bücher machen! Vor allem freut mich, dass Ihre Aussagen immer on point sind und sind nicht in schwammigen Formulierungen a la "wir brauchen große sozio-ökonomische Veränderungen" verlieren. Ich war schon aus meiner Schulzeit relativ neoliberal geprägt und empfand dieses ganze keynesianische Modell streckenweise als sehr schleierhaft. Durch Ihre Arbeit kann ich das nun handfest untermauern. Je mehr ich mich in die Materie einlese, desto mehr Fragen tun sich jedoch auf. Also hier ein paar: Lohnkosten bestehen ja aus Bruttolöhnen und Lohnnebenkosten. In Ihrem Buch "Ist D. noch zu retten" stellen Sie fest, dass die Lohnkosten von 1982 bis 2002 um 38% gestiegen sind und merken an, dass auch die Bruttolöhne sehr stark gestiegen sind, nämlich um 36%. Wenn Lohnkosten nun Bruttol.+ Lohnnebenk. sind, hieße das doch, dass die Lohnnebenkosten eben um 64& gestiegen sind, also dass das (Vor)Urteil, die Lohnnebenkosten wären enorm gestiegen, entgegen Ihrer Meinung, sehr wohl zutrifft. Hierzu habe ich mir die Statistik des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln angesehen, und dort steht ja auch, dass wir die absolut höchsten Lohnzusatzkosten haben. Ihr Vorschlag, länger zu arbeiten, um die Lohnkosten zu senken, gefällt mir sehr gut. Auch die Erläuterung, warum eine Verlängerung der Arbeitszeit in der Industrie zur Mehrbeschäftigung führt, war ein wertvoller Erkenntniszuwachs. Allerdings: Die Mehrbeschäftigung tritt nur ein, wenn alle Unternehmen mehr arbeiten und so die nötige Nachfrage generieren. Hier könnte der Flächentarifvertrag ja mal sehr nüztlich sein, weil er eben für alle Unternehmen in einem Bundesland einer Branche gilt. Obwohl ich Ihre geforderten Öffnungsklauseln für richtig halt, befürchte ich, dass dann eben nur einige Unternehmen vom Flächentarifv. abweichen, um die Arbeitszeit zu verlängern, was im Schlimmstfall dann doch Arbeitsplätze kosten würde. Wie sehen Sie dieses Problem? Generell würde mich interessieren, wie es um die Gehälter im Dienstleistungssektor steht. Sind diese international wettbewerbsfähig? Letzte Frage: Bezüglich der Aktivierenden Sozialhilfe befürchte ich Missbrauch. Ich stelle mir das ungefähr so vor: AN kommt zum AG und sagt:"Ich will für 5,60€ arbeiten". AG sagt:"Für 3€ stell ich dich ein". AN sagt:"Na gut, dann halt für drei Euro, den Rest zahlt ja der Staat und die Kosten verteilen sich diffus aufs Gemeinwesen." Also ich befürchte einfach fiskalische Mehrkosten, die nicht mehr tragbar wären. Auch wenn das ulkig klingt:Wie wäre es mit einem Mindestlohn von, sagen wir, 4,50€? Mit dem könnten alle, auch die Polen leben. Ich hoffe, Sie finden ein wenig Zeit, mir meine Fragen zu beantworten. Mit freundlichen Grüßen Andreas Golle
Sehr geehrter Herr Golle, vielen Dank für Ihre Zuschrift an Prof. Sinn. Ich habe die Aufgabe übernommen, Ihnen zu antworten. Es trifft zu, dass Westdeutschland nach den Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln im Jahre 2004 die höchsten Lohnzusatzkosten hatte. Leider stimmt Ihre Berechnung der Steigerungsrate der Lohnzusatzkosten nicht. Da die Lohnzusatzkosten etwa 45% der gesamten Arbeitskosten ausmachen, ergibt sich eine Steigerungsrate der Lohnzusatzkosten von gut 40%. Nun zur Wirkung einer längeren Arbeitszeit: Derzeit ist die wöchentliche Arbeitszeit für die allermeisten Unternehmen tarifvertraglich geregelt. Für die Unternehmen bedeutet dies, dass bei Arbeitszeiten, die darüber hinausgehen, zusätzliche Kosten in Form von Überstundenzuschlägen anfallen. Bei einer verlängerten Arbeitszeit fallen solche Kosten niedriger aus, weil weniger Überstundenzuschläge zu zahlen sind. Folglich können die Unternehmen günstiger anbieten und so die Produktion ausweiten. Eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit muss in unserem institutionellen Rahmen über die Tarifverträge laufen. Da die Tarifverträge für sehr viele Unternehmen gelten, können alle diese Unternehmen die Arbeitszeitverlängerung nützen. Die nicht tariflich gebundenen Unternehmen sind ohnehin frei in der Gestaltung der Arbeitszeit, vorausgesetzt man hält sich an die gesetzlichen Vorschriften. Insgesamt ist zu erwarten, dass alle Unternehmen die Chance geringerer Arbeitskosten nicht nur zum Kostensparen, sondern auch zur Produktionsausweitung nutzen werden. Auch das reine Kostensparen ist volkswirtschaftlich sinnvoll, da es die Überlebenschancen der Unternehmen verbessert. Zu den Arbeitskosten im Dienstleistungsgewerbe: Ich beziehe mich auf die Erhebung der Arbeitskosten des Jahres 2000 durch das Europäische Statistisches Amt Eurostat, die im Jahre 2003 veröffentlicht worden ist. (Die Ergebnisse der Arbeitskostenerhebung 2004 liegen noch nicht vor.) Leider sind dort die deutschen Arbeitskosten je Stunde nicht für alle Sektoren angegeben. Im Sektor "Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und Gebrauchsgütern" jedenfalls liegt Deutschland mit 21,45 Euro nach Schweden, Dänemark und Finnland an dritter Stelle unter den dort betrachteten EU-Mitgliedstaaten. Im Sektor "Kredit- und Versicherungsgewerbe" liegt Deutschland mit 35,87 Euro nach Schweden, Luxemburg und Großbritannien an viereter Stelle. Zu Ihrer letzten Frage: Die Aktivierende Sozialhilfe verfolgt die Absicht, die Lohnstruktur nach unten zu verlängern, um vor allem den gering Qualifizierten eine echte Arbeitsmarktchance zu geben. Man sollte jenen Lohn akzeptieren, der sich für die jeweilige Qualifikation im Markt ergibt. Ein Fallen der Löhne ins Bodenlose ist nicht zu befürchten, da die Arbeitgeber um diese billigen Arbeitskräfte konkurrieren werden, auch wenn sie wissen, dass der Staat noch etwas drauflegen wird. Mindestlöhne sind kontraproduktiv, weil sie die Marktchancen der gering Qualifizierten erneut einschränken und sie dem Sozialstaat zuschieben. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Professor Sinn, zu Ihrer Antwort an Herrn Eugen habe ich eine Frage. Sie schreiben, der Lohn müsse nur soweit sinken, dass es für die Arbeitgeber wieder attraktiv wird Arbeitsplätze zu schaffen. (Wenn sich Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage die Waage halten sinkt der Lohn auch nicht weiter - basiert auf dem Say´schen Theorem, oder?) Ist nun aber nicht einfach die Frage, wenn die Binnennachfrage nicht ausreicht, wer die hergestellten Produkte kauft? Der Lohn könnte doch auch im Extremfall auf null sinken - wenn das Unternehmen nichts verkaufen kann weil es keine zusätliche Nachfrage gibt - das Unternehmen würde doch trotzdem seine Arbeitsnachfrage nicht ausweiten. Wie sehen Sie das? Viele Grüße aus Stuttgart, Fred Noetzelmann
Sehr geehrter Herr Noetzelmann, vielen Dank für Ihren Beitrag. Erlauben Sie mir, an Stelle von Prof. Sinn zu antworten. Zunächst zum Sayschen Theorem. Es beinhaltet eine andere Aussage als Sie offenbar unterstellen. Nach Jean-Baptiste Say (1767-1832) schafft sich das Angebot seine eigene Nachfrage. Da jede Ausweitung der Produktion auch eine Erhöhung der Einkommen zur Folge hat, könne das Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage langfristig nicht hinter dem Wachstum des gesamtwirtschaftlichen Angebots zurückbleiben. Kurzfristig und auf einzelnen Märkten könne es zwar zu Überangebotssituationen kommen, diese würden aber durch einsetzende Preisanpassungen abgebaut. Nun zu Ihrer Frage, ob denn die Nachfrage ausreiche die zusätzlich produzierten Güter zu kaufen. Wenn infolge niedrigerer Löhne, insbesondere für gering Qualifizierte, mehr Menschen Arbeit aufnehmen, entsteht auch mehr Arbeitseinkommen, das auf den Gütermarkt trifft. Niedrigere Löhne verbessern zunächst die Gewinnsituation der Unternehmen. Bei gegebenem Güterpreis werden nun inländische Produktionen wieder rentabel, die man zuvor im kostengünstigeren Ausland hat durchführen lassen. In diesem Fall kommt es gar nicht zu einer Angebotsausweitung. Bei verbesserter Gewinnsituation können die Unternehmen weiterhin durch etwas niedrigere Preise die Marktfähigkeit ihrer Produkte verbessern. Das zusätzliche Angebot wird folglich seine Nachfrage finden. Auch werden die Löhne nicht auf Null sinken, da niedrigere Löhne eben mehr Arbeitsnachfrage erzeugen und das Arbeitsangebot letztendlich begrenzt ist. Wichtig ist, dass niedrige Löhne nicht zu einem niedrigen, d.h. nicht ausreichenden Einkommen führen dürfen. Zentrale Idee der Aktivierenden Sozialhilfe ist, dass in diesem Fall der Staat in begrenztem Rahmen einen Zuschuss zum selbst verdienten Lohn gibt. Mit freundlichen Grüßen Dr. Robert Koll Persönlicher Berater des Präsidenten
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie mir, Ihnen meine vollste Zustimmung und Hochachtung zu Ihrem so wichtigen Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" auszusprechen. Warum können Sie nicht Arbeits- und Wirtschaftsminister der Bundesrepublik sein? Wir würden uns wünschen, dass Sie ihrem Buch über den "sozialen Wahnsinn" noch ein zweites Buch über den "beamteten Wahnsinn" in Deutschland hinzufügen. Mit freundlichen Grüßen P. Vogl
Sehr geehrter Herr Vogl, haben Sie vielen Dank für Ihre freundlichen Zeilen vom 5. Februar 2006. Ihre Zustimmung zu „Ist Deutschland noch zu retten?“ freut mich sehr. Wie Sie vielleicht wissen, habe ich meinem ersten Buch zum Thema Deutschland ein zweites folgen lassen, in dem ich die „Basar-Ökonomie“ und Deutschlands pathologischen Exportboom vertieft habe. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Siehe auch Beitrag vom 5.1.06, Anm. des Moderators) Stellungnahme zu „Ist Deutschland noch zu retten?“ H.W. Sinn Das Buch ist, wie nicht nur ich meine, die bisher solideste und konsistenteste – einsehbare - Darstellung . Soviel Lob vorneweg. Machen wir das Buch doch zu einem "Denkkern" , an dem alle mitarbeiten dürfen und sollen, die Erfahrung und Wissen zu dem Thema haben. Es sollte verbessert und geschliffen werden. So ist auch meine Kritik zu verstehen. (Lesen Sie hier die gesamte Stellungnahme)
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Ihr Buch gelesen und finde es klasse. Außerdem finde ich es großartig von Ihnen und eminent wichtig, dass Sie sich bei der Umsetzung in die Praxis selbst einbringen, denn sonst wird das nie etwas! Nun zu meinen Fragen zur Aktivierenden Sozialhilfe bzw. dem Modell der Kombilöhne: Die Arbeitgeber könnten solchen Arbeitnehmern 1-Euro-Jobs anbieten und sie damit ausbeuten, denn den Rest zahlt Vater Staat ja hinzu. Es ist aber umgekehrt angedacht, dass der Staat lediglich den fehlenden Euro/Std drauflegt, und nicht die große Lohnlast zahlt. Wie soll solch ein Missbrauch verhindert werden, etwa durch Mindestlöhne, die dann zu einer starren Lohnlinie werden? Sie haben selbst in Ihrem Buch geschrieben, dass durch staatliche Maßnahmen auch Änderungen des wirtschaftlichen Verhaltens entstehen, die zu unsinnigen Verhaltensweisen führen werden. Das ist auch hier zu befürchten. Welche Anreize sollen die Arbeitgeber bekommen, die z.Z. noch nicht vorhandenen Arbeitsplätze im unteren Lohnbereich zu schaffen? Etwa staatliche Zuschüsse für jeden geschaffenen Arbeitsplatz? Wie soll hier ein Arbeitsmarkt nach Angebot und Nachfrage ohne staatliche Eingriffe entstehen ohne Eingriffe des Staates? Es muss unbedingt verhindert werden, dass die Arbeitgeber Geld bekommen, dass sie an die Arbeitnehmer auszahlen sollen, weil das zu Betrügereien führen wird. Der Arbeitnehmer soll normal entlohnt werden, um sein Einkommen bei den staatlichen Stellen nachweisen zu müssen, damit er die noch fehlenden Euros dazu bekommt. Hier noch einmal zusammengefasst meine Fragen: Wie soll ein Arbeitnehmer einen Job für die Aktivierende Sozialhilfe finden, wenn noch keine Arbeitsplätze vorhanden sind? Wo sind die Anzreize für Arbeitgeber, solche Arbeitsplätze zu schaffen? Wie soll das alles ohne Missbrauch funktionieren und wie können unsinnige Verhaltensweisen vermieden werden? Mit freundliche Grüßen Eugen Sigmund PS: Eine Anmerkung noch zu Ihrem Buch: Sie haben über falsche wirtschaftliche Entscheidungen für Ostdeutschland geschrieben, alles richtig. Sie haben allerdings nicht erwähnt, dass die Politik unter dem Zeitdruck des politischen Überlebens von Michail Gorbatschow stand, und dass die Menschen Ostdeutschlands den Reichtum des Westens “jetzt und sofort“ haben wollten. Nur dafür waren die Ostdeutschen zur Wiedervereinigung bereit. Ein Warten auf später wäre ihnen nicht zu vermitteln gewesen.
Sehr geehrter Herr Sigmund, die Fragen beantworte ich gerne. 1.Wie soll ein Arbeitnehmer einen Job für die Aktivierende Sozialhilfe finden, wenn noch keine Arbeitsplätze vorhanden sind? Wo sind die Anreize für Arbeitgeber, solche Arbeitsplätze zu schaffen? - Die Senkung des Lohnersatzes und die Zahlung persönlicher Zuschüsse senkt die Lohnansprüche und die Lohnsätze. Bei niedrigeren Lohnsätzen wird es für die AG attraktiv, mehr Arbeitplätze zu schaffen, weil sie dann mehr Gewinne machen. 2. Wie soll das alles ohne Missbrauch funktionieren? - Der Lohn muss und wird sinken, aber nicht ins Bodenlose. Irgendwo ist er so niedrig, dass die Unternehmen sich um die Arbeitskräfte bemühen. Wenn Angebot und Nachfrage sich die Waage halten, kann der Lohn nicht noch weiter fallen. Täte er das, gäbe es eine Überschussnachfrage nach Arbeitskräften, die den Lohn wieder hochtriebe. 3. Wie können unsinnige Verhaltensweisen vermieden werden? - Indem persönliche Zuschüsse gezahlt werden, wenn das Einkommen hinreichend niedrig ist. Diese Zuschüsse sollten bis zu einem selbst verdienten Einkommen von 500 Euro nicht abgebaut werden. Alle müssen bezuschusst werden, die wenig verdienen, nicht nur die neu eingestellten. Und noch zum Zeitdruck. Sie haben Recht, man konnte nicht warten. Aber man musste die Sozialunion nicht herstellen, und vielleicht wäre auch die Währungsunion vorerst verzichtbar gewesen. Die politische und wirtschaftliche Einheit hätte man auch über eine Sonderwirtschaftszone gewährleisten können. Dann wäre uns viel Ungemach erspart worden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 24.12.05, Anm. des Moderators): Kritik der reinen Ökonomie – Sehr geehrter Herr Professor Sinn, konträr Ihrer Meinung zum Thema Kombilohnmodell vertrete ich unten definierten Standpunkt und bin unabhängig Ihrer schon in Literaturform vorhandenen Darstellung ernsthaft interessiert an Ihrer Stellungnahme. Der Kombilohn, unabhängig verschiedener Modellfavorisierungen und länderspezifischen, marktwirtschaftlichen Zielrichtungen wird dieser eine weitere negativ nachhaltige, volkswirtschaftliche und sozialethische Bilanz in Deutschland nach sich ziehen. Unabhängig der erstmal allenthalben, in allen gängigen Pressedarstellungen positiv vermeldeten verbesserten Beschäftigungslosenzahlen nach Einführung des Earned Income Tax Credit in den U.S.A und Großbritannien, man liest des öfteren von 5 Prozent, ist man doch geneigt zu hinterfragen welche Tätigkeiten vormals „vollzeitig“ waren und zuungunsten derselbigen durch „work poor“ Jobs abgelöst wurden. Das resultierende Problem bei Arbeitsaufnahme von Tätigkeiten unter Bezugnahme einer negativen Einkommensteuer unter Berücksichtung schlechter bezahlten sozialversicherungspflichtigen Tätigkeiten und der, wenn auch gering ausfallenden Mitnahmeeffekte werden dazu führen, daß weitere Lohn- und Einkommenssteuerzahlungen bei einem statistisch verbesserten Beschäftigungsgrad dem Staat wegbleiben. Der Nachhaltigkeitseffekt wird gesamtvolkswirtschaftlich betrachtet daher zu keine Mehreinstellungen führen, selbst nicht unter Berücksichtung gewollter Lohnkostensenkungen. Der dann über die staatliche Subvention erschaffene Arbeitsmarkt wird wettbewerbswirksam weitere Arbeitsbereiche, vormals tarifiert, durch gesetzlich definierten Vorteil, wider vordergründig liberaler Marktdoktrin, erfassen und deren Löhne und Gehälter nach unten drücken, was ein durchaus gewollter Sekundäraspekt der angebotsorientierten Ökonomie sein könnte. Und was man dabei nicht verschweigen sollte, de facto gibt es jetzt schon das Kombilohn-modell als EEJ – Tätigkeit in Verbindung mit Harz IV, wenn auch nur gemeinwohlorientiert. Aber selbst wenn meine hier dargelegten Thesen wider erwarten nicht zuträfen, ist der Aspekt von menschenwürdiger, existenz-sichernder Arbeit ohne von staatlicher Alimentation abhängig zu sein, ein weiterer, für einen demokratischen Rechtstaat noch elementarer Grund andere alternative integrativen Arbeitmarktformen zu etablieren. Gilt nicht auch hier der kategorische Imperativ aller Marktteilnehmenden? Und zum Ausgangspunkt der Länderbetrachtung zurückkommend, Amerika hat es im wahrsten Sinn vorgemacht, ein Drittel aller Beschäftigten leben unter der Armutsgrenze, Tendenz steigend. Mit freundlichen Grüßen Uwe Nutz
Sehr geehrter Herr Nutz, dass in Amerika die Armut so groß ist, liegt nun wahrlich nicht am Earned Income Tax Credit, sondern ganz im Gegenteil daran, dass er zu klein ist. Mehr von diesem Credit, also mehr Geld fürs Mitmachen, würde die Armut natürlich verkleinern, nicht vergrößern. Mehr Geld fürs Wegbleiben zu zahlen, wie bei uns, würde zwar auch die Armut verkleinern, würde aber die Massenarbeitslosigkeit noch weiter vergrößern. Das Absenken der Löhne und Gehälter der gering Qualifizierten ist nicht vermeidbar. Es ist natürlich kein gewollter Effekt, aber in Kauf zu nehmen, wenn man zur Vollbeschäftigung zurück will. Die Lohnsenkung wird durch die Lohnzuschüsse aufgefangen, so dass die Einkommen abgefedert werden. Die Einnahmen des Staates werden nicht fallen, sondern steigen, und zwar aus zwei Gründen. Erstens steigt das Sozialprodukt, also das Volkseinkommen, weil mehr Menschen arbeiten und Werte schaffen. Bei festen Tarifen schwemmt das dem Staat mehr Geld in die Kasse. Zweitens wird die Brutto-Einkommensverteilung ungleicher, was wegen der Progression des Einkommensteuertarifs die Steuereinnahmen des Staates erhöht. Es wäre schön, wenn es für jeden existenzsichernde Arbeit ohne staatliche Hilfen gäbe, aber leider ist das nicht so. Kein Gesetz der Welt kann das erzwingen. Wenn man Existenzsicherung erreichen will, gibt es nur zwei Möglichkeiten. a) Der Staat hilft unter der Bedingung, dass man nicht arbeitet. Dann erzeugt er Arbeitslosigkeit. b) Er hilft durch Lohnzuschüsse. Dann wird die Arbeitslosigkeit vermieden. Ohne Staatshilfe kann der Lebensstandard der gering Qualifizierten nicht gehalten werden. Das ist das Problem. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit grossem Interesse habe ich Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ gelesen, und ich hoffe, dass möglichst viele Zeitgenossen die Zeit finden, es zu lesen, und sich mit den unerträglichen Verkrustungen in unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Schwierigkeiten habe ich nur mit dem Kapitel 6 gehabt, wo Sie unter anderem auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes behandeln. Auf Seite 327 erwähnen Sie, dass 6.4 % aller Arbeitnehmer Beamte sind und dass die Zahl aller Staatsbediensteten (...) nur 12 % sei und somit mustergültig im internationalen Vergleich. Ferner wird ausgeführt, dass die Netto Beamtengehälter weit unter dem vergleichbaren Nettogehältern der Privaten Wirtschaft liegen. Nach meiner Kenntnis trifft dies jedoch nicht zu auf die BVG in Berlin, wo ein Busfahrer etwa 30% mehr verdient als bei einem privaten Busunternehmer. Auf Seite 329 wird beklagt, dass der Staat ein massives Problem hat, im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft zu bestehen und seinen bisherigen Standard bei der Qualifikation der Mitarbeiter zu halten. Sollte dies der Fall sein, so müsste man ohne wenn und aber darauf bestehen, dass das hergebrachte 200 Jahre alte Beamtenrecht ersetzt wird, durch ein modernes flexibles, leistungsorientiertes öffentliches Dienstrecht. Die Schweiz hat vor 4 Jahren das Beamtenrecht im Prinzip abgeschafft. Das war schon sehr bemerkenswert, weil ja der Schweizer Beamte schon immer einen eigenen Beitrag von 50 zu seiner Altersversorgung geleistet hat. Das Argument für die Abschaffung des Beamtenrechtes in der Schweiz lag also nicht vorrangig im Finanziellen. Der eigentliche Grund bestand in der Erkenntnis, dass es im öffentlichen Dienst wie auch in der Privatwirtschaft nicht nur tüchtige, fleissige, sondern hin und wieder auch unfähige oder unwillige Mitarbeiter gibt. Da bekanntermassen bereits ein fauler Apfel genügt um einen ganzen Korb zu infizieren, haben die Schweizer beschlossen, dass im Rahmen der nun mehr unumkehrbaren Globalisierung ein rigides, leistungsfeindliches Beamtenrecht keine Zukunft hat. Alle staatlichen Arbeitgeber sollten deshalb auch in Deutschland das Recht erhalten, sich von unfähigen oder unwilligen Mitarbeitern zu trennen. Die Bedeutung und die Ausstrahlung des heutigen Beamtensystems geht jedoch weit über den unmittelbaren Kreis der Betroffenen hinaus. Viele Verbände, die Kirchen, Krankenhäuser etc. orientieren sich am öffentlichen Dienst. Zählt man die Angehörigen dieser Verbände (...) mit zum eigentlichen öffentlichen Dienst, dann stellen diese Personen etwa 80 % der Abgeordneten in den Länderparlamenten, dem Bundestag sowie den Kommunalparlamenten , obwohl sie weniger als 20% der Bevölkerung repräsentieren. Das Deutsche Beamtenrecht kennt keinen Wettbewerb / Eigenverantwortung, vielmehr steht risikoloses Denken /Arbeiten im Vordergrund. Das von Ihnen skizzierte 6+1 Programm für den Neuanfang müsste ja auf jeden Fall von diesen Abgeordneten verabschiedet werden. Kann man denn vernünftigerweise erwarten, dass diese den nötigen Mut haben, absolut notwendige aber unpopuläre Gesetze, wie die nötige Reduzierung des Sozialhilfe bei gleichzeitiger Arbeitsverpflichtung zu verabschieden??? Ich denke, dass der Gordische Knoten für unsere Misere in der Komposition der Parlamente zu suchen ist. Deshalb sollte die Frage erlaubt sein , wie man zu einer besseren, ausgewogeneren Repräsentation in den Parlamenten kommt. Solange die Parlamente von Personengruppen dominiert werden, die in der Vergangenheit schon nicht durch politischen Mut - Tatkraft aufgefallen sind, kann man auch nicht erwarten, dass sie dies in der Zukunft tun werden. Der entscheidende nötige Impuls könnte eventuell durch eine Einführung des Mehrheitswahlrechts wie in Grossbritannien erreicht werden. Mir scheint, dass die jetzige Grosse Koalition mit ihrer verfassungsändernden Mehrheit diese Chance nutzen sollte, eine Änderung des Wahlrechtes durchzuführen Mit freundlichen Grüssen Martin Vogt
Sehr geehrter Herr Vogt, vielen Dank für Ihren Brief vom 14. Januar 2006. Ich verstehe Ihre Skepsis gegenüber den Beamten. Aber die Zahlen, die ich gebracht habe, stimmen. Wir haben tatsächlich viel weniger Staatsdiener als die meisten anderen Länder. Dass der Staat dennoch im internationalen Vergleich sehr gut funktioniert, spricht nicht dafür, dass die Staatsdiener bei uns besonders faul wären. Ich bin deshalb doch vom Grundsatz her positiver gegenüber dem Beamtentum eingestellt als Sie. Meine persönlichen Erfahrungen in Bayern haben mir zudem sehr viele positive Beispiele von Beamten gezeigt, die sich wirklich über alle Maßen für das Gemeinwesen eingesetzt haben. Und was die Gehälter betrifft, so gibt es sicher die Gegenbeispiele, die Sie erwähnen. Aber der Standardfall ist doch ein anderer. Insbesondere im gehobenen und mittleren Dienst sind die Einkommen viel niedriger als in der Privatwirtschaft. Auch im unteren Bereich ist das vielfach so. So hat die Stadt München Schwierigkeiten, Polizisten zu bekommen, weil sie mit der Wirtschaft nicht konkurrieren kann. Ich glaube, der unterschiedliche Eindruck rührt daher, dass sich die privaten Gehälter zwischen den Regionen sehr unterscheiden, doch die Beamtengehälter mehr oder weniger gleich sind. Dessen ungeachtet möchte ich auch die Beamten nicht schonen. So habe ich in dem von Ihnen zitierten Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" am Ende des Gewerkschaftskapitels eine Abschaffung des Kündigungsschutzes für Beamte gefordert, und zwar genau aus den Gründen, die Sie auch anführen. Auch stimme ich Ihnen zu, dass es nicht gut ist, wenn der Bundestag von Beamten und anderen Staatsdienern dominiert wird. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, anbei eine kleine Anfrage bzgl. eines aktuellen Handelsblatt-Artikels! Es wird derzeit in unserem Lande ja über einen evtl. Kombilohn für niedrig entlohnte Arbeiter nachgedacht. Ich sah mich dabei an Ihr Buch erinnert, indem Sie ebenfalls Zuzahlungen seitens des Staates für gering entlohnte forderten. Laut einem Statement der SPD ist nun aber dieser Kombilohn "unfinanzierbar und ökonomisch unsinnig". Stattdessen wird propagiert die SPD, "Mindestlöhne auf tariflicher oder gesetzlicher Basis festzusetzen". Insgesamt war der Artikel ziemlich negativ, d.h. kaum ein Politiker stand der "Idee" offen gegenüber. 1. Ist diese Debatte vergleichbar mit Ihrer Forderung der Lohnzuzahlungen im Buch "Ist Deutschland noch zu retten" 2. Wie stehen Sie zur aktuellen Debatte? Vielen Dank für eine Antwort. Beste Grüße Stefan K.
Sehr geehrter Herr Klaßmüller, haben Sie vielen Dank für Ihr Mail. Die Debatte kreist derzeit um verschiedene Varianten des Kombilohnmodells, von denen unser Modell eines ist. Ein anderes ist die "Magdeburger Alternative". Die Grundsätze, die dabei zu beachten sind, habe ich in einem Text dargelegt, der in Kürze bei der Wirtschaftswoche erscheinen wird. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich schreibe zur Zeit eine Facharbeit mit dem Thema: "Die 40 Stunden-Woche ein Weg aus der Arbeitlosigkeit". Ich habe mich bereits umfassend informiert, wollte jedoch fragen, ob sie einen detaillierteren Bericht über diese Problematik haben bzw. ob es die Möglichkeit gibt mir diesen zukommen zu lassen. Mit freundlichen Grüssen Tomas Wirth
Sehr geehrter Herr Wirth, ja, zu dem Thema haben wir eine ausführliche Analyse im Jahresheft der European Economic Advisory Group at CESifo 2005. Das finden Sie auf der CESifo Homepage (www.cesifo.de) unter dem Icon "EEAG". Ferner habe ich das Thema breit im zweiten Kapitel meines Buches "Ist Deutschland noch zu retten?" behandelt. Das finden Sie in jeder Buchhandlung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, momentan läuft ja eine ganz heftige Diskussion um ihr Kombilohnmodell. Die Union hat es endlich aktiv eingebracht mit konkreten Umsetzungsvorschlägen! Nur sofort kommt wieder massiver Widerstand, nur leider nicht nur von den ohnehin destruktiven Gewerkschaften sondern auch die viele Wissenschaftler (z. B. Prof. Peffekoven) geben große Bedenken an. Es würde Milliarden kosten und auf dem Arbeitsmarkt kaum etwas bewegen. Aber Sie haben doch bereits in Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" sehr überzeugend dargelegt das ein Kombilohnmodell Kostenneutral wäre. Vereinfacht gesagt lieber Arbeit als Arbeitlosigkeit finanzieren. Können Sie sich nicht öffentlich ganz massiv gegen die Einwände einsetzen? Desweiteren würde mich interessieren wie Sie die Wirtschaftspolitische Arbeit der großen Koalition bisher beurteilen. Ich persönlich habe mich im Wahlkampf immer für Schwarz/Gelb ausgesprochen! Ausserdem wollte ich wissen ob Sie wie ich auch Mitglied Der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft sind. (...) MFG Ihr Anhänger Francesco Güssow
Sehr geehrter Herr Güssow, ich kenne die Stellungnahme von Herrn Kollegen Peffekoven nicht und wüßte auch nicht, dass er zu dem Thema schon einmal wissenschaftlich gearbeitet hätte. Die Beurteilung der Regierungsarbeit ist zu diesem Zeitpunkt schwierig. Man muss ihr Zeit geben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eig. Beitrag vom 2.1.06, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Sinn, die besondere Einfachheit der Aktivierenden Sozialhilfe kann ich nicht erkennen. Ich stelle mir vor, dass es bei mehreren solcher Arbeitsverhältnisse recht kompliziert zugehen kann. Bei Harz-, Sozialhilfe etc ist es doch ein Problem, dass die ersten dazuverdienten € fast kein zusätzliches Einkommen bringen. Bei 50/50 erhält jeder 50% sofort. Zu den 50/50-Jobs, wie ich diese unten beschrieben habe: Gerecht sind diese, weil am Jahresende alle Einkünfte der Person zusammengenommen werden und die Abgaben von einer Zentralen Stelle, die noch zu schaffen ist, errechnet werden. Also keine Subventionierung! Die Förderung geschieht durch die Auszahlung von Sozialhilfe -Harz 4 etc. Ab dem ersten €uro, der dazuverdient wird, wird diese Förderung zurückgezahlt, indem es solange keine "Rückvergütung " aus den zentral eingenommenen 50% gibt, bis sich ein Guthaben über die erhaltene Förderung hinaus ergeben würde. Gleichzeitig erhält die Person die ersten 50% voll und verbessert dadurch sein Einkommen. Die Arbeit wird dadurch billiger, weil dieser Lohn nach unten allein durch den Wettbewerb begrenzt ist. Sobald ein günstigeres Angebot vorliegt, wird gewechselt. Auch Zuverlässigkeit hat Ihren Wert. Ich wäre gern bereit solche Dienstleistungen unter diesen einfachen Bedingungen nachzufragen. Vielen Dank für Ihr kritisches Interesse und mit freundlichen Grüssen Thomas Götz
Sehr geehrter Herr Götz, was Sie beschreiben ist ziemlich genau die Aktivierende Sozialhilfe. Jedenfall ist die Aktivierende Sozialhilfe eine negative Einkommensteuer, wo alle Einkünfte deklariert werden und automatisch eine Zuzahlung entsteht, wenn sie zu niedrig sind. Insofern sind Mehrfach-Arbeitsverhältnisse kein Problem. Sie scheinen etwas anderes unter der Aktivierenden Sozialhilfe zu verstehen als das ifo Institut, das dieses Konzept entwickelt hat. Wenn Sie unser Konzept interessiert, so werden Sie auf unserer Website www.ifo.de (unter Politikdebatte -> ifo Spezialthemen) fündig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Buch - Ist Deutschland noch zu retten? - habe ich mit großem Interesse und Zustimmung gelesen. Bei dem Thema Kombilöhne und auch bei der "aktivierenden Sozialhilfe des IFO - Instituts" fehlt die Einfachheit. Ich glaube sicher, dass die ganzen Subventionen, bei denen Steuern und/oder Sozialabgaben erlassen oder teilweise je nach Personenkreis reduziert werden, die gewünschte Dynamik und Einnahmen nicht hervorbringen können. Es ist unsinnig, einem gutverdienenden Erwerbstätigen seinen Zusatzverdienst im Minijob nicht zu versteuern. Es ist nur sehr schwer möglich für einen Arbeitgeber zu prüfen, ob der Minijober noch andere Einkünfte hat. Die Putzfrau via Haushaltsscheck anzumelden, ist nicht einfach genug und auch nicht wirklich eingefordert. Über die Entscheidung der Bundesregierung , die 1 € Jobs abzuschaffen kann man nur froh sein. Weitere Hindernisse sehe ich bei der 400 € und 800 € Grenze für "kleinere" Arbeitsverhältnisse. Mit dem Wunsch, einige Arbeitsverhältnisse zu subventionieren, wurde eine bürokratische Struktur geschaffen, die auch jetzt noch reguläre Arbeitsverhältnisse vernichtet, weil diese auch für den Arbeitgeber günstiger sind. Eine Gleichbehandlung ist nur gegeben, wenn jedes Arbeitsverhältnis aus Lohn plus Abgaben her gesehen vergleichbar ist. Im Baugewerbe betragen z. B. die Sozialkosten für den Arbeitgeber 100% des Bruttolohns, der Arbeiter kostet 200% und erhält knapp 65%. Hier mein Vorschlag: Ab dem ersten € jeder Vergütung, die bei nicht-regulären Arbeitsverhältnissen augezahlt wird, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den gleichen Betrag an eine zentrale Erfassungsstelle zu überweisen, welche das Geld für vollständige Begleichung aller Sozialkosten ( AG + AN-Anteile) wie Krankenversicherung-Rentenversicherug-Pflegerversicheung-Unfallversicherungen etc., sowie Urlaubsvergütung, Lohnsteuer und ein Reservebetrag auf ein persönliches Konto gutschreibt. Am Jahresende werden Sozialversicherungen (AN+AG) und Lohnsteuerbeträge abgerechnet und alle überschüssige Beträge an den Arbeitnehmer ausgezahlt. Dieses Vorgehen hat Vorteile: Beliebig viele dieser Arbeitsverhältnisse können voneinander unabhängig und unbürokratisch aufgenommen werden. Da überwiegend eine Rückzahlung an den AN erfogt, hat dieser ein Interesse an Transparenz und Vollständigkeit. Ab den ersten €uros werden Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. - auch bei kleinen Beträgen. Wenn vor Arbeitsantritt eine Vereinbarung über die Vergütungshöhe schriftlich abzuschliessen und an die Erfassungsstelle zu schicken Pflicht ist, kann Schwarzarbeit sehr einfach festgestellt werden. Mit der Massgabe, dass eine Jahresrückvergütung vollständig mit erhaltenen Sozialleistungen oder Renten verrechnet wird, können diese Arbeitsverhältnisse ohne besondere Auflagen auch von Harz 4- und Sozialhilfeempfängern und Rentnern aufgenommen werden. Diese Regelung ist einfach in allen Medien zu bewerben. Nebenbei: Die Unterstützung arbeitsfähiger Leistungsempfänger ohne zu versorgende/pflegende Angehörige ist stark zu reduzieren. Systematische Umgehung dieser Regelungen ist empfindlich zu bestrafen. Natürlich wird der 400€ Arbeiter jetzt nicht mehr 400€ in die Tasche erhalten, sondern unter Anrechnung der 20% Lohnsteuer nur etwa 240€ Bar und 240€ auf sein Verrechnungskonto. Das macht im ersten Moment unzufrieden, aber wenn es weder für den AN noch für den AG eine andere Möglichkeit außer einer regulären Beschäftigung gibt, erwarte ich eine sehr hohe Flexibilität und Dynamik. Wem die Beträge am Existenzminimum fehlen, hat dieses schon durch Sozialhilfe oder Harz-4 erhalten. Alle anderen bezahlen nur die gerechten Abgaben und geben für die Einfachheit einen Kredit. Wer erfolgreich ist in diesen 50% / 50% Jobs hat sich irgendwann arrangiert oder sucht eine reguläre Anstellung. Bei Interesse stehe ich Ihnen oder einem Ihrer Mitarbeiter gern für Erläuterungen zur Verfügung. Auch für Kritik bin ich dankbar. Mit freundlichen Grüßen Thomas Götz
Sehr geehrter Herr Götz, haben Sie vielen Dank für Ihren Vorschlag, den wir gerne ins Internet stellen. Ich möchte nur in zwei Punkten widersprechen. Die Aktivierende Sozialhilfe zeichnet sich durch besondere Einfachheit aus, weil sie eine negative Einkommensteuer ist, die in das bestehende System der Einkommensbestuerung integriert werden kann. In dieser Integration liegt auch ein Gerechtigkeitsvorteil, denn man muss alle Einkünfte einer Person zusammennehmen, um entscheiden zu können, ob sie gefördert werden kann oder nicht. Ihr Vorschlag sieht gar keine Förderung von Geringverdienern vor. Damit kann er das zentrale Problem des Arbeitsmarktes nicht lösen, das darin besteht, dass gering Qualifizierte zu teuer sind, als dass sie alle beschäftigt werden könnten. Man muss sie billiger machen. Damit das kein soziales Problem aufwirft, muss man ihnen zusätzliches Einkommen vom Staat hinzuzahlen. In der Politik kommt unter dem Namen Kombilohn ja nun einiges in Bewegung. Sehen wir einmal, was daraus wird. Mit den besten Grüßen zum neuen Jahr bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, nachdem ich unter anderem auch Ihre Bücher gelesen habe und mich allgemein mit der Volkswirtschaftslehre beschäftige, komme ich nicht umhin Ihre Thesen und Theorien, unabhängig gängiger mehrheitlich neokonservativer derzeitiger Liberalismusprägungen als falsch zu deklarieren und behaupte das Meldungen wie soeben vernommen: "USA: Hunger und Obdachlosigkeit nehmen zu. Die Armut ist in vielen amerikanischen Städten auf dem Vormarsch, u.s.w... die zwangsnotwendige Konsequenz der Logik reiner angebotssorientierten Marktinteressen aufgrund fehlenden Deregulierungsmechanismen eines "Keynes" beinhaltet. Mit nachdenklichen Grüßen und besinnliches Fest Uwe Nutz
Sehr geehrter Herr Nutz, Ihre Äußerungen verstehe ich nicht, denn der aktivierende Sozialstaat, den ich vorschlage, erhöht ja die Einkommen der Geringverdiener. Sie unterstellen aber eine Senkung. Außerdem unterstellen Sie mir fälschlicherweise, ich wolle die amerikanischen Verhältnisse in Europa einführen. Irgendwie scheinen Sie mich grundlegend misszuverstehen. Da Sie Ihre Meinung nicht weiter begründen, weiß ich auch nicht, wie ich Ihnen meinen Ansatz besser erklären könnte, als es in meinen Büchern geschah. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Dr. Sinn, seit Jahren beobachte ich Ihre mediale Auftritte. Mir fällt auf, dass Sie bei all Ihren Spartipps nie die eigene Kaste der beamteten Professoren behandeln. Glauben Sie wirklich, diese müssen unkündbar sein? Vergleichen Sie doch mal die Gehälter deutscher Staatsdiener mit Ihren Kollegen im Rest der Welt. Von der Unkündbarkeit mal ganz abgesehen. Wieso sollen auf dem Arbeitsamt Beamte sitzen? Dies, so werden Sie sicher antworten, wird heute nicht mehr gemacht. Alleine aber die Tatsache, dass auf Sozialbehörden verbeamtet wird, ist ein unglaublicher Skandal, zumal man sich bei Änderungen in der Struktur doch so gerne auf Staaten wie England, Schweden usw. beruft. Dies soll eine normale und freundliche Nachfrage sein. Meine Position ist: Abschaffung aller Beamter - wie in der Schweiz. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen Mario Ribezzo
Sehr geehrter Herr Ribezzo, da sehen Sie, wie man sich täuschen kann. In meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" fordere ich im Gewerkschaftskapitel die Aufhebung des Beamtenstatus und die Abschaffung des Kündigungsschutztes für Staatsdiener. Das hat Oskar Lafontaine vor der versammelten Presse lobend hervorgehoben, als er mein Buch im Herbst 2003 vorstellte. Mit freundlichem Gruß zum bevorstehenden Weihnachtsfest bin ich Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie weisen in Ihrem Buch ("Ist Deutschland noch zu retten?") mehrfach und zurecht darauf hin, dass das bedrückende Insolvenzgeschehen letztlich Ausdruck tiefgreifender struktureller - eben nicht konjunktureller - Probleme des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist. Mit der Anlage ubermittele ich - neben der aktuellen Presseerklärung 12/05 (PDF) - einige Daten über das (auch längerfristige) Insolvenzgeschehen (PDF), die das wohl auch belegen. Der volkswirtschaftliche Schadensverlauf aus Insolvenzen ist jedenfalls immens und weiter leider ungebrochen. Mit freundlichen Grüßen Dr. Volker E. Reich
Sehr geehrter Herr Reich, haben Sie vielen Dank für die Zahlen zum Insolvenzgeschehen. Sie sind bedrückend. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, seit ich vor einem Jahr ihr Buch (Ist Deutschland noch zu retten?) gekauft und dann gelesen habe, hat sich mein Leben sehr verändert. Sie beschreiben so verständlich, woran es bei uns krankt, aber nicht nur das, sie zeigen auch Wege auf, wie der Grosstanker Deutschland wieder auf den richtigen Kurs gebracht werden kann. Dazuhin geben Sie mir als dreifacher Mutter das gute Gefühl, dass ich gegenüber unserer Gesellschaft durch meine Erziehungsarbeit durchaus Rechte und Ansprüche erworben habe, die mir bisher in jeder Beziehung verweigert werden. (ideell und finanziell) In vielen Diskussionen fühle ich mich seither bestärkt, laut für unsere Rechte als Familie einzutreten und zu kämpfen. Privat und öffentlich. Ihr Buch habe ich schon oft verschenkt und werde ich weiter an Freunde weiterschenken, weil es Mut macht, Mut zu Veränderungen. Dazuhin haben wir zusammen mit anderen mehrfachen Müttern eine "Bildungs - und Familienpolitische Initiative" (IFEB) gegründet, weil wir nicht schweigen dürfen. Ihnen wünsche ich alles Gute für ihre weitere Arbeit und uns allen, unseren Kindern, einen echten Durchbruch für die Zukunft. Die deutsche Liga für das Kind kämpft ja auch seit vielen Jahren für diesselbe Sache, ebenso wie auch der DHB (Bund deutscher Hausfrauen). Aber Sie, sehr geehrter Herr Professor, haben mehr politisches Gewicht, und heute las ich in der FAZ, dass Sie in einer Kommission der Bosch-Stiftung mit bekannten Experten ganz klare Worte zur Familienpolitik gesprochen haben. (...) Mit freundlichen Grüssen und besten Wünschen für ein Frohes Fest und alles Gute im Neuen Jahr Ihre Ute Nick Familymanagerin und Pharmazeutin
Sehr geehrte Frau Nick, vielen Dank für Ihren freundlichen Brief. Ich wünsche Ihrer Initiative viel Glück. Auch Ihnen frohe Weihnachten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, einen ganz herzlichen Dank für das o.a. Buch ("Ist Deutschland noch zu retten?", Anm. des Moderators)! Warum? 1. Bei vielen Diskussionen und Artikeln hatte ich den Eindruck gewonnen, dass die Ökonomie von einer - wenigstens halbwegs den Namen zu recht beanspruchenden - Wissenschaft weit entfernt sei: Während die eine Seite sagt Löhne runter, ruft die andere Löhne rauf! Die Binnennachfrage..!!! Zu dieser Diskussion haben Sie in einer für mich nachvollziearen Weise Ihre Argumente abgegeben und die Hoffnung auf die Lösbarkeit unserer Probleme wiederbelebt. 2. Es ist für mich (geb. 1942, Dipl. Ing. Stadtplaner), beeinflusst durch das Sozialstaatmodell, gewissermaßen ein Grundkurs in sozialer Marktwirtschaft, der mir - und sicher vielen anderen - in dieser "runden" Form gefehlt hat. 3. Sie bestätigen aus der Praxis gewonnene Einsichten, dass nicht das Ziel einer sozialen Gesellschaft, aber viele Gesetze dazu falsch sind, weil sie nicht die ökonomischen Zusammenhänge berücksichtigen und, teilweise sogar, widersinnig, aus handwerkichen Mängeln entstanden sind. Stichworte: Lohnersatzleistungen, "Eiger Nordwand"..., in den letzten Wochen: Hartz IV-Katastrophe. 4. Sie zeigen auf, dass wesentliche Änderungen mit -objektiv - verhältnismäßig kleinen, an sich jedem einsichtigen, Korrekturen möglich sind. (Beispiel: Lohnergänzungs- statt Lohnersatzleistungen, dem stimmt doch jeder Laie zu, weil es logisch ist und weil er weiß und nachvollziehbar findet, dass man ausgeruht noch gut schwarz arbeiten kann). Ergebnis: Der Markt kann vieles besser als Gesetzgeber und Behörden. Wenn diese Erkenntnis Platz griffe, statt immer neuen Propheten zu trauen, die wieder ein neues Modell "zwischen Kapitalismus und Sozialismus " erfinden, wäre allem Anschein nach schon viel geholfen. Also: Kompliment und vielen Dank Hochachtungsvoll Helmut Lambert PS: Es war mir übrigens ein Genuss vor einigen Monaten Ihr Gespräch mit Herrn Siegloch auf der Bühler Höhe (?) bei Phönix (?) zu verfolgen, weil Sie Ihre Gedanken entwickeln konnten und nicht nach dem 3. Wort schon von Gegenargumenten unterbrochen wurden. Leider kommt so etwas selten. Wie überhaupt die Medien am mangelhaften Verständnis der Öffentlichkeit für Wirtschaft eine beträchtliche Verantwortung tragen.
