Eine Übersicht über die Publikationen zum Thema "Euro-Krise" finden Sie im ifo Spezialthema: Euro-Krise
Griechisches Geschäftsmodell Der griechische Schuldendienst
Griechenland hat kein tragfähiges Geschäftsmodell. Sein Leistungsbilanzdefizit beträgt 11% des BIP. Das muss durch Kapitalimporte finanziert werden. Doch die Märkte sind kaum noch bereit, das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen. Deshalb muss Griechenland das Defizit abbauen, indem es weniger importiert und mehr Produkte auf den Weltmärkten verkauft. Das geht nur durch eine Abwertung der Währung. Doch mit dem Euro ist dieser Weg kaum möglich. Als Euroland kann Griechenland nur intern abwerten, d.h. alle Preise und Löhne soweit senken, bis die griechischen Produkte wieder auf den Weltmärkten konkurrenzfähig sind. Dieser Weg radikalisiert die betroffenen Bevölkerungsgruppen und treibt das Land an den Rand des Bürgerkriegs.
Griechenland kann seinen Schuldendienst nicht aus eigener Kraft bezahlen, sondern nur, wenn ihm andere Länder mit verbilligten Zinsen oder neuen Finanztransfers die Last abnehmen. Bei einer geschätzten Schuldenquote von 150% im Jahr 2011 und Zinssätzen in der Größenordnung von 10 bis 15%, wie sie ohne die Hilfen sicherlich wieder fällig gewesen wären (wie vor der Euro-Zeit), wären das zunächst 15% bis 22,5% des BIP bei aber weiterhin steigender Tendenz. Griechenland wird zur Zeit zu einer Sparpolitik gezwungen, die eine Schrumpfung des BIP impliziert. Lettland hat das vorgemacht. Das Land ist allein vergangenes Jahr um 18% geschrumpft. Ob das reicht, um das griechische Leistungsbilanzdefizit bereits auf Normalmaß zu reduzieren, ist zu bezweifeln. Der IWF verlangt in ähnlichen Fällen eine Abwertung um ein Drittel. Dann liegt der Zinsendienst schon bei 23% bis 34% des BIP, ein Ding der Unmöglichkeit.
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Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für die Schule erstelle ich zurzeit ein Referat über die Eurokrise und die strukturellen Defizite in den Krisenstaaten (Leistungsbilanzdefizite usw.). Dabei bin ich auch auf Ihre zu den Target 2 Salden gestoßen. Eine Frage, die mir auch nach dem Lesen von ca. 100 Seiten Zeitungsartikeln unklar geblieben ist, ob diese Forderungen verzinst werden? Dies würde ja eher in die Definition eines klassischen Kredites fallen und nicht nur einer einfachen Buchungsoperation. Daher meine Frage: Werden diese Target 2 Forderungen verzinst? Falls ja: Wie wird der Zinssatz dieser Forderungen bestimmt? Falls Nein: Wo liegt das Interesse der Länder mit positiven Target 2 Beträgen, diese zu halten und nichts am System zu ändern? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Sehr geehrter Herr H., die Target-Kredite werden zum jeweiligen Hauptrefinanzierungssatz (derzeit 1%) verzinst. Die Zinsen werden jährlich den Beständen zugeschlagen und in das kommende Jahr übertragen. Die Zinsen sind irrelevant, solange alle Staaten des Eurosystems solvent bleiben, weil Zinslasten und Zinseinnahmen zwischen den Notenbanken nach ihren Kapitalschlüsseln umverteilt werden. Sie spielen aber eine Rolle, sofern ein Staat in die Insolvenz geht oder aus dem Eurosystem austritt, weil sie dann in die Gesamtmenge der Restforderungen gegen diesen Staat eingehen. Mehr Informationen können Sie der Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215973.PDF. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Unter http://www.ideastv.de/broadcast/active/ können Sie das Interview "Bringt Griechenland die Währungsunion zu Fall?" mit Dr. Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, und darunter oder über http://dl.tfiles.edge-cdn.net/17r7hj3.3cg/Skript_ideasTV_15052012.pdf das Sendeskript abrufen, in dem über Target-Salden und die aus Sicht der Commerzbank weitere Entwicklung gesprochen wird. Teilen Sie die im Sendeskript vermutete weitere Entwicklung bezüglich des zukünftigen Verhaltens der EZB und der Regierungschefs? Ein Zitat aus dem Artikel http://www.querschuesse.de/banco-de-espana-target2-mit-284594-mrd-euro-im-april/ "Aber die Daten verbergen noch eine enorme Brisanz, denn unglaubliche 68,9%, nach 62,9% im Vormonat, der gesamten Nettoforderungen des gesamten Eurosystems (Kreditgewährung aus den geldpolitischen Operationen minus Einlagefazilität) bestanden im April 2012 nur gegenüber spanischen Banken..." Wie lange kann es gut gehen, bis dass ein Moratorium über Spanien verhängt werden muss? Zitat aus dem Artikel "Appetiser cost of Greek exit is €155bn for Germany, France: trillions for meat course": "Eric Dor's team at the IESEG School of Management in Lille has put together a table on the direct costs to Germany and France if Greece is pushed out of the euro...They conclude: The total losses could reach €66.4bn for France and €89.8bn for Germany. These are upper bounds, but even in the case of a partial default, the losses would be huge. Assuming that the new national currency would depreciate by 50 per cent against the euro, which is realistic, the losses for French banks would reach €19.8bn. They would reach €4.5bn for German banks." Quelle des Artikels: http://blogs.telegraph.co.uk/finance/ambroseevans-pritchard/100017148/appetiser-cost-of-greek-exit-is-e155bn-for-germany-france-trillions-for-meat-course/ Sind die vom Eric Dor´s Team genannten Zahlen realistisch? Ich hörte von Prof. Ansgar Belke, dass Sie mit ihm am 18.05. über Ihre Thesen diskutieren werden. Wird es über diese Diskussion ein Ergebnispapier geben, und wo werde ich es einsehen können? Weiterhin interessant: http://www.querschuesse.de/griechenland/ http://www.querschuesse.de/querschuesse-artikel/
Sehr geehrter Herr Schlüter, derzeit erhält Prof. Sinn eine Vielzahl an Zuschriften. Damit alle beantwortet werden können, hat Prof. Sinn mich gebeten, ihn zu unterstützen. Wie sich die EZB in Zukunft verhalten wird, ist schwer zu beurteilen. Allerdings ist klar, dass die bisherigen Maßnahmen der EZB, um wieder Vertrauen zu schaffen und den Interbankenmarkt wieder herzustellen, nicht besonders erfolgreich waren. Zu der Frage, was aus Spanien wird, möchte ich auf folgenden Artikel von Prof. Sinn hinweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp134.htm. Man kann wohl mit Sicherheit sagen, dass die Krise noch längst nicht vorbei ist. Zumal nun auch Frankreich anfängt zu wackeln. Zu Ihrer letzten Frage: Nach Berechnungen des ifo Instituts hat die Rettung Griechenlands uns bislang bereits 80 Milliarden Euro gekostet. In diesem Zusammenhang könnte Sie die neueste ifo Studie zum „Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion“ interessieren: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifostudie-201205-Austritt_Griechenlands_aus_EWU.pdf. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Nachtrag zum Vortrag bei dem Insitut für Staatswissenschaft - Universität Hannover - Europäische Zahlungsunion Sehr geehrter Herrr Prof. Dr. Sinn, im Anschluss an Ihren sehr interessanten Vortrag bei dem Institut für Staatswissenschaft an der Universität Hannover hatte ich Sie kurz auf die Europäische Zahlungsunion (EZU) angesprochen. Sie schlugen mir vor, Ihnen Näheres zur EZU zu schreiben. Sie hatten mit Ihrer Einschätzung recht, dass auch die EZU über Kredite funktionierte. Im Ergebnis dürften einige Aspekte mit Ihrem zweiten, amerikanischen Modell übereinstimmen. Gleichwohl bin ich der Ansicht, dass insbesondere der Umstand, dass die Kredite zu einem Teil nicht ausgeglichen wurden, einen interessanten Ausgleichsmechanismus beschreiben. Ausgangspunkt für meinen Hinweis auf die EZU war die Lektüre der Biografie von Ludwig Ehrhard, Ein Politikerleben von Volker Hentschel, S. 133. Hierin heißt es: „Die Teilnehmer an der Europäischen Zahlungsunion, so nannte man das nützliche Ding und kürzte es in Deutschland EZU ab, räumten sich gegenseitig umfänglich-multilateralen Kredit ein. Das ging so: Monatliche Gesamtüberschüsse begründeten Forderungen an die Zahlungsunion, Gesamtdefizite begründeten hingegen Verbindlichkeiten gegen die Zahlungsunion. Die Verbindlichkeiten mussten nun in gewissen Grenzen gar nicht und jenseits der Grenzen nur zum Teil beglichen werden. Den anderen Teil bekam der Schuldner längerfristig kreditiert. So wie es eine gemeinsame Rechnungseinheit gab, so gab es auch eine gemeinsame Zahlungseinheit, ebenfalls den Dollar, ersatzweise Gold. Je mehr ein Defizit über die Monate hinweg anschwoll, um so geringer wurde der Kreditanteil. Das sollte den Schuldner dazu veranlassen, mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegen die inneren Ursachen ihrer Defizite anzugehen. Von einem vertraglich vereinbarten Punkt an mussten zusätzliche Defizite vollständig in Dollar gedeckt werden. Der Punkt hieß Quote. Wenn die Quote erschöpft war, hatten Schuldner-Länder 60 % ihres kumulierten Defizits von der Gesamtheit der anderen Länder kreditiert bekommen und 40 % durch Gold- oder Dollarzahlungen an die Union ausgeglichen. Mitglieder, die ihren Dollarzahlungsverpflichtungen nicht nachkamen, konnten aus der Organisation ausgeschlossen werden. Das galt auch für Länder, die den Liberalisierungskodex verletzten. Überschüsse jenseits der gewissen Grenzen hingegen zahlte die Union den Gläubigern zur Hälfte in Dollar aus, die ander Hälfte beließen die Gläubiger der Union als Kredit. Auch dies im Rahmen einer Quote. Einen selbstverständlichen Anspruch auf vollständige Dollarzahlung nach Überschreitung der Quotengrenze gab es nicht. Was in solchen Fällen geschähe, blieb zukünftigen Abwägungen und Beschlüssen überlassen.“ Dieser Ansatz verdient insoweit zusätzliche Beachtung, als auch die Exportüberschüsse als Teil des Problems erkannt werden und spiegelbildlich zu den Kreditrahmen nur teilweise in Gold bzw. Dollar ausgezahlt wurden (vgl. Polster, Europäische Währungsintegration -Von der Zahlungsunion zur Währungsunion, 2001, S. 75 f.). Dies berücksichtigt, dass auch der Gläubiger für die Abhängigkeit des Schuldners mitverantwortlich ist und im Sinne der Stabilität eines gemeinsamen Wirtschaftsraums zur Verringerung dieses Ungleichgewichts beitragen muss. Interessant ist die Einschätzung, dass die EZU erst die Voraussetzung für die zwischen-staatlichen Handels- und Zahlungsbeziehungen nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen hat, die aufgrund der nachhaltigen Zerstörung nicht vorgelegen hätten (Polster, aao., S. 69). Dieses Argument ließe sich auch auf die sehr unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangslage der Mitglieder der Europäischen Union (EU) übertragen. Demzufolge liegt es nahe, ein der EZU vergleichbares System in der EU einzuführen, um den von der EU angestrebten Binnenmarkt überhaupt erst zu ermöglichen. Einzuschränken ist die Übertragbarkeit, da die EZU zum einen an die Erteilung von Einfuhrlizenzen anknüpfte und zum anderen den nicht vorhandenen freien Kapitalfluss weder ermöglichte noch berücksichtigte (Polster, aao., S. 77; Art. 2 des Abkommens über die Gründung einer Europäischen Zahlungsunion). Weder anhand des Abkommens noch anhand der von mir gesichteten Literatur wird jedoch deutlich, wie die privaten Wirtschaftsakteure, die eine Einfuhrlizenz erhalten hatten, in das System der EZU eingebunden waren. Hier wäre für eine Übertragung der EZU auf das heutige System jedoch im Maße von Exportüberschüssen an eine dämpfende Exportabgabe zu denken, die sich an dem System der EZU orientieren könnte. Vielen Dank, dass Sie mir die kurze Nachfrage nach Ihrem Vortrag ermöglich hatten und würde mich freuen, wenn die Idee der EZU auf interessierte Ohren stoßen würde. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., Ihre Informationen sind sehr interessant. Die Parallelen zu heute sind wirklich verblüffend. Die Europäische Zahlungsunion musste sich offenbar mit ganz ähnlichen Problemen wie der Euroraum auseinandersetzen. Die Details, insbesondere die Quotenproblematik, deretwegen man sich damals viele Gedanken gemacht hat, vermisst man bei der Konstruktion des Euro. Offenbar war der Euro mit wesentlich heißerer Nadel gestrickt. Aber selbst die EZU hielt ja nicht lange, nur bis 1958. Das verringert meine Sorgen bezüglich der Stabilität des Euro leider nicht. Vielen herzlichen Dank für Ihre wichtige Mitteilung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, . warum werden die "target-Schulden" wider besseres Wissen von der Politik ignoriert? . meine persönliche Erfahrung zu dem ganzen Schuldenthema ist folgende: - neben den ausgewiesenen Staatsschulden ( für die Sozialsysteme) von rd. 2 Bill. Euro haben wir bekanntlich weitere nicht ausgewiesenen Staatschulden von mindestens 4,5 Bill Euro, so Prof. Raffelhüschen im Internet; - Prof. Raffelhüschen spricht bei seinen Vorträgen von "optimistisch unrealistischen" 4.5 Bill Euro, und im "optimistisch realistischen" Fall sogar von von 9 Bill Euro; - diese nicht ausgewiesenen Schulkden sind bereits heute kein Phantom, denn die unterlassenen Investitionen in den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Infrastruktur etc. sind bereits heute sehr real. - Versprechungen von längerfristig steuerlich finanzierten Sozialleistungen sind absehbar nicht haltbar, die Schuldenbremse eine bewußte Irreführung der Öffentlich´keit (Ich sage gerne zu den nicht ausgewiesenen Staatsschulden: würde man den Bundestag in Sachen Finanzen mit den gleichen Maßstäben messen wie Private, dann müßte der Bundestag geschlossen einsitzen.) . Jede Regierung, die das gesamte Schuldenthema anpackt, ist tot. Also braucht man eine Ablenkungs-Story. Und genau dazu kann der Euro in der jetzigen Form geradezu ideal dienen, mit der Vergemeinschaftung von Schulden, usw. usw. Wenn dann am Ende das ganze zu Bruch geht, dann war es "Europa" und nicht der Bundestag. . Und da andere Länder diese nicht ausgewiesenen Schulden auch haben, gibt es geradezu ein gemeinsames europäisches Interesse am Euro mit "Schulden für alle" . Letzter Punkt: Sie werden das vielleicht als etwas abendteuerliche Argumentationskette ansehen wollen. Aber einige wirklich einflußreiche Journalisten haben (wenn man unter sich war) eingeräumt, dass man das Schuldenthema niedrig halten müsse, weil man ja sonst keine Hintergrundtermine mehr bei hohen Politikern bekäme. . Und dass Ihr "Target-Schulden" Thema in den Medien zu kurz kommt, insbesondere in den Takshows der "Öffentlichen" , könnte auch in deren vorauseilendem Gehorsam begründet sein. . Viel Erfolg und freundliche Grüße
Sehr geehrter Herr B., ich habe mich sehr über Ihre Anmerkungen gefreut! Es ist ein Kreuz, dass die Realitäten und der Rat der Ökonomen in der Politik einfach so ausgeblendet werden. Aber in den Medien findet ein spürbares Umdenken statt. Die Target-Problematik hat endlich Gehör gefunden. Die FAZ, der Spiegel und weitere bekannte Zeitungen haben sich in letzter Zeit ausführlich mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und Sie auf das ifo-Spezialthema „Target-Salden“ aufmerksam machen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Hier findet sich eine Zusammenstellung aller Veröffentlichungen (inkl. Presseinterviews) seitens des ifo Instituts zum Thema. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Lieber Prof. Sinn, zuletzt hat ja die Mitteilung der Deutschen Bundesbank, dass man ein höheres Inflationsziel akzeptieren würde, für Aufsehen gesorgt. http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:geldpolitische-kehrtwende-bundesbank-duldet-hoehere-inflation/70034538.html SIe hatten ja bei der Diskussion der Target2-Salden bereits darauf hingewiesen, dass im Laufe diesen Jahres aufgrund der exzessiven Ausweitung der Finanzierung der Leistungsbilanzsalden der PIIGS-Staaten ein Punkt erreicht werden würde, wo es im System der EZB nicht mehr möglich sei, die Inflation stabil zu halten. Könnte die jetzt losgetretene Debatte nicht damit im Zusammenhang stehen? DIe Kapitalflucht aus den Ländern und jetzt wohl auch aus Frankreich nach Deutschland nimmt weiterhin zu. Damit wird aber eine Überschussliquidität an Zentralbanklgeld geschaffen, die die Stabilisierung der Inflationsrate nicht mehr möglich macht. Die Bundesban würde damit nur diesem Umstand Rechnung tragen. Es wäre jedoch keine autonome geldpolitische Entscheidung, sondern eben das Ergebnis der Explosion der Finanzierung von Kapitalflucht aus den krisenländern über das Target2-System. Für eine Anwort diesbezüglich wäre ich Ihnen dankbar. Mit freundlichen Grüßen GE
Sehr geehrter Herr E., in der Tat ist es wohl so, dass die Maßnahmen der EZB zu Inflation führen können. Aber das ist nicht so offenkundig, wie es scheint, denn das Geld, das im Süden geschaffen wird, wird hier wieder zur Bundesbank getragen. Der Mechanismus ist der: Wenn die Target-Salden immer größer werden, hat der Club Med den Anreiz, sich der Rückzahlung zu entziehen und wird dann vielleicht eines Tages die Geldmenge inflationär auszuweiten versuchen. Noch ist es nicht so weit. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ermutigt durch ein Telefonat mit Frau Schiller aber auch dadurch, dass Sie in Ihrem fulminanten Vortrag in der LMU legales aber nicht legitimes Handeln erwähnten, wende ich mich direkt schriftlich an Sie. Es gibt auf der einen Seite jede Menge immer dreisterer legaler aber nicht legitimer Vorgänge - aber auch die Geltung bestehender Rechte wurde - z.B. bei der in aller Härte durchgezogenen "Gleichschaltung" -in vielen Punkten mißachtet. Ich hoffe, dass sich das Ifo-Institut diesem und anderen "weichen" Krisenfeldern annehmen kann und würde gerne meinen Teil dazu beitragen. Ich bin 63, Dipl.Soz. mit 1,0 Examen, habe mich nach Erziehungsauszeit auf vielen Feldern weitergebildet und war m.W. der Erste, der auf das Auseinanderdriften von Legalität und Legitimität hingewiesen hat (im Leserbrief Focus 3 vom 16.1.12). Ich freue mich auf Ihre baldige Reaktion. Mit freundlichen Grüssen Regina Bernhard
Sehr geehrte Frau Bernhard, vielen Dank für Ihr Schreiben. Das Auseinanderdriften von Legalität und Legitimität bereitet auch mir Kopfzerbrechen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass das ifo Institut es als seine Aufgabe ansieht, über Missstände aufzuklären. Dies wird im Rahmen von Publikationen, Vorträgen etc. getan. Ich möchte an dieser Stelle auf die ifo Homepage verweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Da wir der Meinung sind, dass die deutsche Bevölkerung über den genauen Sachverhalt der derzeitigen Schuldenkrise aufgeklärt gehört, hat das ifo Institut auf seiner Homepage extra die Spezialthemen "Euro-Krise" und "Target-Salden" eingeführt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie haben sich das Verdienst erworben, die Target2 Prolematik aufzuzeigen. Hierzu habe ich eine Frage: Unterstellt die EURO Zone zerbricht, weil z.B: Frankreich austritt und die Target2 Schuldner weigern sich oder können schlicht ihre Verbindlichkeiten nicht bedienen. Die Bundesbank muss dann ihre Forderung abschreiben und wäre überschuldet. Nach dem WKII, der Wiedereingliederung des Saarlandes und der deutschen Wiedervereinigung hat man ähnliche Situation (bei den Unternehmen) damit gelöst, dass man eine "Ausgleichsforderung" eingebucht hat. Hier könnte ein Erblastentilgungsfonds EURO gegründet werden, der bei der KfW angesiedelt wird und der durch die BR Deutschland garantiert wird. Dieser Fonds gewährt der Bundesbank eine unverzinste Ausgleichsforderung die in 30 Jahren zu tilgen ist in einer Höhe, die die Überschuldung beseitigt und ein angemessenes Eigenkapital wiederherstellt. Was passiert dann? Inflationär dürfte diese Verfahrensweise nicht wirken, weil das Geld bereits in die entsprechenden Schuldnerländer abgeflossen ist und dort inflationär auf Hauspreise etc. gewirkt hat. Auch dürften die Refinazierungskosten des Bundes nur unwesentlich erhöht werden, soweit man unterstellt, die wirtschaftliche Situation in Deutschland bleibt wie sie ist. Dies stellt natürlich angesichts der Aufwertung einer DMneu natürlich ein Problem dar. Dieses Problem besteht aber unabhängig von der Target2 Problematik. Sehe ich das zu optimistisch oder wo könnten hier wirtschaftliche Problem entsehen? Für Ihre geschätzte Meinung bedanke ich mich und verbleibe Mit freundlichen Grüßen Michael Krause
Sehr geehrter Herr Krause, Sie müssen bitte bedenken, dass der Bürger bei der Sache entweder als Steuerzahler oder als Sparer dabei ist. Letzteres, weil die Bank des Sparers Forderungen gegen die Bundesbank hat, die selbst wiederum Target-Forderungen gegen die EZB hat. Im Umfang der Target-Salden werden nämlich verzinsliche Auslandsforderungen unserer Banken in Spareinlagen der Banken bei der Bundesbank verwandelt. Kriegt die Bank des Sparers ihr Geld zurück, ist der Steuerzahler dran. Einmal dadurch, dass die Bundesbankgewinne niedriger sind, weil die Ausgleichsforderungen nicht mehr verzinst werden, und zum anderen weil er den Ausgleichsfonds mit Steuermitteln in die Lage versetzten muss, die Tilgung zu leisten. Nur dann, wenn die Bank des Sparers und damit der Sparer selbst sein Geld nicht zurück erhält, wird der Steuerzahler nicht belastet. Sparer und Steuerzahler verlieren zusammen barwertmäßig exakt die Target-Forderung, die vom Ausland nicht mehr bedient wird. Der deutsche Konsum geht genau um diesen Betrag zurück. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Prof. Sinn, ich schlage als kurzfristige Maßnahme - insbesondere für Griechenland - vor, zwei Währungen gleichzeitig als Zahlungsmittel zu verwenden, also den Euro und die Drachme. Jeder ("die Bürger", "die Investoren")hätte dann die Möglichkeit selbst über die Währungverwendung zu entscheiden; die Informationsfunktion über Preise und Wechselkurse wäre gestärkt; Möglicherweise entstehen dadurch neue Erkenntnisse; Möglicherweise machen wir positive Erfahrungen damit: dann könnte man es sogar für alle Länder, die die Konvergenzkriterien oder zukünftig den Fiskalpakt verfehlen zwingend vorschreiben. Gerne würde ich Ihre Meinung aus theoretischer Sichtweise dazu vernehmen. Mit freundlichen Grüßen, Dipl. Vw. S.Stegmayer
Sehr geehrter Herr Stegmayer, ihr Vorschlag ist diskussionswürdig. Vergleichen Sie dazu bitte auch die Beiträge im ifo Schnelldienst (siehe bspw. http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1214309.PDF). Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich beobachte die Euro-Krise sehr aufmerksam Meine Frage an Sie als Fachmann: Ist es sehr wahrscheinlich, dass (wie Dirk Müller im TV immer wieder wiederholt) es einen System-Reset geben wird, der, so meine Frage, in Form einer Währungsreform in Deutschland ablaufen wird? Halten Sie dieses Szenario in der kommenden Zeit für sehr wahrscheinlich? Im www sind viele Beiträge zu finden; ich weiß nicht, wem man hier trauen kann. Ich befürchte, dass als letzter Ausweg diese Option gewählt werden wird. Mit freundlichem Gruße Daniel Fischer
Sehr geehrter Herr Fischer, ich würde davon vorläufig nicht ausgehen. Für die meisten Länder gibt es schon die Möglichkeit, sich im Euroraum wettbewerbsfähig zu machen. Freilich nicht für alle. Ich vermute, dass Griechenland über kurz oder lang austreten wird. In Portugal könnte eine ähnliche Entscheidung dann folgen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Sie sagen immer, dass die Target Kredite rückgekoppelt sind mit dem Sparvermögen der Länder mit positivem Target-Saldo. In dem Umfang wie der Nettorefinanierungskredit der Bundesbank negativ wird, kann ich dies nachvollziehen, weil dies bedeutet, dass sich der private Bankensektor im selben Maß bei der EZB verschuldet hat. Der andere Teil des positiven Target Saldos spiegelt folglich einen Rückgang des Nettorefinanzierungskredits bis zu jenem Punkt wieder, zu dem er negativ wird. Dieser Teil des positiven Target-Saldos ist nicht mit privaten Ersparnissen rückgekoppelt. Sehe ich dies bis dahin richtig? Liebe Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, die gesamte Target-Forderung der Bundesbank ist Teil des Nettoauslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland und damit des deutschen Sparvermögens, nicht nur ein Teil davon, denn die Kreditvergabe findet bereits mit der Erfüllung von Zahlungsaufträgen anderer Notenbanken statt. Ökonomisch kann man das so begründen: Refinanzierungskredit, der zu Basis-Geld führt, ist ein Nettovermögen der Notenbank, und er führt ja auch zu Zinseinnahmen, deren Barwert gleich dem Wert des Kredits ist. Wird dieser Refinanzierungskredit verdrängt, ohne dass das Geld verdrängt wird, wie es ja bei Überweisungen aus dem Ausland der Fall ist, fällt das Vermögen der lokalen Notenbank und jenes der ausländischen Notenbank, die mehr Refinanzierungskredit bereit stellt und die Überweisung veranlasst, steigt. Die Target-Ausgleichsforderung kompensiert diese Vermögensumschichtung. Das im Ausland angelegte Sparvermögen der Inländer wird zurückgeholt und zur Tilgung des inländischen Refinanzierungskredits (bis in den negativen Bereich hinein) verwendet und in Target-Forderungen der Bundesbank verwandelt. Wann der Refinanzierungskredit bei dieser Operation die Null-Linie unterschreitet, ist für diese Aussage irrelevant. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, die von Ihnen losgetretene TARGET2-Debatte verfolge ich seit Anfang an mit großem Interesse. Den Normalbürger wird das Thema, ob seiner Komplexität, weiterhin nicht interessieren. Nur die daraus - hoffentlich nie - resultierenden Zahllasten werden irgendwann zum Aufschrei führen. In diesem Zusammenhang würde ich mich freuen, wenn Sie Ihr Märchen "Die Kühe des Bauern BuBa" aus dem Jahre 1997 fortschreiben würden. Das Unwetter TARGET2 wütet so stark, dass die Kühe bei einem Blitz getroffen werden könnten und damit sterben und für BuBa für immer verloren wären. Die Bilanz des Bauern BuBa für 2011 war ja, dass ohnehin schon, dass die Kühe kaum noch Milch geben. Also der Fimi leer ausgeht. Und: Immerhin scheint es ja nun doch um die Enteignung des Bauern Buba zu gehen, u.a. in dem ihm aufgrund der Entscheidung der Genossenschaft Emu Kühe angedreht werden, die keine Milch mehr geben. Das Märchen nimmt wohl doch kein gutes Ende....
Sehr geehrter Herr S., ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Sie sich noch an das Märchen von damals erinnern konnten. In der Tat findet das Märchen kein gutes Ende, wie mir scheint. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, aufgewacht durch Malte Fischers Aufsatz "Die Stunde der Wahrheit", Wirtschaftswoche 10(2012), fand ich Zugang zu den detaillierten Jahresverläufen der rapide zunehmenden Euroländer-Target-Salden, auch Frankreichs, alle mit steil zunehmenden Beträgen. Das raubt den Schlaf. 1.) Die Diagnose: Ihr aktueller Sonderbeitrag 21.03.2012 zeigt Situation und ihre Ursachen klar + deutlich. Viele Aha-Effekte für mich, grossen Dank! 2.) Die Triebfeder dieser Entwicklung nach meiner Einschätzung: Hinter der Dynamik der finanziellen Schieflage im Euroraum steckt National-Egoismus, Wille und System: Ich höre die Staats- und Notenbank-Chefs der Schuldnerländer jeden Abend beten: "Grosser Finanzgott, lass es noch möglichst lange so weitergehen. Schiebe den Zusammenbruch des Eurosystems, also wenn Deutschland den Staatsbankrott erleidet, noch um ein paar Jahre hinaus. Denn je länger es so weitergeht wie jetzt, umso unausweichlicher wird dies für uns wichtige Ereignis eintreten. Wenn wir Schuldnerstaaten dann unsere Euroverbindlichkeiten auf Null gesenkt bekommen, haben wir bis dahin maximal viel gewonnen. Wir machen es richtig. Unser Land ist auf der Siegerseite" So weit das Gebet im Geiste. 3.) Was tun? Welche Alternativen? a) Einfach die nächsten Jahre so weitermachen, die deutschen Sparer beruhigen? Bitte wie hoch oder niedrig schätzt Ihr Institut die Wahrscheinlichkeit ein, dass die Krise in 10 Jahren ein gutes Ende gefunden hat? Dass die Verbindlichkeiten zwischen den Euroländern dann ausgeglichen sein werden? b) Offizielle Euro-Bonds, Vergemeinschaftung aller Risiken? Wahrscheinlichster Weg, aber nicht besser als a). c) Das US-System einführen, Targetsalden zwingend jährlich bedienen? Im EZB-Rat wohl nicht durchsetzbar. d) Harter sofortiger Chirurgenschnitt: Unseren Euro ersetzen durch einen neuen "Centro" gemeinsam in D, NL, LUX und FIN. In den Peripher-Ländern den "Perifero" einführen. Das erfordert schmerzlichen Verzicht von uns auf alle momentanen Forderungen an EZB und periphere Notenbanken. Das erlaubt aber auch unser Aussteigen aus den Einlagen und Zusagen der offenen Rettungsschirme. Hart aber fair, finde ich. Soweit die Gedanken eines Nicht-Volkswirts, der vor Jahrzehnten ein Ingenieurstudium hinter sich brachte. P.S.: Würde der Euro doch so funktionieren wie das europäische Stromnetz seit vielen Jahrzehnten: Von Portugal bis Finnland laufen alle Generatoren vollkommen synchron an einem gemeinsamen, durchgängigen Netzsystem, und das geräuschlos, gut geregelt, allerdings mit Überstrom-Sicherungen an den richtigen Stellen. Werner Diers, Welfenweg 10, 68307 Mannheim
Sehr geehrter Herr Diers, da Herr Sinn derzeit nicht verfügbar ist, antworte ich Ihnen. Ich möchte mich zuerst einmal für Ihre Einschätzungen bedanken. Wann und wie die Krise ein Ende nehmen wird, kann wohl niemand genau vorhersagen. Ihre Bedenken kann ich sehr gut nachvollziehen. Es ist eine Tragödie, die dadurch gekennzeichnet ist, dass es keine gute Lösung gibt. Für Sie von Interesse könnte die neue Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes sein. Hier konzentriert sich Herr Sinn auf den Aspekt der Target-Kredite, gibt einen Überblick über den Sachverhalt und fasst die neueste Datenlage zusammen: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215816.PDF. Mit freundlichen Grüßen Anja Rohwer
Sehr geehrte Damen und Herren, vorab vielen Dank für Ihre ausführlichen Erklärung der Target2-Problematik, welche nun endlich auch von dem Mainstream-Medien aufgegriffen wurde. Leider teilweise sehr verrissen, aber immerhin beachtet und diskutiert. Auch finde ich Ihre Idee des Haftungspegels auf der Webpage sehr gut, da dieser schnell zeigt, wohin die Reise gehen kann und so das Bewusstsein für die Beschlüsse unserer (nicht immer) gewählten Vertreter geweckt werden. Mein eigentliches Anliegen dreht sich um die Promissory notes/ELAs der EZB/NZBs, wozu ich fast schon einen ganzen Fragenkatalog habe. Da auch hier in letzter Instanz der Staat für die nicht mehr erfüllbaren ELAs der Banken gerade stehen muss, finde ich dieses Thema mittlerweile auch diskussionsbedürftig. Dazu wird hier meiner Ansicht nach eine weitere Finanzierung/Rettung der Banken durch die Hintertür betrieben und trotzdem findet das Thema keinerlei Beachtung. Wo in den Bilanzen der NZB der Länder kann ich die bislang vergebenen ELAs/Schuldscheine/Solawechsel an der NZB die Banken finden? Wie werden diese festgehalten? Besteht überhaupt die Möglichkeit hier in den Bilanzen etwas darüber in Erfahrung zu bringen? Oder werden diese Wechsel beim jeweiligen Staat festgehalten, da es ja einseitige Schuldscheine sind / sein können – haben die NZBs über die Wechsel gar nichts in den Bilanzen?! Muss der Staat hier nicht in irgendeiner Weise gegenzeichnen, wenn die Banken von den NZBs die ELAs empfangen? Wenn ja wer bzw. in wessen Ressort fällt diese Gegenzeichnung? Ist das Bundesfinanzministerium nicht dazu verpflichtet diese Daten offenzulegen (wenn auch geschickt in einer Statistik versteckt)? Werden dazu eine Art Risikorücklagen gebildet? Die Haftung für die ELAs der Notenzentralbanken soll früher oder später an die EZB gehen – kann das einfach vonstattengehen, ohne dass vorher Beschlüsse oder Gesetzte dazu gefasst wurden; existiert ein solch automatischer Mechanismus bereits? Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen. Oder vieleicht haben den einen oder anderen Tipp für mich um ein wenig Licht ins Dunkel zu bekommen. Vielen Dank, weiter so und freundliche Grüße D. Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, ich bin ganz Ihrer Meinung, dass wir uns mit den ELA-Krediten neue Gefahren ins Haus holen. Denn fallen ELA-Kredite aus, haftet zunächst die emittierende Notenbank und damit der Staat, dem sie gehört, und erst bei einer Staatspleite fällt die Haftung auf die Gemeinschaft der anderen Notenbanken zurück. Aber es ist davon auszugehen, dass die hinterlegten Sicherheiten viel schlechter sind als sonst üblich bei Refinanzierungsgeschäften, so dass im Fall von Staatskonkursen die Sicherheiten überhaupt nicht ausreichen, die Gemeinschaft der Notenbanken vor Verlusten zu schützen. Zu Ihrer Frage, wo man in den Bilanzen der NZB die ELA-Kredite finden kann: Bislang haben nur Irland und Griechenland Zahlen veröffentlicht, die sich in der Bilanz unter "Other Assets" verstecken. Für Griechenland waren bis zum Dezember des Jahres 2011 bereits etwa 53 Mrd. Euro an ELA-Krediten aufgelaufen (http://www.bankofgreece.gr/BogEkdoseis/financialstat201111_en.pdf). Auch die Bank of Ireland hatte ihren Banken bis Februar 2012 im Umfang von 45 Mrd. Euro ELA-Kredite gewährt (http://www.centralbank.ie/polstats/stats/cmab/Pages/Money%20and%20Banking.aspx). In diesem Zusammenhang haben Sie vielleicht auch Interesse an folgenden Artikeln: Buiter, W., J. Michels und E. Rahbari (2011), “ELA: An Emperor without Clothes?”, Citi Global Economics View, 21. Januar 2011. Buiter, W., J. Michels und E. Rahbari (2011), “ELA Revisited: A Clarification”, Citi Global Economics View, 11. Februar 2011. Zu Ihrer Frage nach den Beschlüssen: Am 28. Februar 2012 hat der "EZB-Rat beschlossen, dass die betroffenen Geschäftspartner des Eurosystems ihren Liquiditätsbedarf über ihre jeweiligen nationalen Zentralbanken im Rahmen der entsprechenden Regelungen des Eurosystems zur Gewährung von Liquiditätshilfen im Notfall (Emergency Liquidity Assistance) decken können" (vgl. Pressemitteilung der EZB vom 28. Februar 2012: http://www.ecb.int/press/pr/date/2012/html/pr120228.en.html). Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesen Informationen etwas weiterhelfen konnte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, im Internet habe ich Ihren sehr interessanten o.g. Vortrag an der LMU München vom 19.12.11 gefunden (meiner alten Uni). Unter den von Ihnen genannten Lösungen vermisse ich, wie auch in der gesamten Staatsschuldendebatte (auch bei Deutschland), die Berücksichtigung von verwertbarem Staatsvermögen, dem Vermögen das nicht für die Kernaufgaben des Staates benötigt wird z.B. Unternehmensbeteiligungen, privatisierbare öffentlich rechtliche Unternehmen, Immobilien, Gold, sales-lease back öffentlich genutzter Immobilien etc. Schließlich wurden mit den Schulden auch Vermögenswerte geschaffen. Stattdessen wird einseitig das BIP zu Schulden betrachtet, wo doch sonst immer gilt Schulden sind Bruttoschulden abzgl Vermögen. Wenn ein Kreditnehmer nicht zurückzahlen kann, wird sein Vermögen verwertet. Wenn ein Staat nicht genug Wirtschaftsleistung hat um zurückzuzahlen, sollte folglich das Vermögen zuerst verwertet werden. Natürlich bedarf es dazu einer Organisation der Schuldenregulierung, ggf mit ganz oder teilweisem Zinsverzicht der Gläubiger. Die gute Idee des Euro-Vertrages ist die No Bail Out Vereinbarung: eigentlich grundlos hat man dieseVertragsklausel gebrochen (weshalb der Geburtshelfer Köhler vermutlich zurückgetreten ist). Hätte man in der 1. Griechenlandkrise die No Bail Out Vereinbarung eingehalten, hätte Griechenland etc längst Ihr Staatsvermögen verwerten müssen und damit seine Schulden ganz (lt IWF entspricht Staatsvermögen den Schulden) oder teilweise getilgt. Stattdessen spielt das Vermögen der Staaten in der Rettungslogik keine Rolle. In Fall der Verwertung wären keine drakonischen Steuererhöhungen bzw Rentenkürzungen für die breite Masse notwendig gewesen, da nur der Eigentümer des Staatsvermögens wechselt, so dass die Wirtschaft weiterhin funktioniert. Dies wäre Vorbild und Ansporn für die anderen Problemländer gewesen. Auch Italien bräuchte keine Zinssubventionen von der EZB, da es über hohes, verwertbares Vermögen wie Unternehmensbeteiligungen, Goldreserven, Immobilienvermögen etc verfügt. Für die andern PIGS Staaten gilt gleiches. Aufgabe der EU wäre dabei eine Liqiditätshilfe gegen Verpfändung oder Verkaufsauftrag (vgl. Helmut Schmidt als Kanzler, der Italien nur Kredit gegen Goldverpfändung gegeben hat!) und ggf Moderation der Schuldenabkommen. Im übrigen, bevor der deutsche Steuerzahler oder die EZB angezapft wird, sollte man für den notwendigen Restbetrag zur Schuldentilgung Zwangsanleihen in den Schuldnerstaaten auflegen müssen. Dieses Modell könnte auch jetzt noch etabliert werden. Nochmals: m.E. kann die Eurozone nur eingermaßen funktionieren, wenn das No Bail Out durchgehalten wird und die EZB keine Staatsanleihen ankauft. Höchst interessant fand ich Ihre Ausführungen zum EZB System. Deutschland hat sich, salopp gesagt, ordentlich über den Tisch ziehen lassen. Gerade die derzeitige Situation notwendiger Hilfen hätte den Hebel geboten, die EZB Stimmrechte und die Abrechnung des Targetsystems zu korrigieren (mir völlig unverständlich wie man ein Verrechnungssystem ohne Zahlungsausgleich vereinbaren kann). Nochmals besten Dank für Ihren hervorragenden Vortrag.
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre nette Email. Es freut mich zu hören, dass Ihnen mein Vortrag gefallen hat. Bezüglich Ihrer Idee Staatsvermögen zur Schuldentilgung zu verwenden, möchte ich insbesondere auf die Verwendung der Goldreserven in Deutschland eingehen. Die Deutsche Bundesbank verfügt derzeit über Goldreserven in Höhe von ca. 132 Mrd. Euro. Sollte sich die Bundesbank tatsächlich von ihren Reserven trennen, käme das Geld dem Bundeshaushalt zugute. Die Bundesbank würde sich jedoch niemals von ihren gesamten Reserven trennen, da sie sich mit den anderen Euroländern sowie der Schweiz und Schweden darauf geeinigt hat, bis 2014 jedes Jahr maximal 400 Tonnen Gold zu verkaufen, um die Märkte nicht zu beunruhigen. Die Goldreserven dienen der Bundesbank zur Aufrechterhaltung ihrer Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit. Sie haben Recht damit, dass bspw. mit den Goldverkäufen Haushaltslöcher gestopft werden können. Dies ist allerdings nur von kurzer Dauer. Was wir brauchen, sind strukturelle Reformen bzw. Lösungen, die von Dauer sind. Etwas anders ist die Situation in den derzeitigen Krisenländern. Gerade in Griechenland sollten Vermögensveräußerungen Teil der Maßnahmen sein. Es wurden auch Privatisierungen mit der EU, der EZB und dem IWF (der sogenannten Troika) vereinbart. Allerdings geht es hier nicht so voran wie versprochen. Das ist ein wesentlicher Punkt der Unstimmigkeiten zwischen der Troika und Griechenland. Die Geldgeber müssen bei diesem Punkt hart bleiben. In dieser Hinsicht gebe ich Ihnen daher recht. Zusätzlich muss man in Griechenland und insbesondere in Italien aber auch das Thema Schwarzarbeit angehen. Die Schattenwirtschaft hat in Italien einen beträchtlichen Anteil an der Wertschöpfung. Hier gibt es ebenfalls Handlungsbedarf. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, ich habe über eine Lösung für des Target Problem nachgedacht. Was wäre wenn die Deutsche Bundesbank in Griechenland oder in einem anderen Land, Gold kauft und nach Deutschland importiert. Dies müsste doch die Salden wieder zurück buchen. Also den Mechanismus den Sie beschrieben haben in die andere Richtung drehen. Mit freundlichen Grüßen,
Sehr geehrter Herr R., leider ist es nicht so einfach. Griechenland hat Goldreserven in Höhe von 4,3 Mrd. Euro. Die Target-Schuld Griechenlands beläuft sich aber auf ca. 108 Mrd. Euro. Somit reichen die Goldbestände bei Weitem nicht aus, um die Target-Schuld zu decken. Hinzu kommt, dass die Notenbanken nur auf ihrem Territorium mit den dort ansässigen Banken Geschäfte machen dürfen. Ich glaube, wir kommen nicht um den Ausgleich zwischen den Notenbanken herum. Mein Vorschlag, den ich zusammen mit acht anderen Ökonomen der European Economic Advisory Group at CESifo ausgearbeitet habe, lautet, dass die Regierungen der Eurozone staatliche Pfandbriefe ausgeben sollten, die nach einheitlichen Kriterien mit Immobilien oder vorrangigen Ansprüchen auf künftige Steuereinnahmen des Emissionslandes besichert sind. Wir sind der Meinung, dass diese Pfandbriefe zur jährlichen Tilgung der Target-Salden verwendet werden können. Den detaillierten Bericht dazu können Sie der ifo-Homepage entnehmen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
The target2 imbalances are the consequence of the balance of payments deficits (BOP) of the PIIGS. These BOP deficits probably also constitute deficits on the income account of the current account. Therefore, the PIIGS are already paying interest or other primary income on their BOP deficits. Most of these primary incomes are paid to the Northern creditor/ BOP surplus countries. Now Mr. Sinn is suggesting that these cash strapped countries pay even more interest to the Northern creditor/ BOPsurplus countries. This is indeed very punitive, unfair and counterproductive. Again, it is the PIIGS which are pressured to do the brunt of the adjustment of the eurozone imbalances. The only way the PIIGS can settle the target2 liabilities is for them to run current account surpluses. This entails that the trade and capital flows are reversed. Therefore, the North has to start running current account deficits. Maybe Germany can lead the way by strongly raising wages after almost a decade of beggar-thy-neighbour wage moderation, the very cause of this eurozone crisis. This is my private opinion and in no way reflects the opinions of ABM Financial News. With regards, Arne Q. Petimezas
Dear Mr. Petimezas, Thank you for your note. Yes, indeed, Target deficits are balance of payment deficits. These have been closed with the printing press, by borrowing from the national central banks at a rate of one percent, way below the inflation rate. The core banks have instead placed their funds with their central banks collecting interest from them, even less than one percent. To improve the situation we need current account surpluses in the south, I agree. But such surpluses will not come by dictating higher wages in the north, only by letting the market decide the allocation of capital rather than the ECB system. That would generate a boom in the north resulting in more imports from the south. Yours sincerely Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, zum Thema Target Salden erlaube ich mir, Sie auf eine kleine Unschärfe in Ihren Ausführungen, sowohl in Vorträgen als auch hier im Forum aufmerksam zu machen. Sie reden wiederholt davon, das im Ausland gedruckte zusätzlich geschöpfte Geld würde bei den dt. Geschäftsbanken landen und dann an die Bundesbank weiterfliessen. Dies ist korrekt. Nicht korrekt ist jedoch, dass es dort - wie Sie des öfteren ausführen - "geschreddert" wird und damit dem Kreislauf wieder entzogen wird. Das Geld landet stattdessen überwiegend in der Einlagefaszilität der Bundesbank. Es bleibt mithin auf der Passivseite der Bundesbank stehen und findet ja letztlich den Ausgleich gerade durch die Target Salden auf der Aktivseite der Bundesbankbilanz. Es wird also nichts "geschreddert" sondern die Zentralbankgeldmenge in der Sphäre der Bundesbank wird durchaus erhöht (Bilanzverlängerung der Bundesbank). Vernichtet wird das geschöpfte Geld erst wenn der Kredit der nationalen Notenbanken, die das Geld schöpften, von der nationalen Geschäftsbank wieder zurückgezahlt wird (Bilanzverkürzung der nationalen Notenbank)oder aber wenn die dt. Geschäftsbanken ihrerseits Bundesbankkredite mit dem ihnen zufließenden Geld ablösen. Der letztere Fall dürfte jedoch die Ausnahme sein, denn mittlerweile ist die Bundesbank hier wohl in einer Nettoschuldnerposition gegenüber den dt. Geschäftsbanken. Mit freundlichen Grüssen Frank Killinger
Sehr geehrter Herr Killinger, der Ausdruck „schreddern“ ist als Metapher gemeint, um eine plausible Heuristik für komplizierte Buchhaltungsvorgänge zu haben. Die Details finden Sie in meinem Arbeitspapier “Target Loans, Current Account Balances and Capital Flows: The ECB’s Rescue Facility”, das ich zusammen mit Herrn Wollmershäuser geschrieben habe: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/rts/rts-mitarbeiter/IFOMITARBSINNCV/CVSinnPDF/CVSinnPDFAndere/NBER_wp17626_sinn_wollm.pdf. Wir gehen hier ausführlich auf die einzelnen Buchungsvorgänge ein. Sie haben insofern Recht, als Geld, das Banken in die Einlagefazilität legen, häufig mit zur Geldbasis getan wird, während die an gleicher Stelle verbuchten Termineinlagen nicht dazu gerechnet werden. Wir haben uns entschieden, die Einlagefazilität so wie die Termineinlagen nicht zur Geldbasis zu rechnen, weil auch sie verzinst werden. Das haben wir in unserem Paper erläutert. Geld, das die Banken in die Termineinlagen bei der Bundesbank legen, ist definitiv nach allen Definitionen nicht mehr Geldbasis, wird also insofern „geschreddert“. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Im Nachtrag zur Antwort des H.Prof.Dr.Sinn, hauptsächlich in Sachen Target-Salden, habe ich eine simpele buchhalterische Aufzeichnung handschriftlich angefertigt und an Hand derer überhaupt keine Entstehung einer Saldo-Möglichkeit ermittelt? Ungeachtet dessen, bin auszugsweise auf eine Abhandlung eines Vortrags des H.Prof.Dr. Sinn vom 04.02.2012 in Stuttgart aufmerksam geworden und kann hier anmerken, dass den dortigen Ausführungen zu 100 % zuzustimmen ist. Die Politik, nicht nur die deutsche, ist auf dem besten Wege, die Zukunft und hier insbesondere die wirtschaftliche, durch die Beschreitung eines völlig falschen Lösungsweges, für zukünftige Generationen zu ruinieren. ( Möglicherweise werden auch noch wir hiervon betroffen sein ) H.Prof.Dr. Sinn gilt für mich seit langer Zeit als der führende Kopf der deutschen Wirtschaftswissenschaften. Ich verfolge seineTeilnahme an Talk Show's mit großem Interesse und empfinde hierbei stets meine laienhaften Einschätzungen zu diesen Themen, durch seine wissenschaftlichen Ausührungen bestätig. Was den Inhalt des Vortrages von Stuttgart anbelangt, gehört dieser sämtlichen Bundestags- und allen Landtagsabgeordenten aller Fraktionen zugestellt, um diesen Leuten eine zusätzliche Abwäge-Orientierung für bevorstehende Abstimmungen zu bieten. Noch wirksamer wäre eine abgewandelte, allgemein verständlich abgefasste Großanzeige in der Bild-Zeitung, welche den Inhalt dieser Ausführungen widerspiegelt. Von einer solchen Absicht sollte die Bundesregierung vorweg unterrichtet werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit ! Mit freundlichen Grüßen Klaus Kretschmer
Sehr geehrter Herr Kretschmer, haben Sie vielen Dank für die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ihrer Idee, den Inhalt meiner Vorträge über die Euro-Krise den Bundestagsabgeordneten vorzulegen, bin ich schon nachgekommen. Zu Ihrer Frage nach den Buchungsvorgängen: In einem Artikel, den ich zusammen mit Herrn Wollmershäuser geschrieben habe, gehe ich ausführlich auf die Buchungsvorgänge ein. Den Artikel finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1215221.PDF. Auf S. 14 sind vereinfachte Bilanzen der Notenbanken mit ausführlicher Beschreibung dargestellt. Ich hoffe, dass Ihnen der Artikel weiterhilft. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielleicht gibt es Wege, Griechenland noch mehr zu verfpänden und unter Aufsicht zu stellen als bisher. Doch auch eine Super-Troika für Griechenland kann eine Rückzahlung der Schuld nur über einen Leistungsbilanzüberschuss erwirken. Und eine Rückzahlugn an Deutschland geht letztlich nur mit einem griechischen Leistungsbilanzüberschuss gegenüber Deutschland. Anders gesagt: Solange Deutscland Exportweltmeister bleiben will, häufen sich wertlose Target-Forderungen an. Oder mache ich da einen Denkfehler? mit freundlichen Grüssen Werner Vontobel
Sehr geehrter Herr Vontobel, Sie haben grundsätzlich Recht. Natürlich wissen Sie auch, dass wir viel mehr in den Rest der Welt statt nach Griechenland exportieren. Aber der Punkt ist in der Tat, dass wir im Euroraum während der letzten vier Jahre nichts als Target-Forderungen für unsere Exportüberschüsse dorthin erhalten haben. So macht das Exportieren keinen Sinn. Aber der Prozess korrigiert sich insofern, als nun doch wieder mehr Kapital in Deutschland investiert wird, was uns einen Boom und kräftig wachsende Importe beschert. Das ist das Mittel, die Exportüberschüsse abzubauen. Geschützt vor dem weiteren Aufbau von Target-Forderungen sind wir allerdings auch dann nicht, denn die EZB kann im Süden weiter Geld drucken, um den Ländern die Möglichkeit zu geben, mit diesem Geld die bestehenden Schulden uns gegenüber abzubauen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich verstehe immer noch nicht, warum deutsche Banken und Versicherungen in dem Maße wie südländische Finanzinstitute ihre Verbindlichkeiten bei deutschen Finanzinstituten tilgen, die deutschen Institute Forderungen gegen die Bundesbank erhalten. Forderungen von deutschen Banken und Versicherungen an die Bundesbank können doch nur entstehen, wenn die Finanzinstitute die Tilgungszahlungen der Südländer wieder bei der Bundesbank anlegen würden. In dem Maße, wie die zurückerhalten Spargelder aber z.B.innerhalb Deutschlands verliehen werden (nicht an die BUBA sondern z.B. an deutsche Unternehmen) oder wieder privat an die Peripherie oder auch andere Länder fließen, entstehen doch keine Forderungen der Bankinstitute und Versicherungen an die Bundesbank. Vielleicht können Sie mir helfen den Zusammenhang besser zu verstehen. Herzliche Grüße Noel König
Sehr geehrter Herr König, Geld, das im Süden gedruckt wird, fließt in die erzwungene Schuldentilgung bei den deutschen Banken, und im gleichen Umfang geht der Refinanzierungskredit in Deutschland netto zurück, was auch heißen kann, dass Banken Geld bei der Bundesbank anlegen. Wäre das nicht so, stiege die Geldmenge bei uns, was sie nicht tut. Die Banken verringern also ihre Nettoschulden bei der Notenbank oder erhöhen ihre Nettoforderungen gegen die Notenbank in dem Maß wie Geld zuströmt. Da der Geldzustrom zu einer Target-Forderung der Bundesbank gegen das EZB-System und einer Target-Schuld der Süd-Notenbanken gegen das EZB-System führt, wird unsere Ersparnis eins zu eins von Forderungen gegen die Südbanken in Forderungen gegen die Bundesbank umgewidmet, die selbst im gleichen Umfang neue Forderungen gegen das EZB-System sind. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie sich klar machen, dass der Verleih der zurückerhaltenen Spargelder an den privaten Sektor für sich genommen zu einem Übermaß an Liquidität in Deutschland führt, das abgebaut werden muss. Die Bank verleiht vielleicht an den Häuslebauer, und der zahlt sein Geld an den Handwerker. Aber dadurch verschwindet das Geld nicht. Es wandert nur vom einen Konto zum anderen. Die Überschussliquidität legen die Banken bei der Bundesbank an. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich beziehe mich auf Ihren Artikel in der FAZ, in der Sie gegen die Position von U. Bindseil argumentieren. Dort führen Sie u.a. aus: "Eine einfache Minimallösung, die ebenfalls Wirkung entfalten könnte, hat der frühere Bundesbankpräsident Helmut Schlesinger vorgeschlagen. Er will die Target-Salden mit progressiv gestaffelten Strafzinsen belasten, die dann von den Defizitländern an die Überschussländer abgetreten werden." Wäre dsa Ergebnis nicht noch einfacher zu erzielen, wenn eine Gewinnverteilung innerhalb des ESZB nicht nur nach Anteilen an der EZB erfolgte, sondern nach der nationalen Geldschöpfungsaktivität, die letztlich in den Targetsalden zum Ausdruck kommt? Der Münzgewinn, der national anfällt, bedarf doch einer Verteilung auf dsa Gesamtsystem, so wie auch die Preiswirkung der Geldschöpfung sich im gesamten Währungsraum entfaltet.