Sehr geehrter Herr Lambert, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief. Es freut mich, dass Ihnen mein Buch gefallen hat. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, obwohl ich nichts von (Volks-)Wirtschaft verstehe und weit davon entfernt bin, das komplexe Zusammenspiel politischer Kräfte zu durchschauen, hat mich Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten" tief beeindruckt. Mit einer allgemeinverständlichen Sprache (soweit dies der Stoff zulässt) und ohne überflüssige Polemik reden Sie Tacheles und Klartext und machen dabei auf eine glaubhafte und überzeugende Art Zusammenhänge klar, die nicht unbedingt jeder Otto-Normal-Wähler durchschaut. Die bisherige Lektüre Ihres Buches (bin gerade auf Seite 335) hat meine politische Perspektive grundlegend in Frage gestellt. Bereits nach den ersten 100 Seiten hatte ich den Eindruck, dass dieses Buch einen spürbaren politischen Wandel in weiten Teilen der Bevölkerung bewirken könnte, sofern es denn von möglichst vielen Menschen gelesen würde. Doch da liegt das Problem. Auf Seite 335 schreiben Sie: "Jedenfalls müssen diejenigen, die dieses Buch verstehen, alles daran setzen, die anderen aufzuklären" usw. Zwischen "einigermaßen Verstehen" und "es anderen Vermitteln" klafft vermutlich nicht nur bei mir eine große Lücke. Und dass eine breite Öffentlichkeit ein Buch mit fast 600 Seiten liest, ist auch eher unwahrscheinlich. Was m.E. notwendig wäre, ist ein Exzerpt in Heftform, das von jedem Kapitel die Kernaussage in für die breite Masse allgemeinverständlicher und komprimierter Form wiedergibt. Ein solches Heft erreicht, denke ich, mehr Leser und macht auch neugierig auf die 600 Seiten. Bei einem akzeptablen Preis würde ich sogar etliche Exemplare kaufen und als Standard-Geschenk verwenden. Die einzelnen Kapitel könnten auch ganz plakativ mit Aufhängern übertitelt werden wie: "Warum ein Rückbau des Sozialstaates nötig ist" oder "Warum wir vor der Globalisierung keine Angst haben brauchen" oder "Warum durch weniger Kündigungsschutz Ihr Arbeitsplatz sicherer wird" usw. usw. Um es kurz zu machen: Dieses Heft wäre eine Ausgabe Ihres Buches für die (lesefaule) breite Masse. Wünsche Ihnen weiterhin viel Gehör MfG Ein Otto-Normal-Wähler
Seht geehrter Herr L., es freut mich, dass Ihnen mein Buch gefällt. Aber die Broschüre müsste jemand anderes machen, der sich im übrigen auch um die Kosten des Projekts kümmert. Das ist leichter gesagt als getan. Immerhin habe ich eine Fernsehserie für die Volkshochschule und Bayern Alpha aus dem Projekt gemacht. Die DVD wurde an über 400 bayerische Schulen verteilt. Diese Sendungen können Sie sich auf der ifo-Website (http://www.cesifo-group.de/link/30BRALPHA) ansehen. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Begeisterung habe ich Ihre sehr überzeugenden Ausführungen in "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen. Besonders interessant fand ich es zu sehen, dass der Zug noch nicht abgefahren ist, wenn wir nur endlich damit anfangen, entschlossene und mutige Reformen auf den Weg zu bringen. Leider bin ich aber nicht sehr optimistisch, dass das geschehen wird. Sie betonen häufig, dass viele Deutsche nicht verstehen, dass die notwendigen Reformen letztlich zu einer Besserstellung aller führen, weshalb ihnen der gesellschaftliche Rückhalt fehlt. In meinem Bekanntenkreis habe ich die schockierende Erfahrung gemacht, dass erstaunlich viele Leute eine Besserstellung aller kategorisch ablehnen, sobald diese nicht absolut egalitär erfolgt - wobei die Gleichheits- und Gerechtigkeitsprinzipien einer absolut egalitären Besserstellung noch zu definieren wären. Insofern muss man sich schon die Frage stellen, ob Wachstum, Fortschritt und Arbeit in Deutschland wirklich gewollt werden, oder ob die nötigen Opfer und Einschnitte nicht an den mentalen Einstellungen einer Mehrheit scheitern. Vielleicht hilft es ein bisschen, wenn demnächst so mancher in meinem Bekanntenkreis Ihr Buch zum Geburtstag geschenkt bekommt. ;-) Hinzu kommt, dass "sozial" für viele bereits selbstverständlich bedeutet, dass Vermögendere im Notfall für das Wohlergehen der Ärmeren zu sorgen haben, unabhängig von Leistungsaspekten. Zweifelsohne halte ich Ihre Definition von "sozial", im Sinne eines "Geben und Nehmens" für die gelungenere, die wirtschaftlich erfolgversprechendere und die ethisch einzig akzeptable. Mann könnte sich geradezu zu dem Schlagwort hinreißen lassen: Sozial ist, was SINN MACHT. (...) Mit freundlichen Grüßen Michael Vogler
Sehr geehrter Herr Vogler, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Was die Präferenzen der Deutschen betrifft, haben Sie wohl Recht. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr wichtiges Buch müsste in jeder Schule besprochen werden bevor die Schüler ins Arbeitsleben entlassen werden, denn klarer kann man ja wohl kaum volkswirtschaftliche Zusammenhänge am Fallbeispiel Deutschland erklären. Gestatten Sie mir bitte die folgenden vier kritischen Anmerkungen, die ich allerdings nur zum Thema Steuern habe. ( Anm. des Moderators: den kompletten Text finden Sie hier: Usselmann.pdf ) Mit freundlichen Gruessen Matthias Usselmann
Sehr geehrter Herr Usselmann, vielen Dank für Ihre drei Briefe und Ihre Komplimente zu meinem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?". Ich werde versuchen, auf alle Ihre Anmerkungen einzugehen. In Ihrem ersten Brief gehen Sie zunächst (1) auf die Kapitalertragsbesteuerung ein. ( Anm. des Moderators: den kompletten Text finden Sie hier: Usselmann Antwort HWS.pdf ) Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. ich möchte mich sehr für Ihre Rede vor dem Industrieclub Thüringen bedanken. Ihre Aussagen decken sich mit den Überlegungen, die ich in Diskussionen seit langem vertrete. Endlich ist es mir möglich, diese Aussagen mit wissenschaftlichen Daten zu beseelen. Ich teile Ihre Meinung, dass es in Deutschland ein Erkenntnisproblem gibt. Es ist schon sehr bedauerlich, erkennen zu müssen, wie klar umrissen die Probleme bereits aufbereitet sind und Lösungen gleich mitgeliefert werden - jedoch es an Gehör der breiten Masse (und der Politik) fehlt. Damit wird genau das zum Hauptproblem. Ich danke Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz, die Problematik zu addressieren. Mit meinen bescheidenen Mitteln will ich Sie gerne unterstützen. Mit den allerbesten Grüßen aus Erfurt Ralph Gimbel
Sehr geehrter Herr Gimbel, vielen Dank für die freundlichen Worte und die Unterstützung. Werden Sie Mitglied im ifo Institut, wenn Sie mich unterstützen wollen. (http://www.cesifo-group.de/link/70IFOMEMBER) Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Werter Herr Prof. Sinn, angeregt durch Ihr „Kamingespräch" im Sender Phoenix habe ich mir Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?" besorgt und es gelesen, nahezu verschlungen. Ich bin Ärztin, komme zwar aus den Neuen Bundesländern, bin aber vom Fiasko der allgemeinen wirtschaftlichen Krise nicht so unmittelbar betroffen. Aber ich muss sagen, dass ich zum ersten Mal in anschaulicher Form Antworten auf eine Vielzahl meiner Fragen gefunden habe – und ich habe mich auch dementsprechend nicht ausreichend damit beschäftigt! Ich möchte Ihnen danken für Ihr Buch und hoffe, dass es auch eine genügend breite Öffentlichkeit erreicht! Leider wird es wohl gerade zum Verständnis der breiten Massen, die das Gros der Wählerschaft stellen und auch besonders von der jetzigen Misere sowie erforderlichen Reformen betroffen sind, nicht genügend beitragen können, da es von dieser Personengruppe nicht gelesen wird. Aber dennoch glaube ich, dass es bei einem großen Personenkreis eine einschlagende Wirkung haben wird - ich schließe jetzt von mir auf andere – schließlich bin auch ich trotz „gewisser“ politischer Vorbildung gerade auf Ihrem Gebeit sehr unbedarft! Als kleines Dankeschön übersende ich Ihnen eine CD, die ein guter Freund aufgenommen hat, aus aktuell politischem Anlass, selbst komponiert und abgemischt... Er ist Osterreicher, Architekt, und als Selbständiger ca. 20 Std. täglich beschäftigt. Im Vergleich zu mir verfügt er über exzellente Kenntnisse in der Politik, besonders Ökonomie / Marktwirtschaft, und hat leider keine rechte Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung, die Musik. Das aus diesem Grund „nebenbei" entstandene Lied war als ein Scherzsong gedacht (…) Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Energie und Schaffenskraft und verbleibe mit freundlichen Grüßen! Ina Kolev Link zum Song: link
Sehr geehrte Frau Kolev, haben Sie vielen Dank für die Zusendung des Steuersongs und Ihre freundlichen Zeilen zu meinem Buch. Über beides habe ich mich sehr gefreut. Bitte richten Sie Herrn Strobl meine Anerkennung für seinen „Steuersong“ aus. Ich wünsche ihm damit einen guten Erfolg . Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, das Wahlergebnis hat mich einigermaßen erschüttert. Man kann nur hoffen, dass die Koalition, die sich jetzt zusammenfindet - egal, welche Farben immer sie haben wird - sich auf weitere Reformen einigen kann. Leider gibt es, in welcher Konstellation auch immer, sehr viele Bremser, die gewisse Wahrheiten nicht sehen wollen oder nicht sehen dürfen. Wenn wir nicht schnellstmöglich zu Veränderung am Arbeitsmarkt, z.B. in Richtung auf die von Ihnen erwähnte "aktivierende Sozialhilfe", kommen, wird sich die Arbeitslosigkeit weiter erhöhen. Die von der SPD propagierte Nachfrage-Politik wird den negativen Effekt noch verstärken. Ebenso die wohl geplante Einführung eines Mindestlohnes. Man kann im Prinzip nur hoffen, dass die CDU hart bleibt, was allerdings in einer Koalition mit Rot oder Grün nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich ist. Mit besten Grüßen Dr. Günter M. Schulte, Hannover
Sehr geehrter Herr Schulte, ich teile Ihre Meinung. Die Deutschen haben ein riesiges Erkenntnisproblem. Sie wiegen sich in der Illusion, dass politischer Stillstand auch Stillstand bei den Konkurrenten der deutschen Arbeiter in den Niedriglohnländern dieser Welt bedeutet. Das ist ein gefährlicher Irrglaube. Nur der Wandel der politischen Verhältnisse kann helfen, den Lebensstandard zu verteidigen. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn ich habe mit Begeisterung Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten" gelesen. Es hat mich gefreut, daß Sie viele Zusammenhänge auch für ökonomische Laien verständlich schildern. Nur als Landwirt (ich bewirtschafte seit 8 Jahren den Betrieb meiner Eltern) mußte ich feststellen, daß Sie sich mit dem Agrarbereich bisher noch nicht sehr eingehend beschäftigt haben. Nicht zuletzt aufgrund der letzten Reform der unzähligen Agrarreformen und deren bürokratischen Folgen, wird vor allem unter den jungen Landwirten der Ruf nach einer Abschaffung der Agrarsubventionen immer lauter. Auch ich habe bisher diese Forderung vertreten. Nur nach der Lektüre Ihrese Buches ist mir klar geworden, daß das Derzeit nicht möglich ist. Denn der Staat (Land, Bund, EU) greift in vielen bisher unbeachteten Bereichen in die Produktionskosten der landwirtschaftlichen Betriebe negativ ein. Zwar spielt der Faktor Arbeit bei den wenigen und vergleichsweise gering bezahlten Fremdarbeitskräften in der Landwirtschaft eine geringe Rolle. Aber bei dem begrenztem Produktionsfaktor Boden sieht das schon völlig anders aus. Im Durchschnitt sind über fünfzig Prozent des Bodens gepachtet. Mit der Folge, daß sich Änderungen am Boden- oder Pachtmarkt sehr schnell als Produtionskosten auf die landwirtschaftlichen Betriebe auswirken. In diesen Markt greift der Staat auf vielflätige Weise ein. Bauland erzielt sicherlich die höchsten Preise, aber für jedem Hektar Bauland müssen zwei bis vier Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Biotope und Naturschutzflächen umgewandelt werden, um die gesetzlichen Auflagen für den Eingriff in die Natur durch die Baumaßnahme auszugleichen. Durch die Koppelung der Viehhaltung an die Fläche des landwirtschaftlichen Betriebes, versucht die Politik die Viehhaltung quasi zu kontigentieren. Der Produktionsfaktor Boden ist so gerade in viehstarken Regionen zusätzlich zu einem Produktionsrecht für die Viehhaltung geworden. Dieses Produktionsrecht wird durch weitere Verschärfungen (weniger Tiere oder Dünger je Hektar usw.) noch knapper und somit wertvoller und teuer. Politische Maßnahmen die den Strukturwandel künstlich aufhalten sollen (der Landwirt bekommt Geld dafür den Aufwuchs seiner Fläche jährlich einmal kleinzuschlegeln, anstatt sie seinem Berufskollegen zu verpachten) tun ihr Übriges. Mit der Folge der Preis für den Faktor Boden kann nicht unter die Prämie abzüglich minimaler Bewirtschaftungskosten fallen. Da vor allem im Umwelt- und Ökologiebreich viele Prämienprogramme kombiniert werden können, ( wenn ich z.B. den Aufwuchs nur kleinschlegele, brauche ich nicht zu düngen und erfülle automatisch die Vorgaben für den ökologischen Landbau und kann dann auch die entsprechende Prämie dafür noch zusätzlich bekommen) betragen die Kosten für den Boden teilweise ein vielfaches dessen, was darauf erwirtschaftet werden kann. Dieses sind nur einige Beispiele, die aber leider in der Diskussion um die Föderung der Landwirtschaft vielfach ausser acht gelassen werden. Internationale Betriebsvergleiche von landwirtschaftlichen Betrieben zeigen vor allem beim Produktionsfaktor Boden die größten Unterschiede. Soweit einige wenige Gedanken von mir zum Thema. Meine große Sorge ist das weitere "Reformen" nur zu einer "Verschlimmbesserung" führen. Ich würde mich aber über eine weitere Diskussion freuen. Mit freundlichen Grüßen Klaus Schonlau
Sehr geehrter Herr Schonlau, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief. Ich bin leider kein Experte in Sachen Landwirtschaft, aber was Sie schreiben, ist interessant. Ich darf Sie auf ein gerade veröffentlichtes Interview des ifo-Forschers Manfred Schöpe hinweisen, das Sie interessieren wird: http://www.cesifo-group.de/link/_echointerv/ifointerview-DieWelt-12-09-05.htm Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, vielen Dank - Sie sprechen mit Ihren klaren, logischen Aussagen vielen Kommilitonen und mir aus dem Herzen ! Es ist einfach unglaublich, dass es in unserer Gesellschaft nicht wenigstens einen marktwirtschaftlichen Grundnenner gibt und sogar die führenden Meinungsmacher einfachsten Zusammenhängen widersprechen bzw. diese nicht unterstützen. Vielleicht werden "wir" es nicht schaffen, dass Deutschland einen umfassenden Prozess der Gesundung erlebt und als Konsequenz diesem Land den Rücken zukehren, aber letztlich ist es schmerzlich anzusehen. Mit dieser E-Mail möchte ich mich bei Ihnen bedanken, weil Sie eine Person in der Öffentlichkeit sind, in der ich mich mit meinen sozial und volkswirtschaftlich motivierten Gedanken wiederfinde. Beste Grüße, Frank Becker, Universität Mannheim
Sehr geehrter Herr Becker, vielen Dank für die Ermunterung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als Schüler eines Gymnasiums in der 13. Jahrgangsstufe bin ich vor allem im vergangenen Schuljahr im Politikunterricht mit den Problemen um die deutsche Wirtschaft und unsere Sozialversicherungssysteme in Kontakt gekommen. Jedoch wurde mir schnell klar, auf welcher Inkompetenz beruhend auch seitens meiner Lehrer die Diskussionen und Zustandsbeschreibungen um diese Themen geführt wurden. Ohne vorher wirklicher Grundlagen belehrt worden zu sein, erwartete man von uns Schülern Lösungsansätze zu erbringen und deren Auswirkungen einzuschätzen. Im Bewusstsein, diesen Forderungen auf Grund mangelnder Fachkenntnisse nicht nachkommen zu können habe ich angefangen, mich bezüglich dieser Themen eingehender zu informieren, als das in der Schule möglich war. Auf der Suche nach geeigneten Informationsquellen wurde ich in verschiedenen Talkshows auf Sie und ihre glasklaren und fundierten Argumentationen aufmerksam, was dazu führte, dass ich wenige Tage später Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" in der Hand hielt. Nun, da ich es gelesen habe, kann ich endlich von mir behaupten über aktuelle Zustände und eventuelle Lösungen anständig informiert zu sein und mir eine Meinung bilden zu können. Des Weiteren wird mir nun klar, welch Unsinn da in der Schule in die Köpfe derer gesetzt wird, die sich nicht besser zu informieren wissen. Ich jedenfalls bin froh, an Ihr Buch gekommen zu sein und habe es mit Enthusiasmus gelesen. Vor allem in Hinblick auf die bevorstehende Wahl ist mir dadurch erst eine fundierte Meinungsbildung ermöglicht worden! Mit freundlichen Grüßen,
Sehr geehrter Herr K., ich bedanke mich für die Zuschrift. Es wird Sie interessieren, dass wir jetzt eine DVD zu einer von BR-Alpha aufgezeichneten siebenteiligen Fernsehserie gemacht haben, die an alle bayerischen Schulen verteilt wird. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, zu Ihrem Buch, "Ist Deutschland noch zu retten" habe ich folgende Fragen und Anregungen. 1. Muss es auf Seite 229 nicht heißen: Die Kommunen erhalten das Recht und haben die Pflicht........? 2. Durch das Anbieten von preiswerten AN (Ihr Vorschlag € 5,80) durch die Leiharbeitsfirmen wird es bei heute voll beschäftigten Geringqualifizierten (Müllarbeiter, Lagerarbeiter, Packer etc.) zu einer Senkung der Löhne kommen, um Entlassungen zu verhindern. Diese AN werden auch Transferzahlungen erhalten müssen. Haben Sie schätzen/berechnen können, wie viele AN es sein werden und wie hoch die zusätzlichen Transferzahlungen sein werden? Siebert (Jenseits des Sozialen Marktes S. 161ff) sieht das kritisch und spricht davon, dass „ein Drittel der deutschen AN davon betroffen wäre. Dies wäre eine riesige Gruppe von 10 Millionen um ein Anreizproblem für 1,4 Mio. Sozialhilfeempfänger zu lösen“. Hat Herr Siebert falsch gerechnet? Oder hat er nur die feinen Stellschrauben eines solchen Systems negiert? 3. Sie sollten darauf hinweisen, dass die Transferzahlungen vom AG wie die Lohnsteuer in die Lohnabrechnung einfließen. Aus zweierlei Gründen ist es wichtig, so zu verfahren: a) Der AN erhält sein gesamtes monatliches Entgelt vom AG. Ihn interessiert es meist nicht, wie es sich zusammensetzt. Er hat aber das Gefühl, dass er dies Geld für seine Arbeit erhält. b) Es wird eine gewaltige zusätzliche Bürokratie vermeiden. Bei der Einführung des Kindergeldes habe ich seinerzeit den Vorschlag unterbreitet, das Kindergeld von den AG auszahlen zu lassen. Man hat leider viele tausend zusätzliche Bürokratiestellen geschaffen und zahlt es heute vollständig durch das Arbeitsamt aus. (...) Mit freundlichen Grüßen Wilhelm H. Heineking (Wirtschaftsprüfer)
Sehr geehrter Herr Heineking, vielen Dank für Ihren Brief und die guten Anregungen. Hier einige Anmerkungen zu Ihren Punkten. 1. Ich würde den Kommunen das Recht geben. Es kann ja auch sein, dass sie selbst Bedarf an Leuten haben, so wie heute bei den Ein-Euro-Jobs. Sie sollten allerdings nur solche Arbeiten erledigen lassen dürfen, für die die Privatwirtschaft nicht zur Verfügung steht. Die restlichen ALG-II-Empfänger müssen sie verleihen. Vielleicht sollte man sagen, dass sie die Pflicht haben, die ihnen anvertrauten Leute in sinnvolle Beschäftigungsverhältnisse zu bringen, entweder bei sich selbst oder auf dem Wege des Leihkontraktes. Ich bin mir hier, das muss ich gestehen, nicht ganz schlüssig, wie am besten zu verfahren ist. Wenn die generelle Pflicht zum Verleih ausgesprochen werden sollte, mag das auch ein Weg sein. 2. Siebert hat falsch gerechnet. Ifo hat dazu ein umfangreiches Gutachten gemacht, wonach der Mitnahmeeffekt 4,5 Millionen Menschen betreffen wird. Hinzu kommen 2,3 Millionen neue Stellen, die wir schätzen. Man muss also 6,8 Millionen Menschen subventionieren. Das hört sich nach viel an. Aber die Menschen müssen ja nicht voll finanziert werden. Heute finanzieren wird Millionenheere von Arbeitslosen zu 100%. Wir haben die fiskalischen Bealstungen berechnet, die Summa Summarum entstehen, und unseren Tarif so ausgestaltet, dass keine entstehen. In Form der Leiharbeitsgebühren könnte beim Staat sogar noch ein Überschuss herauskommen. Allerdings hatten wir bei diesen Rechnungen das Gesamtpaket einschließlich der Abschaffung der Arbeitslosenhilfe gerechnet. Das Gutachten finden Sie auf unserer Homepage unter dem Stichwort Aktivierende Sozialhilfe. 3. Nach unserer Vorstellung wird die Transferzahlung vom Finanzamt dem Indivduum zur Verfügung gestellt. Es handelt sich nicht um eine Lohnsubvention, die den Arbeitgeber in die Lage versetzt, den Lohn zu zahlen. Der Grund für diese Konstruktion ist, dass wir das Ganze an den individuellen Verhältnissen des Einzelnen ausrichten müssen, und die kennt nur das Finanzamt. Es spricht aber nichts dagegen, die Unternehmen für die technische Mithilfe bei der Auszahlung der Transfers einzuschalten, so wie es ja auch bei der Lohnsteuer geschieht, bei der die Unternehmen bei einem Quellenabzug behilflich sind, ohne selbst steuerpflichtig zu sein. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, voranstellen möchte ich ein Dankeschön, dass Sie nicht wie viele andere Wissenschafter, sich um die kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit über unser marodes Sozialsystem drücken (Chapeau auch an Prof. Kirchhoff). Ihr Buch habe ich noch nicht lesen können (z.Z. Diplomarbeit), aber durch die Auftritte bei Phoenix oder ARD, bzw. Interviews in Zeitungen und im Internet, habe ich doch einen guten Überblick erhalten. Die Probleme des Rentensystems wurden seit Beginn der 80-er Jahre u.a. von Kurt Biedenkopf und anderen angesprochen (bei uns in Sachsen ab 1990), es gibt aber auch die andere Seite u.a. Gewerkschaftsfunktionäre, (Zitat:"Autos kaufen keine Autos" - Anm. des Verf. VWL = 5),welche den Wirtschaftskreislauf unvollständig kennen bzw. betrachten. Deshalb möchte ich Sie bitten, den vielen Menschen, nicht nur in Sachsen zu helfen, mit Ihrem Sachverstand und Ihrer Medienpräsenz die Irrtümer und Fehler der vielen Polit- und Freizeitökonomen offenzulegen und Ihre Argumente entgegenzusetzen. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg Mit freundlichen Grüßen Michael Mann
Sehr geehrter Herr Mann, vielen Dank für die Bemerkungen. Es freut mich, Sie auf meiner Seite zu wissen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Ich bin immer wieder einigermaßen überrascht, wie Sie Deutschland krankreden und miesmachen. Ich bin Österreicher und beschäftige mich auch mit gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen von verschiedenen Volkswirtschaften. Dabei muß ich sagen, daß Dtl im internationalen Vergleich nicht schlecht dasteht. Offensichtlich hat Deutschland im Ausland einen wesentlich besseren Ruf als Sie vielleicht glauben. Sicherlich gibt es genügend Probleme, die Deutschland zu bewältigen hat, aber diese haben die anderen Staaten ebenfalls. Aber immerhin hat Dtl eine kostenintensive Wiedervereinigung zu schultern, sehr hohe Lohn- und Lohnnebenkosten in der Wirtschaft, eine sich gegenseitig blockierende Politik des Bundestages und Bundesrates, Konkurrenz aus dem Osten, hohe Umweltstandards u.v.m.; Und trotzdem ist Deutschland die wettbewerbsfähigste Nation weltweit! Der beste Beweis dafür ist nämlich wie sich die verkauften Produkte und Dienstleistungen auf den Weltmärkten durchsetzen können, und da ist Dtl Exportweltmeister. Und dies trotz aller oben erwähnten Handicaps. Und Dtl schafft dies auch noch mit einer der geringsten Jahresarbeitszeiten, längsten Urlaubszeiten und produzieren dies auch noch wie schon erwähnt mit einer der höchsten Löhne weltweit und können es sich so nebenbei noch leisten, auf 5 Mio Arbeitsfähige zu verzichten, die zusätzlich von den produzierenden Kräften des Landes fürs Nichtstun noch erhalten werden müssen. D.h. dies ist der wirkliche Maßstab im internationalen Vergleich und nicht irgendwelche nichtsagenden Wettbewerbsrankings. Immer wieder wird erwähnt, daß die USA als einer der wettbewerbsfähigsten Länder betrachtet wird. Doch die Realität sieht anders aus: riesige Handelsbilanzdefizite, ihre nur mäßig guten Produkte können sich selbst bei niedrigeren Preisen oft nicht durchsetzen, oft nicht mal mehr im eigenen Land; tendenziell abwertende Währung, geringere Stundenlöhne, längere Jahresarbeitszeiten, wenig Urlaubstage, sehr magere Sozialleistungen, niedrige Umweltstandards usw.; Und trotz dieser "Vorteile" schlägt Dtl die USA im direkten Vergleich eindeutig! Wie wettbewerbsfähig wäre erst Dtl, wenn es dieselben Bedingungen hätte wie die USA! Ein Vergleich mit osteuropäischen Ländern erübrigt sich, bei deren Hungerlöhnen, niedrigsten Umweltstandards, langen Arbeitszeiten und Milliardensubventionen aus Brüssel (die wieder großteils von Dtl finanziert werden). Ich denke, mehr Ehrlichkeit gegenüber den wirklichen Gegebenheiten täte Ihnen gut. Leute wie Sie tragen mit dazu bei, durch überzogenes Miesmachen der Wirtschaft und des Landes die Stimmung im Land insgesamt hinunterzudrücken. Das Ziel kann nicht sein, Löhne, Sozialleistungen, Umweltstandards, Lebensqualität usw. auf Osteuropaniveau zu senken, um dann vermeintlich konkurrenzfähiger zu sein, sondern die Lebensbedingungen der neuen EU-Länder anzuheben und faire Bedingungen für alle zu schaffen. MfG DI. Harald Hofbauer
Sehr geehrter Herr Hofbauer, haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben. Ihre Missinterpretation der Exportziffern und des Außenhandelssaldos ist verbreitet. Der Export ist durch den Basar-Effekt aufgebläht, und es gibt einen pathologischen Exportboom, was die Wertschöpfung im Export betrifft, der dadurch verursacht ist, dass die deutsche Hochlohnpolitik das Kapital und die Menschen aus den arbeitsintensiven Binnensektoren in die kapitalintensiven Exportsektoren getrieben hat. Der Exportüberschuss ist im Übrigen ein Kapitalexport, und ein Defizit in der Handelsbilanz, wie die USA es haben, ist ein Kapitalimport. Beides verbietet eine Interpretation der Daten im Sinne einer hohen Wettbewerbsfähigkeit des Standortes. Da Ihr Urteil verbreitet ist, habe ich gerade dazu ein weiteres Buch mit dem Titel "Die Basar-Ökonomie: Exportweltmeister oder Schlusslicht" geschrieben. Dort finden Sie Antworten auf alle ihre Fragen. Es kommt zur Buchmesse im Herbst bei Econ heraus. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen eine Reaktion darauf zu bekommen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, als diesjähriger Hochschulabgänger BWL in der Fachrichtung Immobilienwirtschaft, bin ich sehr darüber erfreut, dass ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" inhaltlich kontrovers und konstruktiv Eingang in unsere Vorlesungen gefunden hat, ohne dabei eine bewusste Politisierung anzustreben. Ihr Buch findet bei vielen meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen sehr grossen Zuspruch. Als betroffene Generation, besonders im Hinblick auf das künftige Tragen des Sozialversicherungssystems, haben Sie uns viele positive Anregungen und Impulse für unseren künftigen Beitrag für unsere Gesellschaft gegeben. Das Leistungsprinzip findet wieder vermehrt Zuspruch in meiner Generation. Mit freundlichen Grüssen, Kai Schräder.
Sehr geehrter Herr Schräder, ich bedanke mich für Ihre Zuschrift. Dann ist Deutschland ja wohl doch noch zu retten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, zunächst möchte ich mich vorstellen. Mein Name ist Matthias Wos. Ich wurde in Polen geboren und zog im Alter von drei Jahren nach Bochum. (...) Seit meinem Abitur habe ich meinen Zivildienst abgeleistet und möchte im Oktober BWL studieren. (...) Zunächst stand ihr Buch ("Ist Deutschland noch zu retten?", Moderator) jedoch nur in meinem Regal. Ich hielt Sie für einen Neoliberalisten, wie es sich nunmal gehörte für ein Arbeiterkind in einer Stadt, in der so viele Menschen links orientiert sind. Zu meinem Freunden zählen bis heute Juso-Mitglieder, Kinder von SPD Mitgliedern. (...) Ich gehörte nie zu den radikalen Linken, und doch spürte und sah ich, dass es Ungerechtigkeit genug gibt, die bekämpft werden muss. Ich habe vor allem Bücher zur Globalisierungskritik gelesen, und auch meine Facharbeit befasste sich mit der entstanden Ungerechtigkeit der Globalisierung. Ihr Buch, Herr Sinn, hat mich, als ich es dann endlich in meinem Urlaub gelesen hatte, zutiefst überrascht, berührt und auch verändert. Überrascht und berührt hat mich vor allem, dass Sie zwar ein liberaler Ökonom sein mögen, jedoch Ihre Vorschläge so gänzlich von einem kapitalistischen System, wie es die USA besitzt, abweichen. Was Sie verlangen, ist nichts anderes, als was meine Eltern, die ja im Sozialismus groß geworden sind, schon immer zu mir gesagt haben und mir auch vorleben. Es lohnt sich, hart zu arbeiten, fleißig zu sein und sich zuerst auf sich selbst zu verlassen. Leider, und da stimmt das Leben meiner Eltern auch mit Ihren Thesen überein, lohnt es sich in Deutschland kaum mehr zu arbeiten. Allein in meinem Leben finden sich so viele Beispiele, in welchen Ihr Buch recht hat, dass ich es schon aus diesem Grund nicht als liberales Manifest abtun kann. Ich bin selbst einer der Studenten (bzw. bald, aber den Job hab ich schon), der einen Job unter 400 Euro hat. Ich fragte mich auch, warum denn eigentlich nur Studenten eingestellt werden im EKG Bereitschaftsdienst, wenn es doch so viele Arbeitslose gibt. Dann müssten sich nicht 10 Studenten im Monat absprechen, wann sie Dienst haben. Sondern ein oder zwei Personen würden einfach den Job erledigen. (...) Lieber Herr Sinn, ich möchte Sie fragen, warum so viele Menschen, die ja eigentlich intelligenter sein sollten als ich, denn sie sind Vertreter des Volkes, gegen ihr Wissen handeln und nicht einmal den Versuch starten, den Menschen zu erklären, wie es gehen könnte? Denn ich bin sicher, man kennt auch unter den Parteimitgliedern Ihr Buch! Ich konnte auch meine Eltern (sehr links gerichtete Menschen) von Ihren Vorschlägen überzeugen. Denn ihre Vorschläge belohnen die Tüchtigen. Ich glaube nicht, dass es für große Organisationen, wie die Parteien, so schwierig wäre, die Menschen im Wahlkampf für ein Projekt wie Ihres zu begeistern. Es schadet doch nun wirklich niemandem, außer Menschen, die nicht arbeiten wollen!!! Lassen sie uns doch eine Wahlalternative Gründen "Deutschland retten" oder kurz "DR" ;-) !! Denn ich konnte meinen Eltern niemanden nennen, der ernsthaft Ihre Vorschläge in seinem Wahlprogramm diskutiert. Ich bin nach der Lektüre dieses Buches ziemlich sprachlos, wie so viele Lügen ungestraft kursieren dürfen. Aber nicht mal ein so angesehener Mensch wie Sie scheint dem entgegenwirken zu können. Wie könnte ich dann? Mich verlässt der Glauben an eine Rettung Deutschlands. Ich hoffe, eines Tages in meinen Heimatland arbeiten zu können. Vielleicht für ein ausgewandertes Unternehmen. Polen ist um so vieles ärmer und die Menschen haben viel größere Sorgen, als die Menschen hier jemals haben müssten, selbst wenn ihre Löhne sofort um 20 % gekürzt würden. Aber Fleiß und Verzicht haben die Menschen dort gelernt. Vor allem die jüngere Generation ist bereit, sich anzustrengen! (...) Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit, denn sie ist wichtig. Mattias Wos
Sehr geehrter Herr Wos, vielen Dank für Ihre Zeilen, die mich bewegt haben. Tragen Sie die Botschaft weiter! Es geht um den gesunden Menschenverstand bei all diesen Dingen, und dem kann man sich letztlich nicht verschließen. Ich habe die Hoffnung, dass er sich verbreitet und dass wir dann die Kurve noch kriegen. Sicher: es wäre gut, das Programm noch stärker in die poliktische Arena zu tragen und den Menschen eine Wahlalternative zu bieten. Aber so etwas zu organisieren, fordert mehr Kraft, als sie mir zur Verfügung steht. Das muss ich den nachfolgenden Generationen überlassen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, selten hat mir (ebenfalls Ingenieur) ein wirtschaftliches Buch so gefallen. Kopfschütteln und manchmal auch Verärgerung löste Ihre Darstellung über vergangene und auch aktuelle Wirtschaftspolitik aus. Leider sind mit Sozialgeschenken viele Wählerstimmen zu fangen (s. aktuell WASG und PDS). Dagegen hilft nur eine stetige und stärkere Aufklärung der breiten Masse über die wirtschaftlichen Zusammenhänge, zu der ich Sie auch weiter ermutigen möchte. In mir haben Sie einen Mitstreiter gefunden. Nur so lassen sich für die dringend notwendigen strukturellen Reformen in Deutschland Mehrheiten finden und nachhaltig einführen. Ich hoffe, die zukünftige Regierung findet den Mut dazu. Sie, Herr Prof. Sinn, möchte ich bitten, sich dabei gewichtig einzubringen und sich auch vor einem eventuellen hohen Amt nicht zu verschließen. Deutschland ist zu retten !!! Abschließend möchte ich noch einen Punkt zur Schwarzarbeit anmerken. Ihr Vorschlag der aktivierenden Sozialhilfe wird sicher auch die Schwarzarbeit drücken, jedoch arbeitet die hohe Abgabenlast dagegen. Als wirtschaftlicher Laie vertrete ich die Meinung, den Nettobetrag der privat eingekauften Dienstleistung (Fliesenlegen, Malerarbeiten, usw.) von der Steuer absetzbar zu gestalten. Was halten Sie von diesem Vorschlag? Wird dies nicht mehr bringen, d.h. mehr Steuern und Sozialabgaben von den dann notwendigen, fest angestellten Mitarbeitern sowie den geringeren Sozialhilfeleistung des Staates im Vergleich zu der Abschreibungsmöglichkeit? Mit freundlichen Grüßen Dr. Dirk Clemens
Sehr geehrter Herr Clemens, ich freue mich, dass Sie das Buch überzeugt hat. Seien Sie sicher, dass ich beharrlich weiter am Ball bleiben werde. Ich bin nur kein Politiker. Sie sehen an Herrn Kirchhof, wie schwer es Professoren fällt, sich in der politischen Arena zu behaupten. Die steuerliche Absetzbarkeit privat eingekaufter Dienstleistungen käme einer Subvention gleich, bei der die Höhe des Subventionssatzes vom Einkommen des Käufers abhängt (wegen der Progression). Sinnvoller wäre es, die Subvention von den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers, dem geholfen werden soll, abhängig zu machen. Das genau leistet die Aktivierende Sozialhilfe. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, auf diesem Wege möchte ich Ihnen sehr herzlich danken für Ihr o.a. Buch. Ich hatte die Zeit und die Gelegenheit während meines Urlaubes das gesamte Buch zu studieren. Sie haben für mich als Ingenieur die Zusammenhänge sehr plausibel und nachvollziehbar dargestellt.Ich würde mir sehr wünschen, dass noch viele weitere Deutsche Ihr Buch lesen und auch entsprechend handeln. Wir haben es in der Hand, dass Deutschland seine Chancen bei der Globalisierung nutzen kann. Es gibt so unglaublich viele Möglichkeiten. Wir müssen diese sehen und ergreifen. Es kann kein anderer für uns tun. Wie ist Ihre Meinung zum aktuellen Regierungsprogramm der CDU. Hierin meine ich viele Ihrer Gedanken wiederzufinden. Die aktuelle Welle an Protest finde ich ermutigend, da eine von Ihnen geforderte Veränderung nicht ohne Schmerzen bleiben wird. Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen und verbleibe mit herzlichen Grüßen Christoph Roth
Sehr geehrter Herr Roth, haben Sie vielen Dank für Ihr Schreiben. Es freut mich zu hören, dass ein Ingenieur die Argumente schlüssig findet. In der Tat würde ich mich freuen, wenn mehr umgesetzt würde. Einiges ist in der Tat in die Vorschläge der CDU eingeflossen, weil ich dort in einer Programmkommission mitgemacht habe und weil das Buch vermutlich das Denken mit beeinflusst hat. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, ich habe in den letzten Wochen mit großem Interesse Ihre Ausführungen zur Zukunft Deutschlands verfolgt und mich mit vielem, was Sie ansprachen und sagten, identifizieren können. Können Sie mir erklären, warum die Politik nicht auf Sie hören möchte oder will? Ich habe dafür keine Erklärung. Ich würde mir wünschen, dass viele Ihrer Ideen in der heutigen Politik umgesetzt werden. Über eine Mail von Ihnen freue ich mich und verbleibe mit freundlichen Grüßen Ulrich Hentze
Sehr geehrter Herr Hentze, vielen Dank für die freundliche Rückmeldung. Der Grund für das Zögern der Politiker sind stets die mit den herrschenden Verhältnissen verbundenen Interessen. Irgendwer verliert immer, und der schreit. Ja länger ein Staatswesen sich verfestigt hat, desto stärker sind diese Interessen organisiert, desto schwieriger wird die Reform. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Ich finde doch hier und da Ergebnisse meiner Interventionen. Die Bevölkerung wacht ja auch langsam aus ihrem Traum auf, sieht sich mit Realität konfrontiert und fordert Reformen. Dann bewegen sich zum Schluss auch die Politiker. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als Auslandsdeutscher habe ich "Ist Deutschland noch zu retten" mit Begeisterung gelesen. Meine hohe Anerkennung für diese beeindruckende Arbeit. Das Studium war nicht nur ausserordentlich informativ und aufschlussreich, sondern auch unterhaltsam und "erholsam". Ich habe mich gleich veranlasst gesehen, mehrere Ausgaben des Buches an Freunde and Bekannte über amazon.de zu verschicken, da mir beim Lesen klar wurde, wie ausserordentlich wichtig die von Ihnen angesprochene Thematik für jeden, insbesondere dort lebenden Deutschen ist. Unterhaltsam war das Buch aus deshalb, weil es eine Fülle von (sicherlich z.T. auch provokativen) Gesprächsanregungen bietet, die ich vielfach - sowohl hier in USA als auch in Deutschland - anwende. Interessant ist es auch - in Kenntnis beider Wirtschaftssysteme - die Unterschiede auf Basis Ihrer Ausführungen weiter auszuloten und vorteilhaft anzuwenden. Wenn ich auch nicht unmittelbar im deutschen Tagesgeschehen stehe, so weiss ich dennoch aus Medien und regelmässiger Besuche um die kritische wirtschaftliche Gesamtsituation. Da mir als Betriebwirt oft die makroökonomische Perspektive des Volkswirtes fehlt, haben Sie mir mit Ihren Ausführungen auch dabei geholfen, viele betriebswirtschaftliche Divergenzen zwischen Deutschland und USA, und die sich daraus ergebenden Unterschiede im (Markt)verhalten einzelner deutscher Unternehmen (und Unternehmer/Manager) in einem breiteren Umfeld noch besser zu verstehen. Bedauerlicherweise hat die schwierige wirtschaftliche Situation in Deutschland ja inzwischen auch schon fast neurotische Auswirkungen auf das Arbeiten und das allgemeine Verhalten vieler (ehemaliger) Landsleute - das kann ich ja beinahe sogar verstehen. Mir ist natürlich klar, dass Ihr Buch, und viele andere Veröffentlichungen von Ihnen, sicher erheblichen politischen Wirbel auslösen und Sie ohne Zweifel an schäumenden Kritikern keinen Mangel haben. Dennoch ist es mir - aus der Entfernung - absolut schleierhaft, warum sich nicht breite Schichten der liberal-konservativen Politik noch klarer und noch deutlicher an Ihren Empfehlungen orientieren und diese - zum Beispiel in der aktuellen Wahlprogrammfindung - aufnehmen, zumal Ihr Ruf und Ihre Reputation doch sicherlich genauso viel positives wie negatives Echo produzieren. Ich persönlich kann Ihre Analyse und die daraus abgeleiteten Empfehlungen voll nachvollziehen, ich unterstütze Ihre Argumente (und leihe mir sicher auch mal das eine oder andere aus) und finde die Darstellungen plausibel, logisch und konsequent (in vielen Fällen sogar besonders sensibel, denn sie gehen ja sogar davon aus, die "soziale Sicherheit" des Einzelnen erhalten zu können und sind bei der Empfehlung noch weitergehender Einschnitte, zum Beispiel nach amerikanischem Muster, ausserordentlich vorsichtig und politisch korrekt - gerade deshalb sollte die Akzeptanz höher sein). Als eigentlich "unpolitsicher" Marketingmann sage ich mir (vielleicht naiv): Das muss man doch verkaufen können! - Dass der gebildete Durchschnittsamerikaner für die deutschen Verhältnisse (bei genauerer Erklärung) nur ein ungläubiges Kopfschütteln und ein bedauerndes Lächeln übrig hat, muss ich Ihnen nicht erst sagen. Gestern abend konnte ich die Diskussion auf "Berlin Mitte" verfolgen: Hans Dietrich Genscher hat sich inständig dafür ausgesprochen, den Wählern "klaren Wein einzuschenken" (was erstaunlicherweise auch von Egon Bahr unterstrichen wurde). Welch bessere Vorarbeit als Ihre Ausführungen gibt es dafür? Ich wünsche Ihnen den erforderlichen Einfluss und das Gehör der besorgten Deutschen - dazu gehöre auch ich, denn obwohl ich dort nicht mehr lebe und es (insbesondere nach Ihren Darstellungen) voraussichtlich auch nie mehr tun werde, so habe ich dennoch Familie, Freunde und Vermögen drüben. (...) Noch einmal herzlichen Dank für Ihre Arbeit und weiterhin viel Erfolg. Kind regards, Hans J. Wagner
Sehr geehrter Herr Wagner, Ihre Zeilen freuen mich besonders, denn als Auslandsdeutscher haben Sie den nötigen Abstand, um die Dinge objektiv zu sehen. Auch mit haben die Jahre, die ich in meinem Leben in Kanada und Amerika verbringen konnte, sehr geholfen, eine neutrale Perspektive zu finden, die sich nicht nur an der deutschen Wirklichkeit von heute orientiert. Mit Ihnen hoffe ich, dass die deutsche Politik meine Vorschläge aufgreift und dass sich das Land nun endlich wendet. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor! Ich habe Ihr Buch mit Freude gelesen. Eine derart zutreffende und klare Darstellung des gegenwärtigen Zustandes unseres Landes verdient höchsten Respekt - insbesondere vor dem Hintergrund, dass Sie selbst darauf hinweisen, dass man Sie zur Zeit von Helmut Kohl mundtot gemacht hat und Ihnen mit Konsequenzen für Ihre Karriere gedroht hat. Daher bewundere ich Ihren Mut, bei Sabine Christiansen aufzutreten, die ja bekanntermassen unter ihrem Gönner H. Kohl zur Talk-Maus avanciert ist. Leider konnten Sie meiner Einschätzung nach nicht transparent machen, welche Position Sie vertreten: Sie müssen den Deutschen klar machen, dass wir ganzheitlich, also volkswirtschaftlich denken müssen und nicht betriebswirtschaftlich (Beispiel Lohnstückkosten!). Leider hat mich die ganze Sendung nicht überzeugt - und ich glaube, dass Sie selbst auch ein wenig enttäuscht sein müssen. Ihr Konzept zur Rettung Deutschlands verstehe ich als gelungene Diskussionsgrundlage - vor allem für meine Generation der End-zwanziger (Generatin Golf), die zunehmend in die Verantwortung in der Gesellschaft kommen. Unser Haupt-Problem ist, dass unsere Jugendzeit in das Regime Helmut Kohls gefallen ist und wir als Claqueure im Nationalrausch jeglicher objektiver Diskussionskultur beraubt wurden. Die Konsequenz ist folgende: Die High-Potentials, die international ausgebildet wurden, kehren Deutschland den Rücken (übrigens fehlt das Phänomen des Brain-Drains in Ihren Überlegungen), oder die, die hier bleiben, stimmen in den Chor der Sorglosigkeit ein und hoffen auf das Erbe ihrer Eltern - für die Spesenkasse reichen auch Löhne und Gehälter, die nicht so schnell steigen. Herr Professor, ich wünsche mir, dass sich noch mehr "fast 60er" in die öffentliche Zukunftsdebatte einschalten und baue auf Ihre zukünftigen Beiträge. Hochachtungsvoll P. Wegehaupt
Sehr geehrter Herr Dr. Wegehaupt, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht. Es freut mich, dass Ihnen mein Buch gefällt. Was Sie zum Brain-Drain sagen, ist völlig richtig. Auch hier lauert eine Gefahr. Dazu habe Kollegen und ich in eine auf Englisch erschienen Sachverständigenratsbericht publiziert. Sie finden ihn unter dem Begriff EEAG auf der ifo-Website. Schon auf der Startseite findet sich ein Button dazu. Soweit ich mich erinnere, war es der Bericht für das Jahr 2004. Sie können ihn von der Website herunterladen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Name ist Johannes Völkl und ich habe gerade Ihre Vorlesung zum Thema "Ist Deutschland noch zu retten?" bei br-alpha gesehen. Ich würde ihnen zu diesem Vortrag gerne einige Fragen stellen, die sich mir nach dem Zusehen aufgeworfen haben. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich leider nicht die ganze Übertragung sehen konnte. Zu einem zu ihrem Beispiel-Paar ohne Kinder: Da haben Sie ja vorgeschlagen, da das Paar ja rechtzeitig weiss, kinderlos zu bleiben, das Geld, dass sie so mehr haben, wieder auf dem Kapitalmarkt zu investieren. Und auch sonst solle man sich im Konsum einschränken um für das Alter Geld zurückzulegen. Hebt dann das Kapital, das so auf den Markt kommt, den Konsumrückgang auf, der durch die Einschränkungen der Familien entstehen? Oder kann man es nicht vermeiden, dass Arbeit z.B. in den von ihnen angesprochenen Gaststätten oder der Urlaubsbranche zurückgeht und u.U. Arbeitslosigkeit steigern könnte? Wie finanzieren sich allgemein Arbeitslosenhilfe- und Sozialhilfeempfänger ihr Alter, die ja nicht unbedingt auf Kapitalmärkte investieren können? Eine andere Frage hätte ich zu den "Kindern" David und Melanie: Die zahlen ja zu einem ihren Teil an gesetzliche Rentenversicherung ein sowie die Abgabe für die Elternrente. Dazu kommen jetzt aber noch die Ausgaben für ihre Kinder bzw. für die private Vorsorge, falls man Kinderlos bleibt. Ist dass dann nicht die 3fache Belastung, die sie eigentlich vermeiden wollten, oder habe ich da einfach etwas falsch aufgefasst. Zum Schluss würde mich ihre Einschätzung interessieren, wie sie die Problematik der Unterbeschäftigung sehen, die durch die Verrentung der jetzt arbeitenden Generation entstehen wird, da ja nicht genug neue junge Leute sie ersetzen können. Ist das ein Problem für die Wirtschaft oder wird das bis dahin durch Effizienzsteigerungen aufgefangen? Als beschäftigter und hart arbeitender Mensch werden sie sicher nicht sofort Zeit zum antworten haben. Trotzdem würde ich mich über eine solche freuen, auch wenn ich kein Student ihrer Universität und nicht mal Wirtschaftswissenschafts- sondern Ingenieurwissenschaftsstudent bin. Vielleicht können sie mich auch auf andere Quellen zu diesem Thema verweisen, wo man sich diese Informationen anlesen könnte. Vielen Dank im Voraus für ihre Bemühungen und mit freundlichen Grüssen, Johannes Völkl
Sehr geehrter Herr Völkl, vielen Dank für Ihre Bemerkungen und Fragen, die ich gerne beantworte. 1. Konsumrückgang durch Sparen. Das ist insofern kein Problem, als die Ersparnis ja wieder verausgabt wird. Es gibt zwei Möglichkeiten. Erstens: die Ersparnis fließt in inländische Investitionen. Die Investitionsgüternachfrage ersetzt dann die Konsumgüternachfrage. Natürlich verlangt dies eine Umstrukurierung der Wirtschaft und geht nich von heute auf morgen, aber es geht. Junge Leute werden Maurer statt Kellner, oder Facharbeiter für den Maschinenbau statt Facharbeiter in der Schuhfabrik. Investitionsgüter ersetzten Konsumgüter. Zweitens: das Geld fließt ins Ausland, was notwendiger Weise einen Überschuss der Exporte über die Importe verlangt und insofern ebenfalls Nachfrage nach unseren Waren ist. 2. Arbeitslosen- und Sozialhilfeempfänger könnten ebenfalls angehalten werden, einen Teil ihrer Einkünfte zu sparen. Der Staat kann ihnen entsprechend mehr geben. Er verringert dann ja seine Zahllast im Alter. 3. David und Melanie zahlen die normalen Beiträge für die Altersrente und die Beiträge für die Kinderrente, und außerdem ernähren sie ihre Kinder. Das ist insofern schon eine dreifache Last. Aber die ersten beiden Komponenten muss man zusammenfassen, weil sie ja beide Zahlungen an die Eltern sind, und zwar weniger als die Zahlungen, die erfolgen müssten, würde man auch die Kinderlosen auf das Niveau heben, dass die heutige Rentenformel vorsieht. So gesehen ist die Last tatsächlich reduziert. Die Kinderlosen müssen nur noch teilweise unterstützt werden, weil sie ja einen Teil ihrer Rent durch die eigene Ersparnis finanzieren, die sie in ihrem Arbeitsleben selbst aufgebaut haben. 4. Dass nicht genug Menschen nachkommen, um die die Babyboomer zu ersetzen, wenn die einmal in die Rente gehen., ist in der Tat ein Problem. Es ist das zentrale Problem unseres Landes. Um es zu lindern, müssen die Leute sparen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich lese gerade Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" und versuche es mit meinem begrenzten volkswirtschaftlichem Hintergrund zu verstehen. Viele Ihrer aufgeführten Darstellungen sind für mich absolut schlüssig und nachvollziehbar, sodass die Lektüre ein großer Genuss ist. Doch jetzt bin ich an einem Punkt angekommen, wo ich Ihre Argumentation nicht verstehe. Es geht hier um das Kapitel der aktivierenden Sozialhilfe. Sie schreiben, dass die aktivierende Sozialhilfe eine Vollbeschäftigung ermöglicht, da die Kommunen dafür verantwortlich sind, jedem Arbeitswilligen Sozialhilfeempfänger einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen. In Kapitel 4 schreiben Sie auf Seite 246: "Und die Konkurrenz auf dem lokalen Arbeitsmarkt wird vermieden, weil die Kommunen die ihnen anvertrauten Personen über Leiharbeitsverhältnisse den privaten Arbeitgebern zur Verfügung stellen. Wie schon erwähnt, trocknet der Schwarzmarkt aus, weil die Sozialhilfebezieher keine Zeit mehr für Schwarzarbeit haben und das lokale Handwerk über billige Arbeitskräfte verfügt." Dieses setzt meiner Meinung nach aber voraus, dass die Nachfrage, die heute durch Schwarzarbeit gedeckt wird, auf alle arbeitswilligen Sozialhilfeempfänger verteilt werden kann. Denn nur so geht doch die Rechnung auf. Wäre die Nachfrage aber geringer als die Arbeitskraft, so stünden die Sozialhilfeempfänger wieder auf der Straße, oder diese Arbeitskräfte wären eine Konkurrenz zum "normalen" Arbeitsmarkt (denn dann wären sie preiswerter als die Arbeiter, die im geregelten Arbeitsverhältnis stehen). Gibt es Kennzahlen darüber, wieviel % der Sozialhilfeempfänger schwarz arbeiten? Ist dieser Anteil wirklich so hoch, dass die Rechnung aufgeht? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir eine kurze Antwort zukommen lassen würden... Mit freundlichem Gruß Stefan Wagner
Sehr geehrter Herr Wagner, die Rechnung geht nicht so, dass genau die Schwarzarbeit ersetzt würde, denn der Arbeitskuchen ist nicht gegeben. Selbst wenn es keine Schwarzarbeit gegeben hätte, würden neue Stellen entstehen, wenn die Lohnkosten gesenkt werden. Bedenken Sie bitte folgendes. Wie viele Menschen auch immer arbeiten und Werte schaffen: Im Umfang dieser Werte entstehen Einkommen und Kaufkraft. Eine Wirtschaft kann sich in diesem Sinne tatsächlich am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Folgende Überlegung: Fall 1. Die Arbeitslosen kriegen Geld und arbeiten nicht. Es fehlt Sozialprodukt. Die Kaufkraft der Arbeitslosen in Form des Arbeitslosengeldes wird bei den Steuerzahlern und denjenigen, die die Arbeitlosenbeiträge zahlen, abgeschöpft. Fall 2. Die Arbeitslosen kriegen ihr Geld für Arbeit bei der Kommune. Kaufkraftmäßig ist hier kein Unterschied zu 1, doch wird nützliche Arbeit geleistet. Der Wohlstand der Deutschen steigt. Fall 3. Die Kommune verleiht die Personen gegen Geld an die private Wirtschaft. Dort wird nun mehr produziert und verkauft. Verkaufserlöse werden zu Einkommen bei dem Unternehmer und bei der Gemeinde. Unternehmer und Gemeinde haben zusammen soviel mehr an Kaufkraft, wie mehr produziert wird. Unternehmer und Gemeinde stellen sich besser. Der Wohlstand der Deutschen steigt auch jetzt. Vielleicht hilft Ihnen das. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Buch lässt trotz der vielfältigen normativen Aspekte - die einem Politikberater ja durchaus angemessen sind - die Frage nach den kurzfristigen Auswirkungen Ihrer Lösungsvorschläge unbeantwortet. Welche Auswirkungen haben Ihre Lösungsansätze "6+1" auf die Verschuldungsposition der BRD in der EU-Diskussion, ein wie ich meine in keinem Fall zu vernachlässigender Aspekt in der Reformdiskussion ? Wie können wir in der "praktischen" Politikdiskussion - die ja sehr kurzfristig orientiert ist - zu tragfähigen Lösungsansätzen kommen ? Anregung - ohne überheblich erscheinen zu wollen: es mag hilfreich sein, der doch eher populärwissenschaftlichen Darstellung der ökonomischen Probleme der Republik einen fachwissenschaftlichen Materialband folgen zu lassen.
Sehr geehrter Herr Horstmann, vielen Dank für die Nachricht. Das 6+1-Programm kostet nichts. Alle Vorschläge sind kostenneutral für den Staat. Ganz kurzfristige Lösungen gibt es nicht. Alle Lösungen von Substanz, die auf dem Wege der Stärkung der Marktkräfte laufen, brauchen eine Vorlaufphase von ein paar Jahren, bis sie wirken. Sie wirken dann aber dauerhaft. Den Materialband zu erstellen, wäre eine nützliche Aufgabe. In der Tat gibt es noch mehr Zahlen. Aber die Aufgabe ist zeitaufwendig, und man kann auch leicht Zahlenfriedhöfe erzeugen. Die Summe der Daten und Fakten, die das Buch enthält, liegt schon über dem, was man auch in technischer geschriebenen Büchern der Volkswirtschaftslehre findet. Ich lasse es fürs Erste dabei. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Ihre Antwort auf meine Anfrage vom 29.04.05 basiert anscheinend auf einem Mißverständnis des Liberalen Bürgergelds. Die FDP hat nach deren Auskunft keineswegs vor, das Bürgergeld allen Bürgern zur Verfügung zu stellen. Normal- und Gutverdienende zahlen nach wie vor Einkommensteuer. Nur Niedrigverdiener und Personen ohne Einkommen bekommen vom Finanzamt das Liberale Bürgergeld ausgezahlt. Die Subventionen fallen bei der FDP geringer aus als bei Ihrer aktivierenden Sozialhilfe. Bei ihrem Modell sollen nicht nur 400 Euro frei hinzuverdient werden können, sondern die ersten 200 Euro Eigenverdienst mit 20% bezuschußt und jenseits der 400 Euro nicht mehr als 70 Cent vom verdienten Euro abgezogen werden. Beim Bürgergeld dagegen bleiben von einem Bruttoeinkommen von 100 bis 400 Euro 40%, ab 1.200 Euro nur 10%. Allerdings sollen beim Bürgergeldmodell auch bei Verdiensten über 1.500 € 10% beim Empfänger bleiben. Der vollständige Abzug, wie im Augenblick beim Arbeitslosengeld II, würde im Bereich zwischen 1.500 bis 2.200 Euro Bruttoerwerbseinkommen zu einer stagnierenden und sogar leicht negativen Entwicklung des verfügbaren Einkommens führen. Diese Regelung des Liberalen Bürgergelds hat praktisch keine Bedeutung für Einzelpersonen und kleine Bedarfsgemeinschaften, die bei diesem Erwerbseinkommen nicht mehr unter die Bedürftigkeit fallen. Betroffen sind aber größere Bedarfsgemeinschaften, insbesondere Familien mit mehreren Kindern. Beim Bürgergeld läuft der Transferbedarf deshalb gleichmäßig aus, so daß der Übergang von geringer zu höher bezahlter Arbeit stets gleitend und lohnend ist und dementsprechend keine Benachteiligung von Familien stattfindet. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Dietrich Jaser
Sehr geehrter Herr Jaser, vielen Dank für die Auflklärung. Der Begriff Bürgergeld ist ja belegt. Insofern dachte ich, dies sei gemeint. Worauf es ankommt, wäre die Beziehung zwischen Brutto-und Nettoeinkommen inklusive aller Sondereffekte durch Wohngeld, Kindergeld, Sozialabgaben, Steuern etc. zu berechnen und für verschiedene Familentypen aufzuzeichnen. Nur dann sieht man die ökonomischen Effekte. Kennen Sie eine solche Gesamtschau für das liberale Bürgergeld? Die würde mich sehr interessieren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, angeregt auch durch Ihr Buch versuche ich mir zur Zeit ein erweitertes ökonom. Basiswissen zu verschaffen. Dabei bin ich sehr schnell bei der sog. "Österreich. Schule der Nationalökonomie" gelandet. Deren Gedankengut und ganz speziell das ihrer wichtigsten Vertreter Ludwig von Mises und Friedrich A. von Hayek scheint mir völlig schlüssig. Soweit ich es beurteilen kann vertritt diese, ebenfalls klassisch liberale Schule durchaus gleiche oder ähnliche Standpunkte wie Sie. Gravierende Abweichungen gibt es bzgl. der Aufgaben des Staates, insbesondere Interventionismus und Sozialstaat, die sie komplett und wie ich meine sehr gut begründet ablehnt. Ich verfolge regelmäßig das Geschehen um Ihr Buch. Es ist wirklich erschreckend mit welchem ökonomischen Unverstand Sie im Forum, in Ihren öffentlichen Diskussionen und auch in Rezensionen konfrontiert werden. Sie reagieren in aller Regel aus meiner Sicht mit korrekter, fachkundiger und mutiger Argumentation und versuchen es auch bei Unverbesserlichen mit sachlichen Erklärungen. Hier meine ich, daß man in diesen Fällen keine Zeit mehr verschwenden und offensichtlichen Unfug auch ganz klar als solchen bezeichnen sollte! Hier meine Sicht der Dinge zu immer wieder angeführten Gegenargumentationen, zu denen mir eine klare Stellungnahme besonders wichtig erscheint. 1) "Alternative" Sozialismus: Sozialismus hat in der Praxis noch nie funktioniert, und kann, wie von Mises (...) und von Hayek überzeugend belegt haben, auch theoretisch nicht funktionieren! Es gibt nur noch ganz wenige Länder in denen er in Reinkultur praktiziert wird, z. B. in Kuba und Nordkorea - mit absolut katastrophalen Folgen für die Bevölkerung. (...) 2) Kapitalistische Auswüchse: Fast alles was in unserem, alles andere als kapitalistischen Wirtschaftsystem schiefläuft, wird dem Kapitalismus oder seinen Auswüchsen zugeschrieben. In einer wirklich freien Marktwirtschaft gibt es aber keine "kapitalistischen Auswüchse". Sie werden dort durch natürlichen Wettbewerb ausgesondert und entstehen dauerhaft erst durch staatliche Intervention und das daraus hervorgehende Gerangel um Vorteile (Lobbyismus)! Das was die Politiker in ihrer derzeitigen "Kapitalismuskritik" anprangern haben sie größtenteils selbst geschaffen! 3) Notwendige staatliche Eingriffe: Praktisch jeder staatliche Eingriff in die Wirtschaft hat auch, zumindest langfristig, negative und unabsehbare Folgen! Mindestlöhne, Beschränkung des Freihandels und der Freizügigkeit des Kapitals sind kontraproduktiv! (...) Nicht der Kapitalismus ist gescheitert sondern unser völlig überzogener Interventions- und Sozialstaat mit seinen allgegenwärtigen "Moral-Hazard- Systemen"! (...) 4) Eingriffe ins Privateigentum: Es muß in einem Rechtsstaat gelten, daß "derjenige das Recht auf die Früchte seiner Arbeit hat, der sie getan hat und nicht der, der sie nicht getan hat"! Die Herrschaften die weitere angeblich "soziale Umverteilungen" fordern, würden dieses Recht für sich zuallererst und ganz radikal in Anspruch nehmen! (...) Der uneingeschränkte Schutz des Privateigentums ist Grundlage für ein gesundes Wirtschaftssystem! 5) Weiteres Ankurbeln der Nachfrage: Ihnen wurde schon vorgeworfen, daß Sie gebetsmühlenartig Ihre Argumente wiederholen. Das mag sein, was sollten Sie auch sonst tun, wenn ihre Kritiker, die sogenannten "gewerkschaftsnahen Keynesianer", ihrerseits nur gebetsmühlenartig ihre Nachfrage-Heilslehre und ihre Schönrednerei wiederholen! Die Alternative wäre der offene Angriff auf die Kollegen! (...) Demnach gibt es überhaupt keine vernünftige Alternative zu durchgreifenden Reformen, zu freierer Marktwirtschaft und weniger Staat! Hier dürften unsere Meinungen allenfalls darüber auseinander gehen, ob die Reformen nicht noch weitergehen müßten, als Sie es fordern! Ich möchte Sie daher ermuntern weiter so mutig für Ihre Sache zu kämpfen und ab und zu noch klarere Worte zu finden! (...) Mit freundlichen Grüßen Gerd-Walter Wiederstein
Sehr geehrter Herr Wiederstein, ich kann Ihnen nur beipflichten. Die Aussagen, die Sie getroffen haben, scheinen mir im Wesentlichen richtig zu sein. Allerdings würde ich vermutlich dem Sozialstaat doch eine größere Rolle zubilligen als Sie. Aber über die Argumentationsrichtung ausgehend vom heutigen Zustand der Bundesrepublik sind wir uns einig. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, (...) Ich (...) habe nun Ihr Buch komplett durchgelesen. Es ist sehr verständlich geschrieben und hat mir viele Fragen beantwortet, die ich mir schon lange gestellt habe. In vielerlei Hinsicht haben Sie das, was ich bereits vermutet habe, mit Zahlen und Fakten belegt und für mich das ökonomische Puzzle mit vielen Teilen ergänzt, die mir bisher fehlten. Ich danke Ihnen für das klare Herausstellen der Probleme und Fehler und für Ihr Engagement, welches glaube ich, für unser Land unglaublich wichtig ist. Nur leider habe ich den Eindruck, als wenn die Politiker Sie nicht hören wollen oder können, denn irgendwie tun sie fast das Gegenteil von dem, was erforderlich wäre, man kann hier wirklich verzweifeln ! Ausgerechnet im Epilog fand ich dann den entsprechenden Hinweis auf eine Frage, die leider nicht beantwortet ist: Sie vergleichen sich mit einem Arzt und Deutschland mit einem Patienten, der von Heilpraktikern beraten wird. Sie scheinen nicht viel von Heilpraktikern zu halten ... Aus ökonomischer Sicht haben Sie mir die Augen geöffnet und ganz sicher recht, mit dem was Sie schreiben, genauso, wie die Schulmedizin natürlich ebenfalls unverzichtbar ist, jedoch haben Heilpraktiker einen ganzheitlichen Ansatz und aus ganzheitlicher Sicht frage ich mich schon seit Jahren, wie eine Wirtschaft immer nur wachsen kann ? Unser ganzes Wirtschaftssystem ist auf Wachstum ausgerichtet, wenn das Wachstum ausbleibt, gibt es massive Probleme. Gewinnmaximierung basiert auf "ausbeuten", möglichst viel für möglichst wenig ! Bezogen auf den Menschen tickt dieser ganz sicher so, weshalb Ihr Anreizsystem natürlich richtig ist, bezogen auf unseren Planeten hat dies aber immer katastrophalere Folgen, die bald auch ökonomisch deutlich messbar sein werden. Kann eine Wirtschaft immer wachsen und gleichzeitig mit den Resourssen und der Umwelt versöhnlich umgehen ?? Ist darüberhinaus permanentes Wachstum möglich ? Was passiert, wenn wir nicht mehr wachsen ?? Vielleicht sind dies aus Ihrer Sicht dumme Fragen, aber ich bin halt kein Ökonom und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie etwas Zeit finden, mir diese Fragen auch noch zu beantworten. Vielen Dank bereits im voraus ! Dirk Ryll
Sehr geehrter Herr Ryll, vielen Dank für Ihre Hinweise. Ich glaube nicht, dass die Wirtschaft immer wachsen muss. Schon wegen der Begrenztheit der natürlichen Ressourcen, kann es irgendwann auch einmal einen Schrumpfungsprozess oder eine Stagnation der Weltwirtschaft geben. Das ist für die Marktwirtschaft kein grundsätzliches Problem. Nichts im marktwirtschaftlichen System verlangt fortwährendes Wachstum. Wenn ich in Deutschland das Wachstum vermisse, so deshalb, weil die anderen Lädner noch wachsen. Hier scheint es sich also nicht um eine natürliche Entwicklung zu handeln. Wäre das so, so müsste auch das Wachstum in anderen ähnlich entwickelten Ländern stagnieren. Unsere Wachstumschwächse scheint wenig mit der Begrenztheit der natürlichen Ressourcen der Welt, doch viel mit der Krankheit des Arbeitsmarktes zu tun zu haben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, immer wieder verfolge ich in der Presse Ihre Vorschläge, wie Deutschland aus dem Tief kommen soll. Und ich muss sagen: Sie sind der Einzige, der die Sachlage richtig einschätzt. Es macht im wahrsten Sinne des Wortes "Sinn", was Sie der Politik raten! Aber warum hört die Politik nicht auf Sie? Hat denn dort keiner einen volkswirtschaftlichen Sachverstand? Warum ist ganz Deutschland erstarrt, verfilzt und schier ohnmächtig? Ist das ein Resultat der Politik der ruhigen Hand? So langsam wie Reformen umgesetzt werden, so langsam werden derzeit Entscheidungen in Unternehmen getroffen - was uns im internationalen Wettbewerb immer mehr nach hinten wirft. Ich habe selbst erlebt, wie in den Unternehmen die Nerven blank liegen, wie gemobbt wird, wie sich Chefs nur noch darum kümmern, Ihre Pfründe und Sessel zu sichern, anstatt sich um den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu bemühen. Ein "Trainerwechsel" in Politik und Wirtschaft ist längst überfällig. Muss es in Deutschland erst richtig krachen, dass es wieder aufwärts geht - was ist Ihre persönliche Einschätzung, was in diesem Land noch passieren wird? Ich freue mich auf eine Antwort, die Mut macht. Mit freundlichen Grüßen Theo Heuss