Sehr geehrter Herr Warth, vielen Dank für Ihre Zuschrift. Natürlich kann man so verfahren, wie Sie sagen. Aber wenn Strafzinsen für die Target-Kredite gezahlt werden müssen, dann kann man die ja mit den EZB-Gewinnen verrechnen. Das kommt auf dasselbe hinaus. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte damen und herren am institut, als wirtschaftlich interessierter pensionaer in Kentucky, USA, lese ich mit meinem amazon-kindle taeglich deutsche presse. insbesondere mit grossem vergnuegen die artikel von und interviews mit Ihrem chef prof. SINN. heut habe ich folgende frage: wenn doch die griechischen anleihen einen schuldenschnitt von ueber 50% erfahren, koennten doch die hilfsgelder von jetzt ueber 100 mrd euro auch um diesen %satz gekuerzt werden? bitte uebermitteln sie Ihrem chef meine hochachtung vor seiner wahren und verstaendlichen verkuendung finanzwirtschaftlicher wahrheiten. mit freundlichen gruessen ekkehard siska
Sehr geehrter Herr Siska, ich freue mich über Ihre netten Worte und die Anerkennung, die Sie mir und auch dem Institut aussprechen. Ich verstehe Ihre Logik, aber die Hilfsgelder sind natürlich schon so berechnet, dass sie die Erleichterung durch den Schuldenschnitt beinhalten. Griechenland würde sicher argumentieren, dass ohne den Schuldenschnitt die Hilfsgelder noch höher ausfallen müssten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, unter Ökonomen ist es weitgehend unstrittig, dass der Austritt Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion eigentlich unumgänglich ist, um in absehbarer Zeit wieder wirtschaftlich wettbewerbsfähig zu werden. Ich teile diese Auffassung. Das Gegenargument gegen den Austritt Griechenlands aus dem Euro lautet stets: Die Folgen wären unkalkulierbar. Sie wären noch gravierender als nach der Insolvenz von Lehmann Brothers. Ich bat Herrn Dr. Peter Gauweiler, den ich vor vor wenigen Tagen zu diesem Thema gehört habe, und der auch den Ausschluss Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion befürwortet, ob er die Folgen eines Ausschlusses Griechenlands aus der Eurozone nicht wenigstens grob umreißen könne. Diese Frage hat er schlicht ignoriert. Nun wende ich mich an Sie in der Hoffnung, dass von Ihrer Seite die Folgekosten eines Ausschlusses Griechenlands aus der Eurozone in groben Umrissen benannt werden können. Denn eines scheint mir auch klar zu sein. Die verantwortlichen Politiker können nicht eine Maßnahme befürworten, deren Folgen sie überhaupt nicht kennen. Griechenland aus der Eurozone auszuschließen und dann zu warten, was passiert, das wäre sicher nicht verantwortliches politisches Handeln. Mit freundlichen Grüßen Dr. Dietrich Hölzle
Sehr geehrter Herr Hölzle, die genaue Höhe der Folgekosten kann Ihnen niemand nennen. Die eigentliche Frage lautet doch, wie man Griechenland helfen kann. Wenn das Land im Euroraum verbleiben möchte, muss es, um wieder wettbewerbsfähig zu werden, um 30% billiger werden. Das ist das türkische Niveau. Bei einer Abwertung von dieser Größenordnung im Euroraum durch Kürzung von Löhnen und Preisen wird das Land allerdings zerbrechen. Die Gewerkschaften militarisieren das Land, und die Firmen der Realwirtschaft gehen in den Konkurs, weil ihre Aktiva im Wert fallen, während ihre Bankschulden bleiben. Im Euroraum wettbewerbsfähig zu werden ist deshalb nicht möglich. Also bleibt nur der Austritt. Je länger die Griechen den Austritt aufschieben, desto höher werden die Außenschulden ausfallen. Nur die Einführung der Drachme kann die Lage überhaupt stabilisieren. Die Außenschulden bleiben natürlich und steigen im Verhältnis zum abgewerteten Bruttoinlandsprodukt. Aber das wäre bei einer inneren Abwertung durch Preissenkung genauso. Beim Austritt kann man allerdings die Lex Monetae anwenden und die Außenschulden ebenfalls in Drachme verwandeln. Das ist ein weiterer Vorteil. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Dear Professor Sinn, I have question to you. If I have understood you correctly your position is that the Greek crisis is nothing but a classical balance of payments crisis although the deficit could prevail over a longer period of time because the Greek had access to the central bank had access to the printing press of the ECB. Does this imply that you consider it very unlikely or even ruled out that the Montenegrine balance of payments cannot get as deeply in red without "natural" market mechanisms closing the access to credit at an earlier stage and thus preventing such a deep correction crisis such as in Greece. Montenegro is unilaterally "euroized" which ought to mean that a Montenegrine deficit in the balance of payments must be financed under market conditions. Did I get you right? Flavian, Sweden
Dear Mr. B., This is an interesting question, about which I have not thought thus far. (I cannot remember having ever commented on Montenegro.) I have no statistics about Montenegro in front of me, and I have no time to look them up either. Let me therefore speculate. Consider two cases. a) No banknotes cross the border, all money flows electronically. As Montenegro cannot create euros, they cannot have a (permanent) balance of payment deficit with the Eurozone. There can only have a balanced situation or a surplus. This case is not approximating the Montenegrian situation, I guess. I rather find the other case more plausible. b) Greeks shuffle bank notes to Montenegro to buy real property there, trying to safeguard their wealth to shield against the risk of default and Grexit. (After all, I do know that the Greek central bank has issued many more bank notes than would be needed for normal circulation.) The suitcase capital export to Montenegro should create a real estate-driven economic boom there which will absorb some of the euros for transactions purposes, but probably not all. The non-needed euros are given to the Montenegrian banking system which then uses it to buy assets in the Eurozone (or to help clients doing that or buy goods in the Eurozone) via the Target system. This makes a Montenegrian measured balance of payment deficit coinciding with a boom. But it would not be an actual balance of payment deficit given that what we measure is always only the electronic money transfer via the Target accounts, not the suitcase transfer of banknotes. (Measured balance of payment imbalances always refer to bank transfers only. No one measures suitcase transfers.) I hope this answered your questions. Please let me know if that was not the case. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Nach langer Zeit mal wieder einen Kommentar von mir. Habe gerade im Internet o.a. Information gelesen mit dem Hinweis auf die Ignoranz des Umfelds von Prof. Sinn, da möchte ich doch noch eigene kürzliche Erfahrungen zum EEG hinzufügen. Prof. Sinn hat ja mit Abgesang auf das EEG (Bayerische Akademie der Wissenschaften) schon Klartext gesprochen, aber auch das hat keine direkt erkennbare Auswirkung gehabt. Nun hat die WAZ (Westd. Allg. Zeitung) letzte Woche kurz hintereinander mit "Immer mehr können den Strom nicht mehr bezahlen" und "Energie-Armut grassiert" darauf hingewiesen, dass viele Verbraucher aufgrund der EEG-Verteuerungen ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können, um dann aufgrund der Kürzungen in der SOLARFÖRDERUNG das Jammern der Solarindustrie über Verlust an Arbeitsplätzen hierdurch zu erwähnen. Ich hatte schon vor langem den Hinweis sowohl an WAZ, als auch an die VDI-Nachrichten gegeben, dass SUBVENTIONEN bei SOLAR/WINDKRAFT letztlich die INNOVATIONEN verhindern. Aber es zeigt sich immer wieder, dass Resistenz gegen vernünftige Argumente bestehen, insbesondere, wenn sie nicht "von der herrschenden Klasse" sind. Das Thema "Griechenland" wird uns noch sehr beschäftigen. Ich hatte durch meine berufliche Tätigkeit in der Schiffsantriebstechnik noch vor der Jahrtausendwende viel in Griechenland zu tun (U-Boote, Neue Fähren) und weiss, dass diese Projekte alle schon mit EU-Geldern finanziert wurden. Griechenland ist kein Fass ohne Boden; es ist ein "Schwarzes Loch"! Mit freundlichen Grüssen Dr. Wilhelm Schäfer, Witten
Sehr geehrter Herr Schäfer, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Ich habe sie zur Kenntnis genommen und kann Ihnen nur zustimmen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
"es würde zu weit führen die Fortschritte in den Wirtschaftswissenschaften seit Gesell aufzuzählen. Von daher empfehle ich Ihnen..." (Hans-Werner Sinn, Antwort auf meine Frage vom 24.01.2012) Sehr geehrter Herr Sinn, alles, was Sie mir hierzu empfehlen können, ist mir längst bekannt und gehört in jene Kategorie, die Silvio Gesell 1929 so beschrieb: "Ihr werdet mir tausend Fragen stellen, und nachdem ich sie alle zu eurer Zufriedenheit beantwortet habe, werdet ihr von vorne anfangen." Gesells Erklärung des Urzinses und Keynes Erklärung der Liquiditäts(verzichts)prämie sind bei genauerer Betrachtung äquivalent. Doch nachdem Gesell die einzig denkbare Lösung für die Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Kapitalismus) beschrieben hatte, die nichts Geringeres als den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation bedeutet, betrieb Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie" ein Verwirrspiel, wobei es ihm lediglich darum ging, die "hohe Politik" mit einer "staatlichen Investitionspolitik" zu beschäftigen, aber eben nicht eine ganze Volkswirtschaft, die darum auf die Machtpolitik verzichten kann. Gehen Sie davon aus, dass Keynes wusste, dass Gesell in allen Punkten Recht hatte; anderenfalls hätte er nicht auf der Konferenz von Bretton Woods eine internationale umlaufgesicherte Währung (Bancor) vorgeschlagen, so unbeholfen und wenig durchdacht dieser Vorschlag auch war. Wenn also der angebliche "Fortschritt" in der VWL nichts weiter ist, als die Denkfehler in dem von Ihnen empfohlenen Buch, und angesichts der Tatsache, dass wir uns unmittelbar vor der globalen Liquiditätsfalle befinden, frage ich Sie, wie diese ohne die schnellstmögliche Verwirklichung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (echte Soziale Marktwirtschaft) verhindert werden soll. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, wenn Ihnen alles bekannt ist, umso besser. Der von Ihnen angesprochenen Liquiditätsfalle würde ich mit einem Verfahren begegnen, indem man die Hilfsgelder so verwendet, dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem 10. Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ihnen und Ihren Mitarbeitern möchte ich zur Bereitstellung des "Haftungspegels" herzlich danken, der die Risiken der Eurorettung für den deutschen Steuerzahler in bisher unerreichter Aktualität und Transparenz darstellt. In diesem Zusammenhang interessiere ich mich sehr für Ihre Einschätzung zu der von der EZB durchgeführten Lockerung der "Collateral Requirements" bei der Vergabe von Krediten an Banken (Stichwort "rating threshold"). Als Folge dieser Maßnahme müsste die EZB ja weitere - über das SMP hinausgehende - Staatsanleihen der Krisenländer in ihrer Bilanz halten, die im Falle eines Defaults nicht wie geplant als Sicherheit fungieren können. Wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, tauchen die daraus resultierenden Risiken im Haftungspegel nicht auf. Daher müsste nach meinem Verständnis die potentielle Haftungssumme des Euroraums gegenüber den Krisenstaaten über die EZB noch größer sein als die von Ihnen genannten 793 Milliarden Euro (Target + SMP). Sind Ihnen Schätzungen bekannt, wie hoch die Risiken aus diesen zusätzlichen Papieren in der Bilanz der EZB sind? Gibt es zudem einen speziellen Grund, weshalb diese Risiken nicht im Haftungspegel berücksichtigt wurden? Herlichen Dank für Ihre Hilfe und beste Grüße, Sebastian Horn
Sehr geehrter Herr Horn, doch, die Risiken der als Sicherheiten gehaltenen Staatspapiere tauchen insofern auf, als sie in der Sonderkreditvergabe stecken, die die EZB den nationalen Notenbanken erlaubt hat und die indirekt durch die Target-Salden gemessen wird. Das Haftungsrisiko ist so berechnet, dass von dem Extremfall ausgegangen wird, dass ein Staat in die Pleite geht. Dann sind die Staatspapiere nichts mehr wert, die Notenbank ist Pleite und die Banken des Landes auch. Es kommt also nicht noch einmal ein Risiko hinzu. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich möchte einige Bemerkungen machen zu der von Ihnen ausgearbeiteten Problematik der Target-Salden, den Leistungsbilanzungleichgewichten und den EURO-Bonds: Kapitalexport/Kapitalimport (privates, steuerfinanziertes oder Notenbankgeld) ist die Kehrseite der Handelsüberschüsse/Handelsdefizite. Reale Auf- und Abwertungen ersetzen die früheren Wechselkurse, die eine ökonomische Pufferfunktion haben. Sollten die von Ihnen präferierten realen Auf- und Abwertungen stattfinden bei Beibehaltung der Kapitalseite, so dürfte sich an den Ungleichgewichten nichts Wesentliches ändern. Privates Kapital wird zwar seit Ausbruch der Finanzkrise aus Deutschland nicht mehr exportiert (so Ihre Analyse), steuerfinanzierte Unterstützungen und Target-Kredite wird es aber wohl noch einige Zeit geben. Insoweit schließe ich mich Ihrer Meinung an. Steuertransfers sind solange gerechtfertigt, wie fehlende EURO-Bonds ungerechtfertigte Zinsvorteile für Deutschland zur Folge haben. Bei den Steuertransfers muss man zwischen der Refinanzierung von Bestandsschulden und Zuschüssen zu den laufenden Budgets unterscheiden. Die Refinanzierung von Bestandsschulden ist ja nur ein Problem, weil es keine EURO-Bonds gibt. Diese sind aber nötig, wenn man eine grundsätzliche Möglichkeit der Insolvenz von EURO-Staaten ablehnt (s. Domino-Effekt, Gefahr für die gesamte Währungsunion, politische Krise, zwingender Ausschluss des insolventen Staates). Laufende Budget-Unterstützungen sollten den Prozess der realen Auf- und Abwertungen flankieren, um die wirtschaflichen Auswirkungen für beide Seiten abzufedern. Fiskalische Maßnahmen mit dem Ziel der Stablisierung der Währungsunion sind legitim, wenn andernfalls das Ende des Euro deutlich wahrscheinlicher würde. Der deutsche Einsatz ist zwar hoch, aber solange er niedriger ist als die Summe aus der Abschreibung der kumulierten Auslandsforderungen und den negativen Schock-Effekten ist er ökonomisch rational. Die fälligen Abschreibungen machen evident, dass Exportüberschüsse verschenkter Wohlstand sind. Die Targetkredite sind meiner Meinung ein Problem, weil die Exekutive keinen Einfluss auf sie hat. Oder könnten die Regierungen Druck auf die EZB samt ihren NZB ausüben? Ob der Ausgleich der Target-Salden durch Gold oder goldbesicherte Wertpapiere hilfreich wäre? Jedenfalls könnten die Targetkredite nur endlich lange vergeben werden, da die Goldreserven der NZB nicht unendlich sind. Das tranferierte Gold müsste aber auch liquidiert werden, damit der cash flow als NZB-Profit in den Staatshaushalt fließen würde. Andernfalls würde das Gold im Frankfurter Bunker ungenutzt liegen statt in Rom, Madrid, Paris. Zu den bereits erwähnten EURO-Bonds möchte ich anmerken, dass sie Deutschland nicht zwingend teurer kämen. Aus dem gewichteten Durchschnitt der Zinssätze den €-Bond-Zinssatz abzuleiten, halte ich nicht für zielführend: Vermutlich werden €-Bonds zu globalen Umschichtungen der Investoren führen. Neben dem US-$-Bond-Markt gäbe es einen vergleichbar großen und sicheren Bondmarkt, dessen Wirtschaftsraum eine größere Produktivität und weniger Inflation hat. Vieles spricht dafür, dass die €-Bondzinsen jedenfalls nicht deutlich höher als die US-$-Zinsen wären. Die Dollar-Umlaufrendite liegt bei weniger als 2%(bei Inflation von ca. 5%). Ich gehe daher davon aus, dass der gesamte Zinsaufwand in der Währungsunion mit €-Bonds sinken wird. Nimmt man den Realzins zum ökonomischen Maßstab, so wird die reale Aufwertung Deutschlands wohl die negativen deutschen Realzinsen prolongieren. Muss der Schuldner aber weniger Zinsen als die Geldentwertung zahlen, so kosten sie ihn ökonomisch nichts. Noch eine spezielle Frage zum Schluss (Targetsalden und Rettungsschirme sollen hier keine Rolle spielen): Privates Kapital kann exportiert werden, indem Staatsanleihen erworben werden, oder indem Unternehmen/private Haushalte Kredite erhalten. Sie befürchten, dass die mit EURO-Bonds einhergehende Zinskonvergenz für Staatsanleihen die Ungleichgewichte verlängern wird. Die vereinbarten Schuldenschranken (Kontrolle über EU-Kommission oder andere gleichwertige Instituionen, die angemessene Maßnahmen erzwingen können) werden jedenfalls auf der Ebene der Staatsanleihen nicht zu übermäßigem Kapitalexport/-import führen. Inwieweit Unternehmen und private Haushalte Kredite erhalten, hängt jedenfalls nicht von EURO-Bonds ab, sondern von der Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers und vom Realzins. Da eine übermäßige Inflation im Süden nicht mehr zu erwarten ist (s. reale Abwertung), werden Kreditnehmer jedenfalls einen höheren Realzins zahlen müssen als im Boom nach Einführung des Euro, als die hohe Inflation zu negativen Realzinsen führte. Auf Kreditnehmerseite werden sich die Bedingungen also deutlich verschlechtern. Der Kreditgeber wiederum wird wohl eher dort Geld verleihen wollen, wo aufgewertet wird und allgemein positive Investitionsstimmung ist. Warum meinen Sie, dass Euro-Bonds unter diesen Bedingungen Ungleichgewichte verlängern? Vielen Dank für Ihre Mühe. P.S.: Mein ökonomischer Horizont ist deutlich größer geworden, seitdem ich Ihre Analysen verfolge. In Sachen Weiterbildung ist die ifo-webseite für mich sehr hilfreich. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute. Mit freundlichem Gruß
Sehr geehrter Herr Müller, haben Sie vielen Dank für Ihre Anmerkungen. Bitte haben Sie Verständnis, dass ich nicht zu all Ihren Punkten ausführlich Stellung nehmen kann. Von daher empfehle ich Ihnen die ifo Spezialthemen zur Euro-Krise und zu den Target-Salden: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass nach Lage der Dinge das Finanzsystem der Eurozone mit seinen jetzigen institutionellen Strukturen politisch und ökonomisch nicht überleben kann. Dies ist so, weil es den internationalen Interbankenmarkt zerstört, und weil es einzelnen Ländern gigantische und in dieser Höhe nicht mehr tolerierbare Haftungsrisiken aus der Kreditversorgung anderer Länder aufbürdet, ohne dass die Parlamente zustimmen müssen. Im EZB-System haben sich wegen der fehlenden Kontrolle über die Target-Salden vollkommen unakzeptable Verhältnisses herausgebildet, die den Intentionen des Maastrichter Vertrages Hohn sprechen. Damit es wieder funktionsfähig wird, müssen neue Wege gefunden werden. Dafür bieten sich grundsätzlich zwei Möglichkeiten an. a) Das Eurobond-Target-Modell: Es gibt Eurobonds oder ein ähnliches System zur Sozialisierung der Haftung für Staatspapiere, der leichte Zugang zu den Target-Krediten bleibt erhalten, und politische Schuldenschranken werden errichtet, um die Übernutzung der billigen Kreditmöglichkeiten zu verhindern. b) Das US-Modell: Die Staaten haften für ihre Schulden selbst, können also in Konkurs gehen, und entsprechend unterscheiden sich die Zinsen für die Papiere der Einzelstaaten. Target-Schulden sind jährlich mit marktfähigen, sicheren Wertpapieren zu tilgen. Für mich scheint nur der amerikanische Weg funktionsfähig zu sein. Warum das so ist, können Sie hier nachlesen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-hdbl-06-01-12.htm. Ich gehe hier auch auf die Eurobonds-Problematik ein. Noch zwei weitere Bemerkungen: 1. Eurobonds: Eurobonds müssen einen Zins haben, der dem Durchschnitt der Zinsen der Staatspapiere der Euroländer entspricht. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte man einen privaten Fonds auflegen, der die Staatspapiere in der Proportion enthält, wie die Länder für Eurobonds haften. Der wäre risikoäquivalent zu Eurobonds. Hätten die Eurobonds eine niedrigere Verzinsung als dieser Fonds, würde niemand sie kaufen. Also haben Eurobonds einen Zins, der dem Durchschnitt der vorhandenen Zinsen auf Staatspapiere entspricht. 2. Definitionsgemäß ist der Kapitalimport gleich dem Leistungsbilanzdefizit. Wenn nur öffentliches Kapital importiert wird, so ist das Leistungsbilanzdefizit umso größer, und folglich die Wettbewerbsfähigkeit umso niedriger, je mehr öffentliches Kapital importiert wird. Das Thema könnte ich weiter ausführen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihr unermüdliches Engagement. Sie haben es schon schwer die Politik zu sensibilisieren aber noch problematischer sehe ich bei der komplexen Fragestellung die Einbeziehung des Souveräns, dem Wähler. Ihr Artikel über die Target Salden habe ich mit Interesse gelesen. Auf Deutschland projiziert müsste doch das Dilemma der Exporte auf Grund der damit verbundenen Quote der Importe für Gesamtverschuldung künftig noch verschärfen. Bei Ihrem Beispiel des LKW muss demnach auch der ca. 40% Anteil des mit der Poduktion zusammenhängenden und nicht ggf. innerhalb der EU veranlassten Importes von Rohwaren künftig zu weiteren Problemen führen. Die bereits angeführten strukturellen Realitäten bei Stimmrechten und Personal bei EU und EZB erzeugen bei mir wenig Hoffnung. Vielmehr bin ich als Unternehmensleiter der Theorie verfallen, dass nur ein gewisser Leidensdruck tasächliche Veränderungen und vor allem Reformwille erzeugen kann. Wie sehen Sie die Wahrscheinlichkeit, nachhaltige wie z.B. die von Ihnen aufgeführten Lösungsansätze umzusetzen. Eine zwangsweisen schleichenden Wohlstandsverlust sind wir wohl hilflos ausgeliefert. Ich wünsche Ihenn weiterhin viel Energie für Ihre Arbeit. Freundliche Grüße
Sehr geehrter Herr H., haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Ich stimme mit Ihnen überein, dass ein Steuerungsmechanismus zur Disziplinierung der Länder nicht ohne die Disziplinierungswirkung der Märkte auskommen kann, weil die Politik nie die Kraft aufbringen wird, sich selbst den Geldhahn abzudrehen. Um Ihre Frage nach Wohlstandsverlusten zu beantworten, möchte ich auf einen Artikel von mir auf der ifo-Homepage hinweisen: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-wiwo-09-01-12.htm. Anfang des Jahres habe ich eine Vorausschau auf das Jahr 2012 gewagt. Mein Fazit für Deutschland lautet, dass die Aussichten zwar gedämpft, aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern, insbesondere in Europa, immer noch ordentlich sind. Freilich lauern am Horizont die Vermögensverluste aus den Rettungsaktionen, die niemand kennt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Herrn D. vom 7. Februar 2012) Allerdings führt die Antwort von Professor Sinn, für die ich Ihm sehr danke, nicht nur in den Bereich von Politik unter den Prämissen der Demokratie. Im Wesen der Sache ist hier der gegenwärtige Status der europäischen Kultur angesprochen. Beides, der staatspolitische Charakter der Antwort von Professor Sinn und die damit zusammenhängende Frage nach dem kulturellen Status Europas, weist uns hin auf die Notwendigkeit eines öffentlichen Diskurses der angeschnittenen Fragen. Dieser Diskurs sollte von vorn herein auf die Grundnorm europäischer Kultur fokussiert werden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt“ (Art. 1, Abs.1 GG) in Verbindung mit Art. 6, Abs.1 EUV. Mit freundlichen Grüßen, Hubertus D.
Lieber Herr D., haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung und die Mitteilung Ihrer Einsichten, denen ich nur zustimmen kann. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Dr. Sinn, mit großem Gewinn lese ich Ihre Publikationen, zuletzt "Kasino-Kapitalismus". Als Lehrer für Sozialwissenschaften an einem Bonner Gymnasium sind Ihre Denkansätze immer wieder interessant für mich und meine Schüler. Als Lehrer fehlt mir bisweilen der akademische Input, daher möchte ich Sie um Ihre Hilfe bitten: Gerade behandeln wir die Thematik "Wirtschaftsstandort Deutschland". In dem Zusammenhang habe ich noch einmal Ihr Buch "Die Basar-Ökonomie" gelesen, und habe nun dazu eine Frage: Sie stellen die These auf, dass die deutschen Arbeitslosen die Lohnstückkosten gewissermaßen künstlich senken, da sie mit ihrer niedrigen Produktivität aufgrund fehlender Qualifikation nicht mit eingerechnet werden. Das erscheint mir absolut logisch. Nun ist es aber mittlerweile doch so, dass der Standort Deutschland wieder sehr attraktiv geworden zu sein scheint. Die Lohnstückkosten sind bei sinkender Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren weiter gesunken. Wie passt das zur o.g. These? Unabhängig davon ist mir beim Studium der Geschäftsberichte der Bundesbank eine weitere Entwicklung aufgefallen, es würde mich freuen, wenn Sie dazu kurz Stellung nehmen könnten: Die Entwicklung der Stundenlöhne lag in den letzten Jahren praktisch immer knapp über der Inflationsrate. Dennoch wird oft von stagnierenden bzw. sinkenden Reallöhnen gesprochen. Liegt dies möglicherweise an der dauerhaft sinkenden durchschnittlichen Arbeitszeit pro Erwerbstätigem? Vielen Dank für Ihre Unterstützung! Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr K., es freut mich zu hören, dass Sie meine Publikationen für Ihren Unterricht zu Rate ziehen. Zu Ihrer ersten Frage: wie Sie andeuten, berechnen sich die Lohnstückkosten als der Quotient aus Arbeitnehmerentgelt und Bruttoinlandsprodukt je beschäftigtem Arbeitnehmer (BIP). Ceteris paribus senkt also bereits eine wachsende Arbeitslosigkeit die Lohnstückkosten. Aber das ist ja nur ein Effekt. Zusätzlich wirken die Lohnkosten direkt, und wenn sie im Vergleich zu den Wettbewerbern fallen, wie es in den Jahren bis zur Krise der Fall war, dann steigt die Beschäftigung wieder. Obwohl dies für sich genommen die Lohnstückkosten wieder erhöht, weil ja die Produktivität wegen der Integration der bislang Arbeitslosen zurückbleibt, kann gleichwohl der direkte Effekt der zurückbleibenden Löhne auf die Lohnstückkosten dominieren. Sie haben Recht bei Ihrer Beobachtung, dass der Reallohn pro Stunde von 1995 bis 2010 gestiegen ist, jährlich um durchschnittlich 0,2% . Wenn man von fallenden Reallöhnen spricht, ist das also nicht richtig. Richtig ist aber vermutlich, dass die Reallöhne langsamer als bei den Wettbewerbern gestiegen sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich hatte mit meiner Mail vom 7.2. angeregt zu erwägen Zölle in extremen Situationen, wie Griechenland , einzuführen. Mit Hinweis auf die Rechtslage hatten Sie Ihrerseits auf die Möglichkeit hhingewiesen,stattdessen den Weg über die MewSt zu gehen, decoh darauf aufmerksam gemacht, dass ein Abwertungsbedarf von 30-50% zu überbrücken ist. Anmerkung meinerseits: 1) Wie die bisherige Erfahrung in Europa lehrt, sind rechtliche Probleme umschiffbar, wenn man will. 2) wenn ich es recht sehe, ist das Verhältnis Import zu Export (2010) in Griechenland etwa 3 zu 1. Vor diesem Hintergrund gäbe es durchaus Raum für eine sehr differenzierte Festsetzung der Steuersätze/Zollsätze für Import/Export. 3)Durch das vorgeschlagene Verfahren muss ja nicht die gesamte Differenz überbrückt werden. Es gäbe aber eine Art "Anschubfinanzierung" zur Anpassung .
Sehr geehrter Herr Tesche, haben Sie vielen Dank für die Rückmeldung und Ihre interessanten Anmerkungen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Professor Sinn, vielen Dank fuer Ihre faktenbasierte, unermuedliche Aufklaerungsarbeit. Kurze Frage: Sind die 3-Jahrestender in der Graphik des IFO Haftungspegel bereits enthalten (etwa unter EZB Staatsanleihenkauefe?) Wenn ja, in welcher Hoehe? Besten Dank!
Sehr geehrter Herr S., die 3-Jahrestender sind im ifo Haftungspegel nicht enthalten. Der Grund ist, dass diese EZB-Kredite solange nicht zu höheren Risiken führen, wie nur die kürzerfristigen EZB-Kredite in den Krisenländern verdrängen. Es ist aber zu befürchten, dass sie auch mehr privaten Kapitalimport aus anderen Ländern verdrängen oder inländisches Privatkapital ins Ausland drängen. Wenn sie das tun, wird es zu höheren Target-Salden führen und insofern erfasst. Die Staatsanleihenkäufe umschließen diesen Posten nicht. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg B.S.
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, mein ultimativer Wunsch an Sie: Bitte, lieber Herr Sinn, nehmen Sie Ihre geschichtliche Verantwortung wahr und bringen Sie der Mehrheit der wichtigsten, ahnungslosen deutschen Politiker, Journalisten, Wirtschaftsführern und auch Bankern sowie deren Partnern im Ausland Ihre fundierten und unumstößlichen Erkenntnisse zu den elementaren volkswirtschaftlichen Zusammenhängen in der ( Welt- )Finanzwirtschaft nicht nur ungefragt näher, sondern entlarven Sie notfalls kampagnenartig über alle medialen Kanäle deren unerträgliche Unwissenheit, Ahnungslosigkeit und Borniertheit Ich weiß, es klingt utopisch. Aber bitte, wenn nicht Sie, wer sonst hat die Kompetenz und wirkliche Unabhängigkeit zu diesem Verdienst? Nochmals, danke für Ihren Stopp in Hannover und für Ihre faszinierende und an Klarheit nicht zu überbietende Vorlesung. Sehr überzeugend, kein bißchen langweilig, höchstes Lob ! Mit freundlichen Grüßen.
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Es sei Ihnen versichert, dass ich alles tun werde, was in meiner Macht steht, um die Gefahren der Krise aufzudecken und bekannt zu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_press_item_detail?p_itemid=16690430) . Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Verehrter Herr Professor Sinn, die, nach dem Vortrag von Professor Murswieg nicht gestellte Frage lautet: Unter all den - bedrückenden - Gegebenheiten, Wie könnte eine Vorwärtsstrategie aussehen ? Vorschlag: Soziale Marktwirtschaft und soziale Partnerschaft für Europa! Was das im Einzelnen bedeuten könnte, wäre in einem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit wirtschafts- und gesellschaftspolitisch ausgerichteten Forschungsinstituten aus mehreren Mitgliedstaaten der EU zu erarbeiten! Beste Grüße
Lieber Herr D., der Vorschlag ist bestechend, aber angesichts der verqueren Vorstellungen, die es in Europa bezüglich der Funktionsweise eines Gemeinschaftssystems gibt, und angesichts des Umstandes, dass wir politisch nicht gemäß unserer Größe repräsentiert sind und selbst in der EU-Kommission nichts zu melden haben, wage ich zu bezweifeln, dass das der richtige Weg ist. Erst einmal müssten wir Demokratie herstellen, so dass jeder das gleiche Stimmrecht hat für alle relevanten Gremien. Sodann müsste man ein gemeinsames Rechtssystem und eine gemeinsame Armee schaffen, um die Regeln, die sich die Gemeinschaft gegeben hat, durchsetzen zu können. Die Durchsetzbarkeit von Vereinbarungen und die Vertragstreue, die Verfassungskonformität: all diese für ein Staatswesen unerlässlichen Voraussetzungen sind nicht erfüllt. Wenn wir jetzt unter dem Namen Soziale Partnerschaft eine Transferunion starten, dann enden wir mit 20 Mezzogiorni, weil man ein Lohnersatzsystem einrichten wird, um die Arbeitslosigkeit auf deutschem Leistungsniveau abzusichern. Also quasi nochmal die deutsche Vereinigung. Bevor wir so weit gehen, sind einige technische Schritte zur Verstärkung der Haftung im Euroraum tun, wie wir sie in unserer Bogenberger Erklärung definiert haben http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/text-bogenberger-erklaerung-sd23.pdf. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Prof. Sinn es scheint eine allgemeine Ratlosigkeit zu herrschen, wie die strukturelle Schwäche durch fehlende Wechselkursanpassungen im EU Raum beseitigt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der schwachen Länder wieder hergestellt werden könnte. Anregung: Man sollte mal diskutieren, ob es nicht helfen könnte in den schwachen Ländern wie Griechenland etc. Importzölle einzuführen und gleichzeitig zur Exportförderung ein System negativer Zölle (also Gutschriften), welche an die importierenden Firmen/Privatpersonen zu zahlen wären. Auf diese Weise scheint mir, käme man der Situation nahe, die bestehen würde, wenn die schwachen Länder noch die Möglichkeit hätten Ihre Währungen abzuwerten. Der Hinweis auf die Frage, ob dies rechtlich und administrativ möglich ist, sollte kein Killerargument sein, auch nicht der Hinweis auf die Belastung z.B. unserer Exportindustrie.
Sehr geehrter Herr T., vielen Dank für Ihren Vorschlag, der schon vielfach erwogen wurde. Dies ist prinzipiell eine Möglichkeit. Dafür müssten dann aber die EU-Verträge verändert werden. Was dem freilich nahekommt, ist eine Umschichtung der Besteuerung von der direkten Steuer zur Mehrwertsteuer. Das würde die Importe verteuern, ohne dass man mit EU-Recht in Konflikt geriete. Nur leider ist der Weg in Griechenland so extrem weit (Abwertung von 30-50% nötig), dass man so wohl nicht hinkommt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich beziehe mich auf Ihren Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" und auf den Abschnitt "Politikoptionen": Sie führen aus, dass bei (fort-)bestehendem Target-System die Einführung von Eurobonds "zwingend" folgen müsse, weil der Anreiz zum Ziehen von Targetkrediten durch die Zinsspreizung "übergroß" sei. Meine Frage: Wären denn nicht Targetkredite immer noch attraktiver als die Finanzierung durch Eurobonds? Würden Eurobonds an der "Krise der EZB", an der Targetproblematik überhaupt etwas ändern können? Eine bloß relativ günstigere Finanzierung kann doch die "günstigste" keineswegs schlagen? Ein "großer" Anreiz ist doch nicht weniger schlimm als ein "übergroßer"? Wie lässt sich die Nutzung der bloß zweitbesten Option und damit der Verzicht auf Targetschulden überhaupt sichern? Soweit meine Frage. Meinen Dank für Ihr sachliches Auftreten in den Medien stelle ich an den Schluss. In einem Umfeld, wo Desinformation - freiwillige und unfreiwillige - zur Regel geworden ist, sind Sie eine hochwillkommene Ausnahme. So sehr Ihre Analyse ernüchtert, besorgt, entsetzt, so sehr respektiert sie Leser und Zuschauer indem sie Ihnen die Annäherung und Auffassung komplexer Sachverhalte zumutet und zutraut, darin unterscheidet sie sich vom Alarmismus, der das Publikum bereits weitgehend abstumpft hat. Mit recht freundlichen Grüßen R. S-H.
Sehr geehrte Frau S., vielen Dank erst mal für die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Ihre Frage ist berechtigt. Aber Sie müssen bedenken, dass die EZB-Kredite nur kurzfristiger Natur sind und insofern auch bei höheren Zinsen die Konkurrenz mit kurzfristigen EZB-Krediten bestehen. Es gibt eine sogenannte Fristigkeitsstruktur der Zinsen. Je länger die Zinsbindung, desto höher der Zins. Wenn man Eurobonds anbietet, die als sicher gelten, werden die Kapitalanleger wieder Geld in die Südländer verleihen, und die Target-Kreditaufnahme geht zurück. Aus der Möglichkeit, sich mit der Druckerpresse selbst zu bedienen folgen Eurobonds zwingend, leider. Aber das Ganze wird dann gar nicht mehr funktionieren, weil die Risiken in den Zinsen nicht mehr abgebildet sind. Wir kriegen dann wieder die Überhitzung und Leistungsbilanzdefizite im Süden, die wir ja gerade bekämpfen wollten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zunächst danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre unermüdliche Arbeit, die zur Aufklärung des interessierten Bürgers einen erheblichen Beitrag leistet. So war auch Ihr Vortrag vom 19.12.2011 wieder höchst aufschlussreich. Nun habe ich folgende Fragen: 1.In Ihrem Vortrag sagten Sie, die EZB vergebe selbst keinerlei Darlehen, sondern verlange von den nationalen Zentralbanken , dies zu tun. Ist es also sachlich falsch, wenn in der Presse immer wieder berichtet wird, die EZB habe Staatsanleihen erworben (und nicht lediglich als Sicherheiten akzeptiert, was ja etwas anderes ist als die unmittelbare Kreditvergabe) oder Darlehen gewährt? 2.Falls nur nationale Zentralbanken Kredite an andere geben oder Staatsanleihen erwerben: Ist es dann nicht so, dass die Risiken des Ausfalls eines Staates nicht bei der EZB, sondern bei den nationalen Zentralbanken oder anderen Kreditgebern liegen? 3.Heute wurde berichtet, Europas Banken schuldeten der EZB 830 Milliarden Euro. Trifft diese Zahl zu und schulden die Banken diese Beträge tatsächlich der EZB oder den nationalen Zentralbanken? 4.Richten sich die Forderungen der Bundesbank aus den Target 2-Salden unmittelbar gegen die EZB oder –anteilig- gegen diejenigen nationalen Zentralbanken, aus deren Staaten heraus die Salden aufgebaut wurden? Bereits jetzt danke ich ganz herzlich für die mit Spannung erbetenen Antworten. Mit freundlichen Grüßen A.
Sehr geehrter Herr A., um Euro-Krisenstaaten wie Griechenland und Italien zu stützen, hat die EZB bisher Staatsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 219 Mrd. Euro aufgekauft. Allerdings habe sie den Ländern indirekt weitaus mehr Geld geliehen – über die Finanzierung der dortigen Banken. Grund dafür sind staatlich garantierte Bankanleihen, welche die EZB von den Banken als Sicherheit für die Ausgabe von Liquidität akzeptiert. Die Rede ist hier von den sog. Target-Krediten. Sie sind EZB-Refinanzierungskredite an die Banken eines Landes, die über die normale Liquiditätsversorgung dieses Landes hinausgehen und einen Nettoerwerb von Gütern und/oder Vermögenstiteln in anderen Euroländern finanzieren. Sie sind nationalen Zahlungsbilanzdefiziten gleichzusetzen. Die Target-Verbindlichkeiten der GIPS-Länder und Italien belaufen sich im November 2011 auf 556 Mrd. Euro. Der deutsche Haftungsanteil berechnet sich aus dem Kapitalschlüssel der EZB vom 1. Januar 2011. Setzt man den gesamten Euroraum (17 Länder) gleich 100%, entfällt auf Deutschland ein Anteil von ca. 27%. Für die Risikoberechnung wird angenommen, dass die Krisenländer GIPS und Italien ausfallen und nur zwölf Euroländer für die ausfallenden Target-Verbindlichkeiten aufkommen können. Auf Deutschland entfallen in diesem Szenario ca. 43% der aggregierten Haftungssumme. Der aktuelle Haftungsbetrag beläuft sich somit derzeit auf 237 Mrd. Euro. Die Forderungen Deutschlands gegen die EZB hat die EZB ihrerseits wieder gegen die Krisenländer. Wenn der Euro zerbricht, müssen wir freilich unseren gesamten Forderungen hinterherlaufen. Rechtlich geregelt ist hier nichts. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion mit Frau D. vom 18. Januar 2012) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre freundliche Antwort! Ihre Ausführungen sind durch das Beispiel mit dem griechischen Bauern sehr hilfreich - ich hatte schon vor einigen Tagen aus dem Internet entnommen, dass es sich bei dem Target-System um das System handelt, mittels dessen wir unsere ganz normalen Überweisungstransaktionen von Deutschland nach Griechenland und umgekehrt durchführen. Da wurde mir immerhin schon klar, dass so eine Überweisung nicht einfach abgewiesen werden kann... Jetzt freue ich mich, dass mir durch Ihre Erläuterung bestätigt wird, dass ich immerhin auf dem richtigen Weg bin. Nicht klar dagegen ist mir, woran die Bundesbank erkennen kann, dass es sich um Gelder "über den Durst" handelt, um buchhalterisch gedrucktes Geld. Vermutlich werden die Beträge aufaddiert und überschreiten irgendwann eine bestimmte Grenze... aber wo liegt diese Grenze? Woran kann die Bundesbank erkennen, ob die Geldschöpfung auf normalem Weg - z.B. über eine Kreditvergabe innerhalb GR's z.B. zu dem von Ihnen erwähnten hohen Zinssatz - oder ob sie über das buchhalterische Gelddrucken der Notenbank entstanden ist? Sie schreiben "Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank". Woher weiß die Bundesbank, dass es hier etwas zum "Ausgleichen" gibt? Sie brauchen mir natürlich nicht unbedingt auf meine Frage zu antworten - ich habe wirklich Verständnis für jemanden mit einem so vollen Terminkalender. Wäre ich jünger und in Deutschland, dann würde ich sicher gern nach München kommen und Ihre Vorträge besuchen. Leider ist mir das kaum möglich, außerdem sind die Studienplätze für diejenigen da, die es für ihr weiteres Leben als Existenzgrundlage brauchen. Einerseits sehnen wir den Tag herbei, ab dem GR endlich die Chance erhält, künftig alles besser zu machen - und das geht nur mit der Drachme. Andererseits fürchten wir uns vor diesem Tag, denn es könnte für uns ganz persönlich bedeuten, dass wir Feindlichkeiten ausgesetzt sein werden. Ich als Deutsche und mit mir mein Mann als Auslandsgrieche könnten dann womöglich für all das zur Rechenschaft gezogen werden, was die Leute in unserer Umgebung für Folgen der Merkel'schen Politik halten. Die griechischen Medien ziehen ja nicht etwa den Schluss, dass die Griechen an der Entwicklung selbst schuld sind, sondern sie suchen die Schuldigen gern anderswo. Die Medien befinden sich in der Hand weniger einflussreicher Familien. Diese werden verteidigen, was sie reich gemacht hat. Sie werden keine Privilegien aufgeben. Um das zu erreichen, brauchen sie einen Sündenbock. Der Sündenbock ist vor allem Deutschland. Die Medien hetzen also gegen Deutschland. Kommt die Drachme, leben wir hier u.U. gefährlich - wenigstens für eine Weile. Deshalb möchten wir nicht, dass Sie meinen Namen nennen. Sie können ja den ersten Buchstaben nennen und ich habe auch nichts dagegen, wenn Sie aus der Erklärung hierfür zitieren. Ich danke Ihnen für die Zeit, die Sie sich für meine Mails und für die Beantwortung genommen haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrte Frau D., ich freue mich, dass Ihnen meine Antwort beim Verständnis der Target-Problematik weitergeholfen hat. Woran merkt die Bundesbank, dass mehr Geld als normal gedruckt wurde? Nun, ganz einfach dadurch, dass ihr per saldo welches zuströmt. Praktisch alles, was ihr netto zuströmt, ist woanders über die eigene Geldversorgung hinaus gedruckt (geschaffen) worden. Zusammen mit Herrn Wollmershäuser habe ich einen ausführlichen Artikel über Target-Salden geschrieben. In diesem Artikel wird ausführlich auf das Buchungssystem eingegangen. Sie finden den Artikel auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/pls/portal/docs/1/1207364.PDF. Außerdem möchte ich auch auf die Mediathek des ifo Instituts verweisen:http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html. Hier finden Sie einige meiner Vorträge. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
"Auch die Theorien von Gesell sind mir bekannt. Die Wissenschaft ist seitdem aber vorangeschritten." (Hans-Werner Sinn, Antwort auf meine Frage vom 20.01.2012) Sehr geehrter Herr Sinn, die Behauptung, in der Wissenschaft der Makroökonomie habe es seit der Erstveröffentlichung von "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" (Silvio Gesell, 1916) irgendwelche "Fortschritte" gegeben, wird in der Regel von denen benutzt, die an eine "Geldschöpfung der Geschäftsbanken" glauben wollen, um damit zu "beweisen", dass eine konstruktive Geldumlaufsicherung (Freigeld) angeblich wirkungslos wäre. Da ich annehme, dass Sie nicht zu denen gehören, die an diesen Unsinn glauben, sondern Geld (Zentralbankgeld) und Ansprüche auf Geld mit unterschiedlicher Fristigkeit durchaus unterscheiden können, würde mich interessieren, worin der von Ihnen genannte "Fortschritt" bestehen soll. Mit freundlichem Gruß Stefan Wehmeier
Sehr geehrter Herr Wehmeier, es würde zu weit führen die Fortschritte in den Wirtschaftswissenschaften seit Gesell aufzuzählen. Von daher empfehle ich Ihnen folgende Lektüre: Lorber, C.P. (2009), „Die Freigeld- und Freilandtheorie von Silvio Gesell (1862-1930): Eine rezeptionsgeschichtliche Betrachtung unter besonderer Berücksichtigung von John Maynard Keynes“, Peter Lang GmbH: Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Sinn, Sie haben sich in jüngster Zeit immer wieder zur unzureichenden Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Unternehmen geäußert. Dabei weisen Sie darauf hin, dass die Reallöhne in Griechenland gesenkt werden müssen. Gleichzeitig erwähnen bzw. fordern Sie, dass die Löhne in Deutschland steigen müssen. Diese zweite Aussage halte ich aus mehreren Gründen für problematisch. Das klingt nach einem Null-Summenspiel, bei dem es gleichgültig ist, ob die Löhne in Griechenland sinken oder in Deutschland steigen. Dabei bleibt offen, wie die Löhne bestimmt werden sollen. Bei Ihnen hört es sich so an, als müssten die Lohnstückkosten in beiden Ländern gleich hoch sein. Wegen der unterschiedlichen sonstigen Produktionsbedingungen wird sich ein solches Ergebnis aber auf den Märkten auch dann nicht einstellen, wenn ein Gleichgewicht herrscht. Die Aussage, in Deutschland müssten die Löhne (stärker) steigen, lässt nicht erkennen, nach welchen Kriterien eine solche Lohnsteigerung bemessen werden soll und inwieweit das sogar eine politische Forderung ist. Meines Erachtens kann keine pauschale Aussage getroffen werden, wonach die Löhne in Deutschland steigen müssten. Lohnsteigerungen ergeben sich auf den Teilmärkten, auf denen eine Übernachfrage besteht. Auf einigen Teilmärkten gibt es aber durchaus noch unfreiwillige Arbeitslosigkeit, weil die Löhne zu hoch sind. Maßstab für die Angemessenheit der Löhne sollte das Marktgleichgewicht (bei Vollbeschäftigung) sein. Als Ökonomen sollten wir auf keinen Fall den Eindruck erwecken, die Politik müsse für höhere Löhne sorgen – sei es über Mindestlöhne, sei es über eine Ermutigung der Gewerkschaften. Bei dem Vergleich der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wird m. E. zu sehr auf die Relation der Löhne abgestellt. Anders ausgedrückt: Das Beschäftigungsniveau wird ausgeblendet. In den wirtschaftsschwachen Ländern geht es vor allem darum, mehr Menschen in eine (produktive) Beschäftigung zu bringen. In dem Zusammenhang ist die Erfahrung der letzten Jahre in Deutschland besonders wichtig. Gesamtwirtschaftlich kommt es nicht so sehr auf die Löhne pro Stunde, sondern auf die Lohnsumme an. Einzelwirtschaftlich profitieren auch die Arbeitnehmer, deren Lohn nicht steigt oder sogar sinkt, von einem steigenden Beschäftigungsniveau, weil die Abgabenlast nicht steigt oder sogar sinkt. Ich bin sicher, dass Sie diese Zusammenhänge sehen, aber der Beifall „von der falschen Seite“ zeigt, dass sie immer wieder erläutert werden müssen. Viele Grüße Ihr Johann Eekhoff -- Prof. Dr. Johann Eekhoff, Sts. a. D.
Lieber Herr Eekhoff, Sie haben ja recht, dass man die Lohnsteigerungen nicht oktroyieren kann. Aber es wird welche geben, nach langen Jahren der Flaute, weil wieder mehr investiert wird. Und das ist auch gut so, denn ohne eine deutsche Inflation können wir die innereuropäischen Ungleichgewichte nicht lösen. Man darf natürlich die Lohnerhöhungen nicht oktroyieren. Sie müssen und werden sich von selbst durch die Nachfrage ergeben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Griechenland hat kein tragfähiges Geschäftsmodell." Zurzeit hat kein Staat auf der Welt ein "tragfähiges Geschäftsmodell"! Denn solange ein a priori fehlerhaftes Zwischentauschmittel mit parasitärer - der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden - Wertaufbewahrungsfunktion (Zinsgeld) verwendet wird und es ein privates Bodeneigentumsrecht gibt, müssen die Geldvermögen, die sich bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung konzentrieren, durch den "makroökonomischen Offset" der Liquiditätsverzichtsprämie auf Kosten der Mehrarbeit anderer ansteigen, und damit auf der Kehrseite der Medaille auch die Gesamtverschuldung. Und weil der mittelständischen Privatwirtschaft die Schulden bereits "Oberkante Unterlippe" stehen, muss die Staatsverschuldung erhöht werden, um den Geldkreislauf aufrechtzuerhalten. Wer ernsthaft an eine staatliche "Schuldenbremse" glaubt, leidet an Realitätsverlust. Eine Reduzierung der Verschuldung bedingt eine spiegelbildliche Reduzierung der Geldvermögen! Dies kann auf friedlichem Wege nur durch eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform erreicht werden. Meine Frage: Beabsichtigt das "ifo-Institut" diese "banalsten Selbstverständlichkeiten" (Zitat: Silvio Gesell) in nächster Zeit zu thematisieren, oder muss der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft erst eintreten, bevor an dieser Stelle mit dem selbständigen Denken angefangen werden kann?
Sehr geehrter Herr Wehmeier, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Wie Sie selbst der ifo-Homepage entnehmen können, versuche ich mein Bestes, die Sachverhalte zu klären. Auch die Theorien von Gesell sind mir bekannt. Die Wissenschaft ist seitdem aber vorangeschritten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, vielen Dank für die stete Aufklärung. Ich hege noch die Hoffnung, dass auch Politiker dies lesen, aber leider tut sich nicht viel. Daher gebe ich Ihren Warnungen nur eine Chance für eine Umsetzung: die lückenfreie Addition aller bestehenden und bereits realisierten Risiken für D. Dann der Gang vor das Verfassungsgericht, da H. Voßkuhle und H. Di Fabio einhellig der Meinung sind, dass das parlamentarische Budgetrecht nicht wesentlich eingeschränkt werden darf, daher die Absage an Eurobonds. Die o.g. Addition würde zeigen, dass es sich um wesentliche Risiken handelt (m.E. knapp 1 Billion Euro). Hierzu muß aufgezeigt werden, dass nicht nur die 500 Mrd. Target zu 27% im Risiko stehen, sondern die holländischen (90 Mrd), luxemb. (80 Mrd), etc., da wir für diese ebenfalls zu 27% haften (für Griechenland mit 100 Mrd Saldo gem. H. Fuest also allein schon 27 Mrd.). Die 27% steigen natürlich mit jedem default durch den Wegfall der anteiligen Haftung. Wenn Griechenland fällt, werden CDS fällig (da können auch die Banker des ISDA-Kommitees nicht mehr mit Freiwilligkeit gegenargumentieren), welche Frankreich (neben Italien und Spanien) über deren Banken in den Abgrund ziehen, will sagen, ich geben Ihnen recht dass wir uns trotz der 27% der Kompletthaftung nähern (fällt der Euro haben wir eine Forderung gegen eine Institution EZB, die es nicht mehr gibt, in einer Währung, die es auch nicht mehr gibt). Hinzu kommen die bilateralen Kredite über KfW, IWF, in Bad Banks ausgelagerte Staatsanleihen ("freiwilliger" Schuldenschnitt), Anleiheaufkäufe, Kreditvergabe der EZB an Schrottbanken in GIIPS Ländern (m.E. mit das größte Risiko), Target (alles abzüglich m.E. nicht werthaltiger Sicherheiten bei der EZB). Wenn den Deutschen diese Summe vor Augen gehalten wird und gezeigt wird, dass unsere potenzielle Verschuldung fremdbestimmt ist (wir haben ja nur 1 Stimme in der EZB), was verfassungsrechtlich verboten ist, bekommt man das entsprechende Forum, die Risiken zu verstehen und anzugehen. Dabei muß ich sagen, dass ich nicht grundsätzlich gegen die Hilfen bin, aber sie sollten verfassungsrechtlich einwandfrei und vor allem sollte dem Wähler bekannt sein, dass wir unsere Bilanz nur aufhübschen, die vermeintlich tollen Exportzahlen also selber zahlen. Das nenne ich mal Konjunkturprogramm (bei gleichzeitiger Verlagerung der Geldschöpfung). Zu den Details der Verfassungsmäßigkeit folgender Auszug meiner email an das Verfassungsgericht, zu der ich keine Antwort bekomme: ...Es handelt sich (durch die gewünschte Unabhängigkeit der EZB/Bundesbank) um eine indirekte Einschränkung der parlamentarischen Budgethoheit in faktischer Sicht. Deutschland hat 1 Stimme in der EZB, wie z.B. auch Malta, kann also in keinster Weise in die Risikenübernahme steuernd eingreifen. Dies entspricht einer deutschen Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten, weshalb das Bundesverfassungsgericht folgerichtig Eurobonds ablehnt, inhaltlich aber dasselbe wie ein Eurobond ist (gleiches gilt im Übrigen für die unbedingten 20-30% Ausfallgarantien aus dem Rettungsschirm)! Wie kann also die Übergabe der Verschuldungsmöglichkeit auf die Bundesbank (Target-Kredite) oder gar EZB verfassungskonform sein? Daher: Ist die (partielle und indirekte) Aufgabe der parlamentarischen Budgethoheit durch Übertragung der geldpolitischen Kompetenzen an eine unabhängige Zentralbank überhaupt zulässig? Selbst H. Weidmann versucht ja das Parlament einzubinden, hat also offensichtlich ähnliche Bauchschmerzen (leider nur für den "Kleckerbetrag" von 45 Mrd., nicht aber für die o.g. bereits bestehenden und nach oben offenen 500 Mrd.). Art. 88 GG hilft hier nicht, da die EZB ganz offensichtlich nicht mehr die Preisstabilität als vorrangiges Ziel im Auge hat. Jede andere Interpretation der Rettungsversuche der EZB grenzt an Selbstbetrug. Selbst die seinerzeitige Übertragung der Kompetenzen an die Bundesbank ist ein Zielkonflikt zur parlamentarischen Budgethoheit (Die aktuellen Target Salden resultieren ebenfalls nicht aus Zielen der Preisstabiltität, sondern aus einer nicht zu verhindernden Finanzierung der Budgetdefizite der PIIGS-Staaten; will sagen, noch nicht mal die BB kann eine Kreditvergabe an ausl. Zentralbanken vermeiden. Daher müsste diese Kreditvergabe verfassungsgerecht neu geregelt werden). Ich bin auf Ihre weiteren Beiträge sehr gespannt. Freundlicher Gruß, Michael Mältzer
Sehr geehrter Herr Mältzer, vielen Dank für die Rückmeldung und Ihre sehr richtigen Überlegungen. Mit den besten Grüßen zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Guten Tag, Herr Prof. Sinn, erst einmal vielen Dank für Ihren aufschlussreichen Vortrag "Zur Situation in der EU", den ich vorgestern von Griechenland aus als Video im Internet anhören konnte. Sie sind ohnehin für meinen Mann und mich einer der wenigen Lichtblicke, weil Sie erstens komplexe Zusammenhänge klar und verständlich und mit wenigen Worten darstellen können und zudem einen kritischen Standpunkt zum Thema Eurorettung usw. einnehmen. Zum Thema TARGET wußte ich bis dahin nichts. Gehört hatte ich den Begriff wohl, aber ich habe mir nichts darunter vorstellen können. Dann hörte ich Ihren Vortrag und war fassungslos. Ich hatte nicht geahnt, dass es für GR so einfach gewesen war, sich immer mehr Geld zu besorgen. Beim Versuch, Freunden die soeben erfahrenen Zusammenhänge zu erklären, fiel mir auf, dass ich selbst Einiges nicht gut genug verstanden habe, um es anderen erklären zu können. Daher bitte ich Sie, mir Folgendes zu erläutern oder mir einen Tipp zu geben, wo ich im Netz Informationen zu diesem Thema finden kann. Meine Frage bezieht sich auf Ihren Vortrag (s.o.), und zwar auf die Erläuterungen zum Thema Target-Salden ab dem Zeitpunkt 31:30 (31. Minute) des Videos. Sie erklären, dass die nationalen Notenbanken der GIPS-Länder sich Geld leihen. Allerdings habe ich Sie so verstanden, dass sie dieses Geld bei der EZB leihen. Sie erklären aber dann einige Sekunden später, dass sie das Geld bei der Bundesbank leihen. Und genau dies ist es, was ich nicht verstehe. Ist denn nicht eigentlich die EZB zuständig und wenn nicht, warum nicht und warum tritt die Bundesbank an ihre Stelle? Die Zustände hier in GR kenne ich sehr gut. Wir haben uns allerdings schon seit 1975 gewundert, wie das Land überhaupt funktioniert - erst Recht natürlich nach dem EU-Beitritt und am größten war das Erstaunen, nachdem GR es sogar geschafft hatte, Mitglied der Währungsunion zu werden. Das alles hätte nie passieren dürfen. Nicht nur wegen der hohen Schulden, die jetzt überall Probleme machen, sondern vor allem auch, weil man den Griechen damit letztlich gar keinen Gefallen getan hat. Sie haben ja dadurch eine wichtige Entwicklung verpasst. Sie sind vom Esel direkt in den Mercedes umgestiegen und glauben mehrheitlich, dass dies normale Zustände sind. Über Produktivität wissen sie meist gar nichts und schon gar nicht, dass ihre Löhne eigentlich in einem gewissen Verhältnis dazu stehen sollten. Sie wurden niemals darüber informiert, dass es keinen Automatismus in der europäischen Lohnentwicklung gibt und fordern deshalb noch immer gleiche Löhne wie sie (z.B.) die Holländer haben. Gefördert wird diese Unwissenheit durch ein völlig marodes Schulsystem, ein fehlendes Berufsbildungssystem, die Allmacht der orthodoxen Kirche (Religion ist Hauptfach und man kann mit einer guten Zensur in Religion eine schlechte in Mathe ausgleichen). Wenn man sich etwas mit der griechischen Geschichte beschäftigt, sieht man, dass sich die mächtigen Familien schon ganz am Anfang, gleich bei der Staatsbildung, ihre Macht für die Zukunft gesichert haben. Man erkennt, dass es hier seit der noch jungen Staatsgründung niemals eine wirkliche Demokratie gegeben hat. Vielmehr wurden die anarchischen Strukturen, die sich schon während der Türkenherrschaft bestens bewährt hatten, auch in das neu gegründete Land mit übernommen. Das war alles zu sehen. Man konnte es ohne große Mühe erkennen, wenn man es nur gewollt hätte. Statt dessen hat man sich mit althumanistischen Gefühlsduseleien selbst belogen und gemeint, man könne doch kein Europa gründen ohne Griechenland, die Wiege der Demokratie. Was für eine Vermessenheit der damaligen Entscheidungsträger! Jetzt müssen es alle ausbaden. Hier in GR ist eine ganze Generation verdorben worden. Junge Menschen, die fest an ihre vermeintlich gute Ausbildung glauben und sich wundern, dass sie niemand im Ausland haben will. Und der Rest Europa's ist sauer, weil GR eine ungewollte Entwicklung losgetreten hat. Na ja - ich will nicht noch mehr von Ihrer Zeit stehlen und höre lieber auf. Das Thema GR und die Euroentwicklung ist für mich mehr als spannend und da lasse ich mich gern zu vielen Worten hinreißen... Aber es wäre wirklich sehr nett, wenn Sie mir in der o.a. Frage weiter helfen könnten! Ich wünsche Ihnen ein stressfreies Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins Neue Jahr!
Sehr geehrte Frau D., haben Sie vielen Dank für die Übersendung Ihres Beitrags. Ich freue mich über Ihr Engagement und die Anerkennung, die Sie mir aussprechen. Zu Ihrer Frage: Am besten lässt sie sich anhand eines Beispiels beantworten. Gehen wir von einem griechischen Bauern aus, der seine Bank um einen Kredit bittet, damit er sich einen Traktor in Deutschland kaufen kann. Da sich die Bank des Bauern von anderen europäischen Banken kein Geld leihen kann oder wenn, dann nur zu sehr hohen Zinsaufschlägen, wendet sie sich an die griechische Zentralbank, die für diesen Zweck neues Geld "druckt" (natürlich im übertragenen Sinne "druckt", das Geld wird durch Buchungen bereitgestellt). Dieses Geld erhält der Bauer. Der Bauer überweist das Geld sodann durch das Zentralbanksystem an den deutschen Produzenten. Dadurch verringert sich die griechische Geldmenge wieder, während die von der Bundesbank bereit gestellte Geldmenge um diesen Betrag zunächst ansteigt. Das weitere Vorgehen sieht wie folgt aus: Die Bundesbank verbucht zum Ausgleich für das "Gelddrucken" eine verzinsliche Target-Forderung an die Europäische Zentralbank (EZB), die EZB an die griechische Zentralbank und die griechische Zentralbank an die griechische Geschäftsbank, die wiederum eine Forderung an den griechischen Bauern hält. Im Ergebnis ist dies ein erzwungener Kapitalexport von Deutschland nach Griechenland, weil die Bundesbank in dem Umfang, wie sie Geld durch die Erfüllung des Überweisungsauftrages zur Verfügung stellt, weniger Refinanzierungskredit in Deutschland vergeben kann. Der griechische Refinanzierungskredit, der mit Geldschöpfung einhergeht, ersetzt den entsprechenden deutschen. Wirtschaftlich handelt es sich um eine Kreditvergabe der Bundesbank an die griechische Zentralbank, und so wird der Vorgang in den Bilanzen verbucht. Wenn Sie so wollen, verleiht die Bundesbank ihre Druckerpresse an die griechische Zentralbank. Vielen Dank übrigens auch für Ihre Impressionen aus Griechenland. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe hier schon eine Frage gepostet, aber Ihre Vorträge sind reichhaltig genug, dass sich mehrere Anschlussfragen ergeben. Ihre Diagnose der "Eurokrise" ist m.E. letztendlich das Missverhältnis zwischen der Wettbewerbsfähigkeit und den Preisniveaus in den Südländern. Die "Lösung" ist Abwertung. Ich habe nun zwei stark miteinander verwandte Fragen: 1.) Wenn man nun die gegenwärtige Krise abwendet, und sozusagen alles so ist wie vor 2008, was für einen Anreiz haben dann die nächsten Beitrittskandidaten für den Beitritt, z.B. Kroatien oder Serbien. 2.) Abstrakter zielt die Frage darauf, dass in Zukunft die Blasenbildung und Überhitzung wie in Spanien und Griechenland in diesen Ländern im vornherein vermieden werden muss. Was bringt dann aber ein neuer Beitritt, wenn "Nord-Länder", USA und Asien weniger in die Infrastruktur dieser Länder investieren? Noch allgemeiner gesprochen dachte ich, dass doch genau dieser Kapitalfluss in die europäische Peripherie ausgehend von Zentrum der Sinn des Euros war. Läuft denn ihr Vorschlag nicht darauf hinaus, dass mehr oder weniger freie Wechselkurse, die sich entsprechend an die Wettbewerbsverhältnisse anpassen können, stabiler sein müssten? beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihre Mail. Der Beitritt zu einer Währungsunion hat immer Vor- und Nachteile, die man abwägen muss. Der Nachteil ist der Verlust der Möglichkeit des Realignment durch Auf- und Abwertung. Der Vorteil ist der Schutz gegen ungerechtfertigte Wechselkursschwankungen. Diesen Vorteil würde ich noch hoch genug einschätzen, um den Euro im Wesentlichen zu erhalten. Aber es können wohl nicht mehr alle Länder im Euro gehalten bleiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Angeregt durch Nachhören von Prof. Sinn's Univortrag 05.12.2011 überlasse ich Ihnen im Anhang eine kurze Historie der Banken-Geschäftstrennung in USA (& ihrer Aushebelung!), die ich vor einiger Zeit in Anbetracht der EU Bankenkrise und unseligen Rettungsschirmen für Freunde hier zusammenstellte. Die UBS Bank spielte vor einigen Monaten mit dem Gedanken: wird Axel Weber ihn evtl. aufgreifen? Auch wenn Prof. Sinn den Anschlagversuch auf Herrn Ackermann zu Recht verurteilte, glaube ich, daß Ackermann seinen leidigen Einfluß bei der Regierung zum Vorteil seiner DB aber Nachteil des Bankensystems, somit der Realwirtschaft und der EURO-Finanzen geltend macht - Eine Geschäftstrennung würde zwar Probleme für die Eigenkapital-Rendite (und Aktienkurs) machen, aber auch die gewünschte Beteiligung der Groß-Investoren an den Risiken, direkt und ohne politisches Gerangel verwirklichen. Aber Hauptanlaß, Ihnen zu schreiben, sind zwei Fragen, auf die ich nach dem Vortrag, leider vergebens, gewartet hatte: "Auf Anregung Merkel/Sarkozy diskutiert das EU Kommissariat Finanz-Überwachungs-Strukturen, die Fehlentwicklungen erkennen, vorbeugen & mit (m.E. fragwürdigen) Maßnahmen verhindern sollen; Prof. Sinn zeigte in Grafiken die seit ca. 2008/9 steil ansteigenden Kurven des Geld-Transfer aus den schwachen Ländern, - zu welchem Zeitpunkt - bzw. welchem Ausmaß des Anstiegs - hatte er selbst öffentlich, bzw zu 'Wirtschafts-Weisen' Beiträgen etc. bereits Warnungen zu dieser Entwicklung ausgesprochen? "Er deutete die Möglichkeit an, daß mit Euro-Bonds die Kurven zu einer vorübergehenden, irrtümlichen Normalität zurückfinden könnten: - Was wären seine Kriterien für unumgängliche 'Eingriffe' der EU, um seinen prognostizierten Wiederanstieg in hypergefährliche Höhen noch zeitgerecht zu verhindern? Ich wäre dankbar für Hinweise, wo ich seine Antworten hierzu vielleicht bereits finden könnte, und verbleibe mit guten Wünschen für die kommenden Jahre und freundlichen Grüßen, Christopher Landmann In Anbetracht der irren Geldschwemme von der EZB: versäumte Banken-Trennung - hier, die lehrreiche US Historie so kurz gefaßt wie möglich: "Nicht nur ist die Wiederauflage des Soffin ohne Verpflichtung der Banken, ihre Rücklagen zu stärken, halbherzig. Selbst mit Zwang wäre der Steuerzahler wieder der "Paymaster (nicht 'Lender') of last resort". Das Banken-Lobby hat diese Regierung, und damit uns, fest im Griff. Madame Lagarde identifizierte die Parallelen dieser Dauerkrise zurecht mit den 1930er Jahren - sogar zyklisch passend zurück zu den Krisen des neunzehnten Jahrhunderts. Was sie leider vermied, war, an die Medizin zu erinnern, die Franklin D. Roosevelt den Banken zu schlucken gab - die Frau Merkel vor 2 Jahren auch hier in Aussicht stellte, aber wohl über Dinner mit Herrn Ackermann und seinen Beratern schnell wieder vergaß, nachdem das sicher auch nicht in's französische Konzept paßte: Die faktische und juristische Trennung von kommerziellen und Vermögens-Verwaltungsgeschäften der Banken. "Nur die kommerziellen Funktionen der Banken sind wirklich 'systemrelevant' und verdienen die Absicherung durch Steuergelder. Nicht zu vergessen, daß die unsägliche EU-Liberalisierungspolitik auch unsere Landesbanken genau in die falsche Richtung zu Universalbanken trieb, für die Erfahrung und Management fehlen mußten, die aber auch die Privatbanken nicht vor gravierenden Fehlentscheidungen bewahrt haben. In der Erkenntnis des Problems, die Frau Merkel hätte als Vorbild dienen sollen, betrieb Roosevelt die Bankentrennung bald nach seiner Amtsübernahme mit den 'Demokraten', und unterzeichnete am 16.Juni 1933 den entsprechenden 'Glass-Steagall Act'; Banken blieben zur Umsetzung 10 Tage geschlossen, die Einhaltung der Bestimmungen wurde bis in die Siebzigerjahre streng überwacht; als Konsequenz wuchsen auch die unabhängigen 'Broker' rapide. "Mit dem weltweiten Wirtschaftsaufschwung und Stärkung der - neo-liberalen - Republkaner im Congress wurden die Gesetze zunehmend durch Holding- oder Tochter-Konstruktionen ausgehölt, sodaß sich Großbanken praktisch doch wieder organisieren konnten. "Nachdem schon die Ein-Dollar-Scheine mit Umtausch-Garantie in Silber Dollar eingezogen worden waren, wurde das für die 'Zukunft unseres Geldes' entscheidende Datum der 15. August 1971 an dem der Republikanische Präsident Richard Nixon die feste Bindung des US Dollar an Gold per Dekret aufhop: Die FED durfte sich von nun an ihrer zweiten Funktion, der Unterstützung der Volkswirtschaft widmen, ohne die Fesseln der ersten (und der Bundesbank und EZB offiziell einzige!) Aufgabe, bestmöglich für Geldwertstabilität zu sorgen. Entsprechend blieb die Inflation in den USA in den folgenden Jahren fast nie mehr unter 2%p.a. (de Facto wurden am selben Tag die Schleusen zu den Milliarden 'euro-Rettungsschirmen' der heutigen 'Finanzpolitik' geöffnet....) Damit konnte dann auch die Rettung aus der Krise der 'Savings-and-Loan'- (Sparkassen) 1987 und deren Refinanzierung leichter durch billiges Geld von der FED - ohne Decckelung der Kreditzinsen - mit Wuchermargen auf dem Rücken der Sparer und Konsumenten ausgetragen werden - (obwohl die Krise eigentlich durch ein Immobiliensteuer-Gesetz (Gebhard & Bradley TaxReformAct TRA 22.11.1986) ausgelöst worden war, das zur Flucht von Kapital aus kommerziell verwalteten Immobilien führte). - Den gleichen Fehler, (neo-liberal) die Kreditzinsen nicht zu regulieren, wiederholte die FED unter Greenspan ca.20 Jahre später, und löste damit die US Immobilien- & Hypotheken-Krise aus! "Unter dem schwachen Präsidenten Bill Clinton konnten die Republikaner das Ende der Banken-Geschäftstrennung offiziell mit dem Gramm-Leach-Bliley Act am 12.11.1999 zelebrieren - ohne irgendwelche Sicherungs- oder Rücklagen- Forderungen für die Banken seitens der 'Demokraten' im Congress. Das Ergebnis zurückgedrängter Aufsicht und kapitalistischer laissez-faire Praxis war 2008/9 zu beobachten. "Aber wir brauchen keine Multimilliarden Sicherungs-Schirme für Institute zur Finanzierung von Industrie und Handel, woher am Ende auch unsere Einkommenssteuer-Einnahmen und Vermögen kommen, mit denen wir dikrekt oder durch Inflation für die Risiken in den Universal-Banken haften sollen. Bevor sie uns alle zu Bürgen für Schulden macht, die wir nicht, bzw. nur durch mißratene Politik, zu verantworten haben, sollte jemand Frau Merkel nochmal an ihre Aussagen von 2009 zurBankenreform erinnern und sie selbst bei Roosevelt, bzw.William Woodin (Secy. of the Treasury) nachlesen.
Sehr geehrter Herr Landmann, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Zu Ihrer ersten Frage: Seit Bekanntwerden, dass die Target-Salden im Euroraum nicht mehr ausgeglichen werden, berichtet das ifo Institut über diesen Umstand. Auf der ifo Homepage finden Sie ein Spezialthema zu den Target-Salden mit allen wichtigen Hintergrundinformationen:http://www.cesifo-group.de/link/Target. Darüber hinaus finden Sie auf der Homepage auch eine Seite zum Thema Euro-Krise: http://www.cesifo-group.de/link/Euro-Krise. Zu Ihrer zweiten Frage: Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, kurze Frage: Was passiert, wenn der Euro auseinanderbricht mit den Kundeneinlagen von deutschen Sparern von ausländischen Banken, die in Deutschland aktiv sind, z.B. Santander Bank, Garantiebank usw. siehe auch http://www.modern-banking.de Z.B. griechische Banken in Griechenland stellen auf Drachmen um. Was passiert z.B. mit der Santander Bank in Deutschland, wenn Spanien austritt usw. bzw. z.B. die Garantie-Bank (oder die Santander-Bank) hat eine Filiale in Deutschland bei der man in Euro einzahlt. Der Kern der Frage: Eine ausländische Bank aus dem Euro-Raum hat eine Filiale in Deutschland. Dort zahlt man Euro ein. Bekommt man auf jeden Fall Euro zurück, Wenn das Herkunftland auf eine andere Währung umstellt? Vielen Dank Mike Suttner
Sehr geehrter Herr Suttner, die Einlagen sind prinzipiell durch die deutschen Sicherungssysteme geschützt, aber was alles bei einem Zusammenbruch des Euro passiert, weiß nur der liebe Gott. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Ihr Vortrag vom 19. Dezember 2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, zuerst möchte ich Ihnen für Ihren ausgezeichneten Vortrag zum Thema „Ist der Euro noch zu retten?“ und die Darstellung der Konsequenzen der Überschuldung einiger Euro-Staaten danken. Wer über die Krise, die die überschuldeten Euro-Staaten ausgelöst haben, reden will, muss sich mit dem Inhalt Ihres Vortrages auseinandersetzen. Deshalb reicht es m.E. nicht aus, nur ein Video über diesen Vortrag zu veröffentlichen, zumal das Ansehen dieses Videos gut 2 Stunden erfordert. Diese Zeit haben diejenigen, die über das weitere Vorgehen bei der Lösung dieser Krise zu entscheiden haben, wie z.B. Mitglieder der Bundesregierung und des Bundestages, in der Regel nicht. Es wäre gut, wenn man den Text Ihres Vortrages in schriftlicher Form übermitteln und sie auf die wichtigen Passagen, wie z.B. über das Target-System und seine Auswirkungen, hinweisen könnte. Deshalb möchte ich anregen, ob Sie den Text Ihres Vortrages nicht auch in schriftlicher Form im Internet veröffentlichen könnten. Das würde es erleichtern, Entscheidungsträger gezielt auf wichtige Passagen anzusprechen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine solche Hilfe. Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für ein erfolgreiches Neues Jahr verbleibe ich Joachim Koch, Ministerialrat a.D.
Sehr geehrter Herr Koch, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihren Zuspruch. Ich würde Ihnen empfehlen die Bogenberger Erklärung der Freundesgesellschaft des ifo Instituts und des Vorstands des ifo Instituts zu lesen. Diese Erklärung enthält 16 Thesen zur Situation der Europäischen Währungsunion und stellt somit eine gute Zusammenfassung meines Vortrags vom 19. Dezember dar. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der Homepage des ifo Instituts:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifosd_2011_23_1_EN.pdf. Außerdem möchte ich auf meinen Beitrag aus dem ifo Schnelldient vom 24. Juni 2011 zu den Target-Salden hinweisen: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn. Wir brauchen mehr pragmatisches Handeln. Das Kaputtsparen der Schuldenstaaten ist der falsche Weg. Das sagten auch Sie in Ihren Fernsehinterviews. Sie sagten zwar dass es dessen bedarf, aber Sie sagten nicht wie solches erreicht werden könnte. Deshalb empfehle ich Ihnen das Nachfolgende zu überdenken. Wichtiger ist es Investoren anzulocken, damit in Schulden-Ländern ein Aufschwung ihrer Wirtschaft möglich wird. Wie kann das erfolgen? Diese Staaten müssen große Bereiche ihres Staatsgebiets in exterritoriale Gebiete umwandeln, und diese dann verkaufen, was ja auch die EU verlangt, nämlich Privatisierung von Staatseigentum, damit schnell viele Staatseinnahmen entstehen. Das entlastet die Staatskassen. Diese Gebiete müssen Investoren angeboten werden. Den Investoren muss gesagt werden, dass sie in diesen Gebieten sich in einer Sonderwirtschaftszone befinden, in der Steuergesetze sich in der Größenordnung z. B. der Schweiz bewegen. Sofort wird ein Run auf diese Gebiete einsetzen, was aber dann Arbeitsplätze für die Menschen der Region schafft, die dann Steuern und Sozialabgaben an den Staat zu zahlen haben, der diese Sonderwirtschaftszone erlaubt hat. Sobald dann diese Investoren in diesen Regionen produzieren und Umsätze haben, müssen sie Steuern wie z. B. in der Schweiz an den Staat, der diese Sonderwirt- schaftszonen schaffte, abführen. Das ist die einzige Möglichkeit auch griechische Milliardäre aus der Schweiz nach Griechenland zu locken. Sie müssen dann nur etwas produzieren, was weltweit nachgefragt wird, alternative Energie was enorme Gewinne erlaubt. Das sind neue Geschäftsfelder wie sie auch zu Zeiten der Computereinführung entstanden. Was China in Hongkong und Macao geschafft hat, sollte auch in Europa möglich sein. Es bleibt dem Staat, der diese Gebiete schuf unbenommen, selbige später wieder zurückzukaufen, wenn dann über ausreichendes Geld verfügt.. Ihre Meinung dazu interessiert mich sehr. M.f.G. K.-H. Lüdecke
Sehr geehrter Herr Lüdecke, vielen Dank für Ihren Beitrag! Ihre Idee der Schaffung von Sonderwirtschaftszonen finde ich interessant. Sie müssen aber bedenken, dass bislang Sonderwirtschaftszonen mit dem EU-Recht nicht vereinbar sind. D.h. eine schnelle Umsetzung wäre erst mal nicht möglich. Des Weiteren müssen die Länder der Peripherie trotzdem wichtige Reformen durchführen, um wieder wettbewerbsfähig werden zu können. Das bleibt nicht aus. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse habe ich die Bogenberger Erklärung in der FAZ gelesen. Ich überlasse Ihnen hierzu in der Anlage meine Ansicht. Mit freundlichen Grüßen Hermann Mezger Quo vadis EU? Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit. Der Anblick der Europäischen Union, aber auch der Bundesrepublik, jagt einem Angst und Schrecken ein. Kommunen nagen am Hungertuch oder sind regelrecht pleite, Kultur-, und Freizeiteinrichtungen werden geschlossen, Straßen nicht mehr gebaut und instandgesetzt, in den Schulen fallen wöchentlich eine Million Unterrichtsstunden aus, die Hörsäle sind hoffnungslos überfüllt und personell unterbesetzt, die Straßen-, Schienen-, und Stromnetze hinken dem Bedarf weit hinterher, in der Kinder-, und Altenbetreuung fehlt vorne und hinten Personal. Das Einzige was wächst und gedeiht ist unsere Bürokratie. Hier bringen es die Regierungen in Mainz und Stuttgart sogar fertig, zusätzliche Ministerien zu installieren. Beamtenpensionen für Spitzenleute werden erhöht, die Versorgungsausgaben des Staates steigen dramatisch an und bilden eine weitere schwere Hypothek für die nachfolgenden Generationen. Trotz sprudelnder Steuer-einnahmen und Schuldenbremse werden weiter Milliarden Schulden gemacht. Wo man hinschaut Schuldenberge und weit und breit kein Wegweiser, der aus der Krise führt. Kein einziger Politiker hat ein Rezept, und auch die klügsten Köpfe haben sich damit abgefunden, dass alles am Steuerzahler hängen bleibt. Aus heutiger Sicht ist Europa auf Jahrzehnte hinaus ein Pflegefall. Die Oppositionsparteien wetteifern um Steuererhöhungen ohne damit auch nur einen Cent des Schuldenberges abtragen zu wollen. Sie sollten eigentlich wissen, dass Steuererhöhungen und Rentenkürzungen Kaufkraft kosten, die Konjunktur abwürgen und somit kontraproduktiv sind. Der Hebel muss bei den Regierungs-, und Verwaltungskosten angesetzt werden. Die Bundesrepublik beansprucht fast die Hälfte des Sozialproduktes (2,49 Billionen ) für sich, 30 Prozent wären laut IWF angemessen. In Zahlen ausgedrückt sind das 400 Milliarden Euro. In den anderen Euro-Ländern sieht es nicht besser aus. In Italien haben 60 000 Einwohner einen Abgeordneten, bei uns 130 000, in den USA 580 000. Wir haben nicht nur viel zu viele Abgeordnete sondern auch zu viele Vizepräsidenten, Staatssekretäre, Bundesländer und Verwaltungsebenen. Wenn wir nicht bald etwas dagegen tun, ersticken wir daran. Was wir brauchen ist ein drastisches Sparprogramm. Nur eisernes Sparen durch die Reduzierung der Staatsquote führt aus der Krise heraus, nur dadurch können die Haushalte nachhaltig saniert und Schulden abgebaut werden. Alles andere ist Pipifax. Allein die Ankündigung eines solchen Programms würde die Märkte nachhaltig beruhigen. Natürlich geht ein solcher Umbruch nicht von heute auf morgen. In einer Zeitspanne von 5 Jahren muss es aber möglich sein, folgende Punkte europaweit umzusetzen: 1. Eine neue Europäische Verfassung 2. Einführung einer Schuldenbremse 3. Einführung des Kirchhoff´schen Steuermodells 4. Begrenzung der Staatsquote auf 30 Prozent Und für die Bundesrepublik zusätzlich: 5. Neuregelung der Beamtenversorgungssysteme 6. Ein einheitliches Schulmodell 7. Keine Studiengebühren Der Staat darf nicht Selbstzweck sein. Er hat dafür zu sorgen, dass die Jugend eine Perspektive hat und die Bevölkerung keine Existenzangst zu haben braucht. Die Gesundung des Euros kostet Zeit und ist anstrengend. Aber das Ziel eines prosperierenden Europas muss jede Mühe wert sein. Hermann Mezger
Sehr geehrter Herr Mezger, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der Informationen. Ich habe mir Ihre Ansichten zur Bogenberger Erklärung mit großem Interesse durchgelesen und kann Ihnen nur zustimmen. Ich freue mich sehr über das Engagement Ihrerseits. Machen Sie weiter so. Mit freundlichen Grüßen zum bevorstehenden Weihnachtsfest Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bin erst kürzlich auf die Mediathek des CES gestossen, nachdem ich verschiedene Beiträge zur "Euro-Krise" von Ihnen gesehen bzw. gehört habe. Zuerst einmal möchte ich für die klare Darstellung der Situation danken, die ich so bisher nirgendwo gesehen hatte. Zweitens möchte ich das Medienportal des CESInfo und drittens die Einrichtung dieses Diskussionsforums loben. Meckern kann man aber immer, daher möchte ich anregen, die Beiträge auch als Podcasts zu veröffentlichen. Der eigentliche Grund, warum ich hier schreibe, ist natürlich eine Anmerkung bzw. Frage zu den Vorträgen, die Sie scheinbar seit Mitte vergangenen Jahres immer wieder halten. Sie erklären schlüssig, was jetzt das Problem der Schuldenkrise ist, und erklären nachvollziehbar, was es für sinnvolle "Lösungs"-Varianten gibt. Die GIPS-Staaten sind nicht wettbewerbsfähig (das ist eigentlich ein komplexeres Argument), und die Lösung ist "interne" oder "externe" Abwertung. Für Griechenland ist das nun scheinbar mittlerweile die Wahl zwischen Skylla und Charybdis. Aber es wird weder für Griechenland noch für Deutschland besser, wenn man weitere Zahlungen nicht stoppt (stark verkürzt). Meine eigenliche Frage ist nun: (1) Hätte man das nicht vorher wissen können? (2) Und wird man es beim nächsten Mal vorher wissen und besser machen? Sie skizzieren ja an verschiedenen Stellen, dass davon auszugehen ist, dass sich das Problem grundsätzlich wieder anhäufen kann. Die vorgeschlagene "Lösung" der internen oder externen Realabwertung ist nur die "Lösung" des bestehenden Problems. (2a) Was ist in 10 Jahren, wenn man wieder an derselben Stelle steht? Verbunden mit der ersten Frage: (1a) Wie steht es um die VWL, dass es zu dieser Krise kommen konnte? (1b) Warum besteht immer noch so eine große Uneinigkeiten selbst unter den anderen Wirtschaftsweisen? Ich beziehe mich hier auf die Diskussion "Rettungsschirme, Notpakete, Finanzspritzen? Welche Zukunft hat der Euro?" vom 25. November 2011 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, bei der Sie, Herr Bofinger und Herr Wiegard zu diskutiert haben. Warum ist sogar so eine Runde sich derart uneinig. Zu guter letzt ist mir insbesondere bei Ihren Kommentaren in der Sendung "Hart aber Fair" vom 18.05.2011 aufgefallen, dass Sie anmahnen, dass das Ausmaß der deutschen Verbindlichkeiten in den Südländern nicht bekannt ist. (3) Warum sind Informationen über die wirtsch. Verhältnisse über z.B. Griechenland so schlecht verfügbar, dass z.B. auch in der Sendung "Unter den Linden" vom 16.01.2012 nur Sie und Herr Verheugen die Zahlen haben, aber nicht die Journalisten (ganz unpolemisch gemeint)? Beste Grüße
Sehr geehrter Herr P., zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen für Ihr Lob bedanken. Ich freue mich auch über Ihr Interesse an unseren Videos. Allerdings sind Podcasts oder ein Download der Videos nicht vorgesehen. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem ist, dass Griechenland durch Mogelei sich den Zutritt zur Eurozone verschafft hat. Als Finanzierungsdefizit des Staates im relevanten Jahr 1999 wurden zunächst 1,6% gemeldet, nach dem Beitritt erhöhte sich der Wert auf 3,3%. Derzeit weist Eurostat keine Defizitzahl für 1999 mehr aus. Für 2009 wurde zum Jahreswechsel 2008/2009 im Stabilitätsprogramm der griechischen Regierung ein Finanzierungsdefizit von lediglich 3,7% des BIP prognostiziert, im Herbst schätzte es die EU-Kommission dann aber auf 12,7% des BIP. In einem Bericht der Europäischen Kommission ist folgendes dazu zu lesen: „Aufgrund der dargelegten Art und Größenordnung der Datenkorrekturen, der mangelnden Zuverlässigkeit und der unzureichenden Belege für die gemeldeten Defizitzahlen sieht sich Eurostat derzeit nicht in der Lage, Zahlen von vertretbarer statistischer Qualität zu validieren“ (vgl. Europäische Kommission (2010), Bericht zu den Statistiken Griechenlands über das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand, Brüssel, S. 30). Von daher war damals (1999) zuerst nicht davon auszugehen, dass seitens Griechenlands Probleme auftreten könnten. Ob wir in Zukunft wieder mit einer derartigen Krise konfrontiert werden, hängt davon ab, wie wir mit der jetzigen Krise umgehen. Die unterschiedlichen Meinungen zum Umgang mit der jetzigen Krise resultieren daher, dass verschiedene Risikoeinschätzungen vorliegen. Unser Bankensystem ist aufgrund der zu geringen Eigenkapitalausstattung sehr marode. Das würde bedeuten, dass wenn die Staaten der Peripherie sich nicht mehr refinanzieren können, es zu einem Schuldenschnitt kommen wird. Die Banken würden die Abschreibungen, die sie deswegen vornehmen müssten, aufgrund des zu geringen Eigenkapitals nicht verkraften. Es würde demnach zu einer Kernschmelze im Finanzsystem kommen. Herr Bofinger ist deshalb beispielsweise, anders als ich, der Meinung, dass man Eurobonds einführen müsste. Da das jedoch etwas Zeit in Anspruch nehmen würde, plädiert er gleichzeitig dafür, dass die EZB massiv Staatsanleihen aufkauft. Ich dagegen bin der Meinung, dass wir uns nicht erpressen lassen sollten. Zu guter Letzt: Die nötigen Daten über wirtschaftliche Verhältnisse sind bei ausgiebiger Recherche für jeden zugänglich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
EZB-3-Jahres-Tender über rund € 500 Milliarden Target 2/svH/24.12.2011 Sehr geehrter Prof. Sinn, die Presse und die Bundesregierung freuen sich über den 3-Jahres Tender der Europäischen Zentralbank (EZB). Ich kann diese Freude nicht teilen. Hier meine Gründe: Mit dem EZB-3-Jahres-Tender über € 500 (!) Milliarden (ein Billigkredit zu 1 % an europäische Banken) nimmt die Höhe der Target2-Forderungen (T2) der Bundesbank (BuBa) gegen die EZB dramatisch zu. Ein großer Teil der fast € 500 Milliarden zusätzlicher EZB-Kredite ist sicher von den Banken in Südeuropa aufgenommen worden (Geldschöpfung) um die auslaufenden Forderungen ihrer eigenen Darlehnsgeber (Banken) in Nordeuropa zu bezahlen. Dies entspricht Ihrem Fall des kreditfinanzierten Kaufs eines deutschen LKW durch einen griechischen Unternehmer. Die mit (neuem) EZB-Kredit finanzierte Rückzahlung des auslaufenden (alten) Kredits (Tilgung) entspricht der kreditfinanzierten Bezahlung des LKW durch den griechischen Unternehmer. Jetzt tritt wieder die Situation ein, dass die deutsche Bank des LKW-Verkäufers das (via T2) überwiesene Geld bei der BuBa belässt und damit (verkürzt gesagt: im Verrechnungswege) die Summe der Ausleihungen der BuBa an deutsche Banken weiter fällt oder gar negativ wird (Forderungsaufbau deutscher Banken gegen die BuBa). Wird dieser Saldo negativ (wird also die BuBa, insgesamt betrachtet, Schuldner des deutschen Bankensystems und verliert so ihren bisherigen Status als dessen Kreditgeber), dann kann das per Kreditrückzahlungen ins deutsche Inland flutende Geld nicht mehr mit offenen Darlehnsforderungen der BuBa gegen deutsche Banken verrechnet/kompensiert werden. Dies bedeutet, das zunehmend hereinströmende Geld wird nicht mehr (oder nur noch teilweise) „durch Einzug/Verrechnung eliminiert“ (Geldvernichtung), sondern erhöht tatsächlich die im Eurosystem umlaufende Geldmenge. In der BuBa-Bilanz Dezember 2011/Januar 2012 wird dies zu einem (weiteren) hochgefährlichen Anstieg der (überwiegend ungesicherten) Target2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB führen. Im ersten Quartal 2012 muss die italienische Regierung (über die Banca d´Italia) einen großen Teil ihrer Staatsschulden zurückzahlen/refinanzieren und wird dafür neue italienische Staats-anleihen begeben. Es ist davon auszugehen, dass die lokalen italienischen Banken davon „überzeugt“ werden, diese neuen italienischen Staatspapiere mit Mitteln aus dem aktuellen EZB-500-Tender aufzukaufen, um diese dann wiederum als Sicherheiten für den Ankauf von Tranchen aus dem nächsten EZB-500-Tender einzusetzen (für Februar 2012 ist ein weiterer 3-Jahres-Tender der EZB über nochmals € 500 Milliarden angekündigt). Damit entsteht unweigerlich ein auf Scheinsicherheiten aufgebautes Kredit-Schneeballsystem (ähnlich der US-Verbriefungsproblematik, die zur Krise 2007 geführt hat), das u.a. einen weiteren (wohl letzten) dramatischen Anstieg der T2-Forderungen der Bundesbank gegen die EZB auslösen wird. Nach dieser Runde dürfte dann das Spiel aus sein, auch wenn sich der Kessel noch eine Weile dreht. Habe ich Recht oder träume ich nur schlecht? Mit freundlichen Grüßen Siegfried von Hohenhau
Sehr geehrter Herr von Hohenhau, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich kann Ihren Befürchtungen nur zustimmen. Sie prangern zurecht den 3-Jahres Tender der EZB an. Letztendlich sind es die Staaten selbst, die Ihre Haushalte sowie ihre maroden Banken in Ordnung bringen müssen. Die Zentralbank kann kurzfristig helfen. Ihre Maßnahmen dauern aber schon zu lange an und es besteht der Druck die Maßnahmen noch auszuweiten. Die Politik ist aber gefordert, bewusst Maßnahmen zu ergreifen oder eben möglicherweise bewusst die Hilfsmaßnahmen nicht mehr auszuweiten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Betreff: Vortrag v. Professor Hans Werner Sinn am 19.12.2011, LMU München, "Ist der Euro noch zu retten?" Sehr geehrte Damen und Herren, auf YouToube sah ich oben genannten Vortrag von Professor Hans Werner Sinn. Eines habe ich nicht verstanden, und das würde ich Herrn Professor Sinn gerne fragen: Wenn die Eurobonds kommen, konvergieren die Zinsen in Europa. Aber wie soll das denn nach 10 Jahren wieder auseinander laufen können? Da müssten doch die Eurobonds wieder abgeschafft werden? Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Mit freundlichen Grüssen Thomas Schorn
Sehr geehrter Herr Schorn, Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Interpretation. Die Eurobonds werden nicht überleben, weil sie missbraucht werden. Ein System, bei dem sich die Zinsen nicht nach der Bonität der Länder ausspreizen, wird überdehnt werden, bis alle Fäden reißen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
2 Fragen zu Vortrag "Ist der Euro noch zu retten?" LMU am 19.12.2011 Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße
Sehr geehrter Herr E., zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn! Bei etlichen Stellen (MdB H. Bosbach; FOCUS, und Stern) habe ich bisher vergeblich versucht Antworten zu meinen Fragen zu bekommen. Kann ich bitte bei Ihnen hoffen? In bisher allen mir zugänglichen Informationen (Tagespresse, Magazinen und Talkshows usw.) vermisse ich folgende Hinweise: 1. GB hat seinerzeit als "Gegenorganisation" die EFTA gegründet und ist gescheitert. Danach baten sie um Aufnahme in die EU forderten aber unter Frau Thatcher Sonderkonditionen im Milliardenbereich und bekommen die auch noch Heute. Dem Euro sind sie nicht beigetreten und freuen sich nun wie andere Staaten sich abmühen diesen und damit die EU zu erhalten. Wo bitte bleibt deren Solidarität und die der USA die ja an diesem Desaster herrlich verdienen ?? Geht´s hier nicht auch um die "Weltwährung" Dollar?? 2. Wenn Deutschland von anderen Sparen verlangt, warum nicht selbst tun? 3. Die enorme Schuldenlast der BRD rührt doch letztendlich von der Wiedervereinigung her!? 4. Wie kommt Griechenland zu hohen Schulden die sicher ein Vielfaches des jährlichen Budgets ausmachen. 5. Rot/ Grün hat´s eingebrockt (Aufnahme der Griechen und Einführung der Hedgefonds) auslöffeln müssen´s die Schwarzen!! Im Interesse Deutschlands müssen Alle zusammenarbeiten!! Bei einer der letzten Talkshowen hat hierzu allerdings Herr Gysi kurz hingewiesen, jedoch ohne Echo. Für eine Antwort wäre ich Ihnen dankbar.
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für Ihr Schreiben. Ich werde versuchen so gut es geht, auf Ihre Fragen einzugehen. Zu Frage 1: Ich bin der Meinung, dass es sich innerhalb der Eurozone um eine systemische Krise handelt. Es gibt einige Konstruktionsfehler des Euro. Diese Probleme müssen wir selber abstellen oder der Euro wird nicht dauerhaft bestehen. Daher ist auch mit den bisherigen Rettungsschirmen die Eurokrise nicht gelöst. Zu Frage 2: Deutschland hat natürlich auch einen zu hohen Schuldenstand. Wir reißen damit auch die Regeln des ursprünglichen Stabilitäts- und Wachstumspakts. Das zeigt aber auch, dass wir uns auch schnell mit der Rettung des Euros überheben können. Zu Frage 3: Die Wiedervereinigung spielt sicherlich auch eine Rolle. Wenn Sie sich allerdings den Verlauf der Schuldenquote anschauen, sehen Sie, dass seit der Ära Willi Brandt, die Schuldenquote kontinuierlich angestiegen ist. Zu Frage 4: Die Staatsverschuldung Griechenlands lag Ende 2010 bei 329.351 Mio. Euro. Gemessen am BIP sind dies 144,9%. Die Ursachen für die griechische Schuldenkrise sind vielfältig. Der Staatsapparat wurde aufgebläht und um das Ausmaß der Schuldenproblematik zu verschleiern, wurden die Statistiken zurecht gebogen. Zu Frage 5: Ich weiß zwar nicht genau, auf welche Äußerung seitens Herrn Gysi Sie anspielen, aber die ganze Schuld der Rot-Grünen Regierung zu geben, ist nicht korrekt. Erinnern Sie sich nur an die wichtigen Hartz-IV Reformen unter Schröder. Diese Reformen waren richtig und notwendig. Die Regeln zum Euro wurden unter Helmut Kohl verhandelt. Hier wurden bereits die heutigen Probleme angelegt. Daher möchte ich gar nicht Partei ergreifen. Es sind von allen Fehler gemacht worden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Guten Tag Herr Sinn, Ich bin französischer Staatsbürger, bin mit einer Kölnerin verheiratet und wohne seit 43 Jahren in Deutschland. Ich bin Diplom-Ingenieur und war bis zu meiner Pensionierung Abteilungsleiter in einem Betrieb eines grossen deutschen Elektrounternehmens in Frankreich. Seit sehr vielen Jahren verfolge ich Ihre negativen Kommentare bzgl. Europa, Euro und EZB. (Vor allem, dass Deutschland immer betrogen wird...) Jetzt haben Sie in einem Spiegelinterview davon gesprochen, dass "Deutschland in der Falle sitzt". Aus meinem Verständniss der deutschen Sprache gebe ich Ihnen einige Beispiele für "Falle". Mein Vater saß 1940 in Dünkirchen in der "Falle". Er kam aus dieser "Falle" um in die nächste "Falle" zu tappen und kam erst 1943, krank, zurück nach Hause. Viele deutschen Soldaten saßen in Stalingrad in der "Falle". Und ich habe immer mehr den Eindruck, dass ich in Deutschland mit meiner französischen Rente in der "Falle" sitzen würde, falls es zu einem Zusammenbruch des Euro käme. (Ich bezahle in Deutschland treu und brav meine nicht unerheblichen Steuern, einschließlich Ergänzungsabgabe, bzw jetzt SOLI) Robert Camboni
Sehr geehrter Herr Camboni, was ich mit "Deutschland sitzt in der Falle" meine, ist, dass große Lasten auf Deutschland zukommen werden. Entweder über die EZB oder, wenn wir das über Rettungssysteme verhindern, über diese Systeme selbst. Wenn überhaupt, so werden einige der südlichen Länder ihre Schulden mit dem Geld zurückzahlen, das wir Ihnen vorher als Transfers haben zukommen lassen. Wenn der Euro kollabiert, sind die 500 Milliarden Kredit kaum noch einbringbar, die die Bundesbank über die EZB den anderen Ländern zur Verfügung gestellt hat. Und deshalb muss Deutschland zahlen. Sie erinnern sich vielleicht, dass Le Figaro den Euro in Frankreich mit dem Spruch "Jetzt müssen sie zahlen." beworben hatte, der nach dem Versailler Vertrag geprägt worden war. Der Euro hat sich als eine Maschinerie zur Umverteilung von Schuldenrisiken zwischen den Ländern entpuppt. Das kann man nicht leugnen. Christine Lagarde hat öffentlich erklärt, man habe den Maastrichter Vertrag mit Absicht gebrochen. Die Vergleiche, die Sie ziehen, greifen um einige Stufen zu hoch. Im Deutschen liegt im Wort "Falle" eine wesentlich geringere Dramatik. Glauben Sie mir bitte, dass meine Aussagen nicht europafeindlich sind, nicht einmal eurofeindlich. Ich finde den Euro erhaltenswert. Aber das Haftungsprinzip muss eingehalten werden. Der französische Staat muss für seine Banken, die sich mit den Staatsschulden der südlichen Länder überladen haben (wesentlich mehr als die Deutschen), selbst gerade stehen. Das ist nicht Sache der Staatengemeinschaft, aber Sarkozy will es dazu machen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, großes Lob für den tollen, spannenden und interessanten Vortrag am gestrigen Montag in der LMU. Für die Beantwortung der beiden nachfolgenden Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden: 1.) Bei der Verfolgung der von Ihnen prognostizierten, aber nicht empfohlenen, Politikoption Nr. 1 ("Euro-Bonds") würden die Zinssätze wieder konvergieren. Da aber diesmal -im Unterschied zu den Zinskonvergenzen bei Einführung des Euro- die Zinskonvergenz per definitionem (vertragliche gesamtschuldnerische Haftung) bedingt wäre, verstehe ich nicht, wie Sie zu der weiteren Prognose gelangen, dass in ca. 10 Jahren die Zinssätze wieder (wie aktuell) auseinanderlaufen? Dies ist dann doch im Gegensatz zu heute gar nicht mehr möglich, da es ja eben gar keine unterschiedlichen Schuldner/Emittenten mehr gibt? Ist die angedeutete Folge nicht vielmehr, dass sich das Crashpotenzial in einem Szenario der Schuldengemeinschaft -unter der Annahme nicht gelöster unterschiedlicher Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsbilanzsalden- einfach erhöht und uns somit -nur zeitlich verschoben- ein (viel größerer) Kollaps bevorsteht? In der Analogie zu der Privatperson, die für den angeschlagenen Nachbarn eine uneingeschränkte Gesamtbürgschaft übernimmt, womit letztendlich nicht nur eine, sondern zwei Existenzen vernichtet werden? 2.) Frage zu Schutz des Vermögens: Wenn man überzeugt ist, dass Ihre detaillierte und fundierte Prognose die Zukunft (es kommen höchstwahrscheinlich Eurobonds, die das ursächliche Problem aber nicht lösen werden, da insbesondere die Schuldenbegrenzung nicht eingehalten wird) am ehesten trifft und sich dem anschließt...muss sich dies dann nicht konsequenterweise in einer entsprechenden Meinung zur optimalen Vermögensallokation widerspiegeln, die von einer "einfachen", möglichst breiten Diversifikation (z.B. 10% Gold, 30% Aktien, 30% Immobilien, 30% Anleihen) abweicht? Wie sähe Ihre beste Allokationsantwort aus, wenn Sie realistisch bis pessimistisch denken, keinerlei laufende Erträge zur Bestreitung des Lebensunterhalts aus dem Vermögen benötigen, keine kurzfristige Volatilitätsaversion besäßen, keine Verbindlichkeiten oder sonstige Liquitätserfordernisse besäßen, sondern lediglich das erarbeitete Vermögen auf Sicht der nächsten 10-20 Jahre bestmöglich vor den vermögensvernichtenden "tail-risks" der Zukunft schützen wollen, dabei lediglich einen realen Vermögenserhalt anstreben. (Mir ist bewusst, dass Sie keine Anlageempfehlung abgeben dürfen und können, da diese immer von den individuellen Anlagezielen des Investors abhängt. Ich hoffe trotzdem, dass Sie mir vor dem Hintergrund der geschilderten Informationen etwas konkretes an die Hand geben können. Ansonsten sind die ganzen Überlegungen praktisch wenig hilfreich). Vielen herzlichen Dank vorab. Beste Grüße c.v.ende
Sehr geehrter Herr von Ende, zuerst einmal freue ich mich zu hören, dass Ihnen der Vortrag gefallen hat. Nun zu Ihren Fragen: Das Problem der Eurobonds ist, dass die nationale Verantwortung für eine solide Haushaltsführung und Verschuldungspolitik weiter geschwächt werden würde. In der Folge würde mit der Einführung von Eurobonds den Ländern der Peripherie ihre unsolide Haushalts- und Verschuldungspolitik vereinfacht, indem ihnen die Zinskosten für exzessive Politiken subventioniert würden und die Bürde der Rückzahlung übermäßiger Schulden durch Haftung der solideren Länder abgenommen werden würde. Die übermäßige Verschuldung wird entweder zu einem Auseinanderbrechen des Euro und von neuem zu entsprechenden Zinsspreizungen oder zu einer Transferunion führen. Die Graphik, die ja bloß spekulativ gemeint war, bezieht sich auf das erste Szenarium. Zu Ihrer zweiten Frage: Wie Sie selber feststellen, ist es nicht meine Aufgabe mich zu Anlage- und Vermögensfragen zu äußern. Aber ich denke, man tut gut, reale Dinge wie Aktien oder Immobilien zu kaufen. Am besten das, was man in zwanzig Jahren selbst benötigt. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich vermute, mein Kommentar zu Ihrem Vortrag war wegen seiner Kürze unklar. Hier kommt die längere Version: Zu Ihren Ausführungen zu den wachsenden Forderungen der Bundesbank gegenüber dem Eurosystem finde ich erheblich (und eben bedenklich), dass Deutschland diese Forderungen sicherer und vorteilhafter findet als andere Forderungen im Euro-Ausland. Niemand hindert ja die Deutschen, Anleihen oder Aktien im Ausland zu erwerben. Kann die Bundesbank die bedeutenden akkumulierten Forderungen gegenüber der EZB nicht in anderer Form anlegen? Wenn sie das kann (d.h. ihr nicht verboten ist), dann könnte sie beispielsweise ausländische Anleihen kaufen. Es ist gerade der Umstand, dass die Bundesbank und ebenso die deutschen Anleger daran kein Interesse haben (weil die Risiken der Anlagen der Peripherie zu hoch sind), die auf den Kern des Problems hinweist. Die Peripherie drängt aus ihren riskanten Staatspapieren und Bankeinlagen (riskant besonders wenn der Euro kippt) in die noch sicheren Staatspapiere oder Bankeinlagen des Eurozentrums. Der Preismechanismus aber equilibriert diesen Prozess aus verschiedenen Gründen nicht (oder nicht mehr). Ein Grund besteht darin, dass eine weitere Zinskorrektur beispielsweise in Deutschland nach unten nicht möglich ist, und wir uns deshalb wohl in einer Ecklösung befinden. In dieser Situation sind alle (auch die Deutschen und damit sind besonders auch die Privaten gemeint) tendenziell nur noch an Forderungen gegenüber dem Zentrum interessiert. Dieser Prozess läuft daher nicht mehr über eine Anpassung der Preise und Renditen sondern über eine von der EZB generierte Mengenzunahme, d.h. über eine Vermehrung der Forderungen gegenüber dem Zentrum. Diese Mengenzunahme zeigt sich dann in der im Vortrag von Herrn Sinn beschriebenen, sehr bedenklichen, Expansion der Bundesbankforderungen. Der Mechanismus der EZB führt damit gegenwärtig dazu, dass eine für viele unerwünschte Portfolio-Zusammensetzung statt über eine Anpassungen der Renditen über eine Veränderungen des Angebotes (von Geld und Assets) zustande kommt. Dieser Prozess kommt dann an sein vorläufiges Ende, wenn die Peripherie ihre unerwünschten Assets veräußert hat, und die Assets des Zentrums einerseits genügend zugenommen und andererseits an Bonität eingebüßt haben. Dies ist dann ein Zustand der gleichgewichtigen, wenn auch nicht gerechten, aufs Gesamtkollektiv verteilten Ausfallrisiken. Von diesem Zustand des kollektivierten Risikos - Eurobonds braucht es dazu offensichtlich gar nicht - mag dann die Geldpolitik eine Umkehr versuchen. Mit freundlichen Grüßen Prof. Dr. Tobias F. Rötheli
Sehr geehrter Herr Rötheli, die Bundesbank kann natürlich Schulden bei den deutschen Banken aufnehmen und mit dem Geld ausländische Papiere kaufen. Dann gehen die Target-Salden möglicherweise wieder zurück, nämlich dann, wenn die Ausländer die Verkaufserlöse nicht ihrerseits für den Kauf deutscher Wertpapiere verwenden. (Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, weil die Bundesbankaktion die ausländischen Wertpapiere teurer, die deutschen also vergleichsweise billiger macht.) Aber auch dann hätten wir insofern ein Problem, als die Bundesbank nur den einen öffentlichen Kapitalexport durch den anderen ersetzt und die Märkte immer noch verfälscht. Mit freundlichem Gruß zum Weihnachtsfest Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, meine etwas ungehaltene Mail an den DGB möchte ich Ihnen zur Kenntnis geben und Ihnen gleichzeitig danken für den ifo-Schnelldienst 16/2011, Ihre Hartnäckigkeit in Sachen Target2 und die "16 Wege aus der Krise". Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Sehr geehrte Damen und Herren, der große Philanthrop und kleine Spekulant George Soros wird sich freuen, so prominente Unterstützung zu erfahren, noch dazu aus einer Richtung, von der er es sicher nicht erwartet hätte. Auch der Dank der insolventen internationalen Banken, unter ihnen alle großen amerikanischen, wird ihnen gewiss sein. Die warten nämlich schon lange darauf, endlich ihre Bilanzen einschließlich des Derivate-Kartenhauses auf Kosten der EZB und damit des europäischen Steuerzahlers bereinigen zu können. Der ausstehende Nominalwert am Markt für Credit-Default-Swaps (CDS) beträgt immerhin noch stattliche $ 32 Bio. US-Dollar (2007 58 Bio.,Quelle: BIZ Deswegen fordern sie wie der DGB: „Wir fordern deshalb vor allem die deutsche Bundesregierung auf, die Schlüsselrolle der EZB als Kreditgeber der letzten Instanz und die Einführung von Eurobonds nicht länger blockieren.....Deshalb muss die EZB nicht nur gegenüber den Banken, sondern Staaten als Kreditgeber der letzten Instanz (Lender of Last Resort) fungieren und ausreichend Liquidität bereitstellen.“ Wenn der vorgeblich geballte Sachverstand der deutschen Gewerkschaften einen derartigen Unfug gebiert, ist das schon peinlich genug. Noch peinlicher wird es jedoch, wenn man sich ausgerechnet vom Council on Foreign Relations erklären lassen muss, warum die EZB die Rolle nicht spielen kann, wie die Fed oder die Bank of England: weil sie keine Zentralbank wie jene ist, sondern ein föderatives Konstrukt mit staatlichen Notenbanken als Anteilseigner, der das Entscheidende für die von Ihnen vorgeschlagene Rolle fehlt: “Unlike the Fed, the ECB has no nation behind it which considers it central to its nationhood.” Die USA haben die Bedingung für eine solche Rolle in ihre Verfassung geschrieben: full faith and credit of the United States (Artikel 4, Abschnitt 1) Die Sache wird übrigens nicht besser, wenn SPD, Grüne und Linke in dasselbe Horn blasen. Wer das Internet allerdings ein wenig durchforste, dem wird schnell klar, warum es diese Übereinstimmung gibt: Referenten-Inzucht. Mit freundlichen Grüßen Jochen Scholz Berlin
Sehr geehrter Herr Scholz, haben Sie vielen Dank für Ihre Nachricht und die beigefügten Informationen. Ich freue mich über Ihre Unterstützung und Ihr Engagement. Den immer wieder gleichen Referenten, auf die sich die Linken stützen, könnte man entgegen halten: Si tacuisses, philosophus manisses. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 25.11.2011) Angenommen es kommt zu einem Euro-Austritt von Irland, Griechenland und Portugal: Dann würden die TARGET2-Forderungen in der Buba Bilanz reduziert/abgeschrieben werden. Entsprechend muss auch die Passivseite der Bilanz gekürzt werden. Da das Eigenkapital lediglich € 5 Mrd. beträgt und und eher einen symbolischen Wert hat, müsste doch entsprechend das „Fremdkapital“, also die Geldbasis verringert werden. Das wiederum hätte dann eine stark deflationäre Wirkung aufs deutsche Bankensystem und entsprechend auch auf die Wirtschaftsleistung. Oder wie beurteilen Sie das? Mit freundlichen Grüßen Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, wenn die Länder austreten, bleiben die Forderungen gegen sie erhalten. Etwas anderes ist es, wenn sie pleite sind und auch die Papiere, die zur Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte eingereicht wurden, wertlos werden. Dann muss die EZB ihre Forderungen gegen diese Länder abschreiben. Davon trägt die Bundesbank ihren Kapitalanteil plus der anteiligen Aufstockung des Anteils durch den Wegfall dieser Länder. Auf die Forderungen der Bundesbank selbst kommt es dabei nicht unmittelbar an. Diese Forderungen stehen erst im Risiko, wenn der Euro zerbricht, weil wir dann eine Forderung gegen eine Institution haben, die es nicht mehr gibt. Man wird dann verhandeln müssen, welchen Anteil der Forderungen die anderen noch bedienen werden. Das Eigenkapital der Bundesbank beträgt übrigens inklusive der Rücklagen 132,1 Mrd. Euro, nicht 5 Milliarden Euro. Der "Ausgleichsposten aus Neubewertung" in der Bilanz, der ein Volumen von 127,1 Mrd. Euro hat, enthält unter anderem die Goldbestände. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, normalerweise wählen wir Bürger doch unsere Politiker, damit diese unsere Interessen, so wie bei den Wahlen versprochen, vertreten. Was wir nach den Wahlen immer erleben ist, dass sie es nicht tun. Gierige Banken und deren Banker haben uns die Finanzkrisen eingebrockt, wurden mit Steuergeldern gerettet und machen straffrei lustig weiter. Zuerst wurden unsere Steuergelder für Prämien veruntreut. Kann man gegen diese miesen Machenschaften wirklich nichts unternehmen - man kommt sich richtig ohnmächtig vor. Bitte machen Sie weiter so. Schöne Weihnachten Mit "winterlichen" Grüßen aus Hamburg
Sehr geehrter Herr S., ich kann Ihre Besorgnis auch gut verstehen. Aber die Gier der Banken und Manager ist es nicht, die uns da hinein geritten hat, sondern die fehlende Zügelung des Gewinnstrebens. Dass Menschen nach Geld streben, liegt in der Natur unseres Wesens, nicht immer ein schöner Zug, keine Frage, wohl aber einer, den man überall sieht. Es kommt darauf an, den Egoismus durch ein klug gestaltetes Wirtschaftssystem zur produktiven Entfaltung zu bringen. Das ist offenbar im Bankenbereich ganz und gar nicht gelungen. Deswegen bin ich im Endeffekt bei Ihnen. Ich würde die Sache nur von der persönlichen Seite auf die sachliche schieben. Wenn Sie das interessiert, lesen Sie bitte mein Buch Kasino-Kapitalismus. Dann werden Sie mich verstehen. Ich wünsche auch Ihnen frohe Weihnachten. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, auch aus unserer Familie ein herzliches Dankeschön für Ihre (wie im Forum schon benannt) analytisch brillianten, direkt auf den Punkt gebrachten Vorträge, Bücher und anderen Lesestoffe. Es ist ja auch der Ton Ihrer Sprache, der so angenehm ist, niemals verletzend, herabwürdigend oder mit Schlagwörtern belastet, sondern immer besonnen, sachlich, verbindlich. Auch wenn die Materie schwierig ist, wir freuen uns schon auf neue Wortmeldungen.M.f.G.
Sehr geehrter Frau F., ich habe mich sehr über Ihre netten Worte gefreut! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Sie haben Auszuführungen zu den disziplinierenden Wirkungen der Staats-Insolvenz gemacht. Ich hoffe, ich habe die Information nicht übersehen, aber ich suche Literaturangaben zu den Insolvenzen im US-Raum (Bundesstaaten/ Counties), auf die Sie rekurriert haben. Wenn ich Sie dazu um Quellenangaben bitten darf? mfg - H.
Sehr geehrter Herr H., in meinem Buch „Kasino-Kapitalismus“ können Sie Angaben zur USA finden. Wenn Sie Zahlen zur amerikanischen Staatsverschuldung suchen, dann empfehle ich Ihnen die Internetseite der US-Regierung: http://www.usa.gov/Topics/Reference-Shelf/Data.shtml. Speziell zu den Insolvenzen empfehle ich: Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2010), Growth in a Time of Debt, NBER Working Paper No. 15639. Reinhart C.M. und K.S. Rogoff (2009), This Time is Different, Princeton University Press, Princeton. Reinhart C. M. (2002), »Default, Currency Crises and Sovereign Credit Ratings«, NBER Working Paper 8738. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen ein gutes Neues Jahr 2012 und viel Erfolg die wahren ökonomischen Zusammenhänge zu erläutern, wie Sie das auch im letzten Jahr in gewohnt brillanter Manier verstanden haben. Traurig und besorgniserregend stimmt leider die Entwicklung in Richtung einer Transferunion, welche sich in Europa derzeit vollzieht. Viele Politiker, Journalisten und auch manche Volkswirte scheinen die entscheidenden Zusammenhänge nicht wirklich zu verstehen. Auch Helmut Schmidt bildet da leider keine Ausnahme. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, haben Sie vielen Dank für Ihre Stellungnahme. Mit freundlichem Gruß zum neuen Jahr Hans-Werner Sinn
Hallo Professor Sinn, Erstmal Ihnen und den Ifo-Institut vielen Dank, es ist immer informativ hier zu lesen. Ich möchte hier nunmal einen Gedanken, den ich seid Jahren habe anbringen und Sie um eine Stellungnahme dazu bitten. Kann die Europäische Union nach derzeitigen Verstädnis überhaupt Zukunftsträchtig sein? Konkreter möchte ich damit auf die einzelnen Nationstaaten anspielen und deren unterschiedlichen Ausrichtungen der wirtschaftlichen Schwerpunkte. Kann eine Gemeinschaftwährung überhaupt die Interessen und wirtschaftlichen Schwerpunkte der Nationalstaaten wahren? Ich denke nicht! Meines Erachtens reicht es eben nicht aus eine gemeinsame Währung zu haben, vorab hätte die Wirtschaft einzehlner Staaten nach ihren produktivsten Segmenten gefördert werden müssen. Desweitern hätte es einen "Wir" Verstädnisses gebraucht um eine "Ausnutzung" von solventen Staaten durch weniger solvente Staaten zu verhindern. Der nationale Gedanke der einzeln Staaten verursacht zwangsläufig das durchsetzten eigener nationalen Interesen zu Ungunsten der Gemeinschaft. Hierbei fallen wir einige Analogien zu der Eingliederung der DDR in die BRD auf. Aus menschlicher Sicht ist es gut und nachvollziehbar gewesen, nach meinen ökonomischen Verständnis war es ein Fehler. Konkreter war der Fehler darin, dass die Politik völlig überhastet versuchte einen nach Planwirtschaft ausgelegten Staat in eine Marktwirtschaft zu integrieren. Wirtschaftliche Effektivtäten könnten in der DDR zu den Zeitpunkt überhaupt nicht bekannt gewesen sein können, folglich erlebten wir den "wirtschaftlichen Zusammenbruch" der DDR, der den Haushalt der BRD noch heut und viel mehr damals massiv belastete und der den Wirtschaftstandort der DDR auf sehr lange Sicht schadete. Ähnlich erachte ich es mit der Europäischen Union, am Ende werden alle verlieren. Was meinen Sie dazu? Herzlichen Dank
Sehr geehrter Herr S., haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Sie haben sicherlich Recht mit Ihrer Ansicht, dass die Einführung einer gemeinsamen Währung etwas übereilt war. Sicherlich sind so Fehler bei der Ausgestaltung gewisser Regulierungen gemacht worden. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Implementierung des Target-Systems hätte eher nach amerikanischem Vorbild erfolgen sollen, wonach negative Salden jedes Jahr im April durch goldgedeckte Wertpapiere oder andere marktfähige, normal verzinste Wertpapiere bezahlt werden. Mehr zum Thema „Target-Salden“ finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/link/Target. Trotz aller Schwierigkeiten glaube ich allerdings weiterhin, dass der Euro überleben wird. Was ich allerdings einräumen muss, ist, dass die Währungsunion sich verkleinern könnte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Entsetzen verfolge ich seit ihrem ersten Artikel zur Target-Krise die Entwicklung der Zahlungsbilanzkrise, und ich finde ihre Vorträge, die Sie dankenswerterweise in der Mediathek des ifo-Institutes bereitstellen, sehr erhellend. In den zwei Stunden eines Vortrages mit Ihnen lernt man mehr über die Euro-Krise und ihre Ursachen als man von allen Politikern und Talkshows bisher erfahren konnte. Nun frage ich mich nur: Sind unseren Politikern diese von Ihnen so schlüssig vorgetragenen Informationen eigentlich bekannt? Wäre es nicht eine gute Idee, z.B. den Vortrag vom 19.12.2011 auf DVD zu brennen und an jeden Bundestagsabgeordneten zu schicken? So bestünde wenigstens eine kleine Chance, dass die Politik aufwacht (wenn sie denn überhaupt aufwachen will). Auf jeden Fall: Vielen Dank für Ihre unermüdliche Arbeit. Beste Grüße, M.Z.
Sehr geehrter Herr Z., haben Sie vielen Dank für Ihre netten Worte. Ich kann Ihnen versichern, dass unseren Politikern die Target-Problematik bekannt sein sollte. Eine Initiative der ifo-Freundesgesellschaft und des Vorstands des ifo Instituts hat am 07. Dezember zur Bogenberger Erklärung geführt, die den Politikern vorgelegt wurde. Die Bogenberger Erklärung finden Sie auf der ifo Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoContent/N/pr/pr-PDFs/ifo_2011_bogenberger_erklaerung.pdf. Über Ihren Vorschlag mit der DVD denke ich nach. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, Sie sind dafür Bekannt, dass Sie die Wahrheit sagen (analystisch brilliant, direkt auf den Punkt). In den vergangenen Jahren empfand ich Ihre Analysen häufig sehr drastisch, weil Sie auf die Arbeitnehmerschaft gezielt war; im Nachhinein haben Sie aber Recht! Darf ich Sie um folgendes Bitten? Vor einiger Zeit habe ich versucht aus dem Finanzministerium folgende Infos zu erhalten: 1. Bisherige Kosten der Bankenrettung aus 2008 für sämtliche Institute in D-Land über folgende Vehikel: -Soffin - verdeckte Rettung durch kostenlose Dienste des Staates (Zinslosigkeit der Beteiligungen etc. etc.), - verdeckte Finanzierungen über die KFW - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften usw. Eben ALLES, was die menschliche Fantasie der Gestaltung so hergibt. 2. Exakte Höhe der zurzeit noch bestehenden Garantien (inkl. Angabe für welche Institute) 3. Wie hoch ist der Betrag der schon jetzt als uneinbringlich in die Bundesschulden übernommen worden ist? Zur Südflankenrettung inkl. Irland: 1. Wie hoch ist der Aufwand für unser Land hierfür? Auch hier ALLES, was die menschliche Gestaltungskraft zulässt: - Liquiditätsaufwand sowie Haftungsvolumen für den ESEF? Gehört habe ich von 211 Mrd. Euro an Garantien sowie 21 Mrd. Euro an Bareinlage... ist das richtig?) - Target-Kredite sowie alle sonstigen Kredite der Bundesbank (egal wie es genannt wird) (gehört habe ich hier etwas von einem Betrag von 450 Mrd. Euro.. ist das richtig?) - andere (vielleicht verdeckte) Bundesbankfinanzierungen - verdeckte Finanzierungen über die KfW sowie andere staatsnahe Banken - Schattenhaushalte - Zweckgesellschaften - Aufkauf von Staatspapieren der EZB (inkl. Haftungs-Prozentanteil von D-Land) Eben ALLES, was die menschliche Fantasie an Gestaltungsmöglichkeiten so hergibt 2. Wie ist das, wenn ein Staat (z.B. jetzt Italien) schwächelt: übernehmen dann die anderen Staaten im Rahmen der gesamtschuld- nerischen Haftung den Anteil (im negativen Sinne automatisch)? Leider bekomme ich von dort keine Antwort. Das eigene Volk (das es bezahlen soll) scheint hier nur zu stören; es ist nicht mal eine Antwort wert. 3. An der EZB-Spitze ist Herr Draghi. Er kann nicht vergessen, dass er Italiener ist. In jünster Zeit wurden große Volumina an italienischen Staatspapieren aufgekauft. DIES ENTSPRICHT NICHT DEN EURO-VERTRÄGEN! Wie ich oben bereits schrieb gehen Sie gerne direkt auf den Kern der Wahrheit zu (gratuliere nochmals). SIND SIE BEREIT VOR DEM EUGH GEGEN DIESEN VERTRAGSVERSTOß ZU KLAGEN? Aus dem Impressum ersehe ich, dass das IFO-Institut ein e.V. ist - also staatsfern. WARUM NIMMT DAS DIE GANZE WIRTSCHAFTSELITE HIN, DASS SO EKLATANT GEGEN VERTRÄGE VERSTOSSEN WIRD? Wenn das EU-Gebiet in gleicher Weise ideoligisch oder militärisch bedroht werden würde wären diese Herrschaften doch sehr schnell auf dem Plan! 4. Der Euro nützt unserer Wirtschaft (nicht den Arbeitnehmern) durch einen realtiv schwachen Euro-Kurs. Die Gewinne steigen stetig, lt. FAZ sinken die Einkommen weiter. Die Entwicklung der Höhe des Rentenpunktes 2009 zu 2010 zeigt dies deutlich. Der kleine Mann hat also nicht sehr viel vom Euro. Der Presse entnehme ich, dass -falls wir die DM wieder einführen würden- eine Aufwertung von ca. 40 % erfahren könnten. Aber da unser Land auch Rohprodukte, Halbfertigwaren etc. einführt wäre diese Aufwertung entspannter zu sehen. FRAGE: WIE TEUER WÄRE DANN ENGERGIE IM LANDE? Leider habe ich keinen Fahrzeugpool oder keinen Dienstwagen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich an der Tankstelle für die schwachen Südländer kräftig zahle. Um wieviel Cent wäre ein Liter Superbenzin und Diesel an der Tankstelle? 5. Warum wird jetzt ausgeblendet, dass Bürger unseres Landes in der Vergangenheit schon kräftig bezahlt haben? Das Sozialsystem wurde "angepasst" z.B. durch den demografischen Faktor, Kürzungen in verschiedenen anderen Bereichen. 6. Wenn der Sozialbereich gekürzt wird fallen immer Worte wie - zukunftsfähig machen - Generationengerechtigkeit, - Wettbewerbsfähigkeit erhalten, - Zukunftsbelastungen tragbar gesalten Wenn es um die viel höheren Belastungen der Südflanken- und Irlandrettung handelt scheinen die Belastungen die jetzt aufgeladen werden einfach vergessen! Diese Belastungen scheinen Lust und nicht Last zu sein?!?!? Lösen sich diese Belastungen in Kürze in Luft auf - oder wird dadurch auch die Zukunft belastet? Wie erscheinen in Ihren Augen die Dinge wenn das eigene Volk wegen des Sozialsystems an die kurze Leine kommt, das eigene Volk aber für die Rettung anderer Völker kräftig bezahlen soll? 7. Ist das nicht wunderbar? Die Menschen die Folgendes Erfahren: - Einkommenskürzungen - Zeitverträge - raus aus festen Verträgen, rein in betriebseigene Zeitarbeitsfirmen - usw. usw. haben den größten Kosten-Einsparapparat entdeckt: keine Kinder mehr! Kinder kosten nun einmal Geld. Bei zunehmenden Zeit- verträgen (bei guter Gewinnlage der Firmen) kann man sich Kinder leider nicht leisten. Alleine in NRW werden nächsten Jahr 300 Grundschulen wegen Kindermangel geschlossen (es wären 360 gewesen, wenn nicht in manchen Bereichen kleinere Klassen akzeptiert würden). Aufgrund unserer komplizierten Sprache stehen die qualifizierten Zuwanderer nicht vor der Tür (gehen lieber in Länder des angelsächsischen Sprachraumes). Hat das Unternehmerlager hier nicht selber die Verantwortung zu tragen? Soll der Steuerzahler auch noch die Qualifikationsmaßnahmen für schwache Schüler tragen - oder tragen die Unternehmer hier mal Verantwortung? Sehr geehrter Herr Sinn, dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir meine Fragen beantworten würden.
Sehr geehrter Herr D., die Anerkennung, die Sie mir aussprechen, freut mich sehr. Anhand der zahlreichen Fragen, die Sie mir stellen, ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit dem wirtschaftlichen Geschehen auseinandersetzen. Ich schätze ein solches Engagement sehr. Allerdings kann ich aus Zeitgründen nicht auf alle Ihre Fragen eingehen. Das artet in Arbeit aus, die wir normalerweise in Form bezahlter Gutachten machen würden. Deshalb hier nur Teilantworten. Laut Eurostat kostet die Rettung von Hypo Real Estate, Commerzbank, IKB und mehreren Landesbanken dem deutschen Steuerzahler bisher 38,9 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Banken waren es, die sich mit toxischen verbrieften Wertpapieren und Problemkrediten vollgesogen hatten: IKB, Hypo Real Estate, Dresdner Bank, Sachsen LB, Bayern LB, HSH Nordbank. Sie mussten von Bund und Ländern mit Milliarden gestützt werden. Der bundeseigene Rettungsfonds Soffin zahlte etwa der Commerzbank, die in der Krise die Dresdner Bank übernahm, 18,2 Milliarden Euro; einen großen Teil davon hat das Institut in diesem Sommer zurückgegeben. Die Hypo Real Estate und ihre abgespaltene Abwicklungsbank wurden vom Soffin mit knapp zehn Milliarden Euro gestützt, die WestLB erhielt drei Milliarden Euro. Wie die 38,9 Milliarden Euro für den deutschen Steuerzahler im Einzelnen zustande kommen, ist schwer nachzuvollziehen. Eurostat verbucht Kapitalhilfen, Garantien, Zinsen und Rückzahlungen in einem komplizierten Prozess in den einzelnen Staatshaushalten. Das deutsche Defizit ist deshalb so hoch, weil das Statistische Bundesamt Anfang September einen großen Posten bei der Hypo Real Estate verbuchte. Der Bund übernahm beim Übergang auf die Abwicklungsbank Verluste, die mit 22,3 Milliarden Euro zu Buche schlugen. Ohne diesen Posten hätte die Bankenrettung in Deutschland 17,6 Milliarden Euro gekostet. Allerdings könnte dies nur die Spitze des Eisbergs sein, denn immerhin hat der Staat den Banken letztes Jahr für ca. 240 Mrd. Euro toxische Papiere gegen Staatspapiere eingetauscht. Dadurch stieg die Staatsschuld von 75% auf 83% des BIP. Zusammen mit dem ersten Rettungspaket für Griechenland, den Traget-Krediten der EZB in die peripheren Länder, den Anleiherückkäufen der EZB, der Hilfe durch den IWF und dem ESFM kommt ein Hilfsvolumen der Staatengemeinschaft von 1846 Mrd. Euro zustande. Deutschland müsse bei einem Ausfall der Länder Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien daraus eine Haftung von 580 Mrd. Euro übernehmen. Anhand des Anstiegs der Versicherungsprämie gegen deutschen Konkurs ist ersichtlich, dass Deutschland mit seiner Beteiligung an den Rettungsaktionen dabei ist seine Bonität zu verspielen (siehe ifo Pressemitteilung vom 27.9.: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/e-pr/e1pz/_generic_pre ss_item_detail?p_itemid=16690430). Die Auslandsposition der Deutschen Bundesbank beläuft sich derzeit auf ein Volumen von ca. 450 Mrd. Euro. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn! Zunächst: Hochachtung für Ihre Leistung, das kann überhaupt nicht oft genug betont werden! Meine Frage: Sie betonen immer wieder, ein Hauptproblem ist die "demokratische" Abstimmungsregel der EZB. In Ihrem Arbeitspapier mit Wollmershäuser (fig.1) sollte es aber eigentlich eine Mehrheit von Ländern geben, die letztlich mit ihren Anteilen für die Kredite an die PIGS haften (auf den ersten Blick Deutschland, NL, Finnland, Luxemburg, Estland, Malta, Slovenien, Zypern, Slowakei, Österreich). Warum stimmen die gegen die Interessen der Haftenden ab, wenn sie letztlich selbst dazugehören?