Sehr geehrter Herr Heuss, haben Sie vielen Dank für Ihre freundlichen Worte. Ich vermute, es muss noch schlimmer kommen, bis in Deutschland wirklich etwas geschieht. Aber ich hoffe, dass das nicht nötig ist. Darum habe ich ja mein Buch geschrieben, und darum melde ich mich in den Medien zu Wort. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Name ist Jan Ortmann und ich studiere seit 2001 an der MLU Halle-Wittenberg Volkswirtschaftslehre. Ich habe Ihr Buch gelesen und wollte Ihnen nur sagen, dass ich es echt Klasse finde. Ihre Analysen sind scharf und genau. Ich habe Ihr Buch förmlich aufgefressen. Mit freundlichen Grüßen Jan Ortmann
Lieber Herr Ortmann, vielen Dank für die Rückmeldung. Das freut mich. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, mit großem Interesse habe ich ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen. Ich finde Ihre Darstellungen und Lösungsansätze sehr überzeugend. Was mich noch besonders interessiert: Ihr Konzept der "aktivierenden Sozialhilfe" erinnert mich teilweise an das "Bürgergeld"-Konzept der FDP. Haben Sie schon einmal einen Vergleich angestellt zwischen den beiden Konzepten? Mit freundlichen Grüßen, Dietrich Jaser
Sehr geehrter Herr Jaser, der Unterschied zwischen Aktivierender Sozialhilfe und Bürgergeld ist, dass das Bürgergeld allen zur Verfügung gestellt wird und deshalb ein riesengroßes Transfervolumen impliziert. Bei unserem Vorschlag, der sich an den sogenannten Earned Income Tax Credit der USA anlehnt, wird nur den Geringverdienern geholfen. Das meiste staatliche Geld fliesst bei einer geringfügigen Beschäftigung, und wer mehr verdient, muss dann sukzessive wieder etwas abtreten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Begeisterung und großer Zustimmung habe ich Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen. Auch ich bin Familienvater und mich schmerzt es, dass wir das Erbe meiner Großväter (ich bin erst 28 Jahre alt) leichtfertig vergeben. Ich sehe die Gobalisierung zwar kritisch aber auch als Chance. Wem mitten im Fluss das Boot kentert, der sollte schnellstmöglich das schwimmen lernen, statt sich zu beklagen (gilt doch für unsere Gesellschaft, oder?). Allerdings möchte ich Sie auf weitere Erkenntnisse meiner gesellschaftlichen Studien hinweisen, die m.E.(leider) dazu führen werden, dass die von Ihnen angeführten Mängel nicht behoben werden werden. Ich beziehe mich im Folgenden vorwiegend auf den französischen Arzt Gustave le Bon und sein 1895 erschienenes Buch "Psychologie der Massen". 1. Die Masse ist für tiefergründige Argumentation nicht zugänglich, und selbst bei Übereinstimmung wird sich das Volk doch nach seiner Prägung und seinem Umfeld entscheiden. 2. Das Volk wählt vorwiegend nach dem Nimbus der Politiker, was auch das Hauptproblem von Merkel/Westerwelle im Vergleich zu Schröder/Fischer ist.(Auch wenn am Nimbus des Letztgenannten endlich der Lack bröckelt...). 3. Das Volk richtet sich nach Schlagworten; Bürgerversicherung(SPD) z.B. assoziert nicht die negativen Gefühle wie Kopfpauschale(hört sich an wie Kopfgeld). So sehr ich mir die Verwirklichung Ihrer Gedanken wünsche, bin ich der Meinung dass diese stets mit dem eher negativ gesehenen Kapitalismus verbunden werden. Erst wenn es Ihnen gelingt, aus der Freiheit(positiv!) die Demokratie und daraus die soziale Marktwirtschaft zu begründen, werden die Freiheitsliebenden aussagekräftigen Schlagwörtern folgen. Ein Beispiel hierfür ist :"sozial ist was Arbeit schafft". Dieser abgedroschene Satz ist allen Nachrichtenhörern im Unterbewußtsein. Sicherlich werden Sie jetzt sagen, als Ökonomie-Professor müssen Sie sich an die Fakten halten. Das ist sicher richtig und gut. Allerdings spüre ich in allen Ihren Artikeln auch die selbe Leidenschaft unseres Bundespräsidenten für unser Land. Über eine Reaktion Ihrerseits wäre ich sehr glücklich. In der Hoffnung, eine zusätzliche Seite der Gesellschaft beleuchtet zu habe verbleibe ich Mit Hochachtung Markus Würtele
Sehr geehrter Herr Würtele, vielen Dank für Ihre Anmerkungen, die sehr richtig sind. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zum Erfolg Ihres Buches. Mein Name ist Oliver Seyfarth, ich bin 23 Jahre alt und wohne in Thüringen. Als einer Ihrer jüngeren Leser möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie mir Anregungen und den dafür erforderlichen Mut für Veränderungen gegeben haben. Ich möchte Ihnen gerne ein Gedicht vorstellen, zu dem mich u.a. Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten" inspiriert hat. Der Regen fällt, schwemmt Träume davon eben noch jung, die Zeit verronn´ Es ist wie es ist, es bleibet dabei wir leben die Angst, niemals frei zu sein Mein Auge sieht nur Sorgen und Kummer im Leiden allein, nur einen Nummer Ein Leben ohne Rast und Freude wie des Jägers gehetzte Beute Der Anfang hier, das Ende makiert stehen bleiben statt zu streben, mit Lohn wird prämiert Die Falle ist groß, verwaltet mit Geschick greifst du nach dem Käse, bricht dein Genick Der Opfer Zahl, ist groß und mächtig Mütter brauchen wir, fruchtbar und trächtig Zu gebären die Zukunft dieses Landes kühn Sie zu wecken, die macht des Wandels Eines lasst Euch noch sagen strebet, nicht rasten, niemals verzagen ihr werdet verstehen, den wertgeschöpften Erfolg Eines auf freiem Boden, strebenden Volk Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Der erste Schritt zu allem Großen, ist der Mut. Oliver Seyfarth
Lieber Herr Seyfarth, vielen Dank für Ihr tiefsinniges Gedicht. Ich finde es allerdings sehr trübsinnig und defensiv. Eigentlich müsste man kampfesbereit die Herausforderungen angehen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie gehen in zahlreichen Veröffentlichungen auf unser Alterssicherungssystem ein, in Ihrem Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ oder in dem ifo Standpunkt Nr. 23 vom 05.04.2001 „Sozialisierung des Humankapitals“, der aus Anlass des Verfassungsgerichtsentscheidung vom 03.04.2001 (Pflegeurteil) erschien. Ich denke, man muss nüchtern die Wirkung unserer gesetzlichen Rentenversicherung analysieren, um zu Lösungen im System (...) zu kommen. Tatsache ist: In der Rentenversicherung beuten unsere Politiker unsere Kinder maßlos aus. Sie legen jedem Neugeborenen mehr als 100 000 € Rentenschulden in die Wiege. Aber, wie ist es dazu gekommen? Als Ende der 50er Jahre das umlagefinanzierte Rentensystem eingeführt wurde, war es so gedacht, dass jeder Aktive Beiträge zahlt, die verwandt wurden, um die Renten der Elterngeneration zu finanzieren. Es wurde kein Kapitalstock angelegt. Bei einer normalen Geburtenrate ging man davon aus, dass im Mittel jedes Paar neben der Beitragszahlung zwei Kinder aufzieht und damit für die Beitragszahler sorgt, die später mit ihren Beiträgen die Renten der Eltern finanzieren konnten. Der „Unglücksfall“, dass ein Paar keine Kinder haben konnte war „versichert “. Dieses Paar konnte keine Leistung für seine eigene spätere Rente aufbringen, bekam aber trotzdem seine Altersrente. Nach der Einführung der Ovulationshemmer um 1965 war nun die Möglichkeit gegeben, „absichtlich“ den Versicherungsfall herbeizuführen (in der Privatwirtschaft würde man das als Versicherungsbetrug bezeichnen) und ohne jede Gegenleistung (weder Schaffung von Humankapital, noch Realkapital) an eine Altersrente zu kommen, die in der Regel höher als die von Vätern und weit höher als die von Müttern ist. Solange diese Möglichkeit nur vereinzelt genutzt wurde, war dies nicht sehr schädlich. Jedoch nach 1970 sank die Geburtenrate weit unter Bestanderhaltung ab. Heute sind bereits 35 Prozent der Beitragzahler kinderlos und bekommen in diesem System ihre Altersrente ohne jede Gegenleistung geschenkt von den wenigen jungen Menschen, die per Gesetz von den Politikern dazu verpflichtet werden. (...) Hätten z.B. alle potentiellen Eltern keine Kinder mehr, so hätten sie zwar mit ihren Beiträgen für die Renten der Elterngeneration gesorgt und dadurch eigene Rentenansprüche erworben. Diese Rentenansprüche wären völlig wertlos mangels Beitragszahlern. Dies erkannt, ergibt sich eine Lösungsmöglichkeit. Kinderlose, deren Grundbeiträge sofort verbraucht werden, um die Renten der Elterngeneration zu finanzieren, müssen von Anfang an einen mindest gleich hohen Zusatzbeitrag für ihre eigene Rente entrichten. Bekommen sie später Kinder, erhalten sie ihre Zusatzbeiträge entsprechend zurück. (...) Die heutigen kinderlosen Aktiven finanzieren die Renten der kinderlosen Senioren. Der Grundbeitrag würde kräftig sinken. Jedem Neugeboren werden zur Zeit 100 000 € Rentenschulden in die Wiege gelegt. (...) Die Kinder können sich nicht wehren, sie haben keine Wählerstimmen. Eigentlich sollten verantwortungsbewusste Politiker für die wehrlosen Kinder sorgen, selbst wenn sie zum großen Teil selbst kinderlos sind und Privilegien hergeben müssten. (...) Jedoch ist mit der Zeit damit zu rechnen, dass nach und nach mehr und mehr der ausgebeuteten Kinder in die Parlamente nachrücken, dem Ausbeutertreiben ein Ende setzen und ohne eigene Leistung erworbene Renten und Pensionen der Kinderlosen auf Sozialhilfe-Niveau reduzieren. Mit freundlichen Grüßen Joachim Stange
Sehr geehrter Herr Stange, haben Sie vielen Dank für Ihre aufschlussreichen Darlegungen. Übrigens entspricht der von Ihnen genannte implizite Schuldenbetrag von 100.000 Euro gerade auch den von mir aufgrund individueller Barwertrechnungen ermittelten Betrag für den Barwert der Leistungen bei Geburt, den ein Kind im Laufe seines Lebens für den Rest der Gesellschaft leistet. (Vgl. Ist D. noch zu retten?, Rentenkapitel). Die Differenzierung der Beiträge nach der Kinderzahl ist eine Möglichkeit. Allerdings schafft sie ja noch keine Basis für die spätere Ernährung der Kinderlosen. Besser wäre es, die Kinderlosen müssten sparen, um einen Teil Ihres späteren Lebensstandards selbst zu bezahlen. Nur ein Teil sollte aus der Umlagefinanzierung und damit von den Kindern anderer Leute kommen. Eltern würden statt dessen eine höhere Umlagerente, die ich Kinderrente genannt habe, bekommen. Dann wüsste jeder in der Jugend gleich, dass er entweder Kinder in die Welt setzen oder sparen muss, wenn er im Alter nicht hungern will. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 25.3.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin sehr enttäuscht über Ihre Stellungnahme zum Thema Stellenabbau und Arbeitsplatzverlagerung nach Osteuropa, so wie es auch im Moment bei IBM geschieht und hier in Deutschland die Arbeitsplätze vernichtet werden. Aus dieser Antwort ist nur zu gut zu ersehen wie arrogant und gewissenlos hier gedacht wird - selbst von Ihnen. Sowas kann nur aus dem Mund von jemanden kommen, der nicht versuchen muß mit seinem Einkommen zu haushalten und über die Runden zu kommen. Sonst würden Sie hier nicht von überzogener Lohnpolitik der Gewerkschaften reden, wo auf der anderen Seite die Manager nur absahnen. Mit vorzüglicher Hochachtung Strobel
Sehr geehrter Herr Strobel, Ihren Worten wohnt eine moralische Wertung inne. Die habe ich indes nicht gemeint. Mit "überzogen" meinte ich: überzogen relativ zu jenen Löhnen, die Vollbeschäftigung gebracht hätten. Es liegt mir wirklich fern, niedrigere Löhne für gerecht zu halten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, aufmerksam verfolge ich alle Ihrer Publikationen. Auch habe ich Ihre Bücher "Kaltstart", "Ist Deutschland noch zu retten?" (2003) und "Mut zu Reformen" regelrecht verschlungen. Begeistert lese ich Ihre Kommentare zu den Aussagen von anderen Herrschaften der politischen bzw. ökonomischen Ecke. Die einzige Ausarbeitung, die Ihrem Buch nahe kommt, ist die Ausarbeitung der DB um Professor Walter - Mehr Wachstum für Deutschland -, wobei auch das Buch von Ludolf von Wartenberg - Investition in die Zukunft - recht ansprechend zu lesen ist. Die Ideologischen Ausarbeitungen der Herren Müller und Bofinger habe ich dagegen relativ schnell wieder ins Bücherregal gestellt. Leider gibt es nur wenige solcher Rufer in der Wüste wie Sie. Bitte machen Sie so weiter! Im übrigen ist die Neugestaltung der IFO Webpage sehr gut gelungen. Mit vielen Grüßen Thomas Reichelt
Sehr geehrter Herr Reichelt, vielen Dank für Ihre ermunternden Kommentare. Die helfen. Das Lob für die Website leite ich gerne an meine Kollegen und Mitarbeiter weiter. Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 13.4.05, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Sinn, Vielen Dank für Ihre rasche Antwort. Wenn Sie der Meinung sind, dass man doch nur über die aktive Mitgliedschaft in unseren Volksparteien etwas bewegen kann, dann fordere ich Sie hiermit auf, sich aktiv und nicht nur beratend politisch zu beteiligen. Wer, wenn nicht Leute wie Sie, Hans-Olaf Henkel und ähnliche, sind dazu geeignet? Wenn ich endlich einmal Namen wie Ihre auf Wahlplakaten lese, werde ich sofort wieder in eine Partei eintreten. Herzlichst, Nicole C. Eckert
Sehr geehrte Frau Eckert, von Ihrem Brief fühle ich mich geehrt. Allerdings gehöre ich keiner Partei an und möchte meine Unabhängigkeit als Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung wahren. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn! Danke für ihr wirklich herausragendes Buch, leider fehlen zur Zeit nur die Leute, die umsetzen wollen, was Sie vorschlagen. Jetzt habe ich aber doch noch eine Frage: Bei der WDR Sendung "Hart aber fair" tauchte in der Sendung vom 12.4.05 eine Statistik auf, dass die Jahresarbeitszeit der Deutschen über 1 600 Stunden und höher als beispielsweise die der Schweden liege. Die Statistik zu der Jahresarbeitszeit in ihrem Buch sagt aus, dass die Jahresarbeitszeit der Deutschen bei 1 444 Stunden liege. Dieser Unterschied ist beträchtlich, vor allem in Hinblick auf die Frage, ob längere Arbeitszeiten sinnvoll sind! Wie kommt ein solcher Unterschied zu Stande und wie kann ich herausfinden, welche Statistik stimmt? Ansonsten nochmal ein großes Lob für Ihr Buch, mich als jungen Gymnasiasten haben Sie begeistert! Mit freundlichen Grüßen Stefan Fasbender
Sehr geehrter Herr Fasbender, vielen Dank für Ihre Anfrage. Um es vorwegzunehmen: Beide Werte sind richtig, und der Unterschied ist schnell zu erklären, er resultiert daraus, dass einmal - ohne es direkt zu erwähnen - nur Vollzeitbeschäftigte betrachtet werden, das andere Mal alle Erwerbstätigen. Bei dem Wert von über 1600 Stunden handelt es sich entweder um die durchschnittliche tarifliche Jahresarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten (nach Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung betrug diese 2004 in Deutschland 1655,3 Stunden, vgl. WSI, Informationen zur Tarifpolitik, Tarifpolitischer Jahresbericht 2004, S.64) oder um die durchschnittliche tatsächliche Jahresarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten (sie wird vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, das in Deutschland die offizielle Arbeitsvolumensrechnung durchführt, für 2004 mit 1665,5 Stunden angegeben; vgl. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Kurzbericht Nr. 17/2004, S.9). Die tatsächliche Arbeitszeit unterscheidet sich von der tariflichen Arbeitszeit insbesondere dadurch, dass einerseits Arbeitsausfall durch Krankheit und andererseits Mehrarbeit durch Überstunden berücksichtigt wird. Bezieht man zusätzlich die Effekte von Teilzeitarbeit in die Berechnungen ein - immerhin arbeiten nur rund 70% der Arbeitnehmer in Deutschland Vollzeit -, so ergibt sich für alle Erwerbstätigen in Deutschland 2004 eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1444,3 Stunden (vgl. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Kurzbericht Nr. 17/2004, S.9). In dem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" ist ein internationaler Vergleich der tatsächlichen durchschnittlichen Arbeitszeit der Erwerbstätigen dargestellt, wie er von der OECD in ihrem "Employment Outlook" veröffentlicht wird, der sich für Deutschland auf die genannte Arbeitsvolumensrechnung des IAB stützt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Pofessor Sinn, (...) Ich habe in der jetzigen Situation kein Vertrauen in die positive Wirkung von Investitionen, sondern befürchte vielmehr, daß nach einem kurzen Strohfeuer der Konjunktur die dann immer noch nicht nachgefragten Wirtschaftsleistungen mit noch weniger Arbeitskräften erzeugt werden könnten. Ich bin derart pessimistisch, daß ich -mit dem Kopf im Sand - die in Ihrem Buchtitel gestellte Frage nur mit n e i n beantworten kann. Können Sie mir Mut machen, daß die Lektüre Ihres Buches meine Stimmung aufhellen würde? MfG K.-H. M.
Sehr geehrter Herr M., ich denke schon, dass ich Ihnen Mut machen kann. In meinem Buch stelle ich ein sechs-Punkte-Programm dar, das den ersehnten Wirtschaftsaufschwung bringen wird. Das Programm erfasst die Dinge, die aus ökonomischer Sicht wirklich wichtig sind und Erfolg versprechen. Es gibt überhaupt keinen Grund, wegen der Konkurrenz mit den Niedriglöhnern der Welt zu verzagen. Exportieren und Handel treiben kann man immer. Ein Land kann nie seine Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn seine Löhne und Preise flexibel sind. Einsicht in die Funktionsweise der Marktwirtschaft hilft, die Sorgen zu verringern. Natürlich kann man Deutschland retten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Mit grossem Interesse habe ich Ihr Buch "Ist D noch zu retten" gelesen. Im Juni schliesse ich mein Medizin-Studium ab und beschäftige mich schon lange mit Ideen für eine kompakte Gesundheitsreform. Noch brisanter finde derzeit allerdings das Thema Steuerreform, bei welchem meine Kompetenz natürlich unweit eingeschränkter ist. Ihr erklärendes und KLARES (!!!) Buch hat mich daher sehr inspiriert. Warum ich Ihnen schreibe? Es geht mir um eine generelle Umsetzungsmöglichkeit. Ideen gibt es allzuviele. Meines Erachtens sind intelligente und praktikable Ideen nur parteiunabhängig (ich war selber lange genug in der JU und CSU) schnell umsetzbar. Dazu brauchen wir: a. einen bundesweiten Volksentscheid b. ein ehrenamtliches offenes Expertenteam c. finanziert über Spenden und Firmen, unabh. von öffentlichen Geldern d. nur komplette Reformpakete werden den Mitbürgern vorgelegt und simpel aber gänzlich erklärt und abgestimmt e. es gibt keine Posten f. wer blockiert fliegt raus g. Reformen müssen komplett und zügig durchgearbeitet werden Ziel ist es Reformen mit Experten zu erarbeiten, die Ahnung von ihrem Fach haben und nicht unseren Staat profilsüchtigen, Lehrern, Steinewerfern und Postbeamten, die eine Partei zur Bewältigung Ihres Minderwertigkeitskomplexes gewählt haben, zu überlassen. Ist diese Idee gänzlich naiv oder sehen Sie eine Umsetzungsmöglichkeit? Ich bin gespannt auf Ihre Meinung. Herzlichst, Nicole C. Eckert
Sehr geehrte Frau Eckert, Was Sie schreiben, klingt ambitioniert. Aber wir brauchen tatsächlich Leute, die sich in dieser Form, wie Sie es sagen, politisch engagieren. Ich wünschte mir, es gäbe mehr davon. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihr Buch geradezu verschlungen. Hervorragend!! Auch im Forum findet man immer weitere tolle Ansätze. Nun meine Frage: Warum machen wir diese Thesen nicht einmal "so richtig" publik. Die Politik wird sich erst ändern, wenn wir, die Bürger, Sie dazu zwingen werden. Ihre Ansätze sind doch mehr als nachvollziehbar. Ihre Reputation steht außer Frage. Es gibt überdies noch weitere Ökonomen, Institute (Insitut für Wirtschaft usw.) und Journalisten (ich erwähne hier nur Herrn Ederer), die eine genauso zutreffende Sichtweise der Zustände in Deutschland haben. Warum ist es nicht möglich mit der Macht Ihrer Ämter Aufklärungsarbeit in Deutschland zu betreiben. Die Menschen sind dankbar für jeden positiven und umsetzbaren Ansatz. Nach unzähligen Briefen und e-mails an unsere "Staatsmannschaft" habe ich noch nicht einmal eine Antwort auf meine Fragen und Einwände erhalten. Die Masse der Besitzstandswahrer und der "ewig Gestrigen" läßt nicht´s mehr an sich ran. Da hat man als Einzelner keine Chance - und das Volk auch nicht mehr. Sind wir denn zum Zuschauen verdammt und müssen allen Blödsinn hinnehmen, der uns von den Oberen serviert wird? Sie als medienbekannter und geachteter Ökonom haben vielleicht die Möglichkeit einen Stein in´s Rollen zu bringen. Der "kranke Mann" Europa´s liegt im Sterben. Der Binnenmarkt löst sich auf. Wir haben keine Zeit mehr zu verschenken. Ich werde mir es aber nicht nehmen lassen nach immer neuen Wegen zu suchen um eine Veränderung in Deutschland herbei zu führen. Ich möchte mich nicht von meinen Kinder später einmal fragen lassen müssen, warum ich nichts getan habe. Diesen Fehler sollten wir nicht noch einmal machen. Gerne würde ich Ihnen im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten dabei helfen diese Diskussion in Deutschland wieder zu entfachen. Wir bereits erwähnt: Deutschland hat keine Zeit mehr zu verschenken. Und eins steht so denke ich fest. Auf die Parteien in Deutschland brauchen wir nicht mehr zu warten. Von dort kommen keine Impulse mehr. Man beschäftigt sich nur noch mit sich selbst und parteitaktischen Winkelzügen. Das Deutschland dabei vor die Hunde geht interessiert hier schon 20 Jahre niemanden mehr. Vielen Dank für Ihr offenes Ohr. Mit freundlichen Grüßen Michael Arnold Geschäftsführer entnervter Arbeitgeber Ehemann und Vater 2er Kinder
Sehr geehrter Herr Arnold, vielen Dank für Ihre Komplimente. Ich verstehe Ihren Frust und tue meinen Teil, die Öffentlichkeit aufzuklären. Mehr kann ich im Rahmen meines Amtes nicht tun. Man kann nur hoffen, dass Bürger wie Sie aktiv werden. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 6.4.05, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort, mir gefällt wie gesagt dass das Thema zur Diskussion gestellt ist. Aus Überzeugung und pers. Erfahrung weiss ich um Effekte der Meinungsbildung. Angenommen, eine bessere Publik unter den Deutschen um deren Löhne im internationalen Vergleich in Verbindung mit volkswirtschaftlichen Konsequenzen führe zu erhöhter Akzeptanz einer Lohnsenkung. Dennoch nehme ich nicht an, dass dadurch der Standort Deutschland wesentlich an Attraktivität gewinnt. Ein größerer Hebel liegt meiner Meinung in der Steuerpolitik und Sozialwesen. Durch eine Senkung der Körperschaftssteuer und vgl. Steuern müsste der Abwanderung der Unternehmensgewinne entgegengewirkt werden. Fatal sind die Auswirkungen der diesbezüglichen steuerlichen Imparitäten im internationen Vergleich für unseren Standort. Dies als konkretes Beispiel als Ansatzpunkt staatl. Steuerungsinstrummente, die den Standort D. beeinflussen. Weiterer wesentlicher Bedarf zum Ansatz zur Verbesserung des Standortes sind staatliche Ausgaben. Damit meine ich nicht nur die von Herrn Wedekind angesprochenen. Es gilt hierbei alle Ausgaben betonter aus unternehmerischer Perspektive zu prüfen. Ich denke hierbei beispielsweise an Sozialleistungen, Leistungen die dem Begriff "Wohlfahrtsstaat" zugeordnet werden, Gelder die in den "Aufbau" Ost gehen oder Zahlungen an internat. Organisationen. Ohne Ihr neuestes Buch gelesen zu haben, vermute ich, dass Sie dazu Ihre fachkundigen Kenntnisse, die mir u.a. auch über den Spiegel bekannt sind, ausführlich in dem Werk veranschaulicht haben. Zu Ihrer These die Löhne seien das Hauptproblem des Standorts Deutschland sehe ich diese bereits schon im Buch stecken bleiben. Zu groß ist der Bruch zwischen Wissenschaft und Realisation der gewonnenen Lösungsansätze. Ich finde, das müsste bereits in der Theorie berücksichtigt werden. Bei so stark etablierten Systemen, Standarts, Haltungen und Geschichte werden die Löhe auf trotz Ihres Buches sich nicht wesentlich ändern. Zudem ist der Ansatz an einem von den Charakteristika weiter ausgeprägten Markt schwieriger zu beeinflussen als meine im mittleren Absatz genannten anderen Komponenten, die unseren Standort beeinflussen. Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass das Buch sichtlich die Standortfrage zu thematisieren vermag und sage Ihnen Dankeschön für diesen Beitrag, Robert Hausmann
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Interesse lese ich die Diskussion zum Standort D, auch Ihre Buchvorstellung in der SZ und begrüße Ihre Haltung dies zu thematisieren. Deutschlands Nachteile im internat. Vergleich lediglich auf ein volkswirtschaftl. Modell eines Lohnmarktes zurückzuführen halte ich jedoch für zu realitätsfern, Porsche Chef W.W. zeigt, vgl. Anhang, beispielsweise weitere Aspekte, die den Standort D jenseits o.g. Modells prägen, auf. Schöne Grüße, Robert Hausmann Quelle Anhang: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,349844,00.html
Sehr geehrter Herr Hausmann, vielen Dank für den Artikel. Herr Wedekind hat gut reden. Porsche schreibt unter anderem deshalb schwarze Zahlen, weil es in Bratislawa produzieren lässt. Aber ansonsten hat er natürlich Recht, was die steuerliche Absetzbarkeit von Kosten der Standortverlagerung betrifft. Es würde mich freuen zu erfahren, was Sie von meinem Buch halten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre Fernseh-Vortragsreihe und natürlich für Ihre Bücher und sonstige Arbeit danke ich Ihnen wie sicher viele andere auch. Ergänzende Gesichtspunkte könnten Sie vielleicht als rhetorische Frage einbringen: Würde sich Lenin heute nicht sagen, dass keine ,historische Gesellschaft' seinem Ideal einer Diktatur des Proletariats näher gekommen ist als die Bundesrepublik Deutschland?! Besonders seit die Gewerkschaften marktwirtschaftlliche Methoden anwenden, ist ihre Erfolgsquote gross, im Sinne einer Ausbreitung ihrer ideellen Positionen. Die beliebte Figur Robin Hood oder auch David gegen Goliath ist nämlich nur noch eine wohlfeile Denkrille. Die Wahrheit ist, dass der sogenannte kleine Mann sich heute verhält wie einst Nero im Zirkus: er entscheidet mit dem Daumen zippend über die Werbemillionen und den Fernsehstil, die Kameras hängen gierig an seinen Augen und Lippen und hofieren ihm und seinen neuen Kleidern. Wer will da noch Politiker werden? Vielleicht sind Sie einer der wenigen, die das Buch von Wittfogel kennen: Die orientalische Despotie. Englisch erschienen in den USA ca 1956, auf deutsch erst Mitte der 70er Jahre (für seinen Inhalt ein denkbar schlechter Boden). Die Grundidee ist eine originelle Idee von Marx' Frühzeit, später wurde sie sie von ihm selber und noch mehr von Lenin und besonders Stalin verleugnet und aus dem Gedächtnis gelöscht. Die Grundidee: die von ihm so genannten hydraulischen Gesellschaften sind von Bewässerung abhängig, was sie fast unweigerlich zu zentral regulierten und verwalteten Gesellschaften macht. Die ausgeführte Grundidee gibt einen klaren Wegweiser zur Unterscheidung von Zentralismus und Systemen, in denen ausser der Zentralmacht auch andere etwas zu sagen haben, zum Beispiel ausser dem Kaiser auch die Feudalherren; der Feudalismus war in Wirklichkeit dezentral, eher Föderalimus als Zentralismus. Eben deswegen ist das Buch den zu Sozialtechnokratie neigenden linken Ideologen zu empfehlen, welche nicht sehen können, dass der Kommunismus die Wirkung einer geistigen und moralischen Neutronenbombe hatte (wenigsten die platten Zementbauten kann man getrost abräumen). Nirgends so wie in Deutschland werden Wirtschaft und Bürger (Volk) einander so entgegen gesetzt, als wären Wirtschaftsleute von einem anderen Planeten, und nicht Mitbürger, Volks-,Genossen' im weder national- noch internationalsozialistischen Sinn. Ein hochbezahlter Professor der Soziologie sonnte sich ca 2002 in seiner Fernsehaussage, dass er der Wirtschaft immer eher negativ gegenüber gestanden hätte. - Diese Haltung ist leider auf dem besten Wege, gegenstandslos zu werden. Gilt nicht: Arbeiten ist auch gelebt, ist ja sogar gut murxisch Entfaltung von Fähigkeiten und Funktionen, Kontakt mit Land und Leuten, Sammeln von Erfahrung, mit langweilligen Sonntagen dazwischen? Ist die Verachtung des Materiellen nicht auf eine falsche und eigentlich unchristliche Trennung von Körper und Seele zurück zu führen (statt den alten Begriff Leib neu zu überdenken, wie es z.B. der Kieler Philosoph H. Schmitz u.a. tat)? Merkt man nicht dem Gehirn der Grünen (mehr noch als dem der Roten) und ihren Äusserungen die Trennung vom Bauch allzu deutlich an? Mit freundlichen Grüssen CS
Sehr geehrter Herr S., Ihre Sprache ist philosophisch gezeichnet. Insofern würde ich die Dinge so nicht darlegen. Aber ich kann Ihren interessanten Ausführungen durchaus folgen. Wer so schreibt wie Sie, sollte mehr davon tun. Warum schreiben Sie nicht einmal ein Buch, in dem Sie Ihre Gedanken darlegen? Ihr Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Danke. Für ihr Buch ist Deutschland noch zu retten. Ich selbst habe mich im Jahr 2000 ganz bewusst aus Deutschland verabschiedet und leite nun eine Werbeagentur in Südtirol. Dort herrscht übrigens 0% Arbeitslosigkeit, by the way. Ich habe dies getan, weil ich den Stillstand wider jegliche ökonomische Vernunft nicht mehr ertragen habe und weil ich meinen beiden Kindern eine gesicherte Zukunft hinterlassen will. Diese Möglichkeit sah und sehe ich in Deutschland nicht. Mit ihrem Buch sprechen Sie mir einfach nur aus der Seele Punkt Ich möchte nun ihr Buch um zwei Vorschläge ergänzen die ich aus der Praxis eines anderen Landes kenne und hoffe Ihnen damit eine Anregung zu geben. Der Blick von aussen hilft nämlich ungemein. 1. Jedes Unternehmen, dessen Produkte nicht mehr so laufen wie zuvor reagiert mit Sonderangeboten/Promotions/verkausfördernden Maßnahmen. So tut dies auch der italienische Staat, denn Herr Berlusconi, man mag zu ihm menschlich und politisch stehen wie man will, ist ein Unternehmer - noch dazu ein sehr erfolgreicher. In Italien gibt es die sogennannten Eingliederungsverträge. Der Staat verzichtet auf 50% der Sozialabgaben, die ungefähr das 2,2 fache des Nettolohn ausmachen. Der Mitarbeiter erhält aber trotzdem alle Leistungen des Staates (Rente/Krankheit etc.) Die Arbeit verbilligt sich dadurch für das Unternehmen um ca. 25-30% der Arbeitnehmer erhält das gleiche. Diese Verträge können auf 18 Monate geschlossen werden, sind also Zeitverträge und können, müssen aber nicht in ein ordentliches Arbeitsverhältnis übergehen. Die Eingliederungsverträge betreffen bestimme Arbeitnehmer: Jobeinsteiger die älter als 24 Jahre sind (meist Hochschulabsolventen). Menschen, die älter als 30 Jahre sind und mindestens 1 Jaht arbeitslos. Ich selbst beschäftige im meiner Werbeagentur 2 solcher Leute, die ich mir ohne Eingliederungsvertrag nicht hätte leisten können - zumindest eine davon ist ein Volltreffer und bereits nach wenigen Monaten nicht mehr aus der Agentur wegzudenken. Everything can be so simple. 2. Die geilste Idee, die Berlusconi je hatte: Überall in Europa und gerade auch in Deutschland fällt immer wieder das Stichwort "Bürokratieabbau". Es soll ja ein großes Hindernis für Investoren sein. Bürokratieabbau klingt so schön einfach, wahrscheinlich jeder ausser den Beamten würde dem zustimmen, in der Praxis kämpft man aber gegen ein System, dass sich über viele Jahre aufgebaut, etabliert und seine Machtstrukturen gefestigt hat. Auch ein Regierungschef. Darauf hatte Berlusconi keinen Bock, also hat er den Spieß einfach umgedreht: Jeder der in Italien an eine Behörde eine Anfrage/Ansuchen stellt und binnen 4 Wochen keine Antwort erhält, hat das stillschweigende Einverständnis dieser Behörde. Rechtlich verbrieft. Und kann bauen, Reinigung gründen, was auch immer. Jetzt haben die Beamten den schwarzen Peter und müssen reagieren - verschleppen zählt nicht mehr. Auch die allermeisten Feiertage hat Berlusconi abgeschafft, weil er die italienische Einheitsgewerkschaft unter Druck setzen, bzw aushebeln wollte, aber das schlagen Sie in Ihrem Buch ja auch vor. Vielleicht konnte ich Ihnen ein paar Anregungen geben - Sie mir schon. Mit freundlichen Grüssen aus dem (fast) immer sonnigen Südtirol. Thomas Treber
Sehr geehrter Herr Treber, haben Sie vielen Dank für Ihren Brief, dem ich nichts hinzuzufügen habe. Es gibt eben doch Wege zum Erfolg. Der Blick aus dem Ausland hilft ungemein. Ich selbst habe lange genug in Kanada und den USA gelebt, um so zu empfinden wie Sie. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit Interesse verfolge ich die politischen Diskussionen um das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Leider muß ich immer wieder darüber wundern, das sämtliche "Fachleute" darauf warten, das die Wirtschaft wieder floriert. Mich wundert auch, das ich in Ihrem Artikel lesen muß, daß ein überraschender Stimmungseinbruch in der deutschen Wirtschaft die Hoffnung auf einen Konjunkturfrühling schwinden läßt. Dazu möchte ich folgendes anmerken: Die deutsche Wirtschaft sorgt selber dafür, daß in Deutschland kein Wachstum und Aufschwung zustande kommt. Denn Wirtschaft macht schon seit einger Zeit Gewinne wie noch nie - in Milliardenhöhe. Die Manager verdienen Millionen und trotzdem werden immer mehr Menschen in Deutschland arbeitslos, weil in Managerkreisen sich die Raffgier breit gemacht hat und die Job´s nach Osteuropa verlagert werden, wo die Unternehmen zum Teil auch noch Fördermittel dafür erhalten. Wie soll Wachstum funktionieren wenn immer mehr Menschen grundlos ihren Job verlieren. Das ist ein Spirale die sich durch alle Sparten zieht. Ich kann Ihnen ein aktuelles Beispiel nennen, weil es leider auch mich selber betrifft: Ich bin in Schweinfurt bei der IBM BS beschäftigt. Die IBM macht gute Geschäfte, schreibt schwarze Zahlen(nicht zuletzt wir in Schweinfurt). Jetzt wurden wir in einer "Nacht- und Nebelaktion" darüber unterrichtet, daß IBM den Standort Schweinfurt komplett schließen möchte und unsere Arbeitsplätze nach Tschechien, Ungarn und China verlagern möchte. Wir sollen nicht einmal in einem anderen Standort weiterbeschäftigt werden, obwohl innerhalb vom Unternhemen über 400 Stellen offen sind. Für die Region ist das fatal, da keine Möglichkeiten für eine Arbeitsstelle vorhanden sind. Solange hier den Unternehmen nicht beizukommen ist, nützen auch keine Steuersenkungen, Senkung der Lohnnebenkosten und Lohnkürzungen nichts, denn diese freigesetzten finanziellen Mittel werden wieder nur durch die Manager "aufgefressen" und es entstehen trotzdem keine neuen Arbeitsplätze. Als Vorschlag würde ich mal machen, sämtliche Subventionen und Steuervergünstigungen der Großunternehmen zu streichen und als einzige Leistung Subventionen für jeden Arbeitspaltz und eine besondere Prämie für jeden neu geschaffenen Arbeitsplatz an die Unternehmen auszuschütten. Mit der Hoffnung das Sie meinen Beitrag kritisch lesen verbleibe ich Mit freundlichem Gruß Ralf Strobel
Sehr geehrter Herr Strobel, Sie haben ja völlig Recht. Bloß weil man Gewinne macht, wird man nicht investieren. Investiert wird nur, wenn man dadurch Gewinne machen kann. Ein feiner Unterschied, der in der öffentlichen Diskussion total übersehen wird. Dass die Unternehmen bessere Gewinnmöglichkeiten in Osteueropa sehen und Produktion verlagern, ist leider ein bedauerliches Faktum. Das ist hinzunehmen. Man muss ihnen hier deshalb das Gleiche bieten. Sonst geht es nicht. Die Gesetze des Marktes sind ziemlich unerbittlich. Will man gegen sie handeln, geht man unter. Die Produktionsverlagerung und der Verlust des Arbeitsplatzes ist auch die Konsequenz einer überzogenen Lohnpolitik der Gewerkschaften, die den Standort lädiert haben. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Ihr Buch ist das richtige Buch zur richtigen Zeit und ragt in der Geschlossenheit seiner Problemanalyse weit über die Beiträge Ihrer Kritiker heraus. Sehr gut auch Ihr Ton und das Bemühen ökonomische Zusammenhänge breitenverständlich zu formulieren. Von daher kann man Ihnen nur gratulieren und für das Engagement danken. Zu viel des Lobes? Keineswegs, wenn man sieht, wie gereizt Ihre zahlreichen Kritiker reagieren. Ihr Buch und die Reaktionen darauf beschreiben aber auch ein Dilemma, nämlich dass die Wirtschaftswissenschaft keine kummulative Wissenschaft zu sein scheint. Allzu gegensätzlich sind die theoretischen Argumentationsgrundlagen der "Experten" und die herausgepickten empirischen Belege. Man möchte meinen Herr Hickel, Horn oder Bofinger etc. sind im 2 Semester Makroökonomik stehen geblieben - die Langfristperspektive und Wachstumsaspekte existieren schlichtweg nicht oder allenfalls in den Fußnoten, daher dann die Nachfragefixierung. Meine Frage: Muss man die in der gegenwärtigen Situation nachfrageseitig argumentierenden Volkwirte nicht besser wiederlegen können? Hier spricht die politikberatende Wirtschaftswissenschaft mit vielen Stimmen und veringert ihre Glaubwürdigkeit. Was kann man aus der hunderte Millionen schweren und erfolglosen Nachfragepolitik in Japan lernen; warum kann es bei einer unabhängigen europäischen Zentralbank keinen Politikmix geben, warum ist die Zeit schlichtweg nicht reif für Nachfrageimpulse ... ?