Sehr geehrte Frau P., angehängt (Diagramme Target-Salden und Haftungssummen) finden Sie den aktuellen Stand der Salden. Sie sehen, dass eine Reihe der von Ihnen genannten Länder, auch Österreich, Target-Kreditnehmer sind. Forderungen haben eigentlich nur Deutschland und die Niederlande. Luxemburg hat relativ zur Landesgröße auch große Forderungen, aber Luxemburg ist ein Bankplatz, der mich immer stärker an Island erinnert. Für die ist Unsicherheit Gift. Die Frage ist, warum sich die Bundesbank und Holland nicht sträuben. Die stelle ich mir auch. Fest steht, dass die Bundesbank, als wir die Sache aufbrachten, auf dem falschen Fuße erwischt wurde, weil sie überhaupt nicht wusste, was sich hinter den Target-Salden verbirgt. Man reagierte mit Statements, die ziemlich daneben lagen (z.B.: irrelavante Salden, die sich im Euroraum aufheben). Ich habe den Eindruck, dass die Bundesbank die Problematik mittlerweile verstanden hat und die die Sache ernst nimmt. Unter Weidmann habe ich keine beschwichtigenden Statements zu Target mehr gehört. Allerdings wäre eine öffentliche Kritik an der Art, wie die Target-Salden verrechnet werden, schon ein riesiger Schritt von politischer Dimension. Die Bundesbank hat aber stets gegen die Aufkäufe von Staatsschulden der Südländer votiert und wurde regelmäßig überstimmt. Das finde ich schon problematisch. Immerhin sollte doch die EZB nach dem Modell der Bundesbank konstruiert sein. So hieß es damals doch immer. Das ist sie offenkundig nicht. Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr. Ihr Hans-Werner Sinn
Target loans NBER papers Dear Professor Sinn, as a researcher, as a European citizen and as a holder of significant euro savings, I have read your highly topical paper with great interest. As you described the working of the TARGET Balances, my first reaction was that this system shows great similarities with the defunct transferable rouble (TR). TR was created as pseudo-money, as an accounting unit of the Comecon central bank. It was long time ago, but I am sure that you remember the basic story. The CMEA member countries were, theroretically, expected to run balanced trade with each other only at the aggregate level. In reality, the trade balances had to be achieved at the bilateral level, because the surplus claims in country 'A' on country 'B' were not transferable into the trade with country 'C'. The TR was de fact not transferable at all. This led, in turn, to two consequences: (i) bilateral trade was materialized at the lowest level, as given by the export capability of the weaker country; (ii) Surplus countries preferred to use convertible currency as a means of exchange, because the convertible currency surplus was real money. If I understood your paper correctly, the problem is the same with the TARGET surpluses: BuBa cannot make any good use of the accumulated claims. The problem can be even catastrophic, if it the euro-zone falls apart and nobody is willing to convert the surplus back to DM. Kind regards,
Dear Prof. M., Thank you very much for your insightful comments. It is very interesting to compare the Target balances with the transferable ruble. There is one difference though: Not even bilateral trade needs to be balanced. Germans can work for decades and accumulate Target claims against their Eurozone trading partners without ever getting anything in exchange. For a while I thought that there would be natural boundary when the total stock of money balances has been issued by the GIIPS. But there isn't. They can continue printing the money, buy goods and assets in Germany, and the Bundesbank just puts the money in the shredding machine after absorbing the liquidity from the market by borrowing from the banks. It has already become a net borrower. And you are right, if the euro collapses, these are claims against a non-existing system. Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, nachstehend mein Statement, dass ich am 3.12.2011 an die Mitglieder unserer Interessengemeinschaft Zukunftsfähigkeit geschickt habe zur Kenntnis. Beste Grüsse, S. Hildebrandt Hallo an die Interessengemeinschaft, man muss es immer wiederholen und wo immer bekannt machen: Das jetzt laufende Vorspiel mit den Vertragsänderungen (die von der Politik wiederum mit einer alternativlosen Begründung gebrochen werden können) wird in den nächsten Wochen mit einem Feuer frei für den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) über die bisherige Summe von 200 Mrd. Euro hinaus enden. Das hierin liegende Inflationsrisiko wird von der Politik in Kauf genommen. Allein bis April 2012 werden Staatsanleihen von Frankreich, Italien und Spanien von 425 Mrd. Euro fällig, für deren Rückzahlung diese Länder neues Geld brauchen. Die EZB kauft Staatsanleihen, die mit dem Risiko belastet sind, dass sie nicht in voller Höhe zurückgezahlt werden können. Wenn dieses Risiko eintritt, wird die EZB einen Verlust erleiden. Deutschland ist mit 27,1 % an der EZB beteiligt. Über die hier liegende Gefahr für den Bundeshaushalt hüllt die Politik den Mantel des Schweigens. Wenn die EZB nicht zur "grössten Bad-Bank aller Zeiten" verkommen will, wird sie zur Abwendung des Vertrauensschadens eine Kapitalerhöhung beschliessen müssen. Die Rekapitalisierung muss dann durch die Bundesbank erfolgen und führt zu einer Verringerung der Gewinnauschüttung an den Bundeshaushalt. Wenn dies nicht ausreicht, wird die Bundesbank die Verlustabdeckung an den Bundeshaushalt weiterleiten. Ergebnis: Defizitwirksame Ausgabe aus dem Bundeshaushalt, Erhöhung der Neuverschuldung und der Gesamtverschuldung des Bundes. Das ist die Geburtsstunde der Transferzahlungen an die wirtschaftlich schwachen Euro-Länder. Beste Grüsse Siegfried Hildebrandt www.zeitbombe-staatsverschuldung.de www.vereinigtes-europa.info
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, haben Sie vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich finde Ihr Engagement über die Gefahren der Staatsverschuldung und der Europäischen Schuldenkrise aufzuklären nach wie vor sehr ehrenwert. Ich kann Ihrer Empörung nur zustimmen. Wir müssen alles unternehmen, um zu verhindern, dass Europa eine Union wird, die die Schulden sozialisiert. Ich wünsche Ihnen für Ihre Initiative weiterhin viel Erfolg! Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich möchte die Einführung von "selbst-stabilisierenden" Anleihen vorschlagen. Sie funktionieren wie Vorzugsaktien und enthalten eine Kombination von: - einem akzeptablen "BasisZins" (bspw. Italien 4,5 %), - dem "Stabilitätsversprechen", dass sich die öffentliche Verschuldung während der Laufzeit (bspw. 5 Jahre) auf einem bestimmten Konsolidierungspfad bewegt (Defizit bspw. im ersten Jahr 4%, im zweiten Jahr 3,5%, ... im letzten Jahr 1,5%) der u.U. noch einen Inflationsfaktor enthält (d.h. bei bspw. über 3 % Preissteigerung kann die Verschuldung entsprechend höher sein) und - einer variablen Kompensationszahlung in Form eines "Ausgleichszinses" für den Fall, dass das - bspw. vom IWF zu überprüfende - Stabilitätsversprechen nicht eingehalten wird (in Höhe von bspw. dem Dreifachen der Differenz zwischen dem Soll-Defizit laut Stabilitätsversprechen und Ist-Defizit laut IWF), zu einem festzusetzenden Stichtag. Liegt das Defizit bspw. im zweiten Jahr bei 5% der im Stabilitätsversprechen zugesagten 3,5% so beträgt der zu zahlende Zinssatz 4,5% + 3 x 1,5% = 9%. Der Sinn der Regel ist, dass die Investoren davon überzeugt werden, dass das anleihebegebende Land aus elementarem Eigeninteresse sein Stabilitätsversprechen einhalten muss. Natürlich kann die Handelbarkeit solcher Aktien erschwert sein, weil der Zinssatz lange ungewiss ist. Aber das ist ähnlich wie bei der Dividende. Ich denke, der Markt wird das einschätzen können. Mit besten Grüßen von Eichborn
Sehr geehrter Herr von Eichborn, toller Vorschlag. Fast eine Art „Ei des Kolumbus“! Haben Sie vielen Dank für die Idee einer "selbst-stabilisierenden Anleihe". Zusammen mit meinen Kollegen der European Advisory Group habe ich ebenfalls einen Vorschlag vorgelegt. Sie können ihn unter http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport nachlesen. Aber die Vorschläge stehen nicht im Widerspruch zueinander. Sie sollten Ihre Ideen in Form eines längeren Textes aufschreiben. Ich kann mir vorstellen, dass Frau Dr. Jennewein für den ifo Schnelldienst Interesse daran hätte. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung des Beitrags vom 16.11. von Herrn Baumann) Sehr geehrter Herr Sinn, das tun sie doch. Nach heutigem Stand weisen die GIPS-Länder zusammen mit Italien Target-Verbindlichkeiten in Höhe von 404 Mrd. Euro auf. Der irische Bauer aus meinem Artikel in der FAZ, auf den Sie anspielen, wird ja bedient, indem seine Notenbank den Target-Kredit aufnimmt, mit Hilfe dessen er zusätzliches Geld druckt, und dann über die Banken verleiht. Ich habe mich falsch ausgedrueckt, oder mir fehlt Grundlegendes. Nicht Privatkredite meinte ich sondern Kredite, die der Staat aufnimmt zur Bedienung der Staatsschulden, Staatsanleihen. Nach meinem Wissen muss etwa Italien fuer Staatsanleihen zwischen 5 und 8% Zinsen zahlen. Target-Kredite sind - so vermute ich - erheblich billiger. Warum nimmt Italien seine Staatsanleihen nicht als Target-Kredite auf? Dito fuer Griechenland, Irland, Spanien, Portugal. MfG Tilo Baumann, PS: Im Falle grundlegenden Unverstaendnisses bin ich fuer einen Link auf Erhellendes in Ihren Seiten oder denen Anderer dankbar.
Sehr geehrter Herr Baumann, hinter den Target-Krediten steht keine autonome Politikentscheidung der Bundesbank und kein direkter Geldverleih. Nach den Statuten der EZB hat jede Zentralbank das Recht, mehr Geld in ihrem Hoheitsgebiet zu schaffen und an die Banken zu verleihen, als es der jeweiligen Wirtschaftsleistung entspricht und als im Inneren des Landes für die Geldversorgung benötigt wird. Nimmt sie dieses Recht in Anspruch, zwingt sie die anderen Notenbanken, in diesem Fall vornehmlich die Bundesbank, die Geldversorgung einzuschränken. Dafür erhält die Bundesbank eine Kreditforderung gegen die EZB, und die EZB entsprechend eine gegen die jeweilige nationale Notenbank, die das zusätzliche Geld schafft. Es handelt sich wirtschaftlich um eine Kreditvergabe der Bundesbank über die EZB an die anderen Notenbanken, und unter Berücksichtigung der Eigentümerstruktur der nationalen Notenbanken letztlich um einen Staatskredit Deutschlands an die Krisenländer. Der Kredit dient einerseits dazu, die enormen Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer weiter zu finanzieren, obwohl sich das private Kapital verweigert, und andererseits der Kompensation von Kapitalflucht und Kapitalrepatriierung aus diesen Ländern. Mehr Informationen zu dem Thema finden Sie auf der ifo-Homepage: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/90spezial/Target. Staatsanleihen kommen hier insofern ins Spiel, da die Banken häufig Staatsanleihen des eigenen Landes als Sicherheiten für die Target-Kredite hinterlegen. Die EZB hat diese Politik möglich gemacht, weil sie die Sicherheitsanforderungen an die Papiere, die sie akzeptiert mehrfach heruntergeschraubt hat. Einen direkten Zugriff auf Target hat der Staat aber nicht. Es ist immer der Umweg über die Banken notwendig. In der öffentlichen Diskussion wird daher von diesen Ländern oftmals gefordert, dass die EZB direkt und nahezu unbegrenzt (momentan sind die Summen begrenzt) Staatsanleihen aufkauft. Damit überzieht sie aber aus meiner Sicht ihr Mandat bei weitem. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre jahrelange aufklärerische Arbeit danke ich Ihnen ganz herzlich. Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ sollte zur Pflichtlektüre/-studium werden, um den meist dogmenbehafteten Politikern und Journalisten die Gesetze der Volkswirtschaft und ihre Komplexität nahe zu bringen. Eine ehrlich Diskussion, die bei jedem überschuldeten oder hochverschuldeten Unternehmen sofort geführt wird, über „Wo und bei wem ist das Geld geblieben?“, ist durch unsere intransparente Haushaltsaufstellung leider nicht gegeben und wahrscheinlich nicht gewünscht. Seit meinem Geburtsjahr 1969 wurden von den deutschen Regierungen, egal welchem Colour, Schulden gemacht und nicht einen Euro getilgt! Keine politische Partei und gesellschaftliche Gruppe kann sich da rausnehmen! Alle haben (wieder Mal) mitgemacht! Ansätze zur Reduzierung der Neuverschuldung oder die „gefeierte“ Schuldenbremse von Bund und Ländern sind nett, aber bei einer Staatsverschuldung von über 80 % bei den vorgegebenen Maastricht-Kriterien von 60 % mindestens widersprüchlich oder realitätsfern. Minister Schäuble hat in der letzten Woche von einer Ausgliederung der Schulden bis zur Maastricht-Kriteriengrenze gesprochen und den Abbau der Differenz von mehr als 20% über die nächsten 20 Jahre als eine Lösung vorgelegt aber dies natürlich nur im europäischen Gesamtkontext. Meine Fragen an Sie: Wie müsste aus Ihrer Sichtweise ein realistisches Schuldenabbauszenario aussehen und welche volkswirtschaftlichen und politischen Maßnahmen müssten erfolgen, um Deutschland, egal ob mit oder ohne Euro, noch zu retten? Ich freue mich über Ihre Sichtweise und Danke im Namen meiner Generation und der Generation Ihrer Enkel. Hochachtungsvoll Alexander Amin
Sehr geehrter Herr Amin, haben Sie vielen Dank für die netten Worte. Ich freue mich sehr über Ihre Unterstützung! Idealerweise hätte die „3%-Grenze“ des Stabilitäts- und Wachstumspaktes ausreichen müssen, um für die notwendige Schuldendisziplin im Euroraum zu sorgen. Zumindest hätte sie zusammen mit dem Kriterium von Staatsschulden in Höhe von maximal 60% des BIP zu einer Stabilisierung geführt. Aber der Stabilitäts- und Wachstumspakt wurde wohl nie wirklich ernst genommen. Nur die Disziplinierung durch die Märkte hat schließlich funktioniert. Zwar haben die Märkte den schädlichen Entwicklungen in Europa zu spät und zu plötzlich Einhalt geboten, doch immerhin haben sie reagiert. Von daher glaube ich, dass ein Steuerungsmechanismus zur Disziplinierung der Länder nicht ohne die Disziplinierungswirkung der Märkte auskommen kann, weil die Politik nie die Kraft aufbringen wird, sich selbst den Geldhahn abzudrehen. Darüber hinaus sollten, in einem begrenzten Umfang, Absicherungen für Investoren, die staatliche Wertpapiere kaufen, bereitgestellt werden. Dadurch kann im Fall einer Krise Panik, die zu immer weiter wachsenden Zinsaufschlägen und einer Finanzblockade führen könnte, vermieden werden. Ziel muss ein System sein, das vor Zahlungsunfähigkeit schützt, aber keine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt darstellt. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Prozedur entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Auf Deutschland bezogen: Ich bin froh, dass es die vorige Bundesregierung geschafft hat, die Schuldenbremse ins Grundgesetz aufzunehmen. Das war ein großer Erfolg. Alles wird freilich zunichte gemacht, wenn wir nun den unermesslich großen Rettungspaketen zustimmen, die die EU von uns will. Hier liegt derzeit die wichtigste Front im Kampf gegen die Überschuldung. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft & Geduld bei dem unermüdlichen Einsatz für die dt. Volkswirtschaft & für die Bildung der Bevölkerung in ökonomischen Grundzusammenhängen. Bitte vergessen Sie dabei nicht auf Ihre eigene Gesundheit zu achten. Ich brauch Ihnen ja nichts zum Thema "abnehmender Grenznutzen" zu sagen... Zu den Target2-Salden verstehe ich die entspannte Haltung in den Chefsesseln der Zentralbanken nicht. Wenn eine Privatbank einem Kunden einen hohen Dispokredit einräumt, dann bleibt die Bank auch darauf sitzen, wenn der Kunde sich mit dem Geld aus dem Staub macht. Ähnlich dürfte es auch laufen, wenn die Bundesbank auf ihren Salden sitzen bleibt. Nur der Saldo wäre schmerzhafter. Zudem beunruhigt mich, dass sowohl EZB als auch Bundesbank, ihre Vorstandsmitglieder fast ausschließlich aus politischen Reihen rekrutieren. Hier kann doch nicht im Ernst von einer unabhängigen Zentralbank die Rede sein???Herr Weidmann hat sicherlich bei Manfred J.M. Neumann eine exzellente Ausbildung genossen. Aber Herr Assmussen ist ja wohl ein echter Schuss in den Ofen...seine ökonomische Brillianz habe ich noch nicht entdeckt. Und auch nie etwas davon gehört, dass er etwas von Geldpolitik verstünde. Otmar Issing ist - ob seines möglichen "unökonomischen" Nachfolgers - nur zu bedauern. Und als sei das alles noch nicht genug, wird fast unbemerkt der Mindestlohn in Dtl. etabliert. Erst wenn die Arbeitslosenzahlen wieder Richtung 4 Mio marschieren, wird man merken, dass man ihn doch nicht hätte einführen sollen. Aber auch dann wird die Politik wieder Ausreden finden, um die eigenen Fehler zu vertuschen & das Wahlvolk zu blenden. Es ist eine Farce... Nebenbei: Sie empfehlen immerwieder in Sachwerte, u.a. Immobilien, zu investieren. Meines Erachtens entsteht in Dtl. aber aktuell eine Immobilienblase. Wenn zuviel Menschen in eine Richtung laufen, hat das bisher immer zu einer Katastrophe geführt. Ein breit aufgestelltes Portfolio von Tagesgeld/Festgeld über Fonds, Aktien, Gold und evtl. Immobilien erscheint hier vielleicht doch die bessere Alternative zu sein?? Naja und die Beispiele in Griechenland und Spanien zeigen, dass Immobilien auch sehr gut zum Vernichten von Vermögen geeignet sind. Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei ... Beste Grüße aus Franken S.T.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihre Unterstützung und Anteilnahme. Sie sprechen in der Tat viele besorgniserregende Ereignisse an, die auch mich umtreiben. Aus genau diesem Grund habe ich einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin geschrieben. Ich empfehle Ihnen den Brief zu lesen (http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/10echomitarb/_echomitarb?item_link=ifostimme-wiwo-28-11-11.htm). Zu Ihrer Frage über Geldanlagen will ich nicht wirklich widersprechen. Nur dauert eine Immobilienblase zehn Jahre oder länger, bis sie platzt, und vorläufig platzt nichts. Die Preise sind im internationalen Vergleich zu niedrig. Erst wenn sie über das Niveau anderer Länder hinaussteigen, würde ich ein Problem sehen. Bedenken Sie, dass wir viele Jahre mit sinkenden Immobilienpreisen hatten. Die Sache normalisiert sich. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre Beiträge zu den Target-Salden habe ich fortlaufend mit großem Interesse verfolgt, so auch Ihren heutigen Beitrag in MMnews. Zur Kontrolle, ob ich die Problematik richtig verstanden habe, möchte ich Sie fragen: Kann man, vielleicht etwas verkürzt, sagen, dass wir über die Targetsalden, also die letztendlich wohl wertlosen Forderungen der BBK gegen die EZB, gleichsam die Kaufpreise für die aus DL in die Eurozone exportierten Waren selbst bezahlen? Herzlichen Dank, schon jetzt für die erbetene Antwort. Mit freundlichen Grüßen AD
Sehr geehrter Herr A., Sie haben mit Ihrer Frage den Nagel auf den Kopf getroffen! Während die Notenbanken der Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (GIPS) sowie neuerdings auch Italien weit über den Bedarf ihrer Länder hinaus Geld drucken und an ihre Bürger verleihen, die damit Güter oder Vermögensobjekte im Rest des Euro-Systems erwerben, zieht die Bundesbank ihren Refinanzierungskredit und das von ihr geschöpfte Geld wieder ein. Refinanzierungskredit wird von Deutschland in die GIIPS-Länder (Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien) verlagert. Die Bundesbank baut dafür Target-Forderungen auf. Doch was erhält sie gegen diese Forderungen, wenn andere Staaten pleite gehen? Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Sinn, folgende Idee: Italien und Frankreich besitzen Goldreserven im Wert von je 100Mrd €. Würden die Staaten diese Goldreserven dazu verwendet, hiermit ihre Bonds mit 20% direkt und vorranging zu besichern, hätte man die Wirkung des Rettungsschirms: Jedes dieser Länder könnte dann - die Wahl treffen zwischen a) hohen Renditen oder b) niedrigere Renditen durch teilweise Goldbesicherung - bei 20% könnten jeweils Bonds von 500Mrd € besichert werden, - Kein Länd würde sein Gold verlieren, es dient lediglich als Sicherheit - der Reformdruck bliebe bestehen. - Mechanismus ist direkt von den Nationalstaten schnell implementierbar
Sehr geehrter Herr K., vielen Dank für Ihre Idee. Das Problem ist jedoch, dass der Schuldenstand der besagten Länder den Wert der Goldreserven bei weitem übersteigt. Frankreich weist 2010 Staatsschulden in Höhe von 1591 Mrd. Euro auf, allein der Schuldenzuwachs betrug 2010 98,5 Mrd. Euro. Ähnlich verhält es sich mit Italien (Schuldenstand 2010: 1843 Mrd. Euro; Schuldenzuwachs: 79,1 Mrd. Euro). D.h. also, dass die Dimension der Goldreserven von etwa 100 Mrd. Euro je Land gemessen anhand des Schuldenstands der Länder zu gering ist. Aber die Länder haben allesamt noch andere Sicherheiten, die sie einsetzen können. Es wäre vollkommen richtig, diesen Weg zu gehen, wenn einem die Zinsen zu hoch sind. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Damen und Herren, anbei senden wir Ihnen unser Schreiben zu o.g. Betreff mit den darin genannten anlagen bzw. den zugehörigen Links (s.u.) mit der Bitte um aufmerksame Durchsicht. http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/archiv/57688_Milliardaere-wollen-nic ht-helfen.html http://wko.at/statistik/eu/wp-griechenland.pdf http://www.numbeo.com/cost-of-living/country_result.jsp?country=Greece Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck Entschuldung Griechenlands Sehr geehrte Damen und Herren, wir lesen dieser Tage viel vom Versagen des Euros, der europäischen Gemeinschaft, der Politik, von den bösen Griechen und den strengen Deutschen. Über das Versagen der vierten Gewalt im Staat lesen wir nichts. Jeder Journalist, der Griechenland besucht, müsste feststellen, dass die Benzinpreise, Nahrungsmittelpreise, Stromkosten – also die „Preise des täglichen Bedarfs“ bis zu 30% höher liegen als in Deutschland. Gleichzeitig lesen wir vom Druck auf die Bevölkerung, Gehaltskürzungen, Pensionskürzungen usw. hinzunehmen. Wir sollen die Einkommen gekürzt werden können, wenn diese Ausgaben für den „täglichen Bedarf“ unverändert hoch sind?? Warum stellt sich keiner der Journalisten die Frage, welche exorbitanten Unternehmensgewinne zwangsläufig entstehen müssen, wenn die Gehälter niedrig sind, keine Steuern und Abgaben bezahlt werden und die Preise 30% über dem europäischen Durchschnitt liegen. Wenn dieses Problem die Politik nicht erkennt, warum sind die Journalisten, die dieses Land bereisen, nicht in der Lage dieses Problem anzusprechen. Tatsächlich liegt hier ein totales Versagen der vierten Gewalt (Presse) vor. Griechenland mit 11 Mio. Einwohnern (= ehemalige DDR) wird von ca. 10 Oligarchen-Familien beherrscht. Sie beherrschten und beherrschen immer noch eisern die Kernindustrie des Landes, wie z.B. Energie, Strom, Fährverbindungen, Bau und Bankwesen. Die Bevölkerung wäre absolut willens zu sparen. Sie kann aber nicht, da die „Preise des täglichen Bedarfs“ wie Strom, Benzin, Maut, Nahrungsmittel etc. nicht ebenfalls sinken. Diese Preise werden von den Oligarchen vorgegeben. Deutschland hat es vorgemacht. Die Löhne mussten nicht steigen, obwohl sie real sanken, weil die „Preise des täglichen Bedarfs“ stabil niedrig blieben. Die Preise des „täglichen Bedarfs“ blieben niedrig aufgrund der Einführung der Deregulierungsbehörden, Auflösung der Deutschland AG, Ausschreibung aller staatlicher Leistungen von Bau- bis Dienstleistungen, Wettbewerb in den Leitungsnetzen und vieles mehr. Ganz nach dem Motto: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ In Griechenland war dies die letzten zehn Jahre komplett anders. Hier sind die Gehälter und die „Preise des täglichen Bedarfs“ gleichzeitig exorbitant gestiegen. Doch wem hat dies genutzt. – den Oligarchen. Griechenland ist seit über zehn Jahren Mitglied der Europäischen Union, hat aber bis heute keinen freien Wettbewerb eingeführt, da die Oligarchen dies verhindern und so die Preise steigen. Dabei ist nicht allein der Wettbewerb der Berufsstände gemeint, das ist nur Ablenkung, sondern insbesondere der Wettbewerb auf dem Energiesektor, Fähr- bzw. Flugverbindungen etc.. Erst wenn man diese zehn Oligarchen entmachtet, einen Wettbewerb einführt, die „Preise des täglichen Bedarfs“ sinken, können auch die Löhne sinken und die Bevölkerung wird sich beruhigen und den Sparkurs mittragen. Es liegt an den führenden Köpfen Europas, dies der herrschenden Klasse der Oligarchen in Griechenland nahezubringen. Wir haben dies in unserem Schreiben vom 31. März 2011 bzw. 11. Mai 2011 aufgezeigt (Anlage). Die Oligarchen benutzen die Bevölkerung als Faustpfand um die Europäische Union zu erpressen und zu plündern. Ohne einen freien Wettbewerb und einer entsprechenden internationalen Konkurrenz im Lande selbst sinken die Preise niemals!! Aufgeschlüsselt nach Branchen stehen folgende Oligarchen im Brennpunkt: Banken: - Familie Latsis EFG Bank, Euro Bank - Familie Vardinogiannis Piräus Bank - Familie Costopoulos Alpha Bank Sie sind die Geldbeschaffer des griechischen Staates. die das internationale Geld einwerben und international strukturieren und sie dem griechischen Staat zur Verfügung stellen. Fähren: - Familie Panagopoulos Attika Group, wozu - Superfast Ferries - Minoan Line - Starmarine gehört - Familie Vardinogiannis, - Sea Star capital - ANEK Line - Hellenic Seaways darüber Aktionär bei Attika Group Die Fährverbindungen sind das Nadelöhr über das jede Art von Waren läuft. Ohne Wettbewerb diktieren die Familien die Preise. Nahrungsmittel: - Familie Lerentis Getränkeabfüllanlagen Stromversorgung: - Familie Vardinogiannis, - Cyclos Hellas - zweitgrößte Ölraffinerie - Motoroilcompany - Avin - Familie Latsis = Hellenic Petroleum - Familie Mytilineos ENEL, ENDESA Trotz vermeintlicher Windkraft und Sonnenenergie werden 90% des Stroms mit Dieselkraftwerken erzeugt, 10% durch Windkraft und Solar, Atomkraft und Wasserkraftwerke existieren in Griechenland naturgemäß nicht. Diese Dieselkraftwerke gehören den Familien, die staatliche Energieversorgungsgesellschaft PPC kauft diesen Familien den Strom ab für teilweise 20 EUR/kWh um es dann zu staatlich subventionierten Preisen den Endverbrauchern zur Verfügung zu stellen. Stromgewinnung über Dieselkraft ist die teuerste Energiegewinnung, die man sich vorstellen kann. Dies ist mit einer der Hauptgründe, warum keine Photovoltaikanlagen genehmigt werden. Darüberhinaus verdienen diese Familien nicht unerheblich über ihre weit verzweigten Tankstellennetze, bei denen es auch keine internationale Konkurrenz gibt und insbesondere die Bauern darunter leiden. Bau: - Familie Angeloupoulos - Familie Canellopoulos/Papalexopoulos Titan Cement Group Frau Gianna Angeloupoulos-Daskalaki war Chefin des Athener Olympischen Organisationskomitee ATHOC. Die Bauarbeiten stoppten 2002/03. Die Olympiade drohte zu scheitern bis Frau Angeloupoulos vom damaligen Kulturminister installiert wurde und anschließend ohne Ausschreibung und Wettbewerb an den Mann von Frau Angeloupoulos Herrn Theodore Angeloupoulos die gesamten Bauarbeiten vergeben wurden. Der damalige Kulturminister war Angelos Venizelos, derselbe der heute Finanzminister ist und nicht in der Lage ist Wettbewerb und Steuern einzuführen. Warum erkennt niemand diese Zusammenhänge? Venizelos ist der Pate der Oligarchen, der diese schützt und jegliche „Änderungen“ aussitzt. Diese sind zu trennen von den von den international tätigen Miliardären die mit Tankern und Frachtern gigantische Vermögen international aufgebaut haben, wie z.B. Niarchos, Onassis, Maritnos etc. und in ganz anderen Sphären leben. In der internationalen Presse wird zwischenzeitlich darüber munter berichtet (Anlage). - Warum nicht in Deutschland? Mit freundlichen Grüßen Friedrich Humbeck
Sehr geehrter Herr Humbeck, haben Sie vielen Dank für die Übersendung der durchaus interessanten Dokumente. Anhand der Dokumente ist ersichtlich, dass Sie sich sehr intensiv mit der derzeitigen Situation Griechenlands auseinander setzen. Ich freue mich über Ihr Engagement. Sie führen verschiedene Beispiele für ineffiziente Maßnahmen auf und prangern diese Missstände zu Recht an. Die Korruption muss beispielsweise bekämpft werden. Aber die Probleme gehen noch tiefer. Griechenland weist zwei große Defizite auf: Zum einen erhöhen sich die Staatsschulden fortlaufend, zum anderen ist Griechenland nicht wettbewerbsfähig. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit Hochachtung und Verständnis verfolge ich Ihre Aussagen und Statements in der gegenwärtigen europäischen Finanzkrise. Bitte unterstützen Sie in weiteren Aussagen unsere Bundeskanzlerin und unsere Bundespolitiker, dass ihre ablehnende Haltung zu EUROBONDS das Gebot der Stunde ist. Ohne weitere europäische Vertragsformen würden derartige Bonds nur inaktiven Euro-Staaten helfen. Und wer haftet dafür? Letztendlich würde die Hauptlast bei Deutschland liegen, da viele europäische Staaten selbst keine Kreditwürdigkeit mehr haben. Man kann doch fast sagen, dass EUROBONDS zum großteil Bonds sind, für die wir fast alleine haften…. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch diesen gefährlichen Aspekt der jetzigen Situation öffentlich vertreten würden. Hochachtungsvoll Erhard Schreiber, Burgwedel.
Sehr geehrter Herr Schreiber, vielen Dank für den Rückhalt. Ich kämpfe. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, erlauben Sie mir bitte, dass ich mich auf diesem Wege an Sie wende. Ich beschäftige mich derzeit mit dem möglichen Bruch der Eurozone. Dabei scheint mir das Target2 System der zentrale Punkt zu sein, welcher über das weitere Schicksal von Deutschland entscheiden dürfte. Gerne würde ich Ihre Expertenmeinung hören zu folgenden Fragen: - Was genau sind diese €400 Mrd., welche die Bundesbank im Rahmen des Target2 Systems (indirekt) an anderen Euro-Zentralbanken verliehen hat? - Sind das Forderungen der BuBa gegenüber der EZB und somit wiederum Forderungen der EZB gegenüber den Peripherie-Zentralbanken? - Also wenn jetzt Griechenland und Irland aus dem Eurosystem austreten müssen, muss dann in einem ersten Schritt die ECB diese Abschreibungen vornehmen? Und kann die ECB diese Abschreibungen 1:1 an die BuBa „weitergeben“? Oder wie sieht das buchhalterisch genau aus? Über eine Antwort Ihrerseits wäre ich Ihnen äußerst dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Christian Kurz
Sehr geehrter Herr Kurz, bei den deutschen Target-Krediten handelt es sich in einem ersten Schritt um Forderungen, die die Bundesbank gegenüber dem sogenannten Eurosystem hat. Das Eurosystem besteht aus allen Eurostaaten. Aber wie soll die Bundesbank das Geld zurückerhalten, wenn andere Staaten nicht mehr zahlungsfähig sind oder wenn der Euro auseinander bricht? Der prozentuale Anteil mit dem Deutschland am gesamten Eurosystem beteiligt ist, beläuft sich auf 27,0647% (Stand Januar 2011). Wenn alle GIIPS Länder ausfallen, ist die Summe, für die Deutschland gerade stehen muss, derzeit 582 Mrd. Euro. Die Target-Kreditvergabe zwischen den europäischen Zentralbanken spielte bis zum Jahr 2007 praktisch keine Rolle, erhöhte sich jedoch in der Finanzkrise dramatisch. Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank. Alle Zahlen schießen am aktuellen Rand aber nach oben. Mittlerweile sind 450 Milliarden Euro an Target-Forderungen bei der Bundesbank aufgelaufen, davon allein 106 Milliarden Euro im August und September. Das ist der größte Posten in der Bundesbankbilanz, ein erheblicher Anteil des Auslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland und doppelt so viel Rettungsgeld, wie die Bundesrepublik allein über den EFSF bereitstellen soll. Mit den Target-Krediten werden die Lücken der Zahlungsbilanzen der GIPS-Länder finanziert. Ein Zahlungsbilanzlücke ist, grob gesprochen, jener Teil des Importüberhangs über die Exporte (im Sinne der Leistungsbilanz), der nicht durch eine Kreditaufnahme im Ausland, sondern durch frisch gedrucktes Geld finanziert wird. Theoretisch kann man ihn auch noch durch den Abbau von schon vorhandenen Geld- und Devisenbeständen finanzieren, aber das spielte faktisch keine Rolle. Die GIPS-Länder konnten ihr Zahlungsbilanzdefizit mit der Druckerpresse schließen, weil es keine länderspezifischen Kontingente für die europäische Geldversorgung gibt und der Zentralbankrat den Verleih von Zentralbankgeld durch die fortwährende Absenkung der Sicherungsanforderungen erleichtert hatte. In Portugal und Griechenland wurde rechnerisch in den letzten drei Jahren der gesamte Importüberhang so finanziert, in Spanien nur etwa ein Viertel. In Irland wurde der Importüberhang und zusätzlich noch eine gewaltige Kapitalflucht finanziert. Das viele Zusatzgeld, das wegen der automatischen, unbegrenzten Kreditvergabe zwischen den Zentralbanken gedruckt werden konnte, ersetzte das Geld, das man sich früher privat im Ausland geliehen hatte, und floss wie dieses Geld für die Bezahlung von Rechnungen wieder dorthin zurück. Es verdrängte dort den Notenbankkredit, über den Geld normalerweise geschaffen wird, eins zu eins. Wenn nun ein Staat Pleite geht, sind die Sicherheiten der Banken auch zumeist nichts mehr wert, und das EZB-System bleibt auf seinen Target-Forderungen sitzen. Dann müssen sich alle übrigen Länder die Lasten teilen. Wenn der Euro untergeht, muss die Bundesbank vermutlich die gesamten Target-Forderungen, die sie hat, abschreiben. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich möchte mich mit zwei Fragen zur Krise in Europa an Sie wenden: 1. In Ihren Veröffentlichungen legen Sie überzeugend dar, dass sich in der Euro-Zone inzwischen eine ausgewachsene Zahlungsbilanzkrise entwickelt hat. Derzeit finanzieren eine Reihe von Ländern ihre Leistungsbilanzdefizite nicht durch privates Kapital, sondern über Target2 sowie diverse Rettungspakete. Eine wirkliche Lösung der Krise in Europa ist nur dann möglich, wenn die Zahlungsbilanzen wieder auf normalem Wege ausgeglichen werden. Sie schlagen dazu einen Mechanismus vor, der die Kapitalströme „langsam zudreht“. Die Politik scheint sich dieser Erkenntnis jedoch zu verweigern. Dies könnte auch erklären, warum die Politik mit den Rettungspaketen zwar immer wieder „Zeit kauft“, diese dann aber nicht nutzt. Nach meinem Eindruck steuern wir deshalb auf eine Situation zu, in der wir nur noch die Wahl haben zwischen dem Auseinanderbrechen der Eurozone oder der unbegrenzten monetären Staatsfinanzierung durch die EZB (Euro-Bonds können in diesem Zusammenhang ebenfalls keine Lösung sein, sondern nur weitere Zeit kaufen). Wenn dies geschehen sollte, für welche Option würden Sie sich entscheiden? 2. Zuletzt habe ich verschiedentlich die Auffassung gehört, für die Stabilität der Finanzmärkte sei es sehr wichtig, dass zumindest eine, als absolut sicher geltende Wertpapierart verfügbar sei (z. B. Bundesanleihen oder Euro-Bonds). Mit diesem Argument wird dann entweder die Notwendigkeit von Euro-Bonds oder der monetären Staatsfinanzierung durch die EZB begründet. Aber was ist von dieser Aussage ökonomisch zu halten? Ich habe den Eindruck, hier soll die Realität auf merkwürdige Weise an das Wünschenswerte angepasst werden. Denn eine Erkenntnis aus der derzeitigen Krise ist doch, dass Staatspapiere gerade nicht so sicher sind, wie wir die letzten 50 Jahre geglaubt haben. Angesichts der demographischen Situation und den enormen expliziten und impliziten Staatsschulden in Europa scheinen mir die Risiken künftig sogar eher zu- als abzunehmen.
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher, wie Recht Sie doch haben mit Ihrer Besorgnis über die wirtschaftliche Situation der Euro-Zone! Wichtig ist es jetzt, ein Verfahren zu etablieren, das für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESifo hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link:http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport. Zu Ihrer zweiten Aussage: Wieso man ein sicheres Wertpapier im Bankwesen braucht, verstehe ich auch nicht. Mit der Behauptung kann ich nicht das Geringste gedanklich anfangen. Sie haben das sehr gut in Worte gefasst. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, haben Sie eine Idee wie die Milliarden Euro der Reichen Griechen die überwiegend auf Schweizer Banken liegen. wieder nach Griechenland überwiesen werden (laut Siegel allein in der Schweiz 600 Milliarden) ich denke Geld haben Reiche Griechen reilich, also liegt es nicht am Geldmangel, das Land wieder auf Eurostabilität zu bringen, Auf Ihre persönliche Antwort bin ich gespannt, bitte nicht wieder mit der Drachme oder dem Aussluß von Griechenland aus der EU argumentieren. Mit freundlichen Grüßen Athanassios Parashidis
Sehr geehrter Herr Parashidis, Sie liegen richtig mit Ihrer Vermutung, dass viele Private ihr Geld im Ausland anlegen. Die griechische Zentralbank geht davon aus, dass in den vergangenen beiden Jahren die Sparguthaben in griechischen Banken um 45 Milliarden Euro geschmolzen sind - mindestens ein Drittel davon soll ins Ausland gegangen sein. Dieser Abfluss ist übrigens nur möglich, weil das Eurosystem der Zentralbanken den griechischen Banken Kredite gewährt, die sie auf dem Markt nicht bekommen würden. Die derzeitige Rettungspolitik macht diesen Kapitalabfluss daher erst möglich. So lange keine Lösung für die Krise gefunden ist und die Rettungspolitik in der bisherigen Form weitergeht, kann auch Kapital aus Griechenland abfließen. Und es wird vor einer Lösung auch nicht zurückfließen. Auch wenn Sie es nicht hören wollen, aber ein Weg wäre auch die Drachme. Nach einer Abwertung würde es sich wieder lohnen, die Auslandsvermögen nach Griechenland zu transferieren. Die reichen Griechen kämen sofort zurück, um sich die billigen Immobilien zu kaufen. Es würde wieder gebaut, und Arbeitsplätze würden entstehen. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor, zunächst einmal herzlichen Dank für Ihre stets klaren und gut verständlichen Worte. 1. Nun, die europäischen Staaten müssen die Zinsen ihrer zahlreichen Anleihen ja aus Steuern bedienen. Wird der Zins durch den Druck der Kapitalmärkte erhöht, so steigt der Zinsanteil am Steueraufkommen und der Staat kann weniger für andere Zwecke verwenden. Wie hoch ist nach Ihrer Meinung eigentlich der kritische Prozentsatz (Anteil Zinsaufwand am gesamten Steueraufkommen), bei dem ein Staat definitiv in den Bankrott marschiert? Für Unternehmen gibt es ja den Kenner Zinsaufwand/Umsatz und ab einer gewissen Größe marschiert das Unternehmen schnurstracks in die Insolvenz. 2. Ein Blick in den § 3 der deutschen Abgabenordnung belehrt einen ja, dass der Staat das Recht hat, Geldleistungen ohne Gegenleistung von seinen Bürgern zu verlangen. Man kann sich daher fragen, warum ein Staat überhaupt Schulden und vor allem in diesen Dimensionen aufnimmt. Wie wird diese Frage unter den Volkswirten diskutiert? 3. Sie verzeihen mir den Gedankensprung und erlauben mir die Frage: Was ist eigentlich aus der Schuldenkrise in Dubai geworden? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Großmann, vielen Dank für Ihren Zuspruch. Ihre Frage nach dem Zinssatz lässt sich nicht für alle Länder einheitlich beantworten. Es gibt hier aber Faustformeln. Demnach hängt die Zinsschwelle vom zukünftigen nominalen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (d.h. sowohl das reale Wirtschaftswachstum als auch die Inflation spielen hier hinein) und vom Schuldenstand ab. Da bei der Bewertung der Finanzierbarkeit Erwartungen über das künftige Wachstum und die künftige Inflation hineinspielen sieht man, wie sehr das Vertrauen in die Zukunftsperspektiven eines Landes seine Finanzierungsmöglichkeiten beeinflussen. Empirische Untersuchungen zeigen, dass ein Land jenseits einer Schuldenquote von 90% in den Konkurs abrutscht. Das klassische Motiv für Staatschulden ist die Glättung der Lasten über die Zeit. Staatsschulden sind danach vertretbar, wenn einmalige, unvorhergesehene Katastrophen eintreten. Die Lage in Dubai hat sich wieder etwas beruhigt, ohne dass man sagen kann, die Krise ist schon ausgestanden. Zwar investieren insbesondere Asiaten und Bürger aus arabischen Staaten wieder in Immobilien in Dubai. Doch ist der Markt weiterhin fragil. Das es aber zwischenzeitlich nicht zu noch stärkeren Verwerfungen gekommen ist, verdankt Dubai seinem Nachbar Abu Dhabi. Da das Emirat Abu Dhabi über beträchtliche Ölvorkommen verfügt, konnte es in Dubai helfend einspringen. Dubai selber besitzt ja keine nennenswerten eigenen Ölvorkommen und ist zum einen ein wichtiger Finanzplatz für die arabische Welt und zum anderen durch seinen Hafen ein wichtiger Warenumschlagplatz. In Dubai macht daher viel das Schlagwort von der "Neuen Seidenstraße" die Runde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Wie Sie selber in vielen Artikeln und Interviews immer wieder beschreiben, ist eines der zentralen Probleme der südlichen Euroländer darin zu sehen, dass diese zu Teuer geworden sind. Eine interne Abwertung ist also nötig, welche in der Realität wegen der Starrheit der Löhne/Preise bekanntlich schwer durchzuführen ist. Wäre daher nicht der einfachste Weg aus dieser Situation, wenn die EZB mehr Inflation im Euroraum zulassen würde? Dann könnten die südlichen Länder ihre Nominalpreise auf dem jetzigen Niveau belassen und würden somit abwerten.
Sehr geehrter Herr R., vielen Dank für Ihren Beitrag. Das Zulassen von Inflation seitens der EZB ist aus mehreren Gründen nicht akzeptabel. Zum einen würde damit die EZB endgültig ihre Glaubwürdigkeit verlieren, da sie damit ihr oberstes Ziel der Preisstabilität aufgeben würde. Zum anderen würden die Länder, die bisher solide gewirtschaftet haben, bestraft werden. In einer Wärungsgemeinschaft führt kein Weg an einer internen Abwertung über die Löhne vorbei. Dieser Weg ist sehr schmerzlich aber letztlich ohne Alternative. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Währungspolitische Dichotomie – ein Modell für Europa? Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wir hatten in der Vergangenheit bereits die Ehre des Informationsaustausches. Auch habe ich Ihr Buch „Ist Deutschland noch zu retten?“ gelesen. Gleichzeitig verfolge ich die währungspolitische Diskussion und Ihre Beiträge dazu in den Medien. Im folgenden möchte ich kurz ein – meiner Meinung nach naheliegendes – Alternativmodell aufzeigen, welches sowohl den sozialen Abstand zwischen zwei EURO-Staaten gerecht wird als auch der sozialen Schere innerhalb eines EURO-Staates. Nehmen Sie die Gedanken zu den Ihrigen. Wenn Sie was davon halten, geben Sie es an die Medien. Ich selber habe nur Zugang zur hiesigen Lokalredaktion, wenn es um Radwege geht. Bei Ihnen ist das was anderes. Jeder EURO-Staat habe zwei Währungen, die Heimatwährung, also bei uns die DM und in Griechenland die Drachme. Sie sind alle kompatibel und werden täglich einmal notiert europaweit. Die Sozialpolitiker akzeptieren endlich, dass die postindustriellen Gesellschaften in der entwickelten EURO-Zone dichotom sind: * Die 2/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zum produzieren und dienstleisten braucht und die in den verschiedenen Staaten einen unterschiedlichen Prozentsatz der Erwerbspersonen ausmachen. In Deutschland einen größeren, in Griechenland einen kleineren. * Die 1/3-Gesellschaft, das sind die Leute, die man zwar nicht unbedingt braucht zum produzieren und dienstleisten, aber die können in Teilbereichen mithelfen und werden sozial abgestützt (Aufstockerei, Sozialhilfe, negative Einkommenssteuer, 1-€-Jobs u.s.w.). Wir belassen für die 2/3-Gesellschaft den € und re-einführen die nationalen Währungen für die 1/3-Gesellschaft. Freilich ist es einem 1/3ler unbenommen, DM anzusparen, an seinem Geburtstag das Geld in € zu tauschen auf der Bank und am Abend die Geburtagsgesellschaft in ein Restaurant zu führen, welches nur € akzeptiert. In besonders anderen Restaurants steht an der Tür: „€ heute: =“ analog zu früher: „Dollar today“. Ansonsten steht bei allen Angeboten in der Werbung und an der Geschäftstür, welche Währung hier akzeptiert wird. Die Regierung kann leicht sozialpolitische Akzente setzen: Sie tauscht 1 Million € in DM und beschäftigt auf Zeit viele ABM-Kräfte. Der Markt wirkt mit all seinen Vorteilen im Oberhaus wie im Unterhaus. Die Gewerkschaften können durchsetzen, dass eine Firma, deren Produkte in € fakturiert werden, auch ihre Angestellten in € ausbezahlen. Egal ob Stammbelegschaft oder Mietarbeiter (woher kommt das Wort „Leiharbeiter“ eigentlich her? Die werden doch bezahlt?). Diese dichotomische Marktwirtschaft, fixiert am Arbeitsmarkt funktioniert, wenn die herrschenden Kreise, auch die Kirchen, einsehen, dass es sich bei den postindustriellen Gesellschaften um zweigeteilte Erwerbspersonengruppen handelt. Das bisherige Tun, z. B. mit dem Bundesfreiwilligendienst und anderen Maßnahmen, ist Flick- und Stückwerk. Ziel muss sein, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten wohl fühlt und keine Existenzängste haben muss. Umgekehrt muss auch nicht jeder Urlaub in Cap Antibè machen. Südfrankreich. An der Cóte Azur. Ihr Hanns-Georg Schweitzer
Sehr geehrter Herr Schweitzer, vielen Dank für Ihren Vorschlag. Aber eine Aufteilung der Gesellschaft scheint mir nicht durchführbar. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, es ist sehr schwierig mit einer Schlüsselfigur der deutschen Wirtschaft in Kontakt zu treten, ohne dass man in eine endlose Warteschleife stecken bleibt. Ich hoffe mit Ihnen mehr Glück zu haben. Kurz: Warum kann man keine "stille" Abwertung durchführen, indem man in den EU-Ländern alle aus Griechenland eingeführte Waren und Dienstleistungen mit einem negativen Einfuhrzoll belegt. Dies würde für den Importeur wie eine Abwertung wirken und dadurch den Import aus Griechenland attraktiv machen. Die griechische Wirtschaft könnte in fast allen Bereichen, z.B. auch Tourismus, einen Boom erleben, mit u.a. einer Zunahme der Arbeitsplätze und des Steueraufkommens. Wie schon früher als man bei Vorlage einer Quittung die Mehrwertsteuer zurück bekommen konnte, könnte auch der Tourismus- und Dienstleistung- Bereich hiervon profitieren. Nebeneffekt: Steuerehrlichkeit durch Quittungen! Auch Investitionen von EU-Betrieben in Griechenland würden attraktiv werden. Die erforderliche Geldmittel sollten aus dem EFSF kommen, und dadurch, dass sie in die eigene Wirtschaft fliessen in der Öffentlichkeit mehr Sympathie finden. Dieser Negativzoll könnte flexibel an die zeitliche Entwicklung und unterschiedlich in verschiedenen Bereiche der Wirtschaft angepasst werden. Vielleicht könnte man ja sogar auch andere Länder damit unterstützen. Dies würde dann im Sinne einer Nord-Süd Währungsdifferenzierung wirken, was ja auch schon im Gespräch war. Möglicherweise würde die EU dies als eine Wettbewerbsverzerrung sehen, aber hier müsste man dann durch eine zeitliche Begrenzung eine Akzeptanz herbei führen, da dem gegenüber stünde, das Griechenland dann in der EU verbleiben könnte. Mit freundlichen Grüßen, Hubert Vockensperger
Sehr geehrter Herr Vockensperger, vielen Dank für Ihre Mail. Was Sie vorschlagen ist eine Subventionierung der griechischen Waren. Das wird sehr teuer. Griechenland lebt eindeutig über seine Verhältnisse, und muss deshalb billiger werden. Daran führt kein Weg vorbei. Wir können in Europa keine Transfersysteme installieren, um falsche Preise zu stützen. Wo kommen wir dann hin? Das ist ein Fass ohne Boden. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herr Professor Sinn, mit großem Interesse lese ich zur Zeit das ifo Paper: ,,Target-Kredite, Leistungsbilanzsalden und Kapitalverkehr: Der Rettungsschirm der EZB´´. In einem Interview bezüglich der Schuldenkrise äußerten Sie sich im Mai aber wie folgt: "Das war das erste heimliche Rettungspaket", sagt Sinn. Diese Gelder müssten zu den bekannten Forderungen und Haftungen hinzu gezählt werden, womit die Staatsschulden deutlich zulegen. In Griechenland etwa um 40 Milliarden Euro auf mehr als 180 Milliarden Euro und in Irland um 150 auf rund 250 Milliarden Euro. Damit steigen aber auch die Haftungen und Kredite zur Euro-Rettung auf insgesamt 1480 Milliarden Euro. Die Hauptlast trage Deutschland mit 373 Milliarden Euro, Österreich davon rund ein Zehntel. `` Hierzu meine Frage, dass Leistungsbilanzdefizit trägt doch zur Neuverschuldung eines Staates bei. Im Falle der GIPS-Länder beträgt das akkumulierte Leistungsbilanzdefizit im Jahr 2011 388 Mrd. €, gemäß Abbildung 13 Ihres ifo Papers. In diesem Paper erläutern Sie, es entfallen 88% des Leistungsbilanzdefizits auf die Target-Kredite. Wieso addieren Sie dann in diesem Interview die Target-Kredite zu den bekannten Staatsschulden hinzu, sodass in Griechenland ein tatsächlicher Schuldenstand von 181% des BIP erreicht wird. Diesen Zusammenhang verstehe ich so nicht, wenn doch das Leistungsbilanzdefizit bekannt war und dementsprechend in die Staatsschuld hätte eingerechnet werden können, denn wie Sie erläutern die Target-Kredite den größten Teil der Leistungsbilanzdefizite ausmachen. Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antwort Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., das Leistungsbilanzdefizit misst den jährlichen Zuwachs der Auslandsverschuldung eines Landes. Dieser Zuwachs besteht aus dem Zuwachs der privaten Nettoauslandsverschuldung, dem Zuwachs der öffentlichen Nettoauslandsverschuldung und dem Zuwachs der Nettoverschuldung über das EZB-System (Target). Die Target-Schuld als Bestand ist eine Schuld gegenüber ausländischen Zentralbanken und damit Staaten. Die Staatschuld üblicher Art ist eine Schuld gegenüber in- und ausländischen Gläubigern. Target-Schuld und offene Staatsschuld zusammen sind die gesamte Schuld eines Staates gegenüber In- und Ausländern. Wäre die offene Staatsschuld nur im Ausland entstanden (was sie nicht ist), wäre die Summe der akkumulierten Leistungsbilanzdefizite gleich der Summe von Target-Schuld, Staatsschuld üblicher Art und privater Nettoauslandsschuld. Doppelzählungen kommen hier nicht vor. Ich hoffe, das beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich habe Ihre Aussagen zum historisch hohen CDS-Kurs der Bundesrepublik Deutschlands gelesen. Sie verwenden die in $ notierten CDS-Kurse (gestern 133 BP). Die in € notierten CDS-Kurse lagen gestern deutlich darunter bei 88 BP. Bei Großbritannien lag der CDS-Kurs bei 113 BP notiert in $ und 103 BP notiert in €. Wieso verwenden Sie die in $ notierten Kurse und wie erklären Sie sich den großen Unterschied für Deutschland? Ein Konkurs Deutschlands würde vermutlich mit einer massiven Abwertung des Euro einhergehen.Dann müsste aber doch der CDS-Kurs in € sogar höher als der in $ sein, da die 88 BP in Euro über die Jahre immer weniger Wert sein würden. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr B., die in Dollar notierten CDS-Prämien reflektieren das Konkurs - und Abwertungsrisiko Deutschlands. Wenn man das deutsche Risiko mit dem englischen vergleichen will, muss man beides auf Dollar-Basis rechnen. Sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen. Wenn der deutsche CDS-Preis in Euro und der britische auch in Euro ausgedrückt wird, dann ist beim britischen das Abwertungsrisiko des Pfund dabei, beim deutschen nicht. Der deutsche CDS-Preis in Dollar ist höher als der entsprechende CDS-Preis in Euro, weil die Märkte auch befürchten, dass der Euroraum inflationieren und der Euro abwerten wird (wie Sie richtig sagen). Das Abwertungsrisiko ist das Risiko, dass sich der deutsche Staat durch Inflation, die eine indirekte Form von Staatskonkurs darstellt, durch einen offenen Konkurs vor der Rückzahlung drücken wird. Es ist ein zusätzliches, konkursähnliches Risiko das zum Konkursrisiko im eigentlichen Sinne hinzutritt und deshalb die Versicherungsprämie erhöht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Hans-Werner Sinn, sie sind mir bekannt vom Fernsehen. Es gab eben in meinen Bekanntenkreis eben eine Diskussion wie man sein Geld am besten anlegen könnte. So richtig ist man sich nicht einig geworden, bis ein Gesprächpartner auf die Idee kam zu fragen, wie Sie ihr Geld in der heutigen Zeit anlegen. Ist es möglich, daß Sie mir Tips geben, wie man sein Geld am besten anlegt ? Es geht um Beträge von 150.000 € bis etwa 10.000.000 € Ich hoffe diesbezüglich auf eine vernünfitge und ehrliche Antwort.
Sehr geehrter Herr M., deutsche Immobilien sind auf absehbare Zeit der Renner, weil die Krise viele Leute den sicheren Hafen suchen lässt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, ich habe eine Frage bezüglich der Irlandhilfen durch den EFSF. In einem Ihrer Vorträge stellen sie die Ursache für die Irlandhilfen heraus, Irland habe seinen Banken ein Rettungsversprechen im Umfang des 2,5 fachen des irischen BIPs. Wurden die ELA-Kredite in Höhe von rund 50 Mrd. € verwendet um ein Teil der Refinanzierung der Banken zu realisieren? Wenn ja, hat Irland deshalb Hilfen durch den EFSF beantragt um nicht komplett über ELA-Kredite die Banken zu retten, da sich so ja die Geldmenge erhöhen würde und somit die Inflation? Vielen Dank für Ihre Antwort im Voraus. Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr G., Irland hat sich mit Händen und Füßen gegen die EFSF-Hilfe gewehrt. Man fragt sich, warum sie nicht gerettet werden wollten, wenn sie doch in Nöten waren. Die Antwort: Sie hatten sich zuvor ja schon selbst durch Refinanzierungskredite zu einem Zins von 1% gerettet, konkret mit der Gelddruckmaschine. (ELA ist ein Teil dieser Kredite. Nämlich jene Refinanzierungskredite, die ohne Sicherheiten vergeben werden und vom irischen Staat verbürgt werden.) Beim EFSF mussten die Iren aber 6% bezahlen. Es ist klar, was sie vorzogen. Der niedrige Zins, den man für das Recht, sich Geld zu drucken, zahlen muss, ist der Grund dafür, dass der irische Premier angekündigt hat, nächstes Jahr wieder aus dem Rettungsschirm heraus zu wollen. Heute zahlt man 1,5%. (Es ist immer der Hauptrefinanzierungszins.) Mit der Inflation hat das nichts zu tun. Wenn man sich über den EFSF finanziert fließt das Geld vom Rest der Eurozone nach Irland und von dort für den Kauf von Gütern oder Assets (Kapitalflucht aus Irland) wieder zurück in den Rest der Eurozone. Wenn sich Irland über Target finanziert, wird der Gelddruck und die Kreditvergabe der jeweiligen nationalen Notenbanken vom Rest der Eurozone nach Irland verlagert, und das Geld fließt dann wieder zurück dorthin für den Kauf von Gütern oder Assets. Kein Unterschied. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, als Argument wird ja auch immer europäische Solidarität von den Geber-Ländern gefordert. In diesem Zusammenhang würde ich gern einmal wissen, wieso aus z.B. Deutschland Unterstützungsleistungen erwartet werden, solange dem zu unterstützenden Staat noch EIN Staatsbürger angehört, der über ein höheres Einkommen oder Vermögen verfügt, als der „ärmste“ deutsche Steuerpflichtige. Anders gefragt, was ist daran solidarisch, wenn ein deutscher Facharbeiter mit einem angenommen Einkommen irgendwo um die 3.000,- Euro auch nur einen Euro von seinen Steuergeldern auf’s Spiel setzen soll (ob nun als Direktleistung, Bürgschaft, Garantie oder wie auch immer), solange viele Griechen, Portugiesen, Italiener, Franzosen usw. (die Herren Berlusconi, Papandreou und Sarkozy eingeschlossen!) über weit mehr Mittel verfügen als unser Facharbeiter. Diese Frage hätte ich auch gern einmal von den angeblich verantwortlich handelnden Politikern aller Fraktionen beantwortet; und das bitte ohne die hinlänglich bekannten Ausflüchte (wie z.B. sich hinter dem Vorwurf der Polemik zu verstecken). Denn diese Frage stellen sich wohl so langsam immer mehr Menschen. Die ehrliche Antwort liegt, so glaube ich, klar auf dem Tisch: Es geht nicht um eine Art Länderfinanzausgleich. Nein, was hier stattfindet ist eine massive Umverteilung von unten nach oben. Und die Politiker der PIGS+F-Staaten spielen mit, weil sie eine realistische Chance sehen, PIGS+ihre Wahlgeschenke an das ausgeplünderte Volk aus dem deutschen Steuertopf finanzieren zu können. Und das so elegant, dass kein Normalbürger weiß, wie er dem begegnen kann. Und weder die Verfechter der Marktwirtschaft noch Sozialdemokraten vertreten das Volk, welches sie gewählt hat; letztere sehen sogar in Eurobonds eine Lösung. Diesen Politikern scheint der Blick für die Wirklichkeit völlig abhanden gekommen zu sein, die Grundrechenarten eingeschlossen. Mit herzlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank auch für diesen Beitrag. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre Veröffentlichungen zur Problematik der Target-Salden, die ich mit großem Interesse aufgenommen habe. Worauf ich mir allerdings bislang keinen Reim machen kann, sind die verglichen mit der Bundesbank noch viel exorbitanteren Außenstände der luxemburgischen Zentralbank. In Relation zur Einwohnerzahl sind deren Forderungen nämlich wesentlich (um etwa das 33-fache!) höher, als diejenigen der Bundesbank, wenn man sie auf jeden Deutschen umlegt. Bisher konnte ich noch nirgends eine Antwort darauf finden, wie dieser unglaublich hohe Target-Saldo Luxemburgs zustande kommt. Haben Sie eine Erklärung dafür? Mit freundlichen Grüße
Sehr geehrter Herr S., Sie haben Recht, die Target-Forderungen von Luxemburg sind pro Kopf gerechnet sehr hoch. Das liegt an dem überproportional großen Bankensektor dort. Die hohe Target-Forderung dürfe Ausdruck einer Kapitalflucht aus Krisenländern sein. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in den Medien wird vermehrt berichtet der Euro habe Deutschland geholfen (ja, er soll sogar das Wachstum beflügelt haben). Prominente und aktuelle Beispiele sind die FAZ und das Handelsblatt. Beide Medien beziehen sich auf eine McKinsey Studie. Hier die Links zu den Artikeln: http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/euro-bringt-deutschland-milliarden-wachstum/5498858.html http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/im-gespraech-frank-mattern-wir-verdanken-dem-euro-ein-drittel-des-wachstums-11499521.html Besonders interessant ist die Grafik im Artikel der FAZ. Die Daten vergleichen (so wie ich das sehe) 2010 mit 2009. Ein Jahr in dem unsere Exporte sich abschwächten als Folge der Krise und ein Jahr in dem die Exporte bereits in den ersten Monaten stark anzogen... Das ist meiner Meinung nach nicht sehr seriös solche Jahre zu vergleichen. Außerdem soll Deutschland dem Euro 1/3 seines Wachstums verdanken. Dass ist lächerlich. Der einzige Sektor der stark wuchs war der Exportsektor, dass das keinesfalls nur gut ist kann man ja bei ihnen nachlesen (Stichwort "Basar"). Laut Mckinsey trug der erhöte Handel innerhalb der EU (er versteift sich sehr auf den Export in seiner Argumentation) zum Wohlstandswachstum in Deutschland bei. Wenn er damit meint unser Export in die Euro-Länder sei gestiegen, ist das nachweislich falsch. Er ist gesunken in Länder mit der gleichen Währung. Deutschland hat schon immer viel exportiert auch und gerade mit starker DM. Das wird jeder Währungsexperte zeigen können. Meint man damit aber den gesamten Handel in der EU, erschließt sich mir nicht wie wir davon profitieren und vor allem wenn alles auf Sand gebaut ist und sie es mit "unserem" Geld (Kapitalbilanz) bezahlen. Außerdem kann man doch nicht sagen der Euro hat uns als einziges geholfen hat. Das ist Monokausalität und damit nicht haltbar. Es gab seit den 90' viele Effekte die einander beeinflussten und nicht nur den Euro. Nach ihrem Basartheorem wäre der Vorteil einer starken DM groß gewesen oder nicht? Wieso um alles in der Welt sagt der Herr von McKinsey: "Das finde ich nicht überzeugend. Wie haben in Deutschland eine Veredelungsindustrie.". Damit wiederspricht er sich selbst. Wir importieren mit starker Währung günstig und exportieren teuer (wir exportieren ja keine Bananen oder Mangos sondern hochquaitative Güter...). Herr Prof. Sinn sollte Ihnen diese Studie im Detail vorliegen bitte nehmen Sie dazu Stellung.
Lieber Herr Meyer, vielen Dank für Ihren Beitrag. Leider liegt mir die McKinsey Studie im Original nicht vor. Bislang wurde von McKinsey nur eine Pressemitteilung mit den von Ihnen bereits genannten Fakten veröffentlicht. Die Aussage, dass Deutschland der Hauptprofiteur des Euros sein sollte, ist für mich nicht ersichtlich, auch wenn von Seiten der Politik immer wieder darauf hingewiesen wird. Ein Blick auf die Entwicklung diverser Wirtschaftsdaten legt jedoch den Schluss nahe, dass sich die wirtschaftliche Expansion in Deutschland relativ zu der in den übrigen Teilnehmerstaaten des Euros im Zeitraum von 1995 bis 2010 mäßig gestaltet hat. So wies Deutschland in dieser Zeitspanne das zweitniedrigste Wirtschaftswachstum auf. Von 1995 bis 2010 nahm das BIP in Deutschland etwa um 20,4% zu. Im gleichen Zeitraum weisen Länder wie Irland oder Griechenland Wachstumsraten von 102,3% bzw. von 45% auf. Auch fiel Deutschland in dieser Zeit beim BIP pro Kopf vom 3. auf den 10. Platz zurück. Darüber hinaus floss das deutsche Sparkapital nach Einführung des Euro verstärkt ins Ausland. Damit hat es dort einen Boom erzeugt, wie etwa in Spanien und Irland. Vielfach wird behauptet, unsere Außenhandelsüberschüsse zeigen wie sehr wir vom Euro profitiert haben. Diese Argumentation verkennt, dass der Außenhandelsüberschuss mit einem Kapitalexport aus Deutschland einhergeht. Damit ist dieser Überschuss Ausdruck des oben genannten Abflusses von Sparkapital aus Deutschland und keineswegs ein Erfolgssignal. Der Kapitalabfluss führt zur Flaute. Es wird wenig im Inland investiert und die Lohnentwicklung ist schwach, was den Konsum dämpft. Damit ist die Inlandsnachfrage generell vergleichsweise gering. Nähere Ausführungen zu diesem Thema, können Sie in dem von mir verfassten ifo Standpunkt „Wer vom Euro profitiert“ nachlesen. Sie finden den Beitrag auf der ifo Internetseite unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/05stp/_stp?item_link=stp120.htm. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Italien muß im 2. Hj.2011 insgesamt 275 Mrd. € umschulden. Gehen die um 100 Mrd. € für Italien erhöhten Target-Salden darauf zurück, daß Italien an den Kapitalmärkten derzeit nicht mehr kreditwürdig ist und seine auslaufenden Anleihen über diese Notenbankkredite finanziert? Zweite Frage: Stünden Sie bis zum Jahresende für eine FDP-Veranstaltung zur Schäffler-Initiative in Ihrer (und meiner) Heimat Ostwestfalen-Lippe als Redner oder Podiumsdiskutant zur Verfügung? Mit lippischem Gruß Michael Hentschel, Detmold
Sehr geehrter Herr Hentschel, vielen Dank für Ihre Mail. Es gibt eine Kapitalflucht aus Italien. Dies führt auch zu den erhöhten Target-Salden. Das ist in der Tat ein weiterer Beleg für die ungewollten Wirkungen des derzeitigen Target-Systems. Der Staat Italien kann allerdings nicht direkt seine auslaufenden Anleihen über Notenbankkredite finanzieren. Aber es ist für die italienischen Banken offensichtlich der Weg, den Kapitalabzug zu bewältigen. Bezüglich der Vortragsanfrage muss ich Sie enttäuschen. Es fällt meiner Sekretärin zunehmend schwerer, noch Zeit aus dem Kalender herauszuquetschen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die Krise treibt mich um und wo findet man noch Gehör? Eine naturwissenschaftlich bewiesene Wahrheit ist, dass aus Nichts kein Etwas zu schaffen ist; der Homunkulus ist Schimäre - überall - auch in der Finanzwirtschaft. Das bedeutet: Hinter jeder Summe Geldes muss irgendjemand stehen, der letztenendes bezahlen muss. Das ist auch bei "Hebelungen" nicht anders; egal in welcher rechtlichen Ausgestaltung. Konkret gesagt: Nehmen wir mal an, die deutsche Haftung bleibt rechtlich tatsächlich auf nominal 211 MRD Euro begrenzt. Aber was passiert, wenn die Privaten (Banken, Versicherungen, Fonds etc), die die über den eigentlichen Rettungsschirm um ein Vielfaches hinausgehende Summe kreditiert haben, ihrerseits vor dem Konkurs stehen (weil irgendwann jede Summe aufgebraucht ist; und weil wer schon 300 Mrd nicht zurückzahlen kann, erst recht nicht 2,5 Billionen zurückzahlen kann)? Also was ist dann? Die Antwort ist einfach: Dann müssen diese Privaten (die heute die Lösung sein sollen) gerettet werden! Besser gesagt, sie müssten gerettet werden; nur ist dann selbst die vormals gesunde Bundesrepublik überfordert. Dann haftet Deutschland am Ende der Fahnenstange für 2-3 Billionen und das bedeutet "Pleite"! Dann bekommen wir Hyperinflation und Währungsreform! Dann ist alles, was seit '45 in Deutschland aufgebaut worden ist an privater und öffentlicher sozialer Sicherheit auf dem kalten Weg verschleudert worden. Verschleudert ohne dass der Bürger sich wehren konnte, verschleudert von einer unheiligen Allianz von Politikern, die ihren Auftrag, das Volk zu vertreten, nicht zu kennen scheinen, Finanzjongleuren, die sich mit prallen Taschen davonstehlen und einem Verfassungsgericht, das bei großen Fragen versagt (leider gerade da). Die Lösung? Cameron hat Recht: Schnell und massiv muss gehandelt werden. Aber bei den Mitteln irrt er: Nicht noch mehr Geld (Schulden), sondern Gesetze (ge- und Verbote) müssen her: Oft gesagt und nicht von mir erfunden: Finanzmärkte regulieren. Und zwar genau so im Schnellstverfahren, wie auch sonst in wenigen Tagen Gesetze durchpeitschen werden, wenn es ums Geldausgeben geht. Und das auch national! Egal, was es kostet: Jede andere Lösung wird teurer. Im Übrigen: Nachweispflicht hinsichtlich des Erwerbs von Finanztiteln, so wie man auch z.B. bei einem Auto die Rechtmäßigkeit des Besitzes nachweisen muss. Und Forderungen, die aus Finanztransaktionen resultieren, die nicht den nach deutschen Gesetzen geforderten Standards entsprechen, werden eben in Deutschland nicht anerkannt, sind hier nicht durchsetzbar. Wer z.B. im Lande X eine Frau nach den dortigen Gesetzen ganz legal gekauft hat, kann diesen Anspruch doch auch nicht in Deutschland gerichtlich durchsetzen. Mit freundlichem Gruß, Volker Hegerfeld
Sehr geehrter Herr Hegerfeld, vielen Dank für Ihren Beitrag. Sie haben vollkommen Recht mit Ihrer Analyse. Stimme voll und ganz zu. Über die Politikmaßnahmen, die Sie vorschlagen, kann man debattieren. Wichtig ist es, ein Verfahren zu etablieren, dass für die sinnvolle Verwendung der Hilfsgelder entwickelt wird, so dass der öffentliche Mittelfluss allmählich zum Versiegen kommt und die notwendige reale Abwertung der GIPS-Länder eingeleitet wird. Die European Economic Advisory Group at CESfio hat hierzu in ihrem jüngsten Jahresbericht eine dreistufige Krisenprozedur mit wohldefinierten Hilfen durch besicherte Ersatzanleihen entwickelt. Den Jahresbericht finden Sie unter folgendem Link: http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Sehr geehrte Herren, bei einer Staats-Bonität ist es wie bei einem privaten Unternehmen, oder im Bankgeschäft, die Bonität ist schnell kaputt geredet (auch wenn es stimmt , dann heisst es, rette sich wer kann). Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Eine von Ihnen diskutierte Insolvenz Griechenlands muss unbedingt verhindert werden, es würde ein Domino-Effekt folgen, die anderen schwachen Südländer würden ebenfalls - sehr gerne- folgen, um ihre Schulden los zu werden, dies auf Kosten der 26 % - Quote der Deutschen in der Euro-Finanzierung. Die Banken-Engagements in diesen Ländern wären ebenfalls abzuschreiben. Das zusammen dürfen Sie sich ausrechnen. Es muss unbedingt eine langfristige Umschuldung dieser Länder erreicht werden, der einzige Ausweg. Siehe hierzu die Anlage. Die Sparmassnahmen lassen sich nur mittelfristig umsetzen, ohne dauernde Regierungswechsel und Instabilität . >Die Südländer haben sich viel zu kurz- und mittelfristig als Staaten verschuldet, aus dieser Falle müssen sie herausgebracht werden. > >Zeit gewinnen und geben, zählt dazu. > >Wir sollten darauf drängen, dass der Verwendungszweck für die EFSF Tranchen genau überprüft wird, sinnvoll ausgegeben wird,nicht in dubiosen Kanälen versickert, also keinesfalls frei verfügbar ausgezahlt wird. >Die Ratingagenturen, die evtl. auf default stellen, haben dieses Problem ( langfristige Aktiva kurzfristig anfinanziert, Risiko der Umschuldung) garnicht erkannt, liegen mit ihren Ratingeinschätzungen deshalb schief. >Die aktuell fälligen Anleihen von Griechenland sind restlich in 2011 und 2012 nicht so hoch, viel schlimmer ist ein Flächenbrand auf die anderen schwachen Südländer. > Wäre es nicht so teuer, verlorene oder nicht verlorene ZINSZUSCHÜSSE für Neuanleihen , als Differenz zu einem europäischen Durchschnitt zahlen, und zwar allenfalls Jahr FÜR JAHR. >Dies , weil Deutschland wohl als sicherer Hafen aktuell niedrigere Zinsen zahlt, als sonst ohne Eurokrise zu zahlen wäre. >Dies auch nur sukzessive nach erfüllten Auflagen z.B. zur Sanierung des griechischen Staatshaushaltes. Wichtig ist, dass die Regierungen und die Parlamente der Südländer selbst mit überzeugenden Sparmassnahmen Vorbild zeigen, z.B. sich die Gehälter selbst kürzen, oder die Pensionen, oder sonstige Vorteile, worüber die breite Bevölkerung erbost ist. Wie soll eine Bevölkerung in Griechenland seiner Regierung folgen, wenn diese sich ( 3 führende Familienclans) sich jahrelang die Taschen vollgestopft haben ? > >Unser Parlament sollte gem. dem BVG-Urteil seine Rechte stärker nutzen, jedoch fachkundig diskutieren, nicht auf Wählerstimmer schielen. Im übrigen zu den diskutierten Eurobonds: Es wäre der Einstieg zum Ende , d.h. die reichen Nordländer sollen dann unbegrenzt in jeder Hinsicht für die armen Südländer zahlen. Auf keinen Fall dürfen wir als Deutsche dadurch für das KAPITAL der Altschulden und Neuschulden haften. >Das wäre nicht nur die Belohnung der Schuldigen ( z.B. hat u.a. die Mafia in den 90 er Jahren Billionen schlechter Lira auf italienische Versichrungen eingezahlt, die dann durch die Euroeinführung in gutes Geld umgewandelt wurden), sondern als weitaus schlimmer für die Nordländer vergleichbar mit einem Währungsschnitt. Dieser Einstieg würde von den anderen schwachen Ländern auch gefordert, und dies würde indirekt zu einem Euro-Währungsschnitt führen, den die breite Bevölkerung der Deutschen und der anderen Nordländer so direkt erkennen würde. Freundliche Grüße Hans-Friedrich Neuerburg P.S. Über 40 Jahre im Bankgeschäft einer deutschen Großbank
Sehr geehrter Herr Neuerburg, vielen Dank für diese Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihr Interview bei BR alpha gesehen, in dem Sie es als Ihre Aufgabe bezeichneten, als Chef des Ifo-Instituts die Öffentlichkeit politisch aufzuklären und die Debatte über wirtschaftspolitische Fragen zu fördern. Nun würde ich Sie gern mal aus der Perspektive eines interessierten Laien, der ja nach Ihrer vertretenen Ansicht in die Diskussion als Bürger eingreifen soll, auf den einen oder anderen offenen Punkt ansprechen, den ich allein nicht aufzuklären imstande bin. Vielleicht können Sie solche Anregungen ja in einen Ihrer nächsten Beiträge mit einbauen. So lese ich bei Martin Wolf in der FT in einer Auseinandersetzung mit Ihnen, dass Länder zwar durchaus ihre innere Wettbewerbsfähigkeit durch Austeritätsmaßnahmen wiederherstellen können, aber er schreibt, man könne nur "mit zwei Händen klatschen". Also müsse auch speziell Deutschland im Gegenzug etwas leisten: Konjunkturförderung, höhere Inflation etc. Wie stehen SIe dazu, geht das wirklich, dass die GIPS-Länder nur durch Gürtel enger schnallen vorankommen? Auf der anderen Seite scheint das ja bei Lettland und Irland durchaus geklappt zu haben. Hier bin ich durchaus verwirrt, vielleicht können Sie demnächst dieses zentrale Thema noch einmal in einem Aufsatz oder Debattenbeitrag erörtern, vielen Dank! Herzliche Grüße Ulrich Lenze, Hamburg
Sehr geehrter Herr Lenze, Sie haben Recht. Wir müssen stärker inflationieren und wachsen. Das tun wir ja auch. Konjunkturförderung vom Staat brauchen wir dafür nicht, denn es läuft ja vergleichsweise gut. Weil das Kapital krisenbedingt in Deutschland bleibt, kommen wir nun wieder stärker hoch, wachsen im Inneren und importieren mehr, während der Export durch die Inflation einen Dämpfer kriegt. Wenn wir nicht im Euro-Durchschnitt eine größere Inflation haben wollen, müssen andere Länder gleichwohl billiger werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Anliegen gilt der Diskussion über die von Ihnen analytisch aufgedeckten Targetproblematik.Über ein offensichtlich eindeutiges Problem(s.Schlesinger) findet gegenwärtig eine verwirrende Fachdiskussion statt. Auch im neuen ECB-Monatsbericht wird analog zur Bundesbank die Targetproblematik (bewußt) verharmlost und über Seiten eine Analyse der spezifischen "Technicalities" des Targetsystems angeboten.Die Tatsache das Target von den "Südländern" als neue Finanzierungsform für die Zahlungsbilanzdefizite verwendet wird,wird nicht akzentuiert und so getan, als wenn es sich dabei um die normalen Risiken der Zentralbank im Geldschöpfungsprozeß handeln würde.Mich würde interessieren, was passiert mit den Forderungen der Bundesbank im worst case der Staatsinsolvenz einzelner Staaten wie z.B. Griechenland. Die griechischen Banken können doch dann sicherlich ihre Verbindlichkeiten gegenüber der ECB(=Forderungen d.Buba)nicht erfüllen? Mit freundlichen Grüßen Josef Holzer
Sehr geehrter Herr Holzer, da die griechischen Banken mit Staatspapieren vollgepumpt sind, sind sie allesamt sofort pleite, wenn der griechische Staat pleite ist. Wenn Griechenland nicht zahlen kann, verlieren wir unseren Kapitalanteil an den Target-Forderungen gegen Griechenland, etwa 28%. Wenn alle GIPS-Länder pleitegehen, verlieren wir 33%, und wenn Italien auch noch pleitegeht, 43%. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich kenne Ihre Vorlesung zur Eurokrise aus dem internet. Können Sie meinen Gedanken dazu etwas abgewinnen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz Den Abgeordneten des Bundestags hoffnungsvoll gewidmet Notstands-Gesetze Sehr geehrte Damen und Herren, alle haben wenig Zeit. Ich versuche deshalb mich kurz zu fassen. Folgende Einwände sprechen gegen jegliche Erweiterung des "Euro-Rettungsschirms": Europa und der Euro sind nicht identisch 1. Es sind die kulturellen Wurzeln, die Europa zusammen halten, nicht die gemeinsame Währung. Die Argumentation über einen Rettungsschirm wird unwahrhaftig geführt und ist irreführend, wo politische und wirtschaftliche Motive sich miteinander vermischen. 2. Die notwendige Solidarität mit Griechenland (und weiteren Ländern der Union) drückt sich nicht im Geldtransfer, sondern in der Hilfe zu einem Neubeginn aus. Helfen kann man Griechenland erst wenn man den Mut hat, es vom Euro abzukoppeln (ihm eine Art Quarantäne ermöglicht), über Schuldenstreckung oder Schuldenerlass verhandelt und eine eventuelle Insolvenz helfend begleitet. Es ist also nicht ein Rausschmiss das Motiv (damit wir vielleicht ungeschoren davon kommen), sondern die Gewissheit, dass eine notwendige Abnabelung die Voraussetzung bildet, um solidarische Hilfen wirksam zu machen. Alle bisherigen Mass- nahmen versickern. Sie verschleiern und verschleppen das Problem: und die Zeche zahlen unsere Kinder 3. Eine abgewertete Währung ermöglicht Griechenland den Neubeginn. Es kann den Tourismus zu steigern und (wie andere Länder des nahen und fernen Ostens) Aufträge aus ganz Europa übernehmen, die wieder wirtschaftlichen Aufschwung einleiten. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte Griechenland sich so konsolidieren, dass es unter bestimmten Voraussetzungen erneut in den Euroraum eintreten und seinerseits anderen Ländern solidarisch helfen kann. 4. Alle vorgeschlagenen Sparprogramme und Schuldenbremsen sind ohne den Willen des Volkes - ohne seine Einsicht und Opferbereitschaft - niemals durchzusetzen. Angedrohte Strafzahlungen oder andere Repressalien sind nicht zu realisieren, wenn nichts da ist und man schon mildere Vorgaben zu erfüllen nicht in der Lage war. Der Geld- transfer ermutigt nur weiterzumachen wie bisher. Warum auch nicht? 5. Solange insolvenzgefährdete Länder mit dem Euro verbunden sind, muss der Euro schwächeln - nach dem Prinzip der kommunizierenden Gefäße. Erst die Trennung stärkt den Euro und versetzt ihn in die Lage (enthebt ihn aber nicht der Pflicht) effektvoll und solidarisch zu helfen. Die starken Euroländer und ihre Banken müssen rechtlich die Möglichkeit bekommen, uneinbringbare "Rettungsschirm"-Milliarden auf 20 bis 30 Jahre abschreiben. Sie müssten zinslos auf der Euro-Badbank eingelagert werden und sich jedes Jahr um 3 bis 5 % verringern. So gewinnt man auch Zeit für eine grundsätzlich notwendige Reform des internationalen Finanzwesens. Europa braucht Notstandsgesetze um für die kommende Finanz- und Bankenkrise gewappnet zu sein. D.h. befristete Gesetze, die - im voraus für 3 bis 5 Jahre vom Parlament verabschiedet - fertig in der Schublade liegen und die nach festgelegten Kriterien ohne weiteres wirksam werden können. Darin sind geregelt: - die Begrenzung von hohen Einkommen - die Besteuerung hoher Einkommen durch Sonderprogressionen - die Einführung einer progressiven Vermögenssteuer - Anhebung der Erschaftssteuersätze - die Begrenzung von Unternehmensgewinnen (Erträgniswucher) - Begrenzung und Abschöpfung von Renditen - Begrenzung von Zinsen (Zinswucher) - die Deckelung von Beamtengehältern und Renten ab 1.500 Euro - die Einführung hoher Transaktionssteuern, Spekulationsgewinn- und Kapitalertragssteuern, um kurzfristige Spekulationen einzudämmen (wenn sich gewisse Tendenzen der "Märkte" schon nicht verbieten lassen, soll die Allgemeinheit wenigstens daran mitverdienen - insbesondere bei Hedgefonds). - Begrenzung des freien Geldverkehrs - Begrenzung von Unternehmensverkäufen und -fusionen (Zustimmungspflicht von Betriebsbelegschaft und staatlichen Organen) - Reform der Sozialleistungsansprüche - Reform der Asylrechtsansprüche und alternative Vorschläge für eine sinnvolle Weltwährungsreform. Oder, wollen Sie wirklich Ihre Kinder und Enkel für unsere Versäumnisse bezahlen lassen? Mit freundlichen Grüßen Ulf Waltz
Sehr geehrter Herr Waltz, diese drakonischen Maßnahmen sind vorläufig übertrieben. So weit sind wir noch nicht. Es wäre besser, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
May I just take the opportunity to congratulate you on your recent. Saving The Euro article. My goodness. How crisp, balanced and very astute it. It was a pleasure to read. Kind Regards. Ps. I have 250.000 euros to invest. Which I am concerned about. I am a poet not an econimist. Though I have a real interest in the latter. Any suggestions CDS on France? I dont mean to be presumptious or rude. Hopefully, thats understood.
Dear Mr. R., I do not know how you can protect your money against the crisis. Perhaps you buy German real estate, because Germany is likely to experience growing land prices as everyone is look for safe havens. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Lieber Herr Prof. Sinn, kennen Sie diese Liste? http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Unternehmen_in_Griechenland Können Sie mir das Geheimnis verraten, wo und wie Griechenland mit einer Abwertung Drachme international wettbewerbsfähig werden will? Bei Coca-Cola und Lotto? Mfg Ihr Dr. Becker
Lieber Herr Becker, durch den Kauf von weniger Mercedes-Autos. Wettbewerbsfähig ist ein Land, wenn es so viel importiert, wie es exportiert. Die Anpassung geht entweder über die Importseite oder über die Exportseite. Im Falle Griechenlands letzteres. Jedes Land der Welt, wie unproduktiv auch immer, ist bei Freihandel wettbewerbsfähig. Das ist das Grundtheorem der Außenhandelslehre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, egal wie man es dreht und wendet, es spricht derzeit so gut wie alles gegen Griechenland. Auch einen Austritt aus dem Euro halte ich für nicht ganz unproblematisch, denn dadurch würde man, abgesehen von der Erschwerung der Rückzahlung von Auslandsschulden, einen Weg einschlagen, der Griechenland in Richtung Billiglohnland, und damit in direkte Konkurrenz zum benachbarten Bulgarien treiben würde. Ob diese Konkurrenz die Griechen friedlich stimmen, und vor allem von diesen zu gewinnen wäre, möchte ich bezweifeln. Bisher hat die griechische Regierung diese Konkurrenz praktisch mit staatlichem Geld verhindert. Daß beispielsweise jeder Schüler jedes Jahr neue Schulbücher erhalten hat, war ja nichts anderes als eine Alimentierung der Druckindustrie, und wer so vom Staat alimentiert wird, kann schlecht ins (billigere) Nachbarland abwandern (kennt die Volkswirtschaftslehre solche "Alimentierungsfaktoren" ;-)? ). Doch statt bisher nicht abwandern zu können, werden diese sehr zügig abwandern müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben bzw erst zu werden. Meiner Meinung nach hat Griechenland nur die Chance, sich das billigere Nachbarland zunutze zu machen, sich selbst dagegen auf hochwertige Entwicklung und Endfertigung zu spezialisieren. Dies wird aber Zeit und Geld beanspruchen. Eine Möglichkeit, um an Geld zu kommen, sehe ich in einer besonderen Art der Umschuldung. Da die griechischen Staastschulden mittlerweilen nicht mehr das Problem Griechenlands sind, sondern das der überwiegend ausländischen Banken, könnte eine Umschuldung auch so aussehen, daß der Staatsbankrott erklärt und die Staatsanleihen durch solche mit längerer Laufzeiten getauscht werden, die allerdings einen "negativen Zinsertrag" haben, d. h. der Eigentümer muß beispielsweise 3% pro Jahr zahlen, damit die Anleihen nicht ungültig werden. Damit hätte Griechenland das benötigte Geld, die Geldgeber wären an der Rettung entsprechend beteiligt, und diese müssten keine so hohen und vor allem kurzfristigen Abschreibungen vornehmen. Wäre eine derartige Umschuldung, abgesehen von der politischen Durchsetzbarkeit und der Risiken durch CDS, denkbar? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr L., Griechenland ist etwa um die Hälfte teurer als die Türkei, die ähnliche Waren produziert. Deswegen ist das Land nicht wettbewerbsfähig. Ob es nun gefällt oder nicht, wenn niemand von außen künstlich den Lebensstandard finanziert, muss man sich bescheiden. Bei einem Austritt und externer Abwertung um ein Drittel fiele der Lebensstandard aber nicht in diesem Umfang, weil ja die lokalen Waren und Dienstleistungen auch billiger werden. Nur die Importware wird nicht billiger. Deutschland hat durch Preiszurückhaltung in 15 Jahren um 22% gegenüber seinen Handelspartnern im Euroraum abgewertet. Das war wahrlich kein Zuckerschlecken. Wenn Griechenland in viel kürzerer Zeit im Euroraum durch Kürzung der Löhne und Preise um ein Drittel billiger werden soll, so geht das praktisch nicht, und selbst wenn es ginge, triebe es doch die Firmen in den Konkurs, weil deren Bankschulden nicht mit abgewertet werden, währen die Preise ihrer Realvermögensgüter entsprechend der allgemeinen Preissenkung fallen. Also bleibt dem Land nur der Austritt, wenn wir es nicht dauerhaft finanzieren wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vor der Abstimmung über den ESFS am 29. September sollten noch einmal die ungeschönten faktischen und zu erwartenden Belastungen Deutschland durch die EU und die EURO-Rettungsmaßnahmen der Öffentlichkeit und damit vor allem den verantwortungslos handelnden Politikern vor Augen gestellt werden. Das Handelblatt online vom 16.9.2011 http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/was-kostet-uns-der-euro/4610936.html bringt nicht Ihren Artikel „EZB und Rettungsfonds dürfen keine Staatsanleihen kaufen“, sondern einen Artikel zur Euro-Krise mit dem Untertitel „Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet“. Durch die Addition der Posten IWF ESM (Bareinzahlung) ESM (Bürgschaften) IWF-Rettungsplan für Griechenland EU-Rettungsplan für Griechenland EZB-Staatsanleihenkäufe Target-Verbindlichkeiten kommt der Autor auf eine Gesamtsumme von 379 EURO im schlechtesten Falle. Für ESM Bareinzahlung werden im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro veranschlagt, für ESM Bürgschaften bis zu 168 Milliarden Euro im Ernstfall. In http://de.wikipedia.org/wiki/TARGET2 kann man zu den Bundesbankforderungen im Rahmen von Target2 an die EZB lesen: „Im August 2011 stiegen sie auf 402 Milliarden Euro.“ Gibt es nicht weitere mögliche Belastungen durch die HERMES-Ausfuhrbürgschaften und durch die Kaskadenstruktur der Haftung, durch welche die zahlungsunfähigen Staaten ihre Bürgschaften auf die verbleibenden Staaten, besonders wieder Deutschland abwälzen können? Gilt diese Kaskadenstruktur auch für ESFS? In der Zusammenstellung eines Internet-Lesers fand ich folgende Angaben: 16.9.2011 flötrolf GRE I - 22 bis 38 Mrd. EURO; Bundesbank-Kontokorrent für PIIGS-Notenbanken: 356 Mrd. EURO; Anleihen der EU-Kom: 78 Mrd. EURO; EFSF - 400 Mrd. EURO; Hermes-Ausfuhrbürgschaften für die PIIGS - 167 Mrd. EURO; EZB - Anleihenaufkäufe - 150 Mrd. EURO; Bankenrettungsfonds - 500 Mrd. EURO (ja der besteht nach wie vor); IWF - 138 Mrd. EURO; EIB - Kreditausfälle - 48 Mrd. EURO; Als Wirtschaftslaie will ich mich gern auf Sie als glaubwürdigen und nicht gekauften oder erpressten Wirtschaftsexperten verlassen. Mit großem Dank für Ihr Wirken grüße ich Sie Horst Peters
Sehr geehrter Herr Peters, die Zahlen im Handelsblatt sind veraltet und entstammen vermutlich einem Artikel, den ich dazu vor der Sommerpause geschrieben habe. Die aktuellsten Zahlen finden Sie im neuesten ifo-Schnelldienst, der auf der Homepage herunterladbar ist. Die Target-Schuld im August sind 390 Milliarden. Dazu habe ich gerade gestern in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel geschrieben. Man kommt bei der Darstellung der Zahlen leicht durcheinander, weil das Eigenkapital der Bundesbank bei der EZB in der Statistik dazu gerechnet ist. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, sie engagieren sich seit Jahren für die Stabilität der Eurozone und stellen wie wir einfachen Bürger fest, dass immer neue Risiken aufgebaut werden, die Deutschland als Transfer- und Haftungsträger verpflichten. Die heutige "Münchner Runde" sah Sie einmal mehr als Verfechter eines Innehaltens und Überdenkens der gefährlichen Situation angesichts für die Bundesrepublik Deutschland gewaltige Vermögensrisiken. Solche Haftungsrisiken sind, wie vom Bundesverfassungsgericht festgelegt, von den Parlamenten zu beschließen, statt vom einem europäischen Gremium, das dafür überhaupt kein Mandat hat. Als „Normalbürger“ im 8ten Lebensjahrzehnt verfolgt man nicht nur als politisch Interessierter, sondern als betroffener Staatsbürger mit „europäischer Geistesprägung“ seit geraumer Zeit die politische Entwicklung mit ernster Sorge! Zunehmend verhärtet sich ein „Unbehagen an der Politik“. „Europa“ stellt sich dem Bürger weniger als „grenzenlos“ dar, sondern als politischer Krankheitsherd ungeahnten Ausmaßes! Anstatt wirtschaftlichen Aufschwunges bestimmen „Krisenländer“ mit überschuldeten Staatshaushalten die Handlungslinien der politischen Führung fast aller Mitgliedsländer und die europäische Bürokratie. Zahllose „Experten“ beziehen Stellung zur Schuldenkrise in Europa – was offensichtlich weder in der Vergangenheit zu nachhaltigen Erfolgskonzepten geführt hat, noch für die Zukunft plausible Handlungsoptionen eröffnet! Dem Bürger bleibt neben seinen Existenzsorgen die alltäglich in den Medien verbreitete „Drohkulisse“ eines Scheiterns Europas. "Scheitert der Euro, scheitert Europa!" Mit diesem Ausschließlichkeitsargument versucht die Bundeskanzlerin, die Abgeordneten des Bundestages und uns Bürger in Ihrem Sinne zu disziplinieren! Mit Ihrem heutigen Hinweis in der Münchener Runde "...wenn ihr nicht das Portmonae öffnet, droht ein weltweiter Finanzkollaps..." charakterisieren Sie genau den Handlungsdruck, der von der Finanzwelt ausgeht und die Politik "vor sich her treibt." Das ist nicht länger zumutbar, weil daraus nichts als Aussichtslosikkeit erwächst, jegliches souveränes politisches Handeln ausschließt - und, demokratische Willensprozesse ad absurdum führt! Laut dem jüngsten ZDF-Politbarometer sind 76 Prozent der Deutschen gegen die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms. Viele Mails, Briefe und Anrufe bei den Abgeordneten sind Ausdruck dieses Volkswillens. All diese Menschen begreifen nicht, dass eine Regierung und die Abgeordneten des Bundestages nicht aus dem bisherigen krisenhaften Ablauf lernen! Schließlich haben bisher alle Hilfspakete ihre Wirkung verfehlt, alle Stabilitätsvereinbarungen der Maastricher Verträge wurden gebrochen - zum Schaden Deutschlands und seiner Bevölkerung, der gerade Haftungspflichten durch so genannte "Rettungsschirme" auferlegt werden, die zukünftigen Generationen keine andere Wahl als ein Leben in Fremdbestimmung und wirtschaftlicher Armut zumutet! Anstatt die Probleme unseres Landes zu lösen und Schulden abzubauen (Zinsverpflichtungen des Haushaltes = 40 Milliarden jährlich - der drittgrößte Haushaltsposten!), werden gebetsmühlenhaft Drohkulissen der Finanzwelt vermittelt. Das ist der Offenbarungseid dieser Bundesregierung, die schon längst keine Handlungsinitiative mehr hat - und die Gefangene ihrer eigenen verhängnisvollen Politik ist! Offensichtlich können einige wenige Finanzinstitute mit ihren Gurus die ganze Welt aus den Angeln heben - nur, weil die exorbitante Überschuldung europäischer Länder dafür die Vorlagen liefert! Obwohl immer das Gegenteil beschworen wurde, lässt sich ein kontrollierter Konkurs Griechenlands wohl kaum vermeiden. Und trotzdem wird der Bundestag in diesem Monat wohl mit großer Mehrheit für weitere Hilfspakete stimmen. Dem Bürger wird seit Jahren die Alternativlosigkeit einer Europapolitik sowohl von den Politikern, europäischen Institutionen, und der Finanzwelt offeriert, die einer Geiselnahme gleich kommt - man hat als Bürger das Gefühl, dem Chaos von Mitgliedsstaaten der EU ausgeliefert zu sein und sieht daher die eigene Lebensgrundlage gefährdet! Die Fähigkeit oder der Wille scheint abhanden gekommen, zu einer gründlichen "Güterabwägung" zurück zu kehren, die eine Fragestellung zur Grundlage macht, ob durch "Rettungsschirme" oder sonstige Hilfsmaßnahmen oder Auflagen der beabsichtigte Zweck, nämlich die Stabilität des Euro tatsächlich erreicht werden kann - oder ob "gutes Geld" dem "schlechten" wirkungslos und zu aller Schaden hinterher geworfen werden soll! Ich füge Ihnen als Anlage zu unseren Bürgersorgen meine Einlassungen an die Politik bei. 1. Unbehagen an der Politik (aus Sorge um den demokratischen Konsens) 2. Frau Bundeskanzlerin – Scheitern Europas 3. Finanzkrise Vorhersage 2005 Was mich persönlich beunruhigt ist, dass die internationale Finanzkrise die Denk- und Beurteilungsabläufe der Politik durch „Drohkulissen“ beeinflusst, bzw. einschränkt. Das kommt einem geistigen „Gulag“ gleich, in dem es die Ergebnisse von induktiven Denkprozessen öffentlich gebrandmarkt werden – und so deduktive Denkmuster gefördert, die, von „Experten“ vorgegeben, alternatives Handeln unter Ausschaltung folgerichtiger Denkprozesse einschränkt! Nach dem Motto: „Das Ganze vor den Teilen sehen“ werden normative Fakten nationaler Wirtschaften und Gesellschaften zugunsten einer Europaidee „globaler Stärke“ hinten angestellt, die seit Gründung den Nachweis ihrer Alltagstauglichkeit schuldig geblieben ist – ja durch eine Niedrigzinspolitik die Haushalte zahlreicher wirtschaftsschwacher Mitgliedsländer in den Ruin treibt/getrieben hat, weil sie zum Schuldenmachen geradezu annimiert hat! Ob Sie, Herr Professor mit Ihren Einlassungen „Recht“ haben – oder ob die Abläufe einer zwingenden Eigendynamik folgen, die weder Frau Merkel noch Herr Sarkozy beherrschen, wird die nahe Zukunft zeigen – mit Sicherheit zu Lasten der Bevölkerung - mit unbestimmter Zukunft! Ist das "Demokratie heute"?! Mit sorgenvollem Gruß Volker Meyer
Sehr geehrter Herr Meyer, wie Recht Sie doch haben. Vielen Dank für diesen Beitrag. Mit freundlichen Grüßen Hans-Werner Sinn
Gedankenspiel: Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bei gleichzeitigem Beibehalt des Euro als Fremdwährung Sehr geehrter Herr Sinn, wie viele andere Deutsche treibt mich die Angst sowohl um den Euro, die EU und, im besonderen aber auch die Angst vor dem um, welche Welle auf uns zurollen wird, wenn die Regierung die gegenwärtige Rettungsschirmpolitik starrsinnig fortführt und unsere Alterssicherung leichtfertig aufs Spiel setzt. Was dort lauert, das haben Sie ja schon verkündet, leider will es derzeit niemand hören, gleichgültig aus welcher politischen Ecke er entstammt. Nun aber meine Alternative zu den beiden Extremen Rettungsschirmpolitik vs. Euro-Austritt der Griechen aus dem Euro bzw. Insolvenz Griechenlands: Spielen Sie doch bitte einmal die folgende Alternative durch und nehmen die Beispiele der Dollarisierung (z.B. Ecuador, El Salvador) oder Euroisierung ( z.B. Montenegro, Kosovo), die keine eigenen Währungen besitzen sondern den US-$ bzw. den Euro als Fremdwährung übernommen haben. Griechenland verlässt die Euro-Zone und den Stabilitätspakt, würde aber den Euro als Fremdwährung beibehalten. Die Griechen würden sich dem Spardiktat entziehen, das zu nichts weiterem führt als zum Totalverlust ihrer Wirtschaftskraft und zum Volksaufstand. Griechenland könnte dann zwar nicht abwerten wie mit einer Drachme, würde aber dem Dilemma einer Drachme-Einführung entgehen, dass Einnahmen in Drachmen getätigt würden, Schulden aber in Euro zu begleichen wären. Die Banken drohen bei diesem Modell nicht zu fallen, weil es keinen Run auf Spareinlagen gäbe. Sie müssten nur über längere Fristen mit dem griechischen Staat zur Begleichung ihrer Forderungen verhandeln, andernfalls den Zahlungsausfall riskieren. Für die übrigen 16-Euro-Länder hat dies den Vorteil, dass sie nicht in die Falle der Haftungsgemeinschaft gerieten. Die Gefahr, dass Griechenland zwar zahlungsunfähig würde, besteht zwar dann auch, hätte aber nicht die dramatischen Folgen, die in der jetzigen Situation 100%-ig einträfen, nämlich Zahlungsausfall gekoppelt mit Inanspruchnahme der Bürgen auf lange Sicht und damit Abwürgen des europäischen Motors in der Euro-Zone Deutschland (+Frankreich, Niederlande, Österreich). Ein Zahlungsausfall Griechenlands würde in diesem Fall auch nicht auf andere Eurozonen-Mitglieder übergreifen, da die direkte Koppelung entfiele. Zudem fiele dadurch eine Belastung für die wirtschaftlich stärkeren Mitglieder weg und das auf lange Sicht schwache Griechenland würde nicht durch die starken europäischen Nordländer in die Ecke gedrückt werden. Denn bei allen Rettungsplänen für die Griechen bleibt immer ein strukturelles Problem bestehen: wenn die griechische Wirtschaft konkurrenzfähig werden will, muss sie immer gegen die Wirtschaften der Nordländer konkurrieren, und das zu EZB-Bedingungen für die Nordländer und dem Stabilitätspakt im Nacken. Wie sollen sie jemals dabei einen Fuß auf die Erde bekommen, das ist die Quadratur des Kreises. Der Euro für die Griechen als Fremdwährung mag zwar nicht der beste Weg sein, er ist aber derjenige, der jedem Mitspieler am wenigsten schmerzen und gleichzeitig allen die Last etwas lindern würde, eben die klassische win-win-Situation, wenn man dei einem Dilemma überhaupt von einem win sprechen kann. Ich hoffe, dies ist eine kleine intellektuelle Anregung, die vielleicht Einzug in die politische Diskussion finden und den gedanklichen Stillstand beenden könnte. Mit freundlichen Grüßen Juergen Rieck Berlin
Sehr geehrter Herr Rieck, vielen Dank für Ihren Brief. Ich glaube nicht, dass der Euro als Parallelwährung eine Lösung bietet, denn die Hauptsache ist ja, dass Griechenland zu teuer ist und ein gewaltiges außenwirtschaftliches Defizit abbauen muss. Das geht nur über die Drachme. Es müssen zugleich alle In- und Auslandsschulden in Drachme umgetauscht werden. Da die Ausslandsschulden souveräne Schulden nach griechischem Recht sind, kann Griechenland die Umwandlung unilateral vornehmen. Nur so geht es meines Erachtens. Dann haben alle ausländischen Gläubiger einen gleichmäßigen Haircut im Ausmaß der Abwertung. Das werden sie verkraften. Wegen Argentinien und Mexiko ist die Welt auch nicht untergegangen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hello Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, I have just become aware of a controversy involving yourself: http://economicsintelligence.com/2011/10/06/gips-euros-vs-german-euros-debunking-hans-werner-sinn-vol-ii/ (I have no opinion on this.) I do write to provide you with clear demonstration of a condemnable, massive deception by omission, done by the ‘mainstream’, which severely fools the people. I try to inform the people, but have no pulpit. Very instructive, real asset price histories are kept very-little-apparent to the people, please see: http://homepage.mac.com/ttsmyf/begun.gif http://www.nytimes.com/imagepages/2006/08/26/weekinreview/27leon_graph2.html Up to date, by me: http://homepage.mac.com/ttsmyf/RHandRD.html I feel sure that the main enabler of sizable asset price bubbles (very harmful!) is keeping the real inflation-adjusted price histories out of sight ... Might you care to give voice to UNfooling the people? Very sincerely,
Dear Mr. H., Yes I know Mr. Storbeck. He understands some nonsense and then argues against that. He permanently makes false allegations about what I said and wrote, twisting it often into the opposite. I gave it up to react to him. The scientific paper with Wollmershäuser has all the necessary details. This is the link: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Thanks for your links. Hans-Werner
Sehr geehrter Herr Sinn: Ich habe diesen Sonntag Ihr Interview gelesen, welches "El Mundo" veröffentlicht hat. Ihre Meinungen über die jetzige Situation der Währungsunion fand ich besonders zutreffend. Als ich in Bonn studierte (1987 - 1993) war der Vertrag von Maastricht in den ersten neunziger eine starke Debatte. Ich erinnere mich insbesondere daran, dass mein Professor des Wahlfaches Geldpolitik, M.J.M. Neumann, immer wieder eine bindende und glaubwürdige "no bail - out clause" forderte, welche am Schluss im Text nicht aufgenommen wurde. Jahre später sieht man, dass diese glaubwürdige "no bail out clause" viele Probleme vemieden hätte, denn, wie Sie im Interview feststellen, jedes Mitgliegstaat der Währungsunion muss seine Probleme für sich lösen und nicht auf die Hilfe anderer hoffen. Dies ist insbesondere der Fall in einer nicht optimalen Währungsunion wie unsere, in der keine einheitliche Finanzpolitik besteht und die Mobilität der Arbeitskräfte im Binnenmarkt beschränkt ist. Ich teile auch ihre Meinung über die Prämie die Spanien für seine Verschuldung zahlt. Die ist nicht zu hoch. Im Gegenteil, ich mach mir Sorgen darüber, dass diese Prämie indirekt oder, seit August, direkt mit Hilfe der europäischen Zentalbank künstlich heruntergedrückt wird und den Marktkräften nicht das richtige Signal geben lässt. Meiner Meinung nach ist die Politik der europäischen Zentralbank im Falle von Spanien (wahrscheinlich auch Italien) völlig verfehlt. Sie hat nur zur Folge, dass die notwendigen strukturellen Reformen verzögert oder nicht einmal durchgeführt werden (Sparkassen, Arbeitsmarkt, usw.). Wenn Spanien 700 Basispunkte mehr als Deutschland zahlen müsste, wäre die Nachfrage nach Reformen will stärker und viel einfacher es der Bevölkerung zu erklären. Dies wäre eingentlich der Mehrwert einer einheitlichen Geldpolitik, im € verkörpert, ein richtiger Disziplinmechanismus für die Mitgliedstaaten. Schade, dass fast jeder daran interessiert scheint, die Probleme unter dem Teppich zu kehren. Ein anderer Weg wäre jedoch möglich. Schliesslich steht im Artikel, dass Sie sich zum Ordoliberalismus bekennen, was als "deutscher Neoliberalismus" übersetzt wird. Ordoliberalismus ist, wenn ich mich nicht irre, eine der wissenschaftlichen Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft, welches von der österreichen Schule abzugrenzen ist und nicht mit Neoliberalismus verwechselt werden sollte. Es freut mich dass Ihre Meinungen bis Spanien angekommen sind. Ich muss jedoch zugeben, dass ich in meiner Heimat, auch unter Volkswirten, ein Sonderfall bin. Ich denke, dass Sie solche Äusserungen von Spaniern jedenfalls selten hören werden. Zu viele, wirklich zu viele, "vested interests". Mit freundlichen Grüssen, P. Spanischer Volkswirt
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Nachricht. Ja, in der Tat, Manfred Neumann hatte damals den vollen Durchblick. Ich selbst war noch nicht so weit, sondern habe mich von der Euro-Euphorie blenden lassen. Ich bin immer noch für den Euro, aber doch mit den Maßregeln, die Neumann beschrieb. Ihr Hans-Werner Sinn
Honorable Mr. Sinn I think it´s my moral duty to send you the result of my complaint in Entidade Reguladora para a Comunicação Social. Forgive me in my first email, but here in Portugal "the big money speaks laugther" and the news is what you saw! Take a look at roll of public debt created by politicians (Madeira, Metro do Porto, Public-Privates Parceries, etc). This debts wasn´t made by the public, but by the politicians! Thank you once more for your mail!It´s frustanting to try being informed in the news and even that public information most of the time is wrong. Please don´t put the blame on Portuguese people, blame our politicians. Best regards
Dear Mr. V., Thank you for your information. Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, ich verfolge schon seit Jahren Ihre Statements in Bezug auf die Schuldekrise der BRD und Europas und bin mit Ihnen absolut d'accord. Es stellt sich aber die Frage, wie kann die Politik von Ihren Argumenten und die Ihres Ifo-Institutes überzeugt werden. In Deutschland gibt es gewiß einen Anteil von 50% in der Mittelschicht, die sofort einer Unterschriftenaktion zur Einflußnahme auf die Politik teilnehmen würde. - Wenn man die sich abzeichnende politische Entwicklung in der BRD vor dem Hintergrund der Bundestagswahlen in 2013 vor Augen führt, muss ganz eindeutig von einer weiteren Verschlechterung der Schuldensituation in der BRD ausgegangen werden, und dies trotz der im Grundgesetz eingeführten Schuldenbremse. - Wieso kann niemand der deutschen Bevölkerung klarmachen, dass deren Lebensstandard schon seit rd. 10 Jahren abgenommen hat und weiterhin abnehmen wird. - Nun schürt Frau von der Leyen zudem Angst, dass die Sozialsysteme in der BRD auseinanderbrechen werden, wenn wir Griechenland fallen lassen, den Rettungsschirm nicht finanziell bedienen, etc. - Bitte bleiben Sie und ihr Ifo-Institut in allen Medien präsent und lassen Sie bitte in Ihrem Bemühen nicht nach, damit Ihre Argumente letztendlich umgesetzt werden. Mit bestem Gruß Franz Pfaff
Sehr geehrter Herr Pfaff, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, herzlichen Dank für Ihren Vortrag beim Export-Club Bayern, der vielen der dort Anwesenden die Augen für die dramatische Euro-Krise geöffnet haben dürfte. Nachstehend finden Sie - ich hatte Sie darauf angesprochen- den heute von MdB Stinner übermittelten Bericht aus Berlin, in dem es in Ziff. 1 b. u.a. zur BT-Entscheidung ueber den EFSF am 29.09. 2011 heißt:" ..sowie um die Ermächtigung von Aktivitäten, wie z.B. den Ankauf von Bonds am Primär-und Sekundärmarkt,...." Mit freundlichen Gruessen Dr. Klaus Hermann Ringwald
Sehr geehrter Herr Dr. Ringwald, Sie haben Recht mit Ihrer Interpretation. Die direkte Staatsfinanzierung ohne Krisenprozedur und ohne IWF ist nun möglich. Dazu der Text, über den der Bundestag abstimmen wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn Im Gesetzentwurf für den Bundestag steht: „(1) Das Bundesministerium der Finanzen wird ermächtigt, für Finanzierungsge- schäfte, die eine von den Mitgliedstaaten des Euro-Währungsgebiets gegründete o- der beauftragte Zweckgesellschaft zur Durchführung von unter der Voraussetzung der Absätze 2 und 3 gewährten Notmaßnahmen zugunsten eines Mitgliedstaates des Euro-Währungsgebiets tätigt, Gewährleistungen bis zur Höhe von insgesamt 211,0459 Milliarden Euro zu übernehmen. Notmaßnahmen im Sinne von Satz 1 sind Darlehen der Zweckgesellschaft an den betroffenen Mitgliedstaat, einschließlich sol- cher, die der Mitgliedstaat zur Rekapitalisierung von Finanzinstituten verwendet, vor- sorgliche Maßnahmen sowie Ankäufe von Staatsanleihen dieses Mitgliedstaats am Primärmarkt oder Sekundärmarkt. Gewährleistungen nach Satz 1 können nur bis zum 30. Juni 2013 übernommen werden. Zu diesem Zeitpunkt verfällt die Ermächtigung für den nicht ausgenutzten Teil des Gewährleistungsrahmens. Eine Gewährleistung ist auf den Höchstbetrag dieser Ermächtigung in der Höhe anzurechnen, in der der Bund daraus in Anspruch genommen werden kann. Zinsen und Kosten sind auf den Ermächtigungsrahmen nicht anzurechnen.
Lieber Prof. Sinn, Griechenland führt die Troika und die deutsche Politik vor Anstelle der 8 Mrd. Euro aus dem Rettungspaket II der Troika, die derzeit verhandelt werden, besorgt sich Griechenland rasch 30 Mrd. Euro über den Target2-Mechanismus der Zentralbanken. Wie das geht? Ganz einfach die griechische Zentralbank emittiert 30 Mrd. Euro, die sie den griechischen Geschäftsbanken zur Verfügung stellt.[1] Von dort fließt das Geld dann in die griechische Wirtschaft und erhält dafür griechische Staatsschuldverschreibungen von der griechischen Regierung. Si ist die griechische Regierung nicht mehr auf die Hilfen aus dem Hilfsprogramm I angewiesen. Man kann auch ohne die fristgerechte Zahlung aus dem Rettungspaket liquide bleiben. Grundlage dafür ist das “Emergency Liquitity Assistance” Programm ELA der EZB.[2] Dieser Finanzierungstrick kann nur mit einer zweidrittel Mehrheit im Zentralbankrat der EZB gestoppt werden. Griechenland missbraucht die Währungsunion über Target2 So missbraucht man die Regeln der EZB. Denn im EZB-Rat hat Deutschland keine Verbündeten. Am Ende zahlt es ja dann doch die Deutsche Bundesbank. Über den Missbrauch des Clearing-Mechanismus von Target2 zur Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten und Staatsschulden der Krisenländer hat Hans-Werner Sinn und Timo Wollmershäuser eine umfangreiche Analyse vorgelegt.[3] Solange dort den Krisenländern kein Riegel vorgeschoben werden kann und auch noch Trichet die quasi-wertlosen griechischen Staatschuldverschreibungen diskontiert, hat der Versuch Griechenland über den Rettungsschirm I mittels Stabilisierungsauflagen zu einer Haushaltskonsolidierung zu zwingen keine Chance. Die Griechen sind viel gerissener was Schuldenfinanzierung angeht als es sich mancher Politiker und Zentralbanker in Deutschland vorstellt. Wie sagte doch der derzeitige Finanzminister der Griechen: „Ich ziehe in den wahren Krieg.“[4] Nur dass, er nicht für die Konsolidierung des griechischen Staatshaushalts in den Krieg zieht, sondern gegen die EZB und das System der Zentralbanken. Bevor diese Lücke nicht geschlossen wird, wird es auch keine Zugeständnisse der Griechen geben. Da die Deutsche Bundesbank die ganzen Verluste automatisch finanziert, ist die Bundesrepublik über die EZB quasi in Geiselhaft genommen worden. Die Börsen haben verstanden und die Kurse schießen wieder nach oben. Mit freundlichen Grüßen Georg Erber ________________________________________ [1] http://www.radio-utopie.de/2011/09/18/griechenland-zentralbank-druckt-kommerziellen-banken-euro-pasok-regierung-garantiert-mit-30-milliarden/ [2] http://www.businessinsider.com/greece-emergency-liquidity-assistance-thursday-2011-8 [3] http://www.wiso.uni-hamburg.de/lucke/wp-content/uploads/2011/04/Sinn-Wollmersh%C3%A4user-Target-neu-deutsch.pdf [4] http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,769087,00.html ____________
Lieber Herr Erber, vielen Dank für diese zutreffenden Einschätzungen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Ich habe mit grosser Genugtuung Ihre Ausführungen in der BR Sendung Münchner Runde am 13. September 2011 verfolgt, als Sie u.a. kritisiert haben, daß in den Entscheidungen über den Euro Malta die gleiche Stimme hat wie Deutschland, obwohl sie eine wesentlich kleinere Witschaftskraft hat. Ich kann nicht verstehen, daß die deutschen Politiker eine derartige Konstellation zugelassen haben. Ähnlich schlimm ist die Lage bei der EU Komission in Brüssel. Dort gibt es etwa 160 französische hohe Beamte und nur etwa 100 deutsche. Kein Wunder also, wenn Brüssel die Destillation des französischen Weinüberschusses zu Industriealkohol finanziert und gleichzeitig wir für unseren Milchüberschuß Millionenstrafen zahlen müßen. Viele Bürger in Deutschland wissen gar nicht, daß diese ganzen Eurorettungsschirme das Hauptziel haben, die französischen Banken zu retten, die wesentlich stärker in den Südpleitestaaten beteiligt sind als die deutschen. Letztlich versucht der Franzose Trichet diese französischen Banken mit den Aufkauf der Staatsanleihen der Pleitestaaten auf Kosten des deutschen Steteurzahlers zu sanieren. Der Franzose Sarkozy wickelt unsere Kanzlerin um seinen Finger, um beliebige Geldmengen zu lockern zum selben Zweck. Ich danke Ihnen dafür, diese Politik zu kritisieren. Sie haben das Kriterium der „fiskalen Disziplin“ in Verbindung mit den EU Südstaaten genannt. Meines Erachtens kann man die tausendjährigen Sitten eines Volkes nicht ändern, zumindest nicht kurzfristig, wie viele deutsche Politiker jetzt verlangen. Man kann als Beispiel dafür die Mafia aufführen. Italien versucht schon über ein Jahrhundert lang diese auszurotten, bisher mit nur mässigen Erfolg. Wenn die Südländer die Steuern ein tausend Jahre lang nicht bezahlen wollten, dann ist es eine Illusion, sie jetzt plötzlich dazu bewegen zu können. Ich stamme selbst aus dem Süden, aus Kroatien und glaube die südländischen Sitten zu kennen. Es ist mE unmöglich die Staaten mit so unterschiedlichen Sitten, und verschiedenen Ansichten über die fiskalen Angelegenheiten in einer monetären Union zusammenzuhalten, ohne negative Auswirkungen auf unseren Wohlstand. Ich glaube, daß es zur Sicherung unseres Wohlstands dringend notwendig ist, die Südstaaten aus der Eurozone zu entfernen. Auch denke ich, daß Deutschland eine zahlenmässig angemessene Vertretung in den Entscheidungsgremien von EU und von EZB bekommen muss. Es darf in einer Demokratie nicht sein, daß mein Nachbar in Stutensee ein Grieche zweimal mehr Stimmrecht bei den Wahlen für das EU Parlament hat als ich. Mit freundlichen Grüßen Drazen Perinic
Sehr geehrter Herr Perinic, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, zuerst meinen Dank an Sie für Ihr sehr gutes und verständliches Interview auf BR alpha. Eine Frage: Die Bundesbank hat 390.000.000.000 Euro an Target-Forderungen gegen die EZB. Wie hoch sind die entsprechenden Forderungen anderer Staatsbanken gegen die EZB, z.B. die der französischen? Ich Frage dies deshalb, weil Formulierungen wie "Im Juni 2011 lag die Target-Schuld der GIPS-Notenbanken bei 327 Milliarden Euro, und ähnlich groß war die Forderung der Bundesbank." (Süddeutschen Zeitung, 19.09.2011, Nr. 225 , S. 18) bei mir der Eindruck entstehen lässt, dass alleine die Bundesbank mit den Target-Krediten belastet wird. Falls das stimmt wäre das... unfassbar. Und ich würde fragen, wie so etwas möglich sein kann. Zumindest anteilig ihrer Wirtschaftskraft müssten die Nationalbanken anderer Länder beteiligt sein. Mit freundlichen Grüßen, ~Thomas Pfohe
Sehr geehrter Herr Pfohe, es sind nicht nur Kredite der Bundesbank geflossen. Auch Luxemburg, Finnland und Holland haben welche gegeben. Aber das war alles vernachlässigbar relativ zu dem, was aus Deutschland kam. Frankreich hat keine Kredite gegeben, sondern welche bekommen. Mit freundlichem Gruß Hans- Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, die Schuldenquote Italiens wird oft, auch vom Ifo Institut, mit knapp 120% des BIP angegeben. Nun enthält das von Italien errechnete BIP aber gut 17% Schattenwirtschaft, aus der ja keine Steuern eingenommen werden, die zu Zinszahlung und Tilgung verwendet werden könnten. Bezieht man die Schulden auf das reguläre BIP, ergibt sich (auf der Basis dieser Zahlen) eine Schuldenquote von ca. 144%. Ist die auf das reguläre BIP bezogene Schuldenquote zur Einschätzung der Schuldentragfähigkeit eines Landes der italienischen Methode vorzuziehen? Mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr H., das ist ein guter Punkt, an den ich noch nicht gedacht hatte. Da das BIP Schätzungen zur Wertschöpfung auf den Schwarzmärkten enthält, ist die wahre Schuldenquote bezüglich des besteuerbaren Teils des BIP in Italien in der Tat höher als 120%, wie Sie darlegen. Im Grunde sollte man die Schuldenquoten entsprechend umrechnen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich möchte mich zunächst einmal herzlich bedanken für Ihre vielen erhellenden Beiträge zur Euro-Krise, die für mich wie ein Augenöffner gewirkt haben und die sich so erfrischend vom intellektuellen Mainstream in der Medienlandschaft abheben. Ich habe eine Frage zu Ihrem Aufsatz zu den Target-Krediten. Wie sind letztendlich die Target-Forderungen einer Notenbank (insbesondere der Bundesbank) gegenüber der EZB zu interpretieren? Bedeutet dies, dass in den Ländern mit Target-Verbindlichkeiten Kredite für Aussenhandelsgeschäfte, vom Käufer nicht bedient werden konnten, also am anderen Ende der Zahlungskette säumige Schuldner sitzen? Eine Tilgung des Kredits der Geschäftsbank durch den Käufer müsste doch eigentlich die gesamten durch diesen Kauf entstandenen Überweisungsvorgänge wieder rückabgewickelt werden: der Käufer gleicht seine Verbindlichkeiten gegenüber der Geschäftsbank im Target-Schuldnerland aus, diese wiederum kann die Forderung der Notenbank gegen sie ausgleichen, und diese kann die Target-Schuld bei der EZB begleichen. Und dann kann der Posten mit der Forderum des Target-Gläubigers beglichen werden. Wenn die auf dem Wege der Vermittlung durch die EZB geschöpften Kredite fristgerecht bedient würden, könnten doch Target-Salden bei der EZB nur temporär entstehen. Das einzige Problem bliebe dann die von Ihnen ausgeführte Kreditverlagerung zugunsten des Target-Schuldners. Oder habe ich da etwas falsch verstanden? Vielen Dank für Ihre Klarstellung, Herzlichst Hans-Jörg Bokermann
Sehr geehrter Herr Bokermann, die Target-Forderungen entstehen, weil die Mechanismen der EZB dazu geführt haben, dass die GIPS-Länder zu Lasten der Bundesbank mehr Geld drucken und verleihen konnten. Dafür erhielten sie eine Berechtigung, die den Charakter eines Kredits hatte, und die Bundesbank erhielt zum Ausgleich für die Verminderung der Kreditvergabe eine Kreditforderung gegen die EZB. Vielleicht schauen Sie sich das ifo-Sonderheft zu den Target-Krediten an. Dort habe ich eine Einführung zu der Problematik geschrieben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie hoch wäre das wirtschaftliche Risiko für den deutschen Steuerzahler, wenn nicht nur die GIPS-Länder, sondern die GIPSI-Länder, d.h. GIPS plus Italien pleite gingen, falls die deutschen Bundestagsabgeordneten ökonomisch so dumm wären der Ausweitung des Euro-Rettungsschirm in der kommenden Woche, am 29. September 2011, zuzustimmen? Italiens Staatsschulden betragen ja bekanntlich rund 1.900 Milliarden Euro. Und warum werden in der kommenden Woche wohl ca. 80 bis 90 Prozent der deutschen Bundestagsabgeordenten - aus Ihrer Sicht - der ökonomisch hirnrissigen Ausweitung des Euro-Rettungsschirms bzw. EFSF-Rettungsschirm zustimmen? Eigentlich sollten die Bundestagsabgeordneten Schaden vom deutschen Volk abhalten (siehe unter anderem die Amtseide in Artikel 56 und Artikel 64 Absatz 2 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland)? Mit freundlichen Grüßen R. Muth
Sehr geehrter Herr Muth, wenn die GIPS-Länder pleitegehen, haftet Deutschland für 473 Mrd. Euro, und wenn zusätzlich Italien Pleite geht, haftet es für 527 Mrd. Euro. Das ist nicht so viel mehr, als man zunächst denkt, weil der Rettungsschirm begrenzt ist und nur die anteilige Haftung Italiens wegfällt. Allerdings wird in diesem Fall der Ruf nach einer weiteren Aufstockung oder Hebelung der EFSF-Mittel sicher lauter werden. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Ist es nicht so, dass die 30er-Jahre-Krise genau so ablief, indem man die Löhne ins Unermessliche kürzte und damit der Binnenmarkt weltweit zusammenbrach? Sollte man in der Ökonomie nicht längst gelernt haben, dass nur ein funktionierender Binnenmarkt ein kapitalistisches System halten kann? Ist es nicht so, dass Deutschland mit seiner Billiglohnstrategie kläglich gescheitert ist und über 20% Armut geschaffen hat und weitere 23% stehen am Rande der Armut? Ist nicht dieses System an Zynismus nicht zu überbieten und treiben wir damit unser westliches Wirtschaftssystem zurück zur Leibeigenschaft? Wenn heute in Deutschland zwei Elternpaare voll arbeiten und ende des Monats müssen sie zur Sozialhilfe, dann sind wir doch bereits auf dem Niveau von Leibeigenen! Sie, lieber Herr Professor, und leider viele ihrer Berufsgenossen, wollen uns doch tatsächlich die Feudalherrschaft neu verkaufen. Ist das eigentlich nicht sehr beschämend? Es es eigentlich nicht so, dass wir den Binnenmarkt massiv stärken müssen, um aus der Schuldenkrise heraus zu kommen? Die SPD fordert einen Minimallohn von € 8.50, Schlecker bezahlt locker € 4.80 und eine neue Studie zeigt auf, dass ein Lohn selbt bei € 10.-- in die Armut führt. Was ist folglich zu tun? Ganz einfach, rauf mit dem Mindestlohn auf € 12.-- und zwar netto, und schon brummt der Binnenmarkt. Das wiederum generiert massig MwSt. in Milliardenhöhe pro Jahr und somit sind die Staatsschulden obsolet. Wenn man dann gleichzeitig noch die oberste Einkommensklasse in eine steuertechnische Progression setzt, dann hat man plötzlich Steuergelder ohne Ende! Dieses Szenario ist locker auf alle EU-Staaten und die USA anzuwenden. Lieber Herr Professor, Ökonomie ist gar nicht so schwer, man muss ihr nur einfache Mathematik zugrunde legen... Noch ein kleiner Tipp in Sachen Demokratie: Einführung der direkten Demokratie in der ganzen EU und ein kompölett neues Steuersystem. Drei direkte Steuern: Gemeindesteuer, Ländersteuer und Staatssteuer. Somit kann die Gemeinde völlig autonom über ihren Steuerfuss verfügen und hat nirgends nach Geld zu betteln. Falls Sie mehr Informationen über ein effektives Steuersystem brauchen, schauen Sie sich die entsprechenden Seiten aus der Schweiz an. Übrigens, die Schweiz hat auch immer mindestens die Hälfte Arbeitslose als Deutschland, da die Differenz zwischen Hartz-IV und dem untersten Einkommen fast einer Verdoppelung entspricht...!