Sehr geehrter Herr Lehmann, vielen Dank für Ihre ermunternden Worte, denen ich nichts hinzufügen möchte. Was die Widerlegung der Nachfrageargumente betrifft, kann ich nur die Argumente wiederholden, die Sie wahrscheinlich kennen. Hier in 10 Punkten eine Argumentationskette im Telegrammstil. 1. Krise ist langfristig. Nachfrageargumente erklären nur zyklische Schwankungen kurzfristiger Natur: Änderungen des Auslastungsgrades. Theorie nicht für längerfristige Phänomene gemacht. Nur Hansen hat das mit seiner säkularen Stagnationstheorie in den Fünfzigern erfolglos versucht. Außer in D. gibt es auf der ganzen Welt keine langfristigen Keynesianer. 2. Hohe deutsche Löhne: Weltmeister nach Norwegen. Passt nicht zur keynesianischen, sondern nur zur klassischen Arbeitslosigkeit. Lehrbuchstoff. 3. D. hat zweitniedrigste Investitionsquote im OECD-Vergleich. Niedrige Kapazitätsausweitung. (Natürlich auch niedrige Nachfrage nach Investitionsgütern; Nachfrageeinbruch aber nur einmal, während Kapazitätseffekt sich in der zeit akkumuliert.) 4. NBL: Nachfrageüberhang über eigene Produktion von 45%. Trotzdem läuft nichts. Mehr Nachfrageüberhang gab es nie irgendwo auf der Welt. 5. Lohnspreizung in D. im internationalen Vergleich gering. Spreizung nimmt auch nicht zu wie in den angels. Ländern. Spricht für Lohnuntergrenze durch sozialstaatliche Lohnkonkurrenz. 6. Japan: Erhöhung der Schuldenquote von 60% auf 160% in zehn Jahren brachte nichts. 7. Löhne stiegen in D. in den letzten zwanzig Jahren viel schneller als in z.B. Holland oder den USA. Folglich hätte es nachfragegetriebenes Wachstum geben müssen. War nicht der Fall. Deutschland wuchs nur sehr wenig. 8. Weltwirtschaft boomt wie seit 28 Jahren nicht. Über den Export kam letztes Jahr gigantischer Nachfrageboom. Sprang aber nicht über. Spricht für Standortschwäche, sprich hohe deutsche Löhne, die das Investieren unattraktiv machen. 9. Extrem hoher Kapitalexport in Höhe von 5% des BIP. Spricht für Kapitalflucht. Ebenfalls Standortproblem. 10. Last but not least: 95% der Universitäts-Professoren der Ökonomie, würde ich einmal behaupten, sehen Deutschlands Probleme im wesentlichen nicht als Nachfrage-, sondern Angebotsprobleme. Dass die 5% Hickels von den Medien zu optischen 50% hochstilisiert werden, ist ein Reflex der geisteswissenschaftlichen Gemütsverfassung unserer Journalisten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Provokationen in Ihrem Buch, das ich zweimal gelesen habe, fand ich erfrischend und anregend. Die OPEC ist ein Kartell, das nur nicht Deutschland, sondern die ganze Welt "im Würgegriff" hält. Ich habe umsonst nach einer Stelle gesucht, wo Sie oder andere Wissenschaftlicher die OPEC kritisieren. Wieso geschieht gar nichts, z. B. seitens der WTO, um dieses Kartell zu beseitigen? Da ich weiß, dass Sie sehr viel beschäftigt sind, wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir bei Gelegenheit Ihre Gedanken dazu mitteilen würden. Ich würde sie an unsere Diskussionsgruppe, die sich mit der Globalisierung beschäftigt, weiterleiten. Mit freundlichen Grüßen Stéphane Vézina
Sehr geehrter Herr Vézina, es freut mich, dass Sie mein Buch anregend fanden. Es würde mich noch mehr freuen, wenn ich Sie mit den "Provokationen", von denen Sie sprechen, auch überzeugen könnte. Wenn Sie an Globalisierungsfragen interessiert sind, verweise ich Sie auf mein Buch "The New Systems Competition", das eine umfassende Kritik der Sinnhaftigkeit des Systemwettbewerbs enthält. Das Buch ist in Deutschland wenig bekannt, und es scheint so gar nicht meiner liberalen Haltung in Deutschland zu entsprechen. In Wahrheit tut es das. Die Globalisierung mit ihrem ungezügelten Systemwettbewerb zu kritisieren ist eben kein Widerspruch zu der Aussage, dass Deutschland als kleinem Land nicht viel anderes übrig bleibt, als sich nach den Regeln dieses Wettbewerbs zu richten. Was die OPEC betrifft, glaube ich, dass die Macht geringer ist, als gemeinhin geglaubt wird. Monopolmacht setzt voraus, dass man sein Angebot dauerhaft verknappen kann, um die Preise zu erhöhen. Diese Macht hat die OPEC nicht, denn dann bliebe sie wegen der verringerten Nachfrage dauerhaft auf einem Teil ihres Öls sitzen. Das Kartell hat nur die Macht, die Preise heute im Vergleich zum Wettbewerbspfad der Preise zu erhöhen, wenn es sie dafür morgen senkt. Der Punkt wurde übrigens von Joseph Stiglitz in einem Artikel gemacht, der schon in den siebziger Jahren im American Economic Review erschienen ist. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort vom 28.07.2004. Ich habe mal versucht herauszufinden, ob Ihre Antwort richtig ist. Das Ergebnis lautet ja und nein. Unterhalb eines bestimmten Mindesteinkommens spielen die von Ihnen erwähnten lokalen Dienstleistungen überhaupt keine Rolle, da sie mit niedrigem Einkommen nicht verfügbar sind. Steigende Lebenshaltungskosten verschieben diese Grenze regelmäßig weiter nach oben. Erst erheblich oberhalb dieser Grenze kann der von Ihnen genannte Effekt eintreten. Der Armutsbericht Deutschland zeigt aber ganz deutlich, das immer mehr Menschen an oder unterhalb dieser Grenze leben müssen, und mittlerweile erschreckend viele Kinder davon betroffen sind. Das Tempo der Verarmung trotz Job hat zugenommen. Am 03.07.2004 schrieben Sie im Forum als Antwort auf einen anderen Beitrag, Deutschland häte die geringste Anzahl von Staatsbediensteten im OECD-Vergleich. Korrigieren Sie mich bitte wenn ich falsch liege, aber da ist einfach nur falsch gezählt worden, weil es in Deutschland Tradition ist, hoheitliche und öffentlich-rechtliche Aufgaben auf scheinbar nicht staatliche Körperschaften zu übertragen und deren Beschäftigte (keine Beamten sondern Angestellte) und gelegentlich beauftragte öffentlich bestellte Freiberufler dann nicht mitzuzählen. Alle diese Körperschaften haben aber gemeinsame Merkmale. Wenn Sie eine Rechnung nicht bezahlen oder die angebotene "Dienstleistung" nicht beanspruchen wollen, dann bekommen Sie keine gewöhnliche Mahnung sondern einen Bußgeldbescheid, ein Zwangsgeld auferlegt, oder ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht oder dem Sozialgericht, oder es wird eine andere Zwangsmassnahme eingeleitet. Die Nutzung der "Dienstleistungen" dieser Körperschaften ist im Gesetz zur Pflicht erhoben, d.h. der Staat bestimmt, welche Verträge zwingend zustande kommen. Auf der endlosen Liste dieser Körperschaften stehen z.B.: Abwasserzweckverbände, Sozialversicherungsträger, Vermesser, Schornsteinfeger, TÜV, öffentlich-rechtliches Fernsehen ... Wenn mann die Zahl der Staatsbeschäftigten um die Beschäftigten jener Körperschaften nach oben korrigiert, auf die die vorgenannten Merkmale zutreffen, habe ich die Befürchtung, das es sich bei der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Definition der Volkswirtschaftslehre nicht mehr um eine Marktwirtschaft handelt. Staatswirtschaften (auch mit einem kleinen privaten Sektor) sind auf Dauer nicht zu retten, denn sie kippen früher oder später in Richtung Polizeistaat. Wenn man nun Ihre Ausgangsfrage "Ist Deutschland noch zu retten?" an dieser Stelle noch mal stellt, muß ich erst mal überlegen.
Sehr geehrter Herr Harwart, ich habe mal bei unserem Spezialisten, Dr. Nierhaus, nachgefragt. Dies ist seine Antwort. "Leider wurde in der deutschen Preisstatistik im Jahr 2003 mit der Umstellung des Verbraucherpreisindex auf die aktuelle Preisbasis 2000 der Nachweis von Preisindizes für spezielle Haushaltstypen (4-Personen-Haushalte von Beamten und Angestellten mit höherem Einkommen, 4-Personen-Haushalte von Arbeitern und Angestellten mit mittlerem Einkommen, 2-Personen-Haushalte von Renten- und Sozialhilfeempfängern mit geringem Einkommen) eingestellt. Damit gibt es keine zeitnahen Informationen zum Dienstleistungseffekt auf die Lebenshaltung bei Geringverdienern. Aus den Wägungsschemata früherer Preisbasisjahre lässt sich allerdings ableiten, dass der Ausgabenanteil von Dienstleistungen bei einkommensschwachen Haushalten (Ausnahme: ausgewählte Gesundheitsdienstleistungen) deutlich geringer ist als bei einkommensstarken. Dafür sind die Wägungsanteile für Nahrungsmittel und für die Wohnungsnutzung merklich höher. Damit dürften einkommensschwache Haushalte von Preissteigerungen im Dienstleistungsbereich quantitativ weniger stark belastet werden als einkommensstarke." Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich weiß nicht ob es Ihnen viel bedeutet, aber ich möchte Ihnen zu Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gratulieren! Ich habe es mit großem Gewinn gelesen und finde es ganz hervorragend (...) Ich beschäftige mich schon länger mit den Problemen unseres Landes. Das Buch hat mir viele wichtige Hintergrundinformationen dazu und zur öffentlichen Diskussion darüber gegeben! Entscheidend wichtig ist der konstruktive Ansatz mit Ihrem 6+1 Punkte-Programm, mit dem endlich ein Handeln nach vernünftigen Erkenntnissen möglich wäre! Ich stimme weitestgehend mit Ihren Vorschlägen überein und werde versuchen, soweit es mir möglich ist, bei der Durchsetzung mitzuhelfen, auch wenn mir dabei vordergründig größere Nachteile entstehen sollten! Die Parteien werde ich noch maßgeblicher danach beurteilen, inwieweit sie bereit und fähig sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen! Wählen werde ich primär nur nach diesem Kriterium! Ich hoffe mit Ihnen, daß wir noch mehrheitsfähig sind! Die Gegenargumentation Ihres Kritikers Herrn Prof. Rudolf Hickel habe ich mir übrigens auch angesehen! Da fällt mir die Entscheidung nicht schwer, wem ich vertraue! Hier noch 2 kleine Punkte, bei denen ich Ihrer Argumentation nicht so ganz folgen konnte. 1) Im Buch wird mehrmals das Thema Strukturänderung unseres Schulsystems und Einführung der Ganztagsschule angesprochen. Hier sollte klargestellt werden, daß damit alleine natürlich nicht einmal ansatzweise unser Bildungsproblem zu lösen ist! Hauptproblem, zumindest bei uns in NRW, ist mangelde Qualität des Unterrichts und fehlende Motivation bei einem Großteil von Lehrern und Schülern! Die Mißstände bei uns sind durch dauernde Reformen ohne vernünftige Basis erst entstanden, zumindest aber verschärft worden. Jede weitere Reform muß wohlüberlegt sein und sitzen! Sie muß dem oben geschilderten Grundübel entgegenwirken! 2) Der Grundgedanke einer kapitalgedeckten Altersvorsorge bei der sogenannten Riester-Rente ist selbstverständlich positiv. Durch die katastrophale Umsetzung und den viel zu großen bürokratischen Aufwand stellt sie für mich aber ein rotes Tuch dar! Schon der Name "Riester-Rente" ist für mich eine absolute Zumutung, da ich, um es einmal ganz gelinde auszudrücken, nicht viel von diesem Herrn halte und er für mich allenfalls für die miserable Umsetzung, keinesfalls aber für diesen an und für sich sinnvollen Typ der Altersvorsorge steht! Was wir brauchen ist eine professionell entwickelte und umgesetzte "Kapitalgedeckte Altersvorsorge" - und genauso sollte sie, ohne dümmlichen Personenkult, auch heißen! - mit vernünftigen, erweiterten Renditemöglichkeiten! Ich bedanke mich nochmals bei Ihnen für Ihr engagiertes Eintreten zum Wohl unseres Landes! Mit freundlichen Grüßen Gerd-Walter Wiederstein
Lieber Herr Wiederstein, das ist Balsam auf meine durch massenhafte Unvernunft geschundene Seele. Vielen Dank für diese Rezension. Was Sie zur Schule und zur Riester-Rente schreiben, weicht nicht allzu sehr von meiner Meinung ab. Herr Riester war erstens nicht der Urheber der Idee, und zweitens ist die Rente handwerklich viel zu kompliziert gemacht. Urheber war ja der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft (zu dem ich auch gehöre). Aber ich finde es der Klarheit und Direktheit halber sinnvoll, bekannte Namen zu verwenden, auch wenn dabei implizit dem Falschen Ruhm zukommt. HWS
Warum stehen Beamte in Ihrem Buch unter "Artenschutz"? Beamtenversorgungen sind doch schon heute extrem belastende Posten der öffentlichen Haushalte. (Siehe kürzliche Veröffentlichung der Baden-Württembergischen Landesregierung). Zukünftig werden diese noch stark ansteigen, Steuermittel knebeln und kaum Handlungsspielraum für öffentliche Investitionen lassen. Beamte und deren Hinterbliebene beteiligen sich nicht an ihrer eigenen Altersvorsorge, sondern saugen gesetzlich verbürgt am System, außerdem werden sie per Beihilfen von uns Steuerzahlern inclusive ihrer Angehörigen auch im Krankheitsfall alimentiert (Beihilfekassen etc). Und das bei zunehmender Lebenserwartung duch Medizinfortschritt etc. Ich finde es da wenig hilfreich zu sagen, der Anteil der Beamte sei in Deutschland in % ausgedrückt sehr gering. Müsste nicht das gesamte System der Beamtenversorgung (Pension, Private Krankenversorgung) komplett umgestellt werden. Können unsere Kinder diese teueren Sauger noch bezahlen? (PS: Wir haben allein 4 Beamtenpäärchen im Bekanntenkreis, alle zwischen 42 und 56 in fröhliche, bestens dotierte A14 Pension gegangen...)
Sehr geehrter Herr Bischoff, Beamte stehen bei mir nicht unter Artenschutz. Mein Vorschlag zur Rentenreform, wie ich ihn in meinem Buch unterbreitet habe, sieht vor, dass die Beamtenpensionen im Zuge der demographischen Entwicklung auf etwa 60% ihres heutigen Niveaus in Relation zu den laufenden Beamtengehältern abgeschmolzen werden. Außerdem habe ich in dem Buch empfohlen, den Kündigungsschutz für Beamte weitgehend abzuschaffen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 14.2.05, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Professor Sinn, darüber, daß ich wider Erwarten von Ihnen eine Antwort erhalten habe, habe ich mich sehr gefreut und werde meinen Standtpunkt nochmals überdenken. Eine kleine Anmerkung sei jedoch gestattet. Ihrem Vorschlag folgend müßte unser Rechtssystem bezüglich der Rente gravierend geändert werden. Zusätzlich würden Kinderlose im Gegensatz zu Familien wesentlich stärker zur Kasse gebeten. Dies würde die Gesellschaft in einen Verteilungskonflikt führen zwischen den Kinderlosen einerseits und den Familien andererseits. Darüber hinaus wäre die Gesellschaft gezwungen, ihren Mondernisierungstrend zu überdenken, nach dem verschiedene Lebensweisen und Lebensentwürfe gleichberechtigt gegenüber stehen. Aus diesen Gründen halte ich Ihren Vorschlag für politisch nur schwer vermittelbar. Ferner ist zu bedenken, ob Kinder wirklich mit Investitionen vergleichbar sind. Ich sehe hier die Gefahr, dass die Familie vermarktet wird. Wenn nun die Familie zusätzlich Geld und Vorteile vom Staat aus bevölkerungspolitischen Gründen erhält, sollte man sich nicht wundern, wenn der Staat im Gegenzug mehr Einfluß ausübt, um in seinem Sinne "gute Produkte" zu gewährleisten. Über eine zunehmende Vergesellschaftung der Familie würde dann der Schutz der Familie ausgehöhlt. Ich bedanke mich nochmals, daß Sie sich Zeit genommen haben, meinen Brief nicht nur zu lesen, sondern auch zu beantworten, und verbleibe mit den allerbesten Grüßen von Hamburg nach München, Ihr Matthias Günther
Sehr geehrter Herr Günther, vielen Dank für Ihre Antwort. In der Tat wäre die Gesellschaft gezwungen, ihren Modernisierungstrend zu überdenken. Der Weg zur "modernen" kinderlosen Gesellschaft war ein Irrweg. Entweder ändern wir ihn oder die Evolution wird sich durchsetzen. Kinderlose Gesellschaften haben nun einmal keine Überlebenschancen. Ich weiß nicht, ob Sie die religöse Gruppe der Shakers kennen, die gleichzeitig mit den Quakers nach Amerika einwanderte. Von den Shakers spricht heute kein Mensch mehr. Warum? Weil sie sich der Kinderlosigkeit verschrieben hatten. So wirkt die Evolution. Was Sie zur Vergesellschaftung der Familie schreiben, stimmt so nicht. Heute werden bereits, wenn ich einmal hart ausdrücken darf, die Leibesfrüchte auf dem Wege der Rentenversicherung vergesellschaftet. Auch Kinderlose bekommen ja eine Rente. Das will ich zwar nicht grundsätzlich ändern, aber doch den Grade der Vergesellschaftung zurückdrehen. Kinderlose sollen sich um einen Teil ihrer Renten selbst kümmern, indem sie sparen. Sie wissen ja, dass die Beitragszahlung selbst noch keine Basis für eigene Renten ist, weil die Beiträge der Finanzierung der vorangehenden Rentnergeneration dienen. Wer seine Eltern ernährt, hat nicht schon deshalb selbst eine Rente. Die kommt nur von den Kindern. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse habe ich Ihr Buch gelesen. Sie haben mich von Ihren Thesen fast schon überzeugt. Allerdings brennt mir eine Frage auf den Nägeln: Sollten die Löhne in Deutschland auf breiter Basis fallen (oder auch nur im unteren Lohnniveau), würden die Preise für viele Güter (auch Investitionsgüter) im Laufe der Zeit immer billiger werden. Würde sich Deutschland in einem solchen Umfeld nicht gefährlich einer Deflation nähern? Zum einen würden Unternehmer aufgrund der günstigeren Preise mehr Investitionsgüter nachfragen, zum anderen würden sie ja auf weiter sinkende Preise hoffen und dadurch Investitionen in die Zukunft verschieben. Entscheidend ist wahrscheinlich, welcher der beiden Effekte stärker ist. Mit freundlichen Grüßen Josef Höcketstaller
Sehr geehrter Herr Höcketstaller, vielen Dank für Ihren Kommentar. Nun zu Ihren Fragen. Die Preise für international gehandelte Waren würden nicht fallen, weil ja deren Preise auf den Weltmärkten mehr oder weniger fixiert sind. Aber weil der Preis der Arbeit fällt, würde mehr Produktion in Deutschland stattfinden. Außerdem würden die Unternehmen weniger kapital- und mehr arbeitsintensiv produzieren, was Jobs schafft. Die Preise der nicht gehandelten Waren wie Bauleistungen, Dienstleistungen und ähnlichem würden wohl fallen. Insofern gäbe es deflationäre Tendenzen. Aber das wäre grundsätzlich gut, weil dadurch die Nachfrage nach solchen Leistungen stiege. Ihren Punkt verstehe ich. Indes hängt ein möglicher Attentismus der Investoren von den in der Zukunft noch erwarteten Preisänderungen und nicht von den vergangenen Preisänderungen ab. Sind die Preise überhöht wie heute, erwartet man, dass sie fallen. Deswegen der Attentismus. Sind sie auf das marktgerechte Niveau gefallen, wird man nicht erwarten, das sie weiter fallen. So gesehen wird es genau umgekehrt sein, wie Sie befürchten, wenn die Preisanpassung stattgefunden hat. Am schlimmsten ist eine Situation der Stagnation wie heute, wo man sinkende Preise befürchtet, aber die Preise dennoch nicht sinken. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor SInn, mit Interesse habe ich Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen. Von Ihrem Beitrag über die Kinderrente fühle ich mich persönlich betroffen. (...) In Ihrem Beitrag gehen Sie einseitig davon aus, dass die jüngere Generation mit den Rentenbeiträgen die ältere Generation unterhält. Dies ist aber nur ein Aspekt der Rentenversicherung. Daneben gibt es auch noch das Versicherungsprinzip. Wer mehr einzahlt, soll auch höhere Anwartschaften erhalten. Ihrer Meinung nach sollen kinderlose die vollen Beiträge bezahlen, aber am Ende reicht es selbst bei denen, die 45 Jahre eingezahlt haben, nicht über das Sozialhilfeniveau hinaus. Ich halte dieses Verhältnis von späterer Rente zu den eingezahlten Beiträgen für nicht vertretbar und als Diebstahl am Eigentum der Bürger. Wie wurde aber nun der Begriff der Rentenversicherung in der öffentlichen Diskussion bisher verwendet? Das jetzige Alterseinkünftegesetz möchte die Rentenbeiträge in der Ansparphase steuerfrei stellen und dann in der Auszahlungsphase besteuern. Hierfür ist ein mehrjähriger Übergangszeitraum vorgesehen. Wenn nun aber die Rentenbeiträge reine Umlagen wären, könnte man sie ja wie Unterhaltszahlungen behandeln, dann bräuchte man keine langen Übergangsphasen sondern wie es eigentlich korrekt wäre, müssten die Rentenbeiträge grundsätzlich bei den Versicherunspflichtigen steuerfrei sein, da sie ja als Einkommen den Rentnern zurechenbar wären. Außerdem wäre es dann sinnlos von Ertragsanteil und dergleichen zu reden. Die geltende Praxis weist also darauf hin, dass die Rentenbeiträge in erster Linie schon immer Versicherungsbeiträge für die eigene Altersvorsorge waren. Die Rentenbeiträge wurden auch immer der Öffentlichkeit gegenüber als eigene Vorsorgeaufwendungen vermittelt. Es wäre nun nicht fair, die Begriffe mit neuen Bedeutungen zu belegen und nun so zu reden, als wären die Rentenbeiträge reine Unterhaltszahlungen der Kinder an die Eltern, um damit eine Kinderrente rechtfertigen zu können. Sie wollen die Familien zu Lasten der kinderlosen bei den Rentenbeiträgen entlasten. Kinder sind nicht nur Unkostenfaktoren sondern immer auch ein Segen und ein immaterieller Reichtum. Warum sollen nun die kinderlosen dafür bestraft werden, dass sie keine Kinder haben? Viele würden gerne eine Familie gründen, aber entweder fehlt der geeignete Partner, was bei der gegenwärtigen Scheidungshäufigkeit und der männerfeindliche Einstellung unserers Familienrechts, nicht unwahrscheinlich ist, oder es sind die biologischen Voraussetzungen nicht gegeben. (...) Ein kinderloser Single, der jetzt 40 Jahre alt ist und brutto 2.500,- Euro monatlich verdient soll neben seinen Rentenbeitrag von 490,- Euro (19,5%) noch zusätzlich 8%, also 200,- Euro, zwangssparen. Rechnet man den Arbeitgeberanteil ab, bezahlt er 445,- Euro monatlich, damit er später im Alter alleine und isoliert von familieren Bindungen am Rande des Sozialhilfeniveaus existieren kann. Mit 245,- Euro bezahlt der Familienvater von drei Kindern gerade mal die Hälfte. Er hat aber nicht nur dasselbe Rentenniveau. Im Alter hat er auch noch Kinder und Enkel, die ihn zur Not helfen können. Aufgrund seiner familieren Beziehungen hat er ebenfalls eine höhere Lebenserwartung als der Single und wird daher die Rente länger in Anspruch nehmen können. Kinder sind daher ein Faktor der Leistungsfähigkeit. Eine Familie ist um so leistungsfähiger, je mehr Kinder sie hat. Nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip müssten daher eher die Rentenbeiträge der Singles entlastet werden. Was das Verursachungsprinzip anbelangt, kann man wie oben geschildert den kinderlosen nicht pauschal die Schuld am Schrumpfen der Bevölkerung zuschieben, sondern dies ist ein gesellschaftliches Problem, das selbst durch langjährige massive politische Propaganda noch verschärft wurde. (...) Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit und verbleibe, mit freundlichen Grüßen, Matthias Günther, Dipl. Volkswirt
Sehr geehrter Herr Günther, haben Sie vielen Dank für Ihren langen Brief. Mir fällt als Antwort nicht viel mehr ein als das, was Sie ja in meinem Buch gelesen haben. Deshalb greife ich hier nur ein paar Punkte aus Ihrem Brief heraus. 1. Eigentum der Bürger. Das Verfassungsgericht hat die Ansprüche der Rentenversicherung unter den Schutz des Eigentumsrechts gestellt. Insofern haben Sie recht. Aber das ändert nichts daran, dass die Ansprüche bloße Transfers von der nachfolgenden Generation sind. Kapitalgedeckte Eigentumsrechte liegen nun einmal nicht vor. Vielmehr sind die Eigentumsrechte humankapitalgedeckt. (Ich hoffe, Sie erlauben mir diesen Fachterminus.) Wenn das Humankapital fehlt, hängen die Ansprüche in der Luft. Kein Verfassungsgericht kann Menschen herzaubern. Deswegen ist der Anspruch auch nicht der Höhe nach, sondern nur dem Grunde nach bestimmt. Und in diesem Sinne will ich die Ansprüche nicht antasten. Soviel Geld wie bei konstanten Beitragssätzen hereinkommt, kann weiter verteilt werden. Niemand, der an der Rentenversicherung teilnimmt, hat aber das Recht, einer immer kleiner werdenden Nachkommenschafft immer größere prozentuale Lasten aufzuerlegen, zumal dann nicht, wenn er diese Nachkommen gar nicht selbst großgezogen hat. Mein Vorschlag besagt nicht, dass jemandem etwas weggenommen wird. Soviel wie hereinkommt, kann auch weiter verteilt werden. Ich will die gesetzliche Rentenversicherung alter Art in keiner Weise antasten. Ich will nur nicht, dass ein immer größerer Anteil von den laufenden Einkommen abgezweigt wird, um die Rentenversicherung zu finanzieren. 2. Eine ausschließlich auf Anwartschaften ausgerichtete Interpretation verbietet sich insofern, als unser Rechtssystem selbst fehlerhaft ist und von der Fiktion ausgeht, dass immer genug Kinder da sind. Es übersieht, dass die arbeitende Generation zwei Lasten tragen muss: Sie muss die Eltern und die Kinder ernähren. Das Rechtssystem hat bislang aus dem Umstand, dass man Eltern mit seinen Beiträgen ernährt, das Recht abgeleitet, von irgendwelchen Kindern ernährt zu werden, wenn man selbst alt ist. Das hat den Menschen suggeriert, es reiche, die Eltern zu ernähren. In Kinder müsse man nicht investieren. Die kämen von alleine. 3. Wer keine Kinder hat, kann auch in keine investieren. Kinderlose haben nun einmal die Zeit, die Eltern in ihre Kinder investieren, übrig. Das gilt insbesondere auch für die ungewollt Kinderlosen. 4. Die staatliche Mitfinanzierung der Kinder ist klein relativ zu dem, was Kinder, wenn sie erwachsen sind, allein schon über die Renteversicherung für die Allgemeinheit beisteuern. Hinzu kommt, dass Kinder die kinderlosen Alten auch über ihre Steuern finanzieren. Alte erhalten nicht nur Renten vom Staat, sondern haben auch das gesamte System der staatlichen Sachleistungen (Polizei, Rechtssystem, Parks, Straßen, Landesverteidigung etc. ) frei. Außerdem profitieren Kinderlose massiv von der staatlichen Krankenversicherung, von der sie im Alter versorgt werden, weil neue Menschen dann Beiträge zahlen. Das ist ähnlich wie bei der Rentenversicherung. Wir haben entsprechende Nettorechnungen gemacht. Der rein fiskalische Gewinn der Kinderlosen ist riesig. Wie Sie es auch drehen und wenden, Kinderlose werden auf dem Wege über den Staat netto massiv bezuschusst. Es geht hier um hunderttausende von Euros in Barwerten gerechnet. Ich verstehe, dass sich mancher Bürger ziemlich irritiert fühlt angesichts der Argumente gegen die Überbevölkerung, die früher kursierten. Ich kann dazu nur feststellen, dass sich gerade in Deutschland sehr viele Fachunkundige mit irrwitzigen Thesen öffentlich verbreitet haben und es immer noch tun. Das ändert an der Sachlage nichts. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Noch eine Gratulation zu Ihrem hervorragenden, klaren und eindeutigen Buch. Ich wünschte ihm eine noch viel grössere Verbreitung und noch offensivere öffentliche Diskussion. DEr tägliche Zynismus und die tägliche Heuchelei in der Öffentlichkeit über wirtschaftliche Fakten, die sie selbst verursacht haben, ist mittlerweile unerträglich. Ihren Befund teile ich voll und ganz. Ich fürchte allerdings darüberhinaus, daß wir mit einer Prognose über 6,7,8,9.. Millionen Arbeitslosigkeit bei gleichbleibender Politik rechnen müssen. Wer also eine humane, soziale Gesellschaft will, muss die Ursachen für unsere selbst verschuldete Misere beseitigen, angefangen mit Ihrem Maßnahmenkatalog (der zu ergänzen wäre). Für eine noch bessere Wirksamkeit in der Öffentlichkeit und Nachvollziehbarkeit Ihrer Thesen wünsche ich mir eine vereinfachte volkswirtschaftliche Modell-Gesamtrechnung, die die Wirkung auf die Anzahl der Arbeitsplätze in Deutschland aufzeigt. Modell 1 : Ihre Angebotsorientiete Politik mit einer Initialzündung in Erweiterungsinvestitionen durch Öffnung des Arbeitsmarkts und entsprechend niedrigeren Löhnen UND mit der Wirkung einer Lohnsteigerungsbegrenzung um 1 oder 1,5 % unterhalb der Produktivitätszunahme,gerechnet über einen Zeitraum von 10 JAHREN. mit zusätzlichem Aufzeigen der positiven Wirkungen auf Sozialsysteme. Modell 2: Initialzündung durch entsprechend hohe Lohnsteigerungen um über die Nachfrage etwas zu erreichen. Aufzeigen der Abnahme der Arbeitsplätze und ggf. weitere Effekte auf Wirtschaftsstandort, seine Strukturveränderungen, Sozialsysteme... Frage: Gibt es solche oder ähnliche Modellrechnungen ? Arbeitet jemand daran? Ich bin mehr an den Ergebnissen solcher Modellrechnungen interessiert, als an den Modellen selbst.(obwohl auch Wirtschaftswissenschaftler) Mit freundlichen Grüßen Volker Kulessa
Sehr geehrter Herr Kulessa, haben Sie vielen Dank für die ermunternden Worte. Eine explizite Modellrechnung zu den von Ihnen genannten Details ist mir nicht bekannt. Sie wäre extrem aufwendig, zumal ein taugliches numerisch spezifiziertes Modell nicht existiert. Sie wissen als Ökonom ja, dass unsere Modelle zumeist analytischer Natur sind. sobald man mit Zahlen rechnet, wird ein hohes Präzisionsniveau bei der Prognose erwartet, das man nicht wirklich erreichen kann. Insofern muss ich Sie enttäuschen. Es gibt aber das ifo Modell der aktivierenden Sozialhilfe, wo wir speziell zum Niedriglohnsektor numerische Modellrechnungen angestellt haben. Vielleicht hilft Ihnen das weiter. Sie finden das entsprechende Gutachten auf der ifo Homepage: www.ifo.de. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 29.1.05, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort. Diese statistischen Erhebungen kann ich leider nicht nachvollziehen. Es scheint leider nur mit Durchschnittswerten gearbeitet worden zu sein, und jeder weiß ja, wie unsinnig Durchschnittsbetrachtungen sind. Zum Vergleich: 46 qm Wohnung mit Einbauküche (Plattenbau): 425 ¿ in Potsdam, 120 qm Haus in Aurich/ Niedersachsen 500 ¿ Miete. Da kann ich dann nur sagen: Traue keiner Statistik, die man nicht selber gefälscht hat. Noch einmal ganz deutlich: Ich kritisiere nicht Ihre Analysen und auch nicht, dass Sie diese Statistiken verwenden. Allerdings mißtraue ich jeder Statistik, die im Auftrag der Bundesregierung bzw. staatlichen Organisationen erhoben werden. Diese Statistiken spiegeln nämlich in den seltensten Fällen die Realität wider. Beispiel: Arbeitslosenstatistik. Mit freundlichen Grüßen Guido-Carsten Maier
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte Ihnen auf diesem Wege meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung zu diesem hervorragenden Buch aussprechen. Als Student der Wirtschaftswissenschaften habe ich es mit großer Aufmerksamkeit und Begeisterung gelesen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass möglichst viele (vor allem junge) Menschen es lesen und verstehen werden, damit es wieder aufwärts gehen kann in Deutschland. Freundliche Grüße, Dennis Mellin
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" mit großem Interesse gelesen. Ihre Analysen sind nachzuvollziehen und meiner Ansicht nach auch zutreffend. Allerdings kann ich Ihrem Kapitel "Ostdeutschland" nicht zustimmen. Sie führen an, dass die Löhne in etwa 30% über der Produktivität liegen und um diesen Betrag sinken müßten, um Arbeitsplätze zu schaffen. Dem stimme ich zu. Allerdings schreiben Sie weiter, dass im Osten ein geringeres Preisniveau, insbesondere der Wohnungsmieten herrscht. Dem muß ich aus eigner Erfagrung widersprechen. ich lebe seit 1997 in Ostdeutschland (Potsdam) und zahle hier Wohnungsmieten, die annähernd so hoch sind wie in München. Auch in anderen Landstrichen Ostdeutschlands werden Mieten im Westniveau verlang ( Landkreis Oder Spree). Auch die anderen Preise, Lebensmiittel, kommunale Abgaben sind keineswegs geringer als im Westen. Aus diesem Grunde ist es meiner Ansicht nach nur möglich die Löhne zu senken, wenn im gleichen zuge alle anderen Kosten um genau diesen Betrag gesenkt werden. Sie schreiben weiterhin in Ihrem Buch, dass die Löhne im Osten zu 80& den Westlöhnen angenähert sind. Auch dies ist mir aus eigener Erfahrung unverständlich.Mein höchster Stundenlohn, der mir als Volkswirt im Osten angeboten wurde, betrug zwischen 15-20 ¿. Andere Löhne sind noch viel geringer, zu z.B. das Arbeitsplatzangebot der Arbeitsagentur Fürstenwalde: Sicherheitsfachkraft, 4,20 ¿. Sicherlich spiegeln meine Erfahrungen und Beobachtungen nur einen kleinen Bereich wider, dennnoch denke ich, dass eine gerechtfertigte Lohnsenkung in den aller meisten Fällen in die Armut führen würde. Mit freundlichen Grüßen Guido-Carsten Maier
Sehr geehrter Herr Maier, nach wie vor ist das Verbraucherpreisniveau in Ostdeutschland insbesondere wegen der hier nach wie vor geringeren Mietzahlungen niedriger als im Westen. So wendeten Mieter nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Mikrozensus-Zusatzerhebung, vgl. http://www.destatis.de/basis/d/bauwo/wosittxt.php) in den neuen Bundesländern im Jahr 2002 im Mittel 324 Euro für die Wohnungsnutzung auf, während die Mietaufwendungen in Westdeutschland bei durchschnittlich 432 Euro lagen. Umfassende amtliche Angaben für den zwischenörtlichen Preisvergleich in Deutschland gibt es leider nur für das Jahr 1993 (vgl. G. Ströhl, Zwischenörtlicher Vergleich des Verbraucherpreisniveaus in 50 Städten, in: Wirtschaft und Statistik, 6/1994). Das ifo Institut hat deshalb auf der Basis der amtlichen Verbraucherpreisindizes für West- und Ostdeutschland (bis zu deren Einstellung durch die Bundessstatistik) regionale Verbrauchergeldparitäten abgeschätzt. Da die Ausgaben für die Wohnungsnutzung in der Preiserhebung des Statistischen Bundesamts unberücksichtigt geblieben waren, wurde für den regionalen Vergleich der Mieten auf ergänzende Berechnungen des DIW zurückgegriffen (Vgl. J. Frick, und H. Lahmann, Wohnungsmieten in Ost- und Westdeutschland 1993, in: DIW-Wochenbericht 21/1994). Im Jahr 2002, für das letztmalig amtliche Angaben für derartige überschlägige Kalkulationen vorlagen, dürfte die Kaufkraft der D-Mark in den Händen ostdeutscher Verbraucher 8 ½ % höher gewesen sein als beim westdeutschen Konsumenten. Da sich seither die Verbraucherpreisniveaus in Ost- und Westdeutschland nicht sehr unterschiedlich entwickelt haben (dies belegen die jährlichen Preissteigerungsraten in einzelnen Bundesländern), dürfte sich diese Relation seither grosso modo nicht wesentlich verändert haben. Was den Ost-Westvergleich der Löhne anbetrifft, so kommt eine Auswertung des Tarifregisters beim Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft zu dem Ergebnis, dass am Jahresende 2003 im Durchschnitt aller Tarifverträge die tariflichen Grundentgelte in Ostdeutschland bei etwa 93,5 % der westdeutschen lagen (vgl. Bundesarbeitsblatt 3/2004, S.21). Weil es aber bei Zusatzleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld größere Unterschiede gibt und in Westdeutschland häufiger übertariflich entlohnt wird, beliefen sich die effektiven Verdienste auf etwa 78 % des Westniveaus. So betrugen im Jahr 2003 die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern ohne Berlin 21.415 EUR, in den alten Bundesländern einschließlich Berlin 27.598 EUR (vgl. Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder, Reihe 1, Band 2, Arbeitnehmerentgelt, Bruttolöhne und -gehälter in den Ländern und Ost-West-Großraumregionen Deutschlands 1991 bis 2003, Tabelle 4.1). Ich hoffe, Ihnen mit diesen Angaben dienlich gewesen zu sein. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf Buch, Anm. des Moderators:) Sehr geehrter Prof. Sinn, 5.Auflage 2004 + 1.Auflage 2005 von "Ist D.noch zu retten?" gelesen. 6.Der Steuerstaat! Dazu meine Frage: ein Carsten Schneider, SPD, macht die Aussagen: Das Defizit am Bundeshaushalt macht am BIP 2005 11,5%. Die Kreditfinanzierungsquote liegt 2005 bei 8,5%. Wie ist das einzuordnen? Bitte um Aufklärung. Mit besten Dank für ihre Mühen. Mit freundlichen Grüßen F.Frank
Sehr geehrter Herr Frank, offensichtlich sind hier einige Begriffe durcheinander geraten. Anhand einer BMF-Veröffentlichung (Bundesministerium der Finanzen, Bundeshaushalt 2005, Tabellen und Übersichten, November 2004) konnte mein Mitarbeiter Wolfang Meister die einzelnen Daten so zuordnen: 1. die 11 1/2 % stehen für die Ausgaben des Bundes bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt. 2. die 8 1/2 % stehen für die Nettokreditaufnahme des Bundes bezogen auf die Ausgaben des Bundes. Im Zusammenhang mit den Ausführungen im Buch sind die Aussagen so zu bewerten: Der Bund stellt nur einen Teil des Staatssektors in Deutschland dar; der Anteil am Gesamtstaat ist je nach Variable sehr unterschiedlich: 1. Die Ausgaben des Bundes repräsentierten im Jahr 2003 nach Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 30,2% der Staatsausgaben. 2. Der Finanzierungssaldo des Bundes betrug 2003 nur etwa die Hälfte des staatlichen Finanzierungssaldos, nämlich nach VGR-Abgrenzung -39,6 Mrd. EUR (= 1,9 % des BIP) von insgesamt 81,3 Mrd. EUR (=3,8% des BIP). 3. Der Schuldenstand des Bundes (Ende 2003: einschließlich Sondervermögen des Bundes 819,3 Mrd. EUR (=38,5% des BIP)) umfasste mehr als 60% der gesamten Staatsschulden (1325,7 Mrd. EUR, entspricht 62,3% des BIP). Für das Jahr 2005 schätzt das ifo Institut den Finanzierungssaldo des Staates (in Abgrenzung der VGR) auf 70 Mrd. EUR oder 3,1% des BIP. Zu beachten ist dabei, dass nach dieser Abgrenzung die Privatisierungserlöse des Bundes (Verkauf von Telekom- und Post-Aktien) im Gegensatz zur Finanzstatistik nicht als Einnahmen zählen und somit das Finanzierungsdefizit größer ausfallen wird. Mit freundlichen Grßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihr Buch habe ich mit großem Interesse gelesen und deprimiert beiseite gelegt. Woher nehmen Sie die Hoffnung, dass der Patient Ihre Therapie in absehbarer Zeit akzeptieren könnte? Das Totschlag-Argument in Deutschland lautet "Sozialabbau". Damit machen Radikale mobil. Kein Politiker kann es sich leisten, sich damit in Verruf zu bringen. Die Zeit drängt, besonders beim Rententhema, aber im Prinzip wird die alte Blümsche Leier von den "sicheren Renten" bei stabilen Beiträgen wiederholt (so heute Frau Schmidt).Die Bundesregierung tut in mehrseitigen Zeitungsbeilagen so, als sei das Land auf dem besten Wege und in der ZEIT dieser Woche auf S. 1 kann man Ähnliches lesen. Die Haupttätigkeit der Politiker ist: verschleiern. Ein Bsp.aus dem Schulbereich: In Sonntagsreden wird viel für die Bildung getan, aber es ist nicht möglich, auch nur eine Halbtagsstelle für einen Schulbibliothekar zu bezahlen, der z.B. in Frankreich aus dem Schulleben nicht wegzudenken ist. Mit freundlichen Grüßen, Ihr G. Rinke
Sehr geehrter Herr Rinke, ich sehe unsere Lage auch sehr kritisch, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Das Schönreden finde auch ich zum Verzweifeln. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für Ihre klare Dastellungen von Fakten bezüglich unserer Bundesrepublik in Ihrem aktuellen Buch . Ein großes Problem scheint mir in unserem Staat zu sein, dass die Politik keine Zeit mehr hat Programme/Reformen, die notwendig sind, anzugehen und umzusetzen, da ständig durch unser föderales System Wahlen anstehen und offensichtlich Rücksicht aus taktischen Gründen auf den Wahlkampf genommen wird.