Sehr geehrter Herr Schudel, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass der Binnenmarkt wichtig für die Wirtschaftsentwicklung ist. Aber Ihre Hypothese, dass er durch die die Lohnkürzungen geschwächt wurde, trifft nicht zu. Das Gegenteil war der Fall. Die Lohnzurückhaltung der letzten Jahre hat mit dazu beigetragen, dass wir nun einen solch starken binnenwirtschaftlichen Boom haben. Lohnkürzungen erhöhen die Investitionsgüternachfrage und schaffen Stellen. Die Lohnsumme wird durch Lohnkürzungen in einer offenen Wirtschaft mit freiem Kapitalverkehr mittelfristig nicht gesenkt, sondern erhöht. Insofern sind Mindestlöhne sicherlich schädlich. Dass 20% in Deutschland arm sind, stimmt nicht, jedenfalls nicht nach den OECD-Definitionen. Danach sind ca. 4% arm und 18% armutsgefährdet. Die Sozialhilfe (Sie meinen wohl Hartz IV) wird in dem von Ihnen genannten Fall in Deutschland ergänzend zum Lohn gezahlt, um das Einkommen unabhängig vom Lohn zu sichern. Ich finde es richtig, dass es durch die Schröderschen Reformen möglich wurde, 1,5 Millionen Menschen Lohnzuschüsse zu zahlen, um ihren Lohn vom Einkommen abzukoppeln. Wenn man das Einkommen nur über den Lohn sichern will, treibt man diejenigen, die man schützen will, in die Arbeitslosigkeit. Nur ein Lohnzuschuss hilft ihnen wirklich. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mir kommt die EZB mittlerweile als eine rein politische Veranstaltung vor.Insbesondere die EZB-Ratsmitglieder scheinen mehr Politiker als Ökonom zu sein.Das Ausufern der indirekten Staatsfinanzierung durch das Eurosystem wird wohl munter weitergehen.Ich befürchte,dass die von H.Schlesinger geforderte TARGET2-Obergrenze inkl. Strafzins nicht kommen wird.Leider. Solange nicht die ersten schmerzhaften Rechnungen für das sträfliche Handeln der politischen Kartelle - wie sie Wolf Schäfer treffend nennt - zu zahlen sind, wird es wohl munter weitergehen.Sobald wir Deutschen unser Portemonnaie zuhalten wird man uns - 66 Jahre nach Kriegsende - als Nazis beschimpfen.Spätestens da werden die linken politischen Protagonisten für eine unbegrenzte Haftung Deutschlands plädieren und diese auch ohne das Volk zu fragen durchsetzen.Einmal mehr werden die Warnungen der Ökonomen in den Wind geschlagen und die Politik wird mit aller Wehemenz versuchen ökonomische Gesetzmäßigkeiten zu ignorieren und auszuhebeln. Die Börsen haben demgegenüber aktuell bereits eine Pleite Griechenlands eingepreist, so scheint mir.Es wäre ein guter Zeitpunkt das politische Projekt Euro in der aktuellen Konstellation zu beenden.Die Politik sollte auch mal Fehler zugeben und sich zu den Fehlern bekennen.Den Euro als Friedensstifter zu bezeichnen ist Dummheit pur.Wir führen ja auch keine Kriege mit der Schweiz, Schweden oder Norwegen, nur weil die den Euro nicht haben oder haben wollen.Wenn Politker behaupten "im Herzen Europäer zu sein" dann kann ich das nicht mehr nachvollziehen: auf meinem Reisepass steht "Bundesrep.Dtl."...ich hoffe für Dtl.,dass Herr Starbatty recht behalten wird und das Ende der Eurozone in den nächsten 24 Monaten droht. Damit würde dann wenigstens die Transferunion verhindert werden....Viele Grüße aus Nürnberg
Vielen Dank, Herr S., für diese Meinung. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe Ihre Zeitungsbeiträge zur Euro-Krise mit großem Gewinn gelesen. Ich werde von meinen Großeltern und meinen älteren Verwandten oft gefragt, ob die Ersparnisse auf der Bank sicher sind, sollte Griechenland seine Schulden nicht mehr bezahlen. Ich antworte dann, dass die Ersparnisse im Grunde genommen laut Stresstest relativ sicher sind. Allerdings wird der Staat bei den Rentnern zu sparen anfangen. Die Inflation wird eher gering sein - obwohl die deutsche Position in der EZB offensichtlich ziemlich isoliert ist. Der Druck in Richtung mehr Inflation wird sicherlich steigen, wenn die Schulden der Euroländer exorbitant hoch werden. Wenn sich die Krise dann aber für andere Länder verschlimmert, sind die Ersparnisse in Gefahr. Was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen eines (nun auch offiziell anerkannten) Staatsbankrotts Griechenlands für die Ersparnisse? Und: sind die Ersparnisse bei einer Verschlimmerung der Krise danach noch sicher? Natürlich spielen hier sehr viele Variablen eine Rolle, sodass eine Vorhersage unmöglich ist. Aber was sind Ihrer Meinung nach die wahrscheinlichsten Auswirkungen auf die Ersparnisse? Vielen herzlichen Dank!
Sehr geehrter Herr W., nicht der Bankrott macht hohe Lasten, sondern die Verschiebung desselben. Das Beste, was Ihren Großeltern passieren kann, ist der schnelle Konkurs und der Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Je länger die Finanzierung der Leistungsbilanzdefizite anhält, desto mehr Geld ist weg. Die Staaten werden es nicht schaffen, das über Inflation hereinzuholen. Sie werden ihre Bürger besteuern, insbesondere auch die Vermögensbesitzer. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre Antworten. Bitte verstehen Sie mich auch nicht falsch, die Abschaffung des Euros war nicht Hintergrund meiner Fragen. Ich denke nur, wenn es so auffällige Fehlentwicklungen gibt, dann müsste es für die betreffenden Länder schon eine Ausstiegsoption geben. Irgendwie habe ich ein Störgefühl, wenn es heißt, Europa sei ein freier Zusammenschluss freier Völker (Helmut Kohl), und dann fragt man die Völker gar nicht, ob sie Mitglied der EWU sein wollen. Ich würde mir Referenden wünschen, um sicherzustellen, dass niemandem etwas aufgezwungen wird. Wenn man auf Referenden verzichtet, kann das m.E. nur bedeuten, dass die drei Staatsgewalten es besser wissen als die Bürger des betreffenden Landes. Das ist aus meiner Sicht auch für Deutschland nicht mehr zeitgemäß. (Sehr interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Analyse des schwedischen Referendums von Lars Jonung im Cato Journal 2004, wo ich auch dem Beitrag von Klaus gefunden habe). Nun hat Klaus in dem von mir zitierten Beitrag aus dem Jahr 2004 auch gesagt, die Binnenmarktfreiheiten hätten den "largest part of the positive economic impact of European integration (as well as of EU enlargement)" gebracht. "The marginal contribution of further economic or noneconomic unification will be close to zero, if not negative”. Martin Feldstein hat in den Foreign Affairs (1997) sogar eine eindeutig negative ökonomische Bilanz aufgemacht: “Indeed, the adverse economic effects of a single currency on unemployment and inflation would outweigh any gains from facilitating trade and capital flows among the EMU members.” Mich würde Ihre Sicht interessieren, auf welche Wirkungen des Euros führen Sie die ökonomischen oder politischen Vorzüge der Währungsunion zurück?
Sehr geehrter Herr Z., Klaus und Feldstein hatten grundsätzlich Recht mit der Einschätzung der Nachteile. Dennoch gibt es auch Vorteile: 1. Schutz vor exzessiven und destabilisierenden Wechselkursschwankungen (Schweiz) 2. Erleichterung des Kapitalverkehrs und damit eine bessere Allokation des Kapitals in Europa, woraus Wachstum entsteht (USA). 3. Senkung der Transaktionskosten für den Warenverkehr (USA). 4. Verbesserung der Freizügigkeit (USA) 5. Basis für politischen Zusammenhalt (USA). Ob diese Vorteile die Nachteile überwiegen, ist debattierbar. Ich habe natürlich auch meine Zweifel. Aber damit sie überwiegen, müssen wir die Regeln der USA übernehmen, insbesondere: 1. Kein Bail-out (Minnesota, New York) 2. Bezahlung der Target-Salden mit zinstragenden Assets. Ich stimme Ihnen zu, dass wir den Euro nicht brauchen, wenn wir dafür die Staatsschulden Europas sozialisieren sollen und die EZB zum Selbstbedienungsladen machen. Das in Kürze dazu. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vor einigen Jahren hat Václav Klaus vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen mit der Auflösung der tschechoslowakischen Währungsunion einmal geschildert, dass der Austritt eines Landes aus einer Währungsunion "can be done without serious costs, smoothly and efficiently". Wäre das aus Ihrer Sicht ähnlich, wenn ein EWU-Mitglied aussteigt, oder wäre hier mit größeren Marktstörungen zu rechnen? Wenn das Land gleichzeitig zahlungsunfähig ist, dann müssten doch geordnete Verfahren erarbeitet werden, analog dem Restrukturierungsgesetz für Banken, um einen stabilitätsverträglichen Marktaustritt zu gewährleisten. Können Sie sagen, ob auf EU-Ebene oder in Deutschland so etwas in Vorbereitung ist oder ggf. schon existiert? Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Sehr geehrter Herr Z., wenn es existiert, ist es geheim. Aber es wäre sträflich, wenn die Regierung so etwas nicht im Geheimen vorbereiten würde. Seit dem Untergang des Kommunismus wissen wir, dass es sträflich war, das angeblich Undenkbare nicht zu denken. Ich habe Klaus dazu letzte Woche gehört. Sie interpretieren ihn richtig. Ich möchte mit dieser Aussage nicht missverstanden werden. Ich halte die Abschaffung des Euro gleichwohl für falsch. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Herrn Heineking haben Sie geantwortet: "bestenfalls ein Prozess des Durchlawierens ... Ein schlechteres Ergebnis wäre, dass der Euro auseinander bricht und noch katastrophaler die Vergemeinschaftung der Altschulden". Bedeutet Durchlawieren letzten Endes nicht ebenfalls Schuldenübernahme, wie sie jetzt Ende September vom Bundestag verabschiedet werden soll: zusätzliche 340 Mrd EUR für den Garantiefonds. Vermutlich wird es wohl nicht die letzte Aufstockung sein. So können doch auf Deutschland und andere Länder hohe Belastungen zukommen. Wäre es dann nicht besser, statt sich durchzulawieren Griechenland die Option anzubieten, Insolvenz anzumelden und die EWU zumindest zeitweise zu verlassen. Die IWF-Programme haben doch auch ein wenig den Charakter einer Kommandowirtschaft. Muss man das den Griechen antun? Die Bevölkerung würde doch - wenn sie gefragt würde - vermutlich auch gerne aussteigen. Wäre der Ausstieg für den Frieden zwischen den Völkern und ihre (wirtschaftliche) Freiheit nicht besser als mit Hilfe der Staatsgewalt die Vision der supranationalen Politischen Union durchsetzen zu wollen? Mit Blick auf die Präambel zur Charta der EU-Grundrechte erscheint mir der Ausstieg aus der EWU die beste Lösung zu sein. Ich verstehe nicht ganz, wieso Sie sagen, dass dies ein "schlechteres Ergebnis wäre" als das fortgesetzte Durchlawieren. Für eine kurze Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen, Z.
Sehr geehrter Herr Z., bei Griechenland bin ich bei Ihnen. So ähnlich habe ich mich verschiedentlich schon geäußert. Jedenfalls können wir Griechenland nicht immer weiter finanzieren, und für Griechenland ist der Austritt deshalb besser, als der Verbleib in der Eurozone, der dem Land unerträgliche Lasten aufbürdet. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie haben bisher immer betont, dass Sie Euro-Bonds vor allem auch deswegen ablehnen, weil dann alle Euro-Länder den gleichen Zinssatz zahlen müssten und damit jegliche Disziplinierung wegfallen würde. Haben Sie schon mal folgenden Gedanken durchgespielt ? Finanzierung über Euro-Bonds, Haftung gemeinsam durch alle Euro-Länder, und zwar nicht nur bis zu einem Verschuldungsgrad von 60 % des Brutoinlandsproduktes (BIP), sondern komplett. Die Finanzierung soll jedoch über eine unabhängige, europäische "Refinanzierungsanstalt" erfolgen, zu marktüblichen Konditionen. Diese gibt dann die Gelder an die einzelnen Länder weiter, aber zu einem gestaffeltem Zinssatz - je nach Verschuldungsgrad. Bis 60 % des BIP 1:1, also zu gleichen Konditionen, zwischen 61 und 70 % des BIP zu einem z.B. um 0,2 % erhöhtem Zinssatz, zwischen 71 und 80 % zu 0,4 % erhöhtem Zinssatz usw.. Dies würde m.E. eine Beruhigung der Märkte schaffen und gleichzeitig auch alle treffen, die die Mastricht-Kriterien nicht einhalten - auch Deutschland -, und wir hätten wieder den gewünschten Anreiz. Der zu erwartende (Zins-) Überschuss kann dann z.B. in Infrastrukturprogramme für die schwächeren Länder fließen. Selbstverständlich muss die Einführung von Euro-Bonds durch eine gemeinsame Wirtschafts-, Finanz-, Fiskal- und Sozialpolitik ergänzt werden (anfänglich erstmal grobe Zielkorridore mit einer gewissen Flexibilität für die einzelnen Staaten). Und wahrscheinlich müssten auch die Länder mit derzeitigen Rettungspaketen (Griechenland, Irland und Portugal) erst einmal außen vor bleiben. Ein Gedankenspiel, das ich bisher in der Diskussion vermisst habe. Ich grüße Sie freundlich.
Sehr geehrter Herr K., das wäre denkbar. Aber vergessen Sie nicht den politischen Prozess. Die Staffelung der Zinsen lässt sich ja nicht durchhalten, wie die Erfahrung des EFSF gezeigt hat. Schritt für Schritt wurden die Zusatzzinsen, die Griechenland, Irland und Portugal zahlen sollten, gesenkt. Nur die Märkte können die Zinssätze festlegen, nicht politische Instanzen. Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass keinerlei politische Disziplinierungsregeln irgendeinen Sinn machen, weil sie unterlaufen werden. Einzig und allein das Knapphalten des öffentlichen Geldflusses hilft. Frau Merkel macht mit ihrer abwiegelnden Grundhaltung genau das Richtige. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, bei der derzeitigen Debatte um die Eurokrise wird ja oft über die Rettungspakete diskutiert. Wie Sie in einen ifo-paper aufzeigen entfallen 88% des Leistungsbilanzdefizits der GIPS-länder auf die Targetkredite. Profitiert Deutschland dann nicht von den Rettungspaketen, wenn diese verwendet werden um anstehende Verbindlichkeiten zu bezahlen? Damit meine ich profitieren nicht im eigentlichem Sinne des Wortes, sondern, dass die Kredite auch von den anderen Ländern der Währungsunion durch die Rettungspakete abbezahlt werden. Die Importgüter stehen zwar nun Griechenland zur Verfügung statt in Deutschland, die deutsche Industrie profitierte doch aber von vollen Auftragsbüchern. Wie interpretieren Sie diese Situation um die Rettungspakete ?
Sehr geehrter Herr G., die deutsche Exportwirtschaft, die deutschen Banken, die Exportwirtschaften anderer Länder, die an Griechenland liefern, die Banken anderer Länder, die Griechenland Kredit gegeben haben und die Griechen selbst profitieren von Hilfsprogrammen für Griechenland. Wieviel von einem Euro, den wir für Griechenland ausgeben, Deutschland wieder zugute kommt, weiß ich nicht. Es ist sicherlich nur ein kleiner Anteil, denn einerseits sind ja die französischen Banken viel stärker in Griechenland engagiert als die unseren, und andererseits profitieren auch die Banken und Exportindustrien von Ländern, die sich nicht an den Rettungsaktionen beteiligen. Die für Deutschland billigste Strategie ist, die eigenen Banken durch Teilverstaatlichung zu retten (und nicht etwa die Aktionäre dieser Banken durch Geschenke). Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Müssten Sie und die führenden Ökonomen in Deutschland nicht einen gangbaren Weg aufzeigen, wie auf die Eurokrise reagiert werden muss? Die Politiker sind in keinem Fall befähigt, die Eurozone aufzuteilen, auch zu einem Ausscheiden von Griechenland kann sich niemand durchringen. Also wird der Schuldenkrise immer dramatischer. Die Kraft, die die Krise freisetzt, ist möglicherweise groß genug, um die Politik in eine Richtung zu zwingen, die zu einer dauerhaften Europäischen Währungsunion führt. Mohamed El Erian schreibet heute im HB, „Er (der Kampf um den Euro) dauert vielleicht noch Wochen oder Monate, aber keine Jahre mehr. Kann nicht ein freiwilliges Eurobond-System kombiniert mit einem unabhängigen Stabilitätsrat eine langfristige Lösung für eine Europäische Währungsunion mit unbegrenzter Haltbarkeit sein? Ein gemeinsamer dringender Aufruf der führenden Ökonomen in D kann vielleicht der Auslöser für eine Rettung in letzter Minute sein. Als Anlage übersende ich Ihnen ein Papier, dass ich hierzu angefertigt habe. Mit freundlichen Grüßen Ihr Wilhelm Heineking Wirtschaftsprüfer Eurobond System Um das drohende Auseinanderbrechen der Europäischen Währungsunion zu verhindern, ist ein Eurobond-System zu planen. Es kann die Europäische Währungsunion auf Dauer stabilisieren und es wird die Märkte beruhigen. Richtig konstruiert verhindert es einen Länderfinanzausgleich und schafft Vertrauen. Es kann damit die Bürger in den Hartwährungsländern beruhigen. Die stabilisierende und Vertrauen schaffende Wirkung entfaltet sich jedoch nur, wenn das Eurobond-System ganz bestimmte Kriterien erfüllt: Die unterzeichnungswilligen Staaten der Eurozone einigen sich auf einen Vertrag: Die EFSF AG (oder eine ähnliche Institution, genannt Eurobond AG) wird die Funktion der Ausgabe von Eurobonds und die Finanzierung der unterzeichnenden Staaten übernehmen. Die unterzeichnenden Staaten der Eurozone haften unbeschränkt gegenüber der Eurobond AG. Alle unterzeichnenden Staaten werden Staatsanleihen wie bisher ausgeben. Diese Staatsanleihen werden vollständig und ausschließlich von der Eurobond AG übernommen. Die Eurobond AG finanziert sich durch Ausgabe von Eurobonds. Der Zinssatz für die emittierten Eurobonds wird vom Finanzmarkt bestimmt. Die Eurobond AG hat einen Stabilitätsrat, der mit weitgehenden Vollmachten ausgestattet ist. Der Stabilitätsrat ist unabhängig. Der Stabilitätsrat besteht aus fünf Ökonomen mit einer Amtsdauer von sieben Jahren. Der Stabilitätsrat wählt eigenverantwortlich seine Nachfolger; Die Rechte und Pflichten des Stabilitätsrats sind im Wesentlichen: Festlegung der (unterschiedlichen) Zinssätze für Staatsanleihen der einzelnen Länder. Die Höhe der Zinssätze bestimmt sich nach dem internationalen Rating der Länder und nach der Verschuldungshöhe (bis 60 % des BIP und über 60 %) sowie nach dem jährlichen Haushaltsdefizit (bis 3 % und über 3 % Haushaltsdefizit). Das Recht, die jährlichen Haushaltsplanungen und die Verabschiedung der Haushalte der einzelnen Mitgliedsländer zu genehmigen; Weisungsrechte an nationale Parlamente zur Koordinierung der Haushalte und der wirtschaftspolitischen Gesetzgebung bei Verletzung bestimmter Stabilitätskriterien. Bei Überschreitung bestimmter Stabilitätskriterien hat der Stabilitätsrat das Recht, die Finanzhoheit eines Staates zu übernehmen und damit bindende Gesetze für diesen Staat zu erlassen. Das Recht endet, wenn die Stabilitätskriterien wieder erfüllt werden. Der Preis für die unbeschränkte Haftungsgemeinschaft ist ein Souveränitätsverzicht auf nationaler Ebene, wenn bestimmte Verschuldens- und Defizitgrenzen verletzt werden. Diese Bedingung ist unabdingbar ebenso wie die völlige Unabhängigkeit des Stabilitätsrats. Die Krise der Europäischen Währungsunion und die Erfahrungen mit den gebrochenen Schuldenbremsen in den USA, den ignorierten Maastrichtkriterien und der gebrochenen „No-Bailout-Klausel“ schaffen bei den Bürgern und Politikern die Bereitschaft, für eine dauerhafte Lösung zu stimmen. Eine geplante Wirtschaftsregierung und ein europäisches Finanzministerium werden die notwendige Disziplin nicht herbeischaffen. Schuldenbremsen in den Verfassungen haben ihren Härtetest noch nicht bewiesen. Letztlich würden immer die Mäuse den Käse überwachen. Wenn die GIPS-Staaten im Eurosystem bleiben und weitere Hilfen wollen, werden sie den Preis eines drohenden vorübergehenden Souveränitätsverzichts zahlen müssen. Ein Eurobond-System kombiniert mit einem unabhängigen Stabilitätsrat wird die langfristige Lösung für eine Europäische Währungsunion mit unbegrenzter Haltbarkeit sein. Die vorgeschlagene Lösung ist eine Kombination aus einer Trennung der Eurozone in Hart- und Weichwährungsländer mit einer gedeckelten Transferunion. Der Lissabonvertrag müsste nicht geändert werden und jeder Saat hat die Freiheit, dem System beizutreten. Ein Eurobond-System ohne einen Stabilitätsrat mit weitgehenden Kompetenzen würde nur Zeit kaufen und letztendlich den Kollaps der Europäischen Währungsunion auslösen. Seefeld, 17.8.2011 Heineking
Sehr geehrter Herr Heineking, die Tatsache ist, dass uns bestenfalls ein Prozess des Durchlawierens bevorsteht, der die peripheren Länder allmählich daran gewöhnt, nicht mehr über ihre Verhältnisse zu leben. Ein schlechteres Ergebnis wäre, dass der Euro auseinander bricht und noch katastrophaler die Vergemeinschaftung der Altschulden, der Weg in den Schuldenmorast und der Untergang der EU, der das Ergebnis von Eurobonds wäre. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, wie beurteilen sie die aktuelle Diskussion um die Eurobonds? Bisher hieß es von ihrem Institut es würden immense mehr Kosten auf DE zukommen. Dies wird jetzt (wie ich auf einem anderen Blog las) bereits kritisiert und man unterstellt ihnen -frei formuliert- der entsprechende Bearbeiter könne keinen Taschenrechner bedienen. Herr Sinn was kann man tun um diesen Eurowahn zu beenden. Wie kann man weiteren Schaden vom deutschen Steuerzahler abwenden? auf Antwort hoffend JM
Sehr geehrter Herr M., die Berechnungen zu den Kosten von Eurobonds greifen alle auf Annahmen zurück, ohne die man nicht auskommt. Lassen Sie mich daher einen weiteren Aspekt anbringen. Um Schuldendisziplin einzufordern gibt es zwei Instrumente: die Politik und der Markt. Die Politik versucht es mit Regelungen, wie dem Wachstums- und Stabilitätspakt. Der Markt geht über unterschiedliche Zinsen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass wir ein System mit zwei Säulen haben. Sowohl die Politik als auch der Markt müssen disziplinierend wirken. Es müssen daher auch weiterhin unterschiedliche Zinssätze möglich sein. Wenn wir nur auf eine Säule bauen, ist das nicht stabil genug. Es gibt oft genug Gründe für Ausnahmeregelungen. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, für Ihre bisherigen Debatten-Beiträge zur Euro-Krise/Staatsschuldenkrise möchte ich Ihnen herzlich danken. Ihre messerschafe Analyse der ökonomischen Vorgänge ist mir ein ausgezeichneter Wegweiser, um zu verstehen, was derzeit - und seit Eunführung des Euro - in der Euro-Zone geschieht. Wenn ich Sie richtig verstehe, lehnen Sie die Einführung von Euro-Bonds entschieden ab. Euro-Bonds würden das Sanktionsinstrument "Zins" für schlecht haushaltende Länder außer Kraft setzen. Damit würden sie auch einem übermäßigen Kapitalexport aus Deutschland in die Euro-Peripherie Vorschub leisten. Zudem hätte Deutschland höhere Kapitalmarktzinsen zu zahlen, weil wir zusätzliche Risiken anderer Länder absichern würden. Letzterer Effekt einer höheren Risikoprämie könne schnell zweistellige Mrd.-Belastungen erzeugen. Leider befürchte ich, dass die aktuelle politische Dynamik in der EU in absehbarer Zeit auf die Schaffung von Euro-Bonds hinausläuft, mit all den aufgeführten Problemen. Verfechter der Euro-Bonds führen nun seit einiger Zeit das Argument ins Feld, nach denen diese Euro-Bonds einen extrem liquiden Markt bilden würden. Aufgrund dieser hohen Liquidität würden internationale Kapitalanleger eine geringere Liquiditätsprämie von den Euro-Staaten als Emittenten der Bonds verlangen. Dieser Effekt sei auch aus deutscher Sicht gegenläufig zu der höheren Risikoprämie. Insgesamt sei deshalb davon auszugehen, dass die Zins-Mehrkosten für Deutschland bei der Einführung von Euro-Bonds überschauber seien. Wie belastbar ist aus ihrer Sicht dieses Liquiditätsprämien-Argument? Rechnen Sie mit günstigen Auswirkungen auf den Zins für Euro-Bonds und wenn ja, in welchem Umfang? Ändert dies etwas an Ihrer Ablehnung von Euro-Bonds? Mit scheint es etwas risikoreich, auf einen günstigen Liquiditätseffekt zu hoffen und die Risiko-Aspekte auszublenden. Mit freundlichen Grüßen Roland Nonnenmacher
Sehr geehrter Herr Nonnenmacher, da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Im Grunde kann ich Ihren Darstellungen nur zustimmen. Es gibt derzeit viele Spekulationen wie groß der Liquiditätseffekt sein könnte. Angesichts der momentanen Schuldenproblematik und den Solvenzproblemen steht jedoch dieser Faktor im Vordergrund. Der Liquiditätseffekt ist dem untergeordnet. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wird durch Anleihekäufe der EZB nicht der letzte Rest Vertrauen in die Märkte untergraben und somit das Schuldenproblem mittelfristig verschlimmert? Wie kann es denn sein, dass die EZB plötzlich ohne parlamentarische Beschlüsse Geld der Besitzer der EZB ausgeben kann? Sogar mit offener Missbilligung Deutschlands, was ja ca. für 25 % der Ausgaben einstehen muss? Viele Grüße Thomas Böhme
Sehr geehrter Herr Böhme, der Betrag von 47 Mrd. € ist natürlich nur ein plausibles Szenario. Es könnte auch billiger werden - oder aber teurer. Der erhoffte Liquiditätseffekt dürfte den Risikoaufschlag bei weitem nicht erreichen. Wenn man die Einteilung in blaue (bis 60% des BIP) und rote (alles darüber hinaus) Eurobonds vornimmt, tritt der Effekt für hochverschuldete Länder gerade nicht ein: Die roten Bonds würden die Investoren nur noch mit einer Kneifzange anfassen, für sie werden der Risikoaufschlag und die Liquiditätprämie noch höher als jetzt sein. Der Vergleich mit einzelnen Ländern hinkt, da der Euroraum gerade kein Staat ist. Dennoch: Die hohe Bonität Deutschlands gründet nicht in einer aktuell niedrigen Verschuldung (sie betrug Ende 2010 immerhin 83% des BIP), sondern der insgesamt hohen Solidität der Vergangenheit. Wenn die Investoren erst einmal befürchten, dass es auch bei uns damit vorbei ist, z.B. weil wir übermäßige Lasten übernehmen, wird es mit der bevorzugten Behandlung schnell vorbei sein. Übrigens hat es Italien auch nicht geholfen, einen der größten Anteile am weltweiten Markt für Staatsanleihen zu haben - der Liquiditätseffekt ist eben viel kleiner als der Risikoeffekt. Mit freundlichen Grüßen Kai Carstensen Übrigens scheinen auch die Ratingagenturen nicht so überzeugt zu sein von Eurobonds: siehe http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE77I01320110819.
Sehr geehrter Herr Prof Sinn, wir wissen jetzt alle, dass die Hellas´ Aufnahme in die €-Zone ein Fehler war - die Wiedereinführung der Drachme wäre aber für Griechenland natürlich katastophal.. . Aber, unabhängig von Griechenland: Was spräche gegen Eurobonds, gemanaged über eine unabhängige Eurobond-Agentur, die mit in Abhängigkeit von der EU-Durchschnittsverschuldung und nach zuvor politisch festgelegter Berechnungsmethode nach intern gegenüber den Einzelstaaten mit jeweils differenziertem Zins abrechnen würden? Die Staaten müssten bei Überschreitung von zuvor festgelegten Verschuldungsobergrenzen bei deren Überschreitung die Haushalts-Souveränität an eine solche unabhängige "Agentur" abgeben bzw. ihren Haushalt entsprechend genehmigen lassen - nur dann dürfte die Eurobond-Agentur weitere Anleihen eines solchen Staates in Eurobonds an die Märkte weitergeben. Das würde die Akzeptanz des Euros in den Bevölkerungen stark verbessern, denn ein "sparsamer" Staat wie Deutschland oder Estland würde einen Zinsbonus erhalten, den die "Verschwender-Staaten" durch ihren Zinsmalus sozusagen finanzieren würden (insgesamt sollte das Zins-Saldo ausgeglichen sein, ein reines Rechenexempel..) - die PIGS könnten hingegen dankbar für die durch dieses System induzierte "Zinsdämpfung" sein, die sie gegenüber dem Marktzins erführen. Der Anreiz, an diesem System zu partizipieren und damit gleichzeitig die Disziplinierungmittel zu akzeptieren, wäre extrem hoch. Entscheidend wäre natürlich die unumkehrbare Festlegung automatisch wirkender Sanktionierungen und deren Umsetzung durch eine unabhängige Institution - das könnte Deutschland aber sicherlich als "Gegenleistung" für die Einführung von Eurobonds verlangen. Ich befürchte, dass die Märkte keine Ruhe geben, solange keine grundlegende Lösung auf dem Tisch ist - wenn uns jedoch das bestehende System irgendwann "um die Ohren fliegt", stände die deutsche Exportindustrie wegen des zu erwartenden Aufwertungs-Schock vor einem Desaster. Deshalb meine Idee. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie Ihre Einschätzung dazu äußedrn könnten. Beste Grüße Wolfgang Meyer
Sehr geehrter Herr Meyer, zu Eurobonds gibt es verschiedene Überlegungen, die eine einheitliche Verzinsung für die Länder teilweise aufheben soll. Eine Idee ist etwa in "blaue" und "rote" Bonds zu unterteilen. Jedes Land dürfte bis zu 60% seines BIP Schulden mit Eurobonds aufnehmen (die Blauen). Darüber hinaus müssten die Länder Schulden mit eigenen Bonds aufbringen (die Roten). Auch Ihr Vorschlag geht in die Richtung, bei Eurobonds eine Zinsspreizung zu erreichen. Prinzipiell würde dies auch gehen. Die Frage ist nur, würden diese Spreizungen tatsächlich in einem Maße zugelassen, die sehr unbequeme und teils schmerzliche Reformen nötig machen? Hier sind Zweifel angebracht. Viele Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Sinn! Ich bin begeisterter Anhänger Ihrer Äußerungen und Ihrer Meinung in Sachen Schuldenkrise in Europa. Aus diesem Grunde erlaube ich mir auch, Ihnen kurz umrissen eine mögliche Lösungsidee in Sachen Schuldenkrise darzulegen. Eine genauere Analyse, auch unter Berücksichtigung von Interdependenzen, wurde von mir nicht vorgenommen. Fakt ist, dass Griechenland (und wohl auch andere Länder) überschuldet sind, und im derzeitigen Konstrukt der Währungsunion kaum Chancen haben, sich auch dieser Lage zu befreien. Man könnte für Griechenland (und auch für andere Problemländer) eine sogenannte "Parallelwährung" schaffen, nennen wir sie ECU (diese Bezeichnung kennen wir ja schon), welche als interne Rechengröße für eine bestimmte Zeit Gültigkeit hat. Mit Einführung dieser Rechengröße ECU würden die Bestände an Guthaben und Schulden in Griechenland in einem festzulegenden Verhältnis umgerechnet. Nach diesem Stichtag kann der ECU in "gewissen Bandbreiten" frei floaten, unter der Obhut der EZB. Als Bargeldwährung würde weiterhin der Euro fungieren. Damit würde man die hohen Kosten in Sachen Einführung einer neuen Währung vermeiden. Bei Barbehebungen kommt der von der EZB täglich festgelegte Umrechnungskurs zum ECU zur Anwendung. Diese "Parallelwährung" hat für das betroffene Land Gültigkeit, solange die Wettbewerbsfähigkeit nicht wieder hergestellt wurde (und natürlich auch die Haushaltskonsolidierung). Die EZB wäre sowohl für den Euro und die Rechengröße ECU zuständig. Ersuche Sie weiterhin Ihren Standpunkt weiterhin zu vertreten, die derzeitige Politik hat nicht die Kraft und die Größe wirklich "mutige Entscheidungen" zu treffen, die gerade jetzt notwendig wären.
Sehr geehrter Herr R., vielen Dank für Ihren Vorschlag. Das Problem, das ich sehe, liegt in den Preisen. Man muss alle Preise auf die neue Währung umstellen, damit deren Abwertung alle mit einem Schlag senkt. Das macht Griechenland wieder wettbewerbsfähig. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mich würde Ihre Einschätzung zum jüngsten EU-Gipfelbeschluss zur Griechenland Rettung interessieren. Es sind sich ja nahezu alle ernsthaften Ökonomen einig, daß damit die Tür in die Sozialisierung der Schulden und mittelfristig in die Transferunion geöffnet wurde. Fiskalisch insoweit - besonders für Deutschland - überwiegend ein Misserfolg. Ist es nicht aber zumindest als kleiner Erfolg zu werten, dass die EZB wieder etwas mehr Spielraum bekommt, indem die Staatspapiere aus ihrer Bilanz wandern und stattdessen künftig im Krisenfonds landen. Ich denke, dass Gefährlichste überhaupt wäre es, eine einfache monetäre Lösung für die Euro-Problematik anzustreben und Staatspapiere über die EZB in größerem Umfange ankaufen zu lassen (Monetarisierung von Schulden). Dies zumindest wurde einstweilen vermieden. Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die künftige Geldwertstabilität im Euro Raum? Sehen Sie - wie in Ihrem Buch "Kasino Kapitalismus" beschrieben - nach wie vor Europa eher in Richtung Japan treiben (deflatorische Tendenzen) oder sehen sie doch eher die Gefahr, künftig eine Politik des leichten Geldes mit deutlicher Inflationstendenz erleben zu müssen? Für eine kurze Antwort wäre ich sehr dankbar. Und bewahren Sie sich bitte den Mut, weiterhin alle ökonomischen Fakten so klar beim Namen zu nennen. Ihre Courage und Ihre Sachkompetenz finden breiteste Anerkennung.
Sehr geehrter Herr K., da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Herr Sinn hat in mehreren Publikationen darauf hingewiesen, dass die EZB sich massiv an der Rettung Griechenlands beteiligt. Es ist aber die Aufgabe der Regierungen die Rettungsmechanismen zu beschließen. Wenn die Regierungen diese Verantwortung von der EZB übernehmen, ist das sicherlich richtig. Zu Ihrer Frage über die Preisentwicklung: In der Tat ist momentan die Deflation kein großes Thema mehr. Es bestehen vermehrt Inflationsgefahren. Viele Grüße Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Was macht Griechenland mit dem ihm zur Verfügung gestellten Geldmitteln? Ich habe bislang in den Medien keine konkreten Maßnahmen und Zeithorizonte erfahren. Wer kontrolliert den wirtschaftlich effizienten Einsatz der Mittel und welche Sanktionen werden bei Nichterfüllung seitens der Verantwortlichen der EU vollzogen?
Sehr geehrte Frau S., da Herr Sinn einen Forschungsaufenthalt im Ausland absolviert, antworte ich Ihnen. Die im Rahmen der Rettungspakete zur Verfügung gestellten Mittel dienen im Wesentlichen der Finanzierung der griechischen Schulden. Sie sind nicht an konkrete Projekte gebunden. Allerdings verlangen die "Retter" (also auch Deutschland) wirtschaftspolitische Maßnahmen, die Griechenland umsetzen muss, beispielsweise Sparmaßnahmen und Privatisierungen. Zusätzlich dazu wollen die europäischen Staaten Mittel für Investitionen zur Verfügung stellen, die dann in bestimmte Projekte fließen. Was tun wir, wenn die Griechen die auferlegten Maßnahmen nicht umsetzen? Ihre Frage dazu ist berechtigt. Denn dann sind wir in einer Zwickmühle. Die griechische Opposition lehnt vieles ab, was dem Land auferlegt wird. Wir können keineswegs sicher sein, dass Griechenland die Vorgaben erfüllt. Aber ab welchem Punkt sind wir nicht mehr bereit zu helfen? Im Moment gibt es dazu keine eindeutige Antwort. Mit freundlichen Grüßen Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Sinn, ich bitte Sie um Ihre Meinung zu folgendem Vorschlag, um den Gordischen Knoten Euro-Krise zu lösen: Die EZB erstellt anhand transparenter, veröffentlichter Kriterien ein eigenes Rating der Euro-Länder. Zudem bietet die EZB an, gegen einen Aufschlag auf den Leitzins, die bei Ihr als Sicherheit hinterlegten Staatspapiere für die Zeit der Hinterlegung gegen Ausfall zu versichern. Der Aufschlag wird dabei anhand des eigenen Ratings ermittelt. Dies hätte zur Folge, daß der Teufelskreis aus steigenden Refinanzierungskosten der Länder aufgrund steigender Gefahr eines Zahlungsausfalls dieser Länder aufgrund steigender Refinanzierungskosten...sofort durchbrochen würde. Die CDS-Prämien würden sich ja sofort an der EZB orientieren. Die EZB würde ein fester Anker sein, welcher die Übertreibungen der Märkte sofort bremst. Zudem wäre auch sofort die Macht der Rating-Agenturen gebrochen, denn der Markt wird ein Rating, für welches die EZB, wenn die Versicherungsprämie gezahlt wurde, auch haftet, definitiv höher bewerten. Die EZB hätte auch die Zinshoheit in diesen Ländern wieder zurückgewonnen. Ganz nebenbei hätte Euroland auch ein effektives Druckmittel, um die einzelnen Staaten zu solidem Haushalten zu zwingen. Denn schlechte Haushaltsführung würde automatisch zu einem Strafzins führen, welcher auf dem Umweg über den Markt an die EZB abgeführt wird. Mit freundlichem Gruß K.S.
Sehr geehrter Herr S., vielen Dank für Ihr Schreiben. Sie gehen von der Hypothese aus, dass die Märkte übertreiben und Zinsaufschläge verlangen, die gar nicht nötig sind, bzw. dass die Rating-Agenturen übertreiben. Das sehe ich anders. Die EZB hat bereits drei Jahre lang die Zinsaufschläge gedämpft, indem sie die Zahlungsbilanzdefizite der defizitären Länder mit der Druckerpresse finanziert hat. Wie immer man das bewertet, heute sind wir im vierten Jahre der künstlichen Dämpfung der Zinsspreads gegenüber dem, was die Anleger angesichts der Konkursgefahren für richtig halten. Nach so langer Zeit kann man nicht mehr sagen, dass hier irgendwelche falschen Kräfte am Werk sind. Vielmehr ist es eine Tatsache, dass die Zinsen wegen der Überschuldung bestimmter Länder nicht mehr sicher sind und dass deshalb die Zinsspreizung nötig ist. Die Zinsspreizung ruft die Disziplinierung hervor, von der Sie sprachen. Das sehen wir ja jetzt an Italien. Allerdings wird die EZB sie, da ihr Zentralbankrat ein extrem politisch agierendes Gremium ist, immer zu klein halten wollen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mein Name ist Christian Goga und ich bin sehr interessiert an der aktuellen Schuldenkrise in Europa. In Ihren Vortrag ,,Warum Deutschland ein Schulden- Tsunami droht´´ sprachen Sie beim vierten Gliederungspunkt ,,Rettung: Target, ESM, etc.´´ von Geldmengen. In Griechenland ist die Geldmenge nach der Transaktion über die EZB nach Deutschland wieder konstant, hingegen sie sich in Deutschland im Umfang der Überweisung erhöht hat. Einige Sätze später jedoch heißt es: ,, [...] die Geldmenge ist weder hier noch da verändert. [...]´´. Hier ergibt sich für mich eine Verständnisschwierigkeit. Suggerieren Sie mit dieser Aussage, es würde sich die Geldmenge in Deutschland nicht verändern, weil die Kreditnehmer, bzw. die Geschäftsbanken über die BUBA in dem Umfang der indirekten Kreditvergabe an die GIPS-Länder, weniger Zentralbankgeld sich bei der EZB besorgen müssen um ihre Transaktionen zu tätigen. Setzten Sie also voraus, wäre der Kredit nicht für den griechischen Konsum vergeben wo! rden, hätten sich die deutschen Banken mehr Zentralbankgeld leihen müssen und dementsprechend hätte sich auch über diesem Weg die Geldmenge in Deutschland erhöht. Somit macht es für die Geldmenge in Deutschland keinen Unterschied, ob die Geldmenge über einen indirekten Kredit an Griechenland sich hierzulande erhöht hat, oder sich andernfalls die Banken mehr Zentralbankgeld geliehen hätten. Können Sie mir also bitte näher erläutern, wie Ihr Gedankengang aussah oder ob ich mit meiner Interpretation richtig lag. Mit großem Interesse erwarte ich Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen Christian Goga
Sehr geehrter Herr Goga, Sie liegen richtig. Das Außengeld, das von Griechenland nach Deutschland strömt, verdrängt das deutsche Binnengeld, das durch Kreditvergabe der Bundesbank an die Geschäftsbanken entstanden ist. Die Bestände wurden in den letzten Jahren allmählich gegeneinander ausgetauscht. Bitte schauen Sie sich das folgende Video an: Target Loans, Current Account Balances and the ECB’s Rescue Facility, ifo Lunchtime Seminar, 28.06.2011 http://mediathek.cesifo-group.de/iptv/player/macros/cesifo/mediathek?content =1207699&idx=1&category=1097891849 Da wird alles erklärt, freilich auf Englisch. Auch in diesem Sonderheft des ifo Schnelldienstes: Schnelldienst: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Ich habe Ihre Teilnahme am Gespräch bei Fr. Illner gesehen, bedanke mich für Ihre sachlichen Beiträge, und bitte darum, dass Sie in dieser aufgeladenen Atmosphäre auf ihre Gesundheit achten. Ich freue mich, dass wir bei Schröder einer Meinung sind, aber sollte das nicht auch für Brüning gelten? Da gehen Sie jedoch nicht mit, schwer verständlich. Eindeutig ist jedoch, dass Hitler wie Hoover/ Roosevelt mit starken Staatsdefiziten versuchten, den Aufschwung zu erzwingen. Deutschland erreichte mit einer anhaltenden Neuverschuldung von mehr als 10% die Vollbeschäftigung. In den USA lag die AL 1938 – 9 (!) Jahre nach Beginn der Krise - immer noch über 14%. FDR, der Schlingel, gewann den Wahlkampf durch „pork barreling“ mit defizitfinanzierten Bundeszuweisungen für einzelne Counties - m.a.W., durch Bestechung auf Kosten der Allgemeinheit. Aber der magere Aufschwung zu einem hohen Preis, hatte Konsequenzen, die Defizite uferten aus; in Deutschland liess sich Ende 1938 der Haushalt nicht mehr ausgleichen – wer mag da noch an eine zufällige Parallelität von Pogromnacht und „Judenbuße“ glauben? Was Sie als „volkswirtschaftliche Lehrmeinung“ ausgeben, greift jedoch so zuverlässig, wie Sie mit dem Hinweis auf die Zeitreihen suggerieren möchten. Auf das Fokussierungs-Problem - ein auf drei Jahre gestreckter Stimulus besitzt nicht die erwünschte punktuelle Wirkung - habe ich schon hingewiesen. Auch waren die immer wieder zitierten 1.000 Mia. US-$ (2008) nicht alles Stimulanzia, sondern zum guten Teil sind darin auch Mittel, die zur Rettung der Banken eingesetzt wurden. Warum ignorieren Sie die [habe im Moment kein besseres Wort] nicht-keynesianistischen Erholungsvorgänge so hartnäckig? Die unglaublich schnelle Erholung nach einer kurzen, moderaten Rezession 1920/21 in den USA, wie auch die schnelle Erholung dort nach einer überraschend milden Rezession nach Ende des WWII. Die Werte für die Staatsausgaben fielen in den USA von 1944 (100%) bis 1948 auf ca. 25%, was nach dem keynesianistischen Theorierahmen eine ultraheftige Kontraktion des GNP hätte auslösen müssen. Hat es aber nicht. Während die fortgesetzte Verschuldung unter Hoover/ Roosevelt und Hitler keinen selbsttragenden Aufschwung auslöste - führte der Rückgang der Staatsausgaben zu dem lang anhaltenden Aufschwung der 20er Jahre wie dem Boom Ende der 40er Jahre bis weit in die 50er hinein. Und schauen Sie heute nach USA oder nach Frankreich - beide haben wenig vom Aufschwung, trotz des Stimulus. Das sind nicht nur einzelne Ausreißer in den Datensätzen. Nehmen Sie bitte die widersprechenden Entwicklungen zur Kenntnis. Keine Methode mit dem Anspruch auf „Wissenschaftlichkeit“ darf sich gegen konträre Daten immunisieren, um den eigenen Theorierahmen zu erhalten.
Lieber Herr H., vielen Dank für den Beitrag. Ich bin nicht so weit von Ihnen. In dem Paper mit Wollmershäuser habe ich auch argumentiert, dass der Fall der Asset-Preise einen schnellen Aufschwung befördert, während die Politik der Stabilisierung der Asset-Preise lähmt, weil sie permanent Angst vor der Kollaps erzeugt. Für den Hinweis auf die Gesundheit danke ich, denn ich war in der Tat an dem Abend ziemlich müde. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn! Danke für Ihre Antwort. Wenn ich Ihre Aussagen kritisiere, heißt das sicher nicht, dass ich Ihre Leistungen schmälern möchte. Sie bleiben den Nachweis schuldig, dass das keynesianistische Nitro tatsächlich der entscheidende Faktor für die 2008-nachfolgende-Erholung war. Der Aufschwung ging von Asien aus, die USA sind dagegen heute immer noch im Keller, ein drittes Konjunkturprogramm wird daran nichts ändern. Auch wenn die Zahl von 1.000 Mia. US-$ weltweit als gewaltiger Stimulus erscheint, bricht man diese Summe auf die beteiligten Länder herunter, verringert sich die Größenordnung des Einzelstimulus auf vernachlässigbare Werte. Und ob eine umfassende Mikro-Analyse der Projekte Ihre These stützen würde, erscheint fragwürdig. Ein über Jahre gestreckter Stimulus kann nur schwer der zentrale Faktor für eine Konjunktur-Erholung sein kann. Ich befürchte einen post-hoc-propter-hoc-Fehler. Nur weil ein Effekt nach einem anderen Effekt auftritt, sollte man bei einer Unterstellung von Kausalität vorsichtig sein. Auch Deutschlands heutiger Aufschwung ist unabhängig von dem Mini-Stimulus. Brünings schwere Reformen hatten die Basis für den Aufschwung 1933ff. gelegt, ebenso wie Schröders Reformen die Grundlage für den heutigen Aufschwung. Wäre Schröder nicht nach der NRW-Wahl 2006 zurückgetreten, wäre Brüning nicht 1932 abgesetzt worden, hätten beide auch die Früchte ihrer schweren Reformen vereinnahmen können. Roosevelt wie Hitler nahmen zwar gerne das Lob entgegen, aber der „Aufschwung“ war erstens nicht ihrer und zweitens kein Erfolg. Mit Hilfe der indirekten Kreditierung des Staates über die Öffa- und MeFo-Wechsel, ein ähnlicher Verstoß gegen das Reichsbankgesetz wie heute der Ankauf von Staatspapieren auf durch die EZB, flankierte Hjalmar Schacht den Wiederaufschwung Deutschlands auf der monetären Seite. Trotz enormer Ausgabenprogramme und überbordendem Politikeinsatz brachten weder Hitler noch FDR (noch Obama) einen selbsttragenden, dauerhaften Aufschwung zusammen – stattdessen zeigte sich eine „Entfernte Verwandtschaft“ zwischen beiden Regimen. In Deutschland drohte Ende 1938 („Judenbuße“ als letztes Mittel des Haushaltsausgleichs) das Strohfeuer des defizitbefeuerten Aufschwungs in sich zusammen zu fallen, nicht viel anders in USA. Hitler flüchtete in den Krieg und der rettete auch Roosevelt (vor der Niederlage gegen Wendell Willkie); die Rüstungsproduktion und die Einziehung von 12 Mio. arbeitsfähigen Männern schufen endlich die langersehnte Vollbeschäftigung in den USA – jedoch keinen Wohlstand. In beiden Fällen führten die gewaltigen Haushaltsdefizite, die Roosevelt und Hitler eingingen, zu einem verminderten Vertrauen der Wirtschaft zur Politik, zu einem Investitionsattentismus auf privater Seite. Die Regel heißt - je mehr Politik, je mehr Programme, desto weniger selbsttragender Erfolg, und umgekehrt. Die überraschend schnelle Nach-WWI-Erholung wie die Reintegration von Millionen Soldaten nach Ende des WWII in den USA erfolgte nahezu ohne Staat und Politik. Nicht nur dass Ihre keynesianistische Glaubensrichtung wesentliche Fakten übergeht – sie verwechselt auch Korrelation und Kausalität. Mit freundlichen Grüßen - BH
Sehr geehrter Herr H., ich bin vollkommen bei Ihnen, was den Einfluss von Schröders Agenda betrifft. Das habe ich wieder und wieder betont. Aber zu dem Schluss, dass die keynesianische Rezeptur der Nitro-Kapsel bei einem Kreislaufkollaps funktioniert, komme ich nun wirklich nicht aufgrund der Beobachtung der zeitlichen Abfolge in dieser Krise, sondern aufgrund theoretischer Erwägungen und früherer ökonometrischer Studien. Das ist Teil der volkswirtschaftlichen Lehrmeinung. Allerdings liegt es in der Natur der Nitro-Kapsel, dass sie schadet, wenn man zu viel davon nimmt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in der Debatte um die Lösung der Euro-Krise - vornehmlich mittels politisch gesteuerter Aktionen - werden meist zwei prinzipielle Lösungen propagiert und gegeneinander bewertet: die geordnete Insolvenz (was einem internationalen Protektorat gleichkommt) und der Austritt aus dem Euro. Gerne wüsste ich Ihre Meinung zu einer dritten Lösung: den Dingen ihren Lauf lassen. Hier die Gedanken dazu: Griechenland muss sich selbst helfen. Das ist ein Ausweg, den wir höchstens mit einer Art Marshall-Plan für Griechenland und die stark betroffenen Banken unterstützten können - mehr nicht. Und auch der Austritt aus dem Euro ist nicht notwendig. Die griechische Wirtschaft wird sich so oder so mit derjenigen Währung versorgen, der sie Vertrauen schenkt. Das wird der Euro sein. Denken wir doch an den Balkan, der ohne unser Zutun durch die D-Mark saniert wurde. Das einzige, was passieren wird, ist, dass dem überbordenden griechischen Staatsapparat die Mittel entzogen werden, sein korruptes, verbrecheriches Tun weiterzutreiben. Er wird sich neu erfinden müssen. Der heilsame Schock ist die Grundvoraussetzung für ein Aufwachen und einen neuen Anfang - so wie bei uns nach dem letzten Weltkrieg. Die Griechen sind weder fauler noch geschäftsuntüchtiger als die Deutschen oder irgendjemand sonst. Also - lassen wir doch den Dingen ihren Lauf und geben den großen und vor allem den kleinen Unternehmern ihre faire Chance. Dann wird auch der Euro überleben. Mit freundlichen Grüßen, Peter Jumpertz
Sehr geehrter Herr Jumpertz, das ist eine ernst zu nehmende Alternative. Die stehen wir aber nicht durch. Man muss dann doch grenzenlos retten, und wenn man es nicht tut, kriegt man Schelte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
The biggest payer of euro crisis is not Germany. This message has been repeatedly spread in German’s media and by German’s politicians, and by you, but it doesn’t fit to reality. The contribution of member states to the Stability Fund is linked to the size of the economies and of their population. Germany has the largest population (80 million) and the strongest economy (around 30% of the eurozone). So, no surprise, it is the country that contributes the most, in absolute terms: 21.700 millions in cash and 168.300 millions guarantees. But these are absolute figures and we need to look at the proportion of the effort that is is asked to all countries. If you rank contributions in relation to GDP percentage, Germany is by far behind many other countries, being the 10th on the list and when you look at per capita contribution, Germany is the 6th of the 17 eurozone countries: Portuguese, Spanish, Maltese, Italians, they all pay more per capita than German people. The effort that is asked for each of these countries and each of their citizens is much bigger than the effort required by Germans. Nevertheless, in Germany the message that comes out of the media, is that they’re the ones paying for the crisis. In Luxembourg, for instance, the contribution per capita is 398 euros, against the 265 euros in Germany….and they aren’t complaining. France, with 20% less population than Germany, is paying 16.300 millions and guaranteeing 126.400 millions. And in addition, germany has a lot to win, because these countries are going to pay you back at a very conveninet interest rate... This is, in fact, an excellent buisiness for Germany!