Sehr geehrter Herr Füssel, vielen Dank für die Nachricht. Ich teile Ihre Meinung. Schade, dass die Föderalismus-Kommission noch kein Ergebnis gebracht hat. Nun will sich der Bundespräsident einschalten. Ich hoffe, dass er die Kuh vom Eis bringt. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Verehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Sie gehören für mich zu den letzten, noch wirtschaftlich fundierten Meinungsbildnern in Deutschland. Ich sehe regelmäßig ihre Auftritte in verschieden Talkrunden und stelle fest, dass die linke Front zunehmend wieder an Boden gewinnt. Mit diesen Zeilen, die ich versuche möglichst kurz zu fassen, möchte ich Ihnen Mut machen und, wenn möglich, auch ein wenig meiner Energie zu Ihnen fließen lassen. Ich bin Geschäftsführer unseres Familienbetriebs in Gmund am Tegernsee, mit über 50 Beschäftigten, in den Bereichen Baustoffhandel, Entsorgung, Energie und Spedition tätig, außerdem auch, wie Sie, 1948 geboren. Wir haben gemeinsam das Wachstum in Deutschland mit all seinen positiven und negativen Auswirkungen erlebt. Unser Betrieb ist, durch einen hohen Motivationsgrad der Belegschaft und die richtige strategische Ausrichtung als erfolgreich, selbst in der heutigen Zeit, zu sehen. Darüber sind wir sehr glücklich. Was uns (mir) große Sorge bereitet, sind im Wesentlichen folgende Themen: 1.)In den Zeiträumen der Vollbeschäftigung in Deutschland wurden die Ursachen für die heutigen Grundprobleme erzeugt. Die Gewerkschaften haben damals in unverantwortlicher, erpresserischer Weise, den Standort Deutschland zum teuersten Standort in Europa entwickelt und ... ein Feindbild in der Bevölkerung geschaffen. Dieses Feindbild heißt: Der Unternehmer / die Unternehmen. (...) 2.) Das politische Szenario ist ebenfalls erschreckend. Unvermögen, Korruption und Charakterlosigkeit, das sind die vorherrschenden Eigenschaften unserer politischen "Elite" und das Schlimmste, in allen Parteien. (...)Es ist einfach nicht wegzudiskutieren: Deutschland muss wie ein Betrieb geführt werden, der im Wettbewerb zu anderen Betrieben (Ländern) steht. Dazu brauchen wir Leute mit Wirtschaftsverstand und nicht Rhetoriker und Taktierer. Erst wenn in Deutschlands Kasse wieder Geld ist, können die sozialen und weiteren Aufgaben angepackt werden. Also, wir brauchen wirtschaftlich fähige Leute in den Regierungen, die wissen was sie sagen. (...)´ Ich bin mir sicher, dass ich Ihnen keine Neuigkeiten geschrieben habe, wobei noch viele, viele Details zu nennen wären. Denn nur wer mit Herzblut in seinem Betrieb steht, all seine Energie zu Verfügung stellt, strategisch sich nach Bedarf immer wieder neu positioniert, alles Unheil von seinem Betrieb abwendet, der schafft es, dass er erfolgreich ist. Unser Betrieb Deutschland wird seit vielen Jahren anders geführt: Kein Herzblut, minimale Energie, Selbstbedienungsmentalität, die strategische Sichtweite ist mit der Größe eines Hühnerhofes zu bezeichnen. Ich hoffe sehr, dass in Deutschland wieder mehr Verlässlichkeit, Wirtschafskompetenz und Weitblick an Raum gewinnen. Sie, verehrter Herr Prof. Dr. Sinn dürfen nicht auch noch, wie andere, vor dieser schier unlösbaren Aufgabe kapitulieren. Sagen Sie, was sie denken, in der breiten Masse in der Bevölkerung versteht man die einfache Sprache nur. (...)Mit freundlichen Grüßen Harry Stang
Sehr geehrter Herr Stang, haben Sie vielen Dank für Ihre ermunternden Worte. Das tut gut in einer Zeit, wo man auch angefeindet wird und sich der Unvernunft so vieler zur Wehr setzen muss. Es ist in der Tat der Mittelstand, von dem die ganze Kraft des Landes ausgeht, und er wird von den Medien und der Politik nicht gut behandelt. Ich werde auch im Jahr 2005 weiterkämpfen und versuchen, wirtschaftliches Sachwissen in die öffentliche Diskussion zu tragen. (...) Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihr Buch "ist D noch zu retten" gelesen und mich hier im Forum umgesehen. Insbesondere Ihre Aussage zu den Kosten und der Anzahl der Beamten ist sicherlich insoweit richtig. Nur leider zu kurz gegriffen: Die massive Reglementierung der Unternehmungen und der Bürger und die daraus folgenden Kosten für die gesamte Volkswirtschaft sind in der Rechnung insoweit nicht enthalten. Dies lediglich den Beamten anzulasten und nicht der Politik ist evtl. falsch, aber es geht auch anders wie z. B. Italien zeigt; dort werden Gesetze wegen der Trägheit des Beamtenappartes einfach nicht umgesetzt. Insofern: nur ein fauler Beamter ist ein guter Beamter :) mfG Mathias Dumke
Sehr geehrter Herr Dumke, Sie haben völlig Recht. Wir haben zu viele Gesetze und Verordnungen. Aber das würde ich nicht den Beamten anlasten, die das alles ja nur exekutieren müssen. Der italienische Weg geht meines Erachtens gar nicht. Der Rechtsstaat muss schon sein. Aber mit viel weniger Verordnungen und Gesetzen. Da gebe ich Ihnen Recht. Das Problem liegt beim Bundestag, der eine wahre Flut stets neuer Gesetze verabschiedet. Mit den besten Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich schätze Ihre Analysen. Bedauerlich, dass sie in der Öffentlichkeit nicht laut genug ankommen. Ein Faktum scheint mir allerdings zu kurz zu kommen: die wachsende Auswanderung gut ausgebildeter junger Deutscher, insbesondere junger Akademiker. Man denke z. B. an die fast 30.000 jungen deutschen Ärzte die in englischen und skandinavischen Krankenhäusern arbeiten, die hier fehlen, die wohl nie mehr zurückkehren werden. Dazu fand eine Diskussion im Bundestag über den "brain drain", in dem Frau Bulmahn nur verkünden ließ, wir hätten eine hoher Zahl akademischer Einwanderer: Studenten. Lt. Pressberichten ist dieser "brain in" wohl nur zweite Wahl, an englischen, amerikanischen Unis wegen der Qualifikation nicht akzeptiert. Im Migrationsbericht 2003 zum Thema: Zu wenig erforscht, um Ausagen machen zu können. Erstaunlich nach der Diskussion im Bundestag. Man traut sich wohl an das Thema nicht heran. Hier ein privates Beispiel dazu. Aus einer Seminardiskussion unter angehenden Volkswirten bringt eines meiner drei studierrenden Kinder den Satz mit: "Die Politiker glauben wohl, wir Jungen ließen uns die soziale A..Karte andrehen!" In der nachfolgenden Diskussion der wichtigsten demografischen, wirtschaftlichen, familien-, rentenpolitischen, ... Fakten, dem Vergleich mit der weit weniger problematischen Situation in Ländern wie Frankreich, Skandinavien, Nordamerika die Schlussfolgerng: "Wenn von so wenigen Jungen angesichts unseres intergenerativen Sozialsystems auch noch etliche gehen, dann wird es doch für uns, die wir an sich bleiben möchten, geradezu zwingend, auch zu gehen! Welcher Schwimmer harrt denn auf dem sinkenden deutschen (Sozial-)Dampfer solidarisch mit denen aus (gemeint ist die Vorgängergeneration), die das Sinken ohne Not verursacht haben?" Diese Haltung entspräche dem Tenor, der unter den Mitstudenten geführten Diskussion. Zumindest rein ökonomisch betrachtet spiegelt sie eine individuell vernünftige Einstellung wider, Unternehmungsgeist, jugendliche Aufgeschlosssenheit für andere Länder wird man hinzurechnen dürfen. Ja selbst Eltern dürften individuell, wiederum rein ökonomisch betrachtet zum Weggang ihrer Kinder raten. Dazu meine Tochter treuherzig nett: "Papa, wenn das hier den Bach runter geht, und Du keine rEnte bekommst, dann schicken wir Dir jeder 500 ¿. Wenn wir hier bleiben, werden wir das wahrscheinlich gar nicht können." Fragt sich, ob diese Haltung angesichts von 130.000 solcher jungen Auswanderer in 2003 - etwa jeder sechste enes Jahrgangs, und das ohne jede kompensierende Einwanderung! - nicht als repräsentativ angesehen werden kann, in der Wirkung gleich einem Guss Öl ins brennende Haus. Mit freundlichen Grüßen, H. Oldenburg
Sehr geehrter Herr Oldenburg, Sie haben sehr Recht. Das Thema ist unterbelichtet. Aber eine von uns zusammengestellte Expertenkommission hat vor zwei Jahren dazu ein Kapitel in ihrem Jahresbericht geschrieben. Sie finden den Bericht auf Englisch auf der Homepage www.CESifo.de unter der Rubrik European Economic Advisory Group at CESifo (EEAG). Mit den besten Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 10.12.04, Anm. des Moderators)Lieber Herr Professor Sinn, wenn Sie von der Fixierung von Weltmarktpreisen reden, habe ich da so meine Bedenken, ich sehe dies weder für die Brutto- noch für die Nettopreise. In Wirklichkeit ist doch alles in Bewegung und zwar seit der Öffnung der Märkte in sehr turbolenter Weise. Die theoretischen und mehr statischen ceteris paribus Betrachtungen der klassischen Wirtschaftstheorie spiegeln meiner Meinung nach die Wirklichkeit nicht mehr genügend wieder, da wir uns in einem starken Wandel befinden. Wodurch wird der Weltmarktpreis bestimmt? Sicherlich maßgeblich durch die Hauptakteure für die jeweiligen Produkte. Noch gehören wir bei einigen Produkten dazu, wenn wir aber nicht bald den von mir erwähnten effektiveren Weg der Reformen einschlagen, nicht mehr lange. Trotzdem, auch Ihre Betrachtungsweise der " fixierten Netto- Weltmarktpreise" führt auf den gleichen Weg. Ich nehme Ihre Aufforderung gern auf, und denke weiter, bis zu dem von Ihnen gewünschten Ende. Die Kompensationsüberlegungen für die unter dieser Voraussetzung benachteiligten Gruppen sind relativ einfach, wenn wir davon ausgehen, dass die in die Mehrwertsteuer transferierten LNK künftig (wie von mir vorgeschlagen) nur die Grundsicherung abdecken und zusätzliche Leistungen privat versichert werden müssen. Kompensation für Selbständige: Auch Sie kommen ab dem Tag der Umstellung in den Genuß dieser Grundsicherung; Kompensation für Rentner: Übergangsweise wird die Rente um den Betrag der tatsächlichen durchschnittlichen Bruttopreisveränderung des Warenkorbes "Rentner" angepaßt, nach der Übergangszeit wird nur noch eine Grundrente ( entspricht der Grundsicherung) vom Staat gezahlt. Kompensation für Beamte: Übergangsweise wird die Entlohnung um den Betrag der tatsächlichen durchschnittlichen Bruttopreisveränderung des maßgeblichen Warenkorbes angepasst. Danach wird das neue Niveau festgelegt. Sicher kann man die Kompensationsvorschläge noch verfeinern, aber es ändert nichts daran, dass dieser grundsätzlich effektivere Weg derzeit nicht beschritten, ja noch nicht einmal von den Experten in die Diskussion gebracht wird. Können Sie dazu beitragen, das zu ändern? Mit freundlichen Grüßen Ihr Volkhard Ehlert
Lieber Herr Ehlert, von der Grundrente halte ich wenig. Wenn das die Implikation ist, habe ich große Bedenken. Schweden hat gerade die deutsche Beitragsäquivlaenz eingeführt und sich von der Grundrente verabschiedet. Da sollten wir nicht den umgekehrten Weg gehen. HWS
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 9.12.04, Anm. des Moderators)Lieber Herr Prof. Sinn, irgendwie haben Sie mich missverstanden, selbstverständlich bin ich mit Ihnen der Meinung, dass sich der Markt nicht langfristig durch Absprachen lenken lässt. Die konzertierte Aktion, wie ich sie beschrieben habe, soll auch nur kurzfristig bewirken, dass keiner der Beteiligten den gewonnenen Spielraum kurzfristig für sich ausnutzt und dadurch die gewünschte Wirkung hinauszögert. Die wirkenden Marktkräfte will ich dadurch lediglich unterstützen und beschleunigen, da diese - ich glaube darin sind wir uns einig - durch die Mehrwertsteueroption in die gewollt richtige Richtung der erhöhten Arbeitsnachfrage in Deutschland gehen. Ihr Verteilungsthema für deutsche Beamte und deutsche Selbständige will ich damit nicht lösen. Das scheint mir auch nicht nötig zu sein. Irren Sie nicht, wenn Sie behaupten, die Selbständigen und die Beamten würden gegenwärtig nicht die Lohnnebenkosten tragen? Sie tragen diese meiner Meinung nach auch gegenwärtig, denn die LNK sind über die Arbeitskosten in den Netto-Produktpreisen enthalten und nur wenn hierbei die Unternehmen noch Gewinne auf dem globalen Markt erzielen, werden die entsprechenden Produkte noch in Deutschland gefertigt. Das Dilemma ist ja gerade, das nur die in Deutschland gefertigten Produkte die LNK tragen, die importierten aber nicht. Das wird durch die Mehrwertsteueroption beseitigt. Übrigens kommt zumindest der Grundsicherungsanteil der LNK auch den Selbständigen zugute, da Arbeitslosengeld II und Sozialhilfe zukünftig das gleiche Niveau haben. Das Verteilungsproblem ist also nicht so gravierend. Für die Verbraucher in Deutschland ändert sich auch nicht viel wenn die LNK von den Nettoproduktpreisen in die Mehrwertsteuer überführt werden. Lediglich an den Grenzen wird es Verwerfungen geben, doch diese haben wir auch mit dem gegenwärtigen System. Damit diese jedoch nicht zu groß werden, kann man stufenweise mit kleinen Teilen der LNK beginnen, die Arbeitslosen-versicherung bietet sich dafür als erste an. Ich hoffe, Sie stimmen mir wenigstens hierbei zu: Nur wenn die politikfreie Expertendiskussion in eine grundsätzlich richtige und effektive Zielrichtung weist, können wir von den Politikern erwarten, dass sie diese Richtung auch erkennen müssen. Ist das nicht das gegenwärtige Hauptdilemma ? Mit freundlichen Grüßen Ihr Volkhard Ehlert
Sehr geehrter Herr Ehlert, zur Zeit tragen die Lohnnebenkosten nur die versicherungspflichtigen Arbeitnehmer, denn die Produktpreise ex MWSt sind auf den Weltmärkten fixiert. Sie sind nicht etwa ex Lohnnebenkosten fixiert, denn das Bestimmungslandprinzip gilt nur für die MWSt. Bei einer Umwandlung in die Mehrwertsteuer werden die Produktpreise incl. MWST von allen Deutschen getragen, weil die Preise ex MWSt nach wie vor auf den Weltmärkten fixiert sind. Daher ist eine massive Umverteilung zu Lasten der Beamten, Rentner und Selbständigen unvermeidlich. An der Erkenntnis kommen Sie nicht vorbei. Sie ist essenziell für das Verständnis der unterschiedlichen Wirkungen. Genau deshalb fragen ja auch die Unternehmer mehr Arbeitkräfte nach, wenn die LNK durch die MWST ersetzt werden. Wäre der Endpreis fixiert, wie Sie unterstellen, dann gäbe es ja auch den arbeitplatzschaffenden Effekt nicht. Hier stoßen wir zum Kern des Problems vor. Wenn Sie Ihren Effekt erzielen wollen, ohne diese Gruppen zu belasten, müssen Sie sich etwas zur Kompensation einfallen lassen. Keine Sorge, Ihr Effekt wirkt auch dann noch. Er ist nicht an die Lastverschiebung zu anderen Gruppen hin gebunden. Selbst wenn es nur sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer gäbe, träte er auf. Ich fordere Sie also nochmals auf, Ihren diskussionswürdigen Vorschlag zu Ende zu denken. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
´(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 7.12.04, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Einwendungen bezüglich Gewerkschaften, Benachteiligung der Beamten und Selbständigen greifen dann nicht, wenn eine neutralisierende Deutschland-Aktion der Beteiligten (Unternehmer, Gewerkschaften,Politik)für die jeweilige Höhe der Strukturänderung greift, wie ich sie Ihnen vorgestellt habe. Ab dem Tag X zu dem die Strukturänderung erfolgt, sollten sich verpflichten: - die Politik, die avisierten Teile der Lohnnebenkosten in maximal gleicher Höhe in die Mehrwertsteuerfinanzierung zu überführen - die Gewerkschaften(zumindest für einen begrenzten Zeitraum), die Bruttolöhne um den avisierten Teil der Lohnnebenkosten mindestens zu senken. - die Unternehmer( zumindest für einen begrenzten Zeitraum), die erlangten Kostenvorteile mindestens in gleicher Höhe an die Nettopreise weiterzugeben. Eine solche die Strukturveränderung begleitende Deutschlandaktion bietet Vorteile für alle Beteiligten und ist daher sicherlich leichter den Beteiligten zu verkaufen als die bisherigen sogenannten " konzertierten Aktionen". Da es eine begrenzte Aktion ist, bedarf es keiner Gesetzesänderung, es sind Verpflichtungen der Tarifparteien und der Politik. Weder die Beamten noch die Selbständigen werden jetzt benachteiligt, ihre Positionen sind neutralisiert. Herr Prof. Sinn, ich glaube, dank der fruchtbaren Diskussion mit Ihnen, immer mehr, dass dieser Weg -zumindest von der Zielrichtung her- der momentan effektivste für uns zu sein scheint. Die Schwierigkeit scheint in dem notwendigen Umdenken der Beteiligten zu liegen. Wie kann man das auf den Weg bringen? Mit freundlichen Grüßen Ihr Volkhard Ehlert
Lieber Herr Ehlert, nein so geht es nicht. Die Deutschland-Aktion ist illusorisch. Der Markt lässt sich allenfalls kurzfristig durch solche konzertierte Aktionen ein wenig lenken. Da Ihre Reform aber langfristige Wirkung hat, muss man die Verteilugnsthemen explizit angehen. Um diese schwierige Aufgabe sollten Sie sich nicht herumdrücken. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe schon viele wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Bücher gelesen, aber noch keines, welches die Brennpunkte in Deutschland so treffend beschreibt und gleichzeitig angenehm lesenswert ist. Sicher sind sich viel mehr Politiker und Gewerkschaftsfunktionäre dieser Tatsachen bewusst als zugegeben wird, aber zum Machterhalt muss Klientelpolitik betrieben werden, möglichst mit einfachen, aber aus ökonomischer Sicht aberwitzigen Erklärungen. Das versteht die breite Masse und solange es noch irgendwie geht, wird man den Sozialstaat schröpfen. Platzt irgendwann die Blase, gibt es mit Sicherheit Andere, auf die man zeigen wird. Trotzdem, vielen Dank für viele lehrreiche Abende. Michael Kraus
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 30.11.04, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, Sie haben sicherlich recht, wenn Sie die Gefahr in den Vordergrund stellen, den die Politik in ihrem kurzfristigen Erfolgsdenken durch Falschanwendung der Mehrwertsteueroption anrichten könnte. Trotzdem finde ich es nicht richtig, wenn aus diesem Grund das gemeinhin als richtig erkannte Ziel nicht angesteuert wird. Der Politik dürfen eben für die Umsetzung nur kleine Schritte nacheinander, sozusagen Zug um Zug, genehmigt werden. Die optimale Schrittlänge muß dabei von den Ökonomen und Sachverständigen Ihres Kalibers festgelegt werden. Wirtschaft, Politik und Arbeitnehmerseite (Gewerkschaften) müssen in dieser konzertierten Aktion natürlich mitspielen. Jetzt könnte man m.E. z.B. damit beginnen, die Arbeitslosenversicherungsbeiträge aus den Arbeitskosten in gleicher Höhe in die Mehrwertsteuer transferieren, da diese durch Hartz IV ehe nur noch einer sozialen Grundsicherung für jedermann gleichkommen. Folgende konzertierte Aktion müßte sich dann ergeben: 1. Die Bundesagentur für Arbeit und die Arbeitslosenunterstützung sowie Sozialhilfe wird voll über die Mehrwertsteuer finanziert. 2. Die Arbeitslosenversicherungsbeiträge werden nicht mehr erhoben. 3. Die Löhne werden um den Betrag des Arbeitslosenversicherungsbeitrages gesenkt. 4.Die Fabrikpreise o. Mwst. werden um die ersparten Arbeitskosten gesenkt. 5.Die Mehrwertsteuer wird um den Betrag erhöht, den die Arbeitslosen-versicherungsbeiträge bisher einbrachten(Nach meiner Schätzung wären das ca.3-4% Punkte). Im Endeffekt wären die Güterpreise für den Endverbraucher nach dieser Umstellung nicht teurer; aber die Unternehmer stehen im globalen Wettbewerb mit deutschen Produkten günstiger da. Besonders günstig würde sich das bei lohnintensiven Produkten auswirken. Auch wenn andere Länder nach und nach unserem Beispiel folgen würden, hätten wir zumindest noch den Zeitvorteil des Ersten. Des weiteren würde auch der m.E. bedenkliche schnelle Know how -Transfer durch Produktionsverlagerungen in Drittländer gebremst. Sehen Sie eine Chance, dass wir diesen Weg für Deutschland beschleunigen? Mit freundlichem Gruß Ihr Volkhard Ehlert
Sehr geehrter Herr Ehlert, nochmal: Sie haben ja Recht. Ihr Vorschlag führt dazu, dass bei den vom Weltmarkt her gegebenen Nettopreisen der Güter die Bruttopreise steigen, was die Verbraucher belastet. Im Ausgleich wollen Sie die Lohnnebenkosten verringern und so die Arbeitsnachfrage erhöhen. Das ist ein Weg. Die Ausweichreaktionen laufen dann nur über Auswanderung und Direktkäufe im Ausland seitens der grenznahen Regionen. Aber Sie müssen etwas zu den Umverteilungswirkungen zu Lasten der Bevölkerungsgruppen sagen, die bislang die Lohnnebenkosten nicht trugen. Zum Beispiel müssen Sie sagen, wie die Staatsbeamten behandelt werden sollen. In indirekter Form haben ja auch die die Lohnnebenkosten getragen, weil ihre Nettolöhne in Konkurrenz zu den Nettolöhnen der privat Beschäftigten gebildet wurden. (Von dem dramatischen Rückgang der Beamtengehälter relativ zu jenen der Privatbeschäftigten während der letzten Jahrzehnte will ich gar nicht reden.) Was machen Sie mit den Rentnern, deren Ersparnisse entwertet werden, und was machen Sie mit den Selbständigen, deren reale Gewinne fallen? Wenn Sie das alles nicht lösen, provozieren Sie den Vorwurf, Sie wollten eigentlich nur die Arbeitnehmer, die dank ihrer Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten ohnehin zu stark zugelangt haben, noch weiter begünstigen. Es ist auch nicht ganz klar, wie Sie verhindern wollen, dass die Gewerkschaften den durch Ihr Programm gebildeten Verteilungsspielraum sogleich durch entsprechende Lohnerhöhungen ausnutzen. Meines Erachtens müsste man versuchen, Ihr Programm mit einem Lohnmortorium zu versehen, aber das kann ja nicht diktiert werden wie in Holland. Unser Recht lässt das nicht zu. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich lese zur Zeit "ist Deutschland noch zu retten" und frage mich dabei, warum Ihre Reformvorschläge vor allem bzgl. Rente und Sozialhilfe in der Öffentlichkeit nicht "lauter" in Erscheinung treten. Mangels Alternativen gucke ich häufig Fernsehdiskussionen (Christiansen, Phoenix-Runde usw.) und jedesmal bin ich währenddessen und nachher tatsächlich wütend über die meisten Beiträge. Eingeladen sind auch meist nur "linke" Wirtschaftswissenschaftler. Haben Sie nicht die Möglichkeit sich offensiver in die Medien, gerade ins Fernsehen, zu drängen um dort ihre Vorschläge zu propagieren? Mir ist klar, dass nicht alles einfach zu verstehen ist aber versuchen Sie es doch auch einfachen Christiansen-Konsumenten zu erklären! Ich würde mich jedenfalls freuen Sie häufiger bei Diskussionen zu hören, denn Ihre Sozial- und Rentenreformen sind (zumindest nach meiner Laien-Meinung) die besten, die im Umlauf sind. Mit freundlichen Grüßen Sebastian Meyer
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 25.11.04, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort, die meinen Vorschlag prinzipiell stützt. Mit Interesse habe ich gelesen, dass Sie diesen Vorschlag auch schon vertreten haben. Bitte verraten Sie mir noch: Warum haben Sie diesen Vorschlag damals aufgegeben? Spricht vielleicht noch die EU-Harmonisierung dagegen? Zu Ihren von Ihnen selbst als behebbar bezeichneten Bedenken möchte ich noch folgendes anmerken: Ich habe das ganze in einem kybernetischen Modell einmal durchgerechnet, daraus folgt, dass sich praktisch die Produktpreise nicht ändern, also werden auch Beamte und Selbständige nicht gegenüber heute benachteiligt. Übrigens tragen auch heute diese Kreise die Sozialkosten mit, da sie ja über die LNK in den Produktpreisen enthalten sind. Das ist auch berechtigt, da nach meiner Vorstellung die dann über die Mehrwertsteuer finanzierten Sozialkosten nur die Grundsicherung umfassen sollten. Stimmen Sie mit mir überein? Wenn Sie diesen Vorschlag prizipiell für zielführend und umsetzbar halten, möchte ich Ihn gern detaillieren und zur Umsetzung anregen.Kann ich auf Ihre Unterstützung rechnen? Mit freundlichen Grüßen Volkhard Ehlert
Sehr geehrter Herr Ehlert, nicht alle Reformen, die ich für erwägenswert und sinnvoll halte, werde ich propagieren. Ich muss mit meinen Empfehlungen haushalten. Das Problem ist nämlich, dass die bloße Erwähnung der Mehrwertsteueroption den Reformdruck an anderer Steller nimmt. Der politische Prozess verläuft dann vielleicht so, dass wir höhere Mehrwertsteuern bekommen und sonst nichts passiert. Diese Option darf man politisch erst dann ins Spiel bringen, wenn an vielen anderen Stellen zugleich reformiert wird. Im übrigen muss an Ihrem Modell etwas falsch sein, denn der Wettbewerb zwischen den Ländern gleicht die Nettopreise nach Mehrwertsteuern aneinander an. Wenn ein Land höher Mehrwertsteuern hat, muss es auch höhere Güterpreise haben. Und deshalb werden alle Bevölkerungsschichten getroffen. Ich kann mir nich vorstellen, dass man das sinnvoll mit einem kybernetischen Modell behandeln kann. Ökonomische Modelle sind anders gestrickt. Speziell zu dieser Problematik darf ich auf den folgenden Aufsatz. "Can Direct and Indirect Taxes Be Added for International Comparisons of Competitiveness?", in: H. Siebert, Hrsg., Reforming Capital Income Taxation, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck): Tübingen 1990, S. 47-65; NBER Working Paper Nr. 3263, März 1991. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 18.11.04, Anm. des Moderators) Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, vielen Dank für Ihre Antwort, aber sie trifft nicht ganz meinen Punkt. Zweifel an den Zahlen hatte ich nicht, nur die Zuspitzung, dass der Arbeitnehmer diese Grenzabgabenbelastung zu tragen habe, habe ich kritisiert. Dass das ganz langfristig (hat man schon einmal davon gehört, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Löhne nach unten verhandeln?) so sein kann, bestreite ich nicht, verweise aber auf Keynes "in the long run we are all dead". Bleibt abzuwarten, was eher eintritt. M.E. ist zu viel Pointierung geeignet, im Leser latenten Zweifel auch an der Notwendigkeit einschneidender Massnahmen zu wecken. Und das kann ja nicht gewollt sein. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Schumacher
Sehr geehrter Herr Schumacher, glauben Sie mir, die Grenzbelastungen kann man nur so rechnen, wie ich es getan habe. Das ist der Standard der Wissenschaft. Die Kernaussage der Finanzwissenschaft lautet: Die Traglast ist langfristig unabhängig von der Zahllast. Der Spruch von Keynes, den Sie zitiert haben, halte ich für wenig zielführend. Dann brauchten wir strukturelle Reformen in Deutschland nicht zu machen, denn alle wirken nur langfristig. Aber sollten wir uns nicht bemühen, Deutschland so aufzustellen, dass wir in der Mitte des nächsten Jahrzehnts unsere Probleme gemeistert haben? Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse verfolge ich alle Diskussionsbeiträge zum Standort Deutschland. Dieser ist für viele Unternehmen hinsichtlich der Arbeitskosten zu teuer. Schuld daran sind die Sozialkosten, die wir uns leisten - man könnte sie auch Wohlstandskosten nennen - und ausgerechnet auf die Humanarbeit aufschultern (siehe Arbeitslosigkeit). Natürlich bin ich auch der Meinung, daß die Sozialsysteme effizienter gestaltet werden müssen. Bis hier aber die meßbare Wirkung eintritt - das zeigen auch die gegenwärtigen kontroversen Diskussionen über die besten Maßnahmen - werden viele Jahre weiter von den Unternehmen Standort-entscheidungen gegen Deutschland gefällt werden. Wie wäre es daher mit einem Vorschlag, dessen Realisierung sofort in Angriff genommen werden kann und dessen Realisierungsankündigung allein schon die Unternehmer pro Deutschland einnehmen würden? Mein Vorschlag( prinzipiell): Herausnahme der AG Sozialkosten sowie der Lohnsteuer der AN aus den Arbeitskosten und Transfer in die Mwst. Das bedeutet: die bisherigen AG-Beiträge zur Sozialversicherung und die Lohnsteuer werden möglichst bald über eine Erhöhung der Mwst. finanziert. Für den Konsumenten verändert sich praktisch nichts an den Produktpreisen, da die Effekte sich praktisch ausgleichen. Jedoch verbilligen sich die Produkte im globalen Wettbewerb erheblich, da hier die Mwst. entfällt. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Sehr geehrter Herr Ehlert, vielen Dank für diesen Vorschlag, den ich für sehr erwägenswert halte. Er wurde unter anderem von Lars Calmfors aus Schweden gemacht. Auch ich selbst habe ihn gelegentlich vertreten. Er funktioniert, weil die MWSt. nach dem Bestimmungslandprinzip erhoben wird. Allerdings gibt es Umverteilungseffekte, weil auch die nicht sozialversicherten Arbeitnehmer, z.B. die ohnehin ziemlich geschröpften Beamten, und die Selbständigen dann mitzahlen. Das muss man noch ausgleichen. Aber das ist eine Nebensache, die sich lösen lässt. Das einzige wirkliche Gegenargument ist, dass die Kräfte, die den den Staat zum Sparen zwingen, schwächer werden. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse verfolgte ich Ihre Beiträge zur ökonomischen Situation Deutschlands im Verhältnis zu anderen Mitgliedern. Ihr Buch und der Vortrag im Siemens-Forum haben mich wegen der darin enthaltenen schnörkellosen Analyse und klaren Schlussfolgerungen beeindruckt. Das galt auch für die vor Jahren wertvolle, jedoch zu wenig beachtete Untersuchung zur Integration der Neuen Bundsländer. Dieser Tage steht eine andere Integrationsfrage zur verspäteten, verhinderten öffentlichen Diskussion an, nämlich die Migration, früher "Gastarbeiterfrage". In jüngster Zeit verbreitete Schlagwörter wie "Einwanderung ins soziale Netz" durch bestimmte Gruppen von Migranten deuten darauf hin, dass es Zeit ist, diesen Sachverhalt - sine ira et studio - ökonomisch wie auch sozio-kulturell aufzuarbeiten. Es ist nicht zu übersehen, dass Immigration in wirtschaftlich höher entwickelte Länder in fast allen Fällen einen positiven Beitrag zur nationalen Wertschöpfung brachte. In diesem Zusammenhang braucht man nur an die Rolle der Mitteleuropäer, Inder, Chinesen, Polen, Russen, Perser und andere mehr in den Vereinigten Staaten von Amerika zu erinnern. Wie verhält es sich in Deutschland? Die Regierung redet auf- und abschwellend von Innovationsstärke *, hoher Wertschöpfung, Wissensgesellschaft, Wettbewerbsfähigkeit im globalen Maßstab. Seltsamerweise wird dabei die Stellung der Migranten ausgeblendet. Ich meine, es ist an der Zeit, zu fragen, ob die bisherige Politik betreffs Einwanderung volkswirtschaftlich sinnvoll war, wie die Kosten-/Nutzenrelationen aussehen ("Total Cost of Immigration") und welche Schlussfolgerungen zu ziehen sind. Für eine öffentliche Diskussion ist es zu billig, wenn Politiker dazu die weichen Vorteile einer multikulturellen, offenen, liberalen Gesellschaft vor sich hertragen, wie es heute der Außenminister wieder mal getan hat. Diese Arbeit muss von angesehenen Instituten erbracht und kommuniziert werden; dann sind zumindest die Fakten öffentlich. Als Bürger frage ich mich schlicht, warum ich in diesem Lande neben meinen gewöhnlichen Steuern, der freiwillig gezahlten Kirchensteuer, dem zwangserhobenen Solidarbeitrag für die Neuen Bundesländer auch noch verdeckte Steuer- und Abgabenanteile für die Migration entrichten soll. Wenn die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit nachgewiesen ist, bin ich gerne bereit, diese Kosten zu tragen. Es würde mich freuen, wenn das ifo-Institut den Themenkomplex Migration aufgreifen würde, auch um die Diskussion dazu zu versachlichen. Das Interesse breiter Kreise düefte ihnen gewiss sein. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen Ihr Manfred Hoefle * Seinerzeit habe ich zusammen mit Prof. Beckurts u. a. einen Beitrag über die "Innovationsstärke und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie" für das ifo-Institut verfasst.