Dear Mrs. Ferreira, Please mind that the quote in one of your newspapers to which you may allude implicitly was an entirely false translation. A correction is under way. As to your point, I do not think you are right. The participation in the official rescue operations is according to the ECB capital share, and that in turn is the average of country’s GDP and population share. In fact, however, Germany pays most - in terms of losing its rating, which currently is the best of the euro and - because the Bundesbank nearly exclusively exported the capital via the ECB system ( a good 300 billion euros) that was lent in the last three years to Greece, Portugal, Spain and Ireland. Please see this link: CESifo Working Paper Nr. 3500: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Sincerely yours Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, wie bewerten Sie die von Herrn Jacques Delpla lancierte Idee der Blue- und Red-Bonds? Interessant wäre eine Bewertung der langfristigen Perspektive (Vor- und Nachteile; Machbarkeit), da kurzfristig sicherlich das Problem des Moral-Hazard existiert. Vielen Dank im Voraus
Sehr geehrter Herr S., ich kenne den Vorschlag gut, zumal auch einer meiner ehemaligen Assistenten, Jakob von Weizsäcker, beteiligt war. Das Problem ist, dass man erst einmal auf den Haircut verzichtet, bis die 69% voll sind, so dass vorläufig keine Bankenbeteiligung vorkommt. Und wenn dann die Grenze für die roten Bonds erreicht ist, wird man diese Grenze hochsetzen. Das ist die beste Methode, die Banken nie zu beteiligen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich denke, mit dem kontrovers diskutierten Thema der Wirkung des EZB-Systems auf den Markt durch Liquidität haben Sie ein äußerst relevantes Thema aufgegriffen. Ich erhoffe mir, auch in der Betrachtung von Unterschieden zum Fed-System, eine Klärung, wie Geldpolitik sich in der Praxis auf die realen Märkte auswirkt und welcher politische Handlungsbedarf sich daraus ergibt Bereits Jean Bodin hat sich vor 500 Jahren mit dem Thema befasst, wie Glyn Davies in seinem Buch ‚History of Money‘ ausführt: „Bodin also related very carefully some of the regional and temporal differences in inflation to the pattern of geographical dispersal of Spanish specie, ….as waves going from the monetary centre to the periphery.” So also hat sich das aus Amerika geraubte Geld, damals Gold und vor allem Silber, in Wellen auf die Peripherie, von Spanien ausgehend, über Jahrzehnte ausgebreitet und eine Inflation bewirkt, die letztlich in den großen Dreißigjährigen Krieg mündete, die alte Ordnung zerstörte und den Aufstieg des Finanzplatzes London in unmittelbarer Folge bewirkte, weil England sich auf das Kreditgeschäft zu verständigen wusste. Die Entwicklung bewirkte aber auch, dass England erkannte, dass die Geldmenge kontrolliert werden mußte, letztlich die Goldakkumulation also politisch wie ökonomisch entscheidend war. So entstand der Goldstandard, der Englands Aufstieg begünstigte. Heute fließt im EZB-System auch Geld an die Peripherie, viel schneller als früher, weil bei digitalem Geld der Transport unerheblich ist. So können die Kreditvolumina an der Peripherie über alle Grenzen wachsen, die Staaten sich entsprechend verschulden, bis Signale aufkommen, dass die Rückzahlung dieser Schulden fraglich ist. Dieser Geldfluß hängt damit zusammen, dass in den Peripherie-Staaten höhere Investitionsrenditen erwartet wurden; er bewirkte aber auch Inflation an der Peripherie, die von der EZB nicht als kritisch erkannt wurde. Daher stellt sich die Frage, ob unser europäisches Geldsystem gut konzipiert ist. Damit meine ich, ob es rechtzeitig die richtigen Signale sendet und zugleich systemisch Korrekturen auslöst. Ihre Vergleiche mit dem Fed-System zeigen, dass dort ein derartiger Korrekturmechanismus wohl systemimmanent ist und im EZB-System nicht. Aber das EZB-System verfügt wohl auch nicht über die Signale, missliche Entwicklungen anzeigen. Selbst wenn Ihre Deutung auf TARGET doch nicht auf die alleinige Fehlerursache hinweisen sollte, so lösen Ihre Gedanken doch eine Befassung mit dem EZB-System und möglichen Konstruktionsfehlern aus. Das ist gut so. Wir dürfen das mit der Verschuldung Griechenlands verbundene Problem auch nicht allein auf die realwirtschaftlichen Ungleichgewichte beziehen. Dieses Denken, das sich mit den Überlegungen verbindet, eine einheitliche europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik könne die Probleme beseitigen, geht in die falsche Richtung. Die Praxis zeigt in Deutschland eine Währungsunion mit weitgehend einheitlicher Wirtschafts- und Finanzpolitik, ohne dass es gelingt, die Ungleichgewichte bspw. zwischen Bayern und Bremen oder West- und Ostdeutschland in überschaubaren Zeiträumen zu beseitigen. Transferzahlungen sind die Folge, ohne dass regelmäßige Föderalismusreformen ein Ende absehen ließen. Die mit dem ESM verbundenen Vereinbarungen auf EU-Ebene könnten trügerisch sein. Die Befassung mit dem Geld und dem EZB-System dürfte für den Erfolg der europäischen Integration entscheidend werden. Mit freundlichem Gruß Dr. Wolfgang P. Warth
Sehr geehrter Herr Dr. Warth, vielen Dank für Ihre weit führenden Bemerkungen. Sie zeugen von einem tiefen Verständnis. Mit freundlichem Gruß Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich bin ein großer Verehrer Ihrer Arbeit im Allgemeinen (Kritik folgt später) und freue mich im Speziellen darüber, dass Sie endlich die enormen Risiken, die mit der jeweiligen Art und Weise der Geldschöpfung verbunden sein können, einem größeren Publikum vor Augen führen. Mir war durchaus bewusst, dass in gewissen Ländern wegen fehlender Anforderungen an Kreditsicherheiten zu viel (weil eben schlecht besichertes) Geld geschöpft wird, als ich aber die Summe der akkumulierten Target2-Forderungen der Bundesbank gesehen habe, ist mir schlecht geworden. Wie die Luxemburger bei einem auf die Bevölkerung umgelegten VaR von über 100000 Euro pro Kopf noch ruhig schlafen können bleibt unklar. Zumindest kann man den Griechen und anderen jetzt nicht mehr vorwerfen, sie würden außer ein paar Oliven nichts produzieren und exportieren, denn wie sich zeigt, produzieren und exportieren sie in bemerkenswertem Umfang, nämlich Euro. Ich möchte Ihnen auch dafür danken, dass sie immer wieder auf das eigentliche Risiko einer Ansteckungsgefahr der Schuldenkrise in Europa aufmerksam machen, dass nämlich nicht nur die (drohende) Zahlungsunfähigkeit der Peripherie den Kern gefährdet (Finanzsystem), sondern dass der Kern natürlich hauptsächlich dadurch in Gefahr ist, dass er sich bei der Rettung der Peripherie übernimmt (Öffentliche Haushalte). Den Politikern, die dieses Problem verständlicherweise verdrängen, kann man ein kurzfristiges bzw. „legislaturperiodisches“ Denken kaum vorwerfen, und so braucht es eben andere, die dieses Risiko öffentlichkeitswirksam thematisieren. Einige Staatsverantwortliche, die sich ihrem Gewissen verpflichtet fühlen, treten dann zumindest – wie Horst Köhler (ESM) und Axel Weber (Target-Kredite) – umgehend zurück. Meiner Meinung nach hat sich Deutschland, dessen Regierung immer wieder neue zukünftige Steuerforderungen für nicht geborene Kinder anmeldet (Staatsanleihen), schon längst - spätestens mit der Unterschrift für das Bürgschaftsprogramm letztes Jahr (ESM) – übernommen, zumindest im Bezug auf eine langfristige Solvenz. Die spärlich vorhandene (ausbildungsreife) Jugend soll ja zusätzlich die Überzahl ihrer Eltern später versorgen und pflegen (implizite Staatsschuld). Ich promoviere in Frankfurt a. M. und beschäftige mich seit einiger Zeit mit den Risiken, die sich in den Bilanzen der GBen und ZBen in Europa aufbauen und einer möglichen Verursachung dieser Risiken durch eine entsprechende ZB-Politik. Besonders gut hat mir an Ihrem Aufsatz über die Target-Kredite gefallen, dass Sie letztendlich die zu niedrigen Kollateral-Anforderungen bei der Notenemission (in den GIPS-Ländern) als Problem für die Stabilität des Euro ausmachen. Es wird also nicht die Geldmenge, die ja durch die Transaktionen - welche den Target-Salden zugrunde liegen – gar nicht wächst, sondern die Besicherung dieser ausgegebenen Noten thematisiert. Es scheint langsam (endlich!) einer größeren Zahl von Ökonomen klar zu werden, dass bei der Geldemission das Entscheidende nicht die Menge des ausgegebenen Geldes ist („einfache“ Quantitätstheorie), sondern die Sicherung seiner Rückströmung. Für jene die sich mit der banking-currency-Debatte und dem berühmten “law of reflux“ während ihres Studiums beschäftigt haben, ist dies natürlich nicht besonders aufregend. Einen Widerspruch zu Ihrer jetzigen Argumentation sehe ich bezüglich Ihrer Äußerungen noch vor einem Jahr. Als die EZB vermehrt Staatsanleihen aufkaufte und sich damit brüstete - im Gegensatz zu anderen Zentralbanken - kein QE zu betreiben, haben Sie die Ankäufe zwar kritisiert, aber behaupteten: „Der Beschluss ist … kein Problem für die Geldwertstabilität, wenn die Geldmenge anderswo gekürzt wird“ (Süddeutsche Zeitung vom 14.05.2010). Obwohl die EZB ihre Aktiva durch die definitiven Ankäufe dem Risiko der Marktbewertung ausgesetzt hat, und dieses Risiko natürlich nicht durch die Ausschreibung von verzinslichen Termineinlagen verschwindet, sahen Sie „kein Problem für die Geldwertstabilität“. Heute führen Sie besagtes Risiko - eines (teilweisen) Ausfalls der Staatsanleihen - aber bei der „Gesamtrisikoposition“ bezüglich des Euro mit an. Ab welchem Punkt riskante Positionen in den Aktiva der ZBen ein Problem für die Währung darstellen können, werde ich weiter unten noch einmal kurz ansprechen. Aber auf jeden Fall gilt immer, dass der erste Schritt ein Teil des gesamten Weges ist und dieser dann irgendwann zu lang werden kann. Ein Stochern im Nebel Auch wenn sich immer viele Rahmenbedingungen ändern und historische Vergleiche dadurch nur bedingt tragen, lassen sich aus der Geschichte doch gewisse Erfahrungen und Kenntnisse herleiten. Ich hätte mir daher in Ihrem Aufsatz, der zwar einen Vergleich zum Federal Reserve System herstellt, auch einen historischen Vergleich (etwa zur Lateinischen- oder Skandinavischen Münzunion) gewünscht. Die Parallelen zur Problematik im Euro-System sind trotz der enormen Unterschiede (bspw. der Edelmetalldeckung) doch eindeutiger als man zunächst annehmen könnte (vgl. dazu auch die Arbeiten von Erik Lindahl 1930). Für einige Professoren, die sich ausgiebig mit der Geschichte der Währung(en) befasst haben, waren dann auch die Konstruktionsfehler des ESZB, die jetzt sichtbar werden, von Anfang an in erschreckender Deutlichkeit zu erkennen (vgl. Gunnar Heinsohn und Otto Steiger 2002). Da aber die Wirtschaftswissenschaft anscheinend nicht (hinreichend) gewillt ist, sich mit der Geschichte zu befassen, ist sie dazu verdammt, diese erneut zu erleben. Heinsohn/Steiger machen bereits vor einer Dekade darauf aufmerksam, dass die EZB nur der Torso einer ZB ist und ihre fehlenden Befugnisse von der breiten Wirtschaftswissenschaft nicht verstanden werden (Auszug): „Die EZB hingegen hat auf ihrer Aktivseite weder Forderungen gegen Geschäftsbanken in Europa noch gar – wie es die Ökonomen Sinn und Siebert glauben – gegen ihre NZB-Mütter im Euroraum“ (vgl. Heinsohn/Steiger 2003, S. 5). Das Zitat bezieht sich auf die Bilanz der EZB vom 31. Dezember 2001, dazu unten mehr. Wenn ich Sie recht verstanden habe, hat es Sie jetzt immer noch verwundert, dass die Target-Salden nicht in der Bilanz der EZB zu finden sind. Es sind natürlich die NZBen, die den Euro emittieren, und sie tun dies nur in geringem Umfang im Aufrag der EZB. Diese Emissionen, die nur einen kleinen Teil der Gesamtgeldmenge ausmachen, finden sich dann auch in der Bilanz der EZB – unter „Forderungen aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“ (Aktiva), bzw. unter „Banknotenumlauf“ (Passiva) – wieder. Der Wunsch: Eine richtige ZB Den Vorschlag einer ZB der nationalen ZBen, die auf ihrer Aktivseite eingelieferte Sicherheiten der NZBen führt, hat es durchaus gegeben. Die NZBen könnten dann Euro nicht selbstständig emittieren, sondern müssten sich diese von der EZB gegen ihre guten Titel besorgen. Der damalige italienische Notenbankpräsident Carlo Ciampi hat 1998 für eine solche geworben: „Um die Schöpfung von Ecus [Euro] ... strikt zu kontrollieren, sollte der zentralen Behörde die Macht gegeben werden, den nationalen Zentralbanken Kredite in Ecus [Euro] in der gleichen Weise einzuräumen wie eine Zentralbank, wenn sie Geschäftsbanken über Offenmarkt- oder Diskontgeschäfte refinanziert“ (zitiert nach Heinsohn/Steiger 2003, S.6). Ist eine solche Struktur nicht gegeben, sind andere Maßnahmen zu treffen, um eine übermäßige Ausgabe schlecht besicherter Noten von einzelnen ZBen zu verhindern. Ein regelmäßiges clearing (siehe Fed) der Forderungen und Verbindlichkeiten bzw. eine Behörde, die die entsprechenden Summen im Auge behält, wäre von Vorteil gewesen. Das Problem, dass Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen Notenbanken entstehen - und eine übermäßige (weil schlecht besicherte) Ausgabe einzelner Notenbanken dann andere Notenbanken gefährdet - ist wahrlich nicht neu. Schon die privaten Notenbanken Englands des 18. Jhd., die Zettelbanken, schaffen sich zur Überwachung dieser Beträge daher 1773 die Institution des clearinghouse. (Der Fall ist allerdings nur teilweise vergleichbar, da damals eine übermäßige Emission zu Abschlägen auf die herausgegebenen Noten führen konnte, die Bundesbank muss heute aber die griechischen „Y-Euro“ (gemeint sind die Target-Forderungen) ohne jegliche Abschläge akzeptieren). Die Tatsachen (1): Die EZB – eine ZB ohne Noten „Ein Blick in die Bücher der EZB vom 1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001 zeigt auch einem Bilanz-Laien, dass sie keine Notenbank, sondern das streng überwachte Töchterlein der zwölf NZBen ist. Eine wirkliche Notenbank hat auf ihrer Aktivseite erstklassig besicherte Forderungen gegen handverlesene – „zentralbankfähige“ – Geschäftsbanken. Auf ihrer Passivseite erscheinen entsprechend die an die Geschäftsbanken herausgegangenen Banknoten sowie Guthaben dieser Banken bei ihr“ (Heinsohn/Steiger 2003, S.5). Das Zitat bezieht sich auf die Bilanz der EZB vom 31. Dezember 2001, also bevor ihre Bilanz zum 1.1.2002 erstmals die Position „Forderungen aus der Verteilung des Euro-Banknotenumlaufs“ (Aktivseite) - bzw. „Banknotenumlauf“ (Passivseite) - aufwies. Allerdings handelt es sich dabei auch nur um vernachlässigbare 8% des gesamten Banknotenumlaufs. Die EZB ist daher bezüglich ihrer Verfügungsgewalt über die (eigene) Notenemission nur eine sehr unbedeutende ZB. In den letzten Jahren hat zwar die EZB mittels ihr erlaubter Operationen (erlaubt sind ihr: Feinsteuerungsoperationen, endgültige Offenmarkttransaktionen, Devisenswapgeschäfte und die Hereinnahmen von Termineinlagen) ihre Bilanz enorm aufgebläht, aber sie bleibt bezüglich der Notenemission eine weniger wichtige ZB. Die Tatsachen (2): Herr Trichet als Pressesprecher Das Direktorium hat im EZB-Rat nur 6 von 23 Stimmen und ist dadurch keineswegs mit dem mächtigen Direktorium der Fed (nach 1935, zuvor gab es im Fed-System ähnliche Probleme wie heute im ESZB) oder dem damaligen Direktorium der Bundesbank zu vergleichen. Die Entscheidungen vor der Weltpresse verkünden darf dann aber Herr Trichet ganz alleine. Die nicht proportionale Verteilung der Stimmen bezüglich der Wirtschaftsleistung (bzw. des Anteils am EZB Kapital) und die daraus folgenden (potenziellen) Nachteile für große Volkswirtschaften will ich gar nicht weiter thematisieren, da Sie diesen Punkt ja bereits angesprochen haben. Die aus der Stimmverteilung und Dezentralisierung resultierende Machtlosigkeit des EZB-Direktoriums zeigt sich sehr schön in Ihrem Streitgespräch mit Jürgen Stakt vom 20.06.2011, als dieser versichert: „Wir finanzieren nur gesunde Banken und nehmen nur solche Sicherheiten herein, die angemessen sind.“ Als damaliges Vorstandsmitglied der Bundesbank hätte er eine solche Aussage noch glaubhaft treffen können, in der jetzigen Situation entzieht sich die Entscheidung, welche (portugiesische) GB als solvent eingeschätzt wird, natürlich weitgehend seines Wirkungsbereichs. Stark weist den Vorwurf des Risikos der Target-Salden folgendermaßen zurück: „Es ergeben sich aus diesen Target2-Salden keine zusätzlichen Risiken für das Euro-System. Die Risiken ergeben sich ausschließlich aus den geldpolitischen Operationen der EZB und den nationalen ZBen.“ Diese Aussage ist zwar richtig, müsste aber folgendermaßen ergänzt werden: Die Risiken ergeben sich ausschließlich aus den geldpolitischen Operationen der EZB und den nationalen ZBen, die wir nur unzureichend kontrollieren können. Ich will damit natürlich nicht sagen, dass der EZB-Rat und auch das EZB-Direktorium keine Schuld an der Entstehung der Target-Salden trägt. Die verrückte Entscheidung, auf eines der Prinzipien der Zentralbankpolitik (die Forderung von angemessenen Sicherheiten) weitgehend zu verzichten, hat die Target-Salden in dieser Höhe ja erst entstehen lassen. Die Entscheidung des Rates, griechische Staatsanleihen trotz entsprechender Rankings weiterhin als Sicherheit zu akzeptieren, bezeichnet dabei den Tiefpunkt der Verwässerung der Kollateralanforderungen. Für eine ausführliche Kritik an der EZB bzw. am ESZB wäre natürlich noch nachzutragen, dass der Grund, aus welchem ZBen im 19. Jhd. überhaupt erst entstanden (die LOLR-Funktion) im Maastricht-Vertrag schlicht ausgespart wurde. So verfügte die Bundesbank über einen Sonderfond zur Ausübung ihrer LOLR-Funktion (die Liquiditätskonsortialbank), der auch durch Einzahlungen der GBen gespeist wurde. Die EZB besitzt einen solchen Fond nicht. Die Bundesbank hat keine Wahl Eine Einhaltung der Bankregeln, also die Forderung angemessener Sicherheiten, schützt die Bundesbank im ESZB nicht davor, dass sie letztendlich eine Forderung gegen andere ZBen (bzw. das ESZB) verbuchen muss, die (eventuell) unsicher ist. Sollte die Forderung unsicher sein, hat die Bundesbank eine Wertminderung ihrer Aktiva zu verbuchen. Auf dieses Problem haben wiederum Heinsohn/Steiger im gleichen Aufsatz unter der Überschrift „Tugendhaftigkeit ist kein Schutz“ aufmerksam gemacht: „Diese Tugendhaftigkeit [Strenge der Regeln bezüglich des akzeptierten Kollaterals] kann die Bundesbank aber nicht davor schützen, dass sich ihre Schuldner von anderen NZB gegen windige Sicherheiten Euro besorgen und damit ihre guten Pfänder bei der deutschen Zentralbank auslösen“ (Heinsohn/Steiger, 2003, S. 12). Im Grunde ist genau dies passiert, auch wenn die deutschen GBen das Geld aus den GIPS-Ländern wohl ohne eigenes Zutun (von der Bundesbank, dann in Bundesbanknoten = Passiva der BUBA) überwiesen bekommen haben. Eine normalerweise nötige Kreditaufnahme zur Sicherstellung des Liquiditätsbestands war danach für sie nicht mehr nötig. Für die Bundesbank hat sich also eine (mögliche und wahrscheinliche) Forderung gegen deutsche GBen, die mit ausreichenden Sicherheiten unterlegt wäre, in eine Forderung gegen das ESZB verwandelt. Im Maße der (zusätzlichen) Unsicherheit dieser Forderung wurde deutsches Eigentum des Steuerzahlers vernichtet. Ich habe vor einem Jahr versucht, einen sehr sympathischen ehemaligen (Honorar-) Professor von mir, Christian Thimann von der EZB, dem Sie in Ihrem Aufsatz danken, auf dieses Problem – und auch die meisten anderen angesprochenen Probleme – aufmerksam zu machen. Ich habe ihn gebeten diese Schwierigkeiten in seiner Vorlesung über die ZB-Politik im ESZB zu behandeln. Leider habe ich auf meine E-Mail niemals eine Antwort bekommen. Schon fünf nach zwölf (Kommentar) Der Kredit ist ein magisches Instrument, der das Morgen bereits im Heute verfügbar macht. Nur er ermöglicht es, über seine Verhältnisse zu leben. Die Verfügungsmöglichkeit - die von der Zukunft in die Gegenwart verschoben wird – sollte aber (heute) genutzt werden, um die Rückzahlung im Morgen (zuzüglich des Zinses!) leisten zu können. Das Risiko, dass Kredite nicht bedient werden, liegt in der Natur der Sache, denn die Zukunft ist immer unsicher. Private Gläubiger versuchen immer dieses Risiko zu minimieren und vergeben Kredite nur an solche Schuldner, denen sie eine Rückzahlung samt des Zinses zutrauen und verlangen im Normalfall ein solides Pfand. Weil auch der Schuldner, sollte er nicht die Tilgung erwirtschaften, den Regress in sein Eigentum fürchtet, wird er das Möglichste tun, um die Zahlungen zu leisten. Diese Anreizkompatibilität minimiert die übermäßige Ausgabe des Kredites und sorgt dafür, dass er für reale und aussichtsreiche Investitionen verwendet wird (natürlich können sich sowohl Schuldner bezüglich ihrer Investitionen als auch Gläubiger bezüglich ihrer Schuldner irren, aber ihre Motivation impliziert eine effiziente Verwendung des Kredits). Zentralbänker sind aber keine privaten Gläubiger, die die beschriebenen Restriktionen in der Kreditvergabe aus purem Eigennutz, der Verteidigung und Mehrung ihres EK, einhalten müssen. Sie entscheiden auch aus sozialpolitischen Gründen und können auf Zins verzichten oder Kollateralanforderungen senken. Über das Optimum der Restriktion in der Kreditvergabe lässt sich, vor allem währen einer Krise (LOLR-Funktion) streiten. Aber eine zu laxe Kreditvergabe trägt eben auch enorme Risiken, dass nämlich die Mittel - durchaus im Sinne einer Kornaischen weichen Budgetrestriktion (wenn wir kurz davon abstrahieren, dass der Sozialismus den Kreditkontrakt natürlich aufgrund des fehlenden Eigentumstitels nicht kennt) - nicht derart umgesetzt werden, um die Tilgung später leisten zu können. Mit dem Ausbruch der Finanzkrise handelte der EZB-Rat - wie auch viele andere ZBen - schnell und entschieden, verzichtete weitgehend auf die Zinsforderung und senkte dann auch zunehmend die Anforderungen für Kreditsicherheiten. Darüber, ob dieser Schritt notwendig und richtig gewesen ist lässt sich streiten (ich lehne das im Sinne von Altmeistern der ZB-Kunst wie Bagehot oder Hawtrey ab), allerdings fällt es immer schwer, aus einer solchen Politik wieder auszusteigen. Allmählich scheint sich abzuzeichnen, dass die beschlossenen Maßnahmen des EZB-Rates – flankiert von den Bürgschaftsprogrammen der Politik – zu dem verzweifelten Versuch der Stabilisierung von Assetpreisen (Staatsanleihen) auf falschem Niveau verkommen sind. Der Ankauf von Staatsanleihen und anderen Assets durch GBen, angereizt, verursacht und zu verantworten von der Politik des EZB-Rates, und die Bürgschaften der (etwas) solventeren – aber auch kinderlosen - Länder für ihre insolventen Nachbarn, führ(t)en aber nicht zu realen Investitionen, mit denen die Rückzahlung erwirtschaftet werden könnte. Die durch die ZB-Politik inflationierten Positionen in den GB- und ZB-Bilanzen (Staatsanleihen) müssen abgeschrieben werden. Die Abschreibung lässt sich nur hinauszögern, aber nicht vermeiden. Der Kampf gegen das Marktgleichgewicht ist – wie uns beispielsweise die Geschichte der künstlich hochgehaltenen Wechselkurse lehrte - ein aussichtsloser Kampf. Die versteckten Kredite über das ESZB, die durch dessen diskutierte Konstruktionsfehler ermöglicht wurden, treten den anderen riskanten Positionen (Staatsanleihen) hinzu und sind mit diesen sehr stark positiv korreliert. Die durchaus begründete Angst der Politik vor einem Zahlungsausfall der GIPS-Länder - der Abschreibungsbedarf im Finanzsektor wäre massiv – treibt sie zu immer neuen Maßnahmen und damit zu einer Verschlimmerung des Problems. Diese Tragödie, dass nun weder von einer Verweigerung zusätzlicher (!) Bürgschaften und Rettungspakete im Verbund mit einer restriktiveren Geldpolitik noch von der Fortführung der Maßnahmen eine Lösung zu erwarten ist, zeigt den Stand auf der Schuldenuhr der kinderlosen Völker Europas: Es ist bereits fünf nach zwölf. Auch wenn die Solvenzverschleppung Griechenlands und Portugals noch ein paar Jahre aufrechterhalten wird, lässt sich die Uhr doch nicht mehr zurückdrehen. Und auch viele andere Kandidaten sehen sich mittelfristig dem Dilemma gegenüber, dass sie a) entweder den Schuldendienst nicht mehr leisten können oder b) die Währung (weiter) inflationieren. Dass sich die Target-Salden im ESZB wieder aufheben, ist illusionär. Ob nun der Euro in der unausweichlichen Finanz- und Staatsschuldenkrise auseinanderfällt oder zu einer Weichwährung verkommt - eventuell durch eine Umgehung des Verbotes der monetären Finanzierung - bleibt abzuwarten. Griechenland, bei dem sich der unvermeidliche Zahlungsausfall am deutlichsten manifestiert, ist für die Entstehung der Zivilisation (polis) und die Entwicklung der Geldwirtschaft in der Antike bekannt und wäre somit dann auch ein würdiges Grab für den Euro. Es wurde mehrmals verwiesen auf (absolut lesenswert!): Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (2002), The European Central Bank and the Eurosystem: An Analysis of the Missing Central Monetary Institution in European Monetary Union, Zentrum für Europäische Integrationsforschung, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Link: www.zei.de/download/zei_wp/B03-09.pdf Gunnar Heinsohn und Otto Steiger (2003), Des Eurokaisers neue Kleider: Ein Märchen über das Notenbankkostüm der Europäischen Zentralbank, erschienen in: Wilhelm Hankel, Karl Albrecht Schatzschneider und Joachim Starbatty, Hg., Der Ökonom als Politiker – Europa, Geld und die soziale Frage: Festschrift für Wilhelm Nölling, Stuttgart: Lucius & Lucius. Link: eurospethmann.de/pdf/p17_DesEurokaisersNeueKleider.pdf PS: Noch etwas Grundsätzliches Sie berufen sich zwar auf die schlechte Besicherung der in den GIPS-Ländern emittierten Noten als großes Risiko für den Euro, die Gefahr von Inflation sehen Sie aber erst, wenn die Geldmenge (M0) ausgeweitet wird, weil eine automatische Sterilisierung des Zuwachses der Geldmenge durch den Abbau der Refinanzierungsgeschäfte irgendwann nicht mehr möglich ist. Die kategorische Fixierung auf die Menge des Geldes – und nicht auch auf die dieser Menge gegenüberstehenden Aktiva der ZBen - ist aber meines Erachtens falsch. Nehmen wir den extremsten aller denkbaren Fälle an: Sollte also die Geldschöpfung in den GIPS-Ländern über den möglichen Sterilisations-Punkt des Abbaus der Refinanzierungsgeschäfte hinaus stattfinden, könnten Ihrer Meinung nach die ZBen der Kernländer zur Sterilisierung der Geldmenge ihre sonstigen Aktiva (Gold und Devisen) verkaufen. In Ihrer Vorlesung sprechen Sie dieses Szenario ja sogar an und vermuten weitere fünf mögliche Jahre. In diesem abstrusen Szenario (nach dem Verkauf aller ZB-Aktiva) ist im Grunde niemand (keine ZB) mehr in der Lage Geld vom Markt zu nehmen. Würde dieses Geld weiterhin als Zahlungsmittel akzeptiert, obwohl es niemand mehr braucht, um Kredite bei den Notenbanken zu begleichen und seine Pfänder auszulösen, und auch niemand darauf hoffen kann, dass eine ZB ihm zur Einlieferung dieser Noten einen Vermögenswert (Staatsanleihen, Gold, …) übereignet, da die ZBen über solche ja gar nicht mehr verfügen, könnte man von wirklichem Nominalgeld (“Fiat Money“) sprechen. An diesem simplen und absurden Beispiel, das Sie aber mit der Behauptung in Ihrer Vorlesung (die ZBen könnten sämtliche Vermögenswerte veräußern) provozieren, kann man leicht sehen, dass es kein „vollkommen uneinlösbares Papiergeld“ (wie beispielsweise Friedman und Schwartz behaupten), also „Fiat Money“, geben kann. Ganz im Gegenteil hat Geld deswegen einen Wert, da es ständig zur Begleichung von ZB-Schulden gebraucht wird und Vermögenswerte von der ZB in dem Maße erworben werden können, in dem die ZB definitive Verkäufe von Vermögenswerten tätigt (die Deklarierung einer Währung zum „legal tender“ und das Eintreiben der Steuern in dieser Währung reichen für die Akzeptanz beim Publikum nicht aus). Es ist also die Potenz der ZB, Geld vom Markt zu nehmen (ihre Aktiva!!!!), welche die Akzeptanz - und damit die Stabilität - einer Währung erst ermöglicht. Es ist daher irreführend anzunehmen, dass wir noch mehrere Jahre ohne eine Abwertung (und damit einer kaum verhinderbaren Inflation) überstehen würden, wenn die GIPS-Länder weiterhin die entsprechenden Summen gegen schlechte Sicherheiten an nicht refundierungsfähige Schuldner emittieren. Wenn aber die Potenz der ZB, Geld vom Markt zu nehmen, für die Stabilität der Währung (mit-) entscheidend ist, dann bedeutet ein Verlust dieser Potenz (=ein Wertverlust der Aktiva der ZB!!!) eine Destabilisierung des Euro. Sie beschreiben ja selbst, dass die Forderungen der Bundesbank gegen die GIPS-ZBen (bzw. gegen das ESZB), unsicher sind. Die Bundesbank ist also durch die Transaktionen über das Target2-System dazu gezwungen worden, diese Forderung bei sich zu verbuchen. Fallen diese Forderungen (teilweise) aus, muss der Verlust über das Eigenkapital abgeschrieben werden. Wird dieses dabei aufgebraucht oder sogar negativ, kann nur der Staat (wie Charles Goodhard betonte: der eigentliche LOLR) der ZB Vermögenswerte (im Normalfall Schuldtitel) übertragen und die ZB damit wieder handlungsfähig machen und ihr somit die Potenz, Noten im gebotenen Umfang vom Markt zu nehmen, zurückgeben. Ist der Staat aber nicht dazu in der Lage, weil er sich nicht weiter im geforderten Maße verschulden kann, dann muss der Euro an Akzeptanz verlieren und abwerten. Ob die schnell schrumpfenden und vergreisenden Völker Europas (auch und vor allem Deutschland) von den privaten Kapitalgebern die Kredite zum Ausgleich der Verluste in den Zentralbankbilanzen bewilligt bekommen, bleibt abzuwarten. Natürlich ist die Gefahr extrem hoch, dass bei Schwierigkeiten der Kreditaufnahme – und/oder sehr hohen Zinsen – das Verbot der monetären Finanzierung umgangen wird, und die ZBen den Regierungen Kredite direkt zur Verfügung stellen. Dies wäre mit Sicherheit der Beginn einer stärkeren Inflation. Aber selbst wenn nicht mehr weiter gegen schlechte Sicherheiten emittiert würde, ist doch die Eigentumsbesicherung des Euro (ZB-Aktiva) schon dermaßen ausgehöhlt, dass er vielleicht an Akzeptanz (in der gesamten Welt) verlieren wird, sobald dem Publikum diese schlechte Besicherung der Euronoten bewusst wird. Die ZB kann nur Geld vom Markt nehmen, indem sie dem Einlieferer der Noten einen Vermögenswert überträgt (auch die Streichung der Forderung gegen eine GB ist eine Übertragung eines Vermögenswertes; die Forderung hat ja einen echten Wert und könnte (theoretisch) verkauft werden). Wenn die Halter der Geldnoten nicht darauf hoffen können, dass der Geldschaffer ihnen die Einlieferung der Noten ermöglicht und ihnen dabei einen dementsprechenden Vermögenswert überträgt, dann verliert das Geld seinen Wert. Denn Geld hat nicht einen Wert, weil wir uns an seine Benutzung gewöhn haben (“FIAT Money“), sondern Geld ist eine implizite Forderung gegen das Eigentum des Geldschaffers. (Vgl. hierzu Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, „Eigentum, Zins und Geld“, 2006, bspw. S. 182). Die Gelegenheit ist günstig, dass das endlich verstanden wird, denn die Nationalökonomen befassen sich nun hoffentlich vermehrt mit den ZB-Bilanzen und sehen, dass die Geldmenge als Verbindlichkeit verbucht wird. Die Target-Schuld eines Landes ist der Anteil ihrer ausgegebenen Noten, die im Ausland zirkulieren. Diese repräsentieren eine Forderung gegen das Eigentum ihrer ZB (den Geldschaffer). Das Eigentum des Geldschaffers ist wiederum die Forderung (gegen die GB) aus dem Geldschöpfungsprozess. Unterliegt der Geldschaffer einer Einlösepflicht, ist die Forderung gegen ihn konkreter Natur, gibt es allerdings keine Pflicht zur Einlösung, implizieren die Noten nur eine solche Forderung gegen sein Eigentum (trotzdem erhalten die Noten durch diese implizite Forderung einen Wert). In den Statuten des US-Finanzministeriums ist diese Definition des Geldes dann auch zu finden: “Federal Reserve notes are claims on the assets of the issuing Federal Reserve bank“ (US Treasury 2005). Konkret ist dieser Anspruch nur für andere US Notenbanken (jährliches clearing), für alle sonstigen Halter der Noten ist die Forderung nur eine implizite. Wichtig ist nun zu verstehen, dass eine ZB, zumindest wenn sie einer justiziablen Einlösepflicht untersteht, sich nicht durch die Ausgabe von zusätzlichen Noten vor einer Zahlungsunfähigkeit bewahren kann, da sie durch diese Noten ja nur wieder neue Ansprüche gegen sich schafft. Es ist dieser Mechanismus den Buiter nicht versteht, als er (in Kritik auf Ihre Position) darauf verweist, dass jede Zweigstelle der Fed sich die für das jährliche clearing benötigten Assets durch zusätzlich ausgegebene Noten beschaffen kann. Exakt dieses Missverständnis versuchte schon James Steuart vor zweieinhalb Jahrhunderten auszuräumen: “I have dwelt the longer upon this circumstance, because many, who are unacquainted with the nature of banks, have a difficulty to comprehend how they should ever be at a loss of money, as they have a mint of their own, which requires nothing but paper and ink to create millions. But if they consider the principles of banking, they will find that every note issued for value consumed, in place of value received and preserved, is neither more or less, than a partial spending, either of their capital [equity], or profits of the bank” (James Steuart, (1767[1993]) An Inquiry into the Principles of Political Oeconomy: Being an Essay on the Science of Domestic Policy in Free Nations, London, A. Millar & Dadell; reprint Düsseldorf, Verlag Wirtschaft und Finanzen, Band II, S. 151f.). Aber auch wenn es für die Halter der Noten keinen justiziablen Anspruch gegen den Geldschaffer gibt, ist es dennoch extrem wichtig, ob bei der Schaffung des Geldes die implizite Sicherung seiner Rückströmung (=das Aktivieren eines werthaltigen Assets auf der Aktivseite der ZB-Bilanz!!!) geschieht. Besonders deutlich wird dieser Unterschied beim definitiven Ankauf von Staatsanleihen. Seriösen ZBen ist es verboten dem Staat direkt Kredit zu gewähren (Verbot der monetären Finanzierung, vgl. bspw., Artikel 123, Abs. 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union), sie können aber Staatsanleihen am Sekundärmarkt (!) ankaufen. Durch den Ankauf am Sekundärmarkt kann sich der Staat nur verschulden, wenn ihm eine Rückzahlung der Verpflichtungen von den Investoren zugetraut wird, und die Staatsanleihen haben somit einen - zwar variablen, aber zu diesem Zeitpunkt - vom Markt verifizierten Wert (allerdings besteht bei einer Perpetuierung dieses Prozesses zusätzlich zum Bewertungsrisiko der Titel das Problem des „ZB-Defektes“, vgl. bspw. Stadermann 1994, Geldwirtschaft und Geldpolitik: Einführung in die Grundlagen, Wiesbaden, Gabler, S.202). Wenn die Zentralbank die Staatsschuld aber monetarisiert, indem sie staatliche Schuldverschreibungen zu einem überhöhten Preis, den private Investoren niemals zahlen würden, direkt vom Staat erwirbt, emittiert sie „Schuldnergeld“ (nach Eigentumsökonomischer Terminologie). Die ZB hat im letzteren Fall nicht die Möglichkeit, das geschaffene Geld (in vollem Umfang) durch einen Verkauf der Titel wieder vom Markt zu nehmen. Es ist diese triviale Unterscheidung des Geldes nach seiner Entstehung, die viele Ökonomen aussparen und schlicht vom „Geld drucken“ reden. Bei jeder Geldschöpfung muss man sich aber fragen, ob die ZB einen entsprechenden werthaltigen Asset aktiviert, der sie befähigt, die Geldmenge wieder zu sterilisieren (=“Gläubigergeld“), oder ob sie keinen Asset, der sie zur Sterilisierung der Geldmange befähigt, aktivieren kann (=“Schuldnergeld“). Auch bei Ihnen vermisse ich diese Unterscheidung, da Sie ja annehmen der Geldwert könne stabil bleiben, solange die Geldmenge nicht steigt, selbst wenn die ZB jegliche Aktiva (zur Sterilisierung des Überschusses) veräußert. Sollte das in den GIPS-Ländern geschaffene Geld, welches die Target-Salden verursacht hat, an ungesunde Banken und mit unzureichenden Sicherheiten emittiert worden sein, dann ist in einem gewissen Maße „Schuldnergeld“ entstanden. Ich hoffe zutiefst, dass es dadurch (endlich!) einer größeren Zahl von Ökonomen bewusst wird, dass das Entscheidende bei der Geldemission nicht die Menge des emittierten Geldes ist („einfache“ Quantitätstheorie), sondern die (implizite) Sicherung seiner Rückströmung. Ich würde mich wahnsinnig darüber freuen, einmal mit Ihnen persönlich über diese Themen diskutieren zu können. Mit freundlichen Grüßen, Ingo Sauer
Sehr geehrter Herr Sauer, haben Sie vielen herzlichen Dank für diesen tiefschürfenden Beitrag. Ich stimme allem zu. Auch dem, was Sie zur Inflation sagen. Wir haben in dem Beitrag mit Inflation nur die Inflation der Geldmenge gemeint, nicht anderweitige inflationäre Effekte durch die Überschuldung und dergleichen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, liege ich richtig in der Annahme, dass sie mit dem Euro Kritiker Professor Hankel in dem Punkt übereinstimmen, wenn er sagt: "Die Zahlungsbilanz befiehlt...die Handelsbilanz folgt" (wenn ich das richtig zuordne war das Böhm-Bawerk der das so formulierte). Diese Argumentation führen sie ja z.B. in ihrem Vortrag "Europa in der Krise" an. Sicher ist man hinterher immer schlauer aber es gab doch schon früh warnende Stimmen. Warum aber wurden diese Argumente nicht entsprechend zur Geltung gebracht - vor der Euro Einführung? Wäre es nicht sinnvoll -endlich- einige der besten Ökonomen Deutschlands an diesem Thema (öffentlich zwecks Transparenz) arbeiten zu lassen?
Sehr geehrter Herr M., die Argumente wurden zur Geltung gebracht. Es gab vor etwa fünfzehn bis zwanzig Jahren einen Aufruf gegen den Euro, an dem sich über hundert VWL-Professoren beteiligt hatten, wo die Argumente genannt wurden. Ich muss freilich gestehen, dass ich damals nicht dazu gehörte, weil Währungsfragen auch nicht gerade mein Spezialgebiet waren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Lieber Professor Sinn, zunaechst darf ich mich mal fuer die Beantwortung der mail sehr herzlich bedanken, es ist ja in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt ueblich. Vorweg, ich wollte Ihnen auch nichts unterstellen was den Ursprung der Target 2 Geschichte angeht, wirklich weit entfernt davon! Sie stehen ja nicht nur aufgrund Ihrer zweifelsohne federfuehrenden Erfahrung und hervorragenden expertise im Rampenlicht, sondern eben auch wegen einer vermeintlichen german-centric Interpretation der oekonomischen Geschehnisse, teilweise werden Ihnen ja sogar bewusste Fehlinterpretationen zum zwecke der Meinungsmache unterstellt, das halte ich persoenlich fuer unhaltbar, wundert mich aber bei der mangelhaften Qualitaet so mancher journalistischer Erguesse wirklich nicht. Ich habe sehr genau beobachtet wie sie in Ihrer Praesentation im Mai, Schulden Tsunami, eben einen Schrit zurueck gingen, und deutlich zur Griechenland Frage auesserten, 'Ich weiss es eben auch nicht'. Sie zaehlten eben nur Moeglichkeiten auf, die allerdings auch alle ausnahmslos tragische Auswirkungen nach sich ziehen. Ich spreche Sie aber auch vielmehr in ihrer Eigenschaft als Sozial Wissenschaftler an, denn Volkswirtschaft ist ja genau dies schlussendlich, und wuerde mich wirklich freuen Ihre Gedanken hierzu besser zu verstehen. Roland Benedikter hat es meiner Meinung nach sehr schoen beschrieben, wir haben es global mit parasitaeren Wirtschaften zu tun die parallel zur real oekonomischen Wertschoepfung ueberproportional gewachsen sind, was sicherlich auch Gruende in fragwuerdiger Zentral Bank und EZB Politik, sowie einer allgemeinen neo liberal motivierten Deregulierungen des Finanzwesen hatte. Ich bin so frei und behaupte mal, dass sich unsere politischen Stellvertreter sich heute eher durch grobe Mittelmaessigkeit auszeichnen. Vom Finanzlatein versehen viele so gut wie gar nichts, sind demzufolge oft auch hoffnungslos ueberfordert eine rationale Verstaendnisgrundlage zu bilden, aber das mal aussen vor. Sie sprechen vom langsamen zu drehen des Ventils, und ich kann da nachvollziehen, frage mich aber, ob wir hier nicht gleichzeitig, wenn nicht sogar deutlich schneller, das 'parasitaere' Kapital ebenso verringern muessen. Eine Schock therapie ist sicherlich nicht ratsam. Wenn wir uns zurueckerinnern, 2007/2008 war doch das politische Mantra, sowas soll nicht wieder passieren koennen, und nicht nur in Deutschland. Bis dato hat sich allerdings das Gegenteil ereignet, too big too fail got even bigger, und eine ausschliessliche radikale Sparkur wird die strukturellen Defizite in den peripherie Laendern auch nicht beheben, das fast schon exklusive Export Mantra ist doch eine illusorische Annahme. Irland spielt hier sicher eine noch etwas andere Rolle, da es sich an transnational operierende Unternehmen mit dem Konzept der globalen Steuervermeidung angebiedert hatte, die 12.5 % corporation tax ist ja schliesslich nur ein teil des Konzeptes was den Standort Irland interessant gemacht hat, und man muss isch nur mal die kupfernen Firmenschiklder im IFSC in Dublin etwas genauer anschauen, dann wird einem schon vieles klarer. Ich versuche mich kurz zu fassen. Ziel sollte es doch sein einen neuen Konsens zu finden der eine vor allen Dingen friedliche weitere Koexistenz ermoeglicht, und diese sogenannte Krise hat viele Ebenen, das macht es ja so komplex. In meinen Briefwechseln mit Prof. Albert Bartlett http://www.albartlett.org/ bin ich mir darueber klar geworden, dass wir es hier mit einer weiteren Dimension zu tun haben. Al sagte mal, dass unser Nachkriegs Verstaendnis wirtschaftlicher Gueterstroeme den Aspekt der sustainability straeflich vernachlaessigt hat, und ich denke er hat hier voellig recht. Je laenger sich diese oekonomische Krise hinzieht, umso mehr wird internationale Instabilitaet gefoerdert, dazu muss man nicht die think tank Publikationen lesen, das ist naheliegend. Eine ideologische Betrachtung Keynesianer vs. Randian/ Rothbardian etc. halte ich fuer Zeitverschwendung, nicht ueberfluessig, aber im Moment doch eher akademisch. China und Indien, sowie der Rest der BRIC ueben ja laut UNCTAD eine Magnet Funktion auf Kapital Stroeme aus und spaetestens damit wird es dann ja auch richtig kompliziert. Glauben sie nicht, dass es im relativ kleinen europaeischen Betrachtungsrahmen angebracht waere eine debt forgiveness Politik anzusteuern, zumal die jahrelange Vernachlaessigung der strukturellen Defizit Problematik hier ja massgeblich zur Krise zugesteuert hat? Mit ganz herzlichen Gruessen, aus dem 'ansonsten' wirklich schoenem Irland, hier mal in voller HD Aufloesung, 1920 pixel von meiner Wahlheimat, Dooey Beach/Donegal.
Sehr geehrter Herr B., vielen Dank für die Mitteilung aus Irland. Ihre Worte geben einen tiefen Sinn. Ich befürchte, dass Sie Recht haben. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, 1. haben Sie mir gestern früh aus dem Herzen gesprochen - nur schade, daß Ihr DLF Kommentar wohl nicht wiederholt wird, er sollte 'every hour on the hour' gesendet werden! 2. hätten Sie noch deutlicher werden können, daß Frau Merkel ihre heuchlerischen Posen mit strengeren Regeln für euro-Länder aufgeben sollte, und vor einem Jahr den Regeln gefolgt sein, anstatt sich von Sarkozy für seine Banken (mit Geflüster von Ackermann) vom 'Schirm' überzeugen zu lassen, denn sowohl der Verstoß gegen den 'no-bail-out' Paragraphen war von Anfang an ein VERSTOSS gegen das Euro Vertrags GESETZ - der § sollte gerade gegen "Schrecken ohne Ende" durch "Ende mit-etwas-Schrecken" vorbeugen - und war fundamental zu unserer Zustim- mung zum Wechsel von der D-Mark (die wir gerne wieder hätten, zumal der 'Gewinn im Europa-Handel' unredliche Verschleierungs-Politik ist - das 'Wirtschaftswunder' wurde mit der D-Mark gegen verschiedene Abwer- tungen anderer Länder erreicht). 3. Dazu gehört auch, daß die Klagen von Gauweiler und Hankel et al vom Gericht voraussichtlich unter politischer Einflußnahme bis zur möglichen Verhandlung jetzt aufgeschoben wurden - eben bis es zu spät erscheinen soll - obwohl 100 Mrd jetzt abzuschreiben immer noch das geringere Übel sein dürfte, da Griechenland die Gesamtschulden von ca 350 Mrd NIE wird erstatten können. (die Schweizer Finanz-Ethik Gruppe identifizierte die Gründe und deren anfänglichen Betrug schon früh, der unverändert im Charakter zumindest vieler, bes. Finanzoberschicht-Griechen weiter regiert). 4. Es ist falsch zu behaupten, daß der Ausschluß eines Landes eine Domino- Reaktion auslösen würde - die Mahnung an Andere wäre wie Medizin für die Betroffnen und täte dem euro, als eben >ernsthaft< gesicherte Währung nur gut, mehr als jeder 'Schirm'. (wobei ich im Falle Irland nie verstehen konnte, warum die Regierung Banken in ausländischer Hand rettete, die verführerische Geschäfte machten - ähnlich in Spanien - außer auf unlauteren politischen Druck vom Kontinent, dem die Regierung jetzt weiter ausgesetzt ist). 5. Verantwortlich ist Sarkosy, der die französischen Banken und Anleger in griech. Papieren schützen wollte, und die kindliche Merkel, die ihren Amtseid sowieso nicht ganz ernst zu nehmen scheint, indem sie u.a. Gesetze von Herrn Ackermanns Anwaltskanzlei entwerfen läßt, aber auf Sie nicht hört, und sich so über den Tisch ziehen ließ - sicher in Kollusion mit Trichet, 6. der den zweiten Verstoß mit Aufkauf der Griechen-Anleihen (und anderem Schrott?) zu verantworten hat, und so die von Schäuble lauthals geforderte "freiwillige" Beteiligung der Investoren zur Farce macht, während die griech. Papiere in deutschen, von Steuerzahlern noch immer gesicherten, Banken sowieso auf unser Volks-Vermögen abgeschrieben werden. 7. Um den Teufelskreis zu brechen, muß verhindert werden, daß Mme Lagarde zum Chef des IMF und Draghi der Nachfolger von Trichet werden! wie wäre ein Singaporer für den IMF und ein (wahrer?)Finne für die EZB? 8. Bereits 1996 habe ich Kanzler Helmut Kohl und Herrn Waigel in einem ausführlichen Paper auf die Unverträglichkeiten einer Gemeinschafts- währung mit Ländern mit anderen Wirtschafts-Ethik, -Praktiken und -Zyklen etc, hingewiesen, wie Sie sicher auch schon lange, und auch auf die Dummheit von finanziellen 'Strafen' (statt Gesichtsverlust) bei Verstößen - nie bestätigt, geschweige denn beantwortet...da beide wohl glaubten, daß die Politiker die Finanzkräfte steuern könnten - während schon das ganze zwanzigste Jahrhundert das Gegenteil bewiesen wurde. 9. So bin ich auch der Meinung, daß K.O.Pöhl eine richtigere Finanzpolitik für Ostdeutschland vertreten hat, und so weit gehe, daß ZWEI bescheiden- ere, kleinere, jedes in seiner Art stolze, 'Deutschländer' für Europa besser wären als eine Übermacht, die übermäßige Begehrichkeiten weckt - selbstverständlich mit vergleichbarer Unterstützung der Freiheit und Wirtschaft des Ostens wie geschehen, aber ohne Zerstörung Vieles brauch- baren dort, oder den Versuch von Umorientierung der Bevölkerung nach amerikanischem Muster im Westen in den Nachkriegsjahren... Mehr als genug, um meinen ersten Absatz zu unterstreichen, so verbleibe ich mit Dank und besten Grüßen, Christopher Landmann Stuttgart
Sehr geehrter Herr Landmann, habe Sie vielen Dank für Ihren Brief und die darin vertretenen Meinungen. Ich will jetzt im Einzelnen nicht Stellung nehmen, aber die Zeiten werden hektischer, wohl wahr. Ich bin gespannt, was nun alles wird. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geschätzter Herr ifo- Präsident SINN, ich danke Ihnen, dass Sie sich der Problematik " TARKET SALDEN " annehmen ! Von diesen TARKET SALDEN gehen zumindest in der nahen Zukunft sehr große Gefahren fur das gesamte Euro - System aus ! Weder die Politik noch die EZB erkennen die Bedeutung der TARKET SALDEN bis dato ! Darf ich an Sie Herr Prof. Dr. SINN bei dieser Gelegenheit noch eine kurze Frage stellen ! Teilen Sie meine Einschatzung, dass jede US- Administration, ganz egal welcher US- Präsident in Washington regiert, die Schuldenprobleme durch Inflation, sprich befeuern der Banknotenpresse lösen mochte auf Kosten der US- Bevölkerung ! Ob dies mittelfristig gelingen wird , steht auf einen ganz anderen Blatt ! In den letzten Tagen hat man ja in den Nachrichten zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Notenbank unter Ihrem Vorsitzenden die Banknotenpresse angehalten hat, also das pure Gegenteil, wovon ich in meiner Einleitung überzeugt bin ! Ist dies ein Widerspruch oder gibt es da eine wissenschaftliche Erklärung fur das Anhalten der Banknotenpresse ? Jedich ist unstreitig, dass sich die USA immer auf einem hoheren Niveau refinanzieren muss und deshalb wird Inflation immer ein Thema sein ! Gelddrucken hat nun einmal den unschoenen Nebeneffekt, dass sich bei zu nehmender Erhöhung des Geldvolumens bei gleichzeitigen gleichbleibenden Warenangebot die Inflations erhöht ! Ich bin zu tiefst überzeugt , dass die USA einen neuen Wirtschaftsraum vorstossen mochte, in dem Sie ( die USA ) die Bediengungen fur Refinanzierung vorfindet oder die Voraussetzungen zur Montage dieser Bedienungen der Refinanzierung selbst definieren kann ! Ich Wunsche Ihnen weiterhin alles Gute, Gesundheit, Wohlergehen, sehr viel Gluck und eine glueckliche Hand bei der täglichen Entscheidungsfindung sowie Gottes reichen Schutz und Segen! Muenchen, am Freitag, den 24.- Juni- 2011. So verbleibe ich gerne mit vorzüglichster Hochachtung und freundlichem Gruß ! GEZEICHNET DIETER WILHELM WAGNER
Sehr geehrter Herr Wagner, mir scheint auch, dass die USA auf eine Inflation hinsteuern möchten. Ob sie das schaffen, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man in einer Deflationsspirale ist, wird die Geldhaltung attraktiv, und die Geldmenge kann enorm anwachsen, ohne dass man die Leute zum Geldausgeben bringt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Aktuell heute 29.06.2011: Also doch 'Schrecken ohne Ende' anstatt endlich... dazu: Frau Merkel ist so begeistert von chinesischer Großzügigkeit, nicht nur unsere HighTech Industrie Beiträge zur schnelleren Eigenständigkeit des Reichs der Mitte (nicht vergessen: 'Nabel der Welt') leisten zu lassen, sondern vergißt darüber (oder weiß nicht?), daß die EU (wir) a) für den möglichen Aufkauf von Milliarden Schuldpapieren (nach vorsichtiger chinesischer Auswahl?) mit zukünftiger besonderer finanzieller Abhängigkeit in der Steuerung dieses Marktes bezahlen, b) China dies mit unserem eigenen Geld tut, das aus der unausgegliche- nen Handelsbilanz mit dem unterbewerteten Yuan/Remnimbi resultiert - zugegebener Weise, zur bisherigen Freude europäischer Verbraucher, einschl. wohl auch mancher Griechen, die sich für chinesische Elektronik und andere Goodies privat verschuldet haben. Wer klärt sie, Herrn Juncker & andere wohl auf? Kaum Mme Lagarde... Mit besten Grüßen, Christopher Landmann
Sehr geehrter Herr Landmann, da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. In der Tat haben die internationalen Kapitalströme einen Konsumrausch in einigen Ländern finanziert. Allen voran übrigens einen Konsumboom in den USA. Die Haushalte dort haben sich enorm verschuldet und zahlen momentan den Preis dafür. Aber auch wir haben massiv Kapital exportiert. In die USA und in weitere Länder, natürlich auch in Europa. Daher haben auch wir zum Konsum in anderen Ländern beigetragen. Beste Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nun hat die europäische Politik heute tatsächlich die Büchse der Pandora geöffnet und ein dauerhaftes Transfersystem über 2013 hinaus eingerichtet. Dtl. wird wohl in ein paar Jahren wieder - wie in den letzten 15 Jahren schon - in eine Flaute kommen. Sicher, wir können die Kosten der Rettungspakete eine Zeit lang schultern, aber der Krug geht bekanntlich nur solange zum Brunnen, bis er bricht. Dabei wird mir Bange um die ökonomische Zukunft Deutschlands. Die Rettungspakete für die GIPS-Staaten um die Insolvenzverschleppung weiterführen zu können, der deutsche Alleinausstieg aus der Kernenergie und die wahrscheinlich kommenden Mindestlöhne. Allesamt sind ja ökonomischer Unsinn und werden dennoch vollzogen, um die nötigen Wählerstimmen für die nächste Wahl zu erkaufen. Stößt hier die die Politikberatung der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute an ihre Grenzen? Verstauben die Forschungserkenntnisse in den Regalen? Scheinbar werden alle Warnungen der Ökonomenzunft in den Wind geschlagen. Die Politik scheint die Krise dazu zu benutzen, davon abzulenken, dass die hohe Staatsverschuldung auch in Dtl. durch die Politik selbst verursacht wurde. Es bleibt nur zu hoffen, dass endlich ein schnelles schmerzhaftes Ende folgt und alle Protagonisten aufwachen und einsehen, dass eine Pleite Griechenlands nicht das Ende der Welt bedeutet. Die Sonne wird trotzallem am nächsten Tag wieder aufgehen... Mit freundlichen Grüßen T.S.
Sehr geehrter T.S., da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. Deutschland hat momentan das Glück des Tüchtigen und erlebt einen fulminanten Aufschwung. Aber auch wir sind verwundbar. So ist unsere Staatsverschuldung derzeit schon zu hoch. Die Schuldenquote (Verhältnis von Staatsschulden zu BIP) liegt deutlich über den in Europa erlaubten 60%. Ein mehr an ökonomischem Sachverstand schadet somit in der Tat auch bei uns nicht. Beste Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, lassen Sie mich einmal versuchen, mich dem Thema betriebswirtschaftlich-pragmatisch zu nähern: 1. Die Staatsausgaben Griechenlands liegen seit Jahren (wohl schon vor der Euro-Einführung!) über den -einnahmen, daraus ergibt sich ein Defizit, das spiegelbildlich zu ständig wachsenden Staatsschulden führte (und gegenwärtig immer noch führt). 2. Also müssen sachgerechte Maßnahmen greifen., die Einnahmen erhöhen und/oder -ausgaben senken, bis ein (Roh-)überschuss entsteht, der es überhaupt erst einmal ermöglicht, Kredite (mit Zins und Tilgung) zu bedienen. 3. In einem Insolvenzplanverfahren (nach Insolvenzgesetz) würde man hier ein Konzept auflegen und daraus einen (in der Regel längerfristigen) Insolvenzplan ableiten. Im Kern stünde dabei die Abbildung diverser und sachgerechter Maßnahmen zur Einnahmensteigerung und Ausgabenreduzierung (nicht allein "Sparen"!)auf der Zeitachse. 4. Aus einem solchen Insolvenzplan ergäbe sich zugleich, wie hoch Neukredite bis zu dem Zeitpunkt ausgereicht werden müssten, zu dem neue Schulden nicht mehr entstehen, welcher Schuldendienst dann aus dem Roh-Überschuss etwa in 7 Jahren verkraftet werden kann und wie hoch im Umkehrschluss der "Haicut" aus hutiger Sicht sein müsste. Gläubiger würden dabei "mitziehen", denn wenn ein solcher Plan seriös ist und sein Vollzug kompetent begleitet und überwacht würde, wäre ihre Alternative, zwar vielleicht bei Vollzug des Insovenzplanes 50%, aber bei weiter ungesteuerter Entwickung dann wahrscheinlich alle Forderungen wertberichtigen zu müssen. Ich habe den Eindruck, dass die europäische Politik versucht, sich vor einer solchen (übrigens seit der deutschen Insovenzrechtsreform 1999 - für Unternehmen, versteht sich - bewährten)Logik zu drücken - oder erst garnicht anfängt, in eine solche Richtung zu denken. Wie sehen Sie das? Danke für Ihre Antwort und mit freundlichen Grüßen, Volker E. Reich.
Sehr geehrter Herr Dr. Reich, da Herr Sinn verhindert ist, antworte ich Ihnen. Sie haben durchaus recht, ein solch klares und stringentes Verfahren zu fordern. Auch wir sehen diese Notwendigkeit. Das war auch ein Grund, warum wir von Anfang an die Einbeziehung des IWF gefordert haben. Der IWF macht seine Entscheidungen aufgrund von genauen Plänen, die von den Ländern vorgelegt werden. Allerdings müssen die Pläne auf einer soliden (Daten-) Basis erstellt werden und politisch auch durchgesetzt werden können. Hier bestehen Zweifel. Werden zukünftige Sparmaßnahmen nicht durchgesetzt, schlägt die Rechnung fehl. Weiter erschwert wird das Problem durch das bestehende doppelte Defizit. Neben der Staatsverschuldung weist Griechenland ein Außenhandelsdefizit auf. Das muss ebenfalls korrigiert werden. Dieser Prozess ist möglicherweise der noch schmerzhaftere. Auf dieses Problem weist Herr Sinn immer wieder hin. Die Situation ist also mit großen Unsicherheiten behaftet. Viele Maßnahmen müssen in der Zukunft durchgesetzt werden. Daher wird man nicht die Berechnungsgenauigkeit erreichen, die Sie von betriebswirtschaftlichen Problemen gewohnt sind. Mit diesen Abstrichen ist aber ein Insolvenzplan ein guter Ansatz. Beste Grüße Klaus Abberger
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich habe die Diskussion um die Target2 Salden verfolgt, die Sie angestoßen haben. Ihre Kritiker argumentieren, dass die Kreditvergabe der Geschäftsbanken durch die entstandenen Target2 Salden in Deutschland nicht eingeschränkt worden ist. Wenn man allerdings davon ausgeht, dass eine Volkswirtschaft bei flexiblen Löhnen und Preisen imstande ist Vollbeschäftigung herzustellen, ergibt sich daraus die Schlussfolgerung, dass die Menge an Sozialprodukt, welche im Rahmen der Target Kredite an die GIPS Länder geflossen ist, auch in Deutschland oder vergleichbaren Ländern mit ähnlicher Bonität hätte abgesetzt werden können. Insofern hat sich durch die Target Kredite nicht nur die Geldschöpfung in die GIPS Länder verlagert, sondern es wurden auch weniger Kredite von Geschäftsbanken an deutsche Kunden vergeben. Anders ausgedrückt, je weniger Flexibilität dem deutschen Arbeitsmarkt unterstellt wird, desto weniger haben die gewährten Target Kredite zu einer Verdrängung deutscher Kreditkunden durch die GIPS Länder geführt. In jedem Fall aber sind die entstanden Target2 Salden öffentlicher Kredit, welcher an die GIPS Länder geflossen ist. Mit freundlichem Gruß Noel König
Sehr geehrter Herr König, vielen Dank für Ihre Nachricht, die ich leider erst jetzt beantworten kann. Alles, was Sie schreiben ins vollkommen richtig. Haben Sie eigentlich das Working Paper mit Timo Wollmershäuser gesehen? Hier sind die Links: Ifo Working Paper Nr. 105: http://www.cesifo-group.de/DocDL/IfoWorkingPaper-105.pdf CESifo Working Paper Nr. 3500: http://www.cesifo-group.de/DocDL/cesifo1_wp3500.pdf Schnelldienst: http://www.cesifo-group.de/DocDL/ifosd-2011-Sonderausgabe1-20110624.pdf Target Loans, Current Account Balances and the ECB’s Rescue Facility, ifo Lunchtime Seminar, 28.06.2011 http://mediathek.cesifo-group.de/iptv/player/macros/cesifo/mediathek?content=1207699&idx=1&category=1097891849 Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, ich hatte bereits einen ähnlichen Beitrag in einem anderen Themenbereich formuliert. http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/95discforum/10discfor_hwsdtldretten Darin habe ich Lösungsvorschläge für das Dilemma der Griechen genannt, die bisher offensichtlich noch nicht in Erwägung gezogen worden sind. Da die Griechen offensichtlich nicht den Willen haben, die Kredite jemals zurückzuzahlen, muss man überlegen, wie man die Schulden aus dem Ausland - mit gewissen Abstrichen - auf die Griechen überträgt, also Anreize schafft, dass sich der griechische Staat beim eigenen Volk anstatt im Ausland verschuldet, so dass die hohen Risikoprämien den Griechen zugute kommen. Hierzu ist eine Steuerreform nötig, die die Steuersätze erhöht und dafür gesorgt wird, dass diese Steuern auch gezahlt werden. Der Staat soll dabei die eigenen Zinspapiere - nach dem Ende der Laufzeit -als Steuerzahlung akzeptieren. Somit kann jeder Steuerzahler in Griechenland seine Schuld mit Staatsanleihen begleichen. Da die Papiere aktuell weit unterhalb des Nominalwertes gehandelt werden und auch die Zinssätze relativ hoch sind, hätten die griechischen Steuerzahler einen großen Anreiz, die Papiere selbst zu kaufen. Ein Teil der Zinsausgaben würde dann über die Steuern zurück an den Staat fließen. Die Kosten der Staatsverschuldung demnach für Griechenland günstiger werden. Am Sparen und Lohnkürzungen führt aber trotzdem kein Weg vorbei. Mit freudlichen Grüßen Theo
Sehr geehrter Herr H., vielen Dank für Ihren Beitrag. Ihr Vorschlag ist aus meiner Sicht zweischneidig. Ja, zum einen ist es richtig, dass Staaten, die sich vorwiegend im Inland verschulden, höhere Schuldenquoten finanzieren können. Das eindrucksvollste Beispiel ist Japan. Dort ist die Staatsverschuldung in der Nähe von 200% des BIP. Sie ist also weit höher als in Griechenland, Irland, Spanien oder Italien. Dennoch ist die Situation in Japan derzeit stabil. Die Schulden werden dort zu über 90% von Inländern gehalten. Allerdings ist die Ruhe trügerisch. Und die Probleme können später noch schwieriger werden, weil sich ein so übergroßer Berg an Schulden aufgetürmt hat. Gleichzeitig stellt die Verschuldung bei Inländern aber auch ein Klumpenrisiko dar. Die inländischen Gläubiger würden bei einer Pleite ein Teil ihrer Ersparnisse verlieren. Die vermutlich unvermeidbare Rezession würde auch noch ihre Arbeitseinkommen senken oder sie sogar in die Arbeitslosigkeit treiben. Die Bürger hätten also mehrfach zu leiden. Eine Risikostreuung ist sinnvoll. Von daher kann man wohl nicht sagen, dass möglichst viel Schulden durch Inländer finanziert werden sollte. Ein gewisser Anteil an Schulden im Inland wirkt aber tatsächlich stabilisieren. Allerdings beseitig das nicht das Grundproblem, dass die Schulden zu hoch sind. Es würde also eine trügerische Sicherheit hergestellt. Der Druck auf den Staat zu Sparen würde zunächst einmal vermindert. Viele Grüße Dr. Klaus Abberger Leiter des Präsidentenbüros
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, Ihre beiträge zum tieferen Verständnis der Euro-Krise habe ich mit großem Interesse gelesen. Was die 'Target-Salden' angeht, so ist 'meines' (das Verständnis) noch nicht ganz rund und ich glaube da nicht alleine zu stehen: Wenn der griechische Importeur an den deutschen Lieferanten gezahlt hat, 'landet' das Geld bei der deutschen Bank des Importeurs. Damit ist die Geldschöpfung in GR rückgängig gemacht - aber wie entsteht dann genau die Target-Forderung der BUBank gegen die euop. ZB (oder gegen die griechische ZB)? Danke für klärenden Hinweis. Gruß aus Meerbusch Bernd Becker (Studium bei Krelle und Albach vor 40 Jahren)
Sehr geehrter Herr Becker, erst jetzt komme ich zur Beantwortung Ihrer Frage. Wenn der griechische Importeur an den deutschen Lieferanten zahlt, überweist seine Bank das Geld nach Deutschland. Konkret bedeutet das, dass das Guthaben der Bank bei der griechischen Zentralbank um den Überweisungsbetrag fällt, was Geldvernichtung in Griechenland bedeutet, und umgekehrt die Bundesbank Geld schafft und der Bank des Lieferanten gutschreibt. Normalerweise erhält die Bundesbank eine Forderung gegen die Bank, wenn sie Geld schöpft, weil sie es verleiht. In diesem Fall führt sie nur die Überweisung aus und erhält statt dessen eine Forderung gegen die EZB, und die eine solche gegen die griechische Zentralbank. Die Forderung gegen die EZB ist insofern gerechtfertigt, als die EZB nun weniger Geld durch Kreditschöpfung in Deutschland schafft, weil der private Sektor nur eine bestimmte Liquiditätsnachfrage hat. Im Endeffekt gibt die Bundesbank den Kredit durch das EZB-System an den griechischen Importeur statt an einen deutschen Kunden und ersetzt damit den versiegenden privaten Kreditfluss. In der Zahlungsbilanz wird der private Kapitalexport aus Deutschland durch den Kapitalexport durch das EZB-System ersetzt. Ich hoffe, dies beantwortet Ihre Frage. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Dear Dr. Sinn, I am a Greek political scientist and the last 10 years I run a family owned high-tech marble processing company in the country. I write this e-mail to you, because for one more time I see that for many people living outside Greece the whole issue of the country's competitiveness is focused on the high cost of wages and salaries. I have a different opinion and I will explain to you why. The first issue dealing with the lack of competitiveness in the country, emanates from the more than 30 years trend in our educational system and our society to demonize capitalism, entrepreneurship, productivity, etc. According to data from the Greek Institute of Economic Research the country has stopped producing from1983 and we present since then as GDP growth the EC funding. All the EC funding for modernization of infrastructure etc, became means of political influence within the country. A whole generation grow with the belief that a place can be found in the public sector so as there is no need to improve our skills or knowledge. The second issue is dealing with the fact that the country has vast geographical problems and its tiny population is very small to encourage the development of an internal market capable enough to maintain feasible large companies. In the contemporary global market system only large companies can survive. The third factor is dealing with the Greek political system and the Greek state apparatus. If you are not a Greek businessman you can have no idea (even fictional fantasy) to know what businesses suffer from Greek bureaucracy. Even today they pass taxation law and other structural measures and at the same time they pass decisions that change the whole law. Everything is decided without long-term planning and they pass laws without any calculation about the consequences. I really can not understand in what way they want to attract FDI's. They do not have a stable taxation system, a logical insurance system, a decentralised and minimum bureaucracy, low public spending, small number of public personnel and educated and well trained personnel. The procedures for a taxation issue in one municipality are not the same with the procedures for the same issue to another. A fourth factor is the lack of infrastructure. A fifth factor is the lack of a business prone ideology. Many Greek businessmen have great ideas and initiatives but they do not have people to run them either in the private or the public sector. A final factor is the country's bad reputation abroad because of the bribing, the low quality of products and services, the negative reports etc. I would like to inform you that most of the Greek people are working many hours a day and their salary is very low. The whole issue is dealing with the dramatic low effectiveness of their working hours and believe me the workers have minimum responsibility to that. The last 30 years have been created a system that today nobody can control it. There is only one issue that can change this system. The minimum presence of the state apparatus and the Greek political system to the peoples everyday life. When I say minimum I imply very low taxes, elimination of bureaucracy, minimum insurance system. In the absence of the state apparatus the Greek people can very easily change the problems of the country. Neither Euro, or drachma, or salaries are problems. We need really a free political system and a free economy in order to grow and prosper our country. All the political system of the country is completely inadequate to run the country especially under this critical situation. The EU should stop listen our politicians and start listen other independent views because our future is linked to the future of the EU and its currency. Henry Kissinger, in his Ph.D Thesis he dealt with Greek revisionism in 1821 against the Ottoman Empire that finally led to the crumbling of the then equilibrium system among the European powers. Today, a new Greek revisionism, as a result of the actions of amature politicians in the country, ones more threatens European equilibrium.
Dear Mr. K., Thank you very much for your insightful comment. I enclose a copy of the last EEAG report which has a chapter on Greece. Some of your points are taken up there. Sincerely yours Hans-Werner Sinn http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik/70eeagreport
Sehr geehrter Herr E., ja, Sie haben Recht. Das ist eine Belohnung für Griechenland. Aber die Banken werden sich anschließend hüten, Griechenland ohne Zinsaufschläge Kredit zu geben. Was ist die Alternative? Sie besteht darin, dass die Staatengemeinschaft die Schulden übernimmt. Dann muss Griechenland noch nicht einmal die Zinsaufschläge befürchten. Am besten wäre es, Griechenland würde zahlen. Aber das können sie wohl nicht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Professor Sinn, Mit großem Interesse habe ich die von 189 Ökonomen unterzeichnete Broschüre gelesen. Anläßlich habe ich zwei Fragen: 1. Ist der Schuldenerlass ist nicht eine Belohnung für schlechtes Verhalten in Griechenland? Der niederländische Finanzminister De Jager hat das letzter Sonntag gesagt am Fernsehen. 2. Wie denken deutsche Ökonomen im Allgemeinen über die Gold-Standard? Ik habe diese Email übersetzt met Google Translate. Vielen Dank für eine Antwort.
Sehr geehrter Prof. Sinn, Ich hatte die Freude Ihnen am 14.März in der Anhörung des Haushaltsauschusses im Deutschen bundestag zuzuhören. Bei all der Diskussion um die beste Konstruktion des ESM, stellt sich mir als junger Student der Ökonomie doch die Frage: Was würde passieren bzw. wäre passiert, wenn die europäische Staatengemeinschaft, nie auch nur 1 Cent nach Griechenland transferiert hätte und auch in der Zukunft solche Rettungsmaßnahmen nicht angedacht wären? Hätten die Griechen dann selbst eine "Gläubigerkonferenz" einberufen müssen? Und welche evtl. Auswirkungen (auf Deutschland) rechtfertigen nun doch, nicht tatentlos geblieben zu sein?
Sehr geehrter Herr Müller, Griechenland wäre dann ab Mai zahlungsunfähig gewesen. Sie hätten eine Vereinbarung mit ihren Gläubigern mit einem gewaltigen Haircut gebraucht. Meine Position war, dass die Staatengemeinschaft in diesem Fall Notkredite zur Aufrechterhaltung der Staatsfinanzen zur Verfügung hätte stellen sollen. Das Problem war, dass man diese Kredite gegeben hat, ohne dass die Gläubiger Verzicht leisten mussten, dass also die Staatengemeinschaft die Gläubiger zu 100% abgesichert hat. Das ist die Einladung, die überschuldeten Länder weiterhin grenzenlos zu finanzieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Hallo Herr Prof. Sinn, mit Interesse und Zustimmung gabe ich Inr Interview mit der Rheinischen Post gelesen. Darin heißt es wie folgt: "Der Rettungsschirm ist schon groß genug: Er kann nach unserer Rechnung 315 Milliarden Euro an Krediten ausreichen, zusammen mit den Hilfen der EU und des IWF sind es 560 Milliarden Euro". Meine Frage: Gelten diese Zahlen auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass zur Erhaltung des AAA-Ratings Teile der Anleiheerlöse als Sicherheiten/Barreserve einbehalten werden müssen? Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Rechnung zusenden würden. Mit einem Dank für eine Antwort verbleibe ich mit freundlichen Grüssen Siegfried Hildebrandt www.zeitbombe-staatsverschuldung.de
Sehr geehrter Herr Hildebrandt, nein, eine Barreserve ist nicht herausgerechnet. Es ist in der Presse manchmal davon die Rede, aber es ist mir bislang nicht gelungen, irgendeine verlässliche Quelle dafür zu finden, dass das AAA-Rating des Fonds sonst nicht gewährt wird. Ich halte das im Moment nur für eine von interessierter Seite vorgebrachte Behauptung. Fest steht jedenfalls, dass die 315 Milliarden von den AAA-bewerteten Länder garantiert werden. Das folgt aus den Gesetzestexten und Verträgen. Der Rest ist Spekulation. Wenn Kredite in dieser Höhe ausgegeben werden, dann hat der Anleihekäufer den vollen Schutz der Länder Frankreich, Deutschland, Niederlande, Österreich und Finnland. Ich verstehe nicht, warum eine Barreserve zur weiteren Erhöhung des Schutzes erforderlich sein soll, zumal ja noch der Schutz anderer Länder, die nicht AAA-bewertet sind, hinzukommt. Ich habe in einem ifo-Standpunkt, den Sie auf der Homepage finden, aber einmal die Rechnung aufgemacht, dass 1/6 der Summe als Reserve gehalten werden muss, so dass nur etwa 260 Mrd. effektiv aus dem EFSF zur Verfügung stehen. Dann ist die Rettungssumme aus EFSF, ESM und IMF gut 480 Milliarden, was immer noch 50 Milliarden mehr ist als für die Refinanzierung der Länder Spanien, Portgual und Irland inklusive einer Nettoneuverschuldung von 3% des BIP benötigt wird (Nur um die geht es. Griechenland hat ein eigenes Programm.) Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit großem Interesse verfolge ich die aktuelle wirtschaftliche Debatte. Die Meinungen gehen jedoch vor allem bei einem Thema auseinander: Inflation. Noch im Januar letzten Jahres schrieben Sie, dass wir von einer Inflation meilenweit entfernt seien. Haben sich die Dinge aus Ihrer Sicht geändert? Steuern wir geradewegs auf eine Inflation zu? Der Großteil (zugegebenermaßen allesamt wirtschaftliche Laien) derer, mit denen ich dieses Thema bereits diskutierte, sind der Meinung, dass eine "große Inflation" bevorstünde und investieren nun größtenteils in (vermeintlich inflationssichere) Immobilien, deren Preise sich aber momentan bekannterweise auch auf dem Gipfel befinden. In Aktien zu investieren ist zu dieser Zeit aber wohl auch denkbar ungünstig. Was ist Ihrer Meinung nach die sinnvollste sowie sicherste Geldanlage oder halten Sie diese Debatte ohnehin für überflüssig, da Sie denken, dass eine Inflation ausbleibt? Für eine Antwort wäre ich dankbar. Mit freundlichen Grüßen Guido Frank
Sehr geehrter Herr F., Sie haben Recht. Das war vor einem Jahr noch meine Einschätzung. Aber ab Mai habe ich diese Einschätzung in mehreren Artikeln korrigiert, und zwar wegen der europäischen Schuldenkrise. Die Krise hat zu Lasten der europäischen Peripherie zu einer dramatischen Umlenkung der Kapitalströme nach Deutschland geführt. Die Deflationsgefahren konzentrieren sich deshalb auf die Peripherie, während in Deutschland nun eine Inflation der Güterpreise und Löhne bevorsteht. Es handelt sich dabei aber wohlgemerkt nicht um eine klassische Inflation, bei der im Währungsgebiet alle Löhne und Preise steigen, sondern um ein lokales Ereignis, und zudem noch eines, von dem wir profitieren, denn die Inflation ist das Ergebnis einer deutschen Separatkonjunktur bei der Investitionstätigkeit, die uns nach fünfzehn Jahren Flaute neues Wachstum beschert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, offenbar haben sich die Staats- und Regierungschefs der Eurozone darauf geeinigt, dass EFSF und ESM auch Anleihen auf dem Primärmarkt, d.h. direkt von den Eurostaaten kaufen dürfen. Ist das nicht praktisch der Einstieg in Eurobonds? Warum sollte Deutschöand dem zustimmen? Welche Vorteile hat das für uns, wenn es irgendwelche gibt? Herzlichen Dank!
Sehr geehrter Herr P., hier kann ich entwarnen. Die Käufe am Primärmarkt werden verrechnet mit der direkten Kreditvergabe und kommen aus demselben Kontingent und zu denselben Bedingungen. Auch muss der IWF in Proportion dazu selbst Kredite bereitstellen. Jedenfalls war das gestern bei einer Anhörung die Aussage von Bundesbankchef Weber. Schriftlich habe ich diese Interpretation noch nicht gesehen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, Sie schreiben regelmäßig, dass die bestehenden Rettungsschirme groß genug seien, um die GIPS-Staaten für drei Jahre zu finanzieren. Nun habe ich gelesen, dass die Griechenland-Hilfe so organisiert ist, dass das Land bereits im Jahr 2012 56 Mrd. Euro am Kapitalmarkt aufnehmen müsste. Wie soll das bei einem Zinssatz von grob 12-13 Prozent realistisch möglich sein? Meine Fragen dazu: 1. Können Sie diesen Sachstand bestätigen oder ist Griechenland tatsächlich für die nächsten beiden Jahre durch die Rettungsschirme ausfinanziert. 2. Müsste die Politik nicht dringend die Umschuldung planen, um einen ungeordneten Konkurs des Landes zu vermeiden? 3. Wie kann es sein, dass bei den geplanten Bankenstresstest die Umschuldung eines Eurostaates einfach nicht als "Worst Case" berücksichtigt wird, ob wohl der Fall Griechenland so offensichtlich ist? 4. Sind wir nicht ohne harten Stresstest und ggf. Rekapitalisierungen von banken nicht erpressbar gegenüber Griechenland, d.h. dass wir dem Land einfach mehr Geld geben müssen, weil unsere Banken eine Umschuldung möglicherweise nicht überleben? An dieser Stelle einen herzlichen Dank an Sie für Ihre klaren und äußerst informativen Stellungnahmen hier auf der Webseite und in den Medien sowie für die Möglichkeit, mit Ihnen auf diesem Weg in Diskussion zu treten.
Sehr geehrter Herr P., der Rettungsschirm für Griechenland beläuft sich auf 110 Mrd. Euro (davon 30 Mrd. Euro vom IMF, 80 Mrd. Euro von der EU). Davon wurde bisher etwa die Hälfte ausgezahlt (IMF knapp 15 Mrd. Euro, EU ca. 40 Mrd. Euro [Quelle: IMF]), rund 55 Mrd. Euro bleiben also noch übrig. Im Zeitraum April 2011 bis Anfang Mai 2013 (Ende des Rettungsschirms) werden in Griechenland auslaufende Staatsanleihen im Volumen von 49 Mrd. Euro fällig [Quelle: Finanzministerium Griechenland], dafür müsste der Rettungsschirm also reichen. Die EU hat im Einklang mit dem IMF beschlossen, dass die im Rahmen der Griechenland-Hilfe gewährten Darlehen alle eine Laufzeit von 7 ½ Jahren haben [Quelle: Rat der Europäischen Union]. Das bedeutet, dass die ersten Rückzahlungen im November 2017 fällig werden. Ob der Schirm für die Zinsen und die Nettoneuverschuldung reicht, ist eine andere Frage. Ich habe bei der Aussage, dass der Rettungsschirm reiche, übrigens immer dazu gesagt, dass Irland, Portugal und Spanien gemeint sind, denn nur um die ging es bei der Aussage der EU, dass der Schirm nicht reicht. Dass man vor Mai 2013 für Griechenland aus dem Luxemburger Fonds noch Geld vorsehen solle und müsse, höre ich das erste Mal. Dass Griechenland pleite ist, erkläre ich seit dem 28. April 2010 immer wieder. Die Stresstests zwingen die Banken nicht, die Papiere der südlichen Staatsanleihen zum Marktwert zu bewerten. Die meisten dieser Papiere stehen im Anlagenbuch zum Nennwert. Der Stresstest ist deshalb nicht ernst zu nehmen. Genauso wenig wie der erste Test, bei dem die irischen Banken, die ein halbes Jahr später pleitegingen, im grünen Bereich waren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, mit einigem Erschrecken beobachte ich als schon immer sehr wirtschaftsinteressierter, junger Mensch die Entwicklungen in der Schuldenkrise der Euro-Peripherie. Die regelrecht undemokratischen, immer weitergehenden Haftungen Deutschlands, die aus meiner Sicht nicht verfassungskonform sind, schockieren auch mich als FDP-Mitglied. Und obwohl ich Wirtschaftswissenschaften studiert habe, bleiben an einigen Stellen Fragen offen, die mich beschäftigen. Da ich weiß, dass Sie für unsere Fraktion eine Expertise zur Entwicklung eines dauerhaften Rettungsschirmes entwickelt haben, die ich sehr unterstütze und da ich Ihren wirtschaftlichen Sachverstand sehr schätze, wollte ich den Versuch unternehmen, Ihnen in aller Kürze meine Fragen zu stellen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir diese beantworten könnten. 1) Die Bundesbank hat Forderungen in Höhe von über 300 Mrd. Euro gegenüber anderen Zentralbanken. Ist dies für Deutschland wirklich gefährlich (also eine Art zweiter Rettungsschirm), oder handelt es sich - wie die Bundesbank selbst angibt - lediglich um buchungstechnische Ursachen? 2) Aufgrund der "Bad Banks" für WestLB und HRE stieg Deutschlands Schuldenstand 2010 um etwas 7-8 Prozentpunkte des BIP. Verstehe ich das richtig, dass durch die Abwicklung der beiden Bad Banks in den kommenden Jahren voraussichtlich davon auszugehen ist, dass der Schuldenstand sukzessive auch wieder um etwa diese 7-8 Prozentpunkte sinken wird? Ich bedanke mich schon einmal im Voraus sehr herzlich für eine kurze Beantwortung und möchte mich - unabhängig von einer Beantwortung - auch für Ihr Engagement bedanken, welches Sie durch Ihre Expertisen und Ihre Artikel z.B. in der Wirtschaftswoche zum Wohle Deutschlands zeigen und welches hoffentlich mehr und mehr Menschen die Augen öffnen wird! Beste Grüße, Dipl.-Kfm. Benjamin Lentz
Sehr geehrter Herr Lentz, zu Ihren Fragen: 1. Bei den Forderungen der Bundesbank gegenüber anderen Zentralbanken handelt es sich in dem gleichen Sinne um buchungstechnische Ursachen wie buchungstechnische Ursachen hinter einem Überziehungskredit stehen, die Ihnen Ihre Bank auf dem Girokonto gibt. Ich weiß nicht, warum das beruhigend sein soll. Auch die Aussage der Bundesbank, dass sich die Salden im Euroraum ausgleichen, ist wahr aber nicht beruhigend. Wenn A eine Forderung gegen B hat, gleichen sich die Salden über A und B zusammengenommen aus. Das ist wohl wahr. Wenn B pleite ist, hilft das A leider nicht. Und da liegt das Problem. Zwar kriegt die Bundesbank Zinsen für ihre Forderungen, aber genauso muss sie die Verluste tragen, wenn ein Land, dem sie Kredit gegeben hat, in den Staatskonkurs geht. Vielleicht nicht zu 100%. Vielleicht nur gemäß dem Kapitalanteil (mindestens 27)(100%-Prozentsatz des Pleite gehenden Landes). Das ist noch rechtlich unklar. 2. Bei den Bad Banks weiß ich nicht, wie Sie sich die Abwicklung in den kommenden Jahren vorstellen. Diese Banken werden vermutlich Jahrzehnte bestehen. Und sie werden neue Schulden aufnehmen müssen, um alte zu bedienen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, ich hab vergangene Woche mit großem Interesse den neuen "EAAG report on the European Economy.." gelesen. Wenn ich Ihre Stellunghahmen im "Diskussionsforum" betr. der finanziellen Lage Griechenland lese, habe ich alledings den Eindruck, da0 Sie eine etwas andere Linie - als die in diesem Report dargelegte - vertreten. In Kap 1.3.1 (Box 1.1) heißt es, daß Griechenland, Irland, Portugal und Spanien durchaus mittelfristig zahlungsfähig werden können. Besonders Irland und Griechenland könnten z.B. Ihre Steuereinnahmen erheblich steigern. Die Frage sei aber, ob potentielle Gläubiger in Zukunft die nötige Geduld mit diesen Ländern aufbrigen und zu vertretbaren Zinssätzen Geld leihen werden. In Kap. 3.6.5. steht u.a.: Vielleicht könne Griechenland ab 2013 Anleihen mit angehängten "Collective Action Clauses" zu akzeptablen Konditionen verkaufen, da diese Instrumente die maximalen Verluste von Gläubigern begrenzen. Betr. der beiden Optionen a) Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum uns b) Abwertung innerhalb des gemeinsamen Währungsgebiets handle es sich um eine Wahl zwischen zwei Übeln; keine dieser Möglichkeiten sei eindeutig zu empfehlen (Kap.3.6.2). Wenn ich Ihre Stellungnahmen im "Diskussionsforum" (aus dem Jahr 2010) dagegenhalte, ist es de facto unmöglich, daß das Land innerhalb des Euro-Raums abwertet und in Zukunft seine Zinsen noch bezahlen kann. Haben Sie Ihre Ansicht mittlerweile modifiziert oder besteht hier ein Dissens zu anderen Autoren des g. "Reports"? Mit freudlichen Grüßen W. N.
Sehr geehrter Herr N., sicherlich ist es so, dass bei einem Gemeinschaftsbericht nicht alles von jedem uneingeschränkt geteilt wird. Bei den von Ihnen genannten Beispielen stehe ich aber voll und ganz hinter den EEAG-Aussagen und habe sie sogar größtenteils selbst verfasst. Der Bericht äußert ja auch deutliche Zweifel, dass Griechenland es schaffen wird, um eine Umschuldung herumzukommen. Die CAC-Klauseln dienen dazu, einen Weg für eine geregelte Umschuldung zu beschreiben. Es ist für mich auch kein Widerspruch zwischen der Prognose zu erkennen, dass Griechenland um eine Umschuldung nicht herumkommen und mittelfristig wieder zahlungsfähig werden wird, zumal wir mit unserem Vorschlag einer Prozedur für die „drohende Insolvenz“ genau ein solches Szenarium durchspielen. Man ist für ein paar Jahre nicht in der Lage, die fällig werdende Schuld zu bedienen, muss deshalb partielle Umschuldungsprozeduren durchstehen, und rappelt sich dann auf. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, vielen Dank für Ihre sehr aufschlussreichen und wertvollen Analysen im Zusammenhang mit der Schuldenkrise in der Eurozone. Insbesondere teile ich Ihre klare Ablehnung des Aufkaufs von Anleihen durch den EFSF oder die Gewährung (günstiger) Kredite an Griechenland, damit dieses Land eigene Anleihen zurückkaufen kann. Das wäre im Ergebnis eine Vergemeinschaftung von Altschulden und die Einführung von Eurobonds durch die Hintertür. Ich würde mich allerdings freuen, wenn Sie einen Punkt nochmals vertieft darstellen können: Sie selbst schlagen vor, dass es erst einen Haircut geben solle und anschließend im Austausch neue Papiere, die ganz oder teilweise (z.B. zu 80 Prozent) von den anderen Euro-Staaten garantiert werden. Damit würden doch letztlich auch die Altschulden vergemeinschaftet. Warum ist das überhaupt erforderlich? Schafft so eine Absicherung nicht einen Moral Hazard, den Haircut zu niedrig anzusetzen, weil die anderen Eurostaaten für das "Restrisiko" die Haftung übernehmen? Führt so eine Lösung nicht letztlich ebenfalls zu Eurobonds durch die Hintertür? Worin unterscheidet sich dieser Vorschlag qualitativ vom Aufkauf der Anleihen durch den EFSF? Vielen Dank!
Sehr geehrter Herr P., vielen Dank für die Frage. Der Unterschied zum Rückkauf am Markt ohne Androhung eines Haircut ist, dass hier die Banken bis zu 60% des Nennwertes verlieren können. Die möglichen Verluste führen zur Vorsicht, aber zugleich wird der Fall der Wertpapiere ins Bodenlose verhindert: Versicherung mit Selbstbehalt ist die Grundidee. Was die EU praktiziert ist eine Versicherung ohne Selbstbehalt. Die maximiert den Moral-Hazard-Effekt. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist wiederum die Fortsetzung der Diskussion vom 31. Januar 2011) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, neben viel Zustimmung hier noch zwei weitere kritische Bemerkungen zu zwei Ihrer zentralen Aussagen zum Euro, nämlich 1. "Deutschland hat unter dem Euro extrem gelitten." und 2. Ihre ablehnende Haltung zu einer "europäischen Wirtschaftsregierung". ad 1. Sie begründen Ihre Aussage mit dem Abfluss (deutscher) Ersparnisse im gemeinsamen (europäischen) Kapitalmarkt und - saldenmechnisch völlig korrekt - mit dem "Überschuss im Außenhandel, der exakt so groß war wie der Abfluss an Ersparnissen", und Sie folgern daraus: "Der Überschuss im Außenhandel ist ein Ergebnis der Flaute, kein Zeichen von Handelsgewinnen." Hier handelt es sich um ein Henne-Ei-Problem, das in der Natur - nämlich evolutionstheoretisch - gelöst ist, für das die Ökonomie - so auch Sie - aber bisher den Beweis schuldig geblieben ist. Allenfalls sprich mehr oder weniger für die eine oder andere Sichtweise (nämlich ob der Kapitalabfluss Ursache oder Folge des Außenhandelsüberschusses ist.) Die (von Ihnen in Ihrem (großen) Vortrag im Rahmen der Münchner Seminare am 14. Dezember 2010 und im Interview mit dem Standard vom 31.12.2010) dargelegten Konsequenzen des Kapitalzuflusses in den Peripherieländern sind wiederum unstrittig. In einer Gesamtbilanz des Euro für die deutsche Wirtschaft darf freilich - neben dem von Ihnen erwähnten sichereren Wechselkurs sowie der größeren Preis- und Kostentransparenz, den geringeren Transaktions- und Informationskosten, dem breiteren Kapitalmarkt und der niedrigeren Inflationsrate in den Teilnehmerländern - vor allem nicht fehlen, dass die Zinsen wegen der gemeinsamen europäischen Geldpolitik in Deutschland niedriger sind als sie es sonst wären, und der zeitweise schwache Euro-Wechselkurs - jedenfalls gemessen an einem fiktiven DM-Wechselkurs (nicht an der Kaufkraftparität des Euro zum US-Dollar). Beides hatte positive (kaum messbare) Effekte auf die deutsche Wirtschaft. ad 2. Zur "europäischen Wirtschaftsregierung" einem Begriff, der wie andere von Ihnen gewählte (z. B. Transferunion) negativ besetzt ist (Sie also vorhandene Ressentiments schüren) wenige (rethorische) Fragen: - Geht nicht heute schon, wie häufig zu lesen ist, ein großer Teil der deutschen Gesetzgebung - auch im Bereich von Wirtschaft und Finanzen - von Brüssel aus? - Wurden und werden im Euro-Raum im Zusammenhang mit der Finanz- und Schuldenkrise im Bereich der öffentlichen Finanzen nicht wichtige und notwendige Initiativen zur Stärkung des Euro (konkret: des Stabilitäts- und Wachstumspakts) auf den Weg gebracht? Was doch zweifellos notwendige Schritte hin zu einer europäischen Wirtschaftsregierung sind. - Und ist nicht eine - die wichtigste - Lehre (auch der Spekulanten) aus der so genannten Eurokrise, dass eine auf Dauer angelegte Währungsunion neben einer gemeinsamen Geldpolitik auch eine koordinierte Finanzpolitik braucht? Über die konkrete Ausgestaltung einer solchen "Wirtschaftsregierung" lässt sich dann immer noch trefflich streiten. Freundliche Grüße von Ihrem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, der Euro hat den Kapitalabfluss induziert, unsere Flaute und den südlichen Boom. Die EZB hat die Zinsen an uns orientiert, deswegen ging es noch mal leidlich gut. Aber die hohen Renditen haben das Kapital weggelockt. Bis 2008. 2009 war Krise. Ab 2010 trauen sich die Banken nicht mehr raus, und die Zinsen spreizen sich zu unseren Gunsten. Wir wachsen nun so stark, weil das Kapital hier bleibt. Letztes Jahr hatten wir einen gewaltigen Investitionsboom. Aber das ist die plötzliche Korrektur der Märkte. Jetzt versucht der Markt nachzuholen, was unter dem Euro versäumt wurde. Von 1995 bis 2008 war alles anders herum. Da war anderswo Party, und hier fehlte das Kapital. Man kann die jetztige Entwicklung nicht dem Euro zuschreiben, denn sie ist ja die Reaktion auf die Fehlentwicklungen unter dem Euro. Wir hätten von vornherein mehr Investitionen und mehr Wachstum gehabt, hätte es den Euro nicht gegeben. Natürlich sollte man die Vorteile des Euro für Europa nicht unerwähnt lassen: 1. Senkung der Transaktionskosten für den Handel, 2. niedrige Inflation, und 3. schließlich ja auch die Schaffung des Kapitalmarktes an sich. Von 2. haben wir profitiert, leider zu viel, und von 2. und 3. mehr die anderen, denn wir sind ein großes Land. Je kleiner ein Land ist, desto mehr profitert es, weil es mehr Grenzen hat relativ zu seiner Größe. Europäische Wirtschaftsregierung kann viel bedeuten: Angleichung der Lohnstückkosten steht für die Franzosen im Vordergrund. Wäre Katastrophe für uns. Geht den Staat auch nichts an. Angleichung des Renteneintritts: schönes Spielthema. Geht die EU auch nichts an. Nützlich wäre: Mindeststeuersätze, Harmonisierung der Bemessungsgrundlagen der Steuern. Schädlich wäre Transferunion. Das wollen die Südländer. Die bloße Semantik, eine gemeinsame Währung brauche eine gemeinsame Regierung, ist Käse. In der Geschichte wurde der Welthandel meistens mit Gold bezahlt, ohne dass es solch eine gemeinsame Regierung gab. Gruß Hans-Werner Sinn
(Anmerkung des Moderators: Dies ist die Fortsetzung der Diskussion vom 27. Januar 2011 zur Eurokrise) Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, vielen Dank für Ihre im Stil gemäßigte Antwort (eines zweifellos hoch angesehenen und verdienten Ökonomen) auf meine bedauerlicherweise etwas vorlautenden Anmerkungen zu Ihrem SZ-Interview. Ihre Antwort in der Sache auf meine damaligen kritischen Hinweise habe ich allerdings auch nach mehrmaligem Durchlesen nicht in Gänze verstanden. Mit den laufenden Verhandlungen auf europäischer Ebene bin ich nicht (wie Sie?) im Detail vertraut. Aus meiner Sicht stellt sich die Sache bezüglich der in Rede stehenden, vergleichbar den von der Mexiko-Krise der Jahre 1988/89 bekannten, so genannten Brady-Bonds in den Grundzügen wie folgt dar: 1. EFSF-Anleihen ähnlich den kürzlich im Rahmen des Rettungspakets für Irland begebenen - also mit Zins und Tilgung (und nicht mit einem Null-Coupon) versehenen - Gemeinschaftsanleihen, die am Markt reißenden Absatz fanden (Süddeutsche Zeitung vom 26.1.2011: "Ansturm auf die erste Anleihe des Europäischen Rettungsfonds") 2. Rückkauf umlaufender Griechenland-(Alt)Anleihen (vom EFSF oder unter dieser Auflage von Griechenland selbst) am Markt zu aktuellen Marktkursen (d.h. weit unter, nicht über pari). Ein solches Vorgehen hätte m. E. für die Beteiligten folgende Vorteile: - für Euro-Staaten, die sich unter den Rettungsschirm "flüchten" und die damit verbundenen strengen (Restrukturierungs-) Auflagen akzeptieren, die Chance mittelfristig ihre Kreditwürdigkeit am Markt zurückzugewinnen (wie es im vergleichbaren Fall der Schuldenkrise südamerikanischer Länder der Fall war); - für die Käufer der EFSF-Anleihen als auch für die Verkäufer der umlaufenden, unter pari notierenden Alt-Anleihen die freiwillige (und nicht wie bei einem befürchteten nachträgliche Haircut erzwungene) Nutzung eines Instrumentes, mit dem die Banken aus anderen Situationen (z. B. beim Verkauf von Immobilienkrediten) sehr wohl vertraut sind und von dem sie in der Vergangenheit, insbesondere zur Entlastung ihrer Bilanzen, reichlich Gebrauch gemacht haben; - für die Europäische Zentralbank und den Europäischen Rettungsfond eine veränderte Aufgabenteilung (die Rückkäufe von Staatsanleihen würden vom EFSF und nicht mehr, wie in den vergangenen Monaten, von der EZB geleistet), die den EFSF stärkt und die EZB in ihrem Stabilitätsauftrag entlastet. Der von Ihnen behauptete - aber von anderen bestrittene - Bruch der Maastrichter Verträge würde vermieden. Vermieden würden aber vor allem auch schädliche Extremlösungen in der einen oder anderen Richtung: - ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro bzw. eine Aufspaltung in Süd- und Nordländer (Welche Länder sind das?) mit unübersehbarem Schaden für alle Beteiligten; - eine Dauersubventionierung der Schuldnerländer, aber eine Fortführung von Finanzhilfen von den starken Ländern, also u.a. Deutschland, in die Peripherieländer, wie sie unter den dem Europagedanken Wohlgesonnenen unstrittig und wirtschaftlich unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sind; - eine zu starke (extreme) innere Abwertung Griechenlands, die das Land überfordern (und erst recht zahlungsunfähig machen) würde wohl aber eine Rückführung (nicht eine utopische und ökonomisch keineswegs wünschenswerte komplette Rückzahlung) seiner Staatsschulden. Kredite (an Unternehmen, aber auch an Staaten) sind und waren immer ein wichtiges Schmiermittel jeder prosperierenden Wirtschaft sowie ein wesentlicher Bestandteil eines pragmatischen (leider gelegentlich allzu abschätzig bezeichneten) mudling through, an dem auch im Falle Griechenlands - wie anderer hoch verschuldeter Länder (außer europäischen auch z. B. die USA und Japan) - kein Weg vorbeiführen wird. Für ab 2013 emittierte Anleihen sollte, wie schon heute bei vergleichbaren Anleihen, eine "Collective Action Klausel" fester Vertragsbestandteil sein. Das würde sowohl Kreditnehmer wie -geber disziplinieren. Bei den notwendigen Warnungen vor allfälligen Fehlentwicklungen sollte man im Sinne der Bewahrung des Euro, der - siehe die Statements des französischen Staatspräsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin in Davos - mehr ist als eine Währung, Übertreibungen wie die, eine "Staatenkrise" herbeizureden, "unter Strafandrohung höhere Löhne" zu beschwören, oder über "schwindelerregende Summen von Verlusten in den Bilanzen der europäischen Banken" zu philosophieren, tunlichst vermeiden. Die Sonderausgabe des ifo Schnelldienst "Ein Krisenmechanismus für die Eurozone habe ich gelesen, allerdings, wie ich zugebe, nicht in allen Punkten bis zum Ende durchdacht. Im Vergleich zu den (oben skizzierten) so genannten Brady-Bonds für umlaufende Anleihen scheint er mir (bei allem Respekt vor der "Komplexität der Materie") zu anspruchsvoll. Ich freue mich, heute Abend anlässlich der Münchener Seminare, bei denen ich bisher stets viel gelernt habe und überdies zuvorkommend und reichhaltig bewirtet wurde, wieder im Ifo- Institut zu Gast zu sein. Freundliche Grüße und Bitte um Nachsicht für die möglicherweise als langatmig und belehrend empfundenen Bemerkungen meinerseits von Ihrem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, das Problem ist der freiwillige Haircut. Den gibt es nicht. Sobald man anfängt, den EFSF-Topf für den Kauf des Altbestandes zu öffnen, springen die Kurse hoch, denn das sind dann die Eurobonds, die es aus vielerlei Gründen zu vehindern gilt. Es geht nur eine Art von Brady-bond-Ansatz: "Vogel friss oder stirb". Der Aufkauf der griechischen Schulden zum heutigen Markdiskont hat mit diesem Ansatz jedenfalls wenig bis gar nichts zu tun. Er würde den Moral Hazard Effekt einer übermäßigen Verschuldung der Südländer perpetuieren. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, mit Ihrem Interview in der Süddeutschen Zeitung vom 26.Januar 2011 sind Sie wieder einmal Ihrem Ruf als ein zu Schnellschüssen neigender und gelegentlich polemisch argumentierender (Star-)Ökonom gerecht geworden. Speziell beziehe ich mich diesbezüglich auf Spalte zwei Mitte, wo Sie sich zu Euroanleihen äußern, die Griechenland dazu nutzt, eigene Anleihen zu Kursen, die u.U. weit unter dem Nennwert liegen, am Markt zurückzukaufen. Ihre allgemeine Spepsis (Ablehnung) gegenüber Euroanleihen teile ich. Im Falle so genannter Brady-Bonds könnten die Dinge allerdings etwas anders (komplizierter) liegen. Ich verweise diesbezüglich auf einen Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 21. 1. 2011 und bitte Sie, die Sache in Ihrem Hause, dem ifo Institut, einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen zu lassen. An dem Ergebnis wäre auch ich sehr interessiert. Freundlichen Grüßen von Ihem Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, Sie neigen auch nicht gerade zu milden Formulierungen. Aber zur Sache: Es geht bei der jetzt diskutierten Lösung für Griechenland keineswegs um Brady Bonds, sondern um Kredite des ESM an Griechenland zur Ablösung der Altschuld. Brady Bonds wären neue griechische Anleihen, die von der Staatengemeinschaft mit einem Null-Coupon-Gemeinschaftsbond besichert sind, das Griechenland selbst wiederum zu kaufen hätte. Bei Brady Bonds endet die Haftungskette in Griechenland. Bei der jetzt diskutierten Lösung endet sie bei den anderen EU-Staaten. Die Brady Bonds sind für die Käufer trotz Haircut bei den Altschulden attraktiv, weil sie, wenn sie sich verweigern, das Risiko eingehen, zum Schluss gar nichts zu kriegen. Bei den jetzigen Vorschlägen zu Griechenland ist nicht die Rede davon, dass die Schulden zum Schluss nicht bedient werden könnten, auch nicht davon, dass den Investoren eine einmalige Umtausch-Chance geboten wird. Vielmehr soll Griechenland die neuen Kredite benutzen, um die Altschulden mit einem Aufschlag (!) zurückzukaufen. Die Konsequenz dieser Maßnahme wird eine rasche Kurserholung der griechischen Schulden und ein bloßer Austausch der privaten gegen öffentliche Gläubiger sein. Entscheidend für den Erfolg einer Umschuldungsmaßnahme ist die Androhung eines späteren Haircut zu schlechteren Bedingungen. Davon ist derzeit nicht die Rede. Wege zur Ablösung von Altschulden durch Ersatzanleihen werden im übrigen in dem von Kai Carstensen und mir erstellten Gutachten "Ein Krisenmechanismus für die Eurozone" beschrieben, das im Dezember als Sonderheft des ifo-Schnelldienstes herauskam. Soviel zu den Schnellschüssen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, nachdem ich mich in meinen kritischen Leserbriefen an das Handelsblatt bereits mehrfach auf Sie bezogen habe, möchte ich Sie über meinen letzten informieren: Wunschdenken Zu: „Mit dem Finanzrisiko steigt der politische Einfluss“, HB vom 18.1.2011 Statt der Bundesregierung hat sich bisher eher das HB selbst einen „Pinocchio“ für Schwindeleien und Halbwahrheiten verdient. „Wachstum und Wohlstand in Deutschland basieren auf dem Euro“. Dem wird zwar von einigen Ökonomen, z. B.Prof. Sinn widersprochen, aber das HB meint penetrant von dieser Grundhypothese in seinen europolitischen Analysen ausgehen zu können. Zeigen Sie doch bitte mal, wie sich das deutsche Wirtschaftswachstum in den letzten 10 Jahren im Vergleich zu Nicht-Euro-Ländern in der EU entwickelt hat, oder wie der Anteil der deutschen Exporte in den Euroraum im Vergleich zur Zeit vor dem Euro nun aussieht. Es wird sich zeigen, dass Deutschland nicht der große Europrofiteur ist, als der es fälschlicherweise dargestellt wird. Deshalb ist es auch verfehlt, vom deutschen Steuerzahler penetrant ein noch höheres finanzielles Risiko einzufordern. Denn dass unsere Politiker dafür an politischem Einfluss gewinnen, dürfte Wunschdenken bleiben. Sie haben es im Verbund mit hunderten EU- und Eurobürokraten nicht vermocht, den Maastricht-Vertrag und seine Stabilitätskriterien durchzusetzen. Wie sollen sie auf dem noch schwierigeren Feld der Lohn- und Sozialpolitik erfolgreich sein. Bitte kommen Sie allmählich zu Analysen, die einer Wirtschafts- und Finanzzeitung würdig sind. Viele Grüße Gernot Müller Elsternweg 3 40468 Düsseldorf Tel:0211/4230577 E-Mail: gernot.m@gmx.de PS: Wäre die Aufspaltung der Eurozone in zwei Zonen, oder der Austritt einzelner Länder eine Lösung - auch politisch machbar?
Sehr geehrter Herr Müller, vielen Dank für diese Information. Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, gestern (12.1.2011) erschien im Handelsblatt ein Interview mit Ihnen unter der Ueberschrifft "Die Konjunktur brummt wegen der Krise". Dort habe ich Ihre Aussagen ueber Griechenland scharf kritisiert. Nachdem ich gelesen habe, was Sie hier schreiben, stimme ich immer noch nicht mit Ihrer pessimistischen Sicht ueber Griechenland ueberein, verstehe allerdings besser Ihre Argumentation. Aber konzentrieren wir uns auf den Anleihenmarkt, den Sie fuer einen unbeeinflussten, effizienten Markt halten, der nur auf Angebot und Nachfrage reagiert, und der nicht von Marktmanipulation beeinflusst wird. Koennte ich Sie bitte fragen, waehrend einer ruhigen Stunde, auf dem ZEIT Herdentrieb Blog unter der Ueberschrift "Der Euro Wackelt" alle Leserbeitraege zu lesen. Dort beschaeftige ich mich mit CDS, und argumentiere fuer ein Verbot, da diese Instrumente der reinen Spekulation dienen, und den Anleihenmarkt beeinflussen. CDS sind, meiner Ansicht nach, eine Hauptursache, wenn auch nicht der Ausloeser der Krise. Denn es ist nur durch ein Ansteigen der CDS Preise, und ein Umschulden/Haircuts/Euroaustritt, dass man durch CDS Geld verdienen kann. Deshalb wird die Eurokrise geschuert, und deshalb wird auch durch nichts, ausser einem CDS Verbot, die Eurokrise beendet werden. Eine weitere Quelle ueber CDS ist der Bundesbankmonatsbericht vom Dezember. Auch in seinem Buch "Freefall" geht Joseph Stiglitz auf die Credit Default Swaps ein, und fordert ein Verbot in ihrer jetzigen Form. Jeder im Herdentrieb, und dort sind viele Oekonomen unterwegs, schliesst sich meiner Analyse an, und fordert ein sofortiges Verbot von CDS. Wenn Sie das auch machen wuerden, haette ich den Top-Volkswirt in Deutschland auf meiner Seite, und unsere Kampagne haette natuerlich mehr Gewicht. Ich habe Sie im Handelsblatt heftig angegriffen, was mir jetzt leid tut, und ich waere trotzdem dankbar wenn Sie sich mit der Frage der CDS befassen wuerden. Mit freundlichen Gruessen Matthias Usselmann
Sehr geehrter Herr Usselmann, wenn Sie die Wirkungsweise des CDS-Marktes interessiert, verweise ich Sie auf mein Buch "Kasino-Kapitalismus". Dort wird der Herdentrieb analysiert und ein Verbot von CDS für den Fall eines fehlenden versicherbaren Interesses gefordert. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, die EZB verdoppelt ihr Grundkapital. Wie muß man sich diesen Vorgang praktisch vorstellen? Müssen die nationalen Notenbanken Teile ihres Wertpapierportfolios an die EZB übertragen, so dass die EZB die Liquidität die sie dem Markt durch den Ankauf verschiedener Anleihen von Schuldenstaaten zur Verfügung gestellt hat, gegebenenfalls wieder aus dem Markt nehmen kann. Ich meine, um die Märkte erneut mit Liquidität zu versorgen, braucht die EZB ja nicht unbedingt mehr Grundkapital, denn sie kann ja selbst Geld schöpfen und damit Devisen oder Wertpapiere aufkaufen. Mit freundlichem Gruß Noel König P.S.: Ich möchte Ihnen einmal recht herzlich danken, für die Zeit die Sie sich immer nehmen, um auf meine Fragen oder Meinungen einzugehen. Ich denke hier spreche ich auch für die anderen Teilnehmer im Diskussionsforum. Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie wünscht Ihr Noel König
Lieber Herr König, es geht hier nicht um Liquidität, sondern um Eigenkapital, also eine Haftungssumme. Die nationalen Notenbanken zahlen dies mit bereits geschöpftem Geld ein, für das die Finanzminister auch Güter hätten kaufen können. Wenn die EZB Verluste macht, weil die Griechen die Staatsanleihen, die die EZB gekauft hat, nicht bedienen, ist das Geld in Griechenland statt in Deutschland. Frohe Weihnachten Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, leider konnte ich am 14.12. an dem Seminar nicht teilnehmen. Daher habe ich folgende Fragen: Stimmen Sie darin überein, dass die Schuldenkrise europäischer Staaten nur durch ein Zusammenspiel von a) einem Haircut i.H.v. bis max.40% der Verschuldung b) einer Gläubigerbeteiligung c) einer Einhaltung eines (neugeregelten) Stabilitätspakts d) einer engeren Zusammenarbeit der Eurostaaten hinsichtlich ihrer Wirtschaftspolitik e) einer Führungsposition Deutschlands (aufgrund seiner ~25%igen Wirtschaftslstg.) überwunden werden kann und dass 1.) eine Erweiterung d. "Rettungs"schrims auf 1.5 Bill.€ 2.) Eurobonds (unabhängig der Gestaltung) 3.) eine nur bedingte Gläubigerbeteiligung sich negativ auf den Krisenverlauf auswirken, da diese Maßnahmen zu einem zusätzlichen Vertrauensverlust führen. Wie sehen Sie die Zukunft der Euro"gemeinschaft"? Wird es Ihrer Meinung nach zu einer gespaltenen WU kommen, mit einer harten und einer weichen Währung? Sind die gemeinsamen Anleihen des Rettungsschirms nicht bereits eine Art der abgelehnten Eurobonds? Ich bedanke mich bereits für Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüßen A. F.
Sehr geehrter Herr F., hier meine Antworten in Kürze. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn a) einem Haircut i.H.v. bis max.40% der Verschuldung Wir sagen maximal 50%. b) einer Gläubigerbeteiligung. Das ist daselbe. c) einer Einhaltung eines (neugeregelten) Stabilitätspakts Ja. Aber politische Schuldenbremsen funktionieren ohne strikte Automatik nicht. d) einer engeren Zusammenarbeit der Eurostaaten hinsichtlich ihrer Wirtschaftspolitik Nein. Hat nichts mit der Problematik zu tun. Man sollte offen aussprechen, was man meint: Schuldengrenzen oder Transfers. Der Begriff "gemeinsame Wirtschaftpolitik" vernebelt die Problematik. e) einer Führungsposition Deutschlands (aufgrund seiner ~25%igen Wirtschaftslstg.) Verstehe ich nicht. überwunden werden kann und dass 1.) eine Erweiterung d. "Rettungs"schrims auf 1.5 Bill.€ Gefährlich. Vergrößert die Ansteckungsgefahren und Dominoeffekte. Wir können das nicht stemmen. 2.) Eurobonds (unabhängig der Gestaltung) Maximiiert Fehlanreize zum Schuldenmachen. 3.) eine nur bedingte Gläubigerbeteiligung sich negativ auf den Krisenverlauf auswirken, da diese Maßnahmen zu einem zusätzlichen Vertrauensverlust führen. So ist es.
Sehr geehrter Herr Professor. Dr. Sinn, anbei gestatte ich mir, Ihnen einen Leserbrief an Le Monde z.Kts. zu bringen. In dem Artikel von Prof. Martin Wolf werden Sie verschiedentlich – in kritischer Absicht –zitiert. Prof.Wolf gehört – wie Christine Lagarde u.a. – zu den so genannten „Salden-Mechanikern“, die dem deutschen Export-lastigen Wirtschaftsmodell vorwerfen, die Kaufkraft anderer Länder ab zu schöpfen. Wie der heutigen FAZ zu entnehmen, scheint auch Ihr französischer Kollege Jean-Paul Fitoussi ähnlich zu denken. Selbstverständlich wäre idealiter – ich bin nicht Ökonom, sondern habe lediglich Soziologie studiert – wünschenswert, daß alle Volkswirtschaften der Welt miteinander in einem ausgeglichenen Handels- und Leistungsaustausc h stehen sollten. Aus strukturellen Gründen (z.Bsp. fehlender Mittelstand), aber insbesondere auch aus einer nicht auf Stabilität und Leistung ausgerichteten Wirtschafts- und Finanzpolitik ist aber dieses anzustrebende „Equilibrium“ eben nur ein prinzipielles Ziel. Vielleicht wäre es richtig, wenn auch Sie als maßgeblicher Ökonom Deutschlands einmal in Le Monde aus Ihrer eigenen Sicht Stellung nähmen? Mit den besten Grüßen nach München sigurd schmidt
Sehr geehrter Herr Schmidt, ich kenne diese Denkmuster. Martin Wolf hat auch schon in der FT gegen mich argumentiert. Auch aus Kreisen um die deutsche Regierung habe ich schon schuldbewußte Äußerungen zu den deutschen Überschüssen gehört, die zeigen, dass man gar nicht versteht, dass es hier um Kapitalabwanderung geht, die das Land heruntergezogen hat. Die keynesianische Saldenmechanik beherrscht das Denken vieler, leider. Ich habe in dem angehängten Beitrag "Rescuing Europe" schon dagegen angeschrieben und werde es weiter tun. Martin Wolf hat darauf reagiert. Mal sehen, welche internationale Zeitschrift Interesse an meiner Meinung hat. Nochmals vielen Dank für den Hinweis. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr verehrter Herr Professor Sinn, Mit besonderem Genuss habe ich Ihren Beitrag „Euro Krise“ in Schnelldienst gelesen. Mit dessen europabezogener Analyse stimme ich hundertprozentig überein und gratuliere Ihnen für Ihre prägnante Darstellung. In eineinhalb kleinen Punkten bin ich leicht anderer Meinung. Sie beziehen sich alle auf die Gegenseite des Eurodollarkurses, nämlich die Einflüsse über den Dollarwert. Erstens: S. 8 rechts oben hätte ich geschrieben „dass das......verringerte Aufwertungserwartungen (statt: Abwertungserwartungen) für den Euro erzeugt.“ Ihre Abb. 1 zeigt ja eine Trendabwertung für den US Dollar (0.87 auf cca 1.60 Dollar pro Euro Mitte 2008 oder 0.87 auf 1.23 Dollar pro Euro jetzt). Die laufenden Leistungsbilanzdefizite der USA und nunmehr die hohen Staatsbudget Defizite, welche von den griechischen kaum abweichen, müssen langfristig gesehen den Dollar abwerten. Besonders pervers fand ich daher die Mahnung der USA an Deutschland, Konjunkturankurbelungen der USA mittels Deficit-Spending nicht durch übermäßiges deutsches Sparen zu konterkarieren! Der halbe Punkt betrifft etwas von Ihnen Unerwähntes: Der Wechselkurs des Euro (Ihre Abbildung 1) zeigt zwei markante Zacken nach unten, die m. E. vor allem auf rationale Kapitalfluchtbewegungen finanzmarktunkundiger ausländischer Privater zurückgehen. Im Herbst 2008 hätte wegen der dort ausbrechenden Finanzmarktkrise der Dollar gerade weiter abwerten müssen. Stattdessen wertete er auf, weil viele Russen den Rubel angesichts des Preisabsturzes von Erdöl flohen. (Natürlich repatriierten auch US Banken und Unternehmen ihre verbliebenen Auslandsveranlagungen). Und der zweite Zacken 2010: Das erste, was die privaten Griechen taten, war in gigantischem Ausmaß Gelder aus Griechenland hinaus ins Ausland, vielfach das Euro-Ausland, zu verlagern. Sie spekulierten damit gegen ihre eigene Regierung und gegen den Euro, wobei gerade die Griechen – und vielleicht auch noch manche Italiener – diejenigen sind, die noch immer nicht an den Euro glauben. Außerdem: wenn man zusätzlich besteuert werden soll, ist es am besten, sein Geld (dort unsichtbar) ins Ausland zu verlagern. Der halbe Punkt, den Sie vielleicht erwähnen hätten können, wäre somit die doppelte Schuld der Griechen: Die Regierung hat zu lange Budgetdefizite gefahren und die Privaten spekulierten letztlich gegen ihre eigene Währung. Ich verbleibe mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung ganz Ihr E. W. Streissler
Lieber Herr Streißler, vielen Dank für Ihr Lob. Es freut mich sehr, dass Sie der Analyse zustimmen, denn Ihr Wort hat Gewicht. Bei beiden Punkten gebe ich Ihnen Recht. Beim zweiten würde ich noch anfügen, dass der Dollar auch deshalb in der Krise gestiegen ist, weil die Amerikanischen Banken sich nach dem Zusammenbruch des Interbankenmarktes in Euro verschuldet und die Euros dann in Dollar umgetauscht haben. Das hatte ich schon in der ersten Auflage des Kasinokapitalismus geschrieben, und ich hatte prognostiziert, dass der Dollar wieder schwach werden würde, wenn der Interbankenmarkt in den USA wieder ins Laufen kommt. So war es dann auch. Das ergänzt Ihre Aussage, dass man seine Mittel aus Europa zurückgerufen hat, was fast derselbe Vorgang ist. Ihr Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Professor Sinn, bin dieses Jahr 70 Jahre alt geworden und verstehe Ihre Argumentation von einem „sozial gerechten Sparpaket“ nicht. Vielleicht erläutern Sie es mir bitte, woran ich eine Beteiligung der oberen Einkommensschichten erkennen kann. Spitzensteuersatz? Vermögenssteuer? Es geht um das Gerechtigkeitsgefühl der Bürger. So sind wir auf dem weiteren Weg von zwei Bevölkerungsanteilen. 1. Nichtwähler, 2. Wähler der Partei Die Linken. Mit freundlichen Grüßen S.
Sehr geehrter Herr S., als sozial gerecht empfand ich es als Beamter, dass auch die Beamtengehälter um 2,5% gekürzt werden sollen. Im Übrigen kann man soziale Leistungen nur in dem Maße gewähren, wie die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft das zulässt. Die Leistungseinkommen sind in dieser Krise stark gefallen, insbesondere die Gewinneinkommen. Deswegen müssen nun auch die daraus bezahlen Sozialeinkommen fallen. Würde man die Leistungseinkommen nochmal durch Erhöhung der Steuersätze kürzen, würden sie zweimal fallen. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Sinn, zu dem Standpunkt "Griechisches Geschäftsmodell" habe ich - als volkswirtschaftlicher Laie - eine Grundsatzfrage. Kann ein Land mit einem Leistungsbilanzdefizit von z. B. 3% dieses nicht dauerhaft finanzieren, wenn es gleichzeitig eine Sparrate von 3% hat, ohne sich zu verschulden (Einkommen und Vermögen von Einwohnern und Staat der Einfachheit halber zusammengenommen)? Andererseits gelingt es Ländern mit regelmäßig positiver Leistungsbilanz (wie Deutschland) offenbar problemlos, sich zu verschulden. D. h. meine Frage lautet im Prinzip, wie sind Leistungsbilanz und Neuverschuldung mathematisch gekoppelt? Mit freundlichem Gruß, Gunther Mair
Sehr geehrter Herr Mair, definitorisch ist die Summe aus der privaten Ersparnis, der öffentlichen Ersparnis und dem Leistungsbilanzdefizit gleich der Investition. Ein Land, das privat 3% des BIP spart und 3% Leistungsbilanzdefizit hat, hat eine Summe aus staatlichem Defizit und gesamtwirtschaftlicher Investition von 6%. Ich weiß nicht, ob Ihnen dies weiter hilft. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Sinn, im Zusammenhang mit der m.E. unverantwortlichen Reaktion seitens unserer Politiker auf die Staatsschuldenkrise und vor dem Hintergrund, dass Länder wie Griechenland nicht beabsichtigen, die Eurozone zu verlassen, stellt sich mir die Frage, ob nicht als Ultima Ratio Deutschland die Währungsunion verlassen sollte (vgl. z.B. den Aufsatz von Prof. Dr. Meyer, Helmut-Schmid-Universität "Währungsdesintegration in der EURO-Zone", Jan.2010), da man m.E. (leider) beim Euro nicht mehr von einer langfristig stabilen Währung ausgehen kann und eine Entwicklung hin zu einer Transferunion/Übernahme der Schulden anderer Länder nicht einzusehen ist. Wie schätzen Sie die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Rückübertragung der Währungshoheit ein? Vielfach wird ja die Ansicht vertreten, dass es dann zu einer starken Aufwertung der neuen D-Mark kommen würde, die zu einer erheblichen Beeinträchtigung der deutschen Exporte führen könnte, was letztlich zu einer Rezession führen könnte. Wie ist Ihre Meinung hierzu?
Sehr geehrter Herr Kempgen, ich bin gegen einen Austritt. Aber eine Rezession gibt es sicher nicht. Deutschlands Wachstumsschwäche ist auch das Resultat des Euro. Es ist uns sehr viel Kapital weggelaufen, was woanders einen Wirtschaftsboom und bei uns ene Dauerflaute erzeugte. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
"Abwertung im Euroraum" - was meinen Sie damit, verehrter Herr Sinn? Eine Abweretung des Euro (gegenüber dem US-Dollar u. a.) hilft auch Griechenland (und ist insoweit nicht zu dramatisieren). Eine Abwertung der Drachme, d. h. ein Ausscheiden des Landes aus dem Euroraum, käme Hellas und seine Partnern in Europa - insbesondere deren Banken - demgegenüber sehr viel teurer (siehe auch Ihre Bemerkung zum IWF). Bankanalysten schließen im Übrigen nicht aus, dass Griechenland - dank auch den Sparbemühungen der neuen griechischen Regierung unter Premierminister Papandreou - eine "Turnaround-Story" werden könne.
Lieber Herr Barth, Abwertung im Euroraum heißt Senkung der Löhne und Preise relativ zu den anderen Ländern. Deutschland hat eine solche innerer Abwertung über einen längeren Zeitraum hinbekommen, freilich nicht in der Größenordnung, wie ihn Griechenland braucht. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn
Sehr geehrter Herr Prof. Sinn, in verschiedenen Medienbeiträgen zur Finanzmarktkrise aüßerten Sie, Griechenland könne seine Schulden niemals zurückzahlen. Das klingt populär, ist volkswirtschaftlich betrachtet aber ein völlig abwegiges Argument. Welcher Staat, Deutschland eingeschlossen, so frage ich Sie, kann jemals seine Schulden zurückzahlen, und welche Folgen hätte ein solches Ansinnen für die jeweils nationale und globale wirtschaftliche Entwicklung? Worum es im Fall Griechenland und anderer hochverschuldeter Staaten geht, ist, das Vertrauen der Kapitalmärkte (der privaten Gläubiger) in die Defizitländer zurückzugewinnen, so dass die Schulden über die internationalen Finanzmärkte (zu verträglichen Zinsen) finanziert werden können und es des Beistands der internationalen Staatengemeinschaft (des IWF und der EU, darunter Deutschland) nicht mehr bedarf. Diesem Ziel erweisen Sie mit Ihrer Aussage und der daran geknüpften Forderung, Griechenland solle aus der Europäischen Währungsunion ausgeschlossen werden, einen Bärendienst. Auch aus politökonomischen Gründen macht eine solche Forderung, jedenfalls um das bekannten Wochenende herum und in der gegenwärtigen Krisensituation, weder eu-rechtlich noch faktisch Sinn. Ich möchte Sie daher angesichts der Aufmerksamkeit, die sie in der Öffentlichkeit finden, dringend bitten, ihre Argumente in Bezug auf die (0ber- und Unter-)Grenzen der öffenlichen Verschuldung sorgfältiger zu bedenken und sich zukukünftig (zum Beispiel in der bevorstehenden Ifo-Jahresversammlung) vorsichtiger zu äußern. Freundliche Grüße von Ihrem aufmersamen Zuhörer Wolfgang Barth
Sehr geehrter Herr Barth, vielen Dank für Ihre Nachricht. Zuerst einmal: Ich habe nie gefordert oder empfohlen, Griechenland aus dem Euro auszuschließen. Ich weiß nicht, welcher Sekundärquelle Sie das entnehmen wollen. Aus meinem Mund oder aus meiner Feder haben Sie das jedenfalls nicht. Ich habe nur gesagt, dass ein Austritt mit einer offenen Abwertung für Griechenland besser ist als eine Abwertung im Euroraum, und das ist etwas anderes. Sodann habe ich darauf verwiesen, dass Griechenland kein tragfähiges Geschäftsmodell hat, weil sein Leistungsbilanzdefizit 11% des BIP beträgt. Das muss finanziert werden. Es gibt keine historischen Beispiele dafür, dass ein Land ein solches Defizit hatte und herauskam, ohne abzuwerten. Die Vorstellung, Griechenland könnte das Vertrauen der Kapitalmärkte zurückgewinnen und dann aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig werden, indem es Schuldendisziplin übt und dann so billig wird, bis die Wettbewerbsfähigkeit hergestellt ist, wird von der Politik zwar aufrecht erhalten. Ich halte sie aber für abwegig. Sie läuft auf Konkursverschleppung hinaus und wird den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Sie haben schon Recht, dass ein Staat seine Schulden im wörtlichen Sinne nicht wirklich zurückzahlen muss. Mit der Äußerung habe ich gemeint, dass Griechenland seinen Schuldendienst nicht aus eigener Kraft wird bezahlen können, sondern nur, wenn wir ihm mit verbilligten Zinsen oder neuen Finanztransfers die Last abnehmen. Bei einer geschätzten Schuldenquote von 150% nächstes Jahr und Zinsen in der Größenordnung von 10 bis 15%, wie sie ohne die Hilfen sicherlich wieder fällig gewesen wären (wie vor der Euro-Zeit), wären das zunächst 15% bis 22,5% des BIP bei aber weiterhin steigender Tendenz. Zugleich wird das Land zu einer Austerity-Politik gezwungen, das eine Schrumpfung des BIP impliziert. Lettland hat das vorgemacht. Das Land ist allein letztes Jahr um 18% geschrumpft. Ob das reicht, um das griechische Leistungsbilanzdefizit bereits auf Normalmaß zu reduzieren, wage ich zu bezweifeln. Der IMF verlangt in ähnlichen Fällen eine Abwertung um ein Drittel. Dann liegt der Zinsendienst schon bei 23% bis 34% des BIP, ein Ding der Unmöglichkeit. Mit freundlichem Gruß Hans-Werner Sinn