Sehr geehrter Herr Hoefle, vielen Dank für die Hinweise. Allerdings haben wir schon einige Studien, sogar eine ganz umfangreiche Migrationsstudie, die auch die Kosten der Immigration in das Sozialsystem berechnet, mit Werding, Flaig, mir und anderen. Nähere Hinweise finden Sie auf der Homepage des ifo (www.ifo.de). Das vorletzte Kapitel meines Buches enthält das Wissen, das ich zu dem Thema habe. Freilich erst die neuesten Auflage (ab Auflage 6. Wir sind jetzt bei 8). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Dr. Sinn, ich würde Ihnen nicht schreiben, wenn ich Ihr Buch nicht mit großem Interesse und mindestens ebenso großem Gewinn gelesen hätte, aber...: die Darstellung der gegenwärtigen Situation ist mir doch oft gar zu pointiert. Und in einem Fall erscheint mit Ihre Zuspitzung schlicht falsch: in Kapitel 6 (6. Auflage) stellen Sie in Abb. 6.6 die Grenzabgabenbelastung des Faktors Arbeit für D 2005 mit 63,8% dar. Dann aber suggerieren Sie zunächst (S. 342 ¿... bis seine Arbeitnehmer wieder mit ähnlich niedrigen Grenzabgaben ... belastet sind¿), die Grenzbelastung des Arbeitnehmers sei 63,8%. Etwas später (Seite 365 letzter Abs.) schreiben Sie ¿Der oben betrachtete ... Industriearbeiter ... wird nun statt 63,8% ... nur noch eine Grenzbelastung seiner Wertschöpfung ... von 60,7% zu tragen haben.¿ Der Industriearbeiter aber hat weder den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben noch die auf seine Wertschöpfung anfallende Mehrwertsteuer zu tragen, sondern seine Grenzbelastung beträgt 35,4%. Nebenbei stellt sich die Frage, ob eine so geringe Absenkung der Grenzbelastung des Faktors Arbeit wirklich in dem Sinne wahrgenommen wird, dass z.B. der Umfang der Schwarzarbeit merklich sinkt. Aber das wiederum ist ja der Vorteil Ihres Buches: es regt zu inhaltlicher Auseinandersetzung an. Hierfür danke ich Ihnen, mit freundlichen Grüßen Ulrich Schumacher
Sehr geehrter Herr Schumacher, als ich Ihren Beitrag las, dachte ich erst, dass Sie einen Druckfehler gefunden hätten. Die Zahlen sind aber korrekt. Die 63,8% sind die Grenzbelastung im Jahr 2005, und die 60,7% wären die Grenzbelastung im Jahr 2005, wenn der ifo-Steuerreform-Vorschlag realisiert würde. Der Industriearbeiter hat sehr wohl die Mehrwertsteuer, die auf seine Wertschöpfung entfällt, zu tragen als auch die Arbeitgeber-Beiträge zur Sozialversicherung. Er zahlt zwar nicht, aber er trägt die Last. Im Marktzusammenhang macht es allenfalls kurzfristig einen Unterschied, wer zahlt. Aus ökonomisch langfristiger Sicht ist die Traglast unabhängig von der Zahllast. Stellen Sie sich vor, die Lohnsteuern würden abgeschafft und statt dessen würden die Arbeitgeberbeiträge erhöht. Das wäre zwar bei gegebenen Löhnen ein Gewinn für die Arbeitnehmer, aber es käme alsbald zu Neuverhandlungen der Löhne, so dass der Nettolohn für den Arbeitnehmer und das Lohnkostenniveau für den Arbeitgeber unverändert wäre. Dass es nur auf die Gesamtlast ankommt, die der Staat der Arbeit direkt und indirekt aufbürdet, wird sofort klar, wenn Sie sich das Beispiels des Handwerksbetriebes überlegen, der seine Handwerker zusätzliche Arbeit verrichten lässt und seinem Kunden für Löhne eine Rechnung inklusive MWSt von 1000 Euro stellt. Von diesem Betrag werden im nächsten Jahr beim Arbeitnehmer nur 362 Euro ankommen. Der Rest fließt an den Staat als Mehrwertsteuer, als AG- und AN-Sozialbeiträge und als persönliche Einkommensteuer. Der Anreiz zur Schwarzarbeit und zum Do-it-yourself ist unabhängig davon, wer das Geld an den Staat abführt, der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer. Es kommt immer nur darauf an, welche ökonomische Aktivität belastet ist, in diesem Fall das Arbeiten. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, mit großer Begeisterung habe ich Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gelesen. Besonders gut hat mir der spannende Stil gefallen und die Tatsache, dass Sie viele Argumente mit Zahlen, Daten, Fakten belegen. Auch die vielen internationalen Vergleiche (besonders England und Frankreich) haben mich fasziniert. Dabei habe ich eine Menge gelernt. Dass die Gewerkschaften seit Jahren die größten Bremser sind (aber im Grunde keine Verantwortung tragen [wollen]), kann ich aus meiner nun fast 20jährigen Berufserfahrung als Leitender Angestellter einer großen deutschen Telco nur bestätigen. Gleichwohl: Ein Punkt hat mir in der "Neuorganisation der Unternehmung Deutschland" völlig gefehlt: Der Gedanke nämlich, dass der Staat selbst (nicht nur bei den Bürgern!) sparen muss. Beispiele (in aller Kürze): * Wozu muss unser Bundestag 672 Abgeordnete haben (mit Pensions- und sonstigen Ansprüchen)? * Wozu brauchen wir 16 Bundesländer und Landesparlamente mit "x" Landtagsparlamentariern? * Wozu soviele Regierungsbezirke und Kommunen? * Warum werden nicht mehr Ämter (z.B. Arbeitsämter) aufgelöst und zu frei am Markt agierenden Unternehmen (die sich selbst tragen müssen) gemacht? * usw. usw. mir würden noch mehr Themen einfallen... Da stellt sich die Frage: Sind das "Peanuts"? Lohnt sich das nicht? Das kann ich mir gar nicht vorstellen! Dass es dafür keine Lobby, erst recht keine Politiker gibt, die dies selbst vorschlagen, ist verständlich, aber gleichwohl unrichtig, wenn nicht unredlich. Natürlich weiß ich nicht, ob Sie meine Mail überhaupt lesen (können/wollen), aber nach der Lektüre Ihres Buches musste ich Ihnen das kurz schreiben. Nehmen Sie es als Leserbrief. Danke für etliche interessante Stunden! Mit freundlichen Grüßen, Herbert Brendel
Sehr geehrter Herr Brendel, vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich pflichte Ihnen bei, dass der Staat sparen muss. Aber er muss vor allem bei den Transfereinkommen sparen, die wirklich ausgeufert sind. Die Eigenausgaben des Staates für Personal halten sich erstaunlicher Weise in Grenzen. Jedenfalls liegen wir im internationalen Vergleicht sehr günstig. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin Student der privaten FH Nordakademie (einzige Hochschule die als AG firmiert ist) und bearbeite momentan in einer wissenschaftlichen Semesterarbeit Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" Wir analysieren die Wettbewerbsfähigkeit des Sozialstaates Deuschlands und gehen hier auf Humankapital/Hmanvermögen ein. Zunächst möchte ich Ihnen ein großes Lob für Ihr Buch aussprechen. Bisher war es mir vergönnt in einer ähnlich umfangreichen und bildenen Lektüre zu arbeiten. Allerdings ist mir ein kleiner Fehler aufgefallen. In der 6. Auflage auf Seite 267 wird die Zahl 206 Mrd. Euro für den Sozialpakt II angegeben. Die Zahl ist richtig, allerdings nicht die Währung. Die korrekte Eurozahl wäre gemäß SPD Entwicklungsprogramm 105,3 Mrd ¿. Ich hoffe Ihnen nicht zuviel Zeit gekostet zu haben und wünsche Ihnen weiterhin viel Tatkraft, Ideen und Mut unser Land aktiv mit zu verändern. Ihr Christian Henrici
Sehr geehrter Herr Henrici, Sie haben Recht. Bei der Zahl handelt es sich um ein Versehen. Aus einer DM-Zahl wurde eine Euro-Zahl. Indes kommen noch andere Posten. In der Pressemitteilung der Bundesregierung vom 17.5.2004 heißt es: "Im Solidarpakt II, der am 23. Juni 2001 geschlossen worden ist und von 2005 bis 2019 gilt, verpflichtet sich der Bund, den neuen Ländern für den Aufbau Ost instgesamt 156,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen." Diese neue Zahl habe ich schon in meine Korrekturliste übernommen und werde sie in der nächsten Auflage meines Buches berücksichtigen. Freilich ist die siebte Auflage nun gerade erst in Druck gegangen. Vielen Dank für den Hinweis und die darüber hinausgehenden freundlichen Kommentare. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, ich stimme Ihrem Sechs-Punkte-Programm uneingeschränkt zu. Allerdings handelt es sich aus meiner Sicht hierbei lediglich um eine volkswirtschaftliche "Lösung" eines mehr als volkswirtschaftlichen, nämlich gesellschaftlichen Problems. Was wir zusätzlich und vorrangig brauchen, ist so etwas wie eine "gesellschaftliche Leitfunktion", ähnlich der in der Nachkriegszeit durch Adenauer und Erhard verkörperten freien Marktwirtschaft, bei gleichzeitiger Anlehnung an den Westen. Diese Leitfunktion müsste motivierend, europäisch und selbstverständlich friedfertig sein. Mit freundlichen Grüßen, Dr. Ulrich Hirsch
Sehr geehrter Herr Dr. Hirsch, vielen Dank für Ihre Nachricht. Sie haben Recht. Aber die freie oder soziale Marktwirtschaft ist natürlich selbst schon das Leitbild. Dennoch haben Sie Recht. Man braucht ein neues Leitbild, das zum Ausdruck bringt, wie man den Kräften der Globalisierung trotzen kann. Der aktivierende Sozialstaat ist ein vom ifo verwendeter Begriff, der Teile dessen darstellt, was gesagt werden soll, aber eben nur Teile. Es fehlt die Selbstverantwortung und die Eigeninitative. Fällt Ihnen etwas ein? HWS
Ich freue mich, dass endlich einmal jemand den Mut fasst, die Wahrheit zu sagen. Die Menschen in Deutschland müssen begreifen, dass es zur Erfüllung des Generationenvertrages nicht reicht, nur die Rentenbeitraege zu zahlen! Es ist auch nötig, wieder mehr Kinder zu haben und natürlich dieser nächsten Generation die nötige Erziehung und Ausbildung zu geben. Hier aber versagt die Gesellschaft. Wir leben von unserer Substanz. Ich finde Ihren Vorschlag, die Rente auch nach der Anzahl der Kinder zu berechnen, richtig und gerecht. Allerdings wuerde ich einen Schritt weiter gehen. Ich würde den arbeitenden Frauen pro Kind je 0,4 mal den Durchschnitts-Rentenbeitrag erlassen, d.h. den Beitrag für 0,4 Punkte. Natürlich würde nicht nur die Frau dadurch mehr Geld in der Lohntüte haben, die Arbeitgeber könnten entsprechend ihren Rentenanteil senken. Das würde die Lohnnebenkosten für Frauen mit Kindern geringer machen und deren Nachteile für den Arbeitgeber überkompensieren. Frauen mit Kindern hätten nun einen klaren Wettbewerbsvorteil im Job. Nach einigen Jahren hätte man genau umgekehrte Verhältnisse wie heute: Frauen ohne Kinder finden sehr schwer eine Arbeit. Die meisten Frauen wünschen sich Kinder, verzichten aber dann oft aus beruflichen Gründen und wegen der schlechten Betreuungslage. Mit meinem Vorschlag könnte man die Verhältnisse nachhaltig ändern.
Sehr geehrter Herr Pannwitz, vielen Dank für Ihren Vorschlag, den ich sehr erwägenswert finde. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit großem Interesse habe ich ihr Buch gelesen. Sie analysieren die wirtschaftlichen Probleme in unserem Land messerscharf, haben stets Vorschläge und Konzepte zur Abhilfe parat, die auch mit nachvollziehbaren Begründungen untermauert sind und bringen diese für einen Laien schwierigen Zusammenhänge der Volkswirtschaft verständlich und politikneutral zur Sprache. Leider hat es den Anschein, das unsere gewählten Volksvertreter den Ernst der Lage nicht erkannt haben oder nicht erkennen wollen. Möglicherweise sind auch einige mit den komplexen Zusammenhängen der Volkswirtschaft schlichtweg überfordert. Ich finde in der Politik auch keine vernünftigen Alternativvorschläge, welche die Gesamtsituation abdecken und sich zur Diskussion anbieten. Die aktuelle Diskussion mit Heiner Geissler bei n-tv bestätigt weiterhin meinen Eindruck. Wäre es nicht wünschenswert, auch unseren Bundespräsidenten als Fürsprecher für ihre Reformvorschläge gewinnen zu können um so für die Notwendigkeit eine noch breitere und tiefere Akzeptanz in Politik und Gesellschaft zu erreichen. Von der Mosel grüßt Stefan Andres
Sehr geehrter Herr Andres, vielen Dank für Ihre Ermunterung. Ich habe dem Herrn Bundespräsidenten mein Buch geschickt und gehe davon aus, dass er als Ökonom die Dinge ähnlich beurteilt. Ich bin gespannt, wie er sich in den nächsten Jahren positionieren wird. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" und die ergänzenden Inhalte in www.ifo.de (Diskussions-Forum, ifo Standpunkt usw.) habe ich mit großem Interesse und überwiegender Zustimmung gelesen. Von besonderem Wert fand ich das illustrierende Zahlenmaterial, die prägnanten, schonungslosen Schlussfolgerungen und den thematischen Bogen über den deutschen Reformbedarf. Mit dieser Zustimmung bin ich unter den Ostdeutschen durchaus kein Einzelfall (der auch von Ihnen beklagte selektiv-provokante Journalismus verzerrt ja in beiden Richtungen ;-). Als Teilnehmer an den ifo Konjunkturumfragen seit vielen Jahren kann ich Ihnen ebenfalls bescheinigen, dass die Prognosen Ihres Instituts immer überraschend gut mit meiner individuellen Realität überein stimmten. Folgende Aussagen aus Ihrem Buch (4. Auflage, S. 197-198) haben im Vorgriff auf kommende Jahre mein besonderes Interesse geweckt: ¿Die älteren ... werden gebraucht, um das Gemeinwesen mitzutragen¿ ¿Es wird sich dann möglicherweise ein zweiter Arbeitsmarkt entwickeln, auf dem man tätig ist, nachdem die eigentliche Berufskarriere bereits abgeschlossen ist, ähnlich wie das in Italien, Japan oder den USA der Fall ist.¿ Können Sie zu dieser Thematik Zusatzinformationen empfehlen? (z.B. Webadressen, Literatur, Beispiele, Instanzen, ehrenamtliche Tätigkeitsfelder...) Nach der so erfreulich hohen Verbreitung Ihres Buches wünsche ich Ihnen nun eine möglichst weitgehende Umsetzung Ihrer darin vorgestellten Positionen. Mit freundlichen Grüßen Dr.-Ing. Günter Rothhardt
Sehr geehrter Herr Rothardt, vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe mich inzwischen nach Literatur umgehört und kann Ihnen diese mitteilen: Funk, L., Employment Opportunities for Older Workers, CESifo DICE Report 2/2004 sowie die dort angegebene Literatur und OECD, Ageing and Employment Policies mit 11 Länderberichten (u.a. Japan, Italien, Schweden). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, erstmal möchte ich Ihnen für dieses Buch danken: "Ist Deutschland noch zu retten?". Letzte Woche las unser Sozialkundelehrer uns aus Ihrem Buch einige Zeilen vor. Ich war sofort hin und weg. Das Buch spricht einem, sollte man denken, normalen, logisch denkendem Menschen mit einem Fünkchen Verstand, aus der Seele. Daraufhin besorgte ich mir allerhand Materialen von ihrem Buch (zum Beispiel aus dem Internet oder dem Stern). Ich habe es sofort auf meine "Geburtstagswunschliste" gesetzt. Ich kann dieses Buch nur in den höchsten Tönen loben, da sogar ich, als knapp 16 Jähriger Gymnasialschüler, es auf Anhieb verstanden habe, was nicht selbstverständlich ist, da die meisten Artikel über unsere wirtschaftliche Situation doch trocken, meist schwer verständlich und vor allem nicht so direkt sind wie der Ihre. Weiterhin wollte ich noch einen Vorschlag machen (den vielleicht auch schon viele vor mir gemacht haben, und an den Sie wahrscheinlich auch schon gedacht haben). Ich bin der Meinung, man sollte dieses Buch, zumindest in Ausschnitten, als Pflichthema behandeln. Natürlich auch in der Politik, aber hauptsächlich in der Schule. Dort werden die Politiker und vor allem die Bürger von morgen ausgebildet. Sie sollten ein Recht darauf haben zu erfahren, wie es aussieht, wenn das alles so weiter eht, denn sie werden die Folgen tragen müssen, wenn sich jetzt nichts regoros ändert! Ich weiß natürlich, dass das nicht umzusetzen ist, da es sicher Landesregierungen und Schuldirektoren gibt, die nicht mit Ihren Ideen übereinstimmen, und doch könnte man es versuchen, eventuell gibt ja es noch mehr Lehrer, die so denken, wie mein Sozialkundelehrer. Wenn es Ihr, sicherlich sehr voller, Zeitplan erlaubt, dann könnten Sie ja vielleicht auch an der ein oder anderen Schule mal einen Vortrag halten. Weil wenn man den jetzigen Schülern die Augen öffnet, dann wird es vielleicht, wenn diese erwachsen sind einen Umschwung geben. Das klingt träumerisch, ich weiß, doch um Deutschland zu retten und aus der Misere zu befreien, muss man sich an jedes Fünkchen Hoffnung klammern.(...)
Lieber Christopher, hab' vielen Dank für Deinen netten Brief. Es freut micht, dass Dir das Buch gefällt. In der Tat liegt mir daran, dass sehr viele es lesen und dass sich meine Gedanken verbreiten. Ich kann mich aber mit Vorträgen nicht verzetteln. Es kommen zu viele Anfragen wie Deine, als dass ich sie erfüllen könnte. Ich habe mich aber entschlossen, mit BR Alpha eine mehrteilige Fernsehserie zu machen, die sich speziell auch an Schüler richtet. BR Alpha wird die Vorträge senden, und es wird eine DVD-Kassette geben, die an die Schulen verteilt wird.
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe Ihr Buch im Urlaub gelesen. Es war das Beste, was ich seit langem gelesen habe. Warum gibt es nicht mehr solche Bücher? Ich hoffe, daß das Buch eine sehr breite Verbreitung erfährt, damit sich in unserem Land endlich etwas ändert. Ich gehöre zur sogenannten 68er Generation. Ich muß aber erkennen, daß Vieles von meinen früheren Ideen falsch war. Vieles war auch richtig, z.B. mehr Demokratie wagen. Ich habe mit meinem Vater darüber gesprochen. Er sagte, daß er in seiner Jugend auch den falschen Idealen (Hitlerjugend) hinterhergelaufen ist. Ich hoffe, daß der wirtschaftliche Sachverstand, den Sie in Ihrem Buch so treffend beschreiben, bald auch zum Schulfach wird. Mit freundlichen Grüßen Jörg Stottrop
Sehr geehrter Herr Stottrop, auch ich gehöre zur 68er Generation, und auch ich habe manche meiner Ideale als falsch erkennen müssen. Es freut mich, dass Sie die Dinge ähnlich sehen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf Buch, Anm. des Moderators): (...) Zur Erklärung, warum die deutsche Wirtschaft nicht mehr so erfolgreich ist, wüsste ich zusätzlich zu den ökonomischen Gründen, die Sie herausgearbeitet haben, noch einen hinzuzufügen, der meiner Meinung nach auch sehr entscheidend ist: Es sind zunehmend die falschen Leute in Führungspositionen, und offenbar ist das in Deutschland besonders ausgeprägt. (...) Wenn immer ein neues Unternehmen entstand und florierte, war stets einer an der Spitze, der ein besonders nahes Verhältnis zum Produkt seiner Firma hatte. In der Regel waren dies technisch orientierte Männer. Beispiele: Werner v. Siemens, Daimler, Zeppelin, Heinkel, Borsig, Edison, Bill Gates... Wenn es mit einer Firma bergab geht, das Produkt weniger erfolgreich wird (...), sind an der Spitze meist die Kostenrechner (...). Jedes Produkt muß weiter entwickelt und erneuert werden. Dazu muß es an der Firmenspitze Leute geben, die fähig und willens sind, Produkte zu beurteilen, die es noch nicht gibt. Das können aber nur sehr wenige Menschen. (...) Es ist zum verzweifeln, wenn man sieht, wie in Deutschland eine große Idee nach der anderen vertan wird: Fax, Cargolifter, Cargocap, Transrapid... (Ein positives Beispiel:) Nokia. Die baute Fernsehgeräte, klassische Telefone und Gummistiefel. Die Firmenleitung war neu zu besetzen. Zum Glück für Nokia kam der Bereichsleiter der Telefonabteilung, Herr Olilla, an die Spitze, und zum Glück war er visionär begabt und sah den Handy-Boom voraus, bevor es ihn gab. Und er machte Nokia in kürzester Zeit zum weltweiten Marktführer (...). In Deutschland gibt es immer weniger Olillas. Warum ist das so? Wie könnte man das ändern? Hartmut Grathoff
Sie haben ja völlig Recht: Uns fehlt die neue Gründergeneration. Warum fehlt sie? Weil der Markt von den großen Firmen besetzt ist und kleine nicht reinkommen können, unter anderem deshalb, weil uns in Deutschland der Risikokapitalmarkt fehlt, auf dem sich junge Start-ups in kurzer Zeit das Geld besorgen können, um den Großen Paroli bieten zu können. Unser Kapitalmarkt hat funktioniert, als es keine großen Marktführer gab, gegen die man angehen musste. Da konnten Pionieren aus dem Nichts aufsteigen. Für eine reife, entwickelte Volkswirtschaft taugt er nicht. Die Pioniere brauchen mehr Schützenhilfe. (...) Nun mögen Sie auf Olilla verweisen. Beim Mangel an Olillas liegt aber nach meiner Überzeugung nicht das Hauptproblem. Wichtiger als die Olillas, die zufällig in Spitzenpositionen kommen, sind die echten Pioniere wie Gates, die mit ihren Unternehmen groß werden. Die gibt es hier nicht, weil wir den Risikokapitalmarkt nicht haben. Ihr Hans-Werner Sinn
Hoch verehrter Herr Prof. Sinn, mit einiger Spannung habe ich Ihr Buch "Ist D...noch zu retten" gelesen und empfand die aufgezeigten Problematiken und daraus resultierenden Lösungsvorschläge Ihrerseits als durchaus schlüssig. Nun befindet sich Deutschland seit einiger Zeit schon in dem Strudel eines volkswirtschaftlichen Ablaufdilemmas und viele Problematiken sind in ihrer Komplexität so tief verwurzelt mit den teilweise hoch inkompetenten Entscheidungen der Politik, so daß es mir persönlich sehr schwer fällt, ein echtes Interesse unserer Landesführung an positiv wirkenden Veränderungen zu unterstellen.Vielmehr entsteht - ob der extrovertierten Verhaltensweise etlicher Führungskräfte in Politik und Wirtschaft - immer häufiger der Eindruck, allein ein propagierendes Getue, mit vermeintlichem Wohlwollen für die Bevölkerung, symbiotisch vermengt genüge, um alles Übel abzuwehren. In Realita spiegelt es die Ohnmacht und Ideenlosigkeit derer wider, die sich auf professionelle Weise dazu berufen fühlen - und das nebenher auch genügend bezahlt bekommen, die Geschicke unseres Landes zu lenken. Ihre Ansätze sind sehr wichtig für ein reelles Generieren von Veränderungen in unserem Land, nur werden sicherlich bequeme Lobbyisten auch hier "keine Möglichkeit der Anwendung" erlauben und wegen des starren Systems, welches das Konstrukt der Demokratie wie einen lästigen Rattenschwanz hinter sich herzieht, so sehr auf Zeit "spielen", daß sich alle Innovationen, nach endlosen Diskussionen und Debatten - wenn sie denn ratifiziert werden - als im Paragraphendschungel verpuffende, dürre Segmente dessen wiederfinden, was sie ursprünglich bewirken sollten - ein Fortschritt. Wäre es Ihrer Meinung nach, verehrter Herr Prof.Sinn nicht auch notwendig, daß man in unserer Leistungsgesellschaft auch leistungsabhängige Honorierung von Politikern einführen sollte ? Sind solch Modelle eventuell schon erörtert worden ? Könnte der "1¿" Job nicht auch erhebliche Negativauswirkungen auf dem Markt hervorrufen ? (Neugegründete "Ich AG`s" werden nicht beansprucht, da Kosten zu hoch, geringfüg. Beschäftig. ebenfalls zu teuer ... )Sind Pensionen tatsächlich tragbar, greift hier das Subsidiaritätsprinzip noch in ausreichendem Maße ?... Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, über eine Resonanz von Ihrer Seite würde ich mich sehr freuen, verfolge ich Ihre Publikationen doch mit regem Interesse. F.U.Jahn
Sehr geehrter Herr Jahn, vielen Dank für Ihre Nachricht. Nur wenige Bemerkungen zu Ihren Vorschlägen bzw. Fragen. 1. Die ich-AGs laufen ganz gut. Das war ein Erfolgsmodell. 2. Die 1-Euro-Jobs werden nur dann negative Rückwirkungen haben, wenn die Kommunen die Personen selbst beschäftigen. Sie könnten sie auch auf dem Wege über Honorarverträge an die private Wirtschaft weitervermitteln. Dann wäre jedem geholfen. 3. Leistungsabhängige Löhne für Poliktiker wären gut, aber wie misst man Leistung? Ich fände es jedenfalls richtig, die Politiker viel, viel besser zu entlohnen, damit wir bessere kriegen. Heute kommt kein Vorstandmitglied eines mittelständischen Unternehmens auf die Idee, Politiker zu werden, weil er dann viel zu große Einkommenseinbußen hätte. Der Bundeskanzler verdient so viel wie der Vorstandsvorsitzende einer Sparkasse. Das sollte man ändern, denn wir wollen ja die Besten an die Spitze holen. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 31.08.04, Anm. des Moderators) Danke für die rasche Antwort. ad 1) Bezüglich der staatlichen Angestellten beziehe ich mich auf die Seite 283 der 5. Auflage. Entweder sind die Auflagen so klein oder Ihr Buch so ein Renner. Ich hoffe zweiteres, denn es können nicht viel genug Leute lesen - damit meine ich nicht nur Deutsche. Denn wir in Österreich haben ähnliche, wenn auch noch nicht ganz so große! Dazu zu sagen ist noch, daß zB für mich auch die ÖBB-Bediensteten zu den Beamten gehören. Die ÖBB ist ein Staatsbetrieb und die Leute dort alle (!) pragmatisiert. Wenn man jemanden los werden will, wird er in Frühpension geschickt! Dieses Jahr gab es den Fall einer Frau, die mit nicht einmal 40 (glaube 37) in Pension geschickt wurde, weil sie so oft krank war (glaube durchschnittlich 80 Tage/Jahr!). 16%, wie Sie angeben, halte ich auf alle Fälle für zu wenig. http://www.statistik.at/inhalt/fachbereiche.shtml Vielleicht hilft dieser Link Ihnen in irgendeiner Form. ad 2) So weit so klar, nur war meine Frage, so meine ich, eine andere. Ein Beispiel: Ich brauche nur in meine Abteilung sehen (knapp 30 Mann). Bei einer Arbeitszeitverlängerung von 10% kommen wir sofort mit 2-3 Mann weniger aus. Und so wird es bei anderen Dienstleistern Anfangs auch sein. Bis der positive Effekt eintritt, muß also eine gewisse Zeit vergehen - oder verstehe ich da etwas falsch? Meinen Sie, daß es für die gesamte Volkswirtschaft kurzfristig nicht zu einer höheren Arbeitslosigkeit kommt? Wird denn der Verlust in unserer Abteilung sofort wo anders wett gemacht? Also ich kann es mir nicht anders vorstellen, als daß kurzfristig die Arbeitslosigkeit ansteigen wird. Erst recht der Staat müßte 10% der Beamte streichen können. Denn nur wegen der längeren Arbeitszeit steigt hier nicht die Nachfrage. Leider habe ich eben die 5. Auflage ... Mittlerweile habe ich "Ihre" ifo-Homepage gefunden - nur leider auch nichts zum Thema EU-Beitritt der Türkei. Nichts desto trotz ist sie sehr interessant. Besonders interessant die 2 Artikel bezüglich "Sozialstaat Europa" (Standpunkt Nr. 43 + 53). Da frage ich mich immer wieder, ob Politiker von nichts anderes als von Ideologien und Wählerstimmen geleitet werden. Der neg. Effekt ist doch jedem logisch denkendem sofort klar! Wenn das so bleibt und die Türkei EU-Mitglied wird, wird es Zeit die EU zu verlassen. Das wird sie unmöglich durchhalten. Bezüglich Arbeitslosenzahlen in Österreich möchte ich noch anmerken, daß alle Arbeitslose, die auf in einen Kurs geschickt werden, nicht in die Statistik als Arbeitslose eingehen. Ich weiß nicht, ob das auch in anderen Ländern so ist. Freundliche Grüße Reinhard Zoppelt
Von dem Buch sind bislang an die 50.000 Stück verkauft, und die 5. Auflage war mit über 20.000 riesengroß. Das Buch ist in der Tat ein Bestseller geworden, was mich freut, da ich eine Botschaft zu überbringen habe. Die Zahlen für die Staatsbediensteten in Österreich stammen von der OECD und sind nach einem international einheitlichen Schema erhoben. Privatisierte Staatsbetriebe sind aber nicht dabei, auch wenn der Staat noch die Aktienmehrheit hält. Das könnte die ÖBB betreffen, obwohl ich deren Rechtsstatus nicht kenne. Zur Türkei habe ich nichts explizit geschrieben. Aber ich habe dieses Jahr an einer Talkshow der NDR teilgenommen, in der ich den Beitritt aus ökonomischen Gründen klar abgeleht habe. Die Sendung ist als Video auf der ifo-Homepage verfügbar. Bezüglich des Arbeitzeiteffektes: Wenn alle österreichischen Unternehmen 10% mehr arbeiten und produzieren, steigt auch die Nachfrage nach den Produkten des einzelnen Betriebes um 10%. Dass das zeitverzögert stattfinden wird, sehe ich nicht. Vielleicht steigt die Nachfrage sogar eher. Zum Beispiel könnten die anderen Betriebe in Vorbereitung der Arbeitszeitverlängerung bereits Vorprodukte bestellen, und die anderen Unternehmer könnten in Erwartung der ihnen winkenden Gewinne schon jetzt ihre Investitionsplanung verändern und deshalb mehr von anderen Firmen kaufen. Sicher: Die Nachfrage wird sich anders verteilen als das zusätzliche Angebot, aber in der Summe ist die Mehrnachfrage genauso hoch wie das Mehr an Angebot. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Mit Begeisterung habe ich Ihr Buch gelesen. Vieles war mir schon bewußt, manches neu. Aber in jedem Fall hat es mir geholfen, bessere und fundiertere Argumtation in Diskussionen zu haben. Jetzt habe ich 3 Fragen, die mehr oder weniger direkt mit Ihrem Buch zusammenhängen: 1.) Ich glaube, Sie haben einen Fehler in Ihrem Buch. Es geht um die Anzahl an Beamten, die ich für Österreich als viel zu niedrig angegeben erachte. Denn ich bin mir sicher, daß Sie die Gemeindebediensteten, die auch Beamte sind, in dieser Statistik nicht berücksichtigt haben. Auch Lehrer sind in Österreich zB Beamte. Liege ich mit meiner Vermutung richtig? Denn mein Informationsstand ist, daß ca. 1/3 der Erwerbstätigen in Österreich, vom Steuerzahler bezahlt werden (also Angestellte der Republik). 2.) Was mir schon bewußt war, daß wir die Arbeitszeiten verlängern müssen. Das muß, sie schreiben es in Ihrem Buch leider nicht, meiner Meinung nach am Anfang Arbeitsplätze kosten! Wenn dem so ist, was ich mir eigentlich sicher bin, wie lange wird es ca. dauern, daß der pos. Effekt dieser Maßnahme sich bemerkbar macht? 1 Jahr, 2 Jahre oder gar 5 Jahre und mehr? 3.) Hartz 4: Ich halte es prinzipiell für gut - nur kann es meiner Meinung nach ohne Abschaffung der Flächentarife nicht den gewünschten Effekt haben. Denn nur durch die Kürzung des Arbeitslosengeldes werden keine neuen Jobs geschaffen. Der Effekt wird also nur sehr gering sein (1/10 des möglichen Effekts?) - oder? 4.) Ich halte einen EU-Beitritt der Türkei für Selbstmord der EU. Sie nehmen zwar Bezug in Ihrem Buch darauf, werden aber nicht eindeutig und konkret. Zugegeben ich habe auch kulturelle Vorbehalte, da die Muslime die einzige Gattung von Mensch sind, die ich generell für unintegrierbar halten muß. Mittlerweile führen sie ja schon Prozesse um ihre Kultur durchzusetzen. Europa gibt damit auch einen Teil seiner Tradition, und damit auch seiner Identität, auf.(...) Mit freundlichen Grüßen Reinhard Zoppelt
Vielen Dank für Ihren Brief. Hier meine Antworten. 1) Zu den Beamten in Österreich lasse ich recherchieren. Können Sie mir sagen auf welche Seite des Buches in welcher Auflage Sie sich beziehen? 2) Die Arbeitszeitverlängerung wirkt sofort auf das Sozialprodukt, weil sie die Nachfrage der Firmen vergrößert. Das wird häufig übersehen. Ich habe das in der gerade ausgelieferten sechsten Auflage des Buches näher erläutert. Der Siemens-Manager, den Sie zitieren, sieht das ganze aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Da hat er recht. Aus volkswirtschaftlicher Sicht muss man berücksichtigen, dass Siemens Österreich mehr Waren und Leistungen nachfragt, wenn es plant, länger zu arbeiten und mehr zu produzieren. Diese Nachfrage nützt Siemens nicht, aber den anderen. Jedes Angebot ist zugleich eine Nachfrage. 3) Durch die Kürzung der Arbeitslosenhilfe werden in der Tat mehr Jobs geschaffen. Die Kürzung senkt die Anspruchslöhne der Arbeiter. Zu niedrigen Löhnen schaffen die Unternehmen mehr Stellen. Der Effekt liegt nach unseren Rechnungen in der Größenordnung von 300 Tausend Stellen. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich finde, dass die Diskussion hier im Forum bis jetzt um einen wesentlichen Punkt immer noch einen Bogen macht, und das obwohl bereits im Prolog zu Ihrem Buch viele der ganz wichtigen Punkte zusammengefasst sind. Entscheidend ist nämlich nicht die Höhe der Löhne, sondern ob die Löhne in einem vernünftigen Verhältnis zu den Lebenshaltungskosten stehen. Bei z.B. 40h Wochenarbeitszeit Vollbeschäftigung sollte der daraus resultierende Lohn lebenshaltungskostendeckend sein. (...) Wenn aber im Augenblick alles ruft, "die Löhne sind zu hoch", kann folgerichtig nur mit den Lebenshaltungskosten etwas nicht stimmen. Die Lebenshaltungskosten werden aber maßgeblich durch die Politik gemacht. (...) Diese Last zieht zwangsläufig den Bedarf nach höheren Löhnen nach sich, was zu höherer Arbeitslosigkeit führt, verbunden mit höheren Sozialausgaben. Dies versucht die Regierung durch höhere Steuern, Abgaben und Gebühren zu kompensieren, womit sich der Kreis geschlossen hätte. (...) Dass die Politik niemals über eine echte Reduzierung nachgedacht hat drückt sich am besten in der Vokabel Gegenfinanzierung aus. Ganz besonders üble Wirkungen entfalten in diesem Zusammenhang die Verbrauchssteuern bzw. alles Vergleichbare mit anderem Namen. Die ziehen nämlich immer eine ganze Lawine von Preissteigerungen nach sich und drücken die Lebenshaltungskosten hoch. (...) Eigentlich sollte der Staat nur die Rahmenbedingungen schaffen, damit alle ein vernünftiges Auskommen miteinander haben, Wirtschaft und Arbeitnehmer. Der Staat sollte vorrangig Dienstleister sein, dafür wird er mit ganz vielen Steuergeldern bezahlt. In der Realität tritt der Staat aber im Übermaß als direkter Akteur, als Polizist und Kommandeur und Überwacher a la "big brother" auf. Die notwendigen Rahmenbedingungen stimmen derzeit allenfalls noch für unsere "Volksvertreter" im Bundestag. (...) Die 68er, die in die Politik gegangen sind, haben sich ihre eigene Scheinwelt geschaffen, die sie jetzt auf Kosten aller anderen bis zum bitteren Ende ausleben. Warum erinnert das nur so fatal an die letzten Jahre der ehemaligen DDR. Solange wie die entsprechenden Jobs, ausgelöst durch entsprechende sinnvolle und dauerhafte Nachfrage, nicht vorhanden sind, ist auch Hartz4 keine Lösung, sondern eine Farce und nur die Ursache für weitere Probleme, weil damit weitere Nachfrage ausfällt. Außerdem werden mit dem Aufbrauchen der Altersvorsorge die Probleme die heute anstehen nur ein wenig nach hinten verlagert. Dass mit Hartz4 etwas nicht stimmt, scheint sich mittlerweile herumgesprochen zu haben. Aus welchem Grunde wird sonst laut überlegt, ob man die Agentur für Arbeit mit bewaffnetem Wachschutz versehen muss. Waffen gegen Arbeitslose anstelle von Arbeit hatten wir in Deutschland auch schon mal gehabt. Widersprechen möchte ich deswegen Ihrer Prognose vom Juni 2004 für 2005. Der private Verbrauch wird 2005, ausgelöst durch Hartz4 und die "Gesundheitskostenumverlagerungsreform", einen deutlichen Einbruch wegen einfach nicht mehr vorhandener Kaufkraft erleiden. Ich schätze, das das etwa in der Mitte des Jahres 2005 passieren wird, wenn die Altersvorsorgen, dem Wunsch der Politiker entsprechend, verbraucht sind. Dann nämlich reden wir nicht mehr von 1,..Mio Menschen auf Sozialhilfeniveau sondern von 5,.. oder 6,.. Mio. Allenfalls der Lebensmittelhandel wird von diesem Einbruch verschont bleiben. Ihren Standpunkt aus "Deutschland, teurer Sozialmagnet" kann ich nachvollziehen. Ein Hauptproblem unserer Gesellschaft ist aber, das man so etwas in freier Wildbahn nur sehr sehr vorsichtig formulieren darf. Es besteht nämlich die direkte Gefahr, das man aus ideologischen Gründen sofort in die rechtsradikale oder in die ausländerfeindliche Ecke verbannt wird. Vernünftige, funktionierende Lösungsansätze indes bleibt die Politik schuldig, und die werden dafür bezahlt!!!!! R.Harwart
Sehr geehrter Herr Harwart, vielen Dank für Ihren tiefsinnigen Beitrag, dem ich im Großen und Ganzen zustimmen kann. Sicher sind auch die hohen Lebenshaltungskosten ein wesentlicher Grund für hohe Lohnforderungen. Vergessen Sie aber nicht den noch wichtigeren umgekehrten Zusammenhang: Hohe Löhne machen hohe Lebenshaltungskosten, denn einerseits treibt die Nachfrage die Preise hoch, wie es zum Beispiel bei Mieten der Fall ist, andererseits sind Löhne Kosten. Insbesondere die Preise der international kaum handelbaren Dienstleistungen wie sie in Gaststätten, vom Handwerk oder auch vom Transportgewerbe angeboten werden, sind unmittelbar vom Lohn abhängig. Insofern braucht man nicht zu befürchten, dass eine nominelle Lohnsenkung eins zu eins zu einer realen Lohnsenkung wird. Da die Preise der lokalen Dienstleistungen mit einer Lohnsenkung fallen, ist der Realeinkommensverlust viel geringer, als es zunächst erscheinen mag. Das sollte die Toleranz für Lohnanpassungen trotz der grundsätzlichen Richtigkeit Ihres Arguments erhöhen. Widersprechen möchte ich Ihrer Einschätzung zu Hartz IV. Die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass der Arbeitsmarkt wieder flott kommt. Der Staat bietet derzeit zu hohe "Löhne" für die Nichtarbeit an und schraubt auf diese Weise die Lohnansprüche gegenüber privaten Arbeitgebern über das Niveau hinaus, zu dem eine hinreichende Zahl an Arbeitsplätzen entsteht. Das ist das grundsätzliche Problem des deutschen Arbeitsmarktes. Hartz IV leistet einen Beitrag zur Linderung dieses Problems. Wichtig wäre es allerdings, nun zusätzlich die aktivierende Sozialhilfe des ifo Instituts einzuführen, die jenen, die arbeiten, aber dabei nicht genug verdienen, zu Lasten derer, die nicht arbeiten, Zuschüsse gewährt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 7.7., Anm. des Moderators:) Vielen Dank für Ihre Antwort auf meinen Diskussionsbeitrag. Ich verstehe Ihre Position. So einfach wie sozialistische Gleichmacherei habe ich das eigentlich nicht gemeint. Schade, dass das so bei Ihnen angekommen ist. Mir scheint wichtiger den Trend zu erkennen und umzukehren. Was nützt es, wenn wir am Ende nur noch wenige fusionierte monopolistische Großunternehmen haben? Wo bleibt da die Selbstverpflichtung für mehr Ausbildungsplätze, für mehr Familienförderung, wer zieht die Vorstände und Aufsichtsräte zur Verantwortung, wenn die sich gegenseitig kennen und bevorzugen. Wie soll die Demokratie gewährleistet bleiben, wenn einige wenige die Konkurrenz ausschalten und die Preise für Dienstleistungen und Produkte bestimmen? Noch mal, meiner Meinung nach ist der Trend wichtig, auf den muß man achten. Hier der Beweis: Jeder Vorgang in der Natur hat aus rein physikalischen Überlegungen: 1.) eine aktuelle Situation 2.) erfährt eine Änderung in eine Richtung (z.B. hoch oder herunter) 3.) und die Änderung geht langsamer oder schneller. (Verstärkung oder Schwingung) Sie können eine Differenzialgleichung aufstellen, die prinzipell für alle Dinge in der Natur und Gesellschaft gilt. Mit der Basisgröße Zeit heißen die ersten 3 Komponenten: Strecke, Geschwindigkeit, Beschleunigung (=Bremsung) Lassen Sie mich diese Bewegungsdifferenzialgleichung mit ihren ersten 3 Komponenten auf die Gesellschaft anwenden: 1.) Wir leben in einer Situation mit hohem Lebensniveau und guter Demokratie. 2.) Wir verlagern immer mehr Arbeitsplätze ins Ausland und die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Das birgt den Trend der Lebensverschlechterung in sich. 3.) Durch geschickte Maßnahmen kann dieser Tend gestoppt werden. Die Beschleunigung dieses Trends nimmt zu oder ab. Es kommt zu einem Wechsel von Konjunktur und Krise. Was ist Ihnen lieber, die Konjunktur oder die Krise? Man beachtet, dass in jeder Krise auch eine Chance für eine Änderung oder Neuanfang steckt. Das galt auch zu den dunklen Zeiten Mitte des 2000 Jahrhunderts mit dem grandiosen Wirtschaftswunder in Deutschland. Erkennen Sie die Tendenzen rechtzeitig und steuern Sie sinnvoll gegen, Sie sind in einer Position, in der Sie Einfluss nehmen können.
Ich teile Ihre Auffassung, dass der verhängnisvolle Trend gestoppt werden muss. Aber was ist das Verhängnisvolle des Trends: Die Gehälter der Vorstände oder die Arbeitslosigkeit? Doch wohl letzteres. Ersteres ist bisweilen ärgerlich, und im Fall Mannesmann-Vodafone gibt es Anlass genug zu empörten Reaktionen, nur mit der Arbeitslosigkeit hat das nicht zu tun. Gegen die Massenarbeitslosigkeit hilft eine Kürzung der Managergehälter überhaupt nicht. Wenn überhaupt, dann würde die Arbeitslosigkeit der Manager reduziert, nach denen die Nachfrage nun stiege. Damit die einfachen Arbeiter wieder nachgefragt werden, müssen sie selbst billiger werden.
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 9.7.04, Anm. des Moderators)Sehr geehrter Prof. Sinn, danke dass Sie sich die Zeit für eine Antwort genommen haben. Ich hoffe, ich gehe nicht zuweit, wenn ich noch einmal nachhake. Sie schreiben : "... Das Lohnniveau, das im Osten Vollbeschäftigung schafft ist sicher viel niedriger als jenes, das es im Westen tut..." Irgendwie hatte ich mit einer solchen Antwort gerechnet. Die Frage ist, wie weit runter das Lohnniveau noch gehen soll. Wollen Sie ernsthaft, dass der Osten Deutschlands mit Ländern wie der Slowakei oder Ungarn oder gar der Ukraine etc. konkurriert? In dem Fall steht das Ergebnis jetzt schon fest; Sie wissen es. Es müssen wohl andere Lösungen her. Weiter führen Sie aus "...das hohe deutsche Lohnniveau, übrigens das höchste der Welt mit Ausnahme Norwegens..." Korrigieren Sie mich, aber das stimmt nur bezogen auf den Bruttolohn. Eine Lohnkürzung führt so zwar schon zu einer Senkung der Lohnstückkosten, aber eben auch zu einem Rückgang der Kaufkraft. Wo sind denn Ihre Lösungen für die Senkung der Lohnnebenkosten, dieser Aspekt kommt für meinen Geschmack zu kurz in der momentanen Diskussion. Was das Outsourcing ("... Die Gewinne von Siemens sind kein Indikator, denn das Problem ist ja, dass es den Unternehmen dank Outsourcing in Billiglohnländern noch ganz gut geht, dass das aber den Arbeitnehmern nicht hilft...") angeht, so muss man sagen, dass es hier verschiedene Formen gibt; mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Es gibt Projekte, die funktionieren, aber ich kann Ihnen aus erster Hand sagen, dass Outsourcingprojekte oft auch glorreich scheitern und jede Menge Folgekosten verursachen. Eine pauschale Aussage im Sinne von "Outsourcing ist billiger" ist meiner Meinung nach nicht richtig (leider wird aber weder in der öffentlichen Diskussion noch in den Manageretagen auf solche Feinheiten Rücksicht genommen). Und selbst wenn - Deutschland kann nicht gewinnen, wenn die Kriterien nur billigster Stundenlohn und längste Arbeitszeit sind. Eine solche Strategie ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Offen gesagt, erhoffe ich mir schon mehr von Instituten wie dem Ihrem, die sich wirtschaftpolitische Beratung zum Ziel setzen.
Nicht ich will, dass die neuen Länder mit der Slowakei und Ungarn konkurrieren, sondern die Slowaken und und Ungarn wollen es. Es gibt leider nie die Möglichkeit, sich einem Wettbewerber zu verweigern so wie bei einem Schachspiel. Wer sich nicht stellt, hat verloren und geht völlig unter. Sich dem Wettbewerb zu stellen heißt freilich nicht, die gleichen Löhne zu setzen. Das wäre eine allzu naive Interpretation des Begriffes. Man kann so viel teurer bleiben, wie man besser ist. Leider sind wir nicht mehr sehr viel besser, aber wir sind sehr viel teurer. Das gilt insbesondere für die neuen Länder, die noch lange nicht mit den alten wettbewerbsfähig sind. Die neuen Länder haben den vierzehnjährigen Vorsprung vor ihren alten Comecon-Ländern beim Eintritt in den europäischen Binnenmarkt leider verschlafen, weil sie viel zu früh zu viel Lohn wollten. Nun steckt die Karre fest, und es ist doppelt schwer, sie wieder zum Laufen zu bringen. Dass die deutschen Lohnkosten die höchsten der Welt sind, ist eine Aussage, die sie auf die Lohnkosten pro Stunde und nicht auf den Bruttolohn bezieht. Wenn Sie Näheres dazu interessiert, verweise ich auf mein Buch "Ist Deutschland noch zu retten?". Dort sind die Statistiken. Auch zum Outsourcing finden in meinem Buch eine, wie ich hoffe, facettenreiche Diskussion. Wenn Sie Wunder von einem Institut wie dem ifo erwarten oder gar Märchen, wie sie die Politik erzählt, sind Sie bei der falschen Adresse gelandet. Bei uns bekommen Sie die harten Fakten, und zwar auch dann, wenn sie unpopulär sind. Ich kann nur warnen von den Glück verheißenden Innovationsstratgegien, die es möglich machen, den Pelz zu waschen, ohne sich nass zu machen. Innovation brauchen wir, aber Innovation wollen alle, und das neue Wissen läuft auch nach Polen und Tschechien weg, wenn es dort besser verwertet werden kann.
Die Diskussion zw. Prof Hickel und Ihnen finde ich interessant. Ebenso habe ich Ihr Buch gelesen. Meine Meinung zur Lage der deutschen Wirtschaft und zu Ihren Veröffentlichungen ist: Zusammengefasst wollen Sie die Macht der Unternehmen steigern. Frage ist nur, was wirklich in 10 Jahren passiert sein wird. Ich denke, mit Ihrer Politik steigern Sie nur die Macht der Unternehmer/Vorstände, aber nicht die Schlagkräftigkeit der Unternehmungen. Eigentlich dürfte Ihnen nicht entgangen sein, dass in den letzten Jahren die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland sich immer weiter öffnet. Das muß meiner Meinung nach irgendwie verhindert werden. Dadurch konzentriert sich die Macht im Staate auf immer weniger Menschen. Wenn man den Gerichtsprozess über Herrn Esser (Mannesmannprozess) verfolgt, muß man sich zwangsläufig fragen, ob gewisse einflußreiche Leute nicht doch mehr an ihr eigenes Portmanais denken, als an das Wohl der Gesellschaft. Wenn man sich mit offenen Augen durch Deutschland bewegt, fällt auf, dass bestimmte innovative Berufe in unserem Land völlig verkommen. Ich sehe ein gigantisches Ungleichgewicht zwischen dem Ingenieur und dem Betriebswirt. Es gehört in der Schule zum schlechten Ton, wenn man sich für Mathematik interessiert. Auch gut ausgebildete Menschen sind in Deutschland mittlerweile arbeitslos. Fragen Sie mal, was ein Abiturient darüber denkt. Die Pisastudie hat es gezeigt. Nun will ich aber nicht nur Negatives erzählen, sondern auch Vorschläge unterbreiten, wie wir (unser) Deutschland wieder gesunden können. Dabei gibt es unzählig viele Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Wichtig scheint mir die Berücksichtigung der Ausgangslage der leeren Staatskassen und das oben genannte steigende Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich. Leider ist Deutschland arm an Bodenschätzen, so dass wir unbedingt auf Innovationen setzen müssen. 1.) Fachwissen muß besser geschützt werden. Es macht den Eindruck, dass deutsche Vorstände unser Know How unterm Preis ins Ausland verschachern, um dort billiger produzieren zu können. 2.) Geben wir unseren Kindern wieder eine Perspektive, wenn diese sich gut (auch naturwissenschaftlich) ausbilden. 3.) Verteuern wir künstlich die Transportkosten sowohl für Importe als auch für Exporte. Das füllt die Staatskassen und stärkt die Binnenwirtschaft. (Toll Collect) 4.) Setzen wir Know How- und auch Vermögensexport zwecks Steuerflucht unter Strafe. Vorstände müßten einfach grundsätzlich ihre Steuererklärung veröffentlichen. 5.) Stoppen wir die Abwanderungsrate, denn abwandern tuen immer die besseren Leute und das kostet Know How. Wir haben ein Abwanderungs- kein Zuwanderungsproblem. 6.) Nehmen wir Vorstände und Manager stärker in die Verantwortung. Verfehlte strategische Ziele dürfen nicht steuerlich abgeschrieben werden. Es muß mehr an den eigenen Geldbeutel gehen. 7.) Zur Wahl stehen sollten nicht nur die Personen, sondern auch die Gehälter entsprechender Vorstände. 8.) Auch bei Parteien sollten nicht nur Personen, also Namen zur Wahl stehen, sondern entsprechend der Wahlbeteiligung auch die Anzahl an Volksvertreter. Was hilft es, wenn man zwischen faulen Äpfeln und faulen Birnen auswählen kann. 9.) Korruption muß härter bestraft werden. Eine Frage habe ich zum Abschluß: Warum ergreifen Sie so einseitig für die Unternehmer Partei? Ist Ihnen nicht bewußt, dass Sie damit ein Ungleichgewicht immer weiter forcieren? Merken Sie nicht, dass immer weniger Menschen zu den Wahlen gehen, dass immer mehr Menschen an der Demokratie in unserem Land zweifeln?
Haben Sie vielen Dank für Ihre Anmerkungen. In vielen Punkten kann ich Ihnen zustimmen, aber nicht bei den dirigistischen Maßnahmen, die Sie empfehlen. Das ist das sichere Rezept für die Fortsetzung des Siechtums unseres Landes. Was die Ungleichheit betrifft, so glaube ich nicht, dass sie richtig liegen. Deutschland hat dank eines sehr umfangreichen Staatswesens bereits sehr viel Gleichheit realisiert, wahrscheinlich viel zu viel für eine funktionierende Marktwirtschaft. Bedenken Sie: Die Marktwirtschaft funktioniert nur mit erheblicher Ungleicheit, und der Versuch, mehr Gleichheit zu erreichen, führt zu einer Verminderung des Sozialprodukts und damit letztlich auch des Lebensstandards derer, denen man helfen möchte. Die DDR hatte viel Gleichheit realisiert. Dennoch ging es den Arbeitern schlechter als im Westen. Mehr Gleichheit wäre zwar gerecht, aber der Preis wäre sehr hoch. Man muss mit der Ungerechtigkeit leben, wenn man die Marktwirtschaft will. Diese Wirtschaftsform ist nicht gerecht, was Verteilungsergebnis betrifft, aber sie ist sehr effizient.
(Reaktion auf Buch, Anm. des Moderators:) Ich habe mir Ihr Buch gekauft mit der Erwartung eine wirklich neutrale Beurteilung der aktuellen Lage zu erhalten. Leider musste ich feststellen, dass dies so nicht der Fall ist. Zwar wird das soziale System und die damit zusammenhängenden Leistungsanreize sowie das Konsumverhalten ausgiebig analysiert, und die Änderungsvorschläge quasi als DIE Lösungsmöglichkeit aller Probleme verkauft. Auf das nicht unerhebliche Problem der zu hohen Staatsausgaben verbunden mit dem unflexiblen und viel zu großen Staatsapparat (in Bayern werden bereits jetzt 43% des Haushalts für Beamte und Angestellte des öffentl. Dienst ausgegeben) wird jedoch nicht weiter eingegangen und klein geredet. Als Studentin gehöre ich zu jener Bevölkerungsgruppe, die diese Lasten einmal am stärksten treffen wird. Deutschland sollte nicht vergessen, dass es nicht nur die Investoren, sondern auch die "A-Steuer- bzw Sozialversicherungszahler" im Wettbewerb mit dem Rest der EU, USA oder auch China gewinnen muss.
Vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Ich verstehe Ihre Kritik aber nicht, denn es gibt doch ein ganzes Kapitel zu den Steuern und Staatsausgaben. Der Tenor ist, dass die Staatsquote viel zu hoch ist und dass die Steuereinnahmen und Ausgaben gesenkt werden müssen. Nur bei der Zahl der Staatsdiener bin ich offenbar anderer Meinung als Sie. Aber die Fakten sind wie sie sind. Ich rede die Zahlen nicht klein. Deutschland hat nun einmal einen geringsten Anteile von Staatsbediensteten im OECD-Vergleich. Das hierzu häufig anzutreffende Urteil, wir hätten besonderes viele Staatsbedienstete, ist einfach nicht wahr.
(Zum 6-Punkte-Programm für die Gesundung der deutschen Wirtschaft Quintessenz aus Ihrem Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" ifo-Pressemitteilung vom 15.10.2003.) Leider bin ich erst vor Kurzem auf Ihren o. a. Text gestoßen. Ihre 6 Punkte dort reduzieren die Lösung des deutschen Problems auf die Verringerung der Einkommen der Arbeitnehmer. Zum besseren gegenseitigen Verständnis schicke ich einige Bemerkungen zum Begriff der Produktivität, der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft voraus: Produktivität ist der Wert der pro eingesetzter Arbeitszeit generiert wird : Produktivität = Wert / Arbeitszeit Produktivität ist insofern ein Leistungsbegriff. Die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft erkennt man an dem Verhältnis der gesamten Wertschöpfung zur gesamten darauf verwendeten menschlichen Arbeitszeit. Aus diesem Produktivitätsbegriff ergibt sich mit hoher Produktivität großer Wohlstand, mit niedriger Produktivität geringer Wohlstand. Verwendet man als Produktiviätsbegriff jedoch das Verhältnis von geschaffenen Werten zu den Einkommen - Produktivität = Wert / Einkommen - so läßt er sich nicht mehr zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft verwenden. Ein Billiglohnland hätte dann nämlich ebenfalls eine hohe Produktivität, obgleich die Menschen dort bitterarmn und ihre Volkswirtschaft leistungsschwach wäre und keinen hohen Wohlstand generieren könnte. Dieser letztere Produktivitätsbegriff mit seinem so winzigen Unterschied zu Ersterem suggeriert außerdem, dass das Heil in Billigstlöhnen und -einkommen liegt. Er wird damit zur Quelle von Niedergang und tödlicher Massenverarmung. Erst die Rückkehr zu ersterem Produktivitätsbegriff als volkswirtschaftlichem Erfolgsmaßstab erlaubt die Rückkehr zur Weiterentwicklung unserer Hochzivilisation. Nach diesen Ausführungen zur Produktivität meine Erwiderungen zu Ihren 6 Punkten: ad 1.) Statt Produktivität durch viel Arbeit, ist sie durch Investition in bessere Werkzeuge zu erhöhen. Schließlich läßt sich die Arbeitszeit nicht beliebig erhöhen und die Einkommen bei einer bestimmten Dichte nicht beliebig verringern. Letztendlich muss also doch investiert werden. Warum also nicht gleich? Warum erst dann, wenn man seine absoluten Grenzen erreicht hat? Dann ist nämlich auch kein Kapital mehr verfügbar zum investieren. Dann bleibt nur noch Abtreten, also Abwandern oder Sterben. Betriebswirtschaflich günstige Niedriglöhne führen zu volkswirtschaftlich schädlicher Niedrigtechnologie, das Gegenteil von Hochzivilisation. ad 2.) Wenn der Lohndruck ganz von den Arbeitgebern genommen wird, werden sie gar nichts mehr investieren, sondern darauf warten, dass die Löhne weitersinken. Das haben sie jedenfalls in den letzten Jahren so gehandhabt und haben dies mit immer neuen Zuwanderern auch gewährt bekommen. Deshalb wurde mit jedem Einwanderer auch ein Arbeitsloser erzeugt und von dieser Arbeitslosigkeit wurden dann im Laufe der Zeit 1,2 Billionen Euro aufgefressen, die damit natürlich für Investitionen entfielen. Interessant wäre, zu erfahren, in welchem Maße Niedriglöhne gepaart mit unterlassenen Investitionen, in die Unternehmenspleite führen. (...) ad 6.) Anstatt komplizierter Rentenverrenkungen würde es genügen, alle(!) Einkommen an der Rente zu beteiligen, also auch die Einkommen der Beamten und Besserverdiener. Die Entscheider und guten Beitragszahler als auch die Beamtenschaft würden dann von allein dafür sorgen dass unsere Nation nicht in Schieflage geriete und damit auch ihre eigenen Rentenansprüche. Jeder Zuschuss ist zu streichen. Die Aktiven finanzieren die Ruheständler. Und die Aktiven sorgen dafür, dass ihnen die nächste Generation Aktiver, ihre Kinder, den Ruhestand finanzieren kann. Man sollte vielleicht den Rentensatz des Einkommens fixieren. Und wenn wir ärmer werden dann werden alle ärmer.
Sie haben natürlich Recht mit Ihrer Bemerkung, dass Verhältnis von geschaffenen Werten zu Einkommen kein sinnvoller Produktivitätsbegriff ist. Dieses Verhältnis ist ja definitionsgemäß immer gleich Eins, weil die geschaffenen Werte den Einkommen definitorisch gleich sind (Saysches Theorem). Ad 1: Die Produktivität der Gesamtwirtschaft steigt durch Niedriglöhne, weil bei gegebener Bevölkerung mehr produziert wird. Die Produktivität der Betriebe fällt, weil minder produktive Menschen auch prodzieren. Dies ist sicher kein Verlust an Hochzivilisation. Ad 2: Das Gegenteil ist wahr. Je niedriger die Löhne, desto mehr Investitionen lohnen sich. Dies ist einer der Fundamentalzusammenhänge der Volkswirtschaft. Deutschland hat trotz einer gewissen Senkung der Zunahme der Löhne in den letzten Jahren immer noch das höchste Lohnniveau der Welt nach Norwegen. Auch deswegen wird so wenig investiert. Ad 6: Den Beamten kann man keine Beiträge aufbürden, weil ihre Nettoeinkommen bereits mit den Nettoeinkommen der Privatwirtschaft konkurrieren. Die Bruttoeinkommen der Beamten sind niedriger als die vergleichbarer Positionen in der privaten Wirtschaft. Außerdem sind die Beamtengehälter in den letzten Jahrzehnten langsamer gestiegen als die Gehälter in der Privatwirtschaft. Die Schere hat sich sogar vergrößert.
(Reaktion auf Antwort Prof. Sinn, 17.6., Anm. des Moderators)Besten Dank für Ihre prompte Antwort! Ich hatte Ihre Ausführungen - wie ich bei einer nochmaligen Lektüre der fraglichen Passage feststellen muß - in der Tat falsch verstanden. Ihrer Bemerkung, dass der Markt und nicht die Politik die Auswahl treffen soll, kann ich nur zustimmen. Ich wünsche Ihrem Buch eine möglichst weite Verbreitung und Beachtung und werde mir erlauben, es selbst Freunden und Bekannten zu empfehlen (und im Verwandtenkreise als Geschenk zu benutzen).
(Reaktion zum Buch, Anm. des Moderators:)Ich habe eben Ihr Buch gelesen und wollte nicht verfehlen, Ihnen zu dieser hervorragenden Leistung zu gratulieren. Man kann nur hoffen, daß diese ebenso klare wie ernüchternde Bestandsaufnahme und Ihre Vorschläge von den für die Gesetzgebung in Deutschland zuständigen Gremien ernst genommen werden. Was Ihren Vorschlag für eine Neufassung von Artikel II-34 des Entwurfs der EU-Verfassung (S. 444 der mir vorliegenden - 5. - Auflage Ihres Buches) betrifft, bin ich freilich ein wenig skeptisch. Den Anspruch auf Leistungen der sozialen Sicherheit und soziale Vergünstigungen für Zuwanderer aus anderen EU-Staaten erst "nach einer angemessenen Frist" beginnen zu lassen, würde gegenüber der geltenden Rechtslage eine Verschlechterung bedeuten, an deren Sinn ich zweifle, soweit Arbeitnehmer betroffen sind (also Personen, die nach Deutschland kommen, um dort eine ihnen angebotene Stelle anzunehmen). Es wäre mit dem Gebot der Gleichbehandlung kaum zu vereinbaren, einem solchen Arbeitnehmer bestimmte Vergünstigungen, die einem deutschen Arbeitnehmer von Haus aus zustehen, erst nach Ablauf einer bestimmten Frist zu gewähren. (Ich darf vielleicht hinzufügen, daß ich EU-Beamter bin und die Vorschriften des EG-Vertrags über die Freizügigkeit der Arbeitnehmer in einem deutschen Großkommentar kommentiere.) Sie haben aber sicherlich Recht, wenn Sie auf die beträchtlichen Belastungen hinweisen, die auf Deutschland infolge der Erweiterung der EU zukommen dürften. Der Grund für mein Schreiben ist jedoch ein anderer. Auf S. 446 Ihres Werks sprechen Sie sich für Beschränkungen der Zuwanderung aus, was natürlich legitim ist. Es findet sich dort jedoch der folgende Satz, der mich aufmerken ließ: "Jemand muss am Tor stehen und eine Selektion vornehmen." Wenngleich mir jegliche Form von "political correctness" zuwider ist, muß ich gestehen, daß ich beim Lesen dieses Satzes unwillkürlich an eine andere Form der "Selektion" denken mußte, die Sie ganz sicher nicht gemeint haben. Vielleicht wäre es sinnvoll, den historisch belasteten Begriff der "Selektion" (mag der Terminus auch in der Sprache der Ökonomen üblich sein) wenigstens in diesem Kontext in kommenden Auflagen durch einen anderen Ausdruck zu ersetzen. Mit freundlichen Grüßen Gerhard Grill
Vielen Dank für die freundlichen Worte zu meinem Buch. Die Passage, die Sie zitieren, ist freilich ganz anders gemeint, als Sie sie verstehen. Ich muss vielleicht noch klarer werden. Ich spreche mich nicht für, sondern gegen die Beschränkung der Zuwanderung aus, und genau deshalb habe ich den Begriff "Selektion" gewählt und auch vom Tor gesprochen. Für mich weckt das, was die EU mit ihrer Kontingentierung der Einwanderung bezweckt, nämlich in der Tat ungute Erinnerungen. Ich argumentiere gegen die Mengenbeschränkungen und die Selektion, weil ich es für besser halte, die künstlichen Migrationsanreize zu vermeiden. Der Markt soll auswählen, und nicht die Politik. Das Prinzip der verzögerten Integration wird übrigens von den Briten und Iren bei Arbeitnehmern gewählt, und es ist mit der neuen Freizügigkeitsrichtlinie durch die Fünf-Jahres-Frist realisiert bis zur Sozialhilfeberechtigung und dem Daueraufenthaltsrecht realisiert. (Ich würde indes bei Nicht-Erwerbstätigen ein Heimatlandprinzip vorziehen: Jeder EU-Bürger darf sich aufhalten, wo er will, doch wenn er als Nicht-Arbeitnehemr Sozialhilfe braucht, bleibt das Heimatland zuständig. Mir ist klar, dass dafür das EU-Recht geändert werden müsste, aber gerade darum geht es mir.) Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
(Reaktion zum Buch, Anm. des Moderators:)Ich möchte Ihnen gratulieren zu diesen überzeugenden Reformvorschlägen, die dringend in die Tat umgesetzt werden müssten. Alle Mitglieder der Parteien sowie alle Wähler der Bundesrepublik Deutschland sollten dieses Buch gelesen haben. Auch das Buch von Herrn Prof.Dr.Kirchhof regt zu wichtigen Reformen an. Ich wünsche mir für Ihr brillantes Werk der Ökonomie mehr Publicity seitens der Medien. Carmen Schäufele
(Reaktion zum Buch, Anm. des Moderators:)Durch eine Polit-Talkshow bin ich auf Sie aufmerksam geworden und habe mir Ihr Buch "Ist Deutschland noch zu retten?" gekauft. Ich bin Kreisvorsitzender der Komba- Gewerkschaft und der CDA Euskirchen, und habe mich selbst dabei erwischt, die Rechnung oft ohne den Markt gemacht zu haben. Durch Ihr Buch werde ich umdenken. Oft ist weniger mehr. Ein wahrlich guter Satz! Da ich selber Beamter bin, bin ich besonders dankbar für Ihre deutliche Aussage, dass die Beamten keine Privilegien zur Privatwirtschaft mehr haben. Da die Beamten oft als Sündenböcke herhalten müssen, weil sie einem anderen System unterliegen, dass viele nicht verstehen können oder wollen, ist soviel Sachlichkeit wirklich eine Wohltat! Vielen Dank! Dass in Deutschland der Anteil der Staatsbediensteten lediglich 12% an den gesamten Arbeitnehmern beträgt, hat im übrigen selbst mich überrascht. Man merkt eben, dass sehr viele Sachen, die oft nicht in die politische Ideologie passen, gerne verschwiegen werden. Ich bin froh, dass es solche mutigen Wissenschaftler wie Sie gibt. Hoffentlich werden Ihre Vorschläge besonders zur Aktivierenden Sozialhilfe und zum 4-Säulen Rentenmodell beherzigt und umgesetzt. Wenn man immer die Nachrichten guckt oder TV-Diskussionen verfolgt, bekommt man den Eindruck, es gibt keinen Ausweg aus der eingefahrenen Lage. Durch Ihr Buch habe ich wieder etwas Optimismus bekommen. Zumindest besteht noch Hoffnung! Ich werde Ihr Buch weiterempfehlen...
Sehr geehrter Herr Professor, ich habe den Gedanken Ihnen diese Email zu schreiben ein paar Tage mit mir herumgetragen. Nachdem ich mir Ihre Emailadresse aus der Homepage des ifo Institutes herausgesucht und Ihren CV gelesen habe, war ich angesichts Ihrer Publikationen ziemlich beeindruckt und dachte: auf meinen Beifall können Sie sicher verzichten. Ja bestimmt, aber ich schreibe Ihnen trotzdem, den ich möchte Ihnen meine Hochachtung und Dankbarkeit persönlich (soweit dies per Email möglich ist) mitteilen. Ich habe Ihr Buch: Ist Deutschland noch zu retten? gelesen, ja geradezu verschlungen. Für mich hat sich das Buch wie ein Kriminalroman gelesen. Dass mich ein Buch über Nationalökonomie so faszinieren würde, hätte ich nie gedacht. Ich hatte beruflich im 2. Halbjahr 2003 sehr viel in Deutschland zu tun und als Österreicher über manche Dinge, die mir entgegen gekommen sind, nur den Kopf geschüttelt und dabei ein schlechtes Gefühl bekommen, da ich aus meiner Sicht etliche Dinge total verfahren erlebte. Daher habe ich mir sofort, als ich eine Information über ihr Buch in der Tageszeitung las, Ihr Buch gekauft, da ich erhoffte, Erklärungen für mein schlechtes Gefühl zu bekommen. Dies ist voll und ganz geschehen. Ich konnte in Ihrem Werk die wissenschaftlich aufbereiteten Erklärungen lesen. Ich bin fasziniert, wie Sie es in diesem Buch geschafft haben, komplexe Zusammenhänge leicht verständlich zu erklären. Viele Dinge und Zusammenhänge sind mir erst bei der Lektüre bewußt geworden, und ich habe sehr, sehr viel gelernt. Ich weiß, dass Österreich in manchen Punkten ein wenig besser dran ist als Deutschland, aber die ernsthafte Diskussion Ihres 6+1 Punkteprogramms könnte man allen Parteien auch in Österreich nur dringend empfehlen. Ich merke, hier geht wieder einmal mein grenzenloser Optimismus mit mir durch, dass doch eine Allparteiendiskussion über so wichtige Punkte ohne Parteipolitik möglich sein müßte, denn es geht schlicht und einfach "nur" über unsere und unserer Kinder Zukunft. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für alle Parlamentarier aller Parteien sein. Vielen Dank für Ihre Publikation und die vielen Denkanstöße und Lernerfahrungen die ich bei der Lektüre machen durfte. Otto Knapp P.S.: Hier ein Link zu einem Buch an dem ich maßgeblich beteiligt war, in dem ein Modell beschrieben wird, das versucht die andere Seite der Medaille zu beleuchten. http://www.social-rating.org Vielleicht interessiert Sie das.
Deutschland ist inzwischen wieder ein sogenannter Exportweltmeister.Ein Teil davon geht sicherlich auch auf die Euroaufwertung zurück,aber laut einer Untersuchung(wechselkursbereinigt) der Bundesbank soll seit Mitte der neunziger Jahre auch der Weltmarktanteil deutscher Waren gestiegen und den der Usa überholt haben.Und trotz des sogeannten Basarökonomieinwandes steigt der deutsche Handels-und Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands fast ununterbrochen während zum Beispiel die us-amerikanische Außenhandelsbilanz seit den siebziger Jahren defizitär ist,ganz egal ob der Dollar nun schwach oder stark war.Ein Blick in die internationalen Übersichten auf der Homepage des statistischen Bundesamtes bringt sogar zum Vorschein,daß Deutschland das Land mit dem höchsten Außenhandelsüberschuss der Welt ist.Wenn die Brd also eine sogenannte Basarökonomie ist,als was soll man dann den Rest der Welt bezeichnen?(hinzu kommt die Tatsache,daß Deutschland mit den neuen Eubeitrittsländern nur ein sehr kleinen Handelsbilanzdefizit hat/mit Polen sogar einen Überschuss erwirtschaftet) Angesichts dieser Tatsachen ist es wirklich nur noch als absurd zu bezeichnen,die Gründe für die wirtschaftlichen Probleme Deutschlands in einer vermeintlich zurückgehenden internationalen Konkurrenzfähigkeit zu suchen.Das mangeldne Wachstum der Binnenachfrage ist das Problem.
Prof Sinn`s Gedanken sind ein sehr guter Ansatz zum Besten in D. Die einfachen notwendigen Dinge kommen für die Masse der Menschen allerdings nicht genügend herüber. Dringenst ist z.B. : 1.Einkommens(Gewinn-)-Schmälerungen in Westeuropa (EU vor der WENDE) müssen auch Superverdiener (Schremp`s etc.)und Konzerne bekommen, nicht nur das "Volk".2. Unproduktive Kräfte im Staat müssen abgebaut werden.3. Unproduktive Ausländer sollten wieder in ihre Heimat und dort Werte schaffen, damit deren Länder weniger Entwicklungshilfe brauchen. Deutsche Kräfte ohne Job müssen an Jobs herangeführt werden, welche jetzt von Fremden erledigt werden.4. Der EU-Fehler, dass "Alteuropäer" in den ehemaligen RGW-Ländern erhebliche Steuererleichterungen erhalten, sollte blitzartig revidiert werden,da diese Länder für Fortschritt o. baldige Angleichung doch Geld benötigen.D.h., deren Steuern müssen mindest so hoch sein, wie in dem Land, von wo "Spekulativunternehmer" kommen, oder?. I.M. fördert die EU Unternehmen die dorthin ausweichen und somit Arbeitslose im "Alt-EU-Raum" schaffen.Unlogisch hoch 3! 5. Die Erziehung in Schulen und bei der Ausbildung sollte schnell autoritär werden. Alle Ausreden sind dumm, dümmer geht es nicht.Oder gibt es vielleicht antiautoritäre Armeen in irgend einem Land? 6. Unternehmer müssen in ihrem Betrieb wieder mehr Entscheidungs"gewalt" bekommen. D.h., Betriebsräte und Gewerkschaften sollten zwar bleiben, aber nur begrenzte "Macht" haben. Unternehmerkinder könnten sonst die Lust an einer Nachfolge verlieren. Schließlich schafft der Unternehmer soziale "Dächer" und nicht die Gewerkschaft. Oder?. 7. Die Ex-DDR muss endlich schlechthin mehr bringen. Z.B.,Polen sieht man nach wie vor mit Alt- u. Unfallautos auf Transportern auf der A2 nach Hause "karren". In den neuen Ländern kauft man Autos hauptsächlich kreditiert,etc.. 8. Kurz um, Deutschland muss sich auf allen Gebieten wieder mehr anstrengen und wirtschaftliche Logig beachten, sowie dringenst auf solide Wirtschaftsfachleute hören. Mit freundlichem Gruß, B. Auge
(Reaktion auf eigenen Beitrag vom 11.5., Anm. des Moderators:) Nur noch eine Anmerkung meinerseits: Jeder darf natürlich seine eigene Meinung vertreten, dazu stehe ich absolut. Ihre Meinung kann ich aber nicht teilen, da der Zins eben leider nicht wie Sie schreiben eine wichtige Lenkungsfunktion einnimmt. Diese "wichtige" Funktion ist eher eine zerstörerische:- auf der einen Seite werden die "Reichen" durch Zins und Zinseszins immer r